Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       KRIEG - FRIEDEN - REVOLUTION IM NUKLEARZEITALTER
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       Jürgen Reusch
       
       1. Etwas  noch nie  Dagewesenes... -  2. Es gibt keinen gerechten
       Atomkrieg - 3. Übergang zum Sozialismus - ein langwieriger Prozeß
       - 4.  Eine Weltfriedensordnung mit den Antagonisten - 5. Histori-
       sche Mission der Arbeiterklasse im Nuklearzeitalter - 6. Nuklear-
       zeitalter und  der Charakter  unserer Epoche  - 7. Koexistenz und
       Offenheit der Geschichte - 8. Koexistenz und Klassenkampf
       
       1. Etwas noch nie Dagewesenes...
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       "Frei und gleich an Rechten werden die Menschen geboren und blei-
       ben es"  1) - so hieß es in der Erklärung der Rechte des Menschen
       und des Bürgers von 1789. Die Utopie eines neuen Weltzustands von
       Gleichheit, Freiheit, Glück und ewigem Frieden ist so alt wie die
       Geschichte selbst;  die Französische  Revolution brachte  sie der
       Realität ein  entscheidendes Stück  näher und  schuf -  bei aller
       bürgerlichen Beschränktheit  dieses Tuns 2) - die "Grundlagen für
       eine neue  soziale Ordnung,  die für  die gesamte  Menschheit und
       nicht nur  für Frankreich  allein geeignet schien." 3) 1790 fügte
       sie noch  ein "Friedensdekret"  hinzu, dessen  Kernsatz  lautete:
       "Die Französische  Revolution verzichtet  darauf, einen  Krieg zu
       Eroberungszwecken zu  unternehmen;  sie  erklärt,  daß  sie  ihre
       Streitkräfte niemals  gegen die  Freiheit irgendeines Volkes ein-
       setzen wird"  4) - ein unerhörter Gedanke in einem Kontinent, für
       dessen Herrscher  seit Menschengedenken Eroberungskriege die all-
       ergrößte Selbstverständlichkeit darstellten.
       Zum ewigen  Frieden kam  es aber bekanntlich nicht, im Gegenteil:
       In den  darauffolgenden 130  Jahren zeigten  die Bourgeoisien der
       kapitalistischen Länder,  zu welchen  Scheußlichkeiten  sie  beim
       Kampf um  die Aufteilung  der Welt  und der  Völker in Macht- und
       Einflußsphären fähig  waren. Die  Oktoberrevolution stellte  1917
       die Friedensfrage  erneut und auf neue Weise. Im "Dekret über den
       Frieden" hieß es: "Ein gerechter oder demokratischer Frieden, wie
       ihn die  überwältigende Mehrheit der durch den Krieg erschöpften,
       gepeinigten und  gemarterten Klassen der Arbeiter und Werktätigen
       aller kriegführenden  Länder ersehnt,  ein Frieden,  wie ihn  die
       russischen Arbeiter  und Bauern  nach dem  Sturz der  Zarenmonar-
       chie... gefordert  haben, ein solcher Frieden ist nach Auffassung
       der Regierung  ein sofortiger Frieden ohne Annexionen... und ohne
       Kontributionen. Die Regierung Rußlands schlägt allen kriegführen-
       den Völkern  vor, unverzüglich  einen solchen  Frieden zu schlie-
       ßen..." 5)
       So erhob  die Oktoberrevolution  den alten  Menschheitstraum  vom
       Frieden erstmals  uneingeschränkt in den Rang einer Staatspolitik
       und begründete  auch in  dieser Frage  eine neue  Epoche der  Ge-
       schichte. 6)  Dies war ein Stück neues Denken und Handeln im vor-
       nuklearen Zeitalter  7) -  zugleich  war  es  ein  entscheidender
       Schritt über  das  Fortschrittsdenken  der  revolutionären  Bour-
       geoisie hinaus,  deren Friedenskonzept  zwar antifeudal, aber na-
       türlich auch  an der  Verteidigung des kapitalistischen Privatei-
       gentums orientiert  war und  an eben  diesem Interesse auch seine
       Grenze fand.
       In der  Gegenwart befindet  sich die Menschheit abermals in einer
       Umbruchperiode. Sie hat ihre Unsterblichkeit verloren und kann in
       einem Atomkrieg  vollständig ausgelöscht  werden. Dies  ist etwas
       noch nie  Dagewesenes. Überschreitet  sie diese  Grenze, gibt  es
       kein Zurück.  8) Diese  Gefährdungssituation wird zusätzlich ver-
       schärft durch die Verflechtung mit anderen globalen Problemen 9),
       die sich  wechselseitig negativ  beeinflussen und  ein explosives
       Problemgemisch erzeugen,  das die Biosphäre irreversibel zu schä-
       digen droht. Demgegenüber stellt sich eine - historisch gesehen -
       neue Aufgabe: das Überleben der Gattung - im biologischen und so-
       zial-kulturellen Sinne  - zu gewährleisten. Das erlegt der heuti-
       gen Generation  in Voraussicht und Planung ihres Tuns eine völlig
       neue Verantwortung auf.
       Diese Einschätzung  hat viele  Marxisten veranlaßt, den - aus der
       nichtmarxistischen Diskussion  stammenden  -  Begriff  "  Nuklear
       Zeitalter" zu  akzeptieren 10), der die heutige Welt nicht primär
       nach klassenmäßigen Kriterien definiert. Er meint: Der Wert Frie-
       den drückt  ein Gattungsinteresse  aus und ist heute und für alle
       Zukunft  dem   Antagonismus  von   Kapitalismus  und  Sozialismus
       u n b e d i n g t   übergeordnet.  11)  Viele  Erkenntnisse  über
       diese neue  Lage sind  noch relativ ungesichert und erlauben erst
       begrenzte theoretische  Konsequenzen 12).  Aber es  darf doch  im
       Hinblick auf  schon vorliegendes  empirisches  Material  13)  ge-
       schlußfolgert werden, daß es nicht lediglich um die Neu-Interpre-
       tation einer  altbekannten, sondern tatsächlich um eine ganz neue
       Situation geht. 14)
       Neu ist  nicht nur das Ausmaß der Bedrohung, sondern auch die of-
       fenkundige Tatsache,  daß allein politische und sozialökonomische
       Veränderungen der Gesellschaft(en) nicht ausreichen, sie zu über-
       winden, daß  also der tiefgreifende Umbau des gesamten Produktiv-
       kraftsystems auf die historische Tagesordnung gesetzt ist. 15)
       Nach dem Umbruch zum Imperialismus und nach der Oktoberrevolution
       und den durch sie gesetzten Tatsachen handelt es sich hier offen-
       kundig um  die dritte große Herausforderung an marxistisches Den-
       ken seit  dem Tode  von Marx  und Engels.  16) Aber nicht nur der
       Marxismus und  nicht nur einzelne philosophische Thesen sind her-
       ausgefordert, sondern es stehen  a l l e  philosophischen Systeme
       und Gesellschaftstheorien  "als Ganzes,  mit ihren  theoretischen
       und  methodischen  Grundprinzipien  auf  dem  Prüfstand  der  Ge-
       schichte." 17)  Die marxistische  Theorie ist dabei gut gerüstet,
       nicht im  Sinne fertiger  Antworten, sondern  durch ihre  prinzi-
       pielle Offenheit  für neue  Fragen der geschichtlichen Praxis und
       der Gesellschaftswissenschaften.  18) Von  ihr können daher wich-
       tige Beiträge  zu einem neuen Denken und Handeln erwartet werden;
       sie verfügt  über erprobte  methodologische Zugänge  zu einem ad-
       äquaten Umgang  mit den Gattungsproblemen, der sowohl dem fortbe-
       stehenden Antagonismus  der Systeme  als auch  ihrer  gemeinsamen
       Verantwortung für  das Überleben  der Menschheit  Rechnung trägt.
       19) Offensichtlich  wird dabei - ohne jede Konvergenz von Weltan-
       schauungen, Ideologien  und Gesellschaftskonzeptionen - die Über-
       einstimmung marxistischer  und nichtmarxistischer  Gesellschafts-
       theorien beim  Auffinden von Lösungsstrategien größer sein können
       als früher. 20)
       Bis vor relativ kurzer Zeit waren Marxisten - zu Recht - der Auf-
       fassung, eine  gesicherte Weltfriedensordnung  sei erst im Zusam-
       menhang mit  dem weltweiten Sieg des Sozialismus über den Kapita-
       lismus möglich.  Heute allerdings erscheint eine solche Strategie
       des "Frontalangriffs"  immer weniger  realistisch und  angesichts
       der globalen  Probleme auch  nicht (mehr) gerechtfertigt. Frieden
       muß auch  bei Fortexistenz des Monopolkapitals  d a u e r h a f t
       gewährleistet werden,  21) ist  zum "Apriori  des Gattungslebens"
       geworden 22).  Eine   d a u e r h a f t e    Friedensordnung  muß
       m i t   den bestehenden antagonistischen Systemen geschaffen wer-
       den; dies  liegt in  der "Logik  des Nuklearzeitalters". Die Welt
       bildet trotz  ihrer Spaltung in unterschiedliche und antagonisti-
       sche Klassen  und soziale  Systeme hinsichtlich  ihrer Gefährdung
       und des  Gattungsinteresses am  Überleben eine nicht mehr auflös-
       bare Einheit.
       Da gerade der Status quo die globalen Gefährdungen hervorgebracht
       hat, besteht  das Überleben  der Gattung auch nicht in seiner Er-
       haltung, sondern  seiner Überwindung. Partikuläre oder auf Natio-
       nen oder  Staatenbündnisse beschränkte  Lösungsstrategien reichen
       dazu nicht  (mehr) aus.  Die Menschheit  ist herausgefordert, den
       Weltzustand des ewigen Friedens neu zu denken und die bewußt vor-
       ausschauende und planmäßige Organisation ihrer Existenz auf einem
       bisher unbekannten  Niveau zu sichern. Allein das  A u s b l e i-
       b e n   einer substantiellen  politischen Wende  kann  zur  Kata-
       strophe führen. Welche theoretischen und politischen Konsequenzen
       ergeben sich daraus?
       
