Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


       zurück

       
       INTERNATIONALES INSTITUT FÜR SOZIALGESCHICHTE AMSTERDAM - IISG
       ==============================================================
       
       Dieter Läpple
       
       1. Zur  Geschichte des IISG - 2. Rechtlicher Status und organisa-
       torische Struktur  - 3. Arbeitsaufgaben und Forschungsabteilungen
       - 4.  Periodika und  Publikationsreihen des  IISG -  5. Die  neue
       Adresse des IISG.
       
       Das Internationale  Institut für  Sozialgeschichte (IISG)  in Am-
       sterdam ist eines der bedeutendsten Dokumentationszentren zur Ge-
       schichte der internationalen Arbeiterbewegung.
       Die wichtigste  Sammlung des  Institutes ist dabei zweifellos der
       nahezu vollständige schriftliche Nachlaß von Karl Marx und Fried-
       rich Engels mit tausenden Seiten ihrer Originalmanuskripte, sowie
       dem größten Teil der Originale ihrer Korrespondenz, die durch Ko-
       pien der  Originalkorrespondenz aus  anderen Instituten  zu einer
       weitgehend vollständigen Sammlung der bekannten Briefe von und an
       Marx und Engels angereichert ist. 1)
       Außerdem verfügt  das Institut  - um  nur einige der vielfältigen
       Nachlässe, Archive  und Sammlungen zu nennen - über die Nachlässe
       von August  Bebel, Karl  Kautsky, Eduard  Bernstein, Moses  Hess,
       Charles Rappoport,  die Archive des Generalrats der Ersten Inter-
       nationale (1864-1872),  der 'Sozialistischen  Arbeiterinternatio-
       nale' (SAI - die 1923 gegründete Nachfolgerin der II. Internatio-
       nale), des  Zentralrats der  Deutschen  Sozialistischen  Republik
       (19.12.1918-8.4.1919), die  sog. Kashnor-Sammlung  mit 10.000 Ti-
       teln, darunter  einer Vielzahl seltener englischer Broschüren aus
       der Periode  von 1600-1870,  die bedeutende  Sammlung von  Lucien
       Descarves über die Pariser Kommune und die Sammlung des Österrei-
       chischen Historikers  und Anarchisten Max Nettlau, mit 40.000 Ti-
       teln eine  der größten und wertvollsten Privatsammlungen anarchi-
       stischer und sozialistischer Dokumente und Literatur. 2)
       
