Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       MATERIALIEN ZUR ENTWICKLUNG DER EINKOMMEN UND DER INDIVIDUELLEN
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       KONSUMTION DER LOHNABHÄNGIGEN IN DEN SIEBZIGER JAHREN *)
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       Eberhard Dähne / Jörg Dieckhoff
       
       I. Zur  Entwicklung der  Haushaltseinkommen und der individuellen
       Konsumtion der  Haushalte verschiedener sozialstatistischer Grup-
       pen - II. Einkommen und Einkommensquellen - Reproduktionsleistun-
       gen -  1. Die Entwicklung der Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf
       - 2.  Einkommen aus  Nebenerwerbstätigkeit - 3. Sozialeinkommen -
       4. Einkommen  aus Wohnungseigentum und-Vermietung sowie aus Geld-
       vermögen -  5. Eigenleistungen der Arbeiterfamilien zur Reproduk-
       tion der  Arbeitskraft - III. Krise und Konsumtion der erwerbstä-
       tigen Teile  der Arbeiterklasse  - IV. Einkommen und individuelle
       Konsumtion bei  Arbeitslosigkeit und ihren Folgen - 1. Zur Struk-
       tur und  zum Umfang  der industriellen  Reservearmee - 2. Einkom-
       mensverluste verschiedener Gruppen der industriellen Reservearmee
       - 3.  Auswirkungen der finanziellen Belastungen - Einschränkungen
       der individuellen Konsumtion - 4. Schlußbemerkung - Statistischer
       Anhang
       
       Das Statistische Bundesamt hat kürzlich erste Ergebnisse der Ein-
       kommens- und  Verbrauchsstichprobe 1978  über die Ausstattung der
       Haushalte mit  langlebigen Gebrauchsgütern veröffentlicht. 1) Da-
       nach ergibt  sich zwar, daß Ausstattungsunterschiede zwischen den
       Haushalten der verschiedenen sozialstatistischen Gruppen nach wie
       vor vorhanden  sind, daß  aber  für  eine  relativ  große  Anzahl
       langlebiger Gebrauchsgüter  inzwischen eine relativ gleichförmige
       Verbreitung festgestellt  werden kann  (vgl. Tabelle  1). Im Ver-
       gleich zu der Ausstattung, die 1973 festgestellt wurde, ist neben
       dem weiteren Anstieg der privaten Motorisierung für die Arbeiter-
       haushalte bemerkenswert,  daß auch  Gefriertruhen und  Telefone -
       Gebrauchsgüter mit vergleichsweise großen Betriebskosten - inzwi-
       schen in  mehr als 50 Prozent aller Arbeiterhaushalte anzutreffen
       sind. 2)
       Dabei darf  allerdings nicht  übersehen werden, daß es noch viele
       langlebige Gebrauchsgüter  gibt, bei denen die Ausstattungsunter-
       schiede zwischen den sozialstatistischen Gruppen nach wie vor be-
       trächtlich sind.  So gab  es 1978  beispielsweise Geschirrspülma-
       schinen in  33,5 Prozent  aller Landwirts  - und in 4 5,2 Prozent
       aller Selbständigenhaushalte  (Beamte  31,8;  Angestellte  25,2),
       aber nur in 11 Prozent aller Arbeiterhaushalte. 3)
       Derartige Unterschiede resultieren zum einen aus der unterschied-
       lichen Höhe der Haushaltseinkommen, die zum Teil unterschiedliche
       Klassenlagen widerspiegeln.  Bei den  Angestellten- und  Beamten-
       haushalten ist  zu berücksichtigen,  daß hier neben Arbeiterklas-
       sengruppen auch  ein hoher Prozentsatz von Haushalten erfaßt ist,
       die den  Mittelschichten und zu Teilen der Kapitalistenklasse zu-
       zurechnen sind.
       Diese Unterschiede  sind zum anderen Ausdruck schichtspezifischer
       Unterschiede der  individuellen Konsumtion  selbst dann, wenn die
       Haushalte der gleichen Einkommensklasse angehören. 4)
       Das erreichte  relativ hohe  Ausstattungsniveau -  das inzwischen
       zum gewohnheitsmäßigen  Konsum der  Arbeiterklasse gehört  und in
       die Wertbestimmung  der Ware Arbeitskraft eingeht - hat u. a. zur
       Folge, daß die "Investitionskosten" für einen neu einzurichtenden
       Haushalt die  30 000-DM-Grenze überschritten  haben. Nach unseren
       überschlägigen Berechnungen ergeben sich allein für Güter mit ei-
       nem Einzelpreis  über 30 DM (ohne Ausstattung für Kinder und Kin-
       derzimmer) nach den Preisen (für einen unteren bis mittleren Qua-
       litätsstandard) vom  Januar 1978 Ausgaben in folgender Größenord-
       nung:
       
       - Gebrauchsgüter für Verkehr und Nachrichten
         einschließlich Auto und Autozubehör              10.900 DM
       - Gebrauchsgüter für Haushaltsführung,
         (vom Bügeleisen bis zum Elektroherd)              4.300 DM
       - Gebrauchsgüter für Bildung und Unterhaltung       3.300 DM
       - Gebrauchsgüter für die übergreifende Ausstattung
         einer 80 qm großen Wohnung (Bodenbelag, Gardinen
         usw.)                                             3.900 DM
       - Kücheneinrichtung, kleinere Haushaltsgeräte       1.700 DM
       - Schlafzimmereinrichtung (einschl. Bettzeug usw.)  4.100 DM
       - Wohnzimmereinrichtung                             3.400 DM
         Zusammen                                         31.600 DM
       
       Aus den Kosten dieser Ausstattung, die neben den laufenden Ausga-
       ben der  Arbeiterhaushalte aufzubringen  sind, ergibt  sich nicht
       zuletzt, daß  Kinder in  der  Aufbauphase  eines  Haushalts  eine
       schwere Belastung  sind. Bündig  formuliert besteht  die Alterna-
       tive: Entweder  "Mithalten" und den gewohnheitsmäßigen Konsum re-
       alisieren oder Kinder großziehen.
       Zugleich wird deutlich, welche Probleme entstehen, wenn ein Haus-
       halt in  der Aufbauphase von Arbeitslosigkeit betroffen wird. Die
       Probleme potenzieren  sich, wenn  auf Raten oder mit Konsumenten-
       krediten gekauft wurde.
       
