Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983


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       DER STREIT UM DIE FRAUENFRAGE
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       Überlegungen im Anschluß an U. H.-Osterkamps Kritik an meinen
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       Texten zur Frauenbefreiung *)
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       Frigga Haug
       
       Frauen sind  in Bewegung.  Das gilt nicht nur für die Bundesrepu-
       blik, sondern  ist ein weltweites Phänomen. Auf eine noch unklare
       Weise -  unklar für das Begreifen unter Gesichtspunkten traditio-
       neller Politik - formieren sich Frauen in Projekten, gibt es eine
       neue Frauenbewegung. Wiewohl keine einheitliche Zielrichtung oder
       gar Linie  deutlich ist,  läßt sich doch erkennen, daß diese neue
       Bewegung zum geringsten Teil eine sozialistische Perspektive hat,
       daß sie  sogar mit den Organisationen der Arbeiterbewegung nichts
       zu tun  haben will und daß sie gleichwohl eine Befreiungsperspek-
       tive verfolgt.  Diese Bewegung  stellt eine Kraft dar, deren Wir-
       kung vielfältig gebrochen ist, die zugleich beständig von Verfall
       bedroht ist oder gar von einer Einbindung in rechte Politik.
       In meinen  beiden von  Ute H.-Osterkamp  kritisierten  Texten  1)
       stelle ich  mir zwei  Ziele: einen Eingriff in die Frauenbewegung
       zu formulieren,  weg vom Opferdiskurs in Richtung auf ein Ergrei-
       fen der  gegebenen Möglichkeiten (Opfer-Täter), und ich mache den
       Versuch, den Zusammenhang von Arbeiterbewegung und Frauenbewegung
       zu untersuchen,  als ersten Schritt für eine praktisch herzustel-
       lende Verbindung der Politiken (Männergeschichte;..). Eigentümli-
       cherweise ist  U. H.-Osterkamps  Kritik eine politische, eine die
       Politikvorschläge enthält,  ohne daß  sie dieses Anliegen von mir
       überhaupt zur  Kenntnis nimmt. Im Gegenteil scheint ihr schon der
       Aufruf an  die feministischen Frauen, einen Zusammenhang zwischen
       den Kapitalverhältnissen  und der  Frauenunterdrückung anzunehmen
       und von  daher den Kampf nicht nur gegen Männer, sondern auch ge-
       gen die  Form der  Produktionsverhältnisse zu führen, als Charak-
       terschwäche von  mir (198  f.). Durch die Wahl einiger Worttupfer
       zeichnet sie ein Stimmungsbild, das alle aufrichtigen Sozialisten
       abschrecken  muß:   Sozialistische  Frauengruppen  sind  von  mir
       "kreiert" -  man assoziiert einen Damenschneider; daß ich persön-
       lich zum  Couturier werde,  löscht  die  Aktivitäten  der  vielen
       Frauen. Überlegungen, die das Auseinander von Arbeiter- und Frau-
       enbewegung zum Thema haben, "erscheinen dann als der dritte Weg",
       womit zwar nichts analysiert, aber immerhin bedeutet ist, daß man
       sich davor  abzuwenden habe. - Ich arbeite in der sozialistischen
       Frauenbewegung seit  14 Jahren.  Es erschreckt  mich, daß  U. H.-
       Osterkamp, die  niemals "Frauenpolitik"  machte, in solcher Weise
       sich Urteile  erlaubt. Ein genaueres Studium ihrer Texte (ich be-
       ziehe mich dabei ebenso auf ihren Beitrag zur Marxistischen Woche
       in Köln 1982) 2) belehrte mich jedoch, daß sie diese Inkompetenz,
       die ich  ihr bescheinige,  nicht empfindet,  weil sie die Frauen-
       frage insgesamt  für ein Phänomen hält, welches sich aus der Ana-
       lyse der  kapitalistischen Gesellschaftsformation und der Lohnab-
       hängigen in  ihr prinzipiell und ursächlich ableiten und erklären
       läßt. Mit anderen Worten, die vielen "bewegten Frauen" sitzen mit
       ihren Kämpfen einem Effekt der kapitalistischen Gesellschaftsfor-
       mation auf;  "statt aus  der Bewährungsangst  heraus zu  agieren,
       (sollten sie)  diese auf ihre realen Ursachen zurückführen und zu
       der 'Unzulänglichkeit' der eignen Person bewußt stehen... und die
       subjektive Notwendigkeit  der Veränderung dieser Verhältnisse ab-
       leite(n)" (199  f.). Eine  Mann-Frau-Unterdrückung existiert dann
       überhaupt nur,  insoweit es  auch eine  Unterdrückung der  Kinder
       durch Mütter  gibt usw., ebenfalls als eine Folge der prinzipiel-
       len Unterdrückung im Kapitalismus, was die einzelnen dazu verlei-
       tet, diese immer weiter nach unten abzureagieren.