       1. Zur Geschichte des IISG 3)
       -----------------------------
       
       Das IISG  wurde 1935  gegründet, zu  einem Zeitpunkt also, zu dem
       sich in verschiedenen europäischen Ländern faschistische Bewegun-
       gen ausbreiteten  und in  Deutschland und Italien bereits faschi-
       stische Diktaturen errichtet waren, die sich mit aller Konsequenz
       auf eine politische und militärische Expansion vorbereiteten. Die
       Entstehung und  der Aufbau  des Instituts  sind somit aufs engste
       verbunden mit  dem Aufstieg des Faschismus und der Errichtung des
       faschistischen Terrorsystems  gegen Kommunisten. Sozialisten, Ju-
       den, Demokraten  und alle  antifaschistischen Kräfte. Bereits die
       Bücherverbrennungen von  1933 deuteten  an, daß die faschistische
       Diktatur nicht  nur die  physische Vernichtung  ihrer Gegner  an-
       strebte, sondern auch die Liquidierung deren historischen Bewußt-
       seins, insbesondere  die Liquidierung der gesammelten kollektiven
       Kampferfahrungen,  der  niedergeschriebenen  Geschichte  und  der
       Ideen und Theorien der verschiedenen Strömungen der Arbeiterbewe-
       gung. Die "Zerschlagung des Marxismus", sowohl als politische Be-
       wegung als  auch als  geschriebenes  Wort,  wurde  zur  zentralen
       Kampfparole des faschistischen Terrors.
       In dieser Situation begann ab 1934 der Amsterdamer Wirtschaftshi-
       storiker und  Sozialdemokrat Prof.  Posthumus (1880-1960),  einer
       der Gründer  des IISG,  Bücher, Zeitschriften,  Dokumente,  Flug-
       schriften etc.  von bedrohten  und verfolgten  Organisationen und
       Personen über  die  Grenze  nach  den  Niederlanden  zu  bringen.
       Posthumus war zu dieser Zeit Direktor der 'Economisch-Historische
       Bibliothek' (EHB)  in Amsterdam,  in der  vor allem Firmenarchive
       und  anderes  wirtschaftshistorisches  Quellenmaterial  gesammelt
       wurden. Die  EHB hatte jedoch neben ihrer wirtschaftshistorischen
       Bibliothek auch  noch eine  kleine Abteilung für Sozialgeschichte
       und Sozialökonomie, in die zunächst die aus den bedrohten Ländern
       kommenden Bücher und Archive eingebracht wurden.
       Auf der  Suche nach  Geld für den Ankauf derartiger Archive stieß
       Posthumus auf  die 'Centrale  Arbeidersverzekerings- en Deposito-
       bank' ('Centrale'),  eine von der niederländischen Sozialdemokra-
       tie gegründete  Bank, die  in ihrer  Satzung verankert hatte, daß
       ein bestimmter  Teil ihres Gewinns für die kulturellen Interessen
       der Arbeiterklasse  verwendet werden  sollte. Posthumus  trug der
       'Centrale' seinen Plan vor, ein Internationales Insitut für Sozi-
       algeschichte zu errichten, um damit einen zentralen und allgemein
       zugänglichen Ort  für Dokumente der internationalen Arbeiterbewe-
       gung zu  schaffen. Die 'Centrale' sagte Posthumus die finanzielle
       Unterstützung bei  der Realisierung dieses Planes zu. Sie stellte
       nur die  Bedingung, daß das neue Institut kein "Papierlagerhaus",
       sondern ein  "Institut für wissenschaftliche Forschung" 4) werde.
       Jahrelang war somit die 'Centrale Arbeidersverzekerings- en Depo-
       sitobank' der  entscheidende finanzielle  Träger  des  IISG,  der
       nicht nur  den Ankauf  von Bibliotheken,  Sammlungen und Archiven
       finanzierte, sondern  auch den Umbau des von der Gemeinde Amster-
       dam für das neue Institut zur Verfügung gestellten Gebäudes.
       Mit der Errichtung des IISG ergab sich auch eine gewisse Arbeits-
       teilung mit  der bereits  bestehenden 'Economisch-Historische Bi-
       bliothek' (EHB).  Das IISG wurde für soziale Fragen und Arbeiter-
       bewegung zuständig, die EHB spezialisierte sich weiter auf ökono-
       mische Fragen  und Kapitalentwicklung. Die bereits bestehende Ab-
       teilung für  Sozialgeschichte der  EHB wurde  in das  IISG einge-
       bracht.
       Die Jahre  nach Gründung  des Instituts  bis 1940  waren  geprägt
       durch fieberhafte  und teilweise  gefährliche Ankaufs-  und  Ret-
       tungsaktionen  von  Bibliotheken  und  Archiven  in  Deutschland,
