Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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       DIE CHRONISCHE ÜBERAKKUMULATION VON KAPITAL ALS KRISE
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       DES STAATSMONOPOLISTISCHEN REGULIERUNGSTYPS
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       Jörg Goldberg
       
       1. Zyklische  Krisen und  die universelle  Tendenz des Kapitals -
       1.1 Zyklische  Krisen als  Knotenpunkte aller  Widersprüche - 1.2
       Überproduktion von  Waren und  Überakkumulation von Kapital - 1.3
       Die Reproduktion  des fixen Kapitals als Grundlage der Zyklizität
       - 2.  Abschwächung der  Akkumulationsdynamik und Reproduktionsbe-
       dingungen des  fixen Kapitals in der Bundesrepublik - 2.1 Sachka-
       pitalrentabilität und  Produktionsbedingungen des  Profits -  2.2
       Rückgang der  Rentabilität und Ausdehnung der Produktion - 3. Ab-
       schwächung der  Akkumulationsdynamik und die Reaktion des staats-
       monopolistischen Kapitalismus  -3.1 Lohnkosten  und Sozialabbau -
       3.2 Rationalisierung  und der  Charakter der neuen Technologien -
       3.3 Neue  Momente im Zentralisationsprozeß des Kapitals - 3.4 Die
       staatliche Wirtschaftspolitik - 3.5 Die Reaktionsmuster des Kapi-
       tals als Krisenfaktor
       
       In vielen  Krisenanalysen wird  die Periode seit dem Anfang/Mitte
       der siebziger  Jahre in  der kapitalistischen  Welt als besondere
       Etappe, als Umbruchperiode beschrieben. Die kapitalistische Welt-
       wirtschaftskrise von  1974/75 gilt  dabei als Schnittpunkt. Diese
       Betrachtung ist  in den meisten linken und marxistischen Analysen
       Gemeingut, insbesondere, weil die sozialökonomischen Strukturver-
       änderungen in  diesem Zeitraum auf der Hand liegen und die Arbei-
       terbewegung mit  zum Teil völlig neuen Kapitalstrategien konfron-
       tiert und  die Grundlagen  ihrer Politik  verändert haben.  Diese
       richtige Betrachtungsweise muß jedoch auch die Momente der Konti-
       nuität betonen, die in der Wirkungsweise der kapitalistischen Ge-
       setzmäßigkeiten bestehen.  Diese sollen  daher zunächst vergegen-
       wärtigt werden.
       
       1. Zyklische Krisen und die universelle Tendenz des Kapitals
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       In unserem Kontext ist es notwendig, den Ausgangspunkt in der Be-
       stimmung der  Krisen im  Rahmen der marxistischen Theorie zu wäh-
       len. Wirtschaftliches Wachstum unter kapitalistischen Bedingungen
       ist identisch mit Akkumulation des Kapitals, d.h. mit fortwähren-
       der Verwandlung  des Mehrwerts  in Kapital. Dieser Akkumulations-
       prozeß kann nicht reibungslos funktionieren, die Widersprüche der
       kapitalistischen Produktionsweise,  ableitbar aus  dem  zentralen
       Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produk-
       tion und  der privaten Form der Aneignung seiner Ergebnisse, füh-
       ren mit  Notwendigkeit zu  Stockungen im  Akkumulationsprozeß, zu
       Krisen. Diese  Krisen sind notwendig, um den Fortgang der Akkumu-
       lation auf  erweiterter Stufenleiter  zu sichern, also um die das
       wirtschaftliche Wachstum  hemmenden Faktoren  zu überwinden.  Die
       Phasen sich erweiternder Akkumulation und krisenhafter Stockungen
       als Garant  für den Fortgang des Akkumulationsprozesses in histo-
       rischer Dimension  treten periodisch auf, das Wachstum im Kapita-
       lismus verläuft  als "Spirale". Die periodischen Krisen sind Kno-
       tenpunkte der  Zuspitzung und  Lösung von  Disproportionen  aller
       Art, auch von überzyklischen, strukturellen Ungleichgewichten. 1)
       
       1.1 Zyklische Krisen als Knotenpunkte aller Widersprüche
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       Zyklische Krisen schieben die jeweils auftauchenden Schranken der
       kapitalistischen Produktionsweise hinaus, aber nur, indem sie die
       historischen Bedingungen  der Existenz  des kapitalistischen  Sy-
       stems untergraben. Die zyklischen Krisen sind also zugleich Mark-
       steine im  historischen "Alterungsprozeß"  des Kapitalismus.  Sie
       bilden die Ausgangspunkte für strukturelle, unumkehrbare Verände-
       rungen seiner  Funktionsbedingungen. Zwei  eng  miteinander  ver-
       flochtene Momente machen diesen "Alterungsprozeß" aus:
       - Der Zweck-Mittel-Konflikt der kapitalistischen Produktionsweise
       wirkt, indem  Krisen im  Zuge einer Steigerung der Produktivkraft
       der Arbeit  überwunden werden,  diese Steigerung  aber die  wert-
       schaffende Funktion  der lebendigen Arbeit im Verhältnis zum kon-
       stanten Kapital  tendenziell untergräbt.  Das "Gesetz des tenden-
       ziellen Falls  der Profitrate"  drückt diese  universelle, in den
       Krisen vorangetriebene Entwicklungsrichtung des Kapitalismus aus.
       - Die Überwindung  der Krisen durch Steigerung der Produktivkraft
       der Arbeit beinhaltet zugleich den Ruin der schlechter ausgestat-
       teten Kapitale  und die Zusammenballung der verbleibenden, d. h.,
       die Krisen sind zugleich Ausgangspunkt der Konzentration und Zen-
       tralisation des Kapitals. Die Tatsache, daß dies kein gleichmäßi-
       ger Prozeß ist, daß sich immer wieder neue Einzelkapitale bilden,
       daß sich  alte Kapitale  aufspalten, widerlegt nicht die Existenz
       eines historischen Trends zur Bildung von Kapitalmonopolen.
       In beiden Fällen handelt es sich um immanente Tendenzen der kapi-
       talistischen Produktionsweise,  die durchaus unterschiedlich her-
       vortreten, deren Bewegung vor dem Hintergrund der jeweiligen kon-
       kreten historischen  Bedingungen zu  untersuchen ist.  Die  Bewe-
       gungsform der Produktion im Kapitalismus, Zuspitzung und zeitwei-
       lige Lösung  aller Widersprüche  der Produktionsweise,  vollzieht
       sich nicht  gleichmäßig, sie wird vermittelt durch die zyklischen
       Krisen: "Periodisch  macht sich der Konflikt der widerstreitenden
       Agentien in  Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur momentane ge-
       waltsame Lösungen  der vorhandenen  Widersprüche..." 2) Krisener-
       scheinungen aller  Art im  Kapitalismus sind  theoretisch mit der
       Analyse des  Krisenzyklus und  dessen Existenzbedingungen zu ver-
       mitteln, die Theorie der zyklischen Krise eröffnet den Zugang zum
       Verständnis der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus in allen seinen
       konkret-historischen Erscheinungsformen.  Überzyklische Krisener-
       scheinungen, seien sie als historisch singulär oder als "Stadien"
       oder "Wellen" interpretiert, müssen aus der zyklischen Bewegungs-
       form der  kapitalistischen Produktionsweise  unter den  konkreten
       Bedingungen erklärt werden.
       
       1.2 Überproduktion von Waren und Überakkumulation von Kapital
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       Im folgenden  seien die Eckpunkte einer marxistischen Theorie der
       zyklischen Krise  genannt, wobei  versucht wird, die traditionell
       in der  marxistischen Diskussion  vorhandenen Gegensätze zwischen
       dem  "Überakkumulationsansatz"  und  dem  "Überproduktionsansatz"
       miteinander zu vermitteln.
       Unbestrittenermaßen   e r s c h e i n t   die Krise als Auseinan-
       derfallen von  Kauf und Verkauf, eine Möglichkeit, die die Waren-
       produktion mit  ihrem Gegensatz  von Gebrauchswert und Tauschwert
       bereits begrifflich  impliziert. Das  Auseinanderfallen von  Kauf
       und Verkauf  ist aber  nur die  allgemeinste Form der Krise: "Man
       kann aber nicht sagen, daß die abstrakte Form der Krise die Ursa-
       che der  Krise sei."  3) Es ist also zu untersuchen, warum es mit
       Notwendigkeit zu  diesem Auseinanderfallen  von Kauf  und Verkauf
       kommt: Dies  aber kann nur auf der Ebene des Gesamtreproduktions-
       prozesses  nachgewiesen  werden.  "Der  Gesamt-Zirkulationsprozeß
       oder der  Gesamt-Reproduktionsprozeß des Kapitals ist die Einheit
       seiner Produktionsphase und seiner Zirkulationsphase..." 4) Diese
       beiden Phasen gehören untrennbar zusammen, ihre Verselbständigung
       gegeneinander macht  die Krise  aus. Diese  Verselbständigung ist
       aber ein  Wesensmerkmal  der  kapitalistischen  Produktionsweise:
       "Der der Ware immanente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von
       Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche
       Arbeit  darstellen  muß,  von  besondrer  konkreter  Arbeit,  die
       zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, ..., dieser im-
       manente Widerspruch  erhält in  den Gegensätzen der Warenmetamor-
       phose seine  entwickelten Bewegungsformen." 5) Die Bestimmungsmo-
       mente des unmittelbaren Produktionsprozesses und die der Zirkula-
       tion sind  aber widersprüchlich  miteinander vermittelt. "Die Be-
       dingungen der  unmittelbaren Exploitation  und die ihrer Realisa-
       tion sind  nicht identisch.  ... Die  einen sind  nur  beschränkt
       durch die  Produktivkraft der Gesellschaft, die anderen durch die
       Proportionalität der  verschiedenen Produktionszweige  und  durch
       die Konsumtionskraft  der Gesellschaft."  6) Es widerspricht also
       völlig der Marxschen Methode, Krisen nur aus der Untersuchung der
       Bedingungen der Exploitation, also des unmittelbaren Produktions-
       prozesses, ableiten  zu wollen.  Es wäre  dann nämlich methodisch
       völlig überflüssig  gewesen, die  Arbeiten zur  Krise auf der Ab-
       straktionsebene anzusetzen,  auf der die allgemeinsten Bestimmun-
       gen der  Warenproduktion, das Auseinanderfallen von Kauf und Ver-
       kauf, abgeleitet  werden. Diese  umständlichen Schritte hätte man
       sich sparen können, würde der Krisenzyklus bereits aus den im un-
       mittelbaren Produktionsprozeß wirksamen und darstellbaren Schran-
       ken erklärt  werden können.  Diese Schranken sind als historische
       Entwicklungsgrenzen nichtsdestoweniger  existent,  die  zyklische
       Bewegungsform können  sie aber  für sich  nicht begründen. Sowohl
       die Ausführungen  im ersten  Band des "Kapitals" ("Das allgemeine
       Gesetz der  kapitalistischen Akkumulation") als auch die Darstel-
       lung des  "Gesetzes des  tendenziellen Falls  der Profitrate"  im
       dritten Band  sind der "universellen Tendenz" des Kapitals gewid-
       met, in  bezug auf die zyklischen Krisen als konkreter Bewegungs-
       weise dieser Widersprüche aber können sie "nichts Neues zufügen".
       "Aber in dem Produktionsprozeß selbst kann dies nicht erscheinen,
       weil in ihm nicht die Rede ist von der Realisierung des nicht nur
       reproduzierten Werts, sondern Mehrwerts." 7)
       Zwar ist  die Realisationssphäre  des Profits "letzten Endes" be-
       stimmt durch die Produktionssphäre, in der Einheit von Produktion
       und Zirkulation  ist erstere  das bestimmende Moment. Es ist aber
       gerade die  Krise, die  diese Einheit herstellt, in der sich Pro-
       duktionssphäre und Zirkulationssphäre als Einheit geltend machen.
       Die Krise  in Abstraktion  von der Zirkulationsseite begründen zu
       wollen, abstrahiert  also gerade  von den  Momenten, welche  jene
       erst ausmachen. Dies gilt auch für Ansätze, die die Zirkulations-
       sphäre als  passiven Reflex  der Produktion  im Zyklus behandeln:
       Wäre das so, dann wäre die Forderung nach Einbeziehung der Reali-
       sationsseite tatsächlich  nur eine  Banalität. Daß  die Nachfrage
       nach Investitionsgütern sinkt, wenn die Unternehmen weniger inve-
       stieren, ist  in diesem Zusammenhang nichts anderes als eine Tau-
       tologie. 8) Entscheidend ist, daß schon der Abbruch des Akkumula-
       tionsprozesses aus dem  W i d e r s p r u c h  von Produktion und
       Realisation des  Profits abgeleitet  werden muß. Es geht vielmehr
       darum, die  Widersprüche beider  Sphären aufzudecken,  was darauf
       hinausläuft zu  untersuchen, welche Wirkung die Bewegungen im un-
       mittelbaren Produktionsprozeß  auf die  Zirkulation und damit auf
       den Gesamtreproduktionsprozeß  haben. Marx  bezeichnet den Zusam-
       menhang zwischen Profitrate und Profitmasse als das "in jeder Be-
       ziehung wichtigste Gesetz der modernen politischen Oekonomie...".
       9) Die  oben erwähnte Schranke "Produktivkraft" für den unmittel-
       baren Produktionsprozeß  drückt sich  in diesem Gesetz aus. Dabei
       sind Fall  der Profitrate,  Konzentration und  Zentralisation des
       Kapitals und beschleunigte Akkumulation Momente des gleichen Pro-
       zesses: "Dieselben  Gesetze  produzieren  also  für  das  Gesell-
       schaftskapital  eine  wachsende  absolute  Profitmasse  und  eine
       fallende Profitrate." 10)
       Stockungen  im   Akkumulationsprozeß  können   auf    d i e s e r
       E b e n e  tatsächlich erst dann abgeleitet werden, wenn die pro-
       duzierte Mehrwertmasse  nicht mehr  gesteigert werden  kann, wenn
       also entweder  die Zahl  der Beschäftigten  nicht mehr  erweitert
       werden kann und/oder die Knappheitssituation am Arbeitsmarkt eine
       weitere Erhöhung des Exploitationsgrades nicht mehr erlaubt.
       Damit analysiert  Marx die historische Beschränktheit der kapita-
       listischen Produktionsweise,  seine  "universelle  Tendenz",  die
       sich, über zyklische Krisen vermittelt, durchsetzt.
       Angetrieben  wird   der  kapitalistische  Gesamtproduktionsprozeß
       durch die  Widersprüche innerhalb  des unmittelbaren Produktions-
       prozesses von  Profit; hier ist die  U r s a c h e  von Krisen im
       Kapitalismus zu  suchen. Im  Marxschen "Gesetz  des tendenziellen
       Falls der  Profitrate", das  gleichzeitig ein  Gesetz von der Zu-
       nahme  der  Profitmasse  ist,  wird  der  Konflikt  zwischen  den
       stofflichen und  wertmäßigen Grundlagen der kapitalistischen Pro-
       duktionsweise auf  den Punkt  gebracht. Er  wird  formuliert  als
       Zweck (Profitproduktion)  - Mittel  (Produktivkraftsteigerung)  -
       Konflikt.
       Wesentlich für  die Analyse konkreter Krisenperioden ist aber die
       Formulierung dieses  Gesetzes als Ausdruck der "universellen Ten-
       denz" des  Kapitals, die damit aber noch nicht seine sich in Kri-
       sen entladende "besondre Beschränktheit" erklären kann. Bei einem
       Vergleich von  Ricardo (sozusagen  als  "Profitratentheoretiker")
       mit Sismondi (als "Überproduktionstheoretiker") stellt Marx fest:
       "Der ganze  Streit, ob   Ü b e r p r o d u k t i o n  möglich und
       notwendig auf  dem Standpunkt  des Kapitals, dreht sich darum, ob
       der Verwertungsprozeß  des Kapitals in der Produktion unmittelbar
       seine Verwertung  in die  Zirkulation setzt;  ob seine im  P r o-
       d u k t i o n s p r o z e ß  gesetzte Verwertung seine  r e a l e
       Verwertung ist." 11)
       Der Zweck-Mittel-Konflikt  der kapitalistischen Produktionsweise,
       wie er im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate zusammen-
       fassend ausgedrückt wird, und sein Zusammenhang zu den zyklischen
       Krisen wird  von Marx  so formuliert: "Die periodische Entwertung
       des vorhandenen  Kapitals, die ein der kapitalistischen Produkti-
       onsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate aufzuhal-
       ten und die Akkumulation von Kapitalwert durch Bildung von Neuka-
       pital zu  beschleunigen, stört  die gegebnen  Verhältnisse, worin
       sich der Zirkulations- und Reproduktionsprozeß des Kapitals voll-
       zieht, und  ist daher  begleitet von  plötzlichen Stockungen  und
       Krisen des Produktionsprozesses." 12)
       Der sich  mit der  Entwicklung der  kapitalistischen Produktions-
       weise entfaltende  Widerspruch zwischen  "Zweck" und "Mittel" der
       Produktion treibt  das Kapital zur Akkumulation in immer größerem
       Umfang: Der tendenzielle Fall der Profitrate zwingt die Einzelka-
       pitale zur Erweiterung der Profitmasse und beschleunigter Akkumu-
       lation. Den  Wirkungen der  niedrigeren Profitrate in der Produk-
       tion kann  also nur durch die Verwandlung eines tendenziell wach-
       senden Teils  des Wertprodukts in Profit, d.h. durch Vergrößerung
       des akkumulierten Teils im Gegensatz zum in Form von Revenue ver-
       zehrten Teil  entgegengewirkt werden.  Dies bedingt ein ständiges
       Anwachsen des  Anteils der  Produktionsmittel auf Kosten der Kon-
       sumgüter, oder,  in Kategorien  der  amtlichen  Statistik  ausge-
       drückt:  Die  "Investitionsquote"  muß  ständig  auf  Kosten  der
       "Konsumquote"  zunehmen.   Der  Bereicherungstrieb  des  Kapitals
       zwingt dieses  zur Verletzung  der durch technische Zusammenhänge
       bestimmten Proportionen des Gesamtreproduktionsprozesses.
       Die Entwertung  des Kapitals  und die  damit verbundene Neuanlage
       von Kapital  ist gleichzeitig  verbunden mit einer Ausdehnung der
       Produktionsfähigkeit der  Gesellschaft, der  Steigerung der  Pro-
       duktmenge bzw.  der Produktionskapazitäten.  Der Verfall der Pro-
       fitrate ist  der Stachel der Akkumulation in gebrauchswertmäßiger
       Hinsicht. Die  Steigerung der  Produktivkraft aber  ist  wiederum
       über das  Lohngesetz vermittelt  mit der Konsumtionsfähigkeit der
       Gesellschaft. Der  Verfall der  Profitrate ist  also gleichzeitig
       die Triebkraft  zur Zuspitzung  von Überproduktionskrisen  -  und
       Grundlage von  deren zeitweiliger  Überwindung im Zuge der Neuan-
       lage von  Kapital. "Die  Akkumulation des Kapitals, dem Wert nach
       betrachtet, wird  verlangsamt durch  die fallende  Profitrate, um
       die Akkumulation  des Gebrauchswerts  noch zu beschleunigen, wäh-
       rend diese  wieder die  Akkumulation, dem Wert nach, in beschleu-
       nigten Gang  bringt." 13)  Rein rechnerisch wäre der Punkt abseh-
       bar, an  dem eben  die beschleunigte  Akkumulation dem  Wert nach
       nicht mehr  in Gang  kommen kann:  dann nämlich, wenn die Profit-
       masse nicht  mehr ausreicht,  um den Umfang der akkumulierten Ge-
       brauchswerte -  welche ja  die Grundlage  der Ausdehnung  der Be-
       schäftigung sind - so zu vergrößern, daß die Beschäftigung ausge-
       dehnt wird.  Aber es  ist ja gerade die Funktion der Krisen, eine
       solche Situation als Dauerzustand zu vermeiden. 14)
       Die Zyklizität  dieses Prozesses nun läßt sich nur durch die Ein-
       führung der  Unterscheidung zwischen fixem und zirkulierendem Ka-
       pital begründen,  in  diesem  Sinne  ist  das  fixe  Kapital  die
       "materielle Grundlage"  der Krisen. 15) Auch hier zeigt sich, daß
       die Widersprüche  innerhalb des  Produktionsprozesses des Profits
       selbst nicht ausreichen zur Begründung zyklischer Krisen: Die hi-
       storische Tendenz  zum "Fall  der  Profitrate"  kommt  methodisch
       durchaus ohne  die Unterscheidung zwischen fixem und zirkulieren-
       dem Kapital aus.
       
