Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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       DIE VERWERTUNGSBEDINGUNGEN DES KAPITALS IN DER BUNDESREPUBLIK
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       Eine Darstellung und Kritik von empirischen Versuchen
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       Jörg Goldberg
       
       Kapitalverwertung und  Oberfläche -  Preis oder Wert - Kritik der
       Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung  - Die Kapitalrentabilität -
       Monopole und  Branchenprofitraten - Die Divergenz der Profitraten
       - Mehrwertrate  und Ausbeutung - Bilanzanalysen - Die Entwicklung
       der Monopolprofite  -  Der  einzelkapitalistische  Nettoprofit  -
       Schlußbemerkung -  Anhang: Verwertungsbedingungen des Kapitals in
       der BRD
       
       Mit der  Zunahme krisenhafter  Prozesse in der Bundesrepublik ei-
       nerseits und  der Belebung  marxistischer Ansätze  in  den  Wirt-
       schafts- und  Gesellschaftswissenschaften andererseits wächst das
       Bedürfnis nach  gesicherten Grundlagen  für eine  Konjunktur- und
       Wirtschaftsanalyse, die  nicht nur krisenhafte Entwicklungen dann
       konstatiert, wenn sie unübersehbar geworden sind, sondern auch in
       der Lage  ist, Entwicklungstendenzen  ökonomischer und - hier al-
       lerdings treten zusätzliche Vermittlungsprobleme auf" politischer
       Prozesse zu erkennen.
       Daß Marxisten  eine begründetete  Vorstellung von  der Funktions-
       weise kapitalistischer  Gesellschaften besitzen  und  daher  auch
       eher in  der Lage  sind, realistische  Prognosen  abzugeben,  ist
       schon mehrfach  bewiesen worden.  1) Allerdings  genügt es nicht,
       die allgemeinen  Funktionsprinzipien des  Kapitalismus zu kennen,
       da die  treibenden Widersprüche  immer eine bestimmte historische
       Gestalt besitzen. Es muß also ihre Wirkungsweise in konkreten Si-
       tuationen untersucht  werden,  eine  Arbeit,  die  nur  empirisch
       geleistet werden  kann. Diesen Schritt von der Ebene der abstrak-
       ten Theoriediskussion hin zur Anwendung auf eine nur empirisch zu
       fassende Situation  getan zu  haben, ist das Verdienst der zu be-
       sprechenden Autoren.  So unterschiedlich die Arbeiten auch zu be-
       werten sind,  spiegeln sie  doch einen merklichen Fortschritt der
       marxistischen politischen Ökonomie in Richtung Praxis wider.
       Die Verwertung  des Kapitals ist Orientierungspunkt und Zweck der
       Produktion im  Kapitalismus, die "Rate der Verwertung des Gesamt-
       kapitals" ist  der "Stachel  der kapitalistischen Produktion". 2)
       Ausgehend von  dieser Feststellung  muß bei  einer Analyse realer
       ökonomischer Entwicklungen  eines Landes durch Marxisten die Ent-
       wicklung der Kapitalverwertung zentraler Bezugspunkt sein.
       Aber auch  bei bürgerlichen  Wirtschaftswissenschaftlern ist  die
       zentrale Rolle  des Unternehmergewinns  für  die  wirtschaftliche
       Entwicklung kaum  bestritten -  wobei diese beiden Kategorien al-
       lerdings nur  teilweise deckungsgleich sind. Eine empirische Aus-
       einandersetzung mit  Tendenzen ökonomischer  Prozesse  kann  also
       nicht darauf verzichten, die Verwertung des Kapitals empirisch zu
       erfassen und seine Bestimmungsfaktoren aufzudecken.
       Dabei sieht  sich die Wirtschaftsforschung mit einer Fülle stati-
       stischen Materials konfrontiert, dessen Konstruktion und Qualität
       jedoch sehr mangelhaft ist. Diese Mängel beziehen sich sowohl auf
       die Zuverlässigkeit  des Zahlenmaterials als auch auf die katego-
       riale Abgrenzung  der erhobenen  Daten. Der  "Sachverständigenrat
       zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" vermerkt
       diese Tatsache selbst und unterbreitet in einem Brief an das Bun-
       deswirtschaftsministerium detaillierte Vorschläge zur Erweiterung
       der Gewinnstatistik. 3) Der Widerspruch zwischen dem Stellenwert,
       den die  praktische Wirtschaftspolitik  dem Gewinn zumißt und der
       Qualität der entsprechenden Statistiken ist offensichtlich.
       Ob daraus  in absehbarer  Zeit entsprechende Konsequenzen gezogen
       werden, muß  sehr bezweifelt werden: Der Gewinn gehört aus unter-
       schiedlichen  Gründen  zum  engsten  Intimbereich  des  Kapitals.
       Sowohl die  Konkurrenzinteressen der  Einzelkapitale als auch die
       Klasseninteressen im  Verteilungskampf lassen es geraten erschei-
       nen, die Informationen über die Gewinnentwicklung auf ein notwen-
       diges Minimum zu beschränken. Dabei kann allerdings nicht überse-
       hen werden,  daß mit  wachsendem Vergesellschaftungsgrad der Pro-
       duktion im  Rahmen  des  Kapitalismus  das  Informationsbedürfnis
       wächst -  erinnert sei  nur an  die Entwicklung der Aktiengesell-
       schaft zum  herrschenden Unternehmenstyp,  wodurch neue  Maßstäbe
       für die Veröffentlichungspraxis der Unternehmen gesetzt wurden.
       Alle Versuche  zur empirischen  Durchdringung der  Realität, d.h.
       zur Aufdeckung  der wirklichen Bewegungsweise einer konkreten ka-
       pitalistischen Ökonomie  in einer  konkreten historischen Periode
       mit dem Anspruch, an den praktischen Bedürfnissen der Arbeiterbe-
       wegung orientiert  zu sein,  sehen sich einer Fülle von Problemen
       gegenüber, die  sich im  Kern auf drei verschiedenen Ebenen stel-
       len:
       1. Das existierende Datenmaterial ist unvollständig, unsicher und
       nicht selten  falsch. Die  kapitalistische Produktion ist wesent-
       lich  private   Produktion,  d.h.  die  Erstellung  gesamtgesell-
       schaftlicher Statistiken ist den Privatinteressen der Einzelkapi-
       tale untergeordnet.  Zugleich sind  die Quellen der Daten in fast
       allen Fällen eben diese privaten Kapitale. Die besonderen Einzel-
       und Klasseninteressen  schlagen sich also auch in den Statistiken
       nieder. Dabei sind erklärlicherweise die Gewinn- und Verteilungs-
       statistiken unmittelbar berührt.
       2. Die statistischen  Kategorien entsprechen  den  mystifizierten
       Vorstellungen der  Einzelkapitale von  der Realität. Die ökonomi-
       schen Bewegungsgesetze  treten den  Funktionären des Kapitals nur
       in ihrer  verdinglichten Form  gegenüber, "wobei  die  wirklichen
       Produktionsagenten in  diesen entfremdeten und irrationellen For-
       men... sich völlig zu Hause fühlen, denn es sind eben die Gestal-
       tungen des  Scheins, in  welchem sie  sich bewegen  und womit sie
       täglich zu tun haben". 4) Allerdings sind diese "Gestaltungen des
       Scheins" keine bloße Fiktion: Sie bestimmen unmittelbar die Bewe-
       gungen der Einzelkapitale und damit auch reale Entwicklungen.
       3. Die erscheinenden  Kategorien werden  ihrerseits reguliert von
       den wirklichen Bewegungsgesetzen der Produktionsweise, die selbst
       aber nicht erscheinen, also auch nicht unmittelbar empirisch faß-
       bar sind. Auch durch eine Entschlüsselung der Oberflächenerschei-
       nungen werden  die regulierenden  Gesetze nicht  direkt empirisch
       sichtbar. Die  widersprüchlichen Beziehungen  von Wesen  und  Er-
       scheinung können  durch eine  bloß andere  Gliederung der empiri-
       schen Daten  nicht aufgelöst  werden. Besonders deutlich wird das
       am Wertgesetz.  Der Wert  selbst tritt  nur in Gestalt des Markt-
       preises an  die Oberfläche,  wobei diese Erscheinungsform doppelt
       gebrochen ist:  durch den  Übergang vom Wert zum Produktionspreis
       und vom Produktionspreis zum Marktpreis.
       Bei allen Versuchen zur empirischen Bestimmung der Profitrate er-
       weisen sich  die mit dem unzureichenden Datenmaterial verbundenen
       Probleme als  die kompliziertesten. Sie erschweren die Entschlüs-
       selung der Kategorien der bürgerlichen Produktionsweise und zwin-
       gen zu praktischen Kompromissen bei der Berechnung, welche erheb-
       lichen Einfluß auf die Ergebnisse haben.
       Im folgenden  werden die  Arbeiten des  "Projekt  Klassenanalyse"
       (PKA), der  Autorengruppe um  Elmar Altvater,  von Peter Saß, von
       Helmut Zschocke,  von Hans  Tammer und dem "Institut für Interna-
       tionale Politik  und Wirtschaft"  (IPW-Berlin/DDR) und der Bremer
       "Arbeitsgruppe  Großunternehmen"  untersucht.  Die  Publikationen
       stammen mit  Ausnahme derjenigen Tammers - das IPW hat auf diesem
       Gebiet eine  längere Tradition  aufzuweisen - aus den Jahren 1974
       bis 1978,  konnten also  die Ergebnisse der Krise von 1974/75 nur
       teilweise berücksichtigen.
       Der Erkenntniszweck der Berechnungen ist unterschiedlich. Das PKA
       und Altvater  gehen von  der Existenz der Durchschnittsprofitrate
       als realer  Tendenz aus und versuchen die ökonomische Entwicklung
       der Bundesrepublik  daraus zu  erklären, Zschocke  und Tammer tun
       das ebenfalls,  sie interessieren  sich als  Zwischenschritt aber
       auch für  die monopolistische  Differenzierung  der  Profitraten.
       Zschockes und  Saß' Untersuchungen  wollen vor  allem die Bestim-
       mungsgründe der Profitratendifferenzen ermitteln, die sie errech-
       net haben.  Ganz im Vordergrund steht die These von der monopoli-
       stischen Differenzierung  der Profitraten bei den sich auf veröf-
       fentlichte Bilanzen  stützenden Untersuchungen von Tammer und der
       Arbeitsgruppe Großunternehmen.
       
       Kapitalverwertung und Oberfläche
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       Das wichtigste  Anliegen bei  den meisten Profitratenberechnungen
       ist die  Aufdeckung der  grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Pro-
       duktionsweise in ihrer konkreten historischen Gestalt. Die sicht-
       bare Entwicklung  der ökonomischen Prozesse soll auf ihre eigent-
       lichen Bestimmungsgründe  zurückgeführt werden.  Das geschieht  -
       auf der Grundlage der existierenden Statistiken - im wesentlichen
       durch eine Umgliederung der erscheinenden Größen entsprechend den
       von Marx  im "Kapital"  aufgedeckten Grundkategorien. Deren Bewe-
       gung, entschlüsselt  aus den  Bewegungen der  Erscheinungen, soll
       als Erklärungsgrundlage  für konkrete  Abläufe und  als Basis für
       Entwicklungsprognosen dienen.
       Es besteht  kein Zweifel,  daß die inneren Verwertungsbedingungen
       des Kapitals  die in letzter Instanz regulierenden Faktoren sind,
       daß sich  eine konkrete zeitgeschichtliche Analyse auf diese Fak-
       toren beziehen  muß. Allerdings  besteht häufig die Gefahr, daß -
       abgesehen von  den drei oben dargestellten Problemgruppen bei der
       empirischen Aufdeckung  dieser Faktoren  -  notwendige  Zwischen-
       schritte übergangen  werden. Die  grundlegenden Gesetzmäßigkeiten
       treten nicht  als solche  an die  Oberfläche, sondern  wirken nur
       vermittelt über  die Widersprüche  der  Gesellschaft,  vollziehen
       sich unbewußt,  hinter dem  Rücken der  Funktionäre des Reproduk-
       tionsprozesses. "In  der Darstellung  der Versachlichung der Pro-
       duktionsverhältnisse und  ihrer Verselbständigung  gegenüber  den
       Produktionsagenten gehn  wir nicht ein auf die Art und Weise, wie
       die Zusammenhänge  durch den  Weltmarkt, seine  Konjunkturen, die
       Bewegung der  Marktpreise, die  Perioden des  Kredits, die Zyklen
       der Industrie  und des  Handels, die  Abwechslung der Prosperität
       und Krise,  ihnen als  übermächtige, sie  willenlos beherrschende
       Naturgesetze erscheinen  und  sich  ihnen  gegenüber  als  blinde
       Notwendigkeit geltend  machen. Deswegen nicht, weil die wirkliche
       Bewegung der  Konkurrenz außerhalb  unseres Planes  liegt und wir
       nur die  innere Organisation  der  kapitalistischen  Produktions-
       weise, sozusagen  in ihrem idealen Durchschnitt, darzustellen ha-
       ben." 5)
       Für die  Analyse einer  bestimmten Zeitperiode,  die Anspruch auf
       praktische Anwendbarkeit hat, die Hinweise für die Praxis der Ar-
       beiterbewegung und ihrer Organisationen geben will, müssen gerade
       diese Vermittlungsglieder zwischen der erscheinenden Bewegung und
       den regulierenden Gesetzmäßigkeiten interessieren. Zu untersuchen
       ist, wie sich die Gesetze in einer jeweils konkreten historischen
       Situation durchsctzen,  in welcher  Form sie  die Handlungen  der
       Funktionäre des  kapitalistischen Reproduktionsprozesses  bestim-
       men. Vielen  Berechnungen scheint unausgesprochen die Annahme zu-
       grunde zu liegen, daß die Durchsetzungsform der Gesetze im Rahmen
       der kapitalistischen  Produktionsweise immer  gleich ist,  daß es
       also genügt,  den inneren Verwertungszusammenhang aufzudecken, um
       Zeitgeschichte erklären  zu können. Es besteht so die Gefahr, daß
       die von Marx auf der hohen Abstraktionsebene des "Kapital" aufge-
       deckten Kategorien  einfach mit  aktuellen Daten illustriert wer-
       den, um konkrete ökonomische Vorgänge zu erklären.
       Die Wirkungsweise,  die Durchsetzungsform  der grundlegenden  Ge-
       setzmäßigkeiten hängt jedoch von einer Vielzahl von konkreten hi-
       storischen Faktoren  ab, die  bei einer  "Realanalyse" einbezogen
       werden müssen. Die strukturellen Bedingungen, unter denen die Ge-
       setze wirken,  bleiben nicht  gleich. Die  Entwicklung des  Welt-
       markts, des Kredits, die Herausbildung von Monopolen, die Entste-
       hung sozialistischer  Staaten das  alles verändert  die Wirkungs-
       weise der  Gesetze der  kapitalistischen Produktionsweise, verän-
       dert den  Zusammenhang zwischen  Oberfläche und  Wesensmerkmalen.
       Zudem wirken die Gesetze nicht "rein", d.h. auch in einem entwic-
       kelten kapitalistischen  Lande existieren Bereiche, die nicht un-
       mittelbar unter das Kapitalverhältnis subsumiert sind, die ökono-
       mische Entwicklungaber  trotzdem beeinflussen. 6) Die historische
       Dimension solcher  Analyse darf  sich also  nicht nur auf die Ge-
       schichte der  Grundkategorien beziehen,  sie  muß  auch  die  Ge-
       schichte der Durchsetzungsformen untersuchen.
       
       Preis oder Wert - die Indikatorfrage
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       Die unterschiedlichen  Positionen, die  zum Verhältnis  von Wesen
       und Erscheinung in der kapitalistischen Ökonomie eingenommen wer-
       den können,  werden in  der Diskussion  um das "Indikatorproblem"
       deutlich. Dabei  steht das  Verhältnis von Preis und Wert im Mit-
       telpunkt. Altvater  und seine Mitarbeiter gehen bei ihren Berech-
       nungen von  vornherein davon  aus, daß  "die innere  Organisation
       (einer Gesellschaft,  J.G.) und  die ihr  zugrundeliegenden Bewe-
       gungsgesetze nicht unmittelbar an der Oberfläche der bürgerlichen
       Gesellschaft erscheinen, sondern nur in vermittelter und verkehr-
       ter Form".  7) Die Kategorien, mit denen bei der Analyse gearbei-
       tet werden muß, "sind notwendigerweise Verkehrungen der Wesenska-
       tegorien und  als Verkehrungen  noch  der  definierenden  gesell-
       schaftlichen Konvention  verdankt". 8) Daher stellen sie sich von
       vornherein nur  die Aufgabe, Indikatoren zu suchen, die die Bewe-
       gung der  Wesenskategorien adäquat  ausdrücken, die Wesenskatego-
       rien selbst  sind ihrer  Ansicht nach empirisch nicht faßbar: das
       Wesen ist  immer nur  über den Umweg der Erscheinung zu erfassen,
       die wiederum  nicht identisch  mit jener ist. Bezogen auf die Be-
       ziehung Wert-Preis  heißt das: "Der Marktpreis und seine Bewegung
       allein ist  meßbar, nicht  jedoch die Kategorien, die seine Bewe-
       gung letztlich regulieren." 9)
       Dieser methodisch sorgfältigen Trennung soll hier zugestimmt wer-
       den. Allerdings  bleibt sie für die praktische Analyse konsequen-
       zenlos, da die eigentlich interessante Frage, nämlich der Charak-
       ter der  Beziehung zwischen  Wesen und Erscheinung unter den kon-
       kreten Bedingungen der BRD, nicht angesprochen wird. Es wird ein-
       fach davon  ausgegangen, daß  die Bewegung der Indikatoren direkt
       von der Bewegung der Grundkategorien bestimmt wird, d.h. daß sich
       Wert und  Preis parallel entwickeln. "In unserem Beitrag sind wir
       davon ausgegangen,  daß letztendlich  die Tendenzen der Wertbewe-
       gung die  Marktpreisbewegungen bestimmen,  daß über  entsprechend
       lange Zeiträume  also Wertverhältnisse und die sich in Marktprei-
       sen ausdrückenden Verhältnisse an der Oberfläche parallel verlau-
       fen." 10) Für eine reale historische Analyse mit dem Anspruch auf
       praktische Verwertbarkeit  ist aber gerade das "letztendlich" in-
       teressant, d.h.  die Durchsetzungsform  der Wesenskategorien, die
       sich ja  auf der Erscheinungsebene nur durch Abweichungen von je-
       nen durchsetzen.  Indem eine einfache Parallelität zwischen Wesen
       und Erscheinung  angenommen wird, werden alle die Probleme ausge-
       schaltet, die  mit den  Strukturveränderungen  des  Kapitalismus,
       d.h. mit der historischen Veränderbarkeit der Durchsetzungsformen
       zusammenhängen. In der Konsequenz führt das sowohl bei der Gruppe
       um Altvater als auch beim "Projekt Klassenanalyse" dazu, die kon-
       krete, erscheinende  Bewegung des Kapitalismus in der Bundesrepu-
       blik unvermittelt  aus den  Grundkategorien des  Kapitals auf der
       Marxschen Abstraktionsebene  abzuleiten, ohne  die  Wirkungsweise
       dieser Kategorien  vor dem  Hintergrund der historisch bestimmten
       Gestalt des Kapitalismus zu untersuchen. Es entsteht so ein unhi-
       storisches Bild des Kapitalismus, das im Grunde für alle Perioden
       und alle Länder Gültigkeit besitzt.
       In dieser  Hinsicht  erscheint  denn  auch  die  Auseindersetzung
       zwischen Altvater  und dem "Projekt Klassenanalyse" als praktisch
       irrelevant, als 'Streit um des Kaisers Bart'.
       Desungeachtet fährt  das PKA  - entspechend seinen Gewohnheiten -
       grobes Geschütz auf: "Für sie (die Gruppe um Altvater, J.G.) sind
       Marxsche Analyse  und die  wirkliche Bewegung  prinzipiell nur im
       Theoretikerhirn zusammenzubringen."  11) Die  grundlegende  Frage
       des Verhältnisses von Gesetz und Erscheinung wird mit den Proble-
       men vermengt,  die sich  ergeben, weil  die grundlegenden Gesetze
       dem Einzelkapital  nur in  mystifiziertet, verkehrter Gestalt er-
       scheinen.
       Allerdings hat auch Altvater zwischen diesen beiden Problemebenen
       nicht explizit  unterschieden, versucht  aber in  der praktischen
       Analyse, diese  verkehrte Gestalt zu entschlüsseln, d.h. die Fak-
       toren darzustellen, die die unmittelbare Verwertung des Einzelka-
       pitals regulieren. Sein Ziel ist nicht die bloße Beschreibung der
       Oberfläche -  wie es  ihm das  PKA unterstellt - sondern die Auf-
       deckung der  die  einzelkapitalistische  Verwertung  bestimmenden
       Faktoren wie  Mehrwert- und  Profitrate. Insofern ist sein Ansatz
       der gleiche wie der des PKA.
       Auch  Altvater   und  seine   Mitarbeiter  versuchen   also   die
       "Dechiffrierung der  verselbständigten Formen  " 12) - jedoch bei
       beträchtlichen methodischen  Unterschieden zur Vorgehensweise des
       PKA. Allerdings kann mit dieser "Dechiffrierung" zwar die Verkeh-
       rung von  "Distributionsformen ... in Produktionsformen" "wie sie
       z.B. mit der Behandlung des Zinses als Abzug vom Gewinn erfolgt -
       aufgelöst werden,  nicht aber  die Beziehung von Preisen und Wer-
       ten. Und das ist der eigentliche Streitpunkt in den beiden Ansät-
       zen.
       Für die  Autoren des PKA besteht deshalb keine Differenz zwischen
       Preisen und  Werten, weil:  "Gesamtgesellschaftlich stimmen Werte
       und Preise  jedoch überein." 13) Abweichungen der Marktpreise von
       den Produktionspreisen  und dieser  von den  Werten gleichen sich
       gesamtgesellschaftlich und im zyklischen Durchschnitt aus.
       Mit dieser  Annahme wird von einer Vielzahl konkreter Bedingungen
       abstrahiert, die alle auf das Preis-Wert-Verhältnis einwirken. An
       erster Stelle muß hier die Abstraktion vom Weltmarkt genannt wer-
       den, über den ja eine Vielzahl von Wertübertragungen stattfinden.
       Gerade für ein Land wie die Bundesrepublik mit seinem hohen welt-
       wirtschaftlichen Verflechtungsgrad  und mit der großen Bedeutung,
       die der  Außenhandel für  die Entwicklung der nationalen Ökonomie
       hat, muß  das sehr  problematisch erscheinen.  Selbst wenn akzep-
       tiert wird,  daß aus  praktischen Gründen  dieser Aspekt zunächst
       vernachlässigt werden  muß,  kann  jedenfalls  die  Fiktion,  man
       rechne mit den Wertgrößen selbst, schon allein deshalb nicht auf-
       recht erhalten  werden. Dieser  Einwand geht nach Ansicht des PKA
       zwar "ins  Leere, weil  das Aufnehmen dieser Dimension in die Un-
       tersuchung selbst  nur Resultat  der Analyse der Struktur des na-
       tionalen Reproduktionsprozesses sein kann". 14)
       Es ist aber klar, daß die Analyse des konkreten nationalen Repro-
       duktionsprozesses nicht isoliert von den Weltmarkteinflüssen vor-
       genommen werden  kann. 15)  Das versucht  auch das PKA in der Tat
       nicht, da  es vom  fertigen Ergebnis der ökonomischen Entwicklung
       ausgeht, Weltmarkteinflüsse  also nicht  von der  Veränderung der
       inneren Bedingungen des nationalen Reproduktionsprozesses trennt.
       Wo solche  Einflüsse angesprochen  werden, da  wird deutlich, daß
       die Annahme,  man rechne mit den Wertgrößen selbst, bloße Fiktion
       ist. So  wird z.B. der Fall der Mehrwertrate im 6. Zyklus auf die
       "verschlechterte Position  der BRD  auf dem  Weltmarkt" zurückge-
       führt, d.h. konkret auf die Aufwertung der DM. 16) Bei der Unter-
       suchung der  "wirklichen Bewegung  der Konkurrenz"  ist es unmög-
       lich, die  Ergebnisse der  inneren Verwertungsbedingungen von den
       Weltmarkteinflüssen zu isolieren, die auch auf das Verhältnis von
       Preisen und Werten einwirken.
       Der Anspruch,  es werde  mit den  tatsächlichen Werten gerechnet,
       ist aber auch deshalb nicht aufrechtzuerhalten, weil das PKA sich
       ja keineswegs nur zur Größe des gesellschaftlichen Gesamtprodukts
       äußert, sondern sich auch für die "Struktur des nationalen Repro-
       duktionsprozesses" 17)  interessiert. "Es ist klar, daß bestimmte
       Teile des  Gesamtkapitals betrachtet,  Abteilungen, Sphären  oder
       auch Einzelkapitale, die Preise von den Werten abweichen werden",
       18) was  natürlich auch  international gilt.  Da aber ökonomische
       Prozesse durch  Verschiebungen zwischen  diesen Bestandteilen des
       Gesamtprodukts gekennzeichnet  sind, ist  die Tatsache, daß diese
       Verschiebungen im  Gesamtprodukt aufgehoben sind, für eine Erklä-
       rung der Entwicklung ohne Bedeutung.
       Das wird noch deutlicher, wenn man sich die praktische Vorgehens-
       weise des  PKA vor  Augen hält. Seine empirischen Grundlagen sind
       die Ergebnisse  der Volkswirtschaftlichen  Gesamtrechnung  (VGR),
       die sich in einer von der bürgerlichen Gesellschaftsform bestimm-
       ten Struktur  darstellen. Das  PKA tut  im Grunde nichts anderes,
       als diese  Struktur aufzulösen  und  die  nach  seinen  Kriterien
       getrennten einzelnen Bestandteile neu zusammenzusetzen.
       Da aber  die Annahme  Preis = Wert für die einzelnen Bestandteile
       der Ergebnisse  der  Volkswirtschaftlichen  Gesamtrechnung  nicht
       gilt, ist es eine sehr kühne Annahme, daß nach der Herausrechnung
       bzw. Umrechnung  der Bestandteile  ein Gesamtprodukt herauskommt,
       in dem  "alle Abweichungen, die durch Monopole und andere Modifi-
       kationen in  der Preisbildung,  z. B.  indirekte Steuern, bewirkt
       werden... ausgeglichen sind". 19)
       Schließlich kann auch die Annahme, die Inflation ändere nichts am
       Preis-Wert-Verhältnis, in  der Realität  nicht akzeptiert werden.
       Die Geldentwertung  ist schließlich  keine auf den Geldsektor be-
       schränkte Erscheinung,  sondern berührt  die Preisentwicklung der
       einzelnen  Bestandteile   des  gesellschaftlichen  Gesamtprodukts
       durchaus unterschiedlich und wirkt so auch auf die Produktion und
       die Verwertung. Besonders ins Gewicht fällt dabei der Unterschied
       zwischen fixen und zirkulierenden Kapitalbestandteilen.
       Selbst wenn man die Gleichheit von Werten und Preisen nur auf den
       Zyklendurchschnitt bezieht,  müssen in  der Praxis  so viele Ein-
       schränkungen an  dieser Annahme  gemacht werden, daß schon allein
       wegen der  statistischen Mängel  eine solche Gleichsetzung mit zu
       vielen Vorbehalten verbunden werden müßte. Angesichts dieser Tat-
       sache verschwindet  die Differenz  zwischen Altvater  und dem PKA
       völlig.  Auch  das  PKA  nimmt  den  Preis  tatsächlich  nur  als
       "Indikator" des Werts, muß also annehmen, daß die von ihm errech-
       neten empirischen  Kategorien die Bewegung der regulierenden Fak-
       toren adäquat  widerspiegeln. 20)  Das Problem besteht also nicht
       darin, ob  die Grundkategorien selbst oder nur empirische Indika-
       toren erfaßt  werden: Es  geht um  die Auswahl und die Berechnung
       dieser Indikatoren und ihre konkreten Beziehungen zu den regulie-
       renden  Gesetzen  der  kapitalistischen  Produktionsweise.  Diese
       Frage  aber  bleibt  bei  beiden  Ansätzen  ungelöst:  weder  die
       "Identitätsannahme" des  PKA noch die "Parallelitätsannahme" Alt-
       vaters berühren  das Problem  der jeweils  historisch wechselnden
       Beziehungen zwischen  allgemeinen Gesetzmäßigkeiten  und Erschei-
       nungsformen.
       
