Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       GLOBAL DENKEN - VOR ORT HANDELN?
       ================================
       
       Zu einigen Auswirkungen der globalen Probleme auf die BRD
       ---------------------------------------------------------
       
       Hermann Bömer
       
       1. Radikalisierung  der Probleme  - 2. Strategische Antworten der
       Konservativen -  3. Strategiebildung in der Sozialdemokratie - 4.
       Grüne Positionen  zu globalen Problemen - 5. Antworten der Marxi-
       sten - eine Skizze
       
       Die wissenschaftlich-technische Revolution eröffnet ein zunehmend
       größeres Maß  an  technischen  und  ökonomisch-gesellschaftlichen
       Möglichkeiten,   O p t i o n e n.  Dies gilt sowohl bezüglich der
       Variation von  Reproduktionstypen innerhalb einer Nation als auch
       in globalem  Maßstab. Damit steigt die Bedeutung der bewußten po-
       litischen Entscheidung  und Planung  bei der Wahl von technischen
       und gesellschaftlichen Entwicklungsvarianten. 1)
       Welche Optionen wahrgenommen v/erden, hängt von den gesellschaft-
       lichen Entwicklungsgesetzen  und den Kenntnissen ab. Als Ergebnis
       dieser gesellschaftlich  determinierten Optionswahl  bildet  sich
       ein  S y s t e m  v o n  P r o d u k t i v k r ä f t e n  heraus,
       deren einzelne   E l e m e n t e   (natur-  und  ingenieurwissen-
       schaftliche Funktionsprinzipien) durchaus objektiv und unabhängig
       von den  gesellschaftlichen Zielbestimmungen  sind, deren    G e-
       w i c h t u n g  innerhalb des Systems der Produktivkräfte jedoch
       durch  die  Gesellschaftsordnung  und  ihre  konkrete  Ausprägung
       bestimmt wird.  Als Beispiel  mag das  Verkehrssystem dienen. Die
       Aufteilung zwischen  öffentlichem und individuellem Personen- und
       Güterverkehr hängt  im Kapitalismus von den Verwertungsinteressen
       des Kapitals,  speziell der  Automobilindustrie, ab. Dabei können
       (und sind)  die  einzelnen  Elemente  dieses  Systems  (z.B.  die
       modernen Straßenbahnen, das Intercity-System, die neueste PKW-Ge-
       neration) höchst  modern und  (teilweise) rationell,  während das
       Gesamtsystem sehr  aufwendig und  vor allem umwelt- und stadtzer-
       störend ist.  Dagegen wird im Sozialismus die Masse des Personen-
       und Güterverkehrs  mit öffentlichen  Verkehrsmitteln abgewickelt.
       Obwohl die  Einzelsysteme oftmals aufgrund der relativen Trägheit
       bei der  Einführung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts
       noch rückständig  sein mögen und deshalb unbedingt verbesserungs-
       würdig sind,  ist die Struktur dieses Verkehrssystems der Tendenz
       nach progressiv.
       Interessant ist,  daß selbst  im Kapitalismus das System der ver-
       kehrlichen Produktivkräfte  unterschiedlich ausgeprägt  ist (vgl.
       z.B. die USA und die Niederlande!), was neben geographischen Fak-
       toren auch  als historisches  Resultat des Klassenkampfes um mög-
       lichst rationelle  Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft bzw.
       der Umwelt begriffen werden muß. Starke Gewerkschaften der Eisen-
       bahner und  des öffentlichen  Dienstes, die sich zugleich mit der
       Umweltschutzbewegung verbünden, werden letztlich ein anderes Ver-
       kehrssystem durchsetzen,  als es  sich  ohne  diesen  Druck  ent-
       wickelt.
       Auch  bezüglich   der     k o n k r e t e n      w e l t w i r t-
       s c h a f t l i c h e n   S t r u k t u r e n   sind  alternative
       Varianten,  alternative   Reproduktionstypen  denkbar  und  heute
       dringend erforderlich,  um eine  weitere Zuspitzung  der globalen
       Probleme zu  verhindern.  Das  Konzept  der  "globalen  Probleme"
       behauptet, daß  dies nicht  nur den  Interessen  der  Völker  der
       Dritten  Welt,   sondern  auch   den   Überlebensinteressen   der
       nichtmonopolistischen Klassen  und Schichten der kapitalistischen
       Metropolen und dem Sozialismus dient.
       
       1. Radikalisierung der Probleme
       -------------------------------
       
       1.1 Das Kriegsproblem
       ---------------------
       
       Zwar ist  es richtig, die wachsende Gefahr eines Krieges mit Mas-
       senvernichtungsmitteln als  globales Problem  Nr. 1  zu behandeln
       und alle  Kräfte auf dessen Verhinderung zu konzentrieren. Es ist
       aber dringend  erforderlich, die gestiegene Aggressivität des US-
       Imperialismus nicht  nur aus  den großen  Profitchancen heraus zu
       erklären, die  diese neue  Aufrüstungs- und  Kriegsvorbereitungs-
       welle der  USA und - in etwas abgeschwächter Form - der NATO-Ver-
       bündeten und Japans für die Konzerne des Rüstungs- und High-Tech-
       Kapitals eröffnen.  Vielmehr möchte  ich darauf  insistieren, daß
       die Haupttriebkraft  darin besteht,  daß  die  derzeit  führenden
       Kreise des  US-Imperialismus beinahe  verzweifelt versuchen,  den
       dramatisch anwachsenden globalen Problemen und der wachsenden Be-
       reitschaft der  Völker der  3. Welt, eine progressive Antwort und
       Lösungsstrategie für  ihre verzweifelte  Lage zu suchen und dafür
       alles zu geben (wie sonst kann man die Opferbereitschaft z.B. der
       Völker Nicaraguas  und El  Salvadors begreifen,  endlich ihre Ge-
       schicke in die eigene Hand zu nehmen bzw. in ihr zu halten?), mit
       ihrer militärischen Macht zu begegnen. Diese Grundthese ist nach-
       zulesen in dem Dokument AirLand Battle 2000, in dem es heißt: "Am
       Anfang dieser  Studie stand eine Betrachtung darüber, wie die Um-
       welt voraussichtlich  beschaffen sein  wird und welche Trends bis
       zum 21.  Jahrhundert hinein anhalten dürften. ... Einer der wich-
       tigsten Trends  seit den  50er Jahren  besteht im  Wandel in  der
       wirtschaftlichen und  politischen Vielfalt der Welt. ... Im Jahre
       2000 werden  Staaten aus  der Dritten Welt, Industriekartelle und
       regionale Staatenblöcke eine noch größere Rolle spielen.
       Die Knappheit  der Ressourcen  macht sich über alle Staatsgrenzen
       hinweg einschränkend bemerkbar. Kobalt beispielsweise ist lebens-
       wichtig für  die Herstellung von Düsentriebwerken. Die USA impor-
       tieren 93  Prozent ihres Kobalts. Wir sind auf viel mehr Gebieten
       als nur beim Öl erpreßbar. Wir nähern uns einer wahrhaft interna-
       tionalen Wirtschafts- und Ressourcenwelt...
       Ein weiterer Trend, der die militärische Planung berührt, ist die
       weltweite Verstädterung.  Sie hat  zu stark  diversifizierten Le-
       bensweisen geführt.  Viele Länder  sind auf diesem Wege zu infor-
       mierten Gesellschaften  geworden. Die Bevölkerung, die in Städten
       lebt, hat leichter Zugang zu den Problemen und kann leichter mas-
       senhaft beeinflußt  werden. Die  sozialen Wertvorstellungen eines
       ländlichen Milieus  sind traditionsverhafteter, patriotischer und
       konservativer als  jene eines urbanen Milieus ... Insgesamt gese-
       hen zeigen  die Umwelttrends,  daß die Hauptprobleme der Welt mit
       der Verteilung und Kontrolle von Ressourcen zusammenhängen ...
       Wir müssen fähig sein, überall zu kämpfen, ... den Krieg zu Lande
       zu gewinnen,  um in die Lage zu kommen, einen vorteilhaften Frie-
       den auszuhandeln ..." 2)
       Der Versuch  der USA,  ihren militärischen Handlungsspielraum ge-
       genüber den  Befreiungsbewegungen, der nach der historischen Nie-
       derlage in  Vietnam 1975 erheblich eingeschränkt war, wiederzuge-
       winnen  u n d  z u  n u t z e n,  erklärt die rasante Modernisie-
       rung der  konventionellen  Streitkräfte,  die  Installierung  der
       "Schnellen Eingreiftruppe", den Ausbau des Stützpunktsystems z.B.
       in der  Karibik sowie, entsprechend dem Konzept der "horizontalen
       Eskalation", die  riesigen Rüstungsanstrengungen,  um  die  Erst-
       schlags- und  Kriegführungsfähigkeit gegenüber der Sowjetunion zu
       erreichen.
       Damit wird  die Welt andauernd am Abgrund des großen Krieges ste-
       hen. Dies  gilt um  so mehr,  als die  dramatische Zuspitzung der
       Lage der  Völker  der  3.  Welt  permanente  Revolten,  Umstürze,
       tatsächliche progressive  Umwälzungen und  zugleich  militärische
       Versuche, diesen  "Gang der Geschichte" aufzuhalten, hervorbringt
       und noch  stärker hervorbringen  wird. Damit  wächst jedoch immer
       zugleich die Gefahr eines Zusammenstoßes der USA und der UdSSR.
       
       1.2 Radikale Verschlechterung der Lage der Länder
       -------------------------------------------------
       der 3. Welt seit Beginn der 80er Jahre
       --------------------------------------
       
       Der Eintritt des kapitalistischen Weltsystems in seine nach 1929-
       1933 größte  Krise ab Mitte der 70er Jahre und deren Verschärfung
       seit Beginn der 80er Jahre haben die Gesamtlage der Länder der 3.
       Welt enorm verschlechtert. In der kubanischen Studie 3) wird die-
       ser Rückschlag  bereits ausführlich  und der Tendenz nach korrekt
       erfaßt, während  die Globalismusdiskussion,  soweit sie  auf  der
       Grundlage der  Studie Global  2000   4) erfolgte,  den  radikalen
       Trendbruch seit  1981 noch  gar nicht  erfassen konnte. Tabelle 1
       wirft ein Schlaglicht auf diese veränderte Situation.
       