       Ich möchte  mich an dieser Stelle darauf beschränken, dies Haupt-
       problem, das  u.a. in  Ute H.-Osterkamps  Kritik steckt,    d i e
       N i c h t e x i s t e n z   d e r  F r a u e n f r a g e,  zu er-
       örtern, weil dies für ein mögliches Zusammengehen von Frauenbewe-
       gung und  Arbeiterbewegung ein zentrales Problem ist. Die Einord-
       nung und  Abhandlung der Frauenunterdrückung als Erscheinungsform
       der Klassenfrage ist zudem so verbreitet, daß ein allgemeines In-
       teresse an  solcher Diskussion  vorausgesetzt werden  kann.  (Die
       persönlichkeitstheoretischen Annahmen  in ihrem Artikel werde ich
       an anderer Stelle kritisch erörtern.)
       Antworten, die  wir finden,  hängen ab  von den  Fragen, die  wir
       stellen, und  davon,   w i e   wir dies  tun. Wie stellen wir uns
       also die  Frage nach  der in fast allen gesellschaftlichen Berei-
       chen offensichtlichen Benachteiligung und Unterdrückung der Frau?
       Wenn wir z.B. in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Arbeiter-
       bewegung und  Frauenbewegung zur  Diskussion stellen,  setzen wir
       implizit schon  voraus, daß es da einen  i n n e r e n  Zusammen-
       hang geben  müßte; im  Grunde meinen  wir, daß  die Befreiung der
       Frau auch  Sache der  Arbeiterbewegung sein  sollte. Unter dieser
       Voraussetzung blicken  wir mit  Staunen in  die Geschichte dieser
       Bewegung. Ich setze voraus, daß die Fakten im allgemeinen bekannt
       sind und  spitze für unsere Frage im wesentlichen zusammenfassend
       zu:
       Die Arbeiterbewegung  war im großen und ganzen eine männliche Be-
       wegung. Ihre  Organisationen hatten wenig übrig für Frauenemanzi-
       pation. Ja, nicht einmal die Berufstätigkeit der Frauen stand hi-
       storisch auf  der Tagesordnung.  Das hatte  sein relatives Recht,
       denn die  Bedingungen zu  Beginn der  Industrialisierung waren so
       schlecht, daß  die Familie, deren Zusammenhalt der Frau zugedacht
       war, als Zuflucht notwendig war. 3)
       Zugleich gewinnen  wir aus einem Studium der Geschichte der Indu-
       striearbeit den Eindruck, daß zumindest die Arbeiterschaft selber
       zu Beginn der Industrialisierung überwiegend weiblich war. Belege
       finden sich  zuhauf etwa  bei Karl Marx im "Kapital". Ich zitiere
       einige Passagen:  Eine Stahlfederfabrik  beschäftigt 1861    1428
       Personen, darunter  1268 Arbeiterinnen  vom fünften  Jahr an. Von
       den 642 607  Beschäftigten in  den Textilfabriken  von 1861  sind
       177 596 männlich über 13 Jahre. Überall, mit Ausnahme der Metall-
       fabriken, sind  jugendliche Arbeiter (unter 18 Jahre), Weiber und
       Kinder das  weit vorwiegende  Element des  Fabrikpersonals.  "Die
       neuen Maschinenarbeiter  sind ausschließlich  Mädchen  und  junge
       Frauen. Mit Hilfe der mechanischen Kraft vernichten sie das Mono-
       pol der  männlichen Arbeit  in schwererem Werk...". 4) Trotz sol-
       cher Realitäten  dachte und  formulierte Marx  die Arbeiterschaft
       männlich, sind Sätze selbstverständlich, in denen "Arbeiter" oder
       "Proletarier" synonym  für den männlichen Arbeiter gilt. (Ich er-
       innere etwa  an die Sätze im "Kommunistischen Manifest", in denen
       sowohl Bourgeoisie  als auch  Arbeiterklasse umstandslos männlich
       gedacht sind.)  Spricht Marx im "Kapital" überhaupt über das Ver-
       hältnis von  Männern zu  Frauen, so gemeinhin unter dem Gesichts-
       punkt des Reproduktionszusammenhangs für die Gattung. Frauen exi-
       stieren für  Kinder und  für Familie (so belegt auch der Fragebo-
       gen, den  seine Töchter  für ihn ausarbeiteten). Irr dieser Weise
       gehen Frauen  auch in  die Arbeitswertlehre  ein: als ein Element
       der Reproduktionskosten  der Ware Arbeitskraft. Solche selbstver-
       ständlich spontanen  Auffassungen über  die Geschlechter  sind zu
       jener Zeit  ganz üblich,  werden  im  wesentlichen  nur  von  den
       Sozialutopisten Fourier,  auch Weitling,  Owen  und  Saint  Simon
       durchbrochen.
