Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       ARBEITERKLASSE UND TRANSNATIONALE KONZERNE LATEINAMERIKAS
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       Zu Entwicklungstendenzen der Arbeiterbewegung
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       in Mexiko, Brasilien und Argentinien
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       Dieter Boris
       
       1. Grundzüge der Entwicklung von Arbeiterklasse und Arbeiterbewe-
       gung in  Lateinamerika - 2. Veränderungen in der ökonomischen und
       politischen Lage  der Arbeiterklasse  unter der Dominanz transna-
       tionaler Konzerne  seit den 50er Jahren - 3. Ansätze zu autonomen
       Gewerkschaftsbewegungen in  einigen Ländern  Lateinamerikas -  4.
       Probleme internationaler  gewerkschaftlicher Solidarität  und Ko-
       operation.
       
       Das Thema,  das es hier *) zu behandeln gilt, hat durch die reale
       gesellschaftliche Entwicklung in vielen lateinamerikanischen Län-
       dern an  Bedeutung gewonnen.  Vor allem in den letzten Jahren der
       vergangenen Dekade  - also  vor dem  Beginn  der  tiefsten  Wirt-
       schaftskrise seit  1930 - hat eine Welle von großen Streiks städ-
       tisch-industrieller Arbeiter  in vielen Ländern stattgefunden. In
       manchen Ländern  stellten diese Streiks eine völlig neue Qualität
       dar und  waren auch mit Veränderungen des politischen Systems des
       jeweiligen Landes  verbunden. Stichwortartig sind zu nennen: Bra-
       silien 1978,  1979 und  1980, wo  es zu  großen  Streikbewegungen
       (zeitweise waren über eine Million Arbeiter durch sie erfaßt) von
       seiten der  Automobil- und  Metallarbeiter von S+o Paulo gekommen
       ist und  diese eine  große Bedeutung für den gesamten politischen
       Prozeß Brasiliens  gewannen; Peru:  Generalstreiks 1977, 1978 und
       1981 gegen  die Austeritätspolitik des scheidenden Militärregimes
       und des neuen zivilen Regimes; allgemeine Streiks in neuen Formen
       in Kolumbien  1977; in  fast jedem  Jahr auch  Generalstreiks  in
       Ecuador, wo sich hieraus im Oktober/November 1982 eine aufstands-
       ähnliche Situation entwickelte; große Arbeitskämpfe waren auch in
       Mexiko  in  einigen  wichtigen  Branchen  und  gesellschaftlichen
       Bereichen zu  registrieren. Sogar  in den  schlimmsten Diktaturen
       von Chile,  (bis 1983)  Argentinien, (bis 1982) Bolivien und Uru-
       guay hat  es unter  schwierigen Bedingungen  einige große Streiks
       gegeben. -  Die ökonomische  und politische  Situation, aus denen
       heraus diese  Bewegungen sich entwickelten, sind ebenso sehr ver-
       schieden wie  die Qualität  und die  Perspektive  der  Bewegungen
       selbst. Aber  bei allen  Unterschieden läßt sich erkennen, daß in
       den meisten  Fällen die Arbeiter in den transnationalen Konzernen
       (TNK) eine führende bzw. initiierende Rolle spielten oder im Ver-
       laufe von Bewegungen ein überproportionales Gewicht erlangten.
       Das Hauptinteresse der folgenden Ausführungen gilt der Frage, wie
       diese Ereignisse zu erklären sind, vor allem auch vor dem Hinter-
       grund vorherrschender Theorien über die Arbeiterklasse in den mo-
       dernen und  dynamischen Wirtschaftszweigen, denen zufolge die Ar-
       beiterklasse dieser  Bereiche als  extrem privilegiert, als - ob-
       jektiv und subjektiv - scharf getrennt von den übrigen Teilen der
       Arbeiterklasse und demzufolge als relativ integriert bzw. verbür-
       gerlicht angesehen wird (Arbeiteraristokratie-These). Weiter wird
       zu fragen  sein, welche  Bedeutung diese Partizipation von Arbei-
       tern aus  transnationalen Konzernen  bei der  Bildung von staats-
       unabhängigen, autonomen  Gewerkschaftsbewegungen und darüber hin-
       aus im Kampf gegen Unterentwicklung und Imperialismus erlangt hat
       und perspektivisch bekommen kann. Das Interesse ist also nicht so
       sehr auf  das Wirken  der TNKs  im allgemeinen gerichtet, sondern
       auf die  Arbeiterbewegung  unter  den  Bedingungen  der  Dominanz
       transnationaler Konzerne.  Im weiteren sind vor allem vier Punkte
       zu behandeln: 1. Grundzüge der Entwicklung von Arbeiterklasse und
       Arbeiterbewegung in Lateinamerika, 2. Veränderungen in der ökono-
       mischen und  politischen Lage  der Arbeiterklasse unter der Domi-
       nanz transnationaler Konzerne seit den 50er Jahren, 3. Ansätze zu
       einer neuen  Gewerkschaftsopposition in  diesen Bereichen am Bei-
       spiel Mexikos,  Brasiliens und  Argentiniens und  4. Probleme der
       internationalen  Solidarität   und  der  internationalen  Gewerk-
       schaftsstrategie.
       
       1. Grundzüge der Entwicklung von Arbeiterklasse
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       und Arbeiterbewegung in Lateinamerika 1)
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       Bekanntlich entwickelten  sich erste Keime der Arbeiterklasse und
       ihr entsprechende  Organisationen mit  der verstärkten Einbindung
       der lateinamerikanischen  Gesellschaften in  den kapitalistischen
       Weltmarkt im  letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Von außen
       kommende Durchdringung  mit kapitalistischen  Produktionsverhält-
       nissen, die  vor allem  in den  mit dem Export und Import verbun-
       denen Wirtschaftsbereichen  besonders deutlich wird, führte erst-
       mals zu großen Konzentrationen von Arbeitern im Minenbereich, bei
       der Eisenbahn,  im Hafensektor. Auch die Drucker und z.T. Textil-
       arbeiter sowie  manche Arbeiter  des Verarbeitungssektors  (z. B.
       Fleischarbeiter in  Argentinien) gehören zu den ersten Lohnarbei-
       tern unter  tatsächlich industriell-kapitalistischen  Bedingungen
       in Lateinamerika.  In einigen  Ländern war  die Herausbildung der
       Arbeiterklasse stark von der Migration aus Europa bestimmt. Nicht
       zuletzt deshalb  waren auch  die ideologischen  Orientierungen an
       Europa recht  stark: Der  Anarchismus, später der Anarchosyndika-
       lismus spielten  eine erhebliche Rolle in dieser frühen Phase der
       lateinamerikanischen Arbeiterbewegung,  später wurden sozialdemo-
       kratische und kommunistische Ideen wichtiger.
       Schon bald  geriet daher die Arbeiterklasse in scharfen Gegensatz
       zum oligarchisch-liberalen Staat, der in der Regel Gewerkschafts-
       bildungen verbot  und Streiks mit harter Repression entgegentrat.
       Doch bereits  im Ersten Weltkrieg und in den 20er Jahren konsoli-
       dierte sich die Arbeiterbewegung, nationale Gewerkschaftsverbände
       entstanden, in  einigen Ländern  sogar auch Arbeiterparteien. In-
       folge der  Weltwirtschaftskrise und  der  durch  sie  ausgelösten
       Strukturwandlungen kam es auch in der Entwicklung der Arbeiterbe-
       wegung zu  einer wichtigen  Zäsur. Mit  der durch die wesentliche
       Schwächung des  traditionellen Export-Import-Systems aufgezwunge-
       nen Veränderung  des "Akkumulationsmodells" in Richtung auf Indu-
       strialisierung und  Entfaltung  eines  Binnenmarktes  wächst  die
       städtische Bevölkerung  und damit auch die städtisch-industrielle
       Arbeiterklasse in  den 30er und 40er Jahren rasch an. Die interne
       Migration wird  nun wesentlich  wichtiger als die internationale.
       Auf  der  politischen  Bühne  wurden  häufig  die  traditionellen
       Oligarchien zurückgedrängt  zugunsten von  Klassenallianzen  zwi-
       schen einheimischer  Bourgeoisie, Arbeiterklasse  und modernisie-
       rungswilligen und  nationalistischen Teilen des Militärs. In die-
       sen als "populistisch" bezeichneten Bewegungen und Herrschaftssy-
       stemen spielte  die Arbeiterklasse  eine mehr  oder minder  große
       Rolle. Erstmals  wurden die  Gewerkschaften voll  staatlich aner-
       kannt und  z. T. von der Regierungsspitze aus gefördert, Arbeits-
       und Sozialrechte wurden dekretiert, Lohnerhöhungen von den Regie-
       rungen unterstützt.  Sowohl die materielle, die soziale wie z. T.
       auch politische Lage der Arbeiterklasse verbessert sich in dieser
       Periode erheblich.  Allerdings um  den Preis  der  letztendlichen
       Fremdbestimmtheit und  Kontrolle durch  die populistischen Führer
       und Regierungen  (Vargas in  Brasilien, Cárdenas in Mexiko, Perón
       in Argentinien).  Die Gewerkschaften  werden nun  häufig zum Teil
       des staatlichen  Herrschaftsapparats, direkt  von oben eingesetzt
       und manipuliert;  zugunsten von  antiimperialistischen und antio-
       ligarchischen Losungen  und Orientierungen  wird häufig  auf  die
       Fortsetzung des  antikapitalistischen Klassenkampfes  verzichtet.
       Kooptation, Kontrolle  und Massenmobilisierung von oben waren die
       entscheidenden Kennzeichen  dieser Periode, die bis ca. Mitte der
       50er Jahre dauerte.
