Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       RISIKOPOLITIK UND ATOMWAFFENOPTION: ZUM "KRISENMANAGEMENT"
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       AMERIKANISCHER REGIERUNGEN WÄHREND DER KUBA-KRISE UND DES
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       KOREA-KRIEGES
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       Bernd Greiner
       
       1. Analytische  Ansatzhöhe: Krisen  und  Kriegsgefahr  im  Kalten
       Krieg -  2. Risikopolitik  während der Kuba-Krise - 3. Risikopla-
       nung während  des Korea-Krieges:  die Debatte  um den Einsatz von
       Atomwaffen - 4. Weiterführende Fragestellungen
       
       1. Analytische Ansatzhöhe: Krisen und Kriegsgefahr
       --------------------------------------------------
       im Kalten Krieg
       ---------------
       
       Die seitens  der USA  verfolgte Strategie des Kalten Krieges wird
       vielerorts   als    "militarisierte   Außenpolitik"    oder   als
       "militärisch dominierte  Diplomatie" bezeichnet.  Dergleichen Um-
       schreibungen besagen, daß die amerikanische Außen- und Militärpo-
       litik zwischen  1947 und  1962 die   K r i e g s g e f a h r  er-
       höhte: im  Streben nach  Absatz- und  Rohstoffmärkten sowie "Ein-
       flußzonen" verschärfte  sie politische  Konflikte, eskalierte die
       atomare  Hochrüstung   und  ging  axiomatisch  davon  aus,  einen
       fortschreitenden Zerfall  von Machtpositionen (beispielsweise zu-
       gunsten der  sich entkolonialisierenden  Entwicklungsländer  und/
       oder der  sozialistischen Staaten)  gegebenenfalls durch "gewinn-
       bare"  Atomkriege  aufhalten  zu  können.  Erinnert  sei  nur  an
       Präsident Trumans berühmte Pressekonferenz vom 30.11.1950, als er
       bestätigte, daß  die USA zum Einsatz aller ihr zur Verfügung ste-
       henden Waffen  in Korea  bereit seien und daß seit jeher über die
       Möglichkeit  des  Einsatzes  atomarer  Waffen  nachgedacht  wurde
       ("there has always been active consideration of its use." 1)).
       Ob und unter welchen Bedingungen eine solche Politik in Krieg um-
       schlägt, hängt  in hohem Maße davon ab, wie  K r i s e n s i t u-
       a t i o n e n   - sei es in der Dritten Welt oder in der direkten
       Konfrontation mit  sozialistischen Ländern  - gehandhabt  werden:
       Welche Interessen  bringen die  USA in  solche  Krisen  ein,  mit
       welchen Mitteln  und zu  welchem  Zweck  wird  "Krisenmanagement"
       betrieben, wann  ist ein  Punkt erreicht,  wo es "Wichtigeres als
       den Frieden" gibt?
       Im folgenden  wird dieses   S p a n n u n g s v e r h ä l t n i s
       v o n  K r i s e  u n d  K r i e g  und die  w e c h s e l s e i-
       t i g e  B e z i e h u n g  v o n  P o l i t i k  u n d  M i l i-
       t ä r   anhand zweier  Fallbeispiele  aus  der  Zeit  des  Kalten
       Krieges diskutiert:  Kuba-Krise und  Korea-Krieg  sollen  Antwort
       darauf geben,  an welchen  Kriterien sich der inneradministrative
       Entscheidungsprozeß in  Washington orientierte, wie Krisenpolitik
       geplant  und   umgesetzt  wurde,  welche  politisch-militärischen
       Instanzen daran  beteiligt waren  und  wie  deren  Zusammenarbeit
       funktionierte. Im  Mittelpunkt stehen  also    K r i s e n p l a-
       n u n g   und   -r e g u l i e r u n g.   In erster  Linie werden
       interne Dokumente  politischer und  militärischer  Entscheidungs-
       gremien ausgewertet,  die seit  Mitte der  70er  Jahre  deklassi-
       fiziert, aber nur teilweise veröffentlicht sind.
       Diese historisch  orientierte Bestandsaufnahme soll einen Beitrag
       leisten, das Problem der "Kriegsgefahr" systematisch zu diskutie-
       ren und  methodische Hinweise  zur aktuellen  Diskussion um Krieg
       und Frieden zu liefern. 2)
       Ausgegangen wird  vom Begriff  der "precipitated  crisis". Dieser
       Anfang der 60er Jahre in der inneramerikanischen Diskussion popu-
       larisierte Begriff besagt zweierlei:
       - Unter bestimmten Bedingungen könne es für die Vereinigten Staa-
       ten vorteilhaft  und nutzbringend  sein, direkte  Konfrontationen
       mit den  sozialistischen Ländern  zu provozieren (beispielsweise,
       um Positionsgewinne  in der Dritten Welt zu erzielen oder Ansätze
       zu einem  innenpolitischen "Roll Back" in Osteuropa zu unterstüt-
       zen);
       - möglicherweise sei  es auch angebracht, Krisen im Ost-West-Ver-
       hältnis kalkuliert  zu "forcieren"  und "kontrolliert zu eskalie-
       ren". So gesehen, erscheinen zugespitzte (politische und/oder mi-
       litärische) Konfliktsituationen als Medium zur Durchsetzung hege-
       monialer Interessen, die unter anderen Bedingungen nicht oder nur
       modifiziert hätten  realisiert werden  können. Aus den Reihen der
       RAND-Corporation wurde  politischer  Strategiebildung  daher  die
       Aufgabe zugeschrieben, "Bedingungen zu benennen, die bei geringem
       Risiko ausufernder Gewalt den Rückgriff auf konfrontative Maßnah-
       men zulassen und, falls es zur offenen Gewaltanwendung kommt, die
       Umstände und Mittel anzugeben, die den Prozeß weiterer Eskalation
       abbremsen können." 3)
       Eine Analyse  regierungsinterner Beratungen der 50er Jahre zeigt,
       daß diese Konzeption zum Grundbestand der (spätestens seit Sommer
       1947 verfolgten)  "Strategie des  Kalten Krieges" zu rechnen ist.
       Das Politikmodell der "precipitated crisis" schloß stets die Mög-
       lichkeit ein,  daß krisenkontrollierende Mechanismen versagen und
       amerikanische Außen-  und Militärpolitik  selbst zum kriegsauslö-
       senden Faktor  werden könnten.  "... eine  Politik, die jegliches
       Risiko eines  Weltkrieges vermeidet,  würde  die  Nation  hilflos
       feindlichen Drohungen  ausliefern." 4) Außenpolitische Grundsatz-
       ziele waren von vornherein als Anliegen definiert, die gegebenen-
       falls nur  über krisenhafte  Zuspitzung  durchsetzbar  waren  und
       folglich auch  einen Atomkrieg  als Mittel der Politik implizier-
       ten. Dwight D. Eisenhower stellt in seinen Memoiren diesen Zusam-
       menhang zwischen  weltweiten Verpflichtungen  der USA und der Ge-
       waltoption her,  wenn er  (übereinstimmend mit den Positionen des
       Nationalen Sicherheitsrates  und des  Vereinigten  Generalstabes)
       schreibt: "Ich  gehe nach wie vor davon aus, daß die USA auf kei-
       nen Fall  ihre augenblicklichen  militärischen Verpflichtungen in
       aller Welt aufrechterhalten könnten ..., verfügten wir nicht über
       atomare Waffen  und den  Willen, diese nötigenfalls einzusetzen."
       5)
       Der Korea-Krieg  (1950-53) und  die Raketenkrise um Kuba (Oktober
       1962) gelten als klassische Beispiele für Krisen, die seitens der
       USA politisch kalkuliert "forciert" wurden.
       Zunächst zur  Kuba-Krise: Die bisher überzeugendste Erklärung so-
       wjetischer Politik  im Sommer  und Herbst  1962 besagt,  daß  die
       UdSSR die  Raketen auf  Kuba stationierte,  um einen qualitativen
       Rüstungsschub der USA (u. a. die beschleunigte Einführung von In-
       terkontinentalraketen) zu  neutralisieren. 6)  Da die Vereinigten
       Staaten ihren  rüstungstechnologischen Vorsprung und militärstra-
       tegischen Vorteil  unter allen  Umständen wahren wollten, lehnten
       sie die  sowjetische Maßnahme  kategorisch ab.  Freilich ging die
       amerikanische Krisenpolitik um Kuba weit über diesen militärpoli-
       tischen Gesichtspunkt  hinaus. W. W. Rostow rückte in einem Memo-
       randum an den präsidialen Sicherheitsberater, McGeorge Bundy, po-
       litische Interessen in den Mittelpunkt. "Es ist  z u  d i e s e m
       Z e i t p u n k t    d e r    A u s e i n a n d e r s e t z u n g
       z w i s c h e n   O s t   u n d  W e s t  unbedingt erforderlich,
       daß den  Sowjets kein  Erfolg in  der  Größenordnung  zugestanden
       wird, wie  dies bei  einer funktionsfähigen  Raketenstellung  auf
       Kuba der  Fall wäre." 7) Im einzelnen wurde darauf verwiesen, daß
       sowjetische Raketenbasen  auf Kuba  der US-Containment-Politik im
       gesamten mittel-  und lateinamerikanischen  Raum schweren politi-
       schen  Schaden   zufügten;  daß  die  amerikanische  Politik  und
       "Glaubwürdigkeit" in  anderen Krisengebieten  und damit  zugleich
       alle nach  dem Zweiten  Weltkrieg eingegangenen  politischen Ver-
       pflichtungen ("commitments")  untergraben würden;  daß in  Krisen
       wie um  Kuba generell  über die künftige internationale Machtver-
       teilung und folglich auch über Verlauf und Ausgang künftiger Kri-
       sen vorentschieden  würde; daß  ein Erfolg ihres Unternehmens der
       UdSSR einen  signifikanten "signal  success" brächte und generell
       die sowjetischer  Außenpolitik nach 1945 auferlegten Beschränkun-
       gen (u.  a. Rüstungslasten)  erheblich reduzierte. In dieser Aus-
       einandersetzung standen  folglich die Logik und der künftige Wert
       der gesamten  Kalte-Kriegs-Strategie zur  Disposition.  "Folglich
       hing in  amerikanischer Sicht  die Zukunft  der Welt auch von der
       Auseinandersetzung um diese kleine Insel ab." 8)
       Darüber hinaus wußte die amerikanische Regierung, daß über sowje-
       tische Raketen  auf Kuba  nicht verhandelt  werden  konnte,  ohne
       zugleich die  vorgeschobenen, in Grenznähe zur UdSSR befindlichen
       (Raketen-)Stützpunkte der  USA zur  Disposition zu  stellen. Dies
       hatte Außenminister  Rusk bereits im Mai 1961 vor dem Auswärtigen
       Ausschuß des  Senats (in  geheimer Anhörung) zu erkennen gegeben:
       Eine diplomatische Behandlung Kuba-stationierter Raketen verbiete
       sich, "denn  im Falle  politischer und diplomatischer Bemühungen,
       eine solche  Entwicklung zu  verhindern, zu  unterbinden oder sie
       (die sowjetischen  Raketen - B.G.) abzubauen, sähen wir uns einer
       schwierigen Verhandlungsposition  gegenüber -  möglicherweise mit
       Rückwirkungen auf die Stellung der NATO und die in anderen Teilen
       der  Welt   aufgebauten  Verteidigungslinien  gegenüber  der  So-
       wjetunion." 9)
       Letztendlich brachte  Präsident Kennedy das Problem der künftigen
       Durchsetzbarkeit imperialer  Interessen zur  Sprache. Sowjetische
       Raketen auf  Kuba würden  die "Glaubwürdigkeit" (sprich: die Ent-
       schlossenheit, im  Zweifelsfall auch  zu gewaltsamen  Mitteln  zu
       greifen) amerikanischer  Politik in Frage stellen. Zugleich wären
       "power image"  und "Prestige" der UdSSR aufgewertet worden. "Dies
       hätte das  Gleichgewicht der  Macht politisch verändert. Es hätte
       den Anschein  gehabt, und  der Schein ist Teil der Realität." 10)
       Allein die  reale Erfahrung  einer Krise konnte gegenteilige Ent-
       wicklungstrends aufhalten  oder in ihr Gegenteil verkehren. Diese
       Ratio einer  "precipitated crisis"  hatte Kennedy schon im Sommer
       1961 formuliert.  "Eines Tages,  sagte er,  könnte der  Zeitpunkt
       kommen, wo  er das größtmögliche Risiko würde eingehen müssen, um
       Chruschtschow davon  zu überzeugen, daß Entgegenkommen nichts mit
       Demütigung zu tun habe. ... 'Er (Chruschtschow - B.G.) muß uns in
       Aktion sehen'." 11)
       Aus all  diesen Gründen  schien ein  "showdown", ein zeitlich wie
       politisch forciertes Austragen der Raketenkrise, unumgänglich.
