Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       DIE VERSORGUNGSFRAGE UND DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION
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       Susanne Petersen
       
       Keine große  Revolution -  schon gar nicht die Französische - ist
       aus dem Hunger geboren; weder erzeugt Hunger automatisch Revolte,
       noch sind  Versorgungsunruhen zwangsläufig revolutionär. Eine Ge-
       sellschaftsordnung, die  historisch nicht überlebt ist, die nicht
       auch in einer allumfassenden politischen, ökonomischen und sozia-
       len Krise  steckt, die nicht auf allen Ebenen Potenzen freisetzt,
       die sich  auf Reformen nicht ausschließlich mehr beschränken las-
       sen -  eine derartige Gesellschaft würde kaum unter einer Hunger-
       revolte zusammenbrechen.  Bei Erforschung von Ursachen, Anlaß und
       Verlauf von  Revolutionen hilft es wenig, den Hunger in vulgärma-
       terialistischer Manier  als revolutionäre  "Triebkraft" zu  über-
       schätzen oder  die Revolution  auf eine Kalorienfrage zu reduzie-
       ren. Wichtig ist aber, seinen Einfluß auf die Motive der Handeln-
       den, der Passiven oder Oppositionellen zu ergründen, im Vergleich
       mit  vorrevolutionären  Hungerunruhen  Ähnlichkeiten  wie  Unter-
       schiede zu  jenen der  Revolutionszeit herauszuarbeiten  und  die
       alltäglichen Lebensbedingungen  der Masse der Bevölkerung so weit
       wie möglich  zu konkretisieren.  Denn anders  wird es  schwerlich
       möglich sein, die Wurzeln von Angst, Panik oder Gewalt, aber auch
       von Hoffnung,  Begeisterung und Patriotismus bis zu ihren Spitzen
       zurückzuverfolgen.
       Obwohl Frankreich  1709/10 seine  letzte große  Hungersnot erlebt
       hatte, beobachteten die Herrschenden auch im weiteren Verlauf des
       18. Jahrhunderts  die Versorgungsfrage mit besonderer Aufmerksam-
       keit.  Denn   der  Brotkonsum   war  damals  (und  nicht  nur  in
       Frankreich) wesentlich höher und bedeutender als heute: Brot bil-
       dete in  Europa sowie  im Mittelmeerraum  d i e  Ernährungsgrund-
       lage. Die  Bemühungen der  historischen Ernährungsforschung,  ein
       genaues, chronologisch  sowie nach Regionen und sozialer Position
       differenziertes Bild  von der Versorgungslage und den Ernährungs-
       gewohnheiten der  französischen Bevölkerung im 18. Jahrhundert zu
       zeichnen, stoßen  auf große  Schwierigkeiten und methodische Pro-
       bleme. 1)  Fest steht, daß sich in Frankreich früher als in ande-
       ren Ländern  das Weizenbrot  als wichtigstes  Grundnahrungsmittel
       durchsetzte. Die  durchschnittlichen Tagesrationen  bewegten sich
       zwischen 500  g und 1,2 kg Brot pro Person und Tag; von 700-800 g
       Brot aufwärts  wurden die Rationen als ausreichend angesehen, wo-
       bei für  Männer stets  ein höherer Bedarf als für Frauen und noch
       viel weniger für Kinder angesetzt wurde. Je nach Preis- und Lohn-
       niveau konnten  die Ausgaben  für  Brot  50-90%  einer  einfachen
       Durchschnittsfamilie ausmachen.  Im  Unterschied  dazu  sank  die
       Fleischversorgung im 17. und 18. Jahrhundert landesweit (wie auch
       auf dem  übrigen europäischen  Festland).  Aber  es  ist  bislang
       selbst für Paris kaum möglich, den Fleischanteil an der Ernährung
       sozialdifferenziert in bestimmten Perioden zu ermessen. Verallge-
       meinernd wird  für Paris  am Vorabend  der Revolution gesagt, daß
       nur die vornehmen Pariser Haushalte erstklassiges Rindfleisch er-
       hielten, während  mindere Ware  mit Knochen  ans  Volk  ging  und
       Schlachtabfalle sowie  Innereien außerhalb der Schlachtereien Ar-
       men angeboten  wurden. 2)  Aber immerhin  sah auch das Allgemeine
       Maximum Höchstpreise verschiedener Fleischsorten vor, gaben Unru-
       hen vor den Schlachtereien zur öffentlichen Sorge Anlaß und führ-
       ten sogar  im Jahre II zu einer Fleischrationierung - alles Indi-
       zien dafür,  daß Fleisch  auch eine  wachsende Bedeutung  für das
       einfache Volk  besaß. Was die Getränke angeht, so ist der relativ
       hohe Weinkonsum,  der vom  späten Mittelalter bis zur Neuzeit be-
       legt und  auch im übrigen Europa anzutreffen ist, ein Zeichen da-
       für, daß viele Menschen vor Wasser als Getränk wegen seiner hohen
       Verschmutzung zurückschreckten. Hinzu kam, daß in Notzeiten Kalo-
       rieneinbußen durch  höheren Alkoholkonsum  kompensiert wurden. In
       Paris ging  der Bierverbrauch in der letzten Hälfte des 18. Jahr-
       hunderts erheblich  zurück, während  der Milch"kaffee" eine wach-
       sende Bedeutung  für die  Ernährung von  Pariser Tagelöhnern  er-
       hielt. Bei  anderen Lebensmitteln sind nur grobe Tendenzen zu um-
       reißen: extrem  wenig Milchprodukte, Fisch in einigen Fällen, vor
       allem an  der Küste  oder  in  der  Nähe  fischreicher  Gewässer,
       manchmal Käse,  Butter oder  Öl, viele  Suppen, aber kaum Gemüse.
       Gerade bei  den letztgenannten  Konsumartikeln mögen  die  Unter-
       schiede in Stadt und Land erheblich gewesen sein. Neuere Untersu-
       chungen betonen  die Bedeutung von Kneipen für die Volksernährung
       der größeren  Städte; dies  gilt besonders auch für die Vorstadt-
       kneipen, die  wesentlich billiger waren, weil sie weniger Steuern
       zu entrichten hatten. Noch kostengünstiger war die Versorgung mit
       Essensresten verschiedener Kategorien, auf die sich allein in Pa-
       ris ca. 6000 Personen, insbesondere Frauen, spezialisiert hatten.