       I. Zur Entwicklung der Haushaltseinkommen
       -----------------------------------------
       und der individuellen Konsumtion der Haushalte
       ----------------------------------------------
       verschiedener sozialstatistischer Gruppen
       -----------------------------------------
       
       Das vorliegende Datenmaterial über die soziale Struktur der Haus-
       haltsnettoeinkommen und seine Quellen ist spärlich. 5) Es erlaubt
       lediglich einige  Grundtendenzen  aufzuzeigen.  Das  Statistische
       Bundesamt hat  zum Beispiel  in seiner  1977 vorgelegten Untersu-
       chung, die  auf einer  Aufbereitung der volkswirtschaftlichen Ge-
       samtrechnung für den Zeitraum 1962-1972 beruht, deutlich gemacht,
       wie groß  die Einkommensunterschiede  zwischen den Haushalten der
       Selbständigen und denen der Lohnabhängigen sind (vgl. Tabelle 2).
       1972 betrug  das verfügbare  Jahres-Netto-Einkommen pro  Mitglied
       eines Haushaltes von
       
       - "Arbeitnehmern"            7.266 DM (= 100)
       - Nichterwerbstätigen        7.510 DM (= 103)
       -  Selbständigen            15.838 DM (= 218)
       
       Die Einkommensrelation  zwischen dem  Mitglied des Selbständigen-
       haushalts zu dem
       des Arbeiterhaushalts  betrug also  2,18:1. Sie  hatte 1962 "nur"
       1,73:1 betragen.  Sie hat  sich also  im untersuchten  10-Jahres-
       Zeitraum beträchtlich  erhöht, wobei  der deutliche  Rückgang der
       Zahl der  Selbständigenhaushalte eine  Rolle spielte. Überwiegend
       dürften die  Haushalte  mit  geringerem  Einkommen  ausgeschieden
       sein.
       Selbst wenn  man berücksichtigt,  daß die  Selbständigenhaushalte
       aus ihrem verfügbaren Einkommen noch Kranken- und Altersversiche-
       rung bezahlen müssen, ist die Differenz doch so groß, daß sie als
       Widerspiegelung unterschiedlicher  Klassenlagen angesehen  werden
       kann. Dies  um so mehr, als die Lohnabhängigen nicht die Möglich-
       keit haben,  Ausgaben für  die individuelle  Konsumtion  als  Ge-
       schäftsausgaben zu verbuchen.
       Zu ähnlichen  Ergebnissen gelangt  man auch  durch die Auswertung
       der nach  sozialstatistischen Gruppen und Einkommensschichten ge-
       gliederten Untersuchungen  des DIW,  die methodisch annähernd mit
       denen des  Statistischen Bundesamtes  übereinstimmen,  allerdings
       teilweise korrigiert  wurden. 6)  Im 20-Jahres-Zeitraum 1955-1977
       stiegen die monatlichen Durchschnittsnettoeinkommen der Selbstän-
       digenhaushalte um  rund 600 Prozent, die der Angestellten-, Beam-
       ten- und  Arbeiterhaushalte lediglich  um ca. 320 und 360 Prozent
       (vgl. Tabelle 3). Dabei muß berücksichtigt werden, daß diejenigen
       Arbeiter-  und   Angestelltenhaushalte,   die   überwiegend   von
       Arbeitslosengeld oder  -hilfe leben  oder sogar  zum Empfang  von
       Sozialhilfe  gezwungen  sind  -  in  überdurchschnittlichem  Maße
       relativ wenig  verdienende Haushalte  der Arbeiterklasse ", unter
       den  Nichterwerbstätigen   erfaßt  werden,   wodurch   sich   die
       Durchschnittseinkommen der  aktiven Lohnabhängigenhaushalte  1977
       erhöht haben.
       Der Vorteil  der DIW-Zahlen  besteht nicht zuletzt darin, daß die
       Information über die Verteilung der Einkommen nach sozialen Grup-
       pen durch  die Schichtung der Haushaltseinkommen nach Einkommens-
       klassen ergänzt  wird. Entsprechende  Daten sind in Tabelle 4 zu-
       sammengestellt. Aus ihnen geht beispielsweise hervor, daß 1977 19
       Prozent aller  Arbeiterhaushalte (Angestellte/Beamte  14,4)  aber
       nur 0,2 Prozent aller Haushalte von Selbständigen ein monatliches
       Haushaltsnettoeinkommen unter 1500 DM hatten. Weniger als 2500 DM
       hatten 1977 zur Verfügung:
       
       - 60,7 Prozent aller Arbeiterhaushalte
       - 49,9 Prozent aller Angestellten/Beamtenhaushalte
       -  5,1 Prozent aller Selbständigenhaushalte.
       