       Kritik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
       -----------------------------------------------
       als Voraussetzung empirischer Untersuchungen -
       ----------------------------------------------
       die Methode des "Projekt Klassenanalyse".
       -----------------------------------------
       
       Projekt Klassenanalyse,  Gesamtreproduktionsprozeß der  BRD 1950-
       1975, Kritik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, VSA, West-
       berlin 1976. 21)
       
       Ausgangspunkt für  alle konkreten  empirischen Arbeiten  über die
       Entwicklung der  Bundesrepublik muß  nach  Ansicht  des  "Projekt
       Klassenanalyse" die Darstellung des Gesamtprozesses der kapitali-
       stischen Reproduktion  sein. Untersuchungen über Inflation, mono-
       polistische Produktionsstrukturen usw. könnten erst dann sinnvoll
       sein, wenn  der Gesamtreproduktionsprozeß  empirisch erfaßt  ist.
       Wie bereits angedeutet, kommt darin der Versuch zum Ausdruck, von
       bestimmten konkreten  Erscheinungsformen bzw.  Wirkungsweisen der
       allgemeinen Gesetze zu abstrahieren. Vorausgesetzt ist damit, daß
       der Gesamtreproduktionsprozeß  in seinem konkreten Verlauf allein
       durch die  Wirkungsweise der Grundkategorien erklärt werden kann,
       daß die  erwähnten "Modifikationen" (310) also keine wesentlichen
       Auswirkungen haben  - das aber wäre durch eine empirische Analyse
       eigentlich erst zu belegen.
       Als Grundlage  für eine  Analyse des  Gesamtprozesses bietet sich
       die Volkswirtschaftliche  Gesamtrechnung (VGR)  an,  in  der  die
       "erscheinende Bewegung"  ihren empirischen  Ausdruck erhält. "Ist
       die VGR  notwendige Darstellungsform  der konkreten  Gestalt  der
       ökonomischen Verhältnisse  der bürgerlichen Gesellschaft, muß sie
       Ausgangspunkt der  empirischen Untersuchung des Gesamtreprodukti-
       onsprozesses auf  Basis der  Marxschen Theorie sein." (32) Da die
       erscheinende Bewegung  aber ein  Reflex der  wirklichen  Bewegung
       ist, kann  dies durch  eine systematische Entschlüsselung der VGR
       aufgedeckt werden.
       Wie weiter unten noch gezeigt werden soll, verleitet diese sicher
       wichtige Feststellung, daß sich die reale Bewegung in irgendeiner
       Form in  den Ergebnissen  der VGR widerspiegelt, zu einem oft un-
       kritischen Umgang mit den empirischen Daten. Das widersprüchliche
       Verhältnis der  bürgerlichen Gesellschaft  zu gesamtwirtschaftli-
       chen Statistiken,  deren Interessengebundenheit,  wird nicht mehr
       als Problem  gesehen. Dabei  zeigt schon  das Ergebnis der Neube-
       rechnungen der  Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen  - die vom
       PKA noch  nicht berücksichtigt  werden konnten  - daß schon durch
       geringfügige methodische  Änderungen erhebliche quantitative Ver-
       schiebungen erfolgen  können, die natürlich auch das Berechnungs-
       ergebnis des Gesamtreproduktionsprozesses berühren müssen. 22)
       Das PKA  geht in  seinen Berechnungen  im  wesentlichen  von  den
       Wertansätzen der  VGR aus,  die lediglich  umgruppiert werden mit
       dem Ziel,  alle Bereiche  herauszurechnen, die nicht mit der Pro-
       duktion des  gesellschaftlichen Reichtums  zusammenhängen.  Diese
       Arbeit kann hier nicht im einzelnen nachgezeichnet werden, darzu-
       stellen sind aber die Abgrenzungskriterien.
       Ausgangspunkt ist  eine umständliche  und unkonsequente Anwendung
       des Begriffs der "produktiven Arbeit". Nur produktive Arbeit lei-
       stet einen Beitrag zur Herstellung des gesellschaftlichen Gesamt-
       produkts. Dabei jongliert das PKA in der Praxis mit verschiedenen
       Bestimmungen des Begriffs, ohne diese Tatsache der jeweils unter-
       schiedlichen Bestimmtheit  deutlich zu machen. In den Mittelpunkt
       stellt es  das Merkmal  der "Formbestimmtheit" : "Der Unterschied
       zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit besteht also darin,
       ob Arbeit  gegen Geld als Geld oder gegen Geld als Kapital ausge-
       tauscht wird."  (114) Der Inhalt der Arbeit gilt hier als unwich-
       tig: für  das Einzelkapital  ist es in der Tat lediglich interes-
       sant, ob  die Arbeit  die Aneignung  von Mehrwert, die Verwertung
       des eingesetzten Kapitals vermittelt. Insofern ist es für das Ka-
       pital auch  völlig gleichgültig, ob die Arbeit in der materiellen
       Produktion oder  z. B.  im Bankwesen  verrichtet wird:  in beiden
       Fällen ist  sie eine  Voraussetzung zur  Aneignung von  Mehrwert,
       also vom Standpunkt des engagierten Kapitals produktive Arbeit.
       Dem PKA ist es jedoch offensichtlich entgangen, daß es mit dieser
       Seite der  Bestimmung der  produktiven Arbeit  auf der  Ebene der
       "erscheinenden Bewegung"  bleibt. Ist  es für den Einzelkapitali-
       sten gleichgültig,  ob die  Arbeit in  der materiellen Produktion
       oder im  Handel oder  im Bankwesen verrichtet wird, so ist es das
       vom Standpunkt  des Gesamtreproduktionsprozesses  keineswegs: der
       Umfang der materiellen Produktion reguliert letzten Endes den Um-
       fang des  zur Verteilung verfügbaren Gesamtprofits und damit auch
       die Bereiche  der Zirkulation,  der unproduktiven  Aneignung  von
       Mehrwert.
       Der Ausgangspunkt "Formbestimmtheit der Arbeit" widerspricht also
       diametral den eigentlichen Absichten des PKA: die Entschlüsselung
       der wirklichen Bewegung als Grundlage der erscheinenden Bewegung.
       Tatsächlich verstößt das PKA in den praktischen Berechnungen auch
       ständig gegen  den angeblichen  Ausgangspunkt, wodurch  es zu den
       kompliziertesten  und   halsbrecherischsten  Argumentationsketten
       kommt. So  zum Problem  der Zirkulationssphäre: "Der industrielle
       Kapitalist beschäftigt also produktive wie unproduktive Arbeiter,
       und zwar  als Kapitalist, d.h. er kauft die Arbeit in beiden Fäl-
       len mit  Geld als  Kapital." (119)  Hier stutzt  der Leser: wurde
       nicht wenige  Seiten vorher  betont, daß der Unterschied zwischen
       produktiver und unproduktiver Arbeit die Frage ist, ob Arbeit ge-
       gen Geld als Geld oder als Kapital ausgetauscht wird?
       Aber das  PKA weiß  einen Ausweg, den es in einer Fußnote folgen-
       dermaßen formuliert:  "Wenn es bei der Entwicklung der Bestimmung
       produktiver Arbeit hieß, der Unterschied zwischen produktiver und
       unproduktiver Arbeit  besteht darin, ob Arbeit gegen Geld als Ka-
       pital oder  Geld als Geld ausgetauscht wird, so ist dies also nur
       richtig, wenn  von den  unproduktiven Arbeitern in der Zirkulati-
       onssphäre des Kapitals abgesehen wird." (163)
       Eine andere  Ausnahme macht das PKA bei der Behandlung der Sphäre
       der einfachen  Warenproduktion, die natürlich auch mit dem Krite-
       rium der  "Formbestimmtheit" nicht zu erfassen ist. Dort wird ein
       Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum geleistet, obwohl die Ar-
       beit vom  Standpunkt der  "Formbestimmtheit" unproduktiv  ist. Im
       Endeffekt geht  das PKA  doch von einem inhaltlich bestimmten Be-
       griff der  "produktiven Arbeit"  aus: dem Bereich der materiellen
       Produktion -  allerdings mit einigen wichtigen Ausnahmen, auf die
       weitet unten noch eingegangen werden soll. 23)
       Empirische Probleme  bereitet dabei weniger die Ausgliederung von
       Bereichen wie  der Finanzunternehmen  und der  Wohnungsvermietung
       als die  Ausgliederung von  nichtproduktiven Bereichen  des indu-
       striellen und des Warenhandlungskapitals: Grundlage für die Tren-
       nung sollen  die "Beschäftigungskategorien"  (129)  sein.  Leider
       fehlen hier nähere Angaben.
       Besonders problematisch ist bei diesen Umgliederungen die Behand-
       lung des Staatssektors: So zielt die widersprüchliche Hantiererei
       mit der  "Formbestimmtheit" det produktiven Arbeit einzig und al-
       lein darauf  ab, den staatlichen Sektor als unproduktiv herauszu-
       rechnen. Alle  Unternehmen mit  öffentlich-rechtlicher Eigentums-
       form werden  dann als  unproduktiv aus dem gesellschaftlichen Ge-
       samtkapital herausgerechnet, wenn sie die Erweiterung der Stufen-
       leiter der  Produktion nicht  aus dem eigenen Surplus finanzieren
       können: gleichgültig  ob sie  zum Bereich der materiellen Produk-
       tion gehören oder nicht. Es wurde so vorgegangen, daß bei den öf-
       fentlich-rechtlichen Unternehmen "Rentabilitätsrechnungen" vorge-
       nommen wurden:  "Es hat  sich dabei  gezeigt, daß die öffentliche
       Rechtsform ein  hinreichend genauer  Indikator dafür  ist, daß es
       sich um  einen Staatsbetrieb handelt." 24) Obwohl nicht angegeben
       wird, nach  welchen Gesichtspunkten diese Rechnungen durchgeführt
       wurden, muß z.B. für die Bundespost Zweifel an der offensichtlich
       festgestellten Unrentabilität angemeldet werden. 25) Ein Teil der
       "Kosten" dieser  Unternehmen sind im Grunde nur Gewinnübertragun-
       gen an  den Staat,  der damit  seine spezifischen Aufgaben finan-
       ziert. Wenn z. B. bei der Bundesbahn Defizite entstehen, weil be-
       stimmten Personengruppen  Sozialtarife eingeräumt werden, so kön-
       nen die  damit verbundenen Subventionen an die Bahn nicht als Be-
       gründung für deren Unrentabilität und den unproduktiven Charakter
       der Arbeit  bei der  Bahn angeführt  werden. Da  außerdem bei den
       privaten Unternehmen erst gar nicht untersucht wird, ob sie nicht
       bestimmte Bereiche  ihrer erweiterten Reproduktion vorwiegend aus
       Subventionen bestreiten (Beispiel: Bergbau), wird tatsächlich le-
       diglich die  Rechtsform zur  Abgrenzung benutzt. Das Ergebnis ist
       denn auch absurd. Vom Standpunkt der Produktion des gesellschaft-
       lichen Reichtums  nämlich werden Polizei und öffentliche Elektri-
       zitätswerke gleichbehandelt: als unproduktiv.
       Doch selbst wenn diese Unstimmigkeiten vernachlässigt werden, ist
       der Ansatz des PKA unsinnig: Die Folgen der Umverteilungsfunktio-
       nen des  Staates, die  spezifische Rolle öffentlicher Unternehmen
       als Instrumente  der gezielten  Profitübertragung wird ignoriert.
       So ist  das staatliche  Kapital durchaus  Bestandteil des gesell-
       schaftlichen Gesamtkapitals,  kann Waren  und Werte,  damit  aber
       auch Profite  produzieren, die  aber nicht unmittelbar dort ange-
       eignet werden,  sondern z.B.  durch politisch  gesetzte Preise an
       bestimmte private Kapitale übertragen werden.
       Indem das  PKA aber das gesamte staatliche Kapital - auch wenn es
       in der  materiellen Produktion fungiert - einfach aus dem gesell-
       schaftlichen Gesamtkapital ausgliedert, muß es zu falschen Ergeb-
       nissen kommen:  Das gesellschaftliche Gesamtkapital wird zu nied-
       rig, die Profitrate zu hoch ausgewiesen.
       Nach erfolgten  Umgliederungen wird  der Produktionswert  des ge-
       sellschaftlichen  Gesamtkapitals   als  Ausgangspunkt   berechnet
       (Produktenwert). Nach  Abzug der  ebenfalls aus  dem entsprechend
       umgegliederten Kontensystem  der VGR errechenbaren Vorleistungen,
       d.h. dem  konstanten Kapital  auf Kostenbasis, erhält das PKA das
       Wertprodukt. Ein  wichtiges Problem,  das auch in anderen Berech-
       nungen auftaucht, ist dabei die Bewertung der Abschreibungen bzw.
       des Anlagevermögens. Das PKA geht entsprechend der Praxis der VGR
       von den  Wiederbeschaffungspreisen aus, was damit begründet wird,
       daß die  jeweiligen Preise  als  Ausgangsbasis  zu  nehmen  sind.
       Tatsächlich ist  mit inflationären Preiserhöhungen aber ein wich-
       tiger Vorteil  für das Kapital verbunden: sein tatsächlich vorge-
       schossenes Kapital wird beschleunigt freigesetzt, seine Akkumula-
       tionsfähigkeit wird gesteigert, seine Fähigkeit zur Ansaugung von
       Mehrarbeit und zur Produktion von Mehrwert wird erhöht. Natürlich
       würde bei einer Bewertung der Abschreibungen zu Anschaffungsprei-
       sen - wenn sonst weiterhin zu jeweiligen Preisen gerechnet wird -
       das Wertprodukt inflationär aufgebläht erscheinen. Dieser Vorgang
       hat jedoch  reale Auswirkungen auf den Gesamtreproduktionsprozeß:
       Erwirkt sich  auf die Struktur des Gesamtprodukts und auf das Ak-
       kumulationstempo aus.  Eine "Abstraktion"  vom Problem der Infla-
       tion, wie  es das  PKA vorhat - die Inflation sei eine Frage, die
       erst in einem zweiten Schritt untersucht werden kann - ist jeden-
       falls nicht möglich, der empirisch vorgefundene Akkumulationspro-
       zeß ist  a u c h  Folge der Inflation.
       Nach der  Errechnung des Wertprodukts ist das variable Kapital zu
       bestimmen, d.h.  zunächst die Lohnsumme der produktiven Arbeiter.
       Dabei werden  die immer  wichtiger werdenden Probleme der Steuern
       und der  Sozialabgaben vom  PKA sehr kurz und summarisch abgehan-
       delt. Von  der Umrechnung der indirekten Steuern auf den Wett der
       Ware Arbeitskraft  wird wegen  der damit verbundenen Abgrenzungs-
       probleme ganz  abgesehen. Die Lohnsteuern der - in seiner Diktion
       - produktiven Lohnarbeiter werden in Gänze dem Surplus zugeschla-
       gen, dagegen  werden die  veranlagten Einkommensteuern der oberen
       Lohnarbeitergruppen zum variablen Kapital gerechnet. Eine Begrün-
       dung für  diese Praxis  wird nicht angegeben: Es scheinen auf den
       ersten Blick nur pragmatische Gründe zu sein. Die Sozialversiche-
       rungsbeiträge werden  ebenso wie die Beiträge der Unternehmen zur
       Unfallversicherung 26) zum variablen Kapital gerechnet.
       Die Behandlung  von Lohnsteuern  und Sozialversicherungsbeiträgen
       entspricht offensichtlich  der vom  PKA vertretenen  Trennung von
       Sozialversicherung und  Staat: "Der gesellschaftliche Assekuranz-
       fonds (ist)  im Unterschied  zum Staatshaushalt  ein Teil der ge-
       samtgesellschaftlichen Lohnsumme  und die Umverteilung, die durch
       diesen Fonds  bewirkt wird, ist im wesentlichen eine Umverteilung
       innerhalb der  Revenue der Lohnabhängigen ." Dagegen sei die öko-
       nomische Basis  des Staates - d.h. die Steuern - "in erster Linie
       der Abzug vom gesellschaftlichen Mehrwert". 27) Die Tatsache, daß
       ein wachsender  Teil der Reproduktionskosten der Arbeitskraft ge-
       sellschaftlich - und zwar über Staat und Sozialversicherung - um-
       verteilt wird, bleibt hier also außer Betracht. 28)
       Vom so errechneten Mehrwert werden nun die Zirkulationskosten ab-
       gezogen, es  bleibt die  Brutto-Revenue der  Kapitalisten, die in
       Akkumulationsfonds, Warenvorrat  und Netto-Revenue  der Kapitali-
       sten unterteilt  wird. Problematisch ist die Bestimmung des Akku-
       mulationsfonds, in  den lediglich  das fixe  Kapital eingeht. Vor
       allem bei  der Berechnung  von Akkumulationsraten und ihrer Bewe-
       gung dürfte  das zu  Verzerrungen führen.  Als  Nationaleinkommen
       gilt merkwürdigerweise  die Summe  aus der  Netto-Revenue und dem
       Lohn der  Lohnarbeiter nach PKA-Diktion, also nur der zur Konsum-
       tion bestimmte  Teil, während  bei Marx das Nationaleinkommen als
       Summe aus Lohn, Profit und Rente definiert wird. 29) Es wird nir-
       gends erläutert,  warum das  PKA den Akkumulationsfonds nicht zum
       Nationaleinkommen zählt.
       Mit den gewonnenen empirischen Größen wird nun versucht, die öko-
       nomische Entwicklung  der BRD  darzustellen und zu erklären. Hier
       muß die  Kritik wesentlich ansetzen. Denn obwohl die Berechnungen
       explizit von solchen konkreten Faktoren wie Weltmarkt, Inflation,
       Monopolen -  als "Modifikationen"  bezeichnet -  abstrahieren und
       sich nur  als ein  erster Schritt zu einer konkreten Analyse ver-
       stehen, wird  im letzten  Teil der  Arbeit versucht,  aus  diesen
       'abstrahierten' Ergebnissen  konkrete ökonomische  Vorgänge abzu-
       leiten. Es  wird also der unmittelbare Sprung von den inneren Ge-
       setzen -  die das PKA empirisch aufgedeckt zu haben beansprucht -
       auf die  Erscheinungsebene  getan,  ohne  den  jeweils  konkreten
       Durchsetzungsformen und deren historischem Wandel irgendeine Auf-
       merksamkeit zu  schenken. Das aber ist auf der vom PKA selbst ge-
       wählten Abstraktionsebene nicht möglich.
       Im Folgenden  wird das  noch an einigen Punkten verdeutlicht. Die
       Zeitperiode von  1950 bis 1975 wird in 6 Zyklen eingeteilt, wobei
       allerdings der  zwischen dem 5. und 6. Zyklus gemachte Einschnitt
       in den  Jahren 1971/72  durch die  eigenen Zahlen wenig begründet
       erscheint. Vor  allem die Profitrate zeigt hier keine der für die
       übrigen Zykleneinschnitte  typischen Schwankungen.  Es liegt m.E.
       näher, den  Zeitraum 1968 bis 1975 als einen einheitlichen Zyklus
       zu betrachten.
       Zunächst wird  die Entwicklung  von Wertprodukt  und Akkumulation
       verfolgt, wobei  hier nur  das fixe  Kapital berücksichtigt wird.
       Die Entwicklung  der Akkumulationstätigkeit  wird als Erklärungs-
       grundlage des Wachstums begriffen: Bei zunächst - in den ersten 3
       Zyklen -  steigender  Wachstumsrate  des  Akkumulationsfonds  und
       steigender Akkumulationsrate  (= Anteil des Akkumulationsfonds am
       Mehrwert bzw.  am Wertprodukt)  sinkt die Wachstumsrate des Wert-
       produkts, aber  auf hohem Niveau. Sie sinkt beschleunigt bei sin-
       kender Akkumulationsrate:  Zunächst werden  mit abnehmender  Rate
       produktive Arbeiter  angezogen, später vermindert sich deren Zahl
       auch absolut.
       Die Analyse  der Entwicklung  von Produktenwert  und  Wertprodukt
       kommt so  im großen  und ganzen  zu den gleichen Ergebnissen, die
       sich auch  bei einer  Untersuchung auf  der Grundlage von Brutto-
       und Nettosozialprodukt ergeben.
       Behauptet wird:  "Zwischen beschleunigter Produktion von Mehrwert
       und beschleunigter Akkumulation von Kapital findet also ein enges
       Wechselverhältnis statt." (231) Die Ergebnisse zeigen allerdings,
       daß sich  die konkrete Beziehung durchaus unterschiedlich gestal-
       tet. Denn  in den  ersten 3  Zyklen (bis  1963) fällt  die  Mehr-
       wertrate  und   verlangsamt  sich  die  Produktion  von  Mehrwert
       (konkret: die Wachstumsrate der Mehrwertmasse sinkt), während die
       Akkumulationsrate wächst.
       Im übrigen bestätigt sich biet die vom PKA immer heftig angegrif-
       fene These  von der Unterteilung der ökonomischen Entwicklung der
       Bundesrepublik in  eine "extensive"  und eine  "intensive" Wachs-
       tumsphase: Das  vergleichsweise hohe Wachstumstempo in den ersten
       3 Zyklen hängt vor allem mit der zusätzlichen Ansaugung produkti-
       ver Arbeit  zusammen, während die Erweiterung der Mehrwertproduk-
       tion in  den 60er  Jahren wesentlich  durch eine  steigende Mehr-
       wertrate bedingt ist. 30)
       Im zweiten  Schritt wird  die Bewegung  der Mehrwertrate als Kern
       der Verwertungsbedingungen untersucht, wobei die "wirkliche", den
       Ausbeutungsverhältnissen entsprechende  Mehrwertrate,  nicht  die
       Jahresmehrwertrate gemeint  ist. Diese  sinkt in  den ersten drei
       Zyklen, stagniert  im 4.  Zyklus, steigt  im fünften stark an und
       geht im sechsten wieder zurück, wobei sie noch knapp über dem Ni-
       veau des ersten liegt.
       Schließlich wird  aus den  ermittelten Zahlen  die Profitrate be-
       rechnet, jene, "die in der wirklichen Bewegung der Konkurrenz die
       bestimmende Rate  des Rohprofits" ist: die um die Zirkulationsko-
       sten bereinigte  Mehrwertmasse wird auf das industrielle und kom-
       merzielle Kapital bezogen (264). Dabei wird ein zentrales Problem
       der Profitratenberechnungen ganz kurz abgehandelt: die Ermittlung
       des vorgeschossenen Kapitals. Es wird einfach vom Nettoanlagever-
       mögen zu Wiederbeschaffungspreisen ausgegangen, wie es vom Stati-
       stischen Bundesamt  berechnet wird. Abgezogen werden die entspre-
       chenden Teile  der Wohnungsvermietung, der privaten Haushalte und
       der staatlichen  Unternehmen. Die  Tatsache, daß die Staatsunter-
       nehmen keinen  Profit beanspruchen  - selbst das ist nur mit Ein-
       schränkungen richtig ", veranlaßt das PKA entsprechend seinem An-
       satz, sie  aus dem gesellschaftlichen Gesamtkapital herauszurech-
       nen. Eine  wichtige Funktion  des Staates,  die in der Entwertung
       von Kapital zugunsten der privaten Kapitale besteht, wird per De-
       finition ausgeschaltet,  kann also in weiteren Untersuchungen auf
       der Grundlage  des Zahlenmaterials  des PKA  empirisch  auch  gar
       nicht belegt werden.
       Es ist  klar, daß  nach solchen  Abgrenzungen bei der empirischen
       Untersuchung der Staatstätigkeit und ihres Einflusses auf den Ge-
       samtreproduktionsprozeß als  Ergebnis herauskommen  muß; "daß von
       einem ständig steigenden Gewicht des Staates am Gesamtreprodukti-
       onsprozeß und einer daraus sich ergebenden Ausbildung einer neuen
       Qualität im  Verhältnis von  Politik und  Ökonomie nicht die Rede
       sein kann".  31) Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie die theore-
       tische Setzung  des PKA  das  empirische  Ergebnis  bestimmt.  So
       stellt das  PKA fest,  daß der Anteil der Verkäufe des Staates am
       Produktenwert der  Jahresarbeit sinkt,  und schließt daraus unter
       anderem auf eine rückläufige Beteiligung des Staates an der mate-
       riellen Produktion. Eine der wichtigen Funktionen des Staates be-
       steht aber  gerade darin,  dem privaten Kapital Waren und Dienst-
       leistungen unter Wert zur Verfügung zu stellen und damit die Ver-
       wertung des  Privatkapitals zu stützen. Geht man aber von der An-
       nahme Preis  = Wert  aus, so  muß sich dieser Prozeß notwendig in
       einem relativ sinkenden Anteil der Staatsverkäufe ausdrücken.
       Aber auch  von diesen  Problemen abgesehen  steht die vom PKA be-
       rechnete Profitrate auf empirisch sehr unsicheren Beinen. Die Au-
       toren sind  sich dessen  durchaus bewußt. "Dementsprechend können
       auch von  uns Bestandsaggregate nur punktuell in die Untersuchung
       miteinbezogen werden; dies betrifft ausschließlich die Ermittlung
       der allgemeinen  Profitrate  des  gesellschaftlichen  Gesamtkapi-
       tals." 32)  Die letztere  Bemerkung trifft  nicht zu,  da die Be-
       standsbetechnung Grundlage  für die Errechnung der Abschreibungen
       ist und damit auch den Gesamtreproduktionsprozeß berührt. Die vom
       PKA festgestellten "zu langen Nutzungsdaueransätze für die Ausrü-
       stungen" betreffen natürlich auch die Berechnung des Wertprodukts
       und seiner Struktur. 33)
       Das zirkulierende  Kapital setzt  sich aus  den Vorräten  und dem
       Geldkapital zusammen.  Dabei wird in der VGR bei "Vorräten" nicht
       zwischen Vorprodukten  und Fertigwaren  unterschieden,  in  denen
       sich auch  noch nicht realisierte Profitteile befinden. 33a) Pro-
       blematisch ist  auch die  Tatsache, daß  die Wertansätze sich auf
       die willkürlichen Angaben der Unternehmen beschränken.
       Die sehr  summarische Abhandlung  des Bestandsproblems  soll hier
       nicht in  den Vordergrund  der Kritik gestellt werden, obwohl der
       geringe Rechenaufwand  und die  in diesem Punkt unkritische Über-
       nahme der  Daten der  VGR in  einem deutlichen  Mißverhältnis  zu
       sonst sehr  aufwendigen Umrechnungen  steht. Kritisch  anzumerken
       ist jedoch,  daß der  Leser des Buches über diese Berechnungspro-
       bleme und  die damit  verbundenen Ungenauigkeiten im unklaren ge-
       lassen wird.  Bei der Interpretation der Ergebnisse gerät die vor
       allem bei  der Profitrate  doch sehr  dünne empirische  Grundlage
       vollends aus dem Blickfeld. Es wird dabei eine Genauigkeit vorge-
       täuscht, die tatsächlich nicht vorhanden ist.
       Die so ermittelte Profitrate gilt dem PKA als Erklärungsgrundlage
       der wirtschaftlichen  Entwicklung der BRD, wobei in der Anwendung
       eine Reihe von Bedenken und Einschränkungen methodischer Art über
       Bord geworfen  werden: so wird die Aufteilung in Zins und Steuern
       nicht untersucht, obwohl gesehen wird, daß "in der wirklichen Be-
       wegung der  Konkurrenz... die  Profitrate, die ohne diese Steuern
       berechnet ist,  die  das  Handeln  der  Kapitalisten  bestimmende
       Größe" ist.  (270) Bei der Beschreibung der ökonomischen Entwick-
       lung der  BRD, der  Akkumulationstätigkeit des privaten Kapitals,
       wird die  "allgemeine" Profitrate  als unmittelbarer Bestimmungs-
       grad genommen:  ob eine bestimmte Tendenz der Akkumulationstätig-
       keit des  privaten Kapitals  von der  Entwicklung der allgemeinen
       Profitrate bestimmt ist, kann aber erst nachgewiesen werden, wenn
       die Form  der Vermittlung  dieser Entwicklung mit der Veränderung
       der Oberfläche geklärt ist.
       Die vom  PKA berechnete  Profitrate weist  über die Zyklen hinweg
       eine fallende  Tendenz auf,  die aber  erst vom dritten Zyklus ab
       wirksam wird.  Ein leichter Anstieg ist noch im 5. Zyklus zu ver-
       zeichnen. Der Zusammenhang Profitrate-Akkumulation ist allerdings
       nicht so  unvermittelt wie  behauptet. So verschlechtert sich die
       Kapitalverwertung im 3. Zyklus deutlich, während sich die Akkumu-
       lation beschleunigt. "Der Fall der Profitrate unter diesen Bedin-
       gungen wirkt  also eher  als Stachel der beschleunigten Akkumula-
       tion, die  aber nicht so sehr darauf zielt, die Produktion auszu-
       dehnen, sondern  die Produktionskosten  zu senken." (277) Als Er-
       klärung für diesen Verlauf werden die stabilen Absatzverhältnisse
       als Bestimmungsgrund der Akkumulation eingeführt, ohne diese aber
       mit den berechneten Grundkategorien zu vermitteln. Wollte das PKA
       seinen selbstgesetzten  Anspruch erfüllen, nämlich "durch die De-
       chiffrierung der notwendigen Erscheinungsformen dieser historisch
       spezifischen Form der gesellschaftlichen Arbeit" die "Analyse ei-
       nes konkreten  Stücks Zeitgeschichte"  zu leisten (309), so hätte
       es anhand seiner Kategorien zeigen müssen, warum die Nachfrage im
       3. Zyklus  stabil geblieben ist. Es bleibt die Tatsache, daß eine
       sinkende Profitrate  historisch sowohl  mit einer  beschleunigten
       als auch  einer verlangsamten  Akkumulation verbunden sein kann -
       d.h. ihr  Verlauf hängt noch von weiteren Momenten ab, die jeden-
       falls in keinem direkten Verhältnis zur Profitrate stehen.
       Einen völligen  Verstoß gegen  die eigenen Prinzipien stellt dann
       der Versuch  dar, mit  Hilfe der ermittelten Kategorien eine Pro-
       gnose der bevorstehenden Konjunkturentwicklung abzuleiten. Obwohl
       die Aussichten  für eine  Steigerung der Profitrate im Jahre 1978
       als an sich günstig beurteilt werden und "eine Belebung der Akku-
       mulation des  Kapitals voraussetzt,  daß sich  das  Zusatzkapital
       mindestens genauso hoch verwertet wie das schon fungierende Kapi-
       tal" (312), kommt das PKA zu pessimistischen Prognosen. Der Grund
       wird -  richtig -  in "der durch Arbeitslosigkeit und Lohnsenkung
       verringerten Nachfrage  der Arbeiterklasse"  gesehen (313),  eine
       Vermittlung dieser  Erscheinung mit  den Verwertungsverhältnissen
       findet aber  nicht statt.  Hier zeigt  sich übrigens, daß das PKA
       die stofflichen  Bedingungen des  Reproduktionsprozesses - im Wi-
       derspruch zu  seinem krisentheoretischem Ansatz - bei der Analyse
       des Gesamtreproduktionsprozesses  der Bundesrepublik  völlig ver-
       nachlässigt. 34)
       Es wird am Schluß eingeräumt, daß die vorgelegte Untersuchung nur
       "ein Zwischenschritt  für die  weitere Arbeit  sein kann".  (309)
       Weitere Untersuchungen  auf dem Gebiet des Preis-Wert-Verhältnis-
       ses, des  Staates, der  Monopole, des Außenhandels, der Inflation
       seien nötig.  Dies alles  sind aber  keine  "Modifikationen"  der
       Grundgesetze -  wie vom  PKA behauptet -, sondern betreffen größ-
       tenteils deren Durchsetzungsformen, ihre Wirkungsweise unter kon-
       kreten historischen Bedingungen. Ohne diese Zwischenschritte kann
       die ökonomische Entwicklung der BRD jedenfalls nicht erklärt wer-
       den.
       So bezieht  sich die Kritik neben den erwähnen inhaltlichen Punk-
       ten vor allem auf die Überstrapazierung der Ergebnisse. Zwar wird
       die Arbeit  zunächst durchaus  bescheiden als "ein erster Schritt
       der empirischen  Analyse  des  Gesamtreproduktionsprozesses"  be-
       zeichnet, der  "eine ganze Reihe von Abstraktionen zu berücksich-
       tigen oder von bestimmten entwickelteren und komplizierteren Ver-
       hältnissen zunächst abzusehen" hat. 35)
       Die Vernachlässigung  der  erwähnten  wichtigen  "Modifikationen"
       soll hier  nicht angegriffen  werden. Man kann durch perfektioni-
       stische Ansprüche  an empirische  Untersuchungen schließlich kon-
       krete empirische  Arbeiten ganz  verhindern und einen Rückzug auf
       die "reine"  Theorie begründen.  36) Insofern scheint der vom PKA
       gewählte Ausgangspunkt  der VGR für eine Analyse der ökonomischen
       Entwicklung ein sinnvoller Ansatzpunkt zu sein.
       Vorgeworfen werden muß den Autoren jedoch, daß sie die Kluft zwi-
       schen der  Aufdeckung der grundlegenden Gesetzmäßigkeiten und der
       Bewegung der  Oberfläche eben  nicht "schrittweise"  überbrücken,
       sondern unvermittelte Schlußfolgerungen ziehen. Die Abstraktions-
       ebene, auf der die Ergebnisse des PKA liegen, läßt eine Anwendung
       auf  die   konkreten  Erscheinungen  jedenfalls  noch  nicht  zu.
       Schließlich muß  auch angemerkt  werden, daß die Umrechnungen oft
       so kompliziert  sind -  stellenweise scheinen sogar ausgesprochen
       interne Kenntnisse vorzuliegen -, daß sie in der Praxis kaum noch
       nachvollzogen werden können.
       Die Anwendung  der Ergebnisse für weiterführende Arbeiten auf be-
       stimmten Gebieten  ist daher  ebenso kompliziert  wie die detail-
       lierte Kritik  einzelner Rechenvorgänge. Der praktische Wert sol-
       cher Arbeiten,  die in  der vorliegenden  Form  ohnehin  nur  von
       "Spezialisten" konsumiert  werden können,  wird durch die Darbie-
       tung und  die durch  die Nichtvetöffentlichung  des angekündigten
       Materialbandes begründete mangelnde Nachvollziehbarkeit erheblich
       verringert.
       