       Tabelle 1:
       Anteile der Ländergruppen an den Weltexporten 1960/1970/1981/1984
       (in %)
       
       Ländergruppe            Welt insgesamt 1)    Nur kapital. Welt 2)
                               1960  1970  1980     1972  1981  1984
       
       Kapit. Industrieländer  66,8  71,0  63,1       75    66    70
       Ölländer                 7,5   6,7  16,9        7    16    10
       Nichterdöl-
       Entwicklungsländer      14,2  11,3  11,2       18    18    20
       Soz. Länder             11,7  10,6   8,9
       _____
       Quellen: 1.  F. Castro.  ...wenn wir  überleben wollen, a.a.O. S.
       68.
       2.) L. Julitz, Der Welthandel im Umbruch. Die Industrieländer ho-
       len wieder auf. FAZ, 27. 4. 1985.
       
       Faßt man  die Gruppe  der 3.  Welt-Länder zusammen,  so wird  der
       große Rückschlag seit 1981 deutlich. Die erneute Stärkung der Po-
       sitionen des  Imperialismus seit 1981 signalisiert, daß die große
       Krise der  Kapitalverwertung, die auch die Metropolen erfaßt hat,
       zu einem  Großteil auf die Entwicklungsländer (EL) abgewälzt wor-
       den ist,  speziell auf  die Rohstoffproduzenten.  Der Exporterlös
       der OPEC-Länder  z.B. reduzierte  sich von 300 Mrd. Dollar (1980)
       auf 167  Mrd. Dollar  (1984). 5)  Die Preise für Rohstoffe gingen
       seit 1981 insgesamt drastisch zurück (Tab. 2). 6)
       
       Tabelle 2:
       Preisniveau für  Gold, Erdöl und Rohstoffe insgesamt, Index, 1980
       = 100
                               1981   1982   1983   1984
       Gold, London            75,0   61,3   69,3   58,8
       Erdöl 1)                94,8   88,0   78,9   75,8
       Rohstoffe insgesamt 2) 106,5  101,2   92,6   90,7
       _____
       1) Rotterdamer Spotmarktpreise jeweils im Dezember.
       2) HWWA-Index.
       Quellen: Preisdaten  des Reuter-Dienstes, London, lfd; VWD NE-Me-
       talle, Eschborn, lfd. Aus: IPW-Berichte 5/1985, S. 55.
       
       Zwar nahm  1984 der Export der Nichterdölentwicklungsländer deut-
       lich zu.  Allerdings ist die Funktion dieser Exportüberschüsse zu
       sehen vor  dem Hintergrund  der seit 1970 rasant gestiegenen Aus-
       landsverschuldung der  EL (zwischen  1970 und 1984 haben sich die
       mittel- und  langfristigen Schulden  auf 895 Mrd. Dollar verzehn-
       facht!). 7)  Diese Exportüberschüsse  dienen  einzig  und  allein
       dazu, die  Zinsen an  die transnationalen Bankkonzerne zu zahlen,
       während die  Fähigkeit, überhaupt  Exportüberschüsse erzielen  zu
       können, auf  die Wirkungen  der brutalen  Austeritätsauflagen des
       internationalen  Währungsfonds   zurückzuführen  ist,   d.h.  auf
       schwere Rückschläge  in der inneren Entwicklung dieser Länder. Es
       muß ferner  darauf hingewiesen werden, daß die Bevölkerung in den
       EL von  3,449 Mrd.  (1982) auf  wahrscheinlich 4,871  Mrd. (2000)
       steigen wird und der Anteil der EL an der Weltbevölkerung in die-
       ser Zeit  von 75,5  Prozent (1982) auf 80,1 Prozent im Jahre 2000
       steigt (vgl. Tab. 3).
       
       Tabelle 3:
       Welt-Bevölkerungswachstum (in Mio.) Regionale Verteilung und Pro-
       gnose 1960/1982/2000
       
                            1960     %     1982     %     2000     %
       
       Welt             ca. 3000    100    4556    100    6082    100
       Entwickelte
       Regionen 1)      ca. 1000     33,3  1107     24,2  1211     19,9
       Unterentw.
       Regionen         ca. 2000     66,6  3449     75,8  4871     80,1
       _____
       1) Marktwirtschaftl. Industrieländer  und "Osteuropäische Staats-
       handelsländer"
       Quellen: Weltbank,  Weltentwicklungsbericht 1984,  Kennzahlen der
       Weltentwicklung, Tab.  19, S.  288; Sechster Bericht zur Entwick-
       lungspolitik der  Bundesregierung, BT-Drucksache  10/3028, S. 22;
       eig. Berechnungen.
       
       Ausdruck dieser  katastrophalen Entwicklung und Perspektiven sind
       die Ausbreitung  der Hungersnöte  in den EL, selbst in Schwellen-
       ländern wie Brasilien, sowie die Revolten, die sich hauptsächlich
       gegen die  Auswirkungen der IWF-Auflagen (Abbau der Lebensmittel-
       subventionen) richteten.
       
       1.3 Das Umweltproblem
       ---------------------
       
       Die wichtigsten Daten und Prognosen liegen mit der Studie "Global
       2000" vor  und brauchen  hier nicht noch einmal referiert zu wer-
       den. 8)  Allerdings muß  1985 hinzugefügt werden, daß Nachhaltig-
       keit und  Komplexität der Zerstörung der Naturgrundlagen der men-
       schlichen Gesellschaft  selbst in dieser Studie noch unterschätzt
       wurden. Für  den Zeitraum  1980-2000 wird z. B. eine Verringerung
       der Welt-Waldbestände  um 40% prognostiziert, wobei das Waldster-
       ben in  den hochentwickelten  Metropolen noch nicht erfaßt worden
       ist! Die  Problematik der  Bodenverseuchung wird in "Global 2000"
       hauptsächlich bezüglich der landwirtschaftlichen Böden - hier je-
       doch sehr  eindringlich und überzeugend - diskutiert, während das
       Problem der  Altlasten und  der "normalen" Bodenverschmutzung mit
       Chemikalien, Industrieabfällen  und Schwermetallen  als  Resultat
       einer 150jährigen  schwerindustriellen  und  beinahe  100jährigen
       chemieindustriellen Entwicklung noch am Rande behandelt wird.
       Vor diesem  Hintergrund nimmt  der Handlungsdruck in Richtung auf
       eine grundsätzliche  Neuorientierung der  Umweltpolitik zu. Diese
       gesellschaftliche Umbruchsituation geht einher mit widersprüchli-
       chen und  z.T. schmerzhaften  Neuorientierungsversuchen der Klas-
       senkräfte, speziell  auch der  Gewerkschaften, 9)  aber auch  mit
       großen Formierungsproblemen der herrschenden Klasse z.B. in West-
       europa, die  aus dem  wachsenden Widerspruch,  die Automobilindu-
       strie  und  -gesellschaft  als  beinahe  wichtigste  Kapitalanla-
       gesphäre weiter  zu hätscheln,  andererseits jedoch zunehmend mit
       ihrer zerstörerischen Wirkung konfrontiert zu werden, bisher kei-
       nen überzeugenden Ausweg gefunden hat.
       Da jedoch  im Gegensatz  zum Problem  der Massenarbeitslosigkeit,
       das möglicherweise  durch Entsolidarisierungsstrategien  in Rich-
       tung auf sog. 2/3-Gesellschaften über längere Fristen "gemanaged"
       werden kann, das Umweltproblem (ähnlich dem Kriegsproblem) gerade
       auch die Schichten in Bewegung bringt, die keinen täglichen Über-
       lebenskampf um  Arbeitsplätze und  Einkommen zu führen haben, ist
       hier mit  einem rasch  anwachsenden  u n d  d a u e r h a f t e n
       Triebkraftpotential für  systemkritische, grundsätzlich neuorien-
       tierte Gesellschaftsvorstellungen  zu rechnen,  auf das sich alle
       Klassenkräfte einzurichten haben (übrigens unabhängig von jeweils
       aktuellen Wahlergebnissen  der "Grünen"!). Die Konservativen, So-
       zialdemokraten und  teilweise auch die Grünen entwickeln Konzepte
       der "marktwirtschaftlichen  Abarbeitung" 10)  der Umweltprobleme,
       die i.d.R. durch aus Massenbelastungen (Waldpfennige) finanzierte
       Umweltreparaturinvestitionen  charakterisiert   sind.  Allerdings
       verschärft diese  Vorgehensweise die  "neue Armut",  d.h. die Le-
       benslage des schlechtversorgten Teils der Bevölkerung.
       
       1.4 Lebensweise, Zukunft der Arbeit und kultureller Fortschritt
       ---------------------------------------------------------------
       
       Immer offensichtlicher  wird, daß  die Menschheit aufgrund dieser
       Zuspitzung der globalen Probleme insgesamt tatsächlich "am Wende-
       punkt" steht,  daß somit  bei der  Konzeptionierung der Antworten
       auf diese  Situation immer dringlicher die Frage aufgeworfen wird
       nach einem  strategischen Gesamtentwurf,  der Antworten  auf  die
       Fragen nach  der Zukunft der Arbeit, der Lebensweise, des Mensch-
       Natur-Verhältnisses sowie  der Rolle der Befriedigung kultureller
       Bedürfnisse im  Gesamtsystem der  (selbstgestalt- und  planbaren)
       Bedürfnisentwicklung beinhaltet.  11) Dieses  Suchen findet statt
       unter den  Bedingungen eines weitgehend revolutionierten, radikal
       internationalisierten Systems der Kommunikationsinfrastruktur so-
       wie einer hochgradig von US-Konzernen monopolisierten Medien- und
       Kulturindustrie, so daß die internationalen Elemente bei der Kon-
       stituierung von  Bedürfnis- und  Motivationsstrukturen eine  noch
       niemals dagewesene Rolle spielen. 12)
       Diese sehr  knappe Skizze  der Zuspitzung  der globalen  Probleme
       führt hin  zu der  Frage, wie die unterschiedlichen Klassenkräfte
       in der  BRD ihre  Grundantworten aufbauen, wobei es dem Charakter
       der globalen  Probleme entsprechend eigentlich keine eigenständi-
       gen nationalen  Antworten gibt, sondern sich zunehmend die inter-
       nationalen Komponenten  der  Herausbildung  von  Politikvarianten
       verstärken. Bei der Formulierung von Alternativen, dem tatsächli-
       chen Ausbrechen  aus dem imperialistischen Verarbeitungsmechanis-
       mus spielt  allerdings zumindest für Länder mit der Größenordnung
       und einer entwickelten Produktivkraftstruktur wie der BRD die na-
       tionale Handlungsebene nach wie vor die entscheidende Rolle. "Vor
       Ort handeln"  muß sich  in erster Linie auf einen radikalen Bruch
       der Wirtschafts-,  Sozial-, Umwelt- und Außenpolitik auf nationa-
       ler Ebene beziehen. 13)
       
       2. Strategische Antworten der Konservativen
       -------------------------------------------
       
       Hier wird  nicht noch  einmal eine  Gesamtskizze dieser Antworten
       versucht, 14) sondern auf Aspekte eingegangen, deren Klärung erst
       in jüngster Zeit erfolgt ist.
       
