Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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       NEUERE TENDENZEN IM MONOPOL ALS FINANZKAPITALISTISCHEM
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       HERRSCHAFTSVERHÄLTNIS
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       Caspar Schirmeister
       
       1. Monopoleigentum  - 2. Finanzkapitalistischer Charakter des Mo-
       nopols - 3. Staatsmonopolistische Komplexe
       
       Seit dem  Erscheinen von  Lenins Hauptwerk über den Imperialismus
       1) ist der Begriff des Finanzkapitals untrennbar mit jeder marxi-
       stischen Analyse  kapitalistischer Eigentums- und Herrschaftsver-
       hältnisse verbunden.  Das Finanzkapital entstand aus der Entwick-
       lung des  kapitalistischen  Monopols,  aus  dem  monopolistischen
       Prinzip der  Verteilung der  gesellschaftlichen Arbeit  und ihrer
       Resultate nach der Macht, was vor allem bedeutet, einen möglichst
       hohen Anteil an kapitalistisch vergesellschaftetem Kapital zu be-
       herrschen.
       Grundlegendes Produktions-  und Herrschaftsverhältnis des Kapita-
       lismus in  seinem imperialistischen  Stadium ist das Monopol. Die
       Verschmelzung von monopolistischem Bank- und Industriekapital zum
       Finanzkapital, die  Herausbildung und Entwicklung des staatsmono-
       polistischen Kapitalismus  und die  mit der Internationalisierung
       des  kapitalistischen  Wirtschaftslebens  verbundenen  qualitativ
       neuen Momente  des Wechselverhältnisses  von Produktivkräften und
       Produktionsverhältnissen 2) bedeuten eine Entfaltung des Monopol-
       prinzips auf jeweils höherer Stufenleiter.
       Mit der Entwicklung des Finanzkapitals und des staatsmonopolisti-
       schen Kapitalismus  und mit den auf staatsmonopolistischer Grund-
       lage vor  sich gehenden Internationalisierungsprozessen sind qua-
       litative Veränderungen  des Monopols  als grundlegendem Produkti-
       ons- und  Herrschaftsverhältnis verbunden,  die auch im einzelnen
       Monopol, vor  allem im  Konzern, sichtbar  werden. Wesenszüge des
       Monopols, die  schon Lenin  analysierte, prägen  sich weiter aus.
       Zugleich zeigen sich neue Momente in der Funktionsweise des Mono-
       pols, in  denen zum Ausdruck kommt, daß das kapitalistische Mono-
       pol von  heute ein staatsmonopolistisch geprägtes finanzkapitali-
       stisches Monopol  ist, dessen  Aktionsfeld in der Tendenz die ge-
       samten kapitalistischen Weltwirtschaftsbeziehungen sind. Alle we-
       sentlichen ökonomischen  Widersprüche  und  Entwicklungstendenzen
       des heutigen  Kapitalismus kommen  auch im Monopol und im Streben
       nach Monopolprofit zum Ausdruck.
       Entscheidende ökonomische Triebkraft der Veränderung und Entwick-
       lung des  Kapitalismus seit der Entstehung des Finanzkapitals ist
       der monopolistische Profit. Vor allem die längerfristigen Wirkun-
       gen des widersprüchlichen Wechselverhältnisses zwischen kapitali-
       stischem Monopol  und der  neuen Qualität  der Produktivkraftent-
       wicklung sowie  die Wirkungen  der Labilität der kapitalistischen
       Weltwirtschaftsbeziehungen auf den monopolistischen Profit wirken
       als Stimulus für die Expansion des kapitalistischen Monopols. Mit
       der Fähigkeit,  langfristig monopolistischen  Profit zu erzielen,
       ist  auch   das  entscheidende  Kriterium  für  das  Monopol  als
       finanzkapitalistisches Herrschaftsverhältnis gegeben.
