Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


       zurück

       
       MODELL DER REVOLUTIONEN ODER BESONDERER FRANZÖSISCHER WEG?
       ==========================================================
       
       Die Französische Revolution im Urteil der deutschen Zeitgenossen
       ----------------------------------------------------------------
       
       Johannes Henrich von Heiseler
       
       Frankreich hat  durch seine  "große Revolution" "die herrlichsten
       Lektionen gegeben", heißt es in einer Flugschrift bayerischer Ja-
       kobiner 1801   1). Wenn man sie nütze, heißt es weiter, führe das
       zu den unfehlbarsten Erfolgen. Aber man müsse doch sehr zweifeln,
       ob die  Beispiele der  Revolution und  ob die  Lehren der größten
       Philosophen, die  in die  gleiche Richtung  wiesen" ,uns  so, wie
       dermalen die  Sachen stehen,  auf einen besseren Pfad führen wer-
       den, als  den wir bisher gewandelt sind". Denn, so meint der Ver-
       fasser, "mich  deucht, die  Wege seien  noch zu  sehr mit Hecken,
       Dornen, Disteln und Stauden verwachsen" 2).
       Frankreich und  seine Revolution als Beispiel, aus dem man Lehren
       für das  eigene Handeln,  die eigene Zukunft ziehen kann, das ist
       ein Gedanke,  der sich  bei vielen deutschen Zeitgenossen findet.
       Hier unterscheiden  sich zunächst nicht einmal Positionen, die im
       übrigen in der Verarbeitung der französischen Ereignisse sehr ge-
       gensätzlich sind.
       Das Nachdenken  darüber, welche  Hindernisse unter deutschen Ver-
       hältnissen bestehen,  welche Hecken  und Dornen  es schwierig ma-
       chen, praktische  Konsequenzen aus  dem französischen Beispiel zu
       ziehen, läßt  sich ebenso  bei vielen deutschen Zeitgenossen fin-
       den. "Mein  Gott, was  für eine armselige Figur machen wir krumme
       und  sehr  gebückte  Deutsche  -  jetzt  gegen  die  Franzosen!",
       schreibt Friedrich Daniel Schubart 1789 an seinen Sohn 3).
       Für viele wird damit die Französische Revolution zu dem Ereignis,
       das zum  Nachdenken über  die eigene  Lage, die eigene Rolle, die
       eigenen Möglichkeiten führt. Die Bitterkeit, die mit diesem Nach-
       denken bei  fortschrittlichen Denkern  verbunden ist, wirkt dabei
       nicht notwendigerweise  lähmend. Sie  führt zum - oft quälenden -
       Nachdenken über  mögliche Wege  in der  Entwicklung  der  eigenen
       Lage. Das  Denken der  Französischen Revolution als Beispiel, dem
       es schwer  ist, unter  deutschen Verhältnissen  zu folgen, dieser
       Gedanke ist  häufig nicht  erst Ergebnis  der Parteienbildung  im
       Hinblick auf  die Französische Revolution, sondern steht noch vor
       ihr: Der  Gedanke ist häufig Voraussetzung und Grundlage des Pro-
       zesses, in  dem sich  dann die  verschiedenen Positionen und Par-
       teien im Hinblick auf die Französische Revolution bilden.
       Die späteren Demokraten und die späteren Liberalen und viele, die
       dann in  konservativ-romantische Welten  flüchten oder abgleiten,
       sind hier vergleichbar. Vor allem in der Anfangsphase der Franzö-
       sischen Revolution  ist es allen denen, die einen offenen und le-
       bendigen Geist  haben, eine Selbstverständlichkeit, daß die Fran-
       zösische Revolution ein Ereignis mit universeller Beispielwirkung
       ist. Bedauert  wird zunächst  nur, daß  es nicht  das eigene Land
       hatte sein können, das der Welt dieses Beispiel gab. Der über 65-
       jährige Friedrich  Gottlieb Klopstock  (der in  diesen Jahren den
       Zeitgenossen schon  als eine  historische Figur  gilt) hat  diese
       Empfindung 1790  in der  Ode "Sie und nicht wir" klassisch ausge-
       drückt: 4)
       "Ach, du wärest es nicht, mein Vaterland, das der Freiheit Gipfel
       erstieg,  Beispiel   erstrahlte  den  Völkern  umher,  Frankreich
       war's!"
       In den  Manuskripten von  Johann Gottfried  Herder aus  dem Jahre
       1792 "Briefe,  die Fortschritte  der Humanität  betreffend",  und
       zwar in  den Teilen,  die Herder vorsichtigerweise dann nicht zum
       Druck (für  die "Briefe zur Beförderung der Humanität") gab, ver-
       gleicht er hinsichtlich Bedeutsamkeit und Folgen die Französische
       Revolution mit  der Renaissance  und sagt:  "Für mich will ich es
       nicht leugnen, daß unter allen Merkwürdigkeiten unsres Zeitalters
       die Französische  Revolution mir  beinah als  die wichtigste  er-
       schienen ist und meinen Geist oft mehr beschäftiget, selbst beun-
       ruhiget hat,  als mir selbst lieb ist." Die historische Einzigar-
       tigkeit und Bedeutung zwinge zur Reflexion, die "Natur der Sache"
       bringe es  mit sich, darüber nachzudenken und die Folgen zu über-
       legen 5).