       2. Es gibt keinen gerechten Atomkrieg
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       Während die  revolutionäre Arbeiterbewegung im ersten und zweiten
       Weltkrieg noch  in der Lage war, den imperialistischen Krieg, den
       sie bekämpft,  aber nicht  verhindert hatte, schließlich in einen
       Bürgerkrieg umzuwandeln und durch die Revolution zu beenden, kann
       eine solche  Entwicklung aus  einem Atomkrieg oder einer massiven
       militärischen Konfrontation  zwischen Ost  und West  heute  nicht
       mehr entstehen.  Die diesbezüglichen  Losungen Lenins  und  Lieb-
       knechts gelten heute nicht mehr. 23)
       Jahrhundertelang stellten  sich diese Probleme anders. Der Krieg,
       in den  das revolutionäre  Frankreich 1792 hineingezwungen wurde,
       war gerecht  und fortschrittlich.  "Den Krieg  hielten  alle  für
       einen gerechten  Verteidigungskrieg, und  das war  er in der Tat.
       Das revolutionäre  Frankreich verteidigte sich gegen das reaktio-
       när-monarchistische Europa." 24)
       Die klügsten  Köpfe der  Revolution  waren  nicht    p r i n z i-
       p i e l l gegen  einen revolutionären Verteidigungskrieg, aber im
       Unterschied zur  rechten wie  zur linken "Kriegspartei" mit ihren
       durchsichtigen Motiven auch keine Kriegsenthusiasten. 25)
       Der "Wunsch  nach gestiefelten  Missionaren (kam)  schon  deshalb
       nicht auf,  weil man  der stillen Werbekraft der Menschheitslehre
       unter Berufung  auf die Allmacht der Vernunft vertraute. ...(Die)
       Gedankensünde  eines  gewaltsamen  Revolutionsexports  (brauchte)
       nicht geübt zu werden. ...Revolution in einem Lande und weltrevo-
       lutionärer Ausblick vertrugen sich ausgezeichnet." 26)
       Das war  aber noch  nicht alles. Während bei einem Teil der Mini-
       ster und  des Triumvirats  taktische  Erwägungen  im  Vordergrund
       standen, war  Robespierres Widerstand grundsätzlicher Art. 27) In
       seiner berühmten  "zweiten Rede  gegen den  Krieg" vom  2. Januar
       1792 führte er u.a. aus: "...in der Natur der Dinge liegt es, daß
       die Vernunft  auf ihrem  Vormarsch  nur  langsam  Boden  gewinnt.
       ...Niemand liebt  Sendboten in  Waffen. ...Schaffen Sie erst Ord-
       nung bei  sich zu  Hause, bevor Sie die Freiheit anderswohin tra-
       gen. ...  Haben wir  denn überhaupt keine Feinde innerhalb Frank-
       reichs?" 28)
       Man mag  einwenden, Robespierres leicht pessimistische Argumenta-
       tion -  er wurde übrigens von Marat und Jacques Roux im Kampf ge-
       gen die  allgemeine Kriegsbegeisterung  unterstützt  29)  -  habe
       übersehen, daß  auch ein  revolutionärer Volkskrieg  - ganz gegen
       die Intentionen  der monarchistischen und großbourgeoisen Kriegs-
       partei -  zur Vertiefung der Revolution habe beitragen können 30)
       - aber hier lag auch das Problem: Die Revolutionäre wollten 1792,
       wenn schon  einen Krieg,  dann keinen   o h n e    das  Volk  und
       g e g e n   die Demokratie,  sondern   m i t  dem Volk und  f ü r
       Demokratie - und dafür schien ihnen die Zeit noch nicht reif.
       Es kam  aber dann doch anders. Der Krieg, einmal ausgebrochen und
       der Revolution  aufgezwungen, wurde "zum Integrationsfaktor einer
       demokratischen Vertiefung  der  Revolution."  31)  Er  wurde  zum
       Volkskrieg, stützte  die progressivsten  Elemente der  Revolution
       und verzahnte  sich mit  der Herausbildung der Jakobinerdiktatur.
       32)
       Der Krieg  als, wie Lenin formulierte" unvermeidliche Fortsetzung
       dieser Politik  der revolutionären  Klasse, die in Frankreich ge-
       siegt hatte",  setzte im  Volk ein  "in Jahrhunderten ungekanntes
       Höchstmaß an  revolutionärer Energie" und eine "gigantische revo-
       lutionäre Schöpferkraft" frei 33).
       Gleichwohl: Linke wie Jacques Roux entdeckten schon zu einem frü-
       hen Zeitpunkt im revolutionären Verteidigungskrieg auch die Keime
       der Eroberung  und der Annexion. 34) Nach und nach - deutlich er-
       kennbar spätestens  im Jahr 1794, geriet der Krieg in Widerspruch
       zur Demokratie,  wurde für  das arbeitende Volk ruinös und zehrte
       an seinem Lebensnerv. Nach dem Thermidor schrieb die französische
       Außenpolitik immer  unverhüllter die  "nationale  Expansion"  auf
       ihre Fahnen, und im "Zuge der seit 1796 einsetzenden unverhüllten
       Raub- und  Eroberungspolitik wurde aus der demokratischen Revolu-
       tionsarmee wieder  eine Söldnertruppe  fest in der Hand der herr-
       schenden Bourgeoisklasse." 35) Diese Entwicklung erreichte in der
       Militär-Diktatur Napoleons ihren Höhepunkt. 36)
       Lenin, der  die Erfahrungen  der Französischen Revolution und des
       revolutionären Krieges  und seines Umschlagens in den Eroberungs-
       krieg sorgfältig  studiert und  Clausewitz' Erkenntnisse über den
       Krieg dahingehend präzisiert hatte, der Krieg sei die Fortsetzung
       der Politik  e i n e r  b e s t i m m t e n  K l a s s e  mit an-
       deren Mitteln  37) - Lenin konnte mit vollem Recht die Auffassung
       vertreten, ein Krieg der Werktätigen gegen die Ausbeuter sei eine
       gerechte Sache. 38) In der konkreten Situation des (Ersten) Welt-
       krieges gelangte er sogar zu dem Schluß, dieser vom Imperialismus
       verursachte Krieg   k ö n n e  nicht nur, sondern  m ü s s e  so-
       gar durch  die Revolution  der Arbeiter beendet werden - und zwar
       müsse der  revolutionäre Funke  auf mehrere  Länder überspringen.
       39)
       Er konnte sich dabei auf das Baseler Manifest der II. Internatio-
       nale von  1912 berufen, in dem es hieß, daß die Rivalität der Ka-
       pitalisten zum  Krieg und der Krieg zur proletarischen Revolution
       führen werde.  40) Gleichwohl  vertrat Lenin, wie auch schon Marx
       und Engels, und in der Tradition der Jakobiner, nicht die Auffas-
       sung, der  Krieg sei die eigentliche Ursache der Revolution; dies
       waren vielmehr die objektiven Klassenwidersprüche, die allerdings
       durch den  Krieg wie  durch einen  Katalysator bis zur revolutio-
       nären Krise  verschärft wurden.  Konsequenterweise war Lenin auch
       der Meinung,  der Krieg  k ö n n e,  m ü s s e  aber nicht Mittel
       der Durchführung der Revolution sein. 41)
       Der der  Sowjetunion aufgezwungene Große Vaterländische Krieg ge-
       gen den  Faschismus wurde ebenfalls zu einem Mittel der Festigung
       und Vertiefung  der Revolution. Die militärische Zerschlagung des
       Faschismus setzte  in weiteren europäischen Ländern revolutionäre
       Potenzen frei.  In den  darauffolgenden  Jahrzehnten  konnte  die
       UdSSR, gestützt auf die Schaffung einer atomaren Vergeltungskapa-
       zität, aggressive  Strategien des  Imperialismus abschwächen  und
       ausreichende Bedingungen  für die innere Entwicklung der soziali-
       stischen Länder  garantieren. Zugleich bedeutete das einen gewis-
       sen Schutz  für die  Entfaltung weiterer progressiver und revolu-
       tionärer Bewegungen in der Welt. Aus den historischen Erfahrungen
       schien es  zu dieser Zeit begründet, wenn die Sowjetunion dem Im-
       perialismus für  den Fall  eines von  ihm  angezettelten  Krieges
       einen Gegenschlag  androhte, der  dieser letzten aller Ausbeuter-
       ordnungen ein  für allemal  ein Ende bereiten und dem Sozialismus
       auf der ganzen Welt zum Siege verhelfen werde. 42)
       Heute ist es jedoch so, daß eine zum Extrem getriebene aggressive
       imperialistische Klassenpolitik  zwar zu  einem Atomkrieg  führen
       kann, dieser  aber keiner Klasse mehr die Fortsetzung irgendeiner
       Politik mit anderen Mitteln erlaubte, sondern das unwiderrufliche
       Ende jeder  Politik nach  sich zöge. Das gilt für den Imperialis-
       mus, aber auch für den Sozialismus. Aus diesem Grund vertritt die
       UdSSR heute nicht mehr die Position der Umwandlung eines imperia-
       listischen Weltkriegs  in einen Befreiungskrieg. 43) Es gibt kei-
       nen gerechten Atomkrieg.
       