       Neben der spontanen Reproduktion zeitgenössischen Empfindens for-
       muliert Marx  für die sozialistische Perspektive durchaus ein an-
       deres Verhältnis  der Geschlechter  zueinander, ein  Durchbrechen
       der alten  Familienform, eine Verbindung, die gestiftet ist durch
       die Beteiligung  beider  an  der  gesellschaftlichen  Produktion,
       durch "die  dritte Sache",  wie Brecht später schrieb. Selbst die
       unmenschlichen Arbeitsbedingungen  in der "Großen Industrie" hin-
       dern Marx  nicht, wie  folgt zu  formulieren: "So  furchtbar  und
       ekelhaft nun die Auflösung des alten Familienwesens innerhalb des
       kapitalistischen Systems erscheint, so schafft nichtsdestoweniger
       die große  Industrie mit  der entscheidenden  Rolle, die  sie den
       Weibern, jungen Personen und Kindern beiderlei Geschlechts in ge-
       sellschaftlich organisierten  Produktionsprozessen  jenseits  der
       Sphäre des Hauswesens zuweist, die neue ökonomische Grundlage für
       eine höhere  Form der  Familie und  des Verhältnisses  beider Ge-
       schlechter." 5)
       Es bedarf  kaum der Interpretation, um zu erkennen, daß sich Marx
       hier ebenso kritisch zum Geschlechterverhältnis wie zur alten Fa-
       milienform äußert,  wie daß er sich die mögliche Entwicklung kri-
       senhaft vorstellte,  nicht evolutionär. 6) Dennoch können wir den
       Rückblick zusammenfassend kennzeichnen: Die Geschichte der Arbei-
       terbewegung ist  eine weitgehend  männliche Geschichte.  Die  Ge-
       schichte der Frauenarbeit zeigt sie durchweg in unteren schlecht-
       bezahlten Rändern  der allgemeinen industriellen Arbeit. Noch im-
       mer verdienen  Frauen im Durchschnitt 25 Prozent weniger als Män-
       ner, gibt  es in  höheren Positionen  Frauen nur als seltene Ein-
       sprengsel, exotische  Blumen in  einem für  sie  nicht  gedachten
       Klima. Die Zentralkomitees, die Funktionärspositionen, die Redak-
       tionen aller sozialistischen Organe sind durchweg Männervereine.
       Umgekehrt die   n e u e   F r a u e n b e w e g u n g.  Sie kennt
       zwar keine  Zentralkomitees, wie  sie überhaupt einer politischen
       Artikulation in  organisierter  Form  überwiegend  widerstreitet.
       Ihre Redaktionen  sind "Frauenvereine". Sie hat mit der Arbeiter-
       bewegung nichts  im Sinn, wie diese nichts mit ihr. Es wirkt, als
       ob diese  zwei Bewegungen  von zwei verschiedenen Planeten kämen.
       Sie sprechen Fremdsprachen füreinander.
       Schon an  dieser Stelle  wird es schwierig, das Problem überhaupt
       verständlich zu formulieren. Protest kommt aus den Frauengruppen,
       den Arbeitskreisen und Kommissionen in den Organisationen der Ar-
       beiterbewegung. Sind  sie nicht  selber die  neue  Frauenbewegung
       oder zumindest  ein Teil  von ihr?  Obwohl oder vielleicht gerade
       weil ich  selber  aus  einer  sozialistischen  Frauenorganisation
       komme, habe ich einige Probleme, die Frauengruppen aus den tradi-
       tionellen Organisationen  so umstandslos  zur  Frauenbewegung  zu
       zählen. Dies wegen ihrer Art, die Frauenfrage zu formulieren.
       Beginnen wir  anders herum. Welches ist die spezifisch feministi-
       sche (oder,  wie ich kürzlich in den "Marxistischen Blättern" und
       auf der  Frauenkonferenz des  IMSF lernte, neofeministische) Art,
       die Frauenfrage  zu stellen?  Ich fasse  thesenhaft zusammen: Die
       Frauenunterdrückung bestimmt  sich im  Verhältnis  zum  Mann.  Er
       tritt als  Unterdrücker auf.  Die Gesellschaft ist eine männliche
       Gesellschaft, das  heißt, die Sozialstruktur beruht auf der Frau-
       enunterdrückung. (Unter  Sozialstruktur werden  dabei das  System
       der Arbeitsteilung,  die Beteiligung bei der Aufzucht der Kinder,
       die Symbole  und die  herrschenden Werte verstanden.) Frauen sind
       Objekte in  einer männlichen  Beziehungswelt. Kurz:  Wir leben in
       einem Patriarchat.
       Die weiter  oben gebrauchten Formulierungen: die Arbeiterbewegung
       sei so männlich wie die Arbeit bzw. die gesellschaftliche Produk-
       tion, entstammen der gleichen Redeweise. Mit solchen Formulierun-
       gen kann  man zur Zeit ein müdes Gähnen hervorrufen, weil es jede
       schon weiß, oder an anderen Orten unerhörte Lacher erzielen, weil
       es sich  dort anhört  wie "rote  Rüben und Musik sind dreieckig".