       Das Gefühl,  einen Umbruch  mitzuerleben, der  dauerhaft auch das
       eigene Leben beeinflussen wird und dem man nicht gleichgültig ge-
       genübersteht, drückt sich bei vielen aus. Man sieht sich in einer
       Zuschauerrolle, in  der man  mit den eigentlichen Akteuren, da wo
       gehandelt wird,  leidenschaftlich mitfühlt  - aber ist diese Lei-
       denschaft denkbar  ohne die  Empfindung, das  eigene Leben  werde
       mitbetroffen? Christoph Martin Wieland schreibt 1790, es sei eine
       "Glückseligkeit, um  welche uns  die Nachwelt  beneiden wird, daß
       wir Zeitgenossen  und Zuschauer  dieses größten und interessante-
       sten aller  Dramen, die  jemals auf  dem Weltschauplatze gespielt
       wurden, gewesen sind." 6)
       Dies Gefühl,  einen Wendepunkt und Durchbruch der materiellen und
       der geistigen Entwicklung mitzuerleben, ist selbstverständlich am
       stärksten bei den entschiedenen Demokraten, den deutschen Jakobi-
       nern. Georg Forster schreibt 1793 aus Paris: "Ich glaube nun ein-
       mal an  die Wichtigkeit  dieser Revolution  im großen Kreise men-
       schlicher Schicksale,  glaube, daß  sie nicht  nur sich  ereignen
       mußte, sondern  auch den Köpfen, den Fähigkeiten eine andere Ent-
       wicklung, dem Ideengang eine neue Richtung geben wird." 7)
       Betrachtet man die konservative Szene, so fällt zunächst auf, daß
       die Beispielwirkung  der Französischen  Revolution dazu  herhält,
       die aktive  konterrevolutionäre Anstrengung zu begründen. Die Be-
       trachtung Frankreichs als Ansteckungsherd, die Überlegung, welche
       Infektionsgefahren das  französische Beispiel  setzt, sind  kenn-
       zeichnend für konservativ-konterrevolutionäres Denken. So bemerkt
       1791 Friedrich  Wilhelm II.,  "daß die Ansteckung des Geistes der
       Freiheit und  des Ungehorsams  die ernsteste Aufmerksamkeit aller
       Regierungen verdiene."  8) Es  ist von der historischen Forschung
       darauf hingewiesen worden, daß es einerseits stets auch zur Mäßi-
       gung neigende  Konservative gegeben  habe, die, vor konterrevolu-
       tionären außenpolitischen  Aktionen warnend,  die Beispielwirkung
       der Französischen  Revolution geringer  eingeschätzt  und  darauf
       vertraut haben,  sie werde  nicht zum  politischen Muster werden.
       Auf der anderen Seite habe es Maßnahmen gegen aufrührerische Pro-
       paganda schon vor der Französischen Revolution gegeben.
       Jedoch belegen  beide Fakten  erst recht,  daß auch innerhalb der
       konservativen Szene die Meinung, die revolutionären Entwicklungen
       in Frankreich  stellten nur  eine besondere französische Entwick-
       lung dar und gingen einen weiter nichts an, kaum anzutreffen ist.
       Sieht man  sich etwa  die Position  des preußischen  aufgeklärten
       konservativen Reformpolitikers Ewald Friedrich Graf Hertzberg an,
       so erweist  sich, daß  er zwar die Ansicht vertritt, es sei nicht
       zu befürchten,  die Französische Revolution werde in anderen Län-
       dern als Muster und Beispiel wirken. Aber dies Ereignis, das sei-
       ner Meinung  nach die  außerordentlichste Revolution  in der  Ge-
       schichte darstellt, zwingt nach Hertzberg zu einem innenpolitisch
       vorsichtig reformerischen,  außenpolitisch bedachtsam  mäßigenden
       Kurs, und  erst damit,  so ist  Graf Hertzberg zu verstehen, ver-
       liert die  Französische Revolution  ihre Wirkung als Beispiel und
       Muster. 9)
       Es ist  auch richtig,  daß es schon vor der Französischen Revolu-
       tion Abwehrmaßnahmen  gegen aufrührerische Tätigkeit gegeben hat.
       So weist  Horst Möller darauf hin, daß etwa das preußische Dekret
       in Kleve  vom Oktober  1790, das  sich gegen revolutionäre Propa-
       ganda richtet,  einen Vorläufer  in Gestalt  eines  immer  wieder
       (zuletzt 1787) erneuerten Dekrets hat, das die Aufreizung der Un-
       tertanen gegen  die Obrigkeit unter Strafe stellte und die sofor-
       tige Erhebung  der Klage  von Amts wegen statuierte. 10) Aber die
       Beispielwirkung der Französischen Revolution liegt eben gerade in
       ihrem allgemeinen Charakter begründet: Wäre es nicht für das alte
       Regime in  den deutschen  Ländern notwendig  gewesen, vorbeugende
       Sanktionen gegen  kritisch-rebellische Aktivitäten  festzusetzen,
       dann hätten die Herrschenden von der Propaganda, die von dem ein-
       maligen geschichtlichen Beispiel ausging, auch nichts zu fürchten
       gehabt.