       Für die  Realisierung des  Monopolverhältnisses, d.h.  der  Herr-
       schaft des  Finanzkapitals, spielen  abgeleitete  Produktionsver-
       hältnisse und  vielfältige Wechselbeziehungen  zwischen  Ökonomie
       und Politik,  wie sie  z.B. in  der Tendenz zu staatsmonopolisti-
       schen Komplexen zum Ausdruck kommen, eine wesentliche Rolle. Ihre
       Analyse ist eine notwendige Voraussetzung für das Verständnis der
       konkreten Erscheinungsformen des finanzkapitalistischen Monopols,
       vor allem  unter den Bedingungen des voll entfalteten staatsmono-
       polistischen Kapitalismus. Das Monopol geht jedoch in diesen Ver-
       hältnissen nicht  auf, wird  durch sie  nicht abgelöst. Es bleibt
       auch unter heutigen staatsmonopolistischen Bedingungen, wie Lenin
       feststellte, "Kern  der ganzen Sache", grundlegendes Produktions-
       und ökonomisches Herrschaftsverhältnis des Kapitalismus.
       
       1. Monopoleigentum
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       Für die  Entwicklung des Monopols als Eigentumsverhältnis und die
       daraus resultierenden  qualitativ neuen Züge des Monopoleigentums
       spielen zwei  Grundbedingungen eine  entscheidende Rolle. Das ist
       zum einen  die Tatsache,  daß das  Finanzkapital aufgrund der Be-
       herrschung der  Zirkulationsatmosphäre die  mit dem Proletarisie-
       rungsprozeß verbundene  Masse der  Arbeitseinkommen als monopoli-
       stisches Kapital  mobilisieren kann,  dessen Besonderheiten darin
       bestehen, daß  mit diesem  Kapital keine  kapitalistischen Eigen-
       tumsrechte und Profitansprüche verbunden sind und daß es faktisch
       langfristig zur Verfügung steht.
       Nur ein  Beispiel für  diesen Zusammenhang  ist der Anteil der zu
       einem  entscheidenden   Teil  aus   Arbeitseinkommen  bestehenden
       Spareinlagen an  der Kapitalmobilisierung.  Mit  diesen  Einlagen
       sind keine  Möglichkeiten des Einflusses auf ihre Verwendung ver-
       bunden, sie  werden extrem  niedrig verzinst  und können  von den
       Banken und  Sparkassen wie langfristiges Kapital und faktisch wie
       Eigenkapital angelegt  werden. Allein  diese eine Mobilisierungs-
       form von  Geld als monopolistisches Kapital macht aber z. B. etwa
       ein Fünftel aller Bankeinlagen in der BRD aus.
       Die zweite  entscheidende Bedingung  für die qualitative Verände-
       rung des  Monopols als  Eigentumsverhältnis besteht  in der Rolle
       des kapitalistischen Staates für die Kapitalmobilisierung. In al-
       len kapitalistischen  Industrieländern werden  heute allein  über
       den Staatshaushalt  zwischen einem  und zwei  Dritteln des Natio-
       naleinkommens umverteilt,  wobei dies zwar die gewichtigste, aber
       nur eine  der Formen  staatlicher Kapitalmobilisierung  ist. Auch
       hier gilt:  Kapitalmobilisierung über  den  Staat  bedeutet,  daß
       staatlich mobilisierte Mittel, soweit sie Kapitaleigenschaft hat-
       ten, der  Kapitaleigenschaft durch den Staat zunächst entkleidet,
       als Kapital  entwertet werden, um dann dem kapitalistischen Mono-
       pol zur Verfügung zu stehen.
       Beide Bedingungen  bilden die  Grundlage  der  Entwicklung  einer
       neuen Qualität der Expansion des Monopols, d. h. einer neuen Qua-
       lität der  Beherrschung gesellschaftlichen Kapitals durch das fi-
       nanzkapitalistische Herrschaftskapital. Der Proletarisierungspro-
       zeß ist also sowohl eine Voraussetzung wie Folge der sprunghaften
       Monopolisierungsprozesse der  letzten Jahrzehnte.  Und  ohne  die
       Entfaltung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  ist die Ent-
       wicklung des  Monopols in transnationalen und internationalen Di-
       mensionen nicht  zu erklären, die wiederum einerseits neue Wider-
       sprüche und  Krisenerscheinungen des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus hervorbringt und andererseits als Antrieb zu dessen Wei-
       terentwicklung wirkt.
       Unter dem  Aspekt des Eigentums an Produktionsmitteln unterschei-
       det sich die Kapitalentwertung und Kapitalmobilisierung durch den
       staatsmonopolistischen  Kapitalismus,   die   neuen   Dimensionen
       finanzkapitalistischen Herrschaftskapitals ermöglicht, qualitativ
       von  der   Rolle  der  Arbeitseinkommen  als  Bedingung  für  die
       Expansion des Monopols.
