Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       WELCHE BIBLIOTHEK BENUTZTE MARX FÜR SEINE "KREUZNACHER EXCERPTE"?
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       Harry Schmidtgall
       
       Die theoriegeschichtliche Relevanz von Marx'" Kreuznacher Exzerp-
       ten" -  so genannt  nach dem Ort ihrer Entstehung im Juli und Au-
       gust 1843   1) - ist nicht umstritten. Sie gelten in der Marxfor-
       schung als  "... Dokument der frühen politischen, wissenschaftli-
       chen und weltanschaulichen Entwicklung des Begründers der dialek-
       tisch-materialistischen Gesellschafts- und Geschichtstheorie." 2)
       Die Beantwortung der bislang ungeklärten Frage, welche Bibliothek
       Marx  in  Bad  Kreuznach  bei  seinen  historischen  und  staats-
       theoretischen Studien mit dem Schwerpunkt Französische Revolution
       benutzt hat,  3) scheint deshalb nicht unwichtig zu sein. Dies um
       so mehr,  als vor  einiger Zeit die These aufgestellt worden ist,
       daß Teile  der "Kreuznacher Exzerpte" gar nicht 1843 in Kreuznach
       entstanden seien. 4)
       
       I.
       
       Ehe dieser  Frage unter  Hinzuziehung bislang  unbekannter Fakten
       nachgegangen wird, soll zunächst kurz der biographische und theo-
       riegeschichtliche Hintergrund  skizziert werden,  vor dem die Ex-
       zerpte zu sehen sind.
       Marx war  am 17. März 1843 in Köln aus der von ihm geleiteten Re-
       daktion der "Rheinischen Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe"
       - das Verbot des Blattes durch die preußische Regierung war schon
       ausgesprochen -  auf eigenen  Wunsch in der Gewißheit ausgeschie-
       den, 5)  daß in  Deutschland eine  progressive Publizistik  nicht
       mehr möglich sei. Als einziger sinnvoller Aufenthaltsort und "...
       neuer Sammelpunkt  für die  wirklich denkenden  und  unabhängigen
       Köpfe ..."  erwies sich unter den bestehenden konkreten Bedingun-
       gen Paris",...  die neue  Hauptstadt der neuen Welt", 6) und zwar
       gerade auch  im Hinblick auf das von Marx und Arnold Rüge (in An-
       lehnung an das von Ludwig Feuerbach propagierte Bündnis von deut-
       scher und  französischer Philosophie 7) ins Auge gefaßte publizi-
       stische Projekt  der  "Deutsch-Französischen  Jahrbücher".  Deren
       Tendenz faßte  Marx in  den Worten zusammen: "Selbstverständigung
       (kritische Philosophie)  der Zeit  über ihre  Kämpfe und Wünsche.
       Dies ist  eine Arbeit  für die  Welt und uns." 8) In der Zeit bis
       zur Übersiedlung  wollte er  nach Abschluß des Kontraktes, wie er
       in einem Brief vom 13. März 1843 an Rüge schrieb",... nach Kreuz-
       nach reisen  und heirathen, einen Monat oder länger aber dort bei
       der Mutter  meiner Braut  wohnen, da wir doch jedenfalls, ehe wir
       an's Werk gehn, einige Arbeiten fertig haben müßten." 9)
       Trotz eines gewaltigen Arbeitspensums in Kreuznach kam Marx nicht
       zur Fertigstellung  der von  ihm im März 1843 für die Zeitschrift
       projektierten Aufsätze;  zu umfangreich  waren die  dafür von ihm
       als notwendig  erachteten methodologischen und empirischen Vorar-
       beiten. Die  Problematik der  von Marx für die "Deutsch-Französi-
       schen Jahrbücher" vorgesehenen Arbeiten entsprach weitgehend sei-
       ner schon seit geraumer Zeit gehegten Absicht, 10) eine kritische
       Revision der  Hegelschen Philosophie, namentlich der Rechtsphilo-
       sophie, vorzunehmen. Zwar hielt Marx noch Ende 1842 grundsätzlich
       an Hegels Auffassung des Staates als der Wirklichkeit der sittli-
       chen Idee  und an  der objektiv-idealistischen  Methode fest,  er
       verwarf aber  bereits unter dem Eindruck der jüngsten politischen
       und gesellschaftlichen Entwicklung Preußens, die er in seiner Ei-
       genschaft als  Redakteur der "Rheinischen Zeitung" von einer sich
       radikalisierenden revolutionär-demokratischen  Position aus  kri-
       tisch beobachtet  und analysiert  hatte, in  seinen Artikeln  für
       diese Zeitung  wesentliche Momente  von Hegels Staatstheorie. 11)
       Gleichwohl würdigte Marx, daß sich Hegels Staats- und Geschichts-
       auffassung jenseits  des Rheins,  d.h. an  Frankreich, orientiere
       und "...  die einzige  mit der  officiellen modernen Gegenwart al
       pari stehende Geschichte" 12) sei.
       Tatsächlich ist die Französische Revolution das Ereignis, das He-
       gels Philosophie,  einschließlich  ihrer  dialektischen  Methode,
       weit nachhaltiger beeinflußt hat als alle anderen philosophischen
       Systeme der Zeit. 13) Das Prinzip, das nach Hegel von der Revolu-
       tion auf die Tagesordnung der Geschichte gestellt worden ist, sah
       er vornehmlich  darin, die Rechtsform der Freiheit zu finden, die
       es dem Menschen ermögliche, sein Menschsein zu verwirklichen. Die
       Französische Revolution war nach Hegels Auffassung freilich nicht
       in der  Lage, eine  dauerhafte Rechtsordnung  herbeizuführen, ein
       Problem, an  dessen theoretischer  Lösung sich Hegel unausgespro-
       chen in  seinen "Grundlinien  der Philosophie  des Rechts" (1821)
       versucht.
       Hegel faßt  dort den  Staat gemäß  seiner objektiv-idealistischen
       Weltanschauung als  Realisationsform des  objektiven Geistes, der
