Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983


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       ZUSAMMENFASSUNGEN
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       Lothar Peter
       
       Krise der Arbeiterklasse? Krise der Arbeiterbewegung?
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       Zur aktuellen Diskussion um Fragmentierung und Vereinheitlichung
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       der Arbeiterklasse
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       Seit einigen Jahren ist von einer "Krise des Marxismus" die Rede.
       In diesem Zusammenhang wird auch die These vertreten, daß die ge-
       genwärtigen Vergesellschaftungsprozesse zu einer sozialen Erosion
       der Arbeiterklasse  führten und  damit auch  die marxistische Be-
       stimmung der  Arbeiterklasse als  kollektives revolutionäres Sub-
       jekt der bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellten. Peter setzt
       sich mit  Kritikern des marxistischen Begriffs der Arbeiterklasse
       auseinander. Er wendet sich aber auch gegen Auffassungen, die von
       der Arbeiterbewegung heute keine grundlegenden Veränderungen mehr
       erwarten, sondern auf die "neuen sozialen Bewegungen" setzen. Pe-
       ter stellt dar, warum die Arbeiterbewegung trotz ihrer vielfälti-
       gen Problematik eine unverzichtbare Aufgabe und Funktion im Kampf
       für antikapitalistische Veränderungen hat.
       
       
       Heinz Jung
       
       Zur Arbeiterklasse der 80er Jahre
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       Der Verfasser  stellt seine  Betrachtung in  den Zusammenhang der
       Argumente im  Karl-Marx-Jahr zur  gesellschaftlichen Stellung und
       Rolle der  Arbeiterklasse in der BRD. Dabei stellt er die im IMSF
       entwickelte sozialökonomische Bestimmung der Arbeiterklasse durch
       den entwickelten  Warencharakter der Arbeitskraft vor und polemi-
       siert gegen  Ansichten der  "weiten" Arbeiterklasse, die die Ent-
       wicklung lohnabhängiger Mittelschichten und Intelligenz negieren.
       Im zweiten Teil vermittelt der Verfasser Strukturangaben zur Ent-
       wicklung der  Arbeiterklasse seit  1960 und  betrachtet besonders
       die Struktur  zu Beginn der 80er Jahre. Ferner werden die Mobili-
       tätsprozesse in  den 70er  Jahren und  Angaben zum sozialökonomi-
       schen Kern  der Arbeiterklasse  vorgestellt. Schließlich erörtert
       ein dritter  Abschnitt die  Rolle des  Betriebes als  wesentliche
       Formierungsbasis der Arbeiterklasse, dabei besonders die betrieb-
       lich gewerkschaftliche  Klassenorganisation und  aktuelle Hegemo-
       nieprobleme.
       
       
       André Leisewitz
       
       Neue Technologien und Arbeiterklasse. Zur Entwicklung
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       des Produktivkraftsystems-in der Bundesrepublik
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       Die 70er und beginnenden 80er Jahre sind eine Periode der raschen
       Einführung neuer  Technologien.  Der  Verfasser  untersucht  ihre
       Rolle im  System der  materiellen Produktivkräfte,  Tendenzen und
       Möglichkeiten ihrer Einführung auf betrieblicher Ebene, den Stand
       ihrer Verbreitung  und einige Auswirkungen ihrer kapitalistischen
       Nutzung auf  sozialstrukturelle Prozesse und die Arbeitsbedingun-
       gen. Vorangestellt  werden Überlegungen zum Verhältnis von Arbei-
       terklasse und  Produktivkraftentwicklung. Der  Beitrag zeigt, daß
       moderne Technologien  insbesondere auf mikroelektronischer Grund-
       lage in  der Metallwirtschaft  1982/83 bereits  überraschend weit
       verbreitet sind.  Rund 20 Prozent der gesamten erwerbstätigen Be-
       völkerung nutzten Anfang der 80er Jahre programmgesteuerte Geräte
       als Haupt-  oder wichtiges Arbeitsmittel. Ihre Anwendung bedeutet
       stärkere Unterordnung der Lohnarbeit unter den technisch vorgege-
       benen Rhythmus  der materiellen  Produktivkräfte. In  der  Praxis
       zeigt sich  bezüglich der  Arbeitsbedingungen (Dispositionsräume,
       Qualifikation u.a.) ihre polarisierende Wirkung auf den Gesamtar-
       beiter sowohl bei Arbeitern wie bei Angestellten.
       