       Die ökonomische und politische Macht des kapitalistischen Staates
       führt zur Entwicklung neuer Momente des Monopols als dem vorherr-
       schenden kapitalistischen  Eigentumsverhältnis. Diese Entwicklung
       wird in  der marxistischen  Diskussion auch  mit dem  Begriff des
       staatsmonopolistischen  Eigentums   umschrieben.  Dabei  geht  es
       darum,  daß   das  Monopol   vorherrschendes  Eigentumsverhältnis
       bleibt, seine  Aufrechterhaltung und Expansion aber u. a. in fol-
       gender Hinsicht  von der  Entwicklung des  staatsmonopolistischen
       Kapitalismus geprägt  wird und von ihr in erheblichem Maße abhän-
       gig ist:
       E r s t e n s  sind das Gesamtsystem staatsmonopolistischer Regu-
       lierung, das  widersprüchliche Zusammenwirken von privatmonopoli-
       stischem Kapital  und Staat  Voraussetzung für  die Erlangung von
       Monopolprofit und  für die  Expansion des  finanzkapitalistischen
       Herrschaftskapitals;   z w e i t e n s    führen  Staatsaufträge,
       Subventionen und  andere Formen  direkter Umverteilung von Natio-
       naleinkommen zugunsten des monopolistischen Kapitals bei entspre-
       chendem ökonomischem Gewicht und dann, wenn sie relativ dauerhaft
       sind, zu  direkten  Quasi-Eigentumsrechten,  "Beteiligungen"  des
       Staates an  einzelnen Monopolen  auch ohne das Bestehen formeller
       Eigentumstitel, die  vielfach in  einer personellen  Repräsentanz
       von Staatsorganen in Aufsichts- und Führungsgremien von Konzernen
       zum Ausdruck  kommen;  d r i t t e n s  schließlich greifen kapi-
       talistische Staatsorgane  direkt  in  monopolistische  Eigentums-
       strukturen ein, fördern bzw. verhindern z.B. konkrete Kapitalzen-
       tralisationen, verändern diese Strukturen durch Verstaatlichungen
       wie durch  Privatisierungen etc.,  beeinflussen dadurch die Mono-
       polstrategien und  schaffen damit spezifische Bedingungen für die
       Wechselwirkung von Monopolen und Staat.
       Es geht  dabei also darum, daß die Verschmelzung von Monopol- und
       Staatsmacht im  staatsmonopolistischen Kapitalismus  in dem Maße,
       in dem  sich der  staatsmonopolistische Kapitalismus  entwickelt,
       auch zu qualitativ neuen Zügen des monopolkapitalistischen Eigen-
       tumsverhältnisses führt. Diese Tendenz setzt sich mit der Entste-
       hung internationaler staatsmonopolistischer Regulierungsmechanis-
       men weiter  fort, wobei  Grundlage und Ausgangsbasis für die Ent-
       wicklung des  Monopoleigentums als staatsmonopolistisches für ab-
       sehbare Zeit  noch die internationale Entwicklung des Wechselver-
       hältnisses von Monopolen und Staat bleiben dürfte.
       Im übrigen  vollzieht sich  die Entwicklung  des monopolistischen
       Eigentums als  staatsmonopolistisches  differenziert  und  wider-
       sprüchlich. Diese generelle Entwicklungstendenz bedeutet also we-
       der, daß  ökonomisch oder  politisch Unterschiede  zwischen  ver-
       schiedenen Formen  dieses Eigentums, z.B. zwischen Staatseigentum
       und Privatunternehmen,  ihre Bedeutung völlig verlieren, noch be-
       deutet dies,  daß unterschiedliches  Ausmaß und  unterschiedliche
       Intensität der  Wechselbeziehungen konkreter Monopole mit dem ka-
       pitalistischen Staat  bzw. auch  mit bestimmten Staatsorganen von
       geringer Bedeutung wären.
       Staatsmonopolistisches Eigentum  bleibt im  Sinne des Gegensatzes
       zu gesamtgesellschaftlichem  kapitalistisches, privates Eigentum.