       Die Durchschnittseinkommensangaben verwischen allerdings - beson-
       ders bei  den Selbständigen  - die Klassen- und Schichtengrenzen.
       Die 9,1  Prozent aller  Selbständigenhaushalte (187 000),die 1977
       mehr als  10 000 DM  Monatseinkommen hatten,  verfügten im Durch-
       schnitt über 20 450 DM. Jährlich hatten diese Haushalte also 45,9
       Milliarden DM  verfügbares Einkommen,  wobei hier  abweichend von
       den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes die nichtentnomme-
       nen Gewinne  noch nicht einmal berücksichtigt sind. 7) Die 20 000
       Angestellten/Beamtenhaushalte mit  mehr als  10 000 DM  im  Monat
       hatten im Durchschnitt 13 258 DM zur Verfügung. Das Monatseinkom-
       men dieser  Gruppe beträgt also ca. 265 Millionen, das Jahresein-
       kommen rund 3,2 Milliarden DM. Ähnlich wie bei den 1000 Arbeiter-
       haushalten mit  mehr als  10000 DM  Monatseinkommen -  der Durch-
       schnitt lag  hier bei  12082 DM - dürften hier Einkommen mehrerer
       Einkommensbezieher 8), Einkommen aus Zweiterwerb, Wohnungsvermie-
       tung usw. eine vergleichsweise große Rolle spielen.
       Die Höhe der Netto-Haushalts-Einkommen bestimmt in der Hauptsache
       den Umfang  des individuellen Konsums und der Ersparnis sowie die
       Struktur des privaten Verbrauchs. Dabei gilt die bekannte Gesetz-
       mäßigkeit, daß  der Anteil  der vergleichsweise  elastischen Aus-
       gangspositionen 9)  - Übrige  Ware und  Dienstleistungen für  die
       Haushaltsführung; Waren  und Dienstleistungen: für Verkehrszwecke
       und Nachrichtenübermittlung,  Körper- und Gesundheitspflege, Bil-
       dung und  Unterhaltung, Persönliche  Ausstattung und  Sonstiges -
       sowie der  Ersparnisse um so größer ist, desto größer die Einkom-
       men sind. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Ausgaben für Be-
       kleidung und  Schuhe ein,  die zunächst auch relativ mit dem Ein-
       kommen steigen,  in sehr  hohen Einkommensklassen aber wieder ab-
       sinken. Die  Strukturdifferenzen zwischen  verschiedenen  Einkom-
       mensklassen  unterschiedlicher  sozialer  Gruppen  bezeichnen  im
       großen und ganzen zugleich die Tendenz der zeitlichen Entwicklung
       der Konsumtionsstruktur (vgl. Tabelle 5).
       Nach den  DIW-Zahlen gab  zum Beispiel  ein Arbeiterhaushalt  der
       Einkommensklasse 1250-1500  DM (1977 rund 19 Prozent aller Arbei-
       terhaushalte) rund 62 Prozent seines Nettoeinkommens für den ver-
       gleichsweise unelastischen  Bedarf aus seine Sparquote betrug 6,8
       Prozent. Der  Selbständigenhaushalt mit  mehr als  10000 DM Haus-
       haltseinkommen wendete  für  die  gleiche  Gmppe  von  Waren  und
       Dienstleistungen nur  noch 24,2  Prozent auf;  nur wenig mehr als
       die  Sparquote,  die  22,2  Prozent  betrug.  Der  Vergleich  der
       absoluten "unelastischen"  Ausgabenbeträge dieser zwei Haushalts-
       typen (Arbeiterhaushalt  864 DM;  Kapitalistenhaushalt 4960 DM) -
       die unterschiedliche  Haushaltsgröße spielt  angesichts der Größe
       dieser Differenz  kaum eine Rolle 10) - verweist freilich darauf,
       daß hier  im Grunde  genommen Unvergleichbares  verglichen  wird.
       10a)
       Besonders deutlich werden die Differenzen beim Umfang der Erspar-
       nis. Nach den DIW-Zahlen sparte 1977 ein durchschnittlicher Haus-
       halt von
       - Selbständigen fast   13 500 DM
       - Lohnabhängigen        3 254 DM
       - Angestellten/Beamten  3 804 DM
       - Arbeitern             2 712 DM
       im Jahr.
       Nach einer Untersuchung der Bundesbank betrugen die durchschnitt-
       lichen Geldvermögen  (einschließlich Wertpapieren  zum Tageskurs)
       im Jahre  1976 für den durchschnittlichen "Arbeitnehmer "haushält
       33 750 DM,  für den  Selbständigenhaushalt 89 450 DM. 11) Daß die
       Bestände 1976  nach der  Bundesbankuntersuchung in ihrer Relation
       (Lohnabhängige zu Selbständigen 1:2,7) so deutlich von den Zugän-
       gen an  Ersparnis 1977  abweichen (1:4,1) dürfte neben dem großen
       Unsicherheitsfaktor aller  dieser Berechnungen (vgl. Anmerkung 5)
       damit zusammenhängen,  daß die  Selbständigen in Abhängigkeit von
       der Bewegung des Konjunkturzyklus den größten Teil ihres Geldver-
       mögens akkumulieren.  Für sie  handelt es sich bei dieser Anlage-
       form nur um einen durchlaufenden Posten.
       Nach den DIW-Zahlen lassen sich auch Ungleichgewichte der Erspar-
       nis innerhalb  der Gruppe der Lohnabhängigen aufzeigen. So hatten
       1977 die  Lohnabhängigenhaushalte insgesamt mit einem Netto-Haus-
       halts-Einkommen
       - bis unter  1500 DM (16,7 Prozent aller Lohnabhängigenhaushalte)
       einen Anteil von 5,3 Prozent an der Ersparnis;
       - bis unter  2000 DM (37,1 Prozent dieser Haushalte) einen Anteil
       von 15,8 Prozent an der Ersparnis;
       - bis unter  2500 DM (55,3 Prozent dieser Haushalte) einen Anteil
       von 2 8,9 Prozent an der Ersparnis.
       An der  Spitze der  Einkommenspyramide hatten dagegen die Lohnab-
       hängigenhaushalte mit einem monatlichen Netto-Haushalts-Einkommen
       - von mehr  als 8000  DM (0,9 Prozent aller Haushalte von Lohnab-
       hängigen) einen Anteil von 4,7 Prozent an der Ersparnis
       - von 4000  bis unter  8000 DM (13,6 Prozent der Haushalte) einen
       Anteil von 32,5 Prozent an der Ersparnis.
       Lediglich in  der Einkommensgruppe  von 2500 DM bis unter 4000 DM
       (in der  sich Arbeiterklasse  und  lohnabhängige  Mittelschichten
       überlappen) stimmte  der Haushaltsanteil  (30,3 Prozent)  mit dem
       Anteil an  der Ersparnis (34,0 Prozent) in etwa überein. 12) Die-
       ses deutliche  Ungleichgewicht der Ersparnis ist bei allen Durch-
       schnittsangaben   über    die   vorhandenen    Geldvermögen   der
       "Arbeitnehmer"haushalte zu berücksichtigen.
       Neben der  Differenzierung der  Konsumtionsstruktur durch die un-
       terschiedliche Einkommenshöhe  spielen schichtspezifische Konsum-
       tionsgewohnheiten eine  Rolle. Sie werden sichtbar, wenn die Kon-
       sumtionsausgaben unterschiedlicher  Haushaltstypen  der  gleichen
       Einkommensklasse miteinander verglichen werden (vgl. Tabelle 6).
       Auch hier  gilt freilich  wieder die  materialbedingte Einschrän-
       kung, daß  sich aufgrund verschiedener Haushaltsgrößen und unter-
       schiedlicher Zahlen  von  Einkommensbeziehern  pro  Haushalt  nur
       grobe Anhaltspunkte  skizzieren lassen.  Am auffälligsten ist die
       Tatsache, daß die Arbeiterhaushalte deutlich mehr als die anderen
       Haushaltstypen für  Nahrungs- und  Genußmittel ausgeben. Das gilt
       vor allem  bei einem  Vergleich mit  den  Angestelltenhaushalten.
       Nach den Daten der Tabelle 6 gibt ein Arbeiterhaushalt mit durch-
       schnittlich 3,2 Haushaltsmitgliedern und einem Jahresnettoeinkom-
       men des Haushalts von ca. 25 500 DM rund 5670 DM im Jahr für Nah-
       rungsmittel aus.  Der durchschnittliche Angestelltenhaushalt die-
       ser Einkommensklasse  (2,8 Mitglieder) verausgabt nur ca. 4110 DM
       für diesen  Zweck, also rund 1560 DM weniger. Der Abstand bei den
       Genußmittelausgaben beträgt  ca. 400  DM. Die  Differenz  ist  so
       deutlich, daß  sie nur zum Teil durch den 0,4 Haushaltsmitglieder
       größeren Umfang  des Arbeiterhaushalts  erklärt werden  kann. 13)
       Hier dürften  sich der höhere Kalorienbedarf bei körperlicher Ar-
       beit ebenso bemerkbar machen wie die im Sozialisationsprozeß ent-
       standene unterschiedliche Rangordnung der Bedürfnisse einschließ-
       lich der Eßgewohnheiten.
       Der erste  Teil dieser  These wird  auch von seiten des Statisti-
       schen Bundesamtes  vorsichtig diskutiert,  das erstmals  1978 die
       Daten der  Wirtschaftsrechnungen für 1976 und 1977 nach den sozi-
       alstatistischen  Hauptgruppen  der  Lohnabhängigen  aufgegliedert
       hat. 14) Für den privaten Verbrauch insgesamt gaben die Arbeiter-
       haushalte des  Haushaltstyps 2 ("4-Personen-Arbeitnehmer-Haushalt
       mit  mittlerem  Einkommen  des  alleinverdienenden  Haushaltsvor-
       stands") monatlich  2028 DM,  die Angestelltenhaushalte  2146  DM
       aus. Trotz dieser relativ geringen Differenz lagen bei den Arbei-
       terhaushalten fast in allen Untergruppen die Nahrungs- und Genuß-
       mittelausgaben absolut  in DM  über denen  der  Angestelltenhaus-
       halte. Besonders  deutlich bei  Eiern (+ 25 Prozent), Speisefette
       ohne Butter  - vorwiegend Margarine (+ 25,9), Kartoffeln (+31,5),
       konserviertem Gemüse (+40,0), Zucker (+48,4), Tabakwaren (+51,4).
       Lediglich der  Konsum von  fertigen Mahlzeiten  (-24,1) und  Wein
       (-18,4) -  nicht aber  von Bier  (+20,6) und Branntwein (+46,6) -
       lag deutlich  niedriger als  bei den  Angestellten. 15)  Nach den
       DIW-Zahlen der  Tabelle 6  liegen die  Angestelltenausgaben aller
       übrigen Hauptgruppen der individuellen Konsumtion und die Erspar-
       nis in aller Regel über denen vergleichbarer Arbeiterhaushalte.
       Eine Sonderstellung  nehmen die Selbständigenhaushalte ein: Trotz
       des höheren  privaten Motorisierungsgrades  liegen deren Ausgaben
       für Verkehr  und Nachrichtenübermittlung  (Telefon!) selbst unter
       denen vergleichbarer  Angestelltenhaushalte.  Dabei  dürfte  eine
       Rolle spielen,  daß Ausgaben für die individuelle Konsumtion hier
       in den  Geschäftsausgaben untergehen,  was zum  Teil auch für die
       Mieten und Energiekosten zu gelten scheint. 16)
       