       
       Hermann Bömer/Ulrike Bohnenkamp
       
       Regionalentwicklung der Wirtschaftsstruktur
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       und der Arbeiterklasse
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       Die Untersuchung  konzentriert sich  auf die  16  großstädtischen
       Zentren der  BRD. Eine Interpretation der Entwicklung mit dem Be-
       griffspaar alte-neue/dynamische Zentren wird für unzureichend ge-
       halten. Die  Unterschiede werden vor allem an der Beschäftigungs-
       struktur im  verarbeitenden Gewerbe/Industrie  und  im  tertiären
       Sektor herausgearbeitet.  Bei der Ausdifferenzierung unter Beach-
       tung vieler  Faktoren stehen  Stuttgart, München, Hamburg, Frank-
       furt am  oberen, die Ruhrgebietsstädte am unteren Ende der Skala.
       Es wird  nachgewiesen, daß Krise und Arbeitslosigkeit auch um die
       dynamischen Zentren  keinen Bogen  machen und  eine moderne Wirt-
       schaftsstruktur dagegen  alleine keine ausreichende Barriere ist.
       Aufmerksamkeit wird  dem Vergleich  der  dynamischen  (Stuttgart,
       Hamburg) und  der alten (Dortmund, Saarland) Zentren gewidmet. Es
       wird auf  eine unterschiedliche Krisenbetroffenheit der Arbeiter-
       klasse in  den unterschiedlichen  Zentrentypen verwiesen. Gleich-
       wohl besteht  eine relative  Einheitlichkeit von Arbeits- und Le-
       bensbedingungen der Arbeiterklasse.
       
       
       Andreas Achenbach/Hermann Bömer
       
       Dortmund als "altes Zentrum" der Arbeiter- und demokratischen
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       Bewegung
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       Die von  den Verfassern vertretene These lautet, daß trotz extrem
       negativer wirtschaftlicher Bedingungen die Arbeiter- und demokra-
       tische Bewegung  Dortmunds auch  in Zukunft  eine führende  Rolle
       spielen kann.  Im Mittelpunkt  der Darstellung  steht eine Skizze
       der jüngeren  historischen Entwicklung  der Arbeiterbewegung. Die
       SPD stellt  sich als Haupterbe der Linkspotentiale der Dortmunder
       Arbeiterklasse dar. Sie ist in Dortmund nach wie vor Arbeiterpar-
       tei. Erbe  und Sozialstruktur  bedingen ambivalente Haltungen. Im
       Kampf  gegen   die  Auswirkungen  der  Krise  ragt  die  Bewegung
       "Stahlwerk Jetzt!" in der jüngeren Zeit hervor, die heute in Ver-
       staatlichungsforderungen mündet. Dies beweist, daß Verteidigungs-
       kämpfe zu  offensiven gesellschaftspolitischen Forderungen führen
       können. In  den neuen sozialen Bewegungen, den demokratischen Be-
       wegungen und der Friedensbewegung spielt das Arbeiterelement eine
       wichtige und  gewichtige Rolle.  Die Widersprüchlichkeit der Ent-
       wicklung des  Widerstandspotentials erschließt  sich aus dem Ver-
       gleich der Wahlergebnisse für die Grünen und die DKP in Dortmund.
       
