Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       BESCHÄFTIGUNG MIT MARX UND ENGELS IN JAPAN
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       Forschungen über die Methode der politischen Ökonomie
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       die Entstehungsgeschichte des "Kapitals"
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       Teinosuke Otani / Iichiro Sekine
       
       1. Einleitung  - 2.  Hauptströmungen unter  den  Marx-Engels-For-
       schern -  3. Über  die Methode der politischen Ökonomie - 4. Über
       die Entstehungsgeschichte  des "Kapitals"  - 4.1 Über den Aufbau-
       plan des "Kritik"-Systems - 4.2 Über den früheren Marx - 4.3 Über
       die "Grundrisse"  - 4.4 Über die Entstehungsgeschichte nach den -
       Grundrissen " - 5. Die neue MEGA - 6. Zusammenfassung
       
       1. Einleitung
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       Seitdem sich  Japan mit  der Theorie  von Marx und Engels bekannt
       machte, sind  über 100 Jahre vergangen. Währenddessen sind unzäh-
       lige Untersuchungen  über sie  angestellt worden, und zwar in den
       verschiedensten Bereichen.  Da es  auf diesem begrenzten Raum un-
       möglich ist,  einen allseitigen,  ausgewogenen Überblick über die
       Forschungen zu  geben, beschränken wir uns hier darauf, Forschun-
       gen und  Debatten über  die Methode  der politischen Ökonomie und
       die Entstehungsgeschichte  des "Kapitals"  in der  Nachkriegszeit
       vorzustellen.
       Im voraus wollen wir eine Debatte aus der Vorkriegszeit streifen,
       die viele methodologische und theoretische Streitpunkte enthielt,
       so daß  sie auch  theoretische und  politische Dispute  nach  dem
       Kriege beeinflußte.
       Es ist  der sogenannte "Streit über den japanischen Kapitalismus"
       in den  20er und 30er Jahren zwischen der "Koza-Schule", d.h. der
       Gruppe,    die     für    die     Serie    (japanisch:    "Koza")
       "Entwicklungsgeschichte des  japanischen  Kapitalismus"  Beiträge
       schrieb, und  der "Rono-Schule",  d. h.  der Gruppe derer, die um
       die Zeitschrift  "Rono (Arbeiter  und Bauern)" zusammenkamen. Die
       erstere behauptete:  Die Meidji-Restauration  seit 1868  sei  nur
       eine Reform gewesen, die das absolutistische, auf dem halb-feuda-
       len Grundeigentum  beruhende Kaisertum  durchgeführt  habe;  also
       bleibe die  Aufgabe der bürgerlichen Revolution bestehen, was den
       programmatischen Thesen  der Kommunistischen  Partei  Japans  von
       1932 entsprach. Die zweite Gruppe behauptete dagegen, die Meidji-
       Restauration sei  bereits, wenn auch unvollkommen, eine bürgerli-
       che Revolution gewesen; also sei der Charakter der nächsten Revo-
       lution sozialistisch.  Was die Analysen der beiden Seiten theore-
       tisch stützt,  sind vor  allem die Theorien im "Kapital", nament-
       lich Wert-,  Reproduktions- und  Grundrententheorie,  die  eifrig
       studiert und worüber heftig diskutiert wurde. Als die Disputanten
       der beiden  Seiten in  den Jahren  1936-1938 nacheinander ins Ge-
       fängnis geworfen wurden, erlosch die Debatte.
       Mit dem  Zusammenbruch des  Faschismus wurde die Debatte über die
       Analyse der  aktuellen Situation  und die Charakterbestimmung der
       gegenwärtigen Revolution auf neuer Stufe wiedereröffnet. Anderer-
       seits nahmen viele marxistische Studien, die nach der politischen
       Unterdrückung während des Krieges hervorquollen, die Richtung auf
       theoretische Forschung ein.
       