       II. Einkommen und Einkommensquellen - Reproduktionsleistungen
       -------------------------------------------------------------
       
       Der Verkauf  der Arbeitskraft bzw. die daraus resultierenden Ein-
       kommen sind  auch im  gegenwärtigen Stadium  der kapitalistischen
       Entwicklung sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hin-
       sicht entscheidendes  Kriterium der materiellen Existenzbedingun-
       gen der  Lohnabhängigen. Mit  dem Arbeitslohn  allein ist  jedoch
       nicht die  Summe von Lebensmitteln abgedeckt, die gegenwärtig Be-
       standteil der individuellen Konsumtion der Arbeiterhaushalte ist.
       Vielmehr wird der Reproduktionsfonds noch durch eine Reihe weite-
       rer Einkommensquellen  gebildet, die in den vergangenen Jahrzehn-
       ten sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Bedeutung zugenommen
       haben. Dazu gehören u. a. die Sozialeinkommen (Einkommen aus Ren-
       ten- und Krankenversicherungen, der Arbeitslosenversicherung, aus
       Wohngeld,  Kindergeld,  Ausbildungsbeihilfen,  Sozialhilfe),  die
       Einkommen aus  Haus- und  Grundbesitz, Geldvermögen.  Ferner sind
       bei der  Untersuchung der  Reproduktionsquellen der  Arbeitskraft
       auch die  Güter und  Leistungen einzubeziehen,  die im Rahmen der
       Haushalte durch  Eigenleistungen entstehen und unmittelbar in die
       individuelle Konsumtion eingehen.
       Umfang und  Bedeutung der verschiedenen Reproduktionsquellen ent-
       wickelten sich  in den  vergangenen drei Jahrzehnten unterschied-
       lich. Einige Daten sind in Tabelle 7 zusammengestellt.
       