       Mit der  Wiederherstellung des  kapitalistischen Weltmarktes nach
       dem Weltkrieg  gerieten die  meisten lateinamerikanischen Länder,
       die unter nationalistisch-antiimperialistischen Akzenten eine In-
       dustrialisierung  über  Importsubstitution  versucht  hatten,  in
       Schwierigkeiten. Der Sturz der populistischen Regimes ging einher
       bzw. war gefolgt von der Einleitung einer neuen Etappe der ökono-
       mischen Entwicklung.  Diese wird als die Phase der "Internationa-
       lisierung des  Binnenmarktes" bzw. als die "Transnationalisierung
       der Ökonomien"  Lateinamerikas bezeichnet.  Das heißt,  die  ent-
       scheidende Dynamik  der wirtschaftlichen Entwicklung ging seither
       vom Zustrom  ausländischen Kapitals  in der  Form transnationaler
       Unternehmen  aus,   deren  Produktion  vorwiegend  auf  die  sich
       entwickelnden Binnenmärkte  gerichtet war.  Diese Tendenz  betraf
       vor  allem  Zweige  der  gehobenen  und  langlebigen  Konsumgüter
       (Autos,  Elektrowaren  etc.),  einige  Halbfabrikate,  z.T.  auch
       Investitionsgüter. Charakteristisch  war seither, daß es zu einem
       zunehmend polarisierten  Wachstum zwischen den einzelnen Sektoren
       und Zweigen  der Ökonomie  kam: In  den genannten  Zweigen (Auto-
       mobilindustrie,  Elektrogeräte,   chemische  und  pharmazeutische
       Industrie etc.)  gab es  eine  beträchtliche  Dynamik  mit  hohen
       Wachstumsraten, zunehmende  Anwendung kapitalintensiver Technolo-
       gie, hohe  Konzentration und  eine hohe Beteiligung von ausländi-
       schem Kapital;  in den anderen Zweigen: Nahrungsmittelproduktion,
       Konsumgüter des  täglichen Gebrauchs, Leder, Holzwaren etc. über-
       wogen niedrige  oder sogar teilweise negative Wachstumsraten, ar-
       beitsintensive Technologien, geringe Konzentration und vorwiegend
       einheimisches Kapital.  Für die  städtisch-industrielle Arbeiter-
       klasse bedeutete diese neue Periode zunächst einmal die Aufkündi-
       gung der  bislang vorhandenen  Klassenallianz, die  formelle bzw.
       De-facto-Rücknahme einiger  erreichter sozialer und arbeitsrecht-
       licher Errungenschaften,  häufig ging sogar extreme Unterdrückung
       auf der  politischen Ebene mit dieser Phase ökonomischer Entwick-
       lung einher. Auch war schon bald eine Verlangsamung des Wachstums
       der Arbeiterklasse in den industriellen Kernbereichen infolge der
       Dominanz der  transnationalen Unternehmen  auf dem Binnenmarkt zu
       bemerken. Gleichzeitig  blieben aber für lange Zeit populistische
       und sozialreformistische  Vorstellungen in  der  Arbeiterbewegung
       wirksam. Im  nächsten Punkt  soll diese  Phase der "Internationa-
       lisierung des  Binnenmarktes" unter  dem Einfluß  transnationaler
       Unternehmen in  ihrer  widersprüchlichen  Entwicklung  und  ihren
       Auswirkungen auf  die Arbeiterbewegung  etwas genauer  untersucht
       werden.
       
       2. Veränderungen in der ökonomischen und politischen Lage
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       der Arbeiterklasse unter der Dominanz transnationaler Konzerne
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       seit den 50er Jahren
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       Über die  allgemeinen ökonomischen  Auswirkungen der Existenz der
       TNKs, die in der Regel in enger Verbindung mit den lateinamerika-
       nischen Regierungen  und Staatsapparaten  agieren, ist  an dieser
       Stelle nicht  viel zu  bemerken. Über die politische Intervention
       und das  Destabilisierungspotential dieser Machtgruppen gegenüber
       fortschrittlichen Regierungen  ist spätestens  seit dem Chile der
       "Unidad Populär" viel bekannt geworden. Von den häufig - von bür-
       gerlichen Sozialwissenschaftlern  - genannten  Vorzügen der  TNKs
       für die Entwicklungsländer (zusätzliche Kapitalbereitstellung für
       die Akkumulation,  Übermittlung von technischem Know-how und Qua-
       lifikationen,  Zahlungsbilanzentlastung,  Arbeitsplatzbeschaffung
       etc.) kann  in aller Kürze zumindest gesagt werden, daß diese Mo-
       mente in  ihrem tatsächlichen,  positiven Entwicklungsbeitrag  in
       der Regel  sehr überschätzt und darüber hinaus - sofern sie über-
       haupt auftreten  - meistens  um den  Preis höherer  finanzieller,
       technologischer und  politischer Abhängigkeit  erkauft werden. In
       vielen Fällen  aber erweisen sich diese angeblichen Vorzüge sogar
       als negative Momente für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.
       Zu erinnern  wäre in diesem Zusammenhang an die Tatsache, daß die
       TNKs in  vielen Fällen  keine neuen  Kapitalbeiträge in  das Land
       einbringen, sondern  sich auf dem nationalen Geld-und Kreditmarkt
       versorgen; daran, daß häufig von ihnen keine neuen Produktivanla-
       gen erstellt  werden, sondern  ein großer Teil durch Aufkauf vor-
       handener Einrichtungen  sich etabliert;  zu erinnern  ist auch an
       die Tatsache,  daß einer  anfänglichen Investition  und zeitweise
       auch einer  Reinvestition ein  im Laufe der Zeit stets wachsender
       Anteil von  Profittransfer gegenübersteht;  auch daran,  daß zwar
       der Anteil der TNKs an der industriellen Produktion rasch gewach-
       sen ist  und heute  durchschnittlich bei 30 bis 50 Prozent liegt,
       daß aber  zur gleichen  Zeit der  Anteil an der industriellen Be-
       schäftigung, die  direkt und indirekt mit den TNKs verbunden ist,
       schon seit  etwa zehn  Jahren bei durchschnittlich 10 bis 20 Pro-
       zent stagniert oder jedenfalls sehr viel langsamer wächst als der
       Produktionsanteil der transnationalen Konzerne (was nur ein ande-
       rer Ausdruck ihres überdurchschnittlichen Produktivitätswachstums
       ist). In  mehrerer Hinsicht  sind die lateinamerikanischen Ökono-
       mien noch krisenanfälliger geworden, und die Ausgangs- und Kampf-
       bedingungen für die Arbeiterklasse haben sich infolge der unglei-
       chen Entwicklung  noch verschlechtert:  Die Arbeitslosigkeit  ist
       zumeist gewachsen,  die Heterogenität der Arbeiterklasse hat sich
       zweifellos erhöht,  die politischen  Bedingungen sind  wesentlich
       ungünstiger geworden.
       Vor allem  an der Vertiefung der Heterogenität der Arbeiterklasse
       bezüglich Lohnhöhe,  Qualifikationsniveau, gewerkschaftlicher Or-
       ganisierung etc.  haben sich viele Thesen bezüglich der Rolle der
       Arbeiterklasse im  Gesellschaftsprozeß orientiert. Das heißt, daß
       zu den traditionellen Momenten der strukturellen Schwäche der Ar-
       beiterbewegung noch  weitere unter  den neuen ökonomischen Bedin-
       gungen hinzugekommen  sind, so daß viele (auch linke Theoretiker)
       die Arbeiterklasse  als politisches  Subjekt oder  gar revolutio-
       näres Subjekt  längst abgeschrieben  haben. Es  entstanden  viele
       Theorien, wie etwa die von B. Goldenberg, 2) demzufolge die Klas-
       sen in Lateinamerika ohnehin nicht existieren, sondern Einzelper-
       sonen und Klientelgruppen das gesellschaftliche Geschehen bestim-
       men; oder  die Theorie  von O. Sunkel, 3) demzufolge alle Klassen
       und Schichten in einen nationalen und einen internationalisierten
       Teil voneinander scharf getrennt sind und mithin nicht zu gemein-
       samen Handlungen  imstande sind; oder die Theorie von A. Quijano,
       4) demzufolge die Beschäftigten sich in einen dynamischen Pol und
       in einen  marginalen Pol  aufspalten und  voneinander strikt  ge-
       trennt sind;  hierher gehören auch die Bemerkungen von F. Cardoso
       5) und D. Senghaas 6) u.a., wonach die Arbeiterklasse aus dem Be-
       reich der transnationalen Unternehmen als "Mittelklasse" zu klas-
       sifizieren sei. Wenn nicht völlige politische und ökonomische In-
       tegration großer  Teile der  Arbeiterklasse in das bestehende Sy-
       stem behauptet  wird, dann doch zumindest die politische Integra-
       tion, der  eine gewisse  Militanz in  ökonomischen und Lohnfragen
       zur Seite  steht. Als  gesellschaftsverändernde wesentliche Kraft
       jedenfalls wurde  die Arbeiterklasse nicht wahrgenommen, was sich
       übrigens auch  in der  - bis  vor kurzem  - nur  geringen wissen-
       schaftlichen Beschäftigung  mit ihr in der entsprechenden Litera-
       tur niedergeschlagen  hat. Dies  findet freilich  auch z.T. seine
       Begründung darin,  daß in  einigen Ländern mit der Niederlage der
       Arbeiterbewegung in  der populistischen Endphase lange eine rela-
       tive  Ruhe   an   dieser   gesellschaftlichen   Front   herrschte
       (selbstverständlich bei länderspezifischen Ausnahmen). Wie ist es
       aber zu  erklären, daß diese Thesen über die Arbeiteraristokratie
       in Lateinamerika sich letztlich - in verschiedener Hinsicht - als
       falsch erwiesen  haben? Insofern nämlich, als gerade die Arbeiter
       aus den  transnationalen Unternehmensbereichen  eine initiierende
       Rolle gespielt  haben, und  zweitens insofern, als es durchaus zu
       Vereinigungsprozessen zwischen  diesen Abteilungen  der Arbeiter-
       klasse und  anderen weniger  begünstigten Segmenten der Arbeiter-
       klasse im  Verlaufe von akuten Kämpfen gekommen ist. Es ist davon
       auszugehen, daß  man diese  Frage nur  beantworten kann, wenn man
       die spezifische  Widersprüchlichkeit der Konsequenzen transnatio-
       naler Konzerne  auf die  Entwicklung der  Arbeiterklasse ins Auge
       faßt.