       2. Hauptströmungen unter den Marx-Engels-Forschern
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       Obgleich nicht wenige Marx-Engels-Forscher unabhängig von Schulen
       oder Sekten ihre Forschungen betreiben, ist es für den Leser doch
       nützlich, kurz  die Hauptströmungen  unter  den  Marx-Engels-For-
       schern in der Nachkriegszeit zu präsentieren.
       Oft nennt man als Strömungen der japanischen Marx-Engels-Forscher
       in der  Nachkriegszeit einige  Schulen:  orthodoxe  Schule,  Uno-
       Schule, civil-society-Schule u.a.
       Am treffendsten verdient den Namen "Schule" die "Uno-Schule", die
       nach der  Lehre von  Kozo Uno  (1) benannt ist und im japanischen
       Nachkriegsmarxismus als Entgiftungsmittel gegen den versteinerten
       Dogmatismus rasch Einfluß gewann.
       Uno  teilt   die  Wirtschaftswissenschaft  in  drei  Stufen  ein:
       "Prinzipien-Lehre", "Stadium-Lehre"  und "Situationsanalyse". Der
       Gegenstand der  "Prinzipien-Lehre" sei  "der reine Kapitalismus",
       den man  gewinne, indem  man die  in der Blütezeit des englischen
       Kapitalismus beobachtete  "Tendenz zur  Reinigung" gedanklich bis
       ins letzte  durchführe. Diese  Lehre "macht die Gesetze klar, die
       sich entwickeln,  als ob  sie sich  ewig wiederholten",  und ihre
       Konstruktion werde  durch die Selbstentwicklung der Begriffe auf-
       gebaut, die  eine "Triebkraft zum Aufstieg" hätten. Es gebe daher
       kein anderes Kriterium der Wahrheit als die "Konsequenz der theo-
       retischen Konstruktion".
       Da der  wirkliche Kapitalismus  aber ein "Unreines" ist, und sich
       die  Gesetze  darin  nicht  ewig  wiederholen,  brauche  man  die
       "Stadium-Lehre": eine Lehre über den wirklichen, durch die vorka-
       pitalistischen Verhältnisse,  den Staat  usw. "unrein  gemachten"
       Kapitalismus. Da  hier eine  "gesetzmäßige  Erklärung"  unmöglich
       sei, solle  man hier  eine "typische  Erklärung" geben, die jedes
       weltgeschichtliche Entwicklungsstadium nach dem Maßstab eines die
       jeweilige Periode  typisch vertretenden  Landes oder Kapitals er-
       kläre und  so die  Besonderheiten der anderen Länder oder Kapita-
       lien deutlich  mache. Von  diesem Gesichtspunkt  aus sei  die Er-
       forschung der  Gesetze der  Entstehung, Entwicklung  und des Ver-
       falls der kapitalistischen Produktionsweise, die im "Kapital" ge-
       geben  wird,   ein  ideologisch  Unreines,  das  in  die  Theorie
       fälschlicherweise eingebracht worden sei.
       Die Uno-Theorie  behauptet, daß  die  Theorie  selbst  nicht  als
       "Situationsanalyse" angewandt  werden könne.  Infolgedessen müsse
       man sich in der Praxis auf etwas anderes als auf Theorien verlas-
       sen.
       Da die  Behauptungen von Uno in sich einige wesentlich widerspre-
       chende Seiten vereinigen, entstand die Notwendigkeit, eine dieser
       Seiten  konsequent  weiterzuentwickeln,  um  die  Uno-Theorie  zu
       "reinigen".   Daraus    hat   sich    als   neue   Strömung   die
       "Weltkapitalismus-Schule"  entwickelt,  deren  Vertreter  Hiroshi
       Iwata (2)  ist. Diese  Schule behauptet: Der "reine Kapitalismus"
       von Uno  sei  eine  "Ideenkonstruktion".  Die  "Prinzipien-Lehre"
       solle statt  dessen eine  "innerliche" Abbildung der geschichtli-
       chen Entwicklung des sich als Weltkapitalismus entfaltenden Kapi-
       talismus sein.
       Die "civil-society-Schule",  deren Vertreter  Kiyoaki Hirata  (3)
       ist, tritt  in den  60er Jahren  auf, sich bewußt beiden Schulen,
       der orthodoxen  Schule  und  der  Uno-Schule,  gegenüberstellend.
       Hirata, der  das "Kapital", als "kritisches Selbstverständnis der
       bürgerlichen Gesellschaft"  auffaßt, legt besonderen Wert auf den
       "Selbstumschlag" des  Gesetzes des  "auf eigner Arbeit beruhenden
       Eigentums", also der "bürgerlichen Gesellschaft (civil society)",
       in das "auf Exploitation fremder Arbeit beruhende Eigentum", also
       in die  kapitalistische Gesellschaft. Mit diesem Schlüsselbegriff
       will er  systematisch die Verkehrtheit des Kapitalismus ans Licht
       bringen. Ihm  zufolge ist  der Sozialismus die Negation der Nega-
       tion der  bürgerlichen Gesellschaft,  also die  Wiederherstellung
       der bürgerlichen Gesellschaft auf höherer Stufe. Durch diese Auf-
       fassung will er die Unreife der bürgerlichen Freiheiten sowohl in
       Japan als auch im realen Sozialismus zugleich erklären.
       Es ist  Wataru Hiromatsu (4), der, gleichfalls sein Augenmerk auf
       die Verkehrung  des Kapitalismus  richtend, den  Mechanismus  der
       Versachlichung im  "Kapital" verfolgt.  Aber bei ihm hat das Wort
       "Versachlichung" einen  eigentümlichen Sinn: nämlich "die aus der
       Spontaneität und  Blindheit der  intersubjektiven Aktivitäten der
       Individuen entspringende Verkennung, als ob das, was zwischen ih-
       nen inter-subjektiv gilt, von den inter-subjektiven Verhältnissen
       unabhängig für  sich bestände."  Diese Auffassung  ist mit seiner
       Weltanschauung untrennbar  verbunden: Die  Ideen der Materie oder
       der objektiven  Realität seien  nichts als auf der Versachlichung
       des inter-subjektiven Bewußtseins beruhende Verkennungen, und die
       Objektivität der  Gesellschaft und  die Gesetzmäßigkeit  der  Ge-
       schichte seien  jeweils ein auf der Versachlichung der inter-sub-
       jektiven Aktivitäten  beruhender Schein.  Seine  Interpretationen
       des "Kapitals" haben eine gewisse Anhängerschaft.
       Als eine  neuere Gruppe  könnte man  einige Forscher angeben, die
       die aus  dem "Kapital"  herausgelesene Methode  der Modell-  oder
       Strukturanalyse auf  die Analyse des modernen Kapitalismus anwen-
       den, wie  Nobuo Okishio  (5) u.a. Sie analysieren mit ideell kon-
       struierten Modellen  hauptsächlich quantitative Abhängigkeitsver-
       hältnisse, wobei  in großem  Umfang  die  ökonometrische  Technik
       verwandt wird.
       Die obengenannten Schulen nennt man nicht orthodoxe Schulen. Aber
       es fällt  schwer zu bestimmen, was "orthodoxe Schule" sein könnte
       und was  nicht. Bald  ist man auf das Wort "orthodox" und die ei-
       gene Orthodoxie  stolz, bald  benutzt man  diese Bezeichungen für
       andre, um  sie zu ehren oder aber auch, um sie zu verspotten. Je-
       denfalls scheinen folgende Strömungen als orthodox zu gelten.
       Es ist  die "Tochiseidoshi-Schule", die am stärksten am Selbstbe-
       wußtsein der Orthodoxie festhält, die aus der Tradition der alten
       "Koza-Schule"   folgt.   Sie   hat   ihre   "Tochiseidoshi-gakkai
       (Gesellschaft für Agrargeschichte)", deren Begründer Moritaro Ya-
       mada (6) war, und ist bestrebt, die Reproduktionsstruktur des ja-
       panischen Kapitalismus aufzuklären, was in der Nachkriegszeit im-
       mer wieder  die Strategie-,  und  daher  die  Programm-Diskussion
       stark beeinflußt hat.
       Samezo Kuruma  (7), der  das "Marx-Lexikon der politischen Ökono-
       mie", 15 Bände, herausbrachte, gab mit seiner akribischen Haltung
       zu den Marx-Engels-Texten, mit seiner bei jedem Wort und Satz er-
       kenntlichen umsichtigen  Bemühung, sich des theoretischen Inhalts
       verantwortungsvoll zu  vergewissern,  wichtige  Impulse  für  die
       Marx-Engels-Forschung in  Japan, obwohl  er keine feste Gruppe um
       sich hatte, da er es ablehnte, eine Schule zu gründen.
       Die Forscher,  die unter  dem Einfluß  von Yasuhiko Shima (8) und
       Jun Ikegami (9) um das "Kiso-Keizaikagaku-Kenkyusho (Institut für
       Grundwirtschaftswissenschaft)" zusammengekommen sind, bilden eine
       weitere Strömung.  Diese Gruppe analysiert die aktuelle Situation
       und  legt   theoretisch  auf  das  Kapitel  "Der  Arbeitstag"  im
       "Kapital" Wert.
       Viele Marx-Engels-Forschungen  im Nachkriegsjapan  sind mit viel-
       seitigen Disputen  und komplizierten Verschlingungen unter diesen
       genannten Schulen oder Sekten vorangetrieben worden.
       