       Die Größe  und die  Beispielfunktion der Französischen Revolution
       zeigt sich  in dem außerordentlichen Charakter der Maßnahmen, die
       von der  Konterrevolution getroffen werden. Den die ganze vorher-
       gehende Phase  der Reichsgeschichte  beherrschenden Gegensatz von
       Preußen und  Österreich beiseite schiebend, verlautbaren der Kai-
       ser und  der König  von Preußen  in ihrer gemeinsamen Deklaration
       von Pillnitz  (27. August  1791), daß  sie "die Situation, in der
       sich der  König von  Frankreich gegenwärtig befindet, als ein ge-
       meinsames Interesse für alle Könige Europas" erklären. Sie appel-
       lieren weiter  an die anderen Mächte der alten Ordnung in Europa,
       um gemeinschaftlich mit ihnen "die wirksamsten Mittel anzuwenden,
       um den  König in  den Stand  zu setzen,  in größter  Freiheit die
       Grundlagen eines  monarchischen Regiments zu festigen". Zu diesem
       Zweck und unter dieser Voraussetzung erklären sie ihre grundsätz-
       liche Bereitschaft, militärisch zu intervenieren. 11)
       Über die von ihren Urhebern nicht beabsichtigte, solidarisierende
       Wirkung der  Deklaration in  Frankreich selbst  braucht man  hier
       nichts zu  sagen; jedenfalls  gehen ihre  Urheber  offensichtlich
       nicht davon  aus, daß die Ereignisse in Frankreich eine nur fran-
       zösische Angelegenheit  darstellen: Sie haben für sie Modellfunk-
       tion.
       Außerordentlich sind  auch die  Anstrengungen der geistigen " Ab-
       wehr": Helmut  Reinalter hat  gezeigt, daß in diesem Zusammenhang
       (wohl zum  ersten Mal überhaupt) eine systematische Pressepolitik
       mit negativen  (Zensurbestimmungen)  wie  positiven  Festlegungen
       (die Presse  möge möglichst  über Mißstände in Frankreich berich-
       ten) durch  den Wiener  Hof erfolgt. 12) Auch der Haß, mit dem in
       dem Prozeß  gegen die  kleine Gruppe revolutionärer Demokraten in
       Wien das  eigene Recht  gebeugt wird, um die Wiener Jakobiner vor
       das Militärgericht zu bringen, was erlaubt, sie justiziell zu er-
       morden, weist  ein außerordentliches Maß auf. 13) Trotz ihrer ge-
       ringen Zahl  werden die Jakobiner im eigenen Land nicht für unbe-
       deutend gehalten:  Insofern wird  die Französische Revolution als
       Modell gefürchtet. 14)
       Der Modellcharakter  der Französischen  Revolution  wird  in  den
       deutschen Ländern  von Vertretern  fast aller Strömungen und Par-
       teien nicht  nur wahrgenommen,  wie Rudolf  Vierhaus gezeigt hat,
       sondern auch  in Zeitschriften  propagiert.  In  dem  im  Septem-
       ber/Oktober 1789  geschriebenen 2.  Band des Schwäbischen Archivs
       heißt es, daß der Same der revolutionären Grundsätze "früher oder
       später in  ganz Europa  seine Früchte tragen muß" 15). Und in dem
       1790 in  Meiningen erschienenen "Archiv für ältere und neuere ...
       Geschichte..." wird  zwar ein  besonderer, gemäßigter,  deutscher
       Weg proklamiert; aber der Gedanke wird ausgesprochen, daß die Mo-
       dellfunktion der  Französischen Revolution  damit verknüpft  ist,
       daß hier die Volksmassen selbst in Bewegung geraten sind: "Was in
       unsern Tagen  geschah, ist  Fingerzeig genug, Euch zu deuten, wer
       schwach und  wer stark  ist. Stark ist die ganze Masse des Volks,
       wenn sie  vorn Gefühl des Drucks, der lange auf ihr lastete, end-
       lich aufgeschreckt,  mit einemmal ihr angeborenes Recht heischt."
       16) Hier  ist bemerkenswert,  daß die Tatsache, daß sich im Nach-
       barland etwas  vollzieht, was nicht nur spezifisch, nicht nur be-
       sonders französisch  ist, daß,  wie Joachim Heinrich Campe unmit-
       telbar aus  Paris  schreibt,  "die  französische  Staatsumwälzung
       wohltätig für das ganze Menschengeschlecht geworden" ist 17), zu-
       sammengebracht wird  mit der  möglichen Rolle  der Volksmassen in
       der Geschichte.