       3) Fundierte  Untersuchungen zum  gesamten  Pariser  Hallen-  und
       Marktkomplex sowie  zu den  Bäckereien fehlen aber für das Ancien
       Regime wie für die Revolutionszeit. Besondere Schwierigkeiten be-
       reitet die Rekonstruktion der Konsumgewohnheiten von Kleinbauern,
       Landlosen und  Tagelöhnern, weil sich ihr Konsum eigener Produkte
       so schwer  ermessen läßt.  Braudel spricht  zwar davon, daß "der"
       Bauer häufig  mehr als  seine Überschüsse und vor allem seine be-
       sten Erzeugnisse wie Geflügel, Eier oder Kleinvieh verkauft, sich
       selbst vornehmlich mit Hirse und Mais als Brei oder Suppe ernährt
       und allenfalls einmal die Woche gepökeltes Schweinefleisch geges-
       sen habe, aber seine Beschreibung stützt sich vor allem auf Zeit-
       zeugen, weniger auf eigene Untersuchungen. 4)
       Nicht die  gesamte französische  Bevölkerung ernährte  sich  also
       gleichermaßen und  von den gleichen Speisen, aber im wesentlichen
       doch von Brot. 5) Vom Angebot an Getreide, vor allem Weizen, hing
       also ihre Versorgung ab. Dies mußte sich aber einfach deshalb im-
       mer schwieriger  gestalten, weil das rasante Bevölkerungswachstum
       - von  ca. 22  auf 28  Millionen im  Laufe des 18. Jahrhunderts -
       nicht durch  eine nennenswerte  Entwicklung der landwirtschaftli-
       chen Produktivität kompensiert werden konnte: Nach wie vor wurden
       auf ein  ausgesätes nur sechs Körner geerntet, und wenn - was al-
       lerdings geschah  - die  Anbauflächen ausgedehnt  wurden, so ging
       dies zu Lasten der Viehwirtschaft und damit wiederum, weil Dünger
       ausfiel und  weniger fruchtbare  Böden unter  den Pflug  genommen
       wurden, zu  Lasten der Produktivität des Ackerbaus. 6) Daß dieser
       säkulare Prozeß  der Auseinanderentwicklung von Bevölkerungs- und
       Produktivitätsentwicklung allen  Versorgungskrisen letztlich  zu-
       grundelag, konnte  von den betroffenen Zeitgenossen freilich kaum
       wahrgenommen werden  - daher  auch, wie noch zu zeigen sein wird,
       die tief  in der Volksmentalität verankerte Neigung, nach persön-
       lich haftbar  zu machenden "Schuldigen" zu suchen und "Komplotte"
       aufzudecken. Nicht  zu übersehen  war andererseits  die gleichsam
       zwangsläufige Folge  dieses Prozesses:  In der zweiten Hälfte des
       18. Jahrhunderts  stieg der  Getreidepreis um  52%. Für den Markt
       produzierende Großbauern  profitierten davon,  während Tagelöhner
       und Kleinbauern die in Naturalien erhobenen Feudalabgaben, spezi-
       ell den  Kirchenzehnten, als  umso drückender empfanden, weil sie
       selbst Brot  kaufen mußten.  Gleiches gilt  für  die  städtischen
       Volksmassen, deren Einkommen hinter der rasanten Preisentwicklung
       weit zurückblieben  - die  Löhne der Bauarbeiter etwa stiegen nur
       um 25%  -; unmittelbar vor der Revolution mußten sie 90% und mehr
       nur für den Brotbedarf ihrer Familie aufwenden. 7)
       Wenn das  Getreide knapper wird, so verschärfen sich die Probleme
       der Verteilung  - dies  schon in  rein technischer Hinsicht. Denn
       die Verkehrsverbindungen  waren schlecht.  Das  schwere  Getreide
       wurde am  kostengünstigsten und  schnellsten auf  dem  Wasserwege
       verfrachtet, aber wie mangelhaft war das Kanalsystem und in welch
       lamentablem Zustand  befanden sich Wege und Fuhrwerke! Auch konn-
       ten die  größeren Städte  mit Ausnahme Marseilles nicht durch die
       Küstenschiffahrt beliefert  werden wie  in England.  Hinzu  kamen
       Konservierungsprobleme von  Getreide bzw. Mehl, die erst kurz vor
       der Revolution  wichtige Neuerungen erfuhren. So konnte es selbst
       in Jahren  mit "normaler/ausreichender"  Ernte doch zu regionalen
       Engpässen, Teuerungen, Hungersnöten kommen. 8)
       Im Hinblick  auf die landwirtschaftliche Struktur wird Frankreich
       gemeinhin in  drei Zonen  unterteilt: 9) Nördlich der Loire domi-
       nierten großbäuerliche  Besitzungen; als "Kornkammer" Frankreichs
       war diese  Zone für die Versorgung der Hauptstadt, anderer größe-
       rer Städte und bei vorzüglichen Ernten gar für den Export zustän-
       dig. Zur  zweiten Zone  zählten die gebirgigen bzw. hügeligen Ge-
       biete im  Landesinnern sowie an den Grenzen (Alpen, Pyrenäen, Ce-
       vennen, Auvergne), für die eine Produktion auf kleiner Stufenlei-
       ter sowie  ein gewisser Viehbestand charakteristisch war. Ihr Ge-
       treide reichte zumeist nicht einmal dazu, den Eigenbedarf zu dec-
       ken, geschweige  denn, andere  Märkte zu  beliefern oder  größere
       Städte zu versorgen. Die Bauern dieser Region traten häufig schon
       im Winter  als Käufer  auf. Die  dritte Zone  schließlich bildete
       Südfrankreich, das  Land des  Oliven- und  Weinanbaus. In einigen
       Regionen erreichte der Wein eine solche Güte, daß die Bauern sich
       vollends darauf  konzentrierten, auf kleinen Gütern eine exporto-
       rientierte Monokultur  zu betreiben,  und so für ihren Brotkonsum
       fast gänzlich auf den Erwerb angewiesen waren. Es erwies sich als
       ausgesprochen günstig,  daß sich  im Verlauf des 18. Jahrhunderts
       Marseille zu einer Anlaufstelle auch für Getreideimporte (aus Si-
       zilien) entwickelte. Im Süden litten die Bauern allerdings erheb-
       lich unter  dem Verfall  des Weinpreises in den 80er Jahren sowie
       unter einer Dezimierung des Viehbestands.
       Versorgungsprobleme ergaben  sich nicht nur aus diesen regionalen
       Unterschieden, sondern  auch durch den immensen Bedarf der Haupt-
       stadt Paris,  deren 700000-800000 Einwohner auf Kosten des Umlan-
       des und der Reichtümer der Zone 1 lebten: 10) Ausgewählte Pariser
       Getreide- und  Mehlhändler genossen Vorkaufsrechte in einer 8-10-
       Meilen-Zone rund  um die Hauptstadt. Hunderte von Bäckern des Um-
       landes belieferten  die Pariser  Märkte allwöchentlich  mit Brot.
       Darüber hinaus  kam Paris, wie andere Großstädte auch, in den Ge-
       nuß ausländischer  Getreideeinkäufe, und  der  König  beauftragte
       eine Handelsgesellschaft damit, ausreichende Vorräte für den Kri-
       senfall anzulegen. Trotzdem war die Pariser Versorgung potentiell
       gefährdet, weil  die Verkehrsverbindungen langwierig, kostspielig
       und anfällig  blieben, und  Schwankungen in Angebot und Nachfrage
       mit erheblichen Preiseinbrüchen und Panikreaktionen nicht verhin-
       dert werden  konnten. Allerdings  zeichneten sich  in der zweiten
       Hälfte des  18. Jahrhunderts auch wichtige Verbesserungen ab: Der
       Mehlhandel gewann  wesentlich größere Bedeutung als der Getreide-
       handel, wodurch der Weg vom Produzenten zum Konsumenten verkürzt,
       billiger und - angesichts der bewirkten technologischen Verbesse-
       rungen - auch effektiver wurde.