       1.3 Die Reproduktion des fixen Kapitals
       ---------------------------------------
       als Grundlage der Zyklizität
       ----------------------------
       
       Um dies  zu verdeutlichen,  sei die  Krise als  Ausgangspunkt der
       Neuanlage von  Kapital -  und d. h. vor allem von fixem Kapital -
       beschrieben. Dies  ist im  übrigen berechtigt, obwohl die konzen-
       trierte Neuanlage von Kapital zwar einerseits die  F o l g e  des
       Krisenzyklus ist  (diesen also methodisch schon voraussetzt), an-
       dererseits hier  als Ursache  beschrieben wird.  In der  Tat aber
       verflechten sich  historisch Ursache  und Wirkung: "Ganz wie Him-
       melskörper, einmal  in eine bestimmte Bewegung geschleudert, die-
       selbe stets wiederholen, so die gesellschaftliche Produktion, so-
       bald sie  einmal in  jene Bewegung wechselnder Expansion und Kon-
       traktion geworfen ist." 16)
       Die Neuanlage  von fixem  Kapital, d.h. die Anschaffung von Inve-
       stitionsgütern, wirkt  in der Anschaffungsphase stark markterwei-
       ternd auf  die Anbieter von Investitionsgütern. Es entfaltet sich
       der Prozeß  eines sich  selbst tragenden Aufschwungs, bei dem die
       Investitionsgüterproduktion sich  gegenüber der  Konsumgüternach-
       frage verselbständigt,  ihr weit  vorauseilt. In  dieser  Periode
       führt die wachsende Nachfrage der Kapitalisten untereinander nach
       den Gütern  des fixen  Kapitals zu  einer weiteren Beschleunigung
       des Expansionstempos.  Dabei dehnt  sich die  Produktion in einem
       Tempo aus,  als sei die Produktivkraft der Gesellschaft ihre ein-
       zige Schranke.
       Die konzentriert  auftretende Nachfrage nach Gütern des fixen Ka-
       pitals bestimmt in der Belebungs- und Aufschwungsphase des Zyklus
       die Dynamik  der Entwicklung, wobei sich mit der kapitalistischen
       Produktionsweise die  Ausdehnungsfähigkeit  des  Produktionsappa-
       rates entwickelt:  "Indem das  Kapital sich  die beiden Urbildner
       des Reichtums,  Arbeitskraft und  Erde, einverleibt,  erwirbt  es
       eine Expansionskraft,  die ihm erlaubt, die Elemente seiner Akku-
       mulation auszudehnen  jenseits der  scheinbar durch  seine eigene
       Größe gesteckten  Grenzen, gesteckt  durch den Wert und die Masse
       der bereits  produzierten Produktionsmittel, in denen es sein Da-
       sein hat."  17) Erweitert wird die Akkumulationsfähigkeit des Ka-
       pitals dem  Gebrauchswert nach  noch durch  den aus freigesetzten
       Wertteilen des  fixen Kapitals  gespeisten  "Akkumulationsfonds".
       18) Er  eröffnet dem  Kapital die Möglichkeit, die Produktionsfä-
       higkeit des  Kapitalstocks über  das Maß  hinaus auszudehnen, das
       die angeeignete  und  akkumulierte  Profitmasse  vorschreibt.  Es
       kommt also  systematisch zu  einer Ausdehnung  der Produktivkraft
       der Gesellschaft  weit über  die Konsumtionsfähigkeit  der Massen
       hinaus.
       Es ist an anderer Stelle bereits beschrieben worden, daß ein sol-
       cher expansiver Prozeß seine Schranken nur in den Disproportionen
       auf der  Absatzseite finden  kann. 19)  Zwar verschlechtert  sich
       tendenziell über  steigende Löhne,  Rohstoffpreise und Zinsen die
       Rentabilität der  industriellen Einzelkapitale, gleichzeitig aber
       erscheinen die im Zuge beschleunigter Akkumulation steigenden Ko-
       sten vom Standpunkt der Einzelkapitale aus durch steigende Preise
       überwälzbar. Diese  Erwartungen werden  erst dann gebrochen, wenn
       dieser  Prozeß   an  sich  verschlechternden  Absatzmöglichkeiten
       (immer im Verhältnis zu den Produktionsmöglichkeiten) ins Stocken
       kommt.
       Das ist  dann der Fall, wenn die Disproportionen im Kern zwischen
       der sich  entwickelnden Produktivkraft der Gesellschaft und ihrer
       Konsumtionsfähigkeit manifest  werden. Dabei  löst  bereits  eine
       Verlangsamung des Absatzwachstums gegenüber den expansiven Erwar-
       tungen der  Einzelkapitalisten krisenhafte  Stockungen aus.  Denn
       Produktion für  den kapitalistischen  Markt ist immer Überproduk-
       tion im Verhältnis zur aktuellen Absatzlage, die Nachfrage muß in
       die Kapazitäten  hineinwachsen. Schon  bei einer  bloßen Verlang-
       samung des  Expansionsprozesses der  Nachfrage wird sich ein Teil
       der Produktionskapazitäten  als zu groß erweisen und eine Beendi-
       gung des  expansiven Akkumulationsprozesses  auslösen. Nicht etwa
       ein zu  niedriger Stand der Konsumtion, sondern die Loslösung der
       Akkumulation vom Tempo der Konsumtionsentwicklung führen also zur
       Krise. Der Ersatz der Nachfrage nach Endprodukten durch die Nach-
       frage der Kapitalisten nach Investitionsgütern findet seine Gren-
       zen an  den stofflichen Proportionen zwischen dem Umfang des Pro-
       duktionsapparates und dem Umfang der Konsumtion.
       "Außerdem findet,  wie wir  gesehen haben  (...) eine  beständige
       Zirkulation statt  zwischen konstantem Kapital und konstantem Ka-
       pital (auch  abgesehen von  der beschleunigten Akkumulation), die
       insofern zunächst  unabhängig ist  von der  individuellen Konsum-
       tion, als  sie nie  in dieselbe  eingeht, die aber doch durch sie
       definitiv begrenzt ist, indem die Produktion von konstantem Kapi-
       tal nie  seiner selbst  wegen stattfindet,  sondern nur weil mehr
       davon gebraucht wird in den Produktionssphären, deren Produkte in
       die individuelle Konsumtion eingehen. Dies kann jedoch eine Zeit-
       lang ruhig  seinen Weg  gehn, durch die prospektive Nachfrage ge-
       reizt, und in diesen Zweigen geht das Geschäft bei Kaufleuten und
       Industriellen daher sehr flott voran." 20)
       Der stoffliche  Zusammenhang bleibt also bestimmend für den Fort-
       gang des  Akkumulationsprozesses, stofflich  bestimmt der  Umfang
       der Konsumtion,  welche begrenzt  ist durch  die widersprüchliche
       Bewegung der Akkumulation und die darauf basierenden Verteilungs-
       verhältnisse, rückwirkend  wiederum die  Akkumulation. Dieser Zu-
       sammenhang macht sich aber spontan, hinter dem Rücken der Einzel-
       kapitale geltend, nämlich in Form von Krisen.
       Zusammenfassend ist  festzuhalten: Die Beschleunigung der Akkumu-
       lation ist die dem Kapital adäquate Reaktionsweise, um der histo-
       rischen Tendenz  zum Fall  der Profitrate entgegenzuwirken. Diese
       Strategie -  die in  unterschiedlichen historischen Phasen unter-
       schiedlich erfolgreich  sein kann  - ist verbunden sowohl mit der
       Zunahme des fixen Kapitals im Verhältnis zur angewandten lebendi-
       gen Arbeit  als auch mit der Konzentration und Zentralisation des
       Kapitals. Diese Strategie findet periodisch ihre Schranken in der
       stofflich bestimmten Proportionalität des gesellschaftlichen Pro-
       duktionsprozesses, letzten  Endes also  in der  mit der Akkumula-
       tion, der  Produktivkraftsteigerung widersprüchlich  vermittelten
       Konsumtionsfähigkeit der Massen.
       
       2. Abschwächung der Akkumulationsdynamik und
       --------------------------------------------
       Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals in der Bundesrepublik
       -----------------------------------------------------------------
       
       Die konkrete  Entwicklungsdynamik hängt nun zentral davon ab, wie
       sich die  Verhältnisse der  Profitproduktion und der Profitreali-
       sierung unter bestimmten historischen Verhältnissen gestalten.
       
