Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983


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       DIE ROLLE DER XENOFINANZMÄRKTE IN DER
       =====================================
       INTERNATIONALEN FINANZKRISE
       ===========================
       
       Bernhard Roth
       
       1. Überblick  - 2. Erscheinungsbild und aktuelle Ursachen der in-
       ternationalen Finanzkrise - 2.1 Die Schuldenkonzentration auf ei-
       nige Schwellenländer  - 2.2 Gefährdung internationaler Großbanken
       - 2.3 Privatisierung der Zahlungsbilanzfinanzierung und ihre Fol-
       gen für  die EL - 2.4 Zahlungsschwierigkeiten der Schwellenländer
       - 3.  Die Xenofinanzmärkte: Zentrum der Labilität der internatio-
       nalen Finanzbeziehungen  - 3.1 Entstaatlichung der Geldordnung? -
       3.2 Die Xenofinanzmärkte: Ursache der Zinsexplosion? - 4. Der Zu-
       sammenhang zwischen  privater Zahlungsbilanzfinanzierung und Wäh-
       rungskrise
       
       1. Überblick
       ------------
       
       Durch die  Zahlungseinstellung großer Schuldnerländer 1982 drohte
       ein kumulativer Zusammenbruch des internationalen Kreditgebäudes,
       der jedoch bisher durch ein geschicktes internationales Schulden-
       management vermieden  werden konnte.  Gefährdet sind insbesondere
       die Eurokredite  der internationalen  Banken an einige Schwellen-
       länder, die  infolge der Weltwirtschaftskrise zahlungsunfähig ge-
       worden sind.  Vordergründige Ursache  dieser Entwicklung  war die
       Hochzinspolitik,  die  die  Schuldendienstverpflichtungen  dieser
       Länder gewaltig anschwellen ließ, während gleichzeitig die Expor-
       terlöse und  damit die  Deviseneinnahmen  infolge  der  weltwirt-
       schaftlichen Stagnation drastisch zurückgingen. Die Schuldnerlän-
       der befinden  sich heute in einer Situation, in der sie neue Kre-
       dite überwiegend  aufnehmen müssen, um alte Schulden zu bezahlen,
       und in  der die Auflagenpolitik des Internationalen Währungsfonds
       (IWF) ihre  nationale Souveränität und Wirtschaftskraft zu schwä-
       chen droht - mit der längerfristigen Folge, daß die Schwellenlän-
       der sich  kaum von  ihrer Schuldenlast befreien werden können. Im
       Hintergrund dieser  internationalen Finanzkrise, deren Lösung ak-
       tuell nicht  absehbar ist,  steht eine  neue Entwicklung  in  den
       siebziger Jahren,  die eng  mit dem Zusammenbruch des Währungssy-
       stems von  Bretton Woods zu analysieren ist: Die gewaltige Expan-
       sion der  internationalen  Kreditmärkte  (Euro-/Xenokreditmärkte;
       xeno = fremd) und deren Öffnung für Länder mit Zahlungsbilanzpro-
       blemen, d.h.  für einige kapitalistische Industrieländer (IL) und
       für ausgewählte  Schwellenländer. Die Finanzierung der immer grö-
       ßer werdenden  Zahlungsbilanzdefizite durch  die  internationalen
       Banken verschleppte in den siebziger Jahren zunächst den Ausbruch
       einer Krise,  die angesichts  wachsender weltwirtschaftlicher Un-
       gleichgewichte bereits herangereift war. Sie ermöglichte zeitwei-
       lig die  Fortsetzung expansiver  Kapitalstrategien und enthob die
       IL der  Aufgabe, den Forderungen der Entwicklungsländer (EL) nach
       einer neuen Weltwirtschaftsordnung entgegenzukommen. Zugleich je-
       doch entwickelten  die Xenofinanzmärkte zunehmend eine Eigendyna-
       mik, die zur Bedrohung der internationalen Finanzbeziehungen ins-
       gesamt und  zur Störung nationaler wirtschaftspolitischer Strate-
       gien führte.  Scheinbar ohnmächtig  standen die  kapitalistischen
       Nationalstaaten  den   Entwicklungen  auf   den  unkontrollierten
       Xenofinanzmärkten gegenüber,  denen häufig auch die Verantwortung
       für die Zinsexplosion in den letzten Jahren und für Währungsunru-
       hen zugewiesen wurde.
       Im Mittelpunkt  dieses Aufsatzes steht neben der Untersuchung der
       aktuellen Ursachen der internationalen Finanzkrise die Frage nach
       dem Charakter  und der  Rolle der  Xenofinanzmärkte, die in diese
       Krise verwickelt  sind. Eine  Hauptthese, die in diesem Zusammen-
       hang zu  belegen versucht  wird, ist, daß die vielbeschworene Un-
       kontrollierbarkeit und  Supranationalität dieser  internationalen
       Finanzmärkte nicht  aus der faktischen Unmöglichkeit ihrer natio-
       nalstaatlichen Regulierung  entspringt, sondern zum einen aus ei-
       ner zeitweiligen Interessenübereinstimmung zwischen führenden ka-
       pitalistischen IL, den internationalen Konzernen (IK) und den in-
       ternationalen Banken an dieser Entwicklung resultiert und zum an-
       deren aus  Interessendivergenzen zwischen den führenden kapitali-
       stischen Ländern zu erklären ist.
       
       2.) Erscheinungsbild und aktuelle Ursachen
       ------------------------------------------
       der internationalen Finanzkrise
       -------------------------------
       
       2.1 Die Schuldenkonzentration auf einige Schwellenländer
       --------------------------------------------------------
       
       Eine internationale Finanzkrise, d. h. eine Stockung der interna-
       tionalen Kreditvergabe,  droht immer  dann, wenn wichtige Schuld-
       nerländer zahlungsunfähig  sind und Zahlungsaufschub und Umschul-
       dung verlangen,  dieses Verlangen jedoch daran scheitert, daß die
       Gläubiger sich  aus diesen  bedrohten Kreditbeziehungen zurückzu-
       ziehen versuchen.  Sofern in dieser Situation wichtige Gläubiger-
       banken einen Großteil ihrer Forderungen auf die zahlungsunfähigen
       Länder konzentriert haben, kann es zu Bankzusammenbrüchen kommen.
       Durch die  enge internationale  Verflechtung der  Banken über den
       Interbankenmarkt können solche Zusammenbrüche relevanter Großban-
       ken zu  einer Kettenreaktion führen, die das ganze internationale
       Kreditgebäude gefährden  und auch Banken, die im wesentlichen na-
       tional tätig sind, bedrohen kann. Gegenwärtig sind die Vorausset-
       zungen für  den Ausbruch einer akuten internationalen Finanzkrise
       im Prinzip gegeben:
       E r s t e n s   konzentriert sich  die Masse  der internationalen
       Kredite auf  einige exponierte Schwellenländer, die den anfallen-
       den Schuldendienst nicht mehr bewältigen können;
       z w e i t e n s   korrespondiert die  Konzentration der  Schulden
       auf wenige  Länder mit einer Häufung der entsprechenden Forderun-
       gen bei  einem begrenzten Kreis internationaler Großbanken, deren
       Eigenkapital zur  Deckung der  entstandenen  Risiken  nicht  aus-
       reicht.
       Eine hohe  und rasch  wachsende Verschuldung von Entwicklungslän-
       dern  und   eine  damit  einhergehende  hohe  Schuldendienstquote
       (Tilgungs- und  Zinszahlungen in  Prozent der  Exporterlöse) sind
       keine neuen  Probleme. Tabelle 1 zeigt, daß das Wachstum der Ver-
       schuldung der  EL bereits  vor der  ersten Ölpreisrunde erheblich
       war und  jenem in  den siebziger  Jahren kaum nachstand. Real ge-
       rechnet, d.h.  unter Berücksichtigung  der steigenden Inflations-
       raten, wuchs die Verschuldung der EL 1967-1973 jährlich um durch-
       schnittlich 15,5 Prozent, während sie im Durchschnitt der siebzi-
       ger Jahre  nur real  um jährlich  9,7 Prozent zunahm. 1) Auch die
       Schuldendienstquote hatte  vor 1973 bereits über 9 Prozent betra-
       gen, so daß die Überschreitung der als kritisch geltenden 12-Pro-
       zent-Marke Ende  der siebziger  Jahre nicht  allzu dramatisch er-
       schien. Insgesamt  nahm der  Schuldendienst aller  EL relativ  zu
       wichtigen Vergleichsgrößen wie dem BIP, den Exporten und den Wäh-
       rungsreserven der EL seit 1973 nicht dramatisch zu. 2)
       
       Tabelle 1:
       Nominale Zuwächse der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer
       1965-1982, jährlich durchschnittliche Wachstumsraten in Prozent
       
            1965-69      1969-73      1973-77      1977-82     1970-80
       
              13,7        19,3         21,2         23,3        20,6
       _____
       Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht  1981 u.  Jahresbericht
       1974; M.  Holthus, Die  Entwicklung der Auslandsverschuldung seit
       1973, in: H.B. Schäfer (Hg.), Gefährdete Weltfinanzen, Bonn 1980,
       Tab. 1; DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38; eig. Berechnungen.
       
       Eine solche  Durchschnittsbetrachtung verdeckt jedoch die Kumula-
       tion der  Probleme bei  einigen wenigen  Ländern.  So  stieg  die
       Schuldendienstquote der   ö l i m p o r t i e r e n d e n  EL von
       18 Prozent  (1980) auf 24 Prozent (1982) und für die 20 meistver-
       schuldeten EL von 29 Prozent auf 38 Prozent. In diesen Berechnun-
       gen der  Schuldendienstquoten sind  jedoch  die    k u r z f r i-
       s t i g e n   Verschuldungen der  EL   n i c h t  berücksichtigt!
       Bezieht man  diese  in  den  letzten  Jahren  für  die  EL  immer
       bedeutender gewordene  Kreditart in  die Berechnung  mit ein,  so
       verdoppeln sich  die oben genannten Schuldendienstquoten. Für die
       lateinamerikanischen  Länder   erreichten  sie  nach  dieser  Be-
       rechnungsweise sogar  ca. 125  Prozent. Für  1982 bedeutete  dies
       Schuldendienstverpflichtungen von ca. 88 Milliarden Dollar (davon
       ca. 45  Milliarden Dollar  Zinsverpflichtungen), die  zum größten
       Teil von den fünf meistverschuldeten lateinamerikanischen Ländern
       aufzubringen und  an die internationalen Banken abzuführen waren.
       3) Diese  fünf Länder, die 1982 in akute Zahlungsnöte geraten wa-
       ren, vereinigten  1982 ca.  36 Prozent  (1976 ca. 28 Prozent) der
       gesamten Auslandsverschuldung  und 73 Prozent der Verbindlichkei-
       ten der EL bei den internationalen Banken auf sich. 4)
       
       Tabelle 2:
       Auslandsverschuldung,  Schuldenstruktur  und  Schuldendienst  der
       wichtigsten lateinamerikanischen Schuldnerländer
       
                               Brasi- Mexiko Argen- Vene- Chile Zusam-
                               lien          tinien zuela       men
       
       Auslandsschulden 1972     8       5      4     -     3       -
       (insgesamt)      1976    26      19      6     4     4      59
       in Mrd. $        1982    90      80     45    30    17     262
       Anteil an den gesamten
       Auslandsschulden
       d. EL:           1976    12%      9%     3%    2%    2%     28%
                        1982    12%     11%     6%    4%    3%     36%
       Anteil d. Kredite westl.
       Banken an d. Gesamt-
       verschuldung:    1982    72%     81%    56%   91%    69%     -
       Anteil d. kurzfrist. Kre-
       dite an d. Bankverschul-
       dung:            1982    34%     50%    52%   60%    41%     -
       Schuldendienst-
       quote 1)         1972    13%     24%    22%    -     13% 2) 24%
                        1982   117%    126%   153%  101%   116%     -
       _____
       Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht 1980 u. 81 u. Jahresbe-
       richt 1974;  DIW-Wochenbericht 4/83,  S. 40; M. Holthus, Die Ent-
       wicklung..., a.a.O.,  S. 127;  Th. Kampfmeyer,  Die Verschuldung.
       .., a.a.O., S. 4; Stern 3.2.83, Gnadenfrist für den Welt-Konkurs;
       eig. Berechnungen
       1) Tilgungs- u.  Zinszahlungen in  % der  Exporte von  Gütern und
       Dienstleistungen
       2) 1972 verminderten  sich die Schuldendienstzahlungen Chiles we-
       gen Zahlungsverzug.  Dies erklärt  die relativ zu früheren Jahren
       niedrigere Schuldendienstquote
       