       3. Übergang zum Sozialismus - ein langwieriger Prozeß
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       Auch die  theoretische Vorstellung  des weltweiten  Übergangs vom
       Kapitalismus zum Sozialismus erhält unter den Bedingungen des Nu-
       klearzeitalters neue  Aspekte. Heute  ist  es  klar,  "daß  diese
       Formationsumwälzung kein  kurzzeitiger, nach  wenigen Jahren oder
       Jahrzehnten zu  bemessender Akt ist, sondern sich nur als relativ
       langwieriger, überaus  komplizierter und widerspruchsvoller welt-
       geschichtlicher Prozeß verwirklichen kann..." 44).
       Ein kurzer  Rückblick zeigt:  Auch  die  Französische  Revolution
       hatte ihre  - allerdings  über bürgerliche Klassenschranken nicht
       hinausgehenden -  Vorstellungen vom weltweiten Sieg der Vernunft,
       von Freiheit,  Gleichheit und Frieden für alle Völker - zumindest
       Europas - und knüpfte damit praktisch an die Ideen der Aufklärung
       an. 45) Für Robespierre war es völlig selbstverständlich, daß die
       "Vernunft auf  ihrem Vormarsch"  - wenn auch langsam - "Boden ge-
       winnt" und die Wirkungen der Revolution "bei den fremden Nationen
       zu spüren sein" würden. Sie werde auf das "Geschick des Erdballs"
       Einfluß nehmen.  46) Hebert,  für den  es ebenfalls klar war, daß
       der Rest der Welt den revolutionären Gang irgendwann nachvollzie-
       hen werde, präzisierte sinnig: "...Die Türken und schließlich so-
       gar die  Deutschen!" 47)  Robespierre schränkte  allerdings  ein:
       Eine revolutionäre  Situation müsse  in  diesen  anderen  Ländern
       selbst heranreifen  - erst  dann könnte  eine revolutionäre Armee
       eine Befreiungsmission erfüllen. 48)
       Robespierre teilte  daher auch nicht die Ansichten von Anacharsis
       Cloots, der  den Sieg der Vernunft und die Freiheit des Menschen-
       geschlechts in  kürzester Frist  auf den Spitzen der Bajonette in
       andere Länder zu tragen forderte. 49)
       Um was  für ein  Reich der Vernunft aber handelte es sich, dessen
       weltweiter Siegeszug da angebrochen sein sollte? Das Vorwärts und
       wieder Rückwärts  der Verfassungen von 1789, 1793, 1795 und 1799,
       der kurze  Weg von der Verkündung der Menschenrechte zur Diktatur
       der Großbourgeoisie  50) zeigt, "daß dies Reich der Vernunft wei-
       ter nichts  war als  das idealisierte  Reich der Bourgeoisie; daß
       die ewige Gleichheit ihre Verwirklichung fand in der Bourgeoisju-
       stiz; die  Gleichheit hinauslief  auf die  Gleichheit vor dem Ge-
       setz; daß als eines der wesentlichsten Menschenrechte proklamiert
       wurde -  das bürgerliche Eigentum; und daß der Vernunftstaat, der
       Rousseausche Gesellschaftsvertrag  ins Leben trat und nur ins Le-
       ben treten  konnte als  bürgerliche, demokratische Republik." 51)
       So schuf  die Bourgeoisie mit der revolutionären Zerschlagung des
       Feudalismus zwar nicht das Reich der Vernunft, aber die "moderne,
       große Industrie",  "den Weltmarkt" und schließlich "die materiel-
       len Bedingungen  einer neuen Welt" 52), nämlich die Voraussetzun-
       gen für die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus.
       Die Oktoberrevolution  leitete diesen  Formationswechsel ein. Le-
       nin, der  weit davon entfernt war, die Grenzen zwischen bürgerli-
       cher und  proletarischer Revolution  zu verwischen, war sich über
       die vorwärtstreibende  Rolle der Französischen Revolution für die
       gesamte kapitalistische  Gesellschaft des 19. Jahrhunderts völlig
       klar und stellte auch die Bolschewiki bewußt in die Traditionsli-
       nie des Jakobinismus. 53) Die Bolschewik! und die Kommunisten Eu-
       ropas nahmen  unmittelbar nach  1917 allerdings zunächst an, auch
       in den  wichtigsten anderen  kapitalistischen Ländern  werde  der
       Sieg der  Arbeiterklasse relativ  rasch zu  erreichen sein.  Doch
       diese Hoffnung erfüllte sich nicht; die revolutionäre Welle ebbte
       in den  zwanziger Jahren  ab. So  entstand einerseits das Konzept
       des Aufbaus  des Sozialismus  in einem Lande und andererseits, in
       einem mühsamen,  von vielen Fehleinschätzungen und folgenschweren
       Irrtümern belasteten  Lernprozeß eine langfristig angelegte Stra-
       tegie der  Kommunistischen Weltbewegung,  die durch  verschiedene
       miteinander verbundene  Etappen die  führende Rolle der Arbeiter-
       klasse im  Kampf um  Demokratie, gegen Faschismus und für Frieden
       verknüpfte mit  dem Kampf um den Sozialismus. Die wichtigste Zwi-
       schenstation dieses  Lernprozesses war  der VII.  Weltkongreß der
       Kommunistischen Internationale 1935.
       Aber der mit der Oktoberrevolution eingeleitete Formationswechsel
       war global  und reichte über den eurozentrischen Blickwinkel weit
       hinaus. Lenin  und die  Kommunistische Internationale,  besonders
       deren II.  Weltkongreß 1920,  gaben den unterdrückten Völkern vor
       allem Asiens  und Afrikas  die begründete Perspektive eines, wenn
       auch höchst  schwierigen, nichtkapitalistischen Entwicklungswegs.
       Es entstand  die Konzeption eines neuen, demokratischen und anti-
       imperialistischen Typs  von Volksrevolution unter Führung der Ar-
       beiterklasse im  imperialistischen Stadium des Kapitalismus. Nach
       der Herausbildung  des sozialistischen  Weltsystems und  dem Auf-
       schwung der  nationalen Befreiungsbewegungen in den Entwicklungs-
       ländern erhielt der Prozeß des Formationswechsels zum Sozialismus
       eine neue  Qualität. "Hauptinhalt unserer Epoche ist der Übergang
       vom Kapitalismus  zum Sozialismus", hieß es im Schlußdokument der
       Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien 1957. 54)
       Die beiden  darauffolgenden Beratungen  1960 und 1969 bestätigten
       und präzisierten  diese Einschätzungen und definierten drei revo-
       lutionäre Hauptströme  als die  Subjekte dieses Prozesses. 55) Es
       bildete sich die Vorstellung eines im wesentlichen einheitlichen,
       in seinen  Formen aber vielfältigen und ungleichzeitigen weltwei-
       ten Prozesses des Übergangs zur sozialistischen Formation. Aller-
       dings dominierte  in dieser  Zeit nicht nur die Erwartung, dieser
       Prozeß werde  bei allen Problemen doch relativ rasch vor sich ge-
       hen, und  zwar sowohl  in den kapitalistischen Metropolen und den
       Ländern der  Dritten Welt  als auch bezüglich der Entwicklung des
       Sozialismus, sondern  er wurde  auch   ü b e r w i e g e n d   im
       Sinne eines in eine Richtung vor sich gehenden ständigen Vordrin-
       gens der  revolutionären Hauptströme gegen den Imperialismus auf-
       gefaßt. So  wurde es  in den  achtziger Jahren  im Licht  der nun
       deutlicher erkannten  Probleme aus  kommunistischer Sicht notwen-
       dig, die  eigenen Aufgaben neu zu durchdenken und die , gestehen-
       den ideologischen Schemata und Stereotypen" zu überwinden. 56) Es
       wurde notwendig,  die Vorstellungen von Inhalt, Formen, Wegen und
       Bedingungen der  sozialistischen  Revolution  im  Weltmaßstab  zu
       überdenken.
       Auch heute ist "im Grunde genommen eine überaus tiefe soziale Re-
       volution im  Gange, die  im Oktober ihren Ursprung hat. Doch ihre
       Dauer, das Neue an ihr, ihre Ungleichmäßigkeit, die Korrespondenz
       und Koexistenz  progressiver Veränderungen  und Rückschläge,  die
       Ablösung und  wechselseitige Verbindung  der  revolutionären  und
       evolutionären Prozesse  machen alle logischen, nach alten Lehrbü-
       chern zusammengestellten Schemata zu einem leblosen Gerippe." 57)
       Der Kern  des vor  sich gehenden Formationswechsels ist heute wie
       1917 der  Übergang zum  Sozialismus/Kommunismus.  Er  bildet  die
       "Haupttendenz" und  das "Hauptresultat",  aber er  vollzieht sich
       weniger denn  je in  "reiner" Form. Einzelne Teile und Abschnitte
       dieses Gesamtprozesses  besitzen relativ eigenständige Bedeutung;
       ihre spezifischen  Gesetzmäßigkeiten gehen  nicht vollständig  in
       die Gesetzmäßigkeit des revolutionären Weltprozesses ein. 58) Be-
       merkenswert ist  dabei, daß  der - eigentlich nicht neue - Zusam-
       menhang "von  sozialer Befreiung,  demokratischen  Veränderungen,
       Unabhängigkeit und  nationaler Neugeburt...  immer wichtiger  und
       wesentlicher" wird  und eine  sozialistische Revolution  nur noch
       als Ergebnis  eines längerfristig vorzustellenden, etappenreichen
       und vielschichtigen "Ringens für Frieden, Sicherheit, Demokratie,
       nationale Unabhängigkeit  und sozialen  Fortschritt" 59)  denkbar
       ist. Diesen  Zusammenhang nennt Eichhorn mit Recht "strategisch".
       60)
       In diesem  Prozeß wirken  beide Formationen  in hohem  Maße aktiv
       aufeinander ein  61) -  es handelt sich also nicht einfach nur um
       das lineare,  mehr oder weniger rasche Vordringen der sozialisti-
       schen gegen die kapitalistischen Kräfte, um einen linear aufstei-
       genden Prozeß sozialistischer bzw. einen analog absteigenden Pro-
       zeß kapitalistischer  Entwicklung. Dies  wäre ein  evolutionäres,
       undialektisches Fortschrittsverständnis.  62) Die  Entfaltung von
       Widersprüchen und Vertiefung von Krisen in den Übergangs- und Um-
       bruchprozessen der  Gegenwart führt  einerseits immer  wieder zur
       Möglichkeit revolutionärer Brüche 63), auf der anderen Seite fin-
       den an  solchen Wendepunkten  wie dem  derzeitigen tiefen Umbruch
       der Produktivkraftentwicklung die Kräfte des Alten und der Behar-
       rung Ansatzpunkte zur Systemstabilisierung, zumal wenn die Haupt-
       kräfte revolutionärer  Veränderung und  vor allem der Sozialismus
       ihr Potential noch nicht voll entfaltet haben.
       Es handelt  sich im  wesentlichen um einen langandauernden Prozeß
       der praktischen  Beantwortung der  Grundfrage des  Nuklearzeital-
       ters, nämlich,  welche Formation  "den entscheidenden Beitrag zur
       Überwindung der  kritischen Momente  leisten (wird),  die in  der
       Entwicklung der Zivilisation entstanden sind." Nach marxistischer
       Überzeugung wird  das der Sozialismus sein. Er besitzt potentiell
       die Fähigkeit,  "der Menschheit den Durchbruch zu einem prinzipi-
       ell anderen, sie rettenden Ufer" zu ermöglichen. 64)
       