       2.1 Radikalisierung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts
       -----------------------------------------------------------------
       
       Die seit Beginn der 80er Jahre beschleunigte Erhöhung der militä-
       rischen FuE-Ausgaben  der USA  soll einerseits  die  militärische
       Überlegenheit gegenüber der UdSSR zurückgewinnen und andererseits
       auf der  Grundlage der Hypothese von einer stärkeren zivilen Nut-
       zungsmöglichkeit militärischer Forschungs- und Entwicklungsergeb-
       nisse die  führende Position  im High-Tech-Sektor für die USA zu-
       rückerobern, die  sie unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg innehatte
       und die  ihr durch die massive staatsmonopolistische, zivilorien-
       tierte Entwicklung  der Hochtechnologien  in Westeuropa und Japan
       Schritt für  Schritt streitig  gemacht worden  ist. 15) Japan und
       Westeuropa antworten auf diese Offensive selbst mit einer radika-
       len Intensivierung der Modernisierungspolitik. Verlierer sind die
       Volksmassen in  den Metropolen selbst, die mit wachsender Massen-
       arbeitslosigkeit und  schnell voranschreitender  Umweltzerstörung
       bezahlen, und  die EL,  deren Volkswirtschaften  (bis auf  wenige
       Ausnahmen) diesen  Modernisierungsschub nicht  im gleichen  Tempo
       nachvollziehen können.  16) Widersprüchlich  ist die  Entwicklung
       insofern, als  diese Modernisierung  in den  USA nicht alle Wirt-
       schaftszweige gleichmäßig  erfaßt (und  wegen  der  militärischen
       Führungsfunktion ungleichmäßig erfolgen muß).
       
       2.2 Konzepte gegen den Zusammenbruch des internationalen
       --------------------------------------------------------
       Kreditgebäudes -IWF- und Bankenstrategie 17)
       --------------------------------------------
       
       Um die  Zinszahlungsfähigkeit der EL trotz der riesigen Verschul-
       dung aufrechtzuerhalten  (auf die  Rückzahlung der  Schulden wagt
       kaum noch  eine Bank  zu hoffen bzw. ist überhaupt daran interes-
       siert),     m ü s s e n    d i e    S c h u l d n e r l ä n d e r
       d a u e r h a f t  e i n e n  E x p o r t ü b e r s c h u ß  e r-
       z i e l e n,  der zu den Deviseneinnahmen führt, die sie dann für
       die Zinszahlungen  zu verwenden haben. Mit Brasilien (und Mexiko)
       ist diese  Rechnung von  1982 bis 1984 aufgegangen, wie Tabelle 4
       zeigt, allerdings auf Kosten einer brutalen Verelendung.
       Dieses Konzept impliziert, daß die Exportüberschüsse der erdölex-
       portierenden EL  (wie zwischen  1981 und 1984 bereits erfolgreich
       geschehen) drastisch  verringert werden  und die Mutterländer der
       transnationalen Bankenmonopole ein dauerhaftes Handelsbilanzdefi-
       zit akzeptieren.  Letzteres vergrößerte  sich  in  den  USA  auch
       tatsächlich, wenn  auch  unkontrolliert,  von  25,3  Mrd.  Dollar
       (1980) auf 123,3 Mrd. Dollar (1984), und schwächt dort diejenigen
       Industriezweige, die  nicht in  den Genuß  der militärisch inspi-
       rierten   Modernisierungspolitik    gelangen,   also   die   sog.
       "traditionellen Industriezweige". Von ihnen geht deshalb ein ver-
       stärkter Druck in Richtung Protektionismus aus.
       Da Westeuropa  - hier  insbesondere die  BRD -  und Japan  jedoch
       längst nicht  in diesem  Ausmaß an  der Aneignung des Bankprofits
       aus den  Entwicklungsländerkrediten beteiligt  sind wie  die USA,
       weil ferner  die (relativ) zivile technologische Aufholjagd West-
       europas und  Japans in den 60er und 70er Jahren gegenüber den USA
       eine relative  Breite in der Produktivkraftentwicklung garantiert
       hat, also die Stahl-, Automobil-, Konsumgüter- und Investi-
       
       Tabelle 4:
       Wirtschaftsdaten für Brasilien 1980-1984 (in Mrd. US-Dollar)
       
                            1980   1981   1982   1983 1) 1984 2) 1985
       Ausfuhr              20,1   23,3   20,2   21,8    27,0     -
       Einfuhr 3)           22,9   22,1   19,4   15,3    14,0     -
       Handelsbilanz        -2,8   +1,2   +0,8   +6,5   +13,0     -
       Leistungsbilanz     -12,8  -11,7  -14,7   -7,5    -0,5     -
       Auslandsver-
       schuldung 4)         53,8   61,4   70,2   83,5 ca. 100     -
       Auslandsschuldzinsen  6,3    9,1   11,3   10,4     -      12,0
       Arbeitslose (in Mio.) -      -      3,1 5) 6,4 6)  -       -
       Unterbeschäf-
       tigte (in Mio.)       -      -     6,1 5) 12,5 6)  -       -
       BIP 7) (in %)         -     -1,9   +1,4   -3,9    +4,0 (BSP)
       Industrieprod. (in %) -     -5,4   +1,2   -7,9      .
       Inflationsrate (in %) -      -     99,7 ca. 200  224   430-550 8)
       _____
       1) geschätzt
       2) M. Gester, FAZ 28.1.1985
       3) Ein großer Teil des Importrückganges resultiert aus geringeren
       Ölimporten (Steigerung der Eigenproduktion und der Alkoholproduk-
       tion auf landw. Basis) und Ölpreisen
       4) mittel- und langfristig
       5) Statistisches Bundesamt, IBGE
       6) Gewerkschaftskreise, DIEESE
       7) BfA/NfAv. 26.1.984
       8) Dez. '84/Jan.  '85, aufs  Jahr umgerechnet  (M. Gester, FAZ v.
       28.1.1985)
       
       Quellen: Anbid  (Verband der brasilianischen Investitionsbanken);
       Mitteilungen der Bundesstelle für Außenhandelsinformation (BfAI),
       Jan. 1984,  Brasilien (Autor:  Georg Seitz);  M. Gester,  FAZ  v.
       28.1.1985.
       
       tionsgüterindustrie nicht  veraltet ist,  bleiben sie Nettoexpor-
       teure. So ist die EG-Stahlindustrie z.B. nach wie vor Nettoexpor-
       teur (1983:  17,3 Mio.  Tonnen  direkter  Stahlexportüberschuß!).
       Dies war  unter anderem  wegen der kartellmäßigen Abschirmung des
       EG-Stahlmarktes nach  außen sowie einer breiten, staatlich finan-
       zierten Modernisierung  dieses Industriezweiges  möglich, die den
       Regierungen aufgrund  der weitgehend  sozialdemokratischen Regie-
       rungskonstellationen in der EG bis zu Beginn der 80er Jahre abge-
       trotzt werden  konnten. Die  hierfür  notwendigen  Finanzierungs-
       spielräume sind  zumindest bislang  in der BRD vorhanden gewesen,
       weil (im  Gegensatz zu  den USA und teilweise auch zu Frankreich)
       der Rüstungssektor noch nicht eine derart dominante Stellung ein-
       genommen hat.
       Als Folge  dieser Widersprüche  verlangen die  USA von  Japan und
       Westeuropa eine neue GATT-Runde, in der die Zollschranken für Wa-
       ren aus den Entwicklungsländern und den USA, speziell auf den Ag-
       rar-, (und für Westeuropa) Energie- und Stahlmärkten niedergeris-
       sen werden sollen.  D. h .,  d i e  U S A  w o l l e n  n i c h t
       a l l e i n e   d i e    L a s t e n    d e r    A u f r e c h t-
       e r h a l t u n g     d e r    Z i n s z a h l u n g s f ä h i g-
       k e i t  d e r  E n t w i c k l u n g s l ä n d e r  t r a g e n.
       Stattdessen wollen  sie ihre  Agrarexporte in die EG erhöhen (und
       die heruntersubventionierten EG-Agrarexporte liquidieren), was in
       Westeuropa  über   die  Agrarpreissenkungen  zu  einem  radikalen
       "Bauernlegen"  führen  wird.  Der  Steinkohlenbergbau  soll  nach
       Planungen der  EG um  ein Drittel  reduziert werden,  um die  EG-
       Steinkohlenimporte (aus den USA) zu erhöhen; schließlich soll der
       EG-Stahlprotektionismus beseitigt  werden, der  dazu  führt,  daß
       z.B. Schuldnerländer  wie Brasilien  ihre Stahlexporte hauptsäch-
       lich auf die USA konzentrieren (vgl. Schaubild 1).
       