       Vergleichbare machtpolitische Überlegungen spielten zu Beginn und
       während des  Korea-Krieges eine  Rolle. Unmittelbar  vor Ausbruch
       des Krieges gab es innerhalb der Traman-Administration noch tief-
       greifende Meinungsverschiedenheiten  über den künftig einzuschla-
       genden außenpolitischen Kurs. NSC-68, ein im April 1950 vorgeleg-
       tes Memorandum des Außen- und Verteidigungsministeriums, spiegelt
       diese Kontroverse:  es ging  erstens darum,  zu welchem Zweck die
       vorgeschlagene  Verdreifachung   des  Rüstungshaushalts  erfolgen
       sollte. Sollten  die atomar-strategischen Streitkräfte im Mittel-
       punkt stehen oder der Aufbau einer flexiblen, konventionellen In-
       terventionstruppe? Konnte  ein Rüstungshaushalt dieser Größenord-
       nung (ca. 40 Milliarden Dollar) innenpolitisch überhaupt durchge-
       setzt werden,  und welche  Möglichkeiten gab  es, sich  der poli-
       tisch-finanziellen Lastenteilung  anderer NATO-Staaten  u  versi-
       chern? Zweitens  mußten Entscheidungen  bezüglich einer friedens-
       vertraglichen Regelung  mit Japan und einer westdeutschen Wieder-
       bewaffnung in  die Wege geleitet werden. Drittens wurde verstärkt
       darüber diskutiert, ob es politisch möglich und effektiv sei, das
       in Westeuropa praktizierte Modell einer antikommunistischen Alli-
       anzbildung auf Schlüsselregionen der Dritten Welt - etwa Südosta-
       sien -  zu übertragen.  Damit hing auch ein von der Rechtsopposi-
       tion (China-Lobby,  MacArthur-Flügel der republikanischen Partei)
       favorisiertes Thema  zusammen: Wie  konnte verhindert werden, daß
       die VR  China in  die UNO  aufgenommen würde, und war es möglich,
       Japan in einem strategisch relevanten Umfang wiederaufzurüsten?
       Inmitten dieses Diskussions- und Entscheidungsprozesses eskalier-
       ten die  Konflikte in Korea - unter bis heute nicht geklärten Um-
       ständen -  zum Bürgerkrieg. Für unseren Zusammenhang sind weniger
       die konkreten  Ursachen des Kriegsausbruchs relevant als die Tat-
       sache, daß  die amerikanische  Regierung binnen  weniger Tage 12)
       ihre intern festgelegten wie öffentlich legitimierten Richtlinien
       zur Südostasien-Politik  in einem  wichtigen  Punkt  aufkündigte.
       Entgegen der  bisherigen Beschlußlage  entschied man sich nämlich
       für den  Einsatz von Bodentruppen in Korea. I. F. Stone begründet
       in seiner  klassischen Studie  zum Korea-Krieg diesen Schritt mit
       dem Hinweis  auf ein  gemeinschaftliches Interesse  aller politi-
       schen Fraktionen  in Washington  an einem  "begrenzt  eskalierten
       Krieg". Man  sah die Möglichkeit, im Schatten eines scheinbar un-
       bestreitbaren "kommunistischen  Angriffs" den Boden zur Durchset-
       zung weitreichender  und von Korea unabhängiger politischer Ziele
       zu bereiten: innenpolitisch einen substantiell erhöhten Rüstungs-
       haushalt; NATO-intern  die deutsche  Wiederbewaffnung; in Fernost
       einen Friedensvertrag mit Japan unter Ausschluß der UdSSR und der
       VR China  von allen  diesbezüglichen Verhandlungen.  Insofern war
       Korea -  so Stone  - "ein  Schachbauer, der für einen wichtigeren
       Zug geopfert werden sollte ...". 13)
       Die für  unseren Zusammenhang  entscheidende Frage lautet, welche
       Politik die  Vereinigten Staaten im Verlauf dieser extremen (aber
       in der  Logik der amerikanischen Strategie des Kalten Krieges be-
       gründeten) Konfliktsituationen  betrieben. Wie verhalten sich po-
       litische Risikobereitschaft und militärisches Risikokalkül zu di-
       plomatischem "Krisenmanagement"?  Welche  Möglichkeiten  konflik-
       teinhegender politischer  Kontrolle wurden  wahrgenommen, und bis
       zu welchem  Grad konnten  sich militärische Krisenoptionen durch-
       setzen? Kurz,  bis an welche Grenze reichte die Risikopolitik des
       Kalten Krieges?  Die im Falle Kubas und Koreas betriebene Krisen-
       politik der  USA ging  von zwei  allgemeinen (und einander wider-
       sprechenden) Prämissen aus:
       - Es  kann davon  ausgegangen werden, daß kriegerische und nicht-
       kriegerische Mittel  auch im  Kalten Krieg  politisch-strategisch
       nicht gleichberechtigt  sind. Gerade die regierungsinternen Doku-
       mente der  50er Jahre belegen, daß es  k e i n e  Frage der poli-
       tischen Taktik  war, ob bei der Verfolgung außenpolitischer Ziele
       und insbesondere im Verhältnis zu den sozialistischen Ländern zum
       Mittel militärischer  Gewalt gegriffen  wurde oder  nicht. Anders
       ausgedrückt: Die  verschiedenen  amerikanischen  Regierungen  der
       50er Jahre  formulierten für  die Systemauseinandersetzung  einen
       Primat nicht-kriegerischer  Maßnahmen und  - für  den Fall akuter
       Krisen - p o l i t i s c h e n  Krisenmanagements. Es ging in er-
       ster Linie darum, eine Grenzüberschreitung zu einem intersystema-
       ren Krieg so weit wie möglich zu vermeiden. D. h., die Frage ato-
       marer Kriegsführung  wurde um  so politischer gehandhabt, je zer-
       störerischer das einsetzbare Waffenpotential wurde. 14)
       - Zugleich  aber orientiert die Strategie des Kalten Krieges dar-
       auf, ein  dauerhaft hohes Konflikt- und Risikoniveau zu schaffen.
       Dies schien  am besten  geeignet, gegenüber  den  sozialistischen
       Staaten die  weltpolitischen Ordnungsvorstellungen der USA durch-
       zusetzen. Es  wurde unterstellt,  die USA seien (insbesondere an-
       läßlich eskalierender Krisen) nur dann behauptungsfähig, wenn sie
       "glaubhaft" einen   "p o l i t i s c h e n   W i l l e n"   z u r
       G e w a l t a n w e n d u n g,  inklusive atomarer Kriegsführung,
       demonstrieren könnten.  Ungeachtet des oben unterstellten Primats
       politischer Mittel wurde also axiomatisch eingeklagt, sich einer-
       seits so weit wie möglich materiell und strategisch-doktrinär auf
       Kriegsführung vorzubereiten  und andererseits  so weit  wie nötig
       mit Gewalt  zu drohen  bzw. diese gegebenenfalls auch anzuwenden.
       Das für die Krisenpolitik entscheidende Problem bestand darin, ob
       und wie  dieser "Wille  zur Gewaltanwendung"  politisch effizient
       unterstrichen werden konnte. Die Gegenseite durfte ihn keineswegs
       als Bluff  begreifen, sondern  mußte durch   r e a l e s   H a n-
       d e l n   von der Ernsthaftigkeit der amerikanischen Bereitschaft
       zu militärischer Eskalation überzeugt werden.
       "Krisenmanagement" während  einer "forcierten  Krise" wurde somit
       im   S p a n n u n g s f e l d    p e r m a n e n t    w i d e r-
       s p r ü c h l i c h e r   (weil phasenweise  sich ausschließender
       und gegenläufiger)   A n f o r d e r u n g e n   formuliert.  Von
       vornherein war ein hohes Maß unkalkulierbarer - aber vermeintlich
       notwendiger -  Risiken darin  angelegt.    W i l l i a m s    um-
       schreibt dies  mit den  Worten: "Der  Schlüssel zum  Erfolg liegt
       darin, eine  Entwicklung in  Gang zu  setzen, die die Wahrschein-
       lichkeit einer  Katastrophe vergrößert,  ohne aber  die Kontrolle
       über die Situation allzusehr einzuschränken." 15) Krieg ließ sich
       vorgeblich nur  vermeiden,  wenn  man  im  Zweifelsfall  bis  zum
       "Abgrund" zu gehen bereit sei und de facto eskalierende Maßnahmen
       real einleite,  d. h.,  wenn die  Kontrolle  über  die  Situation
       kalkuliert reduziert und die (Atom-)Kriegsgefahr dadurch objektiv
       erhöht würde.
       Es wird im folgenden darauf ankommen, über diese allgemeinen Vor-
       gaben hinauszugehen  und verallgemeinerbare  Kriterien zu entwic-
       keln, anhand derer Krisenverhalten und Risikobereitschaft der USA
       während der  Kuba-Krise und  des Korea-Krieges  beurteilt  werden
       können. Zu fragen ist nach analytischen Parametern, die Aufschluß
       darüber geben,  wie weit  die  Gefahr  einer  atomarkriegerischen
       Grenzüberschreitung in  einer  konkreten  historischen  Situation
       fortgeschritten war.
       Eine unter diesem Blickwinkel geführte Diskussion über den Kalten
       Krieg ist  nicht zuletzt  deshalb wieder  aktuell und  notwendig,
       weil inzwischen eine Fülle neuen Quellen- und Dokumentenmaterials
       aus amerikanischen Archiven vorliegt. Auf diese Materialien stüt-
       zen sich  die hier  vorgestellten Überlegungen zum Verhältnis von
       Krise und Krieg.
       
       2. Risikopolitik während der Kuba-Krise
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       In der  (amerikanischen) Krisen-  und Konfliktforschung werden im
       wesentlichen drei  Politikfelder herangezogen, um Krisenverhalten
       im allgemeinen  und die Anwendung einer "coercive diplomacy" (des
       Mittels eskalierender Konfrontation also) zu analysieren:
       - In welcher  Weise  werden  die    g r u n d s ä t z l i c h e n
       I n t e r e s s e n   d e r  G e g e n s e i t e  respektiert und
       bei der eigenen krisenpolitischen Taktik in Rechnung gestellt?
       - Wie wird der  p o l i t i s c h e  F o r d e r u n g s k a t a-
       l o g   vorgestellt: in  Form begrenzter, präzisierter Ziele oder
       vermittels vieldeutiger,  unterschiedlich interpretierbarer  Auf-
       forderungen?  Wird  der  Gegenseite  eine  politisch  vertretbare
       R ü c k z u g s m ö g l i c h k e i t  offengehalten, und welcher
       Art sind  die (bei Erfüllung der eigenen Forderungen) in Aussicht
       gestellten  Z u g e s t ä n d n i s s e?
       - In welcher  Weise werden   m i l i t ä r i s c h e   O p t i o-
       n e n  politisch ins Spiel gebracht: senken oder steigern sie die
       Gefahr  nicht   mehr  kontrollierbarer  Eskalation,  leisten  sie
       Fehlkalkulationen der  Gegenseite Vorschub  oder provozieren  sie
       gar sofortige  militärische Gegenmaßnahmen? D.h.: welcher politi-
       sche Interventionsspielraum  bleibt, wenn  bestimmte militärische
       Zwangsmittel eingesetzt werden, und sind diese noch vereinbar mit
       Versuchen  politisch-diplomatischer  Krisenlösung?  Wie  ist  der
       verbleibende politische Bewegungsspielraum bemessen?