       Österreich, der Tschechoslowakei und einigen anderen europäischen
       Ländern. Dabei  schloß das  Institut u.a.  auch Verträge  ab, mit
       denen es sich verpflichtete, die Archive nach Überwindung des Fa-
       schismus bzw.  nach Ablauf des Krieges - gegen Erstattung der Un-
       kosten -  an ihre früheren Besitzer zurückzugeben. Besonders dra-
       matisch verlief  die Rettung  eines Teils  der Sammlung  von  Max
       Nettlau, die  dieser in dem durch deutsche Truppen besetzten Wien
       zurückgelassen hatte,  durch die  langjährige Bibliothekarin  des
       Institutes Annie Adama van Scheltema-Kleefstra. 5)
       Zur Erleichterung des Erwerbs von Dokumenten der Arbeiterbewegung
       eröffnete das  IISG 1936  eine Filiale in Paris, die bis 1940 von
       Boris Nikolajewsky geleitet wurde. Nikolajewsky spielte auch eine
       wichtige Rolle  bei dem  Erwerb des Parteiarchivs der Sozialdemo-
       kratischen Partei  Deutschlands, einer  Sammlung,  die  auch  den
       schriftlichen Nachlaß  von Marx  und Engels enthielt, und die die
       übrigen Erwerbungen  des Instituts  an Bedeutung  und Umfang  bei
       weitem übertraf.  Durch das  Testament von  Friedrich Engels  ist
       nach dessen Tode der größte Teil des schriftlichen Nachlasses von
       Marx und Engels an Bebel und Bernstein gefallen und über diese in
       das Parteiarchiv der SPD gekommen. 6)
       Der Marx-Engels-Nachlaß  war offenbar bereits vor dem Reichstags-
       brand aus  dem Archiv  in Berlin  entfernt worden,  und es ist im
       Laufe des  Jahres 1933  gelungen, diesen  Nachlaß und den größten
       Teil des  restlichen Parteiarchives  ins Ausland  zu bringen.  Ab
       1935 verhandelten Vertreter des Moskauer Marx-Engels-Lenin-Insti-
       tuts mit  dem Parteivorstand der SPD im Exil über einen möglichen
       Ankauf des  Marx-Engels-Nachlasses und  später über eine zeitwei-
       lige Überlassung  dieses Nachlasses  an  das  Moskauer  Institut.
       Nachdem diese  Unterhandlungen 1936 erfolglos abgebrochen wurden,
       schloß der  Parteivorstand der SPD mit dem IISG einen vorläufigen
       Vertrag, daß ihr Archiv - unter Eigentumsvorbehalt und unter Aus-
       schluß des  Marx-Engels-Nachlasses -  dem Amsterdamer Insitut zur
       unentgeldlichen Aufbewahrung überlassen werde.
       Zwei Jahre  später, 1938,  kam der SPD-Parteivorstand im Exil of-
       fensichtlich in  finanzielle Schwierigkeiten  und  bot  daraufhin
       sein gesamtes  Archiv - einschließlich des Marx-Engels-Nachlasses
       - für  72.000 Gulden  dem IISG  zum vorbehaltlosen  Kaufe an. Die
       'Centrale' war  bereit, diesen  Betrag für das Institut zu bezah-
       len, und der Kauf kam zustande. 7)
       Ab 1938,  nach den Erfahrungen der Münchner Konferenz, begann das
       IISG, einen  Teil seiner wichtigsten Dokumente, darunter auch den
       Marx-Engels-Nachlaß, in England unterzubringen.
       Im Mai  1940 fielen die deutschen Truppen in die Niederlande ein.
       Das Institut wurde daraufhin geschlossen und von dem "Einsatzstab
       Reichsleiter Rosenberg"  besetzt. Im  Oktober 1944 wurden die ge-
       samten im  IISG noch verbliebenen Bibliotheks- und Archivbestände
       von den deutschen Truppen abtransportiert.
       Nach der  Befreiung im  Mai 1945  wurde das  Institut völlig leer
       vorgefunden. Nun  begann die  Suche nach dem Material des IISG in
       ganz Europa. Im Frühjahr 1946 wurden bei Hannover zwei Rheinkähne
       entdeckt, die einen Teil der Bücher, Broschüren und Periodika so-
       wie einige  Archive des  Instituts enthielten. Im Laufe der Jahre
       1946 und 1947 kamen ungefähr 3500 Kisten Material in das Institut
       zurück. 1956 wurden durch die polnische Regierung noch 270 Kisten
       Archivmaterial zurückgeschickt,  das die  deutschen Truppen  1944
       nach Polen  gebracht hatten. Nach den Worten der früheren Biblio-
       thekarin Annie  Adama van  Scheltema war  es "ein wirkliches Wun-
       der", daß  das Material des IISG "ohne große Verluste wieder nach
       Amsterdam zurückgebracht werden konnte". 8)
       