       1. Die Entwicklung der Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf
       ----------------------------------------------------------
       
       Ein erster  Blick auf  die langfristige Veränderung der  B r u t-
       t o a r b e i t s e i n k o m m e n  für verschiedene Gruppen der
       Arbeiterklasse zwischen  1950 und  1977 läßt  Zuwachsraten bis zu
       780 Prozent  erkennen. (Vgl.  Tabelle 8.)  Die Wachstumsraten der
       nach Abzug  der Lohnsteuer-  und Sozialversicherungsbeiträge ver-
       bleibenden   N e t t o l ö h n e  u n d  -g e h ä l t e r  fallen
       jedoch schon  merklich geringer  aus. Mit rd. 600 Prozent bei den
       Nettoarbeitseinkommen "je  durchschnittlich beschäftigter Arbeit-
       nehmer" liegt  die Zuwachsrate  fast ein  Viertel unter  der  der
       Bruttolöhne und  -gehälter. Besonders  hohe Abzugsquoten sind bei
       den ledigen  sowie verheirateten  Erwerbstätigen ohne  Kinder  zu
       beobachten. Ein  lediger Facharbeiter in der Industrie mußte 1977
       fast 36  Prozent seines  Bruttolohnes an  das Finanzamt  und  die
       Sozialversicherungsträger   abführen.    Das   entspricht   einem
       monatlichen Betrag  von 830 DM, womit die gesetzlichen Abzüge für
       diese Gruppe  von Lohnabhängigen  1977 ein  fast so  hohes Niveau
       erreichten wie ihr Nettoeinkommen im Jahr 1969 (857 DM).
       Allerdings können  auch die  Nettolohnkennziffern nur ein unvoll-
       ständiges Bild der Veränderung des Einkommensniveaus zeichnen, da
       sie noch die Einflüsse der inflationsbedingten Kaufkraftminderung
       verdecken. Berücksichtigt  man, daß sich die Kaufkraft des Geldes
       in der  Bundesrepublik zwischen 1950"1977 um 55,6 Prozent verrin-
       gert hat  17) (eine  Mark mit der Kaufkraft von 1950 war 1977 nur
       noch 44,4 Pfennige wert), ergeben sich für die  R e a l l ö h n e
       u n d   - g e h ä l t e r    verschiedener  Lohnabhängigengruppen
       seit 1950  Wachstumsraten zwischen  160 und  230  Prozent.  Diese
       Steigerungsraten weisen,  selbst wenn  sie erheblich  unter denen
       der Nominaleinkommen  liegen, immer  noch auf  eine beträchtliche
       Erweiterung der  realen kaufkraftfähigen  Nachfrage der Arbeiter-
       klasse hin und zeigen eine deutliche Ausweitung des zur Befriedi-
       gung gewachsener  konsumtiver Bedürfnisse notwendigen individuel-
       len Reproduktionsfonds.
       Die realen  Einkommenszuwächse haben sich im Zeitraum der vergan-
       genen drei  Jahrzehnte ungleichmäßig entwickelt. Sie waren beson-
       ders groß  in der  Restaurationsperiode des westdeutschen Kapita-
       lismus bis  hin zur Krise 1966 / 67. In dieser Zeit partizipierte
       die Arbeiterklasse an den Ergebnissen der äußerst günstigen Akku-
       mulationsbedingungen des  westdeutschen Kapitals  und konnte, von
       wenigen Ausnahmen  abgesehen, ohne größeren Widerstand von Seiten
       der Unternehmer  erhebliche materielle  Zugeständnisse  erringen.
       18) So  lagen die  jährlichen Zuwachsraten  der Realeinkommen für
       den Durchschnitt  aller beschäftigten  Lohn- und Gehaltsempfänger
       mit Ausnahme  der Krisenjahre  1958 (+2,9%) und 1963 (+2,7%) über
       der 4-Prozent-Marke.  Die Krise  1966/67 brachte  für große Teile
       der Arbeiterklasse  nicht  nur  erstmalig  Reallohnrückgänge  mit
       sich, sondern markiert auch einen Wendepunkt in der langfristigen
       Einkommensentwicklung. Diese  wird seitdem  gekennzeichnet  durch
       deutlich geringere Wachstumsraten mit zeitweiligen Stagnationsund
       Rückgangstendenzen.
       Vor dem  Hintergrund  verschlechterter  Wachstumsbedingungen  des
       volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses  wurde seit Ende der
       sechziger Jahre  die Verbesserung  der materiellen Existenzbedin-
       gungen über  die Durchsetzung höherer Reallöhne als deren Haupte-
       lement zusehends schwieriger. Zwar konnten in den Jahren 1969 und
       1970 im  Zuge der  kurzfristig wirkenden  konjunkturellen "Wachs-
       tumsexplosion" noch einmal hohe Reallohnsteigerungen durchgesetzt
       werden -  allerdings auch  erst nach  massiven Streikaktionen vor
       allem im  September 1969  -, doch  blieb die Höhe der Einkommens-
       zuwächse dieser  Jahre bis in die Gegenwart trotz einer insgesamt
       offensiveren Lohnpolitik der Gewerkschaften und einer erheblichen
       Zunahme der  sozialen Kämpfe  die Ausnahme.  Wie geringfügig  die
       Einkommenssteigerungen in  den  siebziger  Jahren  bisher  waren,
       zeigt  die   Tatsache,  daß  die  monatlichen  Realeinkommen  der
       Industriearbeiter im  Jahr 1975 lediglich um 10 DM über denen des
       Jahres 1971  lagen. In  den 4  Jahren dieses  ökonomischen Zyklus
       konnte lediglich  eine Verbesserung  der realen Kaufkraft von 1,7
       Prozent durchgesetzt  werden; wohlgemerkt:  im  Zeitraum  1971/75
       insgesamt, nicht im Jahresdurchschnitt. 19)
       Die Stagnation  der tatsächlichen Arbeitseinkommen in den siebzi-
       ger Jahren wurde von überaus hohen nominalen Zuwachsraten beglei-
       tet. Die  Spanne zwischen  nominalen und realen Einkommenssteige-
       rungen war  nie so groß wie in dieser Periode. Sie ist zum einen,
       wie bereits  angeführt, Ergebnis  der besonders  seit  Mitte  der
       sechziger Jahre  rapide ansteigenden  gesetzlichen  Abzugsquoten,
       zugleich und  vor allem  aber Ausdruck  der um  die Wende  zu den
       siebziger Jahren  eintretenden qualitativen  Verschärfung des In-
       flationsprozesses . Angesichts verschlechterter Verwertungsbedin-
       gungen versuchten  die Monopole  in dieser  Zeit unter Ausnutzung
       ihrer beherrschenden  Marktstellung durch  Preissteigerungen eine
       Rückverteilung der  in  den  Klassenkämpfen  der  vorangegangenen
       Jahre von  den Lohnabhängigen  errungenen materiellen  Zugeständ-
       nisse zu  erzwingen. Daß diese Bemühungen nicht ohne Erfolg blie-
       ben und  wie sehr  die Beschleunigung  des  Inflationstempos  die
       Durchsetzung realer Kaufkraftzuwächse beschränkte, zeigt die fol-
       gende Übersicht.
       