       Diese aus  regionalen wie lokalen Unterschieden erwachsenden Pro-
       bleme erhielten zusätzliche Impulse von saisonalen Erscheinungen:
       11) So gab es in jedem Erntejahr potentiell krisenanfällige Peri-
       oden, die sich in Engpässen bei größeren Märkten zeigten: Mai bis
       Mitte August  galt als  gefährdete Phase  in  Nordfrankreich;  im
       Süden April  bis Mitte  Juli. Die  Vorerntezeit war  zugleich die
       Phase mit  den höchsten Getreidepreisen und den geringsten Vorrä-
       ten. Besonders  viele Transportbehinderungen  ereigneten sich  im
       März und  April, weil  dann auch  die ländlichen Kleinproduzenten
       schon selbst  Getreide einkaufen mußten und die Flüsse wieder be-
       schiffbar waren.  Interessanterweise gab  es unmittelbar nach der
       Ernte gewöhnlich  nur wenige  Unruhen  und  Taxierungsbewegungen,
       auch wenn  die Aussaat  drängte, das Korn gedroschen und gemahlen
       werden mußte,  also jene  nicht sofort zur Entspannung der Markt-
       versorgung beitragen konnte. Das lag wohl vor allen Dingen daran,
       daß in  den ersten  Monaten nach  der Ernte  noch gar nicht abzu-
       schätzen war, wie gut oder schlecht sie national ausgefallen war.
       Auch hinsichtlich  der Marktversorgung und der Hauptabnehmer las-
       sen sich  drei Phasen  unterscheiden: 12)  Die Kleinbauern mußten
       ihre Ernteerträge  sofort auf  den Markt  werfen, d.h.,  von Ende
       September bis  Dezember verkauften  sie zu Niedrigstpreisen, weil
       sie über  keinerlei Rücklagen  verfügten, um mindestens die näch-
       ste, von Dezember bis Ostern reichende Phase mit ihren steigenden
       Preisen abwarten zu können. Auf den Märkten dominierten jetzt die
       Mittelbauern, während  die Kleinbauern  schon als  Konsumenten in
       Erscheinung traten.  Die letzte Phase schließlich, von Ostern bis
       September, war  die Zeit  der Großbauern und Getreidegroßhändler,
       denen sich  alle übrigen  ausgeliefert fühlten.  Denn sie  allein
       verfügten über ausreichend hohe Rücklagen, so daß sie diese Phase
       höchster Preise  und Gewinne geduldig abwarten konnten, bevor sie
       auf den  Märkten als Anbieter und nicht länger als Aufkäufer bil-
       liger Getreideangebote auftraten. Aber es gab nicht nur bestimmte
       Monate, die für Versorgungsunruhen prädestiniert waren, es lassen
       sich auch  bestimmte Wochentage 13) ausmachen, an denen es beson-
       ders oft  zu Taxierungsaktionen  bzw. Transportbehinderungen kam:
       Stets handelte  es sich um Markttage. Montage waren besonders ge-
       fürchtet als Tage, die für Trinkerei und Nichtstuerei berühmt wa-
       ren. Nach  Einführung des  Revolutionskalenders verlagerten  sich
       die Unruhen häufig auf den 10. Tag, den Feiertag der Dekade.
       Unter dem  Eindruck der säkularen Teuerung des wichtigsten Grund-
       nahrungsmittels, den davon zusätzlich verstärkten regionalen Dis-
       paritäten und  verschärften saisonalen  bzw. alltäglichen Versor-
       gungsproblemen sowie  den politischen  Potenzen, die Versorgungs-
       schwierigkeiten freisetzten,  griffen die  Regierungen des Ancien
       Regime in  Notzeiten mit  Reglementierung in die Produktions- und
       Distributionssphäre  ein.  14)  Der  damaligen  paternalistischen
       Ideologie zufolge  mußte "der Staat" bzw. der König wie ein Fami-
       lienvater für  "sein Volk" sorgen. Sein dirigistisches Instrumen-
       tarium reichte  vom Zwang, alles Getreide auf dem Markt verkaufen
       zu müssen,  über Vorratsangaben, -kontrollen und -requirierungen,
       Preisfestsetzungen, Qualitäts-  und  Gewichtskontrollen,  die  in
       Notzeiten besonders den Bäckern, aber auch den Getreide-und Mehl-
       händlern sowie  den Müllern  galten. Reichten die heimischen Vor-
       räte nicht aus, so subventionierte die Regierung Getreideeinkäufe
       großen Stils im Ausland, besonders in den baltischen Ländern, Ir-
       land, Amerika oder Sizilien bzw. begünstigte Handelskompanien al-
       ten Stils gegenüber Privathändlern. All diese Eingriffe waren der
       Handelsbourgeoisie ein  Dorn im  Auge, und sie fand eloquente Un-
       terstützung durch  die Physiokraten und Aufklärer, die sich wort-
       gewaltig für die uneingeschränkte Handelsfreiheit einsetzten, als
       conditio sine  qua non zur Schaffung eines nationalen Marktes. In
       den Jahren 1764 und 1774-76 hatten sie Erfolg. Aber die Umsetzung
       dieser Liberalisierungsversuche  scheiterte nun  nicht nur  - wie
       von Zeitgenossen und Historikern gern angeführt - an überkommenen
       Vorurteilen,  sondern   an  den   ökonomischen  Rahmenbedingungen
       selbst, mit ihren erheblichen Distributionsproblemen, der relativ
       niedrigen Produktivität  und den  regionalen  Unterschieden.  Dir
       Scheitern stärkte  auf der  anderen Seite die Reglementierungsbe-
       fürworter und  vergrößerte die  populäre Abneigung gegen die Han-
       delsfreiheit ebenso  wie die  alten Ängste  vor einem  Hungerkom-
       plott. 15)
       Wie nun  reagierte die  von Brot  abhängige Bevölkerung  auf Eng-
       pässe, Teuerung  oder schlechte Ernteprognosen? Schon in vorrevo-
       lutionärer Zeit  hatte der Hunger latent vorhandene Interessendi-
       vergenzen immer  wieder neu aufbrechen lassen 16): Die Konkurrenz
       der Städte  um vorhandene  Getreideressourcen, alle  Städte gegen
       eine Bevorzugung  von Paris, städtische gegen ländliche Konsumen-
       ten, kleinstädtische  Konsumenten gegen  bäuerliche  Produzenten,
       Großbauern gegen  Kleinbauern, getreideproduzierende Regionen ge-
       gen getreidearme  Gebiete  ...  Die  Vielzahl  potentieller  Kon-
       fliktherde, ihrer sozialen Konsequenzen und Überlagerungsmöglich-
       keiten, unterstreicht, wie wichtig es ist, bei jeder Versorgungs-
       unruhe den  lokalen, sozialen  und nationalen  Kontext zu berück-
       sichtigen. Auch  offenbart diese  Vielfalt, wieviel  Dynamik eine
       Verschärfung des  Hungers in sich barg, was sich in Partikularis-
       mus, Regionalismus und Separatismus Luft verschaffen konnte - ein
       Aspekt, der  für die Ursachenforschung konterrevolutionärer Bewe-
       gungen von großer Bedeutung ist.
       Es waren  zumeist Frauen, die die Verantwortung für die Ernährung
       aller Familienmitglieder  trugen, denn  sie hatten  oftmals keine
       festen Stellen,  fielen durch Geburt, Wochenbett oder Stillzeiten
       zwangsläufig häufiger  aus und  verdienten stets weniger als Män-
       ner. Frauen  prägten das  Bild an  den neuralgischen  Punkten der
       städtischen Versorgung:  auf den Märkten oder vor den Bäckereien.