       Die Kapitalrentabilität als Profitrate -
       ----------------------------------------
       Das pragmatische Indikatorverfahren Altvaters
       ---------------------------------------------
       
       Elmar Altvater/Jürgen  Hoffmann/Wolfgang Schoeller/Willi Semmler,
       Die Entwicklung des Kapitalismus in Westdeutschland, in: Handbuch
       1, Perspektiven  des Kapitalismus,  hrsg. von  Volkhard  Brandes,
       Frankfurt/M. 1974, S. 241-274.
       
       Auch für  die Autorengruppe  um Elmar  Altvater ist eine Untersu-
       chung der "allgemeinen Bedingungen der Kapitalverwertung" Voraus-
       setzung zur  Analyse kapitalistischer Gesellschaften. "Sollen da-
       her Aussagen  über die  Entwicklung eines nationalen Kapitalismus
       gemacht werden,  dann kommt es wesentlich darauf an, die Bewegung
       der Profitrate  zu untersuchen." (242) Dabei geht es nicht um den
       einzelkapitalistischen Profit, sondern um die inneren Bedingungen
       der Profitproduktion, die jener konkreter Einzelunternehmen regu-
       lierend zugrunde  liegen. Da  diese inneren Bedingungen nicht er-
       scheinen, sondern  nur in  den Bewegungen  der Oberfläche reflek-
       tiert werden,  sind aus der quantifizierten Darstellung der Ober-
       fläche in der Statistik "empirische Indikatoren" aufzufinden, die
       die Grundbewegung  "irgendwie" 37)  ausdrücken.  Das  "irgendwie"
       wird -  wie bereits  oben ausgeführt  - von der Autorengruppe als
       Parallelität von Grundbewegung und Oberfläche begriffen.
       Die in der Profitrate sich ausdrückenden allgemeinen Verwertungs-
       bedingungen des  Kapitals werden von der Mehrwertrate und der or-
       ganischen Zusammensetzung  des Kapitals  bestimmt, so daß man, um
       die Entwicklung  des westdeutschen  Kapitalismus zu  untersuchen,
       "vor allem  die Entwicklung  der Mehrwertrate und der organischen
       Zusammensetzung des  Kapitals analysieren"  muß. (244) Daher gilt
       es, für  diese Grundkategorien  der kapitalistischen Produktions-
       weise in  der existierenden Statistik adäquate Indikatoren aufzu-
       finden. Altvater  und seine  Mitautoren glauben, diese in der Ar-
       beitsproduktivität und  der Lohnquote einerseits und der Kapital-
       intensität andererseits  gefunden zu haben (271). Diese drei Grö-
       ßen bestimmen die Kapitalrentabilität, die ihrerseits den Indika-
       tor für die Profitrate darstellt. Wenn auch vielfach betont wird,
       daß Profitrate  und Kapitalrentabilität nicht identisch sind 38),
       so führt doch der direkte "Rückschluß" von dieser auf jene in der
       Praxis der  Untersuchung zur  Verwischung dieses Unterschieds. Es
       ist daher  Diefenbach zuzustimmen, wenn er in einer Kritik an der
       "Realanalyse" Altvaters als Fazit zieht: "Das Rückschlußverfahren
       bringt die Realanalyse in die Nähe zur Tautologie." 39)
       Der praktische  Vorteil bei  Altvaters Vorgehen  ist die  relativ
       leichte Handhabbarkeit und Nachvollziehbarkeit der von ihm ermit-
       telten Kennziffern.  So ermittelt  er die Mehrwertmasse (die aber
       auch die  Abschreibungen enthält)  durch Abzug  der Lohnsumme vom
       Nettoproduktionsvolumen, wobei versucht wird, das Problem der In-
       flation durch  die Rechnung  zu festen Preisen auszuschalten. Das
       kann natürlich nicht gelingen, da sich auch hinter festen Preisen
       inflationäre Prozesse  verbergen können.  Ausgangspunkt sind  die
       Daten der  VGR für  die Gesamtwirtschaft.  Gleichzeitig berechnet
       die Autorengruppe  aber auch  die entsprechenden  Kennziffern für
       die Industrie.
       Neben den Problemen, die mit der Preisbereinigung verbunden sind,
       erweist sich  auch die fehlende Unterscheidung zwischen produkti-
       ver und  unproduktiver Arbeit  als unbefriedigend.  Altvater  ist
       sich dieses  Problems zwar bewußt, er versucht auch, durch Schät-
       zungen die Entwicklung der Mehrwertrate im produktiven Bereich zu
       ermitteln. "Der steigende Anteil der Lohnarbeiter am Nettoprodukt
       (hier: der  unselbständig Beschäftigten  am Volkseinkommen)  wäre
       demnach Ausdruck  des steigenden Anteils der unproduktiven Arbei-
       ter an den Beschäftigten, die aus dem Mehrwert bezahlt werden und
       deren steigender  Anteil so  Ausdruck einer hohen und wahrschein-
       lich sogar  steigenden Mehrwertrate ist." 40) Allerdings wird bei
       den Tabellen,  die die Entwicklung der Verwertungsbedingungen il-
       lustrieren sollen, vom Anteil der Bruttoeinkommen aus unselbstän-
       diger Arbeit am Nettoproduktionsvolumen ausgegangen, d.h. die un-
       produktiven Arbeitet bleiben einbezogen.
       Diese Größe wird als Lohnquote bezeichnet bzw. umgekehrt als Pro-
       fitquote. Problematisch  ist dabei  auch die Einbeziehung sämtli-
       cher "Lohnkosten", so daß das mit den Sozialabgaben und den Lohn-
       steuern verbundene  Moment der Umverteilung aus dem Blickfeld ge-
       rät. Zusätzlich  wird die Arbeitsproduktivität als Verhältnis von
       Nettoproduktionsvolumen und Arbeitsstunden eingeführt.
       Die organische  Zusammensetzung des Kapitals wird auf der Indika-
       torebene durch  die Kapitalintensität als Beziehung von Bruttoan-
       lagevermögen und  Arbeitsstunden definiert,  wobei vor  allem die
       Gleichsetzung des  Bruttoanlagevermögens mit dem konstanten Kapi-
       tal angreifbar  ist. So  ist anzumerken,  daß ein  systematischer
       Faktor bei  der tendenziellen  Entwicklung  der  Profitrate,  die
       Wertveränderung der  Elemente des Anlagevermögens, vernachlässigt
       wird. Wenn  die so berechnere Kapitalintensität aus pragmatischen
       Gründen als  Indikator der  organischen Zusammensetzung des Kapi-
       tals benutzt wird, so wäre das nur dann zulässig, wenn die Paral-
       lelitätsannahme fallengelassen  wird. Altvater  hätte  an  diesem
       Punkt näher auf die Beziehungen zwischen seinem Indikator und der
       durch ihn  reflektierten Grundkaregorie eingehen müssen. Denn ei-
       ner der  dem Fall  der Profitrate entgegenwirkenden Faktoren, die
       "Verwohlfeilerung der  Elemente des konstanten Kapitals", besteht
       ja gerade darin, "daß, das Gesamtkapital betrachtet, der Wert des
       konstanten Kapitals nicht in demselben Verhältnis wächst wie sein
       materieller Umfang".  41) Die Rechnung zu konstanten Preisen kann
       aber nur die Entwicklung des materiellen Umfangs des Anlagevermö-
       gens reflektieren  - und  selbst dabei  ist von den Problemen ab-
       strahiert, die  mit der Übersetzung von Mengen in Preisreihen zu-
       sammenhängen.
       Das macht  deutlich, daß  die von Altvater gebildeten Indikatoren
       untereinander in  bezug auf die Verwertungsverhältnisse überhaupt
       nicht vergleichbar  sind, die Ableitung aus der Relation zwischen
       ihnen also  einen systematischen  Fehler enthält.  Nach Altvaters
       Annahmen müßten  bei gleich  rasch ansteigender Kapitalintensität
       und Arbeitsproduktivität  und konstanter  Lohnquote  die  Verwer-
       tungsbedingungen  unverändert  bleiben.  Da  bei  steigender  Ar-
       beitsproduktivität aber notwendig die Wertzusammensetzung des Ka-
       pitals langsamer  steigt als  die Kapitalintensität,  würden sich
       tatsächlich die Verwertungsbedingungen verbessern.
       Andere Verschiebungen  hängen mit der Vernachlässigung des zirku-
       lierenden Kapitals zusammen. Schließlich entspricht das Bruttoan-
       lagevermögen auch  nicht dem vorgeschossenen Kapital, da der Pro-
       duktionsprozeß mit  der ständigen  Freisetzung fixer Kapitalteile
       verbunden ist.
       Die gleichen Bedenken müssen gegen die Ermittlung der Kapitalren-
       tabilität eingewandt werden, die aus dem Verhältnis von Bruttoan-
       lagevermögen und  Mehrwertmasse berechnet  wird. Hinzu kommt, wie
       schon an anderer Stelle bemerkt, daß bei der Ermittlung der Mehr-
       wertmasse aus  dem preisbereinigten  Nettoproduktionsvolumen  und
       der zu jeweiligen Preisen berechneten Lohnsumme sich schon allein
       infolge der unterschiedlichen Berücksichtigung der Inflation eine
       sinkende Kapitalrentabilität  ergeben muß.  Lange  genug  fortge-
       schrieben, würde die Rentabilität notwendig sogar negativ werden.
       42)
       Mit diesen empirischen Größen will die Autorengruppe nun die Ent-
       wicklung der Verwertungsbedingungen selbst und die diese Entwick-
       lung verursachenden  Faktoren herausarbeiten.  Darüber sollen die
       Beziehungen zwischen Lohnquote, Arbeitsproduktivität und Kapital-
       intensität Auskunft  geben. Diese jeweils wechselnden Beziehungen
       sind die  Grundlage für  die Beschreibung  der konkreten histori-
       schen Entwicklung der BRD.
       Es lassen sich dabei drei Entwicklungsetappen feststellen:
       1. 1950 bis  Ende der  fünfziger Jahre:  die Arbeitsproduktivität
       steigt schneller  als die  Kapitalintensität  bei  gleicher  oder
       rückläufiger Lohnquote, d.h. die Profitrate steigt.
       2. Ende der  fünfziger bis  Anfang der  sechziger Jahre:  die Ar-
       beitsproduktivität steigt langsamer als die Kapitalintensität bei
       gleicher Lohnquote, d. h. die Profitrate fällt.
       3. Anfang der  sechziger Jahre  bis in  die  Gegenwart:  die  Ar-
       beitsproduktivität steigt  langsamer als  die  Kapitalintensität,
       und die  Lohnquote steigt,  d. h.  die Profitrate fällt beschleu-
       nigt.
       Eine zentrale Feststellung ist dabei die Aussage, "daß das Absin-
       ken der Kapitalrentabilität hauptsächlich auf den starken Anstieg
       der Kapitalintensität  zurückzuführen ist, während nur in wenigen
       Jahren dafür  der starke Anstieg der Lohnstückkosten hauptverant-
       wortlich sein dürfte". 43)
       Diese Aussage  wird vor  allem von  Blechschmidt angegriffen, der
       allerdings keine  eigenen  Profitratenberechnungen  anstellt.  Er
       meint vielmehr, "daß bislang für den Fall der Profitrate die sin-
       kende Ausbeutungsrate  ein größeres  Gewicht hatte  als die stei-
       gende organische Zusammensetzung". 44) Die Auseinandersetzung hat
       im Rahmen des Kapitalverständnisses von Altvater und Blechschmidt
       insofern Bedeutung,  als das  Ergebnis von  Altvater die  Gewerk-
       schaften vom  Vorwurf, die Krisenhaftigkeit wesentlich verursacht
       zu haben,  entlastet. Blechschmidts Aussage würde die Lohnkosten-
       erklärung der  Krise zunächst stützen, wobei er sich jedoch durch
       den Hinweis  auf "veränderte  Akkumulationsbedingungen des  Kapi-
       tals" aus  der Affäre  zu ziehen  sucht. Der Boden, auf dem diese
       Frage diskutiert wird, ist die gemeinsame Ableitung der Krise un-
       vermittelt aus  den Verwertungsbedingungen in der Produktion, un-
       ter Umgehung des Realisierungsproblems. 45)
       Blechschmidt stützt seine Behauptung auf die Annahme, daß die or-
       ganische Zusammensetzung des Kapitals zumindest zwischen 1960 und
       1970 nicht gestiegen ist: "Das so indizierte variable Kapital ist
       schneller gestiegen als das konstante." 46) Die empirische Grund-
       lage für diese Behauptung ist allerdings nicht besser als die von
       Altvater. Denn das Verhältnis von Lohn- und Gehaltssumme zum Wert
       des Bruttoanlagevermögens ist ebensowenig identisch mit der orga-
       nischen Zusammensetzung  des Kapitals  wie die  Kapitalintensität
       Altvaters. Die  auch von  ihm erkannte "Lücke" zwischen der Logik
       des Kapitals  und der Oberflächenentwicklung wird "durch pure An-
       nahmen geschlossen,  so unbefriedigend das auch sein mag". 47) So
       richtig diese Feststellung auch unter pragmatischen Gesichtspunk-
       ten sein  mag, müssen die Annahmen doch begründet sein und in ei-
       ner gewissen Klarheit übet den Charakter der Beziehungen zwischen
       Kapitallogik und Oberfläche bestehen.
       Die von  Altvater (und  auch von  Blechschmidt) angestellte Ursa-
       chenanalyse ist  gerade wegen  der  ungeklärten  Vermittlung  von
       Grundkategorie und Oberfläche nicht möglich. Die entwickelten Ka-
       tegorien mögen ausreichen, um große Entwicklungstendenzen festzu-
       stellen. Das  tut allerdings auch der Sachverständigenrat mit der
       Berechnung einer  "Realrendite". Dabei wird das um einen fiktiven
       Arbeitslohn  der  Selbständigen  bereinigte  Unternehmereinkommen
       nach der VGR zum Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen
       bei gewerblichen  Unternehmen plus  dem  Vorratsvermögen  in  Be-
       ziehung gesetzt.  Im beobachteten  Zeitraum  von  1960  bis  1972
       ergibt sich nun eine sinkende Tendenz. 48)
       Selbst wenn  man die empirische Vorgehensweise hier unberücksich-
       tigt läßt,  ist aus  der Feststellung  einer  sinkenden  Kapital-
       verwertung weder  ein unmittelbarer Rückschluß auf deren Ursachen
       noch auf die Folgen für die Konjunkturentwicklung zu ziehen.
       Gerade weil  sich die  Rückschlüsse auf die Ursachen der Entwick-
       lung bei  Altvater auf  die quantitative  Relation  zwischen  den
       Veränderungen der  einzelnen Indikatoren  stützen, ist  nicht nur
       deren Entwicklungsrichtung,  sondern auch  das genaue  Ausmaß der
       Veränderungen relevant.  Allein durch  eine andere Abgrenzung der
       Indikatoren -  die so  wenig begründet  sein  muß  wie  diejenige
       Altvaters -  wird sich  ihr quantitatives  Verhältnis  zueinander
       rasch ändern.
       Aber auch  die Auswirkungen der rückläufigen Tendenz der Kapital-
       verwertung selbst  sind im Ansatz von Altvater abhängig vom quan-
       titativen Ausmaß, nicht bloß von der Richtung der Veränderung.
       So stellt  die Autorengruppe  fest: "Wenn  aber die Profitrate so
       sehr fällt,  daß aus der wachsenden Profitmasse keine Zusatzkapi-
       tale mehr  zur bisherigen Profitrate angelegt werden können, dann
       erscheint Kapital  als überschüssig,  als 'überakkumuliert'." 49)
       Wenn dieser  Satz keine bloße Tautologie sein soll, dann kann das
       nur bedeuten,  daß die  Profitmasse nicht  mehr ausreicht, um die
       Investitionen, die Umstrukturierungen der Produktion zu finanzie-
       ren, die  notwendig sind,  um die  Mehrwertrate zu erhöhen und so
       dem Rückgang  der Profitrate  entgegenzuwirken. Die Bedingung für
       "Überakkumulation" wäre demnach aus einem ganz bestimmten quanti-
       tativen  Verhältnis  zwischen  Profitrate,  Profitmasse  und  den
       stofflichen, technologischen Bedingungen des Reproduktionsprozes-
       ses abzuleiten.  Die beliebige Konstruktion der Altvaterschen In-
       dikatoren reicht  jedoch nicht  aus, um  ein  solches  bestimmtes
       quantitatives Verhältnis  überhaupt registrieren zu können. Daher
       sind sie  für Analysen auf der Grundlage des Überakkumulationsan-
       satzes untauglich,  was nicht  bedeutet, daß sie nicht als Grund-
       lage für  die Beschreibung wichtiger Momente der kapitalistischen
       Entwicklung nützlich sein können.
       Außerdem muß  hier  angemerkt  werden,  daß  eine  so  definierte
       "Überakkumulation" ganz  verschiedene Ursachen  haben  kann.  Wie
       weiter unten gezeigt werden soll, kann eine solche Situation auch
       bei einer  steigenden Profitrate  eintreten -  dann nämlich, wenn
       die Realisierungsbedingungen  eine Neuanlage  von  Kapital  nicht
       erlauben und/oder  monopolistische Marktpositionen einen entspre-
       chenden Preisrückgang verhindern.
       Die Beliebigkeit der Kategorien und die damit verbundene Mehrdeu-
       tigkeit der  Ergebnisse zeigt auch die Form der Aufnahme der vor-
       gebrachten empirischen Einwände durch Altvater, wobei er zu einer
       völligen Neuberechnung  kommt, die  sich teilweise  an die Ergeb-
       nisse von  Zschocke anlehnt.  So wird das Nettoproduktionsvolumen
       um die  Abschreibungen bereinigt, die industrielle Lohnquote wird
       deflationiert und  nur noch  aus der  Lohn- und  Gehaltssumme der
       produktiven Lohnarbeiter berechnet. Außerdem wird als fixes Kapi-
       tal nun das Nettoanlagevermögen berechnet, das zirkulierende kon-
       stante und  variable Kapital  wird einberechnet.  50)  Allerdings
       wird hier - entsprechend dem Vorgehen bei Zschocke - nun nur noch
       die Industrie berücksichtigt.
       Im Ergebnis  der Neuberechnung  fällt die so berechnete "Kapital-
       renrabilität"  in  den  sechziger  Jahren  ebenfalls,  allerdings
       bedeutend langsamer  als in  der ersten  Berechnung. Ob  aber die
       Kapitalrentabilität der  Industrie von  1960 bis 1968 um 9,7 oder
       um 24,8  Prozent (wie in der alten Rechnung) fällt, kann für eine
       konkrete  Analyse  sicher  nicht  gleichgültig  sein.  Trotz  der
       erheblichen Verschiebungen  hält Altvater seine ursprüngliche Be-
       hauptung -  wenn auch vorsichtig - aufrecht: es zeige sich , "daß
       auch in  dieser verbesserten  Version offenbar jene Trends durch-
       schlagen, die  in unserer  ersten Näherungsformel  erfaßt waren".
       51) Diese  Behauptung wird  durch die  Ergebnisse nicht  gedeckt.
       Zschocke, der mit entsprechenden Zahlen rechnet, kommt gerade für
       die sechziger  Jahre zu  einem anderen Ergebnis, wie weiter unten
       gezeigt werden  soll. Altvater  macht sich auch keine Mühe, seine
       Aussage näher  zu belegen.  Erweist lediglich  daraufhin, daß die
       Kapitalzusammensetzung zwischen  1955 und  1968 rascher gestiegen
       ist als  das Profit-Lohn-Verhältnis gesunken, wobei er selber an-
       merkt, daß  diese beiden  Raten in ihrer Auswirkung auf die Kapi-
       talrentabilität nicht vergleichbar sind.
       Neben diesen Einwänden trifft auch für die Gruppe um Altvater die
       am PKA  geübte Kritik zu: bei der Erklärung der konkreten Akkumu-
       lationsbewegung aus  den Verwertungsbedingungen  werden die  Ver-
       mittlungsglieder zwischen  Kapitallogik  und  Oberflächenbewegung
       übersprungen, es  wird von der Verwertungsveränderung unmittelbar
       auf die  Akkumulationstätigkeit zurückgeschlossen.  52) Die  Auf-
       spaltung der Profitrate in Zins und Unternehmergewinn, Inflation,
       Kredit usw.  werden zwar  teilweise angesprochen,  aber nicht mit
       den errechneten Indikatoren quantitativ vermittelt. Das gilt auch
       für die  Weltmarkteinflüsse, obwohl gerade deren Berücksichtigung
       als wichtiges Moment der Akkumulation gefordert wird.
       Anfangs wird  auch der  Charakter der  Beziehungen zwischen Welt-
       markt und  nationalen Reproduktionsbedingungen genannt, wobei die
       Durchschnittsbedingungen der nationalen Arbeit im internationalen
       Vergleich und davon abgeleitet die Realisierungsmöglichkeiten auf
       dem Weltmarkt  im Mittelpunkt  stehen. Bei  der konkreten Analyse
       des Verlaufs  wird darauf  jedoch nicht  mehr bezug genommen, die
       günstigen Weltmarkteinflüsse  werden mit  den berechneten Katego-
       rien nicht mehr vermittelt. So wäre zu erklären, warum die Reali-
       sierungsbedingungen auf  dem Weltmarkt  auch 1974/75  noch so gut
       sind, obwohl  sich  die  Verwertungsbedingungen  im  Inland  ver-
       schlechtert haben. 53)
       Der Hinweis  auf den  wachsenden Kapitalexport  ist sicher  ober-
       flächlich eine Erklärung, wirft jedoch die Frage nach den Verwer-
       tungsbedingungen in  den Konkurrenzländern  auf. Hier  wäre gemäß
       dem eigenen  Ansatz eine konkrete Bestimmung der Durchschnittsbe-
       dingungen der  Arbeit im  internationalen Vergleich notwendig, da
       sich doch  offensichtlich ein  in den fünfziger Jahren wichtiger,
       die Exportexpansion der BRD begünstigender Faktor, die hohe Mehr-
       wertrate, verändert hat.
       Im Rahmen  der bisher  vorliegenden Untersuchungen  bleibt jeden-
       falls die  Forderung der  Autoren, "den  Wertbildungprozeß  unter
       Einbeziehung des  Weltmarktzusammenhangs zu  betrachten" 54) noch
       uneingelöst. Allerdings finden sich durchaus Ansatzmöglichkeiten,
       um dieses Moment in weiterführenden Untersuchungen einzubeziehen.
       Ein weiteres, aus dem akkumulationstheoretischen Ansatz der Auto-
       ren rührendes  Problem hängt  mit der  fehlenden Vermittlung  von
       Verwertungsbedingungen und Realisierung zusammen. 55)
       Ein Vergleich  der Ergebnisse  von Altvater mit denen des PKA, ja
       selbst mit  denjenigen des  Sachverständigenrates, zeigt  in  der
       Grundstruktur ähnliche Entwicklungstendenzen auf. Dabei sind zwar
       durchaus große  Differenzen im  Ausmaß der Veränderungen und auch
       im Niveau  der "Profitrate"  festzustellen, die  jedoch zu  einem
       großen Teil auf Probleme bei der Ermittlung der empirischen Daten
       zurückzuführen sind.  Diese Fragen aber können auf der rein kate-
       gorialen Ebene allein nicht gelöst werden, da einfach die vorhan-
       dene Datenlage immer wieder zu pragmatischen Kompromissen zwingt,
       zu Schätzungen,  für die es immer unterschiedliche Wege gibt. Die
       vorliegenden Berechnungsarten sind so immer im einen oder anderen
       Punkt kritisierbar,  ohne daß  aber eine "richtige" Lösung entge-
       gengestellt werden  kann. Es  muß einfach konstatiert werden, daß
       es auf  der Grundlage der gegenwärtigen Datenlage einen Spielraum
       von Ungenauigkeit gibt, der kaum zu verringern ist. Das macht die
       vorliegenden Berechnungen  nicht überflüssig, zeigt aber, daß auf
       dem Wege  immer  neuer  Rechenansätze  ein  Erklärungsfortschritt
       nicht mehr  möglich ist.  Es wäre  notwendig, daß die empirischen
       Untersuchungen den Schritt von immer neuen Illustrationen der Ka-
       pitallogik mit  aktuellen Daten hin zur Anwendung auf die konkre-
       ten Erscheinungen tun, ohne den Erklärungswert der bisherigen Be-
       rechnungen überzustrapazieren.
       
       Monopole und Branchenprofitraten - die Berechnungen von Zschocke
       ----------------------------------------------------------------
       
       Helmut Zschocke,  Kapitalstruktur und  Kapitalverwertung  in  der
       BRD-Industrie, IPW-Forschungshefte 2/1974, Berlin/DDR 1974.
       