       2.2 Gefährdung internationaler Großbanken
       -----------------------------------------
       
       Mit der  Konzentration der  Masse der  Kredite auf relativ wenige
       Schuldnerländer korrespondiert  eine ähnlich  große Konzentration
       der Forderungen auf eine beschränkte Anzahl internationaler Groß-
       banken. Nur  24 US-Banken  vereinigen 83 Prozent aller US-Auslei-
       hungen an  die EL, deren Umfang ca. 180 Prozent des Eigenkapitals
       dieser Banken  ausmacht. Für  die fünf  größten  US-Banken  sieht
       diese Relation  noch kritischer aus. Ihre Forderungen an ölimpor-
       tierende EL  betrugen 1977  bereits 156 Prozent ihres Bruttokapi-
       tals und  stiegen 1980  auf 204 Prozent des Eigenkapitals an. Die
       Einstellung der  Zinszahlungen der  drei größten lateinamerikani-
       schen Schuldner (Mexiko, Brasilien, Argentinien) bedeutete allein
       für die  fünf größten US-Banken einen Ausfall in der Höhe von ca.
       75 Prozent  ihrer bisherigen Gewinne. Bedrohlich ist insbesondere
       auch die  Konzentration der  Bankforderungen auf einzelne EL. Be-
       reits 1979  überschritten in  36 Fällen die Forderungen an  e i n
       e i n z e l n e s  EL 30 Prozent des Eigenkapitals der jeweiligen
       US-Bank. 1980  zählte man  bereits 80 Fälle, in denen die Sicher-
       heit einer  US-Bank durch  Forderungen an  e i n  EL bedroht war.
       5)
       Auch BRD-Banken  haben allein in Mexiko und Brasilien ca. 25 Mil-
       liarden DM an Krediten und Anleihen plaziert. Die Hauptgefahr für
       diese Banken geht jedoch von ihrer engen Verflechtung mit den be-
       drohten US-Banken (und deren Auslandsfilialen) über den Interban-
       kenmarkt aus.  6) Nicht  zuletzt ist das internationale Finanzsy-
       stem bereits  erheblich durch bedeutende Abschreibungen im Zusam-
       menhang mit  Konkursen und  Zahlungsunfähigkeit  von  zahlreichen
       Klein- und Mittelunternehmen und großer Konzerne wie der AEG, In-
       ternational Harvester,  Massey Ferguson,  Penn  Square,  Drysdale
       u.a. angeschlagen. 7)
       Inzwischen haben die bewußt gewordenen hohen Risiken bei der Kre-
       ditvergabe an  die EL  zu einem Stillstand und teilweise sogar zu
       einer Reduzierung  der Bankausleihungen geführt. Während 1981 den
       EL noch für 40 Milliarden Dollar längerfristige Eurokredite zuge-
       sagt wurden,  waren es  1982 nur noch 32 Milliarden Dollar, wobei
       in der  zweiten Jahreshälfte  ein besonders  starker Einbruch er-
       folgte. In  einer Situation, in der die betroffenen EL zum Erhalt
       ihrer Zahlungsfähigkeit  auf die  Fortsetzung internationaler Li-
       quiditätszuflüsse angewiesen  sind, drohen  diese  Zahlungen  ins
       Stocken zu  geraten. Besonders  krisenverschärfend erweisen  sich
       nun die  überwiegend kurzfristigen  Kreditvergaben in den letzten
       Jahren. Solche  kurzfristigen Kredite, die mit hohen Risikomargen
       (spreads) versehen  waren, wurden  von den internationalen Banken
       in der  Erwartung vergeben,  sich im  Gefahrenfall rasch  aus dem
       "Geschäft" zurückziehen zu können. Faktisch führte dies dazu, daß
       ein immer größerer Umfang der EL-Verschuldung im vergangenen Jahr
       fällig wurde oder demnächst fällig wird. Damit verstärkt sich für
       die EL das Problem, den Hauptteil der aufgenommenen neuen Kredite
       für die Tilgungs- und Zinszahlungen früherer Kredite verwenden zu
       müssen. Dies  ist ein Teufelskreis, aus dem auf der anderen Seite
       auch die Banken nicht ohne weiteres aussteigen können, wollen sie
       nicht den Stop der gesamten Schuldendienstzahlungen der betroffe-
       nen EL  riskieren. Ein Schlaglicht auf die kritische Situation im
       internationalen Kreditwesen  wirft auch  die zunehmend  selektive
       Kreditvergabe auf dem Interbankenmarkt: Für gefährdete Banken ist
       es zunehmend  schwieriger geworden, die Refinanzierung ihrer mit-
       tel- und  langfristigen Kredite  zu sichern.  Gelingt eine solche
       Refinanzierung nicht  mehr, sehen  i. d. R. Vertragsklauseln eine
       sofortige  Rückzahlung   der  gesamten   Kredite  vor,  wozu  die
       Schuldner jedoch nicht in der Lage sein werden. 8)
       Bisher konnte  ein internationales  Krisenmanagement  unter  Ein-
       schaltung des  IWF und  wichtiger Zentralbankdirektoren eine völ-
       lige Kreditstockung verhindern und die internationalen Großbanken
       zur Zustimmung  zu Zahlungsaufschüben  und Umschuldungen bewegen.
       Letztlich deckt  sich die  Fortsetzung der  Kreditvergabe an  be-
       drohte EL  auch mit  den Interessen der beteiligten Banken, denen
       überwiegend bewußt ist, daß ein Rückzug aus dem risikoreichen in-
       ternationalen Kreditgeschäft  über die  enge internationale Bank-
       verflechtung zur Gefährdung der eigenen Existenz führen kann.
       
       2.3 Privatisierung der Zahlungsbilanzfinanzierung
       -------------------------------------------------
       und ihre Folgen für die EL
       --------------------------
       
       Die Finanzierung  von Zahlungsbilanzdefiziten  durch die interna-
       tionalen Bankkonzerne  stellt eine neue Erscheinung der siebziger
       Jahre dar. Zuvor vergaben Privatbanken nur in Ausnahmefällen Kre-
       dite an  Staaten generell  und an  EL im  besonderen.  Noch  1968
       stammten fast  72 Prozent  der Kredite an die EL aus öffentlichen
       Quellen, d. h. aus bi- oder multilateralen Schenkungen und Anlei-
       hen zu  relativ günstigen  Konditionen. Die  öffentlichen Kredite
       von Staaten,  vom IWF,  von der  Weltbank und den internationalen
       Entwicklungsbanken waren  zwar teilweise mit harten Auflagen ver-
       sehen, hatten  jedoch den  Vorteil  langer  Laufzeiten  und  ver-
       gleichsweise günstiger  Zinssätze. Aber  auch  die  Struktur  der
       p r i v a t e n   Kredite an  die EL  sah in den sechziger Jahren
       anders aus  als heute.  1968 machten  die Lieferantenkredite über
       die Hälfte der gesamten privaten Kredite an die EL (Anteil an den
       gesamten EL-Krediten:  28 Prozent) aus. Ein großer Teil des rest-
       lichen Devisenbedarfs  der EL stammte aus den Direktinvestitionen
       der Internationalen  Konzerne (IK).  9) Natürlich  belastete auch
       diese Verschuldungsstruktur  die Zahlungsbilanzen  der EL  erheb-
       lich. Zwischen  1964 und  1967 flössen aus den EL in die IL jähr-
       lich durchschnittlich 5,8 Milliarden Dollar an Zinsen und Gewinn-
       transfers, wovon  allein 4,5  Milliarden Dollar  aus dem Transfer
       von Profiten  der Auslandsfilialen der IK in die kapitalistischen
       Metropolen stammten.
       Diese Zahlen  zeigen, daß in den sechziger Jahren die Zahlungsbi-
       lanzen der  EL hauptsächlich durch die Profittransfers der IK be-
       lastet wurden,  die die Devisenzuflüsse aus den getätigten Direk-
       tinvestitionen um  das 2,4-  (1965) bis  3,3fache übertrafen. 10)
       Während sich an dieser Belastung für die EL in den siebziger Jah-
       ren wenig änderte - zwischen 1970 und 1978 flössen pro investier-
       ten Dollar  2,37 Dollar  in Form  von Gewinntransfers  aus den EL
       wieder ab  11) -,  wurde in den siebziger Jahren die Verschuldung
       der EL  bei den internationalen Großbanken zur dominierenden Form
       der internationalen Kreditvergabe und zum Hauptinstrument der fi-
       nanziellen Ausbeutung  der EL.  1982 betrug der Anteil der Forde-
       rungen westlicher  Banken an der gesamten Bruttoschuld der EL be-
       reits deutlich über 60 Prozent, d.h. das Verhältnis zwischen pri-
       vater und  öffentlicher Kreditgewährung  hatte sich  nahezu umge-
       kehrt. 12)  Dabei konzentrierte sich die Kreditvergabe der inter-
       nationalen Banken,  die im wesentlichen auf den Eurokreditmärkten
       erfolgte, auf  die ölexportierenden EL mit ca. 39 Prozent und auf
       die ölimportierenden EL mit mittleren Einkommen (Schwellenländer)
       mit ca.  58 Prozent  der Ausleihungen  zwischen 1973 und 1980. Im
       gleichen Zeitraum  gingen an die ärmeren EL nur 3 Prozent der Eu-
       rokredite, d. h., diese Ländergruppe war nach wie vor auf öffent-
       liche Kredite angewiesen. 13)
       Die drastische  Zunahme der  Verschuldung einiger Schwellenländer
       Lateinamerikas und  Asiens (Südkorea, Philippinen) bei den inter-
       nationalen Banken  ist für die gegenwärtige Zuspitzung der inter-
       nationalen Finanzprobleme entscheidender als der gewaltige Umfang
       ihrer Verschuldung insgesamt. Weisen doch auch viele afrikanische
       und asiatische  EL sowie  einige sozialistische  Länder eine hohe
       Verschuldung und teilweise noch ungünstigere Schuldendienstquoten
       auf, wobei jedoch ein Großteil ihrer Verschuldung aus langfristi-
       gen öffentlichen  Krediten mit festgelegten Kreditkonditionen be-
       steht. Im  Unterschied zu  diesen öffentlichen  Krediten sind die
       privaten Kredite  für kürzere Zeiträume und mit wesentlich härte-
       ren,  v a r i i e r e n d e n  Konditionen vergeben worden.
       
       Tabelle 3:  Vergleich der  Kreditkonditionen für  Eurokredite und
       bi- und multilaterale Entwicklungskredite 1973-1978
       
       Jahr     Eurokredite an EL       Entwicklungskredite
                Fälligkeit   Zins       Fälligkeit   Zins
                            (Spread u.
                  Jahre     LIBOR) %      Jahre        %
       
       1973       10,0       10,40        17,9       6,7
       1974        8,7       12,38        16,8       7,0
       1975        5,5        9,29        15,5       6,9
       1976        6,0        7,83        14,0       6,8
       1977        6,5        7,91        14,1       6,9
       1978        9,0 *)    10,26 *)      -         -
       _____
       *) alle Länder
       Quelle: A. Wagner, Euromarktverschuldung..., a.a.O., S. 151, Tab.
       8
       
       Tabelle 3 läßt erkennen, daß die Zinsen für Eurokredite an die EL
       bereits vor  der Hochzinsphase erheblich höher ausfielen als jene
       für öffentliche  Entwicklungskredite. Zudem waren ihre Laufzeiten
       um über  die Hälfte kürzer als die der öffentlichen Entwicklungs-
       kredite. Die  Verschuldung der EL auf den Eurokreditmärkten wurde
       jedoch vor  allem im  Zuge der  Zinsexplosion seit  Ende 1979 zum
       Problem.
       Eurokredite sind  nämlich i.d.R.  mit  Z i n s g l e i t k l a u-
       s e l n   ausgestattet, die das Zinsrisiko von den Banken auf die
       Kreditnehmer verlagern.  Das erhebliche  Zinsrisiko auf den Euro-
       märkten resultiert  aus dem  Umstand, daß  die Banken  ihre lang-
       fristigen Ausleihungen  jeweils kurzfristig  zu rasch wechselnden
       Zinssätzen (Londoner  Interbankrate: LIBOR)  refinanzieren müssen
       (roll-over-Kredite), da das Kreditangebot meist nur kurzfristiger
       Natur ist.  Vermittels von  Zinsgleitklauseln wird  dieses  Zins-
       risiko auf  den Schuldner überwälzt, der neben einem fest verein-
       barten Aufschlag  (spread), der von der Bonität des Kreditnehmers
       abhängt, die  jeweils wechselnden  Zinsen (LIBOR) zahlen muß. 14)
       Ein Problem  entstand weniger  aus den  etwas höheren spreads für
       die EL - infolge eines Überangebots an internationaler Liquidität
       sanken die  Aufschläge auf  deutlich unter  l Prozent, wobei sich
       die Unterschiede  in den  Aufschlagssätzen zwischen den IL und EL
       erheblich abschwächten  -, sondern  aus dem Anstieg der LIBOR von
       wenig über  6 Prozent  (1976/77) auf  ca. 17 Prozent 1980/81, wo-
       durch die Zinszahlungen der EL "explodierten". 15)
       Während der  Anteil der Zinsen an den gesamten Schuldendienstzah-
       lungen der  EL 1971  noch 31,3  Prozent betrug, kletterte er 1981
       infolge der  Hochzinspolitik auf 41,6 Prozent. Die meistverschul-
       deten ölimportierenden  EL hatten 1970 1,1 Milliarden Dollar Zin-
       sen zu  zahlen. 1980 waren es bereits 18,4 Milliarden Dollar, und
       1982 betrugen  allein die  Zinsverpflichtungen Lateinamerikas ca.
       45 Milliarden Dollar. An diesen Zahlen wird deutlich, daß sich in
       den siebziger  Jahren der Export von Leihkapital zum lukrativsten
       Geschäft für  das internationale  Kapital  entwickelt  hat:  1981
       stammten 90  Prozent der  Einnahmen des ausländischen Kapitals in
       den ölimportierenden  EL aus deren Zinszahlungen. 16) Trotz hoher
       jährlicher Neuverschuldung der EL fand in den letzten Jahren kaum
       noch ein Nettokapitaltransfer in die EL statt, mit dem diese Län-
       der ihre  Leistungsbilanzdefizite hätten  begleichen und Entwick-
       lungsvorhaben hätten  durchführen können. Denn den 117 Milliarden
       Dollar an  Krediten, die  den EL 1981 zuflössen, stand ein Schul-
       dendienst von  99 Milliarden Dollar gegenüber, d. h., nur 18 Mil-
       liarden Dollar  wurden netto in die EL transferiert. Neue Kredite
       dienten folglich  überwiegend dem  Zweck, den  Schuldendienst aus
       früheren Kreditverpflichtungen  bestreiten zu  können. 17)  Damit
       aber wird  es immer  unwahrscheinlicher, daß  sich die  EL - etwa
       durch den  Aufbau einer  nationalen Industrie und einen anschlie-
       ßenden verstärkten  Export -  von der gewaltigen Schuldenlast und
       der damit  einhergehenden Abhängigkeit  von den  kapitalistischen
       Metropolen befreien können.
       
