Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


       zurück

       
       DIE HISTORIOGRAPHIE DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
       ================================================
       AM VORABEND DER ZWEIHUNDERTJAHRFEIER
       ====================================
       
       Michel Vovelle
       
       Die Revolution - "beendet"?
       ---------------------------
       
       Man gestatte mir, einleitend eine scherzhafte Bemerkung wiederzu-
       geben -  aber es  ist ein  bitterer Scherz: Er verweist auf meine
       erste Begegnung  mit Albert  Soboul, und  das war,  wenn ich mich
       richtig erinnere,  1958. Als junger Historiker, mit gerade erwor-
       benem Universitätstitel, wollte ich in der Forschung tätig werden
       und hatte  die Idee,  über die Revolution zu arbeiten. Und Albert
       Soboul, den  ich befragte,  sagte mir geradeheraus: "Warum willst
       du über  die Französische  Revolution arbeiten?  Das interessiert
       doch niemanden  mehr". Eine  paradoxe Bemerkung:  Er selbst legte
       damals seine  große Studie vor 1), war auf dem Gipfel seines pro-
       duktiven Schaffens  - und  war, wie wir gleich sehen werden, weit
       davon entfernt, allein oder isoliert zu sein.
       Dennoch muß  ich mir diesen pessimistischen Satz wieder vergegen-
       wärtigen, wenn  ich überlege, welchen Weg - wenn auch in ganz an-
       derer Hinsicht  - dieser Gedanke zurückgelegt hat. Was Albert So-
       boul 1958 in scherzhaft-besorgten Worten ausdrückte, sollte Fran-
       gois Furet  bald aufgreifen,  indem er  die Revolution  als einen
       "kalten Gegenstand" definierte, dann, 1978, in "Penser la Révolu-
       tion" 2)  ankündigte: "die Revolution ist beendet", ein Satz, den
       er 1986  (im Nouvel  Observateur vom  28. Februar)  kommentierte:
       "Als ich  geschrieben habe,  'die Revolution ist beendet', bedeu-
       tete das,  auf gewisse  Weise einen  Wunsch und eine Feststellung
       auszudrücken."
       Unterstellen wir  François Furet keine Mordgedanken: Aber wenn er
       sich auf  die Ebene  des Wunsches  begibt, dann geht er nicht nur
       davon aus,  daß eine bestimmte Geschichtsschreibung der Französi-
       schen Revolution überlebt ist, sondern weit mehr noch davon, daß,
       damit eine  neue -  zweifellos eine  gesetztere oder eine wissen-
       schaftlichere -  Geschichtsschreibung entstehen  kann,  es  ange-
       bracht erscheint,  daß der Gegenstand der Debatte bedeckt bleiben
       soll, gemäß  der alten  Weisheit, daß  man die Toten ruhen lassen
       soll.
       Damit gibt er nur nuancierter und eleganter eine der neuen, über-
       kommenen Ideen  wieder, die  oft in  banaleren Worten ausgedrückt
       wird: Ist  über die  Französische Revolution  nicht alles  gesagt
       oder vielmehr geschrieben worden? Welche Retuschen an einem neuen
       Strukturgitter vornehmen,  dessen Ereignisse  keine  Rätsel  mehr
       aufgeben? Oder, etwas perfider: Ist die französische Historiogra-
       phie nicht  erstarrt, wiederholt  sie sich  nicht  ständig,  ver-
       schließt sich  in Dogmatismus,  auf die  Gefahr hin,  das  Erfri-
       schende neuer Entdeckungen anderen zu überlassen - den Angelsach-
       sen vielleicht,  deren vorurteilsloses Herangehen und Handeln auf
       diesem Forschungsgebiet man hervorhebt?
       Zwischen  Feststellungen  und  Wunsch-  bzw.  Absichtserklärungen
       drängen sich  an der  Wende der 80er Jahre einige Realitäten auf,
       wenn man  das gesamte  gesellschaftliche  Umfeld  berücksichtigt.
       Wurde die  Geschichte der Revolution vor dem 2. Weltkrieg noch in
       praktisch allen  Universitäten Frankreichs  gelehrt, so wurde sie
       in den  Lehrplänen der Volks- und noch stärker in denen der höhe-
       ren Schulen  immer weiter  zurückgenommen, so  daß sie  heute nur
       noch in  einigen wenigen  Universitäten -  wenn man  von der Sor-
       bonne-Paris I  (soll man  sie als  belagerte Festung bezeichnen?)
       absieht -,  so in  Rouen, Tours  oder Aix,  auf dem  Lehrprogramm
       steht. Hier  offenbart sich die Misere einer Pädagogik, die nicht
       unterstützt und  ermutigt wurde  - wovon  auch die Überlebenspro-
       bleme großer  dokumentarischer Sammlungen (der Archives Parlemen-
       taires 3)) zeugen.
       Doch um  nicht zu  voreiligen Schlußfolgerungen zu kommen, ist es
       angebracht, weitere Fragen zu stellen und - ohne bis zur Sintflut
       zurückzugehen - einen unerläßlichen Rückblick vorzunehmen, um die
       Situation angemessen einzuschätzen.
       
       Ein kurzer Rückblick:
       ---------------------
       Glanz und Elend der Geschichtsschreibung der Revolution
       -------------------------------------------------------
       
       Man kann von einem goldenen Zeitalter der Historiographie der Re-
       volution sprechen, wenn man sich auf die Ebene begibt, die Pierre
       Chaunu als  den "Horizont von 1900" bezeichnen würde, und die ich
       meinerseits als  Jaurés'sche Epoche  qualifizieren möchte. Damals
       hat Jaurés  nicht nur sein epochales, umfassendes Werk 4) erfolg-
       reich zum  Abschluß gebracht, das er, wie er sagte, im dreifachen
       Licht von Michelet, Marx und Plutarch schrieb und dabei eine ent-
       schieden wissenschaftliche  Herangehensweise ansatzweise  vorweg-
       nahm und einführte, sondern auch die berühmte "Kommission zur Er-
       forschung und Publikation von Texten und Dokumenten bezüglich der
       ökonomischen und  sozialen Geschichte  der Französischen  Revolu-
       tion" ("Commission de recherche et de publication de textes et de
       documents relatifs  à Fhistoire économique et sociale de la Révo-
       lution Française")  unter der Ägide der parlamentarischen Kammern
       ins Leben  gerufen. In  einer Werkstätte, wo sich Wissenschaftler
       aller Länder  begegnen -  Minzes, Loutchisky,  Kareiew,  die  die
       Agrargeschichte der  Revolution erschließen  - wird die französi-
       sche Schule  weitergeführt und nehmen ihre großen Gestalten ihren
       Platz ein: Alphonse Aulard, der als erster 1886 den Lehrstuhl für
       Geschichte der  Revolution an  der Sorbonne  innehatte, führt mit
       Albert Mathiez  einen Ideenwettstreit vermittelt über zwei Heroen
       - Danton  contra Robespierre  - "radikale" Lesart gegen "soziali-
       stische" Lesart. 5)
       Aber dieser polemische Aspekt kann nicht den Blick für die außer-
       gewöhnliche Fruchtbarkeit einer Forschung verstellen, die von Ma-
       thiez über  Lefebvre bis  Soboul, ja  bis gestern die Grundsteine
       einer -  in ihrer  Kontinuität durchaus vielfältigen - Schule ge-
       legt hat, die die Trägerin eines fortschreitend erarbeiteten Dis-
       kurses über die Revolution ist.
       