       Z u m   e r s t e n  muß das schnelle absolute Wachstum des Indu-
       strieproletariats unter  der Kontrolle  der TNKs  genannt werden.
       Dies ist  im allgemeinen  Kontext des  industriellen Wachstums zu
       sehen. In  Mexiko z. B. stieg die Zahl der Industriebeschäftigten
       von 1940 bis 1970 um ca. das Sechsfache (von 600 000 auf 3,5 Mil-
       lionen); in  Brasilien stieg  die Zahl der Industriebeschäftigten
       allein zwischen 1960 und 1973 um das 2,5fache, um nun bei ca. 8-9
       Millionen zu  liegen. Dabei  erhöhte sich aufgrund des großen Ge-
       wichts der Landwirtschaft und der Dienstleistungssektoren der An-
       teil der  industriell Beschäftigten weniger dramatisch. Die unter
       Kontrolle der  TNKs stehenden  Arbeitskräfte im  Industriebereich
       dürften unter  Bedingungen dynamischer  Kapitalakkumulation - vor
       allem während der ersten beiden Jahrzehnte ihrer Existenz - nicht
       nur absolut gewachsen sein, sondern auch in Relation zu den übri-
       gen Beschäftigten  des Industriesektors. (Allerdings sind die Un-
       terschiede zwischen  Argentinien z.  B., einem Land mit schwacher
       Kapitalakkumulation einerseits, und Mexiko/Brasilien, Ländern mit
       dynamischer Kapitalakkumulation andererseits, beträchtlich.)
       Zu diesem  raschen Wachstum  der Industriebeschäftigten  bei  den
       transnationalen Konzernen  kommt  z w e i t e n s  hinzu, daß die
       Arbeitskräfte sich hier auf einige wenige Branchen konzentrieren,
       damit auch  häufig auf  einige wenige  große Firmen und z.T. auch
       auf bestimmte  Regionen. Die hohe Konzentration von Arbeitern ge-
       rade in  Großunternehmen mit über 500 Beschäftigten, wie dies bei
       den transnationalen  Konzernen die  Regel ist,  und die  örtliche
       Konzentration (z.B. S+o Paulo, S+o Bernardo etc. in Brasilien und
       die Ansammlung transnationaler Unternehmen im Staat von Mexiko 7)
       andererseits) bilden  die Grundlage  dafür, daß  paternalistisch-
       personalistische Momente  im Arbeits-  und Herrschaftsprozeß fast
       vollständig zurücktreten und die Beziehungen zwischen Kapital und
       Arbeit auf ihren harten Kern der Ausbeutung reduziert sind.
       Z u m  d r i t t e n  ist die Qualifikationsstruktur bei den TNKs
       zu beachten.  Bezüglich der  Qualifikationsstufe der Arbeiter der
       TNKs herrschen  häufig falsche Vorstellungen. Der Anteil von qua-
       lifizierten Arbeitern  bzw. Arbeitskräften (Facharbeiter, Techni-
       ker, Ingenieurpersonal)  ist weniger  hoch, als häufig angenommen
       wird, wenngleich im Durchschnitt natürlich höher als bei den tra-
       ditionellen Industriezweigen  wie Nahrungsmittelverarbeitung, Be-
       kleidungsindustrie etc.  Der Anteil von Ungelernten und Angelern-
       ten schwankt auch bei den transnationalen Unternehmen der dynami-
       schen und  modernen Branchen zwischen ca. 50 und 80 Prozent. Häu-
       fig sind  die Facharbeiter bei den Firmen selbst ausgebildet wor-
       den, und  die Firma  versucht, sie,  gewissermaßen als  "Stammar-
       beiter", zu  halten. Wesentlich  ist für  das Zustandekommen  von
       Streiks oder  Oppositionsbewegungen im  Betrieb,  ob  die  quali-
       fizierten Arbeiter  und die unqualifizierten bzw. angelernten Ar-
       beiter eine  gemeinsame  Frontstellung  aufbauen  können.  "Diese
       Facharbeiter haben  wichtige Funktionen für die Arbeiterorganisa-
       tionen innerhalb  der TNKs,  weil sie weniger gefährdet sind, ar-
       beitslos zu  werden. Ungelernte  und angelernte  Arbeiter dagegen
       sind ungeschützter,  und durch  die hohen  Fluktuationsraten wird
       ihre Organisierung noch erschwert. Was die Facharbeiter betrifft,
       so erlauben  ihnen ihre  größere Sicherheit, längere Arbeitsdauer
       sowie ihre bessere Ausbildung und ihr höherer Lebensstandard eine
       bessere Organisierung. Gleichzeitig kann die Verbindung einer be-
       stimmten Anzahl von Facharbeitern mit einer Masse von ungelernten
       und angelernten  Beschäftigten jedoch  eine  explosive  Situation
       hervorrufen. Die  Facharbeiter sind sich der Bedürfnisse und Pro-
       bleme der  anderen Arbeiter  innerhalb der Multis bewußt, und sie
       wissen auch  um die Gefahr, isoliert und zu Fall gebracht zu wer-
       den, wenn  es ihnen nicht gelingt, sich mit den anderen Arbeitern
       zu vereinigen.  Damit begründet sich das Interesse der Facharbei-
       ter an  der Mobilisierung  der anderen  Beschäftigten. Denn,  ist
       dieses Problem  erst einmal  gelöst, gibt es genug Mißstände, die
       einer Konfrontation  der ungelernten und angelernten Arbeiter mit
       den Unternehmen Auftrieb geben." 8)
       V i e r t e n s:   In bezug  auf die Lohnstruktur und das Sozial-
       leistungssystem kann  gesagt werden,  daß  das  durchschnittliche
       Lohnniveau bei den TNKs höher liegt als bei den nationalen Unter-
       nehmen, ebenso  die freiwilligen  betrieblichen Sozialleistungen;
       dies kann  auf verschiedene  Faktoren zurückgeführt werden: Größe
       des Unternehmens, kapitalintensive Produktion (mit geringem Lohn-
       kostenanteil) und  vor allem  hohe Produktivität der Betriebe des
       ausländischen Kapitals.  Bei einer Bewertung des generell höheren
       Lohnniveaus der  TNKs ist  also zugleich die überproportional hö-
       here Produktivität  dieser Unternehmensgruppe  gegenüber den ein-
       heimischen Unternehmern  zu beachten,  was natürlich Hinweise auf
       den Ausbeutungsgrad  der Arbeiter unter Bedingungen transnationa-
       ler Konzerne  gibt. Wichtig ist, darauf aufmerksam zu machen, daß
       (zumindest in  der Automobilproduktion Brasiliens und wahrschein-
       lich auch  Mexikos) die qualifizierten Arbeiter bei den Multis in
       ihrem Lohnniveau nicht so sehr über dem Durchschnitt liegen (d.h.
       unverhältnismäßig im  Vergleich zum Produktivitätsvorsprung), da-
       gegen verdienen  die unqualifizierten  Arbeiter (deren Anzahl be-
       trächtlich ist)  wesentlich mehr als bei den einheimischen Unter-
       nehmen.
       Allerdings müssen,  fünftens, die  Arbeitsplatzsicherheit und die
       Arbeitsbedingungen in  eine Bewertung  miteinbezogen werden. Auf-
       fällig ist,  daß gerade in der Automobilindustrie eine hohe Rota-
       tion herrscht; ca. 13 bis 32 Prozent aller Arbeitskräfte der fünf
       größten ausländischen  Automobilkonzerne Brasiliens  wurden jähr-
       lich ausgewechselt  (d. h.  entlassen und neu eingestellt). Neben
       den verschiedenen  Aspekten der  "Kostenkontrolle" einer  solchen
       Maßnahme (rasche  Anpassung der  Beschäftigten an die Absatz- und
       Produktionszahlen und  Vermeidung höherer Lohnkategorien bei län-
       gerer Betriebszugehörigkeit)  wird solche  hohe Rotation  von den
       Multis auch  als "erzieherisch" hingestellt; natürlich bildet die
       ständige Furcht  vor Entlassung  ein ausgezeichnetes Disziplinie-
       rungsmittel und  zugleich auch ein Mittel, die Arbeiter unterein-
       ander zu  entsolidarisieren. Selbstverständlich  ist es  auch ein
       wichtiges Druckmittel,  um  die  hohe  Arbeitsintensität  in  den
       transnationalen Konzernen  zu garantieren. Obwohl die gesetzliche
       Maximalarbeitszeit z.B.  in Brasilien bei 48 Wochenstunden liegt,
       ist die  reale Wochenarbeitszeit  aufgrund von  notwendigen Über-
       stunden zur  Sicherung des Lebensunterhalts, aber auch auf Wunsch
       der Firmenleitungen, die mehr Arbeitskräfte nicht gern einstellen
       möchten, auf  in der  Regel 60  Wochenstunden angestiegen. Obwohl
       die Bandgeschwindigkeit  ständig zunimmt,  gibt es keine entspre-
       chenden Pausen  oder gar Arbeitszeitverkürzung, ganz zu schweigen
       von entsprechenden  Lohnerhöhungen. "Löhne,  Arbeitsrhythmus, Ar-
       beitszeit, Urlaubsregelung,  alles wird  vom Unternehmen ohne Be-
       teiligung der  Arbeitnehmer oder ihrer Organisationen bestimmt...