       3. Über die Methode der politischen Ökonomie
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       Schon vor  dem Krieg  wurden sowohl die materialistische als auch
       Hegels Philosophie  lebhaft untersucht. Daran anschließend wurden
       nach dem Krieg nicht wenige Arbeiten veröffentlicht, in denen die
       Marxsche Methode  derjenigen von Hegel angeglichen wurde und Marx
       mit den  Augen von  Hegel interpretiert wurde, weshalb man damals
       sogar von "Hegel-Hexerei" sprach.
       Unter diesen Umständen konnten die Ansichten des Marxkenners Kozo
       Uno (1),  der seine schon erwähnte eigene Methodenauffassung bil-
       dete, einen beträchtlichen Einfluß erlangen.
       Noch während Uno seine Arbeiten veröffentlichte, wurden sie schon
       von Seiten der othodoxen Schule kritisiert. Die Verfasser der re-
       präsentativen Werke  sind Samezo  Kuruma (7), Sekisuke Mita (10),
       Kinzaburo Sato  (11), Naomichi  Hayashi (12), Sumio Shigeta (13),
       Eimatsu Okazaki  (14) u.  a. Die  Kontroversen sind  zu  vielver-
       zweigt, um  sie hier  aufzuzählen; aber  was jeder  Kritiker auf-
       griff, war  Unos Unterstellung  eines "reinen Kapitalismus" sowie
       seine Methodenauffassung  von der  aufsteigenden Entwicklung  des
       Begriffs. Die  Kritik daran  lautete, Unos  Methode sei eine ganz
       andere als  die von Marx, der sich als letzten Zweck im "Kapital"
       setzte, das  ökonomische Bewegungsgesetz der kapitalistischen Ge-
       sellschaft zu  enthüllen. Sekisuke  Mita (10)  kennzeichnete Unos
       Vorstellung als "Hegelianisierung der Methode von Marx".
       Mita kritisierte  zuerst die "logisch-historische Lehre", die die
       Übereinstimmung von  Historischem und Logischem als Drehpunkt der
       Marxschen Methode  betrachtet und  die unterstellt,  der Gang des
       Logischen müsse  stets dem Gang des Historischen entsprechen. Da-
       gegen betonte  er die  Wichtigkeit der "analytischen Methode" von
       Marx, bzw.  daß für die dialektische Methode Analyse und Synthese
       sowohl Voraussetzungen  als auch  Bestandteile sind.  Er schrieb,
       die Methode  des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten bestehe
       darin, in  den gegebenen  Tatsachen ihr reines Wesen zu entdecken
       und die  Erscheinungen zu  erklären, indem  von dieser Erkenntnis
       des Wesens  ausgehend, die gegebenen Tatsachen, eine nach der an-
       deren, in  Begriffe verarbeitet würden. Später behauptete er, daß
       auch die  "logisch-historische Lehre"  zur "Hegelianisierung  der
       Methode von Marx" gehört.
       Nach Mita  ist die  "Selbstentwicklung der  Begriffe" von Uno ein
       echter Hegelianismus;  es sei nichts anderes als der "Idealtypus"
       von Max  Weber, den  Uno erfassen  wolle, indem er den Gegenstand
       ganz in  seinen Besonderheiten aufgehen lasse und seine Verallge-
       meinerung abstreite.
       Auch Samezo Kuruma (7) übte in der Methodologie-Diskussion großen
       Einfluß aus.  Schon unmittelbar  nach dem Krieg begann er mit Uno
       einen Disput  über die  Krisentheorie und setzte sich danach auch
       über die Wert- und Geldtheorie mit ihm auseinander. Obgleich sich
       die Streitpunkte  mit Uno  auf Einzelfragen  bezogen, ging es bei
       der Polemik  auch um  die Methode.  Er betonte dabei, daß man vor
       allem den theoretischen Inhalt des "Kapitals" im Zusammenhang mit
       den jeweils  gestellten Fragen genau auffassen müsse, was er sei-
       nerseits in  der Behandlung konkreter Probleme zuwege brachte. Er
       gab später  zwei Bände seines "Lexikons" heraus, welche die Äuße-
       rungen von Marx zur Methode zusammenstellen. Hier betonte er, daß
       der Unterscheidung  von  Marx  zwischen  "Darstellungsweise"  und
       "Forschungsweise"  im   "Nachwort  zur   zweiten   Auflage"   des
       "Kapitals" großer  Wert beizumessen  sei, weil  sie am besten den
       Charakter der Marxschen Methode offenbare.
       