       Eine sich durchsetzende und ihrer
       ---------------------------------
       selbst sichere Geschichtsschreibung?
       ------------------------------------
       
       Ist sie  ihrer selbst  sicher, diese  "jakobinische"  Geschichts-
       schreibung? Man  hat es  gesagt und es vielleicht zu sehr betont.
       Verbreitet hat sie sich ganz gewiß: Ausgehend von der Erforschung
       der politischen  Geschichte, bei der sie es nicht bewenden lassen
       konnten, haben  diese Lehrmeister eine soziale Lesart der Franzö-
       sischen Revolution  erarbeitet: Zunächst  ist Albert  Mathiez  zu
       nennen 6),  sodann Georges Lefebvre 7), schließlich - und das ist
       der Höhepunkt  - "Les Sans-Culottes parisiens en l'an II" von Al-
       bert Soboul  8). Sie  führten zunächst  die ländlichen,  dann die
       städtischen Massen auf der Bühne ein, wobei sie das Erklärungsmu-
       ster einer  "bourgeoisen Revolution mit Unterstützung des Volkes"
       vorschlugen, das die Originalität des französischen Weges der Re-
       volution konstituiere  - als  ein Modell, dessen unterschiedliche
       Bestandteile Georges Lefebvre gelehrt hat, das "die" Revolutionen
       - die bürgerliche, die städtische und die bäuerliche - vereint.
       Ist es  marxistisch, dieses  jakobinische Modell? Ja und nein, es
       geht gewiß  von der  Prämisse einer  notwendigen Veränderung aus,
       die ebensosehr, wenn nicht stärker, auf der Veränderung der Sozi-
       alstrukturen und  der Produktionsformen  am Ende des 18. Jahrhun-
       derts beruht,  als auf der ideengeschichtlichen Entwicklung. Aber
       es ist  breit und  überzeugend genug, um die Zustimmung und Teil-
       nahme von  Historikern zu erfahren, die - von Marcel Reinhard bis
       Jacques Godechot 9), um nur zwei zu nennen - mehr jakobinisch als
       marxistisch bleiben.  Und für die 1950er Jahre kann man von einem
       wahren Aufblühen  sprechen, als  die letzten  Jahre  von  Georges
       Lefebvre durch  eine ganze  Plejade von Forschern erhellt werden:
       A. Soboul,  J. R.  Suratteau, aber auch aus dem Ausland: G. Rudé,
       A. Saïtta,  R. Cobb,  K. Tønnesson,  W. Markov oder K. Takahashi.
       10) Die Französische Revolution, so würde man meinen, hat niemals
       so viele  Leute angezogen:  Und dennoch äußerte damals Albert So-
       boul mir  gegenüber die  desillusionierten Worte,  mit denen  ich
       diese Überlegungen einleitete.
       Soboul hat recht: Schon in dieser Zeit beginnt die Krise.
       
       Ein anderes Klima der Geschichtsschreibung
       ------------------------------------------
       Genau am  Ende der 50er Jahre erleben wir den Triumph der Annales
       E.S.C., dieser  "zweiten Annalen-Schule", die von Fernand Braudel
       angeführt wird, der 1958 seinen berühmten Aufsatz über "La longue
       duree" 11)  verfaßt. Für  ihn wie  für die ganze Strömung, die er
       repräsentiert, ist die Revolution als Begleiterscheinung zu klas-
       sifizieren, als kleine Welle der Geschichte; sie wird versetzt in
       die ,  Abweichungen von  der langen  Dauer", in die "Mengen lang-
       samer Geschichte",  die seiner  Meinung nach das Wesentliche kon-
       stituieren: Sie  ist im großen und ganzen Bestandteil dessen, was
       er mit unverhohlener Verachtung als "pathetisches Ärgernis" klas-
       sifiziert.
       In den  Werkstätten der  Sozialgeschichte triumphierte die "lange
       Dauer", bald  auch über  die Geschichte der materiellen Zivilisa-
       tion, dann  über die  der Mentalitäten ("Un temps plus long" - so
       R. Mandrou) 12) und bald über die der historischen Anthropologie,
       die dazu neigen sollte, in der , unbeweglichen Geschichte" von E.
       Le Roy  Ladurie 13)  zu erstarren.  Die Versuchung,  sich in  die
       "lange Dauer" einzubringen, war für zahlreiche Forscher groß. Wer
       von uns hat dem nicht nachgegeben, sei es nur ein wenig, und ohne
       Bedauern? Ich  selbst habe ein mehrhundertjähriges Fresko 14) ge-
       wagt, auf  einem Feld,  wo die "lange Dauer" sich aufdrängt. Aber
       auf dem  abgrenzbaren Gebiet  der Studien  zur Revolution  sollte
       diese ungünstige  Konjunktur in den 60er Jahren doppelt verstärkt
       werden durch  einen frontalen Angriff auf die erreichten Positio-
       nen.
       
       Der große Angriff
       -----------------
       
       Diese Offensive  ging von mehreren Punkten aus: In den angelsäch-
       sischen Schulen  fand sie ihre ersten, höchst eifrigen Verfechter
       (bei Alfred  Cobban 15), oder, jenseits des Atlantiks, bei George
       Taylor 16)).  Aber diese Strömung wurde in Frankreich schnell ab-
       gelöst, wo das Buch von François Furet und Denis Richet "La Révo-
       lution Française" 17) 1965 helles Aufsehen erregte. Wenn man eine
       ganze Reihe  von Argumenten,  die nun  in die  Geschichte der Ge-
       schichtsschreibung Eingang  fanden, in  einigen Sätzen  zusammen-
       faßt, so  ersieht man, daß der Angriff sich auf mehrere, im übri-
       gen eng miteinander verwandte Themen erstreckte.
       Wenn Cobban  hinsichtlich der Ursachen und der sozialen Interpre-
       tation der  Revolution jegliche  soziale Ursächlichkeit  für  das
       Aufeinanderprallen, das  für ihn  wesentlich politischer Art war,
       leugnete, so  bestritten andere  die Realität  der  Reaktion  des
       Adels hinsichtlich  der Ursprünge  der Revolution,  und mehr noch
       die Existenz  oder die  Konsistenz eines wirklichen Bürgertums im
       Frankreich des  ausgehenden 18. Jahrhunderts, wobei sie betonten,
       daß ein  wichtiger Teil  des industriellen  und zukunftsweisenden
       unternehmerischen Kapitals  in den Händen des Adels lag (Taylor).
       Gab es  zwischen einem,  fortschrittlichen", liberalen  und neuen
       Ideen gegenüber  aufgeschlossenen Adel  und der  großbürgerlichen
       Schicht nicht einen faktischen Konsens - im Rahmen der von D. Ri-
       chet und  einigen anderen so geschätzten "Eliten" - und war unter
       diesen Bedingungen  die Revolution  notwendig, konnte  sie  nicht
       verhindert oder  im Stadium  eines reformistischen  Kompromisses,
       einer konstitutionellen Monarchie, stabilisiert werden?
       Eine erstaunliche  Kehrt wende, wenn man sich das überlegt: Weni-
       ger als  20 Jahre vorher, 1948, hatte Daniel Guerin, der im Licht
       der Theorien  der permanenten  Revolution sein Werk 18) verfaßte,
       in der revolutionären Dynamik eine zu früh durch die - nicht ohne
       Machiavellismus geführte - Politik der Berg-Bourgeoisie gestoppte
       Bewegung gesehen,  die doch  Trägerin eines über sich selbst hin-
       ausweisenden Prozesses gewesen sei - hin zur proletarischen Revo-
       lution. Eine  abenteuerliche Hypothese, die Soboul durch die kon-
       krete Analyse des sozialen Inhalts der Pariser Sansculotterie zu-
       nichte machen sollte.
       Im Gegensatz dazu handelt es sich von nun an im Denken der Histo-
       riker, die  man jetzt  "Revisionisten" zu  nennen beginnt, da sie
       von Grund auf die bisher erarbeiteten Gewißheiten revidieren wol-
       len, um  eine Bewegung,  die zu weit ging. Der Kompromiß war mög-
       lich -  1790, im  "glücklichen Jahr", hat man ihn um Haaresbreite
       verpaßt; die  Französische Revolution  wird von 1791 bis 1794 aus
       der Bahn geworfen: Dies verdankt sie dem ungebührlichen Auftreten
       der städtischen  oder bäuerlichen Volksmassen, die auf der Grund-
       lage ihres  traditionellen, Land-  oder Subsistenzmittel fordern-
       den, rückständigen Programms mobilisiert werden.
       Der  Begriff   der  "aus   der  Bahn  geratenen"  Revolution  (le
       "dérapage") zieht  die neuerliche Infragestellung der bloßen Idee
       einer aufsteigenden  Bewegung von  der bourgeoisen zur demokrati-
       schen Revolution  des Jahres II nach sich, und François Furet 19)
       sieht hierin  folglich einen Beigeschmack von zweckbestimmter In-
       terpretation. Desgleichen stellt dieser Begriff die  U m s t ä n-
       d e - T h e o r i e ("theorie  des circonstances")  in Frage, die
       bis dahin  Geltung beanspruchen durfte und nach der die Radikali-
       sierung und  das momentane,  aber effektive  Bündnis  von  Volks-
       bewegung und  eines Teils  des Bürgertums zustande kommen mußten,
       um der  inneren Konterrevolution  entgegenzutreten  wie  der  Ko-
       alition der ausländischen monarchistischen Mächte. Sollte die Re-
       volution von  diesen Gefahren  etwa nur geträumt haben, indem sie
       Papiertiger erschuf,  um sich in ein Delirium zu begeben, von dem
       sie sich selber anstecken ließ? Ein zweiter Revisionismus-Diskurs
       keimt in diesem Bündel von Kritik schon auf.
       