       Die Logik  solcher Aussagen  wie "die  Wissenschaft ist männlich"
       steht quer  zu unserem herkömmlichen Denken. Andererseits ist sie
       unmittelbar einleuchtend.  Unzählige Beispiele  fallen uns sofort
       ein: die  männliche Sprache,  noch einmal  die oberen  Etagen  in
       grauen oder  schwarzen Anzügen, das Ausbildungssystem, die Sexua-
       lität -  selten vergewaltigen  Frauen einen  Mann -, die Welt der
       Symbole, die auf dem Ausdruck des Männlichen - Kraft, Stärke, Ag-
       gressivität, der  Welt tatkräftig  zugewandt - und dem Weiblichen
       als entgegengesetzt - weich, schwach, sanft, nicht der Welt, son-
       dern dem  Mann zugewandt  - beruht und das Sozialsystem rechtfer-
       tigt. Die  gesamte Kultur  ist männlich  geprägt: Vieles, was wir
       für gesellschaftlich  erstrebenswert halten, drücken wir zugleich
       männlich aus (etwa Brüderlichkeit).
       Welche Praxis entspricht einer solchen Auffassung über die Unter-
       drückungs- und  Herrschaftsstrukturen  in  unserer  Gesellschaft?
       Kurz, was tuen eigentlich die Feministinnen der neuen Frauenbewe-
       gung? In  sozialistischen und kommunistischen Organen erfährt man
       häufig, was sie nicht tun, wo man sie vermißt (z.B. bei Lohnkämp-
       fen, Arbeitszeitverkürzung,  streitend gegen  die CDU oder andere
       Formen einer  zunehmend reaktionärer werdenden Politik), aber was
       tun sie  statt dessen?  Bei U.H.-Osterkamp  erfahren wir, daß sie
       die "sehr  schöne, aber nichtssagende These", das Persönliche sei
       politisch, vertreten  (198). Für eine wissenschaftlich begründete
       Politik ist  es sicher  nützlich, sich  einen Einblick in typisch
       feministische Aktivitäten zu verschaffen - vielleicht gelingt es,
       aus ihren  konkreten Praxen  eine klarere politische Einschätzung
       ihres Wirkens  und damit  möglicher Zusammenarbeit zu erarbeiten.
       Ich gebe im folgenden eine ungeordnete Skizze mir bekannter femi-
       nistischer  Aktivitäten:  Feministinnen  rufen  das  Zuhause  als
       Kampfplatz aus; sie verlassen ihre Familien; sie gehen als Lehre-
       rinnen aus  den Schulen  heraus; sie gehen als erwachsene Schüle-
       rinnen in  die Schule; sie treiben ab; sie gründen Gesundheitslä-
       den; sie  werden lesbisch;  sie kleiden  sich anders; sie stellen
       Wissenschaft infrage; sie üben eine andere Diskussionskultur; sie
       greifen Dominanzen in linken Gruppen an und gerade da; sie führen
       Hierarchien als Zusammenarbeit von Geschlechterverhältnis und Ar-
       beitsteilung vor;  sie gründen Frauenhäuser und fordern in alter-
       nativen Projekten  die Ideologie des Staates heraus; sie engagie-
       ren sich in der Friedensbewegung. Wir haben jetzt die Möglichkeit
       zu klassifizieren und selbstbewußt anzuführen, dies alles sei ty-
       pisch für  eine bürgerliche bzw. kleinbürgerliche Frauenbewegung,
       oder moderner gesprochen: dies sei eben neo-feministisch. Gewöhn-
       lich wird von Feministinnen nicht so gesprochen, daß man erkennt,
       was sie  tun, sondern negativ sogleich, wie es zu be- oder verur-
       teilen ist.  So etwa  konnte man auf der Frauenkonferenz des IMSF
       hören, wie die Feministinnen von den Organisierten Frauen gesehen
       werden: 1.  sie denken Frauenunterdrückung unabhängig vom Kapital
       (darin steckt,  sie sei  abhängig, nicht  etwa, sie sei durch das
       Kapital geformt); 2. sie dächten das Kapital gar als Spielart der
       Frauenunterdrückung; 3.  sie sähen  Einwilligung als  Ursache von
       Unterdrückung; 4.  sie hielten  die Eigentumsfrage für nebensäch-
       lich; 5.  die Unterdrückung  der Frau  glaubten sie gegründet auf
       Sexualität; 6. sie führten den Kampf gegen Männer statt gegen das
       Kapital; 7.  sie bezögen  sich vornehmlich auf Körper und auf Äs-
       thetik; 8.  sie sähen  den Profit nicht als Triebkraft der Fremd-
       herrschaft; 9.  sie individualisierten Probleme, statt sie in den
       Verhältnissen zu  sehen; statt dessen sei Frauenunterdrückung ein
       Bestandteil des  Kapitalismus. Daher  sei der  Kampf zusammen mit
       den Männern  für eine  andere Gesellschaft  zu führen,  oder  wie
       U.H.-Osterkamp dies formuliert: daß man "für Verhältnisse kämpft,
       innerhalb derer  mit der  vollen Gleichberechtigung aller Gesell-
       schaftsmitglieder die  wesentlichen Voraussetzungen  für die Ent-
       faltung individueller Potenzen und persönlicher Beziehungen gege-
       ben sind" (198). Gemessen an solchen Orgelklängen machen sich fe-
       ministische Aktivitäten  vielleicht  ganz  nett  aus,  sogar  bei
       großer Toleranz  ein bißchen  fortschrittlich; bis auf die häufig
       verschwiegenen Friedensaktivitäten  könne ihnen  jedoch nicht be-
       scheinigt werden, wahrhaft politisch zu sein, da sie weder ernst-
       haft das  Kapital in  Frage stellten,  das doch  der "eigentliche
       Frauenunterdrücker" sein  soll, noch  in Krise und Rechtsentwick-
       lung sich  ausreichend zu  Wort meldeten.  Der  vielfach  gehörte
       Satz:   i c h   h a b e   m i t   j e d e m   m ä n n l i c h e n
       A r b e i t e r   m e h r   g e m e i n   a l s  m i t  e i n e r
       U n t e r n e h m e r i n  scheint nach wie vor nichts an Gültig-
       keit zu verlieren.