       schrittweise im  gesetzmäßigen Gang  der Weltgeschichte zur Wirk-
       lichkeit kommt.  Der moderne  Staat, wie er sich als Ergebnis der
       Revolution namentlich  in Frankreich  herausgebildet hatte,  wird
       von Hegel strikt von der bürgerlichen Gesellschaft unterschieden.
       Letztere charakterisiert  er nämlich unter dem Einfluß der engli-
       schen politischen  Ökonomie realistisch als "Kampfplatz der indi-
       viduellen Privatinteressen  aller gegen alle." 14) Die partikula-
       ren Interessen  sollen aber  durchaus nicht  unterdrückt  werden,
       sondern mit  dem Allgemeinen  in Übereinstimmung  gesetzt werden,
       wodurch "sie  selbst und das Allgemeine erhalten" 15) würden. Die
       Aufgabe der  Harmonisierung weist er dem Staat zu, dessen höchste
       sittliche und historische Form er in der konstitutionellen Monar-
       chie erblickte.  (Hegel vertritt  damit unter den Bedingungen der
       Restaurationszeit die großbürgerliche Option, welche die antifeu-
       dalen, bürgerlichen Errungenschaften der Französischen Revolution
       in Deutschland auf dem Wege der Reform erreichen und sowohl gegen
       feudal-absolutistische, restaurative  als auch  gegen  republika-
       nisch-revolutionäre Tendenzen  und Bewegungen sicherstellen will.
       Er tut  dies um  den Preis,  daß er  seine  dialektische  Methode
       stillstellt.) Marx sieht es durchaus als ein Verdienst Hegels an,
       daß er  die Trennung  von bürgerlicher Gesellschaft und Staat er-
       kannt und  ausgesprochen hat,  indem er  "... das an und für sich
       seiende Allgemeine  des Staates den besonderen Interessen und dem
       Bedürfnis (gegenüberstellt)."  16) Die  beiden Sphären würden als
       zwei wirkliche  Extreme dargestellt,  die der Vermittlung bedürf-
       ten, aber Hegel behandele sie dann als miteinander vereinbare Ge-
       gensätze, die  sich in  der Geschichte der objektiven Idee aufhe-
       ben. Die  Vermittlung erfolge  bei Hegel  also nur zum Schein, in
       einer rein  spekulativen, mystifizierenden  Form: "Die  Idee wird
       versubjektiviert und  das wirkliche  Verhältniß von  Familie  und
       bürgerlicher Gesellschaft  zum Staat  wird als  ihre  i n n e r e
       i m a g i n a i r e   Thätigkeit gefaßt.  Familie und bürgerliche
       Gesellschaft sind  die Voraussetzungen  des Staats;  sie sind die
       eigentlich thätigen;  aber in  der Spekulation wird es umgekehrt.
       Wenn aber die Idee versubjektiviert wird, werden hier die wirkli-
       chen  Subjekte,  bürgerliche  Gesellschaft,  Familie.  'Umstände,
       Willkür etc.'  zu   u n w i r k l i c h e n  anderes bedeutenden,
       objektiven Momenten der Idee." 17)
       Marx' kritische Revision der Hegelschen Rechtsphilosophie, die in
       Gestalt des  "Manuskripts von  1843" 18)  zu Beginn  oder während
       seines Kreuznacher  Aufenthalts vorlag,  zeichnet sich  gegenüber
       seiner journalistischen  Tätigkeit von 1842 durch eine Weiterent-
       wicklung seiner  theoretischen und  weltanschaulichen  Positionen
       aus. Im  Prozeß seiner  Kritik des  spekulativen,  idealistischen
       Staatsbegriffs entwickelt er Ansätze eines Materialismus, der an-
       ders als  der Feuerbachs, dem Marx gleichwohl wichtige Anregungen
       verdankt, schon weitgehend, wenn auch nicht immer konsequent, auf
       die Materialität  grundlegender Prozesse und Verhältnisse als Er-
       gebnis geschichtlichen Handelns der Menschen abstellt. Auch Marx'
       Begriff der wahren Demokratie, die er der bürgerlichen Demokratie
       - ob republikanisch oder konstitutionell monarchisch - gegenüber-
       stellt, ist durch seinen Übergang auf materialistische Positionen
       bedingt: "Hier  ist die  Verfassung nicht  nur an sich, dem Wesen
       nach, sondern  der Existenz, der Wirklichkeit nach in ihren wirk-
       lichen Grund,  den wirklichen Menschen, das wirkliche Volk, stets
       zurückgeführt und  als sein  eignes Werk  gesetzt. Die Verfassung
       erscheint als das, was sie ist, freies Produkt des Menschen; ..."
       19).
       Marx' philosophischer  Materialismus bleibt aber notwendigerweise
       noch in  vielen Punkten abstrakt und unausgeführt - nicht zuletzt
       aufgrund unzureichender historischer Kenntnisse, obschon Marx be-
       reits vor  seiner Kreuznacher  Zeit über  umfangreiche Kenntnisse
       auf dem Gebiet der Geschichte verfügte, die ja seit seiner Berli-
       ner Studentenzeit  Gegenstand seiner  Studien war. Aus der Hegel-
       kritik entwickelt Marx unter Beibehaltung der rationellen Momente
       von Hegels  Theorie wie  der Auffassung  der Geschichte als eines
       einheitlichen, gesetzmäßigen Prozesses zugleich die Fragestellun-
       gen für  seine weiteren  Forschungen; im einzelnen sind dies: das
       Verhältnis von  bürgerlicher Gesellschaft und Staat (das Kernpro-
       blem seiner  Kreuznacher Studien),  die Entwicklung des Privatei-
       gentums, der  Übergang von den feudalen Ständen zur Klassenstruk-
       tur der bürgerlichen Gesellschaft und zum modernen Repräsentativ-
       system usw.  Dieser Problemkomplex  diente Marx  in Kreuznach als
       Raster bei  seiner Lektüre  einer großen Zahl historiographischer
       und staatstheoretischer Werke.
       