       2. Rechtlicher Status und organisatorische Struktur
       ---------------------------------------------------
       
       Nach 1945  kam das Institut in eine schwierige finanzielle Situa-
       tion. Der  bisherige finanzielle  Träger, die  'Centrale',  hatte
       durch den  Krieg und  die faschistische Besetzung der Niederlande
       großen Schaden  erlitten. Der  Betrag von  60.000 Gulden, den das
       Institut vor  dem Kriege  von der  'Centrale'  bekam,  wurde  nun
       zunächst je zu einem Drittel von der 'Centrale', der Gemeinde Am-
       sterdam und  der niederländischen Regierung gezahlt. Das Institut
       konnte seinen  Mitarbeitern in  dieser Zeit nur eine minimale Be-
       zahlung bieten,  die noch  nicht einmal eine Pensionsberechtigung
       einschloß. Ab  1963 übernahm  das Ministerium  für Erziehung  und
       Wissenschaft den größten Teil der Finanzierung des Instituts. Der
       jahrelange Kampf für eine finanzielle Absicherung und einen defi-
       nitiven rechtlichen  Status des  IISG hat  erst 1978 mit der Auf-
       nahme des Instituts in die Königlich Niederländische Akademie der
       Wissenschaften ein vorläufiges Ende gefunden. 9)
       Das IISG, das bis 1978 eine Stiftung war, hat nun den rechtlichen
       Status eines  Instituts der  Königlich Niederländischen  Akademie
       der Wissenschaften,  wodurch die  Mitarbeiter  des  IISG  in  den
       Dienst dieser Akademie übernommen wurden. Die laufenden Kosten in
       der Höhe  von ungefähr  5 Millionen DM werden von dem Ministerium
       für Erziehung und Wissenschaft getragen.
       Mit dem  neuen rechtlichen  Status bekam  das Institut  auch eine
       neue Organisationsstruktur.  Dabei wurde  versucht, eine Struktur
       zu finden,  die dem  Institut eine  weitgehende interne Autonomie
       bei der  Durchführung seiner  wissenschaftlichen  Arbeitsaufgaben
       gewährleistet.
       Die ursprüngliche   S t i f t u n g   I I S G   bleibt  unter der
       neuen Struktur  - mit einem wesentlichen Teil ihrer Kompetenzen -
       weiterhin bestehen und ist nach wie vor Eigentümerin der Sammlun-
       gen des  IISG. An  der Stelle  des Stiftungsrats  steht jetzt ein
       V e r w a l t u n g s r a t  aus neun Mitgliedern, wovon ein Mit-
       glied von der Stiftung und eines von der 'Centrale' ernannt wird.
       Die restlichen sieben Mitglieder werden von der Akademie der Wis-
       senschaften (KNAW)  ernannt; davon ein Mitglied auf Vorschlag der
       Universität  von   Amsterdam  und   eines   auf   Vorschlag   des
       'Schwesterinstituts',  des  Niederländischen  Archivs  für  Wirt-
       schaftsgeschichte  mit  der  'Economisch-Historische  Bibliothek'
       (EHB).
       Die  laufenden   Geschäfte  des   Instituts  werden   von   einem
       D i r e k t o r i u m   wahrgenommen, das  von dem Verwaltungsrat
       ernannt wird.  Die jährliche  Vollversammlung der Mitarbeiter des
       IISG wählt  einen   I n s t i t u t s r a t,   der wiederum  ver-
       schiedene Arbeitskommissionen  einsetzt und die Arbeit des Insti-
       tuts koordiniert.
       Die  wissenschaftliche  Arbeitsplanung  erfolgt  im  wesentlichen
       durch die   m o n a t l i c h e    V e r s a m m l u n g    d e r
       w i s s e n s c h a f t l i c h e n   M i t a r b e i t e r   des
       IISG.
       
