Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


       zurück

       
       VORWORT
       =======
       
       Nach Leseranregungen halten es Redaktion und Beirat des Jahrbuchs
       für zweckmäßig,  jeden Band  mit einem   u m f a n g r e i c h e-
       r e n   V o r w o r t   einzuleiten. Es  soll wie bisher die Mit-
       teilungen des  Herausgebers und  der Redaktion enthalten. Gleich-
       zeitig sollen  aber Schwerpunkte,  Rubriken und Einzelbeiträge im
       Kontext ihrer  Planung, ihrer Entstehung, ihres Diskussionszusam-
       menhanges und ihrer Intention kurz vorgestellt werden. Dies wird,
       wie wir  hoffen, dem  Leser eine  schnellere und  bessere  Orien-
       tierung in  der  thematischen  Vielfalt  der  Bände  ermöglichen.
       Diesem Zweck  sollen auch  die  Z u s a m m e n f a s s u n g e n
       der Beiträge  am Ende des Bandes dienen. Nur für Tagungsberichte,
       Institutsvorstellungen u.  dgl. wird  auf Zusammenfassungen  ver-
       zichtet, da  sich der  Gegenstand eindeutig  aus der  Überschrift
       ergibt. Neben  der schnellen  Information des  Lesers sollen  die
       Zusammenfassungen auch Archivzwecken dienen.
       Mit dem Auslaufen der zweiten Jahrbuch-Periode erfolgt eine teil-
       weise  U m b e s e t z u n g  u n d  E r w e i t e r u n g  d e s
       B e i r a t e s.  Peter Marwedel scheidet aus beruflichen Gründen
       aus; ebenfalls  Kaspar Maase, der inzwischen in einen engeren Ar-
       beitszusammenhang mit dem IMSF getreten ist, an der Redaktion des
       vorliegenden Bandes  3/1980 mitgewirkt hat und ab Band 4/1981 der
       Redaktion beitreten  soll. Beiden  Kollegen sei für die bisherige
       Mitarbeit gedankt.
       Neu in  den Beirat berufen wurden Edgar Gärtner (z.Z. Luxeuil les
       Bains; Frankreich),  Bernd  Greiner  (Marburg),  Mechtild  Jansen
       (Köln), Steffen  Lehndorff (Köln),  Christine Preiß (München) und
       Jan Priewe (Bielefeld).
       Die aktuellen  Entwicklungen in  Wissenschaft und  Technik,  ihre
       Auswirkungen auf Arbeit und soziale Lebensbedingungen sind gegen-
       wärtig Ausgangspunkt  bedeutsamer sozialer Bewegungen und theore-
       tischer Reflexionsbemühungen. Sie reichen von der Auseinanderset-
       zung der  Gewerkschaftsbewegung  mit  kapitalistisch  angewandter
       neuer Technik  bis zu  "grünen" und "alternativen" Protesten, sie
       fordern die  marxistische Theorie  der  Produktivkraftentwicklung
       ebenso heraus,  wie sie  nach konkreten,  von technologischen und
       sozialen Erkenntnissen getragenen Alternativvorschlägen im Arbei-
       terinteresse verlangen. Wir führen in diesem Jahrbuch den Diskus-
       sionsstrang fort,  der im  vorigen Band mit Überlegungen zum Pro-
       blem "Arbeiterbewegung und Neue Technik" begonnen wurde.
       André Leisewitz  faßt  Ergebnisse  und  Anstöße  der  IMSF-Tagung
       "W i s s e n s c h a f t l i c h  t e c h n i s c h e r  F o r t-
       s c h r i t t   u n d   g e s e l l s c h a f t l i c h e    A l-
       t e r n a t i v e n"   zusammen. Das  Spektrum der  Fragen reicht
       von den  gegenwärtigen  Grundlinien  wissenschaftlich-technischer
       Entwicklung über  Fragen der  Umweltkrise  bis  zum  Problemkreis
       Ressourcenverknappung und  Wachstum. Erkennbar  werden gemeinsame
       Positionen  von   marxistischen  Natur-,   Technik-   und   Sozi-
       alwissenschaftlern; vor allem ergibt sich ein Katalog für weiter-
       gehende Forschungen,  die aktuelle Entwicklungen erfassen und al-
       ternative Klassenstrategien  der Arbeiterbewegung  fundieren kön-
       nen.