       Bei Zschockes  Versuch, die Entwicklung der Kapitalverwertung und
       ihre Determinanten durch empirische Analysen herauszuschälen, ist
       es sein  Anliegen, "das  Gesetz des  tendenziellen Falls der Pro-
       fitrate mit  der konkreten  Entwicklung  in  einem  geographisch,
       zeitlich und  sektoral genau abgegrenzten Bereich der Realität zu
       konfrontieren, wobei  davon auszugehen  ist, daß ein ökonomisches
       Gesetz die  Wirklichkeit zwar nicht im Detail widerspiegelt, aber
       doch wesentliche im Leben vorhandene Zusammenhänge und Widersprü-
       che ausdrückt  und demzufolge  empirisch belegt  werden kann  und
       muß". (8)
       Wichtig ist  dabei, daß  die Wirkungen  der widersprüchlichen Mo-
       mente, die  mit dem  Gesetz des  Profitratenfalls verbunden sind,
       nicht bloß in Hinblick auf die Verwertung selbst, sondern auch in
       Hinblick auf  das Gesamtfeld der sozialen und ökonomischen Wider-
       sprüche untersucht  wird. So  meint Zschocke, daß das Gesetz auch
       dann in  seiner Wirkungsweise zu belegen ist, wenn die Profitrate
       aufgrund entgegenwirkender  Faktoren nicht fällt: die Wirksamkeit
       des Gesetzes findet demnach ihren Ausdruck auch in den Strategien
       zur Vermeidung  des Profitratenfalls.  "Es kommt  vielmehr darauf
       an, die Auswirkungen des Gesetzes auf ökonomische und soziale Wi-
       dersprüche herauszuarbeiten, deren Schwerpunkt und Wirkungsinten-
       sität nicht zuletzt von der im betreffenden Zeitpunkt ermittelten
       konkreten Entwicklungsrichtung der Profitrate und anderer wichti-
       ger Komponenten der Kapitalverwertung abhängt." (8)
       Als Abgrenzung  zum Ansatz  der bisher  behandelten  Autoren  ist
       festzuhalten, daß  Zschocke die  Vermittlung von  verschlechteren
       Verwertungsbedingungen zu  den Erscheinungen  der Oberfläche kom-
       plizierter sieht  als jene,  die oftmals unmittelbare Beziehungen
       zwischen Verwertung  und Wirtschaftsentwicklung zu knüpfen versu-
       chen, von  denen der Wirkungszusammenhang zwischen Verwertung und
       Konjunktur als  ständig gleich  betrachtet wird. Zschocke dagegen
       geht davon  aus, daß  veränderte Verwertungsbedingungen sich auch
       auf die  strukturellen Gegebenheiten  des Kapitalismus auswirken,
       daß der Zusammenhang zwischen Verwertungsbedingungen und Konjunk-
       tur sich  ebenfalls im  Zuge sinkender Profitraten verändert. Der
       Stand der Verwertung beeinflußt also nicht nur die jeweilige Kon-
       junkturlage,  sondern   verändert  das   gesamte  kapitalistische
       "Milieu", in dem die Grundkategorien wirken.
       Die Schranke  der Entwicklung, die das Kapital selbst in Form von
       sich verschlechternden  Verwertungsbedingungen  immer  höher  vor
       sich aufrichtet,  führt zu immer neuen Versuchen, diese Schranken
       zu übersteigen.  "Sobald es  (das Kapital,  J.G.)  anfängt,  sich
       selbst als  Schranke der Entwicklung zu fühlen und gewußt zu wer-
       den, nimmt  es zu  Formen Zuflucht, die, indem sie die Herrschaft
       des Kapitals  zu vollenden  scheinen, durch  Zügelung der  freien
       Konkurrenz, zugleich  Ankündiger seiner  Auflösung und der Auflö-
       sung der auf ihm beruhenden Produktionsweise sind." 56)
       Es fragt  sich allerdings, ob Zschockes Vorgehen im weiteten die-
       sem Ansatz  immer gerecht  wird. Er merkt selbst an: "Die Konzen-
       tration der Untersuchung auf die Industrie bedeutet insofern eine
       Einschränkung, als  das Gesetz  des tendenziellen  Falls der Pro-
       fitrate in  solchen relativ hochmonopolisierten Bereichen des ge-
       sellschaftlichen Gesamtkapitals  an-ders wirkt  als  im  privaten
       nichtmonopolisierten bzw.  staatlichen Sektor."  (8) Infolge  der
       Beschränkung auf  diesen Bereich  besteht  die  Gefahr,  daß  die
       Triebkräfte und  die Ergebnisse  der Entwicklung empirisch unter-
       schiedslos behandelt  werden. Wird  zum Beispiel die Monopolisie-
       rung als  Konsequenz der  verschlechterten Verwertungsbedingungen
       begriffen, so ist klar, daß eine Einschränkung auf die "hochmono-
       polisierten" Bereiche  der Industrie  diesen  Zusammenhang  nicht
       ausreichend deutlich machen kann.
       Entscheidend für  die Wirkungen  des Falls der Profittate ist die
       Existenz eines  "relativen Kapitalüberschusses"  (14), d.h. eines
       Kapitalteils, der, eingesetzt als Zusatzkapital, "keinen oder mi-
       nimalen Zusatzptofit abwirft". (14)
       Fallende Profitraten  wirken sich  also  je  nach  den  konkreten
       stofflichen Produktionsbedingungen und den Marktverhältnissen auf
       die Akkumulation unterschiedlich aus: günstige Expansionsmöglich-
       keiten können  dazu führen, daß der Fall der Profitrate durch das
       Wachstum der Profitmasse in seinen Auswirkungen auf die Akkumula-
       tion kompensiert  werden kann.  Dieser Gedanke entspricht im Kern
       der von  Altvater definierren "Überakkumulation", wobei im weite-
       ten die Vorgehensweise Zschockes aber konsequenter ist. Er unter-
       sucht vor  allem auch  die Momente, die den Zusammenhang zwischen
       Profitrare, stofflichen  Bedingungen und  Marktverhältnissen kon-
       kret vermitteln,  wobei allerdings  eine  quantitative  Fixierung
       dieser Verhältnisse auch ihm nicht möglich ist.
       Als wesentliches  Moment der  Vermittlung gelten  Staat und Mono-
       pole. "Gerade die Tatsache, daß Kapitalüberschüsse zur ständigen,
       tendenziell an Bedeutung gewinnenden Erscheinung gewotden und auf
       einzelne Fraktionen  des  gesellschaftlichen  Gesamtkapitals  un-
       gleichmäßig vetteilt sind, unterscheidet die Wirkung des Gesetzes
       der tendenziell fallenden Profitrate unter den heutigen Bedingun-
       gen wesentlich  von den  vormonopolistischen Verhältnissen." (15)
       Mit der  Entwicklung des Kapitalismus setzte eine Differenzierung
       zwischen den  Einzelkapitalen ein,  die nicht  mehr nur in unter-
       schiedlichem Ausmaß,  sondern in  unterschiedlicher Weise von der
       Kapitalentwertung betroffen  waren: Teile  des  Kapitals  konnten
       sich den Wechselfällen von Ver- und Entwertung entziehen.
       In der  Folge kommt  es zu einer Differenzierung der Profitraten,
       d.h. die Durchschnittsprofitrare existiert nur mehr als gesamtge-
       sellschaftliche Grenze,  nicht als  reales Schwankungszentrum der
       individuellen Profitraten.  "Infolge der  ungleichmäßigen Vertei-
       lung des  Kapitalüberschusses entwickeln sich die privatmonopoli-
       stisch realisierte  und die  gesamtgesellschaftliche  Profitrate,
       die neben dem Monopolbereich auch den privaten nichtmonopolisier-
       ten und den Staatssektor umfaßt, unter quantitativ und qualitativ
       unterschiedlichen Bedingungen."  (18) Dieser  Ansatz  impliziert,
       daß eine  Analyse det  gesamtgesellschaftlichen Verwertungsbedin-
       gungen allein  nicht mehr ausreicht, um die Entwicklungstendenzen
       des Kapitalismus zu erklären: das Moment der Strukturunterschiede
       muß einbezogen werden.
       Zschocke berechnet nun als ersten Schritt die Tendenz der techni-
       schen Zusammensetzung, die einen wichtigen Aspekt der stofflichen
       Bedingungen darstellt.  57)  Ausgehend  vom  Bruttoanlagevermögen
       58), erweitert  um den Materialbestand, zu Preisen von 1962, wird
       die Realkapitalausstattung  je Industriebeschäftigten  ermittelt,
       wobei auslastungsbedingte Veränderungen ausgeklammert werden. Al-
       lerdings wird  zwischen produktiven  und unproduktiven  Arbeitern
       nicht unterschieden.
       Bei raschem Wachstum der technischen Zusammensetzung 59) sind die
       Branchenunterschiede erheblich,  wobei eine  leichte Tendenz  zur
       Nivellierung registriert  wird. Dementgegen  sinkt bis  1960  der
       "spezifische Produktionsmitteleinsatz" (70), d.h. pro Produktein-
       heit wird weniger Realkapital benötigt. Ursache ist, daß bis etwa
       1960 der sinkende spezifische Materialeinsatz die steigende Fond-
       sintensität kompensiert. Ab den sechziger Jahren kehrt sich diese
       Tendenz um.
       Zschocke schließt  daraus auf  in den  60er Jahren verschlechtere
       Verwertungsbedingungen: bis  etwa 1960 ist die Produktion rascher
       gewachsen als die technische Kapitalzusammensetzung, der Fall der
       Profitrate ist also durch den Anstieg der Profitmasse in Hinblick
       auf die Akkumulation kompensiert worden. Eine sinkende Profitrate
       wirkt sich  dann nicht  ungünstig auf  die Akkumulation aus, wenn
       die Profitmasse  ausreicht, um  bei ihrer  Verwandlung in Kapital
       zusätzliche Mehrarbeit  anzusaugen,  d.h.  wenn  mehr  produktive
       Arbeiter beschäftigt  werden können oder wenn durch die Umwälzung
       der Produktion die Mehrwertrate erhöht werden kann.
       Es ist  offensichtlich, daß diese Möglichkeiten nicht nur von der
       Größe der  Profitmasse, sondern  auch von ihrer Verteilung abhän-
       gen. Der  sinkende  spezifische  Produktionsmitteleinsatz  ermög-
       lichte es,  die Zahl  der produktiven  Arbeiter zu erhöhen und so
       die Produktion von Profit auszudehnen.
       In anderer Form finden sich hier übrigens einige Indikatoren wie-
       der, wie  sie auch  Altvater -  unabhängig von Zschockes Arbeit -
       entwickelt hat.  Der  spezifische  Produktionsmitteleinsatz  ent-
       spricht kategorial  der umgekehrten Kapitalproduktivität bei Alt-
       vater, die  dort von der Kapitalintensität und der Arbeitsproduk-
       tivität bestimmt  wird. Der entscheidende Faktor ist der sinkende
       Produktionsmitteleinsatz je  Produkt oder umgekehrt die steigende
       Kapitalproduktivität, aus  der sich  notwendigerweise ergibt, daß
       die Arbeitsproduktivität rascher ansteigt als die Kapitalintensi-
       tät. Das  ist aber  eine rein rechnerische Tatsache und sagt über
       die Ursachen  und die  Folgen der Entwicklung nichts aus. Es wäre
       auch eine Situation denkbar, in der durch eine bestimmte Form der
       Rationalisierung, d.h.  durch "kapitalsparenden Technischen Fort-
       schritt" der  spezifische Produktionsmitteleinsatz je Produktein-
       heit gesenkt würde. Wenn gleichzeitig auch der Aufwand an bezahl-
       ter lebendiger  Arbeit je Produkteinheit zurückgeht, dann dürften
       sich die Verwertungsbedingungen in der Produktion verbessern - es
       sei denn, die Kapitalumschlagszahl verkleinert sich erheblich. Es
       würde nun wesentlich von den Absatzverhältnissen abhängen, ob die
       steigende Profitrate  auch mit einer Vergrößerung der Profitmasse
       verbunden ist. Eine profitable Anlage des Mehrwerts als Zusatzka-
       pital könnte  unter solchen  Bedingungen an  die Grenzen  des be-
       schränkten Marktes  stoßen, weil  die Stufenleiter der Produktion
       sich durch  die Akkumulation  rascher erweitern würde, als es die
       durch die  spezifisch "kapitalsparende" Form der Rationalisierung
       relativ verengten  Absatzverhältnisse erlauben  würden. Unter dem
       Gesichtspunkt der  stofflichen Struktur  des Gesamtprodukts müßte
       der Anteil der Konsumtionsmittel im Vergleich zu den Produktions-
       mitteln zunehmen.  Da aber auch der Aufwand an bezahlter lebendi-
       ger Arbeit je Produkt zurückgeht, würde die Ausdehnung der Abtei-
       lung II  der Produktion  rasch an  die Grenzen  der  relativ  be-
       schränkten Konsumtionsfähigkeit  stoßen. Kapital  wate dann trotz
       einer hohen  Profitrate "überakkumuliert",  d.h. eine  Anlage als
       Zusatzkapital würde  zu keiner  Vergrößerung der Profitmasse füh-
       ren. Es  ist dies  eine Form des "relativen Kapitalüberschusses",
       die wohl  weder Zschocke  noch Altvater  im Auge  hatten. Das ist
       auch insofern  erklärlich, als  die Entwicklung  in den sechziger
       Jahren umgekehrt verlief. Es gibt jedoch Momente in der aktuellen
       wirtschaftlichen Lage,  die eine  solche Entwicklung  möglich er-
       scheinen lassen.  60) Es  ist offensichtlich,  daß die analytisch
       von den Marktverhältnissen abstrahierenden Indikatoren von Altva-
       ter einer solchen Situation nicht gerecht werden können.
       Die Berücksichtigung  des Auslastungsgrads  durch Zschocke  zeigt
       übrigens, daß  die steigende Kapitalproduktivität - worauf Altva-
       ter letzten Endes seine Feststellung der günstigen Verwertungsbe-
       dingungen in den fünfziger Jahren stützt - zu einem überwiegenden
       Teil auf  den in  diesem Zeitraum  steigenden Auslastungsgtad zu-
       rückzuführen ist, also auch direkr durch die inneren Verwertungs-
       bedingungen allein nicht zu erklären ist.
       Trotz der  erheblichen Berechnungsdifferenzen kommt auch Zschocke
       zur  Abgrenzung   von  Entwicklungsetappen   der   BRD   in   ein
       'extensives' und  ein 'intensives'  Wachstum, wie es sich in etwa
       auch aus  den Ergebnissen  von Altvater  und selbst denen des PKA
       ergibt. Ähnlich  unterscheidet auch Huffschmid, der mit weit ein-
       facheren Methoden  zur Unterscheidung  einer "Phase  der extensiv
       erweiterten Reproduktion" und einer "Phase der intensiv erweiter-
       ten Reproduktion" kommt. 61)
       In einem  zweiten Schritt untersucht Zschocke nun die Entwicklung
       der Verwertung,  auf die  allein aus  den technischen Bedingungen
       nicht  zurückgeschlossen   werden  kann.   Da  er   annimmt,  daß
       "prinzipiell der  Zusammenhang zwischen  Werten und Preisen trotz
       Inflation erhalten  geblieben ist"  (72), geht  er von jeweiligen
       Preisen aus.  Es muß allerdings bemerkt werden, daß die Inflation
       keine den  Wertrelationen gegenüber neutrale Erscheinung ist: sie
       wirkt verzerrend.  Dagegen wendet Zschocke ein: "Und selbst, wenn
       die wertmäßigen Größen durch die nominelle Entwicklung aus infla-
       tionsbedingten und  anderen Gründen verzerrt widergespiegelt wer-
       den sollten,  - bei  der Ermittlung der industriellen bzw. in der
       Industrie realisierten  Profitrate interessieren  ohnehin nur die
       tatsächlich von  den Monopolen  und sonstigen Unternehmen für die
       eingesetzten Produktionsmittel  gezahlten Preise und die tatsäch-
       lich gezahlten Löhne!" (73)
       Seine Behandlung des Anlagevermögens stellt allerdings einen Ver-
       stoß gegen  dieses Prinzip  dar. Das Nettoanlagevermögen bewertet
       er zu  Wiederbeschaffungspreisen, d.  h. er  schaltet den bereits
       erwähnten, mit  der Inflation  verbundenen Entwertungseffekt  des
       Kapitals aus.  Das inflationär  freigesetzte Kapital kann rascher
       wieder angewandt werden und ermöglicht dem Kapital so die Ausbeu-
       tung einer  größeren Menge  lebendiger Arbeit,  steigert also die
       Profitrate.
       Zum konstanten  Kapital wird  das um  die Fertigwaren  bereinigte
       Vorratsvermögen gerechnet.  Daraus und  aus dem Materialverbrauch
       wird die Umschlagshäufigkeit errechnet, die Grundlage zur Bestim-
       mung des  vorgeschossenen variablen  Kapitals ist. Im Unterschied
       zum PKA bezieht Zschocke den Profit also nur auf das Produktivka-
       pital, klammert Geld-und Warenkapital also aus.
       Die Profitrate  wird nun ermittelt, indem der industrielle Profit
       vor Steuern  auf das so berechnete vorgeschossene Kapital bezogen
       wird. Beim industriellen Profit handelt es sich um den in der In-
       dustrie realisierten  Profit (also  ohne Handelsprofit, aber ein-
       schließlich Zinsen  und Steuern), er ergibt sich, indem vom Brut-
       toproduktionswert die  Kosten der Jahresproduktion abgezogen wer-
       den. 62)
       Problematisch ist  dabei die  Behandlung der  Reproduktionskosten
       der Arbeitskraft. Es fällt auf, daß trotz der Bedeutung der Mehr-
       wertrate für  die Verwertungsbedingungen diesem Problem kaum Auf-
       merksamkeit geschenkt  wird. Zschocke geht vom jährlichen Aufwand
       an Löhnen  und Gehältern  aus, bezieht  also die Lohnsteuern ein,
       nicht aber  die Sozialversicherungsbeiträge  der Unternehmer. Die
       Effekte der  staatlichen Umverteilung werden hier also nicht bzw.
       nur teilweise berücksichtigt. Auch findet keine Trennung zwischen
       produktiven und unproduktiven Arbeitern statt.
       Die von  Zschocke  ermittelte  Profitrate  weist  ebenfalls  eine
       fallende Tendenz  auf. Das  hängt wesentlich  mit der gestiegenen
       organischen Zusammensetzung  des Kapitals, d.h. vor allem mit dem
       wachsenden Gewicht  des fixen  Kapitals zusammen.  Die organische
       Zusammensetzung des  Kapitals ist allerdings wesentlich langsamer
       als die  technische Zusammensetzung  gestiegen, sowohl  Folge der
       "Verwohlfeilerung" des  konstanten Kapitals  als auch der verbes-
       serten Lohnsituation.  Diese zuletzt  genannten Faktoren bedingen
       trotz des  beschleunigten Wachstums  der technischen Zusammenset-
       zung eine verlangsamte Zunahme der organischen Zusammensetzung in
       den sechziger  Jahren, so  daß der  beschleunigte Fall  der  Pro-
       fitrate in dieser Periode nicht aus der veränderten Kapitalstruk-
       tur abgeleitet  werden kann. "Die komplizierter gewordenen Wachs-
       tumsbedingungen hätten daher auf Seiten der Kapitalverwertung gar
       keinen beschleunigten Fall der Profitrate erwarten lassen." (97)
       Die Ursache  des beschleunigten  Falls ist  die Mehrwertrate, die
       seit 1955  schwankt, mit rückläufiger Tendenz. Zschocke führt das
       auf die  relativ günstigen  Verkaufsbedingungen der  Arbeitskraft
       zurück. Die  relativen Erfolge der gewerkschaftlichen Lohnpolitik
       wurden , wie die Entwicklung der Lohnquoten zeigt, durch staatli-
       che Umverteilungsmaßnahmen  zu einem  großen Teil wieder zunichte
       gemacht. 63) Das aber kann Zschocke mit seiner Berechnungsmethode
       nicht erfassen.
       Die relativ  günstige Verteilungsposition stabilisierte natürlich
       auch die  organische Zusammensetzung  des Kapitals. Zschocke fol-
       gert: "Weniger denn je reicht deshalb die organische Zusammenset-
       zung des  Kapitals für  sich genommen  als Indiz aus, um die Ent-
       wicklung der  Profittate zu  begründen. 64) (101) Der Unterschied
       zu Altvater resultiert offensichtlich nicht nur aus der Benutzung
       deflationierter Preisgrößen.  Vor allem  die Berücksichtigung des
       Auslastungsgrads dürfte  eine Rolle spielen. Bei in den fünfziger
       Jahren steigendem  Auslastungsgrad muß die Kapitalzusammensetzung
       nach Zschocke  schneller ansteigen als bei Altvater. Umgekehrt in
       den sechziger  Jahren: bei sinkendem Auslastungsgrad wird die Ka-
       pitalzusammensetzung Zschockes  langsamer ansteigen  als die  von
       Altvater berechnete.
       Das eigentliche  Anliegen Zschockes  geht jedoch über die Berech-
       nung der industriellen Mehrwertrate hinaus. Sein Ziel ist die Be-
       rechnung von  Branchenprofittaten und die Aufdeckung ihrer jewei-
       ligen Bestimmungsgründe  aus den konkreten Verwertungsbedingungen
       der einzelnen Branchen.
       Völlig unerklärlich ist daher die Behauptung des PKA in einet Be-
       sprechung von  Zschokes Untersuchung:  "Er gesteht damit faktisch
       zu, daß  sich der  Ausgleich zu durchschnittlichen Verwertungsbe-
       dingungen offenbar  zunächst unabhängig  von der  Rückwirkung von
       Monopolen und  Staat herstellt.  Die These  von der Auflösung der
       Konkurrenz durch  die Monopole  und den  Staat steht als inhalts-
       leere Formel  beziehungslos neben diesem Resultat der empirischen
       Untersuchung." 65) Offensichtlich haben die Rezensenten hier ein-
       fach nicht  zur Kenntnis  genommen, daß  es ja  das Hauptanliegen
       Zschockes ist,  die festgestellten Differenzen in den Profitraten
       der Branchen,  die Zschocke  ermittelt, durch  die fehlende  Aus-
       gleichsbewegung zur Durchschnittsprofitrate zu erklären. Zschocke
       geht also  gerade nicht von der Existenz der Durchschnittsprofit-
       rate aus,  sondern meint,  daß die  Existenz  von  Monopolen  und
       Staatseingriffen dazu  führt, daß sich die jeweils unterschiedli-
       chen Verwertungsfaktoren  in den  einzelnen Branchen heute direkt
       in den Profitraten ausdrücken, also praktisch eine Abkehr von den
       Produktionspreisen, eine Rückkehr zur direkten Wertbestimmung der
       Preise stattfindet.
       Die von  ihm berechneten branchenspezifischen Verwertungsfaktoren
       (organische Zusammensetzung,  Kapitalumschlagshäufigkeit und Jah-
       resmehrwertrate) weisen erhebliche Unterschiede auf. Bei funktio-
       nierender freier  Konkurrenz hätten  diese Unterschiede  in bezug
       auf die Profitrate ausgeglichen werden müssen, d.h. es hätte kein
       Zusammenhang zwischen  der Höhe  der Profitrate  und den  jeweils
       günstigen oder ungünstigen Verwertungsfaktoren geben dürfen.
       Um das zu überprüfen, ordnet er die Branchen nach der Reihenfolge
       der jeweiligen Verwertungsfaktoren, addiert die Ordinalzahlen und
       errechnet daraus  eine fiktive  Rangfolge der Branchen, d.h. eine
       Rangfolge, die  sich aus dem Charakter der Verwertungsfaktoren in
       den jeweiligen  Branchen ergibt.  Eine niedrige organische Zusam-
       mensetzung,  eine   hohe  Kapitalumschlagszahl   und  eine   hohe
       Jahresmehrwertrate führen  dann zu  einer hohen  Position in  der
       Rangfolge der  'fiktiven' Profitraten.  Diese  "errechnete  Rang-
       folge" (102/103)  wird nun verglichen mit der tatsächlichen Rang-
       folge. Im Ergebnis entsprechen sich die beiden Reihenfolgen, d.h.
       die  Branche  mit  den  günstigen  Verwertungsfaktoren  hat  auch
       tatsächlich eine hohe Profitrate und umgekehrt.
       Das kann  allerdings nicht  Überraschen, da die Verwertungsfakto-
       ren, so  wie sie  Zschocke berechnet,  auch  der  Errechnung  der
       tatsächlichen Profitrate zugrunde liegen. Die Jahresmehrwertrate,
       die als  Verwertungsfaktor aufgeführt  wird, ist fein rechnerisch
       die gleiche,  die bei der Berechnung der tatsächlichen Profitrate
       verwendet wurde.  Die beiden Rangfolgen, die Zschocke miteinander
       vergleicht, müssen sich also entsprechen. 66) Denn die Berechnun-
       gen basieren  ja bereits  auf den  Marktpreisen,  d.h.  die  Aus-
       gleichsprozesse finden  schon Eingang  in die Ermittlung der Ver-
       wertungsfaktoren. Das  wird schon dadurch deutlich, daß die wirk-
       liche Mehrwertrate in den Branchen zwischen 20 Prozent im Schiff-
       bau und 234 Prozent in der Erdölgewinnung schwankt. (110/111) Bei
       einer Rückkehr  zu Wertpreisen,  wie sie  Zschocke als eine Folge
       der Monopolisierung  und der  Hemmung der  Ausgleichsprozesse an-
       nimmt, müßten sie etwa auf dem gleichen Niveau liegen.
       Die bei Zschocke gemachte Annahme - daß nämlich durch die Monopo-
       lisierung eine Hemmung der Ausgleichsprozesse mit der Folge einer
       Tendenz zur  direkten Bestimmung  der Marktpreise durch die Werte
       bewirkt wird - kann so jedenfalls nicht belegt werden. Sie wider-
       spricht zudem  der Voraussetzung von Monopolisierung: diese setzt
       sich in  der Regel  gerade in  den Branchen  durch, die besonders
       viel fixes  Kapital anwenden  müssen, bei  denen also die Verwer-
       tungsfaktoren Zschockes  an sich  ungünstig gelagert  sind.  Eine
       Blockierung der  Ausgleichsprozesse mit dem Ergebnis der Rückkehr
       zu Wertpreisen würde also gerade die monopolistisch organisierten
       Kapitale benachteiligen.
       Schließlich ist  auch die Tatsache unterschiedlicher Branchenpro-
       fitraten allein  noch kein Beleg monopolistischer Profitratendif-
       ferenzierung. Denn Zschocke berechnet die Branchenprofitraten nur
       für ein  Jahr, so daß eine eventuell existierende Ausgleichsbewe-
       gung nicht erfaßt werden kann. Zudem muß fraglich bleiben, ob die
       berechneten Branchenprofitraten  mehr sind  als ein statistischer
       Durchschnitt, ob  nicht vielmehr Unternehmensgrößen einen stärke-
       ren Einfluß  auf die  Profitrate haben als die Branchenzugehörig-
       keit.
       Der Widerspruch in Zschockes Aussagen wird auch deutlich, wenn im
       letzten Abschnitt  Wege der  staatlichen Absicherung der Kapital-
       verwertung dargestellt werden: "Die Reduzierung der von den Mono-
       polen aufzubringenden Vorschüsse für das fixe, das konstante zir-
       kulierende sowie  das variable  Kapital und  die Aufstockung  der
       privat verfügbaren  Profite." (119) Der Staat sichert die Verwer-
       tung also gegen an sich ungünstige innere Verwertungsfaktoren, es
       müßte also  zu einer  D i f f e r e n z  zwischen Verwertungsfak-
       toren und  tatsächlicher Verwertung  kommen: das  kann  natürlich
       durch Zschockes  Berechnungen nicht  aufgedeckt  werden,  da  die
       staatlichen Übertragungen ja zu einem Teil sowohl bei der Ermitt-
       lung der  tatsächlichen Profite als auch bei der Analyse der Ver-
       wertungsfaktoren einbezogen  sind. Zschocke  sieht zwar die letz-
       tere Tatsache,  hält sie aber nicht für entscheidend. Als Instru-
       mente staatlicher  Umverteilung können  also nur die Bereiche ge-
       trennt von den inneren Verwertungsfaktoren untersucht werden, die
       eine nachträgliche  Übertragung von  Profitteilen  außerhalb  der
       Produktion beinhalten;  die Steuerpolitik,  die Subventionen  und
       Zuschüsse. Die Bedeutung der Profitübertragungen durch staatliche
       Betriebe an  die private  Wirtschaft wird auch dargestellt und in
       ihrem Ausmaß  abgeschätzt: so  sparte die  Industrie allein durch
       verbilligten Strom-  und Gasbezug  im Jahre 1970 7,5 Mrd. DM. 67)
       Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß der Effekt dieser Ver-
       billigung schon in der vorgestellten Profitratenberechnung impli-
       ziert ist.  Immerhin läge  die Profitrate  - klammerte man dieses
       Moment aus  - 1950 nicht bei 37,3, sondern bei 32,7 Prozent, 1968
       bei 29,8  Prozent statt  bei 31,8. Der Fall wäre demnach also we-
       sentlich langsamer  verlaufen als  es Zschocke unter Einbeziehung
       der staatlichen Zuschüsse berechnet.
       Zschocke kommt  insgesamt zu dem Ergebnis, daß die Entlastung der
       Verwertung durch  staatliche Eingriffe  an Effektivität  einbüßt:
       "Das in den 60er Jahren einsetzende Fallen der industriellen Pro-
       fitrate (strahlte)  mehr und mehr auf den Staat aus." (144) Diese
       Aussage ist  durch die Berechnungen allerdings nur zum Teil abge-
       deckt, da er ja nur einen Teil der staatlichen Einflüsse in ihren
       Auswirkungen auf die Profitrate isolieren kann.
       Trotz der  Mängel, die  Zschockes Berechnungen besonders in bezug
       auf die  Monopolisierungshypothese haben,  stellen sie doch einen
       wichtigen Schritt  zur empirischen  Erfassung der  Realität  dar.
       Wichtig ist dabei die Erkenntnis, daß sich die konkreten histori-
       schen Verwertungsbedingungen  nicht allein  durch die  allgemeine
       Profitrate bestimmen  lassen. Dabei  gelingt die Einbeziehung von
       Faktoren wie  Staat und  Monopolen allerdings  nur  exemplarisch,
       nicht systematisch. Vor allem wird nur eine Seite des Reprodukti-
       onsprozesses, der  Verwertungsprozeß in  der Produktion, betrach-
       tet. Von  der Realisierungsseite wird in der Praxis auch hier ab-
       strahiert, der Begriff des "relativen Kapitalüberschusses" erfaßt
       wie der  Überakkumulationsansatz Altvaters nur die eine Seite des
       Reproduktionsprozesses. Die  damit beschriebene Erscheinung - daß
       ein Zusatzkapital  keinen oder  nur geringen Zusatzprofit abwirft
       -, kann ihre Ursache aber auch in den oben beschriebenen stoffli-
       chen Disproportionen zwischen dem Anteil von Konsumgütern und dem
       Anteil der  Produktionsmittel haben,  die allerdings  nicht selb-
       ständig, sondern  nur als  Reflex der beschränkten Konsumtionsfä-
       higkeit der  Gesellschaft unter den herrschenden Produktions- und
       Verteilungsverhältnissen wirken.  An sich günstige Verwertungsbe-
       dingungen können  so ohne positive Auswirkungen auf den Akkumula-
       tionsprozeß bleiben,  weil die  produzierten Profite  infolge der
       veränderten Kapitalstruktur nicht zu realisieren sind. Diese Ein-
       seitigkeit in  Zschockes Ansatz  läßt auch  die Tatsache  aus dem
       Blickfeld geraten,  daß staatliche  Eingriffe keineswegs  nur die
       unmittelbare Verbesserung der Verwertungsbedingungen zum Ziel ha-
       ben. Gerade  keynesianisch orientierte Konzepte setzen an der Re-
       alisierungsseite an,  wollen also die vom Kapital durch die Stei-
       gerung der  Ausbeutungsrare selbst gesetzte Grenze der beschränk-
       ten Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft aufheben.
       
       Die Divergenz der Profitraten und die Konkurrenzintensität -
       ------------------------------------------------------------
       die Sachvermögensrentabilität bei Saß
       -------------------------------------
       
       Peter Saß, Die Untersuchung der Profitraten-Unterschiede zwischen
       den westdeutschen Industriebranchen nach dem 2. Weltkrieg, Veröf-
       fentlichungen der Hoch schule für Wirtschaft und Politik Hamburg,
       Tübingen 1975.
       