       4. Eine Weltfriedensordnung mit den Antagonisten
       ------------------------------------------------
       
       Bis vor  gar nicht  allzulanger Zeit  gehörte es  zu den durchaus
       wohlbegründeten theoretischen  Grundpositionen des Marxismus, daß
       ein gesicherter  und dauerhafter  Weltfrieden erst durch den Sieg
       des Sozialismus über den Imperialismus möglich werde, der die so-
       zialen Grundlagen von Rüstung und Krieg beseitige. Auch unter den
       Bedingungen des  Nuklearzeitalters bleibt es richtig, daß der So-
       zialismus die  geeignetste Basis für eine dauerhafte Friedensord-
       nung wäre.  Allerdings widerspiegelt  diese Auffassung  heute nur
       noch eine  von verschiedenen  Seiten eines widersprüchlichen Pro-
       zesses. Die  nukleare Existenzgefährdung  der Menschheit hat auch
       im Verhältnis  von Frieden  bzw. Krieg und Fortschritt eine tiefe
       Zäsur entstehen lassen.
       Die Oktoberrevolution hatte mit der Französischen Revolution noch
       gemeinsam, daß  in ihrem Verlauf Frieden und Fortschritt nur lose
       miteinander verbunden oder sogar Gegensätze waren 65): Revolution
       und Krieg  konnten unter konkreten Umständen zusammengehören. We-
       der die  Jakobiner noch  die Bolschewiki waren Gegner eines jeden
       Krieges. Anders als die Jakobiner allerdings, die zwar in konkre-
       ten Situationen  den Krieg  abgelehnt hatten, denen sich aber die
       völlige Abschaffung  des  Krieges  als  Problem  noch  gar  nicht
       stellte, konnten  Lenin und  die Bolschewiki,  an Marx und Engels
       anknüpfend, schon  praktisch die  Aufgabe formulieren,  durch den
       Sozialismus die  Klassen aufzuheben  und damit den Krieg. 66) Den
       Jakobinern vergleichbar,  aber sehr  viel konsequenter, waren die
       Bolschewiki auch  Gegner eines  militärischen Exports der Revolu-
       tion. 67)
       Mit der Notwendigkeit, den Sozialismus in einem Land aufbauen und
       damit eine  Konzeption der  friedlichen Koexistenz  erarbeiten zu
       müssen, modifizierte  und ergänzte  Lenin seine Position zum Ver-
       hältnis von  Krieg und Revolution. Der Gedanke, friedliche Bezie-
       hungen zwischen Sozialismus und dem weiterexistierenden mächtigen
       imperialistischen  Staatensystem  organisieren  zu  müssen,  trat
       stärker in  den Vordergrund.  So lange die Bolschewiki allerdings
       noch mit  einem raschen Fortschreiten des revolutionären Weltpro-
       zesses rechneten,  lag auch  der Gedanke nahe, die friedliche Ko-
       existenz sei  eine Art"  Atempause" und eine besondere Bewegungs-
       form des  Klassenkampfes, in  dem im übrigen Kriege unvermeidlich
       blieben. Erst  um 1924  setzten Überlegungen  ein, die friedliche
       Koexistenz zu einem dauerhaften Konzept auszuarbeiten. Sie wurden
       mit dem  Ziel der Abrüstung und - nach 1933 - mit dem Konzept der
       kollektiven Sicherheit verbunden. 68)
       Die nächste wichtige Etappe in der Weiterentwicklung des Konzepts
       der friedlichen Koexistenz und der Erörterung der Beziehungen von
       Frieden und Revolution waren, nach der Herausbildung des soziali-
       stischen Weltsystems und im Zusammenhang damit, der 20. Parteitag
       der KPdSU  1956 und die erwähnte internationale Beratung der Kom-
       munistischen und  Arbeiterparteien 1957. Sie formulierten die Er-
       kenntnis, der Imperialismus bilde zwar nach wie vor die Grundlage
       eines Aggressionskrieges,  doch seien die Kräfte des Friedens un-
       ter Umständen stark genug, einen solchen Krieg zu verhindern. Die
       Frage der friedlichen Koexistenz sei zum Grundproblem der Weltpo-
       litik geworden.  69) Dies  berührte konsequenterweise  nicht  die
       Auffassung, ein  gesicherter Weltfrieden sei erst nach der Besei-
       tigung des Imperialismus möglich.
       Heute allerdings  gebieten die akute Ernsthaftigkeit der globalen
       Gefahrdungssituation und  die begründete Aussicht, daß Kapitalis-
       mus und  Sozialismus noch auf sehr lange Sicht miteinander koexi-
       stieren werden,  einen Atomkrieg und eine militärische Konfronta-
       tion zwischen  den Blöcken  hier und jetzt zu verhindern und eine
       dauerhafte Weltfriedensordnung  mit den  bestehenden antagonisti-
       schen Systemen  zu schaffen.  Die Aufgabe der Sicherung des Frie-
       dens darf  also nicht  (mehr) an die Bedingung der revolutionären
       Überwindung des  Kapitalismus geknüpft  werden -  auch  wenn  die
       Atomkriegsgefahr letztlich  im Kapitalismus  ihre Grundlage  hat.
       70) In diesem Punkt gehört auch das Clausewitzsche Denken endgül-
       tig der Vergangenheit an.
       
       5. Historische Mission der Arbeiterklasse im Nuklearzeitalter
       -------------------------------------------------------------
       
       Diese Auffassung kann auf das theoretische Verständnis der histo-
       rischen Mission  der Arbeiterklasse  nicht ohne  Wirkung bleiben.
       Frühere Epochen  besaßen in den Äußerungen ihrer fortgeschritten-
       sten Köpfe durchaus Ideen von einem Menschheitsinteresse an einem
       neuen Weltzustand.  Die Sansculotten forderten von der revolutio-
       nären Bourgeoisie  die Einlösung  ihrer Versprechungen  von Glück
       und Frieden;  Leclerc und Roux entwarfen weit über die Tagespoli-
       tik hinausreichende  revolutionäre Perspektiven,  die in  Babeufs
       Lehre von der Gleichheit erstmals die Kommunistische Idee hervor-
       trieben. 71) Für die Verwirklichung dieser Ideen mangelte es aber
       noch an  der materiellen  Grundlage und  vor allem  an einem  ge-
       schichtlichen Subjekt.
       Dieses entstand  mit dem  Kapitalismus und der modernen Arbeiter-
       klasse. Von  ihr konnte  Marx mit Recht sagen, daß sie "eine neue
       Gesellschaft" errichten werde, "deren internationales Prinzip der
       Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht
       - die  Arbeit!" 72)  Damit entsprachen  die Klasseninteressen des
       Proletariats auch  dem allgemeinen  Menschheitsinteresse, und die
       Oktoberrevolution gab  diesem  Zusammenhang  materielle  Gestalt.
       Heute besteht abermals eine neue Situation. "Zum ersten Mal über-
       haupt hat  sich ein reales, nicht spekulatives und abwegiges all-
       gemeinmenschliches Interesse  gebildet -  die Rettung der Mensch-
       heit vor  der Katastrophe." 73) Es liegt auf der Hand, daß diesem
       Interesse Priorität  zukommt vor  Partikularinteressen, und diese
       Erkenntnis ist  für  den  Marxismus  zunächst  nicht  neu.  Lenin
       schrieb bereits 1899, daß "vom Standpunkt der Grundideen des Mar-
       xismus ...  die Interessen der gesellschaftlichen Entwicklung hö-
       her (stehen) als die Interessen des Proletariats." 74)
       In der  marxistischen Theorie  überwog allerdings bisher die Auf-
       fassung, das  Menschheitsinteresse an  der Abschaffung  von Krieg
       und Ausbeutung  werde über die Durchsetzung der Klasseninteressen
       der Arbeiterklasse  gegen den  Kapitalismus verwirklicht. Die Ar-
       beiterklasse werde,  indem sie sich selbst als herrschende Klasse
       etabliere, den  Sozialismus/Kommunismus errichten, also die klas-
       senlose Gesellschaft, und damit sich selbst und alle Klassen auf-
       heben. Menschheitsinteressen  würden demnach  über die proletari-
       schen Klasseninteressen und in Abhängigkeit von ihnen realisiert;
       in diesem  Sinne vertrete  die Arbeiterklasse  über  die  eigenen
       Klasseninteressen  hinaus  klassenlose  und  klassenübergreifende
       Ziele. Heute  wird gelegentlich,  wenn vom Primat der Gattungsin-
       teressen gesprochen wird, formuliert, die historische Mission der
       Arbeiterklasse erweitere sich. Das stimmt in gewisser Weise, kann
       aber dahingehend  mißverstanden werden,  die Arbeiterklasse mache
       sich nun  auch Forderungen  und Ziele  zu eigen,  die sie  früher
       nicht vertreten  habe. Denn  selbstverständlich hat die Arbeiter-
       klasse auch  früher für  Frieden und Abrüstung gekämpft, und zwar
       auch unabhängig  von sozialistischen  Zielvorstellungen. Nun aber
       hat das Gattungsinteresse am Überleben einen eigenständigen stra-
       tegischen Stellenwert  erhalten. Es  ist  nicht  (mehr)  möglich,
       seine Verwirklichung  von  der  Durchsetzung  der  proletarischen
       Klasseninteressen abhängig  zu machen,  es ihnen  sozusagen nach-
       zuordnen.
       Der Kampf  der Arbeiterklasse  um den Sozialismus und ihr Beitrag
       zur Schaffung  einer dauerhaften  Weltfriedensordnung  unabhängig
       von der  Errichtung des  Sozialismus bilden zwei miteinander ver-
       bundene, aber  unterschiedliche Aufgabenstellungen.  75) Es  wäre
       unzulässig und  unsinnig, sie in der Art einer zeitlichen Abfolge
       auffassen zu  wollen: erst  Frieden sichern, dann den Sozialismus
       errichten. Ihr  Zusammenhang ist  vielmehr  logisch-dialektischer
       Natur. Sie  fallen nicht  zusammen, stehen aber auch nicht zusam-
       menhanglos hinter- oder nebeneinander. Sie bedingen sich: Frieden
       ist die  Voraussetzung  für  alle  Prozesse  des  sozialen  Fort-
       schritts. Dieser Primat der Gattungsinteressen gilt nicht nur für
       bestimmte Phasen  oder Formen  der Klassenkämpfe, sondern von nun
       an immer  und prinzipiell. Es existiert sozusagen ein universales
       Prinzip der Koexistenz.
       Alle sozialen  Kräfte, wo  auch immer  auf der Welt, die sich für
       Frieden und  Abrüstung engagieren,  werden dies  sowohl aus einem
       spezifischen Klasseninteresse als auch in gewissem Grade aus Ein-
       sicht in  die Überlebensinteressen  der Gattung  tun.  In  diesem
       Klasseninteresse widerspiegeln  sich die  übergreifenden  Mensch-
       heitsinteressen mehr  oder weniger  adäquat,  mehr  oder  weniger
       vollständig. Keiner  der an  einer Koalition der Vernunft und des
       Überlebens beteiligten  Partner kann und wird also von seinen be-
       sonderen Motivationen,  Interessen und  Zielvorstellungen abstra-
       hieren, aber  jeder wird sie den allgemeinen Überlebensinteressen
       unterordnen (müssen),  damit sein  Beitrag  wirklich  konstruktiv
       sei.
       Die Klasseninteressen der Arbeiterklasse - und somit auch die In-
       teressen der  als Staatsmacht  konstituierten Arbeiterklasse, des
       Sozialismus -  nehmen das  Gattungsinteresse am Überleben adäquat
       und vollständig, nicht nur teilweise, in sich auf.
       Ein  Menschheitsinteresse   am  Überleben   muß  heute  aber  bei
       a l l e n  Klassen - auch bei der Monopolbourgeoisie - als objek-
       tiv existent  angenommen werden.  Es äußert  sich jedoch auf sehr
       unterschiedliche Weise  und steht zu den jeweiligen Klasseninter-
       essen in  einem mehr oder weniger spannungsvollen Verhältnis. Die
       Arbeiterklasse macht ihr Engagement für das Überleben der Mensch-
       heit nicht  davon abhängig, ob dabei auch für revolutionäre Ziel-
       setzungen Fortschritte erreicht werden.
       