       2.1 Sachkapitalrentabilität und Produktionsbedingungen
       ------------------------------------------------------
       des Profits
       -----------
       
       Betrachtet man die Kapitalrentabilität als Ausdruck der sich ver-
       ändernden Produktionsbedingungen  des Profits, so ergibt sich die
       Schwierigkeit, daß  diese der  zusammenfassende Ausdruck der Ver-
       wertungssituation sowohl  in der  Produktion als auch auf der Re-
       alisierungsseite ist.  Auch die  Berücksichtigung des tendenziell
       gesunkenen Auslastungsgrads beim Anlagevermögen klammert den Fak-
       tor "Realisierungsbedingungen"  nur sehr  unzureichend aus.  Denn
       die im  Zähler stehende  Summe der  Unternehmergewinne wird eben-
       falls von  der Auslastungssituation,  von den Realisierungsbedin-
       gungen ganz  erheblich beeinflußt  - dies  zeigt schon die starke
       zyklische Bewegung der Gewinnsumme.
       Trotzdem ergeben die verschiedenen Untersuchungen der Entwicklung
       der Verwertungsbedingungen in der BRD, daß der Rückgang der Kapi-
       talrentabilität in  den fünfziger und teilweise noch in den sech-
       ziger Jahren  vorrangig auf  Momente wie den raschen Zuwachs beim
       konstanten Kapital und gewisse Verteilungserfolge der Arbeiterbe-
       wegung zurückzuführen waren. Dagegen zeigen sich in der empirisch
       erfaßbaren Sachkapitalrentabilität seit Mitte bzw. Ende der sech-
       ziger Jahre  überzyklisch nur  noch geringfügige  Verschiebungen.
       Bei Berücksichtigung der sowohl im Zähler wie im Nenner wirksamen
       Einflußfaktoren der  niedrigeren Kapazitätsauslastung und schwie-
       rigeren Absatzmöglichkeiten  dürfte sich eine gewisse Tendenz zur
       Erholung der  Rentabilität bemerkbar machen, zumindest seit Mitte
       der siebziger Jahre.
       Auch nach  anderen Berechnungen  ergibt sich  ein ähnliches Bild:
       Die Kapitalrentabilität  fällt deutlich bis zur Mitte der sechzi-
       ger Jahre,  erreicht einen  Tiefpunkt in  der Mitte der siebziger
       Jahre und ist seither stabil bzw. steigt wieder (vor allem in den
       achtziger Jahren)  etwas an. Im großen und ganzen kann festgehal-
       ten werden,  daß der  Verfall der  Sachkapitalrentabilität in der
       Periode bis  Mitte der  sechziger Jahre  auffallend war,  während
       sich die  Verhältnisse seither nur noch wenig verändert haben. Es
       ist übrigens darauf zu verweisen, daß die Sachkapitalrentabilität
       auch in  der Hochzinsphase deutlich höher ist als die Rendite auf
       Wertpapiere, also als der Zinssatz. 21)
       
       Tabelle 1:
       Rentabilität des Sachkapitals der Unternehmen in der BRD
       
       1960    61    62    63    64    65    66    67    68    69    70
       1)
       31,6  29,1  27,4  25,3  26,7  25,8  23,6  22,4  24,2  24,7  24,6
       2) -   -     -    28,0  29,2  28,1  26,3  26,4  27,1  26,6  26,3
       
       1971    72    73    74    75    76    77    78    79    80
       1)
       23,5  22,8  22,2  21,0  19,3  21,4  21,3  22,4  23,6  21,2
       2)
       25,9  25,5  24,5  24,0  23,2  24,9  24,7  25,8  26,5  24,3
       
       1981    82    83    84 *) 85 *)
       1)
       19,0  19,4  21,1  21,9  23,3
       2)
       22,3  23,2  25,4  25,5  26,4
       _____
       *) Teilweise geschätzt
       1) Unternehmensgewinne der  Unternehmen ohne Land- und Forstwirt-
       schaft, Bundesbahn  und Bundespost und Wohnungsvermietung zu Net-
       tosachvermögen (Nettoanlagevermögen  + Vorräte)  zu Anschaffungs-
       preisen der Unternehmen ohne Land- und Forstwirtschaft, Verkehrs-
       und Nachrichtenwesen und Wohnungsvermietung.
       2) Bereinigung des  Nettoanlagevermögens mit dem vom Ifo-Institut
       für Wirtschaftsforschung  erhobenen Auslastungsgrad der industri-
       ellen Anlagen.
       Quellen: Statistisches  Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 8. Re-
       vidierte Ergebnisse  1960 bis  1984; Ifo-Schnelldienst, lfd.; ei-
       gene Berechnungen.
       
       Bild ansehen
       Sachkapitalrentabilität im Unternehmenssektor
       
       Für die  Stabilisierung der  Sachkapitalrendite in  den siebziger
       Jahren stellt  der Kapitalbindungsgrad  des Anlagevermögens einen
       wichtigen, bislang  kaum erwähnten  Einflußfaktor dar. Der Anteil
       des Nettoanlagevermögens  am Bruttoanlagevermögen  (sowohl zu fe-
       sten Preisen  als auch  zu Wiederbeschaffungspreisen) steigt zwi-
       schen 1950  und 1965  stark von 51,7 Prozent auf 68,7 Prozent (zu
       festen Preisen  gerechnet) an. Ab 1975 geht diese Relation wieder
       zurück und  erreicht 1984  rund 65,5 Prozent. In den gewerblichen
       Bereichen ist  die Veränderung noch stärker: Dort erhöht sich der
       Kapitalbindungsgrad des  Bruttoanlagevermögens zwischen  1950 und
       1965 von  47,3 auf  65,8 Prozent, um dann wieder auf 60,7 Prozent
       im Jahre  1984 zu  sinken. Bei einem Bruttoanlagevermögen der ge-
       werblichen Bereiche  von  mehr  als  3,1  Billionen  DM  (Wieder-
       beschaffungspreise) im  Jahre 1984  bewirkt die  Veränderung  des
       Kapitalbindungsgrades um  nur ein Prozent bereits einen relativen
       Kapitalfreisetzungseffekt von  mehr als 31 Milliarden DM. 22) Die
       Methode  des  Kapitals,  der  Verschlechterung  der  Produktions-
       bedingungen des  Profits durch  beschleunigte  Akkumulation  ent-
       gegenzuwirken, bedingt zunächst eine Ausdehnung des Absatzmarktes
       über die Schranken der Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft hin-
       aus. Dabei  sind zwei Momente für die Interpretation der BRD-Ent-
       wicklung wichtig:
       - die Orientierung auf den Weltmarkt;
       - die stoffliche  Struktur der  Akkumulation  von  fixem  Kapital
       selbst.
       
       2.2 Rückgang der Rentabilität und Ausdehnung der Produktion
       -----------------------------------------------------------
       
       Die Produktivkraft  wird gesteigert,  um dem  Fall der Profitrate
       durch Ausdehnung  der Profitmasse  entgegenzuwirken, was  mit der
       gebrauchswertmäßigen Expansion  der Warenmenge verbunden ist. Für
       diese müssen  also jeweils  zusätzliche  Absatzmöglichkeiten  er-
       schlossen werden. Die Expansionsfähigkeit der nationalen Kapitale
       auf den Weltmarkt ist dabei ein wichtiger Faktor bei der Überwin-
       dung der  Krisen aus  Überproduktion und  damit aber auch bei der
       Überwindung der  Widersprüche im  unmittelbaren Produktionsprozeß
       durch Ausdehnung  der  Produktion  der  Masse  nach.  Die  Krisen
       "werden häufiger  und heftiger schon deswegen, weil ... immer we-
       niger Märkte zur Exploitation übrigbleiben, da jede vorhergehende
       Krise einen bisher uneroberten ... Markt dem Welthandel unterwor-
       fen hat..." 23)
       
       2.2.1. Warenexport als Ventil der Überproduktion
       ------------------------------------------------
       
       Für die  Bundesrepublik läßt  sich zeigen,  daß diese markterwei-
       ternde Funktion  des Warenexports  bis heute  eine wichtige Rolle
       spielt. Dies  gilt vor allem für die Überwindung von durch zykli-
       sche Krisen  bedingten Marktverengungen.  Die Krisen von 1966/67,
       1974/75 und  1980/82 wurden  durch die Erhöhung des Außenbeitrags
       (Anteil des  Überschusses im  Warenhandel am Bruttoinlandsprodukt
       zu festen  Preisen) gemildert, die folgende Belebung vor allem in
       den Anfangsphasen  stimuliert. Überzyklisch  ist in den fünfziger
       Jahren ein hohes Niveau des Außenbeitrags zu beobachten, das sich
       in den  sechziger Jahren  erheblich verringert  und in der ersten
       Hälfte der  siebziger  Jahre  einen  Tiefstand  erreicht.  Danach
       steigt er  wieder an und erreicht Mitte der achtziger Jahre einen
       Spitzenwert mit 5,4 Prozent. 24)
       
       Tabelle 2:
       Außenbeitrag in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (feste Preise)
       
       1950    51    52    53    54    55    56    57    58    59
        2,6   5,0   4,4   4,3   4,3   4,0   4,3   4,5   3,7   3,7
       
       1960    61    62    63    64    65    66    67    68    69
        3,0   2,8   2,0   2,5   2,4   1,3   2,5   4,0   4,0   3,0
       
       1970    71    72    73    74    75    76    77    78    79
        2,0   1,4   1,5   3,2   5,6   3,4   3,5   3,7   2,9   2,0
       
       1980    81    82    83    84    85
        2,4   4,7   5,6   4,6   5,2   5,4
       _____
       Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7, Lange
       Reihen
       
       Die "mittlere Variante" einer gemeinsamen Prognose der Prognos AG
       und des  Instituts für  Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bis zum
       Jahre 2000  geht davon  aus, daß sich der Außenbeitrag weiter er-
       höht: Gerechnet  zu festen  Preisen, soll er sich auf 7,0 Prozent
       im Jahre 1990, auf 7,3 Prozent 1995 erhöhen und bis ins Jahr 2000
       leicht auf  6,5 Prozent zurückgehen. Demgegenüber steht ein wach-
       sender Einfuhrüberschuß beim Dienstleistungsbereich, vor allem im
       Tourismus. Aber  auch bei  Einbeziehung der Dienstleistungen soll
       der Außenbeitrag sich demnach weiter kräftig erhöhen. 25)
       Ob eine  solche Erwartung realistisch ist, dürfte bezweifelt wer-
       den. Denn die Verstärkung der Weltmarktposition der südostasiati-
       schen Länder, vor allem Japans, wird die Expansionsspielräume der
       "traditionellen" Weltmarktkapitale begrenzen. Die außerordentlich
       kräftige Außenexpansion  der Bundesrepublik  in der ersten Hälfte
       der achtziger  Jahre ist wesentlich dem Sonderfaktor "Dollarkurs"
       geschuldet, der  zeitweilig die  Weltmarktposition der USA im Wa-
       renhandel drastisch  reduziert hat. Schon jetzt ist absehbar, daß
       die Wirksamkeit dieses Faktors nachläßt.
       Auf der anderen Seite wird das Wachstum der Märkte in der dritten
       Welt, theoretisch  noch eine gewaltige "Expansionsreserve", durch
       die strukturelle  Benachteiligung dieser  Länder in der Weltwirt-
       schaft gehemmt. Aktuell steht dabei die hohe Verschuldung und die
       damit verbundene  Restriktionspolitik im Mittelpunkt. Die bislang
       verfolgte Strategie der kapitalistischen Länder zur Sicherung der
       in die  Länder der  dritten Welt  exportierten Kapitale und deren
       Verzinsung -  womit eine fällige Kapitalentwertung großen Umfangs
       verhindert werden  soll -  erweist sich als beschränkender Faktor
       im Warenhandel mit eben diesen Staaten. Ebenso schränkt der Kampf
       um niedrige  Rohstoffpreise als Ausdruck der Kapitalstrategie der
       Kostensenkung gleichzeitig  die Welthandelsexpansion ein. Für die
       nächsten Jahre  wird jedenfalls - wenn es nicht zu einer Umstruk-
       turierung der Weltwirtschaftsordnung im Sinne der Forderungen der
       dritten Welt  kommt (vorrangig ist dabei eine Schuldenstreichung)
       - eher mit einer Stagnation bzw. mit einem Rückgang des Importan-
       teils der dritten Welt für Industriewaren zu rechnen sein. 26)
       Die Strategie  der Warenexportexpansion  stößt also  im Zuge ver-
       schärfter internationaler Konkurrenz und sich relativ verengender
       Weltmärkte an gewisse Grenzen, woraus neue Dimensionen des Inter-
       nationalisierungsprozesses resultieren.  Diese  haben  allerdings
       eher restriktive  Wirkungen auf  den nationalen Reproduktionspro-
       zeß.
       
       2.2.2 Die Reproduktion des fixen Kapitals
       -----------------------------------------
       
       Für die zyklische Überwindung von Krisen, die notwendige Markter-
       weiterung, die  Dynamik und Länge von Aufschwungsperioden ist die
       Neuanlage von  fixem Kapital, die gegenseitige Nachfrage der Ein-
       zelkapitale nach  Investitionsgütern entscheidend.  Es kann  hier
       auf die  Darstellung dieses Zusammenhangs bei Katzenstein verwie-
       sen werden:  "Die relative  Zusammenballung der  Reproduktion von
       fixem Kapital  bedeutet also  nicht nur disproportionale Entwick-
       lung der  Produktionszweige schlechthin,  sondern auch  Loslösung
       der Produktion von Produktionsmitteln von der Produktion von Kon-
       sumtionsmitteln, d.  h. Entfaltung auch des Widerspruchs zwischen
       Produktion und  Markt ganz allgemein. Der Reproduktionsprozeß des
       fixen Kapitals wird zu einer materiellen Grundlage dafür, daß die
       Produktion von Produktionsmitteln, die Zirkulation zwischen Kapi-
       tal und Kapital, wie Marx sagt, zum hauptsächlichen Agens für die
       Erweiterung der kapitalistischen Produktion wird und sie so lange
       stimuliert, bis  schließlich die  kapitalistischen Grenzen  ihrer
       Ausdehnung zutage treten." 27)
       Die Wirkung  der Reproduktion  des fixen Kapitals im Zyklus hängt
       eng mit  den stofflichen  Eigenschaften der Investitionsgüter zu-
       sammen. So verweist Katzenstein darauf, daß im Zuge der erweiter-
       ten Reproduktion - im Gegensatz zum reinen Ersatz - auch jene Ar-
       beitsmittel eingeschlossen  sind, "die nur als allgemeiner Rahmen
       der Produktion  dienen" 28), also Gebäude, Kommunikationseinrich-
       tungen usw.  Die Wirkung  der Investitionen  auf den  Widerspruch
       Produktion-Markt und damit auf die zeitweilige Krisenlösungsfunk-
       tion der Akkumulation von fixem Kapital hängt nun eng mit der un-
       mittelbaren Bedeutung der Kapitalanlagen für die Produktionskapa-
       zitäten zusammen.
       "Ein großer  Teil des konstanten Kapitals, nämlich das fixe Kapi-
       tal, kann  aus solchem  bestehen, das direkt im Produktionsprozeß
       zur Erzeugung  von Lebensmitteln,  Rohstoffen etc.  eingeht  oder
       entweder zur  Abkürzung des  Zirkulationsprozesses dient, wie Ei-
       senbahnen, Straßen...,  oder zum  Aufbewahren ...  von Waren, wie
       Docks ...,  oder aber  erst  nach  langer  Reproduktionszeit  die
       Fruchtbarkeit vergrößert, wie Nivellierungsarbeiten, Abzugskanäle
       etc. Je  nachdem ein  größrer oder kleinrer Teil des surplus pro-
       duce auf eine dieser Arten capital fixe verwandt wird, werden die
       unmittelbaren nächsten Folgen für die Reproduktion von Lebensmit-
       teln etc. sehr verschieden sein." 29)
       Die Wirkungen  auf die  beiden Seiten des Gesamtreproduktionspro-
       zesses -  Profitproduktion und  Profitrealisierung -  sind nun je
       nach ihrer Nähe zum unmittelbaren Produktionsprozeß (Vergrößerung
       der "Fruchtbarkeit")  höchst unterschiedlich.  So bindet  die Er-
       richtung von allgemeinen Voraussetzungen der Produktion in großem
       Umfang Kapital,  die Umschlagszeit  ist lang, die Wirkung auf die
       Profitrate also  tendenziell negativ. Auf der anderen Seite stei-
       gern solche  Investitionen mit einer hohen Akzeleratorwirkung 30)
       die Nachfrage im Verhältnis zur damit verbundenen Erweiterung der
       Produktionskapazitäten, d.  h., die  Schranken der Konsumtionsfä-
       higkeit werden  damit hinausgeschoben, die Realisierungsbedingun-
       gen des Profits werden verbessert. Für die Stärke des Aufschwungs
       im Zyklus  und damit  auch die überzyklische Wachstumsdynamik ist
       dies aber  der wesentliche  Effekt: denn  die  tendenzielle  Ver-
       schlechterung der  Produktionsbedingungen des Profits wird in ei-
       ner solchen  Expansionsphase nicht manifest, die günstigen Reali-
       sierungsbedingungen verlängern  die Periode  des zyklischen  Auf-
       schwungs und damit auch die Möglichkeiten der Einzelkapitale, die
       steigenden Produktionskosten  durch steigende  Preise abzuwälzen.
       Phasen, in denen die Schaffung der allgemeinen Produktionsvoraus-
       setzungen ein hohes Gewicht im Prozeß der Kapitalakkumulation be-
       sitzen, sind  Phasen raschen Wachstums der Nachfrage und der Pro-
       duktion, in  denen die Krisen relativ kurz und die Aufschwungspe-
       rioden relativ lang sind.
       Für die  Bundesrepublik läßt  sich zeigen,  daß die fünfziger und
       teilweise auch  noch die  sechziger  Jahre  gekennzeichnet  waren
       durch die Wieder- bzw. Neuerrichtung von produktionsbezogenen und
       konsumbezogenen allgemeinen Voraussetzungen des Akkumulationspro-
       zesses. 31)  Während die  Produktionsanlagen selbst nach dem Ende
       des zweiten Weltkriegs in Deutschland einen vergleichsweise hohen
       quantitativen und  qualitativen Stand  hatten, waren die Einrich-
       tungen des Transport- und Nachrichtenwesens stark zerstört, fehl-
       ten vor allem in großem Umfang Wohnungen. 32)
       Die Akkumulation  von fixem Kapital bezog sich in den ersten Jah-
       ren also vor allem auf den Baubereich.
       