       Jährliche Zuwachsraten  der monatlichen  Netto- und Reallöhne für
       ausgewählte Gruppen  der Arbeiterklasse  in den  siebziger Jahren
       (in Prozent)
       
           Verteue- Industrie-   Facharbei-   Facharbeiter in der In-
           rung der arbeiter     ter in der   dustrie, verheiratet,
           Lebens-  insgesamt    Industrie,          3 Kinder
           haltung  Netto- Real- ledig        Netto- Real-  Netto- Real-
           a)       b) Löhne     Netto- Real- b) Löhne      c) Löhne
                                 b) Löhne     einschl.      ohne Kinder-
                                              Kindergeld    geld
       
       1970   3,2   10,5    7,1  12,2    9,0  11,6    8,4   12,1    8,6
       1971   5,1    8,1    2,9   8,3    3,2   8,7    3,6    8,7    3,3
       1972   5,3    8,1    2,6   5,0   -0,3   5,8    0,5    6,2   -0,1
       1973   6,8    6,8    0,0   6,7   -0,1   7,9    1,1    8,4    0,5
       1974   6,9    6,7   -0,1   5,5    1,4   6,2   -0,7    6,6   -0,7
       1975   6,1    5,3   -0,7   9,4    3,3  10,3    4,2    0,0   -6,7
       1976   4,6    6,3    1,6   4,4   -0,2   5,1    0,5    5,9   -1,3
       1977   3,6    6,4    2,7   5,3    1,7   5,8    2,2    6,7    5,1
       1970/1977 insge-
       samt  45,8   58,6    9,2  54,0    6,3  61,6   11,9   51,2   -0,3
       1970/1977 im Jahresdurch-
       schnitt 5,5   6,8    1,3   6,4    0,9   7,1    1,6    6,1    0,0
       _____
       a) Berechnet nach  dem Preisindex für die Lebenshaltung eines "4-
       Personen-Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen"
       b) Deflationierung mit dem Preisindex für die Lebenshaltung eines
       "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen"
       c) Deflationierung mit  dem "Preisindex  für die einfache Lebens-
       haltung eines Kindes"
       Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach Stat. B A., Fachserie
       17, Reihe  7, Preise  und Preisindizes für die Lebenshaltung, Ja-
       nuar 1978; Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Sozialbe-
       richt 1978.
       
       Gleichzeitig wird  deutlich, daß die Krise 1974/75 die seit Mitte
       der sechziger  Jahre wirkende Tendenz der langfristigen Verringe-
       rung der Einkommenszuwächse verschärfte: Für den Durchschnitt al-
       ler Industriearbeiter  waren die  jüngsten Krisenjahre  mit einer
       absoluten Verminderung  des realen  Einkommensniveaus  verbunden.
       Dabei ist  hervorzuheben, daß  sich diese Daten lediglich auf die
       aktiv im  Erwerbsprozeß stehenden  Teile  der  Industriearbeiter-
       schaft beziehen.  Eine Berücksichtigung der Gruppen der Arbeiter-
       klasse, die  im Zuge  der Krise arbeitslos wurden, ergäbe für die
       materiellen Reproduktionsbedingungen  des Durchschnitts  der  ge-
       samten Arbeiterklasse noch ein wesentlich ungünstigeres Bild.
       Ferner ist auf ein statistisch-methodisches Problem aufmerksam zu
       machen, das  im Zusammenhang  mit Reallohnberechnungen von Bedeu-
       tung ist.  Es wurde  bereits an  anderer Stelle deutlich gemacht,
       daß die  für diese  Zwecke heranzuziehenden Preisindexziffern des
       Statistischen Bundesamtes - insbesondere was den Preisindex eines
       "mittleren Arbeitnehmerhaushalts"  betrifft - die Verteuerung der
       Lebenshaltung für  große Teile  der Arbeiterklasse tendenziell zu
       gering ausweisen  20), so daß mit dem Gebrauch dieser Indexziffer
       das Bild  der realen  Einkommensentwicklung günstiger  gezeichnet
       wird, als diese tatsächlich ist. 21)
       Als der  Druck der  Unternehmer auf das Lebensniveau der Arbeiter
       und Angestellten 1974/75 seinen Höhepunkt erreichte, sah sich die
       sozialdemokratisch geführte  Bundesregierung, nicht  zuletzt auch
       wegen der  bevorstehenden Bundestagswahlen,  zum Eingreifen genö-
       tigt. Allerdings  nicht in  der Weise, daß sie wirksame Maßnahmen
       gegen die  Inflationspolitik der Unternehmer in die Wege leitete,
       sondern durch  ein Paket Steuer- und sozialpolitischer Maßnahmen,
       insbesondere durch  die Kindergeldreform  sollte die  angespannte
       Einkommenssituation der  Lohnabhängigen entlastet  werden. Die am
       1.1.1975 in  Kraft getretene Kindergeldreform sah als wesentliche
       Neuerung die  Entkoppelung der Kindergeldzahlungen von der Anzahl
       der Kinder  und von  der Einkommenshöhe vor. Sie brachte nach Be-
       rechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
       den Arbeiter- und Angestelltenhaushalten 1975 monatliche Mehrein-
       nahmen in  Höhe von  78 bzw. 71 DM. 22) Eine solche Reform kostet
       natürlich Geld,  1975 allein rd. 11 Milliarden DM. 23) Allerdings
       ist, wie  das Bundesarbeitsministerium  1977 feststellte,  dieser
       "Unterschiedsbetrag zwischen  den (Kindergeld-  d. Verf.) Aufwen-
       dungen für 1974 und 1975 kein echter Mehraufwand, da den Ausgaben
       für Kindergeld  1975 z.B. Steuermehreinnahmen aufgrund der wegge-
       fallenen steuerlichen  Kinderfreibeträge gegenüberstehen  (rund 6
       Mrd. DM)."  24) Dies bedeutet somit nichts anderes, als daß diese
       "Reform" zum  größeren Teil  von den  Lohn- und Gehaltsempfängern
       selbst bezahlt  wurde. Im  Endeffekt hatte sie allerdings das Er-
       gebnis, daß  sie den  bisher größten  Angriff der Unternehmer auf
       das Lohnniveau verschleierte: Ohne die Kindergeldreform wären die
       Reallöhne 1975  z.B. für die 5köpfige Familie eines Facharbeiters
       in der  Industrie gegenüber  dem Vorjahr um nicht weniger als 6,7
       Prozent gesunken.
       In den  Folgejahren konnten  bei sich  abschwächendem Inflations-
       tempo und  im Gefolge  eines leichten konjunkturellen Aufschwungs
       wieder geringfügige  reale Einkommensverbesserungen  erzielt wer-
       den, doch  scheint diese  Entwicklung für 1979 schon wieder nicht
       mehr zuzutreffen,  so werden  die zur  Jahreswende 78/79  bzw. im
       Frühjahr vereinbarten  Brutto-Einkommensverbesserungen um  4 Pro-
       zent inzwischen  durch die  beschleunigte Verteuerung der Lebens-
       haltung wieder aufgezehrt. 25)
       Die Untersuchung  des Niveaus  der Arbeitseinkommen der Arbeiter-
       klasse eröffnet  nur einen  begrenzten Zugang zur Beurteilung der
       Veränderung der materiellen Reproduktionsbedingungen. Zwar bilden
       nach wie  vor die aus dem Verkauf der Arbeitskraft resultierenden
       Einkommen die  Hauptreproduktionsquelle der  Haushalte, doch  ist
       nicht zu  übersehen, daß  ihre Bedeutung  als Einkommensquelle in
       den vergangenen Jahren rückläufig gewesen ist. So zeigt die Über-
       sicht über  die personelle Einkommensverteilung in Tabelle 7, daß
       der Anteil  der Nettolöhne  und -gehälter an den verfügbaren Ein-
       kommen der  Lohnabhängigen zwischen 1950 und 1977 um 7 (Arbeiter)
       bzw. 4 (Angestellte/Beamte) Prozentpunkte zurückgegangen ist.
       