       4. Über die Entstehungsgeschichte des "Kapitals"
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       Es ist eine Besonderheit der Marx-Engels-Forschung im Nachkriegs-
       japan, daß  sie zu einem großen Teil aus Studien zur Entstehungs-
       und Entwicklungsgeschichte  der Theorien  besteht. Das Nachdenken
       über den  Dogmatismus, die  Kritik an Stalin und daher der Trieb,
       den wahren  Marx selber  kennenzulernen -  das hat viele Forscher
       zur Untersuchung  der Entstehungsgeschichte geführt. Ferner haben
       die Publikation  der Nachdruck-Ausgabe  der "Grundrisse" im Jahre
       1953 und  die der  Instituts-Ausgabe der "Theorien über den Mehr-
       wert" in  den Jahren  1956-1962 neue  Impulse und Materialien für
       die Forschung  geliefert. Mit  fortschreitender  Veröffentlichung
       der neuen  MEGA wird  das Interesse für die Entstehungsgeschichte
       heute noch  größer. Natürlich gibt es Untersuchungen und Darstel-
       lungen der  Entstehungsgeschichte in  ihrer Gesamtheit,  z.B. von
       Shiro Sugihara  (15), von  Kiyoshi Oshima  (16) u.a. Aber man muß
       hier einige Bereiche unterscheiden.
       
       4.1 Über den Aufbauplan des "Kritik"-Systems
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       Das sogenannte Aufbauplan-Problem ist anfangs hauptsächlich unter
       dem Problembewußtsein der Systematisierung der Krisentheorie, da-
       nach aber auch in den verschiedensten Bereichen der Theorie unter
       unterschiedlichen Gesichtspunkten lebhaft erörtert worden.
       Die lange  Zeit allgemein  anerkannte Ansicht  in Japan zu dieser
       Frage war  die Auffassung  von Samezo Kuruma (7), die er schon im
       Jahre 1930  veröffentlicht hatte,  nämlich, daß das "Kapital" die
       Konkretisierung des  "Kapitals im  allgemeinen" im Aufbauplan des
       "Systems der Kritik der politischen Ökonomie" sei. Er behauptete,
       die Krisentheorie  erfordere die  Entwicklung über  das "Kapital"
       hinaus bis  zum "Weltmarkt",  dessen Behandlung  Marx als letztes
       Buch des Aufbauplans vorgesehen hatte.
       Dagegen kritisierte  Kozo Uno (1) 1952 Kuruma mit der Behauptung,
       das "Kapital"  wäre als  "Prinzipien-Lehre" an die Stelle der er-
       sten drei Bücher des Plans - Kapital, Grundeigentum, Lohnarbeit -
       getreten und  sei systematisch abgeschlossen worden; ein Aufstieg
       zu den  zweiten drei  Büchern des Plans - Staat, auswärtiger Han-
       del, Weltmarkt -, sei eigentlich unmöglich gewesen.
       Als um das Jahr 1954 die Forschungen erschienen, die sich auf die
       "Grundrisse" beriefen,  trat die  Diskussion in  eine neue  Phase
       ein. Kojiro Takagi (17) betonte, die Systematisierung der Krisen-
       theorie ins  Auge fassend, daß das "Kapital" die Realisierung der
       ersten drei Bücher des Plans sei. Kinzaburo Sato (11) behauptete,
       das "Kapital"  sei einerseits  die fertige  Form des "Kapitals im
       allgemeinen", aber  andererseits  enthalte  es  die  Analyse  der
       "Grundbestimmungen" von  Konkurrenz,  Kredit,  Grundeigentum  und
       Lohnarbeit, deren  "Spezialuntersuchungen" allerdings noch außer-
       halb des Rahmens des "Kapitals" übrigblieben, die aber nicht mehr
       als konstituierende Glieder des aufsteigenden Systems im strengen
       Sinne betrachtet werden könnten. Seine Ansicht zu den ersten drei
       Büchern hat  als erste  ernsthafte Forschung zu den "Grundrissen"
       starkes Echo gefunden.
       In den  letzten Jahren  ist die Diskussion in der Wiederbelebung,
       seitdem dazu  neue Materialien  durch die MEGA und durch Untersu-
       chungen der  bisher unveröffentlichten  Manuskripte selbst gelie-
       fert werden. Im Zusammenhang mit der Systematisierung der Krisen-
       theorie behaupteten Kiyoko Imura (18) und Yoshihiro Takasuka (19)
       von neuem  die Auffassung,  das "Kapital"  sei nichts anderes als
       das "Kapital  im allgemeinen".  Katsuhiko Matsuishi  (20)  kriti-
       sierte  Kuruma,   indem  er   betonte,  der   Grundcharakter  des
       "Kapitals" sei  "die ideale, durchschnittliche Analyse des allge-
       meinen Wesens" von Kapital, Grundeigentum und Lohnarbeit.
       