       
       Heinz Thüer
       
       "Vergesellschaftung der Stahlindustrie" -
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       Träger, Triebkräfte, Ziele der Bewegung
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       In Bewegungen  gegen Arbeitsplatzabbau  und Werksschließungen hat
       die Forderung  nach Verstaatlichung  in neuakzentuierter Form und
       in Verbindung  mit neuen qualitativen Momenten Auftrieb erhalten.
       Dies gilt  besonders für  die Stahlindustrie  der Bundesrepublik.
       Der Verfasser untersucht die Entwicklung der Verstaatlichungsfor-
       derung im Stahlbereich und geht auf die unterschiedliche Entwick-
       lung im  Ruhrgebiet und  im Saarland  ein. Segmentierungsprozesse
       treten im  Zusammenhang mit unterschiedlicher Krisenbetroffenheit
       und einem  unterschiedlichen Niveau der Kampf- und Organisations-
       erfahrung auf.  Aufmerksamkeit wird  den Trägern  der Verstaatli-
       chungsforderung und  der Herausbildung  "informeller  Strukturen"
       gewidmet. Berührungspunkte  zu neuen  sozialen Bewegungen  zeigen
       sich in  praktischer wie programmatischer Hinsicht. Möglichkeiten
       und Grenzen  der Verstaatlichung  im Kapitalismus vom Interessen-
       standpunkt der Arbeiterklasse werden abschließend diskutiert.
       
       
       Peter Hinrichs
       
       Sozialpartnerschaft auf schmalerer Basis? Zur Politik der
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       Unternehmerverbände im Zeichen der "geistig-moralischen Wende"
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       Der Verfasser  untersucht die  seit  Mitte  der  siebziger  Jahre
       sichtbar werdenden  Tendenzen der Repolitisierung und Reideologi-
       sierung der  Unternehmerverbände in  der  Bundesrepublik.  Darge-
       stellt werden die Bemühungen um die Formulierung eines neuen eli-
       tären Selbstverständnisses  sowie der daraus hergeleitete gesell-
       schaftliche Führungsanspruch der Unternehmer. Anhand ausgewählter
       tarif- und gesellschaftspolitischer Konflikte zwischen Arbeit und
       Kapital in  den letzten Jahren wird aufgezeigt, daß die Unterneh-
       merverbände ihre  praktische Politik gegen die Arbeiterklasse vor
       dem Hintergrund  einer relativ einheitlichen Zielperspektive (wie
       sie im  Tabu-Katalog festgehalten  ist) betreiben und darüberhin-
       aus - gesamtgesellschaftlich - in die Offensive gegangen sind.
       
       
       Johannes Henrich von Heiseler
       
       Zu einigen Aspekten der Bewußtseinsentwicklung
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       in der Arbeiterklasse
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       Auf der  Grundlage v.a.  von Expertengesprächen mit betrieblichen
       und gewerkschaftlichen  Kadern werden  einige Fragen  der Bewußt-
       seinsentwicklung in  der Arbeiterklasse  erörtert. Zu  den  Tech-
       nikeinstellungen hebt  der Autor  hervor, daß  sie sich  auf  der
       Grundlage betrieblicher Widerspruchserfahrungen bilden und in ih-
       nen daher  durchaus ein  Mißtrauen gegen  aktuelle  Rationalisie-
       rungsstrategien angelegt  ist, das  auch gegenüber Positionen der
       neuen sozialen  Bewegungen offen ist. Ähnlich bei den Einstellun-
       gen zu  Maßnahmen staatlicher Erfassung wie der Volkszählung; bei
       Angestellten scheinen  antibürokratische Stimmungen eher reaktio-
       när zu  mobilisieren. Der Autor weist auf die wachsende Bedeutung
       ethischer Legitimation  für betriebliche Aktionen hin und auf das
       Problem des  Auseinanderklaffens  von  Mobilisierungsbereitschaft
       und Gewerkschaftsorientierung bei jüngeren Lohnarbeitern.
       