       II.
       
       Marx hat  in Kreuznach Exzerpte und Konspekte aus 24 Werken unter
       dem Titel  "Historisch-politische Notizen"  angefertigt. Die Aus-
       züge wurden  teils wörtlich aus dem Original, teils in Form einer
       freien Wiedergabe des Inhalts übernommen. Sie sind auf fünf Hefte
       verteilt, die (bis auf das letzte Heft) Orts- und Zeitangaben wie
       "Kreuznach. Juli.  1843" und  "Kreuznach. Juli. August. 1843" 20)
       von Marx'  Hand aufweisen. Der größte Teil der durchgesehenen Bü-
       cher  besteht   aus  Darstellungen  zur  Geschichte  Frankreichs,
       Deutschlands, Englands,  Polens, Schwedens und Venedigs. In bezug
       auf Frankreich,  dessen  Geschichte  den  Schwerpunkt  von  Marx'
       Kreuznacher Studien  bildet, dominieren Darstellungen zur Franzö-
       sischen Revolution. Sieben der exzerpierten Werke sind in der von
       dem Göttinger  Historiker Arnold  Herrmann Heeren (1760-1842) und
       dem Gothaer  Bibliothekar und  Geograph  Georg  Friedrich  August
       Ukert (1780-1851)  herausgegebenen Reihe "Geschichte der europäi-
       schen Staaten"  erschienen. Das  ist insofern  bemerkenswert, als
       die Aufgabenstellung dieser Sammlung weitgehend dem spezifischen,
       aus der  Hegelkritik gewonnenen Forschungsinteresse von Marx ent-
       spricht.
       "Aus den Quellen selbst soll", so heißt es im Vorwort der Heraus-
       geber zum  ersten Band dieser Reihe, "ohne Vorliebe für eine Par-
       tei, für einen Stand, die Geschichte der Regenten wie der Regier-
       ten dargestellt  werden. Es wird gezeigt, wie sich die Verfassung
       entwickelte, wie  der dritte Stand sich bildete, was in Bezug auf
       die Verwaltung  und das Finanzwesen, auf Volkswirthschaft ... ge-
       schah ...  das ist  die Aufgabe, welche gelöst werden soll, damit
       man sehe,  wie, im  Laufe der Zeit, jeder Staat das geworden, was
       er ist,  ...". 21)  Diesem Anspruch  genügen, was  den Umfang des
       herangezogenen Quellenmaterials  betrifft, vornehmlich die beiden
       der Geschichte  Frankreichs gewidmeten  Darstellungen  von  Ernst
       Alexander Schmidt  (1801-1857) und  Ernst Wilhelm Gottlieb Wachs-
       muth  (1787-1866).  Über  Schmidts  "Geschichte  von  Frankreich"
       (1835-1848) schrieb  Heinz-Otto Sieburg  noch 1954,  daß "für das
       französische Mittelalter  auf deutscher Seite bis heute keine das
       Detail berührende  Gesamtdarstellung erschienen  (ist), durch die
       Schmidts 'Geschichte'  ... ersetzt worden wäre". 22) Marx konzen-
       triert sich bei seinen Auszügen aus den beiden ersten Bänden die-
       ses Werkes auf die Passagen, in denen die Entwicklung der Feudal-
       verhältnisse des Bürgertums im Mittelalter beschrieben wird.
       Als Fortsetzung  von Schmidts  Werk erschien 1840"1844 Wachsmuths
       "Geschichte Frankreichs im Revolutionszeitalter". Dieses vierbän-
       dige Werk  stellt die  französische Geschichte  von 1789 bis 1830
       dar. Auf  der Grundlage der vierzigbändigen monumentalen Quellen-
       sammlung "Histoire  parlementaire  de  la  Revolution  francaise"
       (1834 -  1838) von Philippe-Joseph-Benjamin Buchez und Pierre-Ce-
       lestin Roux  liefert Wachsmuth  die erste umfassende deutsche Ge-
       schichte der Französischen Revolution. Seine Darstellung zeichnet
       sich durch ein vergleichsweise hohes Maß an Genauigkeit und Quel-
       lentreue aus  in dem Bestreben",... jegliche Tatsache durch Zeug-
       nisse aus sicheren Quellen zu beglaubigen, und die Ergebnisse der
       Quellenforschung mit  voller Wahrhaftigkeit  und  Parteilosigkeit
       darzustellen." 23) Gleichwohl gelingt es Wachsmuth nicht, die ei-
       gentlichen Ursachen, Triebkräfte und Folgen der Revolution aufzu-
       decken. "Alles  in allem", urteilt Walter Markov, "solide Stuben-
       gelehrsamkeit, die  vor der gefühligen Seufzerfolge des berühmten
       Carlyle  und   dem  junghegelnden  Redeschwall  theologisierender
       Landsleute nicht  übel bestand. ... Marx ... war gut beraten, als
       er sich  in Kreuznach  1843 in  Wachsmuths Opus  vertiefte."  24)
       Tatsächlich sah  Marx die beiden ersten Bände des Werkes mehrfach
       durch, konnte  dabei aber getrost Wachsmuths Wertungen ignorieren
       und sich  vornehmlich auf die Übernahme der Beschlüsse der Natio-
       nalversammlung vom  August 1789  über die  Abschaffung der droits
       féodaux und  einzelner Artikel  der  Menschenrechtserklärung  von
       1791 beschränken.
       Dank Wachsmuth geriet auch erstmals die äußerste politische Linke
       der Französischen  Revolution, die  Enrages, in das Blickfeld von
       Marx, die, wie er später in der "Heiligen Familie" (1845) ausfüh-
       ren  wird,  daran  beteiligt  war",...  die  kommunistische  Idee
       (hervorzutreiben) ...". 25)
       Neben den  Werken zur  Geschichte verschiedener  Länder arbeitete
       Marx noch drei Klassiker der neuzeitlichen Staatstheorie, Machia-
       velli, Montesquieu und Rousseau, durch. Besonders ausführlich ex-
       zerpierte Marx  dabei Montesquieus  "De  l'esprit  de  loix"  und
       Rousseaus "Du contrat social", und zwar besonders im Hinblick auf
       das Problem  der Vermittlung von partikularen und allgemeinen In-
       teressen sowie  von Gesellschaft  und Staat.  Während Montesquieu
       freilich die  Ungleichheit der  Menschen ("par  la naissance, les
       richesses ou les honneurs") 26) durch die konstitutionelle Monar-
       chie und die Einrichtung eines Zweikammersystems mit einer Adels-
       und Volkskammer erhalten will, ist es das Ziel Rousseaus, die Un-
       gleichheit und  den Gegensatz von Einzel- und Allgemeininteressen
       aufzuheben.  Er  propagiert  deshalb  einen  Gesellschaftsvertrag
       (contrat social),  bei dem  sich der einzelne aller individuellen
       Rechte entäußert, um so eine soziale Existenz zu erlangen, in der
       das Ziel  der politischen Gemeinschaft und damit auch die indivi-
       duellen Interessen  erreicht werden  können. Realisierbar ist das
       nach Rousseau  nur in  einer direkten Demokratie; das Repräsenta-
       tivsystem ist  für ihn  identisch mit  Korruption und politischer
       Entmündigung. Als besonders bemerkenswert bezeichnet Marx in sei-
       nem Rousseau-Exzerpt  eine Passage,  27) in  der dieser ausführt,
       daß unter  den schlechten  Regierungen  die  Gleichheit  nur  dem
       Schein nach  existiere; sie diene nur dazu, den Armen im Elend zu
       halten und  dem Reichen  das Usurpierte  zu sichern. Daraus zieht
       Rousseau den  Schluß, daß  der gesellschaftliche  Zustand für den
       Menschen nur dann vorteilhaft ist, wenn alle etwas haben und kei-
       ner zuviel  besitzt. Wie  dieser Zustand  zu erreichen  sei, läßt
       Rousseau allerdings offen.
       Es fällt auf, daß die beiden wichtigen bürgerlichen Staatstheore-
       tiker Thomas  Hobbes und  John Locke  in Marx' Kreuznacher Heften
       nicht vertreten sind. Der Grund liegt wohl einfach darin, daß ihm
       in Kreuznach keine entsprechenden Ausgaben zur Verfügung standen.
       
       III.
       