       die Unternehmen kümmern sich nicht darum, daß die niedrigen Löhne
       überlange Arbeitstage  erzwingen, die zu nervöser Anspannung füh-
       ren und  so die  Hauptursache für  die überaus  hohe Zahl der Ar-
       beitsunfälle sind." 9)
       
       3. Ansätze zu autonomen Gewerkschaftsbewegungen
       -----------------------------------------------
       in einigen Ländern Lateinamerikas
       ---------------------------------
       
       Seit Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre sind in vielen Län-
       dern Lateinamerikas  Ansätze  zu  neuen  Strömungen  der  Gewerk-
       schaftsbewegung entstanden.  Diese  Strömungen  erhielten  unter-
       schiedliche Namen: autonome Gewerkschaften, unabhängige, demokra-
       tische Gewerkschaften,  Arbeiteropposition,  Tendencia  Clasista,
       authentische Arbeitervertretung etc. Wie auch immer ihre konkrete
       Entstehungssituation gewesen  sein mag,  der Verbreitungsgrad und
       der politische Reifestand der einzelnen Richtung zu veranschlagen
       ist, einige gemeinsame Momente weisen diese Strömungen (die schon
       als "nuevo  sindicalismo" apostrophiert werden) auf: a) das Stre-
       ben nach innerer Demokratie und starker Basisorientierung, b) Un-
       abhängigkeit von staatlichen Instanzen und c) Verständnis der Ge-
       werkschaften als  Kampfinstrument  von  Klasseninteressen.  Diese
       neuen Tendenzen  entwickelten sich als Reaktionen auf die militä-
       rischen Rechtsdiktaturen  oder aber auf autoritäre und populisti-
       sche Strukturen  im Gewerkschaftswesen;  verstärkt wurde die Ent-
       faltung der  neuen Tendenzen  durch ökonomische Krisensituationen
       und durch  die Defensivstellung der Arbeiterbewegung; wichtig wa-
       ren  auch  im  politischen  Bereich  Übergangsphasen  sogenannter
       "demokratischer Öffnungen",  die es  erlaubten, daß die Arbeiter-
       und Gewerkschaftsbewegung  größere Spielräume  nutzen konnte  (so
       Mexiko 1971  ff., Brasilien  1977 ff., Peru 1976 ff. und Argenti-
       nien 1969 ff.). Diese neuen Bewegungen gehen meistens von den mo-
       dernen und dynamischen Branchen aus (vor allem von der Automobil-
       industrie und  der Elektroindustrie)  oder auch  von  staatlichen
       Sektoren (wie  der Eisenbahn,  dem Telefon- und Kommunikationsbe-
       reich, der  Elektrizitätsindustrie usw.).  Dies heißt  aber  auch
       zugleich, daß  der Bereich  der TNKs  ein erhebliches Terrain für
       diese neuen  Ansätze zu einer unabhängigen und demokratischen Ge-
       werkschaftsbewegung abgibt. Aus der knappen Skizze der objektiven
       Lage der Arbeiter der TNKs läßt sich erschließen, warum es gerade
       hier zu  dem Aufschwung  der Gewerkschaftsbewegung  gekommen ist:
       schnelles Wachstum  und hohe  Konzentration der Arbeitskräfte wie
       auch eine  gewisse Qualifikation  bzw. bestimmte  Verbindung  von
       qualifizierten und nicht qualifizierten Arbeitskräften sowie dann
       auch das  Bewußtsein von der volkswirtschaftlich großen Bedeutung
       der Sektoren,  in denen gearbeitet wird, was sicherlich auch eine
       erhebliche Rolle spielte. Aber vor allem ist auch die Tatsache zu
       berücksichtigen, daß  diese Zweige bereits nach dem Höhepunkt des
       Populismus entstanden sind und somit auch die Kontrolle des Staa-
       tes bzw. der staatsfixierten Gewerkschaftsbürokratie sich von An-
       fang an  nicht so stark auswirken konnte wie in anderen industri-
       ellen Bereichen.
       Als Beispiel  für die  im Augenblick wichtigste Vertreterin einer
       autonomen Gewerkschaftsbewegung ist die Bewegung der Metallarbei-
       ter und  der  Metallgewerkschaft  von  Groß-S+o  Paulo  bzw.  S+o
       Bernardo do  Campo zu nennen, wo allein sechs führende Automobil-
       TNKs 1977  ca. 70 000  Beschäftigte arbeiten ließen. Vor dem Hin-
       tergrund des  Verblassens des  sogenannten   b r a s i l i a n i-
       s c h e n  W i r t s c h a f t s w u n d e r s,  des Verfalls der
       politischen Legitimation der Militärdiktatur, eines vor allem von
       bürgerlichen Kräften geführten Streits über wirtschaftspolitische
       Alternativen und  die politische Demokratisierung des Landes, ge-
       lang es dieser Gewerkschaft 1978 (erstmals seit 14 Jahren) in ei-
       nem Streik,  der nach  herrschenden Gesetzen  illegal  war,  eine
       reale Lohnerhöhung  durchzusetzen und zugleich die De-facto-Aner-
       kennung als  Vertreterorgan der  Arbeiter (mit  Kollektiwertrags-
       und Streikrecht)  gegenüber dem Staat und den Unternehmern zu er-
       zwingen. Im  Unterschied zu früheren, ähnlichen - allerdings weit
       weniger durchschlagenden  - Ereignissen blieb die Metall- und Au-
       tomobilarbeiterbewegung von 1978 und den folgenden Jahren keines-
       wegs isoliert,  sondern griff  bald auf weitere Gebiete und Bran-
       chen Brasiliens  über. "Der  Streik der  Metallarbeiter vom  März
       1979 hat  zudem ansatzweise die Isolierung und Fragmentierung der
       Gewerkschaften durchbrochen  und verschiedene 'intergewerkschaft-
       liche' Vereinigungen  - oder  besser: Beistandspakte  - entstehen
       lassen. Den  Arbeitern  brachten  die  Streiks  neben  den  Lohn-
       erhöhungen vor  allem ein  neues Selbstbewußtsein  und gestärktes
       Selbstvertrauen -  angesichts der zuvor beobachtbaren Apathie und
       gewerkschaftlichen Indifferenz  sicherlich eine  der  wichtigsten
       gesellschaftlichen Veränderungen  der  letzten  Jahre."  10)  Die
       beiden  zentralen   Forderungen  der  Automobilarbeiter  von  S+o
       Bernardo  nach   Stopp  des  beständigen  Reallohnverlustes  (bei
       gleichzeitigem Produktivitätsanstieg),  Angleichung des  Minimal-
       lohns an  die Inflationsrate  und nach  Anerkennung der autonomen
       Rolle der  Gewerkschaften sind  die allgemeinen  Forderungen, die
       alle Arbeiter  Brasiliens stark  betrafen; infolgedessen  ist  es
       verständlich, daß die in manchen Aspekten bessergestellten Arbei-
       ter dieser Bereiche nicht als Arbeiteraristokratie (d. h. abgeho-
       ben und  isoliert), sondern  eher als  Arbeitervorhut, als Arbei-
       teravantgarde gewirkt  haben, da sie aufgrund ihrer relativ hohen
       Homogenität, ihrer  Konzentration in wenigen Betrieben und in ei-
       ner Region  sowie wegen  der großen strategischen Bedeutung ihres
       Produktionszweiges am besten dazu in der Lage waren. Es ist nicht
       zufällig, daß andere Arbeiterfraktionen, für die ähnliche Voraus-
       setzungen gelten, ebenfalls eine bedeutende Rolle im Kampf um die
       "authentische Gewerkschaftsbewegung"  gespielt haben:  so die Me-
       tallgewerkschaft von Santos, die Metallgewerkschaft von Joäo Mon-
       levade (Minas Gerais), die Gewerkschaft der Erdölarbeiter in Pao-
       linia/Campinas sowie  die Gewerkschaft  der Bankangestellten  von
       Porto Alegre.  Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß diese Be-
       wegung in  der gegenwärtigen  Periode der  demokratischen Öffnung
       (selbst bei  ständigen Rückschlägen dieses Prozesses) eine erheb-
       liche Rolle  gespielt hat und auch noch trotz mannigfacher Schwä-
       chen spielen wird.