       In der  Umweltpolitik tritt  die sozialliberale Regierung mit dem
       Anspruch auf  ein ökologisches  Gesamtkonzept auf.  Edgar Gärtner
       weist in  seinem Beitrag nach, daß die Programme der Bundesregie-
       rung weiterhin den Monopolen die Selbstreinigungskräfte der Natur
       sichern wollen,  statt mit dem Verursacherprinzip Ernst zu machen
       und den  Anspruch der  Bevölkerung auf Gesundheit und Nutzung der
       natürlichen Umwelt  obenan zu stellen. Elemente einer antimonopo-
       listischen Umweltstrategie  seien in  der gewerkschaftlichen Dis-
       kussion und vom BBU entwickelt worden.
       An kritische  Überlegungen  Lothar  Peters  im  vorigen  Jahrbuch
       knüpft die Auseinandersetzung zwischen Frigga Haug und ihm an. Im
       Zentrum steht  die Frage, ob und in welchem Sinn die gegenwärtige
       Etappe der  Produktivkraftentwicklung als  "revolutionär" zu  be-
       zeichnen ist.  Haug bejaht dies; nur so sei die tiefgreifende Um-
       wälzung in  Verbindung mit der Automation zu erfassen und von ar-
       beitsorientierter Wissenschaft  als Komplex neuer Kampffelder der
       Arbeiterbewegung zu analysieren. Ein Ausschnitt aus einer empiri-
       schen Studie  über Meßwartentätigkeit soll die neuen Herausforde-
       rungen für Kapital und Arbeiter veranschaulichen.
       Peter schlägt  vor, unter unseren Bedingungen von "kapitalistisch
       bestimmtem wissenschaftlich-technischem Fortschritt" zu sprechen;
       diese Begrifflichkeit  sei offen  für die zukünftig sehr langwie-
       rige und  komplizierte Entwicklung  des Widerspruchs zwischen den
       Produktivkräften und ihren kapitalistischen Aneignungsformen. Den
       wesentlichen Differenzpunkt  sieht Peter in der Frage, ob die ge-
       genwärtig konkreten Erscheinungsformen der Produktivkräfte im Ka-
       pitalismus als  revolutionär bezeichnet werden könnten; wer dies,
       wie Frigga  Haug, bejahe, gerate in Gefahr, das Handeln der Klas-
       sen nur als zweitrangig zu erfassen.
       Ein Feld solcher Klassenauseinandersetzung, in dem auf Folgen des
       kapitalistisch bestimmten technischen Fortschritts reagiert wird,
       ist bezeichnet  mit der Forderung nach Humanisierung der Arbeits-
       welt. Klaus  Priester untersucht, was das von der Bundesregierung
       seit 1974  geförderte Forschungsprogramm erbracht hat. Das Ergeb-
       nis seiner  Analyse: Getrieben wird vorwiegend Rationalisierungs-
       forschung; damit  es wirklich  zu einer sicheren Verbesserung der
       Arbeitsbedingungen kommt, müssen die Schwerpunkte des Forschungs-
       programms anders gesetzt und vor allem wirksame gewerkschaftliche
       Mitbestimmung erkämpft werden.
       Unter der Rubrik  "G e w e r k s c h a f t s t h e o r i e"  sind
       Beiträge eines  IMSF-Seminars veröffentlicht, das im Februar 1980
       stattfand. Es  sollte in erster Linie der Selbstverständigung von
       auf diesem  Gebiet wissenschaftlich  arbeitenden Marxisten dienen
       und Positionen  für zentrale  Problemkomplexe herausarbeiten. Zum
       einen war  dabei Fragen  nachzugehen, die in der jüngsten polemi-
       schen Diskussion  um  die  Gewerkschaftsgeschichtsschreibung  für
       Deutschland bzw.  die BRD  aufgeworfen worden  waren. Zum anderen
       galt es, an jene fortgeschrittene Problementwicklung anzuknüpfen,
       die Frank Deppe in seinem jüngsten Buch "Autonomie und Anpassung"
       (Marburg 1979)  präsentiert hat. Das Seminar hat damit Fragen auf
       einer theoretisch-analytischen  Ebene aufgegriffen,  die auch  in
       der Tagespolitik von zentraler Bedeutung sind.