       Unter Zugrundelegung  dieser Parameter  kommen  bürgerliche  Kon-
       fliktforscher (z.B.  Williams, George,  Smoke, Holbraad)  zu  dem
       Ergebnis, daß  sich die  USA während der Kuba-Krise zwar des Mit-
       tels der  Eskalation bedienten, zugleich aber in hohem Maße poli-
       tisch "rückversichert",  d. h. flexibel, agierten: "... eines der
       auffälligsten und bemerkenswertesten Merkmale der Konfrontationen
       des Kalten  Krieges ist in der Art und Weise zu sehen, in der ei-
       ner zwangbesetzten  Diplomatie  immer  wieder  unmerkliche,  aber
       nichtsdestoweniger unverzichtbare  Beschränkungen auferlegt  wur-
       den." 16)
       Zum Beleg dieser These ("prudent self-restraint") wird angeführt,
       die Vereinigten  Staaten hätten  die Krise nur deshalb eskaliert,
       weil man  davon ausgehen  konnte, daß  die "nationale Sicherheit"
       der UdSSR  durch Entwicklungen  in und  um Kuba nicht unmittelbar
       tangiert würde. Insofern seien "vital inter-ests" der Sowjetunion
       zu keinem  Zeitpunkt in  Frage gestellt worden; die amerikanische
       Regierung habe  nicht mit  einem vergleichbar "hohen Einsatz" der
       UdSSR gerechnet  bzw. rechnen  müssen. Kennedy  habe des weiteren
       seinen Forderungskatalog  präzise benannt und damit "Zweifel" und
       "Zweideutigkeit" weitestgehend reduziert. Gefordert war lediglich
       der Abzug in Kuba befindlicher Raketen, nicht aber aller sowjeti-
       scher Rüstungsgüter  von der  Insel. Zugleich  seien der sowjeti-
       schen Regierung Zugeständnisse in Aussicht gestellt und Rückzugs-
       möglichkeiten offengehalten  worden: Kennedy  signalisierte,  daß
       die USA  nach Abzug  der Raketen auf eine Invasion Kubas und eine
       Konterrevolution gegen  Castro verzichten  würden; auch  habe der
       Präsident - so Alexander L. George - den baldigen Rückzug der Ju-
       piter-Raketen aus  der Türkei  angedeutet und  damit  einen  kri-
       senentscheidenden Beitrag  zur  Wahrung  des  Friedens  geleistet
       (Williams). 17)  Nicht zuletzt  seien die militärischen Maßnahmen
       dem Gegenstand  des Konflikts angemessen gewesen. Die stufenweise
       durchgeführte Seeblockade ("graduated escalation") räumte in die-
       ser Sichtweise  der UdSSR  maximale Bedenkzeit ein, erlaubte eine
       Vielzahl paralleler politischer Initiativen und blieb - dies wohl
       am wichtigsten - jederzeit politisch kontrollierbar; der diploma-
       tische Bewegungsspielraum  wurde dadurch  nicht  wesentlich  ein-
       geengt. Laut  Williams und  George war  die Regierung Kennedy mit
       maximalem Aufwand bestrebt, den Krisenverlauf politisch wie mili-
       tärisch kontrolliert, d.h.  a b g e s t u f t  eskaliert, zu hal-
       ten. Sie habe es verstanden, krisenentscheidenden Druck auszuüben
       u n d  "einer Minimierung der Risiken absoluten Vorrang einzuräu-
       men ..."  18). Insofern  sei gerade die Kuba-Krise ein Musterbei-
       spiel kontrollierter und kontrollierbarer Risikopolitik.
       Es soll  und kann nicht in Abrede gestellt werden, daß die Regie-
       rung  K e n n e d y  über weite Strecken dem Primat nicht-kriege-
       rischer Mittel  verpflichtet und  in hohem  Maße um diplomatische
       Konfliktkontrolle bemüht  war. Dies  kann aber  mitnichten  Anlaß
       sein, die  im Oktober 1962 real gegebene Kriegsgefahr zu bagatel-
       lisieren. Auf  die "Krisenstrategie  des Kalten  Krieges" und das
       Mittel der  "forcierten Krise" verpflichtet, leitete die amerika-
       nische Administration zugleich Schritte ein, die die Versuche zur
       Konflikteinhegung in  Frage stellten  und zum Anlaß eines Dritten
       Weltkrieges hätten werden können. D.h., die oben referierte These
       der jederzeit  "rückversicherten Diplomatie"  ist nicht  haltbar.
       Ihr können  - auf  Grundlage neueren  Quellenmaterials - folgende
       Überlegungen entgegengehalten werden:
       - Vor  und   während  der  Krise  wurde  deutlich,  daß  die  USA
       n i c h t   bereit waren,  das   s o w j e t i s c h e   I n t e-
       r e s s e   an nuklearstrategischer  Parität (und damit "gleicher
       Sicherheit") anzuerkennen.  Die Regierung Kennedy war axiomatisch
       darauf festgelegt,  auf Dauer  aus einer  Position  strategischer
       Überlegenheit  operieren   zu  können.  Allison  hat  überzeugend
       nachgewiesen, daß gerade diese Mißachtung sowjetischer Interessen
       zur Raketenstationierung  auf Kuba  Anlaß gab.  Offenbar war  die
       UdSSR bestrebt,  eine immer  bedrohlichere (und auf eine amerika-
       nische Erstschlagskapazität  hinauslaufende  nukleare  Disparität
       auszugleichen 19).  Dieser Zusammenhang  wurde  auch  vom  Policy
       Planning Council  des Außenministeriums in einem Memorandum sowie
       von Außenminister Rusk in einer Senatsanhörung anerkannt. Demnach
       hatten  die  seit  den  späten  50er  Jahren  eingeleiteten  ame-
       rikanischen Rüstungsprogramme  zu  eklatanten  Defiziten  in  der
       "military posture"  der Sowjetunion geführt: "... der seit Sommer
       1961 beobachtbare  Trend eines forcierten Aufbaus unserer eigenen
       militärischen Fähigkeiten  und einer  vergleichsweisen Einschrän-
       kung sowjetischer  Stärke hat  die sowjetischen Kalkulationen auf
       den Kopf  gestellt. Folglich  mußten die  Sowjets auf schnellstem
       Wege das  Gleichgewicht wiederherstellen und gleichzeitig die USA
       davon überzeugen,  daß es  wirklich wiederhergestellt,  oder mehr
       als wiederhergestellt  war." 20) Der UdSSR sollte also auf keinen
       Fall Gelegenheit geboten werden, mittels der auf Kuba stationier-
       ten Systeme ihre strategischen Defizite auszugleichen und mit den
       USA gleichzuziehen. Insofern betrafen die Vorgänge um Kuba durch-
       aus die  "nationale Sicherheit"  der UdSSR, und insofern negierte
       amerikanische Politik  voll und ganz ein "vital interest" der Ge-
       genseite.
       - Welche   K o m p r o m i s s e   waren  die USA  im Verlauf der
       Krise bereit  einzugehen? In Abgrenzung zu den oben vorgestellten
       Thesen wird hier die Auffassung vertreten, daß von amerikanischer
       Bereitschaft zu  substantiellen Gegenleistungen  nicht gesprochen
       und politische  Kompromißbereitschaft daher nicht als krisenregu-
       lierender Faktor  reklamiert werden  kann. Schon unmittelbar nach
       Ausbruch der  Krise lag  die amerikanische Haltung offen zu Tage:
       Zugeständnisse konnten  und durften  nicht das  Ergebnis von Ver-
       handlungen   w ä h r e n d   d e r   Krise sein,  und - wichtiger
       noch -  der UdSSR  durfte nicht  eingeräumt werden,  n a c h  der
       Krise einen  sog. "signal  success" in grundsätzlichen Fragen der
       Systemauseinandersetzung zu erzielen.
       Diese Orientierung  zeigte sich zunächst in der Frage, wie und ob
       mit der  UdSSR das Problem der in der Türkei stationierten ameri-
       kanischen Jupiter-Raketen  zu behandeln sei. Anfänglich hatte der
       amerikanische UNO-Botschafter, Adlai S. Stevenson, vorgeschlagen,
       nach einer  Beilegung der  Krise mit  der UdSSR  in Verhandlungen
       über vorgeschobene  Militärbasen einzutreten.  Angesichts der US-
       Basen in  der Türkei könne man der Sowjetunion das Recht zur Sta-
       tionierung auf  Kuba nicht  streitig machen,  und zugleich  seien
       künftige Krisen  dieser Art  nur vermeidbar,  wenn die Stationie-
       rungsfrage im  Kontext eines  Abrüstungsvertrages geklärt  würde.
       21) Für  Kennedy und  den Krisenstab  des Nationalen Sicherheits-
       rates (Executive  Committee) waren  dergleichen Überlegungen kein
       Thema. Auch ein in der Endphase der Krise erarbeiteter Kompromiß-
       vorschlag des Policy Planning Council wurde vom Executive Commit-
       tee ignoriert. Dieser hatte vorgesehen, der UdSSR einen politisch
       akzeptablen Rückzug  zu ermöglichen:  Die landgestützten  Mittel-
       streckenraketen der  USA sollten (als Gegenleistung zum Abbau der
       Raketen auf  Kuba) aus der Türkei und Italien abgezogen und durch
       nuklear bestückte,  auf Schiffen  im östlichen Mittelmeer statio-
       nierte Flugzeugstaffeln türkischer, italienischer, amerikanischer
       und u. U. griechischer Einheiten ersetzt werden. 22) Auch in die-
       sem Fall  lehnte die politische Führung aus grundsätzlichen poli-
       tischen (nicht  militärstrategischen) Überlegungen ab. 23) Unmit-
       telbar nach  Beendigung der Krise nannte W.W. Rostow vom Außenmi-
       nisterium die Gründe: "Zwar möchten wir Chruschtschows Verlust an
       Glaubwürdigkeit in  Grenzen halten,  aber noch  deutlicher  abge-
       steckt sind die Grenzen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit, die wir
       auf seiner  Seite bewahrt sehen wollen und hinsichtlich jeglicher
       Verluste, die er uns möglicherweise zufügen könnte. " 24)
       Die in  letzter Minute von Robert Kennedy (zusammen mit dem Ulti-
       matum, entweder  sofort abzuziehen  oder ein Bombardement und die
       Invasion Kubas  in Kauf  zu nehmen)  unterbreiteten Hinweise, die
       USA seien  möglicherweise in  der Jupiter-Frage  kompromißbereit,
       waren nach Bernstein nichts weiter als unverbindliche private An-
       deutungen, die in der Folgezeit auch nicht mehr aufgegriffen wur-
       den. Die Konfrontation wurde nur überwunden, indem die UdSSR ihre
       Position änderte  und ihrerseits keine mit den Türkei-stationier-
       ten Raketen  zusammenhängenden Sicherheitsinteressen mehr geltend
       machte. Dean  Rusk bestätigte  im Januar  1963, daß der zu diesem
       Zeitpunkt vorbereitete  Rückzug der  Raketen aus  der Türkei  "in
       keinerlei Weise,  weder direkt noch indirekt, mit der Lösung, den
       Diskussionen oder  der Handhabung der Entwicklung um Kuba verbun-
       den war."  Man habe der UdSSR während der Krise unmißverständlich
       zu verstehen  gegeben, daß  Kompromisse in  dieser  Frage  ausge-
       schlossen seien.  25) Bernstein  gibt daher zu Recht zu bedenken,
       ob unter  diesen Bedingungen  eine friedliche  Lösung  der  Krise
       überhaupt noch  möglich gewesen  wäre, hätte  die Sowjetunion auf
       einem substantiellen  politischen Entgegenkommen ("Quid pro Quo")
       bestanden.