       2.4 Zahlungskrise der Schwellenländer: Folge ungleicher
       -------------------------------------------------------
       Handelsbeziehungen und der Weltwirtschaftskrise
       -----------------------------------------------
       
       Welche Entwicklungen  trieben die EL und insbesondere die Schwel-
       lenländer zu  einer immer  größeren Verschuldung bei den interna-
       tionalen Banken?  Die Hauptursache  hierfür ist in den ungleichen
       Handelsbeziehungen zwischen  den kapitalistischen  Metropolen und
       den EL zu finden.
       Prinzipiell sind  Handelsbilanzdefizite von Ländern, die den Auf-
       bau einer  nationalen Industrie beabsichtigen, nichts Ungewöhnli-
       ches und  Negatives. Ein solches Defizit bringt zum Ausdruck, daß
       ein Realressourcentransfer  (Investitionsgüter etc.)  in das  be-
       treffende Land  stattfindet, der unter Umständen den Aufbau einer
       nationalen Ökonomie  erleichtern und beschleunigen kann. Tatsäch-
       lich jedoch  kann der Hauptteil der Handels- und Leistungsbilanz-
       defizite der  EL nicht  aus einem  solchen Ressourcentransfer er-
       klärt werden.  Vielmehr resultieren  diese Defizite vor allem aus
       den für die EL ungünstigen Austauschverhältnissen auf dem kapita-
       listischen Weltmarkt.  Eine Studie der Organisation für Ernährung
       und Landwirtschaft  (FAO) über  die realen  Preistendenzen von 15
       wichtigen landwirtschaftlichen  Rohstoffen ergab,  daß die  diese
       Produkte exportierenden  EL 1981/82 ca. 60 Prozent mehr ausführen
       mußten, um die gleichen Exporterlöse zu erzielen wie 1960. 18)
       Die sinkende  Tendenz der  realen Rohstoffpreise  (ohne Ölpreise)
       ist dabei  kein bloßes zyklisches Problem, sondern eine seit 1950
       anhaltende, langfristige  Tendenz, die  nur durch  kurze  boombe-
       dingte Preishaussen unterbrochen worden ist. Bedenkt man, daß die
       Exporte der  nichtölexportierenden Länder Lateinamerikas - der am
       stärksten industrialisierten Region der Dritten Welt - auch heute
       noch zu  80 Prozent  aus landwirtschaftlichen  und  industriellen
       Rohstoffen bestehen,  so wird  deutlich, wieso  die  Verschuldung
       dieser Länder  permanent im Steigen begriffen war. Auch die wach-
       senden Anteile  der EL an den Weltexporten von Fertigwaren trugen
       nur wenig  zur Verbesserung der Handelsbilanzen bei. Denn die in-
       dustrielle Produktion  in den EL konzentrierte sich auf nur sechs
       bis sieben  Länder, wobei  die Gewinne dieser Produktion überwie-
       gend in  den Filialen  der IK  in diesen Ländern anfielen und der
       "Entwicklung" nur  insofern zugute kamen, als es dem Gewinnkalkül
       der IK  opportun erschien, einen Teil der Erträge wieder zu rein-
       vestieren und  nicht ins Ausland zu transferieren. 19) Hinzu kam,
       daß diese  Art der  Industrialisierung zu  einer  wachsenden  Im-
       portabhängigkeit und Importstarrheit führte, so daß es bereits in
       Zeiten günstiger  weltwirtschaftlicher Konjunktur  zu keiner nen-
       nenswerten Reduzierung der Handelsdefizite der EL kam.
       Die Zuspitzung der kapitalistischen Weltwirtschaftkrise seit 1980
       verstärkte die benannten langfristigen Handelsprobleme der EL. So
       wuchs das Leistungsbilanzdefizit der lateinamerikanischen EL zwi-
       schen 1979  und 1981  von 19  Milliarden Dollar auf 34 Milliarden
       Dollar. 20)  Dies ist  in erster Linie Resultat einer drastischen
       Verschlechterung der  Terms of  Trade (Austauschrelation zwischen
       den importierten und exportierten Gütern eines Landes), die durch
       ein starkes  reales Sinken der Exportpreise bei weiter steigenden
       Importpreisen  verursacht  wurde.  Für  die  lateinamerikanischen
       Staaten verschlechterten  sich die  Terms of  Trade zwischen 1978
       und 1980  um insgesamt 30 Prozent und 1981 um weitere 11 Prozent.
       21) 1981  sanken die  Preise für die hauptsächlich aus den EL ex-
       portierten Primärgüter  um 12  Prozent (Minerale und Metalle) bis
       21 Prozent (Nahrungsmittel); 1982 sanken die Preise für die glei-
       chen Produktgruppen  noch einmal  um 12  Prozent bzw. 18 Prozent.
       22) Auf der anderen Seite stiegen nicht nur die Ölpreise, sondern
       auch die  Preise für  Investitionsgüter und andere Importprodukte
       aus den  IL. Aktuell  zeigt sich, daß auch Ölpreissenkungen nicht
       zu einer wesentlichen Entlastung der Zahlungsbilanzen der EL bei-
       tragen können, solange die Preise für deren Exportprodukte weiter
       nachgeben und solange die Exportchancen der EL durch stagnierende
       Märkte in den kapitalistischen Metropolen eingeschränkt sind. Der
       in der  Krise wachsende  - zumeist  versteckte -  Protektionismus
       (nichttarifäre Handelshemmnisse)  der kapitalistischen Industrie-
       länder trägt  ein übriges  zur Minderung  der Exporterlöse der EL
       bei:  Schätzungen  der  Wirtschaftskommission  für  Lateinamerika
       (CEPAL) gehen  davon aus, daß mehr als die Hälfte der Exporte von
       Lateinamerika in  die kapitalistischen  Zentren von  solchen  Be-
       schränkungen betroffen und beeinträchtigt werden. 23)
       Die vorangegangenen Ausführungen skizzieren die Mechanismen, über
       die die  Krise der  führenden kapitalistischen Ökonomien auch auf
       jene lateinamerikanischen  Schwellenländer übertragen  wurde,  um
       die die  Weltwirtschaftskrise zeitweilig  einen Bogen  zu  machen
       schien. Der langfristig anhaltende, jedoch krisenhaft zugespitzte
       Verfall der  Preise wichtiger  Exportgüter dieser  Länder erhöhte
       deren Handelsdefizite. Da die Industrialisierung und die Fortset-
       zung des  Wirtschaftswachstums in Ländern wie z.B. Brasilien aus-
       gesprochen importabhängig war, kam eine Reduzierung der Einfuhren
       - auch  der Ölimporte  - zunächst  nicht in  Frage. Dies lag auch
       nicht im  Interesse der dorthin exportierenden IK, für die es von
       Vorteil war,  daß diese  Länder zunächst  versuchten, durch  eine
       verstärkte Kreditaufnahme  einem Kriseneinbruch  zu entgehen. Der
       so wachsende  Verschuldungsbedarf traf auf internationale Finanz-
       märkte, die  infolge des  Petrodollarrecycling  und  infolge  der
       Überschüsse potenter  IK übervoll  an Liquidität waren. In dieser
       Situation konkurrierten  die internationalen Banken scharf um die
       profitable Anlage  dieser Gelder,  mit der  Folge, daß zeitweilig
       die Zinsmargen  verfielen und Risikoerwägungen in den Hintergrund
       traten. Die Zuspitzung der Weltwirtschaftskrise um 1980 zerstörte
       jedoch  die   Exporterlöskalkulationen  der  lateinamerikanischen
       Schwellenländer endgültig. Die zugleich einsetzende Zinsexplosion
       traf auf  einen gewaltig  gewachsenen Schuldenberg,  so  daß  die
       Schuldenverpflichtungen schlagartig in die Höhe schossen.
       Die Exporterlöse  reichten in  dieser Situation nicht einmal mehr
       zur Bestreitung  der fälligen Schuldendienstzahlungen, geschweige
       denn zur  Finanzierung der  notwendigen Importe  und der  Gewinn-
       transfers der  IK aus  den Schwellenländern.  Die kritische  Zah-
       lungsbilanzsituation der  betroffenen Schwellenländer erzwang zu-
       dem mehrere bedeutende Abwertungen, die zur Verteuerung der rela-
       tiv starren  Importe führten, ohne daß - angesichts stagnierender
       Weltmärkte -  die erhoffte  Exporterlössteigerung erreicht werden
       konnte. So  konnte die  Zahlungseinstellung der  lateinamerikani-
       schen Hauptschuldner Mitte 1982 eigentlich nicht überraschen.
       Um wenigstens  einen Teil der Zins- und Tilgungszahlungen für die
       internationalen Banken  zu retten,  erzwangen die internationalen
       Banken im  Zusammenspiel mit  dem IWF in dieser kritischen Situa-
       tion sogenannte  "Anpassungsmaßnahmen" der  Schuldnerländer:  Im-
       portbeschränkungen wurden verordnet, weitere Abwertungen durchge-
       setzt und eine Restriktionspolitik im Innern erzwungen. Damit je-
       doch gerieten  die EL  in eine  "Schrumpfspirale" nach unten: Im-
       portbeschränkungen führen in den meisten Schwellenländern zu Pro-
       duktionsbeschränkungen, zu  einer Minderung  der Exportfähigkeit,
       da gerade  die Exportproduktion i. d. R. besonders importabhängig
       ist, und damit letztlich zu einer weiteren Verschlechterung ihrer
       Zahlungsfähigkeit, so daß erneute Kredite mit erneuten Sparaufla-
       gen notwendig werden. Eine solche "Strategie" kann auf Dauer auch
       für die  internationalen Banken  nicht aufgehen. Der Verzicht auf
       notwendige Importe  und auf  eine Fortsetzung  des Wachstums  der
       Schwellenländer setzt zwar zeitweilig Devisen frei, um den Forde-