       
       Gert Hautsch/Bernd Semmler
       
       Betriebsbesetzungen und gewerkschaftlicher Kampf.
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       Rahmenbedingungen, Triebkräfte und Perspektiven betrieblicher
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       Abwehrkämpfe gegen Arbeitsplatzvernichtung
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       Die Autoren untersuchen Ursachen, Triebkräfte und mögliche Konse-
       quenzen der  in den letzten Jahren spürbar angestiegenen Kampftä-
       tigkeit auf  betrieblicher Ebene  in Abwehr  von Arbeitsplatzver-
       nichtung. Betriebsbesetzungen  als eine hochentwickelte Form sol-
       cher Kämpfe  stehen im  Mittelpunkt des Interesses. Ausgehend von
       den ökonomisch-sozialen  Rahmenbedingungen (dauerhafte  Massenar-
       beitslosigkeit,  Schwächung   traditioneller   gewerkschaftlicher
       Durchsetzungsinstrumente, labile  Stimmungslage in  der Arbeiter-
       klasse) werden solche Bewegungen am Beispiel von vier Frankfurter
       Betrieben analysiert,  in denen 1981/82 Abwehrkämpfe stattfanden:
       Triumph/Adler, Vereinigte  Deutsche  Metallwerke,  Rockwell-Golde
       und Demag-Pokorny. Es werden objektive und subjektive Bedingungen
       für die  Herausbildung von  Widerstandspotential und  die  Trieb-
       kräfte der  konkreten Handlungsfähigkeit von Belegschaften darge-
       stellt. Die  Untersuchung zeigt,  daß Betriebsbesetzungen und Ab-
       wehrkämpfe allgemein Möglichkeiten zu raschen Bewußtseinsentwick-
       lungen bei  den Beteiligten  schaffen, daß  solche Tendenzen aber
       erst dann  wirksam sein  können, wenn sie ideologisch unterstützt
       werden. Für  die Gewerkschaften stellt sich die Aufgabe, betrieb-
       liche Kämpfe  weit mehr  als bisher  zu fördern  und als wichtige
       Voraussetzung für die Durchsetzungschancen der eigenen Politik zu
       begreifen.
       
       
       Klaus Pickshaus
       
       Politische Differenzierungen im Großbetrieb: Zur Herausbildung
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       linksoppositioneller Betriebsratslisten
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       Untersucht werden  politische Differenzierungsprozesse in der Ar-
       beiterklasse, die im Großbetrieb in besonders konzentrierter Form
       feststellbar sind.  Anhand der  Ergebnisse der Betriebsratswahlen
       in den  70er und 80er Jahren wird eine Polarisierung der betrieb-
       lichen Kräfteverhältnisse  analysiert: Zunahme  ständischer sowie
       rechter,  sozialpartnerschaftlicher  und  unternehmerfreundlicher
       Listen, aber  auch Prozesse  einer  Ablösung  von  sozialpartner-
       schaftlicher Politik.  Eine neue Form ist die Herausbildung link-
       soppositioneller  Betriebsratslisten.   Nach  einem  bundesweiten
       Überblick werden  Entstehungsbedingungen, Basis,  Profil, politi-
       sche Orientierung  und Entwicklungsrichtung  solcher  Listen  und
       Gruppen am  Beispiel von  fünf Großbetrieben  untersucht. War das
       erste Auftreten dieser Listen stark auf den Ausländerbereich kon-
       zentriert und  vielfach von  linkssektiererischen Gruppen  beein-
       flußt, so wird die zweite Generation eher durch den Bruch mit der
       Sozialpartnerschaft in  der Krise  charakterisiert, getragen  von
       einem neuen  Typ junger  Gewerkschafter, der oft linkssozialdemo-
       kratisch orientiert  ist.  Für  gewerkschaftliche  Klassenpolitik
       werden neue  Anforderungen sichtbar,  einer betriebssyndikalisti-
       schen Isolierung  dieses oppositionellen Milieus entgegenzuwirken
       und alle  sichtbar werdenden  Ansätze von  Klassenbewußtsein  auf
       eine Politik  gewerkschaftlicher Autonomie  und Einheit zu orien-
       tieren.
       
       
       Kurt Steinhaus
       
       Zur Betriebsorientierung der marxistischen Arbeiterpartei der BRD
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       Der Verfasser  stellt die  Betriebsorientierung der  DKP vor, wie
       sie im  Parteiprogramm von  1978 begründet und auf der 6. Partei-
       vorstandstagung der DKP (November 1982) konkretisiert wurde. Aus-
       gangspunkt ist eine Skizze zu den Strukturveränderungen der Wirt-
       schaft und der Arbeiterklasse der BRD in den letzten Jahrzehnten.
       Ein weiterer  Zugang ist  die Untersuchung der Krisenauswirkungen
       auf die  Ideologiemuster in  der Arbeiterklasse. Für die Kommuni-
       sten ist  der Betrieb  nach wie vor eine erstrangige Lebenssphäre
       und  Sozialisationsinstanz  der  Arbeiterklasse,  obwohl  Konsum,
       Freizeit etc.  in ihrer  Bedeutung deutlich an Boden gewonnen ha-
       ben. Deshalb  ist die Stärkung der Betriebsgruppen in Großbetrie-
       ben und der Betriebsarbeit generell ein zentrales Arbeitsfeld der
       DKP.
       