       Mit dem staatsmonopolistischen Eigentum sind Konkurrenz und Riva-
       lität auf höherer Stufenleiter verknüpft. Exponenten der Monopole
       setzen im  Interesse der  Expansion der von ihnen repräsentierten
       Monopolmacht auf  bestimmte politische Strategien und auf Verbin-
       dungen zu  den entsprechenden  politischen Kräften,  nutzen diese
       Verbindungen als staatsmonopolistische Instrumente der Konkurrenz
       und Rivalität  gegenüber anderen  Monopolen und dem Finanzkapital
       anderer Länder. Das führt auch zu einer Vertiefung der Widersprü-
       che zwischen konkurrierenden Zielen staatlicher Politik, zu einer
       Verschärfung von  Widersprüchen und Konflikten zwischen verschie-
       denen Teilen  des kapitalistischen Staatsapparats und deren Expo-
       nenten.
       Die Entwicklung staatsmonopolistischen Eigentums als widersprüch-
       liche und  inadäquate Anpassung an den gesellschaftlichen Charak-
       ter der  Produktion bedeutet  also zwangsläufig auch die Entwick-
       lung neuer  Elemente der  Labilität des kapitalistischen Staates.
       Potenziert wird diese Labilität noch durch die Tendenz zu staats-
       monopolistischen Komplexen,  insbesondere die Entwicklung des mi-
       litärisch-industriellen Komplexes.
       
       2. Finanzkapitalistischer Charakter des Monopols
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       Mit der  Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus wird
       die Verschmelzung  von monopolisiertem Bank- und Industriekapital
       zum Finanzkapital  weiter vorangetrieben  und die Erfassung aller
       Kapitalanlagesphären durch das Finanzkapital vertieft.
       Diese Verschmelzung  führt zu einer neuen, finanzkapitalistischen
       Qualität des Monopols. Das heute typische, konkrete finanzkapita-
       listische Monopol  - z.B.  in Form des Konzerns - ist ein Monopol
       internationaler Dimension.  Es agiert in verschiedenen Kapitalan-
       lagesphären, trägt  immer mehr  zugleich die Züge eines Bank- und
       Produktionsmonopols bzw.  eines Bank-Produktions-  und Marktmono-
       pols, bezieht  das Monopol  am Grundeigentum  ein und  realisiert
       dementsprechend zugleich monopolistischen industriellen und Bank-
       profit, Unternehmergewinn  und Zins, Grundrente und kommerziellen
       Profit. Es  paßt seine internationale Struktur den unterschiedli-
       chen Profitbedingungen  in verschiedenen  Ländern an, in denen es
       mit der  Macht des Staates auf unterschiedliche Weise und mit un-
       terschiedlicher Intensität  verflochten ist und nutzt einen brei-
       ten Fächer  entsprechender komparativer  Profitvorteile. 3) Damit
       treibt es sowohl die Entwicklung der staatsmonopolistischen Regu-
       lierung im  nationalen Maßstab  sowie auf  internationaler  Ebene
       voran und  wirkt auch  als Faktor ihrer erhöhten Widersprüchlich-
       keit und Labilität.
       Die finanzkapitalistische  Verschmelzung ist also heute auch eine
       funktionelle. So  zieht z.  B. eine Monopolbank auf der Grundlage
       von Beteiligungen,  Kreditbeziehungen, maßgeblichem  Einfluß  auf
       das Emissionsgeschäft  etc. auch  Unternehmerfunktionen des indu-
       striellen Kapitals  an sich  heran, woraus sich auch ihr Anspruch
       auf einen  Teil des  Unternehmergewinns begründet.  Die  f u n k-
       t i o n e l l e   V e r s c h m e l z u n g  bedeutet keine gene-
       relle Aufhebung  der Spezifik konkreter Monopole in verschiedenen
       Kapitalanlagesphären. Vielmehr  hat sich  mit der  Zunahme dieser
       Tendenz auch  der Konkurrenzkampf um die Erhaltung und den Ausbau
       von Monopolpositionen,  die sich  auf bestimmte  Sphären stützen,
       verstärkt. So  führte z.B.  die  mit  der  Expansion  der  inter-
       nationalen Kapitalmärkte  und der  Entwicklung sog.  "Finanzinno-
       vationen"  verbundene   Tendenz  zur   Ausweitung  und  relativen
       Verselbständigung der  Finanztransaktionen von Industriekonzernen
       oder  die   Entwicklung  von  Handelskonzernen  zu  sog.  Finanz-
       Supermärkten dazu, daß Bankmonopole neue Strategien entwickelten,
       um ihre Domänen zu erhalten und weiter auszubauen.
