Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       HISTORIKER DER ARBEITERBEWEGUNG IN OST-WEST-BEGEGNUNG
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       Die 20. Linzer Konferenz der ITH zu Kolonialismus-Fragen
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       Dieter Kramer
       
       Es war  Bruno Kreisky,  der den Hofrat Rudolf Neck in Wien anläß-
       lich der  100-Jahr-Feier der Internationalen Arbeiter-Assoziation
       (IAA) 1957 mit der Bildung einer "Arbeitsgemeinschaft für die Ge-
       schichte der  Arbeiterbewegung" beauftragte.  1964 fand  in  Wien
       eine internationale Wissenschaftliche Konferenz dieser Arbeitsge-
       meinschaft zum  Thema "Österreich-Ungarn  und die Internationale"
       statt. Auf  Anregung auch  der Teilnehmer  dieser Konferenz wurde
       1964/65 die "Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbe-
       wegung" gegründet,  die als Verein mit (1983) fast 100 Mitglieds-
       institutionen (Forschungseinrichtungen,  Geschichtsvereine,  Uni-
       versitätsinstitute) aus 29 Ländern in Ost und West und allen Erd-
       teilen arbeitet  und von der UNESCO als "Non-Government-Organiza-
       tion" anerkannt und gefördert wird.
       Die bloße  Existenz dieser Organisation und ihrer Konferenzen be-
       reits ist  wichtig -  nicht ob  sie Diskussionen  wirklich bis zu
       Ende führt  oder ob sie zu Tagesfragen Stellung nimmt. Nur in ei-
       nem neutralen  Land wie  Österreich ist so etwas möglich, und die
       österreichische Tagungsleitung  bemühte sich  immer mit Geschick,
       notfalls mit  Zigarettenpausen, solche Kontroversen, die ein Zer-
       brechen des  Treffens zur  Folge haben  könnten (das sind nur we-
       nige), zu  vermeiden. Im Raketen-Stationierungsjahr 1983 kam zwar
       trotz eines weitgehenden Konsenses eine Charta, in der die Arbei-
       terbewegungshistoriker ihre  gemeinsame Mitverantwortung  für den
       Frieden zum  Ausdruck bringen  wollten, nicht zustande. 1984 aber
       brachte immerhin  eine Sammlung  für die  streikenden  britischen
       Bergarbeiter eine stattliche Schilling-Summe zusammen.
       Ein Ertrag  der Konferenzen sind die Protokollbände, die, im Wie-
       ner Europa-Verlag  veröffentlicht, Referate  und (teilweise) Dis-
       kussionen zugänglich  machen. Die  Themen der Tagungen und Proto-
       kolle umfassen  meist einen  historischen und  einen methodologi-
       schen Teil.  Zum letzteren  gehören Themen  wie Memoirenliteratur
       (1971), Editionsprobleme  bei  wissenschaftlichen  Gesamtausgaben
       von Persönlichkeiten  der Arbeiterbewegung  (1979), elektronische
       Datenverarbeitung und  Geschichte der Arbeiterbewegung (1973). In
       anderen Fällen  werden  nur  methodologische  Probleme  einzelner
       Aspekte oder  Phasen der  Geschichte besonders in den Vordergrund
       gestellt. Theoriegeschichtliche  Fragen wie  "Die Ausbreitung des
       Marxismus  um   die  Jahrhundertwende   1890-1905"  (1973)   oder
       "Marxismus  und  Geschichtswissenschaft"  (Sonderkonferenz  1983)
       sind seltener, viel häufiger sind Themen wie Arbeiterparteien und
       Gewerkschaften (1976,  1980) in  verschiedenen Phasen, Militaris-
       mus, Imperialismus  und Arbeiterbewegung  für die  Jahre 1907 bis
       1912 (1972). 1977 ging es um die Koloniale Frage in der Arbeiter-
       bewegung bis 1918 und 1984 für die Zeit 1918-1945.
       Arbeiterbewegung und Faschismus (1974) oder Arbeiterschaft zu Be-
       ginn des  ersten Weltkrieges  (1969), die Veränderungen der Jahre
       1917-1920 (1979)  sind weitere phasenspezifische Themen; epochen-
       spezifisch geht  es um  die Entwicklung der Arbeiterklasse im 19.
