Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       ZUSAMMENFASSUNGEN
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       Johannes Henrich von Heiseler/Heinz Jung
       
       Die Große Französische Revolution und die
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       bundesdeutsche Gegenwart - Reflexionen
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       Einführend werden  Grundprobleme, die die Französische Revolution
       aufgeworfen hat,  benannt. Es  ergeben sich für die Gegenwart be-
       deutsame Fragen  aus der vergleichenden Betrachtung einer solchen
       Revolution an  einem Knotenpunkt der geschichtlichen Entwicklung.
       Als gewaltsamer  Umsturz bestehender sozialökonomischer und poli-
       tischer Herrschaftsverhältnisse werden politische und soziale Re-
       volutionen zur  Form der  Durchsetzung des  geschichtlichen Fort-
       schritts, wenn der Weg der Reformen blockiert ist, aber die Herr-
       schenden der  Veränderung nicht mehr Einhalt gebieten können. Ob-
       jektive Gründe  sprechen nicht dafür, daß das Zeitalter der Revo-
       lutionen beendet ist.
       
       
       Manfred Kossok
       
       1789 - Versuch einer Positionsbestimmung
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       Der Beitrag verbindet die Darstellung der zeitgenössischen marxi-
       stischen Forschungen zur Französischen Revolution und die Ausein-
       andersetzung mit  den entsprechenden Gegenpositionen mit der Dis-
       kussion und  Vorstellung wichtiger  Ergebnisse der vergleichenden
       Revolutionsgeschichtsforschung für das 19. Jahrhundert. Er stellt
       heraus, daß  die Anwendung  des Konzepts  der "Revolutionstriade"
       (Freisetzung der  neuen Produktionsformen,  politisch-soziale Um-
       wälzung, Umbruch  im Denken)  den Gesamtcharakter des Umwälzungs-
       prozesses zu erschließen vermag. Mit der Französischen Revolution
       vollzieht sich ein Epochenwechsel im weltgeschichtlichen Maßstab.
       Das gesamte 19. Jahrhundert wird durch das Ringen um das Erbe von
       1789 bestimmt.  Mit dieser klassischen Revolution im bürgerlichen
       Revolutionszyklus und  dem Sieg der von England ausgehenden indu-
       striellen Revolution ergibt sich für das 19. Jahrhundert ein qua-
       litativ verändertes  Verhältnis von  Reform und Revolution in der
       Durchsetzung der kapitalistischen Gesellschaftsformation. Aus den
       Fagestellungen des  Beitrages ergeben  sich aktuelle  Bezüge  zur
       theoretischen Diskussion und zur ideologischen Auseinandersetzung
       um die Revolutionstheorie der Gegenwart.
       
       
       Michel Vovelle
       
       Die Historiographie der Französischen Revolution
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       am Vorabend der Zweihundertjahrfeier
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       Die Geschichtsschreibung  der Französischen Revolution zeigt mit-
       einander kämpfende Linien. Eine jakobinische, die in starkem Maße
       marxistische Positionen  und Herangehensweisen  einschließt, eine
       in  Frankreich   "revisionistisch"  genannte   Linie,   die   vom
       "Abgleiten" der Revolution zwischen 1791 und 1794 ausgeht und die
       Revolution für beendet erklärt, schließlich eine konterrevolutio-
       näre-antijakobinische   Linie,    die,   die   Überlegungen   der
       "Revisionisten" karikierend,  diese konsequent  zu einer  solchen
       Form  der   Totalitarismus-Theorie  weitertreibt,  daß  sich  die
       "Revisionisten" darin  nicht wiederzufinden  glauben. Die  neuere
       Forschung der  "jakobinischen" Geschichtsschreibung  ist  dadurch
       gekennzeichnet, daß  sie thematisch  in die  Tiefe und die Breite
       geht: Neuentdeckung  des Politischen,  biographische Forschungen,
       sozialgeschichtliche Arbeiten,  regional differenziert,  Untersu-
       chungen zur kulturellen Revolution, Mentalitätsforschung.
       