       Die deutschen  Jakobiner, dies  wird oft ausgedrückt und als Ein-
       wand gegen  die marxistische  Geschichtsschreibung der  Französi-
       schen Revolution  und ihrer Auswirkungen in den deutschen Ländern
       erhoben, waren Jakobiner ohne eine Volksbewegung. Dies ist jedoch
       keine Kritik  an der  Geschichtsschreibung, es ist eine Kritik an
       den deutschen Zuständen der damaligen Zeit. Daß den deutschen Ja-
       kobinern die  Größe und  die Schwierigkeit  ihrer Aufgabe  bewußt
       war, zeigen  ihre Schriften.  Was die Massen des Volks anging, so
       war eine  besonders wichtige Verknüpfung zwischen den unmittelba-
       ren Interessen  und der  Möglichkeit, den tendenziell allgemeinen
       Charakter, die  Modellfunktion der Französischen Revolution wahr-
       zunehmen, die Verknüpfung mit der Frage von Krieg und Frieden. So
       ist es  nicht zufällig,  daß diese Frage in verschiedener Fassung
       in jakobinischen  Flugblättern immer  wieder  auftaucht.  An  die
       "Tyrannen" gewandt,  heißt es  in einer  fränkischen  Flugschrift
       1794 kennzeichnend:  "Macht Friede! - oder das Volk steht auf und
       macht Friede!!!" 18)
       Die Tatsache,  daß die  Französische Revolution verbunden ist mit
       der Bewegung  der Volksmassen, daß ihr universeller Charakter mit
       der Bewegung  der Volksmassen  zu tun  hat, ist auf einer höheren
       Abstraktionsebene von  Thomas Paine erkannt worden. Thomas Paine,
       dessen Schrift  zur Verteidigung der Französischen Revolution ge-
       gen den englischen Konterrevolutionär Edmund Burke in einer zeit-
       genössischen  Übertragung   im  deutschen  Sprachraum  verbreitet
       wurde, begründet  den universellen Charakter und den universellen
       Anspruch der  Französischen Revolution  doppelt. Einmal wurden in
       früheren Revolutionen nur Personen ausgewechselt - hier aber wer-
       den neue  Grundsätze gesetzt.  Zum zweiten (und eng damit verbun-
       den): Die  bisherigen Revolutionen  hatten nichts, was von Inter-
       esse für "den großen Haufen der Menschen" war. 19)
       Man muß sich den Gedanken in allen Einzelschritten vor Augen füh-
       ren. Für  Thomas Paine  setzt die  Französische  Revolution  neue
       Prinzipien und  bleibt nicht bei der Auswechselung von Teilen des
       Regierungspersonals stehen. Weil sie über die Auswechselung eini-
       ger Personen  hinaus neue  Grundsätze setzt,  ist es ihr möglich,
       Masseninteressen anzusprechen. Weil sie neue Grundsätze begründet
       und Masseninteressen  anspricht, ist sie ein Ereignis, das frühe-
       ren Revolutionen  etwas Unvergleichbares voraushat: Sie hat einen
       universellen Anspruch.
       Es ist  aber zu  kurz gegriffen,  wollte man  diese Merkmale  der
       Französischen Revolution  nun nur damit begründen, daß in ihr die
       moderne Welt  der bürgerlichen Ordnung gegen das verkrustete alte
       Regime des Feudalismus antritt und den (trotz politischer Restau-
       ration) entscheidenden  Sieg davonträgt.  Die bürgerliche Ordnung
       kann sich  geschichtlich auf  sehr unterschiedliche Art und Weise
       durchsetzen. In der Französischen Revolution ergibt sich an wich-
       tigen Wendepunkten  immer wieder  die Notwendigkeit  für den ent-
       scheidenden Teil  der bürgerlichen Revolutionäre, an die antifeu-
       dalen Interessen der Volksmassen anzuknüpfen und die dadurch mög-
       liche Massenbewegung  als Motor  für die Durchsetzung der eigenen
       Interessen zu  benützen. Nicht nur in ihrer Programmatik, auch in
       ihren Auswirkungen  ergibt sich  dadurch ein  tiefgreifender, ein
       systematischer Charakter. Nicht weil die französische Bourgeoisie
       und ihre  politischen Vertreter und Agenten besonders eigennützig
       waren, sondern, weil sie an wichtigen Knotenpunkten die Massenbe-
       wegung brauchten, um den nächsten Schritt weiter gehen zu können,
       ergibt sich  der universelle Anspruch: Nicht mehr für "gutes, al-
       tes Recht"  oder "rights  of Englishmen", nicht mehr für spezifi-
       sche Rechte  besonderer Art  wird die  Fahne erhoben, sondern für
       die "Rechte der Menschen". 20)
       Die Französische  Revolution ist  daher nicht  einfach Modell für
       die bürgerliche  Revolution überhaupt: Sie ist genauer Modell ge-
       worden für  den Weg der bürgerlichen Revolution durch die Mobili-
       sierung der  Volksmassen, die  dem Bürgertum die feudalen Hinder-
       nisse aus  dem Wege  räumen. Im  Anschluß an die Überlegungen von
       Wladimir I.  Lenin ist deshalb in der vergleichenden Revolutions-
       forschung der  "französische Weg" als ein Modell dem "preußischen
       Weg" als einem anderen Modell gegenübergestellt worden 21).
       Der "französische  Weg" ist  der Weg  "von unten", die Zerstörung
       der alten  Gesellschaftsordnung durch  die vom Bürgertum in Bewe-
       gung  gesetzten   und  geführten  Volksmassen.  Der  andere,  der
       "preußische Weg"  ist der Weg des "von oben" oktroyierten Kompro-
       misses, bei  dem die  alte herrschende  Klasse zunächst  für eine
       ganze geschichtliche  Periode die  Hegemonie weiter behält und in
       der Agrarverfassung ein allmählicher, verzögerter Wandel von feu-
       dalen zu kapitalistischen Strukturen erfolgt, der es den feudalen
       Grundbesitzern erlaubt, sich in bürgerliche Grundbesitzer zu ver-
       wandeln. Die Kosten der Verzögerung trägt bei dem preußischen Weg
       der Bauer  und der ländliche Tagelöhner. Die Französische Revolu-
       tion hat dagegen mit den feudalen Strukturen auf dem Lande reinen
       Tisch gemacht,  wobei es  lehrreich ist,  zu untersuchen, wie an-
       fängliche Kompromißversuche  immer prinzipielleren  Lösungen wei-
       chen mußten.