       Jenseits der gemeinsam anerkannten Maximen der Basisorientierung,
       der Staatsunabhängigkeit  und der kämpferischen Interessenvertre-
       tung  läßt  sich  ein  recht  breites  Spektrum  programmatischer
       Schwerpunktsetzungen  und  politischer  Orientierungen  innerhalb
       dieses "novo  sindicalismo"  erkennen:  von  einem  kämpferischen
       Pragmatismus mit unpolitischer Gewerkschaftsorientierung nach dem
       Muster des  US-amerikanischen "business  unionism" bis hin zu be-
       wußt  sozialistisch-kommunistischen   Positionen.  Außer  gewerk-
       schaftspolitischen Zielsetzungen,  die auf Unabhängigkeit und in-
       nergewerkschaftliche Demokratisierung hinzielen, entwickelten sie
       natürlich auch  lohn- und  sozialpolitische Programmpunkte (teils
       umstritten ist  die Rolle des sogenannten "asistencialismo", wor-
       unter allgemeine  Dienstleistungen der  Gewerkschaften verstanden
       werden) und  wirtschaftspolitische Forderungen (Agrarreform, Kon-
       trolle transnationaler Konzerne etc.) sowie allgemeine politische
       Vorstellungen von Demokratie und Sozialstaat. Die politische Ori-
       entierung der  Bewegung scheint  auch noch  nach der Gründung der
       Partido dos  Trabalhadores (PT),  die im Januar 1979 auf dem Kon-
       greß der Metallarbeiter des Bundesstaates von S+o Paulo erfolgte,
       noch relativ diffus zu sein. 11) In der Ablehnung oder Relativie-
       rung der  Unterscheidung zwischen  nationalen und transnationalen
       Kapitalen wie auch in der Vernachlässigung der Frage der Bündnis-
       politik scheinen  noch ultralinke  Töne mitzuschwingen,  ohne daß
       behauptet werden  kann, daß diese sich bereits schon voll als do-
       minant durchgesetzt hätten. 12)
       Über die  Weiterentwicklung der "authentischen Gewerkschaftsbewe-
       gung" in Brasilien während der letzten drei Jahre (1981-1984), in
       die die  schwerste Wirtschaftskrise  des Landes  seit  50  Jahren
       fiel, existieren  bislang -  soweit zu sehen ist - nur wenige und
       widerspruchsvolle Analysen  bzw. Berichte. Zum einen hat sich of-
       fenbar - trotz des relativ schlechten Abschneidens der PT bei den
       Wahlen 1982  - der  politische Einfluß  der authentischen Gewerk-
       schaftsaktivisten konsolidiert  und partiell  ausgeweitet  -  wie
       z.B. bei  den gewaltigen  Mobilisierungen zugunsten  der direkten
       Präsidentschaftswahlen (April/Mai 1984) deutlich wurde. Dies gilt
       freilich für  die fortgeschrittensten  Landesteile, nicht für die
       zurückgebliebenen Regionen und das Land. Doch wurden von den etwa
       4100 Ortsgewerkschaften,  die es  um 1983  in Brasilien insgesamt
       gab, immerhin  ca. 1000 von den "authenticos" kontrolliert. Ande-
       rerseits hat  die tiefe  Wirtschaftskrise die Kampfkraft auch der
       klassenbewußten Gewerkschaften  geschwächt, da  gerade in  vielen
       von den  TNKs beherrschten  Branchen die Produktionsrückgänge und
       die entsprechenden  Entlassungen besonders groß waren. VW do Bra-
       sil beispielsweise  hatte bis  1983/84 seinen  Beschäftigtenstand
       gegenüber 1980  fast halbiert;  ähnliches gilt von vielen anderen
       TNKs. Zu  der ökonomisch-sozialen  Schwächeposition  der  Gewerk-
       schaften tritt  nach wie  vor die Bereitschaft des Staatsapparats
       zu selektiver  Repres-sion der  Gewerkschaftsbewegung - da, wo es
       ihm als  besonders notwendig  erscheint. R.  Doleschal  beschrieb
       kürzlich die bisherige ambivalente Bilanz der "authentischen" Ge-
       werkschaftsbewegung folgendermaßen:  "Als Vertreter der noch pri-
       vilegierten' Arbeitsplatzbesitzer stehen die neuen Gewerkschaften
       vor der  schwierigen Aufgabe,  zwischen Massenelend, ökonomischer
       Paralyse, ungebrochener Militärherrschaft und Gewerkschaftskorpo-
       ratismus einen Weg zu finden, der das gegenwärtige Kräfteverhält-
       nis zugunsten  der Massen  fundamental verschieben könnte. In den
       großen Streikbewegungen  von 1978 bis 1980 hat sich zwar gezeigt,
       daß die  oppositionellen Gewerkschaften in der Lage sind, die Ar-
       beiterschaft zu  mobilisieren; aber es ist fraglich, ob die Mobi-
       lisierungsbereitschaft der  Arbeiter auf Dauer aufrechtzuerhalten
       ist. Noch  sind die  Organisationsstrukturen zu instabil, als daß
       sie staatlichen  Angriffen standhalten könnten. Bezeichnend dafür
       waren z.  B. auch die Interventionen und Suspendierungen von fünf
       oppositionellen Gewerkschaftsdirektorien im Juni 1983, als einige
       Gewerkschaften der  Petroleumarbeiter zu Streiks für höhere Löhne
       aufriefen, die  auch auf  einige andere  Gewerkschaften in und um
       S+o Paulo...  übergriffen. Keine  der Forderungen  konnte  jedoch
       durchgesetzt werden." 13)
       Auch in Mexiko ist es zu Beginn der siebziger Jahre zu neuen For-
       men gewerkschaftlicher Interessenvertretung gekommen. 14) Ähnlich
       wie im  Falle Brasiliens  bildeten Krisenzeichen  der  Wirtschaft
       nach einem langen, fast drei Jahrzehnte währenden kräftigen kapi-
       talistischen Wachstumsprozeß  ebenso den  allgemeinen Hintergrund
       wie die Verknöcherung eines fast 60 Jahre alten politischen Herr-
       schaftssystems. Stärker  als in  Brasilien richtete sich der Stoß
       vor allem gegen die korrupte Gewerkschaftsbürokratie und nicht so
       sehr gegen  die kapitalistischen Unternehmen und den Staat. Eben-
       falls im  Unterschied zu  Brasilien nahm die "insurgencia obrera"
       (= Arbeiteraufstand,  Arbeiteropposition, wie  es in Mexiko hieß)
       ihren Ausgang von den staatlichen Elektrizitätsarbeitern 1971 ff.
       (frühe, blutig unterdrückte Vorläufer waren die Eisenbahnarbeiter
       1958/59), setzte sich dann fort bei den Telefon- und Kommunikati-
       onsarbeitern, in der Nuklearindustrie sowie bei den Universitäts-
       angehörigen. Erst in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre waren
       auch stärker  privatwirtschaftliche Bereiche, hier vor allem sol-
       che unter  der Kontrolle  transnationaler Konzerne, in die Kämpfe
       um Gewerkschaftsautonomie  und innergewerkschaftliche  Demokrati-
       sierung einbezogen.  Auch im Falle von Mexiko spielte die Automo-
       bilindustrie, die  zu einem ähnlich hohen Prozentsatz wie in Bra-
       silien sich  in ausländischer Hand befindet, eine besondere Rolle
       in der  Entfaltung der  autonomen Gewerkschaftsbewegung.  Von den
       Gewerkschaftsmitgliedern der  Automobilindustrie  (ca.  90prozen-
       tiger Organisationsgrad)  sind  fast  die  Hälfte  außerhalb  der
       offiziellen  Gewerkschaftsorganisationen  (Congreso  del  Trabajo
       bzw. CTM) organisiert. Allerdings hat sich gerade bei einigen un-
       abhängigen Gewerkschaften  eine neue  Variante gewerkschaftlicher
       Orientierung entwickelt,  die UOI  (Unidad Obrera Independiente),
       die sich  explizit als  unpolitisch und nicht auf die Solidarität
       der Gesamtklasse abzielend versteht. Wegen dieser Ausrichtung und
       zeitweiliger stillschweigender  Übereinkommen mit  Regierung  und
       Unternehmen (z.B. bei Massenentlassungen in einzelnen Werken) hat
       man sie  als "neocharristisch" qualifiziert (als "Charro"-Gewerk-
       schaften werden  in Mexiko die offiziellen, in das Herrschaftssy-
       stem der  PRI integrierten Gewerkschaften bezeichnet). 15) Insge-
       samt stellen  derartige Deformationen  innerhalb der unabhängigen
       und demokratischen  Gewerkschaftsbewegung eher  die Ausnahme dar,
       da der  Prozeß der Unabhängigmachung von dem offiziellen Dachver-
       band CTM  bzw. der Qua-si-Staatspartei PRI in der Regel eine hohe
       Mobilisierung der  Mitglieder erfordert  und diese  wiederum auch
       einen gewissen  Indikator für Bewußtseinsentwicklung und Sensibi-
       lität für  demokratische gewerkschaftliche  Binnenstrukturen  ab-
       gibt. Trotz  zahlreicher Schwierigkeiten  hat diese neue Strömung
       Bestand gehabt  und sich  nicht -  wie analoge frühere Versuche -
       integrieren oder  korrumpieren lassen. Der Einfluß der unabhängi-
       gen Gewerkschaften  erstreckt sich  auf ca. 10 bis 15 Prozent der
       Gewerkschaftsmitglieder. Da  es sich  aber bei  diesen häufig  um
       Sektoren handelt, in denen die Arbeiter überdurchschnittlich hohe
       Qualifikationen haben  bzw. die  Artikulationsmöglichkeiten  auf-
       grund der  strategischen Bedeutung des Arbeitsfeldes relativ hoch
       sind, ist ihr Gewicht zweifellos größer, als diese Quote anzeigt.