       Grundsätzlich handelt  es sich  jedoch bei der funktionellen Ver-
       schmelzung um  eine Tendenz,  die sich weiter fortsetzt und deren
       Kern im  Streben jedes  kapitalistischen Monopols nach der Erlan-
       gung von  Schlüsselstellungen bei  der Beherrschung  des gesamten
       Kreislaufs, nach Realisierung als Herrschaftskapital, als Finanz-
       kapital besteht.  Für  die  Realisierung  als  Herrschaftskapital
       reicht in  aller Regel die Beherrschung einer Kapitalanlagesphäre
       nicht mehr  aus. Außerdem sind stabile Verflechtungen mit dem ka-
       pitalistischen Staat eine Grundbedingung dafür.
       Mit der  Entwicklung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus und
       seines widersprüchlichen Wechselverhältnisses zur Entwicklung der
       Produktivkräfte vollziehen sich zudem längerfristige Verschiebun-
       gen der  Bedeutung verschiedener Kapitalanlagesphären für die Re-
       alisierung des  Finanzkapitals. Hinzu kommen mittel- und kurzfri-
       stige Verschiebungen,  wie sie z. B. im unterschiedlichen Gewicht
       etwa von  Kredit oder  Aktie in  verschiedenen Phasen  der  Wirt-
       schaftsentwicklung deutlich werden.
       Zu den  langfristigen Prozessen  gehört, daß für die Realisierung
       der Funktion als Herrschaftskapital die Monopolisierung von Herr-
       schaftswissen, von  strategierelevanten Informationen auf politi-
       schem, ökonomischem,  wissenschaftlich-technischem und auch mili-
       tärischem Gebiet wachsende Bedeutung gewinnt. Mit der Entwicklung
       der  elektronischen  Informationsspeicherung,  -verarbeitung  und
       -Übertragung haben  sich dafür  Möglichkeiten in einer Breite und
       Qualität herausgebildet,  die sich  kaum noch  mit der  von Lenin
       analysierten Rechnungslegung und Kontrolle im gesamtgesellschaft-
       lichen Maßstab  durch die  Monopolbanken seiner  Zeit vergleichen
       lassen. 4)  Für die  Entwicklung dieser gefährlichen Tendenz, die
       nationale und internationale finanzkapitalistische Herrschaft auf
       immer weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ausdehnt und
       sie zugleich weiter anonymisiert, ist die Verschmelzung von Mono-
       pol- und  Staatsmacht und  die Tendenz  der Internationalisierung
       des staatsmonopolistischen  Kapitalismus eine wesentliche Voraus-
       setzung, weil  sie dem  finanzkapitalistischen Monopol den Zugang
       und die Verfügung über staatlich zentralisiertes und kontrollier-
       tes Herrschaftswissen ermöglicht.
       Nicht zufällig  sehen international  agierende Monopolbanken  wie
       z.B. die  eng mit  der Reagan-Administration und dem Geschäft mit
       der amerikanischen  Staatsverschuldung verbundene  Citybank Inve-
       stitionen in die Sammlung, Verarbeitung und Übertragung von stra-
       tegischen Informationen  der verschiedensten Art als Hauptvoraus-
       setzung nicht  nur für die nationale und internationale Expansion
       des eigenen Bankgeschäfts, sondern als Monopol auf dem Gebiet der
       Informationsdienstleistungen an,  durch das  andere  Kapitale  in
       dauerhafte Abhängigkeit  gebracht werden  können. Auch  die  ver-
       schiedenen Formen  internationaler Kooperation  von Monopolen und
       zwischenstaatlichen Institutionen  sind vor diesem Hintergrund zu
       sehen.
       Die Monopolisierung  von strategischen  Informationen wird  immer
       mehr zu  einer Grundvoraussetzung  für die  Erlangung  von  Mono-
       polprofit. Das  gilt für  die Monopolisierung neuester Ergebnisse
       der Entwicklung  von Wissenschaft  und Technologie als Produktiv-
       kraft ebenso  wie z.  B. für  die Monopolisierung von politischem
       Herrschaftswissen und  die Monopolisierung  auf dem Feld der Mas-
       senkommunikation. Diese  Prozesse beginnen, sich auf völlig neuer
       Stufenleiter im  internationalen Maßstab  zu entwickeln,  was die
       monopolistische Entwicklung  internationaler  Übertragungssysteme
       einschließt. Zunächst  sind damit  Anlagemöglichkeiten für  sonst
       relativ überschüssiges  Kapital  in  erheblichen  Größenordnungen
       verbunden. Ausmaß und Langfristigkeit dieser Investitionen können
       nur von  besonders finanzstarken Konzernen und mit entsprechender
       staatlicher Förderung aufgebracht werden.