       rungen der  Banken nachzukommen.  Längerfristig jedoch untergräbt
       diese Politik  die Grundlagen für die Erwirtschaftung von Devisen
       und stürzt  die Masse  der Menschen in diesen EL in noch tieferes
       soziales Elend.
       Das DIW  stellt im Zusammenhang mit der gegenwärtigen internatio-
       nalen Finanzkrise  fest: "Wäre es in Industrie- und Entwicklungs-
       ländern gelungen, das Potential des Sozialproduktwachstums auszu-
       schöpfen, so  hätte sich die Kreditvergabe der Banken im nachhin-
       ein als  Erfolg erwiesen,  und die  Schuldnerländer hätten in der
       Regel ihren  Zahlungsverpflichtungen nachkommen  können." 24) Daß
       eine solche  "Ausschöpfung" jedoch nicht gelang, lag nicht nur an
       einer fehlerhaften Wirtschaftspolitik und nicht nur an der Bestä-
       tigung der  historischen Erfahrung,  daß sich die kapitalistische
       Weltwirtschaft in krisenhaften Zyklen entwickelt. Vielmehr trafen
       eine krisenverschärfende  Wirtschaftspolitik (Sparpolitik,  Hoch-
       zinspolitik, Ausweichen  auf die Weltmärkte) in den meisten kapi-
       talistischen Industrieländern und eine zunehmende Synchronisation
       der Zyklen dieser Länder auf einen Trendbruch in der kapitalisti-
       schen Entwicklung,  der sich  bereits in den sechziger Jahren mit
       abschwächenden Wachstumsraten bemerkbar machte und gegen Ende der
       siebziger Jahre  in eine  langandauernde Stagnation  mündete. 25)
       Den  internationalen   Finanzmärkten  kam   in  dieser  Situation
       zunächst eine  eher krisenverschleppende Funktion zu. Ihre gewal-
       tige Finanzkraft ermöglichte die Kreditierung der weltwirtschaft-
       lichen Ungleichgewichte und verhinderte so zunächst eine Stockung
       in den  internationalen Handels- und Kapitalbeziehungen. Zugleich
       jedoch erleichterten die umfassenden Ausleihungen der internatio-
       nalen Banken  es den  imperialistischen Ländern, die Durchsetzung
       einer neuen  "gerechteren" Weltwirtschaftsordnung zu torpedieren,
       so daß  die Ursachen  der  weltwirtschaftlichen  Ungleichgewichte
       nicht beseitigt werden konnten. In der Folge kumulierten die Kri-
       senmomente bis  zu einem Umfang, bei dem die internationalen Ban-
       ken selbst in Gefahr gerieten und die Krise auf einem höheren Ni-
       veau zum Ausbruch kam.
       Die gegenwärtige internationale Finanzkrise zerstörte bei den be-
       troffenen Schwellenländern zwei Illusionen:
       E r s t e n s   erwies sich die Erwartung, durch eine private Fi-
       nanzierung der Leistungsbilanzdefizite der Knute der Auflagen öf-
       fentlicher Kredite entgehen zu können, als illusionär. Bilaterale
       öffentliche Kredite an EL waren meist sowohl an politisches Wohl-
       verhalten als  auch an Verwendungsauflagen (Käufe im Kreditgeber-
       land) geknüpft.  Noch deutlicher fielen die politischen und wirt-
       schaftlichen Einflußnahmen  - die einem nationalen Souveränitäts-
       verlust gleichkamen  - bei  den Weltbank-  und IWF-Krediten  aus.
       Viele kapitalistische  Staaten übertrugen  die  Kreditvergabe  an
       diese scheinbar überstaatlichen Instanzen - in denen jedoch durch
       die Stimmrechtgestaltung die Länder des kapitalistischen Zentrums
       dominieren -, um so in verdeckterer Form Einfluß auf den Entwick-
       lungsweg der  kreditsuchenden EL zu nehmen. Da die auflagenfreien
       Kredittranchen beim  IWF bei  weitem nicht  dem Liquiditätsbedarf
       der EL entsprachen, konnte der IWF bei Verhandlungen um zusätzli-
       che Kredite  die Kürzung von Sozialausgaben und Löhnen, Steuerer-
       höhungen, den  Vorrang für die Privatwirtschaft und den Abbau von
       Import-  und   Direktinvestitionskontrollen  als   Kreditauflagen
       durchsetzen. Die  Einhaltung dieser Auflagen wurde durch IWF-Kon-
       trolleure überwacht  und die  Auszahlung der  Kreditraten an  die
       schrittweise Auflagenerfüllung gebunden. 25a)
       Diese Politik  der Öffnung  der EL-Märkte für die internationalen
       Konzerne bei  gleichzeitiger Verschärfung  der  inneren  sozialen
       Verhältnisse begünstigte als typische Regierungsform die Militär-
       diktatur.  Während   Ländern  mit  niedrigerem  Pro-Kopfeinkommen
       (afrikanische Staaten, Honduras, Guatemala, El Salvador) nur die-
       ser Weg  der internationalen Verschuldung offen stand, wichen die
       Schwellenländer eher  auf die  teureren Eurokreditmärkte  aus als
       einen  solchen   Souveränitätsverlust  hinzunehmen.   25b)  Diese
       "Flucht" gelang  jedoch nur  zeitweilig und  endete letztlich  in
       noch größerer  Abhängigkeit. Seit  Ende 1981  stockt die  private
       Kreditvergabe an  die hochverschuldeten EL, 26) und neue Eurokre-
       dite sind  nur zu haben, wenn zuvor der IWF mit Beistandskrediten
       mit den dargestellten harten Auflagen "eingesprungen" ist und ein
       "Kreditwürdigkeitstestat" ausgestellt  hat. Hinzu  kommt, daß die
       internationalen Banken  - angesichts  der Gefahr hoher Verluste -
       nunmehr auf  Bürgschaften und  Garantieerklärungen der  führenden
       kapitalistischen Nationalstaaten  drängen, so  daß sich  in  weit
       größerem Ausmaß  als bisher auch in die private Kreditvergabe po-
       litische und soziale Pressionen zu mengen beginnen. Der durch die
       private Kreditvergabe  zunächst erleichterte  Aufbau der  Kredit-
       berge wird  nun zu einem wirksamen politischen Erpressungsinstru-
       ment.
       Zum   z w e i t e n  erwies es sich als illusionär, "Entwicklung"
       durch eine  verstärkte Integration  in den kapitalistischen Welt-
       markt forcieren  und diesen Weg durch eine hohe Auslandsverschul-
       dung finanzieren  zu wollen.  Letztlich hätte  ein Erfolg  dieses
       Entwicklungswegs vorausgesetzt,  daß die  kapitalistischen IL be-
       reit gewesen  wären, "angemessene"  Preise für die Exporte der EL
       zu zahlen und ihre Leistungsbilanz zu einem späteren Zeitpunkt zu
       passivieren. Nur  so hätten  die EL ihre Auslandsverschuldung und
       damit Auslandsabhängigkeit  abbauen können. Eine solche Erwartung
       ist allerdings  angesichts  der  Konkurrenzverhältnisse  auf  dem
       Weltmarkt zumindest  seit den siebziger Jahren unrealistisch. Der
       Bewegungs- und  Expansionsspielraum der  IK begann sich in diesem
       Zeitraum durch  sinkende Wachstumsraten  der IL,  deren Märkte ja
       den Großteil  des Weltmarktes  bilden, einzuengen.  Mit zunehmend
       ähnlichen Produkten wurde um die gleichen, schwächer expandieren-
       den Märkte  konkurriert (Zunahme des intraindustriellen Handels).
       Je mehr  sich diese  Probleme in einer neuen Weltwirtschaftskrise
       zuspitzten, um so mehr glichen sich auch die die Konzernexpansion
       begleitenden nationalen  Wirtschaftsstrategien an: Spar- und Ver-
       zichtspolitik sowie  eine gezielte Technologieförderung im Innern
       (Modernisierung) sollten  die internationale Wettbewerbsfähigkeit
       erhöhen und  die weltwirtschaftliche Expansion der heimischen Ka-
       pitale begünstigen.  Über Leistungsbilanzüberschüsse  sollte  die
       Arbeitslosigkeit exportiert werden (beggar-my-neighbour-policy).
       Letztlich bewirkte  dieser nationalstaatlich  unterstützte  Kampf
       der IK  um Weltmarktanteile  jedoch nur eine Stagnation des Welt-
       handels -  denn dieser  kann nicht  zunehmen, wenn den nationalen
       Märkten per  Austeritätspolitik eine  Schrumpfkur verordnet wird.
       27) Es  liegt auf  der Hand,  daß in  dieser Situation ungeachtet
       gutgemeinter Appelle von Wirtschaftsinstituten und Politikern den
       Schwellenländern keine  Chancen eingeräumt  werden können,  ihren
       erhöhten Schuldendienst  durch eine  gesteigerte  Exporttätigkeit
       und durch höhere Exportpreise bewältigen zu können.
       Aktuell begründen  also insbesondere die Stagnation und Krise des
       Weltmarktes die  Zuspitzung der internationalen Finanzkrise. Kri-
       senvertiefend und  krisenverlängernd wirken  dabei zunehmend  die
       kapitalorientierten, reaktionären  Wirtschaftsstrategien  in  den
       kapitalistischen Hauptländern.  Zu beantworten  bleibt jedoch die
       Frage, wie  der gewaltige Anstieg der  p r i v a t e n  Verschul-
       dung der  Schwellenländer in den siebziger Jahren finanziert wer-
       den konnte  und wo  die Ursachen  für die  die Schwellenländer so
       enorm belastenden  hohen Zinsen  zu suchen sind. Die Beantwortung
       dieser Fragen  verlangt eine eingehendere Untersuchung der inter-
       nationalen Finanzmärkte: Was unterscheidet sie von den nationalen
       Geldmärkten, welche Beziehungen bestehen zu diesen, inwieweit be-
       einflussen sie  die Zinsbildung,  und welche Entwicklungen begün-
       stigten ihre gewaltige Ausdehnung im letzten Jahrzehnt?
       