       Ebenso wie in Brasilien gingen in Mexiko von diesen neuen Gewerk-
       schaftsgruppierungen Vereinigungsprozesse  zwischen Arbeiterfrak-
       tionen mit  recht unterschiedlichem  Status - vor allem in akuten
       Kampfsituationen - aus. 16)
       Alles in  allem läßt sich die These vertreten, daß dank der auto-
       nomen Gewerkschaftsbewegung  seit den  siebziger Jahren  wichtige
       Veränderungen in  der gewerkschaftlichen Interessenvertretung auf
       Betriebsebene -  in Richtung auf stärkere Demokratisierung - ein-
       getreten sind;  dies gilt  - aus  ähnlichen Gründen  wie im Falle
       Brasiliens -  vor allem  für die  Großbetriebe, daher  bei  einer
       Reihe von  TNKs, aber  stärker noch  als in  Brasilien bei vielen
       staatlichen Produktions- und Tätigkeitsbereichen (z.B. Stahlindu-
       strie oder Universitäten). 17)
       So wenig klar die ideologische und politische Perspektive der un-
       abhängigen Gewerkschaften  in Mexiko  ist und  so schwierig  ihre
       Handlungsbedingungen gerade  jetzt in  der tiefgehenden Krise der
       Wirtschaft des  Landes (seit  1982) sind, es ist nicht zu überse-
       hen, daß  allein die Existenz und die beispielgebende Wirkung au-
       tonomer und  militanter Gewerkschaftsströmungen nicht ohne Konse-
       quenzen auch  für die Ausrichtung und die programmatischen Orien-
       tierungen der  traditionell-offiziellen Gewerkschaften  geblieben
       ist. "So erarbeitete 1978 der 'Congres du Travail', der seit sei-
       ner Gründung  im Jahre  1966 nicht mehr zusammengetreten war, ein
       ökonomisches Reformprogramm,  in dem die wichtigsten ökonomischen
       Forderungen der  'insurgencia'  aufgenommen  wurden.  Gegenwärtig
       scheint es  die Gewerkschaftsbürokratie  in den  Betrieben wie im
       nationalen Maßstab  (mit einigen Ausnahmen) gelernt zu haben, mit
       den Dissidenten'  Strömungen zu  koexistieren -  zumal die Krise,
       die Mexiko gegenwärtig durchmacht, und die Politik des neuen Prä-
       sidenten Miguel  de La  Madrid, die  dieser Krise  paroli  bieten
       soll, das Ende der bedingungslosen Allianz zwischen der offiziel-
       len Gewerkschaftsbewegung  und dem Regime zu signalisieren schei-
       nen." 18)
       Die größten  Mobilisierungserfolge erzielte  die  "Tendencia  De-
       mocratica" der Gewerkschaften um die Mitte der 70er und zu Beginn
       der 80er Jahre. Es gelang ihr zeitweise, allgemeine gesellschaft-
       liche Unzufriedenheit weit über ihre eigenen Reihen hinaus zu ka-
       nalisieren. Ohne  dieses Faktum,  das nur  eine Ausdrucksform für
       generelle Krisenerscheinungen  des mexikanischen institutionellen
       Systems war,  wären gewiß auch die politischen Reformen von 1978,
       die u.a.  den linken  Parteien größere Artikulationsmöglichkeiten
       einräumen (z.  B. völlige Legalisierung der damaligen Kommunisti-
       schen Partei  Mexikos), kaum denkbar gewesen. 19) Die zahlreichen
       Versuche der Vereinigung der unabhängigen Gewerkschaften zu einem
       Dachverband bzw. die Bestrebungen zur Bildung von Industriezweig-
       gewerkschaften dort,  wo es  möglich  wäre  (z.B.  Automobilindu-
       strie), sind bislang nicht erfolgreich gewesen. Mit Einsetzen der
       tiefen Krise  im Jahre 1982 und der daraufhin eingeleiteten rigi-
       den Austeritätspolitik  des neuen  Präsidenten, Miguel  de La Ma-
       drid, sind  die Gewerkschaften insgesamt stärker in die Defensive
       geraten. Auch  den unabhängigen, demokratischen Strömungen gelang
       es bisher  nicht, massenwirksame  Signale des Widerstands zu set-
       zen.
       In Argentinien  stellt sich die Situation wiederum anders dar als
       in Brasilien  und Mexiko.  Hier waren  diejenigen minoritären Ge-
       werkschaften und Gewerkschaftsverbände, die sich als "unabhängig"
       bezeichneten, die  anti- bzw. nichtperonistischen Gewerkschaften,
       die zugleich  aber auch  die -  in der Regel - weniger militanten
       und systemkonformeren  waren. Eine  mit den  obengenannten Fällen
       vergleichbare gewerkschaftliche  Autonomiebewegung in Argentinien
       mußte also nicht nur gegen die staatlichen Integrations- und Dis-
       ziplinierungsmethoden gerichtet  sein, sondern auch gegen die pe-
       ronistische Gewerkschaftsbürokratie, die aber - im Unterschied zu
       Brasilien und  Mexiko -  ein größeres  Eigengewicht gegenüber dem
       Staatsapparat hatte  und hat und höhere Popularität genoß, da sie
       in beträchtlichem Maße ein gewisses antikapitalistisches oder zu-
       mindest Anti-Establishment-Image  besaß. - Ansätze zu einer auto-
       nomen und militant-klassenbewußten Gewerkschaftsströmung entstan-
       den während  der Diktaturphase  von Onganía  Ende der 60er Jahre,
       als die kollaborationistische Linie nichtperonistischer wie pero-
       nistischer Gewerkschaftsteile  sich relativ deutlich abzeichnete.
       In Konsequenz  der Auseinandersetzungen zwischen dieser Linie und
       jenen gewerkschaftlichen Kräften, die die Diktatur scharf bekämp-
       fen wollten,  kam es im März 1968 auf dem Nationalkongreß der CGT
       zu einer  Spaltung. Mit dieser deuteten sich bereits Tendenzen an
       der gewerkschaftlichen  Basis an, die mit dem "Cordobazo" vom Mai
       1969 zum  offenen Ausbruch  kommen und  bei der Regenerierung und
       Verbreiterung gewerkschaftlicher Militanz bis 1973 eine wesentli-
       che Rolle  spielen sollten.  In den  mit dem  Begriff "Cordobazo"
       verbundenen Kämpfen,  die damals sogleich, aber vor allem auch in
       den Jahren  1970-72, auf  wichtige Provinzen  und Städte des Lan-
       desinneren übergriffen (Córdoba, Rosario, Santa Fe, Tucumán, Men-
       doza), zeigte  sich deutlich, daß in großen Teilen der argentini-
       schen Arbeiterklasse  die Ablehnung des eindeutig promonopolisti-
       schen und  proimperialistischen Militärregimes und einer kollabo-
       rationsbereiten, passiven  Gewerkschaftsführung viel weiter ging,
       als es  sich in  den Spaltungen niedergeschlagen hatte. Neben der
       Militanz dieser  Ausbrüche, ihrer  Spontaneität (die auch die zum
       Teil linken  Gewerkschaften und  politischen Gruppierungen  über-
       rascht hatte),  den verstärkten Auseinandersetzungen zwischen Ge-
       werkschaftsführungen und  Basis war  vor allem kennzeichnend, daß
       auch Teile  der Arbeiterklasse,  die nach Einkommenshöhe und Pro-
       duktionszweig  gewöhnlich  zur  "Arbeiteraristokratie"  gerechnet
       werden, eine  führende Rolle  spielten (Automobil-, Erdölraffine-
       rie-, Metallarbeiter).  Daß diese  Kämpfe gerade  in den  inneren
       Provinzen geführt wurden und sich dort - unter beträchtlicher Be-
       teiligung radikalisierter  kleinbürgerlicher und  sogar bürgerli-
       cher Schichten - mit größter Heftigkeit ausdrückten, ist auf spe-
       zielle Ursachen zurückzuführen. Nach dem stürmischen Wachstum der
       Automobil- und Metallindustrie in den 50er und zu Beginn der 60er
       Jahre begann  z. B.  in Córdoba,  aber auch in anderen Provinzen,
       die -  häufig -  "mono-industrielle" Entwicklung  zu stocken, die
       regionalen Ungleichgewichte  verstärkten sich,  die Arbeitslosen-
       quote war  dort regelmäßig höher als in Buenos Aires. Zum anderen
       war das soziale "Gegenüber" - die Kapitalistenklasse - nicht ein-
       heimischer Natur,  also in  gewisser Hinsicht mit den allgemeinen
       ökonomischen Bedürfnissen  der Provinzen nicht verbunden, sondern
       kam häufig  aus dem Ausland oder aus der Hauptstadt Buenos Aires.
       Hinzu kommt, daß die Bevormundung und Gängelung durch die politi-
       sche Zentralgewalt wie auch durch die zentralen Gewerkschaftsfüh-
       rungen in  der Provinz  sich am  deutlichsten fühlbar machten und
       die Diskrepanz  zwischen sich  verschlechternder ökonomisch-sozi-
       aler Lage und der relativen Untätigkeit der Gewerkschaften gegen-
       über dem  Onganía-Regime noch  bitterer empfunden  wurde. In  den
       seither geführten Auseinandersetzungen und Generalstreiks spielte
       die bald  wiedervereinigte und  remobilisierte peronistische  CGT
       eine gewisse  Rolle, ohne  sich aber  grundsätzlich zu verändern.