       
       Walter Markov
       
       1789 - Legende und Wirklichkeit einer großen Revolution
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       An verschiedenen Beispielen zeigt der Autor, wie schon ihre Zeit-
       genossen die  Ereignisse der Französischen Revolution idealisier-
       ten. Die Revolutionsgeschichtsschreibung ist bis heute gleichzei-
       tig immer auch ein Indikator der jeweiligen Standorte und aktuel-
       len Klassenauseinandersetzungen  geblieben. Für  marxistische Ge-
       schichtsschreibung gilt die ungetrübte Anerkennung der objektiven
       Realität, wie  Marx sie  forderte, auch dort, wo sich gerechtfer-
       tigte Emotionen  aufladen. Nichtsdestoweniger  wird der  heutigen
       marxistischen Revolutionsforschung der Vorwurf gemacht, den Boden
       der Wissenschaftlichkeit  verlassen zu haben und der Legendenbil-
       dung freien  Lauf zu  lassen. Der  Autor antwortet auf Kritik aus
       dem bürgerlichen  Lager, in  deren Kern die Auffassung steht, dar
       heutige Marxismus konstruiere generalisierenden Theoremen zuliebe
       eine Revolutionsautomatik,  die  mit  der  lebendigen  Revolution
       nichts gemein  habe und  lenke gar  "ein paar nette Einfalle" des
       jungen Marx fehl und um.
       
       
       Claude Mazauric
       
       Einige Überlegungen zur Französischen Revolution
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       und zur Konstituierung der herrschenden Klasse
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       Ausgehend von  der These,  daß sich die Realität der herrschenden
       Klasse in  der Ausübung von Herrschaft vermittels staatlich-admi-
       nistrativer Institutionen  konkretisierte,  skizziert  der  Autor
       thesenartig den  Prozeß, in dem die Bourgeoisie von einer revolu-
       tionären zur staatstragenden Klasse wurde und wie sie sich selbst
       dabei veränderte.  Es zeigt  sich, daß  Bourgeoisie nicht  gleich
       herrschende Klasse  ist, sondern  daß vielmehr nur die Verschmel-
       zung  des  kapitalistischen  Bürgertums  mit  einer  herrschenden
       Klasse, die  aus Klein-  und Großeigentümern  sowie  aus  Trägern
       staatlicher Funktionen  auf allen Ebenen bestand, ihre kulturelle
       und politische  Hegemonie als  Realität garantieren  und zugleich
       verschleiern konnte.
       
       
       Anatolij V. Ado
       
       Zur Frage der Ergebnisse der Französischen Revolution
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       im Agrarbereich
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       Der Beitrag  setzt sich  vor allem mit der These auseinander, daß
       die Erfolge  der Agrarrevolution, die Schaffung des von Feudalla-
       sten befreiten  Parzellenbauern, zur  Bremse der kapitalistischen
       Entwicklung Frankreichs  im 19.  Jahrhundert geworden  seien. Ado
       weist diese  These als  "vereinfacht" zurück.  Zwar verweisen die
       bilanzierten  Ergebnisse   auf  einen  Erfolg  der  Bauernschaft,
       gleichzeitig werden jedoch in der Nachthermidorperiode Ergebnisse
       der Jakobinerphase  teilweise revidiert  und zurückgerollt  - vor
       allem zugunsten  des Großeigentums.  Die Agrarverhältnisse können
       nur als  einer der  die Entwicklung des fanzösischen Kapitalismus
       im 19. Jahrhundert bestimmenden Faktoren angesehen werden.
       
       
       Susanne Petersen
       
       Die Versorgungsfrage und die Französische Revolution
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       Der Beitrag untersucht die Versorgungssituation im Frankreich des
       späten 18.  Jahrhunderts. Ausgehend  von  der  Feststellung,  daß
       keine Revolution  aus dem  Hunger geboren  wird,  wird  nach  der
       Rolle, die  die Versorgungsfrage  für das Handeln der Volksmassen
       in der  Französischen Revolution gespielt hat, gefragt. Die Auto-
       rin vergleicht  die Versorgungsunruhen der Vorrevolutionszeit mit
       denen nach  1789. Blieben  Aktionsformen wie  Inhalte  und  Opfer
       zunächst weitgehend  identisch mit  den Unruhen im Ancien Régime,
       gewannen zunehmend Aktionsformen an Gewicht, die den Anspruch auf
       positive Gestaltung  von Wirtschaftspolitik  deutlich werden lie-
       ßen.
       