       3. Die Xenofinanzmärkte: Zentrum der Labilität
       ----------------------------------------------
       der internationalen Finanzbeziehungen
       -------------------------------------
       
       3.1 Entstaatlichung der Geldordnung?
       ------------------------------------
       
       Mit dem Begriff "Xenofinanzmärkte" (xeno = fremd) werden interna-
       tionale Bankplätze  bezeichnet, an denen mit "Währungen gehandelt
       wird, die  sowohl für die Anbieter als auch für die Nachfrager an
       diesem Bankplatz  Fremdwährungen darstellen.  So  bezeichnet  man
       z.B. DM-Kredite, die eine US-Bank von einer Schweizer Bankentoch-
       ter in Luxemburg aufnimmt, als Xenokredite. Gängige Bezeichnungen
       für diese internationalen Finanzmärkte sind auch die Begriffe Eu-
       rodollar-, Eurofinanz- und Petrodollarmarkt. Da jedoch solche Fi-
       nanzplätze nicht nur in Europa (London, Luxemburg, Schweiz), son-
       dern weltweit  (Singapur, Bahamas  und Caymaninseln)  existieren,
       zwischen 1976 und 1981 neben Dollarkrediten (69 Prozent) auch DM-
       Kredite (14  Prozent) und  Ausleihungen in  Schweizer Franken  (7
       Prozent) eine erhebliche Rolle spielten und schließlich nicht nur
       die Dollarüberschüsse  der OPEC-Staaten  ("Petrodollar"), sondern
       auch in  großem Maße  Devisenüberschüsse der kapitalistischen Me-
       tropolen (Metrodollar)  auf  diesen  Märkten  zur  Anlage  kamen,
       drückt der Begriff Xenofinanzmarkt m.E. am umfassendsten den Cha-
       rakter dieser Weltfinanzmärkte aus. 28)
       Die Xenofinanzmärkte haben sich in den siebziger Jahren zum wich-
       tigsten Umschlagplatz  für das  Kreditangebot der Überschußländer
       (OPEC, einige  IL) und der IK und für die Kreditnachfrage der De-
       fizitländer (Schwellenländer,  einige IL und sozialistische Staa-
       ten) und  der IK  entwickelt. Das  Volumen (Bestandsgröße) dieser
       Märkte betrug  Ende 1981 ca. 1,5 Billiarden Dollar und nach Abzug
       von  Doppelzählungen   immerhin  noch   940   Milliarden   Dollar
       (Schätzungen  der  Bank  für  Internationalen  Zahlungsausgleich,
       BIZ). 1981  wurden nach Abzug der Tilgungen auf den internationa-
       len Finanzmärkten ca. 190 Milliarden Dollar kurz- und langfristi-
       ges Kapital  verliehen. Zwar  sanken die Ausleihungen 1982 um ca.
       40 Milliarden  Dollar, besaßen aber mit ca. 150 Milliarden Dollar
       immer noch  einen gewaltigen  Umfang. 29)  Diese  gewaltigen  Ge-
       schäfte wurden von einigen Dutzend US-amerikanischen und europäi-
       schen Banken dominiert, wobei jedoch zwischen 400 und 700 weitere
       Banken im  internationalen Geschäft  tätig waren. 30) Schätzungs-
       weise 70  Prozent der  Umsätze werden  auf den   X e n o g e l d-
       m ä r k t e n   abgewickelt, an  denen sich  die  internationalen
       Banken refinanzieren  und die  sich durch eine hohe Beweglichkeit
       der dort kursierenden Gelder - ein "Federstrich" genügt zum Orts-
       wechsel -  auszeichnen. 31)  Ca. 5  Prozent der Umsätze entfallen
       auf internationale  Anleihen    (X e n o k a p it a l/-a n l e i-
       b e m a r k t),   die jedoch nur erstklassigen Emittenten (i.d.R.
       aus den  kapitalistichen IL)  zugänglich sind. 32) Gefährdet sind
       jedoch in  erster Linie  die  Ausleihungen  der    X e n o k r e-
       d i t m ä r k t e,   die in  den siebziger Jahren zunehmend nicht
       nur den  IK, sondern auch den Unternehmen und Staaten der Schwel-
       lenländer offenstanden.
       Worin bestehen die Besonderheiten der Xenofinanzmärkte und welche
       Faktoren lassen  ihre Unterscheidung von den nationalen Geldmärk-
       ten zu?
       Nach W.  Hankel geht  die Herausbildung  der Xenofinanzmärkte mit
       einer "Entstaatlichung  der Geldverfassung"  einher. Ähnlich cha-
       rakterisiert das  Institut für  internationale Politik  und Wirt-
       schaft (IPW),  Berlin/DDR, diese  Entwicklung als  ein  Anwachsen
       "privatmonopolistischer Marktspontanität  in den  internationalen
       Finanz- und Währungsbeziehungen". 33)
       In der Tat handelt es sich bei diesen internationalen Finanzmärk-
       ten um   "a u s g e l a g e r t e"   T e i l m ä r k t e    d e r
       n a t i o n a l e n   D o l l a r-,   D M-  u n d  F r a n k e n-
       m ä r k t e,   deren Besonderheit  in im  Vergleich zu den natio-
       nalen Vorschriften   l o c k e r e r e n    s t a a t l i c h e n
       R e g u l i e r u n g e n   besteht.  Natürlich  unterliegen  die
       Aktivitäten der  Filialen und  Töchter der großen internationalen
       Banken  an  den  Xenofinanzplätzen  der  Kontrolle  der  dortigen
       Aufsichtsinstanzen  (Zentralbanken,   Bankenaufsicht  etc.),  die
       jedoch den  internationalen Kreditgeschäften  von  Ausländern  in
       fremder Währung  weitgehend freie  Hand lassen. 34) So entstanden
       "Bankfreihandelszonen" (offshore-centers)  in  Ländern,  die  für
       internationale Kreditgeschäfte  keine Mindestreserven erhoben, in
       denen Erträge  aus Xenokrediten  steuerfrei waren  und  in  denen
       keine oder  sehr lockere  Vorschriften über  das  Verhältnis  von
       Forderungen zum  Eigenkapital und  über  die  Risikostreuung  be-
       standen. Die  "Anregung" zum  Auswandern in  solche Bankparadiese
       ging Ende  der fünfziger  und  Anfang  der  sechziger  Jahre  von
       nationalen  Beschränkungen  des  internationalen  Kapitalverkehrs
       (die  USA   erschwerten  den  Kapitalexport,  die  BRD  umgekehrt
       zeitweilig den Kapitalimport) aus, 35) wobei die neu entstandenen
       Eurofinanzplätze jedoch  rasch eine  Eigendynamik entwickelten  -
       ein Wegfall  der auslösenden  Restriktionen  in  späteren  Jahren
       beeinträchtigte das  Wachstum dieser Zentren nicht -, die aus den
       Kostenvorteilen dieser  neuen Art  von Kreditgeschäft  entsprang.
       Denn die  weitgehende Regulierungsfreiheit  und das  Fehlen einer
       Mindestreservepflicht ließen Zinsen auf den Xenofinanzmärkten zu,
       die  zumeist  unter  den  nationalen  Zinssätzen  lagen  und  für
       kreditsuchende IK eine attraktive Alternative zur nationalen Kre-
       ditaufnahme darstellten. 36)
       Triebkraft und Existenzgrundlage der Xenofinanzmärkte war und ist
       folglich die  Ausnutzung von  nationalstaatlichen Regulierungsun-
       terschieden des  Geldwesens durch  die  internationalen  Bankkon-
       zerne, Unterschiede,  die teilweise  von den  Staaten bewußt  ge-
       schaffen worden sind, um in den Genuß der Vorteile eines interna-
       tionalen Bankplatzes  (gute Kreditbeziehungen, Arbeitsplätze, Ge-
       bühreneinnahmen etc.) zu gelangen, und Unterschiede, an deren Ni-
       vellierung zeitweilig  auch die  übrigen kapitalistischen Staaten
       nicht interessiert  waren, da  sie "ihren"  IK Möglichkeiten  zur
       Aufnahme von Fremdwährungskrediten boten, ohne dadurch die natio-
       nale Zahlungsbilanz zu belasten. 37)
       Ein weiterer  Umstand spricht  für die These, daß eine verstärkte
       privatmonopolistische  Regulierung  der  internationalen  Finanz-
       märkte nicht nur im Interesse der internationalen Banken, sondern
       zumindest zeitweilig auch im Interesse führender kapitalistischer
       Länder und der IK gewesen ist: Deren weltwirtschaftliche Expansi-
       onsstrategien (Exporte  und Direktinvestitionen)  setzen  nämlich
       voraus, daß andere Länder nicht nur bereit sind, Leistungsbilanz-
       defizite hinzunehmen,  sondern auch in der Lage sind, diese durch
       Kredite zu  finanzieren. 38)  Die gelockerte, "hemmungslose" Kre-
       ditvergabe über  die Xenokreditmärkte, die nicht mit restriktiven
       Auflagen versehen  waren wie die Ausleihungen öffentlicher Insti-
       tutionen, erlaubte  es den  Schwellenländern über  längere  Zeit,
       trotz der  Ölpreisbelastungen ihre Importe aus den IL aufrechtzu-
       erhalten, den  Profittransfer der IK zu finanzieren und nicht zu-
       letzt ein  Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten,  das eine gün-
       stige Verwertung der Auslandsinvestitionen der IK sicherte.
       Eine Reihe von nationalstaatlichen Maßnahmen und Überlegungen zur
       stärkeren Kontrolle  der Aktionen "ihrer" internationalen Banken,
       die in  letzter Zeit unter dem Eindruck einer 'wachsenden Gefähr-
       dung des  Weltfinanzsystems vorgenommen wurden, zeigten, daß eine
       Regulierung und  Begrenzung der  Xenokreditmärkte durchaus im Be-
       reich des  Möglichen gelegen hätte, selbst wenn ein international
       koordiniertes Vorgehen  an den Interessengegensätzen zwischen den
       Ländern gescheitert wäre. So wird von den Bankzentralen in den IL
       zunehmend die  Vorlage von  konsolidierten Bilanzen  verlangt, in
       denen die  weltweit aufgelaufenen Forderungen dem gesamten Eigen-
       kapital des  Bankkonzerns (incl.  Auslandsfilialen und  -töchter)
       gegenübergestellt werden.  Dies ermöglicht  nicht nur eine höhere
       Transparenz, sondern  darüber hinaus  durch die Anwendung von na-
       tional gültigen  Deckungsvorschriften und  Regeln über  die Risi-
       kostreuung eine  Beschränkung der  internationalen Kreditvergabe.
       Während die  Vorlage konsolidierter Bilanzen in den USA, den Nie-
       derlanden etc.  bereits Vorschrift ist, gibt es in der BRD hierzu
       Ansätze zu  einem "Gentlemen's Agreement" zwischen Bankenaufsicht
       und den  Bankenverbänden, das  jedoch nur  konsolidierte Bilanzen
       von Bankzentralen  und den  Auslandsfilialen vorsieht und die Ge-
       schäfte der  Auslandstöchter, auf  die 40 Prozent der Eurokredit-
       vergaben von  BRD-Banken entfallen, ausspart. 39) Eine wesentlich
       stärkere  Regulierung  und  Einschränkung  der  Xenokreditvergabe
       könnte durch  die Einführung  einer Mindestreserve für diese Kre-
       dite, die die Kostenvorteile dieser Märkte untergraben würde, er-
       reicht werden. Eine solche "Euromindestreserve" könnte - wie dies
       in den  USA diskutiert wird - bei der Bankzentrale auf die Aktiva
       oder Passiva  ihrer Auslandsniederlassungen  erhoben  werden,  da
       nicht zu  erwarten sein wird, daß die Länder mit Bankfreihandels-
       zonen zu solch einer Maßnahme bereit sein werden. 40)
       Die genannten Beispiele für Regulierungsmöglichkeiten der Xenofi-
       nanzmärkte zeigen,  daß die  Zunahme privatmonopolistischer Regu-
       lierungen  auf   den  internationalen   Geldmärkten   nicht   der
       U n m ö g l i c h k e i t   entspringt, das  Treiben der interna-
       tionalen Bankkonzerne zu kontrollieren, sondern vielmehr Ausdruck
       einer zeitweiligen  Interessenkonvergenz zwischen  Banken, den IK
       und führenden  kapitalistischen Staaten ist. 41) Hinzu kommt, daß
       es den  führenden kapitalistischen  Staaten bisher nicht gelungen
       ist, eine  neue internationale  Währungsordnung zu errichten, die
       der polyzentrischen  Machtverteilung zwischen den drei rivalisie-
       renden kapitalistischen  Zentren (USA,  EG, Japan)  gerecht wird.
       Die Folge  ist die Etablierung eines "Nichtsystems", einer Lücke,
       die die internationalen Banken profitabel zu nutzen verstehen.
       In letzter  Zeit jedoch geriet die "Unreguliertheit" der interna-
       tionalen Finanzmärkte  zunehmend in Widerspruch zu den Interessen
       und den wirtschaftspolitischen Strategien der führenden kapitali-
       stischen IL.  An erster  Stelle ist natürlich die Gefährdung auch
       der nationalen  Kreditbeziehungen durch  die international einge-
       gangenen Risiken  der  Großbanken  zu  erwähnen.  Darüber  hinaus
       führte die  erhebliche  Interdependenz  zwischen  den  nationalen
       Geldmärkten der  Xenowährungsländer und  den internationalen  Fi-
       nanzmärkten zur  Erschwerung und  teilweisen Durchkreuzung  einer
       nationalen Geldpolitik. 42) Eine Erhöhung der Mindestreserven zur
       Durchsetzung  einer   monetaristisch  inspirierten,  restriktiven
       Geldpolitik verstärkte  die Kostenvorteile  der  Xenokreditmärkte
       und führte  zu einer  teilweisen Verlagerung des Kreditgeschäftes
       auf diese  Märkte. 43)  Während national  gespart und  "deflatio-
       niert" wurde,  nicht zuletzt  mit dem  Ziel einer  Steigerung der
       internationalen Wettbewerbsfähigkeit,  blähten  sich  die  inter-
       nationalen Finanzmärkte inflationär auf. Dies ist zwar einerseits
       nötig, um  die Exportüberschüsse  der Expansionsländer (und damit
       die Defizite  der übrigen  Länder) möglich  zu machen, führt aber
       andererseits über  die enge  Weltmarktverflechtimg und  die damit
       einhergehende   internationale    Preisverbundenheit   zum    In-
       flationsimport in  die Deflationsländer und damit zur Durchlöche-
       rung ihrer restriktiven Wirtschaftsstrategien.
       Schließlich wirkt das gewaltige Volumen kurzfristig mobilisierba-
       rer internationaler  Liquidität zunehmend  destabilisierend. Seit
       dem Floatingbeginn 1973 überrundeten die finanziellen Umsätze der
       Xenofinanzmärkte rasch  die Welthandelsumsätze.  Somit dient  ein
       abnehmender Teil der Geldbewegungen auf den Xenofinanzmärkten der
       Finanzierung von Güterbewegungen und ein wachsender Teil - Schät-
       zungen sprechen von bis zu 90 Prozent - spekulativen Zwecken. 44)
       Innerhalb kürzester Fristen werden per Telefonat gewaltige Summen
       weltweit hin  und her geschoben, um z.B. Aufwertungsgewinne einer
       Währung "mitzunehmen"  oder um relativ geringfügige Zinsdifferen-
       zierungen und  Zinsschwankungen profitabel  zu nutzen.  In diesem
       Zusammenhang erscheint die Diskussion müßig, ob solche spekulati-
       ven Geldbewegungen ursächlich für den Druck auf bestimmte Währun-
       gen sind  oder  nur  reaktiv  einem    A b w e r t u n g s v e r-
       d a c h t   folgen. Denn  das Ergebnis  solcher Transaktionen ist
       allemal die  Bestätigung des  "Verdachts" durch die Wirklichkeit,
       da es  den Zentralbanken angesichts der gewaltigen Ströme "heißen
       Gelds" nur  schwer möglich  sein wird, die betreffende Währung zu
       verteidigen. 45)  Insbesondere für  Regionen mit Festkurssystemen
       (EWS) können  deshalb von  den Xenofinanzmärkten  erhebliche Stö-
       rungen  ausgehen,  die  die  von  festen  Wechselkursen  erhoffte
       Handelsförderung teilweise untergraben.
       Aus diesen  Widersprüchlichkeiten erklärt  sich die  seit einiger
       Zeit  zunehmende   Diskussion  über  eine  Regulierung  oder  gar
       "Austrocknung" der Xenofinanzmärkte. Die Rivalitäten zwischen den
       drei kapitalistischen  Zentren ließen jedoch bisher nur isolierte
       nationalstaatliche Eingriffe zu und verhinderten eine internatio-
       nal koordinierte Regulierung dieser Märkte. 46)
       