       So zu sprechen, heißt den Klassenstandpunkt einnehmen, den Stand-
       punkt des Arbeiters gegen den Unternehmer, den der Lohnarbeit ge-
       gen das  Kapital. In diesem Widerspruch können wir auch Frauenun-
       terdrückung  formulieren.   Sie  kommt   uns  ins  Blickfeld  als
       L o h n u n g l e i c h h e i t,    Frauen  als    R e s e r v e-
       a r m e e   b e s o n d e r e r  A r t.  Aber schon auf der Ebene
       des praktischen  Klassenkampfes, im Betrieb, haben wir Schwierig-
       keiten, die Frauenfrage vom Klassenstandpunkt so ohne weiteres zu
       stellen. Da  gibt es  Sonderregelungen - etwa Mutterschutz -, die
       Frauen für  Profitzwecke weniger gut ausbeutbar sein lassen. Aber
       Gesetze führen  uns aus  der unmittelbaren  Klassenszene  in  den
       Staatsraum. Hier  finden wir noch eine Menge stützende Regelungen
       und auch  Mängel, die  uns in  den Frauenkampf  einordenbar sind:
       etwa fehlende  Kindergärten,  Sozialabbau,  Diskriminierungen  im
       Gesetzbuch usw. Alle bisher genannten Dimensionen der Frauenfrage
       lassen es  in der Tat uneinsichtig erscheinen, nicht zusammen mit
       den  Männern   zu  streiten,   Kapital  (und   Staat)  nicht  als
       Frauenunterdrücker zu  sehen und  damit die  neue  Frauenbewegung
       nicht als kleinbürgerliche Protestler zu betrachten.
       Bei genauerem Hinsehen entdecken wir allerdings mehrere Besonder-
       heiten und Merkwürdigkeiten sowohl theoretischer als auch prakti-
       scher Art.  Zunächst  t h e o r e t i s c h:  Indem ich die Frau-
       enfrage als  Bestandteil  der  Klassenverhältnisse  behaupte  und
       zugleich die  meisten Aspekte der Unterdrückung im Staatsraum ge-
       regelt finde, setze ich eine bestimmte Staatsauffassung als stim-
       mig voraus,  daß nämlich  der Staat  nichts sei als Instrument in
       den Händen der herrschenden Klasse. Man sollte diesen Umstand zu-
       mindest bewußt  mitdenken. Gleichzeitig  wird auch eine bestimmte
       Gesellschaftsauffassung als allein gültig impliziert: daß nämlich
       der Klassenwiderspruch  überhaupt alle Lebensbereiche durchgängig
       bestimmt. Wenn  ich  allerdings  solches  voraussetze  und  damit
       zugleich also  denke, daß  das Kapital als herrschende Macht alle
       Bereiche bestimmt,  und unter  eben dieser vorherigen Annahme die
       "bestimmten" Phänomene  betrachte, ist  es nichts  weiter als ein
       zirkuläres Argument,  wenn auch  mein Resultat  nichts weiter als
       eben diese  Bestimmung ist. Oder anders gesprochen, wenn ich aus-
       schließlich jene  Bereiche betrachte,  in denen  das Kapital  die
       Frauen besonders  ausbeutet, so  ist es nicht verwunderlich, wenn
       ich zum  Ergebnis komme,  daß es  das Kapital  ist,  welches  die
       Frauen unterdrückt. Der Blickwinkel ordnet meine Wahrnehmung.