       Tabelle 3:
       Struktur der Bruttoanlageinvestitionen 1)
       
                                       darunter:
              Ausrüstungen    Bauten   Wohnbauten    Unternehmen   Staat
       
       1950       28,1         71,9       41,7           89,8       10,2
       1955       29,4         70,6       41,5           89,3       10,7
       1960       30,8         69,2       36,0           87,5       12,5
       1965       32,9         67,1       32,5           82,7       17,3
       1970       38,2         61,8       27,5           82,5       17,5
       1975       37,5         62,5       28,3           81,2       18,8
       1980       41,6         58,4       27,5           84,6       15,4
       1985       41,6         58,4       28,1           87,6       12,4
       _____
       1) Zusammensetzung in Prozent, in festen Preisen
       Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7; Wirt-
       schaft und Statistik, 3/1986
       
       Der starke  Rückgang des  Anteils der Wohnungsbauinvestitionen in
       den sechziger  Jahren wurde  teilweise aufgefangen  durch den An-
       stieg der  staatlichen Investitionen (Gebietskörperschaften), die
       ebenfalls zu  etwa 90  Prozent aus Bauinvestitionen bestehen. Die
       Strukturveränderungen im Akkumulationsprozeß von fixem Kapital in
       stofflicher Hinsicht beinhalteten also einen engeren Zusammenhang
       von Investitionsnachfrage  und Kapazitätserweiterung,  d.h.,  die
       Neuanlage von fixem Kapital verschiebt sich auf die stärker kapa-
       zitätswirksamen Ausrüstungsinvestitionen,  wodurch die Dispropor-
       tionalität des  Gesamtreproduktionsprozesses  im  Zyklus  rascher
       hervortritt und  ihre Überwindung  langwieriger wird. "Der Repro-
       duktionsprozeß des  fixen Kapitals wird also zu einer materiellen
       Grundlage des  Aufschwungs der Produktion, aber zugleich auch ih-
       rer widersprüchlichen Entwicklung. Eben dadurch aber wird er auch
       zu einer  materiellen  Grundlage  ihres  schließlichen  Zusammen-
       bruchs. Indem er die Entfaltung der Widersprüche der kapitalisti-
       schen Produktion stimuliert, wird er selbst zum wesentlichen Fak-
       tor einer Entwicklung, die schließlich den Umschlag in seinem ei-
       genen Verlauf hervorbringt. 33)
       Die Beendigung  der Rekonstruktionsperiode nach dem zweiten Welt-
       krieg mit  seinem Zurückbleiben  der Bauinvestitionen  - was wie-
       derum mit  der längeren  Lebensdauer und  Funktionsfähigkeit  der
       Bauten im  Gesamtreproduktionsprozeß zusammenhängt  - bindet also
       die Entfaltung  der Widersprüche enger an die Funktion der Neuan-
       lage von Kapital als Grundlage von zyklischen Aufschwüngen.
       Die Gestaltung  des Verhältnisses zwischen Nachfrage- und Kapazi-
       tätseffekt der  Akkumulation von  fixem Kapital als wichtiges Mo-
       ment der  Entwicklungsdynamik im Zyklus ist abhängig vom Verhält-
       nis zwischen  Kapitalfixierung und  Kapitalfreisetzung. Entschei-
       dend ist hier die Tatsache, daß das fixe Kapital gebrauchswertmä-
       ßig (stofflich) ganz in den Arbeitsprozeß eingeht, wertmäßig aber
       nur nach Maßgabe des Anlagenverschleißes. Wertersatz und Stoffer-
       satz beim fixen Kapital fallen auseinander. Der jährliche Produk-
       tenwert der  Produktion, der  bei Gleichgewichtsbedingungen eben-
       falls jährlich realisiert werden muß, enthält das jährliche Wert-
       produkt (also variables Kapital plus Mehrwert), das zirkulierende
       konstante Kapital  und das  fixe konstante  Kapital. Nun  ist der
       laufende stoffliche Ersatz des zirkulierenden konstanten Kapitals
       zur Aufrechterhaltung  der Produktion auf der gleichen Stufenlei-
       ter notwendig,  nicht aber  der stoffliche Ersatz des fixen Kapi-
       tals. Die  Nachfrage nach  Gütern des  fixen Kapitals kann - auch
       bei einfacher Reproduktion - größer, gleich oder kleiner sein als
       der Teil  des Produktenwerts,  der den anteiligen Wertverlust der
       Anlagegüter  repräsentiert  (Abschreibungen).  Der  Produktenwert
       kann dann  nicht voll realisiert werden (zu den Werten), wenn die
       Nachfrage nach  Gütern des  fixen Kapitals unter den Abschreibun-
       gen, also dem entsprechenden Wertverlust der Anlagen, liegt. Dann
       übersteigt die  Produktion die  Nachfrage.  Umgekehrt,  wenn  die
       Nachfrage nach  Gütern des fixen Kapitals über den Abschreibungen
       liegt. Dann  ist die Nachfrage - ceteris paribus - größer als die
       Produktion.
       Marx verweist  im zweiten  Band des  Kapitals auf die Wirkung des
       wechselnden Verhältnisses "zwischen absterbendem (zu erneuerndem)
       und in  alter Naturalform  fortwirkendem (bloß  für Ersatz seines
       Verschleißes den  Produkten Wert  zusetzendem) fixem Kapital" auf
       den Reproduktionsprozeß, ein Tatbestand, der ständige Überproduk-
       tion voraussetzt  - was unter kapitalistischen Verhältnissen aber
       mit Krisen verbunden ist. 34)
       Für die  Entwicklung in der BRD ist nun nachzuweisen, daß auf der
       einen Seite  die Relation  zwischen jährlichen  Investitionen  (=
       Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals), also Bruttoanlageinve-
       stitionen und  Abschreibungen, immer günstiger wird. Die folgende
       Tabelle zeigt,  daß in den fünfziger Jahren die Bruttoanlageinve-
       stitionen nur  zu einem Drittel aus den Abschreibungen finanziert
       wurden. Diese  Relation stieg in den sechziger Jahren auf über 40
       Prozent und  erreichte in  der ersten  Hälfte der achtziger Jahre
       Werte von über zwei Dritteln.
       Gleichzeitig veränderte  sich die  Relation von Abschreibungen zu
       Anlageabgängen, wobei  die Abschreibungen  zunächst bedeutend ra-
       scher anstiegen  als die  vom  Statistischen  Bundesamt  auf  der
       Grundlage bestimmter  Lebensdauerschätzungen berechneten Anlagen-
       abgänge. Für unseren Argumentationszusammenhang bedeutet das: Bis
       Mitte der  sechziger Jahre sinkt die Relation zwischen absterben-
       dem (zu  erneuerndem) fixem  Kapital und  dem Teil des Produkten-
       werts, der  den jährlichen  Verschleiß repräsentiert.  Oder:  Die
       Reinvestition  der   Abschreibungen  (wodurch  ja  lediglich  ein
       Gleichgewicht zwischen  Produktion und  Markt hergestellt  würde)
       beinhaltet eine  Erweiterung des  Produktionsapparates in ständig
       wachsendem Ausmaß.  Erst ab  Mitte der sechziger Jahre steigt die
       Relation zwischen Anlagenabgängen und Abschreibungen wieder etwas
       an, aber  weiterhin wird  der Produktionsapparat  schon durch die
       bloße Reinvestition der Abschreibungen stark erweitert. Dabei ist
       in Erinnerung  zu behalten,  daß infolge des sinkenden Bauanteils
       der  Kapazitätseffekt  der  Investitionen  ebenfalls  tendenziell
       wächst. 35)
       
       Tabelle 4:
       Anlageinvestitionen, Abschreibungen und Anlagenabgänge der Unter-
       nehmen
       
              (1)    (2)     (3)         (4)        (5)        (6)
              BAI    NAI    Abschr.    (3)%(1)    Abgänge    (5)%(3)
       1950  16,7    9,4      7,4       44,0        6,7       90,9
       1955  37,7   25,5     12,2       32,3        8,8       72,0
       1960  63,9   41,6     22,2       34,8       11,7       52,6
       1965  99,0   58,2     40,8       41,2       18,5       45,4
       1970 141,0   77,1     63,8       45,3       31,3       49,0
       1975 169,7   88,1    108,6       64,0       55,2       50,8
       1980 282,8  121,3    161,5       57,1       87,6       54,3
       1985 316,9   99,6    217,2       68,5      122,5 *)    56,4
       _____
       1) Bruttoanlageinvestitionen zu jeweiligen Preisen in Mrd. DM
       2) Nettoanlageinvestitionen zu jeweiligen Preisen in Mrd. DM
       3) Abschreibungen zu Wiederbeschaffungspreisen in Mrd. DM
       4) Abschreibungen in Prozent der BAI
       5) Anlagenabgänge zu Wiederbeschaffungspreisen in Mrd. DM
       6) Anlagenabgänge in Prozent der Abschreibungen
       *) Für 1985 geschätzt
       Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7; Wirt-
       schaft und Statistik, 3/1986; eigene Berechnungen
       
       Fragt man  nach dem  Umfang der  Akkumulation, d.h. nach dem Teil
       des in  (fixes) Kapital verwandelten Wertprodukts, so ergibt sich
       auf der  Grundlage der Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Ge-
       samtrechnung (VOR)  folgende Relation: Für den Unternehmenssektor
       kann von  der Bruttowertschöpfung  ausgegangen werden,  welche um
       die darin noch enthaltenen Abschreibungen bereinigt werden müßte.
       Man erhält  dann eine Nettowertschöpfung der Unternehmen, die al-
       lerdings nicht  identisch ist  mit der  gleichlautenden Kategorie
       der VGR,  da dort  noch die Produktionssteuern abgezogen werden -
       eine für  unseren Zweck  (die Ermittlung  des Wertprodukts) nicht
       brauchbare Operation. Aus den Nettoinvestitionen und der so defi-
       nierten Nettowertschöpfung der Unternehmen errechnet sich nun der
       in Form von fixem Kapital akkumulierte Teil des Wertprodukts: Die
       Relation steigt  zunächst von  11,6 Prozent 1950 auf 16,9 Prozent
       1960, sinkt auf 15,7 Prozent 1970, 12,0 Prozent 1980 und 9,6 Pro-
       zent 1983.  36) Tatsächlich wird, seit Mitte der sechziger Jahre,
       ein sinkender Teil des Wertprodukts in Form von fixem Kapital ak-
       kumuliert.
       Deutlicher wird  diese Problematik  bei einem  Vergleich zwischen
       dem Kapitalstock der Unternehmen (als Ausdruck der Produktionska-
       pazität) und den Bruttoanlageinvestitionen als Ausdruck der Nach-
       frage nach  Investitionsgütern. Eine steigende Nachfrage nach In-
       vestitionsgütern dient dabei zunächst zur besseren Auslastung des
       Kapitalstocks,   stimuliert    also    das    Wirtschaftswachstum
       (Nachfrageeffekt), bewirkt  aber mit einer Zeitverzögerung dessen
       Vergrößerung (Kapazitätseffekt).
       