       In seinem überarbeiteten Referat geht Georg Fülberth den Ansätzen
       marxistischer Gewerkschaftstheorie  bei Marx und Engels und ihrer
       Entwicklung in  der Folgezeit nach. Dabei stehen Fragen der Stra-
       tegiefähigkeit der  Gewerkschaften, des  Verhältnisses von  Spon-
       taneität und  Bewußtheit, von Partialerfahrung und Verallgemeine-
       rung im  Mittelpunkt. Fülberth  zeigt, wie  sich mit dem Übergang
       zum Imperialismus  und besonders zugespitzt nach dem ersten Welt-
       krieg die  Notwendigkeit einer  Konkretisierung des Verhältnisses
       von Partei  und Gewerkschaft ergibt - gibt es nun doch nicht mehr
       nur eine Arbeiterpartei. Ferner erweist sich der Integrationismus
       nicht als  nur vorübergehendes  Phänomen. Die  Fehler der Gewerk-
       schaftspolitik der  KPD führt  er für  die Weimarer Republik u.a.
       darauf zurück, daß Lenins Hinweis nicht konsequent genug beachtet
       worden sei,  daß unter Bedingungen parteipolitischer Spaltung der
       Arbeiterbewegung dem  Kampf um  die Einheitsgewerkschaft zentrale
       Bedeutung zukomme.
       Gert Hautsch und Klaus Pickshaus versuchen in ihrem für das Jahr-
       buch überarbeiteten  Referat eine  inhaltliche Bestimmung des Be-
       griffs gewerkschaftlicher  Autonomie heute.  Dabei ist nach ihrer
       Ansicht auszugehen von der Existenz des SMK, der Spaltung der Ar-
       beiterbewegung, relativ  starkem bürgerlichem  Einfluß in der Ar-
       beiterklasse, dem  Übergewicht der  integrationistischen Strömung
       in den  politischen Formationen der Sozialdemokratie. Sie knüpfen
       in ihrer Bestimmung (Einfluß als Gegenmachtpositionen auf jeweils
       konkret historischem  Niveau, Fassung  von Arbeiterinteressen auf
       der Grundlage  der Vergesellschaftungstendenz  usw.) an die Posi-
       tionen von Frank Deppe an, halten es jedoch für zweckmäßig, Klas-
       senautonomie vom  Standpunkt der  gesamten Klassenbewegung zu er-
       fassen, was die Wechselwirkung politischer und gewerkschaftlicher
       Organisationen einschließt.  Sie entwickeln  den wichtigen Gedan-
       ken, daß  im gewerkschaftlichen Bereich Klasseninteressen der Ar-
       beiter unmittelbarer, an der Konfrontation mit dem Kapital orien-
       tiert, relativ elementar und spontan wirksam werden und nach ver-
       einheitlichendem Ausdruck  drängen. Es sind somit selbst in einer
       stark sozialdemokratisch  beeinflußten Gewerkschaft andere Mecha-
       nismen der  Politikbestimmung wirksam als in einer entsprechenden
       politischen Partei. Witich Roßman referiert in seinem Bericht ne-
       ben den  wichtigsten  Aussagen  der  Seminardiskussion  auch  die
       Grundzüge des Vertrages von Frank Deppe.
       F o r s c h u n g e n     z u r      B e w u ß t s e i n s e n t-
       w i c k l u n g   in der  Arbeiterklasse bilden einen Schwerpunkt
       in der  Arbeit des  IMSF. Die Reihe der Veröffentlichungen in den
       beiden ersten  Jahrbüchern wird fortgesetzt mit Ergebnissen einer
       empirischen Studie  über junge  Mitglieder in  der DKP,  die Dirk
       Hänisch  ausgewertet   hat.  Die   politische  Sozialisation   im
       Elternhaus, vor  allem  aber  die  Diskussion  im  Freundes-  und
       Bekanntenkreis erweisen  sich als  erstrangige Faktoren  für  die
       Ausbildung politischen  Klassenbewußtseins, das zur Organisierung
       in der kommunistischen Partei motiviert.