       Auch am Beispiel der sog. "Nicht-Interventionsgarantie" läßt sich
       demonstrieren, daß  die US-Regierung bestrebt war, so wenig Zuge-
       ständnisse wie  möglich auszusprechen.  Die Ankündigung, im Falle
       eines Abzugs  der sowjetischen  Raketen nicht  in Kuba  zu inter-
       venieren, wurde  von amerikanischer Seite als situationsgebundene
       und zeitlich  befristete Zusage  verstanden. Sie sollte der UdSSR
       bei der  öffentlichen  Legitimation  eines  Rückzuges  behilflich
       sein, ohne die USA künftig politisch oder juristisch in irgendei-
       ner Weise zu binden. Primär bliebe nach wie vor die amerikanische
       Verpflichtung,  die   Hemisphäre  gegen  den  Kommunismus  "abzu-
       schirmen" 26).  In diesem Sinne ist auch der Vorschlag des Policy
       Planning Council vom November 1962 zu verstehen, im Fall weiterer
       politisch-ideologischer "Krisen" um Kuba die UdSSR - nötigenfalls
       mit einer  neuerlichen Blockade  - zum  Rückzug von  der Insel zu
       zwingen und  anschließend die  Regierung Fidel Castro zu stürzen:
       "Vorbereitung von Plänen für politische und ökonomische Maßnahmen
       seitens der USA und der OAS) in Kuba nach einem Abzug der Sowjets
       und der  Beseitigung Castros."  27) Von  einem  krisenpolitischen
       "Quid pro  Quo" war die Nichtinter-ventionsgarantie folglich weit
       entfernt.
       - Schließlich erscheinen  noch einige  relativierende Bemerkungen
       zur  vorgeblich  politisch  kontrollierten    H a n d h a b u n g
       d e r   m i l i t ä r i s c h e n  M a ß n a h m e n  angebracht.
       Wie bereits  ausgeführt, gehört es zu den unverzichtbaren Prinzi-
       pien der  "coercive diplomacy", daß der Gegner eine für ihn unan-
       nehmbare Eskalation   r e a l   fürchten  muß und den Vereinigten
       Staaten infolgedessen  keine andere  Möglichkeit bleibt, als ihre
       Fähigkeit und Bereitschaft zur Eskalation (gegebenenfalls mit ul-
       timativen Mitteln)  überzeugend zu  demonstrieren ("sense  of ur-
       gency"). Deshalb  autorisierte Kennedy auch über die unmittelbare
       Blockade hinausreichende  Maßnahmen, um  der  UdSSR  die  "Ernst-
       haftigkeit" der  amerikanischen Absichten zu signalisieren. Damit
       wurden  Schritte   eingeleitet,  deren   Ablauf  politisch  nicht
       gänzlich kontrollierbar  war und  die eskalations-fördernde Fehl-
       kalkulationen auf sowjetischer Seite hätten auslösen können. Bei-
       spielsweise wurden  (wie Robert Kennedy in seinem Rückblick erst-
       mals  offenlegte)   auf  Kuba   zusteuernde  sowjetische  U-Boote
       "verfolgt, in  ihren Bewegungen  behindert und  zu  verschiedenen
       Zeiten in  Gegenwart amerikanischer  Kriegsschiffe zum Auftauchen
       gezwungen." 28)  Robert Kennedy räumt ein, daß ein solches Vorge-
       hen von der UdSSR als Beginn kriegerischer Maßnahmen hätte inter-
       pretiert werden  können. Die flexible Handhabung der Blockade und
       das Bestreben,  der UdSSR  ausreichend Zeit zur Entscheidungsfin-
       dung einzuräumen,  ging also mit gegenteilig auslegbaren Aktionen
       einher; wie  Allison im  Detail ausführt, war sich die amerikani-
       sche Regierung,  allen voran  John F. Kennedy und Robert S. McNa-
       mara, der  daraus resultierenden  Gefahren eines politischen Kon-
       trollverlustes bewußt, sah aber gleichwohl keinen anderen gangba-
       ren Weg.
       Mit zunehmender Dauer der Krise gewannen die für militärische Ge-
       waltanwendung plädierenden Kräfte immer stärker an Einfluß. Jeder
       weitere Zeitverlust  - so wurde argumentiert - sei unmittelbar zu
       sowjetischem Vorteil. Die für Kuba bereitstehenden Interventions-
       truppen wurden  gefechtsbereit gemacht,  die strategischen  Atom-
       streitkräfte in  höchste Alarmbereitschaft versetzt und anschlie-
       ßend der UdSSR ein Ultimatum gestellt: entweder Abzug der Raketen
       binnen 24 Stunden oder Invasion und Luftangriffe gegen Kuba.  Z u
       d i e s e m   Z e i t p u n k t   w a r e n  d i e  G r e n z e n
       k r i s e n r ü c k v e r s i c h e r t e r   D i p l o m a t i e
       a u f   a m e r i k a n i s c h e r    S e i t e    b e r e i t s
       ü b e r s c h r i t t e n.   Der weitere Gang der Dinge hing ein-
       zig und  allein am  sowjetischen Verhalten.  Kennedy  hatte  "die
       Hoffnung nicht  aufgegeben, aber  sie  hing  nun  davon  ab,  daß
       Chruschtschow seinen Kurs innerhalb der nächsten Stunden änderte.
       Wir erwarteten  eine militärische  Konfrontation, die am Dienstag
       beginnen würde,  vielleicht auch  schon  morgen...".  29)  Vieles
       spricht dafür,  daß diese  Drohungen im  Bewußtsein der  Tatsache
       ausgesprochen wurden,  daß die  USA notfalls  - wie  Desmond Ball
       nachweist -  zu einem umfassenden "counterforce-strike" gegen die
       Sowjetunion fähig  gewesen wären und diese damit hätten vollstän-
       dig nuklear entwaffnen können. 30) Offenbar waren die Vereinigten
       Staaten im Herbst 1962 zu einer solchen Maßnahme erstmals und bis
       zum heutigen Tage letztmals in der Lage.
       Zusammenfassend gewertet,  verdeutlicht die  Kuba-Krise also eine
       historische Situation,  in der amerikanische Hegemonialinteressen
       der Erhaltung  des Friedens übergeordnet wurden. Ungeachtet aller
       diplomatischen Bemühungen  akzeptierte Kennedy  grundsätzlich das
       Risiko des  Krieges und  war auch  dann nicht  zu einem Einlenken
       oder zu  substantiellen Zugeständnissen  bereit, als  in der End-
       phase der  Krise der  fortschreitende politische  Kontrollverlust
       über die Ereignisse immer deutlicher wurde. In den Worten von Al-
       bert und Roberta Wohlstetter: "Einer der Gründe, warum die ameri-
       kanische Drohung  wirkte, lag  darin, daß die Vereinigten Staaten
       b e r e i t   w a r e n,   die nächstfolgenden  Schritte zu gehen
       und auch über die Macht verfügten, dies zu tun." 31) Eine militä-
       rische Konfrontation mit der UdSSR war nicht mehr nur eine impli-
       zite Möglichkeit,  sondern eine   u n m i t t e l b a r  drohende
       Gefahr. Wie  Bernstein betont, wäre diese wohl nicht mehr abwend-
       bar gewesen,  hätte die sowjetische Politik gleichermaßen der Lo-
       gik des "eskalierten Risikos" gehorcht.
       
       3. Risikoplanung während des Korea-Krieges:
       -------------------------------------------
       die Debatte um den Einsatz von Atomwaffen
       -----------------------------------------
       
       Die am Beispiel der Kuba-Krise vorgestellten Parameter zur Bewer-
       tung von Krisenverhalten und -strategie sollten um einen weiteren
       Aspekt ergänzt  werden: Welche  E v e n t u a l p l a n u n g e n
       wurden in  der Krisensituation für verschiedene mögliche Entwick-
       lungen und Szenarien diskutiert?
       Dergleichen "contingency  planning" ist einerseits immer hypothe-
       tischer Natur;  ob und  inwieweit es  sich  realhistorisch  hätte
       durchsetzen können,  muß notwendigerweise offen bleiben. Anderer-
       seits sind  die im  folgenden vorgestellten  militärstrategischen
       Überlegungen politisch höchst relevant. Es handelt sich um Alter-
       nativplanungen, die unter veränderten Konstellationen kurzfristig
       eine sofortige  Reaktion der  Vereinigten Staaten hätten ermögli-
       chen sollen  und die  damit für Umstände geplant waren, die keine
       ausführliche Diskussion  über die  Vor- und  Nachteile des einzu-
       schlagenden Kurses mehr zuließen. Dies bedeutet selbstredend, daß
       dergleichen Optionen  erst nach intensiver Diskussion und auf der
       Basis eines größtmöglichen Konsens verabschiedet wurden. Solcher-
       lei Planungen sind also politisch repräsentativ und signalisieren
       ein Höchstmaß  politischer Verbindlichkeit.  Sie zeigen  zugleich
       frühzeitig  inneradministrative  Positionsveränderungen  und  Ge-
       wichtsverlagerungen im Verhältnis der politischen Hauptrichtungen
       zueinander.
       Das Beispiel  des Korea-Krieges  bietet sich  an, weil  in dessen
       Endphase am  längsten und  intensivsten  in  der  bisherigen  Ge-
       schichte der  USA über  die Frage  eines Atomwaffeneinsatzes  ge-
       stritten wurde; zugleich sind diese Auseinandersetzungen dokumen-
       tarisch umfänglich  erfaßt. Gerade in einer politisch wie militä-
       risch zugespitzten Krisensituation wie Korea mußte sich erweisen,
       welche Möglichkeiten und Grenzen der "Kriseneinhegung" einerseits
       und dem  "politischen Willen zur Kriegsführung" andererseits vor-
       gegeben waren. Diese Debatte markiert den extremsten Punkt in den
       während des  Kalten Krieges geführten Auseinandersetzungen um Ri-
       sikoakzeptanz und -toleranz.
       Seit Sommer  1951 - die militärischen Auseinandersetzungen in Ko-
       rea waren  bereits in einem Stellungskrieg festgefahren - konzen-
       trierten sich  die Eventualplanungen  des Pentagon und der Regie-
       rung Truman  auf die Frage, was im Fall eines Scheiterns der Waf-
       fenstillstandsverhandlungen zu tun sei. Von Beginn an standen da-
       bei Mittel  und Möglichkeiten militärischer Eskalation im Mittel-
       punkt. In  JCS 1776/240vom  13. 7.  1951 schlugen die Vereinigten
       Stabschefs folgende  Maßnahmen vor, falls die Verhandlungen unwi-
       derruflich scheiterten: 32)
       - Die USA  müßten sich  auf das  höhere Risiko  eines Weltkrieges
       einstellen und  auch bei  nur  kurzer  Vorwarnzeit  in  optimaler
       Kriegsbereitschaft sein;
       - innerhalb Koreas  die mit  den vorhandenen  Kapazitäten maximal
       mögliche Eskalation schnellstmöglich zu beginnen, inklusive einer
       unbegrenzten, neuerlichen  Invasion Nordkoreas. Darin waren Luft-
       angriffe jedweden Umfangs auf das in sowjetischer Grenznähe gele-
       gene Rashin  sowie gegen  Staudämme und  Elektrizitätswerke dies-
       seits des Yalu (Grenzfluß zur VR China) eingeschlossen;
       - die Verfolgung  feindlicher Kampfflugzeuge  auch  jenseits  der
       mandschurischen Grenze fortzusetzen und die Bomber gegebenenfalls
       nach der  Landung zu zerstören ("hot pursuit" außerhalb der nord-
       koreanischen Grenzen);
       - eine Seeblockade gegen die VR China zu errichten;
       - "Unterstützung eines  ausgedehnten Einsatzes  verdeckter Opera-
       tionen", um  innerhalb der VR China und Nordkoreas die antikommu-
       nistische Guerrilla  effektiv zu unterstützen und die feindlichen
       Kommunikations- und Nachschublinien zu unterbrechen.