       Eine Unzahl von Dokumenten belegt 17), wie lange sie in Notzeiten
       um Brot anstanden, wie begierig sie jedes Gerücht aufgriffen, wie
       groß ihre  Ängste waren  und wie  sich langsam Unmut entwickelte,
       der sich  bald gegen den Produzenten, Lieferanten oder Verkäufer,
       bald gegen  die Konkurrenz  in den  eigenen Reihen richtete, oder
       auch ganz  pauschal gegen  "die Regierung" ging, die ihre Pflicht
       nicht erfüllte.  Und da  kleinbürgerliche und  plebejische Frauen
       über wenig  Geldmittel verfugten, um auf Vorrat einzukaufen, muß-
       ten sie  tagaus, tagein, bei welchem Wetter auch immer, oft stun-
       denlang und  mit drückenden  Lohneinbußen um Brot anstehen. Dabei
       lernten sich etliche Frauen schon deshalb besser kennen, weil sie
       bei Bäckern  der Nachbarschaft  für einen  gewissen Zeitraum  auf
       Pump einkaufen  konnten, oder  weil sie  sich ohnehin  schon  aus
       Nachbarschaft und von der Straße kannten.
       Nicht Einsicht in langfristige Transformationsprozesse prägte das
       Herangehen von  Frauen an  Versorgungskrisen, sondern  die  Suche
       nach konkreten  Ursachen und  dingfest zu  machenden Urhebern. In
       den Städten  gerieten als erste die Bäcker in Verdacht, die Krise
       auszuschlachten, Engpässe  künstlich hervorzurufen,  um die Brot-
       preise in die Höhe zu treiben, am Brotgewicht auf Kosten der Ver-
       braucher zu sparen oder die Qualität durch Beimischung minderwer-
       tiger Mehle  zu manipulieren.  18) Aber  auch Großbauern, private
       Getreidehändler oder Müller kamen ihnen vor allem deshalb ins Vi-
       sier, weil sie von ihnen so abhängig waren, während diese noch an
       ihrer Misere  verdienten. Auf  drohende Verelendung folgten nicht
       nur verbale Injurien. Manche Frauen resignierten, bettelten; doch
       nach einer gewissen Leidenszeit reichte oft ein kleiner Anlaß, um
       Frauen zu  Transportbehinderungen, Preisfestsetzungen, Ladenstür-
       men oder gar körperlichen Attacken, kurz, zu Aktionsformen zu be-
       wegen, die  illegal waren.  Die besonders aktive Rolle der Frauen
       bei derartigen  Tumulten erklärt  Hufton vor allem mit deren Ver-
       antwortung für  die Familie,  ihrer Angst  vor der Armut, die den
       Zusammenhalt der  Familie in  Frage  gestellt  hätte,  sowie  der
       Straffreiheit, auf  die Frauen gemeinhin rechnen konnten. 19) Di-
       rekte Bedürfnisbefriedigung  in der  Masse, die  anfangs spontan,
       dann aber  nach einem  bestimmten Ritual mit Anführerinnen, einer
       gewissen Ordnung, einem "Volksgesetz" ablief, lautete die Antwort
       vieler den Hunger fürchtender Frauen. Denn sobald "die Regierung"
       ihre Aufgabe  nicht erfüllte  und die Versorgungslage vieler Men-
       schen aufs  Spiel setzte, wurde es von den Betroffenen als durch-
       aus legitim  angesehen, selbst zur Tat zu schreiten, um ihr Über-
       leben sicherzustellen. Diese Konsequenz machte den entscheidenden
       Unterschied zwischen  der "moral  economy of the poor" (Thompson)
       20) und  der paternalistischen Ideologie eines Delamare aus. Hin-
       gegen suchten Frauen nur relativ selten (1 von 6 Verhaftungen bei
       Pariser Lebensmitteldelikten) einen Ausweg im individuellen Dieb-
       stahl. 21)
       Dominierten bei  den Brotkonsumenten  der Klein-  und  Großstädte
       sog. Taxierungsbewegungen  als Höhepunkte von Versorgungsunruhen,
       reagierte die konsumabhängige Landbevölkerung eher mit Transport-
       behinderungen -  ein wesentlicher  Unterschied, der  bis ins  19.
       Jahrhundert gültig  sein sollte.  Der Abtransport  von  Getreide,
       Mehl oder  Brot wurde  gestoppt, die  Ladung zu taxierten Preisen
       unter die unmittelbar Beteiligten und Herbeieilende verkauft, und
       manchmal wurden  auch neue  Festpreise für die Märkte eingeführt.
       Der sog. Mehlkrieg vom Mai 1775, der nach gescheiterten Liberali-
       sierungsversuchen in der Pariser Umgebung ausbrach, ist ein Indiz
       dafür, in welchem Maße Getreidelieferungen nach Paris verhaßt wa-
       ren, welche  Reaktion im  Krisenfalle  dadurch  ausgelöst  werden
       konnte 22)  - Impulse, die auch bei den ländlichen Versorgungsbe-
       wegungen der Revolutionszeit wieder aufzuspüren sind.
       So wichtig  es ist, die Versorgungsfrage und die durch sie ausge-
       lösten Reaktionen  von Konsumenten, Produzenten oder Herrschenden
       in der  longue durée,  d.h. von  Mitte des  17. bis Mitte des 19.
       Jahrhunderts zu  betrachten, weil  sie dieser vorkapitalistischen
       Phase eigentümliche Protestformen auslöste, so unerläßlich ist es
       aber auch,  bedeutende Einschnitte  zu markieren und im Vergleich
       zu früheren und späteren Perioden zu untersuchen. Eine solche Zä-
       sur markierte die Französische Revolution, insbesondere die Jahre
       1789"95, weil  der Versorgungsfrage nicht zuletzt des Krieges we-
       gen eine große bündnispolitische Brisanz zuwuchs.
       Die Beiträge  der klassischen  Revolutionshistoriographie, insbe-
       sondere von  Michelet, Jaures, Mathiez, Lefebvre, Soboul und Rudé
       unterstreichen mit wachsender Deutlichkeit, wie sehr Versorgungs-
       schwierigkeiten mit  ihrem  Mobilisierungseffekt  die  politische
       Entwicklung bis hin zur Jakobinerherrschaft und ihrem Ende mitbe-
       stimmt haben 23): Sei es, daß die schlechte Ernte von 1788/89 die
       Anhängerschaft  des  Ancien  Regime  drastisch  zusammenschmelzen
       ließ, sei  es, daß  sie so  mancher  journée  den  entscheidenden
       Impuls gab  oder konterrevolutionären  Bewegungen  mehr  Anhänger
       zutrieb.  Die  neugeschaffenen  Nationalversammlungen  reagierten
       unterschiedlich, je  nach Lage  der  Dinge  bzw.  dem  Druck  der
       Massen, wobei  allerdings der  Wille unverkennbar  war,  von  den
       alten Reglementierungen  für immer Abschied zu nehmen. Die Reprä-
       sentanten der  revolutionären  Bourgeoisie  hatten  die  Handels-
       freiheit auf  ihre Fahnen  geschrieben. Die  relativ guten Ernten
       der Jahre 1790/91 ließen die Versorgungsschwierigkeiten zumindest
       im  nationalen  Maßstab  etwas  in  den  Hintergrund  treten  und
       ermöglichten so,  daß erste Liberalisierungspläne realisiert wur-
       den.  Dann  aber  wirkten  sich  verschiedene  Faktoren  wie  die
       Verwaltungsneuordnung, vor  allem aber  Krieg und  Inflation,  so
       negativ aus,  daß unter  dem Eindruck  von Volksbewegungen wieder
       Abstriche vom  Liberalisierungsprogramm gemacht werden mußten. Im
       September 1792  wurden Getreidebestandszählungen  und  -requirie-
       rungen angeordnet,  die allerdings  schon wenige  Monate  später,
       Anfang Dezember 1792, der Proklamierung einer absoluten Getreide-
       handelsfreiheit zum Opfer fielen. Im Mai 1793 leitete dann das 1.