       Wichtig für  die Phase bis zur Wahl Camporas (1973) und der Rück-
       kehr des  Peronismus an die Macht war aber, daß in diesen Kämpfen
       die rechtsperonistische Bürokratie im gewerkschaftlichen Zentral-
       verband und  den größten  Föderationen  und  Einzelgewerkschaften
       weiter fest im Sattel blieb, obwohl sie an der Auslösung und Füh-
       rung dieser  sozialen Auseinandersetzungen nur einen geringen An-
       teil hatte  und weiterhin  eher reaktiv  handelte. Die linken ge-
       werkschaftlichen Strömungen  (Reste der  CGTA,  Basis-Peronisten,
       klassenkämpferische  Betriebsgewerkschaften  [,sindicatos  clasi-
       stas'], wie z. B. in Córdoba: die Automobilarbeitergewerkschaften
       SITRAC/SITRAM) konnten  zwar viele Anstöße geben, ad hoc zu brei-
       ten Mobilisierungen  beitragen, waren  aber nicht  imstande, sich
       organisatorisch (vor  allem überlokal und überregional) zu konso-
       lidieren und  ideologisch weiterzuentwickeln. Ein Treffen der ge-
       nannten Strömungen, einschließlich der kommunistisch beeinflußten
       Gewerkschaften des  MUCS, vom Mai 1971 (Kongreß der "Gremios Com-
       bativos") blieb weitgehend folgenlos. Ein Teil der linken Gewerk-
       schafter zeigte  große Sympathien  für die Guerilla und befürwor-
       tete -  auch in dieser Phase der Lockerung der Repression und der
       allmählichen Rückkehr  zu bürgerlich-demokratischen Verhältnissen
       - die Untergrundarbeit. 20)
       Während der  turbulenten Jahre des "zweiten Peronismus" (1973 bis
       1976) kommt  es zunächst  zu einem  Aufschwung gewerkschaftlicher
       Kämpfe, aber  die autonomen  Strömungen können  sich gerade unter
       der peronistischen  Regierungsführung nicht behaupten. Kämpfe ge-
       gen  die   Gewerkschaftsbürokratie  und   gegen  die   Repression
       (Entlassung, Verhaftung)  unliebsamer Arbeiter  oder  Vertrauens-
       leute werden  von der Regierung bzw. der Gewerkschaftszentrale am
       härtesten sanktioniert. Der Versuch, diese entschieden oppositio-
       nellen Einzelgewerkschaften  (zumeist auf  Betriebs-, Lokal- oder
       Regionalebene)  national  zusammenzufassen  und  zu  koordinieren
       ("Nationale Koordination  des Gewerkschaftskampfes")  wird - ähn-
       lich wie  1969 die CGTA - durch Polizeieinsatz und Verhaftung der
       wichtigsten Gewerkschaftsführer im September 1974 vereitelt.
       Während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 waren bekanntlich -
       neben der  Guerilla und  den Montoneros (linksperonistische - zu-
       meist von  Jugendlichen getragene  - Bewegung) - Arbeiter und Ge-
       werkschafter die  Hauptzielscheiben der  extremen Repression  der
       Militärs. Die  vor allem  für große Teile der Industrie katastro-
       phalen Auswirkungen  der Wirtschaftspolitik  der Junta führten zu
       erheblichen Dezimierungen  der städtisch-industriellen  Arbeiter-
       klasse, 21) gerade auch in Sektoren (wie der Automobilindustrie),
       die durch die Militanz der dortigen Gewerkschaften bekannt waren.
       Es ist  erstaunlich, daß  angesichts dieser Rahmenbedingungen die
       Betriebskonflikte schon  1978/79 wieder deutlich zunahmen; es kam
       zu wichtigen  Streikbewegungen (z.B.  der Hafen- und Eisenbahnar-
       beiter), durch die bestimmte Dekrete der Militärjunta unterlaufen
       wurden. 22)  Wegen des  dezentralen, halb geheimen Charakters der
       Arbeiteraktionen und  der zweifellos  gewachsenen Rolle  der  Be-
       triebskommissionen und  betrieblichen Streikkomitees  während der
       Diktaturperiode läßt  es sich  gegenwärtig noch  schwer  absehen,
       welche Konsequenzen  dies für  die gesamte  Gewerkschaftsbewegung
       und ihre  Organisationen haben  wird. Was  die gewerkschaftlichen
       Führungen und  Föderationen angeht,  so zeichnete  sich unter der
       Diktatur -  wie schon  in früheren  ähnlichen Situationen  - eine
       Spaltung zwischen einem kollaborationsbereiten und einem antikol-
       laborationistischen Flügel  ab; insgesamt  aber scheinen  die Ge-
       werkschaftsspitzen -  wie auch die allgemeinen Wahlen vom Oktober
       1983 in einigen Fällen deutlich signalisierten - an Prestige ein-
       gebüßt zu haben. 23)
       
       4. Probleme internationaler gewerkschaftlicher
       ----------------------------------------------
       Solidarität und Kooperation
       ---------------------------
       
       Am Schluß wenigstens noch eine knappe Bemerkung zur internationa-
       len gewerkschaftlichen  Solidarität. Bekanntlich  ist die überna-
       tionale Solidarität der Organisationen von Arbeitnehmerinteressen
       schon schwer  innerhalb Europas  durchzusetzen; um so schwieriger
       ist sie  zu praktizieren  in bezug  auf Länder  der Dritten Welt.
       Fragt man  nach dem Stellenwert der internationalen gewerkschaft-
       lichen Solidarität  beim Prozeß der gewerkschaftlichen Organisie-
       rung in  TNKs in  Lateinamerika und  insbesondere nach  der Rolle
       beim Aufbau  autonomer, kämpferischer Gewerkschaften, so wird man
       zumindest je  nach Typ  internationaler Gewerkschaftsorganisation
       und auch  Periode zu  unterscheiden haben.  Daß die US-amerikani-
       schen Dachverbände  AFL/CIO und ihr operatives Instrument für La-
       teinamerika, das  "American Institute for Free Labor Development"
       (AIFLD), und  die von  ihr stark  dominierte Regionalorganisation
       des IBFG für Lateinamerika, die ORIT, in erster Linie als Ausfüh-
       rungsorgan US-amerikanischer  Außenpolitik wirkten  und sich  als
       verlängerter Arm ihrer Heimatkonzerne in Lateinamerika verstanden
       und verstehen  und somit  in der Regel die reaktionärsten und ge-
       werkschaftsfeindlichsten Regimes unterstützen - bedarf kaum eines
       weiteren Beweises. 24)
       Bei anderen, eher sozialdemokratisch orientierten internationalen
       Gewerkschaftsverbänden -  wie z.  B. dem  IMB - ist die Situation
       ambivalent. Auf der einen Seite hat er gewisse Solidaritätsarbeit
       auch in  bezug auf  Tochtergesellschaften von TNKs aus Europa und
       Nordamerika und  ihre Belegschaft  in Lateinamerika verschiedent-
       lich geleistet  und hebt  sich auch  in seinen generellen politi-
       schen Stellungnahmen (etwa zu reaktionären Militärregimes, zu US-
       Interventionen, bezüglich  gewerkschaftlicher  Grundrechte  etc.)
       von den  US-Zentralen ziemlich deutlich ab. Auf der anderen Seite
       stellte sich die Praxis solidarischer Zusammenarbeit zwischen Ar-
       beitervertretern von  TNKs aus Europa und Lateinamerika als rela-
       tiv schwach  und wenig  kontinuierlich dar. Als ein Beispiel etwa
       mag die  Tatsache von Interesse sein, daß über zwanzig Jahre hin-
       weg, von  1956 bis 1976, keine direkten Kontakte zwischen dem Ge-
       samtbetriebsrat der Volkswagenwerke AG und den Kollegen der größ-
       ten VW-Tochter  im Ausland,  von VW  do Brasil, bestanden hatten.
       Dem Thema  internationale Solidarität und Zusammenarbeit wurde in
       der Vergangenheit keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt; zahl-
       reiche Kommunikations-  und Informationsprobleme,  zum Teil  auch
       eurozentristische Arroganz  und  Unverständnis  für  die  gewerk-
       schaftliche Situation  in Ländern  der Dritten  Welt sowie andere
       Faktoren, die aus der politischen und gewerkschaftlichen Struktur
       der betreffenden  Länder in  Lateinamerika resultieren, waren für
       die schwache  und nur  sporadische Zusammenarbeit verantwortlich.
       Gerade der  Kontakt zu den hier behandelten autonomen und kämpfe-
       rischen Gewerkschaftsströmungen  scheint sehr  gering gewesen  zu
       sein. "Eine  ganze Reihe  politisch bedeutender  lateinamerikani-
       scher Basisgewerkschaften  unterhalten keine Kontakte zum IMB und
       stehen den  verbürokratisierten, basisfernen Gewerkschaftsappara-
       ten ihrer  Länder kritisch gegenüber. Als Beispiele seien nur die
       kämpferischen Gewerkschaften  der Automobilarbeiter  Argentiniens
       (in Córdoba und Buenos Aires), Brasiliens (S+o Bernardo do Campo)
       und Mexikos (Cuernavaca und Puebla) genannt." 25)
       Es gibt aber auch Anzeichen dafür, daß sich hier allmählich (viel
       zu langsam) positive Veränderungen einstellen. Gerade in Perioden
       langanhaltender Krise,  in denen  die Gefahr zunehmender Arbeits-
       platzvernichtung  durch  Produktionsverlagerungen  in  sogenannte
       Billiglohnländer immer greifbarer wird, wird es auch zu einer un-
       mittelbaren Notwendigkeit  für die  westeuropäischen Gewerkschaf-
       ten, nicht  nur allgemein und moralisch, sondern aufgrund einer -
       allmählich leichter  einsichtigen - langfristigen, objektiven In-
       teressenidentität, die  Gewerkschaften in den Entwicklungsländern
       tatkräftig zu  unterstützen, um  damit wesentliche Attraktionsmo-
       mente für  die TNKs nach und nach abzubauen. "Die Politik des IMB
       wurde in  den letzten  Jahren zunehmend durch die Problematik der
       Internationalisierung des  Kapitals bestimmt.  Die Gewerkschaften
       der entwickelten kapitalistischen Länder haben ein existentielles
       Interesse an  einer Einschränkung  des Arbeitsplatzexports  durch
       die  MNK.   Durch  eine   Stärkung  der   Gewerkschaften  in  den
       'Entwicklungsländern' erhofft man sich dort eine allgemeine Anhe-
       bung des  Lohnniveaus und  entsprechend eine geringere Motivation
       der MNK,  in 'Billiglohnländer'  abzuwandern. Durch eine interna-
       tionale Kooperation  der Gewerkschaften soll der globalen Mobili-
       tät der  MNK Einhalt  geboten werden. Je mehr die Industrialisie-
       rung bestimmter Entwicklungsländer voranschreitet, das Lohnniveau
       in diesen  Ländern aber  - aufgrund  einer immensen industriellen
       Reservearmee, oft verbunden mit einer repressiven Militärdiktatur
       - im  Vergleich  zu  den  Metropolenländern  erheblich  niedriger
       liegt, desto  größer ist  das Interesse der Gewerkschaften in den
       entwickelten Ländern an einem Aufbau starker und freier Arbeiter-
       organisationen in Ländern wie Brasilien." 26)
       
       Weitere Literatur
       -----------------
       
       Alvarado, Ricardo:  L'évolution historique du syndicalisme Argen-
       tin entre  1955 et  1973, in:  Problemes d'Amerique  Latine,  No.