       Wenn ein  solch zirkuläres  Denken für  Theoretiker ein wenig be-
       schämend ist,  könnte ich doch als Praktiker mich vielleicht dar-
       über hinwegsetzen, wenn alle beobachtbaren Phänomene in meine Ar-
       gumentation hineinpassen.  Kommen  wir  also  zu  den    p r a k-
       t i s c h e n   Merkwürdigkeiten: Da  ist zunächst  das Verhalten
       der Frauen  in der  neuen Frauenbewegung  selber.  Sie  verstehen
       solche Bestimmungen  der Frauenunterdrückung  nicht, brechen  das
       Gespräch ab  und beharren  auf alternativen  Projekten.  Das  ist
       gewiß ein  Phänomen, welches  nach Erklärung  verlangt, läßt  uns
       aber immer  noch die Möglichkeit, diese Frauen einfach als Klein-
       bürger aus  unserem Blickfeld  zu schieben. Da stoßen wir auf ein
       zweites Phänomen. Das Unverständnis ist nicht reziprok. Die orga-
       nisierten Frauen  verstehen die  Frauen aus der neuen Frauenbewe-
       gung sehr  wohl. Schließlich sprechen diese ja von lauter Sachen,
       die sie auch kennen, erfahren; allerdings sind solche Dinge ihnen
       zumeist für  richtige Politik zu persönlich. "Natürlich traue ich
       mich nicht,  nachts auf die Straße zu gehen", sagte eine Frau auf
       einem Kongreß,  "aber das  muß ich  mit mir  persönlich abmachen,
       denn natürlich  weiß ich auch, daß das nicht das Kapital ist, das
       da nachts auf der Straße lauert."
       Also gibt es eine Trennung zwischen politischem und Alltagsleben.
       Das wichtige  Gesellschaftliche und  das individuelle Persönliche
       hängen auseinander.  U.H.-Osterkamp belehrte uns weiter oben, daß
       die Rede  von dem  Persönlichen, welches politisch sei, nichtssa-
       gend sei. Immerhin erfahren wir hier, daß die Politik der Frauen-
       bewegung dieses  Persönliche umgreift,  daß es  für sie politisch
       ist; wiewohl  damit theoretisch  noch nichts bewiesen ist, ist es
       doch praktisch vorhanden.
       Lassen wir  dies zunächst  so stehen  und betrachten eine weitere
       Merkwürdigkeit: Es  herrscht Konsens,  daß das Kapital die Frauen
       besonders gut  ausbeuten kann.  Aber warum  die Frauen anders als
       Männer? Sind  sie ähnlich  wie Gastarbeiter  und wenn  ja, warum?
       Wenn sie  so billig  sind, wie  ein Belegsatz lautet, warum nimmt
       dann das Kapital nicht mehr ihresgleichen, sondern entläßt sie in
       Krisenzeiten gehäuft?  Warum also wird die Krise auf ihrem Rücken
       ausgetragen? Die  Struktur eines  Betriebes zeigt  ebenso wie die
       Struktur einer  Partei, einer  Organisation, einer Verwaltung je-
       weils die  Frauen unqualifiziert und unten und die Männer im Ver-
       hältnis qualifizierter  und zeigt  zugleich in den Strukturen Me-
       chanismen, daß  das so  bleibt, wie es ist. In den Verhaltenswei-
       sen, in den Symbolen, in den alltäglichen Praxen, in den Kulturen
       sind pro-männliche  Momente gegen  Frauen enthalten, die ausgren-
       zen, die  die alte Struktur wiederherstellen. Oder anders gespro-
       chen: Das  Gesellschaftssystem enthält  Strukturvorteile für  die
       Männer, die diese den Frauen überordnen.
       Soweit dem  zuzustimmen ist,  wäre also doch das Geschlechterver-
       hältnis zu untersuchen und darin Frauenunterdrückung aufzuspüren.
       Betrachten wir  die Frage so, finden wir eine Menge Gründe, warum
       Männer nicht  nur für  Frauenbefreiung sind und mit uns gemeinsam
       kämpfen, sondern auch dagegen, weil die Frauenunterdrückung ihnen
       nützt. Der  Kampf um Arbeitsplätze wird etwas weniger hart - oder
       wie U.H.-Osterkamp  dies formuliert,  "daß das  Hineindrängen der
       Frauen in  die verschiedenen Positionen nur eine Umschichtung der
       Reservearmee, d.h.  das Hinausdrängen der Männer aus diesen Posi-
       tionen, bedeuten  würde..." (195); das Kinderproblem stellte sich
       auch für  Männer und  nicht bloß  - wie U.H.-Osterkamp uns versi-
       chert -  müssen nur Frauen "auf die Bedürfnisse der Kinder einge-
       hen und  deren Lebensmöglichkeiten  nicht beeinträchtigen" (195).