       Eine neue Phase, ein neuer Ansatz
       ---------------------------------
       
       Meine Generation  - die  der Historiker,  die kurz  nach 1980 ein
       halbes Jahrhundert  alt geworden  ist -  hat die Wucht dieses An-
       griffs, des  Triumphs der Schule der "Neuen Annalen" 20), gepaart
       mit dem  atmosphärischen Umfeld  dieser Zeit,  in  seiner  ganzen
       Stärke abbekommen. Damals wurden wir uns des zurückgehenden Stel-
       lenwertes der  Französischen Revolution  bewußt, nicht nur in der
       Forschung oder der Pädagogik, sondern in einer veränderten Sensi-
       bilität und Kultur, die ihr fremd wurden.
       Könnten wir  sagen, daß  eine neue  Phase mit dem Jahr 1968, oder
       der erträumten  Revolution, beginnt?  Dieses Argument  wäre  ohne
       Zweifel leichtfertig.  Und dennoch,  in den Jahren, die auf diese
       Bewegung -  die sich  ebensosehr als Fest wie als Revolution ver-
       stand - folgten, entstanden zahlreiche Studien über die Feste der
       Revolution: Es gab das Kolloquium in Clermont-Ferrand 1974, Werke
       von Mona Ozouf und Michel Vovelle erschienen 1976  21). Als Fest,
       aber keineswegs nur unter diesem Aspekt, kommt das Ereignis Revo-
       lution wieder zum Vorschein. Der Streit zwischen "Jakobinern" und
       "Revisionisten", der  oft jede Geschmeidigkeit vermissen ließ und
       sich in  einem Stellungskrieg  festzufahren schien,  belebt  sich
       wieder zum Wohl der Forschung.
       
       Im "jakobinischen" Lager ...
       ----------------------------
       
       In dem,  was wir,  der Einfachheit halber, das jakobinische Lager
       nennen wollen,  haben die  - positiv verstandenen - Provokationen
       zu  nützlichen  Überlegungen  geführt:  so  zum  Verständnis  von
       "Bourgeoisie", dem  es von  Guizot bis  zu Lefebvre  an Präzision
       mangelte und  das oft weit oder eng, manchmal widersprüchlich ge-
       faßt wurde. Arbeiten wie die von Régine Robin 22) haben stark zur
       Erhellung des  Problems beigetragen, indem sie entweder die Merk-
       male einer  gemischten Bourgeoisie  herausarbeiteten  oder  diese
       Phase als  typische Übergangsepoche bestimmten, in der die Bezie-
       her von  Einkünften aus Vermögensbesitz gegenüber jenen, die Pro-
       fit erwirtschafteten,  überwiegen. In ihrem Werk findet sich auch
       eine ohne  jede Beschönigung vorgenommene Analyse der Zweideutig-
       keiten und  Widersprüche des Eliten-Begriffes am Vorabend der Re-
       volution, so z.B. in den Überlegungen zum Freiheitsverständnis in
       den Reden der Parlamentsmitglieder anläßlich des Ediktes von Tur-
       got zur Freiheit des Getreidehandels 1776.
       Zur gleichen  Zeit, als Albert Soboul und seine Schüler ihre For-
       schungen auf dem Feld der Agrargeschichte (Studien zu den Abgaben
       an die  Grundherren und  zum Ende  des Feudalsystems) und dem der
       Stadtentwicklung (Arbeiten  über die Volksbewegung in Paris) ver-
       tieften, schlugen  andere, in gleicher Weise sensibilisierte For-
       scher (Michel  Vovelle) eine neue Lesart der religiösen oder kul-
       turellen Seite  der Revolutionsgeschichte vor, bemühten sich, die
       Grundsteine zu  legen für eine Geschichte der revolutionären Men-
       talitäten und gliederten so der Forschung neue Gebiete an... 23)
       
       In den Reihen der "Revisionisten" ...
       -------------------------------------
       
       Inzwischen  haben   sich  die   Dinge  auch  in  den  Reihen  der
       "revisionistischen" Schule  geändert, deren  Erfolg nicht  nur in
       Frankreich, sondern auch in den angelsächsischen Ländern sowie in
       einem Teil  Europas unbestreitbar  ist -  und zwar in einem Maße,
       daß sich  die Frage  aufdrängt, ob  nicht ein  neues Vulgat dabei
       ist, das alte zu ersetzen.
       Indessen  erneuert  sich  diese  Schule.  "Penser  la  Révolution
       Française", von  F. Furet  1978 publiziert, 24) setzt seinen Dis-
       kurs von 1965 fort, der allerdings eine eigentümliche Veränderung
       erfährt. Zwar  kommt er  auf die Umstände-Theorie zurück, aber um
       mit Quinet zu sagen: "Nein, nicht die Notwendigkeit der Dinge hat
       das System  des Terrors  hervorgebracht.  Es  sind  die  falschen
       Ideen", oder  gar, in dessen Namen sprechend: "Das Wahre ist, daß
       der Terror Teil der revolutionären Ideologie ist." Um diese endo-
       genen  Wurzeln  der  revolutionären  Abweichung  zu  analysieren,
       stützt sich F. Furet auf die Historiker des 19. Jahrhunderts, die
       er bisweilen  wiederentdeckt: wenn  auch nicht  Tocqueville  oder
       Quinet (die  nicht vergessen waren), so zumindest Auguste Cochin,
       einen konservativen  monarchistischen Historiker  zu  Beginn  des
       Jahrhunderts, dem  er die  Idee entlehnt, daß die neue demokrati-
       sche und  rousseau-istische Geselligkeit  der Freimaurerlogen und
       der "Sociétés  de pensées"  der jakobinischen  "Maschine" den Weg
       ebnet, um die Revolution in die Hand zu bekommen und sie in tota-
       litärem Sinne  zu konfiszieren.  Aus der jakobinischen Konzeption
       der Volkssouveränität  macht Furet  die "Matrize des Totalitaris-
       mus" und  schätzt ein, daß "1789 eine Periode der Abweichung ein-
       leitet."
       Die Französische  Revolution nimmt  in dieser neuen Lesart wieder
       eine gewisse  Kohärenz an  (man ist  weit entfernt  vom "aus-der-
       Bahn-geraten"), da  sie den  Status eines Neues stiftenden Ereig-
       nisses erlangt  - aber leider nicht in gutem Sinne, da es so ist,
       daß sie  im Keim  alle totalitären  Abweichungen des 20. Jahrhun-
       derts enthält.  Über Cochin hinaus setzt Furet hier seine Überle-
       gungen kontinuierlich  mit denen  von Talmon  25) fort.  Rousseau
       wird der Prozeß gemacht als demjenigen, der die Themen des allge-
       meinen Willens  und der  nationalen Souveränität eingebracht hat,
       die den  Jakobinern in  Fleisch und  Blut übergingen: "Es ist die
       Schuld von  Rousseau" schlußfolgert  Jacques Julliard  1986,  der
       diesen Standpunkt teilt.
       