       4.2 Über den früheren Marx
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       Größter Streitpunkt  und größte  Triebkraft zugleich für Untersu-
       chungen über  den früheren Marx war, ob es zwischen seinen frühe-
       ren Theorien, die die Entfremdung zum Mittelpunkt machen, und den
       ökonomischen Theorien im späteren "Kapital" einen Bruch gibt. Die
       Anhänger des  "Bruchs" und  diejenigen der  Kontinuität betrieben
       ausführliche Quellenstudien  und polemisierten intensiv miteinan-
       der.
       Zunächst hat die Arbeit von Hiroshi Nakagawa (21), die die Datie-
       rung der  Pariser Hefte von 1844 zur Diskussion stellte, den Stu-
       dien der  "ökonomisch-philosophischen Manuskripte" in Japan einen
       neuen Impuls  gegeben. Danach  wurden die Forschungen zur Entste-
       hung der  Marxschen Theorien  oft mit der Arbeit der Erschließung
       der Reihenfolge und Datierung der Manuskripte verbunden. Nach den
       Untersuchungen über  die "Manuskripte"  von Fumio  Hattori  (22),
       Ryuji Yamanaka  (23), Seiji Mochizuki (24) und Kiriro Marita (25)
       trat die  Forschung in  eine neue  Etappe ein,  nachdem fast alle
       Marxschen Manuskripte bis zu den Pariser Heften in der MEGA IV, 2
       und 1,2 nacheinander veröffentlicht sind. Zugleich sind neue Fra-
       gen aufgetaucht  im Zusammenhang mit der Verteilung der Texte auf
       zwei Bände. (Dazu haben Jürgen Rojahn und Magaret Fay neue Inter-
       pretationen vorgelegt.)  Auf all  dem aufbauend,  entwickeln sich
       neue Forschungen durch Naoki Hashimoto (26) u.a.
       Die Ansicht,  daß es zwischen den früheren und den späteren Theo-
       rien von  Marx einen  wesentlichen Bruch  gebe, wurde früher auch
       von Kozo Uno (1) geteilt, aber gründlich und systematisch von Wa-
       taru Hiromatsu  (4) u.a.  entwickelt. Nach  Hiromatsu hat Marx im
       Entwicklungsprozeß von den "Ökonomisch-philosophischen Manuskrip-
       ten" zur  "Deutschen Ideologie"  einen wesentlichen "Umschlag des
       Gesichtswinkels"  von  der  "Entfremdungstheorie"  zur  "Versach-
       lichungstheorie" vollzogen.
       Vom Standpunkt  der Ansicht der Kontinuität verfolgte Takashi Ho-
       soya (27)  den Entwicklungsprozeß des Begriffs "Gesellschaft" vom
       früheren bis  zum späteren Marx. Mitsuteru Soeda (28) fand in der
       Entwicklung   des    Begriffs   "Entfremdung"   den   Grund   der
       "Kontinuität". Kenji Mizutani (29) erklärte, wie im "Kapital" der
       Gesichtspunkt der Entfremdung durchgesetzt und konkretisiert sei.
       Naomichi Hayashi (12) stützte die Ansicht der Kontinuität mit der
       These, daß  das "Kapital"  nichts anderes  als eine Anwendung des
       historischen Materialismus sei, den der frühere Marx gewann.
       
       4.3 Über die "Grundrisse"
       -------------------------
       
       Die Nachdruck-Ausgabe der "Grundrisse" im Jahr 1953 hat auf viele
       Forschungsbereiche enormen Einfluß ausgeübt, so daß mannigfaltige
       Untersuchungen darüber  entstanden sind.  Wir verfolgen  hier nur
       die Forschungen  über die  sogenannte Marxsche  Geschichtstheorie
       anhand der  "Grundrisse"; denn  sie schließen  sich inhaltlich an
       viele Probleme der Entstehungsgeschichte an.
       Yoshihiko Uchida  (30), der  früher das  Geschichtsbewußtsein bei
       Marx als  Problem aufgeworfen hatte, fand bei Marx die geschicht-
       liche Abfolge  "Gemeinschaft -  bürgerliche Gesellschaft - Sozia-
       lismus" heraus,  die er  anhand  der  Drei-Stufen-Auffassung  der
       Weltgeschichte in  den "Grundrissen"  (MEGA 11,1.1, S. 90-91; MEW
       42, S.  91) gewann,  und betonte, daß die kapitalistische Gesell-
       schaft die letzte Phase der Vorgeschichte der Menschheit ist.
       Kiyoaki Hirata  (3), der durch die Studien der "Grundrisse" diese
       Problemstellung von  Uchida weiterentwickelte, entfaltete die Lo-
       gik des  Umschlags der bürgerlichen Gesellschaft zur kapitalisti-
       schen, indem  er die  Geschichtstheorie von  Marx von zwei Seiten
       aus erfaßte: unter dem "Gesichtswinkel von Entfremdung-Versachli-
       chung" und  unter dem  "Gesichtswinkel  von  Kreislauf-Umschlag".
       Diesen Forschungen  folgend, überprüfte Seiji Mochizuki (24) ent-
       stehungsgeschichtlich und  philologisch die Geschichtstheorie von
       Marx. Ferner  veröffentlichten Toshio  Yamada  (31)  und  Hiroshi
       Uchida  (32)   jeweils  eine   ausführliche   Arbeit   über   die
       "Grundrisse".
       Im Zusammenhang  mit diesen  Forschungen wurde  eine Debatte über
       die "Wiederherstellung  des  individuellen  Eigentums"  eröffnet.
       Marx schreibt:  Die Negation des kapitalistischen Privateigentums
       "stellt nicht  das Privateigentum wieder her, wohl aber das indi-
       viduelle Eigentum  auf Grundlage der Errungenschaft der kapitali-
       stischen Ära: der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und
       der durch  die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel" (MEW
       23, S.  791). Engels,  der die  2.  Ausgabe  des  1.  Bandes  des
       "Kapitals" benutzte,  erklärte: Die "Errungenschaft der kapitali-
       stischen Ära" sei das "gesellschaftliche Eigentum" an den Produk-
       tionsmitteln in  dem "sozialistisch  organisierten Verein";  Marx
       schreibe hier,  "daß das  gesellschaftliche Eigentum sich auf die
       Erde und  die anderen Produktionsmittel erstreckt und das indivi-
       duelle Eigentum  auf die  Produkte, also auf die Verbrauchsgegen-
       stände" (MEW 20, S. 122).
       Dieser Interpretation  stellte Kiyoaki  Hirata (3)  seine von der
       Theorie des  Umschlags der  Aneignungsgesetze abgeleitete Auffas-
       sung des  Sozialismus entgegen: Was bei "Gemeinbesitz an den Pro-
       duktionsmitteln", der  schon in der "kapitalistischen Ära" errun-
       gen  werde,  "wieder  hergestellt"  werden  soll,  sei  eben  das
       "individuelle Eigentum", das in der modernen bürgerlichen Gesell-
       schaft im  Privateigentum eingehüllt sei. Gerade dies sei der In-
       halt des "gesellschaftlichen Eigentums".
       Diese Äußerung  hat eine heftige Diskussion und eingehende Unter-
       suchungen   der    Begriffe    "individuelles    Eigentum"    und
       "Gemeinbesitz" bei Marx hervorgerufen. Masami Fukutomi (33) löste
       das individuelle Eigentum und das gesellschaftliche Eigentum auf,
       indem er  das erstere  als "Kooperationseigentum"  im  Sinne  von
       "gesellschaftlich-kollektivem Eigentum"  auslegte. Fukuji Taguchi
       (34), Minoru  Nagasuna (35)  und Sanehiko  Maki (36)  stimmten im
       Grunde darin überein, daß die Wiederherstellung des individuellen
       Eigentums die  Wiederherstellung der  ursprünglichen Einheit  von
       Arbeit und Arbeitsbedingungen sei, die ihrerseits dem Inhalt nach
       das gesellschaftliche  Eigentum bilde.  Es war  Naomichi  Hayashi
       (12), der  - Engels Interpretation zustimmend - an diesen Ansich-
       ten energisch Kritik übte und zugleich seine eigene Position ent-
       wickelte.
       Neulich hat  Yoshiko Komatsu  (37) eine  neue These geäußert: Der
       Hauptinhalt des  Marxschen Begriffs des "individuellen Eigentums"
       sei das  auf der persönlichen Aneignung durch eigene individuelle
       Arbeit beruhende  Eigentum der  Produkte, das mit gemeinschaftli-
       chem Eigentum  koexistieren könne, aber von diesem zu unterschei-
       den sei.  Im Zusammenhang  damit zeigte  er als  erster, daß Marx
       schon im  Kommentar zu  Locke im  "Manuskript  1861-1863"  (MEGA,
       11,3.6, S.  2118-2120; MEW,  26.1, S. 341-343) den Inhalt des Be-
       griffs "individuelles Eigentum" erklärt hatte.
       In dieser  Debatte wurde auch diskutiert, ob jener "Gemeinbesitz"
       schon in der kapitalistischen Ära errungen oder erst im Sozialis-
       mus realisiert wird.
       