       Anknüpfend an verschiedene Stränge der gegenwärtigen Forschung zu
       alltäglicher Lebensweise  und Kultur  der Arbeiter, werden Fragen
       des Bewußtseins  und des  Handlungspotentials der Lohnarbeiter in
       zwei weiteren Beiträgen unter kulturtheoretischem Blickwinkel be-
       handelt. Kaspar Maase diskutiert verschiedene Positionen zum Pro-
       blem einer  Verbürgerlichung der  Lebensweise der Arbeiter in der
       Bundesrepublik. Da der Privatismus , die isoliert-individualisti-
       sche Auffassung von Problemen und Erfahrungen im privaten Lebens-
       bereich, die  bürgerliche Hegemonie  in der  Lebensweise  stütze,
       komme der  Entwicklung neuer  Formen  von  Arbeiteröffentlichkeit
       entscheidende Bedeutung zu. Die historischen Vorbilder der Arbei-
       terbewegungskultur könnten  hier und heute allerdings nicht nach-
       geahmt werden.
       Friedhelm Kroll  gibt einen Literaturbericht zur Vereinsforschung
       in der  Bundesrepublik. Er  findet Anhaltspunkte für seine These:
       Die Aktivität  von Arbeitern  in Vereinen  wird von  herrschender
       Seite den  Zielen der Integration und der Versäulung bürgerlicher
       Herrschaft im Alltag untergeordnet; sie enthält aber zugleich Mo-
       mente der Selbsttätigkeit, der Kommunikation und sozialer Verant-
       wortlichkeit, die  gegen privatistische  Tendenzen in der Lebens-
       weise entwickelt werden können.
       In der  Rubrik "Politische  Ökonomie: Analyse  und Kritik" werden
       verschiedene Diskussionsstränge  vergangener  Jahrbücher  fortge-
       führt. Den  ersten Teil bilden mit den Beiträgen von Dieter Boris
       / Rainer  Falk und Wilma Albrecht Realanalysen von Grundprozessen
       des SMK der BRD.
       Dieter Boris  und Rainer  Falk untersuchen die Wechselwirkung von
       staatsmonopolistisch gesteuerter  Strukturveränderung -  für  die
       sozialliberale Struktur-  und  Modernisierungspolitik  programma-
       tisch formuliert  von Volker Hauff - und internationaler Arbeits-
       teilung. Dabei  geht es  ihnen vor  allem um die Beziehungen BRD-
       Dritte Welt.  In der  Analyse der  Fakten stellen die Autoren die
       Hauptstränge  westdeutscher   Außenexpansion  dar:  Internationa-
       lisierung der  Monopole, Außenhandel,  Direktinvestitionen,  Aus-
       landsproduktion, Ausländerbeschäftigung.  Sie stellen  fest,  daß
       die Veränderung  der internationalen  Arbeitsteilung seit  Beginn
       der 70er  Jahre nicht  nur durch  die wachsende  Macht  der  Roh-
       stofflieferanten -  und hier besonders die OPEC -, sondern ebenso
       durch höhere  Industrialisierungsstufen eines Blocks von Entwick-
       lungsländern gekennzeichnet  ist. Implizit verfechten die Autoren
       die These, daß die Veränderung der internationalen Arbeitsteilung
       zur Hauptschubkraft  der Entwicklung des SMK der BRD geworden ist
       (Strukturpolitik) und  zum anderen über diese Formen der Reaktion
       und Anpassung  die aktive  Beeinflussung der internationalen Ver-
       hältnisse im Interesse des westdeutschen Großkapitals erfolgt.