       Im Mittelpunkt  der Untersuchung von Saß steht die Frage, welches
       die Ursachen der großen und wachsenden Differenzen in den Verwer-
       tungsbedingungen der Industriebranchen sind. Mit Hilfe von Korre-
       lationsberechnungen  wird  versucht,  verschiedene  Determinanten
       dieser Differenzen zu ermitteln.
       Neben den  implizierten stillschweigenden  Voraussetzungen - z.B.
       daß die Branchenzugehörigkeit tatsächlich der wesentliche Bestim-
       mungsgrund der Profitrate ist - hat die Berechnungsmethode in ei-
       nigen Fällen eine präjudizierende Wirkung.
       Problematisch ist  schon der  Profitbegriff: "Unter Profit wird -
       vornehmlich in der marxistischen Theorie - das gesamte Besitzein-
       kommen verstanden,  das den Produktionsmittelbesitzern zufließt."
       (4) Diese  Feststellung ist  unzutreffend.  Sie  reflektiert  den
       Standpunkt der  "Quellentheorie" der bürgerlichen Ökonomie, setzt
       schon eine  Verteilung des  Profits voraus:  ausgeklammert werden
       sowohl die  Steuern als auch andere Mehrwertteile, die zur Erfül-
       lung von  Funktionen des  Zirkulationsprozesses benötigt  werden.
       Zudem fehlt  überhaupt ein Begriff der produktiven Arbeit, so daß
       schlechthin jede  Tätigkeit - sei sie werteschaffend oder nur mit
       der Verwaltung  des Profits verbunden - als Arbeit gilt und jedes
       mit einer Tätigkeit verbundene Einkommen als Arbeitseinkommen ge-
       wertet wird.
       Auch der  Begriff der  Profitrate ist  problematisch:  "Die  Pro-
       fitrate bezeichnet  dann das  Verhältnis zwischen der Profitsumme
       und dem Wert der eingesetzen produzierten Produktionsmittel (d.h.
       unter Ausschluß des Bodens)." (4) Nicht das eingesetzte Gesamtka-
       pital, sondern nur der konstante Teil werden untersucht.
       In der  Berechnungspraxis wählt  Saß als Index der so definierten
       Profitrate die  "Sachvermögensrentabilität" 68), die jedoch nicht
       mit jener  identisch sei:  Saß weist  selbst daraufhin,  daß  zum
       "Sachvermögen" auch  die Fertigwarenbestände  gezählt werden.  Er
       tut das,  da eine Differenzierung aufgrund des vorhandenen Daten-
       materials nicht  möglich sei  69), und begründet: "Ohne pragmati-
       sche Bereitschaft  zum Kompromiß  wäre empirische Wirtschaftsfor-
       schung nicht  möglich." (S.  5) Dieser Bemerkung ist zuzustimmen.
       Es wäre  allerdings günstig  gewesen, wenn sich der Autor bei der
       Interpretation der mit mathematischen Methoden behandelten Ergeb-
       nisse an  diese Einschränkungen  erinnert und  auf die  möglichen
       Konsequenzen für die Schlußfolgerungen hingewiesen hätte.
       Ausgangspunkt seiner  Berechnungen sind die Ergebnisse der amtli-
       chen Industrieberichterstattung:  berechnet wird  die "Sachvermö-
       gensrentabilität" in  den Industriebranchen  (ohne  Bauwirtschaft
       und Energie)  in Betrieben  ab 10 Beschäftigten. Dazu wird vom um
       die Abschreibungen  bereinigten Bruttoinlandsprodukt  zu  Faktor-
       kosten der  Branchen ausgegangen,  von dem  das  Arbeitseinkommen
       abgezogen wird. Die indirekten Steuern werden also ausgeklammert,
       so daß  allein steuertechnische  Verschiebungen zwischen direkten
       und indirekten Belastungen die "Sachvermögensrentabilität" beein-
       flussen.
       Wichtig ist die Berechnung der Arbeitseinkommen: dazu gehören die
       Bruttolöhne und  -gehälter, die  Sozialversicherungsbeiträge  der
       Arbeitgeber einschließlich  der "freiwilligen Sozialaufwendungen"
       und ein  kalkulatorisches Arbeitsentgelt  der  Selbständigen  und
       mithelfenden   Familienangehörigen.   Die   Einbeziehung   dieses
       "kalkulatorischen Arbeitsentgelts"  zeigt, daß  der Autor den Be-
       griff des  "Profits" anders  meint als Marx. Willkürlich auch die
       Kalkulation: es  wird vom  durchschnittlichen  Angestelltengehalt
       zuzüglich eines  zehnprozentigen Zuschlags  "als Entgelt für eine
       längere Arbeitszeit" (12) ausgegangen, wobei diese Annahme zumin-
       dest für  die mithelfenden Familienangehörigen nicht zutrifft. Da
       der Selbständigenanteil in der Industrie klein ist, dürfte dieser
       Faktor empirisch nicht allzu stark ins Gewicht fallen. 70)
       Das so errechnete "Besitzeinkommen" wird auf das um die Lagervor-
       räte vergrößerte Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen
       - Grundlage sind wieder die Berechnungen von Krengel" bezogen. Es
       ergibt sich  die "Sachvermögensrentabilität".  Auf die  Probleme,
       die bei  der Rechnung mit Wiederbeschaffungspreisen bei Abschrei-
       bungen und Anlagevermögen verbunden sind, wurde bereits oben ver-
       wiesen.
       Die Kennziffer,  die Saß berechnet, liegt auf einer mittleren Ab-
       straktionsebene: Geht  man davon aus, daß die eigentlich regulie-
       rende Größe  im Kapitalismus in den Verwertungsbedingungen in der
       Produktion zu  suchen ist, so kann die von Saß berechnete Katego-
       rie nicht ausreichen. Denn eine ganze Reihe von Umverteilungspro-
       zessen, die  Beschränkung auf  die Industrie, die fehlende Unter-
       scheidung zwischen  produktiver und unproduktiver Arbeit, die Um-
       verteilungswitkung von  Lohnsteuern  und  Sozialabgaben  bewirken
       Verschiebungen. Auf  der anderen  Seite aber  wird auch nicht der
       einzelwirtschaftliche Gewinn  berechnet, der  auf der  Oberfläche
       erscheint und als unmittelbar bestimmendes Moment einzelkapitali-
       stischer Entscheidungen  fungiert: sowohl  Fremdkapitalzinsen als
       auch Gewinnsteuern werden nicht als Kosten - wie sie sich für den
       Einzelunternehmer darstellen  -, sondern  als  Profitbestandteile
       gerechnet.
       Nimmt man  hier einmal  ein Ergebnis  der Untersuchungen vorweg -
       nämlich daß  die Konkurrenz  zwischen  den  Industriezweigen  be-
       schränkt ist  und somit  eine  Tendenz  zum  Profitratenausgleich
       nicht existiert  -, dann wirft der Ansatz doch einige Fragen auf.
       Denn Kostenvorteile  einzelner Branchen,  die z.B. mit Steuerver-
       günstigungen, mit  besserer Zugangsmöglichkeit  zum  Kapitalmarkt
       usw. zusammenhängen, finden in der Berechnung von Saß keinen Ein-
       gang. Der  Impuls für Kapitalwanderungen aber wird von den an der
       Oberfläche erscheinenden  einzelkapitalistischen Profiten  ausge-
       löst. Wenn  überprüft werden  soll, ob  dieser  Mechanismus  noch
       funktioniert oder  ob die  Kapitalwanderung gehemmt ist, so müßte
       kategorial der  Profit ermittelt  werden, der  die Wanderung aus-
       löst. Dann dürften solche Momente wie Zinsbedingungen und steuer-
       liche Begünstigungen  aber nicht ausgeklammert werden, wie es Saß
       tut.
       Als Beispiel  kann der  Bergbau dienen, für den Saß eine negative
       Rentabilität errechnet.  Das dort  investiere Kapital  hätte also
       abwandern müssen  mit der Konsequenz, daß die Kohlepreise gestie-
       gen wären  und so die Verwertungsbedingungen wieder an die allge-
       meinen Durchschnittsverhältnisse angenähert worden wären. 71) Die
       Feststellung von  Saß, daß  dieser Prozeß  wegen der beschränkten
       Konkurrenz eben  nicht oder  nur in geringem Maße abgelaufen ist,
       kann durch  seine Berechnungen  nicht  schlüssig  belegt  werden.
       Ebenso wäre  es möglich,  daß staatliche Begünstigungen den Nach-
       teil ausgeglichen haben und so für das Kapital gar kein Anlaß be-
       stand, abzuwandern. Die von Saß berechneten Unterschiede zwischen
       den Branchen  könnten also auch staatlich kompensiert worden sein
       - über die Funktionsfähigkeit des Ausgleichsprozesses durch Kapi-
       talwanderungen könnten  dann keine Aussagen gemacht werden. Offen
       bleibt, ob  die tatsächlichen Kapitalbewegungen nicht auch Ergeb-
       nis von staatlichen Lenkungsmaßnahmen sein könnten.
       Durch die  Konstruktion der  "Sachvermögensrentabilität" bei  Saß
       wird so die Fragestellung von vorneherein nur auf bestimmte Ursa-
       chen von  Profitratenunterschieden gerichtet, während Momente wie
       staatliche Eingriffe  schon systematisch  ausgeklammert werden  .
       Diese Einschränkungen  machen die  Arbeit von  Saß nicht wertlos,
       sie relativieren  aber den  Aussagewert einiger  seiner zentralen
       Thesen. Darauf muß deutlich hingewiesen werden, weil über der mit
       mathematischen Methoden  durchgeführten Verarbeitung  der  Ergeb-
       nisse nur  zu leicht  die Beschränktheit der Voraussetzungen ver-
       gessen werden  kann. Dem ist z.B. Heseler unterlegen, wenn er be-
       hauptet: "Ich  glaube, die einzig bisher relevante empirische Un-
       tersuchung, die  es dazu  gibt, soweit  mir das bekannt ist, über
       diese Frage  ist die von Peter Saß, der explizit den Nachweis er-
       bringt, daß  kein Zusammenhang  von Konzentrationsentwicklung und
       Profitratenentwicklung besteht,  allerdings eine  ganz erhebliche
       Niveaudifferenzierung in  den Branchenprofiten."  72) Diese Fest-
       stellung ist nicht nur wegen des beschränkten Monopolbegriffs von
       Saß falsch,  wie weiter  unten noch gezeigt werden wird. Sie gilt
       auch deshalb  nicht, weil  Saß bestimmte  Seiten monopolistischer
       Profitaneignung überhaupt nicht untersucht. Saß selbst hat diesen
       Tatbestand nicht  übersehen; er  weist in  einer  Schlußbemerkung
       daraufhin, daß  Untersuchungen  auf  Unternehmensebene  notwendig
       sind. (64)
       Saß berechnet zunächst die "Sachvermögensrentabilität" für 36 In-
       dustriezweige und  stellt eine  Rangskala auf.  Dabei ergibt sich
       eine beträchtliche  Schwankungsbreite, die  von  einer  negativen
       "Rentabilität" im  Bergbau von 0,76 Prozent bis zu einer Rentabi-
       lität von 52,12 Prozent in der Musikinstrumentenindustrie reicht.
       Die "negative"  Rentabilität im  Bergbau rührt  vor allem aus der
       Bergbaukrise in  den Sechzigerjahren.  Weiterhin stellt Saß fest,
       daß die Profitraten zwischen 1950 und 1967 in der Tendenz zurück-
       gehen und daß der Variationskoeffizient größer wird, d.h. die Ab-
       weichungen vom  Durchschnitt nehmen  zu.  Daraus  zieht  Saß  den
       Schluß: "Aus der Verschärfung der Profitratenunterschiede muß die
       Schlußfolgerung gezogen  werden, daß  sich die  Möglichkeiten für
       die Mobilität des Kapitals verschlechtert haben ." (25) Das heißt
       für ihn:  "Läßt sich jedoch langfristig keine Annäherung zwischen
       Branchen-Profitrate und  Durchschnittsprofitrate  beobachten,  so
       kann selbst  von einem  tendenziellen Profitraten-Ausgleich keine
       Rede mehr  sein." (26) Diese Feststellung wird weiter unten durch
       den Nachweis  erhärtet, daß die Hierarchie der Branchen-Profitra-
       ten stabil ist. (49)
       Im Fall  des Bergbaus muß allerdings angemerkt werden, daß in an-
       deren Branchen  rentabilitätsverbessernde Faktoren  dort  rechne-
       risch umgekehrt  wirken. Eine  Verringerung  des  Anlagevermögens
       steigert bei positivem Besitzeinkommen die Rentabilität, läßt sie
       aber bei  'Besitzverlusten' weiter ins Minus rutschen. Das dürfte
       sich bei  der Berechnung  der Variationskoeffizienten  verzerrend
       bemerkbar machen.
       Bei einem Vergleich mit den Ergebnissen von Zschocke - er berech-
       net die Branchen-Profitraren nur für das Abschwungsjahr 1962, Saß
       für den  gesamten Untersuchungszeitraum  - zeigen sich einige Un-
       terschiede. Insgesamt  ist die Rentabilität bei Saß niedriger als
       bei Zschocke.  Das hängt einmal damit zusammen, daß dort die Pro-
       fitsumme höher  ist als  das Besitzeinkommen,  während das vorge-
       schossene Gesamtkapital  bei Zschocke  etwas größer  ist als  bei
       Saß. Im  Verlauf der Profitrate gibt es zwischen Saß und Zschocke
       allerdings keine  großen Differenzen, sowohl langfristig als auch
       konjunkturell. Auch  die Rangfolge der Branchen-Profitraten ist -
       bezieht man  sie nur  auf das Jahr 1962 - bei beiden Autoren ähn-
       lich.
       Saß versucht nun, durch die Berechnung von Korrelationen zwischen
       den Profitraten-Differenzen  und verschiedenen möglichen verursa-
       chenden Faktoren die Bestimmungsgründe der Unterschiede zu ermit-
       teln. Dabei  wird festgestellt,  daß es  zwischen Profitrate  und
       Konzentrationsgrad keinen  signifikanten Zusammenhang gibt, wobei
       als Konzentrationsmaß  der Anteil  der 10  größten Unternehmen am
       Umsatz der jeweiligen Branche gilt. Der Autor schränkt seine Aus-
       sage selbst  ein: "Aus den Ergebnissen der eben diskutierten Kor-
       relationsanalyse (zwischen Branchenprofitraten und Konzentration,
       J.G.) können  indes noch keine verallgemeinernden Schlußfolgerun-
       gen abgeleitet  werden, durch die der positive Einfluß der Unter-
       nehmenskonzentration auf  die Profitrate  verneint  würde."  (33)
       Denn das Konzentrationsmaß sagt z. B. noch nichts über die Markt-
       verhältnisse aus:  die Branchen  umfassen  ganz  unterschiedliche
       Teilmärkte, die  Existenz von  großen Unternehmen hat jeweils an-
       dere Konsequenzen,  je nachdem  ob  die  restlichen  Marktanteile
       breit gestreut  sind oder ob der Markt insgesamt zwischen relativ
       gleich starken  Unternehmen aufgeteilt  ist. Außerdem  - so Saß -
       prüft der Korrelationskoeffizient nur lineare Zusammenhänge, d.h.
       er untersucht, ob bei einem Anstieg des Konzentrationsmaßes um 10
       Prozent sich  die Profitrate  entsprechend verändert. Es ist aber
       anzunehmen, daß  erst ab einem bestimmten Konzentrationsgrad Aus-
       wirkungen auf  die Profitrate festzustellen sind, d.h. ein etwai-
       ger Zusammenhang  wäre sicher  nicht linear.  Zudem - auch darauf
       weist Saß  hin - kann Konzentration auch eine Reaktion auf ungün-
       stige Verwertungsbedingungen  sein,  d.h.  Monopolisierung  hätte
       dann die  Funktion, das  Sinken der Profitrate aufzuhalten. Mono-
       polprofite müssen also nicht unbedingt hohe Profite sein.
       Schließlich muß  noch einmal  darauf verwiesen werden, daß in der
       von Saß berechneten Profitrate nur einige Determinanten monopoli-
       stischer Profitdifferenzierung  Eingang finden, soweit sie direkt
       über den  Markt realisiert  werden. Andere  Momente wie  Steuern,
       Kredit, Beherrschung  abhängiger Unternehmen werden nicht erfaßt.
       Der Begriff  des Monopols  kann nicht  allein durch die Größe von
       Marktanteilen definiert werden.
       Eine schwache  Korrelation berechnet  Saß zwischen  Preisbewegung
       und Branchenprofitrate, wobei sich der Zusammenhang im Zeitablauf
       etwas verstärkt.  Es ist  allerdings nicht  linear, d.h. das Pro-
       fitratenniveau kann  nicht allein  durch den Preisanstieg erklärt
       werden.
       Zwischen der  Arbeitsproduktivität und  dem Profitratenniveau ist
       ebenfalls kein  Zusammenhang festzustellen, der Zusammenhang zwi-
       schen Kapitalproduktivität  und Profitrate ist nur in den sechzi-
       ger Jahren  - und  da schwach - festzustellen: vor allem in Bran-
       chen mit hoher Profitrate ist ein Rückgang der Kapitalproduktivi-
       tät zu registrieren.
       Sehr deutlich  ist der  Zusammenhang zwischen  Lohnhöhe und  Pro-
       fitrate, d.h.  in Branchen mit einem niedrigen Lohnniveau ist die
       Profitrate hoch:  vor allem  der Frauenanteil  spielt eine Rolle.
       Saß: "Der  in der westdeutschen Industrie bestehende Zusammenhang
       zwischen interindustrieller Profitraten-Hierarchie und Lohnstruk-
       tur deutet  somit darauf hin, daß das in verschiedenen Industrie-
       zweigen unterdurchschnittliche  Lohnniveau von  den Betrieben  in
       einen langfristigen Profitraten-Vorteil umgesetzt werden konnte."
       (43/44)
       Ob dieser statistische Zusammenhang auch ein Ursachenzusammenhang
       ist, muß  dahingestellt bleiben. Denn die Branchen mit hoher Pro-
       fitrate sind  in der  Regel nicht  nur die  mit niedrigen Löhnen,
       sondern auch  die mit  niedriger organischer  Zusammensetzung des
       Kapitals.
       Eine wichtige  Rolle in  der Argumentation  von  Saß  spielt  die
       "Konkurrenzintensität". Ein  Zusammenhang zwischen  Branchen-Pro-
       fitrate und dieser Größe kann nur für die sechziger Jahre errech-
       net werden.
       Die inhaltliche  Fragestellung, die  hinter dem rechnerischen Er-
       gebnis etwas  verschwindet, lautet:  kann eine hohe Branchen-Pro-
       fitrate  durch  niedriges  Kapitalstockwachstum  erklärt  werden?
       Würde diese  Frage bejaht, so könnte belegt werden, daß hohe Pro-
       fitraten dadurch  zustande kommen,  daß der  Kapazitätsausbau mit
       dem Ziel  der Preishochhaltung gebremst wird, daß die freie Kapi-
       talwandetung gehemmt ist.
       Berechnet wird die "Konkurrenzintensität", indem von der Rangfol-
       gezahl der Branchen-Profitrate die Rangfolgezahl im Tempo des Ka-
       pazitätsausbaus abgezogen  wird. Es  ergeben sich Ziffern für die
       Konkurrenzintensität, aus  denen wiederum  eine Rangfolge  aufge-
       stellt wird.  Die Korrelationsrechnung prüft nun den Zusammenhang
       zwischen der  Rangfolge der Profitrate und der Rangfolge der Kon-
       kurrenzintensität. Dieser  Zusammenhang existiert dann, wenn eine
       hohe Position in der Rangfolge der Konkurrenzintensität mit einer
       niedrigen Position im Rang der Profitrate zusammentrifft. Das ist
       natürlich nur  dann der  Fall, wenn  eine hohe Rangfolge im Tempo
       des Kapazitätsausbaus  mit einer  niedrigen  Profitrate  und  ein
       niedriges Tempo  des Kapazitätsausbaus mit einer hohen Profitrate
       zusammentrifft. Es  wäre also naheliegender gewesen, wenn der Au-
       tor die  Korrelation von  Kapazitätsausbautempo und  Profitraten-
       rangfolge berechnet  hätte, ohne den mißverständlichen Umweg über
       die "Konkurrenzintensität". Denn die Annahme, daß bei einer hohen
       Profitrate und  einem hohen  Tempo des Kapazitätsausbaus die Kon-
       kurrenz groß  ist, muß  durchaus nicht  plausibel sein. Das Tempo
       des Kapazitätsausbaus hängt auch mit der erwarteten Nachfrageent-
       wicklung in  der angenommenen  Branche zusammen. Eine strukturell
       wachsende Branche  kann durchaus  im Verhältnis zu einer struktu-
       rell schrumpfenden  Branche einen raschen Kapazitätsausbau haben,
       der aber  trotzdem dazu  dient, die Profitrate durch Angebotsver-
       knappung hoch zu halten. Die strukturell schrumpfende Branche mag
       bei niedriger  Profitrate auch  einen langsamen  Kapazitätsausbau
       haben, trotzdem kann in der ersten Branche weniger Konkurrenz als
       in der  zweiten herrschen.  Die Rechnung von Saß ergäbe in diesem
       Fall keinen  Einfluß  der  "Konkurrenzintensität"  auf  die  Pro-
       fitrate, obwohl  tatsächlich die hohe Profitrate in der expandie-
       renden Branche  durch künstliche  Angebotszurückhaltung  zustande
       gekommen ist.
       Darüber hinaus ist auch die Rechnung mit Rangfolgeziffern proble-
       matisch. Denn  in der  Korrelationsrechnung wird der Abstand zwi-
       schen den Rängen ignoriert. Es könnte aber durchaus sein, daß bei
       einer Gruppe von dicht beeinanderliegenden Branchen - sowohl nach
       der Höhe  der Profitrate  als auch nach dem Tempo des Kapazitäts-
       ausbaus -  kein signifikanter  Zusammenhang der  Rangfolgen  exi-
       stiert, während  bei  weit  auseinanderliegenden  Branchen,  d.h.
       Branchen mit  einer sehr hohen, vom Durchschnitt stark abweichen-
       den Profitrate und einem hohen Tempo des Kapazitätsausbaus dieser
       Zusammenhang existiert.  Für die  Aussage wäre  diese Gruppe  von
       Branchen weit  gewichtiger als  der nicht  sichtbare Zusammenhang
       bei den  Branchen, die dicht am Durchschnitt liegen. In der Rech-
       nung wird jedoch kein Unterschied der Wichtigkeit gemacht.
       Getrennt davon  wird eine Korrelation zwischen Umsatzwachstum und
       Profitratenniveau berechnet,  wobei ein teilweise gesicherter Zu-
       sammenhang nur  im Zeitraum  1960-1967 festzustellen ist. Es wäre
       hier sicher  besser gewesen,  wenn nicht die Umsatz-, sondern die
       Absatzentwicklung genommen  worden wäre.  So würde eine Umsatzex-
       pansion, die  durch Absatzausweitung bei stabilen Preisen bewirkt
       ist, die  Profitrate anders  beeinflussen als eine vorwiegend auf
       Preiserhöhungen zurückzuführende Umsatzausweitung.
       Da weder ein durchgängiger gesicherter Zusammenhang zwischen Kon-
       kurrenzintensität (d.h.  dem  Tempo  des  Kapazitätsausbaus)  und
       Branchen-Profitrate auf der einen und zwischen Umsatzwachstum und
       Profitraten-Rangfolge auf  der anderen  Seite festzustellen  ist,
       zwischen den  beiden Faktoren  aber eine  Beziehung untereinander
       anzunehmen ist,  versucht Saß,  ihren gemeinsamen Einfluß auf die
       Branchen-Profitraten mit  Hilfe einer  multiplen Korrelationsana-
       lyse festzustellen.
       Dabei ergibt  sich eine wahrscheinlichkeitstheoretisch gesicherte
       Korrelation, d.h.  man kann davon ausgehen, "daß in der Bundesre-
       publik zu  jedem Zeitpunkt  ein enger  Zusammenhang zwischen Pro-
       fitrate, Konkurrenzintensität  und Umsatzwachstum  der Industrie-
       zweige bestanden hat". (51)
       Damit hält  Saß seine zentrale Aussage für empirisch belegt: "Die
       über längere Fristen zu spürende Verzögerung in der Anpassung der
       sektoralen Angebotsstruktur an die veränderte Zusammensetzung der
       Nachfrage muß  so (genau  wie eine wirksame Wettbewerbseinschrän-
       kung) als Schwäche des Marktmechanismus angesehen werden." (50)
       Das heißt, die Profitratendifferenzen - die im Zeitablauf ja grö-
       ßer geworden  sind -  resultieren vor allem aus dem im Verhältnis
       zur Nachfrageentwicklung  verzögerten Kapazitätsausbau, die freie
       Kapitalwanderung, die  zu einer  Anpassung der Kapazitäten führen
       müßte, ist gehemmt.
       Trotz der  an den  Berechnungsmethoden und  an der Orientierungs-
       größe "Sachvermögensrentabilität"  geübten Kritik  ist dieses Er-
       gebnis immerhin  so interessant,  daß sich eine Weiterführung der
       Arbeit sicher lohnen würde.
       Denn an dem Punkt, an dem Saß seine Arbeit beschließt, sind seine
       Ergebnisse noch  nicht geeignet,  den Charakter  und die Richtung
       von Kapitalwanderungen  bestimmen zu  können. Immerhin  sind  sie
       doch ein  Hinweis dafür,  daß die Durchschnittsprofitrate als re-
       ales Schwankungszentrum unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht
       mehr wirksam  ist. Allerdings  stellt Saß lediglich fest, daß der
       Ausgleich nicht funktioniert. Damit sind aber, wie er selbst ein-
       räumt, "die  den Wettbewerb  begrenzenden und die Profitraten-Un-
       terschiede konstituierenden  Faktoren noch  nicht identifiziert".
       (63) Ob  die gehemmte Kapitalwanderung auf den hohen Grad der Ka-
       pitalfixierung, auf  monopolistische  Zugangsbeschränkungen  oder
       auf die  kompensierenden Eingriffe  staatlicher Lenkungsmaßnahmen
       zurückzuführen ist, kann nicht geklärt werden. Schließlich bleibt
       die Annahme  der Branchenzugehörigkeit  als Bestimmungsgrund  der
       Profitrate eine bloße Annahme.
       In einem  kurzen Schlußkapitel  skizziert Saß  einige  notwendige
       weitere Untersuchungsschritte  , die  vor allem - entgegen seinem
       Branchen-Konzept -  auf der  Unternehmensebene anzusetzen hätten.
       Es wären  dann weitere Determinanten für Profitraten-Unterschiede
       einzuführen und  ihre Auswirkungen auf den Reproduktionsprozeß zu
       untersuchen. Er betont am Schluß, daß das Verhalten der Unterneh-
       men nicht bloß als reaktives Ergebnis vermachteter Märkte anzuse-
       hen ist  - wie  ja aus  seinen Ergebnissen  auch abgelesen werden
       kann  -,   sondern  als   Folge  ihrer   ökonomischen  Aktivität.
       "Konkurrenz muß  demgegenüber als Auseinandersetzung zwischen den
       Unternehmen um die Aneignung des Profits verstanden werden, wobei
       die Bedingungen dieser Auseinandersetzung für das einzelne Unter-
       nehmen prinzipiell variabel und damit beeinflußbar sind." (64)
       Kritisch anzumerken  bleibt allerdings, daß dem Autor die politi-
       sche, über  den Staat vermittelte Dimension dieses Prozesses völ-
       lig aus dem Blickfeld gerät.
       
       Mehrwertrate und Ausbeutungverhältnis - die Arbeiten von Tammer
       ---------------------------------------------------------------
       
       Hans Tammer,  Wachsender Ausbeutungsgrad  der Arbeiter  und Ange-
       stellten in  der BRD  - Die Entwicklung der Mehrwertrate von 1950
       bis 1975, in: IPW-Berichte, 6/77, S. 11-22, Berlin/DDR.
       Hans Tammer,  Profite und  Profitraten in  der BRD-Industrie, in:
       IPW-Berichte 6/78, S. 12-24.
       