       3. Arbeitsaufgaben und Forschungsabteilungen des IISG
       -----------------------------------------------------
       
       Die allgemeinen  Arbeitsaufgaben des IISG, wie sie bereits in den
       Statuten von  1936 festgelegt  wurden, haben sich bis heute nicht
       wesentlich verändert. Sie umfassen weiterhin:
       1. Sammeln und  Erwerben von  Dokumenten, die  bedeutsam sind für
       die Sozialgeschichte;  also vor allem alte und neue Bücher, Peri-
       odika, Dokumentationen und Archive von Personen, die in verschie-
       denen sozialen  Bewegungen, insbesondere der Arbeiterbewegung ak-
       tiv sind oder waren;
       2. Ordnen und Katalogisieren des gesamten Materials, damit es für
       Forschung zugänglich ist;
       3. Beratung und  Hilfeleistungen für  externe Wissenschaftler bei
       der Forschung mit Dokumenten und Quellenmaterial des Instituts;
       4. Durchführung eigener  Forschung auf  dem Gebiet  der Sozialge-
       schichte, Publikation  von Studien und Herausgabe von Dokumenten,
       die für die Sozialgeschichte bedeutsam sind.
       Ursprünglich war  die Arbeit des IISG nach vier 'Regionen' unter-
       teilt:
       - Abteilung für Deutschland, Österreich und Schweiz;
       - Abteilung für romanische Länder und Anarchismus;
       - Abteilung für Osteuropa;
       - Abteilung für Benelux-Länder, Großbritannien, USA u.a.
       Im Laufe  der Zeit wurde eine Reorganisation und Erweiterung die-
       ser Forschungsorganisation notwendig. Bemerkenswert ist vor allem
       die Schaffung  von Abteilungen, die sich mit asiatischen, afrika-
       nischen und  lateinamerikanischen Ländern befassen. Nach der Aus-
       sage des früheren Direktors des IISG, Prof. de Jong Edz., ist das
       Institut davon  überzeugt, daß  durch die Sammlung von Dokumenta-
       tionen über  diese Länder,  in denen sich heute radikale Verände-
       rungen vollziehen,  ein wichtiger  geschichtlicher Beitrag gelei-
       stet wird. 10)
       Heute arbeiten  insgesamt 35  Wissenschaftler  in  den  folgenden
       F o r s c h u n g s a b t e i l u n g e n:
       1. Abt. für Deutschland, Österreich und Schweiz;
       2. Abt. für Benelux-Länder;
       3. Abt. für Osteuropa;
       4. Abt. für Anarchismus - Spanien, Portugal und Lateinamerika;
       5. Abt. für Frankreich, Italien und Israel;
       6. Abt. für Großbritannien, Irland, Nordamerika und Nordeuropa;
       7. Abt. für Asien, Afrika und Australien;
       8. Abt. für  Internationale Organisationen und allgemeine Fragen;
       dazu kommen noch die Abteilungen für spezielle Aufgabenbereiche:
       9. Abt. für Ikonographie und visuelles Archiv;
       10. Abt. 'International Review of Social History';
       11. Abt. 'Archives Bakounine';
       12. Publikationsabteilung.
       Neben der  Arbeit in  diesen Forschungsabteilungen stellen natür-
       lich die  laufenden Arbeiten in der  B i b l i o t h e k  und den
       A r c h i v e n  einen zentralen Arbeitsschwerpunkt dar.
       Das IISG  hatte 1980  einen   B i b l i o t h e k s b e s t a n d
       von ungefähr  550.000 Büchern und Broschüren bei einem jährlichen
       Zugang von rund 10.000 Titeln.
       Die  Z e i t s c h r i f t e n a b t e i l u n g  hält laufend 45
       Tageszeitungen aus  20 Ländern  und rund  2300 Periodika aus mehr
       als 60 Ländern.
       Neben dieser  umfangreichen Spezialbibliothek  verfügt  das  IISG
       über eines  der größten   A r c h i v e   der  Welt  a u f  d e m
       G e b i e t  d e r  A r b e i t e r b e w e g u n g.
       Zur Bewältigung  dieser   B i b l i o t h e k s-    u n d    A r-
       c h i v a r b e i t e n   (wie Akquisition, Klassifikation, Kata-
       logisierung, Ausleihe,  Binden und Restauration) hat das Institut
       noch über  30 Mitarbeiter  beschäftigt.  Diese  Bibliotheks-  und
       Archivarbeiten erfolgen  in enger  Zusammenarbeit  mit  den  wis-
       senschaftlichen Mitarbeitern  der verschiedenen  Forschungsabtei-
       lungen, die  einen wesentlichen  Teil ihrer Arbeitszeit für diese
       Aufgaben einsetzen.
       Insgesamt verfügt das IISG über ungefähr 80 Mitarbeiter.
       