       Tabelle 5:
       Zuwachsraten von Kapitalstock und Investitionen der Unternehmen
       
                                  (1)     (2)     (3)     (4)
       Jahresdurchschnitte        KSt.    BAI    BWsch.   KKo
       
       1950/1960                  5,6     9,1     8,2    -2,9
       1960/1970                  5,6     3,9     4,6     0,8
       1970/1980                  4,0     1,9     2,9     1,1
       1980/1985                  3,0     0,0     1,5     1,5
       _____
       1) Kapitalstock in festen Preisen, Zuwachs in Prozent
       2) Bruttoanlageinvestitionen in  festen Preisen,  Zuwachs in Pro-
       zent
       3) Bruttowertschöpfung in festen Preisen, Zuwachs in Prozent
       4) Kapitalkoeffizient als  Verhältnis von Kapitalstock zu Brutto-
       wertschöpfung in festen Preisen, Veränderung in Prozent
       Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7
       
       Es zeigt sich, daß die Bruttoanlageinvestitionen seit den sechzi-
       ger Jahren deutlich langsamer als der Kapitalstock gewachsen sind
       - aber  auch langsamer  als die  Bruttowertschöpfung. Selbst wenn
       man einen  tendenziell ansteigenden Kapitalkoeffizienten in Rech-
       nung stellt  (der hier benutzte faktische Kapitalkoeffizient wird
       nicht nur durch die technologische Relation - wieviel Bruttoanla-
       gevermögen ist  notwendig zur  Erzeugung  einer  bestimmten  Pro-
       duktmenge -, sondern auch durch den tendenziell gesunkenen Ausla-
       stungsgrad beeinflußt), wächst das Produktionspotential, d.h. die
       Produktionskapazität, rascher  als die Bruttoanlageinvestitionen,
       also die Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals. In der Tendenz
       erweitert also eine bestimmte Investitionssumme (Nachfrageeffekt)
       das Produktionspotential  (Kapazitätseffekt) stärker,  der Wider-
       spruch zwischen  den beiden  Momenten der  Akkumulation von fixem
       Kapital wird enger.
       Diese skizzierte  Entwicklung ist eine unter kapitalistischen Be-
       dingungen "naturwüchsige" Tendenz des Akkumulationsprozesses: Ein
       sich beschleunigender  Prozeß der  Akkumulation von fixem Kapital
       produziert in  wachsendem Umfang Schranken für die Produktion und
       für die  Realisierung von  Profit, Schranken,  die nur durch eine
       weitere Beschleunigung  des Akkumulationstempos überwunden werden
       könnten. Unter  allgemein günstigen  Realisierungsbedingungen ist
       eine Zunahme  des Akkumulationstempos  auch bei  sich tendenziell
       verschlechternden Produktionsbedingungen des Profits die den Ein-
       zelkapitalen adäquate  "Lösung" - erst wenn Realisierungsprobleme
       hinzukommen, ist  dieser Ausweg  versperrt. In der Bundesrepublik
       sind die  veränderten Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals
       die Grundlage  für zyklisch  wachsende Realisierungsprobleme, für
       tiefere Krisen,  schwächere Aufschwünge  und eine  insgesamt ver-
       langsamte Wachstumsdynamik.
       Eine erneute  Belebung der  Akkumulationsdynamik könnte die Folge
       erneuter Veränderungen der Reproduktionsbedingungen des fixen Ka-
       pitals sein, wie sie im Zusammenhang mit der Einführung der neuen
       Technologien bereits im Ansatz sichtbar sind. Es wurde bereits an
       anderer Stelle  die These  entwickelt, daß  der - bezogen auf die
       Produktmenge -  kapitalsparende Charakter  der neuen Technologien
       im Gegenteil dazu führt, daß der Zusammenhang zwischen Nachfrage-
       und Kapazitätseffekt  der Akkumulation von fixem Kapital noch en-
       ger wird.  37) Der  Kapazitätseffekt einer bestimmten Investition
       nimmt tendenziell zu, die Einführung der neuen Techniken verlangt
       zwar große  Investitionen, welche  aber gleichzeitig  sehr  stark
       produktionswirksam sind und die Produktionskapazitäten ausdehnen.
       "Die technischen  Neuerungen der  80er Jahre  resultieren aus der
       Anwendung der  Mikroelektronik.  Kapitalsparende  Effekte  können
       aufgrund der  der Mikroelektronik  innewohnenden Tendenz  zur ra-
       schen Verbilligung und zur Miniaturisierung erwartet werden. Dies
       ist jedoch  nicht der  einzige Grund:  Die mit der elektronischen
       Steuerung  verbundene   höhere  Auslastbarkeit  der  Anlagen  pro
       Zeiteinheit (Erhöhung der Maschinenlaufzeiten) führt ebenfalls zu
       einer Senkung des Kapitaleinsatzes je Produkteinheit.
       Last, but  not least, sind durch die neuen Techniken erstmals Au-
       tomatisierungsmöglichkeiten für  die Mittel-  und Kleinserienpro-
       duktion und  damit für  die Herstellung  von Kapitalgütern selbst
       erschlossen worden.  Die Verbilligung  der Kapitalgüter durch den
       Einsatz der  neuen Automatisierungstechniken  ist der kapitalspa-
       rende technische  Fortschritt per  se." 38)  Obwohl eine  abgesi-
       cherte empirische  Untermauerung dieser  These noch nicht möglich
       ist -  der Durchsetzungsprozeß  der neuen Techniken befindet sich
       erst in  den Anfängen  - sprechen doch die bisherigen Erfahrungen
       und vorhandenen Beispiele für den eher kapitalsparenden Charakter
       der neuen Technologien: Es handelt sich um Rationalisierungstech-
       niken, durch  die traditionelle  Produktionslösungen durch billi-
       gere Verfahren ersetzt werden, ohne daß zusätzliche Investitionen
       mit entsprechenden Beschäftigungseffekten absehbar wären.
       Die zyklisch beschleunigte Akkumulation stößt in dem Maße rascher
       an die  Grenzen der beschränkten Absatzmöglichkeiten, wie der Zu-
       sammenhang zwischen  Nachfrageeffekt und Kapazitätseffekt der Ak-
       kumulation von fixem Kapital enger wird. In diesem Sinne ist also
       die Zunahme  der Krisenhaftigkeit  des Akkumulationsprozesses und
       die daraus  resultierende überzyklische  Verlangsamung des  Wirt-
       schaftswachstums ein Vorgang, der im Kern aus den sich verändern-
       den Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals selbst abgeleitet
       werden kann.  Darüber hinaus  erschwert die zunehmende Weltmarkt-
       konkurrenz, insbesondere der Ausbau der Position Japans, die Aus-
       dehnung der äußeren Absatzfelder.
       
       3. Abschwächung der Akkumulationsdynamik und die Reaktion
       ---------------------------------------------------------
       des staatsmonopolistischen Kapitalismus
       ---------------------------------------
       
       Die gegenwärtig  zu beobachtenden  sozialökonomischen Umbruchpro-
       zesse sind  also zunächst  nicht als  Folge besonderer Ereignisse
       der siebziger Jahre - wie z.B. der "Ölkrise" - zu interpretieren.
       Es geht  vielmehr darum,  daß das  Kapital neue  Strategien  ent-
       wickelt, um mit einer deutlich verlangsamten Akkumulationsdynamik
       fertig zu  werden. Im  folgenden wird  jedoch zu zeigen sein, daß
       dadurch die  Widersprüche im  Gesamtreproduktionsprozeß noch ver-
       tieft, daß  neue gesamtwirtschaftliche  Wachstumsspielräume nicht
       erschlossen werden. Die anhaltende Krisenhaftigkeit auf allen ge-
       sellschaftlichen Ebenen muß dabei als Unfähigkeit des staatsmono-
       polistischen Regulierungssystems definiert werden, das Aufbrechen
       von Widersprüchen und Disproportionen unter der Bedingung niedri-
       gerer Wachstumsdynamik  zu verhindern. Die bislang zu beobachten-
       den Reaktionsmuster  der Einzelkapitale  und des kapitalistischen
       Gesamtsystems in  seiner im  Kern staatsmonopolistischen Struktur
       erweisen  sich  als  ungeeignet,  neue  ökonomische  und  soziale
       Gleichgewichtsverhältnisse herzustellen,  die Spielräume für eine
       erneute Belebung  der kapitalistischen  Akkumulationsdynamik bie-
       ten.
       Der Versuch  einer erneut beschleunigten Akkumulation des Gesamt-
       kapitals zur zeitweiligen Überwindung der Schranken des Gesamtre-
       produktionsprozesses scheiterte  schon in  den  sechziger  Jahren
       sowohl an  den Verhältnissen  auf dem  Weltmarkt als  auch an den
       veränderten Reproduktionsbedingungen  des fixen  Kapitals selbst.
       Die Überwindung der Krise von 1966/67 durch eine wirtschaftspoli-
       tisch stimulierte  allgemeine Expansion  von Produktion und Inve-
       stitionen führte sehr rasch zu neuen Disproportionen im Gesamtre-
       produktionsprozeß und  in die  tiefe Krise von 1974/75. Es zeigte
       sich, daß  ein solch "expansiver" Weg der Krisenüberwindung unter
       den herrschenden Bedingungen nicht mehr gangbar war, gleichzeitig
       eröffnete die Krise von 1974/75 den Weg für andere Strategien.
       
       3.1 Lohnkosten und Sozialabbau
       ------------------------------
       
       Es entspricht der Reaktionsweise der Einzelkapitale, auf sich zu-
       spitzende Verwertungsschwierigkeiten  mit einer Strategie der Ko-
       stensenkung zu  reagieren. Dabei  stehen die Lohnkosten - als di-
       rekte und  indirekte Personalkosten  - im Vordergrund. Zunehmende
       Arbeitslosigkeit eröffnete  seit Mitte der siebziger Jahre Spiel-
       räume für  einen Umverteilungsprozeß,  der sowohl den Individual-
       lohn als  auch die gesellschaftlich vermittelten Lohnbestandteile
       erfaßt hat.  Es gelang,  den Anstieg der Reallöhne zu stoppen und
       diese sogar  herabzusetzen. Gleichzeitig gelang es, die Finanzie-
       rungsstrukturen der  öffentlichen Haushalte - bei gesenktem Sozi-
       alleistungsniveau -  deutlich zu verschieben. Als Ausdruck dieser
       Tendenz kann  die Nettolohnquote gewählt werden: Sie gibt darüber
       Auskunft, welcher Teil des Volkseinkommens in Form von Löhnen und
       Gehältern den Lohnabhängigen zufließt. (Tab. 6)
       
       Tabelle 6:
       Lohnquoten 1)
       
                  Bruttoeinkommen aus           Nettolohn- und
                  unselbständiger Arbeit        -gehaltssumme
                Tatsächliche    Bereinigte    Tatsächliche    Bereinigte
                Lohnquote       Lohnquote 2)  Lohnquote       Lohnquote
       
       1960        60,1            60,1          43,7            43,7
       1970        68,0            62,9          45,0            41,7
       1975    ··· 73,1            66,1          44,2            40,0
       1979        71,5            63,4          41,9            37,2
       1980        73,5            64,9          42,4            37,5
       1981        74,4            65,6          42,6            37,6
       1982        73,8            65,2          41,8            37,0
       1983        71,8            63,7          40,0            35,5
       1984        70,8            62,8          38,9            34,5
       1985        69,9            62,0          37,8            33,5
       1986        69,5            61,5          37,5            33,3
       _____
       1) Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen
       2) Bei konstant  gehaltenem Anteil  der  Abhängigen  an  den  Er-
       werbstätigen 1960.
       Quelle: Statistisches Bundesamt,  Fachserie 18,  Reihe  1;  Wirt-
       schaft und  Statistik, 1/1986;  Jahresgutachten 1985/86 des Sach-
       verständigenrates, S. 53; DIW-Wochenbericht 1/2-1986 (Prognose)
       
       Diese "Erfolge"  sind um so stärker zu gewichten, als sie vor dem
       Hintergrund sehr  langsamer Wachstumsraten  erreicht wurden,  das
       zur Verteilung gelangende Volkseinkommen also krisenhaft gedrückt
       blieb. Bemerkenswert  ist, daß  im Zyklus 1982-1986 die Umvertei-
       lungsprozesse in allen Phasen fortgesetzt werden, ein Anstieg der
       Lohnquote auch in der Spätphase des Aufschwungs nicht mehr durch-
       gesetzt werden  konnte. Dies  beinhaltet ein wichtiges Moment der
       Deformation des  Zyklus. Lediglich  der starke Verfall der Erdöl-
       preise ab  Ende 1985  sorgte dafür,  daß es schließlich 1986 doch
       noch zu  einer deutlichen  Belebung des privaten Konsums gekommen
       ist. Dadurch dürfte der Wendepunkt zu einer neuen Krise hinausge-
       schoben worden sein.
       Einen Eindruck  von den  Veränderungen in  der Kostenposition der
       Löhne und  Gehälter vermitteln  die Veränderungen des Anteils der
       Löhne und Gehälter am Umsatz der Industrie (Bergbau und Verarbei-
       tendes Gewerbe). (Tab. 7)
       
       Tabelle 7:
       Lohnkosten in der Industrie
       
              Lohn- und Gehaltsumme in % vom Umsatz
       
       1950                 19,0
       1955                 17,8
       1960                 18,9
       1965                 21,8
       1970                 23,8
       1975                 24,9
       1980                 21,5
       1984                 19,6
       _____
       Quellen:  Statistisches  Bundesamt,  Bevölkerung  und  Wirtschaft
       1872-1972, Wiesbaden 1972; Statistisches Jahrbuch, lf.
       
       Vor allem in den achtziger Jahren wurden die Lohnkosten drastisch
       gesenkt. Die  Lohnkosten je  Umsatzeinheit im  Produzierenden Ge-
       werbe sanken  von einem  Index 1980  = 100  auf etwa  90 im Jahre
       1985. 39) In engem Zusammenhang damit steht ein Wechsel des sozi-
       alpolitischen Grundmusters.  Neben einer  quantitativen Reduktion
       der Sozialleistungen,  dem massiven  Sozialabbau, steht der Abbau
       kollektiver Schutznormen  im Sozial-  und Arbeitsrecht,  der Ver-
       such, eine  Parzellierung und Individualisierung der sozialen Be-
       ziehungen überhaupt  zu verankern.  40) Hier sind das Kapital und
       die Regierung allerdings bislang auf harten Widerstand der Arbei-
       terbewegung gestoßen,  die "Vermarktung"  der  Sozialpolitik  ist
       bislang noch  nicht durchgesetzt  worden. Die dauerhafte, überzy-
       klische Massenarbeitslosigkeit  wird in  dem  Sinne  funktionali-
       siert, als die damit verbundene verschärfte Konkurrenz um den Ar-
       beitsplatz dem Kapital in allen Phasen des Zyklus ein Übergewicht
       verschafft.
       