       Trost, Geborgenheit, Entspannung, Versorgtwerden in der Familie -
       das sind  alles schwerwiegende  Gründe (männliche) gegen ein Aus-
       schreiten  der   Frauen.  Diese  Aspekte  führen  uns  einerseits
       dorthin, wo  die Feministinnen  streiten,  und  andererseits  zum
       blinden Fleck  der organisierten  Frauen. Denn in der Behauptung,
       daß das Kapital der Frauenunterdrücker sei, ist das Geschlechter-
       verhältnis, um  das es  hier geht, überhaupt nicht enthalten; der
       Gegensatz von  Mann und Frau wird als inexistent unterstellt. Da-
       bei ist es keineswegs so, daß die Frauen in den Arbeiterorganisa-
       tionen glauben, daß es diesen Gegensatz nicht gibt. Aber sie den-
       ken - und hier berufen sie sich auf Engels - daß das Kapital alle
       anderen Gegensätze  nivelliert und  also  langfristig  den  Mann/
       Frau-Gegensatz aufhebt. Die Geschlechterfrage ist auf diese Weise
       als aufgehoben  gedacht, bevor  sie  überhaupt  genauer  studiert
       wurde. Eine  solche Auffassung  geht davon  aus, daß es auf jeder
       Entwicklungsstufe   e i n e n   Widerspruch gibt und seine Lösung
       alle übrigen Probleme in eine höhere Form bringt. Vermutlich müs-
       sen wir  diesen Gedanken neu fassen, denn die Wirklichkeit in Be-
       trieben, Institutionen,  im öffentlichen  wie im  privaten  Leben
       zeigt: Es  gibt alltägliche  Kämpfe zwischen  Männern und Frauen,
       die die  zwischen Lohnarbeit und Kapital durchkreuzen. Sie enden,
       wie  ebenfalls     E n g e l s     formulierte:  mit  der  "welt-
       geschichtlichen  Niederlage"   des  weiblichen  Geschlechts.  Das
       Kapital kann  sich die Herrschaftsstrukturen zwischen Männern und
       Frauen so  zunutze  machen,  daß  einzelnen  Fraktionen  einander
       blockieren. Sexismus  im Betrieb  richtet sich zunächst weder für
       noch gegen die Unternehmer. Er läßt sich aber benutzen, um andere
       Interessen durchzusetzen. Die Gegensätze zwischen Kapital und Ar-
       beit und Mann und Frau überlagern einander. Dies nicht zu studie-
       ren, macht  uns politisch  gefesselt und  bezogen auf die Frauen-
       frage besonders  handlungsunfähig. Ich  gehe nach  wie vor  davon
       aus, daß  es notwendig  ist, daß die doppelt unterdrückten Frauen
       sich doppelt  organisieren. Um  den Mann/Frau-Gegensatz überhaupt
       zu bearbeiten,  alltäglich,  sprachlich,  wissenschaftlich,  kul-
       turell, müssen die Frauenkämpfe auch autonom geführt werden. Wenn
       beide Seiten  sich stärken,  können sie  dies auch  wechselseitig
       tun, statt  sich zu blockieren. Denn zum Politikmachen braucht es
       selbstbewußte Kräfte,  nicht zagende  mit dem Gefühl der Schwäche
       und des  Unterlegenseins, nicht Frauen, die die Auffassung, Wesen
       zweiter Klasse  zu sein,  verinnerlicht haben.  Frauen  sind  Un-
       gleichzeitige in  dieser Gesellschaft.  Vielfach  sind  sie  noch
       heute in  persönliche Feudalstrukturen verstrickt, nicht "doppelt
       freie Lohnarbeiter".  Für eine  gemeinsame Politik braucht es von
       daher auch  einen Umbau  der weiblichen Identitäten im Verhältnis
       zu sich  selbst, zum  anderen Geschlecht und zur Gesellschaft und
       Politik. U.H.-Osterkamps Auffassung, daß es ausreicht, "zur Unzu-
       länglichkeit der  eigenen Person  bewußt zu stehen" (199) und so-
       dann die  kapitalistischen Verhältnisse zu verändern, scheint mir
       genau den historischen Prozeß des Auftretens der Frauen als poli-
       tische Subjekte zu verfehlen.
       
       _____
       *) Anmerkung der  Redaktion: Bei der Veröffentlichung von Ute H.-
       Osterkamps  Kritik   an  Frigga  Haugs  "Opfer-Täter"-Konzept  in
       "Marxistische Studien"  5/1982 hatten  wir Frigga Haug angeboten,
       im nächsten  Jahrbuch eine  Erwiderung zu veröffentlichen. Frigga
       Haug hat  es für  angebracht gehalten,  dennoch im  Argument  135
       (Sept./Okt. 1982)  verbreiten zu  lassen, das IMSF lehne eine Re-
       plik im  Jahrbuch ab  und beteilige  sich an einer Kampagne gegen
       sie. Diese  Behauptungen sind bislang von der Frauenredaktion des
       Argument nicht zurückgenommen worden, ungeachtet auch der weithin
       bekannten Tatsache,  daß der  Arbeitskreis Frauenfrage  des  IMSF
       Frigga Haug  schon im  Januar 1982 zu einer Diskussionsrunde über
       ihre Thesen eingeladen hatte und seine Einladung auch zur Frauen-
       konferenz des IMSF im November 1982 wiederholte.