       Bei vielen  Arbeiten zur Ermittlung der Profitrate fällt auf, daß
       bei der  Errechnung des  variablen Kapitals und des Mehrwerts oft
       recht willkürliche  Schätzungen zugrunde  gelegt werden.  Das be-
       trifft vor allem die Behandlung des gesellschaftlich vermittelten
       Teils der  Reproduktionskosten der  Arbeitskraft. Ein erheblicher
       Teil der  unterschiedlichen Ergebnisse läßt sich auf Unterschiede
       bei der  Erfassung der Mehrwertrate zurückführen, auf die relativ
       wenig rechnerische  Sorgfalt verwendet wird. Tatsächlich aber ist
       die Mehrwertrate die die Verwertungsverhältnisse eigentlich regu-
       lierende Kategorie,  sie ist  das Wesen der Profitrate. "Mehrwert
       und Rate  des Mehrwerts sind, relativ, das Unsichtbare und das zu
       erforschende Wesentliche,  während Profitrate  und daher die Form
       des Mehrwerts  als Profit sich auf der Oberfläche der Erscheinun-
       gen zeigen." 73)
       Der geringe  Aufwand, der bei der Ermittlung von Mehrwert und va-
       riablem Kapital  oft gemacht  wird, dürfte  darauf zurückzuführen
       sein, daß  viele Autoren  sich direkt  oder indirekt bemühen, die
       ökonomische Entwicklung  der BRD aus dem Gesetz des tendenziellen
       Falls der Profitrate abzuleiten, wobei der Hauptaugenmerk auf die
       organische Zusammensetzung des Kapitals gerichtet ist.
       Hans Tammer  dagegen widmet sich - in der Folge von Varga und Wy-
       godski 74)  - zunächst den Problemen, die mit der veränderten Be-
       deutung der  produktiven Arbeit  und den wachsenden, über gesell-
       schaftliche Fonds umverteilten Lohnteilen bei der empirischen Er-
       mittlung der  Mehrwertrate und später auch der Profitrate verbun-
       den sind.
       Da seiner  Ansicht nach "für die BRD eine alle produktiven Berei-
       che erfassende  Analyse nicht  möglich" ist (6/77/13), bezieht er
       seine Berechnungen nur auf das produzierende Gewerbe, d. h. Berg-
       bau, Energiewirtschaft,  verarbeitendes  Gewerbe  und  Bau  Wirt-
       schaft. Außerdem  versucht er, sich durch Ausschaltung der Unter-
       nehmen mit  weniger als 10 Beschäftigten auf die kapitalistischen
       Betriebe zu beschränken.
       "Das Untersuchungsgebiet  ist folglich genügend repräsentativ für
       Verallgemeinerungen und  grundsätzliche Aussagen hinsichtlich der
       ermittelten Mehrwertrate  als Ausdruck  des Ausbeutungsgrades der
       Arbeiter und  Angestellten durch  das herrschende  Kapital in der
       BRD." (6/77,  14) Dieser  Feststellung kann  deshalb nicht vorbe-
       haltlos zugestimmt werden, weil die nicht berücksichtigten Berei-
       che der  Wert- und Mehrwertproduktion wie z.B. Transport und Ver-
       kehr, Land-  und Forstwirtschaft, aber auch produktive Funktionen
       im Handel  zwar quantitativ  nicht sehr  ins Gewicht fallen, aber
       doch durch die unterschiedliche Verteilung des Mehrwerts über die
       gesellschaftlichen Bereiche  das Gesamtergebnis beeinflussen kön-
       nen.
       Auf der  Datengrundlage der VGR geht Tammer vom um die indirekten
       Steuern (plus  Subventionen)  bereinigten  Bruttoptoduktionswerte
       aus. Aus  der Differenz  von Produktionswert und Vorleistungen im
       Handel errechnet er die Handelsspanne, die er dem Produktionswert
       des produzierenden  Gewerbes zuschlägt. 75) Davon setzt er die um
       Mieten, Pachten, Zinsen usw. bereinigten Vorleistungen ab und er-
       hält das Wertprodukt bzw. das Nationaleinkommen.
       Die größten  Probleme bereitet die Ermittlung des angewandten va-
       riablen Kapitals.  Als produktive  Arbeiter werden  die  Arbeiter
       (entsprechend der  versicherungsrechtlichen Abgrenzung)  und  die
       technischen Angestellten  begriffen. Für diese Gruppe gelten alle
       weiteren Rechnungen.  Von deren Bruttolöhnen werden alle staatli-
       chen Abgaben  abgesetzt. Auch die anteilig berechneten indirekten
       Steuern werden  abgezogen - was insoweit konsequent ist, als Tam-
       mer die  indirekten Steuern ja schon bei der Errechnung des Wert-
       produkts außer  acht gelassen  hatte. Entsprechend dem Verhältnis
       der produktiven  Arbeiter zur  Gesamtzahl der Erwerbstätigen wird
       nun der  vom Staat für soziale Aufgaben verausgabte Betrag antei-
       lig ermittelt  und dem  Geldlohn der  produktiven Arbeiter  zuge-
       schlagen. Das  variable Kapital enthält nun beide Momente der Re-
       produktionskosten der  Arbeitskraft,  die  individuell  über  den
       Geldlohn und die gesellschaftlich übet die öffentlichen Haushalte
       vermittelten Teile. Dabei ergibt sich ein leicht ansteigender An-
       teil des staatlich vermittelten variablen Kapitals, aber sein An-
       teil an  den eingezogenen Steuern und Sozialabgaben sinkt. Das so
       ermittelte variable Kapital läßt nun die Berechnung der Mehrwert-
       masse und der Mehrwertrate zu.
       Zwischen 1950  und 1975  schwankt die  Mehrwertrate im zyklischen
       Ablauf ähnlich wie bei den Ergebnissen des PKA. Allerdings steigt
       bei Tammer  die Mehrwertrate über die Zyklen hinweg eindeutig an,
       d. h. der Ausbeutungsgrad wächst. Dagegen hatte das PKA eine eher
       fallende  Tendenz  ermittelt,  wobei  nur  der  5.  Zyklus  diese
       Entwicklung unterbrochen hatte. 76)
       Die Ursache für diesen Unterschied scheint nicht in der Beschrän-
       kung Tammers auf das produzierende Gewerbe zu liegen, sondern bei
       der Berechnung  des variablen  Kapitals. Während  das Wertprodukt
       bei beiden  Untersuchungen etwa  gleich schnell  ansteigt, wächst
       das variable Kapital bei Tammer langsamer, der Mehrwert schneller
       als beim PKA. Die Frage, wie die verschiedenen Abzüge vom Brutto-
       lohn behandelt  werden sollen, ist offensichtlich für die Ermitt-
       lung des  Ausbeutungsgrads, der ja schließlich regulierend hinter
       der Profitrate  steckt, von  erheblicher Bedeutung. Es muß Tammer
       als Verdienst  angerechnet werden,  daß er dieses Problem wahrge-
       nommen und differenzierter als die übrigen Autoren behandelt hat.
       Erst in einer Fortsetzung seiner Arbeit ermittelt Tammer auch die
       Profitraten, wobei  er sich  auf die  in der  Bilanzstatistik des
       Statistischen Bundesamtes  erfaßten Aktiengesellschaften des pro-
       duzierenden Gewerbes  und die  Entwicklung seit  1961 beschränkt.
       Der dort produzierte Mehrwert wird entsprechend der oben geschil-
       derten Methode  berechnet. Die Mehrwertrate des erfaßten Bereichs
       unterscheidet sich  weder in der Höhe noch in der Tendenz von der
       gesamtgesellschaftlichen Mehrwertrate des gesamten produzierenden
       Gewerbes, in einzelnen Jahren gibt es allerdings Verschiebungen.
       Das Hauptproblem bei der Profitratenberechnung ist die Ermittlung
       des vorgeschossenen Kapitals. Ausgangspunkt sind für Tammer nicht
       die Buchwerte,  sondern die  Bruttoanlageinvestitionen der Unter-
       nehmen, aus  denen er mit Hilfe der Lebensdauerfunktionen des DIW
       zunächst das  jeweilige  Bruttoanlagevermögen  ermittelt.  Dessen
       Entwicklung (zu Preisen von 1970) stellt er dar, um Informationen
       "über die  reale Entwicklung des Produktionspotentials" zu gewin-
       nen. (6/78,  17) Da  Qualitätsveränderungen durch  die Setzung zu
       konstanten Preisen  nicht ausgeschaltet  werden können,  kann das
       Produktionspotential - bezogen auf die Produktmenge - so nur sehr
       ungefähr ausgedrückt  werden. Durch  die Ermittlung der Abschrei-
       bungen -  die ja  schon bei der Berechnung des Mehrwerts zugrunde
       lagen -  erhält Tammer  das Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaf-
       fungspreisen.
       Das so  berechnete vorgeschossene fixe und das aus den bilanzier-
       ten Vorräten  für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, sowie Halbfer-
       tigerzeugnisse zu  jeweiligen Preisen gebildete zirkulierende Ka-
       pital ergeben  das konstante  Kapital, während das vorgeschossene
       variable Kapital aus der Summe der verausgabten Lohnsbestandteile
       - berechnet  entsprechend der oben wiedergegebenen Methode -, di-
       vidiert durch  die aus Vorräten und Jahresverbrauch an Vorproduk-
       ten ermittelte Umschlagshäufigkeit errechnet wird.
       Es ergibt  sich die organische Zusammensetzung des Kapitals - die
       allerdings, daran  sei hier  noch einmal erinnert, nur einen Aus-
       schnitt des gesellschaftlichen Gesamtkapitals wiedergibt. Da z.B.
       staatlich entwertete  Kapitalteile ausgeklammert werden, darf die
       Entwicklung im  untersuchten Bereich auch nicht als Index für die
       gesamtgesellschaftliche Entwicklung verstanden werden.
       Wie ein Vergleich der drei großen Chemiekonzerne zeigt, verändert
       sich die  Kapitalzusammensetzung sprunghaft und weist von Jahr zu
       Jahr große  Differenzen auch  innerhalb der Branche auf. Das kann
       nicht nur  durch  das  unterschiedliche  Produktionsprofil,  also
       durch technologische  Faktoren  erklärt  werden,  sondern  drückt
       Willkürlichkeiten bei der Bewertung von Vorratsvermögen, eine be-
       stimmte Lagerhaltungsstrategie, Auslastungsschwankungen usw. aus.
       Die auf  dieser Grundlage berechnete Profitrate (mit und ohne Be-
       rücksichtigung der  Handelsspanne) weist  eine  fallende  Tendenz
       auf, bei typischen zyklischen Schwankungen. Ein Vergleich mit den
       Ergebnissen anderer  Autoren zeigt erneut, wie stark sich die me-
       thodischen Unterschiede bei der Ermittlung des variablen Kapitals
       auswirken. So  ist bei Zschocke die organische Zusammenserzung im
       Durchschnitt 10:1, bei Tammer aber 30:1.
       Allerdings müssen bei einem Vergleich der Profitraten mit den Er-
       gebnissen anderer  Autoren die  kategorialen Unterschiede im Auge
       behalten werden.  Denn Tammer  bezieht den  produzierten Mehrwert
       nur auf  das produktive  Kapital, berechnet  es also vor dem Aus-
       gleich zur  gesamtgesellschaftlichen Profitrate,  während das PKA
       auch das  kommerzielle Kapital  in seinem  Anspruch auf Mehrwert-
       teile berücksichtigt  und Zschocke nur den industriell realisier-
       ten Teil des Mehrwerts auf das produktive Kapital bezieht.
       Als ein  weiterer Unterschied fällt auf, daß Tammer zu dem klaren
       Ergebnis kommt:  der Fall der Profitrate wird durch die wachsende
       organische Zusammensetzung  des Kapitals  bestimmt, die steigende
       Ausbeutungsrate reicht  nicht aus,  um deren Wirkungen zu kompen-
       sieren.
       Schließlich untersucht Tammer die Entwicklung der Profitraten bei
       den sechs  größten Konzerngruppen,  77)  die  deutlich  übet  dem
       Durchschnitt liegen,  allerdings ebenfalls  eine fallende Tendenz
       aufweisen. Die  Differenz, die  er ermittelt,  kann dabei  sowohl
       eine Folge der günstigeren Marktposition als auch der rationelle-
       ren Verwertungsmöglichkeiten  im Rahmen  eines  solchen  Konzerns
       sein. Eine  andere, wichtige  Dimension monopolistischer Profita-
       neignung, die  außerhalb der  unmittelbaren  Produktion  erfolgt,
       kann mit  seiner Methode  natürlich nicht  ermittelt werden.  Die
       Möglichkeiten, die  durch finanzkapitalistische  Operationen usw.
       entstehen, werden  daher auch  nur angedeutet.  Tammers Feststel-
       lung: "Die Wirkungen des Gesetzes vom tendenziellen Fall der Pro-
       fitrate können  sie jedoch auch für ihr Kapital nicht außer Kraft
       setzen" (6/78,  24), kann  daher nicht  ohne weiteres  zugestimmt
       werden. Denn durch die Berechnungsmethode werden solche monopoli-
       stischen Aneignungsprozesse  ausgeschlossen,  die  außerhalb  der
       Sphäre der Produktion erfolgen.
       Es ergeben  sich erhebliche  Unterschiede zwischen  den einzelnen
       Unternehmen, wobei  allerdings die Unterschiede zwischen den drei
       großen Chemiekonzernen  relativ gering  sind.  Diese  Differenzen
       zwischen den Profitraten sind nach Tammers Ansicht für die Erklä-
       rung des Reproduktionsprozesses aber weniger wichtig: "Es handelt
       sich bei ihnen jedoch durchaus nicht um Unterschiede der Kapital-
       verwertung  von  Unternehmen  einander  gegenüberstehender  Mono-
       polgruppen, sondern  im Grunde  nur um Unterschiede zwischen Kon-
       zernunternehmen, die  zu ein und derselben Finanzgruppe gehören."
       (6/78, 24)  Ob eine  Tendenz zum  Ausgleich der  Profitraten exi-
       stiert, könnte unter diesen Voraussetzungen also nur in bezug auf
       die entsprechenden  finanzkapitalistischen  Gruppierungen  unter-
       sucht werden.
       Damit spricht  Tammer eines der Probleme an, die bei der Untersu-
       chung des konkreten historischen Zusammenhangs von Verwertungsbe-
       dingungen und  ökomomischer Entwicklung  zu untersuchen  sind. Im
       Gegensatz zu  vielen anderen Autoren geht er davon aus, daß durch
       die Aufdeckung  der Verwertungsverhältnisse  nur ein "Beitrag zur
       Analyse der  spezifisch staatsmonopolistischen Formen der Ausbeu-
       tung sowie der Reproduktion des Kapitals und der Arbeitskraft der
       Werktätigen geleistet werden" kann. (6/77, 11) Es wird bei weite-
       ren Arbeiten  über die  konkreten Formen des kapitalistischen Re-
       produktionsprozesses zu  zeigen sein,  inwieweit diese Ergebnisse
       als Erklärungsgrundlage tauglich sind.
       
       Die Erfassung der Verwertungsbedingungen
       ----------------------------------------
       mit Hilfe von Bilanzanalysen
       ----------------------------
       
       Die inneren Verwertungsbedingungen einer kapitalistischen Gesell-
       schaft sind für die ihre Entwicklungsdynamik bestimmenden Einzel-
       kapitale unsichtbar.  Sie sind nur in der Form bestimmend, in der
       sie an  die Oberfläche treten und als einzelkapitalistischer Pro-
       fit sichtbar  werden. Die  bisher diskutierten  Autoren hatten es
       sich -  wenn auch auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen anset-
       zend -  zum Ziel  gesetzt, die eigentlich regulierende Kategorie,
       die inneren  Verwertungsbedingungen in  der Produktion, aufzudec-
       ken. Dabei  wurde mehr oder weniger bewußt davon ausgegangen, daß
       die inneren Verwertungsbedingungen "irgendwie" auch die einzelka-
       pitalistischen Gewinne  bestimmen und  über diesen Umweg auch die
       wirtschaftlichen Entwicklungen  determinieren. Vorausgesetzt wer-
       den muß  also, daß  die Profitrate  - wenn auch in einer mystifi-
       zierten Form  - zum  Handlungsmotiv des  Einzelkapitalisten wird,
       sich also im einzelkapitalistischen Profit wiederfindet.
       Zu kritisieren  ist dabei  nicht diese Grundannahme - zu oft wird
       aber darüber vergessen, daß die Wirkungsweise der allgemeinen Ge-
       setze, der Zusammenhang zwischen den inneren Verwertungsbedingun-
       gen, ihrer  Erscheinungsweise als  einzelkapitalistischer  Profit
       und dessen Auswirkungen auf die Akkumulation unter bestimmten hi-
       storischen Bedingungen damit noch nicht analysiert ist. Wenn also
       der Rückschluß von den inneren Verwertungsbedingungen auf die Er-
       scheinungsebene reale  Beziehungen ausdrückt,  so ist es nahelie-
       gend, auch  den umgekehrten  Weg zu  gehen, d.h. von der Erschei-
       nungsform auf der Oberfläche auf die inneren Verwertungsbedingun-
       gen zu  schließen. Dieser  Gedanke scheint  um so plausibler, als
       die empirischen  Probleme auf  den ersten  Blick geringer zu sein
       scheinen.
       Ausgangspunkt wäre  dann die  Darstellung der allgemeinen Profit-
       rate in der Form, in der sie auch dem Einzelkapital sichtbar ist.
       Vorausgesetzt ist also, daß eine Verschlechterung der einzelkapi-
       talistischen Verwertungsbedingungen  auch  eine  Verschlechterung
       der inneren  Verwertungsverhältnisse reflektiert.  Einen  solchen
       Weg gehen  die Bilanzanalysen,  wobei allerdings  die  jeweiligen
       Ziele durchaus unterschiedlich sind.
       So besteht oft keine Klarheit über die Abstraktionsebene, auf der
       der jeweils  ermittelte Begriff  im  Verhältnis  zur  empirischen
       Oberfläche angesiedelt  ist. Während  auf der einen Seite nur der
       einzelkapitalistische Profit  aus den verschleiernden Informatio-
       nen der  Unternehmer herausgeschält werden soll, wird auf der an-
       deren Seite  versucht, den Profit als regulierende Kategorie aus-
       findig zu  machen. In  diesen Fällen  ist nur das empirische Aus-
       gangsmaterial ein  anderes als  bei den bisherigen Ansätzen, Ziel
       ist die Aufdeckung der inneren Verwertungsbedingungen.
       Als Beispiel für diesen Ansatz kann eine ältere Arbeit von Tammer
       und Warnke dienen.
       
       Die Ermittlung der Profite durch Bilanzentschleierung -
       -------------------------------------------------------
       die Bilanzanalysen von Tammer und Warnke
       ----------------------------------------
       
       Hans Tammer,  Die Profite der Aktiengesellschaften in der BRD-In-
       dustrie 1961  bis 1969,  in: DWI-Berichte,  Berlin/DDR, 10/71, S.
       13-22.
       Hans Tammer,  Bruno Warnke, Kapitalvorschüsse und Profitraten der
       Aktiengesellschaften der  BRD-Industrie, in: DWI-Berichte, 12/71,
       S. 14-31.
       
       Ausgangspunkt sind  die Abschlüsse  von etwa  1000  Aktiengesell-
       schaften der  Industrie entsprechend der Bilanzstatistik des Sta-
       tistischen Bundesamtes.  Indem von  der Gesamtleistung die Kosten
       für Rohstoffe,  Abschreibungen sowie Löhne und Gehälter abgezogen
       werden, ergibt  sich der  industrielle Bruttoprofit,  der noch um
       die Steuern bereinigt wird. "Der übrige, in der Regel der größere
       Teil, steht unmittelbar den Kapitalisten als Nettoprofit zur Ver-
       wendung in der privaten Sphäre zur Verfügung". (10/71, S. 20)
       Die so  gebildete Kategorie  "Nettoprofite" - wegen der Beschrän-
       kung auf  die Aktiengesellschaften als Monopolprofit bezeichnet -
       ist aber in mehrfacher Hinsicht unklar abgegrenzt.
       Auf der  einen Seite wird nur der in der Produktion erzielte bzw.
       in diesem  Rahmen angeeignete  Monopolprofit  ermittelt,  während
       über finanzkapitalistische  Beziehungen  erwirtschaftete  Gewinn-
       teile ausgeklammert  werden. Der  so ermittelte  Nettoprofit  ist
       also nicht  mit den tatsächlichen einzelwirtschaftlichen Gewinnen
       identisch. Auf  der anderen  Seite aber  entspricht er auch nicht
       den produzierten  Profiten, da bei der Behandlung des Handelspro-
       fits und  der Löhne  der Kostenstandpunkt  des Einzelkapitalisten
       eingenommen wird.  Problematisch ist auch die Behandlung der Zin-
       sen sie  sind gesamtgesellschaftlich sicher Profite, stellen aber
       einzelwirtschaftlich Kosten dar. Die Autoren zählen sie unter die
       Profitteile,  nehmen  hier  also  einen  gesamtgesellschaftlichen
       Standpunkt ein.
       Der "Nettoprofit" drückt in dieser Form kategorial also weder die
       Verwertungsbedingungen in der Produktion noch den einzelkapitali-
       stischen Monopolprofit aus, wie er nach der Aufteilung erscheint.
       Im zweiten  Teil der Veröffentlichung wird der so berechnete Pro-
       fit auf  das vorgeschossene  Kapital bezogen,  wobei die  Autoren
       aber über  die Berechnungsmethode  hier keine näheren Angaben ma-
       chen. Grundlage  sind die Bilanzen, die Restbuchwerte werden aber
       nur als  Ausgangspunkt für  eigene Schätzungen genommen. Die sich
       ergebenden Bruttoprofitraten  (einschließlich Steuern)  weisen  -
       infolge der  wachsenden organischen  Zusammensetzung - eine deut-
       lich sinkende Tendenz auf, während die Nettoprofitraten im unter-
       suchten Zeitraum gestiegen sind.
       Bei den  sechs untersuchten  Branchen ergeben sich allerdings ge-
       wisse Unterschiede  auch in der Tendenz: so steigen in der chemi-
       schen Industrie  auch die  Bruttoprofitraten, während in der Tex-
       tilindustrie die Nettoprofitrate leicht zurückgeht. Erwähnenswert
       ist auch  die Tatsache,  daß die hier berechnete Rangfolge anders
       ist als bei den Beziehungen von Zschocke: vor allem die chemische
       Industrie hat bei Tammer eine vordere Position, bei Zschocke eine
       hintere. Auch  sind die  Unterschiede zwischen  den Branchen  bei
       Tammer größer als bei Zschocke.
       Auf die  im einzelnen  durchaus bezüglich der Verteilungsverhält-
       nisse, der  Rolle der  Steuern,  der  Unterschiede  zwischen  den
       Branchen usw.  interessanten Berechnungsergebnisse  soll hier je-
       doch nicht  weiter eingegangen  werden, da die beiden Aufsätze im
       Vergleich zu den oben diskutierten Arbeiten von Tammer als Vorar-
       beiten verstanden  werden können,  während einige mit dem Bilanz-
       sentschleierungsansatz verbundenen  Probleme im  Zusammenhang mit
       anderen Arbeiten  des Instituts  für Internationale  Politik  und
       Wirtschaft (IPW) diskutiert werden sollen.
       
       Die Entwicklung der Monopolprofite - die Bilanzanalysen des IPW
       ---------------------------------------------------------------
       
       "Die Profite  der Konzerne",  in:  Deutsches  Wirtschaftsinstitut
       (DWI). Bericht 24. Berlin/DDR, Dezember 1961, S. 471-476.
       Jährlich fortgesetzt, die letzte erfaßte Veröffentlichung:
       Hans Tammer, Die Profite der BRD-Industriekonzerne im Jahre 1976,
       in. IPW-Berichte 12/77, S. 33-42.
       
       Das Institut  für Internationale  Politik und  Wirtschaft  (IPW),
       vormals Deutsches Wirtschaftsinstitut (DWI) führt seit 1960 jähr-
       lich eine  Untersuchung der Gewinne der 50 bzw. 100 größten Indu-
       strieunternehmen der  BRD durch, die auf einer bestimmten Methode
       der Bilanzanalyse beruht. 78)
       Ermittelt werden  sollen die "unmittelbar realisierten Bruttopro-
       fite", d.h.  "die im  Bereich des  Handels, der  Banken usw.  auf
       diese Produktion realisierten Profite sind hier nicht enthalten".
       (12/66, 14)  Es geht  also um die einzelwirtschaftlich sichtbaren
       Erträge, wobei  die Existenz  monopolistischer Profitdifferenzie-
       rung angenommen wird. "Die sich aus der Analyse ergebenden Resul-
       tate sind damit in hohem Maße verallgemeinerungsfähig für die ge-
       samte monopolistische  Industrie Westdeutschlands." (11"12/68, 2)
       Erträge aus  Beteiligungen auf der einen Seite und Zinsen auf der
       anderen   Seite    werden   eingerechnet.    Der    entschleierte
       "Nettoprofit" besteht  aus dem bilanzierten Reingewinn, der Erhö-
       hung der  ausgewiesenen Reserven,  der Hälfte der "sonstigen Auf-
       wendungen", zwei Drittel der "sonstigen Sozialleistungen" und den
       überhöhten Abschreibungen.
       Die Probleme,  die mit der empirischen Abgrenzung der Posten ver-
       bunden sind,  sollen hier  nicht diskutiert  werden. Wichtig  ist
       hier, ob  der Gewinnbegriff auf der kategorialen Ebene konsequent
       ist. Ermittelt  werden sollen nicht die Verwertungsbedingungen im
       engeren Sinne, es geht im Kern um die auf der Oberfläche erschei-
       nenden Verteilungsverhältnisse.
       Erkenntnisziel ist die Aufdeckung der von den einzelnen Konzernen
       angeeigneten Profitmasse,  wobei vor  allem die  Beziehung Löhne-
       Profite als  wichtigstes Moment  der  Klassenauseinandersetzungen
       interessiert. Außerdem  sollen die  Wirkungen der Steuern auf die
       Gewinnverhältnisse dargestellt  und die  Quellen der  Gewinne der
       Einzelkapitale aufgedeckt werden.
       Während die Berechnungsmethode anfangs konsequent auf den einzel-
       wirtschaftlichen Gewinn  gerichtet ist, wird Anfang der siebziger
       Jahre die  Methode in einigen Punkten geändert. Insbesondere wer-
       den nun  die Zinsaufwendungen  als Gewinnbestandteil verstanden -
       während die Zinserträge gleichfalls als Gewinn gelten. Damit wird
       nicht nur die Ebene des einzelkapitalistischen Gewinns verlassen,
       es tritt auch die Gefahr von Doppelzählungen auf. Denn bei gegen-
       seitigen Kreditgeschäften würden Zinsaufwendungen und Zinserträge
       addiert werden.
       Gleichfalls werden  nun die  "sonstigen Aufwendungen" vollständig
       zum Gewinn gerechnet, d. h. sämtliche Transportkosten, Reparatur-
       kosten, Werbekosten usw. werden ebenso wie Aufsichtsratstantiemen
       und Spesen  behandelt. Der sich nun ergebende "Nettoprofit" spie-
       gelt aber  weder die  erwirtschafteten Gewinne vor der Verteilung
       wider (dann  wäre die Einbeziehung von Zinsen und "sonstigen Auf-
       wendungen", nicht aber die Ausklammerung der Steuern vertretbar),
       noch den  angeeigneten einzelkapitalistischen  Profit (dann  wäre
       der Ausschluß der Steuern, nicht aber der anderen Posten vertret-
       bar).
       Die bis  1950 zurückgerechneten Daten ergeben einen ständigen An-
       stieg der  Nettoprofitsumme, wobei  die Steuerlast relativ sinkt,
       d. h. die Bruttoprofite steigen langsamer an. Nur in zwei Jahren,
       1956 und 1975, werden absolute Einbrüche verzeichnet. Der Verlauf
       der Profitentwicklung entspricht im großen und ganzen dem Zyklen-
       verlauf, wobei man den Eindruck gewinnt, "daß die Entwicklung der
       Profite der der Industrieproduktion in der Tendenz jeweils um ein
       Jahr nachhinkt."  (24/61, 11) Das Institut nimmt an, daß die Kon-
       zerne bei der Bilanzaufstellung für das abgeschlossene Geschäfts-
       jahr jeweils  von der  Situation des  laufenden (d.h.  folgenden)
       Jahres ausgehen  und die  Zahlen entsprechend manipulieren. Da es
       sich  bei   den  errechneten   Nettoprofiten  bereits   um   eine
       "Entschleierung" handelt,  würde damit eine praktisch grenzenlose
       Manipulierbarkeit der  Basisdaten bei  der Bilanzierung vorausge-
       setzt, wodurch natürlich die Aussagekraft der Ergebnisse der Ana-
       lysen -  zumindest auf  kurze Sicht  - als sehr gering betrachtet
       werden müßte. Das Institut formuliert diesen Sachverhalt vorsich-
       tig: "Dies mag abschließend als zusätzlicher Beweis dafür dienen,
       daß die  Aussage der  kapitalistischen Bilanzen  selbst bei  sehr
       kritischer Durchleuchtung  für allgemein wirtschaftliche Betrach-
       tungen nur  mit der  gebotenen  Vorsicht  benutzt  werden  darf."
       (ebd.)
       Dieses "Nachhinken"  gilt übrigens  nicht mehr  für die siebziger
       Jahre, was teilweise mir einer veränderten Definition und Berech-
       nung des  "Nettoprofits" zusammenhängen  dürfte. Damit könnte der
       oben kritisierte  Methodenwechsel gerechtfertigt werden - wenn es
       lediglich um  die Darstellung der Entwicklungstendenzen ginge. Es
       ist klar,  daß die Gewinnentwicklung aus der Bilanz um so deutli-
       cher herausgelesen werden kann, je mehr Posten, in denen potenti-
       ell Gewinnteile  versteckt werden können, ganz einbezogen werden.
       Das ist  ein Ansatzpunkt  der z.B. der von Scheibe-Lange durchge-
       führten Kapitalflußrechnung  zugrunde liegt.  Er ist jedoch unge-
       eignet, solange  die Verwertungsbedingungen selbst in irgendeiner
       Form Erkenntnisziel sind. 79)
       
       Der einzelkapitalistische Nettoprofit und die monopolistische
       -------------------------------------------------------------
       Profitdifferenzierung - die Bilanzanalyse der Arbeitsgruppe
       -----------------------------------------------------------
       Großunternehmen
       ---------------
       
       Arbeitsgruppe Großunternehmen  (P. Flieshardt, U. Haupt, J. Huff-
       schmid, R. Sablotny, A. Sörgel). Gewinnentwicklung und Gewinnver-
       schleierung in  der westdeutschen  Großindustrie, 2  Bände,  Köln
       1977.
       