       Das Erwachen der konterrevolutionären Geschichtsschreibung
       ----------------------------------------------------------
       
       François Furet  teilt nicht  - er  hat es gesagt - den Standpunkt
       der -  z.T. aufgrund  des Nahens  der Zweihundertjahrfeier - seit
       zwei oder drei Jahren wiedererwachten, offen konterrevolutionären
       Historiographie. Um genau zu sein: War sie denn jemals verschwun-
       den? Sie  hatte ihre starken, seit dem 19. Jahrhundert tradierten
       Positionen gehalten,  sei es  in der Académie française (im Fahr-
       wasser von  Pierre Gaxotte)  oder in  den Bahnhofsbüchereien. Die
       alte, etwas  müde Leier wurde jüngst wieder bemerkenswert revita-
       lisiert. Als  karikaturale Miniaturausgabe  der Überlegungen  von
       François Furet, als Vorzimmer des Gulag treibt das Bild einer to-
       talitären Revolution  neue Blüten.  Die mit  Terror  und  Blutbad
       gleichgesetzte Revolution  wird zum  absoluten Bösen schlechthin.
       Eine ganze  Literatur entsteht zum Thema "innerfranzösischer Völ-
       kermord" - ausgehend von oft recht gewagten Schätzungen hinsicht-
       lich der  Zahl der  Toten des  Krieges in  der  Vendee:  128 000,
       400 000 ...  und warum nicht 600 000? Ohne Spezialisten in dieser
       Frage zu  sein, haben  gewisse Historiker, wie Pierre Chaunu, das
       ganze Gewicht ihrer moralischen Autorität - die groß ist - in die
       Waagschale geworfen, um diesen Diskurs der Verunglimpfung zu ent-
       wickeln, wobei sie von vornherein jeden entgegenwirkenden Versuch
       disqualifizieren, um recht zu behalten.
       Diese Geschichtsschreibung  nimmt aufgrund der Unterstützung, die
       sie in  den Medien  und in  einem Teil  der Presse  erfährt, viel
       Platz ein.  Soll sie  uns die  viel authentischeren Aspekte einer
       heute mitten  im Aufbruch  begriffenen Werkstätte zum Studium der
       Revolution kaschieren?
       
       Eine mitten im Aufbruch begriffene Forschung
       --------------------------------------------
       
       Die Aufgabe,  eine wahre  Bilanz der  derzeitigen Werkstätten und
       Felder der Erforschung der Revolution zu erstellen, wird erleich-
       tert durch  die Konjunktur  der Zweihundertjahrfeier  selbst, die
       dadurch, daß  sie die  Nachfrage erhöht, die Merkmale der Produk-
       tion besser  zum Vorschein kommen läßt. Die Berichte und Aufstel-
       lungen, die Jacques Godechot regelmäßig in der "Revue Historique"
       erstellt, erfassen  eine wahre  Flut von  Veröffentlichungen  und
       ermöglichen ziemlich  sichere Stichproben.  Im übrigen bietet das
       seit vier  Jahren von  der "Kommission zur historischen Forschung
       anläßlich der  Zweihundertjahrfeier der  Revolution" ("Commission
       de recherche  historique (C.N.R.S.)  pour le  bicentenaire de  la
       Revolution")   veröffentlichte    Bulletin    26),    das    For-
       schungsprogramme und  Kolloquien, die deren Ausdruck sind, rezen-
       siert, einen  noch sichereren  Überblick über  die Tendenzen  der
       Forschung, die heute in Frankreich und der Welt stattfindet.
       Täuschen wir uns nicht darüber hinweg, daß ein gewisser Teil die-
       ser Indizien interpretationsbedürftig ist: So läßt die verlegeri-
       sche Flut  der letzten  Jahre  auch  Modeerscheinungen  erkennen,
       Schwärmereien, die von den Medien am Leben gehalten werden; eben-
       sosehr, wenn  nicht mehr,  spiegelt sie jedoch auch die authenti-
       sche Bewegung  der Forschung,  während zugleich die gelehrten und
       sachkundigen Sammlungen und Publikationen von Texten und Dokumen-
       ten (v.a.  die Archives Parlementaires) Mühe haben, zu überleben.
       Hier berühren wir das Problem der Diskrepanz zwischen dem Diskurs
       der Gelehrten  und dem,  den die Medien führen: Wir werden darauf
       zurückkommen.
       Nach diesen  vorsichtigen Hinweisen ist es uns gleichwohl gestat-
       tet, eine die Bewegung erfassende Darstellung oder Bilanz zu ver-
       suchen.
       
       Die Wiederentdeckung des Politischen
       ------------------------------------
       
       Die gegenwärtige Historiographie der Revolution - um eine klassi-
       sche Einleitung vorzunehmen - erlebte den Stillstand des in allen
       Zweigen der  Geschichte spürbaren Niedergangs der politischen Ge-
       schichte durch  den Einfluß  der   S c h u l e   d e r   A n n a-
       l e n.   Bezeichnenderweise hat jedoch hier eine Wiederaufwertung
       des Politischen  stattgefunden. Sollen  wir das  der von François
       Furet erbrachten  erneuten "revisionistischen"  Lektüre zuschrei-
       ben? Richtig  ist, daß  letztere eine sehr spezifische Annäherung
       an das  Politische bezeichnet,  im Rahmen einer "konzeptualisier-
       ten" Geschichte,  wie sie  der Autor  selbst nennt,  der, ohne zu
       sehr auf  Beiträge einer  Feld-Forschung - diese schätzt F. Furet
       wenig - zurückzugreifen, sich eher der zurückschreitenden Wieder-
       entdeckung  der   früheren  Geschichtsschreiber   -  Tocqueville,
       Quinet, Marx  und natürlich  Auguste Cochin  - zuwendet,  um sein
       erklärendes Modell  zu bereichern. Diese Schule ist indes keines-
       wegs die  einzige, die  den Bereich  der  revolutionären  Politik
       bearbeitet: Eine  besondere Beachtung  muß jener anderen Strömung
       zuteil werden,  in der,  ausgehend von der durch Wortkundler (die
       ebenfalls Historiker sind) geleiteten Analyse des Diskurses, eine
       Annäherung an  die Inhalte vollzogen wird - handle es sich nun um
       den jakobinischen  Diskurs oder  um  den  der  Volksbewegung  und
       seiner Wortführer,  Héberts und  anderer. Die Studien von Jacques
       Guilhaumou oder  Annie Geoffroy  sind  in  dieser  Hinsicht  sehr
       bezeichnend.
       Von wo  man auch  komme -  die Konvergenz in diesem Bereich voll-
       zieht sich über eine Reihe von zentralen, zu hinterfragenden Pro-
       blemstellungen, und  jene des Jakobinismus 27) ist ein Paradefall
       für diese  zentralen Fragen,  in denen  sich die Debatte über den
       Sinn der Revolution selbst kristallisiert.
       