       6. Nuklearzeitalter und der Charakter unserer Epoche
       ----------------------------------------------------
       
       Die heutige  Welt bildet  eine Einheit; sie ist "widersprüchlich,
       voll sozialer  und politischer Unterschiede, aber trotzdem zusam-
       menhängend und in hohem Maße ganzheitlich." 76)
       Die derzeit  vor sich  gehende  Revolutionierung  der  Produktiv-
       kräfte, das  hohe Maß  an Vergesellschaftung und die rasch zuneh-
       mende Internationalisierung  des politischen,  ökonomischen, kul-
       turellen usw.  Lebens haben die räumlichen und zeitlichen Distan-
       zen verringert und das Einzeldasein von Völkern und Ländern unwi-
       derruflich beendet.  77) Daraus  und aus  der Existenz eines Gat-
       tungsinteresses am  Überleben folgt auch, daß die Menschheit ins-
       gesamt beginnt,  sich als  ganzheitliches Subjekt gesellschaftli-
       cher Veränderung zu begreifen und zu konstituieren - einer Verän-
       derung, die  in Richtung  auf eine  stabile Weltfriedens- und Si-
       cherheitsordnung abzielt. 78)
       Die Auffassung  von der "Einheit" oder "Ganzheit" der Welt teilen
       Marxisten mit so unterschiedlichen bürgerlichen Denkern wie Georg
       Picht, Carl-Friedrich  von Weizsäcker,  Ernst Tugendhat  79) oder
       Hans Jonas. 80) Allerdings macht sie das nicht blind für die ent-
       scheidende Verantwortung  des Imperialismus am Zustandekommen der
       gegenwärtigen Probleme;  diese sind in ihren Wirkungen zwar klas-
       sen- und  länderübergreifend, in  ihren Ursachen  aber keineswegs
       "klassenunspezifisch". 81)  Vielmehr ist die der kapitalistischen
       Produktivkraftentwicklung innewohnende - und sich ebenfalls immer
       weiter entfaltende  - destruktive  Seite  ein  charakteristisches
       Merkmal des  Kapitalismus, das  bereits von Marx - wenn auch noch
       unter viel  weniger entwickelten Bedingungen - beschrieben wurde.
       82)
       Da sich  in der  gegenwärtigen Epoche  zwei nicht deckungsgleiche
       Tendenzen -  klassenspezifische, zum  Sozialismus treibende,  und
       gattungsspezifische, eine  internationale Weltfriedensordnung an-
       strebende -  überlagern, ist  sie nicht "allein durch die revolu-
       tionären Hauptströmungen  unserer  Zeit"  geprägt,  sondern  auch
       "durch die  ja überwiegend keineswegs auf den Sozialismus zielen-
       den demokratischen  Massenbewegungen." 83) Demnach könnte man von
       unserer Epoche  heute auch sprechen als einer "Epoche des Kampfes
       der Haupttriebkräfte  der gesellschaftlichen  Entwicklung  -  des
       Weltsozialismus, der  Arbeiterbewegung, der  Völker der  national
       befreiten Staaten und der demokratischen Massenbewegungen - gegen
       den Imperialismus,  gegen seine Politik der Aggression und Unter-
       drückung, für Frieden, Demokratie und sozialen Fortschritt." 84)
       Aus dieser  Ergänzung ergibt  sich auch  die  Notwendigkeit,  die
       "gewohnte ... Formel über die ständige Vertiefung der allgemeinen
       Krise des  Kapitalismus" 85)  kritisch zu  überprüfen. Dieser Be-
       griff meint  zunächst und  sehr zutreffend, daß der Imperialismus
       als weltbeherrschendes  System mit  der Entstehung des realen So-
       zialismus als  gesellschaftliche Alternative  in die  historische
       Defensive geraten  ist. In den fünfziger und sechziger Jahren war
       diese Auffassung  allerdings noch  sehr stark  mit der  Erwartung
       verbunden, mit dem Imperialismus werde es unter den Angriffen der
       vereinten revolutionären Hauptströme auch aktuell-politisch recht
       schnell immer weiter bergab gehen, während die Kräfte der Revolu-
       tion und  des Sozialismus  in einem  zwar nicht  immer gleich ra-
       schen, aber doch permanenten und kontinuierlichen Prozeß des Auf-
       schwungs begriffen seien. Die politischen Erfahrungen jener Jahre
       konnten für solche Schlußfolgerungen auch zunächst durchaus Anlaß
       geben. Heute  allerdings besteht  die Kompliziertheit  und Wider-
       sprüchlichkeit unserer  Epoche auch  darin, daß  in   b e i d e n
       antagonistischen sozialen  Systemen Potenzen  und Kräfte zur Ret-
       tung der  Menschheit freigesetzt werden können und müssen, daß in
       b e i d e n  Systemen dafür (allerdings ungleiche) objektive Vor-
       aussetzungen gegeben  sind und  daß die Menschheit auf solche Lö-
       sungsbeiträge beider Seiten angewiesen ist. In diesem Systemwett-
       bewerb, der Konflikt und Kooperation einschließt, wird sich unter
       sozusagen gleichberechtigten  Bedingungen herausstellen,  welches
       System die  überzeugenderen Antworten auf die globalen Herausfor-
       derungen geben kann. 86)
       
       7. Koexistenz und Offenheit der Geschichte
       ------------------------------------------
       
       Erhard Eppler  hat der  marxistischen Konzeption  der friedlichen
       Koexistenz angekreidet,  sie sei  zwar "im Prinzip friedensfähig,
       ... aber nicht friedensadäquat und noch weniger friedensstiftend"
       87), insofern  sie Koexistenz  nur als  eine Art  vorübergehendes
       Zwischenspiel -  wenn auch  heute von  längerer Dauer - interpre-
       tiere, dem  der gesetzmäßige  Sieg des Sozialismus auf der ganzen
       Welt folgen  werde. Eppler fordert vom Marxismus die Aufgabe die-
       ser Position  und die "Anerkennung der Offenheit der Geschichte."
       88)
       Das marxistische Geschichts- und Fortschrittsverständnis begreift
       den Formationswechsel vom Kapitalismus zum Sozialismus allerdings
       weder im Sinne einer Beliebigkeit noch einer solchen naturgesetz-
       lichen Notwendigkeit,  die unabhängig  von  menschlichem  Handeln
       eintritt wie  eine Sonnenfinsternis, sondern als Ergebnis organi-
       sierten Handelns von Klassen auf der Grundlage von Widersprüchen,
       die in  den jeweiligen  Gesellschaften objektiv  wirksam sind und
       die die  Akteure vorfinden.  Ob, wann und wie kapitalistische Ge-
       sellschaften also  in sozialistische  übergehen, hängt hauptsäch-
       lich von  der Entfaltung  ihrer inneren  Widersprüche ab.  Dieser
       Prozeß entfaltet sich in der Tat in zahlreichen komplizierten und
       vielfältigen Etappen, die natürlich auch Zufalle einschließen; es
       wird in  ihm aber  nichtsdestoweniger eine  wesentliche, dominie-
       rende Entwicklungsrichtung erkennbar. 89)
       In den  vergangenen Jahren  wurde in  der Tat  von  marxistischer
       Seite oft  formuliert, die  friedliche Koexistenz stelle die gün-
       stigste äußere  Bedingung für  das Erstarken  des Sozialismus und
       den Fortschritt revolutionärer Bewegungen in der Welt dar. 90) Es
       ist durchaus  nachvollziehbar, daß  eine solche  Formulierung von
       nichtmarxistischer oder auch dezidiert bürgerlicher Seite als Be-
       drohung wahrgenommen  werden kann. Trotzdem stimmt es, daß sowohl
       der Sozialismus  als auch  systemüberwindende und systemkritische
       Kräfte in kapitalistischen Ländern unter Bedingungen des Friedens
       die relativ  günstigsten Entwicklungsbedingungen  finden.  Aller-
       dings darf das nicht dahingehend mißverstanden werden, friedliche
       Koexistenz solle eine Art "Einbahnstraße" zugunsten des Sozialis-
       mus und  "Vehikel" zur  besseren Beförderung der Revolution sein.
       Die Kehrseite  der Medaille  ist nämlich  - so ist eben die Logik
       des Nuklearzeitalters  ", daß  es auch für den Kapitalismus keine
       günstigere Entwicklungsbedingung  gibt als Frieden und friedliche
       Koexistenz.
       Dieses Neben-  und perspektivisch  auch Miteinander der antagoni-
       stischen Systeme  läßt in  der Tat  eine gewisse Variabilität der
       Geschichte zu.  Allerdings muß   e i n e   "Alternative", nämlich
       der Untergang  der Menschheit durch eine atomare oder ökologische
       Katastrophe, kategorisch  ausgeschlossen werden.  In    d i e s e
       Richtung darf  Geschichte nicht offen sein. Nur wenn das gelingt,
       bleibt Offenheit  für humanen und sozialen Fortschritt. Gewißheit
       darüber im  Sinne eines  Automatismus gibt  es nicht  - aber wenn
       menschliches Handeln sozialen Fortschritt durchsetzt, dann ist es
       auch ein  Stück auf  dem Weg zu einer höheren Gesellschaftsforma-
       tion.
       Niemand, der  diese Auffassung  nicht teilt, muß es als Bedrohung
       empfinden, wenn  Marxisten der Überzeugung sind, die Realisierung
       einer humanistischen  und sozial  fortschrittlichen  Zukunftsper-
       spektive für die ganze Menschheit könne am besten unter Bedingun-
       gen gesellschaftlicher  Beherrschung  der  Produktivkraftentwick-
       lung, d.h. unter Bedingungen des Sozialismus gesichert werden. Um
       das Wo,  Wie und  Wann der Verwirklichung dieser Vorstellung wird
       auch weiterhin gestritten und gekämpft werden - und wird und kann
       nur unter  Bedingungen des  Friedens gekämpft  werden. In  diesem
       Sinne ist die Geschichte offen.
       