       4.4 Über die Entstehungsgeschichte nach den "Grundrissen"
       ---------------------------------------------------------
       
       Unter vielen  Forschungen über  diesen Zeitabschnitt  verzeichnen
       wir hier nur die in den Bereichen Werttheorie, Reproduktionstheo-
       rie und Kredittheorie.
       Das Werk über Wertform und Austauschprozeß von Samezo Kuruma (7),
       das auch  heute noch als eine der repräsentativen Forschungen zur
       Werttheorie in  Japan gilt,  enthielt schon eine Untersuchung des
       Entwicklungsprozesses der  Marxschen  Werttheorie.  Es  gab  auch
       theoriegeschichtliche Studien,  die in  bezug auf die Wertauffas-
       sung von  David Ricardo  sowie Samuel  Bailey die  Entstehungsge-
       schichte der Marxschen Werttheorie verfolgen.
       Bereits in  der Vorkriegszeit  behandelte Moritaro Yamada (6) den
       Entstehungsprozeß der  Reproduktionstheorie; er  behauptete,  daß
       erst die Grundrententheorie die Vollendung der Reproduktionssche-
       mata ermöglicht  habe. Nach  dem Krieg wurde das Thema von vielen
       Forschern wieder aufgenommen, und bis heute sind mehrere Untersu-
       chungen veröffentlicht  worden, wie  die von  Masanari  Kobayashi
       (38),  Akira   Takagi  (39)  u.  a.  Durch  die  neue  MEGA,  die
       Vorstellung des  Abschnitts über  die erweiterte  Reproduktion im
       Manuskript VIII des zweiten Buches des "Kapitals" durch Teinosuke
       Otani (40) und seitdem das Manuskript I (1864) des zweiten Buches
       ins Japanische übersetzt wurde (41), sind die Primärquellen stark
       vermehrt, und  neue  Forschungen  zur  Entstehungsgeschichte  der
       Reproduktionstheorie,  wie   die  von  Takeshi  Ito  (42),  Akira
       Minagawa (43) u.a., sind veröffentlicht worden. Unter anderem ist
       das Werk  von Kenji  Mizutani (29)  bemerkenswert, das alle heute
       verfügbaren   Materialien    benutzt    und    ausführlich    den
       Entwicklungsprozeß der  Reproduktionstheorie von  Marx untersucht
       und in  scharfer  Kritik  der  Ansicht  von  Yamada  einige  neue
       Probleme stellt.
       Im Bereich  der Kredittheorie  spielen  Forschungsergebnisse  von
       Teinosuke Otani  (40) eine Rolle. Indem er darin das Manuskript I
       des dritten  Buches des "Kapitals" untersucht und die editorische
       Arbeit von  Engels und  seine Verarbeitung klarmacht, restauriert
       er bis  zu einem  gewissen Grad den Urzustand des Manuskriptteils
       über das zinstragende Kapital vom Jahre 1865.
       