       Jahrhundert (1980), während Österreich-spezifische Themen wie 100
       Jahre Neudörfl  (Gründungsparteitag der  SPÖ, 1974)  oder Februar
       1934 in Österreich (1974, 1984) in ihrem weltweiten Echo (bis hin
       zu einem  Beitrag über die Resonanz der Ereignisse 1934 in China,
       1984) zu den jeweiligen Jubiläen unverzichtbar sind.
       Wichtig waren  die zunehmend  auftauchenden Themen zur Kultur (im
       weiteren Sinne) der Arbeiter. Es begann 1977 mit "Arbeiterbildung
       unter den  Bedingungen des Kapitalismus" (als methodischem, damit
       in der  Tagungsstrategie zweitrangigem  Thema). Schon  zu  diesem
       Thema waren  sehr viele Papiere eingegangen (die Mitgliedsorgani-
       sationen bzw.  die von  ihnen  benannten  Teilnehmer  entscheiden
       selbst, ob  und bei welchem Teilthema sie sich beteiligen wollen;
       die -  dann im Protokollband dokumentierten - Papiere werden vor-
       her an  alle Teilnehmer versandt, auf der Konferenz nur noch kurz
       vorgestellt und  dann diskutiert). Viele der Papiere von 1977 be-
       schäftigten sich  schon mit  allgemeinen kulturellen Fragen. Dar-
       aufhin war  1981 Arbeiterkultur  das Hauptthema  (mit zahlreichen
       Papieren vor  allem  zur  Arbeiterbewegungskultur  der  Zwischen-
       kriegszeit aus nahezu allen europäischen Ländern). Schon im Früh-
       jahr des  gleichen Jahres  fand im  Zusammenhang  mit  der  Bruno
       Kreisky zum  Geburtstag gewidmeten  großen Ausstellung zur öster-
       reichischen  Arbeiterkultur   1)  in  Wien  eine  Sonderkonferenz
       "Arbeiterkultur in Österreich 1918-1934" statt.
       Sehr stark  war auch  die Resonanz bei dem Thema "Frau und Arbei-
       terbewegung 1900-1939"  (1978, mit  zwei  Protokollbänden).  Ein-
       heits- und  Volksfrontpolitik stand  1975 auf dem Programm. Klas-
       senkampf und  nationale Frage  (1975), regionale  und lokale  Ge-
       schichte der  Arbeiterbewegung (1981)  waren weitere Themen. Über
       "Spontaneität und Organisation in der Arbeiterbewegung als metho-
       dologisches Problem"  (1983) wurde  diskutiert, als  diese  Frage
       schon einiges an modischer Brisanz verloren hatte.
       Die ITH  entstand zu  einer Zeit,  in der die Erforschung der Ge-
       schichte der Arbeiterbewegung in den westlichen Staaten noch sehr
       stark vernachlässigt  war. Sie  hat diese Forschung ermutigt, hat
       internationale Zusammenarbeit unter den Forschern herstellen hel-
       fen und  ist ein  Feld einschlägiger  Ost-West-Kontakte geworden.
       Diese sind  in ihrer Fruchtbarkeit von den Phasen der internatio-
       nalen Auseinandersetzungen  abhängig, aber  die Frontbildungen in
       den Diskussionen  sind weder  für die westlichen noch für die so-
       zialistischen Staaten  einheitlich: Die Positionen der Polen oder
       Jugoslawen z. B. sind untereinander genausowenig die gleichen wie
       diejenigen der  bundesdeutschen Delegationen von Friedrich-Ebert-
       Stiftung oder IMSF.
       Ein wichtiges  Thema war 1983 "Arbeiterbewegung und Friedensfrage
       1917-1939", nicht  nur wegen  der Aktualität, sondern weil in den
       Diskussionen Lernprozesse sichtbar wurden, die Hoffnungen für die
       Lösung der Überlebensfrage rechtfertigen. "Diese Organisation ist
       der beste  Beweis für  die ungebrochene  internationale Tradition
       der beiden  großen Arbeiterbewegungen,  die nur  gemeinsam - aber
       auch in  kritischer Solidarität mit den neuen Friedensbewegungen,
       die sich oft gegen die erstarrten Fronten der pluralistischen Ar-
       beiterbewegung richten  - die  Gefahr eines  atomaren  Konfliktes
       verringern und  ausschalten können",  meinte  zur  Eröffnung  Dr.