       Die an  der Universität  Bremen arbeitende "Arbeitsgruppe Großun-
       ternehmen" sucht  explizit den vom Einzelkapital angeeigneten Ge-
       winn. Sie  untersucht anhand der veröffentlichten Handelsbilanzen
       der 50  größten Unternehmensgruppen der Industrie die Entwicklung
       des "einzelkapitalistischen  Nettoprofits" (68),  d.h. des  "tat-
       sächlich erwirtschafteten  Gewinns" 80)  im Zeitraum von 1967 bis
       1975 (bzw.  1976) und  vergleicht die  Ergebnisse  mit  der  ent-
       sprechenden Entwicklung  bei  den  übrigen  Aktiengesellschaften,
       d.h. soweit  sie in die Bilanzstatistik des Statistischen Bundes-
       amtes aufgenommen werden.
       Die Gruppe  geht von  der Annahme  aus, daß  ein "grundsätzlicher
       Rentabilitätsvorsprung der  Großunternehmen zu den entscheidenden
       Strukturmerkmalen der  modernen westdeutschen Wirtschaft gehört".
       Das heißt  nicht nur,  "daß Großunternehmen in der Regel eine hö-
       here Gewinnrate  als andere  Unternehmen" haben.  Angenommen wird
       auch, daß "die Gewinnrate der Großunternehmen... durch konjunktu-
       relle Krisen  gar nicht  oder zumindest  später und weniger stark
       beeinträchtigt" wird,  daß sich  die Profitbedingungen immer mehr
       "differenzieren und polarisieren". (18)
       Diese Hypothese  wäre gleichzeitig  ein Erklärungsansatz  für die
       Verschärfung der  Krise und  die anhaltenden depressiven Erschei-
       nungen, den  Ausfall des konjunkturellen "Aufschwungs" nach 1975:
       denn während  die  monopolistische  Profitstabilisierung  in  der
       Krise die  Verwertungsschwierigkeiten  der  nichtmonopolistischen
       Kapitale verschärft und verlängert, verbietet die Profitstrategie
       der Monopole diesen gleichzeitig die Beschleunigung der Akkumula-
       tion in  Form von  Sachkapital. Findet  also nach  der Krise eine
       Verbesserung der  Verwertungsvethältnisse vor allem bei den Mono-
       polen statt, so führt das zu keiner entsprechenden Beschleunigung
       der Akkumulation. Die These von der monopolistischen Profitdiffe-
       renzierung könnte  also die  Grundlage einer Stagnationserklärung
       bieten -  wobei ein  empirischer Beleg  allerdings  noch  weitere
       Schritte notwendig macht. 81)
       Die These der Gruppe entspricht damit in einer Beziehung auch der
       Aussage von Saß, der ja auch eine fehlende "Konkurrenzintensität"
       zur Erklärung  der Profitratenunterschiede heranzieht: die Unter-
       schiede vergrößern  sich, weil  die Branchen  mit  expandierender
       Nachfrage nicht gezwungen sind, die Kapazitäten entsprechend aus-
       zuweiten. 82)  Mit diesem Ansatz ist allerdings auch implizit die
       Aussage verbunden, daß eine Veränderung der globalen Verwertungs-
       verhältnisse nicht  als unmittelbarer  Erklärungsansatz  für  die
       Tendenz der  Wirtschaftsentwicklung benutzt  werden kann.  Es ist
       also der  Versuch, einen  der in  den übrigen  Analysen fehlenden
       Vermittlungsschritte zwischen  der gesamtgesellschaftlichen  Ver-
       wertung und ihrer Erscheinung auf der Ebene der Einzelkapitale zu
       tun.
       Es sollen  im folgenden  nicht alle Probleme der Gewinnermittlung
       diskutiert werden.  Die Berechnungen  basieren auf den veröffent-
       lichten Bilanzen, deren Posten umgruppiert bzw. deren Wertansätze
       in einigen  Fällen verändert werden. Die wichtigsten Korrekturpo-
       sten sind  die überhöhten  Abschreibungen, die "sonstigen Aufwen-
       dungen", die  Rückstellungen und  die überhöhten Aufwendungen für
       Altersversorgung. Unterschiede zu der Berechnungsmethode bei Tam-
       mer, aber auch gegenüber der Handlungsanleitung des IMSF, ergeben
       sich bei den Abschreibungen und den "sonstigen Aufwendungen". 83)
       Aus  den  gewonnenen  Gewinnzahlen  errechnet  die  Arbeitsgruppe
       schließlich die  "Eigenkapitalrendite", die als erscheinende Form
       der gesamtgesellschaftlichen  Kapitalverwertung,  d.h.  der  Pro-
       fitrate, gewertet  werden kann.  Dabei ergibt  der Vergleich, daß
       die Rentabilität  der Großkonzerne  deutlich über der Rentabiltät
       der übrigen  Aktiengesellschaften liegt  und  im  Aufschwung  die
       Großunternehmen rascher profitieren. Wollte man von der gesamtge-
       sellschaftlichen Profitrate  Rückschlüsse auf die Wirtschaftsent-
       wicklung ziehen,  so müßte  demnach als  ein Zwischenschritt  die
       Verteilung der Profitrate auf die Einzelkapitale nach Maßgabe ih-
       rer Monopolpositionen  erfolgen. Allerdings scheint auch hier ein
       einfacher Rückschluß  vom Monopolisierungsgrad  der Branche - ge-
       messen an  den Marktanteilen  - auf die Höhe der Profitrate nicht
       möglich zu  sein, da die Reihenfolge der nach Branchen geglieder-
       ten untersuchten  50 Unternehmen  etwa der  von Saß bzw. Zschocke
       ermittelten entspricht.  Allerdings macht  die Arbeitsgruppe auch
       keine weiteren  Versuche, Rückschlüsse  auf Branchen  zu  ziehen.
       Denn  die   berechnete  Branchenprofitrate   der  Großunternehmen
       scheint ohne  große Aussagekraft:  die Profitraten (Eigenkapital-
       rentabilität) differieren  von Unternehmen  zu Unternehmen erheb-
       lich. Monopolistische  Differenzierung wirkt  also nicht  nur  in
       bezug auf  die Branchen,  sondern auch  auf die  einzelnen Unter-
       nehmen. Monopolistische  Positionen werden  von der Arbeitsgruppe
       zudem nicht  an  Marktanteilen,  sondern  an  Umsatzgrößen  fest-
       gemacht, wodurch  die gesellschaftliche  Bedeutung eines Konzerns
       sicher auch adäquater ausgedrückt wird als durch Marktanteile.
       Die Arbeitsgruppe  errechnet ähnlich wie Tammer einen Anstieg des
       Nettoprofits und  der Eigenkapitalrentabilität bei den Großunter-
       nehmen, wobei  auch  hier  zyklische  Schwankungen  festzustellen
       sind. Allerdings  steigt beides auch bei den untersuchten übrigen
       Aktiengesellschaften.
       Es muß  jedoch festgehalten  werden, daß  auch die  Aktiengesell-
       schaften ohne die Großunternehmen nicht mit dem nichtmonopolisti-
       schen Bereich  der Wirtschaft identisch sind, so daß die Untersu-
       chungsergebnisse nur  Hinweise auf Unterschiede, nicht aber empi-
       risch abgesicherte  Informationen über  ihre Höhe  bzw. über  ihr
       Ausmaß geben können.
       Einen  erheblichen  Anteil  am  Anstieg  der  Eigenkapitalrendite
       sowohl der  Großunternehmen als  auch der  übrigen  Aktiengesell-
       schaften hat  nach den Untersuchungen die Entwicklung der Steuer-
       last: ihr Anteil am Bruttoprofit geht in der Tendenz zurück. Eine
       spezifische Eigenart  der Großunternehmen ist der hohe Anteil der
       Übertragungsprofite, die  nicht aus  der eigenen Produktion stam-
       men: im  Durchschnitt der  Jahre 1967-73  beläuft er  sich auf 26
       Prozent des  Bruttoprofits. Bei  den übrigen AG ist er niedriger,
       steigt allerdings  ebenfalls. An  diesem Punkt - darauf weist die
       Arbeitsgruppe hin  - tritt eine Schwierigkeit auf: abgeführte Ge-
       winne Werden  bei der abführenden Gesellschaft als Gewinnbestand-
       teil, bei  der empfangenden Gesellschaft aber auch als Gewinn be-
       rechnet. Bestünden  z.B. innerhalb der untersuchten Gruppe gegen-
       seitige Abhängigkeitsverhältnisse, die zu entsprechenden Transak-
       tionen führen,  so würden  bei einer Addition der Ergebnisse Dop-
       pelzählungen auftreten.  Die Arbeitsgruppe rechtfertigt diese un-
       terschiedliche Behandlung  mit der  Ungleichheit der ökonomischen
       Machtpositionen der  jeweiligen  Gesellschaften  (139).  Trotzdem
       bringt die  festgestellte steigende  ökonomische Verknüpfung  bei
       Unternehmensvergleichen Probleme mit sich: werden herrschende und
       beherrschte Gesellschaften  jeweils zu Gruppen zusammengefaßt, so
       würde ein  Vergleich die existierenden Unterschiede untertreiben.
       Der Gewinn der abhängigen Unternehmen wird im Grunde um die abge-
       führten Gewinnteile  zu hoch  ausgewiesen. Bei  globalen Untersu-
       chungen, in  denen die Erträge sowohl der abhängigen als auch der
       beherrschenden Gesellschaften zusammengefaßt werden - und bei den
       in der Bilanzstatistik des Statistischen Bundesamtes aufgeführten
       AG gibt  es sicher  solche gegenseitigen  Abhängigkeiten - werden
       Posten, bei  denen es  nur um  Gewinnumverteilungen geht, aufsum-
       miert, so  daß die  Gewinnsumme übertrieben  wird. Eine  Addition
       z.B. über  alle AG  würde in  der Tendenz sicher auch zu falschen
       Aussagen führen,  in dem Maße, wie die gegenseitigen Verflechtun-
       gen anwachsen. 84)
       Gegen die  Entschleierungsmethoden der  Arbeitsgruppe  sind  zwei
       wichtige Kritikpunkte  vorgebracht worden  -  die  übrigens  auch
       teilweise auf  die Methoden  des IPW  zutreffen. Ingrid  Scheibe-
       Lange greift vor allem zwei Punkte an: 85).
       1. Durch die  Anwendung der  ermittelten realistischen  Abschrei-
       bungssätze jeweils  auf die  Restbuchwerte wird  nur ein Teil der
       Anschaffungskosten der  Investitionsgüter tatsächlich abgeschrie-
       ben. 86) An sich müßten die Restbuchwerte jeweils um die überhöht
       ausgewiesenen Abschreibungen  korrigiert werden, und diese korri-
       gierte Größe  wäre dann  der Ausgangspunkt für die Ermittlung der
       weiteren gerechtfertigten Abschreibungen. Überabschreibungen wür-
       den also nur zu einer anderen Verteilung über die Zeit führen.
       2. Dementsprechend geht die Arbeitsgruppe auch bei der Ermittlung
       des Eigenkapitals  nur von  den ausgewiesenen Posten aus. Die er-
       mittelten stillen  Reserven werden ausgeklammert, so daß die Ren-
       dite zu  hoch ausfällt. Da die Arbeitsgruppe diese Frage in ihren
       Veröffentlichungen selbst  problematisiert hat,  kann  gerade  an
       diesen Punkten  die Intention  der Untersuchung  deutlich gemacht
       werden.
       Obwohl die  Kritik von  Scheibe-Lange  durchaus  einige  schwache
       Punkte trifft,  geht sie  doch am  Kern der  Sache  vorbei.  Denn
       sowohl bei  der Bilanzaufstellung,  als auch  bei der  Bilanzent-
       schleierung muß  zunächst gefragt  werden, welche  Ziele und  Ab-
       sichren verfolgt  werden. Bei  der Bilanzaufstellung  kann  davon
       ausgegangen werden:  "Die unternehmerische Bilanzpolitik ist eine
       Komponente im  Instrumentarium der Unternehmenspolitik und unter-
       liegt letztlich  wie alle  anderen Komponenten (...) dem General-
       ziel der Gewinnmaximierung." 87)
       Dem entspricht in der Regel und in der Praxis der Ausweis niedri-
       ger Gewinne.  Das räumt  auch Scheibe-Lange in einem anderen Auf-
       satz ein:  "Das typische  Unternehmensverhalten ist, hohe Gewinne
       schamhaft zu  verstecken, langfristig 'bescheidene' und möglichst
       ansteigende Gewinne  vorzuzeigen und Ertragseinbrüche bzw. Verlu-
       ste zu  verschleiern, zumal  wenn sie auf Managementfehlern beru-
       hen." 88)  Wenn die Arbeitsgruppe davon ausgeht, daß in der Regel
       in den  Bilanzen Gewinne versteckt werden, so schließt das natür-
       lich nicht aus, daß in Einzelfällen die Bilanzierung auch anderen
       Zielen folgt:  gerade angesichts  der von  Scheibe-Lange  festge-
       stellten  "übergroßen  Manipulierbarkeit  von  Jahresabschlüssen"
       kann bei  einer Untersuchung, die sich zum Ziel gesetzt hat, "die
       Spannen aufzudecken,  innerhalb derer tatsächlich erwirtschaftete
       Gewinne versteckt,  und damit gesellschaftlicher Diskussion prin-
       zipiell entzogen werden", (56) nicht jeder Sonderfall berücksich-
       tigt werden:  es handelt  sich um  keine Anweisung zur Bilanzana-
       lyse.
       Der Vorwurf  des "Unterschlagens  der Tatsache,  daß  Unternehmen
       nicht nur  Gewinne, sondern  oft auch  Verluste verstecken",  89)
       trifft wegen  der anderen  Aufgabenstellung nicht  zu. Es ist si-
       cherlich richtig, daß auch durch das Verstecken von Verlusten Ar-
       beitern und  Angestellten große  Nachteile entstehen  können:  so
       z.B. wenn  Managementfehler verdeckt,  große Ertragssprünge  ver-
       schleiert werden  sollen. Auch  kann einem  Betrieb durch Ausweis
       und Abführung  überhöhter Gewinne  Kapital entzogen und er bewußt
       "ausgetrocknet" werden.
       Um solche  Praktiken aufzudecken, müßten die veröffentlichten Da-
       ten daraufhin  untersucht werden,  ob eine "richtige" Verrechnung
       der Kosten  in der Produktion stattfindet - was sicher in einigen
       Punkten ein  anderes Vorgehen als das der Arbeitsgruppe erfordern
       würde.
       Dies ist  aber keineswegs  das Ziel der Analyse: es geht weder um
       die Ermittlung  der Verwertung des gesamten eingesetzten Kapitals
       im Konzern  noch um  die Profite aus der Produktion: die Autoren-
       gruppe will  vielmehr die Profitaneignungsfähigkeit der Kapitale,
       insbesondere die  der monopolistischen Kapitale offenlegen, wobei
       diese ganz  verschiedene Dimensionen  hat. Sie erfolgt sowohl auf
       dem "normalen"  Wege der  Verwertung des eingesetzten Kapitals in
       der Produktion  als auch durch Beherrschung fremder Kapitale, als
       auch durch  Vermittlung des  Staates. Die  Frage, die bei der Be-
       rechnung der  Eigenkapitalrendite eigentlich  beantwortet  werden
       müßte, ist  folgende: wieviel eigenes Kapital muß im Rahmen eines
       bestimmten Konzerns  aufgebracht werden,  um wieviel Nettogewinne
       zu machen.
       Das wirft  natürlich schwierige  Abgrenzungsprobleme auf,  die in
       den bisher  vorliegenden Berechnungen  noch nicht ausreichend ge-
       löst sind  - und  hier kann  Scheibe-Lange mit Recht auf Inkonse-
       quenzen verweisen. Ob überhöhte Abschreibungen bzw. stille Reser-
       ven dem Anlagevermögen bzw. dem Eigenkapital zugeschlagen werden,
       hängt davon  ab, woher die entsprechenden Mittel stammen. Das ist
       besonders deutlich bei der Bestimmung des eingesetzten Eigenkapi-
       tals, bei dem die stillen Reserven nicht (d.h. nur zu einem klei-
       nen Teil) berücksichtigt sind. Die Arbeitsgruppe rechtfertigt das
       mir dem Hinweis, daß es sich dabei "zum größten Teil" um staatli-
       che Steuersubventionen  handelt. d.h. um "Kapitalentwertung, ent-
       wertetes staatliches  (und in geringerem Maß auch privates) Kapi-
       tal, das  dem Privatkapital  zur Verfügung gestellt wird und dazu
       beiträgt, das ursprüngliche Privatkapital besser zu verwerten..."
       90)
       Die Unklarheit  hat sich  die Arbeitsgruppe  aber zumindest teil-
       weise selbst  zuzuschreiben, weil  sie bei der Berechnung den An-
       schein erweckt,  als sei die Tatsache, daß es sich um "stille Re-
       serven" handelt,  das eigentliche  Kriterium für die Nichtberück-
       sichtigung beim  Eigenkapital. Ob  ein eingesetztes Kapital offen
       ausgewiesen wird  oder nicht,  hat  natürlich  an  sich  für  die
       tatsächliche Rendite  keinerlei Bedeutung:  das wird  nur deshalb
       wichtig, weil  der Nichtausweis  ein Instrument zur Steuererspar-
       nis, d.h.  eigentlich zur  Aneignung von  staatlichem Kapital auf
       politischem Wege,  über die  Steuergesetzgebung ist.  Bei den Be-
       rechnungen sowohl der Abschreibungen als auch des Eigenkapitals -
       beides drückt das gleiche Problem aus - müßte eigentlich zwischen
       dem Profit aus der Produktion bzw. aus der "normalen" wirtschaft-
       lichen Tätigkeit und dem Profit aus politischen Einflüssen unter-
       schieden werden.  Der Profit aus der Produktion oder auch aus An-
       lagen in  Form von  Geldkapital muß  natürlich -  soweit er nicht
       ausgeschüttet wird - zum Eigenkapital geschlagen bzw. bei der Er-
       mittlung der  Abschreibungen berücksichtigt  werden. Es ist klar,
       daß die  Profitrate auf das gesamte eigene Kapital berechnet wer-
       den muß  - wobei es uninteressant ist, ob es bilanziert wird oder
       nicht. Dagegen  muß der  mit Hilfe  der Bilanzpolitik angeeignete
       Profit bei  der Berechnung  des Eigenkapitals  und auch der Basis
       der Abschreibungen  ausgeklammert werden,  da es  sich hierbei um
       eine nicht unmittelbar ökonomische Funktion des Kapitals handelt.
       Ausgehend vom Kriterium der Profitaneignungsfähigkeit wäre es da-
       her auch  falsch, die  'gratis' zur  Verfügung gestellten Anlagen
       abzuschreiben und  als Kosten  zu verbuchen. Das sind sie nur vom
       Standpunkt der  gesellschaftlichen Produktion, nicht für das Ein-
       zelkapital. Ähnlich verhält es sich mit den so angeeigneten Kapi-
       talteilen: es  ist ja  gerade der Zweck der staatlich betriebenen
       Kapitalentwertung, den  Profit der  Einzelkapitale durch den Ver-
       zicht auf  angemessene Verwertung  zu erhöhen. Würden die auf dem
       Umweg über  das Steuersystem auf die privaten Kapitale übertrage-
       nen Summen bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite berücksich-
       tigt werden,  dann würde  gerade der hier zu untersuchende Effekt
       bilanzpolitischer Verschleierungsmaßnahmen  ausgeklammert.  Huff-
       schmid betont  in einer  Erwiderung auf  die Kritik  von Scheibe-
       Lange: "Es  wird bei  der korrigierten Gewinnermittlung nicht ge-
       fragt, was  die Herstellung einer Anlage die Gesellschaft kostet,
       sondern es wird gefragt, was sie das Unternehmen kostet, und zwar
       im Hinblick  aufsein vorgeschossenes  Kapital." 91)  Da  Scheibe-
       Lange in  ihrer Kritik  diese jeweils unterschiedlichen Gesichts-
       punkte bei  der Gewinnermittlung nicht berücksichtigt, gehen ihre
       Einwände am Kern der Sache vorbei.
       Die Abgrenzung  zwischen "gratis" angeeignetem und "normal" akku-
       muliertem Kapital  dürfte in  der Praxis  allerdings kaum  völlig
       korrekt durchführbar sein, da sich solche Profitteile auch in den
       offen ausgewiesenen  Gewinnen verbergen  können. So sind z.B. die
       Aneignung von  Rohstoffen oder Vorleistungen zu politisch beding-
       ten niedrigen  Preisen oder  die Verkäufe  z. B.  an den Staat zu
       überhöhten Preisen auch Formen der Übertragung fremden, entwerte-
       ten Kapitals.  Durchführbar ist  die genannte Abgrenzung aber bei
       den Profitteilen, die über mit der Bilanzierungspraxis verbundene
       Steuerersparnisse angeeignet  werden. Es wären also die Teile der
       stillen Reserven  bzw. der überhöhten Abschreibungen dem Eigenka-
       pital bzw.  den Buchwerten der Anlagen zuzuschlagen, die auch bei
       offenem Ausweis  - d.h.  wenn sie versteuert werden müßten - beim
       Unternehmen bleiben würden. Diese Möglichkeit wird im übrigen von
       der  Arbeitsgruppe  selbst  angedeutet  -  allerdings  meint  sie
       zunächst, wegen  der relativ geringen Bedeutung darauf verzichten
       zu können. Das und manche Unklarheit in der Argumentation bei der
       Begründung dieser  Praxis hat  sicher dazu  beigetragen, daß  der
       Hintergrund des  rechnerischen Verfahrens  aus dem  Blickfeld ge-
       riet. 92)
       Trotz dieser  Probleme - die ja im übrigen eine zentrale Aussage,
       nämlich die  der monopolistischen Profitdifferenzierung nicht be-
       rühren -  müssen die Arbeiten der Bremer Gruppe als ein wichtiger
       Schritt angesehen werden, um die in vielen Veröffentlichungen be-
       stehende Kluft  zwischen allgemeinen  Gesetzmäßigkeiten  und  er-
       scheinender Wirklichkeit  zumindestens im Punkt 'Monopolisierung'
       zu überbrücken.
       
       Schlußbemerkung
       ---------------
       
       Die hier  besprochenen Versuche,  die Verwertungsbedingungen  des
       Kapitals in  der einen  oder anderen  Form empirisch zu erfassen,
       zeigen meiner Auffassung zu allererst, daß neben den kategorialen
       Fragen die  Probleme der  Statistik das  Haupthemmnis bilden. Auf
       allen Ebenen  zeigt sich,  daß schon  die Praxis der Erhebung den
       Interessenstandpunkt und  den Blickwinkel des Kapitals ausdrückt,
       d.h. die  erhobenen Daten  selbst unterliegen den Mystifikationen
       der kapitalistischen  Produktionsweise. Allein  durch eine andere
       Gruppierung der  statistischen Kategorien können die inneren Ver-
       hältnisse also  nicht unmittelbar sichtbar gemacht werden. "Daher
       lassen sich  die allgemeinen  Entwicklungslinien des kapitalisti-
       schen Systems,  wie sie von Marx aufgezeigt wurden: Akkumulation,
       Zentralisation,  Konzentration,  tendenzielles  Fallen  der  Pro-
       fitrate usw.,  wie auch  die die imperialistische Epoche speziell
       kennzeichnenden Momente:  Finanzkapital, Monopolbildung, 'staats-
       kapitalistische Trusts',  sehr schwer,  besonders für kurze Zeit-
       abschnitte, durch statistische Zahlen konkret illustrieren." 93)
       Damit ist  nun weder  empirischer Enthaltsamkeit noch empirischer
       Beliebigkeit das  Wort geredet. Es ist möglich , die Haupttenden-
       zen der  inneren Verwertungsbedingungen  auf der Grundlage der in
       der Bundesrepublik  existierenden Statistik  zu  erfassen  .  Das
       zeigt schon  die Tatsache,  daß die mit verschiedenen empirischen
       und theoretischen  Ansätzen arbeitenden  Untersuchungen -  soweit
       die methodischen Voraussetzungen nicht völlig unhaltbar sind - in
       der großen Linie zu vergleichbaren Ergebnissen kommen.
       Konstatiert wird  eine allgemeine  Verschlechterung  der  Verwer-
       tungsbedingungen, wobei  diese Tendenz vor allem in den sechziger
       Jahren überwiegt.  Ein wichtiges  Kennzeichen ist die Zunahme der
       organischen Zusammensetzung des Kapitals und die ebenfalls in den
       sechziger Jahren  eintretende Stagnation  in der  Entwicklung der
       Beschäftigtenzahlen in  der materiellen  Produktion. Unterschiede
       gibt es  bei der  Berechnung der  Mehrwertrate. Diese sind jedoch
       m.E. auf falsche Abgrenzungen des variablen Kapitals zurückzufüh-
       ren. Hier ist die Methode von Tammer die korrekteste. Denn sowohl
       die bei  einigen Autoren  völlig fehlende Unterscheidung zwischen
       produktiver und  unproduktiver Arbeit  sowie die schematische Be-
       handlung  der   Lohnabzüge  ist   vom  theoretischen  Inhalt  der
       "Mehrwertrate" her nicht zu vertreten.
       Alle differenzierteten  Aussagen, die  über  die  Herausarbeitung
       solch  grober  Entwicklungstendenzen  hinausgehen,  scheinen  mir
       durch das  vorliegende empirische Material nicht gedeckt zu sein.
       Das gilt vor allem für die Frage, wodurch der Fall der Profitrate
       eigentlich verursacht worden ist. Beide Momente, Kapitalzusammen-
       setzung und  Mehrwertrate, stehen in einer engen Beziehung zuein-
       ander, wirken  gemeinsam und  dürfen daher nicht als Ursachen für
       sich auseinandergerissen werden.
       Ein zentrales  Problem bei der Analyse der Verwertungsbedingungen
       des Kapitals  ist die  Wahl der richtigen Abstraktionsebene. Zwar
       ist die  tatsächliche Profitrate  in der Produktion der Regulator
       des gesamten  Reproduktionsprozesses -  sie wirkt jedoch nur ver-
       mittels der  spezifischen Widersprüche  der kapitalistischen Pro-
       duktionsweise. Die  inneren Verwertungsbedingungen erscheinen nur
       in einer  durch diese  Widersprüche vermittelten Form - wobei die
       Erscheinungsweise auch  durch die  jeweiligen historischen Bedin-
       gungen konstituiert wird.
       Dies zeigt die von mehreren Autoren zur Erklärung realer Entwick-
       lungsprozesse im  Kapitalismus explizit  oder implizit verwendete
       Kategorie der  "Überakkumulation", die  in der vorgebrachten Form
       mehr beschreibend  als erklärend  ist. Im Kern wird Überakkumula-
       tion immer dann konstatiert, wenn der Akkumulationsprozeß stockt.
       Ob der  damit einhergehende  Verfall der  Profitrate die  Ursache
       oder die  Folge der stockenden Akkumulation ist, bleibt empirisch
       ungeklärt. Vorausgesetzt  ist bei den mit dieser Kategorie arbei-
       tenden Größen der erste Fall - was aber nicht belegt werden kann.
       Das weist  auf einen  schon mehrfach  angesprochenen  Kritikpunkt
       hin: bei Rückschlüssen von den Profitraten auf die Akkumulations-
       bedingungen wird  zu leicht  übersehen, daß  der  kapitalistische
       Produktionsprozeß zwar  in erster  Linie  Verwertungsprozeß  ist,
       dessen Funktionieren aber auch an die stofflichen Bedingungen der
       Reproduktion gebunden  ist. Der Widerspruch zwischen Arbeits- und
       Verwertungsprozeß äußert  sich also im gesamten Reproduktionspro-
       zeß, auch  in der Beziehung Produktion-Realisierung. Die Verände-
       rungen in den stofflichen und wertmäßigen Bedingungen der Produk-
       tion von  Profit müssen  in weiteren Schritten auch in ihren Aus-
       wirkungen auf die Realisierungsbedingungen verfolgt werden.
       Trotzdem leisten die vorgestellten Arbeiten - bei aller notwendi-
       gen Kritik  - einen  wichtigen Beitrag  zur empirischen Erfassung
       der ökonomischen  Entwicklungstendenzen der  Bundesrepublik, wenn
       auch manchmal  der Aufwand in einem ungünstigen Verhältnis zu den
       vetwertbaren Aussagen  steht. Zu  warnen ist dabei allerdings vor
       der Überstrapazierung  der Ergebnisse.  Das Kapital setzt sich im
       Verwertungsprozeß selbst  die Schranken,  die  seine  Entwicklung
       hemmen. Es findet aber auch immer wieder Auswege, um sie zu über-
       steigen. Nur  in diesem Wechselverhältnis kann die reale Entwick-
       lung eines  Landes verstanden werden - die Geschichte des Kapita-
       lismus darf  also nicht  auf eine Geschichte der Profitrate redu-
       ziert werden.
       
       Anhang: Verwertungsbedingungen des Kapitals in der BRD
       ------------------------------------------------------
       
       1. Projekt Klassenanalyse
       
       Profitrate                             Mehrwertrate
       Jahr  Rate    in %                     Jahr  Rate    in %
       
       1950  35,3                             1950  234
       1951  39,1                             1951  244
       1952  36,6                             1952  254
       1953  36,3   36,8 1)                   1953  244    244 1)
       1954  37,2                             1954  238
       1955  39,9                             1955  240
       1956  37,9                             1956  237
       1957  36,2                             1957  231
       1958  34,4   37,1 1)                   1958  230    235 1)
       1959  35,4                             1959  239
       1960  36,0                             1960  241
       1960  36,1                             1960  238
       1961  34,0                             1961  233
       1962  31,8                             1962  226
       1963  30,0   33,9 1)                   1963  229    233 1)
       1964  31,0                             1964  232
       1965  29,8                             1965  228
       1966  28,4                             1966  230
       1967  26,5   28,9 1)                   1967  243    233 1)
       1968  30,5                             1968  255
       1969  32,0                             1969  257
       1970  30,4                             1970  244
       1971  28,5   30,4 1)   31,7 2)         1971  245    250 1)
       1972  27,8             30,2            1972  245
       1973  27,4             31,2            1973  244
       1974  25,5             29,6            1974  243
       1975         26,9 1)   27,1  29,5 1)   1975  248    245 1)
       1976                   29,2
       _____
       1) Zyklendurchschnitte
       2) Neuberechnung auf der Grundlage der revidierten VGR
       (Quelle: Gesamtreproduktionsprozeß der  BRD 1950-975,  S. 267 und
       236; Materialband, unveröffentlichtes Manuskript, S. 134).
       