       5. Die neue MEGA
       ----------------
       
       Seit der  Publikation der neuen MEGA hat sich das Interesse daran
       rasch erhöht,  und die  Untersuchungen anhand der MEGA-Bände sind
       bis heute  schon recht  zahlreich. Solche Forschungen üben selbst
       wieder auf  andere theoretische  Studien Einfluß  aus. 1985 wurde
       "die Arbeitsgemeinschaft der jungen Marx-Engels-Forscher" gegrün-
       det, in  der die jungen Wissenschaftler, die starkes Interesse an
       der MEGA haben, ihre Meinungen austauschen.
       Man könnte  die Probleminteressen  an der MEGA grob so einteilen:
       Forschungen über  den früheren  Marx und  Forschungen zur Entste-
       hungsgeschichte  des  "Kapitals",  hauptsächlich  im  "Manuskript
       1861-1863". Zum  "Manuskript 1861-1863"  sind es  die Forschungen
       von Izumi  Omura (44)  und Fumikazu  Yoshida (45), die allgemeine
       Aufmerksamkeit hervorriefen.
       Die Redaktion der MEGA erschloß bei der Herausgabe der MEGA 11,3,
       daß "Drittes  Capitel. Capital und Profit" (MEGA 11,3.5, S. 1598-
       1675) und  "Miscellanea" (a.a.O., S. 1675-1682) jeweils im Dezem-
       ber 1862  und im Januar 1863 geschrieben worden seien. Omura kri-
       tisierte in  seinem im  Dezember  1982  veröffentlichten  Beitrag
       diese Ansicht  und behauptete,  daß der erstere Text vom Dezember
       1861 bis Januar 1862 stammt, der zweite (Miscellanea) dagegen von
       Januar bis  März 1862  geschrieben worden sei, daß beide aber vor
       den "Theorien  über den  Mehrwert" (März  1862)  verfaßt  wurden.
       Yoshida kritisierte  die Ansicht der MEGA-Redaktion, daß die Nie-
       derschrift des "Maschinerie-Manuskripts" in den Heften V, XIX und
       XX durch  die "Theorien  über den  Mehrwert" unterbrochen  worden
       sei, und behauptete, das "Maschinerie-Manuskript" sei vielmehr an
       einem Stück  geschrieben worden.  Später wurden  ihre beiden Auf-
       sätze in der Zeitschrift "Beiträge zur Marx-Engels-Forschung" vom
       IML Berlin zusammengefaßt veröffentlicht. Dabei wurde die Ansicht
       von Omura  anerkannt; gegen die Ansicht von Yoshida wurde Einwand
       erhoben. In Japan gab es eine Reihe von Diskussionen über die An-
       sichten der  beiden. Omuras  Position wird von nicht wenigen For-
       schern geteilt, die von Yoshida wird noch von vielen bestritten.
       Gegenwärtig stehen  "Drittes Capitel. Capital und Profit" und das
       "Maschinerie-Manuskript" im  Brennpunkt der  Datierungsdiskussion
       über das "Manuskript 1861-1863". Darüber veröffentlichten Hiroaki
       Satake (46),  Jun Matsuo  (47) u. a. die Resultate ihrer Quellen-
       forschungen.
       Obwohl die  MEGA IV,  7 nur die ersten sechs von den 24 "Londoner
       Heften" enthält,  gibt der  Band schon  reichlich Materialien zur
       Forschung der  Marxschen Studien über die Kredittheorie in diesem
       Zeitabschnitt her.  Über die  "Londoner Hefte"  haben einige For-
       scher bereits  veröffentlicht: Ryojiro  Yatsuyanagi  (48),  Naoki
       Hashimoto (24) und Sumio Shigeta (13).
       
       6. Zusammenfassung
       ------------------
       
       Die Marx-Engels-Forschung in Japan ist sehr vielfältig und unein-
       heitlich. Wenn  sie auch  oft zu  akademisch gefärbt ist und hier
       und dort  quasi- oder  sogar antimarxistische  "Toxine"  in  sich
       birgt, enthält  sie doch immer auch Körner der Wahrheit. Wir hof-
       fen, daß diese Körner durch internationalen Meinungsaustausch den
       Boden des wissenschaftlichen Sozialismus fruchtbar machen.
       Um einem  Mißverständnis vorzubeugen, möchten wir zum Schluß noch
       hinzufügen: Obzwar  die Marx-Engels-Forschung in Japan jetzt noch
       ziemlich lebendig ist, heißt das nicht, daß auch die Marx-Engels-
       Texte ebenso  viel gelesen  werden. Leider  finden sie neuerdings
       immer  schlechteren   Absatz,  weshalb   man  sogar   von   einer
       "Entmarxung" der jungen Generation spricht.
       Wir hoffen,  die theoretische  Forschung auf anderen Gebieten ein
       anderes Mal  präsentieren zu  können. Insbesondere das Gebiet der
       politischen Ökonomie ist noch lange nicht erschöpfend behandelt.
       