       Die Informationsmonopolisierung in ihren verschiedenen Spielarten
       wird deshalb  sowohl im  Bereich "klassischer"  Informations- und
       Kommunikationsunternehmen wie der sich mit Wissenschaft und Tech-
       nik entwickelnden  neuen  Bereiche  der  Informationsspeicherung,
       -verarbeitung und  Übertragung zu  einem wesentlichen  Kristalli-
       sationskern des  Monopolisierungsprozesses überhaupt.  Damit  ist
       auch  eine  Verschärfung  internationaler  staatsmonopolistischer
       Konkurrenz und  Rivalität, daraus  resultierender  Konflikte  und
       erheblicher Vergeudung  von gesellschaftlicher  Arbeit verbunden.
       Der heute  bereits von kapitalistischen Konzernen und Regierungen
       geführte  "technologische   Krieg"  auch   zwischen   miteinander
       verbündeten kapitalistischen  Staaten ist  ein Ausdruck dafür. Er
       dürfte aber  nur  ein  Vorgeschmack  dessen  sein,  was  mit  der
       internationalen Anwendung  des heute  bereits technisch Möglichen
       durch jene wenigen Großkonzerne und Staaten, die dazu in der Lage
       sind, noch bevorsteht. Was zu einem Instrument gleichberechtigter
       und gegenseitig  vorteilhafter weltweiter  Arbeitsteilung, Koope-
       ration und  Kommunikation werden  könnte,  kann  -  finanzkapita-
       listisch zentralisiert - zu einem Instrument der Potenzierung von
       Ungleichheit und Abhängigkeit werden.
       Die  in   der  Entwicklung     f i n a n z k a p i t a l i s t i-
       s c h e r   I n f o r m a t i o n s m o n o p o l e  zum Ausdruck
       kommende Tendenz  der Kontrolle  neuester  Entwicklungsrichtungen
       der Produktivkräfte  bereits in einem relativ frühen Stadium wird
       auch auf  weiteren Gebieten  deutlich, z.B. in der Entstehung von
       sog. Technologie-Konzernen,  der Schaffung von Innovationszentren
       und Technologie-Parks usw. Bei der letztgenannten Entwicklung ist
       zudem  der   staatsmonopolistische  Charakter   dieses  Prozesses
       besonders augenfällig.
       Insgesamt stellen  diese Prozesse eine entscheidende Form dar, in
       der über  die finanzkapitalistische Konzentration und Zentralisa-
       tion von  Eigentum und Macht Zwänge der Produktivkraftentwicklung
       zur Veränderung  nationaler und internationaler Wirtschaftsstruk-
       turen in  kapitalistisch verzerrter Form in Veränderungen der Mo-
       nopolstrukturen zum Ausdruck kommen.
       
       3. Staatsmonopolistische Komplexe
       ---------------------------------
       
       Die Expansion  des Monopols  und die finanzkapitalistischen Mono-
       polstrukturen werden  entscheidend von Qualität und konkreten Er-
       scheinungsformen des  widersprüchlichen Wechselverhältnisses  von
       Staat und Monopolen auf nationaler und internationaler Ebene, von
       der Entwicklung der staatsmonopolistischen Regulierung auf diesen
       Ebenen geprägt.  Mit dem  staatsmonopolistischen Kapitalismus er-
       langt das  Monopolprinzip der "Teilung nach der Macht", der Herr-
       schaft und  Gewalt eine  neue Qualität.  5) Bei der Verschmelzung
       von Monopol- und Staatsmacht handelt es sich um ein vielschichti-
       ges aktives Wechselverhältnis, das sowohl in der ökonomischen Ba-
       sis wie  im politischen  Überbau tiefgreifende Veränderungen her-
       vorruft. In  diesem Zusammenhang spielt der Begriff der staatsmo-
       nopolistischen Komplexe  - etwa des Agrar-Industrie- oder des mi-
       litärisch-industriellen Komplexes  - in der marxistischen Diskus-
       sion eine  Rolle. Mit ihm soll die Spezifik der Verschmelzung von
       Monopol- und Staatsmacht zwischen bestimmten monopolisierten Pro-
       duktionsbereichen bzw. Kapitalanlagesphären und bestimmten Berei-
       chen des  Staatsapparats bzw.  bestimmten Kräften des politischen
       Herrschaftssystems tiefer erfaßt werden.