       
       Jörg Huffschmid
       
       Die Wirtschaftskrise in der BRD: Tendenzen und Perspektiven
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       Im Mittelpunkt  der Untersuchung stehen die ökonomischen Kernpro-
       zesse, aus  denen die "drei großen Gefahren" (ökonomische und so-
       ziale Krise,  ökologische Krise,  Kriegsgefahr) für  die Existenz
       der Menschen  in der  BRD resultieren.  Der Verfasser beginnt mit
       der Erklärung  des zyklischen Verlaufs der kapitalistischen Wirt-
       schaft und  der derzeitigen (1980-83) Krise. Das Nachfragedefizit
       wird systematisch  aus den sozialökonomischen Grundlagen erklärt.
       Der folgende  Schwerpunkt ist die Analyse der überzyklischen Kri-
       sen im Zusammenhang mit der Produktivkraftentwicklung unter kapi-
       talistischen Formen. Bei der Erklärung der Überakkumulation macht
       der Verfasser  auf die  überzyklischen Nachfragedefizite und Ten-
       denzen der  Ökonomisierung des konstanten fixen Kapitals aufmerk-
       sam. Die  Ursachen der  Ökokrise ortet er im einzelkapitalistisch
       orientierten Profitmotiv.  Im Unterschied zum Massenruin, der mit
       sinkender Kaufkraft  verbunden ist,  wirkt der  Ruin  der  Umwelt
       nicht als ökonomische Verwertungsschranke.
       Die gegenwärtige  Entwicklungsperiode wird  vom Verfasser als Au-
       steritätspolitik nach innen und Expansionspolitik nach außen cha-
       rakterisiert. Ein Bruch mit dieser reaktionären Entwicklungsvari-
       ante scheint  nur per  Rückorientierung auf  den Binnenmarkt  und
       Massendruck möglich.
       
       
       Bernhard Roth
       
       Die Rolle der Xenofinanzmärkte in der internationalen Finanzkrise
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       In den internationalen Kreditbeziehungen droht eine Stockung ein-
       zutreten, die zum kumulativen Zusammenbruch des gesamten interna-
       tionalen Kreditgebäudes  führen kann. Gefährdet sind die Eurokre-
       dite der  internationalen Banken  an einige  Schwellenländer, die
       angesichts der  Zinssteigerungen in  den letzten Jahren und ange-
       sichts der  Weltwirtschaftskrise in  akute  Zahlungsnöte  geraten
       sind. Im  Hintergrund dieser bedrohlichen Situation steht die ge-
       waltige Expansion  der Xenofinanzmärkte, die weitgehend national-
       staatlichen Regulierungen  entzogen gewesen sind. Die Analyse der
       Entwicklung dieser  Finanzmärkte zeigt, daß der Verzicht auf ihre
       Regulierung im  Einklang mit  expansiven Kapitalstrategien stand,
       die von den kapitalistischen Staaten unterstützt worden sind. Die
       Finanzierung der  wachsenden Zahlungsbilanzungleichgewichte durch
       die Xenofinanzmärkte hat den Ausbruch einer internationalen Krise
       zwar verzögert, jedoch zugleich zu einer Kumulation der Ungleich-
       gewichte geführt.  Der heutigen  Krise kann mit einem geschickten
       internationalen Schuldenmanagement  kaum begegnet werden, es sind
       vielmehr grundlegende  Veränderungen in  den internationalen Han-
       dels-, Währungs- und Kreditbeziehungen vonnöten.
       