       Literatur
       ---------
       
       Wo nicht  ausdrücklich vermerkt,  sind alle  Texte in japanischer
       Sprache verfaßt.
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       litical Economy  - Theory of Purely Capitalist Society, englisch,
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       (2) Iwata, Hiroshi: Weltkapitalismus, Tokyo 1964.
       (3) Hirata, Kiyoaki:  Bürgerliche Gesellschaft  und  Sozialismus,
       Tokyo 1969.  Politische Ökonomie  und Geschichtsbewußtsein, Tokyo
       1971. Einleitung zur Methode der Kritik der politischen Ökonomie,
       Tokyo 1982.
       (4) Hiromatsu, Wataru: Friedrich Engels, Tokyo 1968. Entstehungs-
       prozeß des  Marxismus, Tokyo  1968. Horizont des Marxismus, Tokyo
       1969. Der  junge Marx,  Tokyo 1971.  Urbild der materialistischen
       Auffassung, Tokyo 1971. Logik des Marxismus, Tokyo 1974. Philoso-
       phie des "Kapitals", Tokyo 1974.
       (5) Okishio, Nobuo:  Marxistische politische Ökonomie - Wert- und
       Preistheorie, Tokyo 1977.
       (6) Yamada, Moritaro: Werke, 6 Bde., Tokyo 1983-1985.
       (7) Kuruma, Samezo:  Zur Krisentheorie  von Marx,  neubearbeitete
       Ausgabe, Tokyo  1974. Wertform  und Austauschprozeß,  Tokyo 1957.
       Marx-Lexikon zur  politischen Ökonomie  (Hrsg.), 15 Bde., deutsch
       und japanisch,  Tokyo 1968-1985. Dito, 4 Bde., deutsch, Liechten-
       stein 1977.
       (8) Shima, Yasuhiko: Werke, 6 Bde., Tokyo 1982-1983.
       (9) Ikegami, Jun:  Finanzwesen im  modernen  Kapitalismus,  Tokyo
       1974.
       (10) Mita, Sekisuke:  Werke, 7 Bde., Tokyo 1976-1977. Uno-Theorie
       und die marxistische politische Ökonomie, Tokyo 1968.
       (11) Sato, Kinzaburo:  System der  "Kritik der politischen Ökono-
       mie" und  das "Kapital". In: Keizaigaku-Zasshi, 31-5/6, 1954. Das
       "Kapital" und Unos Wirtschaftswissenschaft, Tokyo 1968.
       (12) Hayashi, Naomichi:  Grundstruktur des  Kapitalismus und Uno-
       Theorie. In:  Keizaigaku-Zasshi, (Osaka Stadt-Universität), 45-6,
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       kyo 1974.
       (13) Shigeta, Sumio:  Methode der  politischen Ökonomie von Marx,
       Tokyo 1975. "Londoner Hefte" und die "Grundrisse". In: Hokei-Ken-
       kyu (Shizuoka Universität), 33-3/4, 1985.
       14) Okazaki,  Eimatsu: Einleitung zum Studium des "Kapitals", To-
       kyo 1968.
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       mie, Tokyo  1964. Der Weg zur Marxschen politischen Ökonomie, To-
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       (23) Zamanaka, Ryuji:  Ideenbildung  beim  früheren  Marx,  Tokyo
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       (26) Hashimoto, Naoki:  Anfang der Entstehung der "Kritik der po-
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       48-2, 1979. "Revue, Mai bis Oktober" und "Auszüge aus Evans". In:
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       theorie, Tokyo 1979.
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       (30) Uchida, Yoshihiko:  Die Geburt der politischen Ökonomie, To-
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       (31) Yamada, Toshio:  Bild der  Moderne in der Kritik der politi-
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       (32) Uchida, Hiroshi: Studien über die "Grundrisse der Kritik der
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       mie beim mittleren Marx, Tokyo 1985.
       (33) Fukutomi, Masami und Taguchi Koichi: Sozialismus und Gemein-
       besitz, Tokyo 1984.
       (34) Taguchi, Fukuji:  Grundprobleme der  marxistischen  Politik-
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       (36) Maki, Sanehiko:  Einleitung der Studien über das sozialisti-
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       (37) Komatsu, Yoshio:  Bedeutung des  Begriffs des  individuellen
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       versität), 39-4, 1986.
       (38) Kobayashi, Masanari: Grundprobleme der Reproduktionstheorie,
       Tokyo 1975.
       (39) Takagi, Akira:  Studien über die Reproduktionstheorie, Kyoto
       1973.
       (40) Otani, Teinosuke:  Über das Manuskript von "Akkumulation und
       erweiterte Reproduktion".  In: Keizai-Shirin (Hosei-Universität),
       49-1 und  2, 1981.  Über das  Manuskript  I  des  3.  Buches  des
       "Kapitals". In:  Keizai-Shirin, 50-2,  1982. Über  das Manuskript
       von "Kredit und fiktives Kapital". In: Keizai-Shirin, 51-2, 3 und
       4, 1983/84.
       (41) Nakamine, Teruyoshi,  Teinosuke Otani  u. a.  (Übers.): Karl
       Marx, Der  Circulationsprozeß des  Capitals - Ms. I des 2. Buches
       des "Kapitals", Tokyo 1982.
       (42) Ito, Takeshi: Anfang der Marxschen Reproduktionstheorie. In:
       Osaka-Keidai-Ronshu (Osaka-Universität  der Ökonomie),  Nr.  165,
       1985.
       (43) Minagawa, Akira: Der Entstehungsprozeß der "Tabellen der Re-
       produktion". In: Keizai, Nr. 255, 1985.
       (44) Omura, Izumi:  Produktionspreis und Grundlogik des 3. Buches
       des "Kapitals".  In: Keizai, Nr. 227, 228 und 299, 1983. Über die
       Entstehungsphasen des  "Dritten Capitel.  Capital und Profit" und
       der "Miscellanea":  Dezember 1862  oder Dezember 1861? (Deutsch),
       in: Beiträge  zur Marx-Engels-Forschung  (IML  Berlin),  Nr.  16,
       1984.
       (45) Yoshida, Fumikazu: Quellen des "Maschinerie-Manuskripts" von
       Marx. In:  Keizai, Nr.  227 und 231, 1983. Wurden Marx' "Theorien
       über den  Mehrwert" nach  der Unterbrechung  seiner Arbeit an dem
       "Maschinerie-Manuskript" geschrieben? (Deutsch), in: Beiträge zur
       Marx-Engels-Forschung (IML Berlin), Nr. 16, 1984.
       (46) Satake, Hiroaki:  Entstehung  des  "Maschinerie-Manuskripts"
       von Marx.  In: Studien  der Sozialen  Probleme  (Universität  der
       Osaka-Präfektur), 33-2 und 34-1, 1984.
       (47) Matsuo, Jun:  Über die Entstehungszeit von "Drittes Capitel.
       Capital und  Profit" im "Manuskript 1861-1863". In: Keizai-Keiei-
       Ronshu (St. Andrew's Universität), 26-1, 1985.
       (48) Yatsuyanagi,  Ryojiro:   Geld-  und   Kredittheorie  in  den
       "Londoner Heften"  von Marx. In: Keizaigaku (Tohoku Universität),
       44-1, 1982.
       

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