       2.3 Risiken
       -----------
       
       Einerseits basiert dieses Konzept des Bündnisses zwischen dem Fi-
       nanz-und High-Tech-(Rüstungs-)Kapital  auf der  Verstetigung  des
       Aufschwungs in  den USA,  da eine  Stagnation bzw. eine Krise bei
       Aufrechterhaltung der  Rüstungsexpansion das Haushaltsdefizit der
       USA würde  weiter explodieren lassen. Zugleich müßte der Zinssatz
       erneut angehoben  werden, um trotz wachsender Risiken den Kapita-
       limport der USA weiter zu steigern. Eine Rezession würde es ande-
       rerseits unmöglich  machen, daß die Exportüberschüsse der vom IWF
       "sanierten" Schuldnerländer,  also Brasilien,  Mexiko usw.,  auf-
       rechterhalten werden  könnten. Die Zinszahlungsfähigkeit wäre er-
       neut in  Frage gestellt.  Zum Massenelend, das die brutale Aufla-
       genpolitik des IWF vermittels des Schrumpfens des inneren Marktes
       dieser Länder  bereits erzeugt  hat, träte  ein Rückschlag in der
       Exportwirtschaft; zugleich  würden sich  die  protektionistischen
       Tendenzen in  den USA selbst verstärken. Worin besteht der Ausweg
       aus diesem sich schürzenden Widerspruchsknoten?
       Unterstellt man  nicht ein  allgemeines Interesse  "der USA" bzw.
       "der kapitalistischen  Metropolen" an  der Überwindung der Krise,
       sondern ein  Expansionsinteresse der  führenden Bank-  und  Indu-
       striekonzerne - und dies ist bekanntlich auch in der Krise reali-
       sierbar, und  zwar durch die Zentralisation von Kapital, d.h. Fu-
       sionen, Firmenaufkäufe  usw. - sowie das Interesse dieser Eliten,
       diesen Prozeß  politisch, ökonomisch  und militärisch  unter Kon-
       trolle zu  halten, so  ist nur folgende Lösung denkbar: eine neue
       Direktinvestitionsoffensive in  die EL,  allerdings heute  in der
       spezifischen Form,  daß die  langfristigen Schulden der EL in Be-
       teiligungskapital der  Multinationalen Konzerne  an dem National-
       vermögen dieser Länder umgewandelt werden, Dies bedeutet z.B. die
       Privatisierung der  Staatskonzerne dieser  Länder sowie die Über-
       nahme von (hochverschuldeten) Unternehmen, die sich zur Zeit noch
       in den  Händen der nationalen Bourgeoisie oder der Staaten dieser
       Länder befinden.  Politisch führt dies zur Vernichtung der ökono-
       mischen Existenzgrundlagen der nationalen Bourgeoisie dieser Län-
       der, verstärkt  den Nationalismus  und eröffnet  theoretisch  ein
       Bündnis von  nationaler Bourgeoisie  und den progressiven Kräften
       gegen die  Fortsetzung der  Ausplünderung der  EL, erzwingt letz-
       tendlich ein  Schuldnerkartell und damit einen politisch-ökonomi-
       schen Sperriegel gegen die weitere Degradierung der EL! Soll die-
       ser Kurs  der Unterwerfung  dennoch aufrechterhalten werden, wird
       er in  Zukunft zunehmend  mit militärischen  Mitteln  abgesichert
       werden müssen. Zugleich müssen die Entspannungspolitik, der Nord-
       Süd-Dialog sowie  die UNO  liquidiert werden.  Die Risiken dieses
       Kurses wiederum werden vor allem in Westeuropa die Suche nach ei-
       nem Ausweg aus dieser Zuspitzung intensivieren.
       
       Bild ansehen
       Schaubild 1:
       Welthandels- und Zahlungsungleichgewichte und die von den USA ge-
       wünschten Änderungen
       
       2.4 Ideologischer Geleitschutz
       ------------------------------
       
       Es liegt auf der Hand, daß man in den etwas aufgeklärteren Regio-
       nen des Weltimperialismus ein solches Konzept nicht in dieser Of-
       fenheit und Brutalität verkaufen kann. Folglich müssen einerseits
       Mechanismen installiert  werden, die  die Masse  der Menschen von
       diesen Problemen  ablenken -  dies ist  vornehmlich der durch die
       permanente Existenz  der Massenarbeitslosigkeit in Gang gehaltene
       Prozeß des die ganze Person verzehrenden täglichen Kampfes um das
       ökonomische und soziale Überleben. Dies gilt - wenn auch auf völ-
       lig unterschiedlichem Niveau - sowohl für die Metropolen als auch
       für die  EL. Zweitens  müssen der  aus der  Natur der Sache immer
       wieder sich entfaltende  G e d a n k e  u n d  d i e  P r a x i s
       d e r   S o l i d a r i t ä t   der Krisenopfer,  vor  allem  die
       nicht totzuredende  Kampfbereitschaft der  Arbeiterbewegung durch
       die Propagierung  und Praxis  des  W o h l f a h r t s g e d a n-
       k e n s   geschwächt werden.  Paradebeispiel für  diese  Art  der
       Ablenkung war  die Inszenierung  der Äthiopien-Kampagne  und  des
       sog. Afrika-Tages. 18)
       Schließlich müssen  für die  Jugend neue  Aufbruchsignale gesetzt
       werden. So  ist die  Rede von US-Präsident Reagan in Hambach (Mai
       1985)  offensichtlich  der  (untaugliche)  Versuch  gewesen,  den
       "amerikanischen Traum"  von einer  Welt der Reichen, einer Unter-
       nehmerwelt, die  den Sozialismus  "auf  den  Müllhaufen  der  Ge-
       schichte" wirft,  auch in  Westeuropa zu verankern. Wo dies nicht
       gelingt -  und dies  ist absehbar,  weil die  Linke in Westeuropa
       über viel  stärkere ideologische  Positionen verfügt  als in  den
       USA, die  Arbeiterbewegung nach wie vor eine starke, handlungsfä-
       hige Kraft darstellt 19) und die meisten Menschen den Sozialismus
       nicht mehr  für derartiges Teufelswerk halten, daß sie für dessen
       Liquidierung ihr Leben zu riskieren motiviert sind - ist die Kon-
       zeption der    N i c h t t h e m a t i s i e r u n g    angesagt.
       Dies bedeutet,  daß vor allem die Probleme der Länder der 3. Welt
       in einem  konservativen Zukunftsentwurf  einfach nicht auftauchen
       bzw. als  Erfindungen der  linken Intelligenz  abgetan werden. So
       heißt es  in dem  Gutachten der  Kommission "Zukunftsperspektiven
       gesellschaftlicher Entwicklungen",  die "Thesen über die drohende
       Ökokatastrophe, die  atomare Apokalypse,  die Grenzen  des Wachs-
       tums, die  Legitimations-, Motivations- und Fiskalkrise usw. sind
       selbst nur  wissenschaftliche Kreationen, deren Wirkung nicht nur
       warnend, sondern  auch  lähmend,  sich  'selbst  erfüllend'  sein
       kann." 20)
       Diese Nichtthematisierung  der globalen  Probleme muß einhergehen
       mit einer  ideologischen Kampagne, die Lebensfreude und Zukunfts-
       optimismus inmitten  des wachsenden Elends, wachsender Umweltzer-
       störung und  wachsender Kriegsgefahr erzeugt. Voraussetzung hier-
       für wiederum ist die Zurückdrängung des demokratischen Einflusses
       im kulturellen  Leben, der  sich in  der BRD  nach wie vor in den
       staatlichen und  kommunalen Einrichtungen  am meisten  Gehör ver-
       schaffen kann.  Die Privatisierung  der elektronischen Medien ge-
       winnt vor  diesem Hintergrund  eine eminent wichtige ideologische
       Funktion.
       
       2.5 Besonderheiten der Konservativen Westeuropas
       ------------------------------------------------
       
       In Westeuropa wächst auch in Kreisen der Konservativen, in Teilen
       der Monopolbourgeoisie,  die Erkenntnis,  daß die  bedingungslose
       Unterwerfung unter das Konzept der gegenwärtigen US-Globalstrate-
       gie äußerst  riskant ist, daß damit die guten Geschäftsperspekti-
       ven einer  langfristigen Zusammenarbeit  mit den  sozialistischen
       Ländern zerstört  werden und schließlich die Chance vertan würde,
       die eigene Position im Verhältnis zu den US-Monopolen noch weiter
       zu verbessern.  Allerdings ist dieses Konzept so lange nicht sehr
       tragfähig, wie es darüber hinaus keine neuen Kapitalanlagesphären
       erschließt. Es  ist auch  auch nicht mehrheitsfähig, solange eine
       realistischere Haltung  zu Fragen  der Außen- und Rüstungspolitik
       (etwa bei Genscher und Biedenkopf) mit einem rigiden Wirtschafts-
       liberalismus à la FDP gepaart ist.
       Als Quintessenz dieser Überlegungen zur konservativen Antwort auf
       die Zuspitzung  der globalen  Probleme komme ich zu dem Ergebnis,
       daß in  Westeuropa, speziell  jedoch in der Bundesrepublik, diese
       Kräfte kein  tragfähiges Konzept  haben, das  die Massenloyalität
       aufrechterhalten kann.  Um so  bedeutsamer ist deshalb die Frage,
       welche Strömung sich in der Sozialdemokratie durchsetzt.
       