       Getreidemaximum -  wie halbherzig  auch immer  - eine Politik des
       Dirigismus ein,  die für  die Jakobinerherrschaft  später als ty-
       pisch gelten  sollte: Einrichtung von Vorratsmagazinen (9. August
       1793), Getreidebestandszählungen, national-einheitliche Getreide-
       höchstpreise (11.9.1793),  Allgemeines  Maximum  (29.9.1793)  mit
       seinem komplizierten  System von  variablen Höchstpreisen für die
       notwendigsten  Bedarfsgüter   und   -löhne,   Einrichtung   einer
       nationalen  Lebensmittelkommission,  die  sich  zur  Versorgungs-
       zentrale des  Landes entwickelte,  die Durchführung  des Maximums
       kontrollierte,  Getreideerträge   koordinierte,  Versorgung   von
       benachteiligten  Regionen   sowie  die   Belieferung  der  Armeen
       mitbetreute. Nach  dem Sturz  Robespierres und der Konsolidierung
       der bürgerlichen  Herrschaft machten die Thermidorianer schon we-
       nige Monate später mit dem Dirigismus und dem Allgemeinen Maximum
       Schluß, und  die Pariser Sansculotten erlebten einen der schlimm-
       sten Hungerwinter.
       Die beiden  großen Versorgungsdebatten  des girondistischen  Kon-
       vents (November/Dezember  1792; April/Mai  1793) verdienen beson-
       dere Aufmerksamkeit  deshalb, weil  sie die gründlichsten Kontro-
       versen über  das Prinzip  Handelsfreiheit bzw.  Dirigismus  waren
       24); sie  akzentuieren  die  wirtschaftspolitischen  Unterschiede
       zwischen Girondisten  und Montagnards  und  lenken  zugleich  den
       Blick auf  die bündnispolitischen  Konsequenzen der einen wie der
       anderen Position.  Das Ergebnis der ersten Debatte, die Dekretie-
       rung der absoluten Handelsfreiheit, stempelte die Pariser Sanscu-
       lotten zu den Verlierern, das der zweiten, die Dekretierung eines
       Getreidehöchstpreises, zu  den Gewinnern. Aber es waren nicht die
       hauptstädtischen Konsumenten gewesen, die eine Getreidepreisfest-
       setzung gefordert hatten, sondern Versailler Frauen und mit ihnen
       weite Teile der Landbevölkerung aus den benachteiligten Regionen.
       Die Pariser  Sansculottenbewegung setzte  sich vielmehr für einen
       niedrigen Brotpreis landesweit ein. Dennoch konnte auch die Pari-
       ser Volksbewegung  das 1.  Getreidemaximum als  einen  Teilerfolg
       verbuchen, weil sich damit das Prinzip: Höchstpreispolitik durch-
       gesetzt hatte.  Als unter  dem Eindruck  massiver Manifestationen
       der Pariser  Bevölkerung im  Herbst 1793  das Allgemeine  Maximum
       eingeführt wurde, fand eine prinzipielle Erörterung dieser massi-
       ven Einschränkung  liberaler  Wertvorstellungen  gar  nicht  mehr
       statt; es ging nur noch um den Modus.
       Die Betroffenen  brachten ihre überkommenen Ängste vor Brotmangel
       und Hungerkomplott  sowie ihre negativen Erlebnisse mit Liberali-
       sierungsversuchen und  ihre Erfahrungen  mit den  verschiedensten
       Protestformen in  die Revolution  mit ein. Als die Ernte 1789 be-
       sonders schlecht  ausfiel und  der Getreide-und Brotpreis in ganz
       Frankreich massiv  anzog, wurde  die  Versorgungsfrage  zu  einem
       wichtigen Impuls  bei den das ganze Land überziehenden antifeuda-
       len Volksbewegungen  der Grande Peur, sie prägte auch das sozial-
       ökonomische Umfeld des 14. Juli und stand im Zentrum des Marsches
       der Pariser  Frauen nach Versailles, am 5./6. Oktober 1789. Akti-
       onsformen wie  Inhalte und  Opfer der  Versorgungsunruhen blieben
       zunächst weitgehend  identisch mit  jenen des  Ancien Regimes und
       wie diese  Ausdruck  von  Hoffnungslosigkeit,  Protest  oder  dem
       Wunsch nach  sofortiger Existenzsicherung.  Aber es  mehrten sich
       die Anzeichen,  daß die  revolutionären Umbrüche die Versorgungs-
       frage auch  aus der  Sicht vieler  Betroffener zu einem Politikum
       werden ließen: Gegenüber dem traditionellen Repertoire von Formen
       reaktiven Protests  und tumultuarischer Auflehnung, das auch wei-
       terhin durchaus  ausgeschöpft wurde,  gewannen neue Aktionsformen
       an Gewicht,  die den  Anspruch auf  positive Gestaltung von Wirt-
       schaftspolitik deutlich  hervortreten ließen.  Neu war das Gegen-
       über: der  gewählte und  rechenschaftspflichtige Lebensmittelver-
       walter, neu  waren die politischen Hebel, die in Bewegung zu set-
       zen waren,  die institutionellen  Möglichkeiten der Einflußnahme,
       in Ansätzen  sogar einer  dauerhafteren Selbstorganisation - Aus-
       druck sansculottischer  Vorstellung und  Praxis direkter Demokra-
       tie. Gerade  in Paris,  diesem politischen  Kristallisationspunkt
       par excellence,  der Hauptstadt  der Revolution,  setzte sich von
       1789 bis 1794 eine Politisierung durch, die im übrigen Frankreich
       ihresgleichen sucht, weil nur hier eine direkte Beeinflussung na-
       tionaler Entscheidungen möglich war. Immer häufiger gelangten et-
       liche Konsumentinnen  dazu, ihre  Unzufriedenheit und  Sorge über
       ihre Lebensbedingungen  den gewählten Gremien, den Sektionen, dem
       Generalrat der  Kommune, politischen Klubs vorzutragen, Forderun-
       gen zu entwickeln, zu begründen und zu verbreiten; Absprachen mit
       anderen Sektionen zu treffen, ihre Anhängerschaft durch Propagie-
       rung ihrer  Forderungen in  der Öffentlichkeit  zu vergrößern und
       vielleicht sogar  die Revolutionspresse  in diesem  Sinne  einzu-
       schalten; ihre  Petitionen den  zuständigen Gremien, Kommune, Na-
       tionalversammlung oder  den Ausschüssen zur Behandlung vorzulegen
       und die Umsetzung genauestens zu kontrollieren; die Lebensmittel-
       verwalter mit  öffentlichem Mißtrauen  zu überziehen,  z.B. durch
       eigenmächtig nominierte  Lebensmittelkommissare ...  kurzum:  Sie
       stießen zu  Aktionsformen vor,  die der punktuellen, auf kurzfri-
       stige Bedürfnisbefriedigung  ausgerichteten Intervention von Kon-
       sumenten im Ancien Régime abging.