       3.2 Rationalisierung und der Charakter der neuen Technologien
       -------------------------------------------------------------
       
       In einem  engen Zusammenhang mit der Senkung der Lohnkosten steht
       der forcierte  Einsatz der  neuen Technologien  als ein  weiteres
       zentrales Reaktionsmuster  der Einzelkapitale auf die veränderten
       Verwertungsbedingungen. Alle  Krisen sind  Ausgangspunkte für die
       Neuanlage von fixem Kapital, welches den neuesten Stand der Tech-
       nik inkorporiert.  Die Besonderheit  ab Mitte der siebziger Jahre
       wird aber nicht nur durch die besondere Tiefe der Krisen, sondern
       auch durch  den veränderten Charakter der neuen Technologien cha-
       rakterisiert. Im  Mittelpunkt des Technikeinsatzes im Ausgang der
       zyklischen Krisen  steht die Senkung der Produktionskosten, weni-
       ger die  Entwicklung von  neuen Konsumgütern. Prozeß- und Produk-
       tinnovationen verflechten  sich natürlich  miteinander, im Prozeß
       der gesellschaftlichen Arbeitsteilung ist aber hervorzuheben, daß
       die Umwälzung der Produktionsprozesse im Vordergrund steht. Ob es
       in der  Folge der forcierten Rationalisierung der Produktionsver-
       fahren auch  zu den ersehnten "Produktinnovationen" auf der Ebene
       der Endnachfrage  kommt -  dies hängt vor allem davon ab, wie die
       Dynamik des Gesamtprozesses sich entwickelt.
       Als Ergebnis  forcierter Rationalisierung  war vielfach  erwartet
       worden, daß  es zu  einer tendenziell  beschleunigten Entwicklung
       der Arbeitsproduktivität  kommt. Dies  ist auf  der statistischen
       Erscheinungsebene bislang  jedoch nicht  nachweisbar: Bezogen auf
       die Stundenproduktivität hat sich die Entwicklung eher etwas ver-
       langsamt. Dabei  ist bei  Betrachtung des verarbeitenden Gewerbes
       bzw. der einzelnen Branchen eher eine Kontinuität der Entwicklung
       der Arbeitsproduktivität  festzustellen. Allerdings  ist die Ent-
       wicklung der Produktivität auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene
       ebenfalls relevant:  Die Anwendung der neuen Technologien ist mit
       einer Differenzierung  des gesellschaftlichen Arbeitskörpers ver-
       bunden, der  eine Ausweitung  der produktionsbezogenen Dienstlei-
       stungen (Planung, FuE, Beratung, Disposition usw.) beinhaltet, so
       daß die  Abgrenzung der  Branchen solche  Veränderungen nicht ad-
       äquat erfaßt.
       Ohne daß  diese Problematik  hier ausführlich  diskutiert  werden
       kann, ist  aber festzuhalten,  daß das Wachstumstempo der Produk-
       tion ebenfalls ein wichtiger Bestimmungsgrund der Produktivitäts-
       entwicklung ist,  je rascher  das Wachstum,  desto leichter fällt
       die Auslastung  des angewandten  Potentials an lebendiger Arbeit.
       Die relativ  stabile  Entwicklung  der  Arbeitsproduktivität  bei
       stark verlangsamtem  Wachstum -  als Produktions-/Produktivitäts-
       schere diskutiert 41) - signalisiert insgesamt also durchaus pro-
       duktivitätssteigernde Wirkungen  der neuen  Produktionsverfahren.
       Die neuen  Technologien entfalten  ihre produktivitäts-  und  ka-
       pazitätssteigernden Wirkungen  schon bei  Implementation  in  die
       bestehenden Strukturen  des Produktionsapparates.  So gelingt es,
       durch den  verstärkten Einsatz  der Rationalisierungstechnologien
       die Produktionskosten  zu senken  und die  Produktionsbedingungen
       des Profits  deutlich zu  verbessern. Dies  bewirkt jedoch  keine
       durchgehende Belebung  des Gesamtreproduktionsprozesses,  weil es
       zu  keinem   zyklischen  Ausgleich   des  Widerspruchs   zwischen
       Produktion und Markt kommt.
       Die Rationalisierung der Produktion führt zur Freisetzung von le-
       bendiger Arbeit  auch in  gesamtwirtschaftlichen Dimensionen,  da
       sie sehr  rasch kostenwirksam wird. Der Typ des technischen Fort-
       schritts ist  also entscheidend:  Die Rationalisierung  ist nicht
       verbunden mit  einer "Verlängerung  der Produktionsumwege".  Wäre
       das der Fall, dann würde es in der Tat zunächst zu einer Überkom-
       pensation der  Freisetzungswirkungen der  neuen Technologien kom-
       men. Bevor  diese ihre Rationalisierungswirkungen entfalten könn-
       ten, müßte  die entsprechende  Maschinerie produziert  werden. Es
       müßte also  zunächst zu  einer kräftigen Expansion der Produktion
       in den  Investitionsgüterbereichen kommen, d. h., dort würde auch
       die Beschäftigung  expandieren. Die These vom "joblosen" Wachstum
       drückt also  gleichzeitig einen  Typ von  technischem Fortschritt
       aus, der auch kapitalsparend ist. Diese Problematik wird beleuch-
       tet durch  die Prognose des Prognos-Instituts bis zum Jahre 2000.
       In ihrer  "mittleren Variante"  geht sie von einer Beschleunigung
       des Wirtschaftswachstums auf 2,5 Prozent jährlich (1982-2000) und
       einer jahresdurchschnittlichen  Zunahme der  Stundenproduktivität
       um 3,5 Prozent jährlich (Arbeitszeitverkürzung um l Prozent jähr-
       lich) aus,  wobei eine  gewisse Beschleunigung  des  Wirtschafts-
       wachstums in  den 90er  Jahren angenommen  wird. 42)  Auf  dieser
       Grundlage werden folgende Eckdaten der VGR angenommen:
       
       Tabelle 8:
       Verwendung des Sozialprodukts in festen Preisen
       
                                   1970    1980    1990    2000
       Priv. Verbrauch             54,4    56,4    53,9    55,1
       Staatsverbrauch             18,4    19,6    18,0    16,7
       Priv. Anlageinvest.         19,9    18,2    19,4    20,0
       Staatl. Anlageinvest.        4,2     3,3     2,4     2,3
       Investitionsquote insgesamt 24,1    21,5    21,8    22,3
       Außenbeitrag                 1,0     1,4     5,6     4,9
       _____
       Quelle: "Die Zukunft der Arbeitslandschaft", Bd. 2, S. 56
       
       Die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote soll in diesem Modell
       gegenüber 1980 nur geringfügig zunehmen, wobei allerdings mit ei-
       ner Verlagerung der Investitionsstrukturen zu Lasten der Bauinve-
       stitionen (vor  allem Wohnbauten)  gerechnet wird. Nur durch eine
       kräftige Steigerung  des Außenbeitrags  kommt es in diesem ausge-
       sprochen antietatistischen  Modell zu  einem rechnerischen Repro-
       duktionsgleichgewicht.
       Ein wichtiger  Aspekt ist hierbei auch der stark materialsparende
       Charakter der neuen Technologien: Die überwiegend sehr investiti-
       onsintensiven Grundstoffindustrien  verlieren  in  diesem  Modell
       stark an  Produktionsanteilen, was den gesamtwirtschaftlichen In-
       vestitionsbedarf und den Kapitalkoeffizienten drückt.
       Ein zugleich  arbeits- und  kapitalsparendes Akkumulationsmodell,
       welches sowohl  die Arbeitsproduktivität  zumindest im bisherigen
       Tempo erhöht,  gleichzeitig aber  die Anlagenproduktivität zumin-
       dest stabilisiert,  ist mit einem relativen Preisverfall der Pro-
       duktpreise verbunden, welcher, entsprechend der Konzentration der
       neuen Technologien  auf den Bereich der Produktionsverfahren, vor
       allem  zu  einem  relativen  Preisverfall  der  Investitionsgüter
       führt. Unter  der Bedingung  monopolistisch strukturierter Märkte
       entfaltet sich dieser im Prinzip markterweiternde Effekt aber nur
       begrenzt. Der  rasche technische Fortschritt vollzieht sich über-
       wiegend nicht  im Rahmen des Konkurrenzkampfes selbständiger Ein-
       zelkapitale, d.  h. im Zuge der Verdrängung relativ zurückgeblie-
       bener Betriebe  durch innovative, dynamische Unternehmen, sondern
       im Rahmen der Konzerne selbst.
       Während im  "Konkurrenzmodell" die technologisch zurückbleibenden
       Kapitale vernichtet  werden, ihre Ansprüche auf Kapitalersatz und
       Anteil am produzierten Profit also untergehen, die Produktionsko-
       sten und  Preise zunehmend auf das Niveau der innovativen Produk-
       tionsverfahren gesenkt  werden, vollzieht  sich dieser Prozeß der
       technologischen Umwälzung  unter monopolistischen Bedingungen an-
       ders. Hier  werden die  Kosten der  Kapitalvernichtung im  Rahmen
       forcierten Einsatzes  neuer Technologien  auf  die  Produktpreise
       aufgeschlagen, d.  h., die kostensenkenden Wirkungen der Rationa-
       lisierung entfalten sich erst verzögert.
       Die Erweiterung  der Abschreibungsmöglichkeiten  insbesondere für
       Investitionen, die  mit Forschung und Entwicklung verbunden sind,
       aber auch für ältere Anlagen (Gebäude), soll diesen Prozeß stimu-
       lieren. Die  Abschreibungskosten bilden  einen Teil der Produkti-
       onskosten und damit der Preiskalkulation.
       Zudem geht  es auch  darum, über  Senkung der Steuerbelastung den
       Akkumulationsprozeß auf  diese Weise  zu stimulieren: Indem Teile
       der mit dem forcierten Einsatz neuer Technologien verbundenen Ka-
       pitalvernichtungskosten staatlich  übernommen  werden,  soll  das
       Ausscheiden der  älteren Anlagen  stimuliert werden.  Die gesamt-
       wirtschaftliche Wirkung  aber ist ähnlich wie bei der Überwälzung
       der Kapitalvernichtungskosten  über die  Preise: Hier  wird nicht
       die Kaufkraft  der Endverbraucher, sondern die des Staates ausge-
       höhlt, und damit ebenfalls der potentiell markterweiternde Effekt
       der neuen  Technologien. Die Vorrangstellung der großen Unterneh-
       men im  Innovationsprozeß spiegelt  sich dementsprechend in einer
       besseren Ausstattung mit internen Finanzierungsmitteln wider, die
       allerdings in den Bilanzen als Kostenbestandteile erscheinen. 43)
       
       3.3 Neue Momente im Zentralisationsprozeß des Kapitals
       ------------------------------------------------------
       
       Konzentration und  Zentralisation des Kapitals, die Herausbildung
       von strukturell  dominierenden Monopolpositionen  mit  systemati-
       schen Verwertungsvorteilen  sind klassische  Reaktionsmuster  des
       Kapitals auf Krisen und Verwertungsschwierigkeiten. Obwohl darauf
       hinzuweisen ist,  daß die Krise von 1974/75 bereits im Rahmen ei-
       nes  vollentwickelten  staatsmonopolistischen  Kapitalismus  aus-
       brach, hat  sich der  quantitativ erfaßbare  Konzentrationsprozeß
       eher beschleunigt.
       Ein Indikator  dafür sind die Unternehmensfusionen einerseits und
       die Insolvenzen andererseits.
       
       Tabelle 9: Insolvenzen und Fusionen
       
                   1970   1975   1980   1981   1982   1983   1984   1985
       Insolvenzen 4201   9195   9144  11653  15877  16056  16760  18876
       Fusionen     305    448    635    618    603    506    575    709
       _____
       Quelle: Creditreform, Neuss; Bundeskartellamt lt. Presseberichten
       
       Auch gemessen an den Umsatzanteilen der großen Unternehmen am in-
       dustriellen Gesamtumsatz,  hat sich der Konzentrationsprozeß wei-
       ter verstärkt. Das sechste Gutachten der Monopolkommission stellt
       im industriellen  Bereich die  Fortsetzung des Trends der Konzen-
       trationsentwicklung fest.  Starke Konzentrationstendenzen  werden
       aber vor allem für den Bereich des Bank-und Versicherungskapitals
       registriert.
       
       Tabelle 10:
       Umsatzanteile der  jeweils zehn  größten  Unternehmen  im  Durch-
       schnitt der Wirtschaftszweige 1)
       
       1954   1960   1968   1970   1973   1975   1977   1980   1983
       31,1   33,5   38,5   40,9   41,8   42,3   43,9   43,4   44,2
       _____
       1) Zahlen vor 1960 bzw. 1977 nicht voll vergleichbar
       Quelle: Sechstes Hauptgutachten  der Monopolkommission,  1984/85,
       Ziffer 290
       
       Neben der  Bildung großer, oft durch finanzkapitalistische Zusam-
       menhänge organisierter  Konzerngruppen steht  seit Mitte der 70er
       Jahre die  Zunahme der Zahl der kleinen und kleinsten Unternehmen
       vor allem  im Dienstleistungsbereich  und im Handel, deren Grund-
       lage labil  ist und  die z.T. bestimmte Risikofaktoren der großen
       Konzerne übernehmen.  Für den  Innovationsprozeß, die  Einführung
       der neuen Technologien, ist der Stand der Konzentration aber eine
       wichtige Voraussetzung:  Nach allen  vorliegenden  Untersuchungen
       entfällt auf wenige Großkonzerne der Löwenanteil der Ausgaben der
       Wirtschaft für  Forschung und Entwicklung. Selbst eine Studie des
       Bundesforschungsministeriums, die  eigentlich die Rolle der klei-
       nen und  mittleren Unternehmen  herausstellen möchte, ergibt, daß
       derzeit nur  13 bis  16 Prozent aller FuE-Ausgaben der Wirtschaft
       auf Unternehmen bis 500 Beschäftigte entfallen. 45)
       Die sich  am Umsatz auf nationalem Maßstab orientierenden Konzen-
       trationsmeßziffern erweisen  sich allerdings  angesichts qualita-
       tiver Veränderungen  im Konzentrations- und Zentralisationsprozeß
       des Kapitals zunehmend als ungeeignet, die wirklichen Dimensionen
       der Monopolbildung  zu erfassen.  Zwei Momente seien im folgenden
       etwas näher betrachtet:
       - die Internationalisierung der Monopolbildung,
       - die zunehmend finanzkapitalistische Dimension der Konzernstruk-
       turen.
       
       3.3.1 Internationalisierung
       ---------------------------
       
       Ein zentraler Reaktionsmechanismus des Kapitals auf die anhalten-
       den Krisenerscheinungen  bildet die Internationalisierung von Ka-
       pital, Produktion und Absatz.
       Eine neue  Dimension wurde in den 70er und 80er Jahren in der In-
       ternationalisierung auf  der Ebene  der Produktion  erreicht: Die
       Zahl der  Beteiligungsverhältnisse an  Produktionsunternehmen  im
       Ausland erhöhte sich von 389 vor 1961 bis auf 3703 im Jahre 1983.
       Vor allem  seit dem Beginn der siebziger Jahre wurde die Ausland-
       sproduktion massiv  ausgebaut, besonders  stark  in  der  zweiten
       Hälfte der  siebziger Jahre.  Die Zahl  der Beschäftigten in Aus-
       landsproduktionen stieg  von 75000  1961 auf  1182000 1983.  Auch
       hier war der Zuwachs in den siebziger Jahren, insbesondere in der
       zweiten Hälfte,  besonders kräftig:  Zwischen 1975 und 1979 stieg
       die Zahl der Auslandsbeschäftigten um fast 450 000. 46)
       Die Ausdehnung des Warenexports und der Auslandsproduktion führte
       in den letzten Jahren dazu, daß die größeren Industriekonzerne in
       der Regel  mehr als  die Hälfte ihrer Produktionen im Ausland re-
       alisierten: So  erzielten die  20 größten  Industriekonzerne 1984
       einen Gesamtumsatz (Welt) von knapp 480 Milliarden DM, davon wur-
       den mehr  als 290 Milliarden oder 61,4 Prozent im Ausland 47) re-
       alisiert.
       Die Internationalisierung  der Reproduktionsbedingungen der domi-
       nierenden Einzelkapitale  ist Grundlage  zum Verständnis zahlrei-
       cher neuer  Momente auch  in der  staatlichen Wirtschaftspolitik.
       Wichtig ist,  daß das Gleichgewicht im Gesamtreproduktionsprozeß,
       das  "gesamtwirtschaftliche   Gleichgewicht"  des   "Stabilitäts-
       gesetzes" von  1967, für die Reproduktion des Monopolkapitals nur
       noch eine  eingeschränkte Bedeutung besitzt, was allerdings nicht
       heißt, daß  die nationale  Basis  dieses  Kapitals  an  Bedeutung
       verliert. Es  geht lediglich darum, daß Realisierungsbedingungen,
       Finanzierungsverhältnisse  und   Preisrelationen  im   nationalen
       Rahmen an  Stellenwert verlieren.  Auf der anderen Seite wird die
       nationale Wirtschaftspolitik stärker denn je in den Dienst der in
       internationale   Dimensionen    strebenden   Monopole   gestellt:
       Modernisierung   mit    Weltmarktorientierung   ist   wegen   der
       zunehmenden Angewiesenheit  der dominierenden  Einzelkapitale auf
       den Weltmarkt  Kernpunkt der  wirtschaftspolitischen Neuorientie-
       rung nach 1974/75.
       