       3. Strategiebildung in der Sozialdemokratie
       -------------------------------------------
       
       3.1 Die SPD bis zum Regierungswechsel 1982
       ------------------------------------------
       
       Es sind drei Politikbereiche mit engem Bezug zu den globalen Pro-
       blemen, in denen das SPD-Konzept der 70er Jahre scheitern mußte.
       a) Aufrüstungs-, Raketen-  und Entspannungspolitik waren und sind
       auf Dauer unvereinbar.
       b) In der   U m w e l t p o l i t i k   hat die SPD grundsätzlich
       versagt. Da die "Betonfraktion" bis in die 80er Jahre die Fiktion
       vom Gegensatz "Arbeitsplätze oder Umweltschutz" zur Leitlinie ih-
       rer Politik  gemacht hatte  (heute gibt  es  weder  genügend  Ar-
       beitsplätze, noch ist die Umwelt regeneriert), mußte sie auf die-
       sem Feld  scheitern. Die  Alternative hieß und heißt in Wirklich-
       keit: Expansionsinteresse des BRD-Kapitals auf dem Weltmarkt ver-
       sus Umweltschutz  und Sozialstaat! Je größer die Massenarbeitslo-
       sigkeit,  je   brutaler  der   Sozialabbau,   je   geringer   die
       (unproduktiven) Aufwendungen  für den Umweltschutz, desto günsti-
       ger die  (kurzfristigen) Expansionsmöglichkeiten der BRD-Monopole
       auf dem  Weltmarkt. (Als  "Untergrenze" taucht hier lediglich das
       Problem des "sozialen Friedens" auf.) Folgerichtig war damit auch
       die radikale  Ablehnung des "Verursacher"- und "Vorsorgeprinzips"
       und damit  der Strukturplanung  insgesamt verbunden.  Stattdessen
       beschränkte sich  Umweltpolitik auf Umweltreparatur auf der Basis
       des Gemeinlastprinzips  durch staatliche Finanzierung und Massen-
       belastungen. 21)
       c) Gegenüber den   L ä n d e r n   d e r  3.  W e l t  wurde auch
       unter der  sozialliberalen Koalition  die  Position  des  "freien
       Welthandels" vertreten,  d.h. bis  heute wie  eh und je das Recht
       des Stärkeren,  sich durchzusetzen,  sprich: den  transnationalen
       Konzernen maximalen  Handlungsspielraum zu gewähren. Folgerichtig
       wurde voll  mitgearbeitet  an  dem  Generalstabsplan  "Imperiali-
       stische Strategie  gegen die neue internationale Arbeitsteilung",
       22) d.h.  der Durchkreuzung des Anliegens der Länder der 3. Welt,
       eine radikale  Verbesserung ihrer  weltwirtschaftlichen  Position
       durchzusetzen. Man  beteiligte sich  schließlich  sowohl  an  der
       Auflagenpolitik des  IWF gegenüber  den Schuldnerländern als auch
       an der  ökonomischen Blockade  und  politischen  Isolierung  der-
       jenigen Entwicklungsländer,  die aus  diesem Ausbeutungszusammen-
       hang  ausbrachen   (Indochina,  Äthiopien,  Afghanistan,  Angola,
       Mocambique u.a.),  und setzte  alle Hebel in Bewegung, um auch in
       anderen  Ländern,   die  in  Bewegung  geraten  waren  (Portugal,
       Spanien, Griechenland, Frankreich), eine antikapitalistische Ent-
       wicklung zu verhindern.
       
       3.2 Parallelstrukturen: Der Bericht der sog. Nord-Süd-Kommission
       ----------------------------------------------------------------
       
       In relativ  krassem verbalem  Widerspruch zur Regierungstätigkeit
       von Sozialdemokraten  in Westeuropa  in den 70er Jahren wurde mit
       dem Bericht  der sog. Nord-Süd-Kommission 23) ein Konzept zur Lö-
       sung des  globalen Problems  "Unterentwicklung" vorgetragen,  das
       sich insofern  abhebt von der tatsächlichen Praxis, als es norma-
       tiv die   "g e m e i n s a m e n  I n t e r e s s e n"  von Indu-
       strie- und  Entwicklungsländern postuliert. Damit wird die Tatsa-
       che vernebelt,  daß es  Gewinner und Profiteure der Unterentwick-
       lung und der anderen globalen Probleme gibt, nämlich die transna-
       tionalen Industrie-  und Bankkonzerne  sowie die jeweils sich dem
       sozialen Fortschritt  entgegenstellenden Klassen  in den Entwick-
       lungsländern. Ich  habe das  anderenorts  schon  charakterisiert:
       "Die Nord-Süd-Kommission unterstellt, daß das Profitinteresse der
       transnationalen Konzerne auch befriedigt werden könnte, wenn eine
       gemeinsame Strategie  zur  Bekämpfung  der  Unterentwicklung  den
       Weltbinnenmarkt so erweitern würde, daß auch auf diese Weise aus-
       reichende Profitquellen und Absatzmärkte erschlossen werden könn-
       ten. Sie  berücksichtigt jedoch  nicht, zumindest nicht explizit,
       daß dies  eine Veränderung  der Machtverhältnisse  innerhalb  des
       Führungszentrums des  Imperialismus voraussetzt:  Einerseits  muß
       die Macht  des MIK gebrochen werden, müssen für die Belegschaften
       der Rüstungsindustrie zivile Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt
       werden; andererseits  ist die  Akzeptanz der Existenzberechtigung
       des Sozialismus zwingende Voraussetzung. Unter diesen Bedingungen
       könnte eine derartige Politik eingeschlagen werden, die jedoch in
       den Ausgestaltungen,  wie sie  von der Nord-Süd-Kommission vorge-
       schlagen werden, keine krisenfreie, wohl zunächst aber krisenver-
       mindernde Entwicklung garantieren würde." 24)
       Es  wird  also  das  Szenario  eines  großen    M a r s h a l l -
       P l a n s   für die  Dritte Welt  entworfen, der  im  Rahmen  des
       Kapitalismus neue  Wachstums- und  Anlagefelder erschließt und im
       Rahmen einer  Reformstrategie  den  armen  Ländern  bessere  Ent-
       wicklungsmöglichkeiten eröffnen soll. Dies ist ein Angebot an die
       realistischer  denkenden   Teile  der   Monopolbourgeoisie,  ihre
       Probleme der  Kapitalverwertung nicht  in Richtung  auf  Konfron-
       tation und Kriegsvorbereitung zu lösen.
       Alternativen zur Lösung der Verschuldungskrise, die unter Sozial-
       demokraten diskutiert  werden, sehen  statt einer Vergesellschaf-
       tung des  Bankenwesens eine  partielle Übertragung  der Zins- und
       Annuitätenlasten der  EL auf  die lohnabhängige  Bevölkerung  der
       Gläubigerländer vor,  indem sie über die hohen Wertberichtigungen
       der Banken  auf Entwicklungsländer-Kredite  die Steuerzahler  zur
       Kasse bitten (indirekte Sozialisierung der Verluste), indem zwei-
       tens die  Zinsspanne angehoben  wird, so  daß die  kleinen Sparer
       bzw. die  kleinen Kreditnehmer einen Teil des Risikos übernehmen,
       oder indem  drittens - so der Vorschlag von Hankel - die staatli-
       chen Entwicklungshilfeleistungen  erhöht und  teilweise  für  den
       Aufkauf von Bankforderungen zum Nominalwert, obwohl sie entwertet
       sind, verwandt werden (direkte Sozialisierung der Verluste). 25)
       
       3.3 "ökologische Modernisierung" und "sozial gesteuerte
       -------------------------------------------------------
       Innovation" - Ignoranz gegenüber der 3. Welt
       --------------------------------------------
       
       Die "ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft" in der
       SPD-Programmdebatte wird  als Investitionsschub  für qualitatives
       Wachstum begriffen, das "im Rahmen marktwirtschaftlicher Prozesse
       abgearbeitet werden" (solle). 26) Die Finanzierungsvorschläge für
       das Programm  "Arbeit und  Umwelt" der SPD (Belastung der Massen-
       einkommen durch  Waldpfennige und  Steuern) beweisen  in der Tat,
       daß es sich um ein Modernisierungsprogramm für den heutigen Kapi-
       talismus handelt.  "Die Adressaten  dieser  programmatischen  An-
       strengungen sind  Arbeiterklasse, Umweltbewegung und Monopolkapi-
       tal." 27)
       Das "Projekt  der Moderne"  von Peter  Glotz benutzt den Terminus
       "sozial gesteuerte  Innovation" zur Beschreibung der wirtschafts-
       politischen Konzeption.  28) Es geht im Kern um die "sozial abge-
       federte Modernisierung  und Weltmarktanpassung. Dabei soll im Ge-
       gensatz zur  Mehrheitsposition der konservativen Kräfte dem Staat
       eine initiierende  und steuernde  Rolle zukommen."  29) Kernpunkt
       dieser Wirtschaftspolitik  sind nach  Brosch/Saß die  ökologische
       Modernisierung, die  Arbeitszeitverkürzung (wobei die Integratio-
       nisten nicht  für vollen  Lohnausgleich plädieren) sowie eine Ex-
       pansion des Dienstleistungsbereichs nach US-Vorbild.
       Es  ist   nicht   zufällig,   daß   bei   Glotz   das   Stichwort
       "Entwicklungsländer" so  gut wie  nicht auftaucht.  Dies ist auch
       logisch, weil  eine aggressive  Weltmarktpolitik mit progressiver
       Entwicklungspolitik unvereinbar  ist. Entwicklungspolitik kann in
       diesem Konzept nur als "globale Sozialpolitik" globale Integrati-
       onspolitik darstellen,  nicht jedoch die Grundursachen der Unter-
       entwicklung bekämpfen.
       Eine schonungslose  und offene Charakterisierung des prokapitali-
       stischen Charakters  dieses erneuten  Versuchs der  SPD, sich als
       besserer Sachwalter  des Kapitalismus dem Großkapital anzubieten,
       ist erforderlich,  um die Frage zu beantworten, wie man "vor Ort"
       und in  den sozialen  Bewegungen arbeiten  muß, um einerseits die
       aktuellsten Bedrohungen  der Menschheit durch eine "Koalition der
       Vernunft" abzuwehren,  in der  die Sozialdemokraten  eine  unver-
       zichtbare Rolle spielen, also die reaktionärsten Kräfte zurückzu-
       drängen, um  zugleich aber die systemkritischen und antimonopoli-
       stischen Positionen in der BRD zu stärken.
       