       Die Geschichte der Menschen: Mehrdeutigkeiten der Biographie
       ------------------------------------------------------------
       
       Im Zentrum dieser Wiederentdeckung des Politischen nimmt die bio-
       graphische Annäherung einen mehrdeutigen Platz ein. Man hätte sie
       gestern noch  im Niedergang  gewähnt, und  wenn wir an die großen
       Debatten zu  Beginn dieses Jahrhunderts denken - Danton gegen Ro-
       bespierre, Aulard  gegen Mathiez -, hätten wir in der Art von Lu-
       cien Febvre  "über die Geschichte, die nicht mehr die unsere ist"
       schreiben können.  Und dann  hat in  allerjüngster Zeit,  in  der
       Werkstatt der Biographien von Revolutionären, die hinfort vor al-
       lem den  akademischen Historikern  vorbehalten schien,  eine  be-
       zeichnende Umkehr  stattgefunden: Saint-Just,  Danton,  Mirabeau,
       Madame Roland,  Lucile und  Camille Desmoulins  finden oft  neue,
       qualifizierte Biographen.  Diese Rückkehr  zur Biographie ist je-
       doch kein  spezifisches Merkmal  der Werkstätten  zur Erforschung
       der Revolution  28), sondern  sie ist eines der allgemeinen Merk-
       male einer  Historiographie in unserer Zeit, die Identifikations-
       und Personalisierungs-schwierigkeiten  hat. Wie man seine Wurzeln
       sucht, so  sucht man seine Helden. Abgesehen von den großen Figu-
       ren, eignet  sich die Geschichte der Revolution zur Inwertsetzung
       des Studiums  bestimmter "Fälle" durch Persönlichkeiten, die dazu
       beigetragen haben,  die Konzeption  von Biographien selbst zu er-
       neuern, indem  sie sich anonymen oder halbanonymen Helden zuwand-
       ten, deren  Abenteuer vielleicht ebenso erhellend sein können wie
       die von  solchen, die  eine führende Rolle spielten: Man denke an
       den Glasermeister Menetra, dessen "Tagebuch" von Daniel Roche un-
       tersucht wurde.  29) Und ich selbst habe zwei dieser anonymen Ge-
       stalten der Revolution "zum Sprechen gebracht", den Schreinermei-
       ster Joseph  See aus  Aix-en-Provence, der  sich in seinem leeren
       Prachtgrab als  Freimaurer und Jakobiner enthüllt (dürfen wir sa-
       gen: ganz  und gar?),  wie den Dichter Theodore Desorgues - Autor
       der "Hymne  an das  höchste Wesen" vom 20. Prairial des Jahres H,
       der fast  als Grenzfall  eines Künstlers in der Revolution gelten
       darf.
       Ein derzeitiger  Seitenweg der  Biographien nimmt  im Rahmen  der
       Studien der  Revolution eine  besondere Bedeutung  an: Er besteht
       darin, den  Prozeß der  Heroisierung oder der posthumen Erzeugung
       großer revolutionärer Gestalten inmitten des kollektiven Abenteu-
       ers zu verfolgen: Die Aufarbeitung des Sich-Vorstellens, der Ima-
       gination, ist  in "Der  Tod von Marat" in geradezu exemplarischer
       Weise von einer Forschergruppe in einer interdisziplinären Studie
       geleistet worden.
       
       Sozialgeschichte und Geschichte der Massen
       ------------------------------------------
       
       Es bleibt  festzuhalten, daß  die Rückkehr  zur  politischen  Ge-
       schichte ebenso  wie die zur Biographie nicht das wesentliche Ge-
       wicht der Sozialgeschichte der Massen in der Revolution verdecken
       kann -  eine Sozialgeschichte, die ebensosehr, wenn nicht in noch
       stärkerem Maße, politische Geschichte ist und die, in Fortsetzung
       der  jakobinischen  Geschichtsschreibung,  das  wesentliche  Ziel
       bleibt.
       Diese Geschichte  hat ihre  Forschungsgebiete und  ihre Projekte.
       Das Forschungsfeld  Paris, nacheinander  von Marcel  Reinhard 30)
       unter dem  soziologischen  und  demographischen  Blickwinkel  er-
       schlossen, dann  von Albert  Soboul und seinen Schülern hinsicht-
       lich der  Formen der Volksbewegung, ist weit davon entfernt, aus-
       geschöpft zu  sein: Es  ist dennoch zu hoffen, daß 1989 eine wenn
       auch nicht  definitive, so  doch neuformulierte  Synthese der Ge-
       samtheit dieser Arbeiten vorgelegt werden kann. Sodann ist es an-
       gebracht -  man gestatte mir den Ausdruck ", die Französische Re-
       volution zu "entparisianisieren", indem man vom gesamten nationa-
       len Raum stärkeren Besitz ergreift. Dies ist das Ziel des derzeit
       beim Institut  für die  Geschichte der  Französischen  Revolution
       (Paris I) erfolgenden Aufbaus eines nationalen Dokumentationszen-
       trums mit Mikro-Fiches, das die heute noch schlummernden oder un-
       genutzten Examensarbeiten  und Dissertationen  - aus  der Provinz
       wie aus  Paris -  versammelt. Im  gleichen Sinne  wird  an  einem
       "Historischen Atlas  der Französischen Revolution" ("Atlas Histo-
       rique de  la Révolution  Française") gearbeitet - ein gemeinsames
       Projekt der E.H.E.S.S. und des I.H.R.F. In den Regionen fand die-
       ses anspruchsvolle Programm lebhaften Zuspruch: Die Arbeiten wur-
       den vervielfacht,  sowohl über den revolutionären und konterrevo-
       lutionären Westen  31) wie  über die  Provence und den Languedoc,
       die Dauphine  und den Norden: Die Aufzählung der derzeitigen, der
       Zweihundertjahrfeier vorausgehenden  Werkstätten und  ihrer  For-
       schungen bleibt zwangsläufig unvollständig. In regionalem Maßstab
       sind die  verschiedenen Zweige  der Revolutionsgeschichte  unter-
       schiedlich stark  vertreten,  während  die  Wirtschaftsgeschichte
       trotz neuerer,  brillanter Arbeiten  (D. Woronoff über die Eisen-
       hüttenindustrie, L.  Bergeron über  Bankiers und  Geschäftsleute,
       Bruguière über  die Spekulanten)  32) zu sehr auf einen Kreis von
       Spezialisten beschränkt  bleibt, wie vielleicht auch die demogra-
       phische Geschichte  nach dem aufpeitschenden Hieb, den ihr Marcel
       Reinhard verpaßt hatte.
       
       Die Geschichte des bäuerlichen Landes ist nicht tot
       ---------------------------------------------------
       
       Die Erforschung  der Geschichte des bäuerlichen Landes hat keinen
       Rückgang erfahren. In der Erforschung ihrer Strukturen hat Albert
       Soboul bis  zu seinem  Tod das  Studium der grundherrschaftlichen
       Abgaben und ihrer Aufhebung unter der Revolution angeregt (s. die
       universitären Arbeiten von J.-N. Luc und Guy Lemarchand). 33) Was
       die Erforschung  der sozialen Dynamik betrifft, ausgehend von den
       bäuerlichen Bewegungen  während der  Revolution wie in der großen
       Krise im  Frühling und im Herbst 1792, aber ebenso im allgemeinen
       Widerwillen gegen den Loskauf von den Rechten der Feudalherren in
       bestimmten Regionen  im Jahre 1790, so präsentiert sich hier eine
       intensiv arbeitende  Werkstätte, angefangen  mit den (leider noch
       zu wenig bekannten) Arbeiten von A. Ado, denen von M. Vovelle und
       von J. Nicolas, der eine Untersuchung im gesamtnationalen Maßstab
       vornimmt (1984  thematisierte ein  Kolloquium an  der Universität
       Paris VII  die "Volksempfindungen  und -gefühle" in der Neuzeit).
       34)
       