       Als begleitende  Maßnahmen waren eine schnelle und forcierte Auf-
       rüstung Japans und Südkoreas vorgesehen.
       Am 3.  November 1951  ergänzten die JCS diese Optionen und reser-
       vierten Angriffe  auf chinesische  Luftwaffenstützpunkte jenseits
       der Grenze  auch für den (nicht näher präzisierten) Fall, daß die
       US-Streitkräfte in  Korea durch  die gegnerische Luftmacht ernst-
       lich gefährdet seien.
       Im September  1952 gingen  die JCS  noch einen Schritt weiter und
       legten nahe, "alle gegenwärtigen operativen Beschränkungen aufzu-
       heben, abgesehen  von Angriffen  gegen die  UdSSR und dem Einsatz
       atomarer oder  chemischer Waffen."  33) Demnach war eine mögliche
       Seeblockade der VR China zu ergänzen um Luftangriffe auf chinesi-
       sche  Verkehrszentren  ("transportation  centers")  sowie  Städte
       ("communication centers")  in Nord- und Zentralchina und der Man-
       dschurei. Der  Oberkommandierende der  UN-Truppen in der Endphase
       des Krieges,  General Clark,  arbeitete einen  auf alle genannten
       Maßnahmen zugeschnittenen  "operational plan" (OPLAN 8-52) in der
       Erwartung aus,  im Ernstfall  den Gegner damit zwingen zu können,
       "'zu unseren Bedingungen' einen Waffenstillstand zu erbitten oder
       zu akzeptieren."  Der Einsatz taktischer Atomwaffen war in diesem
       Plan - der noch im Mai 1953 als Option erwogen wurde - zwar nicht
       zwingend vorgesehen,  aber General  Clark forderte  diesbezüglich
       Vollmachten. Für  Korea selbst  sah OPLAN 8-52 vor: "Einkesselun-
       gen, um  ein Maximum  gegnerischer Truppen  und Materials zu zer-
       stören, ein  größerer, von See her vorgetragener Angriff, Luftan-
       griffe gegen sich bietende Zielobjekte." 34)
       Diese Eventualplanungen für den Fall eines Scheiterns der Waffen-
       stillstandsverhandlungen wurden  von den JCS unter folgenden Prä-
       missen gesehen:  35) Erstens sollten die "selektiven Schläge" die
       VR China zwingen, einen Waffenstillstand zu amerikanischen Bedin-
       gungen zu  akzeptieren; zweitens  würde auf  diese Maßnahmen nach
       einem Scheitern  der Verhandlungen   u n a b h ä n g i g    v o n
       den militärischen Aktionen der Gegenseite und  o h n e  vorherige
       Beratung mit  den anderen  am  UNO-Truppenkontingent  beteiligten
       Staaten zurückgegriffen  (andernfalls würde man den eigenen Hand-
       lungsspielraum in  unzulässiger Weise einengen); drittens sollten
       diese Planungen  auch schrittweise  ("by stages") realisiert wer-
       den, falls die Kommunisten "die Verhandlungen bewußt in die Länge
       ziehen sollten,  während sie  zugleich ihre  eigene  militärische
       Stärke ausbauten."
       Innerhalb des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) waren dergleichen
       Optionen anfänglich  umstritten. Z.B. warnte der NSC Senior Staff
       (in einem Anhang zu NSC 118/2) vor einer Ausweitung der militäri-
       schen Aktionen,  da dadurch  das Risiko einer direkten Konfronta-
       tion mit  der UdSSR ungebührlich erhöht würde; demzufolge war die
       Fortsetzung des  "begrenzten Krieges"  auf vorherigem Niveau auch
       unter geänderten  Bedingungen die  einzig  gangbare  Alternative.
       Nachdem aber  das Außenministerium  im September 1951 wesentliche
       Positionen des  Vereinigten Generalstabes  übernommen und  abwei-
       chend von  den JCS sogar den Einsatz nationalchinesischer Truppen
       in Korea vorgeschlagen hatte, war der Weg für eine grundsätzliche
       Annäherung der  vormals konträren  Positionen geebnet. Die im De-
       zember 1951 in NSC 118/2 dargelegten "courses of action" entspra-
       chen im  wesentlichen den  JCS-Empfehlungen  vom  13.7.1951  (JCS
       1776/240) und  vom 3.11.1951:  am wichtigsten erscheint dabei die
       einvernehmliche Option  für einen jederzeit möglichen Angriff auf
       chinesische Luftbasen. 36)
       NSC und  Außenministerium teilten  jetzt auch  die Prämissen  der
       JCS, daß  diese Eventualmaßnahmen unilateral sowie unabhängig von
       der gegnerischen  Politik zu  ergreifen und selbst im Falle einer
       bewußten Verzögerung  der Verhandlungen anzuwenden seien. Wie di-
       versen Tagebucheintragungen zu entnehmen ist, unterstützte Präsi-
       dent Truman die genannten Planungen. 37)
       Bis dato war über den Einsatz von (taktischen) Atomwaffen im Kon-
       text dieser Planungen nur in einigen wenigen Fällen (wie OPLAN 8-
       52) diskutiert worden. Lange Zeit war das Problem stillschweigend
       übergangen oder  ausgeklammert worden. Dies sollte sich mit Amts-
       antritt der  Regierung Eisenhower  ändern: Von  nun an rückte die
       Atomwaffenfrage in den Mittelpunkt der Optionsplanung.
       Im wesentlichen wurden seit Januar 1953 drei Möglichkeiten durch-
       gespielt: Welche Maßnahmen waren erforderlich, falls man sich für
       eine baldige  und siegreiche Beendigung des Krieges mit militäri-
       schen Mitteln  entscheiden sollte? Welcher Weg sollte beschritten
       werden, falls die Waffenstillstandsverhandlungen scheiterten? Wie
       sollten die USA im Fall einer neuerlichen militärischen Offensive
       der VR  China  n a c h  Abschluß eines Waffenstillstandes reagie-
       ren?
       In einem  Memorandum vom 27. März 1953 schlugen die JCS verschie-
       dene ..courses  of action"  für eine mit militärischen Mitteln zu
       erzwingende Beendigung  des Krieges  vor. In  einem solchen  Fall
       müßte entweder  die Kriegsführung innerhalb Koreas eskaliert, der
       Krieg auf die Mandschurei und die VR China ausgeweitet oder beide
       Maßnahmen parallel  ergriffen werden.  Die JCS gaben nicht zu er-
       kennen, welche  Alternative sie  bevorzugten, machten  aber deut-
       lich, daß der Einsatz taktischer Atomwaffen gegen Ziele innerhalb
       u n d   außerhalb Koreas  in Betracht gezogen werden sollte. "...
       der zeitige  Einsatz atomarer Waffen sollte mit Blick auf militä-
       rische Ziele,  die die Kampfhandlungen in Korea beeinflussen, er-
       wogen werden  und ergänzend  zu jedweden militärischen Schritten,
       die Angriffe  gegen das  kommunistische China und die Mandschurei
       beinhalten, operativ geplant werden." 38)
       Auch für  den Fall eines Scheiterns der Waffenstillstandsverhand-
       lungen plädierten  die JCS für militärische Eskalation: dann müß-
       ten innerhalb  Koreas die Kriegsführung ausgeweitet und forciert,
       zugleich mit  Luft- und Seestreitkräften Ziele in der Mandschurei
       und der  VR China  angegriffen und sichergestellt werden, daß das
       politische Kriegsziel  eines vereinten, nicht-kommunistischen Ko-
       rea eingelöst würde. Diese am 19.5.1953 vorgestellten "courses of
       action" entsprachen  einerseits den  ursprünglichen  Empfehlungen
       vom Juli und November 1951. Andererseits aber wurden die qualita-
       tiv neuen Konditionen einer solchen Kriegsführung erstmals expli-
       zit genannt:  Ein Atomwaffeneinsatz wurde nicht mehr als Möglich-
       keit "erwogen",  sondern  a l l e  Optionen setzten den umfängli-
       chen Einsatz  von Atomwaffen  voraus. Eine  sukzessive  oder  be-
       grenzte Anwendung  wurde wegen  der Risiken  eines  ausbleibenden
       oder nur begrenzten Erfolges abgelehnt. Zu planen war demnach ein
       "extensiver strategischer und taktischer Einsatz von Atombomben",
       und alle militärischen Maßnahmen "sollten so durchgeführt werden,
       daß sie  einen maximalen  Überraschungseffekt und  eine  maximale
       Wirkung erzielen'.  Eine nur stufenweise Eskalation ... würde die
       Erfolgsaussichten minimieren." 39)
       Aus jüngsten Dokumentenveröffentlichungen des Außenministeriums -
       die hier  nur in  der von  der New York Times vorveröffentlichten
       Form kommentiert  werden können  - geht  hervor, daß  die JCS zur
       Jahreswende 1953/54  im Nationalen Sicherheitsrat ihre Vorschläge
       für den  Fall darlegten,  daß der Korea-Krieg nach Abschluß eines
       "ceasefire" wieder aufflammte und die VR China erneut militärisch
       intervenierte. Unter  diesen  Umständen  planten  die  JCS  einen
       "massiven atomaren Angriff gegen volkschinesische Verbände in Ko-
       rea und  einen umfassenden Krieg ("all-out war") gegen die Volks-
       republik "von  Shanghai bis  an die  nördlichsten  Grenzen";  als
       Ziele waren  militärische Objekte  und städtische Zentren - z. B.
       Peking - vorgesehen. 40)
       Wie die Vereinigten Stabschefs einräumten, hätte jede der für die
       genannten Eventualitäten  vorgesehenen Maßnahmen die Gefahr eines
       Weltkrieges gegen  die UdSSR  nicht nur drastisch erhöht, sondern
       diesen unvermeidlich  gemacht. Falls  sich die politische Führung
       für eine  Eskalation in  Korea entscheiden  sollte, forderten sie
       daher sofortige Vorbereitungen auf einen "all-out war" auch gegen
       die UdSSR.   D i e   e n t s c h e i d e n d e  F r a g e  m u ß-
       t e   m i t h i n   l a u t e n,  w i e  s i c h  d i e  p o l i-
       t i s c h e   F ü h r u n g   u n t e r  E i s e n h o w e r  z u
       d i e s e n  E v e n t u a l p l a n u n g e n  v e r h i e l t.
       Auch unter Eisenhower galten die zu Trumans Zeiten niedergelegten
       Richtlinien, daß im Falle Koreas zwei Entwicklungen mit den hege-
       monialen Interessen  der USA  grundsätzlich unvereinbar waren und
       damit eine  (unter Umständen  weltkriegsauslösende)  militärische
       Eskalation notwendig  machten: -  ein mit  militärischen  Mitteln
       erzwungener Rückzug der UNO-Truppen aus Korea;
       - ein Scheitern  der Waffenstillstandsverhandlungen (bei fortdau-
       erndem Stellungskrieg in Korea).