       8. Koexistenz und Klassenkampf
       ------------------------------
       
       Koexistenz in  der Gegenwart  bedeutet:  Alle  sitzen  "in  einem
       Boot", und  man muß  "sich so bewegen ... , daß dieses Boot nicht
       kentert." 91) Die Bewegung hört also nicht auf; der Kampf um eine
       Weltfriedensordnung, die  nicht mehr  rücknehmbar ist,  die keine
       gesellschaftlichen Grundlagen  von Rüstung  und Krieg  mehr  auf-
       weist, die  Bedingungen für  Produktivkraftentwicklung  ohne  De-
       struktion sichert, geht weiter, kann aber nur unter Verhältnissen
       des Friedens,  des Nicht-Krieges, der Ab-Rüstung und Ent-Spannung
       erfolgreich sein.  Insofern ist  friedliche Koexistenz  die  ent-
       scheidende objektive Existenz- und Entwicklungsbedingung für alle
       sozialen Kräfte und Systeme, die die Welt von heute gestalten und
       verändern.
       Das setzt auch für den Kapitalismus die Existenz eigener Interes-
       sen an  Koexistenz, Frieden  und Abrüstung  voraus - ein Problem,
       das hier  aus Platzgründen  nicht näher erörtert werden kann. 92)
       Knapp gesagt,  geht es  aber nicht  nur darum,  ihn "gegen seinen
       Willen" zu  vernünftigem Verhalten  zu zwingen - so die traditio-
       nelle Auffassung ", sondern ihn in der auch für ihn neuen Gefähr-
       dungssituation (die  auch dem  Monopolkapital aus  Eigeninteresse
       diktierte globale Sichtweisen aufnötigt) zu veranlassen, den Ten-
       denzen ökonomischer Dysfunktionalität und politischen Legitimati-
       onsverlustes von  Militarismus und  militärischer Stärke Rechnung
       zu tragen  und die auf dem heutigen Niveau der Produktivkraftent-
       wicklung rasch wachsenden politischen Eingriffs- und Gestaltungs-
       möglichkeiten zu  nutzen. Wichtig  ist hier die Bedeutungszunahme
       politischer Herrschaftsvarianten und Differenzierungen im Kapita-
       lismus selbst.  Weniger denn je handelt es sich hier um einen mo-
       nolithischen Block.
       Die bloße  Abwesenheit von  militärischer Konfrontation ist heute
       eine zwar  notwendige, aber  nicht hinreichende Bedingung von Ko-
       existenz. Dazu gehören umfassende internationale, systemübergrei-
       fende Instrumentarien  und Organisationen  ökonomischer,  politi-
       scher, wissenschaftlich-technischer  Kooperation usw.,  des  kul-
       turellen Austausches  und selbstverständlich auch der Zusammenar-
       beit in  Fragen der Abrüstung, Rüstungskontrolle und der defensi-
       ven Angleichung  der militärischen  Doktrinen. 93)  Es heißt hier
       vor allem,  Abschied zu  nehmen von  allen Strategien einseitigen
       Sicherheitszugewinns auf  Kosten anderer durch Aufrüstung und mi-
       litärische Stärke. 94) Michail Gorbatschow hat vorgeschlagen, die
       Organisationen der  UNO mehr  zu Instrumenten solcher Kooperation
       auszubauen. 95)
       Dabei kann  und will  ein System  kooperativer  Koexistenz  keine
       Festschreibung des  Status quo  sein. Die  Wirkung der Koexistenz
       auf den  Fortgang oder Nichtfortgang von Klassenkämpfen ist ambi-
       valent: Sie kann (und muß) gegensätzlichen sozialen Kräften opti-
       male Entwicklungsbedingungen  bieten. Sowohl Sozialismus als auch
       Kapitalismus können von ihr profitieren, können aus Abrüstung und
       internationaler Kooperation  politische, ökonomische, technologi-
       sche usw. Spielräume und Vorteile erwerben.
       Es liegt in der Natur der Sache, wenn Teile der herrschenden Eli-
       ten des  Kapitalismus auf  solchen Überlegungen  sogar flexiblere
       und primär  nichtmilitärische  Überlegenheitsstrategien  aufbauen
       wollen. Koexistenz  kann also u.U. durchaus Elemente der Stabili-
       sierung des  Kapitalismus freisetzen. Das ist allerdings nur eine
       Seite; die  Kehrseite wäre offensichtlich, daß auch der Sozialis-
       mus günstigere  Entwicklungsbedingungen erhielte und Potenzen zur
       inneren Stabilisierung  und Effektivierung  als auch  zu größerem
       außenpolitischem Einfluß  entfalten könnte. Das würde ihn in sehr
       viel höherem  Maße als  gegenwärtig in  die Lage  versetzen,  der
       Struktur der internationalen Beziehungen den Stempel des Friedens
       und der Kooperation aufzudrücken. Eine solche internationale Ent-
       wicklung entspräche  vollständig und ohne Abstriche den Wesenszü-
       gen sozialistischer Produktionsverhältnisse.
       Prozesse der  Bildung einer weltweiten Koalition der Vernunft und
       des Überlebens  einerseits und  der Entfaltung des sozialen Fort-
       schritts mit  systemüberwindender Perspektive andererseits laufen
       mithin nicht  parallel und auch nicht in jedem Fall synchron. Sie
       können sogar  zeitweilig auseinanderklaffen.  Sie stehen in einem
       spannungsvollen Verhältnis, das auch die Beziehungen zwischen den
       verschiedenen revolutionären  Strömungen und  staatlichen Mächten
       in der  Welt beeinflußt: Sie beruhen auf objektiven Gemeinsamkei-
       ten, können  aber auch durch Widersprüche geprägt sein. So bringt
       der komplizierte  wechselseitige Prozeß  von Koexistenz und Klas-
       senkampf sowohl  Momente des Einhaltens, der Bedachtsamkeit, aber
       auch des  Bruchs und  der revolutionären Beschleunigung mit sich.
       96)
       Die Durchsetzung einer Kurskorrektur im Kapitalismus zu einer re-
       alistischeren, den Realitäten des Nuklearzeitalters Rechnung tra-
       genden Politik, die offensichtlich auch mit der Ablösung der kon-
       servativ-aggressiven durch eine zivilere, reformorientierte Vari-
       ante staatsmonopolistischer Politik verbunden wäre, könnte in den
       betreffenden Ländern  also einerseits neue Integrationsund Flexi-
       bilisierungspotentiale freisetzen,  andererseits wäre  sie  aller
       Voraussicht nach  auch begleitet von Einflußgewinnen fortschritt-
       licher und  linker Veränderungspotenzen  und dem Druck demokrati-
       scher Bewegungen  und der Arbeiterbewegung - und in ihrer Entfal-
       tung sogar  davon abhängig. 97) Es gibt keine spontane Selbstent-
       wicklung des  Kapitalismus in eine reformorientierte Richtung aus
       höherer Einsicht  in die  Logik des Nuklearzeitalters (obwohl bei
       einzelnen seiner  Repräsentanten solche Einsichten entstehen kön-
       nen), sondern  es bedarf dazu des Einflusses und der Stärkung der
       Arbeiter- und  Friedensbewegung und  anderer demokratischer Bewe-
       gungen in  diesen Ländern  selbst, sowie der Stärkung der revolu-
       tionären Kräfte  im Weltmaßstab  und der weiteren Veränderung des
       internationalen Kräfteverhältnisses.
       Eine reformorientierte SMK-Variante, die fähig wäre, die in einem
       internationalen Sicherheitssystem  liegenden Vorteile  wahrzuneh-
       men, wäre  auch gekennzeichnet  durch tiefe Eingriffe in überkom-
       mene ökonomische Strukturen und eine Hinwendung zu politisch ver-
       mittelten langfristigen  Verwertungsinteressen. 98)  Darin  wären
       zwangsläufig  auch  Elemente  der  Überwindung  des  Kapitalismus
       selbst enthalten, die das Heranreifen weiterer demokratischer und
       antiimperialistischer Veränderungen  ermöglichen könnten. Für die
       revolutionäre Strömung der Arbeiterbewegung, die es in einem Land
       wie der BRD voraussichtlich für lange Zeit mit einer nichtrevolu-
       tionären Situation  zu tun  haben wird,  schließt das eine umfas-
       sende, wissenschaftlich  begründete und  radikale Reformstrategie
       mit systemüberwindender Perspektive ein.
       Die ganze  Menschheit steht  am Anfang  eines geschichtlich neuen
       Lernprozesses in  einer Übergangsepoche, die das "Ende der Vorge-
       schichte der  Menschheit" 99)  und das  Auffinden eines Weges zum
       neuen Weltzustand  beinhaltet, der  allen Menschen ermöglicht, in
       einem demokratischen  Planungsund Entscheidungsprozeß  die selbst
       geschaffenen gewaltigen  Produktivkräfte durch gesellschaftliche,
       menschheitliche Vernunft  zu beherrschen.  So setzt  die  rasende
       Entwicklung der  Produktivkräfte als  Destruktivkräfte unter  den
       Bedingungen der  Einheit der  Welt sehr  rasch die Eigentumsfrage
       auf die  Tagesordnung. 100)  Mit Sicherheit  kann der Weg in eine
       neue Weltordnung  nur über die Überwindung der Strukturen des Mi-
       litarismus und  Neokolonialismus gehen,  erfordert er, die Aneig-
       nung der produzierten gesellschaftlichen Werte durch kleine mono-
       polistische Machtgruppen dauerhaft zu verhindern.
       Die Arbeiterbewegung,  die Friedensbewegung und andere demokrati-
       sche Bewegungen  sind einerseits  Bestandteil einer  partei-  und
       klassenübergreifenden Koalition  der Vernunft  und des Realismus,
       andererseits sind  sie -  auf unterschiedliche  Weise - auch Ele-
       mente eines  sich formierenden gesellschaftlichen Veränderungspo-
       tentials.
       Auch der Kampf um Frieden und Abrüstung selbst hat aus der Inter-
       essenlage der Arbeiterklasse heraus zwei Seiten. Die gattungsspe-
       zifische, klassenübergreifende  Seite besteht  darin, daß sich in
       ihr das allgemeine Menschheitsinteresse an umfassender Koexistenz
       widerspiegelt. Die  klassenspezifische Seite  schließt unter  den
       konkreten bundesdeutschen  Bedingungen den  Kampf gegen den Mili-
       tär-Industrie-Komplex, gegen die Betreiber und Nutznießer von Rü-
       stung und  Politik militärischer  Stärke und  gegen  die  gesell-
       schaftlichen Strukturen  ein, die  derartige Interessen materiell
       begründen. Zwischen  beiden wirkende  Widersprüche sind  real und
       daher theoretisch  nicht aufhebbar.  "Vom Standpunkt der Soziali-
       sten formuliert  müßte, die  Mißachtung der  einen Seite zur Ver-
       nichtung der  Menschheit führen und die der anderen Seite zur Ka-
       pitulation vor  dem Imperialismus." Das darin liegende Dilemma zu
       bewältigen, ist eine "kontinuierliche Gestaltungsaufgabe." 101)
       