       Die Geschichte der Städte
       -------------------------
       
       Die Geschichte der Städte - wobei Soziologie und soziale Bewegung
       eng miteinander  verbunden sind  - wird  ständig weitererforscht,
       sie setzt  die Beiträge  von Soboul und Rudé fort (nach 25 Jahren
       wurden die "revolutionären Massen" endlich ins Französische über-
       setzt!). 35) Systematisch werden große, offene Bereiche erschlos-
       sen -  zitieren wir, ohne Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu
       wollen, das  Studium der  Massen, das in das der Sprachen und der
       Gestualität der  Gewalt mündet 36); desgleichen ist eine soziolo-
       gische Studie  über den Föderalismus in seinen verschiedenen For-
       men in Arbeit. 37) Nach dem Studium der Gruppen der Sans-Culotte-
       rie durch  Soboul (Paris)  und Vovelle  (Marseille) wird den ver-
       schiedenen Haltungen  und Strategien  der Bourgeoisie während der
       Revolution von  neuem eine  legitime Beachtung geschenkt, einset-
       zend mit  der Prosopographie  38) der  Eliten und der munizipalen
       Notablen.
       Schließlich vereinigt  sich die  Sozialgeschichte wieder  mit der
       politischen Geschichte  - von  der sie  untrennbar ist  - in eine
       ganze Strömung, die, von einer lebhaften Neugierde getragen, sich
       den bäuerlichen Konterrevolutionen zuwendet, sich mit der Art und
       Weise des Einschwenkens eines Teils der bäuerlichen Massen (sowie
       ihrer Beweggründe)  in eine - eventuell bewaffnete - Gegnerschaft
       zum neuen  Regime auseinandersetzt: Das schon zitierte Kolloquium
       über die "Widerstände gegen die Revolution" 1985 in Reimes ist in
       dieser Hinsicht  beispielhaft zu nennen. Eine ganze Reihe von Ar-
       beitshypothesen wurde  erstellt, seit  der großen Studie von Paul
       Bois, die  immer noch  als Standardwerk  gelten darf  39),  deren
       Schlußfolgerungen heute  manchmal bestritten werden (Roger Dupuy,
       D. Sutherland)  - allerdings  in einer Debatte, die nichts gemein
       hat mit  den erbärmlichen  Polemiken über den "innerfranzösischen
       Völkermord".
       
       Vom religiösen Moment zur nachdrücklichen
       -----------------------------------------
       Betonung des Kulturellen
       ------------------------
       
       Es bleibt festzuhalten, daß sich quer durch die Analyse der neuen
       Publikationen, der  Felder der  Forschung wie  auch  des  wissen-
       schaftlichen Austauschs,  mit besonderer  Deutlichkeit eine nach-
       drückliche Betonung  der kulturellen, sodann der mentalen Momente
       abzeichnet. Kann man von einer "Abweichung" ins Imaginäre auf Ko-
       sten des  Studiums der  objektiven Bedingungen sprechen? Da diese
       Entwicklung nicht  nur eine spezifische Erscheinung der Revoluti-
       onsforschung ist,  ist sie  dort besonders spürbar. Dieser Ansatz
       kommt nicht umhin, zugleich eine neue, d.h. grundlegend erneuerte
       Auseinandersetzung mit  der religiösen  Geschichte der Revolution
       hervorzurufen: So  hat man  das Problem  der Entchristianisierung
       angepackt, ein  traumatisches Ereignis, das den Zugang zu den der
       Revolution eigenen  Formen der  Religiosität als  auch denen  der
       plötzlichen Befreiung  von traditioneller Disziplin eröffnet. 40)
       Timothy Tackelt hat unlängst die Haltungen des französischen Kle-
       rus zum  Schwur auf  die Verfassung  von 1790 einer genaueren Be-
       trachtung unterzogen  41): Ebenso wie die religiösen Konsequenzen
       betont er  den  irreversiblen  Bruch,  den  dieser  Eid  in  ganz
       Frankreich aufgrund der schwerwiegenden Entscheidung für oder ge-
       gen die  Revolution hervorruft: Es ist ein Ereignis, das wichtige
       Strukturen für die Zukunft schafft.
       Aber auch die mehr spezifisch kulturellen Aspekte tragen zu einer
       Bündelung zahlreicher  Recherchen bei:  Das  Reinen-Tisch-machen,
       das sich  im  V a n d a l i s m u s  ausdrückt, die direktive Po-
       litik, insbesondere  im Bereich  der Sprachen  und Mundarten 42),
       stellen nur  ein Teilstück dessen dar, was von mehreren Forschern
       "Kulturrevolution" (S.  Bianchi) genannt worden ist; des weiteren
       wendet man  sich der  ganzen innovativen  Politik im  Bereich der
       Wissenschaften und  der Technik sowie den Künsten zu, wo die Ent-
       stehung des  Museums als Folge des neuen Begriffes vom nationalen
       Erbe die dialektische Ergänzung der Zerstörungen durch den Vanda-
       lismus ist.
       Schließlich ruft  die außergewöhnliche Kreativität - in der Lite-
       ratur, in der Musik, im graphischen und ikonographischen Schaffen
       - einer  Periode, die  man zu  Unrecht steril  genannt hat,  eine
       ganze Reihe  von zu  entdeckenden Forschungsbereichen  hervor, an
       die bis dahin kaum gedacht worden war. 43)
       
       Vom Kulturellen zu den Mentalitäten
       -----------------------------------
       
       Der Übergang  vom Kulturellen  zu den Mentalitäten scheint völlig
       problemlos und sozusagen natürlich. Trotz berühmter früherer Ver-
       suche ("La  Grande Peur"  von Georges Lefebvre), die Mentalitäten
       historisch näher  zu erfassen,  stieß die  Durchsetzung der neuen
       Herangehensweisen dieser Disziplin auf einige Schwierigkeiten, da
       über diesem  Feld noch der Schatten von Taine und seinen Schülern
       schwebte. Gleichwohl  ist diese  Durchsetzung inzwischen gelungen
       44), und  man fragt  schon nach  dem Aussehen  dieses "neuen Men-
       schen", dessen  Formung die  Französische Revolution  unternahm -
       wobei er,  wie G.  Lefebvre sagte, zwischen den widersprüchlichen
       Regungen von  Angst und Hoffnung befangen und in eine neue Gesel-
       ligkeit hineinversetzt war, von den Clubs bis zu den Festen...
       Genau im  Herzen der Menschen übernimmt die Revolution somit voll
       und ganz  die Rolle  eines Ereignisses,  das Neues begründet; mit
       Auswirkungen von  langer Dauer: Eine ganze Strömung von Forschern
       hat es unternommen, eben diese Auswirkungen zu analysieren.
       
       Das Bild, das man sich von der Französischen Revolution macht
       -------------------------------------------------------------
       
       Das wechselvolle  Schicksal der  unzähligen Ideen  und  auch  der
       Werte, die  das revolutionäre  Frankreich der  Welt gegeben  hat,
       nicht nur im Bereich des politischen und philosophischen Denkens,
       sondern auch  in der  Literatur, in  den Künsten, und, weiter ge-
       faßt, in  all dem,  was man heute die kollektive Vorstellungswelt
       nennt ("l'imaginaire  collectif"): All  das stellt  ein  immenses
       Feld und  ein immenses  Abenteuer dar  und führt  uns bis ins 20.
       Jahrhundert. In  diesem Bereich sind erst Anfänge zu verzeichnen,
       aber wie  suggestiv und  anregend sind sie doch! Zum Beispiel die
       Arbeiten von Maurice Agulhon über die allegorischen Ausdrucksfor-
       men der  Republik in  Gestalt der  "Marianne" im 19. Jahrhundert.
       45) Aber  wir können darüber hinausgehend sagen, daß die außeror-
       dentlich starke  Beteiligung, die  sich aufgrund  des Herannahens
       der Zweihundertjahrfeier auf wissenschaftlichem Gebiet vollzieht,
       natürlich dahin  zielt, die posthumen Abenteuer der Französischen
       Revolution in  Gestalt der Verbreitung ihrer zahlreichen Ideen in
       den verschiedenen  Ländern zu analysieren. Die vielfachen Antwor-
       ten der nationalen Geschichtsschreibungen zeugen davon.
       