       
       Dominique Godineau
       
       Freiheit, Gleichheit und die Frauen
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       Es gab zwischen 1789 und 1795 eine wichtige revolutionäre Frauen-
       bewegung, die  sich teilweise  von der  Volksbewegung abhob. Aber
       welche Bedeutung  hat die Versorgungsfrage für das Engagement der
       Frauen des  Volksmilieus? Welche Rolle spielen sie in den revolu-
       tionären Erhebungen? Wie konnten sie Bürgerinnen sein und gleich-
       zeitig von politischen Rechten ausgeschlossen? Wie haben sie sich
       in Frauenclubs zusammengeschlossen? Condorcet und O. de Gouge wa-
       ren Theoretiker  des 'Bürgerrechts'  der Frauen,  aber 1793 haben
       die Aktivistinnen  des Volkes  ihre politischen Rechte eingeklagt
       und sich  als 'freie  Frauen' dargestellt, indem sie sich auf die
       Menschenrechtserklärung beriefen.
       
       
       Eberhard Dähne
       
       Die Armee der Revolution und die Entstehung des modernen Krieges
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       Neben der  revolutionären Neugestaltung  der politischen Institu-
       tionen erfolgte im Verlauf der Revolution auch eine Umwälzung der
       Methoden der  Kriegsführung. Ihre  Merkmale in der Verteidigungs-
       phase der Republik waren spontane Volkserhebung, energische Mobi-
       lisierung der  nationalen Ressourcen und grundlegende Veränderun-
       gen der  Kriegstaktik. Sie wurden in der Aggressions- und Okkupa-
       tionsphase weiterentwickelt. Ideen und Taten der Revolution haben
       sowohl den  "Volkskrieg" als  auch die imperialistischen "Massen-
       schlächtereien" hervorgebracht.
       
       
       Hans Heinz Holz
       
       Tugend und Terror - Notizen zur Schreckensherrschaft
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       Ohne die  Stufen der  Eskalation des  Interessenkonfliktes zu be-
       rücksichtigen,  ist  die  Beteiligung  des  Volkes  an  der  sog.
       "Schreckensherrschaft" nicht zu verstehen. So wurde die Härte des
       Überlebenskampfes der  revolutionierten, aber noch unstabilen Ge-
       sellschaft im Ausland selten richtig erkannt: Die Jakobinerdikta-
       tur war  die notwendige  Diktatur der  volonte generale  über die
       hervorbrechenden partikularen Interessen. Was bei Robespierre zur
       Unterscheidung zwischen  Durchsetzung und  Ausübung der  Freiheit
       führt, wird  z.B. bei Schiller zum Gegensatz von Ideal und Leben,
       wofür die  Wurzel in der Struktur der Kantschen Philosophie nach-
       zuweisen ein eigenes Thema wäre. Hegel begreift die Jakobinerdik-
       tatur nicht als Gegensatz und Unterdrückung der Freiheit, sondern
       als die Wirklichkeit ihres abstrakten Prinzips.
       Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 14, 1988, S. 196-218
       
       
       Kurt Holzapfel/Michael Zeuske
       
       Die heroische Illusion und das 19. Jahrhundert.
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       Größe und Begrenztheit der bürgerlichen Revolution in Frankreich
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       Der Artikel versucht, die Beschäftigung von Marx mit wesentlichen
       Aspekten des  Problems der "heroischen Illusion" chronologisch im
       sog. "Jugendwerk"  nachzuzeichnen und mit Problemkreisen der ver-
       gleichenden Revolutionsgeschichte in Verbindung zu bringen.
       In einem  zweiten Teil  wird die Verbindung von "heroischer Illu-
       sion", Größe  und Grenzen  einer bürgerlichen Umwälzung sowohl in
       der Großen  Revolution von 1789 selbst, als auch ihr Nachhall und
       -wirken in der Polit- und Sozialgeschichte Frankreichs im 19. Jh.
       untersucht.
       