       _____
       1) Erklärung der  Rechte des Menschen und des Bürgers, 26. August
       1789, in:  Walter Markov,  Revolution im  Zeugenstand. Frankreich
       1789-1799, Band  2, Gesprochenes und Geschriebenes, Leipzig 1986,
       S. 105.
       2) S. Karl Marx, Zur Judenfrage, in: Marx-Engels-Werke (MEW), Bd.
       1, S. 364 f.
       3) Albert Soboul, Die Große Französische Revolution, Frankfurt/M.
       1973, S. 125; s. a. ebd., 148 ff.
       4) Zit. in: Walter Markov, Revolution im Zeugenstand, a.a.O., Bd.
       1, Aussagen und Analysen, S. 158.
       5) Dekret über den Frieden, in: Lenin-Werke, Berlin/DDR 1961 ff.,
       Bd. 26, S. 239.
       6) Georg Grasnick.  Roter Oktober  - Beginn einer neuen Epoche im
       Kampf um den Frieden, in: IPW-Berichte, 10/87, S. 1.
       7) Ebd., S. 4.
       8) S. Michail  Gorbatschow, Perestroika. Die zweite russische Re-
       volution, München  1987, S.  175 f.;  ders., Für  eine Welt  ohne
       Kernwaffen, für  das Überleben der Menschheit. Rede vor den Teil-
       nehmern des  internationalen Friedensforums in Moskau, in: Unsere
       Zeit, 19. 2. 1987, S. 5.
       9) S. dazu  ausführlicher Jürgen Reusch, Alternative Sicherheits-
       politik im Nuklearzeitalter, Köln 1988, bes. Kapitel 5.
       10) Georgij Schachnasarow, Zur politischen Logik des Nuklearzeit-
       alters, in:  Blätter für  deutsche  und  internationale  Politik,
       11/84, bes. S. 1381.
       11) Die Betonung  liegt auf  unbedingt. S.  dazu Ernst Tugendhat,
       Nachdenken über  die Atomkriegsgefahr  und warum  man  sie  nicht
       sieht, (West-)Berlin 1986, S. 23.
       12) So kritisch  Hans-Jörg Sandkühler  auf der  IMSF-Tagung  "Die
       Linke und  der Fortschritt", Mai 1987. S. dazu den Tagungsbericht
       gleichen Titels  von Alma  Steinberg  in:  Marxistische  Studien.
       Jahrbuch des IMSF, 13, Frankfurt/M. 1987, S. 387.
       13) S. vor allem Wadim Sagladin/Iwan Frolow, Globale Probleme der
       Gegenwart, Berlin/DDR 1982; Hermann Bömer, Die drohende Katastro-
       phe. Globale  Probleme der  Menschheit, Frankfurt/M.  1984. Edgar
       Gärtner, Die  Stabilisierung der Biosphäre, in: Marxistische Stu-
       dien. Jahrbuch des IMSF, 13, a.a.O., S. 52 ff.
       14) Vgl. dazu die z.T. unterschiedlichen Meinungen, die auf einer
       Tagung der  Zeitschrift "Probleme  des Friedens und des Sozialis-
       mus" 1986 in Prag geäußert wurden: Heft 10/86, S. 1351 ff.
       15) S. Kaspar  Maase, Zwischenbilanz:  Sieben  Thesen  zum  Fort-
       schritt, in:  IMSF (Hrsg.),  "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage
       ...". Die Linke und der Fortschritt, Frankfurt/M. 1987, S. 157.
       16) S. Heinz  Jung, Imperialismustheorie und Umbruchprozesse, in:
       Marxistische Blätter, 10/87, S. 69.
       17) Wolfgang Eichhorn  I, Theorie der Gesellschaftsformation. No-
       tizen zu  aktuellen Aufgaben, in: Deutsche Zeitschrift für Philo-
       sophie, 11/87, S. 987.
       18) Ebd.
       19) S. dazu  Erich Hahn,  Friedenskampf und Ideologie, Berlin/DDR
       1987, Manuskript, bes. S. 9.
       20) Dies begründen  ausführlicher Dieter  Bergner/Reinhard Mocek,
       Gesellschaftstheorien, Berlin/DDR 1986, bes. S. 118 ff.
       21) S. Willi  Gerns, Thesen  zum Verhältnis  von Friedenskampfund
       revolutionärem Kampf,  in: Marxistische  Blätter, 10/87,  S.  55;
       ders.,  Friedenskampf   und  revolutionärer   Kampf  heute,   in:
       "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage ..." Die Linke und der Fort-
       schritt, a.a.O., S. 124; s.a. Wolfgang Eichhorn, a.a.O., S. 993.
       22) Hans Heinz  Holz, Menschheit,  Natur  und  gesellschaftlicher
       Fortschritt. Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft, in: Marxisti-
       sche Studien. Jahrbuch des IMSF, 9, Frankfurt/M. 1985, S. 85.
       23) S. dazu  die in  Anm.  17  erwähnte  Tagung  der  Zeitschrift
       "Probleme des Friedens und des Sozialismus", a.a.O., S. 1354. Die
       DKP hat diese Auffassung schon 1982 in einem programmatischen Do-
       kument formuliert.  S. DKP-Parteivorstand (Hrsg.), Zum Verhältnis
       von Kommunisten und Pazifisten, Düsseldorf 1982.
       24) W.I. Lenin,  Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämp-
       fen soll, in: LW, 25, S. 373.
       25) Markov,  Weltgeschichte   im  Revolutionsquadrat,  Berlin/DDR
       1982, S.  105 ff.;  s. weiter:  ders., Revolution im Zeugenstand,
       Bd. 1,  a.a.O., S.  197 ff.  und 272;  Albert Soboul,  Kurze  Ge-
       schichte der  Französischen Revolution, (West-)Berlin 1977, S. 65
       ff. S.  a. die  Rede des  Girondisten Brissot "Das Volk muß Krieg
       fuhren", in  Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. 2, a.a.O., S.
       198 ff.
       26) Markov, Weltgeschichte  im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 102
       f.
       27) Markov, Revolution im Zeugenstand, a.a.O., S. 200.
       28) Zweite Rede  Robespierres gegen  den Krieg, Jakobinerklub, 2.
       Januar 1792, in: Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. 2, S. 210
       und 215 f.
       29) Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd. l, a.a.O., S. 202.
       30) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 111.
       31) Ebd.
       32) S. Friedrich  Engels, Brief an Victor Adler, 4. 12. 1889, in:
       MEW, 37,  S. 317  f.; s.a. Markov, Revolution im Zeugenstand, Bd.
       1, a.a.O., S. 342 ff.
       33) W.I. Lenin,  Krieg und  Revolution (1917), in: LW, 24, S. 397
       f.; s. a. ebd., S. 399.
       34) Markov, Weltgeschichte im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 112.
       35) Soboul,  Kurze   Geschichte  der   Französischen  Revolution,
       a.a.O., S.  149 und  147; s.  a. ebd.,  S. 94ff.,  und ders., Die
       Große Französische  Revolution, a.a.O., S. 252 und 365 ff. Zu den
       durch den Krieg verursachten Entbehrungen des arbeitenden Volkes,
       vor allem der Frauen, s. Susanne Petersen, Marktweiber und Amazo-
       nen, Köln 1987, bes. S. 106 ff.
       36) Lenin, Die  drohende Katastrophe  und wie  man sie  bekämpfen
       soll, LW, 25, S. 373.
       37) Lenin, Krieg und Revolution, LW, 24, S. 396 f.
       38) Ebd., S. 405.
       39) Ebd., S. 419 und 420.
       40) Ebd., S. 418.
       41) S. dazu  Harald Neubert,  Friedliche Koexistenz  und Kampf um
       sozialen Fortschritt  in der  Gegenwart, in: Deutsche Zeitschrift
       für Philosophie, 10/87, S. 866.
       42) S. dazu  und zum folgenden ausf.: Reusch, Alternative Sicher-
       heitspolitik im Nuklearzeitalter, a.a.O., Kap. 1.2.
       43) Daher wurden  folgerichtig entsprechende  Passagen des  alten
       Parteiprogramms der  KPdSU auf dem 27. Parteitag 1985 gestrichen.
       S. dazu auch Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 188.
       44) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 993.
       45) S. Französische Aufklärung. Bürgerliche Emanzipation, Litera-
       tur und Bewußtseinsbildung, Leipzig 1979, bes. S. 622 ff.
       46) Zweite Rede Robespierres gegen den Krieg, a.a.O., S. 210 f.
       47) Markov, Weltgeschichte  im Revolutionsquadrat, a.a.O., S. 102
       f.
       48) Robespierre, a.a.O., S. 212 f.
       49) Ebd., S. 213.
       50) Französische Aufklärung,  a.a.O., S. 643 ff.; Markov, Revolu-
       tion im Zeugenstand, Bd. 1, a.a.O., S. 441 ff. und 495 ff.
       51) Friedrich Engels,  Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissen-
       schaft, MEW, Bd. 20, S. 17.
       52) Karl Marx/Friedrich Engels; Manifest der Kommunistischen Par-
       tei, MEW,  Bd. 4,  S. 463 f.; Karl Marx, Die künftigen Ergebnisse
       der britischen Herrschaft in Indien (1853), in: MEW, 9, S. 226.
       53) Manfred Kossok, Bürgerliche Revolution - Fortschritt - Trans-
       formation, in:  Karl-Heinz Röder  (Hrsg.), Politische Theorie und
       sozialer Fortschritt, Berlin/DDR 1986, S. 40.
       54) Erklärung der Beratung von Vertretern der Kommunistischen und
       Arbeiterparteien der  sozialistischen  Länder,  14.-16.  November
       1957 in Moskau, in: Neues Deutschland, 22.11.1957.
       55) Vgl.: Erklärung  der Beratung  von Vertretern der Kommunisti-
       schen und Arbeiterparteien, November 1960; in: Neues Deutschland,
       6.12.1960; Die  Aufgaben des  Kampfes gegen  den Imperialismus in
       der gegenwärtigen  Etappe und  die Aktionseinheit der Kommunisti-
       schen und  Arbeiterparteien, aller  antiimperialistischen Kräfte.
       Angenommen von  der Internationalen  Beratung der Kommunistischen
       und Arbeiterparteien in Moskau, 17. Juni 1969, in: Internationale
       Beratung der  Kommunistischen und  Arbeiterparteien, Moskau 1969,