       Schlußwort: eine triumphierende oder eine bedrohte Revolution?
       --------------------------------------------------------------
       
       So flüchtig  sie auch  sei: Die Darstellung, die wir hier gegeben
       haben, wird  nicht den  Eindruck von  Erstarrung, Niedergang oder
       der bloßen  Wiederholung bestätigen, den uns die in Wörterbüchern
       verzeichneten althergebrachten Ideen vermittelten.
       Die Geschichtsschreibung  der Französischen Revolution ist mitten
       im Aufbruch  begriffen. Man  wird zukünftig  nicht mehr von einer
       vorherrschenden Lesart  sprechen können  in diesem  Bereich,  der
       durch eine  explosionsartige Ausbreitung  in alle  Richtungen ge-
       kennzeichnet ist,  und das ist ohne Zweifel gut so. Es bleibt da-
       bei, daß diese Historiographie auch ihre eigene Verwirrung verrät
       - zwischen  den Skrupeln  einer "jakobinischen" Geschichtsschrei-
       bung, die  langsam wieder Vertrauen in sich selbst gewinnt, nach-
       dem sie  die Zielscheibe aller Angriffe gewesen ist; zwischen dem
       Unbehagen  einer  "revisionistischen"  Geschichtsschreibung,  die
       vielleicht ihre  gesunde, provozierende Neuheit eingebüßt hat und
       die sich  konfrontiert sieht  mit ihrer vulgarisierten und trave-
       stierten Wiederverwendung  durch eine dritte Schule, die wir eine
       "verunglimpfende" nennen  wollen, mit  zahlreichen Ideen, die un-
       längst auf  die  unvermeidlichen  "Abweichungen"  der  Revolution
       zielten. Wenn  die Bedeutung  dieser dritten  Gruppe auf  wissen-
       schaftlicher Ebene auch nicht groß ist - sie disqualifiziert sich
       schon durch den Rückgriff auf die Polemik, die ihr ihre Glaubwür-
       digkeit nimmt  ", so  wird sie sicher noch eine Weile die Straßen
       unsicher machen.
       Dies erleichtert freilich nicht die zu leistende Aufarbeitung und
       die Rehabilitierung eines Bildes der Revolution, das sowohl durch
       den Verlust  des kollektiven  Erinnerungsvermögens als auch durch
       den Rückgang  des Wissens von der Vergangenheit zu einem Zerrbild
       geworden ist  - wohingegen  die Öffentlichkeit doch auf neue Ent-
       deckungen gespannt ist. Es wäre sehr schädlich, wenn die Zweihun-
       dertjahrfeier ein  Auseinanderklaffen -  wie das einer geöffneten
       Schere -  von einer  aktiven und offenen Forschung einerseits und
       einem von den Massenmedien beförderten Diskurs andererseits erle-
       ben würde,  denn letztere  dürfte aus den abgedroschensten Themen
       einer weitestgehend konterrevolutionären Tradition bestehen, wel-
       che das  Bild einer  Revolution einzubürgern  versucht, die  aus-
       schließlich in  ihren blutigen und zerstörerischen Aspekten gese-
       hen wird.
       Es bleibt  zu sagen,  daß in dieser offenen Situation Anlässe zur
       Hoffnung nicht  fehlen. Die  Revolution ist  nicht "beendet": Sie
       bleibt sehr  wohl in der gemeinsamen Vorstellungswelt der Franzo-
       sen eines  der  markantesten  Unterscheidungsmerkmale.  Außerhalb
       Frankreichs ruft  sie eine  bemerkenswerte Interessenübereinstim-
       mung hervor,  eine allgemeine  Sympathie, die  oft verwundert ist
       über den  Gemütszustand der  Franzosen selbst.  Es ist zu hoffen,
       daß dieses  übereinstimmende Verlangen  im nationalen, regionalen
       und internationalen  Maßstab 1989  sein Echo  in der Durchführung
       des vorgesehenen  Weltkongresses finden wird. In jedem Fall liegt
       es in  der Verantwortung  der Historiker,  sich - wie man während
       der Revolution  sagte - auf der Höhe der Ereignisse zu zeigen. Es
       wird ein historisches Rendezvous, das es nicht zu versäumen gilt.
       