       
       Joachim Kahl
       
       Religionskritik und Toleranzidee - geistige Hebel der Revolution.
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       Eine historisch-systematische Skizze
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       Mit der  Aufhebung des  Toleranzedikts von Nantes 1685 begann die
       Vorbereitungsphase der  religionspolitischen Ereignisse der Fran-
       zösischen Revolution.  Ihr laizistischer  Schlußpunkt wurde  1905
       mit der  Trennung von  Staat und Kirche gesetzt. Dazwischen lagen
       die erregenden  Ereignisse von 1789 (Erklärung der Religions- und
       Gewissensfreiheit) bis  1801 (Konkordat Napoleons mit dem Papst),
       die ohne  die Tradition  des Gallikanismus  und die  Bewegung der
       Aufklärung nicht begriffen werden können. Als wesentliche Impuls-
       geberin im  Prozeß der  Verweltlichung der Welt und der Auflösung
       religiöser Bewußtseinsformen  war die  Französische Revolution in
       ihrer Hauptlinie  nicht durch  atheistische Religionskritik, son-
       dern durch  deistische Misch-  und Übergangsformen  geprägt (Kult
       des höchsten Wesens).
       
       
       Hartwig Zander
       
       Anstalterziehung als pädagogischer Partisan.
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       Die "Société des jeunes Français" und die Anfänge experimenteller
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       Sozialpädagogik in der ersten französischen Republik
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       Die kühnen  erzieherischen Experimente, die, unter revolutionären
       Konstellationen, je  aktual den  "neuen Menschen"  schaffen, sind
       uns allenfalls  bruchstückhaft bekannt. Das mag darin liegen, daß
       wir den  Blick vorzugsweise  auf Verläufe  "langer Dauer" richten
       und die  Materialität revolutionärer  Situationen leicht  aus den
       Augen verlieren.  Das mag aber auch daran liegen, daß Experimente
       in Sachen  Erziehung seit der Französischen Revolution Kollektiv-
       bildung zur Form hatten. Sie widersetzen sich unserem Erziehungs-
       alltag. Der  Beitrag handelt  von der  Wirklichkeit eines  Erzie-
       hungsexperiments, das  in den  frühen Jahren der ersten französi-
       schen Republik stattfand.
       
       
       Rolf Reichardt
       
       Politische Druckgraphik in der Französischen Revolution.
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       Die Bildwelt der Bastille als Beispiel
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       Die auflagenstarke,  noch kaum systematisch erforschte politische
       Bildpublizistik der  Französischen  Revolution  gehört  zu  einer
       Gruppe semi-oraler  Medien der gesellschaftlichen Bewußtseinsbil-
       dung und  Didaktik, welche  der Revolution  erst ihre Massenbasis
       verschafften. Dir eigentlicher Quellenwert liegt nicht in der Er-
       eignisillustration, sondern in der allegorischen Verarbeitung und
       Sinngebung sozialer  Schlüsselvorgänge und Grundwerte der Revolu-
       tion. Ihre  vielfältigen Funktionen  reichen von  Nachrichtenver-
       mittlung und  Zukunftsbeschwörung über  Heldenkult und politische
       Vergewisserung  bis  zu  Gedenkfeier  und  patriotisch-nationaler
       Identitätsstiftung.
       
       
       Domenico Losurdo
       
       Der Begriff "bürgerliche Revolution" bei Marx und Engels
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       Die Marx-Engelssche Analyse der Französischen Revolution als bür-
       gerliche Revolution  wird in  unseren Tagen  vielfach liquidiert.
       Voraussetzung dafür  ist ihre  Verflachung: Für  Marx und  Engels
       schließt der  bürgerliche Charakter der Revolution keineswegs die
       Gegenwärtigkeit und die Verflechtung vielfältiger sozialer Wider-
       sprüche, und  auch nicht  das Aufkommen von Bewegungen und Forde-
       rungen aus,  die weit über das von der hegemonischen Klasse fest-
       gesetzte Programm hinausgehen. Die heutige Debatte wird von einem
       Mißverständnis überschattet:  Wenn das Vorwort zu "Zur Kritik der
       politischen Ökonomie" den revolutionären Prozeß ausgehend von dem
       Widerspruch zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produk-
       tivkräften analysiert, dann bezieht es sich nicht auf ein einzel-
       nes Land,  sondern auf  eine "Epoche sozialer Revolution". Dieser
       Widerspruch bildet also nur den allgemeinen Umriß, in den man die
       besondere Entwicklung jeder einzelnen Revolution einordnen muß.
       