       
                           --------------------------------------
                         /   Ziel:
                       /  Existenzsicherung
                      -------------------------------------------
                         ¦                           ^
                         ¦                         /
                         ¦                Konvent/Ausschüsse
                         ¦                 ------+------>
                         ¦                ^      ¦
                         ¦         Kommune¦      ¦
                    individueller   ------+      ¦
                     Diebstahl     ^             ¦
                         ¦    Klubs¦             ¦
                         ¦     ----+             ¦
                         ¦    ^                  ¦
                     Sektionen¦                  ¦       ^
                      --------+                  ¦     / Kollektive
                     ^   ¦                       ¦   /   Taxierungs-
                     ¦   ¦                       v /     aktionen
       ------------->+---+-----------------------+--------------------
       Versorgungs-        Angst, wachsende      Engpässe,
       schwierigkeiten  >  Unruhe             >  zunehmende Knappheit
       
       Die Bedeutung  des politischen  Elements bei der ökonomischen In-
       teressenvertretung, die  herausragende Rolle von Frauen, die sich
       bei derartigen Gelegenheiten politische Rechte eroberten, die ih-
       nen de  jure gar nicht zustanden, machten diese neue, der Revolu-
       tion entsprungene Qualität aus. Allerdings betrifft dies nur eine
       kurze Phase (mit Einschränkungen bis 1795) und wahrscheinlich vor
       allem die  Pariser Situation.  In welchem  Umfange sich im ganzen
       Lande die Konsumenten/innen die neuen politischen Gremien zunutze
       machten, Druck  ausübten und Erfolge errangen, gilt es im einzel-
       nen zu erforschen. Fest steht aber, daß ihre politischen Einfluß-
       möglichkeiten, je  kleiner die  administrative Einheit und Kompe-
       tenz, zwangsläufig  geringer waren. Wenn in Paris die Unruhen vor
       den Bäckereien  zunahmen, häuften  sich auch die Verhaftungen von
       Frauen; aber  in welchem  Umfange und  mit welchem Ergebnis? Auch
       gab es vermehrt Transportbehinderungen und punktuelle Taxierungs-
       aktionen.
       Diesen Akteurinnen  ist nachzugehen,  um ihren  sozialen  Hinter-
       grund, das zahlenmäßige Gewicht derartiger Vorkommnisse zu ermes-
       sen und Verbindungen zu parallellaufenden politischen Initiativen
       zu präzisieren.  Hatten sie  die Hoffnung  auf politische Erfolge
       bereits aufgegeben,  oder waren ihnen derartige Initiativen unbe-
       kannt geblieben?
       Bei den  vielen versorgungspolitischen Anträgen von Sansculottin-
       nen und  Sanculotten ist  jedem einzelnen  Namen nachzugehen, die
       Chronologie zu  rekonstruieren, um  so mögliche Verbindungslinien
       zwischen den  ökonomischen Aktionen freizulegen und zu ermitteln,
       ob auch  der politische  Flügel der  Pariser Sansculottenbewegung
       illegale Formen  ökonomischen Kampfes  zeitweise, und  wenn,  auf
       welche Weise  - ob  als Mitinitiator oder als Mitläufer -, unter-
       stützte. Zwar  sind Fälle  aus dem  Februar und dem Juni 1793 be-
       kannt, in denen sich überzeugte Jakobinerinnen wie die Revolutio-
       nären Republikanerinnen gegen Taxierungsaktionen stellten und die
       Fahne politischer  Interessenvertretung hochhielten, aber es wäre
       schon interessant  zu wissen,  auf welche  Unterstützung sie  bei
       welchen Kreisen  dabei rechnen konnten und was das für Folgen für
       ihren Rückhalt  bei ihren  Geschlechtsgenossinnen hatte. Denn die
       Versorgungsfrage einte  die abhängigen  Konsumenten ja nicht nur,
       sie stiftete auch innerhalb der sozial heterogenen Sansculotterie
       erhebliche ökonomische  Differenzen mit politischen Konsequenzen,
       die sich  auf ganz  gewaltsame Weise in dem Konflikt zwischen den
       reglementierungsbejahenden Revolutionären  Republikanerinnen  auf
       der einen  und den von freihändlerischen Gewinnspannen abhängigen
       Händlerinnen und  Marktfrauen der  Pariser Hallen auf der anderen
       Seite entluden.
       Was das  Verhältnis von  Ökonomie und Politik bei der Wahrnehmung
       ökonomischer Interessen betrifft, so ergibt sich noch ein anderes
       Problem. Es hat den Anschein, daß in dem Maße, wie die Avantgarde
       der hauptstädtischen  Volksbewegung an  Einfluß, Persönlichkeiten
       und Rechten verlor, die traditionellen Formen ökonomischer Inter-
       essenvertretung wieder  zunahmen und  sich Akte individueller Ag-
       gression häuften,  25) d.h.  die spaltenden Wirkungen der Versor-
       gungsfrage auf die sozial vielfältige Konsumentengruppe sich ver-
       größerten, was in Paris im Frühjahr 1794 und 1795 besonders deut-
       lich wurde: Nach der Verfolgung der Enragés, dem Verbot der Revo-
       lutionären Republikanerinnen  und aller  Frauenklubs  landesweit,
       nach Ausschaltung  der Hébertisten und einer selektiven Übernahme
       von Konsumentenforderungen  in die  staatliche Wirtschaftspolitik
       verlor die  politische Dimension  ökonomischer Interessenwahrneh-
       mung für  die Masse  an Bedeutung,  und damit  schwanden mehr und
       mehr Hoffnung,  Geduld und  Perspektive, die  ihre selbstbewußten
       Initiativen in den ersten Revolutionsjahren so ausgezeichnet hat-
       ten.