       3.2 Die Xenofinanzmärkte: Ursache der Zinsexplosion?
       ----------------------------------------------------
       
       W. Hankel  analysiert in  der Expansion der Xenofinanzmärkte eine
       wesentliche Ursache  der gewaltigen  Zinssteigerungen der letzten
       Jahre. Nicht die Zentralbanken seien für die hohen Zinsen verant-
       wortlich, sondern  die sich  auf den Xenofinanzmärkten "bildenden
       Zinssätze bestimmen  die nationalen Geld- und Kreditkosten, nicht
       umgekehrt". 47) Seit Floatingbeginn sei die internationale Liqui-
       dität überdimensional  angewachsen. Die Ursachen hierfür lägen in
       der starken internationalen Konkurrenz der Banken um Ausleihungen
       und in  der enormen  Liquiditätsschöpfungsfähigkeit des  interna-
       tionalen Bankensystems.
       Grundlage dieser  Fähigkeit  des  internationalen  Bankensystems,
       selbst internationale  Liquidität (Dollars, DM etc.) zu schaffen,
       sind Devisen,  die an irgendeinem Ort der Welt anfallen. Da diese
       Devisen seit  Floatingbeginn nicht  mehr oder  nur in  geringerem
       Maße zu den Zentralbanken gelangen (vgl. Abschnitt 4), stehen sie
       vermittels des Interbankenmarkts praktisch in kürzester Frist je-
       der international  tätigen Bank  für die Kreditvergabe zur Verfü-
       gung. Auf Basis dieser Devisen können die internationalen Banken,
       wie jedes  geschlossene Bankensystem,  über die Kreditvergabe zu-
       sätzliche (internationale)  Liquidität schöpfen. Da es keine vor-
       geschriebene Mindestreservehaltung gibt und die Sickerverluste in
       diesem effektiven  internationalen  Bankensystem  relativ  gering
       sein dürften,  scheint die  Vermutung berechtigt, daß die Kredit-
       schöpfungsfähigkeit der Xenofinanzmärkte größer als jene nationa-
       ler Bankensysteme ist. 48)
       Diese Fähigkeit  zur Schöpfung  internationaler  Liquidität  exi-
       stierte zwar  bereits auf  den Eurodollarmärkten in den sechziger
       Jahren. In der Praxis war diese Fähigkeit jedoch durch die Regeln
       des Währungsabkommens von Bretton Woods begrenzt: Zum einen waren
       die Zentralbanken  zur Intervention  auf den  Devisenmärkten ver-
       pflichtet, um  die Wechselkurse  zu verteidigen.  Deshalb konzen-
       trierten sich  die Devisenreserven im Zentralbanksystem und stan-
       den somit  nicht als Kreditschöpfungsbasis zur Verfügung. Und zum
       ändern waren die Staaten zur Abdeckung ihrer Leistungsbilanzdefi-
       zite auf  ihre Währungsreserven und/oder auf die Kreditlinien des
       IWF und  der Zentralbanken angewiesen, so daß die damaligen Euro-
       dollarmärkte im  wesentlichen "nur" den Kreditbedarf der interna-
       tionalen Konzerne und Banken bedienten.
       Seit der faktischen Aufkündigung des Bretton Woods-Abkommens 1973
       nahm das  Finanzierungsvolumen der  Xenofinanzmärkte um das Fünf-
       zehnfache zu.  49) Dieses gewaltige Anwachsen der internationalen
       Liquidität, das  das Wachstum  der realen  Güterumsätze  auf  dem
       Weltmarkt bei weitem überstieg, dürfte einen wesentlichen Beitrag
       zur Steigerung  der Weltinflation  geleistet haben und somit auch
       wztverantwortlich für    N o m i n a l z i n s s t e i g e r u n-
       g e n   sein, die  dieser Inflationsrate  folgten. Eine Reihe von
       Argumenten spricht  jedoch  m.E.  dagegen,  die  Xenofinanzmärkte
       direkt auch  für den bedeutenden Anstieg der  R e a l z i n s e n
       verantwortlich zu machen.
       E r s t e n s   übertrifft das  Volumen der nationalen Kreditver-
       gabe jenes der internationalen Ausleihungen erheblich. 1981 mach-
       ten die  Euro-DM-Kreditausleihungen ca.  1/7 der Ausleihungen des
       Kreditmarktes der BRD aus, und auch der nationale Kreditmarkt der
       USA übertraf  den Xenodollarmarkt um das Vier- bis Fünffache. 50)
       Angesichts dieser Größenverhältnisse können die Marktverhältnisse
       auf den nationalen Geldmärkten nicht so unbedeutend für die Zins-
       bestimmung sein,  wie dies die Ausführungen W. Hankels nahelegen,
       und somit  kommt auch  der Politik  der jeweiligen  Zentralbanken
       (vor allem des US-Zentralbanksystems), die durch ihre Geldpolitik
       entscheidend das  Geldangebot bestimmen, eine entscheidende Rolle
       bei der Gestaltung der Zinspolitik zu. 51)
       Z w e i t e n s   läßt sich  die Aufblähung  der Xenokreditmärkte
       teilweise auch  durch die  Flucht potenter Kreditnehmer vor einer
       nationalen Hochzinspolitik  interpretieren. So  bieten  US-Banken
       ihren erstklassigen Kunden zunehmend die Alternative zwischen ei-
       ner Kreditabwicklung  über die  Bankzentrale und einer Kreditauf-
       nahme bei deren Auslandsvertretungen. Eine Ursache für die Expan-
       sion der  Xenokreditmärkte, die  ja wegen  des großen Anteils des
       Dollarumsatzes besonders  eng mit  den  US-Geldmärkten  verbunden
       sind, stellt  in diesem Fall also das Ausweichen der Kreditnehmer
       vom teuren  Inlandsmarkt auf  die billigeren  Xenomärkte dar. 52)
       Auf diese  Weise entsteht ein enger Zinszusammenhang zwischen na-
       tionalen und  internationalen Geldmärkten  - nach Auffassung Köh-
       lers bewegen  sich die  Eurodollarzinsen zwischen  den Kosten für
       US-Schatzwechsel (Untergrenze)  und der  US-prime-rate  zuzüglich
       eines gewissen  Aufschlags (Obergrenze) - wobei jedoch ursächlich
       für die Zinshöhe letztlich die Zentralbankpolitik bleibt. 53)
       D r i t t e n s   schließlich sprechen  die Marktverhältnisse auf
       den Xenofinanzmärkten  gegen die  These, hier  liege die zentrale
       Ursache der  Zinsexplosion. In  den letzten Jahren trugen die in-
       ternationalen Finanzmärkte  immer die Züge eines Schuldnermarkts,
       d.h., einem  gewaltigen Liquiditätsangebot  aus den  OPEC-Ländern
       und aus  einigen kapitalistischen  Ländern stand eine zwar große,
       aber gleichwohl  aus Bonitätsgründen begrenzte Schuldnernachfrage
       gegenüber. Die  Feststellung Hankels, daß die gestiegenen Risiken
       bei der  internationalen Kreditvergabe zu höheren Aufschlägen und
       damit zu  höheren Zinsen beigetragen hätten, traf nur für die al-
       lerjüngste Zeit  zu. Zuvor  waren die sogenannten spreads auf die
       LIBOR durch  die Konkurrenz gedrückt worden (man sprach von einem
       Konditionenverfall) und  spiegelten unterschiedliche Risiken kaum
       mehr wieder.  54) Bei einem Überangebot an internationaler Liqui-
       dität aber  ist ein  realzinstreibender Einfluß  der  Xenofinanz-
       märkte unwahrscheinlich.
       Insgesamt also sprechen m.E. eine Reihe von Argumenten dafür, die
       Zuständigkeit für  die die  internationale  Finanzkrise  und  die
       Weltwirtschaftskrise verschärfenden hohen Zinsen bei den Zentral-
       banken und  ihrer  monetaristisch  orientierten  Geldpolitik  und
       nicht bei den "anonymen" Xenofinanzmärkten zu suchen.
       "Der Zins  ist heute in bestimmtem Rahmen ein der staatsmonopoli-
       stischen Einflußnahme  unterliegender Monopolpreis,  über  dessen
       Regulierung der  Staat auf  die Verteilung des gesellschaftlichen
       Kapitals und der gesellschaftlichen Arbeit in den für die Verwer-
       tung des Monopolkapitals wichtigsten Bereichen der Wirtschaft so-
       wie (auf)  die Konkurrenzposition  der Monopole auf dem Weltmarkt
       einwirkt." 55)  Diese These  beinhaltet, daß  die Geldpolitik der
       Zentralbanken -  wobei das US-Zentralbanksystem hierbei eine ent-
       scheidende Rolle  spielt -  für die  Entwicklungstendenz und  die
       Höhe der  Zinsen wichtiger  ist als die Marktverhältnisse auf den
       Geld- und  Kreditmärkten. Hierfür  spricht, daß  die  Refinanzie-
       rungskosten (Höhe des Diskontsatzes etc.), das zur Verfügung ste-
       hende Refinanzierungsvolumen  und der Geldschöpfungsmultiplikator
       (Mindestreservepolitik), d.h.  wesentliche Momente  des Geld- und
       Kreditangebots auf  den Finanzmärkten, durch die Zentralbankpoli-
       tik gesteuert  werden können.  Zumindest für das angestrebte Ziel
       einer restriktiven Geldpolitik verfügen die meisten Zentralbanken
       somit über  geeignete und wirksame Mittel, das Liquiditätsangebot
       zu verknappen  und damit  (und über  den Diskontsatz)  die Zinsen
       nach oben zu treiben.
       Entgegen einer  weitverbreiteten Auffassung dürften bei den Zins-
       steigerungen seit 1979 die Marktverhältnisse (d.h. das Verhältnis
       zwischen Angebot  und Nachfrage der privaten Banken, Unternehmen,
       Konsumenten und  des Staates) und die Geschäftspolitik der Banken
       eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Zunächst sind hohe Zin-
       sen nicht  unmittelbar gleichzusetzen  mit günstigen Profiterwar-
       tungen der  Banken, für  die ja  die   Z i n s s p a n n e  (Dif-
       ferenz zwischen  den Kosten  der Kreditbeschaffung  und dem  Zin-
       sertrag aus  der Geldverleihung) die entscheidende Zielgröße ist.
       Hohe Realzinsen  sind jedoch  nicht per  se geeignet, diese Zins-
       spanne auszuweiten. Denn hohe Zinsen vergrößern das Kreditangebot
       - auch  Unternehmen verleihen  unter diesen  Umständen einen Teil
       ihrer Gewinne  - und  mindern gleichzeitig die Nachfrage nach den
       teuren Krediten,  so daß die Finanzmärkte trotz der knappen Geld-
       politik der  Zentralbanken relativ  liquide  bleiben.  Dies  ver-
       schärft die  Konkurrenz zwischen den Banken und fördert eher eine
       zinssenkende Tendenz.
       Dagegen kann eingewandt werden, daß in der Krise der Kreditbedarf
       der Unternehmen steige und zudem die wachsende Staatsverschuldung
       zu einer Anspannung auf den Finanzmärkten führe. Tatsache ist je-
       doch, daß  ein hoher  Kreditbedarf von  Unternehmen in  der Krise
       nicht gleichzusetzen ist mit einer entsprechend hohen Kreditnach-
       frage oder  Kreditbedienung, da die hohen Zinsen und die sinkende
       Bonität der Unternehmen einer Deckung ihres Geldbedarfs entgegen-
       stehen (mit  der Folge steigender Konkurszahlen). Und schließlich
       läßt sich zumindest für die BRD in den letzten Jahren keine zins-
       treibende Wirkung  der Staatsverschuldung  nachweisen, nicht  zu-
       letzt, weil ein erheblicher Teil der Kredite im Ausland aufgenom-
       men worden ist. 56)
       Die steigenden Zinsspannen der BRD-Banken im Zusammenhang mit der
       Lockerung der  Geldpolitik der Bundesbank, die damit wiederum auf
       Zinssenkungen in  den USA  reagierte, und die damit einhergehende
       Gewinnexpansion sprechen  m. E.  für die  These, daß sich aus dem
       K r e d i t g e s c h ä f t  der Banken kein unmittelbares Inter-
       esse an  einer Hochzinspolitik ableiten läßt (wobei auch zweifel-
       haft bleibt,  ob die  Banken überhaupt über die Mittel zur Durch-
       setzung möglicher Hochzinsinteressen verfügen).
       Dies ist  allerdings einzuschränken:  Denn  die  Großbanken  sind
       zugleich mit  den dominierenden Teilen des Industriekapitals ver-
       flochten - dieser Zusammenhang wird mit dem Begriff des Finanzka-
       pitals zum  Ausdruck gebracht  -, die teilweise erheblich von der
       Hochzinspolitik profitierten.  Hohe Zinsen wirken konzentrations-
       fördernd, indem  sie kleinen  und mittleren  Unternehmen den Gang
       zum Kapitalmarkt erschweren, während ein Teil des Monopolkapitals
       auch in der Krise über so hohe Gewinne verfügt, daß Investitionen
       aus Eigenmitteln finanziert werden können und andere Großkonzerne
       durch ihre  Verbindungen zum  Bankensektor Zugang  zu günstigeren
       Krediten besitzen.  Ein Teil  des Industriekapitals verdient dar-
       über hinaus  selbst an den hohen Zinsen, indem es Überschüsse als
       zinstragendes Kapital  anlegt: Daimler-Benz erwirtschaftete durch
       diese Geschäfte  1982 mehr  als durch  Aktivitäten in der Produk-
       tion. Zudem dämpfte die Politik des knappen Geldes durch die Ver-
       tiefung und  Verlängerung der  Krise den Preisanstieg und stärkte
       so die Wettbewerbsposition der international agierenden Konzerne.
       Für die USA kommt hinzu, daß die hohen Zinsen Kapitalzuflüsse be-
       günstigten, die  die US-Zahlungsbilanz  verbesserten und zu einer
       Aufwertung des  Dollars führten. Dies erleichterte Direktinvesti-
       tionen -  die Hauptform der internationalen Expansion der US-Kon-
       zerne -,  führte aber  auch zu  einer Minderung der Exportchancen
       und zu  einer Verstärkung  der Importkonkurrenz.  Auch im Bereich
       des industriellen  Kapitals lassen sich folglich widersprüchliche
       Wirkungen der Hochzinspolitik festmachen. 57)
       Zusammenfassend sprechen  diese Überlegungen  m.E. für die These,
       daß die restriktive Geldangebotspolitik der Zentralbanken - allen
       voran die  des US-Zentralbanksystems - entscheidend für die enor-
       men Zinssteigerungen  seit 1979  gewesen ist,  ohne dabei  auszu-
       schließen, daß  Veränderungen der  Marktverhältnisse ebenfalls zu
       Zinsschwankungen beigetragen  haben. Die  Interessen des Kapitals
       und insbesondere des Finanzkapitals sind in diesem Prozeß relativ
       widersprüchlich, so  daß ein  häufigerer Wechsel  in der Zentral-
       bankstrategie nicht  ausgeschlossen werden kann. Zumal ja die Er-
       wartung, die  Inflation mit hohen Zinsen und knappem Geld bekämp-
       fen  zu   wollen,  nur  vordergründig  aufzugehen  scheint:  Eine
       V e r l a n g s a m u n g   der Preissteigerungsraten  durch  die
       Verstärkung und  Verlängerung wirtschaftlicher Krisen zu erzielen
       - in  früheren Krisen  sanken die Preise -, heißt noch nicht, die
       Inflation im  konjunkturellen Aufschwung  im Griff zu haben. Denn
       der wesentlichste  Einfluß auf die Inflation, die monopolistische
       Preispolitik, wird  durch die  restriktive Geldpolitik  nicht nur
       n i c h t   b e s e i t i g t,  sondern durch die konzentrations-
       fördernde Wirkung  der Hochzinspolitik sogar verstärkt. Diese Zu-
       sammenhänge ignoriert  eine monetaristisch  inspirierte  Zentral-
       bankpolitik, die  meint, durch eine Geldmengenverknappung die In-
       flation zu  bekämpfen, die  aber faktisch die Inflation nur durch
       die Rezession mildert. Damit aber werden auch die begrenzten Mög-
       lichkeiten der monetaristischen Politik deutlich.
       