       Die Leser/innen  des hier  veröffentlichten Aufsatzes  von Frigga
       Haug werden  feststellen, daß  es sich  bei diesem  Text nicht um
       eine Replik auf Ute H.-Osterkamps Kritik handelt, sondern daß an-
       dere, von  Ute nicht  behandelte Themen  aufgegriffen werden.  Da
       hierbei massive Vorwürfe an die "organisierten Frauen" in der Ar-
       beiterbewegung formuliert  werden, halten wir die Auseinanderset-
       zung mit den offensichtlich auch im Grundsätzlichen konträren Po-
       sitionen Frigga  Haugs für notwendig und bringen im Anschluß eine
       Erwiderung von  zwei Mitgliedern  des Arbeitskreises  Frauenfrage
       des IMSF, Alma Steinberg und Ingeborg Nödinger.
       Frigga Haugs Text knüpft an an: Ute H.-Osterkamp, Gesellschaftli-
       che Unterdrückung oder psychische Unterwerfungstendenz? Zu Frigga
       Haugs "Opfer-Täter-Konzept",  in: Marxistische  Studien. Jahrbuch
       des IMSF  5/1982, S.  192-200. Seitenzahlen  in Klammern beziehen
       sich auf diesen Text.
       1) Vgl. Frigga  Haug, Opfer  oder Täter?  Über das  Verhalten von
       Frauen, in:  Das Argument  123, 1980;  nachgedruckt in:  F.  Haug
       (Hrsg.), Frauen - Opfer oder Täter? Diskussion, Argument-Studien-
       heft SH  46, ²  1982; F. Haug, Männergeschichte, Frauenbefreiung,
       Sozialismus, in: Das Argument 129, 1981.
       2) Vgl. Ute  H.-Osterkamp, Politik und Psychologie, in: Karl Marx
       und die  Wissenschaft vom  Individuum,  mit  Beiträgen  von  K.H.
       Braun, W.  Hollitscher, K.  Holzkamp, K. H.-Osterkamp und K. Wet-
       zel, Marburg 1983.
       3) Zur Erinnerung zitiere ich einige Stellungnahmen zur Frauenbe-
       freiung aus  der Frühphase der Arbeiterbewegung: "Die Heilung er-
       warten wir  für die Frauen, wie für die Männer nur in einer tota-
       len Umänderung des Produktionsmodus, in der gerechten Vertheilung
       des Arbeiterertrages,  in der  Selbständigkeit des  Arbeiters als
       Mitglied einer  Assoziation. Eine  andere gerechte  Grundlage der
       Production wird zur natürlichen Folge haben, dass die Frauen eine
       würdigere sociale  Stellung einnehmen  werden. Dann meine Herren,
       werden. ..  die Frauen ihrer natürlichen Bestimmung als Gattinnen
       und Mütter  folgen können"  (sprach der  Buchhändler  Schlingmann
       1866 in  einer Parteiversammlung  über Frauenarbeit und Arbeiter-
       frauen, abgedruckt  im "Socialdemokrat"  1866). 1867  gab es fol-
       gende Resolution  in der Generalversammlung des Allgemeinen Deut-
       schen Arbeiter  Vereins: "Die  Beschäftigung der  Frauen  in  den
       Werkstätten der  großen Industrie ist einer der empörendsten Miß-
       bräuche unseres  Zeitalters; empörend,  weil die  materielle Lage
       der Arbeiterklasse  dadurch nicht gehoben, sondern verschlechtert
       und die  Arbeiterbevölkerung besonders  durch die Vernichtung der
       Familie in einen so elenden Zustand versetzt wird, indem sie auch
       den letzten  Rest von  idealen Gütern verliert, den sie noch inne
       hatte. Um  so mehr  ist heute das Streben zu verwerfen, den Markt
       für die  Frauenarbeit noch zu vergrößern. Abhilfe gewährt nur die
       Beseitigung der  Capitalherrschaft..." (aus  dem "Socialdemokrat"
       1867). Beide  Zitate nach: Heinz Niggemann, Emanzipation zwischen
       Sozialismus und  Feminismus. Die  sozialdemokratische Frauenbewe-
       gung im Kaiserreich, Wuppertal 1981.
       4) Karl Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW, Bd. 23, 'S. 485, 470,
       473, 496.
       5) Ebd., S. 514.
       6) Vgl. Frigga  Haug, Verelendungsdiskurs  oder Logik  der Krisen
       und Brüche?  Marx neu gelesen vom Standpunkt heutiger Arbeitsfor-
       schung, in:  Aktualisierung Marx',  Argument-Sonderband  AS  100,
       1983.
       

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