       Woher hatte  nun aber Marx die von ihm in dieser Stadt exzerpier-
       ten Bücher? "In den überlieferten Verzeichnissen der in Marx' Be-
       sitz befindlichen Bücher", heißt es im Kommentar zur ersten voll-
       ständigen Veröffentlichung  der Kreuznacher  Hefte in  der  neuen
       Marx-Engels-Gesamtausgabe, "wird  keine einzige  der Ausgaben er-
       wähnt, nach  denen Marx  in den  Kreuznacher Heften  konspektiert
       hat. Das deutet daraufhin, daß diese Bücher Marx nicht persönlich
       zur Verfügung  standen, sondern daß er sie möglicherweise aus ei-
       ner Bibliothek  oder von  Privatpersonen zur  Benutzung  erhalten
       hatte. Die genaue Herkunft dieser Bücher konnte bisher noch nicht
       ermittelt werden." 28)
       Nun gab  es in Bad Kreuznach, das 1843 rund 9000 Einwohner zählte
       und trotz  des wachsenden  Badebetriebs noch weitgehend handwerk-
       lich und  bäuerlich strukturiert  war, 29)  keine öffentliche Bi-
       bliothek im eigentlichen Sinne. Für die Lesebedürfnisse von Bade-
       gästen und  einheimischen Bürgern  sorgten mehrere Leihbibliothe-
       ken. Die  erste größere  Bibliothek dieser Art in Kreuznach wurde
       1797 von  dem Buchhändler,  Verleger und  Autor Ludwig  Christian
       Kehr gegründet.  "Mit der  Leihbibliothek hatte ich es theilweise
       nicht getroffen",  schreibt  Kehr  in  seiner  "Selbstbiographie"
       (1834) "Ich  ... beging  ... die Unklugheit, unsere alten classi-
       schen deutschen Schriftsteller ... Kleist ... Klopstock, Lessing,
       Wieland ...  usw. aufzunehmen;  ... und  eine Menge  von Reisebe-
       schreibungen und  geschichtlicher Werke.  Aber man wollte nur Ro-
       mane lesen,  besonders Ritterromane,  welche damals an der Tages-
       ordnung waren,  ... währenddem  die oben genannten Schriftsteller
       mit Staub  bedeckt waren.  Jetzt kannte  ich meine Leute, und von
       nun an sorgte ich mehr für ihren Geschmack." 30)
       Die von  Kehr beschriebene,  über Kreuznach  hinaus anzutreffende
       Hinwendung von  Leihbibliotheksbenutzern zu trivialen Romangenres
       - nicht zuletzt auf Kosten von Sach- und wissenschaftlicher Lite-
       ratur - dürfte im Zuge des Entpolitisierungsprozesses der Restau-
       rationsphase eher noch zugenommen haben. 31) 1830 wurde in Kreuz-
       nach die zweite größere Leihbibliothek, und zwar die der Gebrüder
       Schnabel, eröffnet,  die Ende  1843 über mehr als 2000 Bände ver-
       fugte. Ob  Marx eine  dieser Kreuznacher  Leihbüchereien  benutzt
       hat, wissen  wir nicht. Ein Roman, der wohl sein Interesse gefun-
       den haben  würde, wie die für jede Leihbibliothek dieser Zeit ob-
       ligatorische (deutsche)  Ausgabe von  Eugene Sues  Roman "Les my-
       steres de  Paris" (1842/43),  dessen junghegelianische  Rezeption
       Marx später  in der "Heiligen Familie" (1845) kritisieren sollte,
       wurde von der zuletzt erwähnten Bücherei erst im Februar 1844 als
       Neuerwerbung in der "Kreuznacher Zeitung" angezeigt. 32)
       Neben diesen  kommerziell betriebenen  Leihbibliotheken gab es in
       Kreuznach  allerdings   noch  die   Bibliothek  des   Königlichen
       (preußischen) Gymnasiums.  Nachdem die  linksrheinischen  Gebiete
       nach über zwanzigjähriger französischer Herrschaft auf dem Wiener
       Kongreß Preußen  zugeteilt worden waren, wurde das Gymnasium 1819
       auf Beschluß  der preußischen  Regierung gegründet und in dem Ge-
       bäude des von den Franzosen 1802 säkularisierten Franziskanerklo-
       sters an  der Stadtmauer untergebracht. 33) Der Aufbau der Schule
       vollzog sich  unter der Leitung des ersten Direktors Dr. Gerd Ei-
       lers, 34)  der als  entschiedener Anhänger  des  Gottesgnadentums
       seine Funktion  als ein  ihm "anvertrautes  Heiligthum,  als  ein
       Stücklein des königlichen Amts (betrachtete)." 35)
       Die Lehrerbibliothek des Gymnasiums wurde zu Beginn der zwanziger
       Jahre gegründet.  An ihrem  Zustandekommen  war  auch  der  fort-
       schrittliche Pädagoge und Fichteschüler Johann Wilhelm Süvern be-
       teiligt, der  in seiner Eigenschaft als Vortragender Rat beim Kö-
       niglichen Ministerium  der Geistlichen,  Unterrichts- und Medizi-
       nal-Angelegenheiten dem  Gymnasium 1820  einen Besuch abstattete.
       "Ich zeigte ihm die Nothwendigkeit einer bedeutenden Erhöhung des
       Etats", schreibt  Eilers über  den Besuch,  "... und  stellte ihm
       vor, wie  wünschenswerth die Anlage einer Bibliothek für die Leh-
       rer sei. Er versprach Alles zu thun, was in seinen Kräften stehe,
       wies aber  zugleich auf  die Beschränktheit der allgemeinen Fonds
       hin, ...  Bald nach seiner Rückkehr nach Berlin wurden 300 Thaler
       zur Anlage einer Bibliothek angewiesen, eine Summe, die der Ober-
       bürgermeister Buß auf dem Wege einer Subscription verdoppelte. So
       konnten die  werthvollen lexikographischen und andere Werke ange-
       schafft werden,  welche die  Grundlage der seitdem bedeutend ver-
       mehrten Kreuznacher Gymnasialbibliothek bilden." 36)
       Aufgrund der  notorisch knappen Geldmittel, die dem Gymnasium zur
       Verfügung standen,  konnten Bücher  für die Bibliothek nur in be-
       grenztem Umfang  angeschafft werden.  Ein großer Teil der Neuein-
       gänge waren  Geschenke von  Eltern,  Lehrern  und  Förderern  der
       Schule, von  einer Kreuznacher  Lesegesellschaft, von den überge-
       ordneten Behörden in Koblenz und Berlin sowie vom preußischen Kö-
       nig selbst.  37) Die Bibliothek kam so in den Besitz von Büchern,
       die man  kaum in  einer preußischen  Gymnasialbibliothek vermuten
       würde wie  eine deutsche Ausgabe von H. Félicité Robert de Lamen-
       nais' "Paroles d'un croyant" (1834) 38) oder Johann Jacobys "Vier
       Fragen beantwortet von einem Ostpreußen" (1841). (Beide Schriften
       waren in  Preußen noch im Jahr ihres Erscheinens verboten worden.
       39) Jacoby  schrieb später  in den "Deutsch-Französischen Jahrbü-
       chern" einen Beitrag über die gegen ihn eingeleitete Untersuchung
       wegen Hochverrat  und Majestätsbeleidigung.)  Eine spezielle Zen-
       surinstruktion gab es in Preußen jedoch nur für Schülerbibliothe-
       ken, und  zwar dahingehend,  daß "bei  der Wahl der für diese Bi-
       bliothek anzuschaffenden Werke ... sorgfältig alle solche zu ver-
       meiden (sind),  die den Keim revolutionärer Umtriebe in sich tra-
       gen, gegen Religion und gute Sitten anstoßen ..." 40).
       Die Bibliothek stand spätestens seit Ende der dreißiger Jahre des
       19. Jahrhunderts  auch der interessierten Öffentlichkeit zur Ver-
       fügung, wie  aus der Schrift "Kreuznach und seine Brom- und Jode-
       haltigen Heilquellen in ihren wichtigsten Beziehungen" (1837) des
       Begründers des Kreuznacher Badebetriebs, Dr. J.E.P. Prieger, her-
       vorgeht: "Die  unerschöpfliche  Gnade  unseres  erhabenen  Königs
       schenkte unserer Stadt... ein ... Gymnasium, welches eine ansehn-
       liche Bibliothek  ... besitzt. Im Locale dieser Bibliothek befin-
       det sich eine ziemlich bedeutende, größtentheils aus historischen
       und belletristischen  Schriften der  neuesten Zeit bestehende Bü-
       chersammlung, von  welcher auch  Curfremden gewünschte  Werke auf
       das bereitwilligste  dargereicht werden. - Einen gedruckten Cata-
       log dieser Sammlung kann man von ihrem Vorsteher, Herrn Professor
       Grabow, eingehändigt  bekommen.  Diese  Büchersammlung  hat  sich
       durch einen  Hier bestehenden  Leseverein gebildet, durch welchen
       die neuesten  Werke der  genannten Gattungen angeschafft werden."
       41)
       Der Hinweis,  daß die  Bibliothek auch  (Bade-)Gästen offensteht,
       findet sich  auch in  dem 1843 erschienenen Badeführer "Kreuznach
       und seine  Heilquellen und deren Anwendung". Darin heißt es: "...
       und wenn  er (sc. der Badegast) gerade Lust hat zu lesen, wird er
       zu einem  Buch greifen,  das ihm in Kreuznach mehrere Leihbiblio-
       theken oder  die Gymnasialbibliothek,  worin  eine  Sammlung  der
       neuesten belletristischen und historischen Werke aufgestellt ist,
       liefert." 42)  Der Autor  dieses Buches ist der Kreuznacher Bade-
       arzt Dr. Carl Engelmann, der am 19. Juni des gleichen Jahres auch
       als Zeuge  bei Marx'  standesamtlicher Trauung fungierte. 43) Den
       Hinweis auf  die Gymnasialbibliothek  dürfte Marx also vermutlich
       von Engelmann,  der in  den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts
       selbst Schüler der Anstalt gewesen war, erhalten haben.
       Die Bibliothek war in einem Seitengebäude des Gymnasiums, dem so-
       genannten "alten  Krankenhaus", das 1885 abgerissen wurde, unter-
       gebracht. 44)  Dir Leiter  war der  Mathematik- und  Physiklehrer
       Gottlieb Grabow  (1793 -  1872). Er wurde von seinen Kollegen wie
       Schülern als  qualifizierter, aber unbequemer Lehrer geschildert,
       dessen prägendes  Erlebnis die Teilnahme an den Befreiungskriegen
       war. "Als  Veteran von  1813 und  Mitkämpfer in  der Schlacht bei
       Dennewitz verkörperte  er für uns", erinnerte sich ein ehemaliger
       Schüler an Grabow, "die lebendige Verknüpfung mit der großen Zeit
       der Befreiungskriege  ... Entschieden war er einer der schärfsten
       Köpfe, denen  ich jemals  ... begegnet  bin. ... Er war ein über-
       trieben logischer, freigeistiger Rationalist ...". 45)
       
       IV.
       