       Übersetzung aus dem Französischen: Wilfried Schleif
       
       _____
       1) Albert Soboul,  Les Sans-culottes  parisiens en  l'an II. Mou-
       vement populaire  et gouvernement révolutionnaire, 2 juin-9 ther-
       midor an  II, Paris 1958, deutsch (gekürzt): Französische Revolu-
       tion und Volksbewegung: die Sansculotten. Die Sektionen von Paris
       im Jahre II, hg. von Walter Markov, Frankfurt/Main 1978.
       2) François Furet,  Penser la  Révolution, Paris 1978, dt: 1789 -
       Vom Ereignis  zum Gegenstand  der Geschichtswissenschaft,  Frank-
       furt/Main, Berlin, Wien 1980.
       3) Archives Parlementaires de 1787 à 1860, Receuil des debats le-
       gislatifs et politiques des chambres francaises, hrsg. von M. Ma-
       dival und  E. Laurent, später vom Institut d'histoire de la Révo-
       lution française  de la Faculté des Lettres et de Sciences humai-
       nes (Sorbonne). Paris 1879 ff.
       4) Jean Jaurés,  Histoire socialiste  de la Révolution Française,
       Paris 1901-1904.  Neu hrsg.  von A. Soboul in 7 Bdn., Paris 1968-
       1973.
       5) Vgl. dazu  u.a. Alphonse Aulard, Etudes et leçons sur la Révo-
       lution Française, Serie 1-6, Paris 1893-1924; ders., Histoire po-
       litique de  la Révolution  Française, Paris 1901; dt.: Politische
       Geschichte der  Französischen Revolution. Entstehung und Entwick-
       lung der  Demokratie und  der Republik,  1788-1804, 2  Bde., Mün-
       chen/Leipzig 1924; Albert Mathiez, La Révolution française (1922-
       1927), Paris 1959, dt.: Die Französische Revolution, 3 Bde., Ham-
       burg 1950.
       6) Albert Mathiez,  La vie  chére et  le mouvement social sous la
       terreur, Paris 1927, Nachdruck Paris 1973.
       7) Der Georges Lefebvre der: Les Paysans du Nord pendant la Révo-
       lution Française, Lilie 1924, Paris 1972, oder der von: La Grande
       Peur de  1789, (1932)  Paris 1963,  dt. auszugsweise  in: Irmgart
       Aglaya Hartig,  Geburt  der  bürgerlichen  Gesellschaften:  1789,
       Frankfurt/M. 1979.
       8) Siehe Anm. 1.
       9) Marcel Reinhard,  La chute  de la royaute, Paris 1969; Jacques
       Godechot, Les Révolutions (1770-1799), Paris 1963.
       10) Albert Soboul,  Precis d'histoire de la Révolution Française,
       Paris 1962, dt.: Die Große Französische Revolution. Ein Abriß ih-
       rer Geschichte  (1789-1799), 2  Bde., Frankfurt/M. 1973; J.R. Su-
       ratteau, La  Révolution française,  certitudes  et  controverses,
       Paris 1973;  George Rudé, The Crowd in the French Revolution, Ox-
       ford 1959,  dt.: Die Massen in der Französischen Revolution, Mün-
       chen/Wien, 1961;  Armando Saitta,  Filippo Buonarotti. Contributi
       alla storia  della sua  vita e  del suo  pensiero,  2  Bde.,  Rom
       1950/51; Richard  Cobb, Les  Armées révolutionnaires, Instruments
       de la  Terreur dans les départements, 2 Bde., Paris 1965; Kåre D.
       Tønnesson, La  défoite des  sans-culottes: mouvement populaire et
       réaction bourgeoise en l'an II, Paris, 1959, 1978; siehe auch die
       Literaturliste zu  dem Artikel  von Walter Markov im vorliegenden
       Band.
       11) Fernand Braudel, Histoire et sciences sociales. La longue du-
       ree (1958),  in: Ders., Berits sur l'histoire, Paris 1969, S. 41-
       83; dt.:  Geschichte und  Sozialwissenschaften -  Die "longue du-
       rée", Köln 1972, S. 188 - 213; ebenso in: Claudia Honegger (Hg.),
       Schrift und Materie der Geschichte. Vorschläge zur systematischen
       Aneignung historischer Prozesse, Frankfurt/M. 1977, S. 47-85.
       12) Robert Mandrou:  De la  Culture  populaire  aux  17e  et  18e
       siècles (3. éd.) Paris 1985.
       13) Emmanuel Le  Roy Ladurie,  Les paysans  de  Languedoc,  Paris
       1961, 2 Bde.; dt.: Die Bauern des Languedoc, Stuttgart 1983.
       14) Michel Vovelle,  La Mort  et l'Occident  de 1300 à nos jours,
       Paris 1983.
       15) Alfred Cobban, The Myth of the French Revolution London 1955,
       in: Alfred Cobban, Aspects of the French Revolution. London 1968;
       englisch in:  Eberhard Schmitt  (Hrsg.) Die  Französische Revolu-
       tion. Anlässe und langfristige Ursachen; Darmstadt 1973, S. 170 -
       194.
       16) George V. Taylor: Noncapitalist Wealth and the Origins of The
       French  Revolution,   in:  The   American  Historical  Review  72
       (1966/67), S.  469 -  496; englisch in: Eberhard Schmitt (Hrsg.),
       Die Französische Revolution, a.a.O., S. 288 - 328.
       17) Francois Furet/Denis Richet, La Révolution française, 2 Bde.,
       Paris 1965,  dt.: Die  Französische Revolution, Frankfurt/M. 1968
       (Neudr. München 1980).
       18) Daniel Guerin, La Lutte des Classes sous la premiere Republi-
       que. Bourgeois  et "bras  nus" 1793  "1797, 2  Bde., Paris  1946,
       neue, revidierte und erweiterte Fassung, Paris 1968, dt. gekürzt:
       Klassenkampf in  Frankreich. Bourgeois und "bras nus" 1793 "1795,
       Frankfurt/M. 1979.
       19) François Furet,  Le catéchisme  révolutionnaire, in: Annales:
       Économies-Sociétés-Civilisations, Paris  26  /1971,  S.  255-289,
       dt.: Der  revolutionäre Katechismus,  in: Eberhard Schmitt (Hg.):
       Die Französische Revolution, Köln 1976, S. 46-88.
       20) Annales Historiques de la Révolution française, Paris.
       21) Les fêtes  de la  Révolution. Colloque  de  Clermont  Ferrand
       (juin 1974) hg. v. Jean Ehrhard/Paul Viallaneix, Paris 1977; Mona
       Ozouf, La fête révolutionnaire, 1789-1799, Paris 1976; Michel Vo-
       velle, Les métamorphoses de la fête en Provence, 1750-1820, Paris
       1976.
       22) Régine Robin,  La Société française en 1789: Semur-en-Auxois,
       Paris 1970.
       23) Michel Vovelle,  Pêtres abdicataires et déchristianisation en
       Provence, in:  Actes du  Congrés national des societe's savantes,
       Section d'histoire moderne et contemporaine 89, Teilband 1, 1965,
       S. 63-98;  ders., Piété baroque et déchristianisation en Provence
       au XVIIIe  siècle, Paris  1973; ders.  Religion et Révolution: la
       déchristianisation de l'an II, Paris 1976.
       24) Siehe Anm. 2.
       25) Jacob Laib Talmon, The Origins of Totalitarian Democray, Lon-
       don 1961;  Neuausgabe New York 1970; dt.: Die Ursprünge der tota-
       litären Demokratie, Köln und Opladen 1961.
       26) C.N.R.S. (Hrsg.): Bulletin pour le bicentenaire de la Révolu-
       tion Française.  Commission de  recherche historique.  Paris 1984
       ff.
       27) Claude Mazauric, Jacobinisme et Revolution, Paris 1984.
       28) Vgl. die Sondernummer der Zeitschrift Espaces-Temps, 1986.
       29) Daniel Roche, "Journal de ma vie" de Ménétra.
       30) Siehe Anm. 9.
       31) F. Lebrun,  R. Dupuy  (Hg.), Les  Résistances à la Révolution
       (Colloque de Reimes, 1985), Paris 1987.
       32) Denis Woronoff,  Tradition et  innovation dans la siderurgie,
       Revue d'histoire  moderne et  contempo-raine, 1970, S. 559; Louis
       Bergeron, Banquiers,  negociants et  manufacturiers Parisiens  de
       Directoire  à   l'Empire  (Diss.),  Paris  1974;  Louis  Bergeron
       (Hrsg.), Grands notables du Premier Empire. Paris 1986.
       33) J.N. Luc,  Paysans et  droits feodaux  en Charente inférieure
       pendant la  Révolution Française  (Diss.); Guy Lemarchand, La Fin
       du Feodalisme dans le pays de Caux (Diss).
       34) J. Nicolas  (Hg.), Mouvements  populaires et  conscience  so-
       ciale, XVIe-XIXe siècles, Paris 1985 (Kolloquium an der Universi-
       tät Paris VII, 1984).
       35) George Rudé, The Crowd in the French Revolution, Oxford 1959,
       dt.: Die  Massen in  der Französischen  Revolution,  München/Wien
       1961.
       36) Bernhard Conein, Las Massacres de septembre 1792, Paris 1986.
       37) Vgl. hierzu  die jüngere,  kollektiv erarbeitete  Studie über
       den "féderalisme jacobin" von 1986.
       38) Verzeichnis aller  in schriftlichen Urkunden vorkommenden Na-
       men.
       39) Paul Bois, Les Paysans de l'Ouest (Diss.).
       40) Michel Vovelle, Religion et Révolution. La déchristianisation
       de l'an II, Paris 1976.
       41) Timothy Tackett, Religion, Revolution and Regional Culture in
       Eighteenth-Century France, Princeton 1986.
       42) Michel de Certau/Dominique Julia/Jacques Revel, Une politique
       de la langue: La Révolution française et les patois, Paris 1975.
       43) Michel Vovelle,  La Révolution Française. Images et Récits, 3
       Bde., Paris 1986.
       44) Michel Vovelle,  Die Französische  Revolution - Soziale Bewe-
       gung und  Umbruch der Mentalitäten, München/Wien 1982; Neuauflage
       Frankfurt 1987;  vorher italienisch:  Breve storia  della rivolu-
       zione francese,  Rom 1979;  ders., La  Mentalité revolutionnaire.
       Société et mentalité sous la Révolution française, Paris 1985.
       45) Maurice Agulhon,  Marianne au Combat. L'Imagerie et la symbo-
       lique  républicaine   de   1789   à   1880,   Paris   1979;   die
       "Gedächtnisstätten", deren Erfassung Pierre Nora unternommen hat,
       führen uns  auf dieses  Gebiet: Pierre Nora (Hrsg.), Les Lieux de
       Mémoire. Sous  la direction  de Pierre Nora (Zeitschrift), Paris,
       Gallimard 1986 ff.
       

       zurück