       4. Periodika und Publikationsreihen 11) und laufende Arbeiten
       -------------------------------------------------------------
       des IISG
       --------
       
       a) Periodika:
       -------------
       
       Das IISG  gibt seit 1956 die Zeitschrift 'International Review of
       Social History' (Assen, Van Gorcum & Comp.) heraus. Die Redaktion
       dieser Zeitschrift  wird durch die Forschungsleiter der verschie-
       denen Forschungsabteilungen des IISG gebildet.
       Außerdem ist  das Institut beteiligt bei der Herausgabe der Zeit-
       schrift der  niederländischen Vereinigung  für  Sozialgeschichte,
       der 'Tijdschrift  voor sociale geschiedenis' (Zeitschrift für So-
       zialgeschichte, Den Haag, Martinus Nijhoff).
       
       b) Publikationsreihen:
       ----------------------
       
       Das IISG  gibt in  Zusammenarbeit mit  verschiedenen Verlagen die
       folgenden Publikationsreihen heraus:
       I. Quellen und  Untersuchungen zur  Geschichte der  deutschen und
       österreichischen Arbeiterbewegung;
       II. Quellen und  Untersuchungen zur  Geschichte der deutschen und
       österreichischen Arbeiterbewegung - NEUE FOLGE;
       III. Quellen  zur  Geschichte  der  Rätebewegung  in  Deutschland
       1918/1919;
       IV. Publications on Social History;
       V. Sociaal-Historische Studien;
       VI. Archives Bakounine;
       VII. Russian Series;
       VIII. Russian Series on Social History;
       IX. Archive de Jules Humbert-Droz;
       X. Studies in Social History;
       XI. De Nederlandse Arbeidersbeweging;
       XII. Quellen und Studien zur Sozialgeschichte.
       Außerhalb ihrer  Publikationsreihen gibt  das IISG auch noch Ein-
       zelveröffentlichungen heraus.
       