       Die Frage  des Modellcharakters der Französischen Revolution wird
       bei den deutschen Zeitgenossen daher auch diskutiert, nachdem die
       Revolution als  Bewegung nach dem Ausdruck von Napoleon Bonaparte
       "beendet" ist  22). Für  die deutschen  Zeitgenossen gewinnt  die
       Frage nach  dem Modellcharakter  erneut Bedeutung im Zusammenhang
       mit der  Auseinandersetzung über  die Rezeption des französischen
       Zivilgesetzbuchs, des  Code Napoleon.  Im Code  Napoleon wird das
       Ergebnis der  Französischen Revolution auf dem Agrarsektor recht-
       lich festgehalten. Als daher die Frage ansteht, ob die Rheinbund-
       staaten den  Code Napoleon als Zivilgesetzbuch übernehmen sollen,
       beziehen sich  Hazzi u.a.  in ihrem  in Winkopps Zeitschrift "Der
       Rheinische Bund"  veröffentlichten Gutachten auf den universellen
       Charakter der  Französischen Revolution:  "Die  Überbleibsel  der
       Barbarei, die  der Code  Napoleon entfernt  hat, konnten weder in
       Frankreich noch  in Deutschland  als keine wohlerworbenen Rechte,
       sondern nur als übel bestandene Verhältnisse streiten, sie strei-
       ten gegen  die angebornen  gleichen Rechte der Menschheit - gegen
       den Staatszweck,  und müssen in allen wohlgeordneten Staaten ver-
       bannt werden,  und für  immer verbannt  bleiben.  Dies  sind  die
       Früchte der  französischen Revolution, und, wie gesagt, die fran-
       zösische Revolution gehört der ganzen Welt an." 23)
       Diejenigen, die  die hergebrachten  feudalen Rechte auf dem Lande
       verteidigten, argumentierten  demgegenüber, daß die Übernahme des
       Code Napoleon  die Individualität  eines jeden Landes, den Natio-
       nalcharakter und den besonderen Geist der Nation zu wenig berück-
       sichtige. 24)  Diese Argumentation  wird in der Verordnung aufge-
       nommen, die den Code Napoleon, das neue Zivilgesetzbuch, im Groß-
       herzogtum Frankfurt am 16. Januar 1814 wieder abschafft: "Nachdem
       unter dem Beistand der alles leitenden Vorsehung Deutschlands Un-
       abhängigkeit und  Freiheit wieder erkämpft worden ist, so fordert
       das allgemeine  Nationalinteresse, daß  deutsche Gesetze  und Ge-
       wohnheiten, deren  wohltätiger Einfluß erprobt ist, an die Stelle
       eines fremden Gesetzbuches treten, welches weder dem Volkscharak-
       ter, der  Denkungsart desselben und der Moralität der Nation ent-
       spricht, noch der Staatsverfassung angemessen ist." 25)
       Hier sehen  wir die  Ursprünge eines  gegenrevolutionären Gemein-
       platzes. Eine  grundsätzliche Beseitigung überlebter Herrschafts-
       verhältnisse ist, dies zeigt die Französische Revolution, mit ei-
       nem die jeweiligen Besonderheiten übergreifenden Anspruch verbun-
       den. In der Geschichtsphilosophie der bestimmenden deutschen bür-
       gerlichen Historiker  und Juristen  des 19. Jahrhunderts wird ge-
       genüber dem  "mechanischen Machen"  das "organische Wachstum" (so
       Friedrich Carl  von Savigny und die historische Rechtsschule 26))
       ins Feld  geführt. Damit wird im Kampf gegen die Französische Re-
       volution, worauf Georg Lukács hinweist, unter Anwendung der Orga-
       nismus-Analogie eine konservative Ideologie entwickelt, die nicht
       einfach auf  gesellschaftlicher Erstarrung  beharrt, sondern eine
       besondere Entwicklungstheorie, eine Theorie der Entwicklung durch
       organische Reformen, enthält.