       4499-4500, Dez. 1978, S. 93-130.
       Baake, Linda: The Trade Union Movement in the Automobile Industry
       in Mexico, Magisterarbeit, Marburg 1983.
       Boris, Dieter: Entwicklung und Charakteristika der argentinischen
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       12-18.
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       cos en  el análisis  del  movimiento  obrere  en  America  Latina
       (tesis), in:  Homines. Revista de Ciencias Sociales, Puerto Rico,
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       Humphrey, John:  Capitalist Control  and Workers' Struggle in the
       Brazilian Auto Industry, Princeton, N.J. 1982.
       Jelin, Elizabeth:  La protesta  obrera. Participación  de basas y
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       dores Mexicanos, Mexico, D.F. 1979.
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       Estudios Sociológicos, Vol. I, Nr. 1, 1983, S. 59-92.
       Somavía,  Juan  /  Traijtenberg,  Raul  /  Valdes,  Juan  Gabriel
       (Hrsg.): Movimiento  sindical y empresas transnacionales, Mexico,
       D.F. 1979.
       Sourrouville, Juan V.: Transnacionales en America Latina. El com-
       plejo automotor en Argentina, Mexico, D. F. 1980.
       Strauch, Wolfhard:  Neue Tendenzen  in der  Gewerkschaftsbewegung
       Mexicos, in:  Asien, Afrika, Lateinamerika, Berlin (DDR), Band 7,
       Nr. 5, 1979, S. 927-936.
       
       _____
       *) Diesem Aufsatz  liegt ein  Vortrag des Autors auf einer Tagung
       der "Ökonomischen und sozialen Kommission" des Weltgewerkschafts-
       bundes im April 1984 in Berlin (DDR) zugrunde.
       1) Vgl. hierzu  z. B.  Hobart A. Spalding jr., Organized Labor in
       Latin America.  Historical Case  Studies of  Workers in Dependent
       Societies, New York 1977.
       2) Boris Goldenberg,  Gewerkschaften in  Lateinamerika,  Hannover
       1964.
       3) Osvaldo Sunkel, Transnationale kapitalistische Integration und
       nationale Desintegration:  Der  Fall  Lateinamerika,  in:  Dieter
       Senghaas (Hg.),  Imperialismus und  strukturelle Gewalt. Analysen
       über abhängige Reproduktion, Frankfurt 1972, S. 258-315.
       4) Anibal Quijano,  Marginaler Pol  der Wirtschaft und marginali-
       sierte Arbeitskraft,  in: Dieter Senghaas (Hg.), Peripherer Kapi-
       talismus. Analysen über Abhängigkeit und Unterentwicklung, Frank-
       furt 1974, S. 298-341.
       5) Fernando Cardoso,  Abhängigkeit und  Entwicklung in Lateiname-
       rika, in: Senghaas, Peripherer Kapitalismus, a.a.O., S. 201-220.
       6) Dieter Senghaas,  Weltwirtschaftsordnung und Entwicklungspoli-
       tik. Plädoyer für Dissoziation, Frankfurt 1977.
       7) D.h. in  jenem Bundesstaat,  der sich  um die  Hauptstadt, den
       Distrito Federal,  der natürlich  ebenfalls Sitz vieler TNKs ist,
       herumlegt.
       8) John Humphrey,  Auto Workers  and the Working Class in Brazil,
       in: Latin  American Perspectives,  River Side California, Vol. 6,
       1979, No. 4, S. 75.
       9) Zit. bei  Werner Würtele,  VW do Brasil. "Wir sind multinatio-
       nal. Darüber  freuen sich  Millionen", in:  V.  Bennholdt-Thomsen
       u.a. (Hg.), Lateinamerika. Analysen und Berichte 2, Berlin (West)
       1978, S. 129.
       10) Werner Würtele,  Auf dem Weg zu einer "Authentischen" Gewerk-
       schaftsbewegung in Brasilien. Grenzen und Chancen der Entwicklung
       starker, unabhängiger und repräsentativer Gewerkschaften im peri-
       pheren Kapitalismus, Heidelberg 1982, S. 546
       11) Vgl. hierzu Federico Füllgraf, PT é nossa! Die Partei der Ar-
       beiter in  Brasilien, in: Lateinamerika. Analysen und Berichte 5,
       Berlin (West) 1981, S. 148 ff.
       12) "Für die  heutigen 'authenticos'  ist die  nationale Herkunft
       der Unternehmer  zweitrangig, für  sie zählt  in erster Linie das
       konkrete Verhalten dieser Unternehmer. Und hier stellen sie fest,
       daß sich  nationale Kapitaleigner oftmals noch gewerkschafts- und
       arbeiterfeindlicher als  die multinationalen  gebärden. Die Posi-
       tion der  'authenticos' läßt  sich somit  als weniger  nationali-
       stisch, aber  tendenziell dezidierter antikapitalistisch bezeich-
       nen als  die der  Unken Gewerkschafter  von früher" (Würtele, Auf
       dem Weg ..., a.a.O., S. 509).
       13) Reinhard Doleschal,  Neue Gewerkschaften  in Brasilien - eine
       Hoffnung?, in: Prokla, Nr. 55 (Juni) 1984, S. 131-145.
       14) Vgl. Dieter Boris, Strukturen und Tendenzen der Arbeiter- und
       Gewerkschaftsbewegung in  Mexiko, in: Berichte zur Entwicklung in
       Spanien, Portugal  und Lateinamerika, 3. Jg., Nr. 19, 1978, S. 44
       ff.
       15) Vgl. Javier  Aguilar Garcia,  La polîtica sindical en Mexico:
       industria del  automóvil, México,  D.F. 1982, S. 70 ff. So ist es
       nicht verwunderlich, daß z.B. die Arbeiter von VW de Mexico kürz-
       lich sogar in den Streik traten, um sich der Wahlmanipulation der
       UOI zu  entledigen und  aus dieser Gewerkschaftsföderation wieder
       auszutreten.
       16) Vgl. James  D. Cockroft, Mexico. Class Formation, Capital Ac-
       cumulation, and the State, New York 1983, S. 226.
       17) Vgl. Ilán  Bizberg, Las perspectivas de la oposición sindical
       en Mexico,  in: Foro  Internacional, Vol. XXIII, Núm. 4, 1983, S.
       349 ff.
       18) Marie-France Prevôt-Schapira,  L'évolution de  l'organisation
       syndicale Mexicaine,  in: Problèmes  d'Amérique Latine,  Nr.  69,
       1983, S. 100.
       19) Vgl. zu diesem Zusammenhang z. B. Pablo Gonzalez Casanova, El
       estado y  los partidos politicos en Mexico, Mexico, D.F, 1983 (3.
       Aufl.), S. 28 ff. und 83 ff.
       20) Vgl. Dieter  Boris/Peter Hiedl,  Argentinien. Geschichte  und
       politische Gegenwart, Köln 1978, S. 148 ff.
       21) Der Rückgang der Industriebeschäftigten in der Zeit der Mili-
       tärherrschaft wird  auf ca.  25 Prozent veranschlagt! Vgl. hierzu
       z.B. Dieter  Boris, Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik
       unter der  Militärdiktatur von  1976 bis 1983. Vorläufige Thesen.
       Beitrag zum  Workshop der Friedrich-Ebert-Stiftung: "Der Fall Ar-
       gentinien: aus der monetaristischen in die demokratische Krise?",
       Bonn, 14. März 1984 (unveröff. Manuskript).
       22) Vgl. hierzu  Jutta Borner, Zur neueren Entwicklung der argen-
       tinischen Gewerkschaftsbewegung,  in:  Gewerkschaftliche  Monats-
       hefte, Nr.  9, 1982,  S. 541-550,  und die Beiträge von F. Delich
       und L. Bieber, in: Peter Waldmann/Ernesto Garzón Valdes (Hg.), El
       poder militar en la Argentina (1976-1981), Frankfurt 1982.
       23) Vgl. hierzu  Ricardo Sidicaro,  Kontinuität und Wandel im ar-
       gentinischen Parteiensystem,  in: Lateinamerika. Analysen - Daten
       - Dokumentationen, Nr. l, Mai 1984, S. 17-29, und Annegret Haffa,
       Wahlen und  Redemokratisierungsprozeß in  Argentinien. Bericht zu
       den Wahlen  vom 30.  Oktober 1983. Arnold-Bergstraesser-Institut.
       Aktuelle Informationspapiere  zu Entwicklung  und Politik, Nr. 8,
       Freiburg, Februar 1984.
       24) Vgl. z.B.  Spalding, a.a.O.,  S. 251 ff., und neuerdings wie-
       derum Hobart A. Spalding jr., Sindi-calismo libre: De que? El In-
       stituto Americano  para el Desarrollo del Sindicalismo libre, in:
       Nueva Sociedad, Nr. 70, Jan./Febr. 1984, S. 48 ff.
       25) Würtele, Auf dem Weg ..., a.a.O., S. 461.
       26) Ebd., S. 483.
       

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