       Prag 1969, S. 12 ff.
       56) Ansprache Michail  Gorbatschows auf  dem Treffen von Parteien
       und  Bewegungen   zum  70.   Jahrestag   der   Oktoberrevolution,
       4.11.1987, Anhang  zu ders., Die Revolution geht weiter. Rede zum
       70. Jahrestag der Oktoberrevolution, Frankfurt/M. 1987, S. 107.
       57) Ebd., S. 108.
       58) S. Wolfgang Eichhorn I, Die soziale Revolution - Gesetzmäßig-
       keit des  Geschichtsprozesses, in:  Röder, Politische Theorie und
       sozialer Fortschritt, a.a.O., S. 22 f.
       59) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 993;
       s.a. ders., Die soziale Revolution ... , a.a.O., S. 31.
       60) Ders., Theorie der Gesellschaftsformation, ebd.
       61) Ebd. und  Heinz Jung/Josef Schleifstein, Die materialistische
       Geschichtsauffassung und  der Charakter  unserer Epoche, in: "...
       einen großen  Hebel der  Geschichte". Marxistische Studien. Jahr-
       buch des  IMSF, Sonderband  l, Frankfurt/M., o.J. (1982), bes. S.
       44 f.
       62) S. Jung/Schleifstein, a.a.O., S. 28 und 38 f.
       63) S. Heinz Jung, Umbruchperiode? Die BRD bis zum Jahr 2000, in:
       Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, 9, a.a.O., bes. S. 13 f.
       64) Gorbatschow, a.a.O., S. 108; s.a. Eichhorn, a.a.O.
       65) Zum Verhältnis  von Krieg/Frieden  und Fortschritt,  s. Chri-
       stoph Butterwegge,  Überlegungen zum  Verhältnis von  Frieden und
       Fortschritt, in:  IMSF, "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage...".
       Die Linke und der Fortschritt, a.a.O., S. 128 ff.
       66) Lenin, Krieg und Revolution, a.a.O., S. 396.
       67) S. dazu  ausführlicher: Karl  Drechsler/Fritz Klein/Ernst La-
       boor, Die  Entwicklung der  Konzeption der friedlichen Koexistenz
       von Staaten  unterschiedlicher Gesellschaftsordnung  von 1917 bis
       zur Gegenwart, in: Friedliche Koexistenz. Erfahrungen - Chancen -
       Gefahren, hrsg. vom Forschungsbereich Gesellschaftswissenschaften
       der Akademie  der Wissenschaften der DDR, Berlin/DDR 1987, S. 11;
       vgl. auch Georg Grasnick, Roter Oktober ... , a.a.O., S. 3.
       68) S. zu  dieser Problematik  ausführlich und mit vielen Litera-
       turhinweisen: Drechsler/Klein/Laboor,  Die Entwicklung  der  Kon-
       zeption der friedlichen Koexistenz ..., a.a.O., S. 11 ff.
       69) Vgl. Rechenschaftsbericht  des Zentralkomitees  der KPdSU  an
       den 20. Parteitag, Referat des 1. Sekretärs des ZK der KPdSU, Ni-
       kita S.  Chruschtschow, in:  20. Parteitag  der KPdSU, Düsseldorf
       1956, bes.  S. 33  f. Erklärung  der Beratung... 1957, a.a.O.; s.
       dazu ausführlich Reusch, Alternative Sicherheitspolitik im Nukle-
       arzeitalter, a.a.O.
       70) S. Jürgen  Reusch, Überleben  oder Revolution?, in: IMSF, Die
       Linke und der Fortschritt, a.a.O., S. 120.
       71) S. Karl  Marx/Friedrich Engels,  Die heilige  Familie (1844),
       MEW, 2, S. 126; vgl. Werner Hofmann, Ideengeschichte der sozialen
       Bewegung des  19. und 20. Jahrhunderts, (West-)Berlin 1968, S. 41
       ff.
       72) Karl Marx,  Erste Adresse  des Generalrats  über den Deutsch-
       Französischen Krieg (1870), MEW, 17, S. 7.
       73) Michail Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 187.
       74) Lenin, Entwurf  eines Programms unserer Partei, in: LW, 4, S.
       230. Lenin  meint hier konkret, der Sturz des Zarismus entspreche
       nicht nur den Interessen der Arbeiterklasse, sondern den Interes-
       sen der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung.
       75) S. dazu auch Frank Berg/Rolf Reissig, Zur Dialektik von Frie-
       den, Sicherheit  und sozialem  Fortschritt in  der Gegenwart, in:
       Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 10/85, bes. S. 865 f.
       76) Gorbatschow, Perestroika, a.a.O., S. 173.
       77) S. dazu  Jung/Schleifstein, Die  materialistische Geschichts-
       auffassung..., a.a.O., bes. S. 26 f.
       78) Eichhorn, Theorie der Gesellschaftsformation, a.a.O., S. 995.
       79) Vgl. Georg Picht, Zum Begriff des Friedens, in: Manfred Funke
       (Hrsg.), Friedensforschung  -  Entscheidungshilfe  gegen  Gewalt,
       München 1975,  S. 24  ff.; Carl-Friedrich von Weizsäcker, Wege in
       der Gefahr,  3. Auflage, München 1983, bes. S. 236 ff.; Ernst Tu-
       gendhat, Nachdenken  über die  Atomkriegsgefahr und warum man sie
       nicht sieht,  a.a.O.; s.  dazu auch  Jürgen Reusch, Keine Zukunft
       ohne Frieden,  in: Marxistische  Studien. Jahrbuch  des IMSF,  9,
       a.a.O., bes. S. 88.
       80) Hans Jonas,  Das Prinzip  Verantwortung. Versuch  einer Ethik
       für die  technologische Zivilisation,  Frankfurt/M. 1982; s. dazu
       Alexander von  Pechmann, Technischer  Fortschritt  -  Umbruch  im
       Weltbild?, in:  Marxistische  Studien.  Jahrbuch  des  IMSF,  13,
       Frankfurt/M. 1987, S. 41 ff.
       81) So  z.B.  Ulrich  Beck,  Auf  dem  Weg  in  die  industrielle
       "Risikogesellschaft", in: Blätter für deutsche und internationale
       Politik, 2/87, S. 139 f.
       82) Karl Marx, Das Kapital, I, in: MEW, 23, S. 529 f.
       83) Dieter Klein, Gerechtigkeit und Zusammenleben der Völker, in:
       Weißenseer Blätter, 2 / 87, S. 48.
       84) Programm der  KPdSU, 1986,  in: Sowjetunion  zu neuen Ufern?,
       Dokumente und  Materialien des  27. Parteitags der KPdSU, Düssel-
       dorf o.J. (1986), S. 192 f.
       85) Ansprache Michail  Gorbatschows auf  dem Treffen der Parteien
       und Bewegungen  zum 70.  Jahrestag der Oktoberrevolution, a.a.O.,
       S. 109.
       86) S. Eichhorn,  Theorie der  Gesellschaftsformation, a.a.O., S.
       992.
       87) Erhard Eppler,  Friedenspolitik und  Ideologie, in: Mediatus,
       4/86, S.  1 ff.,  hier bes.  S. 10.  Noch deutlicher äußerte sich
       diesbezüglich Johano  Strasser auf dem 6. Forum der Krefelder In-
       itiative 1987  im Disput mit Erich Hahn, in: DVZ/die tat, 42, 16.
       10. 87, Beilage, S. III f.
       88) Eppler, a.a.O., S. 11.
       89) Eichhorn, Die  soziale Revolution  - Gesetzmäßigkeit  des Ge-
       schichtsprozesses. a.a.O., S. 22.
       90) Darauf verweist  Dieter Klein,  Friedenssicherung und politi-
       sche Ökonomie  des Kapitalismus,  in: Humboldt-Journal  zur Frie-
       densforschung, 3,  Berlin/DDR 1987,  S. 32f.; vgl. dazu Waleri N.
       Jegorow, Friedliche  Koexistenz und revolutionärer Prozeß, Berlin
       1972, bes. S. 104 und 164 ff.
       91) Ansprache Michail  Gorbatschows auf  dem Treffen von Parteien
       und Bewegungen, a.a.O., S. 111.
       92) S. dazu ausführlich Jürgen Reusch, Ist der Kapitalismus frie-
       densfähig?, in:  Marxistische Blätter,  4/88; sowie:  Lutz Maier,
       Das  Monopolkapital  und  die  Friedensfrage,  in:  IPW-Berichte,
       11/87, S.  1 ff.;  Dieter Klein, Friedenssicherung und politische
       Ökonomie des Kapitalismus, a.a.O.; ders., Politökonomische Grund-
       lagen für  einen friedensfähigen  Kapitalismus, in: IPW-Berichte,
       2/88, S. l ff.
       93) S. dazu:  Max Schmidt/Wolfgang  Schwarz, Umfassende  Interna-
       tionale Sicherheit  - Gebot  unserer Zeit, Teil I und n, in: IPW-
       Berichte, 9 und 10/87.
       94) S.  zur   Kritik  solcher  Konzeptionen  ausführlich:  Jürgen
       Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik. Entwicklung, Po-
       sitionen, Perspektiven, IMSF-Informationsbericht 40, Frankfurt/M.
       1986, bes. S. 159 ff.
       95) Michail Gorbatschow, Wie weiter nach der Abschaffung der Mit-
       telstreckenraketen?, Zur Gestaltung eines umfassenden Systems der
       internationalen Sicherheit, in: Blätter für deutsche und interna-
       tionale Politik, Sonderdruck 349, Köln 1987.
       96) Eichhorn, Die  soziale Revolution,  a.a.O., S.  32.  Eichhorn
       verweist dabei  auf entsprechende  Hinweise Lenins in: Die Ergeb-
       nisse der  Diskussion über  Selbstbestimmung, in:  LW, Bd. 22, S.
       360f. Lenin  bezieht sich  wiederum auf einen Brief von Engels an
       Kautsky von  1882: S.  MEW, Bd.  35, S. 357f.; s.a. Maase, Thesen
       zum Fortschritt, a.a.O., S. 158.
       97) S. Heinz  Jung, Zum Konzept der Entwicklungsvarianten des SMK
       heute, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF, 11, Frank-
       furt/M. 1986.
       98) S. Klein, Friedenssicherung und politische Ökonomie des Kapi-
       talismus, a.a.O., S. 34.
       99) Maase, a.a.O., S. 158.
       100) Ebd., S. 151 und 153.
       101) Heinz  Jung,   Imperialismustheorie   und   Umbruchprozesse,
       a.a.O., S. 69.
       

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