       4. Der Zusammenhang zwischen privater
       -------------------------------------
       Zahlungsbilanzfinanzierung und Währungskrise
       --------------------------------------------
       
       Das sprunghafte  und unkontrollierte Wachstum der internationalen
       Liquidität und die private Kreditierung von Zahlungsbilanzdefizi-
       ten stellen  - wie gezeigt - eine neue Entwicklung in der kapita-
       listischen Weltwirtschaft  nach dem II. Weltkrieg dar, die augen-
       scheinlich mit  der Aufkündigung wesentlicher Regelungen des Wäh-
       rungssystems von  Bretton Woods  zusammenhängen  (Aufgabe  fester
       Wechselkurse und  Übergang zum  Floating).  Grundsätzlich  hängen
       Stabilität und  Lebensdauer kapitalistischer  Währungssysteme von
       folgenden Faktoren ab:
       1. Vom "Autonomiebedarf" der kapitalistischen Gesellschaften: Ka-
       pitalistische  Ökonomien   wiesen  bereits   in  früheren  Zeiten
       (Konkurrenzkapitalismus) unterschiedliche "Mischungsverhältnisse"
       zwischen einer  spontanen, konkurrenzgesteuerten und preisvermit-
       telten Marktregulierung  und staatlichen Systemregulierungen auf.
       So war  z. B. die Herausbildung der kapitalistischen Ökonomien in
       den Ländern, die England mit Verzögerung folgten, zunächst in ho-
       hem Maße durch staatliche Interventionen gekennzeichnet, die sich
       jedoch mit  der Etablierung  und Stabilisierung  dieser Ökonomien
       unter konkurrenzkapitalistischen  Bedingungen abbauten. Begründe-
       ten sich  staatliche Regulierungen und Interventionen im Frühsta-
       dium des Kapitalismus vor allem aus einer Bedrohung durch die äu-
       ßere Weltmarktkonkurrenz,  so wuchs mit der Herausbildung monopo-
       listischer Strukturen auch der innere Regulierungsbedarf des nun-
       mehr  monopolkapitalistischen  Systems:  Zunehmend  verloren  die
       spontanen  Mechanismen  zur  Krisenüberwindung  an  Wirkung,  die
       "Selbstheilungsfähigkeit" des  kapitalistischen Systems ging ver-
       loren, und  die Notwendigkeit einer staatlichen Konjunkturpolitik
       wurde deutlich.  58) Diesem  verstärkten   A u t o n o m i e b e-
       d a r f,   d.h. dem  Bedarf nach  einer  von  Weltmarkteinflüssen
       unabhängigeren  staatlichen   Wirtschaftsregulierung,  stand  das
       Währungssystem des  Konkurrenzkapitalismus -  der Goldstandard  -
       entgegen. Dieses  System  basierte  auf  dem  Verzicht  auf  eine
       eigenständige  nationale   Konjunkturpolitik  und  schuf  darüber
       hinaus durch  die allgemeine  Anerkennung des Goldes als Weltgeld
       ein weltweites  Preissystem (alle  Waren besaßen  Goldpreise  und
       waren somit  über die  Grenzen hinweg "preisvergleichbar"), durch
       das ein  enger internationaler  Konkurrenzzusammenhang geschaffen
       wurde. Die   U n i v e r s a l i t ä t   des Goldstandards geriet
       so mit  der Herausbildung  des Monopolkapitalismus in Widerspruch
       zu  dem   Umstand,  daß   die  notwendig   werdenden  staatlichen
       Regulierungen nur  im    n a t i o n a l e n    R a h m e n    zu
       realisieren waren.  59) In der Folge - nach einer langandauernden
       Weltwährungskrise - entwickelte sich mit dem Währungsabkommen von
       Bretton Woods ein  i n t e r n a t i o n a l e s  Währungssystem,
       das versuchte,  eine erhöhte  nationale Wirtschaftsautonomie  mit
       festen Wechselkursen zu verbinden.
       2. Ein zweiter entscheidender Faktor für die Gestaltung kapitali-
       stischer Währungssysteme sind die Kräfteverhältnisse zwischen den
       führenden kapitalistischen IL. Solche Kräfteverhältnisse spielten
       bereits im  Goldstandard eine  wichtige Rolle,  wenngleich dieses
       Währungssystem durch  die weltweite  Akzeptierung des  Warengelds
       "Gold" als  Weltgeld Züge  eines  sich  spontan  herausbildenden,
       "echten"   W e l t währungssystems   trug, d.h.  weitgehend  ohne
       i n t e r n a t i o n a l e,   zwischenstaatliche  Vereinbarungen
       auskam. 60)  Im Vergleich zu heute waren das damalige Währungssy-
       stem und  der Internationalisierungsprozeß  jedoch relativ  wenig
       politisiert. Dagegen kam das Währungssystem von Bretton Woods nur
       durch einen  internationalen Vertrag  zustande, in dem die Bezie-
       hungen  n a t i o n a l e r  Währungen 61) geregelt wurden.
       Ein solches  internationales Vertragswerk  beinhaltet  immer  die
       zeitweilige Festschreibung  von Kräfteverhältnissen, d.h. in die-
       sem Falle:  die Anerkennung der Hegemonie der USA und des US-Dol-
       lar. Als  einziges Land  waren die USA nicht gezwungen, den Wech-
       selkurs des US-Dollar zu verteidigen, während alle übrigen Länder
       die Paritäten  ihrer Währungen zum US-Dollar durch Zentralbankin-
       terventionen zu sichern hatten. Dies verschaffte den USA das Pri-
       vileg, ihre  Zahlungsbilanzdefizite durch das Drucken von Dollar-
       zetteln finanzieren  zu können, was letztlich trotz der Interven-
       tionen der  ausländischen Zentralbanken  zur Aufwertung wichtiger
       Währungen und damit zur Entwertung der Dollarreserven dieser Län-
       der führte.
       Somit waren  die Widersprüche  des Währungsabkommens  von Bretton
       Woods bereits  in seiner Konstruktion angelegt, Widersprüche, die
       mit einem  Abbau der US-Hegemonie und mit der Herausbildung einer
       mehr polyzentrischen  Machtverteilung zwischen  den  kapitalisti-
       schen Hauptländern  zur Zerstörung  dieses Währungssystems führen
       mußten. Trotz solcher Konstruktionsschwächen konnte im System von
       Bretton Woods  das Wachstum der internationalen Liquidität (Gold,
       vor allem  aber US-Dollar,  IWF-Kredite und Beistandskredite zwi-
       schen den Zentralbanken) begrenzt werden: Das Wachstum der inter-
       nationalen Liquidität  hing letztlich  vom Zusammenspiel  der US-
       Zentralbank mit  den übrigen Zentralbanken und den IWF-Kreditein-
       räumungen ab. 62)
       Zwar spielten  gegen Ende  der  sechziger  Jahre  bereits  "vaga-
       bundierende", d.  h. nicht  bei den  Zentralbanken  konzentrierte
       Dollars eine  gewisse Rolle  bei der  Spekulation gegen  einzelne
       Währungen. Das  Gros der  internationalen Liquidität blieb jedoch
       unter der Kontrolle der Zentralbanken, die ja verpflichtet waren,
       überschüssige Dollars  durch Ankäufe  vom Markt zu nehmen, was zu
       einer Begrenzung  der Dollarliquidität der Eurobanken führte. 63)
       Die  Freigabe  der  Wechselkurse  enthob  die  Zentralbanken  der
       Verpflichtung, auf  den Devisenmärkten  zu intervenieren  64) und
       beschleunigte so  die Ansammlung  internationaler Liquidität  bei
       den internationalen Banken.
       Die Finanzierung  von Zahlungsbilanzdefiziten  durch die Xenokre-
       ditmärkte hängt  somit in  der Tat mit dem Zusammenbruch des Wäh-
       rungssystems von Bretton Woods und dessen Ersetzung durch ungere-
       gelte Währungsbeziehungen  ("Nicht"-währungssystem) zusammen. Das
       nun vorherrschende  Floating einzelner  Währungen  und/oder  Wäh-
       rungsblöcke konnte unter diesen Umständen keine der gesetzten Er-
       wartungen erfüllen:  Denn die gewaltige internationale Liquidität
       in den  Händen miteinander um Kreditnehmer konkurrierender inter-
       nationaler Bankkonzerne führte zum einen zur "unechten" (d.h. nur
       kreditären) Finanzierung nahezu jedes Zahlungsbilanzdefizites, so
       daß es nicht zur erwarteten Verringerung, sondern zur explosions-
       artigen Ausweitung  dieser Defizite  kam. Aber  auch die erhoffte
       Stabilisierung der  Wechselkurse auf "marktgerechtem" Niveau trat
       nicht ein,  da es  die Finanzierung  der weltwirtschaftlichen Un-
       gleichgewichte durch  die privaten  Bankkredite ermöglichte,  die
       Unterschiede zwischen  den leistungsbilanzstarken Stabilitätslän-
       dern und den leistungsbilanzschwachen Inflationsländern aufrecht-
       zuerhalten und  auszuweiten, womit  stabile Wechselkursrelationen
       unmöglich wurden.  Hinzu kam, daß die Anhäufung kurzfristig mobi-
       ler internationaler  Liquidität ein gewaltiges Spekulationspoten-
       tial  darstellte,  das  Währungsungleichgewichte  zumindest  ver-
       stärkte. Schließlich  führte auch  die Hochzinspolitik der USA zu
       spekulativen internationalen  Kapitalbewegungen, die stabile Wäh-
       rungsbeziehungen unmöglich machten.
       F a s s e n   w i r  z u s a m m e n:  Aktuell kam es infolge der
       weltwirtschaftlichen Stagnation  und der kapitalorientierten Kri-
       senbewältigungsstrategien (Austeritätspolitik und Hochzinspolitik
       im Innern,  Expansion nach außen) zum offenen Ausbruch der inter-
       nationalen Finanzkrise.  Im Hintergrund dieser Krise stand jedoch
       die Zerrüttung, d.h. die Regulierungs"freiheit" der internationa-
       len Währungsbeziehungen.  Unter diesen  Bedingungen konnten  sich
       die privatmonopolistischen  Xenofinanzmärkte herausbilden, in ge-
       waltigem Umfang  internationale Liquidität umverteilen und schöp-
       fen.
       Kurzfristig ermöglichte  ihre Kreditgebung  die Bewältigung welt-
       wirtschaftlicher Ungleichgewichte,  die aus der Rivalität der ka-
       pitalistischen Zentren, aus den Ungleichheitsbeziehungen zwischen
       den IL  und EL und aus den beiden Ölpreissteigerungsrunden resul-
       tierten. Sie waren somit ein aus der Sicht der expansiven kapita-
       listischen IL  günstiges "Phänomen", das eine unmittelbare, akute
       Krise infolge  dieser Ungleichheitsbeziehungen vermied und es er-
       laubte, über  die "Großzügigkeit"  der internationalen Kreditver-
       gabe reale Veränderungen der Weltwirtschaftsordnung zu verschlep-
       pen. Längerfristig  allerdings führte  diese "Strategie" zu einer
       Kumulation der  Probleme, deren aktuell sichtbarster Ausdruck die
       Gefährdung des weltweiten Kreditgebäudes ist.
       Inwieweit es  gelingen kann,  durch neue internationale Währungs-
       vereinbarungen zwischen den kapitalistischen Hauptländern die in-
       ternationale Liquiditätsentwicklung  und die  bedrohliche Auswei-
       tung weltweiter Handelsungleichgewichte in den Griff zu bekommen,
       bleibt offen.  Ein solches  Unterfangen hängt nicht vorrangig von
       der Fähigkeit  und Willigkeit der Regierungen ab, sondern von der
       Frage, ob  eine internationale  Währungsordnung geschaffen werden
       kann, die  den polyzentrischen  Kräfteverhältnissen der Gegenwart
       Rechnung trägt.  Und letztlich  kann keine  Währungsordnung funk-
       tionieren, solange  die realwirtschaftlichen  Ungleichgewichte in
       der Weltwirtschaft nicht beseitigt werden und nicht gleichberech-
       tigte, auf gegenseitigem Vorteil beruhende Wirtschaftsbeziehungen
       zwischen den Ländern errichtet werden.
       Das gegenwärtige Krisenmanagement zur Bewältigung der internatio-
       nalen Kreditkrise allerdings zeigt, daß die kapitalistischen Län-
       der -  im Einklang mit den Interessen der Großbanken und IK - auf
       eine weitere  Kreditierung der  Ungleichgewichte setzen. Denn die
       Verluste   aus   dieser   Strategie   lassen   sich   schließlich
       "vergesellschaften", während  die Profite aus der weltwirtschaft-
       lichen Expansion privatisiert bleiben.
       Die "Vergesellschaftung"  der Verluste  hat bereits begonnen: Die
       Rekordgewinne der  BRD-Banken 1982  werden damit  gerechtfertigt,
       daß sie  zur Abdeckung  kommender hoher Verluste notwendig seien.
       Zum gleichen  Zweck werden  hohe Rückstellungen gebildet, die das
       wahre Ausmaß  der gegenwärtigen Bankgewinne verschleiern. Die Ko-
       sten der  Finanzkrise tragen  also bereits  jetzt die Konsumenten
       und Klein- und Mittelunternehmen, die trotz erheblicher Verbilli-
       gung der Geldbeschaffung für die Banken nach wie vor relativ hohe
       Kreditzinsen zahlen  müssen, weil  die Banken den Kreditsenkungs-
       spielraum nur  teilweise an  die Kunden  weitergeben und  so ihre
       Zinsspanne erweitern.  Nicht zuletzt wird durch diese restriktive
       Geschäftspolitik auch  die Wirtschaftskrise verlängert, deren La-
       sten auf die abhängig Beschäftigten abgewälzt werden.
       