       Aber die  bewußte Politisierung  der  Versorgungsfrage  markierte
       nicht den  einzigen Unterschied  zu den vorrevolutionären Versor-
       gungsunruhen; die  großen Taxierungsbewegungen  in der Beauce vom
       Frühjahr und  Herbst 1792  verdeutlichen, was sich dort gegenüber
       den Zeiten  des Mehlkrieges oder der Grande Peur verändert hatte:
       26) Die  dortige Versorgungslage verschlechterte sich wegen einer
       mittelmäßigen Ernte  von 1791, vor allem aber deshalb, weil diese
       Gegend seit 1792 als Kornkammer von allen bedürftigen Regionen in
       Anspruch genommen  wurde, wodurch das Horten zu- und die Marktbe-
       lieferung abnahm. Hinzu kam, daß in der Metall- und Wollindustrie
       Zehntausende von  Spinner/innen ihren  Nebenerwerb  verloren  und
       sich durch die Aufhebung des Paßzwanges der Zustrom arbeitsloser,
       nichtseßhafter Menschen  erhöhte. Vor diesem Hintergrund entstan-
       den Massenbewegungen von 5000 bis 10000 Personen, zum Teil ganzer
       Dörfer und Städte, die häufig von Bürgermeister und Nationalgarde
       angeführt wurden.  Manche dieser  "Banden" waren bis zu drei Tage
       unterwegs und  legten 200  km zurück.  Folgender  Handlungsablauf
       wiederholte sich  immer wieder:  Auf dem  Markt wurde  ein  neuer
       (niedrigerer)  Getreidehöchstpreis   bekanntgegeben,  den   neuen
       (niedrigeren) Brothöchstpreis  mußte die Munizipalität offiziell"
       ratifizieren". Nur vereinzelt kam es zu Plünderungen und Tätlich-
       keiten gegen  Großbauern oder Beamte, die sich diesem Ablauf oder
       Maßnahmen zur  Marktversorgung widersetzten. Spontan in ihren An-
       fängen, gewannen  die Taxierungsbewegungen  rasch an Organisiert-
       heit, was  sich z.B.  an Bewaffnung,  Truppendisziplin, Emblemen,
       übereinstimmenden Forderungen  oder den  Anführern ablesen  läßt.
       Waren es  in der  Beauce vor  allem Konsumenten  aus Dörfern  und
       Kleinstädten, die  gegen  Produktionsmittelbesitzer,  Großbauern,
       vorgingen, so trugen die Versorgungsunruhen in Südfrankreich auch
       1792 eher  antifeudale Züge,  die mit ihren Angriffen auf Schlös-
       ser, ihrer  Ausbreitung durch  Ansteckung mehr an die Grande Peur
       erinnern und  auch andere  Interessengegensätze offenbarten,  was
       aus der andersartigen ökonomischen Struktur dieser 3. Zone zu er-
       klären ist.
       Auch bei den Taxierungsbewegungen in den Pariser Kolonialwarenlä-
       den im  Frühjahr 1792  und 1793  zeigte es  sich 27) - wie in der
       Beauce -,  daß es  Bürgermeister wie Nationalgarde unmöglich war,
       einer derartigen  Massenbewegung mit  Repression beizukommen. Die
       Pariser Nationalgarde  begnügte sich  damit, für einen geordneten
       Ablauf der  illegalen Taxierungsaktionen  zu sorgen,  wodurch sie
       ihnen gewissermaßen  einen offiziellen  Anstrich gab.  Im  Unter-
       schied zur Beauce, wo z.T. nur noch Frauen und Kinder in den Dör-
       fern und  Städten zurückblieben,  stellten in  Paris  Frauen  die
       überwiegende Mehrzahl  der Beteiligten.  Aber hier wie dort hatte
       kaum jemand  mit Strafverfolgung  zu rechnen.  Gleiches gilt auch
       für die  Seifenbewegungen Ende  Juni 1793 in Paris; eine Bestäti-
       gung auch  der vorrevolutionären  Erfahrungen. Aber nunmehr rich-
       tete sich  die Bewegung nicht mehr gegen die Spekulation verdäch-
       tiger Großhändler,  sondern gegen den Abtransport von Seife sowie
       ihren hohen Preis. In Paris häuften sich die Transportbehinderun-
       gen: Frauen  hielten Wagen und Schiffe zurück, verkauften die Wa-
       ren zu  eigenmächtigen Festpreisen, was bei vielen Marktlieferan-
       ten aus  der Pariser Umgebung dazu führte, daß sie die Hauptstadt
       lieber meiden  wollten. Negative  Konsequenzen  aus  diesem  ver-
       schärften Interessenkonflikt  zwischen Kleinproduzenten des Pari-
       ser Umlandes  und den darauf angewiesenen hauptstädtischen Konsu-
       menten mußten sich daraus zwangsläufig entwickeln und die Tenden-
       zen staatlichen Dirigismus verschärfen.
       Die zur  Versorgung der größeren Städte eingesetzten Revolutions-
       armeen trugen  massiv dazu  bei, die  spalterischen Wirkungen der
       Brotfrage zu  verstärken und  in einem  noch zu bestimmenden Maße
       aus revolutionsfeindlichen Tendenzen konterrevolutionäre Bewegun-
       gen zu  machen. Ob  dieser Prozeß  durch die vielleicht utopische
       Forderung der  Pariser Sansculotterie,  den Brotpreis  landesweit
       auf 3  sous, subventioniert  durch reichere Bürger, festzusetzen,
       hätte aufgehalten  werden können  bzw. andere  Formen  angenommen
       hätte, weil  dadurch die  Konflikte zwischen  Arm und  Reich ver-
       schärft und  den konterrevolutionären Bewegungen Potenzen abgezo-
       gen worden  wären, sollte  bei der  Bewertung gegenrevolutionärer
       Bewegungen stärker berücksichtigt werden.
       So beeinflußten die objektiven Ursachen der Versorgungsschwierig-
       keiten, wie  sie sich  schon im  vorrevolutionären Frankreich ge-
       zeigt hatten,  natürlich auch das Frankreich der Revolutionszeit.
       Dabei hatte  es aufgrund der einer solchen Umwälzung zwangsläufig
       innewohnenden Produktionseinbußen  und der zusätzlichen Erforder-
       nisse des  Krieges, der  nicht nur  eine Million Männer der Land-
       wirtschaft entzog,  sondern für  deren Ernährung auch mehr produ-
       ziert werden  mußte, noch schwierigere Bedingungen. Die Volksmas-
       sen in Stadt und Land, für die Mangelsituation und Engpaß nur we-
       nig Spielraum  für Geduld,  Abwarten und  Hoffnung ließen, berei-
       cherten die  politischen mit  ihren ökonomischen Forderungen nach
       Existenzsicherung. Solange  ihre  Einflußmöglichkeiten  zunahmen,
       brachten sie  auch mehr  Vertrauen in die revolutionären Institu-
       tionen und  ihre Vertreter auf; aber je eingeschränkter ihre Mög-
       lichkeiten, desto  stärker ihr Rückgriff auf traditionelle, reak-
       tive, aggressive  Formen ebenso direkter wie kurzfristiger ökono-
       mischer Interessenvertretung  mit  all  ihren  die  zerbrechliche
       Sansculottenkoalition sprengenden Potenzen.
       
       _____
       1) Es hieße  nicht nur, Mehl- und Getreidelieferungen mit den Be-
       völkerungszahlen in  Beziehung zu bringen, sondern auch nach prä-
       ziseren Angaben von Teigkomposition, Gewicht, Qualität, Kalorien-
       gehalt bzw.  Nährwert zu  forschen. In  diesem Sinne  wertet  die
       neuere historische  Ernährungsforschung mit  großem Gewinn  Wirt-
       schaftsbücher von  Internaten oder Klosteretats aus, die aussage-
       kräftiger sind  als private  Haushaltsbücher, denen es oft an ge-
       nauen Angaben zu Gewicht, Preisen oder Verbrauch bestimmter Arti-
       kel fehlt. Auch Reiseberichte, die nur persönliche Erlebnisse re-
       ferieren, vermitteln  kaum mehr  als subjektive  Eindrücke. Nach-
       lässe hingegen  erlauben mit  ihren genauen  Vorratsangaben  auch
       Rückschlüsse auf  Konsumgewohnheiten der  darin erfaßten sozialen
       Kategorien der Landbevölkerung. Vgl. dazu neben Jean-Jacques Her-
       mandinquer (Ed.):  Pour une  histoire  de  l'alimentation.  Paris
       1970, auch: Annales 1975 Dossier: Histoire de la Consommation, S.