       Die Schlüsselfrage  in diesem  Zusammenhang ist die nach der ein-
       deutigen Bestimmung  von Platz  und Triebkräften des militärisch-
       industriellen Komplexes  im heutigen staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus, weil sie eng mit der Frage der Möglichkeiten zur Siche-
       rung der  menschlichen Existenz  auf dem Wege der friedlichen Ko-
       existenz von  Staaten unterschiedlicher  sozialer Ordnung und der
       Zurückdrängung jener  Kräfte verbunden  ist, die durch einen Kurs
       des Strebens  nach militärischer  Überlegenheit und  der "Politik
       der Stärke"  die Zukunft der Menschheit bedrohen. Hochrüstung als
       ökonomische Grundlage des militärisch-industriellen Komplexes ist
       zugleich auch  eine der  gravierendsten Erscheinungen von Parasi-
       tismus und Fäulnis des heutigen Kapitalismus. Mit dem Begriff des
       militärisch-industriellen Komplexes werden reale Tendenzen in Po-
       litik und Ökonomie des heutigen staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus beschrieben,  die auf politischem Gebiet die Machtzentralisa-
       tion zugunsten einer kleinen Schicht derer, die das Finanzkapital
       repräsentieren, vorantreiben und politische Rechte und Freiheiten
       weiter aushöhlen.
       Die weitere Untersuchung und entsprechende wissenschaftliche Dis-
       kussionen über  den Begriffsinhalt  des militärisch-industriellen
       Komplexes und  auch über die Grenzen dieses Begriffs sind von be-
       sonderer Bedeutung,  weil es  dabei letztlich darum geht, mit den
       Hindernissen und  Gegentendenzen die  Möglichkeiten  und  Anknüp-
       fungspunkte exakter  und differenzierter  zu erfassen,  die dafür
       vorhanden sind,  unter den Bedingungen des Nebeneinanderbestehens
       von Staaten  unterschiedlicher sozialer  Ordnung  die  treibenden
       Kräfte des  Konfrontations- und  Hochrüstungskurses zurückzudrän-
       gen, diese  gefährliche Tendenz  zu stoppen und schließlich umzu-
       kehren, friedliche Koexistenz und Zusammenarbeit durchzusetzen.
       Betrachtet man  die Genesis  und den Stellenwert des Problems des
       militärisch-industriellen Komplexes, so erfordert es m.E. weitere
       Überlegungen, wie  weit diese  reale Tendenz mit dem Instrumenta-
       rium der  Politischen Ökonomie und wie weit sie nur politisch ad-
       äquat erfaßt  werden kann.  Je mehr die finanzkapitalistische Ei-
       gentums- und Machtzentralisation fortschreitet, je mehr damit das
       einzelne Monopol  verschiedene Kapitalanlagesphären, verschiedene
       Bereiche des  gesellschaftlichen Lebens erfaßt, desto mehr treten
       unterschiedliche Tendenzen und Widersprüche innerhalb des Finanz-
       kapitals auch  im einzelnen  Monopol in Erscheinung. Zwischen den
       Erfordernissen  der  Entwicklung  unterschiedlicher  Kapitalanla-
       gesphären bestehen objektive Widersprüche, die auch innerhalb ei-
       nes Monopols  in unterschiedlichen  Konzepten und  Strategien zum
       Ausdruck kommen  müssen. Dabei  spielt natürlich auch der subjek-
       tive Faktor  eine Rolle,  und es  wäre sicher vereinfacht, solche
       konzeptionellen Unterschiede  unter Exponenten ein- und desselben
       Monopols direkt  aus dessen  Kapitalanlagesphäre herzuleiten oder
       verschiedene strategische Vorstellungen über mögliche Expansions-
       richtungen eines  Monopols immer  personifizieren zu  wollen. Das
       kapitalistische Monopol ist vor allem ein einheitliches Produkti-
       onsverhältnis, dessen  innere Widersprüchlichlichkeit  nicht  be-
       deutet, daß  man es  einfach als  Summe seiner einzelnen Bestand-
       teile auffassen  könnte. Das  gilt auch für das einzelne konkrete
       Monopol, z.B.  in der Form des Konzerns, dessen Ziel die langfri-
       stige höchstmögliche  Verwertung aller seiner Bestandteile in dem
       Sinne ist,  daß sich das monopolistische Gesamtkapital höchstmög-
       lich verwertet.