       Franz Hehler  als Vertreter  des österreichischen  Ministers  für
       Wissenschaft und Forschung, Heinz Fischer.
       Für Marx  und Engels konnten trotz der internationalistischen Lo-
       sung der  I. Internationale  "Proletarier aller Länder, vereinigt
       Euch!" Kriege  noch als Geburtshelfer der Revolution gelten. Marx
       stand auch der 1868 zum erstenmal auftauchenden Idee des General-
       streiks als  Mittel der  Kriegsverhinderung skeptisch  gegenüber.
       1914, nach  dem Eindringen  nationalistischer Ideen in die damals
       noch ungeteilte  2. Internationale  der  Arbeiterbewegung,  zogen
       vielerorts auch  Arbeiter mit  Begeisterung in den Krieg - in na-
       hezu allen  Staaten. Aber  diese Internationale  war dennoch  vor
       1914 und für viele auch noch gegen Ende dieses Krieges eine wich-
       tige Hoffnung  der arbeitenden  Menschen für  die Sicherung  bzw.
       Wiederherstellung des  Friedens. Erst  den russischen Kommunisten
       mit Lenin  gelang es,  ihr Land  unter großen  Opfern aus  dem I.
       Weltkrieg  herauszuholen.  Die  dann  gegründete  Dritte  (kommu-
       nistische) Internationale  (Komintern) war  zwar, wie in Linz der
       Niederländer Wim  Pelt betonte,  zur Führung  der  Weltrevolution
       gegründet worden  und nicht zum Friedenskampf, aber auch in ihren
       frühen Jahren  gab es  nie eine  Strategie, die  imperialistische
       Kriege als  Beginn und  Voraussetzung für eine an ihrem Ende ste-
       hende Revolution  herbeigewünscht hätte.  In den zwanziger Jahren
       ging die  Politik der Komintern noch davon aus, daß imperialisti-
       sche Kriege  nur hinausgezögert  werden könnten (zuletzt waren es
       die Chinesen,  die in  unseren Tagen von der These der Unvermeid-
       lichkeit des  Krieges abgerückt sind). Der VII. Komintern-Kongreß
       kam 1935  "zu dem  Schluß, daß  es möglich ist, einen Krieg nicht
       nur zu  verzögern, sondern  unter bestimmten  Bedingungen auch zu
       verhindern" (Schirinja/SU  und Schumacher/DDR  1983 in Linz). Vor
       dem Hintergrund  solcher historischer  Lernprozesse gewinnt  eine
       Politik wie  die der  "friedlichen Koexistenz" Tiefe und histori-
       sche Legitimation,  weil sie  auf die  Auseinandersetzung mit  so
       vielen anderen Positionen verweisen kann.
       Nicht weniger spannend als das Friedensthema war das 1984er Kolo-
       nialismus-Thema. Die  ITH hatte dieses Thema nicht zuletzt deswe-
       gen gewählt, weil sie auch für die Arbeiterbewegungsforschung den
       klassischen Eurozentrismus  überwinden und sowohl Themen als auch
       Teilnehmer aus  anderen Kontinenten  einbeziehen will. Ist dieses
       Motiv an sich schon wichtig genug, so gilt dies noch mehr für das
       Thema des  Kolonialismus. Echter  Internationalismus ist nur mög-
       lich, wenn  auch der Kolonialismus in den Köpfen (der lange genug
       auch bei Teilen der Arbeiterbewegung herrschte) überwunden ist.
