Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 15/1989


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       VORWORT
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       Umbrüche in der Realität erfordern zu ihrer geistigen Bewältigung
       auch Umbrüche  im Denken.  Das gilt  für die marxistische Wissen-
       schaft vom  Frieden ebenso wie für den Marxismus allgemein. Nach-
       dem wir  der Umbruchproblematik schon in früheren Bänden der Mar-
       xistischen Studien  nachgegangen sind (9/1985, 11/1986, 13/1987),
       stehen im  Zentrum des  vorliegenden Bandes  erstmals ausführlich
       Fragen, die  sich mit den daraus folgenden Konsequenzen für Frie-
       denssicherung und  Abrüstung ergeben. Die Krieg-Frieden-Frage hat
       sich als  ein globales  Problem in  der Umbruchperiode herauskri-
       stallisiert, dessen  Lösung die  Grundvoraussetzung zur Erhaltung
       unserer Lebensgrundlagen ist. Deshalb ist es nicht die vorrangige
       Aufgabe, "nur"  eine atomare  Katastrophe zu verhindern. Vielmehr
       gilt es, die weltweite Rüstungsdynamik aufzuhalten und eine Wende
       zu Abrüstung und kooperativer Koexistenz durchzusetzen.
       Im ersten  Teil dieses  Bandes diskutieren  Autoren aus  der  So-
       wjetunion, der  DDR und  der Bundesrepublik  einige der theoreti-
       schen Herausforderungen,  die sich  vor allem unter dem Friedens-
       aspekt aus der Analyse der Umbruchprozesse und des Nuklearzeital-
       ters ergeben.  Die Sicherung des Friedens ist heute und zukünftig
       allen Klasseninteressen und dem Antagonismus von Kapitalismus und
       Sozialismus unbedingt  übergeordnet; darin drückt sich ein reales
       Menschheitsinteresse aus.  Damit stellen sich Fragen nach notwen-
       digen Erneuerungen  in einer  marxistischen Theorie  vom Frieden,
       nach Möglichkeiten,  Formen  und  Inhalten  einer  revolutionären
       Transformationsperspektive unter dem Primat von Menschheitsinter-
       essen, nach  den Aussichten  auf ein die antagonistischen Systeme
       einschließendes internationales Sicherheitssystem, nach der Frie-
       densfähigkeit des  Kapitalismus, nach dem Beitrag des Sozialismus
       zu einem  neuen Denken und Handeln und nach den Aufgaben und For-
       men internationaler Solidarität unter den heutigen Bedingungen.
       Die fünf Beiträge im zweiten Teil analysieren unter verschiedenen
       Aspekten die  Bedeutung des  militärischen Faktors in der und für
       die Bundesrepublik.  Dabei steht  der Versuch im Mittelpunkt, auf
       breiterer empirischer  Grundlage die  rasante Militarisierung von
       Forschung, Entwicklung  und industrieller  Produktion im heutigen
       Kapitalismus hinsichtlich der von ihr ausgehenden Bedrohungen und
       Gefahren, aber  auch hinsichtlich  ihrer möglichen Grenzen darzu-
       stellen, sie  auf der  Basis des  Begriffs des Militär-Industrie-
       Komplexes theoretisch zu erfassen, diesen Begriff selbst kritisch
       zu überprüfen sowie ökonomische und politisch-strategische Inter-
       essen in ihrem widersprüchlichen Zusammenhang zu untersuchen. Da-
       bei wurde auch die westeuropäische Dimension, wenngleich noch un-
       genügend, ins Auge gefaßt.
       Einen weiteren  Schwerpunkt bilden  Fragen nach Alternativkonzep-
       tionen, nach ihren Inhalten und politischen Durchsetzungsmöglich-
       keiten. Auch  hier hat  die marxistische Diskussion noch in hohem
       Maße suchenden Charakter. Das wird besonders deutlich in den Bei-
       trägen der  ZMF-Diskussionsrunde "Abrüstung  in  der  Bundesrepu-
       blik", die wir im vierten Teil dokumentieren.
       Zwei folgende  Artikel geben einen Einblick in Stand und Probleme
       der bundesdeutschen Friedensforschung, und in sechs weiteren Bei-
       trägen stellen sich Friedensforschungseinrichtungen und -projekte
       aus der Bundesrepublik und der DDR selbst vor.
       Die Leserinnen  werden die  unterschiedlichen Akzentsetzungen und
       Positionen beim  Vergleich der Beiträge bemerken. Sie wiederspie-
       geln den  derzeitigen marxistischen  Diskussionsstand  zu  vielen
       Fragen und  mögen zur  weiteren Erforschung der Probleme anregen.
       Auch die  Lücken sind unverkennbar: Nicht alle in der gegenwärti-
       gen Friedensdiskussion  relevanten Themen  konnten abgedeckt wer-
       den. Diese  Lücken zu füllen muß späteren Publikationen vorbehal-
       ten bleiben.
       Band 16  der "Marxistischen  Studien" erscheint  im Frühjahr 1990
       mit dem Schwerpunkt "Formierungsbedingungen der Arbeiterklasse in
       der Umbruchperiode".
       Der vorliegende  Band wurde  im wesentlichen von den Mitarbeitern
       des Zentrums  für Marxistische  Friedensforschung (ZMF) beim IMSF
       konzipiert und  realisiert. Ralf  Vogel ist für die redaktionelle
       und technische Mitarbeit bei der Fertigstellung zu danken.
       
       Frankfurt am Main März 1989
       
       Institut für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF)
       

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