       
       Michael Ellwardt
       
       Staat und Monopole: das Beispiel Wettbewerbsgesetzgebung
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       Nach einem  knappen historischen  Abriß und der Charakterisierung
       des Gesetzes  über Wettbewerbsbeschränkung  (GWB) von 1957 unter-
       sucht der  Verfasser die  Konzeption des funktionalen Wettbewerbs
       und bestimmt  sie als adäquate Fassung der Verhältnisse monopoli-
       stischer Konkurrenz.  Die Funktionsweise  der  Wettbewerbsgesetze
       wird anhand  der Fusionskontrolle  erläutert. Im  Hauptteil  wird
       dargestellt, wie die 4. Novelle des GWB von 1973 zustande kam. Es
       wird besonders  das Wechselverhältnis  von Spitzenbürokratie, der
       die Initiative  in der  Gesetzesprozedur oblag,  Monopolverbänden
       und Bundestagsparteien  analysiert und untersucht, wie Kräftever-
       hältnisse die  Formulierung der  Gesetzestexte beeinflußten.  Zum
       Schluß werden die neuesten Monopolisierungsdaten vorgestellt.
       
       
       Christoph Butterwegge/Manfred Ossenbeck
       
       SPD und Friedensfrage. Positionen fortschrittlicher
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       Sozialdemokraten zur Friedenssicherung
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       Obwohl oder gerade weil die rechtssozialdemokratische Partei- und
       Regierungsspitze maßgeblichen  Anteil am  Zustandekommen des sog.
       NATO-Doppelbeschlusses hatte,  kommt der SPD entscheidende Bedeu-
       tung im  Kampf um  die Verhinderung  der Raketenstationierung zu.
       Der Aufsatz  untersucht Differenzierungs- bzw. Polarisierungspro-
       zesse innerhalb  der Sozialdemokratie und führt sie auf den wach-
       senden Druck  der Friedensbewegung zurück. Die Darstellung unter-
       schiedlicher Positionen  (Egon Bahr,  Erhard Eppler, Oskar Lafon-
       taine, Karsten  Voigt) zeigt,  daß die historische Doppelstruktur
       der SPD im Hinblick auf die Friedensfrage durchbrochen wird, weil
       die Bereitschaft zu Bündnissen mit der Friedensbewegung nicht nur
       Reformisten erfaßt, sondern Ansatzpunkte dafür bis weit ins Lager
       des sozialliberalen  Integrationismus und  der Parteiführung hin-
       einreichen.
       
       
       Florence Hervé/Renate Janßen
       
       Frauenbewegung und Friedensbewegung - einige Aspekte
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       Probleme der  Friedenssicherung und Friedensbewegung werden heute
       in allen  Sektoren der  Frauenbewegung diskutiert.  Dabei ist die
       historische Erfahrung  wichtig, daß  an den  geschichtlichen Ent-
       scheidungspunkten die  Frauenbewegung stets  gespalten war in der
       Frage Krieg und Frieden, abhängig von gesellschafts- und klassen-
       politischen Bindungen.  Kennzeichnend für die heutige Frauenfrie-
       densbewegung sind die Vielfalt ihrer Zugänge, die große Bedeutung
       des antimilitaristischen Engagements und ihre internationale Ver-
       flechtung. Über  die Ursachen  von Militarismus und Gewalt werden
       tiefe Meinungsverschiedenheiten  ausgetragen, die auch Folgen für
       die politische  Formierung und Strategie der Frauen im Rahmen der
       gesamten Friedensbewegung haben.
       
       
       H.J. Krysmanski
       
       Vom Politischwerden der herrschenden Soziologie
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       in der Bundesrepublik
       ---------------------
       
       In der gegenwärtigen Krise ist zwar ein Ausbau der Repressionsap-
       parate z.T. auf Kosten angewandter Sozialforschung zu beobachten,
       doch bleibt  Raum für  "soziologische Problemlösungsaktivitäten".
       Die herrschende  Soziologie als  eine organisierte  Fachdisziplin
       ist allerdings  gefährdet und  beginnt auf diese Gefährdung durch
       eine bewußtere  Orientierung an den im staatsmonopolistischen Re-
       gulierungssystem zur  Verfügung stehenden  Krisenlösungstrategien
       zu reagieren.  Als "Fach"  gedeiht sie  dabei am besten im Milieu
       des Ausbaus  des Sozialstaats,  auch wenn  es in ihr neben dieser
       "soziälreformistischen"  Orientierung   auch  "konservative"  und
       "alternative" Strömungen  gibt. Letztlich wird die Soziologie ge-
       zwungen, sich  in den Kampf um die Spielregeln der Verteilung der
       öffentlichen Finanzen  einzulassen; dadurch  wird sie politischer
       als bisher.
       