       2. Einkommen aus Nebenerwerbstätigkeit
       --------------------------------------
       
       Neben den Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf bilden die Nebener-
       werbseinkommen eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle. Zuneh-
       mende Intensität  der Arbeit im Hauptberuf hat in den vergangenen
       Jahren allerdings  wesentlich dazu beigetragen, daß den Belastun-
       gen einer  zusätzlichen Erwerbstätigkeit immer weniger Werktätige
       gewachsen sind. Die Zahl der Nebenerwerbstätigkeiten ist auf rund
       eine halbe  Million bis Mitte der siebziger Jahre zurückgegangen.
       1961 lag  die Anzahl der Erwerbstätigen mit zweiter Tätigkeit im-
       merhin noch bei mehr als einer Million. Gegenwärtig verfügen etwa
       5% der  Haushalte von  Lohn- und Gehaltsempfängern über Einkommen
       aus angemeldetem Nebenerwerb. 26)
       In der  Mehrzahl (fast  70 Prozent)  handelt es sich bei den z.Z.
       noch ausgeübten  Zweiterwerbstätigkeiten um  Nebenerwerb  in  der
       Landwirtschaft. Die  Reineinkommen, die  aus der  Bewirtschaftung
       von landwirtschaftlichen  Nebenerwerbsbetrieben resultieren,  be-
       liefen sich  im Monatsdurchschnitt  des Wirtschaftsjahres 1977/78
       auf 246,50  Mark und machten damit 10,2 Prozent der Gesamteinkom-
       men der Familien aus (vgl. Tabelle 9). Im Gegensatz zu den Neben-
       erwerbs- ist in den Zuerwerbsbetrieben noch die landwirtschaftli-
       che Erwerbstätigkeit Haupteinkommensquelle. Ihr Niveau ist aller-
       dings so  gering, daß die außerbetriebliche (Zu-)Erwerbstätigkeit
       unmittelbare Existenznotwendigkeit  für diese  Familien  geworden
       ist.
       Trotz zweiter  Erwerbstätigkeit erreichen  die Familien mit land-
       wirtschaftlichem Nebenerwerb  nicht das durchschnittliche Einkom-
       mensniveau von  Arbeiterhaushalten. 27)  Mit 3,6  Prozent ist die
       Differenz zu den Haushaltseinkommen der Arbeiter allerdings rela-
       tiv gering, sie wäre jedoch ohne die Nebeneinkommen bedeutend hö-
       her (15,3 Prozent).
       Eine zusätzliche  Einkommensquelle erschloß  sich einer  Vielzahl
       von  Haushalten   durch  unangemeldeten   Nebenerwerb  ("Schwarz-
       arbeit").  Durch   Umgehung  von  Lohnsteuern  und  Sozialabgaben
       erzielte hohe  Effektiwerdienste trugen  dazu bei,  die gerade in
       dieser Zeit  gewachsene Spanne  zwischen konsumtiven Bedürfnissen
       und den  zu deren  Realisierung  notwendigen  Einkommen  zu  ver-
       kleinern. Es liegt in der Natur der Sache, daß abgesicherte Anga-
       ben über das Ausmaß von "Schwarzarbeit" nicht vorliegen.
       Schätzungen zufolge  wurde das  Volumen der  "Schwarzarbeit" 1966
       insgesamt auf  500 Millionen DM beziffert 28), für 1973 wurde mit
       6 Milliarden  DM ein  erheblich höherer  Betrag  angenommen.  29)
       Teilt man  diesen Betrag  durch die  Anzahl der  Arbeiter-, Ange-
       stellten- und  Beamtenhaushalte, ergibt sich für diese ein fikti-
       ves monatliches Einkommen aus "Schwarzarbeit" in Höhe von 43 DM.
       Es sind vor allem Handwerker, die über "Schwarzarbeit" zu zusätz-
       lichen Einkommen  gelangen.  Nach  in  der  FAZ  veröffentlichten
       Schätzungen für  1973 wurden  73% aller  Rohbauten, 58% aller In-
       stallationsarbeiten und  90%  aller  Malerarbeiten  in  "Schwarz-
       arbeit"  geleistet.   30)  Wenngleich   diese  Angaben  reichlich
       überhöht zu sein scheinen, bleibt doch festzuhalten, daß das Ein-
       kommen aus  unangemeldetem Nebenerwerb  für bestimmte Gruppen von
       Lohnabhängigen  zeitweilig  eine  beachtliche  Größenordnung  er-
       reicht.
       