       
       Harry Schmidtgall
       
       Welche Bibliothek benutzte Marx für seine "Kreuznacher Exzerpte"?
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       Die von Marx 1843 in Bad Kreuznach angefertigten historischen und
       staatstheoretischen Exzerpte mit Schwerpunkt Französische Revolu-
       tion sind  ein wichtiger  Schritt für  seinen Übergang von Hegel-
       scher Staatsphilosophie  zu materialistischen Positionen. Die von
       Marx damals  benutzte Bibliothek  mit ihren für deutsche Verhält-
       nisse ungewöhnlichen  Beständen galt  bisher als  verschollen. Es
       wurde sogar  angezweifelt, ob die Exzerpte überhaupt in Kreuznach
       entstanden sind. Der Autor, dem es vor kurzem gelang, die Biblio-
       thek aufzuspüren,  gibt einen  Überblick über sie und befaßt sich
       auch mit  der möglichen  Herkunft von exzerpierten, aber nicht in
       der Bibliothek vorhandenen Büchern.
       
       
       Werner Goldschmidt
       
       Die Rezeption von Marx und Engels in der Debatte
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       um die Französische Revolution
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       Die Schwierigkeit einer systematischen Untersuchung von Marx' und
       Engels' Aussagen zur Französischen Revolution liegt in deren ver-
       wirrender Unterschiedlichkeit,  z.T.  sogar  Widersprüchlichkeit.
       Der Autor  beantwortet Arbeiten von F. Furet und E. Schmitt (zus.
       mit M.  Meyn), die auf verschiedene Weise versuchen, diese Aussa-
       gen in  Widerspruch zur  heutigen marxistisch-leninistischen For-
       schungsrichtung zu bringen. Deutlich wird die Notwendigkeit einer
       Aufarbeitung Marx-Engelsscher  Aussagen zur Französischen Revolu-
       tion aus marxistisch-leninistischer Sicht.
       
       
       Josef Schleifstein
       
       Reflexionen zur Französischen Revolution
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       im politischen Denken Lenins
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       Lenin hat  sich mit  der Französischen Revolution im Zusammenhang
       mit der Strategie und Taktik der russischen Arbeiterbewegung, be-
       sonders  in  revolutionären  und  vorrevolutionären  Stadien  des
       Kampfes, beschäftigt.  Dabei ist  der Vergleich der Französischen
       Revolution 1789-94  mit der  Revolution 1848 in Deutschland wich-
       tig. In  der Auseinandersetzung  mit dem menschewistischen Flügel
       der Arbeiterbewegung geht es vor allem um den Charakter des Klas-
       senbündnisses in  der russischen  Revolution und  um die  Hegemo-
       niefrage. Von  besonderem Interesse  sind für  Lenin in verschie-
       denen Perioden  die Bauernfrage und die Avantgarderolle der Jako-
       biner sowie  die Bedeutung  des Eingreifens  der  unteren  Volks-
       schichten in den revolutionären Prozeß.
       
       
       Walter Grab
       
       Die Jakobinerbewegung in den deutschen Teilstaaten
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       Die deutschen  Jakobiner waren  in erster Linie radikaldemokrati-
       sche Aufklärer  und Journalisten,  die das Erbe des völkerverbin-
       denden Weltbürgertums  Lessings zu verwirklichen suchten. Sie ap-
       pellierten an  ihr Volk,  die demokratischen Errungenschaften des
       revolutionären Nachbarlandes  auf Deutschland  zu übertragen, po-
       stulierten die  Teilnahme aller  Bürger, unabhängig  von Herkunft
       und Besitz,  an den politischen Entscheidungen, und betonten - im
       Gegensatz zur liberalen, monarchistisch-konstitutionell gesinnten
       Mehrheit der  deutschen Aufklärung  ", daß der politische Umsturz
       der sittlichen Vervollkommnung des Individuums vorausgehen müsse.
       Auch die  vielfältigen spontanen Volksunruhen im Revolutionszeit-
       alter werden  dem Jakobinismus zugerechnet. Wirkungsmöglichkeiten
       besaßen die  Jakobiner vor  allem in Freimaurerlogen, durch Flug-
       schriften, Journale,  Freiheitsgedichte, sowie  durch die revolu-
       tionäre Bühne.  Mit der  Vernichtung der  französischen  Republik
       durch Napoleon  Bonaparte verstummten die deutschen Jakobiner re-
       signiert.
       