       Nebeneffekt waren  gewisse fast  exotische Züge: Daß Chinesen als
       Tagungsgäste kamen,  war völlig  neu, und genauso interessant wie
       ihre Papiere  war ihr  Versprechen, sich  dem  wissenschaftlichen
       Austausch jetzt  wieder mehr  widmen zu  wollen. Vietnamesen  und
       (allerdings schon  häufiger) Japaner  waren ebenfalls Gäste. Kon-
       troversen, die  dann etwa  über die  chinesische Politik  im Jahr
       1939 ausgetragen wurden, waren dennoch weitgehend Sache der Euro-
       päer. Auch  die Sprachbarrieren  führten trotz dreisprachiger Si-
       multanübersetzung zu kleineren Schwierigkeiten.
       Der Ost-West-Konflikt,  nie aus  diesen Veranstaltungen herauszu-
       halten, schlug  sich beim  Kolonialismus-Thema in  einer gewissen
       Vorliebe für  Kritik an  Komintern-Politik nieder.  Helmut Gruber
       (New York)  provozierte mit  einer antikommunistisch inspirierten
       Auseinandersetzung mit der (gewiß auch damals nicht widerspruchs-
       freien)  Komintern-Haltung  zur  Negerfrage  in  den  USA.  Josef
       Schleifstein kommentierte, indem er auf die von Gruber angewandte
       voluntaristische Methode  hinwies: Zu allen Zeiten sei alles mög-
       lich -  diesen Eindruck müsse man nach diesem Referat haben. Gru-
       ber erwarte  von der  Komintern zu viel. Schließlich habe sie den
       Negern gegenüber  völlig ohne jede Erfahrung begonnen, ohne diese
       aber gebe  es keine  Theorie. Aus  der Perspektive  der  späteren
       schwarzen Massenbewegung  heraus könne  man die  frühere  Politik
       nicht kritisieren.  Außerdem vergleiche  er bei  seinem ahistori-
       schen Zugang nicht mit anderen Positionen: Was habe denn etwa die
       Sozialdemokratie zur gleichen Zeit in solchen Fragen für eine Po-
       litik vertreten?
       Überhaupt fällt  auf, daß überwundene Positionen sozialdemokrati-
       scher Politik viel gelassener hingenommen werden als bei den Kom-
       munisten. Daß  sozialdemokratische  Parteien  und  Gewerkschaften
       prokolonialistische Politik  in der  Zwischenkriegszeit rechtfer-
       tigten - das wurde in einigen Referaten gesagt, war aber kaum Ge-
       genstand der  Diskussion, noch viel weniger des Vorwurfes. Und in
       der einschlägigen  allgemeineren Literatur  werden  entsprechende
       Positionen meist schamhaft verschwiegen. In Linz mußten Sozialde-
       mokraten ihre  eigene Geschichte viel seltener rechtfertigen bzw.
       kritisch reflektieren als die Kommunisten.
       Deutlich wird  bei einem Thema und einer Konferenz wie dieser die
       ungeheure Kompliziertheit  der einschlägigen  Prozesse. Ein  Bei-
       spiel aus  Frankreich: Wenn man, wie die Volksfront im Frankreich
       der zweiten  Hälfte der dreißiger Jahre, Angst davor hat, daß wie
       in Spanien  ein Militär-Coup  aus der Kolonialarmee den einheimi-
       schen Reaktionären  zur Macht  verhilft, dann kommt es dazu, daß,
       um die  Kolonialarmee zu  beschwichtigen, auch  ein Kommunist wie
       Maurice Thorez von der "zivilisatorischen Mission Frankreichs" in
       Nordafrika  spricht.   Mit  Recht  warnte  daher  Irwin  M.  Wall
       (Kalifornien) vor moralisierenden Interpretationen. Damit Vietnam
       nicht in  den Einflußbereich  der USA  gerät, hat z. B. auch nach
       1949 die  KPF gezögert,  offen die völlige Loslösung Vietnams von
       Frankreich zu  fordern (und  vorher drohte der japanisch-deutsche
       Einfluß).
       Im Vergleich  zu solchen  weltpolitischen Problemen  war etwa die
       Frage der  Wanderarbeiter in Südafrika, der dortige Siedler-Kolo-
       nialismus und  die Allianz  von Gold  und Mais  zur Sicherung der
       Herrschaft (über  die Susanne  Riveles, USA, berichtete) ein eher
       "klassisches" Thema der Arbeiterbewegungsgeschichte. Und der Kon-
       flikt Neuseelands  mit seinem Treuhandgebiet Samoa (Herbert Roth,
       Auckland), die  Entwicklung der indischen Arbeiterbewegung (Horst
       Krüger, DDR)  ebenso wie  zahlreiche andere Referate über die Ar-
       beiterbewegung mancher  Länder  gaben  neue  Informationen,  ohne
       gleich zu heftigen Debatten zu provozieren.