       4. Grüne Positionen zu globalen Problemen
       -----------------------------------------
       
       Grüne Positionen  zu den  globalen Problemen  divergieren auf der
       Basis ihrer Fraktionierungen. Die Kritik an den Publikationen von
       A, Bechmann  30) und  an F.  Krause, H.  Bossel und K.-F. Müller-
       Reißmann 31)  z.B., die wohl eher den ökolibertären Flügel reprä-
       sentieren, 32) richtet sich darauf, daß die Autoren zwar vernünf-
       tige Vorschläge für eine rationelle Ressourcennutzung machen, je-
       doch marktwirtschaftlichen  Lösungsmechanismen den  Vorzug geben.
       Dieses Konzept  resultiert letztlich aus einer wenig durchdachten
       Kritik des realen Sozialismus sowie einer weitgehenden Unkenntnis
       der politischen Ökonomie. Z. B. wird nicht erkannt, daß die Ablö-
       sung des Konkurrenzkapitalismus durch den Monopolkapitalismus und
       schließlich den staatsmonopolistischen Kapitalismus kein rückgän-
       gig zu  machender, sondern ein unumstößlicher historischer Prozeß
       ist. So  ist es eine Illusion, darauf zu hoffen, daß man z. B. in
       der Energiewirtschaft  wieder mehr  "reine" Marktverhältnisse zum
       Tragen bringen  könnte, ohne  daß man  die Monopole  dieses Wirt-
       schaftssektors vergesellschaftet. 33)
       Eine andere Richtung präsentieren J. Grün und D. Wiener. 34) Ihre
       Losung lautet  "Global denken  - Vor Ort handeln!" Warum heißt es
       aber nicht  "Global denken  - Global  handeln"? Läßt sich das Un-
       glück und  Elend der  Kaffeepflücker  Lateinamerikas  überwinden,
       wenn wir  uns weigern,  Kaffee zu trinken? Oder sollten wir heute
       Nicaragua-Kaffee abonnieren  und zugleich  p o l i t i s c h  da-
       für kämpfen,  daß dieses  Volk nach  seiner politischen Befreiung
       seine ökonomische Befreiung vom neokolonialistischen Joch anstre-
       ben kann, ohne daß es militärisch und ökonomisch via "Boykott-Po-
       litik" stranguliert wird?
       Heißt nicht  "ökonomische Befreiung" auch, daß nicht jeder Nagel,
       jede Schraube,  jedes Medikament  über den  Weltmarkt  importiert
       werden muß?  Wissen wir  nicht zugleich,  daß die Überwindung der
       kolonialen und  neokolonialistischen Deformation der Wirtschafts-
       struktur, d.h. eine auf die Bedürfnisse des Landes zugeschnittene
       Industrialisierung, Jahrzehnte  dauern kann,  und daß  selbst ein
       Land, dessen Volk und Führung mit unübertroffenem Elan und Enthu-
       siasmus an das Aufbauwerk der Befreiung gegangen sind, sich nicht
       vom Außenhandel abkoppeln kann - und es auch gar nicht will, weil
       heute kein  Land, erst  recht kein kleines Land, auf die Wahrneh-
       mung der  internationalen Arbeitsteilung verzichten kann (gemeint
       ist hier  Kuba)? 35)  Sollen wir  transnationale Konzerne, die in
       Südafrika aktiv  sind und das barbarische Arpartheidsystem stabi-
       lisieren, mit  politischen Kampagnen  zwingen, diese Geschäftsbe-
       ziehungen aufzugeben,  oder sollen  wir unseren Lebensstil so än-
       dern, daß  Importe aus den Entwicklungsländern überflüssig werden
       und sich dadurch quasi automatisch eine Abkoppelung ergibt?
       Könnte sich die Überwindung der Unterentwicklung vielleicht durch
       folgendes Konzept  "ergeben": "Da  die (in den Metropolen von den
       Alternativen, H.B.)  angestrebte 'Kreislauf- oder Gleichgewichts-
       wirtschaft' daran  orientiert ist, nur so viele Ressourcen so um-
       weltschonend wie  möglich zu  verbrauchen..., fehlen  wesentliche
       ökonomische Ursachen  für die  Ausbeutung der Natur und der Peri-
       pherien (der  Dritten Welt,  H.B.). Weitgehende  Selbstversorgung
       ermöglicht am  ehesten eine  Dissoziation der  Länder der Dritten
       Welt, macht  Kriege zur Sicherung von Rohstoffen und Märkten hin-
       fällig." 36)  Anders ausgedrückt:  Die  transnationalen  Konzerne
       werden verschwinden,  wenn der  internationale Handel  weitgehend
       abstirbt und die Dritte Welt einen "autozentrierten Entwicklungs-
       weg" auf Zeit einschlägt. 37)
       Grün und Wiener übernehmen die Positionen eines ökologisch gewen-
       deten "technologischen  Determinismus" und übertragen ihn auf die
       globalen Probleme.  Es ist der "Industrialismus", der sie hervor-
       bringt, und nicht der Imperialismus. Der Zusammenhang von Profit-
       maximierung und verschwenderischem Industrialismus wird trotz der
       oftmaligen Verwendung  der Kategorie "kapitalistischer Industria-
       lismus" nicht hergestellt, die neue Qualität der Beziehungen zwi-
       schen dem  realen Sozialismus  und den  Entwicklungsländern nicht
       analysiert, sondern  ebenfalls in  das funktionalistische  Schema
       "Metropolen - Peripherie" gepreßt. 38)
       Sie polemisieren  zwar zu Recht gegen Technoillusionen, propagie-
       ren  jedoch   ein  sog.    n a c h - i n d u s t r i a l i s t i-
       s c h e s   S z e n a r i o,   welches starke Parallelen zum Kon-
       zept der Dualwirtschaft und dessen Übertragung auf das Verhältnis
       Metropolen  -   Entwicklungsländer  aufweist.   Am  Beispiel  der
       Landwirtschaft, der  Wassernutzung und  des Waldes  erläutern sie
       ihre -  vielfach sinnvollen  - Vorstellungen von einer gebrauchs-
       orientierten Umstrukturierung  der gesellschaftlichen Produktion.
       Allerdings ist es illusorisch, aus dieser neuen Konsumtionspraxis
       in den  Metropolen ein  quasi automatisches  Aufheben  der  impe-
       rialistischen Ausbeutung der EL zu schlußfolgern.
       Bei Ebermann/Trampert  als Vertretern des ökosozialistischen Flü-
       gels der  Grünen hat  die Kritik  auf anderen Ebenen anzusetzten,
       39) sie  dreht sich  im theoretischen  Kern  allerdings  wie  bei
       Grün/Wiener ebenfalls  um das Problem des "technologischen Deter-
       minismus". Ihre engagierte und gewinnbringend zu lesende Darstel-
       lung der  Ausbeutung der  Länder der 3. Welt durch die imperiali-
       stischen Metropolen,  der Ursachen des Welthungers sowie der Ver-
       schuldung leidet  jedoch unter  der Abstinenz  von Aussagen,  wie
       sich die  Völker aus  dieser Abhängigkeit befreien können und wie
       sie auf  die Tatsache  zu reagieren  haben, daß der Imperialismus
       postwendend mit ökonomischer Blockade und offener oder verdeckter
       militärischer Intervention  unter Führung der USA reagiert. Nica-
       ragua z.B.  Vorwürfe daraus  zu machen,  daß es sein Erdöl inzwi-
       schen größtenteils aus der UdSSR bezieht, bzw. diesbezüglich Han-
       delsbeziehungen (einschließlich  der Waffenlieferungen)  auf  die
       gleiche Ebene  zu stellen wie die der kapitalistischen Metropolen
       mit den  EL, zeugt  von Ignoranz und der Kontinuität antisowjeti-
       scher und  antikommunistischer Grundeinstellungen auch der ökoso-
       zialistischen Teile der Grünen.
       Das Thema "Marxistische Autoren über globale Probleme und die Zu-
       kunft der  sozialistischen Lebensweise"  40) hat  bei ihnen eben-
       falls keinen Platz. Die teilweise weitgehenden Änderungen z.B. im
       Planungssystem der  DDR, das die Fragen der sparsamen Ressourcen-
       nutzung heute grundsätzlich radikaler stellt und praktisch beant-
       wortet, werden ausgeklammert. 41)
       Schließlich wird nicht ausgesprochen, daß z.B. die Eindämmung der
       unkontrollierten Umweltzerstörung  durch  die  Entwicklung  immer
       neuer Produkte  der chemischen Industrie sowie die Substitutionen
       gefährlicher Stoffe  durch umweltfreundliche  Ersatzstoffe,  d.h.
       die bewußte  Nutzung und  Weiterentwicklung der  Produktivkräfte,
       nicht ohne eine Vergesellschaftung der Chemieindustrie realisier-
       bar ist.  Und "Vergesellschaftung  der Chemieindustrie"  bedeutet
       zumindest die  Verstaatlichung der  großen Chemiekonzerne, Ausbau
       der Mitbestimmung  auf allen  Ebenen sowie eine demokratisch kon-
       trollierte Branchenplanung,  die sich an den Bedürfnissen der Ge-
       sellschaft orientiert  und die Forschung und Entwicklung mit ent-
       sprechenden Sozial- und Umweltverträglichkeitsprüfungen versieht.
       Die  Angst,  von  der  SPD  vereinnahmt  zu  werden,  läßt  Eber-
       mann/Trampen zögern,  ein Reformprogramm  zu entwickeln;  die Be-
       rührungsängste vor  Kommunisten weisen sie auf den "dritten Weg".
       Die Dialektik  von Reform und Revolution wird nicht bzw. in unge-
       eigneter Weise  als Frage  "Koalition mit der SPD - ja oder nein"
       abgehandelt. Zur  Lösung der  globalen Probleme werden keine Zwi-
       schenschritte angegeben.  In diesem Zusammenhang ist die weitest-
       gehende Ausklammerung des Hochrüstungsproblems bzw. dessen Refle-
       xion als  Konkurrenz der  "Supermächte", die  Unterschätzung  der
       Rolle von Abrüstungsverhandlungen und des Abschlusses von Verträ-
       gen zur  Rüstungsbegrenzung bzw.  Abrüstung schließlich der wich-
       tigste Mangel auch der ökosozialistischen Globalismusdiskussion.
       Überzeugend ist  dagegen die  Kritik an  der Konzeption der Dual-
       wirtschaft. Ebermann/Trampen  verfallen deshalb  auch  nicht  dem
       Irrglauben, man  könne das  Konzept der  Dualwirtschaft  auf  die
       Weltwirtschaft übertragen,  die Dritte Welt brauche sich um Indu-
       strialisierung nicht  zu kümmern und könne sich gleichsam aus der
       Umklammerung und  Ausbeutung durch den Imperialismus davonschlei-
       chen, eine  Position, die  bei Grün  und Wiener stark durchschim-
       mert.
       