       3.3.2 Kreditsektor und Leihkapital
       ----------------------------------
       
       Der wachsende  Stellenwert des Kreditsektors für den Konzentrati-
       ons- und  Zentralisationsprozeß, die engen Zusammenhänge zwischen
       industrieller Tätigkeit  und Geldkapitaloperationen sind auf meh-
       reren Ebenen  sichtbar. Erwähnt werden soll hier nur die wichtige
       Rolle der  Banken und  Versicherungen für den Prozeß der Monopol-
       bildung bzw. der Strukturveränderung des Monopolkapitals, wie sie
       in der  BRD in  den Fällen der AEG und des Verkaufs der Flick-An-
       teile zum Ausdruck gekommen ist. Es gibt kaum einen erwähnenswer-
       ten Fall,  in dem solche Veränderungen der Kapitalstrukturen ohne
       die lenkende  Hand des  Kreditkapitals erfolgt sind. Für den hier
       betrachteten Zusammenhang  ist ein  weiteres Moment der strategi-
       schen Anpassung der monopolistischen Einzelkapitale an die verän-
       derten Reproduktionsbedingungen des Gesamtkapitals wichtiger: die
       Verstärkung der  Geldkapitalanlagen der Unternehmen des produzie-
       renden Bereichs  als Quelle des explosiv expandierenden monetären
       Sektors insbesondere in den achtziger Jahren. 48)
       Bei den Aktiengesellschaften des Produzierenden Gewerbes (ca. 750
       Unternehmen) überstieg  das Finanzvermögen (Finanzanlagen, Forde-
       rungen, flüssige  Mittel) 1984  den Umfang des Sachvermögens. 49)
       Bei den  großen Industriekonzernen liegt die Selbstfinanzierungs-
       quote überwiegend  deutlich über hundert Prozent, trotz beträcht-
       licher Investitionsanstrengungen  in den letzten Jahren im Zusam-
       menhang mit der Einführung neuer Technologien.
       Dies ist  die Kehrseite  des eingangs beschriebenen Prozesses der
       Strukturveränderung bei  der Reproduktion des fixen Kapitals: der
       kapitalistische Gesamtreproduktionsprozeß  setzt  in  zunehmendem
       Maße Geldkapital  frei, das  neue Anlagesphären  sucht und in der
       Sphäre des  z.T. spekulativ  angelegten Leihkapitals findet. Dies
       begründet die  wachsende Labilität  dieses Sektors  und teilweise
       auch den hohen Realzins quasi als Risikoprämie. Im produzierenden
       Bereich gibt  es einen  strukturellen Überschuß  von Kapital, der
       sich dort wegen der skizzierten Widersprüche im Gesamtreprodukti-
       onsprozeß nicht mehr verwerten kann.
       Bei den  großen Konzernen  scheint diese Entwicklung noch krasser
       verlaufen zu  sein, wie ein Vergleich des cash-flow (Gewinne, Ab-
       schreibungen, Veränderung der Rückstellungen) mit den Sachkapita-
       linvestitionen der  14 größten  Industriekonzerne zeigt: nur noch
       ein Fünftel  des cash flow dient der laufenden Investitionstätig-
       keit. 50) 73 Unternehmen der von der Monopolkommission untersuch-
       ten Gruppe  der "100  Größten" Konzerne ließen sich bezüglich des
       "Cash-Flow" darstellen:  diese 73  Unternehmen hatten  1984 einen
       Anteil von 16,1 Prozent der Wertschöpfung aller Unternehmen (ohne
       Kreditinstitute), sie  wiesen aber  einen Anteil von 27,6 Prozent
       des gesamten cash-flow der Unternehmen aus. 51)
       Dieses Leihkapital  lastet auf  dem gesamten Reproduktionsprozeß,
       da es  entsprechenden Profit  beansprucht. Dieser Profit kann al-
       lerdings zeitweilig  durch eine  weitere Ausdehnung des Leihkapi-
       tals angeeignet  werden. "Hohe  Zinsrate kann  gezahlt werden mit
       hoher Profitrate,  aber abnehmendem  Unternehmergewinn. Sie  kann
       gezahlt werden - und dies ist z. T. der Fall in Zeiten der Speku-
       lation -  nicht aus  dem Profit,  sondern aus  geborgtem  Kapital
       selbst, und  dies kann  eine Zeitlang  fortdauern." 52) Um solche
       "Zeiten der  Spekulation" scheint  es sich derzeit zu handeln, da
       die hohen Einkünfte aus Leihkapitalanlagen mit hohen Unternehmer-
       gewinnen einhergehen.  Der hohe Realzins ist im Kern Ausdruck der
       Angebots-Nachfrageverhältnisse auf  den Leihkapitalmärkten,  wenn
       auch die  monopolistische Struktur  des Kreditsektors  selbst und
       die zeitweilig  an hohen  Zinsen interessierte  staatliche  Wirt-
       schaftspolitik diesen Prozeß beeinflußt.
       
       Tabelle 11:
       Unternehmensgewinne und Investitionen
       
                          1960-64  1965-69  1970-74  1975-79  1980-84 3)
       Alle Unternehmen
        1. Unternehmensgewinne
           (Mrd. DM)        515,1    676,9    907,5   1266,0   1571,2
        2. Bruttoanlageinvestitionen
           (Mrd. DM)        385,8    511,8    839,3   1045,6   1471,6
        3. Abschreibungen 2)
           (Mrd DM)         147,1    238,6    404,8    629,2    924,4
        4. Nettoinvestitionen
           (Mrd. DM)        238,7    273,2    434,5    416,4    547,2
        5. (4) in % von (1)  46,3     40,4     47,9     32,9     34,8
       Produktionsunternehmen 1)
        6. Unternehmensgewinne
           (Mrd. DM)        408,8    533,5    728,9    981,3   1268,8
        7. Bruttoanlageinvestitionen
           (Mrd. DM)        207,1    273,2    445,6    577,4    811,4
        8. Abschreibungen 2)
           (Mrd. DM)         95,2    152,0    257,2    397,5    574,5
        9. Nettoanlageinvestitionen
           (Mrd. DM)        111,9    121,2    188,4    179,9    236,9
       10. (9) in % von (6)  27,4     22,7     25,8     18,3     18,7
       _____
       1) Unternehmen ohne Kreditinstitute und Versicherungen, Wohnungs-
       vermietung, Land- und Forstwirtschaft, Bundesbahn und Bundespost
       2) Zu Wiederbeschaffungspreisen
       3) z.T. vorläufige Ziffern
       (Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 13, Reihe S. 8, revi-
       dierte Ergebnisse 1960 bis 1984)
       
       Dem wachsenden,  aus den relativen Kapitalüberschüssen beim indu-
       striellen Kapital  resultierenden Angebot  an  Leihkapital  steht
       eine ebenfalls  im Zuge  der veränderten Reproduktionsbedingungen
       des Gesamtkapitals  zunehmende Nachfrage  nach Leihkapital gegen-
       über:
       - Kleine und  mittlere Unternehmen benötigen wegen ihrer schmale-
       ren Reproduktionsbasis zunehmend Leihkapital.
       - Die Verlangsamung  des Wachstums des Gesamtreproduktionsprozes-
       ses und  die wachsenden  Anforderungen an den Staatshaushalt sei-
       tens des Kapitals bei zunehmender Militarisierung der internatio-
       nalen Beziehungen  haben zu  einer rapide  gestiegenen Staatsver-
       schuldung geführt.
       - Die  internationale Verschuldung  ganzer Staaten,  zunächst der
       Dritten Welt,  dann aber  auch der  USA, teilweise Ausdruck einer
       "Internationalisierung" der  Staatsverschuldung, halten die Nach-
       frage nach Leihkapital auf einem hohen Niveau.
       Daneben ist  unabhängig vom  jeweiligen konkreten Anlaß darauf zu
       verweisen, daß  der monetäre  Prozeß selbst  ab einem  bestimmten
       Punkt zur Ursache der weiteren Expansion der Leihkapitalnachfrage
       wird. Dies  ist offensichtlich beim Beispiel der Verschuldung der
       Dritten Welt  - hier  erfordert die  bloße Aufrechterhaltung  der
       Schuldendienstleistungen einen  ständigen Zustrom  neuer  Mittel.
       Dies gilt  aber auch für alle Arten von Wertpapiergeschäften, die
       z. T.  auf Kreditbasis  abgewickelt werden.  Mit dem  Anstieg der
       Kurs- und  Umsatzvolumen an  den Börsen steigt auch die Nachfrage
       nach Krediten zur Finanzierung dieser Geschäfte.
       In gewissem Sinne beinhaltet dies eine Verselbständigung und Los-
       lösung der  Kreditnachfrage vom  realen Akkumulationsprozeß,  die
       erst dann  zum Stillstand käme, wenn die Zahlungsketten zusammen-
       brechen bzw.  stark schrumpfen, wenn also das in Form von Geldka-
       pital angelegte  Kapital, das  sich als  überakkumuliert erweist,
       teilweise vernichtet  wird durch den Bankrott von Schuldnern bzw.
       dadurch, daß es sich nicht mehr verzinst und von den Kreditgebern
       damit abgeschrieben werden muß.
       Festgehalten werden  soll in diesem Zusammenhang, daß es sich bei
       den immer noch hohen Realzinsen also  n i c h t  um einen Vertei-
       lungskonflikt zwischen  Industrie- und  Geldkapital handelt,  der
       durch bestimmte  wirtschaftspolitische Eingriffe im Sinne des In-
       dustriekapitals reguliert  werden kann.  Dies ist  schon  deshalb
       eine unzutreffende  Betrachtungsweise, als ja gerade die enge ge-
       genseitige Abhängigkeit dieser verschiedenen Anlageformen im Rah-
       men von Monopolen das dominierende Merkmal des gegenwärtigen Kon-
       zentrationsprozesses ist.  Darüber hinaus  erscheint eine  dauer-
       hafte Senkung  des Realzinsniveaus  nur im Rahmen der Vernichtung
       des überschüssigen Geldkapitals, also durch einschneidende Reduk-
       tion der  monetären Kreisläufe  möglich. Dies  kann im Rahmen von
       monetären Krisen  erfolgen, die allerdings die reale Sphäre eben-
       falls betreffen  würden und  zum Ausgangspunkt  neuer umfassender
       Wirtschaftskrisen werden könnten, gegen die sich die letzten bei-
       den zyklischen  Krisen von  1974/75 und  1980/82  vergleichsweise
       harmlos ausnehmen würden.
       Eine quasi "krisenfreie" Redimensionierung des monetären Bereichs
       würde dagegen die Revitalisierung der materiellen Produktion, die
       Belebung der  Realkapitalakkumulation voraussetzen. Es wurde oben
       dargelegt,  daß  eine  solche  Neubelebung  der  kapitalistischen
       Wachstums- und  Akkumulationsdynamik gegenwärtig  nicht in  Sicht
       ist. Eine  einfache Veränderung  der Renditerelationen  von Leih-
       und Realkapital 53) würde den strukturellen Überschuß von Kapital
       im realen Reproduktionsprozeß als Grundlage der Leihkapitalexpan-
       sion und  der hohen  Zinsen nicht  beseitigen, da dadurch keines-
       falls neue,  profitable Anlagefelder  im Bereich  der materiellen
       Produktion geschaffen  würden. Denn  dieser strukturelle Kapital-
       überschuß verweist auf überzyklische Disproportionen im Gesamtre-
       produktionsprozeß, vor  allem zwischen  Produktion und Markt, die
       Ausdruck von  Defiziten im staatsmonopolistischen Regulierungssy-
       stem sind.
       Die kapitalistischen "Selbstregulierungskräfte" (welche den kapi-
       talistischen Staat  einschließen) reichen  nicht mehr aus, um auf
       dem Wege günstigerer Produktionsbedingungen des Profits ein neues
       Gleichgewicht im  Gesamtreproduktionsprozeß herzustellen, die zy-
       klisch auftretende  Überakkumulation von  Kapital wird  daher zur
       chronischen Überakkumulation.
       