       Wie läßt  sich nun  die These belegen, daß Marx tatsächlich diese
       Bibliothek benutzt  hat? Der  von Prieger  erwähnte "Catalog" aus
       den dreißiger  Jahren des  19. Jahrhunderts  ist heute nicht mehr
       auffindbar. Es gibt jedoch noch einen späteren Katalog der Kreuz-
       nacher Gymnasialbibliothek,  den der  damalige Lehrer und Biblio-
       thekar dieser Schule, Dr. Otto Kohl, 1896 und 1897 in zwei Teilen
       zusammenstellte. 46) Danach waren zu dieser Zeit 14 der insgesamt
       23 von  Marx in Kreuznach exzerpierten Ausgaben im Besitz der Bi-
       bliothek. (Die Bücher sind z.T. auch heute noch in der Bibliothek
       vorhanden.) 47) In der Folge werden die 14 Ausgaben in der Anord-
       nung von  Marx' Kreuznacher Heften mit den Nummern des Kohl-Kata-
       loges (II.  Teil, Abteilung VIII) und den Seitenangaben der Marx-
       Engels-Gesamtausgabe ²  (IV. Abteilung, Band 2) zu den jeweiligen
       Exzerpten im einzelnen angeführt. 48)
       
       In der Kreuznacher Gymnasialbibliothek 1843
       -------------------------------------------
       vorhandene und von Marx exzerpierte Bücher
       ------------------------------------------
       
       MEGA ²    Kohl-Kat.
       IV/2 II.  Teil,
       Seite     Abt. VIII, Nr.
       
       84-87        131    Ludwig, Carl Friedrich Ernst: Geschichte
                           der letzten fünfzig Jahre. Th. 1-5, Al-
                           tona 1832-1837.
       104 f.       405    Brongham, Henry Peter: Polen. Brüssel 1831
       123-134      375    Russell, John: Geschichte der englischen
                           Regierung und Verfassung von Heinrichs
                           VII Regierung an bis auf die neueste
                           Zeit. Aus d. Engl. nach der 2. ... Ausgabe
                           von P.L. Kritz. Leipzig 1825.
       135-142      111    Lappenberg, Johann Martin: Geschichte
                           von England. Bd. 1 und 2, Hamburg
       1834-1837           (= Geschichte der europäischen Staaten.
                           Hrsg. von A.H.L. Heeren und F.A. Ukert).
       146-152      112    Schmidt, Ernst Alexander: Geschichte
                           von Frankreich. Bd. 1-2, Hamburg
                           1835 ff. (= Gesch. d. europ. Staaten.)
       156-162      382    Lancizolle, Karl Wilhelm von: Ueber die
                           Ursachen, Character und Folgen der Julitage.
                           Nebst einigen Aufsätzen verwandten
                           Inhalts. Berlin 1831 (= Beiträge zur Politik
                           und zum Staatsrecht. Erste Sammlung).
       163-174      113    Wachsmuth, Wilhelm: Geschichte Frankreichs im
                           Revolutionszeitalter. Th. 1 - 2, Hamburg
                           1840-1842 (= Gesch. d. europ. Staaten).
       175 f.       271    Ranke, Leopold: Deutsche Geschichte im
                           Zeitalter der Reformation. Bd. 2, Berlin.
       177-186       33    Historisch-politische Zeitschrift. Hrsg.
                           von Leopold Ranke. Bd. 1, Hamburg 1832.
       187-204   52/372    Lingard, John: Geschichte von England
                           seit dem ersten Einfalle der Römer. Aus
                           dem Englischen übersetzt von Freih. von
                           Salis. Bd. 1-15, Frankfurt a. M. 1827-1833.
       205-217   47/124    Geijer, Erik Gustav: Geschichte Schwedens.
                           Aus der schwedischen Handschrift des
                           Verfassers übersetzt von Swen P. Leffler.
                           Bd. 1-3, Hamburg 1832-1836
                           (= Gesch. d. europ. Staaten).
       222-255   47/126    Pfister, Johann Christian: Geschichte der
                           Teutschen. Bd. 1 - 5, Hamburg 1829-1835
                           (= Gesch. d. europ. Staaten).
       256-260   50/256    Möser, Justus: Patriotische Phantasien.
                           Hrsg. von seiner Tochter J.W. v. Voigt
                           [...] 4. Verb. Aufl. Th. 1-4, Berlin 1820.
       261-265   52/380    Das Princip der Erblichkeit und die fran-
                           zösische und englische Pairie; ein Beitrag
                           zur Geschichte. Berlin, Stettin und Elbing
                           1832.
                           [Das Buch ist ohne Angabe des Verfassers
                           erschienen. Sie fehlt deshalb auch bei
                           Marx und im Kohl-Katalog. Autor der
                           Schrift ist Karl Georg Jouffroy.]
       276-278 45/16       Machiavelli, Niccolo: Vom Staate oder
                           Betrachtungen über die ersten zehn Bücher
                           des Tit. Livins. Aus dem Ital. übers. von
                           Joh. Ziegler. Karlsruhe 1832 (Sämtliche
                           Werke, Bd. 1).
       