       _____
       1) Vgl.  Weltbank,   Weltentwicklungsbericht  1981,   S.  63;  M.
       Holthus, Die  Entwicklung der Auslandsverschuldung seit 1973, in:
       H.B. Schäfer (Hg.), Gefährdete Weltfinanzen, Bonn 1980, S. 109.
       2) Weltbank, Weltentwicklungsbericht  1981, S. 65; H. C. Wallich,
       LDC Debt...  to worry  or not to worry, in: Challenge, Sept./Oct.
       1981, S. 29.
       3) Th. Kampfmeyer,  Die Verschuldung  lateinamerikanischer  Staa-
       ten..., Manuskript,  Berlin (West)  1982, S.  4; Geschäftsbericht
       der Deutschen  Bundesbank für das Jahr 1982, Frankfurt/Main 1983,
       S. 62.
       4) Errechnet aus DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38 ff.
       5) Die voranstehenden  Daten finden  sich bei  H. C. Wallich, LDC
       Debt..., a.a.O.,  S. 31 f. und "Gnadenfrist für den Weltkonkurs",
       Stern, 3. Februar 1983.
       6) Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung..., a.a.O., S. 20.
       7) Ebenda, S. 20...
       8) Vgl. BIZ,  52. Jahresbericht,  Basel 1982,  S. 125 u. 132; Ge-
       schäftsbericht  der  Deutschen  Bundesbank  für  das  Jahr  1982,
       a.a.O., S.  61; R.  S. Dale, International Banking is out of Con-
       trol, in: Challenge, Jan./ Febr. 1983, S. 19.
       9) Vgl. Ch. Lipson, The International Organization of Third World
       Debt, in:  International Organization,  Vol. 35,  Nr. 4, 1981, S.
       611; R. S. Dale, International Banking..., a.a.O., S. 18; A. Wag-
       ner, Euromarktverschuldung der Entwicklungsländer..., in: Gefähr-
       dete Weltfinanzen, a.a.O., S. 152.
       10) Vgl. Internationale Konzerne in Entwicklungsländern, IPW-For-
       schungshefte 4/75,  S. 125  ff.; Internationale  Monopole, Berlin
       (DDR) 1978, S. 151 ff.
       11) Vgl. F.  Castro, Die  ökonomische und  soziale Krise  in  der
       Welt..., Bericht  an die VII. Gipfelkonferenz der Nichtpaktgebun-
       denen, deutsche Ausgabe, Dresden 1983, S. 86.
       12) DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38 u. 40.
       13) Vgl. Weltbank, a.a.O., verschied. Jahresberichte.
       14) Vgl. C.  Köhler, Geldwirtschaft,  II. Band, West-Berlin 1979,
       S. 235 ff.
       15) Bank f.  Internationalen Zahlungsausgleich  (BIZ), verschied.
       Jahresberichte; F.  Castro, Die ökonomische und soziale Krise...,
       a.a.O., S. 83.
       16) Handelsblatt, 29.  September 1982; F. Castro, Die ökonomische
       und soziale Krise ..., a.a.O., S. 91.
       17) Ebenda, S. 89.
       18) Vgl. ebenda, S. 5 7 ff.
       19) Ob diese Reinvestitionen einen sinnvollen Entwicklungsbeitrag
       darstellen oder  aber nationale  Wirtschaftsstrukturen zerstören,
       sei hier  ausgeklammert. Ebenso wird hier nicht auf den Fakt ein-
       gegangen, daß  sich die  Industrialisierung dieser EL überwiegend
       auf den  Bereich arbeitsintensiver  Produktionen  beschränkt  und
       deshalb vermutlich ungünstige Zukunftsaussichten hat.
       20) Vgl. Handelsblatt, 17./18. September 1982.
       21) Vgl. Th.  Kampfmeyer, Die Verschuldung. .., a.a.O., S. 6; für
       die nichtölexportierenden EL insgesamt trat eine Verschlechterung
       der Austauschverhältnisse  von ca. 20 Prozent (1978"1981) ein: F.
       Castro, Die ökonomische und soziale Krise.. ., a.a.O., S. 61.
       22) Ebenda.
       23) Ebenda, S. 75.
       24) DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38.
       25) Zur zunehmenden  Zyklensynchronisation Mitte  der 70er  Jahre
       vgl.  E.  Lüdemann,  Internationalisierung  der  kapitalistischen
       Wirtschaft und Krisenzyklus, IPW-Forschungshefte 1/1980.
       25a) Vgl. Autorenkollektiv, Währungsprobleme des heutigen Kapita-
       lismus, Berlin (DDR) 1982, S. 149ff.; FR, 23. April 1983.
       25b) Dies beinhaltet nicht, daß diese Länder den Souveränitätsge-
       winn automatisch  für eine  demokratischere und sozialere Politik
       verwandt hätten.  Vielfach  wurden  mit  diesen  Auslandskrediten
       nicht sinnvolle Investitionen, sondern der Konsum der Reichen in-
       flationär finanziert.
       26) Vgl. BIZ, 52. Jahresbericht, a.a.O., S. 132.
       27) Vgl. hierzu Memorandum '83, Köln 1983, Abschnitt 2.6.
       28) Vgl. C.  Köhler, Geldwirtschaft,  Bd. II, a.a.O., S. 218 ff.;
       BIZ, 52. Jahresbericht, a.a.O., S. 140.
       29) Geschäftsbericht der  Deutschen Bundesbank  1982, a.a.O.,  S.
       59. Die Angaben beziehen sich auf Neuausleihungen.
       30) Vgl. Ch.  Lipson, The International Organization ..., a.a.O.,
       S. 608; in letzter Zeit nimmt die Zahl der Banken, die sich ange-
       sichts der Risiken aus dem internationalen Geschäft zurückziehen,
       drastisch zu. Vgl. Stern v. 3. Februar 1983.
       31) Vgl. R.S. Dale, International Banking..., a.a.O., S. 15 ff.
       32) Vgl. D.  Gehrmann, Die  Effizienz des Euro-Kapitalmarktes...,
       Hamburg 1978,  S. 24  ff.; BIZ,  52.  Jahresbericht,  a.a.O.,  S.
       126/145.
       33) W. Hankel,  Shylock gesucht:  Hochzinspolitik und internatio-
       nale Kreditmärkte,  in: Blätter  f.  dt.  u.  internat.  Politik,
       5/1982, S.  593; Labilität des kapitalistischen Währungs- und Fi-
       nanzsystems..., in: IPW-Berichte 4/82, S. 20.
       34) I.L. Bahre,  Dringend vonnöten:  Transparenz und Information,
       in: Wirtschaftsdienst, XI/1979, S. 543.
       35) Vgl. D. Gehrmann, Die Effizienz.. ., a.a.O., S. 35 ff.
       36) Ebenda, S.  225; BIZ,  52. Jahresbericht.  a.a.O., S. 128 f.;
       Autorenkollektiv, Währungsprobleme...,  a.a.O., S.  175  ff.;  W.
       Hankel, Währungsordnung bei weltweit ungeregelten Kreditmärkten?,
       in: Gefährdete Weltfinanzen, a.a.O., S. 3.
       37) Vgl. R.S.  Dale, International  Banking..., a.a.O., S. 15 f.;
       Ch. Lipson, The International Organization..., a.a.O., S. 607.
       38) Wie gezeigt,  belasten auch Direktinvestitionen auf Dauer die
       Leistungsbilanz der  EL, da die Devisenzuflüsse aus den Direktin-
       vestitionen durch  die Abflüsse infolge von Gewinntransfers über-
       troffen werden.
       39) Bisher kranken  selbst diese freiwilligen Vereinbarungsversu-
       che an  den Interessenwidersprüchen und Gewinninteressen der BRD-
       Banken.
       40) Vgl. zu  den Kontrollmöglichkeiten  der Xenofinanzmärkte: Ge-
       schäftsbericht der  Deutschen Bundesbank  1979, S. 52f.; M. Lahn-
       stein, Schwachstellen  müssen behoben  werden,  in:  Wirtschafts-
       dienst XI/1979,  S. 538  f.; I.L.  Bahre, Dringend vonnöten: ...,
       a.a.O., S. 544; H. Peters, Eurogeldmärkte.. ., in: Kredit und Ka-
       pital, 1980, Heft 3, S. 402 ff.
       41) Vgl. zum  Verhältnis privatmonopolistischer und staatsmonopo-
       listischer Regulierung  z. B.:  D. Baudis, H. Nußbaum, Wirtschaft
       und Staat  in Deutschland  vom  Ende  des  19.  Jahrhunderts  bis
       1918/19, Vaduz 1978, S. 17 ff., S. 36 ff., S. 118 ff.
       42) Vgl. M. Lahnstein, Schwachstellen..., a.a.O., S. 536 f.; BIZ,
       52. Jahresbericht, a.a.O., S. 128 f.
       43) Die Mindestreservepolitik spielt in der BRD und den USA, also
       den beiden  wichtigsten Xenowährungsländern,  eine wichtige Rolle
       in der  Geldpolitik. Da eine Erhöhung der Mindestreserven die na-
       tionale Kreditvergabe  verteuert, weichen z.B. die IK auf die in-
       ternationalen Kreditmärkte aus.
       44) W. Hankel,  Währungsordnung bei weltweit ungeregelten Kredit-
       märkten?, in:  Gefährdete Weltfinanzen...,  a.a.O., S.  25, S. 32
       ff.
       45) Vgl. IPW-Berichte  1/83, S.  25f.; M. Lahnstein, Schwachstel-
       len..., a.a.O., S. 538.
       46) Vgl. die Angaben von Anmerkung 30 und die Vorschläge bei H.C.
       Wallich, LDC Debt ..., a.a.O., S. 33 ff., R. S. Dale, Internatio-
       nal Banking...,  a.a.O., S.  19; P.L. Volcker, The Recycling Pro-
       blem Revisited; in: Challenge, July/August 1980, S. 6ff.; "Sollen
       die  Euromärkte   kontrolliert  werden?",  in:  Wirtschaftsdienst
       XI/1979, S. 535 ff.
       47) W. Hankel, Shylock gesucht:..., a.a.O., S. 593.
       48) Vgl. ebenda,  S. 28;  C.  Köhler,  Geldwirtschaft,  II.  Bd.,
       a.a.O., S. 238 ff.
       49) BIZ, Jahresberichte,  versch. Jhrg.;  W. Hankel,  Shylock ge-
       sucht:..., a.a.O., S. 599.
       50) Errechnet aus:  Geschäftsbericht der Dt. Bundesbank, 1981, S.
       18; BIZ,  52. Jahresbericht, S. 17, 81, 140; Statistical Abstract
       of the U.S., 1982.
       51) Diese Auffassung vertritt z.B. die BIZ, 51. Jahresbericht; C.
       Köhler, Geldwirtschaft,  Band II., S. 235 ff.; K.G. Zinn, Die au-
       ßenwirtschaftliche Misere  nachfrageorientierter  Politik,  Manu-
       skript, 1982,  S. 22ff.;  Ch. Fiedler, Ursachen und Wirkungen der
       USA-Hochzinspolitik, in: IPW-Berichte 6/82, S. 18.
       52) Vgl. BIZ, 52. Jahresbericht, S. 128 f.
       53) Vgl. C.  Köhler, Geldpolitik, Bd. II, a.a.O., S. 224 ff., 235
       ff.
       54) Vgl. Th.  Kampfmeyer, Die  Verschuldung..., a.a.O., S. 7 ff.;
       P.I. Volcker, The Recycling Problem..., a.a.O., S. 13, Tab. 7.
       55) Ch. Fiedler, IPW-Berichte 6/82, a.a.O., S. 17.
       56) Vgl. DIW-Wochenbericht  13.14/82, "Beansprucht  der Staat  zu
       viel Ersparnisse?";  A. Troost, Der Streit um die Staatsverschul-
       dung, in:  Blätter für deutsche und internationale Politik, 4/81,
       S. 473 ff.
       57) Vgl. auch  Ch. Fiedler, IPW-Berichte 6/82, a.a.O., S. 17; Me-
       morandum '83, a.a.O., Abschnitt 2.5.
       58) Vgl. D. Baudis, H. Nußbaum, Wirtschaft und Staat. .., a.a.O.,
       S. 93 ff.
       59) Vgl. E. Sanio, Währungskrise und Währungsintegration (Diss.),
       Marburg 1975,  S.  52ff.;  derselbe,  Geld  und  Währung,  Frank-
       furt/Main 1978;  Autorenkollektiv, Währungsprobleme. . ., a.a.O.,
       S. 61  ff. Zuzustimmen  ist der  dort vertretenen Auffassung, daß
       der Begriff  der "chronischen  Währungskrise" zu  undifferenziert
       ist, um  die ständigen  Anpassungsprozesse  der  kapitalistischen
       Weltwährungsbeziehungen an  realwirtschaftliche  Verhältnisse  zu
       analysieren (S. 100 f.).
       60) So gab  es kein internationales Abkommen über dieses Weltwäh-
       rungssystem  und   keine  supranationale   Währungsbehörde.   Der
       "Anschluß" an  dieses Währungssystem  geschah durch die nationale
       Festlegung  und   Verteidigung  des  Goldgehalts  des  nationalen
       Geldes, wodurch spontan die Wechselkursrelationen bestimmt waren.
       Allerdings basierte  auch der  Goldstandard zu einem Teil auf der
       informellen Anerkennung  der Dominanz des englischen Pfundes, das
       bereits damals als eine Art Reservewährung fungierte, und auf der
       Einhaltung einiger Regeln (Deckungsregel) durch die Notenbanken.
       61) Goldgedeckte Währungen  waren, da die Banken zum Umtausch der
       nationalen Geldzettel  in Gold verpflichtet waren, im Prinzip un-
       mittelbare Weltwährungen.  Dagegen stellen  Geldzettel,  die  nur
       durch eine  staatliche Garantie  "gedeckt" sind,   n a t i o n a-
       l e s   Geld dar, da die staatliche Garantie an den Grenzen endet
       und  eine   internationale  Anerkennung  der  nationalen  Währung
       zwischenstaatlicher Vereinbarungen bedarf.
       62) Autorenkollektiv, Währungsprobleme..., a.a.O., S. 65 ff.
       63) Vgl. W. Hankel, Währungsordnung..., a.a.O., S. 22 ff., S. 30;
       Autorenkollektiv, Währungsprobleme  ..., a.a.O.,  3.  u.  5.  Ab-
       schnitt.
       64) Die Zentralbanken  intervenierten nun  auf den Devisenmärkten
       nicht mit  dem Ziel  einer  unbedingten  Wechselkursverteidigung,
       sondern unter  dem Gesichtspunkt "innerer Geldwertstabilisierung"
       und   "Stärkung    der   internationalen    Wettbewerbsfähigkeit"
       (verschmutztes Floating).
       

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