       Verwandt damit  ist die Geschichtsphilosophie Leopold von Rankes:
       Von ihm wird einmal ein grundsätzlicher Angriff gegen den mit der
       Französischen Revolution  und ihrem  Anspruch  auf  Universalität
       verbundenen Fortschrittsgedanken  geführt: "Vor  Gott  erscheinen
       alle Generationen  der Menschheit als gleichberechtigt und so muß
       auch der  Historiker die Sache ansehen." 27) Zum anderen sind die
       nationalen Eigenarten  so tiefgehend,  daß ein  Parteigänger  der
       Vorstellungen der  französischen Revolution von 1830 - zur Großen
       Revolution der Franzosen äußert sich Ranke in diesem Zusammenhang
       nicht unmittelbar  - eine  Art "deutscher Franzose" ist, der "Ab-
       straktionen eines fremden Daseins" empfiehlt. 28)
       Die Französische  Revolution wird  von den deutschen Zeitgenossen
       als ein  Modell eines  Durchbruchs wahrgenommen. Dir eigener uni-
       verseller Anspruch drückt sich unter anderem in der Erklärung der
       Menschenrechte aus.  Das gegenrevolutionäre  Denken, das  die Ge-
       meinplätze des organischen Wachstums, der nationalen Individuali-
       tät, der  letztlichen Ebenbürtigkeit  aller  Epochen  entwickelt,
       erfährt eine  Steigerung zu einer neuen und grausigen Qualität im
       nationalsozialistischen Denken:  1935 wird auf einer Tagung deut-
       scher Juristen  unter Vorsitz von Carl Schmitt dem "Rechtsbegriff
       Mensch", der  die konkreten  Unterschiede der Menschen überdecke,
       der Kampf angesagt. 29)
       Die Französische Revolution als Modell verstehen, heißt auch, sie
       nachdrücklich als  eine spezifisch  französische Ereigniskette zu
       begreifen; denn  anders als   i m   Besonderen ist das Allgemeine
       nicht. Das Verständnis ihrer konkreten Voraussetzungen in der na-
       tionalen Geschichte Frankreichs ermöglicht es, den objektiv gege-
       benen Hintergrund eines klassischen Durchbruchs wahrzunehmen. Da-
       mit ergeben  sich Fragen nach den Bedingungen ihres Modellcharak-
       ters.
       Werner Loch und Walter Markov haben vorgeschlagen, in der Koinzi-
       denz zwischen  der Epoche der Durchsetzung und des Sieges der ka-
       pitalistischen Produktionsverhältnisse  und dem französischen Re-
       volutionszyklus den  objektiven Hintergrund  der  Modell-Funktion
       des französischen Revolutionszyklus unter den bürgerlich-demokra-
       tischen Revolutionszyklen zu sehen. 30)
       Wir wollen  nicht bestreiten,  daß diese  epochale Koinzidenz zum
       objektiven Hintergrund  der Möglichkeit einer bürgerlich-demokra-
       tischen Revolution  mit welthistorischer  Modellfunktion  gehört.
       Aber schon  wenn man  nach dieser  Koinzidenz im Lande selbst, in
       Frankreich  fragt,   wird  ein   Problem  sichtbar:   Sicher  war
       Frankreich in  der sozialökonomischen  Entwicklung hinter England
       weit zurück.
       Dagegen fällt  auf, daß in Frankreich der Epoche alte und moderne
       Widersprüche in  eigenartiger Weise  ineinander  verflochten  und
       verwoben sind.  Weiter fällt  auf, daß der Ultra-Zentralismus des
       französischen Alten  Regimes, der  als besonders  rückständig und
       als besonders  modern gedeutet werden kann, die Frage des Kampfes
       um die zentrale politische Macht deutlicher hervortreten läßt als
       in anderen  Ländern. Und  schließlich fällt  auf, daß die Klasse,
       die die  geistige und politische Führung der Revolution übernahm,
       das französische  Bürgertum, schon  vor der  Revolution über hoch
       entwickelte und feingegliederte politische Begrifflichkeiten ver-
       fügte, die  nicht nur einem engen Kreis von Fachleuten, sondern -
       dank der  bürgerlichen Clubs  und Gesellschaften  - einer breiten
       Schicht gesellschaftlicher  Aktivisten dieser Klasse zur Hand wa-
       ren. Im einzelnen ist hier für die marxistische Gesellschaftswis-
       senschaft noch vieles zu erarbeiten.
       Welthistorische Modellfunktion  und nationale Spezifik sind nicht
       als Gegensatz  zu begreifen.  Vielmehr stellt sich die Frage: Was
       sind die  spezifischen Bedingungen,  unter  denen  eine  konkrete
       zeitlich und  national verortete  Revolution welthistorische  Mo-
       dellfunktion erhält?  Überträgt man  die Frage auf den Zyklus so-
       zialistischer Revolutionen,  so zeigt sich die praktische und zu-
       kunftsträchtige Bedeutung geschichtlicher und geschichtstheoreti-
       scher Fragestellungen.
       
       _____
       1) Heinrich Scheel  (Hrsg.): Jakobinische  Flugschriften aus  dem
       deutschen Süden  Ende des  18. Jahrhunderts.  Berlin/DDR 1965. S.
       462.
       2) Ebenda.
       3) David Friedrich Strauß (Hrsg.): Schubarts Leben in Briefen, 2.
       Aufl. Bonn  1878, Bd.  2, S.  272. Vgl. Rudolf Vierhaus: "Sie und
       nicht wir".  Deutsche Urteile über den Ausbruch der Französischen
       Revolution. In:  Jürgen Voss (Hrsg.): Deutschland und die Franzö-
       sische Revolution. 17. Deutsch-französisches Historikerkolloquium
       des Deutschen  Historischen Instituts Paris (Bad Homburg 29. Sep-
       tember - 2. Oktober 1981). München 1983, S. 12.
       4) Klopstocks sämtliche  Werke. Bd  IV. Leipzig  1839, S.  320 f.
       Vgl. Vierhaus, a.a.O., S. 1.
       5) Christina Didier,  Wolfgang Hecht: Das Herder-Museum im Kirms-
       Krackow-Haus zu  Weimar. Nationale  Forschungs- und Gedenkstätten
       der klassischen  deutschen Literatur in Weimar. 2. Aufl. 1987, S.