       Mit Themen  dieser Art  traten Afrika  und andere  Kontinente als
       Subjekte und nicht nur als Objekte auch der Geschichte der Arbei-
       terbewegung ins  Blickfeld. Das  bringt neue offene Probleme wis-
       senschaftlich-analytischer Art  mit sich,  die freilich noch kaum
       andiskutiert sind,  auch in  Linz. Kann  man sich  z. B.  auf die
       A r b e i t e r bewegung,   im engeren  Sinne in  den  kolonialen
       Ländern so  intensiv konzentrieren?  Muß man  nicht  sehr  großes
       Gewicht auf  die Situation dieser Arbeiterbewegung im Kontext der
       übrigen nationalen  und sozialen  Bewegung dieser  Länder legen -
       nicht  nur,   um  die  Bedeutung  der  Arbeiterbewegung  für  die
       Befreiungsbewegung einschätzen  zu können,  sondern auch, um ihre
       Entwicklungsbedingungen beschreiben  zu können (und das hat Rück-
       wirkungen auf  die Interpretation  der europäischen Arbeiterbewe-
       gungen: Müssen  wir nicht auch sie stärker im Kontext der Gesamt-
       entwicklung einer Gesellschaft und ihrer Organisationen sehen?).
       Ein anderes  Problem: Historisch-materialistische Analysen, viel-
       fach auch  heute noch  einem mehr  oder  weniger  linearen  Fort-
       schrittskonzept verpflichtet,  können  die  Entwicklung  und  die
       Identitätssuche ehemals  kolonialer Völker  leicht  auf  ähnliche
       Weise paternalistisch  bevormunden wie  einst  bürgerliche  Fort-
       schritts-Konzepte.  Das  Spannungsverhältnis,  das  zwischen  der
       (auch für  einen wirklichen Internationalismus notwendigen) Tole-
       ranz anderen  Kulturen gegenüber und der Traditionen des eurozen-
       trisch-evolutionistischen Denkens  auch in der Linken besteht 2),
       wurde freilich bei dieser Konferenz nur angeschnitten, nicht dis-
       kutiert. Der  Befreiungsprozeß (auch  der soziale und kulturelle)
       muß von  den Völkern  selbst ausgehen,  betonte ein Vertreter aus
       Kamerun. Das  müssen auch  die  Historiker  der  Arbeiterbewegung
       (denen dies abstrakt gewiß klar sein dürfte) nachvollziehen.
       Auch Bruno  Kreisky: Auf  einer Festveranstaltung in Linz schlägt
       er vor, die westliche Welt solle, statt die dritte Welt mit ihrem
       Bank- und Schuldensystem von sich abhängig zu machen (und am Ende
       unter Krisen  die Schulden  der zahlungsunfähigen Länder doch als
       Verluste abzuschreiben),  ein großes internationales Subventions-
       programm zur  Entwicklung der Infrastruktur von Eisenbahnen, Was-
       serversorgung und Telekommunikation auflegen. Ob damit nicht aber
       auch die Entwicklung einer den Industriestaaten genehmen (und für
       sie vorteilhaften)  Struktur avisiert  ist, auf diese Frage wurde
       in einer  späteren Diskussion  hingewiesen. Immerhin - besser als
       Rüstung wäre  es allemal.  Und die  mit dieser verbundenen Fragen
       werden die Historiker der Arbeiterbewegung sicher auch in Zukunft
       noch Öfter beschäftigen.
       
       _____
       1) Mit uns  zieht die  neue Zeit.  Arbeiterkultur  in  Österreich
       1918-1934. Wien 1981.
       2) Vgl. Traugott  Schöfthaler, Kultur  in der Zwickmühle, in: Das
       Argument 139 (1983), S. 333-347.
       

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