       3.4 Die staatliche Wirtschaftspolitik
       -------------------------------------
       
       Die spektakulärsten  Umorientierungen als  Reaktion auf die Krise
       von 1974/75  und damit  die veränderten  Reproduktionsbedingungen
       des Kapitals  vollzogen sich  im Bereich  der  staatlichen  Wirt-
       schaftspolitik -  ein Prozeß,  der bereits  vielfach  an  anderer
       Stelle beschrieben worden ist.
       Neben der Abkehr von einer an ausgeglichenen Verhältnissen orien-
       tierten Struktur- und Konjunkturpolitik geht es um die Konzentra-
       tion auf  Stärkung der  außenwirtschaftlichen Positionen  der BRD
       auf allen Ebenen, die Veränderung der Schwerpunkte in der Sozial-
       politik, die Neuorientierung der Forschungs- und Industriepolitik
       und die  direktere Stimulierung  der  Akkumulationsfähigkeit  der
       Einzelkapitale über  die Steuerpolitik.  Im Mittelpunkt steht die
       Verlagerung der  Formen und  Strukturen  der  Staatstätigkeit  in
       Richtung auf  Förderung bestimmter, strukturbestimmender Branchen
       und Einzelkonzerne bei Inkaufnahme von bestimmten Disproportionen
       in sektoraler und regionaler Hinsicht, dem Risiko von mehr sozia-
       len Konflikten und wachsenden sozialen Differenzen in der Gesamt-
       gesellschaft. 54)
       
       3.5 Die Reaktionsmuster des Kapitals als Krisenfaktor
       -----------------------------------------------------
       
       Die hier in wenigen zentralen Momenten skizzierten Reaktionen des
       Kapitals auf die sich verschlechternden Akkumulationsbedingungen,
       die in  der Krise  von 1974/75  aufgebrochen waren,  sind in  dem
       Sinne erfolgreich  gewesen, als es gelungen ist, in zentralen Be-
       reichen des  Kapitals die  Produktionsbedingungen des  Profits zu
       verbessern -  eine Entwicklung, die sich vor allem im letzten Zy-
       klus seit 1982 bemerkbar gemacht hat.
       Gleichzeitig scheint es auch gelungen zu sein, die Einführung der
       neuen Technologien  in die Produktion in den strukturbestimmenden
       Bereichen der  Ökonomie zu  sichern und gleichzeitig die interna-
       tionale Konkurrenzfähigkeit  der dominierenden Konzerne zu erhal-
       ten und  teilweise sogar  noch auszubauen  - auch bei technologi-
       schen Spitzenprodukten.
       Dies zeigen sowohl die Untersuchungen des Ifo-Instituts für Wirt-
       schaftsforschung über  die Innovationsaktivitäten  der  Industrie
       als auch  Analysen der  Wettbewerbsposition  der  bundesdeutschen
       Wirtschaft.  Zwar   haben  die   BRD-Konzerne  in  den  wichtigen
       Hochtechnologiebereichen Weltmarktanteile  verloren -  wobei  der
       entscheidende Fakt der Aufstieg Japans ist - die BRD hat aber da-
       bei deutlich besser abgeschnitten als ihre Hauptkonkurrenten. 55)
       Ein weiterer  wichtiger Aspekt  ist die  Tatsache, daß es der BRD
       bislang gelungen  ist, ihre Attraktivität als internationaler Fi-
       nanzplatz zu erhalten bzw. weiter auszudehnen.
       Trotz dieser Erfolge ist es jedoch nicht gelungen, Ansätze zu ei-
       ner Neubelebung der Dynamik des Gesamtreproduktionsprozesses aus-
       zubauen. Die geschilderten Reaktionsmuster haben vielmehr die Ur-
       sachen der  größeren Krisenhaftigkeit, die strukturelle Überakku-
       mulation von  Kapital, vertieft und damit weitere Hemmnisse einer
       kapitalistischen Akkumulationsdynamik errichtet.
       Die verbesserten  Produktionsbedingungen des Profits - die höhere
       Profitquote, der  Einsatz tendenziell kapitalsparender Ausrüstun-
       gen, der  niedrigere Kapitalbindungsgrad des Anlagevermögens, die
       geringeren Anforderungen  der baulichen  Infrastrukturen  -  sind
       nicht in  eine Neubelebung des gesamtwirtschaftlichen Akkumulati-
       onstempos umgeschlagen  und werden dies in der Zukunft auch nicht
       tun.
       Die mit der Einführung von neuen Produktionsmethoden, dem techno-
       logischen Umbruch,  notwendige Neuanlage  von fixem Kapital führt
       also nicht  zu einer  entsprechenden Erweiterung der Anlagefelder
       von Kapital  in der Produktion, zu einer Ausdehnung der Akkumula-
       tion von  fixem Kapital.  Jede im Zuge zyklischer Belebungsphasen
       erfolgende  Kräftigung  der  Akkumulationsdynamik  stößt  relativ
       rasch an  die Schranken  der Realisierungsmöglichkeiten,  an  die
       durch die  Methoden der  Profitproduktion unter  monopolistischen
       Verhältnissen selbst  errichteten Grenzen  auf den Absatzmärkten.
       Die Neuanlage  von fixem Kapital erweitert diese im Verhältnis zu
       den neu geschaffenen Produktionsmöglichkeiten nur wenig, jede Ak-
       kumulationswelle "bricht"  sich relativ  frühzeitig an den Reali-
       sierungsschranken.
       Der sich  zyklisch als  Schranke im Akkumulationsprozeß bemerkbar
       machende Widerspruch  zwischen Produktion  und Markt, im Kern ein
       Widerspruch zwischen  Produktion und Konsumtion, wird in den sich
       tendenziell vertiefenden  und  verlängernden  Krisenperioden  nur
       noch teilweise  gelöst, teilweise sogar weiter vertieft. Dies ist
       Ausdruck der mit der Entwicklung zum staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus sich  herstellenden Labilität des kapitalistischen Regu-
       lierungssystems.
       Der Versuch, im Rahmen staatlich abgesicherter Strategien die Ak-
       kumulationsmöglichkeiten der dominierenden Einzelkapitale und der
       für die  rasche Nutzung der neuen Techniken zentralen Branchen zu
       verbessern, vergrößert  die Disproportionen  im Gesamtreprodukti-
       onsprozeß und  wird damit selbst zu einem zentralen Entwicklungs-
       hemmnis.
       Für alle  an den  Interessen der lohn- und sozialabhängigen Teile
       der Bevölkerung  orientierten Alternativstrategien begründet dies
       den eminent  politischen Charakter  wirksamer  Gegenentwürfe.  Es
       kann nicht  mehr davon  ausgegangen werden,  daß durch den Einbau
       von bestimmten  sozialen und ökologischen "Rahmenbedingungen" die
       Selbstregulierungskraft des Gesamtreproduktionsprozesses im Sinne
       der Gewährleistung ausgeglichener Verhältnisse erhalten bzw. wie-
       derhergestellt werden  kann. Notwendig  sind Eingriffe  auf allen
       Ebenen, also  eine "Vergesellschaftung"  der Produktion  auch auf
       der Ebene der Lenkungsmechanismen.
       
       _____
       1) "Die Weltmarktkrisen  müssen als die reale Zusammenfassung und
       gewaltsame Ausgleichung  aller Widersprüche der bürgerlichen Öko-
       nomie gefaßt  werden." Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW
       26.2, S. 510.
       2) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., Berlin 1964, MEW 25, S. 259.
       3) Ders., Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 515.
       4) Ebd., S. 514.
       5) Ders., Das Kapital, 1. Bd., MEW 23, S. 127/28.
       6) Ders., Das Kapital, 3. Bd., MEW 25, S. 254.
       7) Ders., Theorien über den Mehrwert, a.a.O., S. 513.
       8) Dies richtet  sich insbesondere  gegen "profit-sqeeze-Thesen",
       bei der  eine höhere  Lohnquote die  Investitionsaktivität senkt,
       die sonst  die Lücke  zwischen Produktion  und  (Konsum)nachfrage
       schließen würde.  Vgl. Hübner/Stanger,  Kleine und  große Krisen;
       in: Kontroversen zur Krisentheorie, Hamburg 1986, S. 68 ff.
       9) Marx/Engels, Gesamtausgabe  (MEGA), II, 1.2, Karl Marx, Ökono-
       mische Manuskripte 1857/58 (Grundrisse), Berlin/DDR 1981, S. 622.
       10) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 229.
       11) Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA), II, 1.2, Karl Marx, Ökono-
       mische Manuskripte  1857/58 (Grundrisse),  S. 323. Vgl. auch Jörg
       Goldberg, Chronische  Überakkumulation von  Kapital und die Krise
       des staatsmonopolistischen Regulierungstyps; in: Kontroversen zur
       Krisentheorie, Hamburg 1986, S. 11.
       12) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 259/60.
       13) Ebd.
       14) Die Fassung  der Kategorie  der "strukturellen  Überakkumula-
       tion" als Periode, in der "die Vermittlung von steigender Profit-
       masse und  fallender Profitrate für das gesellschaftliche Gesamt-
       kapital aufgebrochen wird" (Bischoff), kontrastiert erheblich mit
       der an  anderer Stelle hervorgehobenen Feststellung, daß es keine
       permanenten Krisen gäbe. Vgl. Joachim Bischoff, Überakkumulation,
       Krise und neokonservative Strategie; in: Kontroversen zur Krisen-
       theorie, a.a.O., S. 23.
       15) Karl Marx,  Das Kapital,  2. Bd.,  S. 185. Vgl. ausführlicher
       die Darstellung in: Jörg Goldberg, Marx zum kapitalistischen Kri-
       senzyklus; in:  Marxistische Studien,  Jahrbuch des IMSF, Sonder-
       band I, Frankfurt/M. 1983.
       16) Karl Marx, Das Kapital, 1. Bd., S. 662.
       17) Ebd., S. 630/31.
       18) Ders., Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 481
       19) Vgl. Jörg  Goldberg, Kapitalistische Zentren: Krisenzentren?;
       in: Fleissner/Deppe  (Hg.), Arbeiterklasse  - gibt's  die  noch?,
       Wien 1985, S. 49ff.
       20) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 316/17.
       21) Vgl. Jan Priewe, Profitratenentwicklung und Krisenzyklus; in:
       Memo-Forum Nr. 8, Bremen 1986. Die Problematik der Profitratenbe-
       rechnungen wurde  dargestellt in: Jörg Goldberg, Die Verwertungs-
       bedingungen des  Kapitals in  der Bundesrepublik; In Marxistische
       Studien, Jahrbuch  des IMSF,  Frankfurt/M. 1978,  S. 107 ff. Vgl.
       Georg Dumler,  Rentabilität und  Ertragslage in  der  Krise;  in:
       Memo-Forum 3, Bremen 1984, S. 33 ff.
       22) Berechnet nach  Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe,
       S. 7, S. 128.
       23) Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 423.
       24) Statistisches Bundesamt, a.a.O.
       25) Christoph v. Rothkirch, Inge Weidig, Die Zukunft der Arbeits-
       landschaft, Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürn-
       berg 1985, Bd. 1, S. 55.
       26) Der Internationale  Währungsfonds registriert  für  die  80er
       Jahre ein rückläufiges Importvolumen der Entwicklungsländer. IMF,
       World Economic Outlook, Washington DC, April 1986, S. 66.
       27) Robert Katzenstein,  Die Investitionen  und ihre  Bewegung im
       staatsmonopolistischen Kapitalismus, Westberlin 1974, S. 23.
       28) Ebd., S. 22.
       29) Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 492.
       30) Der "Akzelerator"  beschreibt den  Zusammenhang zwischen Kon-
       sumgüternachfrage und  der dadurch induzierten Investitionsgüter-
       nachfrage. Die Akzeleratorwirkung einer bestimmten Konsumnachfra-
       gesteigerung ist  um so  höher, je  größer der Kapitalkoeffizient
       (Kapitalstock/Produktmenge) und je länger die Lebensdauer der An-
       lagen.
       31) Vgl. Jörg  Goldberg, Strukturveränderungen, Wachstumsverlang-
       samung und  Investitionen; in:  Umbruch  im  Produktionsbereich?,
       Beiträge des IMSF Nr. 7, Frankfurt/M. 1985.
       32) Werner Abelshauser,  Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik
       Deutschland, Frankfurt/M. 1983.
       33) Robert Katzenstein, a.a.O., S. 24.
       34) Karl Marx, Das Kapital, 2. Bd., S. 464.
       35) Das Statistische  Bundesamt berechnet  Anlagenabgänge und Ab-
       schreibungen auf  der Grundlage  von Lebensdauerschätzungen,  be-
       rücksichtigt bei Krisenbranchen z.T. Sonderabgänge. Bei diesen
       Schätzungen wird ein gleichmäßiger Anlagenabgang zugrunde gelegt,
       die besondere  Rolle von  zyklischen Krisen kommt dabei nicht zum
       Ausdruck. Vgl.  Liane Schmidt, Reproduzierbares Anlagevermögen in
       erweiterter Bereichsgliederung, Wirtschaft und Statistik 7/1986.
       36) Berechnet nach  Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe,
       S. 7.
       37) Vgl. z.B.  Jörg Goldberg,  Die Perspektiven  der Akkumulation
       von fixem  Kapital. Ökonomische  Tendenzen bis zum Jahr 2000; in:
       Marxistische Studien,  Jahrbuch des  IMSF 9/1985, S. 218 ff. Emil
       Rechtziegler, Die  neue Stufe  der Produktivkraftentwicklung  und
       das Wirtschaftswachstum in den kapitalistischen Hauptländern; in:
       IPW-Forschungshefte 1/1986, Ergänzungsband, S. 8 ff.
       38) Wolfgang Gerstenberger,  Technische Neuerungen  und Höhe  der
       Investitionsausgaben; in:  Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und
       Berufsforschung, Heft  1/1986, S.  159/60. Dem  Hinweis z.B.  von
       Hess, daß  die Einführung  der neuen Technologien gewaltige Kapi-
       talvorschüsse erfordert,  ist zuzustimmen.  Entscheidend für  den
       hier betrachteten Zusammenhang ist aber, daß die Effektivität der
       Anlagen noch  stärker wächst  als der  notwendige Kapitalaufwand,
       daß die  Lebensdauer der  Anlagen sinkt und der Zusammenhang zwi-
       schen Produktion  und Markt  damit enger  wird. Vgl.  Peter Hess,
       Wissenschaftlich-technische Revolution und Akkumulation des Kapi-
       tals; in: IPW-Berichte, 2/1986, S. 13 ff.
       39) Deutsche Bundesbank, Beihefte Reihe 4, lfd.
       40) Vgl.  die   Bilanz  der   Sozialpolitik  von  Arthur  Böpple,
       "Sozialstaat" im Abbruch, Frankfurt/M. 1986.
       41) Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Memorandum '86,
       Köln 1986, S. 89 ff.
       42) Rothkirch/Weidig, a.a.O., S. 30.
       43) Siehe die  Darstellung in:  Arbeitsgruppe  Alternative  Wirt-
       schaftspolitik, Memorandum  '84, Teil B, Schwerpunktthema I, Vor-
       lauf der  Akkumulation -  Schwäche des  Verbrauchs, Köln 1984, S.
       293 ff.
       44) Vgl. die Darstellung der entsprechenden Ableitungsdebatte bei
       Heinz Jung, Deformierte Vergesellschaftung, Frankfurt/M. 1986, S.
       69 ff.
       45) Handelsblatt v. 13./14.6.1986.
       46) Fröbel/Heinrichs/Kreye, Umbruch  der Weltwirtschaft,  Hamburg
       1986, S. 233 bzw. S. 226.
       47) Berechnet nach IPW-Bericht 3/1986.
       48) Memorandum '86, S. 66 ff.
       49) Wirtschaft und Statistik, 5/1986.
       50) Memorandum '86, S. 70.
       51) Sechstes Hauptgutachten der Monopolkommission 1984/85, Ziffer
       254 ff.
       52) Ders., Das Kapital, 3. Bd., S. 528/29.
       53) So z.B.  die SPD  in ihrem Wirtschaftsprogramm. Vgl. Darstel-
       lung und  Kritik in:  Arbeitsmaterialien des  IMSF Nr. 18, Wahlen
       '87 - vor einem neuen Aufbruch?, Frankfurt/M. 1986.
       54) Vgl. den Aufsatz von Jörg Huffschmid im gleichen Band.
       55) Vgl. die Darstellung im Memorandum '86, S. 109 ff.
       

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