       NSC 147,  im April 1953 erstellt, geht davon aus, daß der Einsatz
       atomarer Waffen  in Korea und selbst das Risiko eines Weltkrieges
       politisch "vorteilhafter"  seien als eine militärische Niederlage
       der UNO-Truppen  auf dem  koreanischen Kriegsschauplatz.  Atomare
       Einsatzplanungen waren  deshalb unverzichtbar und alle damit ver-
       bundenen Risiken  politisch tolerabel;  Vorbereitungen auf  einen
       möglichen Weltkrieg  sollten parallel getroffen werden. "Als Ant-
       wort auf die steigende Gefahr eines Weltkrieges sollten die Mobi-
       lisierungsprogramme beschleunigt durchgeführt werden, um auf eine
       Umstellung zur  totalen Kriegsproduktion  besser  vorbereitet  zu
       sein." 41)
       Präsident Eisenhower  ging noch  einen Schritt weiter und stellte
       im Februar 1953 innerhalb der NSC die Frage, ob es jetzt nicht an
       der Zeit  wäre, den  Korea-Krieg mit  Atomwaffen zu einem raschen
       Ende zu  bringen. Eisenhower  setzte sich damit über die bis dato
       formulierten Konditionen für einen solchen Schritt - militärische
       Niederlage oder  definitiv gescheiterte Waffenstillstandsverhand-
       lungen -  hinweg. Für  ihn war  zum damaligen Zeitpunkt entschei-
       dend, daß  die politischen Bemühungen in Korea festgefahren waren
       und die  Vereinigten Staaten  keine Möglichkeit  sahen, mit einem
       ihre bisherige  Verhandlungspolitik korrigierenden Angebot zu ei-
       ner politischen  Kompromißlösung beizutragen.  Eine  fortdauernde
       Pattsituation war aus amerikanischer Sicht politisch nicht länger
       annehmbar: "... den bisherigen Kurs könnten wir nicht endlos wei-
       terführen." -  "Er (der  Präsident - B.G.) bemerkte dann, daß wir
       den Einsatz taktischer Atomwaffen im Kaesong-Gebiet erwägen soll-
       ten, welches  ein für  diesen  Waffentyp  gutes  Zielobjekt  dar-
       stelle." 42) (Während der Waffenstillstandsverhandlungen war ver-
       einbart worden,  das 28  Quadratmeilen umfassende Gebiet von Kae-
       song von  den Kampfhandlungen auszunehmen; nach Meldungen des UN-
       Oberbefehlshabers, General  Clark, konzentrierte der Gegner Trup-
       pen und Material in diesem Gebiet).
       Während dieser  Februar-Sitzung und  während zweier weiterer NSC-
       Treffen am  31.3. und  13.5.1953 wurde  ausführlich über die Vor-
       und Nachteile  eines Einsatzes  taktischer Atomwaffen diskutiert.
       43) Eisenhower  "war der  Meinung, der  Einsatz  atomarer  Waffen
       würde sich  lohnen, falls  wir dadurch  erstens einen gründlichen
       Sieg über  die kommunistischen  Truppen erzielen und zweitens bis
       zu einer  Linie nahe  der koreanischen  Landverengung  vordringen
       könnten." (31.3.1953)  Er teilte nicht die Meinung der anwesenden
       Generalität, daß Atomwaffen auf dem koreanischen Kriegsschauplatz
       nur wenig effizient seien. "Der Präsident... dachte, es sei wahr-
       scheinlich ökonomischer,  in Korea  Atomwaffen  einzusetzen,  als
       weiterhin mit  konventionellen Waffen  gegen die augenblicklichen
       Feindstellungen ... vorzugehen." Er unterstrich dies mit dem Hin-
       weis auf den enormen logistischen Aufwand des Waffen- und Muniti-
       onstransports zwischen  den USA  und Korea.  John  Foster  Duttes
       merkte an,  daß die  Vereinigten Staaten angesichts einer opposi-
       tionellen Weltmeinung  ("in the  present state of world opinion")
       keine Atomwaffen einsetzen könnten und folglich Maßnahmen ergrif-
       fen werden  müßten, diese  ablehnende Haltung  der Öffentlichkeit
       und das  um Atomwaffen  aufgebaute Tabu  zu  durchbrechen  (31.3.
       1953); insbesondere  hätte es  die "sowjetische  Propaganda"  ge-
       schafft, die  Atomwaffen als qualitativ neue Waffen darzustellen.
       Duttes zufolge  mußte diese  "falsche Unterscheidung"  in der Öf-
       fentlichkeit ausgeräumt  werden. Eisenhower  teilte diese Meinung
       in der  Sitzung am  31. 3. 1953. Eines der schwerwiegendsten Pro-
       bleme war  in der  Sicht der politischen Führung die Reaktion der
       amerikanischen Verbündeten.  Eisenhower meinte,  "daß  wir  viel-
       leicht die  Auswirkungen eines  solchen Schrittes auf unsere Ver-
       bündeten ignorieren  sollten, dies  aber gleichwohl  nicht  könn-
       ten..." (31.3.1953),  da  die  Westeuropäer  sich  als  mögliches
       Schlachtfeld in einem amerikanisch-sowjetischen Krieg sahen. Auch
       hier sollten Anstrengungen unternommen werden, dergleichen Beden-
       ken zu zerstreuen - z.B. durch politischen Druck: Bei einer fort-
       dauernden Ablehnung  atomarer Angriffe  sollten  die  Verbündeten
       aufgefordert werden,  selbst die  drei oder  mehr Divisionen  zur
       Verfügung zu  stellen, die  erforderlich wären, um kommunistische
       Verbände in  Korea zurückzudrängen. "Im Endeffekt aber schloß der
       Präsident jedwede Diskussion mit unseren Verbündeten über militä-
       rische Pläne oder Angriffswaffen aus." 44)
       Weitere NSC-Memoranden  und Sitzungen  beschäftigten sich mit den
       Eventualplanungen des  Vereinigten Generalstabes.  NSC 147 disku-
       tierte als  erstes NSC-Memorandum ausführlich die politisch-mili-
       tärischen Vor- und Nachteile atomarer Eskalation in Korea.
       Zu den   m i l i t ä r i s c h e n  V o r t e i l e n  wurde eine
       nennenswerte Schwächung  des chinesischen  Militärpotentials  auf
       vergleichsweise schnelle  und billige  Weise  gerechnet.  Darüber
       hinaus könnte ein solcher Schritt "dazu dienen, die abschreckende
       Wirkung unserer  atomaren Kapazitäten gegenüber der UdSSR zu ver-
       größern -  sowohl hinsichtlich  eines umfassenden  als auch eines
       begrenzten Krieges." 45) Militärisch  n a c h t e i l i g  könnte
       sich auswirken,  daß mit Atomwaffen ein Zwang zum Sieg vorgegeben
       sei, andernfalls  deren "Abschreckungswirkung" untergraben würde;
       daß der  Krieg automatisch  über Korea  hinaus  erweitert  werden
       müsse; daß  die UN-Truppen  ihrerseits mit Atomwaffen angegriffen
       würden; daß  ein umfänglicher Einsatz das amerikanische Waffenar-
       senal und  damit die  für einen Weltkrieg notwendigen "capa-bili-
       ties"  reduziere.   Als    p o l i t i s c h e r    V o r t e i l
       g a l t,  wenn mit Atomwaffen ein militärischer Sieg in Korea si-
       chergestellt und  zugleich vermieden würde, daß sich der Krieg zu
       einem Weltkrieg  mit der UdSSR ausweitete; wenn eine militärische
       Niederlage der  UNO-Truppen abgewendet  würde (in diesem Fall er-
       scheint denn auch ein Weltkrieg als vorgeblich unumgängliches Ri-
       siko). Politisch   n a c h t e i l i g  seien in erster Linie die
       absehbar negativen Reaktionen der westeuropäischen Verbündeten.
       Zusammenfassend wurde  festgestellt, daß  auch  der  Einsatz  von
       Atomwaffen die  Reaktion der Gegenseite keineswegs kalkulierbarer
       mache; ob  die von  den USA geforderten Zugeständnisse eingeräumt
       würden, sei  durchaus offen.  "Wir glauben,  daß die Reaktion der
       Kommunisten in hohem Maße vom Grad des zugefügten Schadens abhän-
       gen würde."  46) NSC  147 ließ daher eine politische Entscheidung
       über die militärischen Eventualplanungen noch offen; diese sollte
       zu einem  späteren Zeitpunkt in Abwägung der referierten Vor- und
       Nachteile getroffen werden.
       Das "contingency planning" der JCS wurde am 20.5.1953 im Nationa-
       len Sicherheitsrat  zur Diskussion  und    B e s c h l u ß f a s-
       s u n g   gestellt. Hier  sollte sich  erweisen, daß  die  zivile
       Führung inzwischen  mehrheitlich die Linie der Vereinigten Stabs-
       chefs und deren Vorstellungen darüber teilte, welche Maßnahmen im
       Fall einer  amerikanischerseits zu eskalierenden Kriegsführung in
       und um  Korea zu  ergreifen  seien.  "Bei  dem  Treffen  kam  man
       überein, daß  die  von  den  Vereinigten  Stabschefs  empfohlenen
       Schritte als allgemeine Richtschnur befolgt werden sollten, falls
       infolge geänderter  Bedingungen ein  nachdrücklicheres Handeln in
       Korea notwendig  würde." 47) E i s e n h o w e r  merkte zwar an,
       daß "seine einzige wirkliche Befürchtung... die Möglichkeit einer
       sowjetischen Intervention  sei", befürwortete  aber gleichwohl im
       Dezember dieses Jahres die Eventualplanungen für den Fall, daß es
       nach Abschluß  eines Waffenstillstandes (aus welchen Gründen auch
       immer) zu  neuerlichen Kampfhandlungen kommen sollte: diese sahen
       u. a. ein atomares Bombardement Pekings vor ("all-out war against
       Communist  China")   und  hätten  mit  an  Sicherheit  grenzender
       Wahrscheinlichkeit einen Krieg mit der UdSSR ausgelöst. An dieser
       Stelle machte  John Foster  Dulles Einwände des Außenministeriums
       geltend  und   schlug  vor,   in  einem  ersten  Schritt  weniger
       risikoreiche Maßnahmen  zu ergreifen;  dies hätte u. a. bedeutet,
       zunächst auf  atomare Angriffe  gegen die VR China zu verzichten.
       Ein am  7. 1.  1954 vorgelegtes  JCS-Memorandum setzte  sich aber
       über diese  Bedenken  hinweg  und  bestätigte  die  ursprüngliche
       Option. 48)
       Faßt man diese Diskussion zusammen, so kann festgehalten werden:
       - Unter der  Regierung Eisenhower  war ein Punkt erreicht worden,
       wo sich die zivile Führung zu den militärischen Eventualplanungen
       und in  erster Linie  zur Option  des Atomwaffeneinsatzes    u n-
       m i t t e l b a r   politisch verhalten mußte. In einer konkreten
       Konfliktsituation mußte  darüber befunden  werden, ob  und  unter
       welchen  Bedingungen  Atomwaffen  eingesetzt  würden.  Die  dies-
       bezüglichen Entscheidungen mußten Aufschluß darüber geben, inwie-
       weit das  Streben nach  politischer "Kriseneinhegung" beibehalten
       und/oder der  gleichermaßen eingeforderte  "politische Wille  zur
       Kriegsführung" aufgewertet  wurde. Es  ging darum,  die politisch
       tolerable Risikoschwelle  von Krisenpolitik unter Bedingungen ei-
       nes eskalationsträchtigen "begrenzten Krieges" festzulegen.
       - Die oben  vorgestellten Diskussionen  und Positionen bezeichnen
       einen nach  wie vor  vorläufigen Meinungsbildungsprozeß.  D.  h.:
       Eine definitive  politische Entscheidung über die sofortige Frei-
       gabe oder  gar den sofortigen Einsatz von Atomwaffen stand damals
       n i c h t   auf der Tagesordnung. Über die JCS-Vorlagen hätte er-
       neut befunden werden müssen, wenn die amerikanische Regierung die
       politische Grundsatzentscheidung zur militärischen Eskalation des
       Konflikts getroffen  hätte. Vieles  spricht allerdings dafür, daß
       damals eine  solche Entscheidung im Bereich des Möglichen lag und
       in diesem  Fall die  militärischen Eventualoptionen auch ohne Um-
       schweife realisiert  worden wären. Warum die amerikanische Regie-
       rung letztendlich  auf einen solchen Schritt verzichtete, ist aus
       den bisher  vorliegenden Quellen  im Detail noch nicht erkennbar;
       unklar ist, ob grundsätzlich politische Erwägungen (Nachteile und
       Risiken des  Atomwaffeneinsatzes) oder  Entwicklungen auf dem ko-
       reanischen Kriegsschauplatz  selbst den  Ausschlag gaben. Diesbe-
       züglich müssen  weitere  Dokumentenveröffentlichungen  abgewartet
       werden.