       5. Antworten der Marxisten - eine Skizze
       ----------------------------------------
       
       1. Der Ruf  nach einer  weltweiten "Koalition  der Vernunft"  (E.
       Honecker) 42) ist die aktuelle Antwort der marxistischen und kom-
       munistischen Kräfte der Gegenwart, um ein "Zusammenwirken für die
       Bewahrung des Lebens" 43) auf globaler Ebene zu intensivieren und
       zum Erfolg  zu führen. Daß dieser Ruf nicht nur aus dem Lager der
       Kommunisten erfolgt,  beweist  z.B.  die  Deklaration  von  Delhi
       (Januar 1985)  der Staats-  und Regierungschefs Indiens, Mexikos,
       Argentiniens, Griechenlands,  Schwedens und  Tansanias, in der es
       heißt: "Seit  Jahrhunderten kämpfen  Männer und  "Frauen für ihre
       Rechte und  Freiheiten. Jetzt steht uns der allergrößte Kampf be-
       vor -  der Kampf  um das  Recht auf Leben für unsere und künftige
       Generationen." 44)
       Es wäre  dem Problem  der Verhinderung  eines globalen Atomkriegs
       einfach nicht  angemessen, würde man z.B. die lokalen Aktivitäten
       der Friedensbewegung  in einen Gegensatz zu den globalen stellen.
       Dabei ist  es selbstverständlich,  daß lokale  Aktionsformen  und
       -ziele ein unverzichtbares und wichtiges Mobilisierungsmittel der
       Friedensbewegung sind,  um neue Kräfte für diesen Kampf zu gewin-
       nen. Und  selbstverständlich muß  jede Etatberatung  im Bundestag
       (aber auch  in den Ländern und Gemeinden) zum Anlaß genommen wer-
       den, sich der Militarisierung insgesamt entgegenzustemmen.
       2. Das wirtschaftspolitische und gesellschaftspolitische Programm
       zur Bekämpfung  der Unterentwicklung  und der  Umweltprobleme muß
       vom Inhalt  her friedens-, arbeits- und naturorientiert sein, 45)
       während es  von der  gesellschaftlichen Form her demokratisch und
       antimonopolistisch strukturiert  sein muß.  Dies verlangt  Verge-
       sellschaftung und  demokratische Planung der strategischen Berei-
       che von  Industrie, Handel  und Banken 46) auf nationaler und zu-
       nehmend auf  internationaler Ebene, verlangt, daß die internatio-
       nale demokratische  Zusammenarbeit zu Lasten der monopolkapitali-
       stischen internationalen  Lenkungszentralen (IWF,  Weltbank usw.)
       gestärkt wird.  Das läuft heute auf die Stärkung der Rolle der UN
       und ihrer  Spezialorganisationen hinaus.  47) Konkret heißt dies,
       alles zu  tun, um die "neue Weltwirtschaftsordnung" durchzusetzen
       und ein  internationales Entschuldungsprogramm für die Länder der
       3. Welt  aufzulegen, das  zugleich ein Beschäftigungsprogramm für
       qualitatives Wachstum in den Metropolen beinhaltet. Daß eine pri-
       zipiell im  Interesse der Völker der 3. Welt und der nichtmonopo-
       listischen Klassen  und Schichten in den Metropolen liegende Ant-
       wort möglich  ist, soll hier nur kurz angedeutet werden: Der Ban-
       kenapparat muß vergesellschaftet und ein Großteil der EL-Schulden
       erlassen werden.  In Kombination mit einer wirksamen alternativen
       Wirtschafts- und  Sozialpolitik kann der Realtransfer aus den Me-
       tropolen in  die Entwicklungsländer  gesteigert bzw. ein Nettore-
       altransfer in  die EL  erfolgen, ohne  daß der Lebensstandard der
       kleinen Leute  in den Metropolen sinkt (von der Notwendigkeit der
       Änderung der  Lebensweise wird  hier abstrahiert;  sie ist jedoch
       konzediert), solange  Ressourcen in  den Metropolen  brachliegen,
       also Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten. 48)
       3. Der reale  Sozialismus muß stärker und attraktiver werden; die
       Sozialrevolutionären Bewegungen in den Ländern der 3. Welt müssen
       maximal unterstützt  werden. Es  ist offensichtlich,  daß die Zu-
       spitzung der  globalen Probleme den Sozialismus teilweise vor ra-
       dikal neue Probleme stellt, daß er den sprunghaft gewachsenen Er-
       fordernissen der  intensiv erweiterten,  ökologisch  orientierten
       Reproduktion Rechnung tragen muß.
       4. Für das  "Handeln  vor  Ort"  ergeben  sich  hieraus  folgende
       Schlußfolgerungen :
       - Die wichtigsten  sozialen Bewegungen  der Gegenwart,  die Frie-
       dens-, Arbeiter-, Frauen- und Umweltschutzbewegungen sowie die 3.
       Welt-Solidaritätsbewegung müssen auch auf lokaler Ebene zusammen-
       wirken und  ihren gemeinsamen  Gegner bekämpfen,  das Großkapital
       und dessen politische Träger und Parteien.
       - Beschäftigungsprogramme z.  B. auf lokaler und regionaler Ebene
       müssen zugleich  friedens- und  umweltorientiert sein. Sie dürfen
       nicht auf  lokale oder  regionale Autarkie orientieren, weil dies
       dem realen  Stand und den aus ihm erwachsenden positiven Möglich-
       keiten der  nationalen und  internationalen Arbeitsteilung wider-
       sprechen würde.  Insbesondere wäre es eine krasse Fehlinterpreta-
       tion der  Interessen der  Völker der  3.  Welt,  wollte  man  das
       hochentwickelte Produktionspotential der Metropolen nicht für die
       Bekämpfung der Unterentwicklung nutzen. 49)
       - Sie müssen umweltorientiert sein, indem ein Großteil der neuen,
       über Beschäftigungsprogramme  induzierten Arbeitsplätze im Sektor
       Umweltproduktion entsteht,  und zwar nicht nur in der Schadensbe-
       hebung (Luft-,  Wasser-und Bodenentgiftung),  sondern auch in der
       Forschung, Entwicklung  und Umsetzung  solcher Technologien,  die
       den Schadstoffausstoß  minimieren oder  gänzlich verhindern. Dies
       kann und  wird teilweise  dazu führen,  daß  die  Vermeidung  von
       Schadstoffproduktion die  unmittelbare betriebliche Produktivität
       der Arbeit  senkt bzw.  nicht in  dem Maße steigen läßt, wie dies
       bei einem  rücksichtslosen Gebrauch  der Natur der Fall wäre. Die
       gesellschaftliche Produktivität  der Arbeit  wird dadurch  jedoch
       langfristig schneller steigen!
       - Sie müssen  friedensorientiert sein, indem die lokalen bzw. re-
       gionalen militärischen  Aktivitäten aufgedeckt,  Initiativen  zur
       Verhinderung weiterer  Militarisierungsmaßnahmen,  zur  Rüstungs-
       und Militärstandortkonversion  ergriffen werden und zugleich dar-
       auf hingewirkt  wird, daß  die wirtschaftlichen,  politischen und
       kulturellen Beziehungen  zu den  sozialistischen Ländern als eine
       Basis der Entspannungspolitik intensiviert werden.
       