       Von den  obigen Ausgaben  läßt sich  nach einer Notiz in der Pro-
       grammschrift des  Gymnasiums von  1842 für  zwei Werke  das  Jahr
       nachweisen, in  dem die Schule in den Besitz der Bücher kam. Lin-
       gards "Geschichte  von England",  von der  Marx 1843 sieben Bände
       durcharbeitete, war der Bibliothek 1841 von einer Krenznacher Le-
       segesellschaft geschenkt  worden, und  der zweite Band von Wachs-
       muths "Geschichte  Frankreichs" war  im  gleichen  Jahr  von  der
       Schule durch  Kauf erworben worden. 49) (Die Anschaffung des seit
       1829 erschienenen  Sammelwerks "Geschichte der europäischen Staa-
       ten", das von Heeren und Ukert herausgegeben wurde, ging wohl auf
       den ersten  Gymnasialdirektor Eilers zurück, der selbst ein Schü-
       ler Heerens  war. Eilers war als Student an die Göttinger Univer-
       sität gegangen, um, wie er in seinen Erinnerungen schreibt, "dort
       bei Heeren  die rechten  Gesichtspunkte für den Unterricht in der
       Geschichte zu gewinnen.") 50)
       Bei drei  weiteren Büchern  läßt sich  anhand der Inventarnummern
       von der Hand des Bibliothekars Grabew der ungefähre Zeitpunkt des
       Eingangs erschließen.  Russels "Geschichte" trägt die Nummer 375,
       Jouffroys  "Princip   der  Erblichkeit"   Nr.  380   und  Ludwigs
       "Geschichte" Nr.  452. Da  Lingards "Geschichte", das die Biblio-
       thek, wie erwähnt, 1841 erhielt, die Nr. 372 hat, dürften die Bü-
       cher wohl  alle zu  Beginn der  vierziger Jahre in den Besitz der
       Bibliothek gekommen sein.
       Es läßt  sich also aufgrund der dargelegten Fakten wohl mit eini-
       ger Sicherheit  sagen, daß  der größte  Teil (14  von 23) der von
       Marx in Kreuznach exzerpierten Bücher aus der Gymnasialbibliothek
       stammt -  davon, was  besonders bemerkenswert  ist, allein 12 von
       15, also  80%, der in den Heften III bis V exzerpierten Ausgaben.
       Schon wegen  des Umfangs  der ausgeliehenen  Bücher (insgesamt 45
       Bände) muß  er die  Bibliothek mehrfach  aufgesucht haben.  Dabei
       hätte es übrigens zu einer Begegnung von Marx mit dem preußischen
       Minister Eichhorn  kommen können,  der ja  als einer von drei für
       die Zensur  zuständigen Ministern am Verbot der "Rheinischen Zei-
       tung" beteiligt war. Nach einer Notiz in der Schulprogrammschrift
       von 1844  stattete Eichhorn  dem Kreuznacher Gymnasium am 2. Sep-
       tember 1843 einen Besuch ab. 51)
       Neun der  von Marx in Kreuznach exzerpierten Ausgaben finden sich
       nicht im Kohl-Katalog; im einzelnen sind dies:
       Heinrich, Christoph  Gottlob: Geschichte von Frankreich. Th. 1-3,
       Leipzig 1802-1804.
       Daru [Pierre  de]: Histoire de la république de Venise. Bd. 1-28,
       Stuttgart 1828.
       Lacratelle, Charles:  Histoire de France, depuis la restauration.
       Bd. 1-3, Stuttgart 1831.
       Rousseau, Jean-Jacques:  Ducontrat social,  ou principes du droit
       politique. Londres 1782.
       [Die Ausgabe  ist bibliographisch  taktisch nicht nachweisbar. In
       der "Bibliographie générale des oeuvres de J.-J. Rousseau" (Paris
       1950) ist  sie mit einem Fragezeichen und dem folgenden Kommentar
       versehen: "Cite  par Warner  d'après le  Catalogue de la 'Newbery
       Library' at Chicago". (Nr. 652, S. 101).]
       Bailleul, Jacques  Charles: Examen critique de l'ouvrage posthume
       de Mme la Bnne de Staël. Bd. 1-2, Paris 1818.
       [Montesquieu, Charles-Louis de Secondat de:] De l'esprit de loix.
       4 Bde.  [Marx gibt  keinen Hinweis  auf die von ihm benutzte Aus-
       gabe. (Im  Kohl-Katalog U,  S. 37,  Nr. 38, ist eine fünfbändige,
       1801 in Mannheim erschienene Ausgabe angegeben.)]
       Chateaubriand [François-René  de]: Ansichten über Frankreich seit
       dem Juli  1830. Deutsch  nach dessen  de la Restauration et de la
       monarchie élective, von F. Gleich. Leipzig 1831.
       Chateaubriand [François-René  de]: Die  neue Proposition in Bezug
       auf die Verbannung Karls X und seiner Familie, ... Leipzig 1831.
       Hamilton [Thomas]: Die Menschen und die Sitten in den vereinigten
       Staaten von  Nordamerika. Nach  der 3.  engl. Aufl. übers, von L.
       Hout. Bd. 1-2, Mannheim 1834.
       Es ist  möglich, daß sich einige der bei Kohl nicht verzeichneten
       Bücher 1843  noch in der Bibliothek befanden und erst später ver-
       lorengegangen sind. Werke wie die von Heinrich, Rousseau, Montes-
       quieu und  Chateaubriand entsprechen  durchaus dem Profil der Bi-
       bliothek. Wahrscheinlicher ist aber, daß sich Marx die Bücher von
       privater Seite  ausgeliehen hat.  Aufgrund ihrer  Thematik ist es
       naheliegend, als  Eigentümer eine oder mehrere Personen zu vermu-
       ten, die  ein spezifisches  Interesse an  der  französischen  Ge-
       schichte im allgemeinen und ihren Revolutionen im besonderen hat-
       ten. Für die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts ließen sich für
       Kreuznach zwei Personen ermitteln, auf die das im besonderen Maße
       zutrifft: Der oben schon erwähnte Buchhändler und Verleger Ludwig
       Christian Kehr  (1775"1848) und  der Kassenverwalter  der  Saline
       Theodorshalle, Johann Mohr (1768 - 1856).
       Zunächst zu Kehr: "Am 8. September 1797 kam ich in Kreuznach an,"
       erinnert sich  Kehr, "voll Jubel im Herzen nun endlich den heili-
       gen Boden  der Freiheit  betreten zu  haben; denn das linke Rhei-
       nufer hatte  die französische Republik bereits unter ihre Fittige
       genommen. ...  Die französische  Revolution hatte Veranlassung zu
       zahlreichen Schriften  für und gegen gegeben und das literarische
       Bedürfniß der  verschiedenen Partheien  immer mehr  rege gemacht,
       so, daß  die Gründung einer Buchhandlung in Kreuznach mit Beifall
       und Theilnahme aufgenommen wurde." 52)
       Einige der  von Kehr verlegten Schriften lassen sich anhand einer
       Verlagsanzeige im  "Vaterländischen Taschenbuch",  das Kehr  1805
       herausgab, ermitteln.  53) Die  Schriften dokumentieren  zugleich
       ein Stück  Lokalgeschichte im Einflußfeld der Französischen Revo-
       lution:
       - Beschreibung der  Feierlichkeiten bei  Pflanzung des Freiheits-
       baumes in  Kreuznach. Nebst  den dabei gehaltenen Reden und einem
       Siegerliede der Franken.
       - St. Schmitt's  Abschiedsrede  im  konstitutionellen  Zirkel  in
       Kreuznach.
       - Staatsverfassung oder Konstitution des fränkischen Freistaates.
       Vermutlich war  Kehr Mitglied  im  Kreuznacher  konstitutionellen
       Zirkel, 54)  nachweisbar ist  seine Mitgliedschaft in der franzö-
       sisch inspirierten  Freimaurerloge "Les amis réunis de la Nahe et
       du Rhin de Creuznach". 55)
       Zu  Johann  Mohr:  Über  Mohr,  der  zu  den  Autoren  von  Kehrs
       "Vaterländischem Taschenbuch"  zählt, 56)  macht Eilers  folgende
       interessante Ausführungen:  "Die politische  Weisheit  des  Herrn
       Mohr bestand  in richtiger  Erwägung  der  Kräfte,  die  sich  um
       Parteiinteressen scharen.  Zur Uebung in solchen Erwägungen hatte
       ihm die  Geschichte Frankreichs  seit dem Ausbruch der Revolution
       reichliche Gelegenheit  geboten, ...  Mit dieser Wagschale wog er
       die Regierung  Karl's X. und fand sie zu leicht... Mehr Vertrauen
       setzte er in die Regierung Ludwig Philipp's und hielt die Schrift
       Châteaubriand's: 'De  la restau-ration  et de  la monarchie elec-
       tive', die  damals (1831)  in der  Rheinprovinz viel Aufsehen er-
       regte, für  eine Ausgeburt  der Eitelkeit  und Altersschwäche. Er
       meinte, die  republikanischen  Institutionen,  mit  denen  Ludwig
       Philipp seinen  Thron umgeben, würden demselben ein festeres Fun-
       dament geben,  als der  Jesuitenaltar dem  Throne Karl's  gegeben
       habe." 57)  Es ist  nicht schwer,  von Mohrs  staatstheoretischen
       Darlegungen eine  Verbindung zu  Marx' Kreuznacher Studien herzu-
       stellen. Es  gibt aber  bislang keinen konkreten Beleg dafür, daß
       Mohr bibliothekarische Dienste für Marx geleistet hätte.
       Im wissenschaftlichen  Apparat zu  den Kreuznacher  Heften in der
       Marx-Engels-Gesamtausgabe wird  wohl zu  recht vermutet, daß "...
       sich die Zahl der von Marx in Kreuz nach durchgearbeiteten Bücher
       nicht auf jene Titel beschränken (dürfte), die in den fünf Heften
       konspektiert sind.  Es ist vielmehr anzunehmen, daß er eine Reihe
       weiterer historischer  Arbeiten in  dieser Zeit gelesen hat, ohne
       Auszüge oder Konspekte anzufertigen." 58) In bezug auf die Gymna-
       sialbibliothek könnte  man in  diesem Zusammenhang folgende Werke
       anführen:
       