       402 ff;  bes. die  Aufsätze von  Bartolomé Bennassar, Joseph Goy:
       Consornmation alimentaire.  (XIVe-XIXe siècle),  S. 402-430; Jac-
       ques Vedel:  La Consommation  alimentaire dans  le Haut Languedoc
       aux XVIIe et XVIIIe Siècles, in: ebd., S. 478-489; Micheline Bau-
       lant. Niveaux de vie paysans autour de Meaux en 1700 et 1750; in:
       ebd., S. 505-518.
       2) Vgl. Jeffrey  Kaplow: Les  noms des  Rois. Les  Pauvres  à  la
       veille de  la Révolution.  Paris 1974;  bes. S.  126 ff., Fernand
       Braudel: Sozialgeschichte  des 15.-18.  Jahrhunderts. Der  Alltag
       (Paris 1979), München 1985, S. 203 ff.; 211.
       3) Daniel Roche:  Le Peuple  de Paris,  Paris 1981,  S. 242  ff.;
       Arlette Farge:  Vivre dans la Rue à Paris au XVIIIe siècle, Paris
       1979; dies.:  La vie fragile. Violence, pouvoirs et solidarites à
       Paris au XVIIIe siècle. Paris 1986.
       4) Braudel, a.a.O., S. 198.
       5) Es gab  vor allem vier Brotsorten: 1./2. gesalzenes oder unge-
       salzenes Weißbrot  besserer Qualität  aus  gesiebtem  Mehl  (pain
       choyne), 3.  Weißbrot aus  ungesiebtem Mehl (pain de safelur), 4.
       helles Brot,  das neben  ausgesiebtem Mehl auch noch 10% kleinge-
       mahlene Kleie  enthielt (pain revoulet). Aber es gab viele regio-
       nale Unterschiede  und neben  Luxusproduktion wie dem pain mollet
       (Wecken aus  Weizenblume) oder  dem pain  à la  reine (mit Milch)
       wurde in  Notzeiten das minderwertige Angebot erheblich ausgewei-
       tet; ebd., S. 168.
       6) Vgl. hierzu  die Zusammenfassung  bei Braudel,  a.a.O., S. 114
       ff.
       7) Vgl. dazu  die klassische  Untersuchung von  Ernest Labrousse,
       Esquisse du  mouvement des  prix et  des  revenus  en  France  au
       XVIIIéme siècle.  2 Bde. Paris 1933; vgl. a. George Rudé: Prices,
       wages  and   populär  movements   in  Paris   during  the  French
       Revolution, in: Economic History Review 6 (1953/54), S. 246-267.
       8) Louise A. Tilly: The Food Riot as a Form of Political Conflict
       in France,  in: ebd.  2/1971, S.  27-57; dies.: Food Entitlement,
       Famine and Conflict; in: ebd., XIV 2/1983, S. 333-349.
       9) Olwen Hufton:  Social Conflict  and the  Grain Supply  in 18th
       Century France,  in: Journal  of Interdisciplinary  History, XIV,
       2/1983, S. 303-331.
       10) Léon Cahen,  La Question du Pain à Paris à la fin du XVIIIème
       siècle, in:  Cahiers de  la Révolution  1/1934, S.  51-76; Steven
       Laurence Kaplan:  Bread, Politics  and political  Economy in  the
       Reign of  Louis XV,  2 Bde, Den Haag 1976. Bd. 1, S. 341 ff.; Su-
       sanne Petersen,  Überlegungen zum  ökonomischen Kampf der städti-
       schen Volksmassen,  in: Die  Französische Revolution - zufälliges
       oder  notwendiges  Ereignis?  hg.v.  Eberhard  Schmitt  und  Rolf
       Reichardt, München, Wien 1983, S. 134 ff; Steven Laurence Kaplan:
       Provisioning Paris.  Merchants and  Millers in  the  Grain  Flour
       Trade during the 18th Century, Ithaca, London 1984.
       11) Vgl. Richard  Cobb: The Police and the People. 1789-1820. Ox-
       ford, London  1970, S.  257ff.; sowie  Olwen Hufton:  Social Con-
       flict, a.a.O., S. 317 ff.
       12) Ebd., S. 320 ff.
       13) Richard Cobb: The Police and the People, S. 263 ff., auch zum
       folgenden.
       14) Kaplan: Bread, Politics...
       15) Ders.: Le  Complot de famine: Histoire d'une rumeur du XVIIIe
       siècle (Cahiers des Annales), Paris 1982.
       16) Cobb, Police, S. 283 ff.; Cobb unterscheidet zunächst die 40%
       Selbstbackenden von  den übrigen  60%, die immer auf einen Bäcker
       angewiesen waren;  die Zahl der Selbstbäcker scheint in Paris un-
       mittelbar vor der Revolution stark zurückgegangen zu sein.
       17) Vgl. Susanne  Petersen: Marktweiber  und Amazonen.  Frauen in
       der Französischen  Revolution, Köln  1987, S.  121 ff.  sowie die
       dortige Bibliographie.
       18) Themen, wie sie auch in der Revolutionszeit immer wieder dis-
       kutiert wurden;  vgl. Susanne Petersen: Lebensmittelfrage und re-
       volutionäre Politik  in Paris 1792-1793, München, Wien 1979, bes.
       S. 41 ff.
       19) Olwen Hufton: Women and the Family Economy in 18th Century in
       France; in: French-Historical-Studies 1975, S. 1-22.
       20) Vgl. dazu  a. Edward  P. Thompson:  The Moral  Economy of the
       English Crowd in the Eighteenth Century; in: Fast and Present Nr.
       50, 1971, S. 76-136.
       21) Arlette Farge: Le vol Aliments. Paris au XVIIIe siècle. Paris
       1974, S. 67.
       22) George Rudé:  La Guerre  de Farine.  La taxation populaire de
       mai 1775 à Paris et dans la région parisienne; in: Annales histo-
       riques de la Révolution française 1956, S. 139-179.
       23) Albert Mathiez:  La vie  chère et le mouvement social sous la
       Terreur, 2 Bde, Paris (repr.) 1973.
       24) Vgl. Susanne Petersen, Lebensmittelfrage.
       25) Michel Vovelle: Le mentalite revolutionnaire. Société et men-
       talités sous la Revolution française. Paris 1985, bes. S. 62 ff.
       26) Michel Vovelle:  Ville et Campagne au 18e siècle. Chartres et
       la Beauce. Paris 1980. S. 277 ff.
       27) George Rudé, Les émeutes des 25, 26 février 1793. D'après les
       procès-verbaux des  Commissaires de police des sections parisien-
       nes; in: Annales historiques de la Révolution francaise, 1953, S.
       39-57; Susanne Petersen: Jacques Roux und der Pariser Ladensturm;
       in: Eine  Jury für Jacques Roux. Dem Wirken Walter Markovs gewid-
       met. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften der DDR 1 G
       1981. Berlin/DDR, S. 68-78.
       

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