       Diese Einheit  des Monopols in ihrer Widersprüchlichkeit ist auch
       bei Überlegungen  zu staatsmonopolistischen  Komplexen zu berück-
       sichtigen, mechanische Zuordnungen konkreter Monopole zum militä-
       risch-industriellen Komplex  bergen die Gefahr in sich, das Mono-
       pol als  grundlegendes Produktionsverhältnis  nicht gebührend  zu
       beachten. Das  gilt sowohl  dann, wenn alle an der Produktion für
       die Hochrüstung  beteiligten Konzerne dem militärisch-industriel-
       len Komplex  zugerechnet werden,  wie auch  dann,  wenn  versucht
       wird, sie  nur in Höhe ihres Rüstungsanteils diesem Komplex zuzu-
       rechnen.
       Die Widersprüche  zwischen realistischeren,  nüchterneren Konzep-
       ten, in denen eine bestimmte Fähigkeit und z.T. auch Bereitschaft
       zum Eingehen  auf Beziehungen  der friedlicheren  Koexistenz  zum
       Ausdruck kommt  und Konzepten  der Konfrontation und des Strebens
       nach militärischer Überlegenheit gehen quer durch das Finanzkapi-
       tal und  durch das Monopol. Widersprüchliche ökonomische Interes-
       sen sind  e i n e  Grundlage dafür. Zugleich spielen aber politi-
       sche und ideologische Faktoren eine eigenständige Rolle, darunter
       auch Einsichten  in die  Realitäten des Nuklearzeitalters und des
       internationalen Kräfteverhältnisses.  Deshalb sind diese Faktoren
       bei der  Analyse einer derart vielschichtigen Erscheinung wie der
       Entwicklungstendenz   des   militärisch-industriellen   Komplexes
       ebenso zu  berücksichtigen wie die Spezifik des politischen Herr-
       schaftssystems insgesamt und soziologische Faktoren.
       Ohne den inneren Zusammenhang der verschiedenen Tendenzen der Rü-
       stung zu  negieren, ist es auch von Belang - vor allem vom Stand-
       punkt der langfristigen ökonomischen wie politischen Konsequenzen
       - als  erstrangiges Kriterium  vor allem die Interessen und Ziele
       hinsichtlich der  gefährlichsten, am  stärksten  destabilisierend
       wirkenden Tendenzen  der Hochrüstung  zu  bestimmen.  Qualitative
       Aspekte der Rüstung können nicht unberücksichtigt bleiben.
       Das finanzkapitalistisch geprägte kapitalistische Monopol in sei-
       ner heutigen internationalen Dimension, seiner Vielzweigstruktur,
       dessen Eigentumsbasis staatsmonopolistischen Charakter trägt, ist
       das grundlegende Produktionsverhältnis und in Gestalt der konkre-
       ten einzelnen  Monopole das grundlegende Strukturelement der heu-
       tigen kapitalistischen  Ökonomie. In ihm ist der ökonomische Aus-
       gangspunkt für  die Herausbildung  der Tendenz zu staatsmonopoli-
       stischen Komplexen  zu sehen. Deshalb bildet zu Recht die Analyse
       des Monopols auch den ökonomischen Ausgangspunkt für die Untersu-
       chung der  historischen Überlebtheit,  der Widersprüche  und  der
       daraus folgenden  Möglichkeiten und  Grenzen einer  Anpassung des
       Kapitalismus an veränderte historische Gegebenheiten.
       
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       1) W.I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapita-
       lismus, in: W. I. Lenin, Werke, Band 22, S. 189 ff.
       2) Vgl. Horst  Heininger/Lutz Maier, Internationalisierung - eine
       Grundtendenz der SMK-Entwicklung heute (im vorliegenden Band).
       3) Umfassend  dazu:  Autorenkollektiv,  Internationale  Monopole,
       Berlin 1978.
       4) Vgl. W.I.  Lenin, a.a.O.,  insbesondere die  Abschnitte II, S.
       214 ff. - darunter S. 220 ff. - und III, S. 229 ff.
       5) Ebenda, S. 211.
       

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