       
       Heinrich Scheel
       
       Die Mainzer Republik 1792/93, ein deutsch-französisches Phänomen
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       In dem Beitrag wird die Frage, inwieweit die Mainzer Republik das
       Werk des revolutionären Frankreich war, präzise beantwortet: Ohne
       die französische  Präsenz in  Gestalt der Armee Custines, vor der
       die linksrheinischen Feudalen in heilloser Flucht das Weite such-
       ten, wäre  hier der  Weg zur  revolutionären Tat  nie beschritten
       worden; so  aber konnte  eine eigene revolutionäre Potenz entwic-
       kelt werden.  Die tragende Rolle, die die rheinisch-deutschen Ja-
       kobiner im  Gesamtprozeß der Mainzer Revolution spielten, berech-
       tigt uns also, die Mainzer Republik als ein unverzichtbares Stück
       deutscher demokratischer Geschichte zu betrachten.
       
       
       Franz Dumont
       
       Wandel von Außen. Zur Rezeption der Französischen Revolution
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       im Linksrheinischen
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       Auf das linksrheinische Deutschland wirkte die Französische Revo-
       lution besonders  stark ein. Dabei spielt allerdings die "Mainzer
       Republik" - zu der hier aus nichtmarxistischer Sicht Stellung ge-
       nommen wird  - eine  weitaus geringere  Rolle als  die  folgenden
       Jahre: Bis 1797 prägten Krieg und Besetzung die Rezeption der Re-
       volution am  Rhein. Dann führte die insgesamt siebzehnjährige Zu-
       gehörigkeit  des   Linksrheinischen   zum   (post-)revolutionären
       Frankreich hier  einen enormen  sozialen Wandel  herbei, der zwar
       "von außen"  und "von  oben" durchgeführt,  von den  Rheinländern
       aber schließlich  doch positiv aufgenommen wurde und bis weit ins
       19. Jahrhundert ihr politisches Selbstverständnis prägte.
       
       
       Hans Bert Reuvers
       
       Philosophie und Revolution
       --------------------------
       
       Die Alternativsetzung  von deutscher Theorie (klassische deutsche
       bürgerliche Philosophie)  und französischer Praxis der Revolution
       ist allgemein  üblich. Ohne  dem grundsätzlich  zu  widersprechen
       gibt der Autor zu bedenken, daß deutsche Jakobiner und ihre Theo-
       rien wie  auch der  gesamte Materialismus jener Zeit durch dieses
       Raster fallen.  Er plädiert  für eine  konkret historisch verfah-
       rende Analyse,  die das  Klischee "von Kant zu Hegel" überwindet.
       Die Geschichte der klassischen deutschen bürgerlichen Philosophie
       kann nur als Geschichte des Widerspruchs von Idealismus und Mate-
       rialismus geschrieben werden.
       
       
       Robert Steigerwald
       
       Goethe und die Große Französische Revolution
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       Obwohl Gegner  der Französischen  Revolution, besonders wegen der
       Terreur, war  Goethe immer  ein "Parteigänger des Neuen". Aus den
       Naturwissenschaften zog  er die  Konsequenz, Entwicklungen hätten
       evolutionär zu verlaufen. Revolutionen hätten ihre Ursache in den
       Missetaten der Herrschenden und seien durch "gerechte Herrschaft"
       zu vermeiden.  Die Situation  in den  zurückgebliebenen und  zer-
       splitterten deutschen Ländern verwehrte dem weltverwurzelten Goe-
       the tiefere  Einsichten. Der Widerspruch seines Lebens entspringt
       der persönlichen  Einheit namens  Goethe und  der deutschen Wirk-
       lichkeit namens Misere.
       