       Weitere Buchausgaben des historisch-staatstheoretischen
       -------------------------------------------------------
       Lesefeldes in der Kreuznacher Bibliothek
       ----------------------------------------
       
       Ausführliche Darstellung  der  belgischen  Revolution.  Stuttgart
       1830.
       Campanella, Tommasso: De monarchia Hispanica discursus. Amsterdam
       1653.
       Gibbon, Edward:  Histoire de  la décadence  et  de  la  chute  de
       l'Empire Romain. Paris 1788-95.
       [Goldmann, Karl  Eduard:]  Die  europäische  Pentarchie.  Leipzig
       1839. Von Kohl irrtümlich Wolfgang Menzel zugeschrieben. Das Buch
       veranlaßte Moses Hess zu der Gegenschrift "Die europäische Triar-
       chie" (1841).
       [Jarcke, Karl  Ernst:] Die  französische Revolution von 1830, hi-
       storisch und staatsrechtlich beleuchtet, in ihren Ursachen, ihrem
       Verlaufe und ihren wahrscheinlichen Folgen. Berlin 1831.
       Luden, Heinrich:  Geschichte des teutschen Volkes. Bd 1-12, Gotha
       1825-1837.
       Menzel, Wolfgang: Europa im Jahre 1840. Stuttgart 1839.
       Murhard, Friedrich:  Die Volksouveränität  im Gegensatz der soge-
       nannten Legitimität. Kassel 1832.
       Pagès, François:  Histoire secrète  de la Revolution Francaise. 2
       Bde, Paris an V = 1797.
       [Schütz, Karl  Heinrich von:] Geschichte der Staatsveränderung in
       Frankreich unter König Ludwig XVI., oder Entstehung, Fortschritte
       und Wirkungen  der sogenannten neuen Philosophie in diesem Lande.
       Bd. 1-6,  Leipzig 1827 - 1833. Der Titel befindet sich in der von
       Marx aus  Wachsmuth ausgezogenen  Liste von  Werken zur Französi-
       schen Revolution (vgl. MEGA ² IV/2, S. 165).
       Die Staatsverfassung  des fränkischen Freistaates v. III. Jahr [=
       1795. Bingen]. Die Ausgabe ist bibliographisch nicht nachweisbar.
       [Voss, Christian  Daniel:] Geschichte  der englischen  Revolution
       bis zur Hinrichtung Karl I. Berlin 1747.
       West, Theodor:  Charaktere der  französischen Revolution.  Berlin
       1838/1839.
       
       V.
       
       Unabhängig von  der Frage,  ob Marx in Kreuznach noch tatsächlich
       das eine oder andere Buch zusätzlich zu den vierundzwanzig Werken
       der Kreuznacher Hefte gelesen hat oder nicht, wird man sagen kön-
       nen, daß  er die ihm in dieser Stadt zu Gebote stehende historio-
       graphische und  staatstheoretische Literatur im Hinblick auf sein
       damaliges spezifisches  Forschungsinteresse voll genutzt hat. Auf
       dieser Grundlage  hat er ab Mitte Oktober 1843 seine Studien vor-
       nehmlich auf dem Gebiet der Französischen Revolution fortgesetzt.
       Die Tatsache,  daß Marx  erst in Paris, wie aus den dort entstan-
       denen Beiträgen  für die  "Deutsch-Französischen Jahrbücher"  er-
       hellt, den endgültigen Schritt zum historischen Materialismus und
       wissenschaftlichen Kommunismus  vollzogen hat,  lag auch nicht so
       sehr an  den optimalen  Möglichkeiten der Literaturbeschaffung in
       dieser Stadt  als an  den unmittelbaren, empirischen Erfahrungen,
       die er  hier, nicht aber in Kreuznach oder an einem anderen deut-
       schen Ort, machen konnte - Erfahrungen, die ihm die sozialen Aus-
       einandersetzungen und  das dabei  als selbständige Klasse auftre-
       tende Proletariat  vermittelten. Sie  lenkten Marx'  Blick haupt-
       sächlich auf die Sphäre der materiellen Produktion und ihre Bewe-
       gungsgesetze sowie  ihren theoretischen  Reflex,  die  Politische
       Ökonomie, in der er nunmehr den Schlüssel zum Verständnis der ge-
       sellschaftlichen und  politischen Entwicklung  sah.  Rückblickend
       hat Marx diesen Prozeß 1859 in der Einleitung "Zur Kritik der Po-
       litischen Ökonomie" wie folgt charakterisiert: "Die erste Arbeit,
       unternommen zur Lösung der Zweifel, die mich bestürmten, war eine
       kritische Revision  der Hegelschen  Rechtsphilosophie, ...  Meine
       Untersuchung mündete  in dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie
       Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der
       sogenannten allgemeinen  Entwicklung  des  menschlichen  Geistes,
       sondern vielmehr  in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln,
       deren Gesamtheit  Hegel ...  unter dem  Namen Bürgerliche Gesell-
       schaft' zusammenfaßt,  daß aber die Anatomie der bürgerlichen Ge-
       sellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei" 59).
       