       _____
       1) Josef Schleifstein,  Marxistische Grundpositionen zur Entwick-
       lung von  Wissenschaft und  Technik  im  Kapitalismus,  in:  IMSF
       (Hrsg.), Technik - Umwelt - Zukunft. Eine marxistische Diskussion
       über Technologie-Entwicklung,  Ökologie, Wachstumsgrenzen und die
       "Grünen", Frankfurt  1980; Lothar  Peter, Alternative Technologie
       oder gesellschaftliche  Alternative,  in:  Marxistische  Blätter,
       Heft 3/1984; Manfred A. Heinrichs, Der verdrehte Charme der Tech-
       nologie, in: Marxistische Blätter, Heft 6/1984; Karl Hermann Tja-
       den, Was  heißt: Die Produktivkräfte sprengen die Produktionsver-
       hältnisse? Ein  Ansatz antikapitalistischer  Politik, in: Moderne
       Zeiten 3/1983, Heft 5.
       2) AirLand-Battle 2000, Wortlaut in: Blätter für deutsche und in-
       ternationale Politik,  Heft 10/1983,  S. 1377  ff.; hier  zitiert
       nach Hermann  Bömer, Die  drohende Katastrophe.  Globale Probleme
       der Menschheit, Frankfurt 1984, S. 35.
       3) Fidel Castro,  ... wenn  wir überleben wollen. Die ökonomische
       und soziale  Krise der  Welt (Bericht an die VII. Gipfelkonferenz
       der nichtpaktgebundenen  Staaten in  Neu-Delhi,  1983),  Dortmund
       1984.
       4) Council on  Environmental Quality/US-Außenministerium (Hrsg.):
       Global 2000.  Der Bericht  an den  Präsidenten, Washington  1980,
       Deutsche Übersetzung Frankfurt, 12. Aufl. 1981.
       5) FAZ, 27.4.1985.
       6) Günther Brode,  Tendenzen der kapitalistischen Weltmarktpreise
       seit Anfang  der 80er Jahre, in: IPW-Berichte 5/1985, S. 51; vgl.
       auch Autorenkollektiv,  Imperialismus und  Industrialisierung der
       Entwicklungsländer, IPW-Forschungsheft 2/1985, Berlin (DDR) 1985.
       7) Weltbank, Weltentwicklungsbericht  1984, zitiert  nach FAZ  v.
       3.7. 1985.
       8) Vgl. H. Bömer, a.a.O., Kap. 1.3 und 1.4.
       9) Edgar Gärtner,  Gewerkschaften und Ökologie. Nachrichten-Reihe
       32, Frankfurt 1985.
       10) Oliver Brosch/Fiete Saß, Erneuerung der SPD? Chancen und Pro-
       bleme der  Programmdiskussion, in: Blätter f. dt. u. int. Politik
       6/1985, S. 718 f.
       11) Kaspar Maase, Jenseits des Konsumismus. Überlegungen zu Krise
       und Zukunft  der Lebensweise,  in: Perspektiven der Lebensweise -
       marxistische und  grün-alternative Gesichtspunkte.  Institutsmit-
       teilung Nr. 25 des IMSF, Frankfurt 1984; Igor Bestushew-Lada, Die
       Welt im  Jahre 2000.  Eine sowjetische  Prognose für unsere Zeit,
       Freiburg i.  Br. 1984;  Wadim Sagladin/Iwan  Frolow, Globale Pro-
       bleme der  Gegenwart, Berlin  (DDR) 1982;  Frank Deppe, Ende oder
       Zukunft  der   Arbeiterbewegung?  Gewerkschaftspolitik  nach  der
       Wende. Eine Bestandsaufnahme, Köln 1984.
       12) Heinz  Jung/Josef   Schleifstein,  Die  materialistische  Ge-
       schichtsauffassung und  der Charakter  unserer  Epoche,  in:  ...
       einen großen Hebel der Geschichte, Marxistische Studien. Jahrbuch
       des IMSF,  Sonderband I,  Frankfurt/M. 1982, S. 43f.; Robert Wei-
       mann, Realität  und Realismus,  in:  Marxistische  Blätter,  Heft
       3/1985.
       13) Bernhard Roth,  Weltmarktabhängigkeit:  Damoklesschwert  über
       einer alternativen  Wirtschaftspolitik? Teil  I und II, in: Memo-
       Forum 3 und 5, Bremen 1984 und 1985; Hans-Jürgen Axt, Internatio-
       nale Konzerne  und Perspektiven des Nationalstaats in Westeuropa.
       Die Internationalisierung der Ökonomie als Triebkraft eines neuen
       Kosmopolitismus?, in:  Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 4,
       Frankfurt/M. 1981; Programm der Deutschen Kommunistischen Partei,
       Düsseldorf 1978.
       14) Vgl. H. Bömer, a.a.O., Kap. 4.
       15) Vgl. Rainer  Rilling, Konsequenzen der "Strategie Defense In-
       itiative" für  die Forschungspolitik,  in: Blätter f. dt. u. int.
       Politik, Heft  6/1985, S. 668 ff.; Jürgen Kuczynski, Gesellschaf-
       ten im  Untergang. Vergleichende  Niedergangsgeschichte vom Römi-
       schen Reich  bis zu  den Vereinigten  Staaten von  Amerika,  Köln
       1984.
       16) Im Bundeswirtschaftsministerium  kursiert eine offen-zynische
       Definition dessen,  was High-Tech-Industrien  sind: Entwicklungs-
       länderanteil < 0,5 Prozent!
       17) Zahlreiche Anregungen für dieses Kapitel verdanke ich Herbert
       Schui, Dollar-  und Zinshausse  als Strategie  im  Interesse  der
       transnationalen US-Finanz- und Industriegruppen, Manuskript, vor-
       gelegt der Arbeitstagung der Memorandumsgruppe "Alternative Wirt-
       schaftspolitik" im Juni 1985.
       18) Hermann Bömer,  Globale Fragen  im Blick  des Konservatismus,
       in: Jugendpolitische Blätter, Heft 2/1985.
       19) Frank Deppe,  Arbeiterbewegung in  Westeuropa 1945-1985:  Von
       der Bewegung  zur Stagnation?, in: Marxistische Studien. Jahrbuch
       des IMSF  8, Frankfurt  1985, S. 58-91; Gert Hautsch/Klaus Picks-
       haus/Klaus Priester,  Der 35-Stunden-Kampf: Bedeutung und Bilanz,
       in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, Frankfurt 1984, S.
       26-59.
       20) Kommission "Zukunftsperspektiven  gesellschaftlicher Entwick-
       lung", Stuttgart 1983, S. 27.
       21) Vgl. hierzu E. Gärtner, a.a.O.
       22) Klaus Kannapin, Imperialistische Strategie gegen die neue in-
       ternationale Wirtschaftsordnung,  Berlin (DDR)  1984; vgl.  auch:
       Rainer Falk,  Die  heimliche  Kolonialmacht.  Bundesrepublik  und
       Dritte Welt,  Köln 1985.  Erhard Eppler  hat deshalb das Handtuch
       als Entwicklungshilfeminister werfen müssen.
       23) Unabhängige Kommission  für internationale Entwicklungsfragen
       (Leitung Willy  Brandt), Das Überleben sichern. Gemeinsame Inter-
       essen von Industrie- und Entwicklungsländern, Köln 1980.
       24) H. Bömer, Die drohende Katastrophe, a.a.O., S. 155.
       25) Vgl. die  Übersicht bei  Thomas Ebermann/Rainer Trampert, Die
       Zukunft der Grünen, Hamburg 1984, S. 104.
       26) Willy Brandt,  Arbeit und Umwelt - Sicherung der Lebensgrund-
       lagen in  der modernen  Industriegesellschaft, in:  Neue  Gesell-
       schaft, Heft  11/1984, S. 104; zitiert nach Brosch/Saß, a.a.O. S.
       719.
       27) Brosch/Saß, a.a.O., S. 718.
       28) Peter Glotz, Die Arbeit der Zuspitzung, Berlin (West) 1984.
       29) Brosch/Saß a.a.O., S. 719.
       30) Arnim Bechmann,  Leben wollen.  Anleitungen für eine neue Um-
       weltpolitik, Köln 1984.
       31) Florentin Krause/Hartmut  Bossel/Karl-Friedrich  Müller-Reiß-
       mann, Energie-Wende.  Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran.
       Ein Alternativbericht des Öko-Instituts Freiburg, Frankfurt 1980.
       32) Vgl. hierzu den Beitrag von H. Sittner in diesem Band.
       33) Vgl.  ausführlicher   H.  Bömer,  Die  drohende  Katastrophe,
       a.a.O., S. 163-169.
       34) Josef Grün/Detlev  Wiener, Global  denken, vor  Ort  handeln.
       Weltmodelle von Global 2000 bis Hermann Kahn, Freiburg 1984.
       35) Vgl. zur  Außenwirtschaftspolitik Kubas  Michael Jung, Schul-
       denfalle auch  für Kuba?,  in: Deutsche Volkszeitung/die tat, Nr.
       19, 10. Mai 1985, S. 8.
       36) Grün/Wiener, a.a.O., S. 349 f.
       37) Ebenda, S.  185 f.  Die Autoren stützen sich auf Dieter Seng-
       haas, Autozentrierte Entwicklung trotz internationalem Kompetenz-
       gefälle. Warum  wurden die  Metropolen Metropolen und nicht Peri-
       pherien?, in:  D. Senghaas,  (Hg.): Kapitalistische Weltökonomie.
       Frankfurt/M.  1979,   S.  280-313.   Senghaas  interpretiert  die
       Weltentwicklung mit  Hilfe einer  funktionalistischen Interdepen-
       denztheorie.
       38) Grün/Wiener, a.a.O.,  S. 174 f. Die Autoren erklären den Aus-
       bruchsversuch der  Sowjetunion aus dem kapitalistischen Weltmarkt
       "als Resultat  einer so  komplizierten Verkettung  von außen- und
       innenpolitischen Ursachen,  daß wir an dieser Stelle nicht darauf
       eingehen können"  (S. 174f.);  sie halten ihn für gescheitert und
       widmen ihm deshalb nicht einmal eine Seite.
       39) Vgl. ausführlich  A. Lochner, Realistisch? Radikal?, in: Mar-
       xistische Blätter 2/1985, S. 91 ff.
       40) Vgl. Hermann  Bömer, Marxistische  Autoren über  globale Pro-
       bleme, in:  Dialektik 9, Ökologie - Naturaneignung und Naturtheo-
       rie, Köln 1984.
       41) Vgl. zu den Ursachen der Ressourcenverschwendung im Sozialis-
       mus und  den heutigen  radikalen Rohstoff  einspännigen H. Bömer,
       Die drohende Katastrophe, a.a.O., Kap. 2.4.3.
       42) Neues Deutschland,  21.2.1985; vgl.  auch: Thesen zum 8. Par-
       teitag der DKP - Entwurf, UZ-Eigenbeilage 28.6.1985, Teil I.
       43) Max Schmidt/Gerhard  Basler, Koalition  der Vernunft  und des
       Realismus, in:  IPW-Berichte 5/1985, S. 1-7. Vgl. ausführlich die
       RGW-Erklärung vom  Juni 1984  "Die Erhaltung des Friedens und die
       internationale ökonomische Zusammenarbeit", abgedruckt bei H. Bö-
       mer, Die drohende Katastrophe, a.a.O., S. 210 ff.
       44) Zit. n. Schmidt/Basler, a.a.O., S. 1.
       45) H. Bömer, Die drohende Katastrophe, a.a.O., Kap. 5.
       46) Vgl. Jörg  Huffschmid, Vergesellschaftung: objektive Tendenz,
       systemstabilisierende Funktion,  Kampfforderung der Arbeiterbewe-
       gung; oder was? In: Memo-Forum Nr. 6, Bremen 1985, S. 31-50.
       47) Max Schmidt, Weltprobleme und internationale Beziehungen, in:
       Globale Probleme  - Politische,  ökonomische und soziale Aspekte,
       IPW-Forschungsheft 1/1984.
       48) H. Bömer, Die drohende Katastrophe, a.a.O., S. 188.
       49) Als auf dieser Grundlage konzipiertes Beispiel eines regiona-
       len alternativen Handlungs-(Entwicklungs-)Programms vgl. Arbeits-
       gruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Memorandum '85, Sonderbei-
       trag 2, Alternativen für das Ruhrgebiet, Köln 1985.
       

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