       -  P a u l   N i t z e   schätzte eine  Beratung  bei  den  Joint
       Chiefs of Staff, an der er selbst als Vertreter des Außenministe-
       riums teilgenommen  hatte, wie  folgt ein:  "Es gab keine unüber-
       windbaren politischen  Hindernisse gegen den Einsatz von Atomwaf-
       fen, die  eigentliche Frage war vielmehr, ob die Vorteile stärker
       ins Gewicht  fallen würden als die Nachteile." 49) Die Initiative
       Eisenhowers vom  Februar 1953,  im Nationalen  Sicherheitsrat das
       Pro und Contra taktischer Atomwaffen abzuwägen, und das prinzipi-
       ell positive  Votum des  Präsidenten in  dieser Frage  bestätigen
       Nitzes Urteil  nachdrücklich. Darüber  hinaus hatten sich die USA
       seit Januar  1951 auf  eine Politik  des fortdauernd  "begrenzten
       Krieges" festgelegt  und damit Umstände geschaffen, die unweiger-
       lich darauf hinausliefen, Atomwaffen als Mittel einer militärisch
       erzwungenen Entscheidung  einzuplanen.   I n s o f e r n  k a n n
       d a v o n   a u s g e g a n g e n   w e r d e n,   d a ß   w ä h-
       r e n d  d e s  K o r e a - K r i e g e s  d i e  S c h w e l l e
       a t o m a r e r   K r i e g s f ü h r u n g   s o  w e i t  w i e
       b e i   k e i n e r  a n d e r e n  i n t e r n a t i o n a l e n
       K r i s e   d e r   4 0 e r   u n d   5 0 e r   J a h r e    g e-
       s e n k t  w u r d e.
       
       4. Weiterführende Fragestellungen
       ---------------------------------
       
       Bisher wurden  am Beispiel  "forcierter Krisen"  Parameter vorge-
       stellt, die  bei der Diskussion um das "Risikoniveau" von Krisen-
       politik berücksichtigt werden sollten. Das entscheidende methodi-
       sche Problem  bei der  Analyse inneradministrativen Krisenmanage-
       ments liegt  darin, die  Wechselbeziehungen zwischen  Politik und
       Militär zu verorten, genauer: die Möglichkeiten und Grenzen einer
       "politischen Durchsetzungsfähigkeit"  militärischer  Optionen  zu
       bestimmen. Es  erscheint notwendig,  folgende -  auch für  gegen-
       wartsbezogene Analysen relevanten - Aspekte in künftigen Untersu-
       chungen systematisch aufzuarbeiten:
       E r s t e n s   das Problem  der   r e l a t i v e n   E i g e n-
       s t ä n d i g k e i t   m i l i t ä r i s c h e r  B ü r o k r a-
       t i e n   u n d  A p p a r a t e  i m  Herrschaftssystem der USA.
       Das  nach  1945  institutionalisierte  "permanent  war  planning"
       führte u.a.  dazu, daß  militärstrategische Planung  exklusiv den
       Teilstreitkräften, dem  Vereinigten Generalstab  und dessen "Com-
       mittee  System"   und  insbesondere  dem  Strategie  Air  Command
       vorbehalten blieb.  Operative  Einsatzpläne  und  Kriegsszenarien
       wurden (und  werden) festgelegt,  ohne daß  zivile  Behörden  au-
       ßerhalb des Pentagon daran beteiligt oder darüber informiert wor-
       den wären. D. h.: wesentliche Akzentverschiebungen in der militä-
       rischen Planung  werden unabhängig von der außenpolitischen Linie
       der jeweiligen  Regierung vorgenommen, und politische Kurskorrek-
       turen wirken in der Regel nicht auf militärische Planungen zurück
       (wie die Geschichte der Entspannungspolitik und die parallel ein-
       setzenden Planungen zur "begrenzbaren atomaren Kriegsführung" an-
       schaulich belegen).  Zugleich ist eine zunehmende Verlagerung au-
       ßenpolitischer Planungsund  Entscheidungskompetenz auf das Penta-
       gon beobachtbar.
       Attison fragte  in seiner  (1971  vorgelegten)  Untersuchung  zur
       Kuba-Krise, ob  und inwieweit  diese Entwicklung zu einem Verlust
       politisch-diplomatischer Steuerungsfähigkeit  im Falle einer aku-
       ten Krise  beitragen kann.  Wird dadurch  die Gefahr einer grenz-
       überschreitenden, d. h. politisch nicht mehr "einhegbaren" Gewal-
       tanwendung vergrößert?  Mehrere Gründe sprechen nach Meinung die-
       ses amerikanischen  Politikwissenschaftlers für eine Erhöhung des
       "Risikoniveaus":
       - Der Informationsfluß zwischen militärischen und politischen Bü-
       rokratien erwies  sich während  der Kuba-Krise  als störanfällig.
       Dadurch wurde einem eigenmächtigen Handeln militärischer Apparate
       Vorschub geleistet;
       - es gibt  Hinweise darauf,  daß sich während der Krise militäri-
       sche Apparate, sei es wegen organisationsgebundener Eigeninteres-
       sen, politisch-strategischer Differenzen oder zeitlicher Verzöge-
       rungen infolge bürokratischer Routinearbeit, über Anweisungen der
       politischen  Exekutive  hinwegsetzten.  (Beispielsweise  weigerte
       sich die  Navy, Kennedys  Anweisung  Folge  zu  leisten  und  den
       Blockadering um  Kuba enger  zu ziehen, wodurch eine direkte Kon-
       frontation mit  sowjetischen Schiffen  zeitlich verzögert  worden
       wäre);
       - Allison unterstellt  der Marine, in zahlreichen Fällen und hin-
       ter dem  Rücken des  Weißen Hauses eskalationsträchtige Maßnahmen
       initiiert zu  haben (beispielsweise gegen sowjetische U-Boote un-
       mittelbar nach Beginn der Krise).
       Im Kern  besagen diese Beobachtungen, daß die relative Eigenstän-
       digkeit militärischer  Apparate den Spielraum diplomatischen Kri-
       senmanagements nicht  nur einengen  kann, sondern  nachweisbar in
       konkreten Konflikten eingeengt hat.
       Z w e i t e n s   wird in neueren Untersuchungen darauf hingewie-
       sen, daß  auch die   t e c h n i s c h e   Q u a l i t ä t  d e s
       R ü s t u n g s p o t e n t i a l s   zu einer  strukturellen De-
       stabilisierung von  Krisenpolitik beitragen  kann. Die Kalkulier-
       barkeit krisengebundenen  Handelns  ist  tendenziell  rückläufig,
       weil die Grenzen zwischen "defensiven" und "offensiven" Waffensy-
       stemen verwischt  werden; weil ein- und dasselbe System in kürze-
       ster Zeit  für mehrere  Aufgaben programmierbar ist und die mili-
       tärstrategische Absicht  (gerade unter  dem zeitlichen  Entschei-
       dungsdruck in  Krisen) daher nicht mehr eindeutig bestimmbar ist;
       weil Verbesserungen  der Zielgenauigkeit  die Fähigkeit  (und den
       politischen Druck!)  vergrößern, in  Krisensituationen  zum  ver-
       meintlich schadensminimierenden  und erfolgsoptimierenden  Mittel
       präemptiver Kriegsführung  ("first strike")  zu greifen; weil die
       fortschreitende Mobilität von Waffensystemen die Gefahr der Fehl-
       perzeption und  damit die  Möglichkeit eines  "launch-on-warning"
       (Raketenstart infolge  des bloßen  Verdachts offensiver Absichten
       der Gegenseite) erhöht; weil die Ausdifferenzierung und Komplexi-
       tät der militärischpolitischen Kommando- und Kontrollsysteme (C3-
       I) sich  bislang als  äußerst störanfällig erwiesen hat. Insofern
       reduziert die  rüstungstechnologische Entwicklung die Möglichkei-
       ten politischer Krisenkontrolle.
       Dieser  Aspekt   ist  deshalb   besonders  bedeutsam,   weil  die
       R e a g a n - R e g i e r u n g  seit vier Jahren zu einem altbe-
       kannten Mittel greift und versucht, qualitativ neue Rüstungstech-
       nologie (von  der Endphasensteuerung  bis hin zu den Weltraumwaf-
       fen) im  Zeichen forcierter politischer Spannungen durchzusetzen.
       In der  bisherigen Nachkriegsgeschichte liefen dergleichen Versu-
       che immer  auf zugespitzte  und kriegsträchtige Krisen hinaus: Im
       Schatten der  Atombombe begann  der Kalte  Krieg und  kulminierte
       nach kurzer  Zeit in der ersten Berlin-Krise (1948); die amerika-
       nische Entscheidung  zum Bau der Wasserstoffbombe steht im Zusam-
       menhang mit  der eskalierten  Block-Konfrontation während des Ko-
       rea-Krieges; die  Stationierung  sowjetischer  Raketen  auf  Kuba
       sollte -  wie oben  ausgeführt -  als Antwort  auf die Einführung
       amerikanischer Interkontinentalraketen  begriffen  werden.  Hinzu
       kommt, daß  eine direkte  Verbindung zwischen  Rüstungswettläufen
       und Krieg  empirisch nachweisbar ist: Aus Untersuchungen von Wal-
       lace geht  hervor, daß  in 23  von 28 Fällen politische Konflikte
       gewaltsam eskalierten,  sobald "Rüstungswettläufe" vorausgegangen
       waren. Bei  fehlender oder  niedriger Rüstungsdynamik  konnten 68
       von 71  Konflikten mit  diplomatischen Mitteln gelöst werden, und
       lediglich drei führten zu militärischer Gewaltanwendung. 50)
       Die Krisenrelevanz militärischer Macht wird  d r i t t e n s  von
       der sog.  "military posture"bestimmt. Gemeinhin ist mit "military
       posture" ein synoptischer Vergleich der Waffenpotentiale von NATO
       und Warschauer Pakt gemeint. Welche Waffensysteme stehen sich auf
       selten der USA und der UdSSR gegenüber (strategische Ebene), wel-
       che Aufträge  haben diese  jeweils zu erfüllen (operative Ebene),
       wie groß  sind die  Aussichten eines erfolgreichen Einsatzes, und
       mit welchen  Ausfallquoten ist zu rechnen (Ebene der Risikokalku-
       lation)? "Military posture" fragt aber auch nach der Binnenstruk-
       tur der  Kriegsmaschinerie. Es  kommt darauf  an, die Zeit-, Ein-
       satz- und  Zielplanungen der einzelnen Teilstreitkräfte sowie de-
       ren  interne  Aufgabenverteilung  herauszuarbeiten.  Insbesondere
       wäre zu klären, wie sich strategische Planung zu den real vorhan-
       denen materiellen  Kapazitäten verhält  und inwieweit  die  Teil-
       streitkräfte darauf vorbereitet sind, die ihnen zugewiesenen Auf-
       gaben wahrzunehmen (zu fragen ist nach Führung, Ausbildung, Mann-
       schaftsstärken, "Command-and-Control"-Verfahren  etc.). Nicht zu-
       letzt  sind  die  militärinternen  Kräfteverhältnisse  (die  sog.
       "interservice rivalries")  in diesem  Zusammenhang bedeutsam: Wie
       ist es  um die  Richtungsauseinandersetzungen innerhalb des Mili-
       tärs bestellt?  Wird  eine  strategische  Konsensfindung  dadurch
       blockiert? Welches  politische Gewicht haben militärische Instan-
       zen im  (krisenbezogenen) Entscheidungsprozeß? Kommt es innerhalb
       des Militärs  zu einer einheitlichen oder mehrheitlichen Interes-
       senartikulation, und welcher Instrumente können sich die Militärs
       bedienen, um politisch relevanten Entscheidungsdruck auszuüben?