       5. Die neue Adresse des IISG
       ----------------------------
       
       Abschließend sei  noch darauf verwiesen, daß das IISG augenblick-
       lich in  ein anderes  Gebäude umzieht.  Das bisherige Gebäude des
       Instituts, Herengracht  266, in  der Amsterdamer  Innenstadt, ist
       bereits seit  langem zu  klein, und  vor  allem  sind  durch  das
       schwere Gewicht  der Bücher  und Dokumentationen  ernste Probleme
       mit der  Fundierung aufgetreten. Als Not- und Zwischenlösung wird
       das IISG  für die  nächsten Jahre  in einem Großhandelszentrum im
       westlichen Hafengebiet, im Kabelweg 49-51, untergebracht. Die Ar-
       beiten des  IISG werden  in  dieser  Interimsunterkunft  uneinge-
       schränkt weitergehen.  Ebenso werden  die Bibliothek  und die Ar-
       chive nach  einer kurzen, durch den Umzug bedingten Unterbrechung
       wieder zugänglich sein.
       Das IISG,  und mit  ihm alle Freunde des 'Amsterdamer Instituts',
       hoffen jedoch,  daß es  in absehbarer  Zeit wieder ein geeignetes
       und zentral  gelegenes Dauerdomizil für seine Forschungs- und Do-
       kumentationsarbeit bekommt.
       
       _____
       1) Mit dem  angereicherten Marx-Engels-Nachlaß  verfügt das  IISG
       über 1540 Briefe zwischen Marx und Engels und 9603 an sie gerich-
       tete Briefe.
       2) Für eine  vollständige Übersicht  der Archive,  Nachlässe  und
       Sammlungen des  IISG (Stand 1968) vgl.: Index of the Archives and
       Collections in the International Institute of Social History, in:
       International Institute of Social History Amsterdam - History and
       Activities, hrsg.  u. eingeleitet  von Fr.  de Jong  Edz.,  Assen
       1968.
       3) Diese Ausführungen  zur Geschichte  des IISG  stützen sich auf
       die folgende Literatur:
       J.M. Welker,  Veertig jaar  Internationaal Instituut voor Sociale
       Geschiedenis 1935-1975,  in: Tijdschrift  voor Sociale Geschiede-
       nis, (Amsterdam),  Nr. 3,  Dezember 1975, S. 373-384; Annie Adama
       van Scheltema-Kleefstra.  Erinnerungen der Bibliothekarin des In-
       ternationalen Instituts  für Sozialgeschichte  (deutsche Überset-
       zung), in:  Mitteilungsblatt des Instituts zur Geschichte der Ar-
       beiterbewegung - IGA, (Ruhr-Universität Bochum), Heft 4, 1979, S.
       7-42;
       Maria Hunink,  De geschiedenis  van een bibliotheek - Max Nettlau
       en Amsterdam,  in: Over  Buonarroti, internationale avant-gardes,
       Max Nettlau  en het  verzamelen van  bocken, anarchistische mini-
       sters, de  algebra van  de revolutie,  schilders  en  schrijvers,
       hrsg. von M. Hunink, J. Kloosterman, J. Rogier, Baarn 1979;
       Paul Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs
       und das  Schicksal des Marx-Engels-Nachlasses, in: Archiv für So-
       zialgeschichte, Bd. VI-VII, Hannover 1966-1969, S. 1-198
       4) A.J.C. Rüter,  Historische Studies  over mens  en samenleving,
       Assen 1967, S. 284 (zitiert nach J.M. Welcker, a.a.O., S. 374).
       5) Vgl. dazu die Erinnerungen von A. Adama van Scheltema, a.a.O.,
       S. 19 ff.
       6) Die folgenden  Ausführungen zum  Parteiarchiv der  SPD und zum
       Marx-Engels-Nachlaß stützen  sich im  wesentlichen auf  F. Mayer,
       Die  Geschichte   des   sozialdemokratischen   Parteiarchives...,
       a.a.O..
       7) Vgl. dazu auch: W. Schwarz, Marx-Engels-Forschung in Frankfurt
       1924-1929, in: 10 Jahre IMSF, Frankfurt 1978, S. 76 ff.
       8) A. Adama  van Scheltema-Kleefstra, Erinnerungen..., a.a.O., S.
       36.
       9) Zu dem  neuen rechtlichen  Status des IISG vgl.: International
       Institute of Social History - Annual Report 1978.
       10) Fr. de Jong Edz., a.a.O., S. 8.
       11) Vgl. dazu: International Institute of Social History - Annual
       Report 1978, S. 55-58.
       

       zurück