       Im Beitrag  von Wilma Albrecht geht es um die Regionalpolitik als
       eine Form  staatsmonopolistischer Strukturpolitik.  In Verfolgung
       von Ansätzen,  die Hermann  Bömer im  Jahrbuch 2/1979  entwickelt
       hat, behandelt  die Autorin besonders den Investitionsmechanismus
       und die  staatsmonopolistische Investitionssteuerung als Haupthe-
       bel der  Regionalpolitik. Die  entsprechenden Programme werden in
       Umfang, Wirkung, Relevanz dargestellt. Angesichts der realen Ent-
       wicklung erweist  sich die Selbstdarstellung dieser staatsmonopo-
       listischen Aktivitäten  als  Gestaltungsfunktion  weitgehend  als
       Propaganda.
       In den  folgenden Beiträgen  von Jörg Goldberg und Christoph But-
       terwegge stehen  theoretische und  ideologiekritische Aspekte  im
       Vordergrund. Jörg  Goldberg unterzieht in seinem Literaturbericht
       die Krisenerklärungen  in einer Reihe von neueren BRD-Publikatio-
       nen, die  mit linkem  Anspruch - z.T. mit marxistischer Orientie-
       rung -  auftreten, einer  kritischen Analyse.  In vieler Hinsicht
       kann er an seine Veröffentlichungen in den vorhergehenden Jahrbü-
       chern anknüpfen. Praktische Bedeutung erhalten derartige Untersu-
       chungen gerade  deshalb, da  inzwischen die Diskussion um die Al-
       ternativmemoranden auch eine theoretische Ebene erreicht hat, auf
       der es um Monopol-, Krisen- und Staatsbegriff geht. Goldberg geht
       systematisch vor und stellt den Standpunkt der Autoren jeweils zu
       zentralen Gebieten  dar. Die  Hauptaufmerksamkeit widmet Goldberg
       Autoren bzw. Autorengruppen wie Altvater/Hoffmann/Semmler, Werner
       Glastetter,  Müller/Rödel/Sabel/Stille/Vogt,   SOST,  Karl  Georg
       Zinn.
       Christoph Butterwegge  möchte mit seinem Beitrag die Untersuchung
       und Diskussion  der Monopolgruppenkonzeption beleben und hält be-
       sonders die  monopolistische Konkurrenz  bzw. den  realen Einfluß
       von Monopolgruppen  auf den  Staat für  die zentrale  analytische
       Achse, um  zu einem  konkreteren Verständnis  der Prozesse im SMK
       gelangen zu  können. Dabei rezipiert er vor allem frühere und ak-
       tuelle Diskussionen der Wirtschaftshistoriker der DDR.
       Das vorliegende  Jahrbuch  erscheint  wieder  mit  der  Abteilung
       "Marx-Engels-Forschung". Mit  bescheidenen Mitteln soll damit ein
       Beitrag zur  wissenschaftlichen Erforschung des Lebens und Werkes
       der Begründer  des wissenschaftlichen  Sozialismus geleistet  und
       deren aktuelle  Wirkung in  der BRD  untersucht werden.  Es zeigt
       sich, daß  dabei nicht  nur die Unterstützung der internationalen
       Marx-Engels-Forschung - wie etwa mit dem Beitrag von Erich Kundel
       und Alexander  Malysch -  gewonnen werden  kann, sondern auch En-
       gels-Forscher der  BRD wie Michael Knieriem oder Richard Kumpf zu
       der Beteiligung interessiert werden können. Angesichts des baldi-
       gen 100. Todestages von Karl Marx am 14. 3. 1983 gewinnt die Ent-
       wicklung dieser Abteilung für das IMSF besondere Bedeutung.
       Winfried Schwarz hat die 1975-1980 in der BRD erschienene Litera-
       tur westdeutscher  Autoren über den jungen Marx (bis 1844/45) zum
       Gegenstand seiner  Untersuchung gemacht.  Er geht der Frage nach,
       welche Veränderungen sich in der bürgerlichen Marx-Interpretation
       mit dem  Wirksam werden der Linkstendenzen in der jungen Intelli-
       genz und  der immer  stärkeren Präsenz  der Marx-Engels-Forschung
       sozialistischer  Länder   vollzogen  haben.  Das  Ausspielen  des
       "humanistischen Entfremdungsphilosophen"  gegen den  reifen  Marx
       ist dabei passé. Eine Reihe von Autoren ignoriert die Entwicklung
       von Marx  zum Materialisten  in der  genannten Periode und erfaßt
       ihn ungeschichtlich bzw. retrospektiv durch die 'Brille der poli-
       tischen Ökonomie'.