       
       Winfried Schwarz
       
       Wie sie zu Marx stehen... Hauptrichtungen des bundesdeutschen
       -------------------------------------------------------------
       Umgangs mit Karl Marx in seinem 100. Todesjahr
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       Nur die kämpferischen Marxisten nahmen den 100. Todestag von Karl
       Marx zum  Anlaß, mit  dessen Theorien  und Methoden die aktuellen
       gesellschaftlichen Probleme  zu verarbeiten.  Ganz  im  Gegensatz
       dazu entstellte  die in  den Medien  vorherrschende  konservative
       Marxbehandlung die  Lehre von  Marx zur "Ersatzreligion" und ver-
       breitete Verleumdungen  über sein  persönliches Leben.  Teile des
       Werkes von  Marx versuchten rechtssozialdemokratische Theoretiker
       für sich  zu beanspruchen, allerdings mit klarer Stoßrichtung ge-
       gen die  Einheit des  Marasmus und seine Fortentwicklung zum Mar-
       xismus-Leninismus. Die  bedeutendsten Positionsveränderungen  gab
       es im  Bereich von bisher an Marx orientierten linken Intellektu-
       ellen. Wie am Fall des "Argument"-Sonderbandes zu zeigen versucht
       wird, rückt die in dieser Zeitschrift dominierende Richtung unter
       der  Losung  eines  offeneren,  "polyzentrischen"  Marxismus  von
       Grundpositionen der Theorie von Karl Marx ab.
       
       
       Manfred Müller/Wolfgang Focke
       
       Ein bisher unveröffentlichter Marx-Text liegt vor. Zum Erscheinen
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       des MEGA-Bandes II/3.6, der die Hefte XIX-XXHI des Manuskripts
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       "Zur Kritik der politischen Ökonomie" enthält.
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       Seine Arbeit  am zweiten  ökonomischen Manuskript unterbrach Marx
       im Abschnitt  "Relativer Mehrwert"  nicht nur,  um die  "Theorien
       über den  Mehrwert" zu verfassen, sondern auch, um wissenschafts-
       und technikgeschichtliche  Wissenslücken zu  schließen. Die neuen
       Kenntnisse bestimmten  die Fortsetzung des "Relativen Mehrwerts",
       der nunmehr  mit den übrigen Schlußkapiteln des Manuskripts erst-
       malig in der Originalsprache in der MEGA vorliegt. Marx war jetzt
       in der  Lage, die auf Maschinerie gegründete Fabrik nicht nur vom
       Standpunkt des  Verwertungsprozesses zu  betrachten, sondern auch
       ihren stofflichen Entwicklungsprozeß aus der einfachen Arbeitsma-
       schine nachzuvollziehen  und damit  zu begründen, wie das Kapital
       im Prozeß  der reellen  Subsumtion  eine  seinem  sozialen  Herr-
       schaftsverhältnis adäquate  stoffliche Gestalt  annimmt,  die  im
       feindlichen Widerspruch  zur lebendigen Arbeit steht. Die Verfas-
       ser gehen  auch auf  die ersten  Ansätze der Reproduktionstheorie
       und die endgültige Klärung des Strukturprinzips für das "Kapital"
       ein.
       
       
       Michael Knieriem
       
       Engels als politischer Flüchtling in der Schweiz im Sommer 1849 -
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       Versuch einer Dokumentation
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       Diese Dokumentation  hat das  Ziel, alle  offiziellen Unterlagen,
       die sich  auf Friedrich Engels' Aufenthalt in der Schweiz im Som-
       mer 1849  beziehen, aufzuführen.  Neben einigen neuen Datierungen
       über die  Kantonierungsorte wird deutlich, daß sich Friedrich En-
       gels in  Begleitung piemontesischer Carabinieri von der Schweizer
       Grenze bis  nach Genua begeben mußte. Die Aussage Engels', "diese
       verfluchte Polizeiatmosphäre  zu verlassen",  wird  dadurch  erst
       verständlich.
       

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