Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       VORWORT
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       Dieser Band  erscheint im  unmittelbaren zeitlichen  Vorfeld  des
       200. Jahrestages  des Ausbruchs der Französischen Revolution, der
       auf den  14. Juli  1789, den Tag des Sturms auf die Bastille, da-
       tiert wird.  Er ist  diesem Ereignis, seinen Wirkungen und seiner
       Bedeutung für die Gegenwart gewidmet.
       Keine Revolution  vor der  sozialistischen Oktoberrevolution 1917
       in Rußland  hat die  Welt mehr  erschüttert und verändert als die
       große Revolution der Franzosen von 1789 bis 1799. Trotz des zeit-
       lichen Abstandes  von zwei  Jahrhunderten ist die Beurteilung und
       Bewertung umkämpft und steht im Widerstreit der Meinungen und In-
       teressen. Das gilt besonders für die Gipfeljahre 1792/94. Das ist
       nicht verwunderlich,  hat diese  große Revolution  doch nicht nur
       einen neuen  Weltzustand ins  Leben gesetzt, sondern in vielerlei
       Hinsicht auch  die Themen  desselben vorgegeben,  die  bis  heute
       fortwirken. Für die einen bleibt sie fortwirkendes Fanal und Auf-
       forderung, für  die anderen  ist  sie  eine  Verfehlung  der  Ge-
       schichte.
       Das spätbürgerliche  Bewußtsein von  gestern und  heute versucht,
       das Thema  Revolution auszublenden  oder, wenn dies nicht möglich
       ist, die  Revolution zu  verzerren und  zu denunzieren.  Das gilt
       auch für die Französische Revolution, obwohl die Bourgeoisie, und
       darunter auch  die deutsche, gerade diesem Ereignis die Durchset-
       zung ihrer  Gesellschaft zu  verdanken hat.  Es wird  1989 sicher
       nicht an offiziellen Gedenkreden und einer Flut von Publikationen
       mangeln, ihr antirevolutionärer Tenor ist jedoch schon heute vor-
       gezeichnet.
       Nicht zuletzt  deshalb haben es die Herausgeber dieses Bandes für
       nützlich gehalten,  mit der Präsentation des heutigen Forschungs-
       standes materialistischer  Revolutionsforschung ein wissenschaft-
       lich begründetes  Bild dieses  großen Ereignisses  zu  befördern.
       Dies schließt  die Diskussion und Erörterung der Revolutionstheo-
       rie heute  ein, denn es ist unmöglich, die große Französische Re-
       volution nur  kontemplativ zu  verarbeiten. Für alle Generationen
       und vor allem für jene, die grundlegende gesellschaftliche Verän-
       derungen als  notwendig ansahen, galt, daß sie die Geschichte der
       Französischen Revolution mit den Augen ihrer Interessen lasen und
       aus ihr  Kraft für  ihr eigenes  Engagement schöpften. Die großen
       bürgerlich-demokratischen  Revolutionshistoriker   können   dabei
       durchaus Vorbild sein.
       Für die  gesellschaftskritische Generation der Bundesrepublik der
       Gegenwart steht  die Auseinandersetzung mit der Französischen Re-
       volution und  überhaupt mit der Option revolutionärer Veränderun-
       gen in besonderer Weise auf der Tagesordnung, denn anders als der
       Aufbruchgeneration Ende  der 60er  Jahre scheint ihr dieses Thema
       nicht mehr  aktuell. Krisenstimmungen  und konservatives  Gesell-
       schaftsklima haben  diese Impulse  aus  der  Öffentlichkeit  ver-
       drängt. Gleichwohl  stauen sich  Widersprüche und  Konfliktpoten-
       tiale an.  Die Zeit  verlangt also  einen historischen Blick, aus
       dem der  lange Atem  einer historischen Perspektive erwächst. Und
       was könnte  mehr dazu  beitragen, als  die Auseinandersetzung mit
       der Revolutionsgeschichte!
       Der Band  wird mit  einem kurzen  Grußwort von Walter Markov, dem
       Nestor  der  zeitgenössischen  materialistischen  Revolutionsfor-
       schung, eingeleitet. Seine Ermutigung erfüllt die Herausgeber mit
       Genugtuung. Dies  gilt auch  für die Tatsache, daß mit Michel Vo-
       velle, Claude  Mazauric und Dominique Godineau, mit Anatolij Ado,
       Walter Grab und Domenico Losurdo, mit Walter Markov, Manfred Kos-
       sok, Heinrich  Scheel, Kurt Holzapfel, Michael Zeuske und Hermann
       Kienner international führende Historiker der Französischen Revo-
       lution und  Gesellschaftswissenschaftler für  Beiträge zu  diesem
       Band gewonnen werden konnten. Bedeutsam genug ist auch die Betei-
       ligung anerkannter Historikerinnen und Historiker aus der Bundes-
       republik Deutschland  wie Susanne  Petersen, Franz  Dumont,  Rolf
       Reichardt u.a.  Schließlich hat sich eine beachtliche Zahl marxi-
       stischer Autoren  aus der BRD an der Erörterung von Problemen der
       Französischen Revolution  und ihrer  Bedeutung für  die Gegenwart
       beteiligt.
       Nach dem  Grußwort und einem an der aktuellen Rezeptionssituation
       in der  Bundesrepublik orientierten Beitrag enthält der erste Ab-
       schnitt "Die Französische Revolution im Lichte der vergleichenden
       Revolutionsforschung"  Aufsätze,   die  den  heutigen  Stand  der
       Forschungen zur  Französischen Revolution, der wissenschaftlichen
       Auseinandersetzungen und  der Gesamtbewertung behandeln. Der fol-
       gende Abschnitt enthält Beiträge zu "Hauptproblemen der Französi-
       schen Revolution  in der  heutigen Diskussion der internationalen
       Forschung". Einen  Schwerpunkt des  Bandes bilden  unter dem  Ab-
       schnitt "Die  Auswirkung: die deutschen Länder" Aufsätze, die die
       Wirkung der Französischen Revolution auf das damalige Deutschland
       untersuchen. Der  diesen Abschnitt  abschließende Beitrag aus dem
       Nachlaß von  Gerd Semmer  mit  einem  Vorwort  des  Liedermachers
       Dieter Süverkrüp zu den Liedern der Französischen Revolution lei-
       tet zu einem knappen Schlußabschnitt über, in dem in einigen Bei-
       trägen der Zusammenhang zwischen der Französischen Revolution und
       der Revolutionstheorie der Gegenwart hergestellt wird.
       Dem Band beigegeben sind 16 Kunstdruckseiten mit Bildern von J.L.
       David - nach den Stichen seines Enkels -, dem bedeutendsten Maler
       der Revolutionsperiode und selbst führenden und aktiven jakobini-
       schen Politiker und Anhänger Robespierres.
       "Marxistische Studien.  Jahrbuch des IMSF" erscheint 1988 nur mit
       diesem vorliegenden  Band 14. Die Fachredaktion lag in den Händen
       von Dr.  Johannes Henrich  von Heiseler  und Dr. Heinz Jung. Ralf
       Vogel gebührt  Dank für  die Mitarbeit an der technischen und re-
       daktionellen Fertigstellung dieses Bandes.
       Band 15  (1/1989) von  "Marxistische Studien.  Jahrbuch des IMSF"
       erscheint im Frühjahr 1989 mit dem Schwerpunktthema "Marxistische
       Friedensforschung: Rüstung,  Abrüstung, Militär-Industrie-Komplex
       der BRD".
       
       Frankfurt am Main
       Februar 1988
       
       Institut für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF)
       

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