       2. Autorengruppe Altvater, Semmler u.a.
       
       Kapitalrentabilität in der        "Profitrate" 1) der Gesamt-
       Industrie                         wirtschaft
       Jahr     Rate    Jahr 2)  Rate    Jahr     Rate
       
                        1950    0,5123   1950    0,126
                        1951    0,5683   1951    0,125
                        1952    0,5555   1952    0,130
                        1953    0,5482   1953    0,135
                        1954    0,5768   1954    0,139
                        1955    0,6020   1955    0,147
                        1956    0,5682   1956    0,144
                        1957    0,5408   1957    0,139
                        1958    0,5100   1958    0,130
                        1959    0,5103   1959    0,133
       1960    0,5416   1960    0,5319   1960    0,133
       1961    0,5102   1961    0,5029   1961    0,124
       1962    0,4709   1962    0,4693   1962    0,112
       1963    0,4442   1963    0,4540   1963    0,104
       1964    0,4543   1964    0,4789   1964    0,102
       1965    0,4350   1965    0,4759   1965    0,094
       1966    0,4003   1966    0,4510   1966    0,083
       1967    0,3722   1967    0,4208   1967    0,078
       1968    0,4074   1968    0,4816   1968    0,080
       1969    0,4313                    1969    0,077
       1970    0,3903                    1970    0,057
       1971    0,3499
       _____
       1) Die "Profitrate" der Gesamtwirtschaft ist ebenso berechnet wie
       die Kapitalrentabilität  der Industrie  (Kapitalproduktivität mal
       Profitquote), lediglich die Datenbasis ist eine andere.
       2) Ergebnis nach  der Neuberechnung,  bei der eine Reihe von Kri-
       tikpunkten an der alten Berechnungsmethode berücksichtigt wurden.
       (Quelle: Handbuch 1, S. 270 ff.; Probleme des Klassenkampfes, Nr.
       24/1976, S. 206)
       
       3. Helmut Zschocke
       
       Profitrate der Industrie      Mehrwertrate der Industrie
       Jahr     Rate in %            Jahr     Rate in %
       
       1950     37,3                 1950     125,1
       1951     40,7                 1951     132,7
       1952     38,6                 1952     130,9
       1953     38,7                 1953     126,6
       1954     39,2                 1954     125,2
       1955     40,3                 1955     127,4
       1956     37,3                 1956     119,7
       1957     34,8                 1957     115,6
       1958     32,3                 1958     107,4
       1959     36,0                 1959     122,0
       1960     36,2                 1960     121,2
       1960 1)  36,5                 1960 1)  121,5
       1961     34,9                 1961     116,8
       1962     33,1                 1962     111,5
       1963     29,9                 1963     102,5
       1964     31,7                 1964     106,4
       1965     30,7                 1965     100,3
       1966     27,6    ·            1966      90,3
       1967     26,0                 1967      90,6
       1968     31,8                 1968     105,5
       _____
       1) Ab 1960 einschließlich Saarland und Westberlin.
       (Quelle: Helmut Zschocke, a.a.O., S. 83 und 99)
       
       4. Peter Saß
       
       Profitrate der Industrie
       Jahr     Rate in %
       
       1953      22,0
       1954      22,0
       1955      23,4
       1956      22,1
       1957      21,4
       1958      20,5
       1959      21,3
       1960      22,1
       1960 1)   22,3
       1961      20,9
       1962      19,5
       1963      18,0
       1964      18,8
       1965      18,7
       1966      16,4
       1967      15,8
       _____
       1) Ab 1960 einschließlich Saarland und Westberlin
       (Quelle: Peter Saß, a.a.O., S. 24)
       
       5. Hans Tammer
       
       Profitrate der AG der     Mehrwertrate des produzierenden
       Industrie                 Gewerbes
       Jahr     Rate in %        Jahr     Rate in %
       
                                 1950     181,4
                                 1951     217,7
                                 1952     213,1  204,1 2)
                                 1953     191,2
                                 1954     197,3
                                 1955     215,4
                                 1956     210,4
                                 1957     216,4  206,1 2)
                                 1958     202,9
                                 1959     214,7
                                 1960     236,3
       1961 ·   45,16            1961     217,4
       1962     42,55            1962     232,8
       1963     40,74            1963     223,3
       1964     41,54            1964     239,1
       1965     39,46            1965     223,1  224,6 2)
       1966     37,91            1966     208,9
       1967     35,70            1967     226,0
       1968     39,78            1968     246,9
       1969     43,34            1969     274,9
       1970     43,28            1970     273,9  246,1 2)
       1971     39,23            1971     256,7
       1972     37,10            1972     265,2
       1973 1)  42,64            1973     268,0
       1974 1)  42,62            1974     270,2  265,1 2)
       1975     31,11            1975     259,7
       1976     41,99
       _____
       1) Nach Korrektur eines Rechenfehlers
       2) Zyklendurchschnitte.
       (Quelle: IPW-Berichte 6/77, S. 19 und 6/78. S. 19)
       
       Gesamtprofit der 100 größten AG der Industrie
       Jahr     Mill. DM
       
       1966     23 149
       1970     32 887
       1973     44 152
       1974     49 541
       1975     44 694
       1976     54 321
       _____
       (Quelle: IPW-Berichte 12/77, S. 35)
       
       6. Arbeitsgruppe Großunternehmen
       
       Einzelkapitalistischer Nettoprofit und Eigenkapitalrendite
       Nettoprofit 1)         Rendite in %
       Jahr        Mrd. DM    Großunternehmen    Übrige AG
       
       1967         8,5       28,0               22,8
       1968        10,6       31,8               25,1
       1969        11,4       31,3               26,4
       1970        12,7       33,2               27,6
       1971        12,0       28,6               24,8
       1972        13,2       28,7               25,3
       1973        17,3       39,3               25,3
       1974        18,3       38,9               27,9
       1975        15,6        -                  -
       1976        22,0        -                  -
       1967-73 2)  11,3       32,5 3)            25,6 3)
       1974-76 2)  18,7
       _____
       1) der 41 größten industriellen AG
       2) Jahresdurchschnitte
       3) 1967-74
       (Quelle: WSI-Mitteilungen. 1/78, S. 26 und 31)
       
       7. Sachverständigenrat
       
       Realrendite in der gewerblichen Wirtschaft
       Jahr           Index: 1960 = 100
       
       1960           100,0
       1961            90,5
       1962            81,5
       1963            76,5
       1964            78,5
       1965            79,0
       1966            73,0
       1967            67,0
       1968            82,0
       1969            77,0
       1970            74,0
       1971            64,5
       1972            61,5
       _____
       (Quelle: Jahresgutachten 1973 des Sachverständigenrates, S. 57)
       
       8. Lohnquoten
       
       Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen 1)
       Bruttoeinkommen aus unselbständiger  Nettolohn- und Gehaltssumme
       Arbeit
            Tatsächliche   Bereinigte       Tatsächliche   Bereinigte
            Lohnquote 1)   Lohnquote 2)     Lohnquote 1)   Lohnquote 2)
       
       1950    58,4           58,4             45,4           45,4
       1955    59,3         . 55,0             45,2           41,9
       1960    60,4           53,4             43,6           38,5
       1961    62,7           55,1             44,9           39,5
       1962    64,1           55,8             45,8           39,8
       1963    65,1           56,1             46,3           39,9
       1964    64,8           55,3    ·        46,2           39,4
       1965    65,6           55,5             46,9           39,7
       1966    66,6           56,4             46,9           39,6
       1967    66,4           56,1             46,5           39,3
       1968    64,8           54,4             44,5           37,4
       1969    66,1           54,9             44,5           36,9
       1970    67,8           55,7             44,4           36,5
       1971    69,1           56,4             44,3           36,2
       1972    69,5           56,5             44,2           36,0
       1973    70,7           57,3             43,1           34,9
       1974    72,6           58,9             43,3           35,1
       1975    72,8           59,0             43,2           35,0
       1976    71,2           57,5             41,0           33,1
       1977    72,0           57,9             41,0           33,0
       _____
       1) In Prozent
       2) Bereinigt auf Grundlage der Beschäftigtenstruktur von 1950.
       (Quelle: Informationen zur  Wirtschaftsentwicklung und  Lage  der
       Arbeiterklasse, IMSF, Nr. 2/1978)
       
       _____
       1) Das belegt z.B. eine Gegenüberstellung der Aussagen Eugen Var-
       gas und  des "Instituts für Konjunkturforschung" von Wagemann vor
       und zu  Beginn der  Weltwirtschaftskrise von 1929/33. Vgl. Jürgen
       Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapita-
       lismus, Bd. 15, Berlin/DDR 1965, S. 65 ff.
       2) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., MEW 25. S. 251.
       3) Der Sachverständigenrat  hat vor  allem die weitere Aufgliede-
       rung der Kategorie "Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermö-
       gen" im  Auge, wobei  er auch deren Charakter als bloße Restgröße
       beklagt, in der alle Fehlet bei der Ermittlung der anderen Größen
       kumulieren. Vgl.  Jahresgutachten 1976/77  des  Sachverständigen-
       rates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, S.
       189 ff.
       4) Karl Marx, a.a.O., S. 838.
       5) Ebenda, S. 839.
       6) Zu  den   wechselnden  Beziehungen   zwischen   'Gesetz'   und
       'Erscheinung' vgl.  J.H. v Heiseler, 'Gesetzesbegriff und Kapita-
       lismustheorie', in: IMSF (Hrsg.), Das Monopol - ökonomischer Kern
       des heutigen Kapitalismus, Frankfurt/M 1976, S. 35 ff.
       7) Altvater/Hoffmann/Schöller/Semmler,   Entwicklungsphasen   und
       -tendenzen des Kapitalismus in Westdeutschland, I. Teil, in: Pro-
       bleme des  Klassenkampfes, Westberlin,  Nr. 13/1974.  S. 104.  2.
       Teil: a. a. O.. Nr. 16/1974
       Dieser zweiteilige  Aufsatz ist praktisch die ausführlichere Fas-
       sung des unten besprochenen Beitrags im Handbuch 1.
       8) Ebenda, S. 108.
       9) Ebenda.
       10) Altvater/Hoffmann/Semmler, Zum Problem der Profitratenberech-
       nung, in: Probleme des Klassenkampfes, Nr. 24/76, S. 194.
       11) Projekt Klassenanalyse,  Die akkumulationstheoretische  Real-
       analyse im Spiegel des Indikatorverfahrens, in: Beiträge zum wis-
       senschaftlichen Sozialismus, Westberlin, Nr. 4/1976, S. 155.
       12) Ebenda, S. 154.
       13) Ebenda.
       14) Projekt  Klassenanalyse,  Gesamtreproduktionsprozeß  der  BRD
       1950-1975, Westberlin 1976, S. 38.
       15) In einer  Kritik am PKA bemerkt Heiner Ganßmann richtig: "Die
       Art und  Weise, in der das PKA Weltmarkteinflüsse auf den Gesamt-
       reproduktionsprozeß der  BRD behandelt  (bzw. ignoriert),  diente
       nur der  Illustration eines  in empirischen Untersuchungen depla-
       zierten Verfahrens  der isolierenden  Abstraktion." Heiner  Ganß-
       mann, Marxistische  Milchmädchenökonomie,  in:  Beiträge...,  Nr.
       2/1978, S. 127.
       16) Projekt Klassenanalyse, Gesamtreproduktionsprozeß..., a.a.O.,
       S. 282.
       17) Ebenda, S. 38.
       18) Ebenda, S. 42.
       19) Ebenda.
       20) Daß die  theoretische Abgrenzung  des PKA von Altvater in der
       Praxis der  Berechnung bedeutungslos  ist, zeigt auch eine Bemer-
       kung des  PKA im  (unveröffentlichten) Materialband:  "Wir  haben
       noch anzumerken,  daß in  diesen Größen nicht direkt Werte erfaßt
       sind; einerseits ist die Wertbestimmung nur im Zyklendurchschnitt
       realisiert, andererseits sind hier Preisänderungen in Rechnung zu
       stellen." Vgl. Manuskripts. 98.
       21) Die Seitenzahlen  im Text  beziehen sich im folgenden auf die
       jeweils angegebenen besprochenen Veröffentlichungen.
       22) Vgl. zur  Neuberechnung der VGR: G. Hamer u. a., Revision der
       Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung  1960 bis  1976,  in:  Wirt-
       schaft und Statistik, 4/1977, S. 215 ff.
       So beläuft sich die Bruttowertschöpfung des produzierenden Gewer-
       bes nach  der alten  Methode auf 563 550 . Millionen DM, nach der
       neuen auf  542 930  Millionen. Diese Differenzen wirken sich auch
       auf die  Ergebnisse des  PKA aus,  wie der  im Anhang abgedruckte
       Vergleich der  auf der  Grundlage der revidierten VGR berechneten
       Profitrate mit der allen Berechnung zeigt. Ein Teil der Differen-
       zen ist allerdings auf Korrekturen bei der Berechnung des Geldka-
       pitals durch  das PKA zurückzuführen. Vgl. Materialband, unveröf-
       fentlichtes Manuskript S. 134.
       23) Dagegen heißt  es an  anderer Stelle: "Schließlich ist es ei-
       nerlei, ob  sie (die  produktive Arbeit,  J.G.) in der Sphäre der
       materiellen oder immateriellen Produktion verausgabt wird, ob sie
       sich in  Produkten vergegenständlicht  oder nicht.  "Joachim  Bi-
       schoff (Hrsg.),  Grundbegriffe der marxistischen Theorie, Hamburg
       1978, S. 29.
       24) Materialband, a.a.O., S. 51.
       25) Die Bundespost  weist seit  1975 Überschüsse  aus. Aber  auch
       schon vorher  wurden in  Form von  "Ablieferungen" Gewinne an den
       Bund abgeführt. Es ist zudem völlig uneinsichtig, daß das PKA mit
       dem Hinweis  auf die finanzielle und formelle Selbständigkeit der
       Sozialversicherung diese  aus dem Staatsbereich ausgliedert, wäh-
       rend die  öffentlichen Unternehmen, deren Geschäftspolitik minde-
       stens ebenso  selbständig durchgeführt  wird, zum Staatskonto ge-
       schlagen werden.  - Vgl. Projekt Klassenanalyse, Der Staat in der
       BRD, Hamburg/Westberlin 1977, S. 59 ff.
       26) Das ist problematisch, weil die Unfallversicherung ein Versi-
       cherungsfonds der  Unternehmer ist,  der diese gegen Regreßforde-
       rungen der Unfallopfer absichert.
       27) PKA, Der  Staat..., a.a.O.,  S. 35. Ganz abgesehen davon, daß
       auch Selbständige  in  die  Sozialversicherung  einbezogen  sind,
       bleibt auch  eine Umverteilung  unter den  Lohnabhängigen für die
       Berechnung von  Mehrwert und  Profit keineswegs gleichgültig. Das
       ist auch  deshalb zu beachten, weil das PKA selbst deutliche Ein-
       kommensdifferenzen zwischen den produktiven Lohnarbeitern und den
       übrigen Lohnabhängigen ermittelt.
       28) In einer Kritik an den Arbeiten Tammers wird das registriert,
       ohne aber  Schlußfolgerungen für die eigenen Berechnungen zu zie-
       hen. Vgl. Beiträge.. ., 1/78, S. 44.
       29) "Das Einkommen  der ganzen  Gesellschaft betrachtet,  besteht
       das Nationaleinkommen  aus Arbeitslohn  plus Profit  plus  Rente,
       also aus dem Roheinkommen." Marx, Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S.
       848. Obwohl das PKA diesen Satz von Marx zitiert, wird die abwei-
       chende Definition  nirgends begründet. Auch in der erwähnten Kri-
       tik an  Tammer, der  das Nationaleinkommen entsprechend der Marx-
       schen Definition  abgrenzt, wird auf diese Differenz nicht einge-
       gangen.
       30) Vgl. Beiträge... Nr. 4/76, S. 143 und 1/78, S. 49.
       31) PKA, Der Staat.... a.a.O., S. 63.
       32) Die Probleme  bei der  Berechnung  der  Vermögensbestandteile
       werden deutlich  bei: H. Lützel, Das reproduzierbare Sachvermögen
       zu Anschaffungs- und zu Wiederbeschaffungspreisen, in: Wirtschaft
       und Statistik, 11/72, S. 611 ff. Vgl. auch die Darstellung bei R.
       Wagenführ, Wirtschafts-  und  Sozialstatistik,  Bd.  1,  Freiburg
       1970, S. 121 ff.
       33) Materialband, a.a.O., S. 131.
       33a) Die Berücksichtigung  der Fertigwarenbestände  ist  insofern
       korrekt, als  das PKA  vom vorgeschossenen Gesamtkapital ausgeht,
       das sich  immer gleichzeitig  teilweise in der Form des Geldkapi-
       tals, des  produktiven Kapitals  und des  Warenkapitals befindet.
       Eine Trennung zwischen den Kapital und den Profit repräsentieren-
       den Fertigwaren dürfte empirisch sehr schwierig sein. Es ist auch
       korrekt, hier  das variable  Kapital nicht gesondert aufzuführen,
       da dieses  teilweise die Form von Geldkapital, teilweise die Form
       von Warenkapital  besitzt. Es  muß dagegen berücksichtigt werden,
       wenn vom  produktiven Kapital  ausgegangen wird, wie es Zschocke,
       Tammer und  teilweise auch Saß tun. Saß vernachlässigt zwar kate-
       gorial das  variable Kapital  - wie  auch Gillman  -, rechnet  es
       praktisch jedoch zumindest teilweise mit ein, weil er aus pragma-
       tischen Gründen das Warenkapital zum Sachvermögen zählt.
       34) Vgl. J.  Bischoff (Hrsg.) Die Klassenstruktur der Bundesrepu-
       blik Deutschland, Westberlin 1976. S. 152.
       35) Materialband, a.a.O., S. 5.
       36) "Ich sehe  eben die  Aufgabe eines wirklichen Marxisten nicht
       darin, die Marxschen Grundlehren immer von neuem fehlerlos herzu-
       sagen, sondern  diese Lehren,  auf die - seit deren Niederschrift
       so stark  modifizierte -  gegenwärtige  Wirklichkeit  selbständig
       sinngemäß anzuwenden. Bei diesen Versuchen macht man oft Fehler."
       Eugen Varga,  Wirtschaft und Wirtschaftspolitik im 4. Vierteljahr
       1924, S.  278, in: Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Vierteljah-
       resberichte 1922-1939,  hrsg. von J. Goldberg, Westberlin 1977, 5
       Bde., hier: Bd. 2.
       37) Altvater u.a., Entwicklungstendenzen..., a.a.O., S. 113.
       38) Ebenda, S. 123.
       39) C. Diefenbach  u.a., Wie  real ist die Realanalyse?, in: Pro-
       bleme des Klassenkampfes, Nr. 24/1976, S. 179.
       40) Altvater u.a.,  Entwicklungstendenzen..., 2.  Teil, in:  Pro-
       bleme des Klassenkampfes, 16/74 S. 119.
       41) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 245/46.
       42) Vgl. A. Blechschmidt, Profitentwicklung und Krise in der BRD-
       Industrie, in:  Handbuch 1,  Perspektiven des Kapitalismus, hrsg.
       von V.  Brandes, Frankfurt/M.  1974, S.  302. Altvater  und seine
       Mitautoren haben  selbst auf  diese Problematik  verwiesen. Wegen
       der Schwierigkeiten  der  Reallohnberechnung  hatten  sie  jedoch
       zunächst auf  eine Preisbereinigung  der Löhne  verzichtet.  Vgl.
       Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, a.a.O., S. 97.
       43) E. Altvater,  V. Brandes, J. Reiche, Rezession, Inflation und
       staatliche Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik, in: Handbuch
       4, Inflation  - Akkumulation  - Krise,  II, Frankfurt/M. 1976, S.
       80/81.
       44) A. Blechschmidt, a.a.O., S. 275.
       45) Eine Kritik  dieser krisentheoretischen  Ansätze findet  sich
       u.a. in:  J. Goldberg,  Wirtschaftskrise und  Krisentheorie. Eine
       kritische Literaturübersicht, in: Blätter für deutsche und inter-
       nationale Politik,  7/77, S.  882. Vgl.  auch: F.  Beckenbach, M.
       Krätke, Zur Kritik der Überakkumulationstheorie, in: Probleme des
       Klassenkampfes, 30/1978, S. 43 ff.
       46) A. Blechschmidt, a.a.O., S. 285.
       47) Ebenda, S. 299.
       48) Jahresgutachten 1973  des Sachverständigenrates,  S. 57. Vgl.
       auch die Angaben im Anhang.
       49) Altvater u.a.,  Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, a.a.O., S.
       140.
       50) Diess., Zum Problem..., a.a.O., S. 204.
       51) Ebenda, S. 205.
       52) Das PKA formuliert richtig in seiner Kritik an Altvaters Ver-
       fahren: "Die  Betrachtung der ganzen Untersuchung zeigt aber, daß
       die Autoren tatsächlich keinerlei Anstalten treffen, den Vermitt-
       lungszusammenhang zwischen  diesen Bestimmungen  aufzuzeigen. Sie
       unterstellen bei  ihrer Interpretation, daß der industrielle Ein-
       zelkapitalist sich  in seinem  praktischen Tun und Treiben direkt
       an der Entwicklung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals ausrich-
       tet." PKA,  Die akkumulationstheoretische Realanalyse..., a.a.O.,
       S. 147. Leider macht das PKA in seinen Interpretationen den glei-
       chen Fehler.
       53) Altvater u.a.,  Entwicklungstendenzen..., 2.  Teil, a. a. O.,
       S. 143.
       54) Diess. Entwicklungstendenzen..., 1. Teil, a.a.O., S. 101.
       55) Darauf kann  hier nicht  eingegangen werden.  Es sei  auf die
       oben angegebenen Aufsätze von Goldberg und Beckenbach/Krätke ver-
       wiesen.
       56) Karl Marx,  Grundrisse der  Kritik der  politischen Ökonomie,
       Berlin/DDR 1953, S. 544/45.
       57) Weil Altvater  zwischen stofflicher  und wertmäßiger Betrach-
       tung nicht trennt, ist im Grunde auch eine Anwendung seines Über-
       akkumulationstheorems nicht  möglich. Zschockes  Vorgehen, der ja
       ebenfalls einen  Überakkumulationsansatz vertritt, ist daher kon-
       sequenter.
       58) Hier -  wie auch bei vielen anderen Berechnungen - liegen die
       Daten von: E.R. Baumgart, R. Krengel, Die industrielle Vermögens-
       rechnung des  DIW, Ergebnisse  einer Neuberechnung,  Beiträge zur
       Strukturforschung Nr. 10, Westberlin 1970, zugrunde.
       59) Natürlich kann auch die Rechnung zu festen Preisen keine Qua-
       litätsveränderungen im  Anlagevermögen  widergeben,  so  daß  die
       technische Zusammensetzung auch so nicht korrekt zu erfassen ist.
       60) So eröffnet  die oft diskutierte Anwendung der Mikroprozesso-
       ren die Möglichkeit für kapitalsparenden technischen Fortschritt,
       d.h. eine Senkung der Produktionsmittelintensität pro Produktein-
       heit erscheint möglich. Vgl. z.B. W. Dostal, K. Köster, Mikropro-
       zessoren -  Auswirkungen auf Arbeitskräfte?, in: Mitteilungen aus
       der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2/77, S. 243 ff.
       61) Wirtschaftskrise und  Wirtschaftspolitik, Zu  den Beziehungen
       zwischen Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik in der BRD
       in der  Periode 1966/67  bis 1975/76, Beiträge des IMSF 4, Frank-
       furt/M. 1976,  S. 19. Diese Einteilung gehört zu den traditionel-
       len Ansätzen  der Kapitalismusanalyse  in der  Bundesrepublik. In
       der Phase von 1950/60 vollzieht sich "die erweiterte Reproduktion
       extensiv", d.  h. durch  eine Ausdehnung der Menge lebendiger Ar-
       beit und  "intensiv", d. h. durch eine Steigerung der Arbeitspro-
       duktivität. In  der Phase  1960/70 vollzieht  sie sich "in erster
       Linie intensiv".  Vgl. auch: IMSF, Beiträge 3, Klassen- und Sozi-
       alstruktur der  BRD 1950-1970, Sozialstatistische Analyse, Frank-
       furt/M. 1973, S. 91.
       62) Zu den Kosten zählt Zschocke nicht die "sonstigen Vorleistun-
       gen" wie Mieten, Zinsen, Pachten usw.
       63) Vgl. die Lohnquoten im Anhang.
       64) Ein Anstieg  des variablen Kapitals wirkt sich sowohl auf die
       Mehrwertrate als  auch auf die organische Zusammensetzung des Ka-
       pitals aus. Denn es gilt nur solange als "Index für die Menge le-
       bendiger Arbeit"  (Altvater, Zum  Problem..., a.  a. O., S. 205),
       wie die  Mehrwertrate als  konstant angenommen  wird.  Vgl.  Karl
       Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 62 und S. 154.
       65) PKA, Auf der Suche nach dem Monopol, in: Beiträge... 1/78, S.
       53.
       66) Vgl. auch:  W.M. Breuer,  Zur politischen  Ökonomie des Mono-
       pols, Köln 1974, S. 38.
       67) Allerdings ist  diese Rechnung  insofern etwas gewagt, als ja
       auch der  Preis für  Tarifabnehmer, also  für Haushalte,  der als
       Maßstab genommen  wird, ebensowenig  ein "Marktpreis" ist wie der
       für industrielle Abnehmer.
       68) Saß orientiert  sich offensichtlich an J. M. Gillman, Das Ge-
       setz des tendenziellen Falls der Profitrate, deutsch Frankfurt/M.
       1969, der ähnlich vorgeht.
       69) Das ist nicht ganz richtig, da Stichproben aus einzelnen Jah-
       ren eine  zumindest schätzungsweise  Differenzierung möglich  ma-
       chen. Vgl.  H. Lützel,  a.a.O., S.  617. Saß  möchte also nur das
       produktive konstante Kapital ermitteln.
       70) Positiv ist  dabei, daß  Verzerrungen  zwischen  kleinen  und
       großen Unternehmen  zumindest teilweise ausgeglichen werden: wäh-
       rend die  Bezüge der  Unternehmensleitungen bei  großes Konzernen
       als Kosten  unter "Löhnen und Gehältern" ausgewiesen werden, gel-
       ten sie bei Personenunternehmen als Gewinnentnahmen.
       71) Es ist  hier außer acht gelassen worden, daß ein solcher Aus-
       gleichsprozeß die  internationale Konkurrenz  einbeziehen muß. Es
       wäre dann durchaus möglich, daß bei einem solchen "spontanen" Ab-
       lauf eine  ganze Branche verschwindet - was der Staat in den mei-
       sten Fällen  verhindern würde.  Allein aus  diesem Grunde ist die
       Annahme eines  funktionierenden Ausgleichs  zur Durchschnittspro-
       fitrate ohne Einbeziehung der internationalen Dimensionen irreal.
       72) H. Heseler,  Zur Formulierung einiger empirischer Forschungs-
       probleme, in: IMSF, Das Monopol..., a.a.O., S. 129.
       73) Karl Marx. Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 53.
       74) E. Varga, Versuch einer annähernden Bestimmung der Mehrwerts-
       rate und  Profitrate in  der amerikanischen  Industrie, in: Wirt-
       schaft und  Wirtschaftspolitik im  1. Vierteljahr  1927, S.  1059
       (Wirtschaft und  Wirtschaftspolitik, Vierteljahresberichte  1922-
       1939, a.a.O.,  Bd. 3)  S.L. Wygodski, Der gegenwärtige Kapitalis-
       mus, Versuch  einer theoretischen  Analyse, deutsch Köln 1972, S.
       225 ff.
       75) Das PKA  merkt an,  daß auch  die Zirkulationskosten des Han-
       dels, nicht nur der Handelsprofit, Teil des gesellschaftlich pro-
       duzierten Mehrwerts sind. Beiträge... 1/78, a. a. O., S. 43.
       76) Es ist auffallend, daß das PKA in seiner Kritik an Tammer auf
       diese Differenzen  kaum eingeht.  Bei  Tammer  steigt  die  Mehr-
       wertrate kontinuierlich  von Zyklus zu Zyklus an, während die vom
       PKA berechnete  Rate sinkt oder stagniert, mit Ausnahme des kräf-
       tigen Anstiegs  im 5. Zyklus. Dieser Unterschied kann nicht damit
       erklärt werden, daß Tammer "den dritten und vierten Zyklus zu ei-
       nem einzigen  zusammengefaßt hat",  wie das PKA meint (ebenda, S.
       47). Gliedert  man die  Jahreszahlen von  Tammer entsprechend der
       Zykleneinteilung des  PKA, so  bleibt die Mehrwertrate von Tammer
       in diesem  Zeitraum ebenso unverändert wie die des PKA. Vgl. auch
       Anhang.
       77) Bayer, Hoechst, BASF, Thyssen, Siemens, Daimler-Benz.
       78) Eine Darstellung  der Methode  findet sich  in: DWI,  Bericht
       24/61 und 24/63
       79) Daher wird  der "Umsatzüberschuß"  von Scheibe-Lange,  der im
       Kern die  Differenz von  laufenden Einnahmen und Ausgaben erfaßt,
       hier nicht  behandelt. Es  werden dabei  "laufende Geldströme auf
       ihre Höhe,  ihre Quellen und ihre Verwendung hin analysiert". Das
       heißt:  "Kapitalflußrechnungen   sind  Geldrechnungen."   (Ingrid
       Lange, Probleme  der  Kapitalflußrechnung,  in:  WWI-Mitteilungen
       6/67, S.  164.) Erfaßt werden also nicht die Verwertungsbedingun-
       gen der Einzelkapitale, sondern ihr finanzwirtschaftlicher Spiel-
       raum. Damit  ist jedoch nicht gesagt, daß die berechneten Indices
       nicht die  Tendenz der  Gewinnentwicklung  auf  einer  bestimmten
       Ebene widerspiegeln.  Unberücksichtigt bleibt  hier auch,  welche
       Indikatoren von  den Unternehmensleitungen  nun  tatsächlich  als
       Entscheidungskritetium gewählt  werden. Dabei ist anzunehmen, daß
       der jeweilige finanzielle Status eine wichtige Rolle spielt.
       80) P. Flieshardt, J. Huffschmid, R. Sablotny, A. Sörgel, Die Le-
       gende vom Gewinnverfall, in: WSI-Mitteilungen, 1/78, S. 21.
       81) Es müßte vor allem nachgewiesen werden, wie sich die Entwick-
       lung der  monopolistischen Verwertungsbedingungen auf die Akkumu-
       lationstätigkeit der Monopole auswirkt und wie sich dieser Zusam-
       menhang historisch verändert hat bzw. ob er sich von entsprechen-
       den Beziehungen  bei nichtmonopolistischen  Kapitalen unterschei-
       det.
       82) Saß sieht den Grund dafür allerdings nicht unbedingt im Mono-
       polisierungsprozeß.
       83) Vgl. D.  Schmidt (IMSF),  Entschleierte Profite - Bilanzlesen
       leicht gemacht.  Frankfurt/M. 1975,  Die Anleitung zur Bilanzana-
       lyse des IMSF soll die selbständige Durchleuchtung veröffentlich-
       ter Bilanzen  der verschiedenen  Unternehmen ermöglichen, sie muß
       daher mit  "Faustregeln" arbeiten.  Die mit  größeren personellen
       und materiellen Mitteln ausgestattete Arbeitsgruppe Großunterneh-
       men - ihr stand das Rechenzentrum der Universität Bremen zur Ver-
       fügung -  war darauf  nicht angewiesen. Ihre Ergebnisse sind aber
       insofern auch  für praktische  Handlungsanleitungen  interessant,
       als sie eine bessere Begründung von "Faustregeln" ermöglichen.
       84) Es wäre  sicher nützlich,  für die  Gruppe der kleineren, oft
       abhängigen Gesellschaften  eine Rentabilität  unter Ausschluß der
       abgeführten Gewinne zu berechnen. Denn für viele kleine Unterneh-
       men dürfte  die Hereinnahme  von Kapital seitens großer Geldgeber
       ähnlich wirken  wie die  Aufnahme von Krediten: die damit verbun-
       dene Gewinnabführung wirkt vom Standpunkt des abhängigen Kapitals
       ähnlich wie eine Zinszahlung. Die Grenzen dürften in der Realität
       oft fließend sein.
       85) I. Scheibe-Lange,  Die Legende  von der realistischen Ermitt-
       lung der Profite, in- WSI-Mitteilungen 3/78 S 175 ff.
       86) Die Kritik  würde auch  auf die Methode des IPW (DWI) zutref-
       fen. Für  den Zeitraum von 1948 bis 1960 ermittelte es bei den 50
       größten Unternehmen der einzelnen Branchen eine Differenz von 1,4
       Mrd. DM,  d.h. 14  Prozent der  Abschreibungssumme. Vgl. DWI, Be-
       richt 24/61, S. 8.
       87) G. Volkmann,  Bilanzanalyse und  Interessenvertretung der Ar-
       beitnehmer im  Unternehmen, in: Das Mitbestimmungsgespräch, 2/78,
       S. 35.
       88) I. Scheibe-Lange,  Bilanzanalyse, in:  Das  Mitbestimmungsge-
       spräch 3/78,  S. 60.  Das gilt jedenfalls, wenn man Verluste oder
       "bescheidene" Gewinne  nicht als  Normalfall bei  Großunternehmen
       annimmt.
       89) Diess., Die Legende..., a.a.O., S. 178.
       90) Fließhardt u.a., Die Legende..., a.a.O., S. 25.
       91) Jörg  Huffschmid,   Gewinnermittlung  durch  Bilanzanalyse  -
       brauchbar für  Arbeitnehmervertreter?, in:  Das Mitbestimmungsge-
       spräch Nr. 6/78, S. 139.
       92) Die Autoren haben eine Neuberechnung unter teilweiser Berück-
       sichtigung der Einwände angekündigt.
       93) E. Varga, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik im 4. Vierteljahr
       1924, S. 278. a.a.O., Bd. 2.
       

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