       
       Hermann Kienner
       
       Frankreichs Revolution und Deutschlands Konservatismus
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       Die Französische  Revolution hat  infolge ihrer Klassizität nicht
       nur Ideen hervorgetrieben, die über die Ideen des alten, d.h. des
       feudalen und  des kapitalistischen  Weltzustandes  hinausführten,
       sondern auch eine ihrer epochalen Bedeutung gemäße intellektuelle
       Gegenbewegung. Die  Zielstellung dieses Konservatismus war sowohl
       destruktiv (Zersetzung  der international progressiven Auswirkun-
       gen der Französischen Revolution) als auch konstruktiv (Anpassung
       an die  Entwicklungstendenzen der mit Frankreichs Revolution sich
       unumkehrbar durchsetzenden  bürgerlichen Gesellschaft mittels ei-
       ner obrigkeitsstaatlich  organisierten und klerikal legitimierten
       Herrschaft). Das Belegmaterial zu dieser These ist den Werken von
       Friedrich Gentz und Friedrich Julius Stahl entnommen.
       
       
       Johannes Henrich von Heiseler
       
       Modell der Revolutionen oder besonderer französischer Weg?
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       Die Französische Revolution im Urteil der deutschen Zeitgenossen
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       Die Französische Revolution, anfangs von vielen deutschen Zeitge-
       nossen begeistert  begrüßt, während die konservativen Kräfte sich
       differenzieren und dann neu gruppieren, gilt Freunden und Feinden
       als (anziehendes  oder gefürchtetes)  Modell.  Der  "französische
       Weg" der  bürgerlichen Revolution, der Weg "von unten", durch die
       Mobilisierung der Volksmassen, ist verbunden mit dem universellen
       Anspruch, der  sich etwa in der Erklärung der Menschenrechte aus-
       drückt. Die konservativ-antirationalistischen Grundgedanken - die
       in der  deutschen Geistesgeschichte  in besonders gründlicher und
       gefährlicher Weise  weitergewirkt haben - richten sich immer wie-
       der gegen  dieses Modell, das mit der Mobilisierung der Volksmas-
       sen und der Universalität des Menschenbildes verbunden ist.
       
       
       Gerd Semmer/Dieter Süverkrüp
       
       Die Lieder der Französischen Revolution
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       Gegen Ende  der 50er  Jahre begann eine spezifische Linie der Re-
       zeption des  geistigen Erbes  der Französischen Revolution in der
       Bundesrepublik. Der  Autor Gerd  Semmer und der Sänger Dieter Sü-
       verkrüp stellten  Lieder der  Jahre 1789  - 1795 vor. Der Beitrag
       enthält als  Erstveröffentlichung aus  dem Semmer-Archiv das Vor-
       tragsmanuskript des  1967 verstorbenen  Autors, kommentiert durch
       eine Skizze  Süverkrüps zur  geistigen Atmosphäre  der  Adenauer-
       Zeit, in die die Lieder der Revolution getragen wurden.
       
       
       Jürgen Reusch
       
       Krieg - Frieden - Revolution im Nuklearzeitalter
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       Unter den  Bedingungen des  Nuklearzeitalters entfaltet  sich der
       weltweite Übergang  zum Sozialismus als langwieriger, komplizier-
       ter und  widersprüchlicher Prozeß,  in dem  der Sozialismus seine
       Überlegenheit bei  der Lösung der globalen Probleme praktisch be-
       weisen muß,  in dem  andererseits auch realistische und konstruk-
       tive Tendenzen im Kapitalismus selbst genutzt werden müssen. Eine
       dauerhafte Weltfriedensordnung  muß unabhängig von revolutionären
       Veränderungen mit  den antagonistischen  Systemen geschaffen wer-
       den. Eine  zeitgemäße Konzeption  friedlicher Koexistenz begreift
       die Einheit der Welt als universales Entwicklungsprinzip für alle
       sozialen Systeme  und Kräfte.  Ihre Wirkung  auf den Fortgang von
       revolutionären Prozessen  ist daher  ambivalent. Zwischen revolu-
       tionären und  klassenübergreifenden Interessen  an weltweiter Ko-
       existenz können  Widersprüche auftreten.  Für die  revolutionären
       Kräfte in  einem kapitalistischen  Land wie  der BRD  bedingt das
       eine langfristige  Reformstrategie mit  systemüberwindender  Per-
       spektive.
       