       Erich Kundel und Alexander Malysch, Leiter der Marx-Engels-Abtei-
       lung der IML in Berlin und Moskau und Sekretäre der MEGA-Redakti-
       onskommission geben über die Arbeit an dieser fundamentalen Marx-
       Engels-Edition nach  dem Erscheinen von 11 MEGA-Bänden einen Zwi-
       schenbericht. Der Leser erhält nicht nur einen informativen Über-
       blick über  die Struktur  der MEGA,  die Editionsprinzipien usw.,
       sondern auch  über einige  interessante Aspekte des Marx'-Engels-
       schen Werkes, die sich mit neuen Dokumenten erschlossen haben.
       Dem 160.  Geburtstag von  Friedrich Engels am 28.11.1980 sind die
       Engels-Studien von  Richard Kumpf  und Michael Knieriem gewidmet.
       Es ist erfreulich, daß in diesem Zusammenhang auch bisher nur we-
       nig oder nur einem engen Leserkreis bekannte Engels-Dokumente pu-
       bliziert werden können. Kumpf untersucht, wie F. Engels gegen die
       Interessen des  Vaters, seine Absicht, ein Universitätsstudium zu
       absolvieren, zu verwirklichen suchte. Die Studie von Knieriem be-
       schäftigt sich mit der Familie Ermen, in Manchester Teilhaber der
       Firma "Ermen  & Engels".  Dadurch bedingt,  gab es  über  zwanzig
       Jahre einen  engen Kontakt  von F.  Engels zu dieser Familie. Aus
       den  dargelegten   Fakten  erschließen   sich  somit  zusätzliche
       Einsichten in die Biographie von Friedrich Engels.
       Ein weiterer Block von Beiträgen dient der  I n f o r m a t i o n
       ü b e r   w i s s e n s c h a f t l i c h e  E i n r i c h t u n-
       g e n  u n d  F o r s c h u n g s r i c h t u n g e n  in Europa.
       J.H. von  Heiseler berichtet  über ein  Seminar, das das IMSF mit
       dem  polnischen   "Institut  für   Grundprobleme  des  Marxismus-
       Leninismus beim  ZK der  PVAP" durchgeführt  hat;  Thema:  Wider-
       sprüche und  Konflikte in  Kapitalismus und Sozialismus. Angelina
       Sörgel analysiert  die  Arbeit  der  wichtigsten  wirtschaftswis-
       senschaftlichen  Forschungsinstitute  der  Bundesrepublik;  neben
       einer Übersicht über die Hauptrichtungen ihrer Arbeit werden auch
       die  Positionen   im  Spektrum   wirtschaftspolitischer  Theorien
       deutlich gemacht.
       Vier marxistische Forschungseinrichtungen im Ausland stellen ihre
       Entwicklung und die gegenwärtigen Hauptprojekte dar: Das Institut
       für Marxismus-Leninismus  beim ZK  der SED  (IML) aus Berlin, das
       neugegründete Institut  für Marxistische Studien (IMR) aus Paris,
       das Institut  für Gesellschaftswissenschaften  beim ZK  der US AP
       aus Budapest und das Institut für Internationale Arbeiterbewegung
       (IMRD) aus Moskau.
       Zum Ende  dieses Vorworts und unserer Einführung in die Texte des
       vorliegenden Bandes  möchten wir  mitteilen, daß  die Beiträge in
       "Marxistische  Studien.  Jahrbuch  des  IMSF  4/1981"  durch  den
       Schwerpunkt und  das Generalthema  D e r  S t a a t  u n d  d a s
       p o l i t i s c h e   S y s t e m   i m  S M K  d e r  B R D  be-
       stimmt sein werden.
       
       Institut für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF)
       Frankfurt am Main, Juni 1980
       

       zurück