       29 f.  Dort zitiert  nach der  Handschrift aus  dem Jahre 1792 im
       Herder-Nachlaß der Staatsbibliothek Berlin/DDR.
       6) C.F. Strackerjan  (Hrsg.): G.A.  von Halems  Selbstbiographie,
       bearbeitet von  L.W. Chr. von Halem. Oldenburg 1840. S. 110. Vgl.
       Vierhaus, a.a.O., S. 10.
       7) Gustav Landauer  (Hrsg.): Briefe aus der Französischen Revolu-
       tion. 2. Bd. Berlin 1985. S. 160.
       8) Wilhelm Lüdtke:  Friedrich Wilhelm  H. und  die  revolutionäre
       Propaganda (1789-1791).  Forschungsberichte  für  Preußische  Ge-
       schichte, Bd.  44, (1932),  S. 79.  Vgl. Horst Möller: Primat der
       Außenpolitik. Preußen  und die Französische Revolution 1789-1795.
       In: Jürgen Voss, a.a.O., S. 75.
       9) Graf Herzberg  (= Ewald  Friedrich Graf von Hertzberg): Vorle-
       sung über  die Revolutionen  der Staaten in der Academie der Wis-
       senschaften zu  Berlin am  6. October 1791. In: Revolutions-Alma-
       nach von 1792. Göttingen. S. 17 und 19 (nicht 883-886, wie Möller
       a.a.O. versehentlich  angibt). Hertzberg  spricht  hier  von  der
       Französischen Revolution  als der "außerordentlichsten von allen,
       welche die  Geschichte uns  aufweiset" (S. 17). Auf S. 19 ff. be-
       gründet er,  daß nicht zu befürchten sei, daß "andere Europäische
       Nationen dem  Beispiel und Muster der Französischen Revolution so
       bald nachfolgen möchten...".
       10) Wilhelm Lüdtke, a.a.O., S. 70-83, sowie Wilhelm Lüdtke: Preu-
       ßen und  die elsässische  Frage in  den Jahren  1789-1791. Berlin
       1931, S. 19 f. Vgl. Möller, a.a.O., S. 75.
       11) Walter Grab  (Hrsg.): Die Französische Revolution. Eine Doku-
       mentation. München 1973. S. 59 f.
       12) Helmut Reinalter:  Aufgeklärter Absolutismus  und Revolution.
       Zur Geschichte  des Jakobinertums  und der frühdemokratischen Be-
       strebungen in  der Habsburgermonarchie. Wien, Köln, Graz 1980, S.
       146.
       13) Reinalter, a.a.O., passim.
       14) Vgl. außer der angeführten Arbeit von Reinalter: Walter Grab:
       Norddeutsche Jakobiner.  Demokratische Bewegungen  zur  Zeit  der
       Französischen Revolution. Hamburg 1966. Heinrich Scheel: Süddeut-
       sche Jakobiner: Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im
       deutschen Süden  Ende des  18. Jahrhunderts.  2. Aufl. Berlin/DDR
       1971. Helmut  Reinalter: Der  Jakobinismus in  Mitteleuropa. Eine
       Einführung. Stuttgart  1981. Zur Ausstrahlung des deutschen Jako-
       binismus auf  Kurland, Livland  und Estland:  H. Andres: Im Bann-
       kreis des  Jakobinismus. Johann  Christoph Petri (1762-1851). In:
       Zeitschrift für  Slawistik, Berlin/DDR  1978, S. 713-721. E. Don-
       nert: Der  Mitauer Volksaufstand  vom Jahre 1792. Volksbewegungen
       und gesellschaftspolitische  Ideologie in  Kurland in  den Jahren
       der Französischen  Revolution.  In:  Zeitschrift  für  Slawistik,
       1978, S.  702-712. G.  Steiner: Kampf  um Bürgerrechte  in  Polen
       1790. Die  Vorstellungen eines kurländischen sozialistischen Uto-
       pisten.  In:   Zeitschrift  für   Slawistik,  1980,   S.  510-530
       (Letzteres zu Wilhelm Ludwig Koenemann). - Die Aufregung, der Ei-
       fer und die Nachhaltigkeit, womit von den Herrschenden die in der
       Tat kleine  Zahl von Jakobinern bekämpft wird, verweist - und das
       hat mit  "Hagiographie", wie  Dumont (vgl.  den Beitrag in diesem
       Band) meint, nichts zu tun - auf die Größe dieser Minderheit.
       15) Schwäbisches Archiv, hrsg. v. Ph. W.G. Hausleutner, II, 1790,
       S. 516. Vgl. Vierhaus, a.a.O., S. 7.
       16) Archiv für ältere und neuere, vorzüglich Teutsche Geschichte,
       Staatsklugheit und  Erdkunde. Hrsg. v. Posselt. Meiningen, Bd. l,
       1790, S. VII f. Vgl. Vierhaus, a.a.O., S. 11. - Nicht nur konser-
       vative Historiker  polemisieren oft gegen die Bedeutung, die nach
       Auffassung der  Marxisten den  Volksmassen in  der Geschichte zu-
       kommt. Wie  so oft,  müßten sie  sich mit ihrer Polemik nicht nur
       gegen marxistische,  sondern auch  gegen bürgerlich-revolutionäre
       Auffassungen wenden.