       Gerade die Geschichte des Kalten Krieges beweist, daß dergleichen
       Fragestellungen keineswegs  nur akademischer Natur sind. Bis weit
       in die  50er Jahre hinein gelang es den Teilstreitkräften infolge
       doktrinärer Dissonanzen  nicht, ihre  jeweiligen operativen  Auf-
       träge aufeinander  abzustimmen oder gemeinschaftlich verbindliche
       Aufgaben zu formulieren. In zahlreichen Kriegsplänen waren infol-
       gedessen völlig unrealistische Vorgaben formuliert (in erster Li-
       nie wurden  Anforderungen gestellt, die weit über die bewilligten
       Rüstungsbudgets hinauswiesen  und auch  in absehbarer  Zeit nicht
       finanziert werden  konnten). Es  gelang den  Militärs  in  dieser
       Phase nicht,  die Instrumente  einer einheitlichen Interessenver-
       tretung aufzubauen  und/oder wahrzunehmen.  Es ist davon auszuge-
       hen, daß  dergleichen Faktoren  den politischen Einfluß des Mili-
       tärs in der damaligen Zeit minderten. 51)
       Eine systematische Bearbeitung dieser einzelnen Problemfelder und
       ihres wechselseitigen  Zusammenhangs wird  näheren Aufschluß dar-
       über geben, wo in zugespitzten Entscheidungssituationen die Gren-
       zen der  Diplomatie anzusiedeln  sind, worin  die Gefahrenmomente
       militärischer Eskalation  liegen und wie durchsetzungsfähig poli-
       tische Regularien  gegenüber militärischen  Optionen  sind.  Dann
       sollte es  möglich sein,  den zwischen Frieden und Krieg angesie-
       delten Grenzbereich genauer zu beschreiben.
       
       _____
       1) The History  of the  Joint Chiefs  of Staff. 3: The Korean War
       (James  F.  Schnabel  u.  Robert  J.  Watson)  (Wilmington,  De.,
       1979/80), 349  (im Folgenden  zitiert als H-JCS). Alle Zitate aus
       unveröffentlichten Quellen  werden auch  im  englischen  Original
       vorgestellt.
       2) Vgl. Bernd Greiner, Die Kategorie Risikoniveau - ein Paradigma
       zur Analyse  amerikanischer Außen- und Militärpolitik während des
       Kalten  Krieges  (Dargestellt  anhand  neueren  Quellenmaterials)
       (Frankfurt/M., Bern, New York: Peter Lang, 1985).
       3) RAND-Memorandum RM-3034-ISA,  Tactics in a Local Crisis, Allen
       R. Ferguson (Santa Monica, Ca., September 1962), 2/3.
       4) Ebenda, 56.
       5) Dwight D.  Eisenhower, The  White  House  Years:  Mandate  for
       Change, 1953-1956 (Garden City, 1963), 180.
       6) Vgl. Graham  T. Allison,  Essence of  Decision: Explaining the
       Cuban Missile Crisis (Boston, 1971)
       7) Policy Planning  Council,  The  Cuban  Base  Problem  in  Per-
       spective, o.J..  To: McGeorge Bundy, The White House. From: W. W.
       Rostow, Top  Secret. In The Declassified Documents Retro-spective
       Collection (Carrollton  Press, Washington, D.C.) 4, 2 (1978), 202
       A (im Folgenden zitiert als DDRC). Hervorhebungen B.G.
       8) Albert u.  Roberta  Wohlstetter,  "Controlling  the  Risks  in
       Cuba", Adelphi  Papers, 17  (April 1965),  14. Vgl. Department of
       State, Bureau of Intelligence and Research (Roger Hilsman), Rese-
       arch Memorandum,  27. 10.  1962, To:  The Secretary.  In DDRC 6,1
       (1980), 72 D.
       9) The United  States Senate, Report of Proceedings, Hearing held
       before Subcommittee  on American Republics Affairs of the Commit-
       tee on  Foreign Relations,  Briefing on the Cuban Situation, 1.5.
       1961,  Secret,   9.  National  Archives/Civil  Archives  Division
       (NA/CAD), Record Group (RG) 46, Records of the US Senate, Commit-
       tee on  Foreign Relations, Declassified Hearings 1961, Box No. 4.
       "... if  efforts were  made politically and diplomatically to try
       to prevent  or stop  such a  development or  to have them (Soviel
       missiles -  B.G.) withdrawn,  we would be involved in a difficult
       bargaining position which might affect the Stands of NATO and the
       defenses in  other parts  of the world with respect to the Soviet
       Union."
       10) John F. Kennedy, zit. n. Allison, Essence of Decision, 51.
       11) John F.  Kennedy, zit.  n. Alexander L. George, David K. Hall
       u. William  E. Simons,  The Limits  of Coercive  Diplomacy. Laos,
       Cuba, Vietnam (Boston, 1971), 98.
       12) Spätestens am  30.6.1950 -  also fünf  Tage nach  Beginn  der
       Kampfhandlungen -  war über  den Einsatz von Bodentrappen positiv
       entschieden: vgl. H-JCS, 3, The Korean War, 117.
       13) I.F. Stone,  The Hidden  History of the Korean War (New York,
       London, 1952; rpt. New York, 1971), 21.
       14) Vgl. Greiner, Risikoniveau, 177-201.
       15) Phil Williams, Crisis Management. Confrontation and Diplomacy
       in the Nuclear Age (London, 1976), 53.
       16) Ebenda, 136;  vgl. 153. Vgl. George, Hall u. Simons, Coercive
       Diplomacy, 24.
       17) Williams, Crisis Management, 54. Vgl. George, Hall u. Simons,
       Coercive Diplomacy, 25, 101, 132, 219.
       18) Williams, Crisis  Management, 55; vgl. 102-107, 177-180. Vgl.
       George, Hall u. Simons, Coercive Diplomacy, 9-11, 208, 234.
       19) Allison, Essence of Decision, 52ff, 117.
       20) Policy Planning  Council, Cuban  Base in Perspective, 2/3. In
       DDRC 4,2 (1978), 202 A.
       21) Adlai S.  Stevenson, Memorandum  forthe President,  Wednesday
       moraing, 17.  10. 1962,  Secret - Eyes Only, 2. In DDRC l (1975),
       440 D.
       22) Policy Planning  Council, Alliance  Missiles, To:  The Secre-
       tary, The  Under Secretary, The Deputy Under Secretary. From: S/P
       - W.W.  Rostow. 26.  10. 1962, Secret, 2. In DDRC 2, l (1976), 61
       A.
       23) Vgl. Barton  J. Bernstein, "The Cuban Missile Crisis: Trading
       the Jupiters in Turkey?", Political Science Quarterly, 95 (1980),
       107.
       24) Walt Whitman  Rostow, Memorandum  for the Executive Committee
       of the  National Security  Council. Subject: Strategy for a Post-
       Crisis Cuba, 7. 11. 1962, Secret, 4/5. In DDRC 4,3 (1978), 267 A.
       25) The United States Senate, Report of Proceedings, Hearing held
       before Subcommittee  on American Republics Affairs of the Commit-
       tee  on   Foreign  Relations,  Briefing  on  Cuban  Developments,
       25.1.1963, Top  Secret. NA/CAD,  RG 46, Records of the US Senate,
       Committee on  Foreign Relations, Declassified Hearings 1963-1965,
       Box No. 7: 51, 47. Der Rückzug der Raketen aus der Türkei "was in
       no way, shape or form, directly or indirectly, connected with the
       settlement, the  discussions or the manipulation of the Cuban Si-
       tuation."
       26) Department of  State, Memorandum  for: The Honorable McGeorge
       Bundy. Copies  to: All  Members of  the NSC  Executive Committee.
       Subject: Form  of "No Invasion" Guarantee, 12.11.1962, Top Secret
       - Eyes Only, 3. In DDRC 1,4 (1975), 295 C.
       27) Rostow, Strategy  for a  Post-Crisis Cuba,  19. In  DDRC  4,3
       (1978), 267 A.
       28) Robert F.  Kennedy, Dreizehn  Tage oder  Die Verhinderung des
       Dritten Weltkriegs (Reinbek, 1970), 39.
       29) Ebenda, 56;  vgl. Bernstein,  "Trading the  Jupiters?",  121,
       123.
       30) Desmond Ball,  "Targeting for  Strategie Deterrence", Adelphi
       Papers, 185 (1983), 12.
       31) Wohlstetter, "Controlling  the Risks", 18; vgl. 20. Hervorhe-
       bung im Text. Vgl. Williams, Crisis Management, 54, 92, 135.
       32) H-JCS, 3, The Korean War, 627/628; vgl. 636.
       33) Ebenda, 930.
       34) Ebenda, 932; vgl. 980
       35) Ebenda, 630, 636, 649.
       36) Ebenda, 642;  allein in  der Frage  der Seeblockade hatte man
       sich nicht einigen können. Das Außenministerium plädierte für ein
       Wirtschaftsembargo: vgl. 630-639.
       37) Vgl. Gregg Herken, The Winning Weapon. The Atomic Bomb in the
       Cold War 1945-1950 (New York, 1980), 335/336.
       38) H-JCS, 3, The Korean War, 953/954.
       39) Ebenda, 961; vgl. 956-961.
       40) "For Eisenhower,  2 Goals  if Bomb  Was to  be used", The New
       York Times, 8.6.1984, 8.
       41) NSC 147,  2.4.1953, A Report to the National Security Council
       by the Executive Secretary on Analysis of Possible Courses of Ac-
       tion in  Korea, Top  Secret. Para. 24 c, 27 g. National Archives,
       Modern Military Brauch (NA/MMB). "To meet the increased threat of
       general war,  acceleration of  mobilization base  programs to in-
       crease the  degree of readiness for conversion to all-out wartime
       production."
       42) National Security Council, Memorandum, Subject: Discussion at
       the 131st  Meeting of  the National  Security Council on February
       11, 1953,  12.2.1953, Top Secret - Eyes Only, 3. NA/ MMB. "... we
       could not  go on the way we were indefinitely." - "He (the Presi-
       dent -  B.G.) then expressed the view that we should consider the
       use of  tactical atomic weapons on the Kaesong area, which provi-
       ded a good target for this type of weapon."
       43) Die Angaben zu den Sitzungen im März und Mai sind neueren Do-
       kumentenveröffentlichun-gen des  Außenministeriums entnommen, die
       in der  New York  Times am 8.6.1984 auszugsweise vorgestellt wur-
       den: vgl.  "For Eisenhower,  2 Goals If Bomb Was to Be Used", The
       New York Times, 8.6.1984, 8.
       44) NSC, Memorandum, Discussion at the 13 Ist Meeting, 12.2.1953,
       NA/MMB. "In  conclusion, however, the President ruled against any
       discussion with  our allies  of military  plans or weapons of at-
       tack."
       45) NSC 147: 1953, Para. 22 c. NA/MMB. "... serve to increase the
       deterrent effect  of our atomic capabilities on the USSR, as per-
       tains to both global and limited war."
       46) Ebenda, Para. 26; vgl. Para. 25 a-c. NA/MMB. "We believe that
       the Communist  reaction would  be in large part determined by the
       extent of damage inflicted."
       47) H-JCS, 3, The Korean War, 961.
       48) "For Eisenhower,  2 Goals  ...", The  New York  Times, 8.  6.
       1984, 8.
       49) Paul Nitze,  zit. n.  "Ike mulled atom bomb use in '53", Chi-
       cago Tribüne,  8.6.1984, 6.  Vgl. dazu  auch Bernard Brodie: "The
       fact that  the United  States did  not use nuclear weapons in the
       Korean War  was unquestionably due mostly to certain special cir-
       cumstances not  likely to  be repeated in the future." RAND-Memo-
       randum RM-4544-PR,  Escalation and  the Nuclear  Option,  Bernard
       Brodie, (Santa Monica, Ca., Juni 1965), 63.
       50) Michael D. Wallace, "Arms Races and Escalation. Some New Evi-
       dence", Journal of Conflict Resolution, 23, 1 (1979), 14/15.
       51) Vgl. Warner R. Schilling, Paul Y. Hammond u. Glenn H. Snyder,
       Strategy, Politics, and Defense Budgets (New York, London, 1960),
       368. Vgl.  Larry Dean  O'Brien, National  Security  and  the  New
       Warfare: Defense  Policy, War  Planning, and the Nuclear Weapons,
       1945-1950 (Ann  Arbor,  London,  1982),  117,  124-129,  241-247,
       283/284.
       

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