       
       
       Dieter Boris
       
       "Jakobinische Situationen" in der Dritten Welt. Eine Skizze
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       Ausgehend von einer Bestimmung des Ausdrucks "jakobinische Situa-
       tion" skizziert  der Artikel  teilweise ähnliche  Konstellationen
       während nationaler  und sozialer Befreiungskämpfe in ausgewählten
       Ländern der  Dritten Welt: In Vietnam radikalisierte sich der ur-
       sprüngliche Kampf  um nationale  Unabhängigkeit in  einem  langen
       Prozeß bis  hin zur sozialistischen Umwälzung der gesellschaftli-
       chen Verhältnisse.  In Bolivien  erreichte  die  Revolution  sehr
       schnell bedeutende Veränderungen des ökonomischen Systems und der
       politischen Herrschaftsformen, um dann den Weg einer Rückentwick-
       lung zu bürgerlich-oligarchisch dominierten Gesellschaftsstruktu-
       ren anzutreten.  In Kuba  radikalisierte sich der anti-diktatori-
       sche Kampf  sehr rasch nach dem Sturz des Diktators, um unter der
       Hegemonie der  gleichen sozialen  Kräfte in  eine  sozialistische
       Entwicklungsetappe einzumünden.
       
       
       Willi Gerns
       
       Revolution und revolutionäre Situation heute
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       Ausgehend von  der Bestimmung  der Grundmerkmale einer revolutio-
       nären Situation  durch Lenin und der gesellschaftlichen Rolle der
       Grundrevolutionen durch Marx, geht der Autor auf einige Grundpro-
       bleme der  Revolutionstheorie der Gegenwart ein. In diesem Zusam-
       menhang setzt  er sich mit entstellenden und einseitigen Positio-
       nen auseinander  (Rolle der  Gewalt, allgemeingültige  Grundzüge,
       Verelendung u.a.).  Die historische  Mission  der  Arbeiterklasse
       sieht er heute doppelt bestimmt: durch die Aufgaben der Erhaltung
       des Friedens  und der  Durchsetzung sozialen  Fortschritts. Neben
       den objektiven  und subjektiven Momenten revolutionärer Situatio-
       nen geht  der Verfasser vor allem auf die Frage der Übergänge ein
       und diskutiert  dabei die  Konzeption des  Kampfes für demokrati-
       schen und sozialen Fortschritt und einer antimonopolistischen De-
       mokratie, wie sie in der BRD von der DKP vertreten und verfochten
       wird.
       
       
       Heinz Jung
       
       Eigentum und Hegemonie
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       Der Beitrag entwickelt die These, daß der revolutionäre Block der
       Französischen Revolution  auf dem Privateigentumsinteresse beruht
       und daß die Vertiefung der Revolution und ihr bürgerlich-demokra-
       tischer Charakter 1792/94 mit der Radikalisierung dieses Interes-
       ses begründet  werden kann.  Dabei wird  vor allem auf die Agrar-
       und die  Lebensmittelfrage  eingegangen.  In  einem  kursorischen
       Überblick   wird    diese   Fragestellung   bis   zur   Gegenwart
       "verlängert". In  den Epochenwechsel  ist auch  der  Wechsel  des
       grundlegenden Hegemonietyps  vom Standpunkt  des  sozialen  Fort-
       schritts eingeschlossen. Die Triebkraft des Privateigentumsinter-
       esses wird  aufgebraucht; an  seine Stelle tritt das individuelle
       Interesse nach  Existenzsicherung  und  Individualitätsentfaltung
       auf Grundlage  zunehmend vergesellschafteter  Arbeits- und Repro-
       duktionsverhältnisse.
       

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