       _____
       1) Die Datierung der Kreuznacher Hefte wurde von Marx selbst vor-
       genommen. Siehe dazu unten.
       2) Hans-Peter Jaeck, "Marx' 'Kreuznacher Exzerpte'", in: Jahrbuch
       für Geschichte,  25 (1982), S. 73-110. Zu den Kreuznacher Exzerp-
       ten vgl.  auch die folgenden Werke; vom selben Autor: Die franzö-
       sische bürgerliche  Revolution von 1789 im Frühwerk von Karl Marx
       (1843-1846). Geschichtsmethodologische Studien. Berlin/DDR, 1979,
       insbesondere Kapitel  1; N.I.  Lapin: Der junge Marx. Berlin/DDR,
       1974, S. 224 ff.; sowie die Aufsätze von G.A. Bagaturija und V.G.
       Mosolov in:  Marks istorik.  Moskau 1968. Der Beitrag von Mosolov
       ist auch  in italienischer Übersetzung in der Zeitschrift Critica
       Marxista, 1973,  S. 159-179,  unter dem  Titel  "I  'quaderni  di
       Kreuznach'" erschienen.
       3) Vgl. MEGA ² IV/2A, S. 606.
       4) Vgl. Jaeck, 'Kreuznacher Exzerpte', a.a.O., S. 73 ff.
       5) Vgl. MEGA ² III/1, S. 40 ff.
       6) Ebda., 1/2, S. 486.
       7) Vgl. dazu  insbesondere Beatrix  Messmer-Strupp: Arnold  Ruges
       Plan einer Alliance intellectuelle zwischen Deutschen und Franzo-
       sen. Diss. Bern 1963.
       8) MEGA ² 1/2, S. 489.
       9) MEGA ² III/I, S. 44.
       10) Unveröffentlichte und verlorengegangene Vorarbeiten von Marx'
       Kritik der  Hegelschen Rechtsphilosophie  gehen bis Ende 1841 zu-
       rück. Vgl.  dazu Inge  Taubert, "Probleme  der  weltanschaulichen
       Entwicklung von  Karl Marx  in der  Zeit von  März 1841  bis März
       1843", in:  Marx-Engels-Jahrbuch l  (1978), S.  205 - 232, S. 213
       ff.
       11) Vgl. ebda, S. 219 ff.
       12) MEGA ² I/2, S. 175.
       13) Vgl. Joachim  Ritter: Hegel  und die französische Revolution.
       Köln und  Opladen 1957  (= Arbeitsgemeinschaft  f. Forschung  des
       Landes Nordrhein-Westfalen.  Geistesw. 63); Georg Biedermann, He-
       gel und die Französische Revolution von 1789, in: Wissenschaftli-
       che Zeitschrift  der F.-Schiller-Universit.  Jena,  Gesell.-  und
       Sprachwissensch. Reihe, 21 (1972), S. 63-71, die anderen Beiträge
       dieses Heftes, ferner Jacques D'Hondt: Verborgene Quellen des He-
       gelschen Denkens. Berlin/DDR 1983.
       14) Georg Wilhelm  Friedrich Hegel:  Grundlinien der  Philosophie
       des Rechts, hg. von J. Hoffmeister, Hamburg 1967, S. 253.
       15) Ebda.
       16) Vgl. MEGA ² I/2, S. 44/45.
       17) MEGA ² I/2, S. 8.
       18) Zur Datierung  vgl. MEGA  ² I/2,  S. 571  ff. Das  Manuskript
       wurde zuerst  1927 unter dem Titel "Aus der Kritik der Hegelschen
       Rechtsphilosophie. Kritik  des Hegelschen  Staatsrechts (§§  261-
       313)" in der MEGA I/1. 1, S. 401-553 abgedruckt.
       19) MEGA ² I/2, S. 31.
       20) MEGA IV/2, S. 9 und 63.
       21) J.E. Pfister: Geschichte der Teutschen. Nach den Quellen. Bd.
       1, Hamburg 1829, S. IV.
       22) Deutschland und  Frankreich in  der Geschichtsschreibung  des
       neunzehnten Jahrhunderts. Wiesbaden 1954, S. 252.
       23) Geschichte Frankreichs  im  Revolutionszeitalter.  1.  Theil,
       Hamburg 1840, Vorwort.
       24) W. Markov,  Jacques Roux  oder vom Elend der Biographie. Ber-
       lin/DDR 1966, S. 12.
       25) MEW, Bd. 2, S. 126.
       26) MEGA ² IV/2, S. 110.
       27) Ebda., S. 93.
       28) Ebda., S. 606.
       29) Johann Spira:  Kreuznach als Badeort und Industriestadt. Eine
       wirtschaftstheoretische Untersuchung und zugleich ein Beitrag zur
       neueren Wirtschaftsgeschichte  des Nahetals.  Diss. [Masch.] Köln
       1923, S. 96 f.
       30) Selbstbiographie.  (1834)   Wiederabdruck  Windeck-Altwindeck
       1980, S. 29 f.
       31) Vgl.  Georg  Jäger,  Alberto  Marino  und  Reinhard  Wittmann
       (Hrsg.): Die  Leihbibliothek der  Goethezeit. Exemplarische Kata-
       loge zwischen 1790 und 1830. Hildesheim 1979, S. 478 f.
       32) Nr. 19, 2. Februar 1844.
       33) Vgl. Hans-Jürgen Apel: Das preußische Gymnasium in den Rhein-
       landen und  Westfalen 1814"1848. Die Modernisierung der traditio-
       nellen Gelehrtenschulen  durch die  preußische Unterrichtsverwal-
       tung. Köln,  Wien 1984, sowie Karl-Ernst Jeismann: Das Preußische
       Gymnasium in Staat und Gesellschaft. Stuttgart 1974.
       34) Eilers war  bis 1833 Direktor des Gymnasiums, wurde dann Pro-
       vinzial-Schulrat und im Oktober 1843 Vortragender Geheimer Regie-
       rungsrat beim  Ministerium der Geistlichen und Unterrichtsangele-
       genheiten in Berlin.
       35) Gerd Eilers:  Meine Wanderung  durchs Leben.  Ein Beitrag zur
       inneren Geschichte  der ersten  Hälfte des  19. Jahrhunderts.  2.
       Theil, Leipzig  1857, S.  177. Zu  Eilers politischem  Credo vgl.
       auch seine  Schrift "Zur  Beurteilung des  Ministeriums Eichhorn"
       (Berlin 1849).
       36) Wanderung, a.a.O., 2. Theil, S. 94.
       37) Vgl. dazu die Angaben in den jährlich erscheinenden Programm-
       schriften des Gymnasiums.
       38) De Lamennais: Worte eines Gläubigen vollständig übersetzt und
       mit critischen Materialien begleitet. ... Hamburg 1834. Vgl. dazu
       den "Beitrag  zu einer deutschsprachigen Lamennais-Bibliographie"
       in: Gerhard  Valerius: Deutscher Katholizismus und Lamennais. Die
       Auseinandersetzung in  der  katholischen  Publizistik  1817-1854.
       Mainz 1983, S. XIV f.
       39) Vgl. F.  Hermann Meyer,  "Bücherverbote im Königreich Preußen
       von 1834  bis 1882", in: Archiv f. Geschichte des Deutschen Buch-
       handels, 14 (1891), S. 317 - 349, S. 320 und 327 f.
       40) "Circularverfügung des  Königl. Consistoriums  aus dem  Jahre
       1824", abgedruckt  bei Johann  Ferdinand Neigebauer: Sammlung der
       auf den  öffentlichen Unterricht in den Königl. Preußischen Staa-
       ten sich beziehenden Gesetze und Verordnungen. Hamm 1826, S. 278.
       41) Siehe dort, S. 6 f.
       42) Ebenda, S. 144.
       43) Näheres dazu  in meinem  bisher unveröffentlichten Manuskript
       "Karl Marx und Bad Kreuznach".
       44) Vgl. die  Festschrift: 1819-1969. 150 Jahre "Kreuznacher Gym-
       nasium". Bad Kreuznach 1969, S. 40.
       45) Ludwig Kaiser",  Aus einer  Ansprache, gehalten  bei der hun-
       dertjährigen Jubelfeier  des Kreuznacher  Gymnasiums am  10.  Mai
       1920", in:  Monatsschrift für  höhere Schulen, 20 (1921), S. 321-
       324, S. 322 f.
       46) Jeweils erschienen  als Beilage  zum Osterprogramm  1896  und
       1897 des Gymnasiums (Kreuznach 1896 und 1897).
       47) Eine genaue  Liste wird  demnächst in  einem weiteren Beitrag
       über die Bibliothek vorgelegt.
       48) Mehrbändige Ausgaben  sind hier  nur so  weit berücksichtigt,
       als sie Marx tatsächlich vorlagen.
       49) Progranunschrift "Zu  den öffentlichen  Prüfungen der Schüler
       des K. Gyrnnasiums zu Kreuznach ...", Kreuznach 1842, S. 42.
       50) Wanderung, a.a.O., 1. Theil, S. 145 f.
       51) Programmschrift "Zu  den öffentlichen  Prüfungen ..." Koblenz
       1844, S. 20.
       52) Selbstbiographie, a.a.O., S. 29 und 30.
       53) Im Anhang zu: Vaterländisches Taschenbuch für die Freunde des
       Guten und Schönen zur Unterhaltung und Belehrung. Kreuznach 1805.
       54) Zur Bedeutung  und Funktion  der konstitutionellen  Zirkel im
       Rheinland vgl.  Axel Kühn:  Jakobiner im Rheinland. Der konstitu-
       tionelle Zirkel von 1798. Stuttgart 1976.
       55) Vgl. Winfried Dotzauer, "Verzeichnis der Mitglieder der Frei-
       maurerloge 'Les  amis reunis  de la Nahe et du Rhin à l'Orient de
       Creuznach'", in: Landeskundliche Vierteljahresblätter, 16 (1970),
       S. 100-109.
       56) Vgl. a.a.O., S. 162-164.
       57) Wanderung, a.a.O., 2. Theil, S. 242 f.
       58) MEGA ² IV/2, S. 606.
       59) MEW, Bd. 13, S. 8.
       

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