       17) Joachim Heinrich Campe: Briefe aus Paris zur Zeit der Revolu-
       tion geschrieben  (Braunschweig 1790),  hrsg. v. Hans-Wolf Jäger,
       Hildesheim 1977, S. 143; vgl. Vierhaus, a.a.O., S. 11.
       18) Scheel (Hrsg.):  Jakobinische Flugschriften,  a.a.O., S.  85.
       Vgl. zum  Friedensmotiv weiter  auch z.B. ebda. S. 86 ff., S. 458
       ff., S. 461 ff.
       19) Thomas Paine:  Die Rechte  des Menschen.  In der zeitgenössi-
       schen Übertragung  von D.  M. Forkel.  Hrsg.  v.  Theo  Stemmler.
       Frankfurt 1973. S. 192.
       20) Zu dem  notwendigen und  "im Anfang  wahren" (Marx) Charakter
       der bürgerlichen Illusion, für die Rechte aller Menschen zu kämp-
       fen, vgl.  den Beitrag  von Kurt  Holzapfel und Michael Zeuske in
       diesem Band.
       21) Wolfgang Küttler:  Zum Begriff  der bürgerlichen  und bürger-
       lich-demokratischen Revolution  bei  Lenin.  In:  Manfred  Kossok
       (Hrsg.), Studien  zur vergleichenden Revolutionsgeschichte 1500 -
       1917. Berlin/DDR  1974, S.  180-198. Albert Soboul: Im Lichte von
       1789. Theoretische  Probleme der  bürgerlichen Revolution, ebda.,
       S. 199-216.
       22) Walter Grab  (Hrsg.): Die Französische Revolution. Eine Doku-
       mentation. München 1973, S. 300 f.
       23) Der Rheinische  Bund. Eine  Zeitschrift historisch-politisch-
       statistisch-geographischen Inhalts. Hrsg. v. Peter Adolf Winkopp.
       Frankfurt 1806  ff. Hier Bd. 10, 1809, S. 148. Ähnlich in Band 6,
       Frankfurt 1808,  S. 18  f.: Die  vom Code  Napoleon  entwickelten
       Prinzipien seien,  Allgemeine, aus der Natur nicht des Franzosen,
       sondern des  Menschen, aus  dem innern  Wesen des Geschäftes, der
       mutmaßlichen Absicht der Kontrahenten, hervorgehende humane, mög-
       lichst kurze und faßliche Grundsätze".
       24) Elisabeth Fehrenbach:  Traditionelle Gesellschaft und revolu-
       tionäres Recht.  Die Einführung  des Code  Napoleon in den Rhein-
       bundstaaten. 3. Aufl. Göttingen 1983. S. 70 ff. und passim.
       25) Zitiert nach:  Fehrenbach, a.a.O.,  S. 77.  Original im  HStA
       Wiesbaden 371/897.  Das Argument  kehrt wieder  in der  gegen die
       Schrift von  Anton Friedrich Justus Thibaut: "Über die Notwendig-
       keit  eines  allgemeinen  bürgerlichen  Rechts  für  Deutschland"
       (1814) gerichteten  Programmschrift gegen jede deutsche bürgerli-
       che Rechtskodifikation  "Vom Beruf  unserer Zeit für Gesetzgebung
       und Rechtswissenschaft"  (1814) von  Friedrich Carl  von Savigny.
       Vgl. die  Ausgabe von Jacques Stern (Hrsg.): Thibaut und Savigny.
       Über die  Notwendigkeit usw.  und Vom  Beruf unserer Zeit usw. 3.
       Aufl. Darmstadt  1973. Savigny  benutzt den Begriff des Volksgei-
       stes, der  bei Hegel  noch Universalität  und Individualitat  ge-
       schichtlich vermittelt (vgl.: Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phä-
       nomenologie des  Geistes (1807),  hrsg. v.  Johannes Hoffmeister,
       Berlin/DDR 1964, S. 341 f.), gegen den rationalen und universell-
       humanen Anspruch,  der in  dem bürgerlichen Kodifikationsgedanken
       steckt.
       26) Vgl. hierzu  Georg Lukács:  Die Zerstörung der Vernunft. Neue
       Aufl. Neuwied 1974, S. 577. Daß hinter den Begriffen Savignys die
       Angst vor  Revolution steht, darauf hat schon Thibaut 1814 hinge-
       wiesen. Vgl. Stern, a.a.O., S. 177 ff.
       27) Leopold von  Ranke: Weltgeschichte.  9. Teil,  2. Abt.  3. A.
       Leipzig 1883, S. 4.
       28) Gerhard Schilfert:  Leopold von  Ranke. In: Joachim Streisand
       (Hrsg.): Die  deutsche Geschichtswissenschaft  vom Beginn des 19.
       Jahrhunderts bis zur Reichseinigung von oben. Berlin/DDR 1963, S.
       249.
       29) Frankfurter Zeitung,  19.11.1935: Der Rechtsbegriff "Mensch".
       Zitiert bei:  Hans Mayer:  Aus den Erinnerungen eines entlaufenen
       Kölner Juristen. Anwaltsblatt 1/1988, S. 5.
       30) Werner Loch,  Walter Markov:  Französische Revolutionen  zwi-
       schen 1789 und 1871. In: Manfred Kossok (Hrsg.): Studien zur ver-
       gleichenden Revolutionsgeschichte 1500-1917, S. 88 f.
       

       zurück