       3. Sozialeinkommen
       ------------------
       
       Ein Bündel vielfältiger ökonomischer, politischer und demographi-
       scher Faktoren  hat dazu  geführt, daß der Umfang der staatlichen
       Sozialleistungen in  den vergangenen drei Jahrzehnten angestiegen
       ist und  gegenwärtig fast  ein Viertel  des  Bruttosozialprodukts
       ausmacht (1960: 16,0 Prozent). 31) Der Schwerpunkt der Ausdehnung
       der Sozialleistungsquote  lag dabei  besonders in  den  siebziger
       Jahren.
       Diese Entwicklung  spiegelt sich auch in der wachsenden Bedeutung
       der Sozialeinkommen  für die Reproduktion der Arbeitskraft wider.
       Sie hatten  1977 einen Anteil von 15,1 Prozent an den verfügbaren
       Einkommen der Arbeiterhaushalte. 32)
       Den für  die Lohn-  und Gehaltsempfänger in bezug auf den Empfän-
       gerkreis sowie  die Höhe  der Leistungen  größten Bereich der So-
       zialeinkommen stellen  die  K i n d e r g e l d z a h l u n g e n
       dar. Ein  allgemeines Kindergeld wurde erstmals 1954 gezahlt, al-
       lerdings nur  für Familien mit drei und mehr Kindern. Seitdem hat
       sich sowohl  die Höhe  der Leistungen als auch der Empfängerkreis
       beträchtlich ausgeweitet,  woran  die  bereits  erwähnte  Kinder-
       geldreform von  1975 wesentlichen Anteil hatte (vgl. Tabelle 10).
       Nach wie  vor haben  die Kindergeldzahlungen  besondere Bedeutung
       für Großfamilien. Zum Haushaltseinkommen z.B. einer sechsköpfigen
       Arbeiterfamilie trugen sie 1977 zu rund 10% bei.
       W o h n g e l d   trat als  zusätzliche Reproduktionsquelle  1976
       bei etwa  213 000 Lohnabhängigenhaushalten  auf.  Mehr  als  zwei
       Drittel davon waren Arbeiterfamilien. 33) Ihr Anteil an den Wohn-
       geldempfängern insgesamt  - überwiegend  handelt es sich dabei um
       Haushalte von  Nichterwerbstätigen -  betrug dagegen nur 9,2 Pro-
       zent.  Umgelegt  auf  alle  Lohnabhängigenhaushalte  ergaben  die
       staatlichen Wohngeldzahlungen  einen Betrag  von  1,20  Mark  pro
       Haushalt. Die  Haushalte von Arbeitern, Angestellten und Beamten,
       die 1976  Wohngeld bezogen,  bekamen im Durchschnitt monatlich 72
       Mark. Mehr  als 50  Prozent aller Wohngeld empfangenden Arbeiter-
       haushalte wohnten in sogenannten "Sozial"wohnungen.
       Rund 3,4  Milliarden DM  wurden 1975  für  A u s b i l d u n g s-
       b e i h i l f e n  nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz ge-
       zahlt. 34)  Die Leistungen  aus der  Arbeitslosenversicherung und
       die  Sozialhilfe   werden  in   einem  anderen  Abschnitt  dieses
       Aufsatzes untersucht.
       
       4. Einkommen aus Wohnungseigentum und -vermietung
       -------------------------------------------------
       sowie aus Geldvermögen
       ----------------------
       
       Mit der  Verbreitung des Haus- und Wohnungseigentums hat sich für
       mehr als  ein Drittel  der Haushalte von Lohn- und Gehaltsempfän-
       gern eine  weitere potentielle  Reproduktionsquelle aufgetan. Im-
       merhin hatten 1978 Haus- und Grundbesitz etwa
       - 80 Prozent der Selbständigenhaushalte
       - 40 Prozent der Angestelltenhaushalte
       - 35 Prozent der Arbeiterhaushalte
       - 30 Prozent der Rentnerhaushalte. 35)
       Zumeist wird  der Wohnraum  von den  Eigentümerhaushalten  jedoch
       selbst genutzt,  so daß  nur in  geringem Umfang  tatsächlich Zu-
       satzeinkommen aus  der Wohnraumvermietung  realisiert werden. Das
       ist bei  den Daten der Tabelle 11 zu berücksichtigen, bei der ne-
       ben den  realen Mieteinnahmen  auch unterstellte  Beträge für die
       Nutzung der Eigentümerwohnung enthalten sind.
       Die Zahl  von Arbeiter- und Angestelltenhaushalten, die Einkommen
       aus Untervermietung  von Wohnraum bezogen, belief sich Anfang der
       siebziger Jahre auf etwa 400 000, die Höhe der entsprechenden mo-
       natlichen Einkommen  betrug für diese Haushalte 90 bis 95 DM. Da-
       bei ist  zu beachten,  daß Untervermietung  von Wohnraum nicht an
       dessen Besitz gebunden ist. So waren z.B. 1972 nur 58 Prozent der
       untervermietenden Haushalte Wohnungseigentümer, während die rest-
       lichen 42 Prozent Hauptmieter waren. 36)
       Gegenwärtig gibt  es innerhalb  der Gruppe  der Lohnabhängigen so
       gut wie keine Haushalte mehr, die nicht in der einen oder anderen
       Form Geldrücklagen  anlegen. 37)  Je mehr Urlaubsreisen und hoch-
       wertige  langlebige  Gebrauchsgüter  unmittelbare  Reproduktions-
       erfordernisse  und   Bestandteil  der   individuellen  Konsumtion
       wurden, weitete  sich vor  allem  das  kurz-  und  mittelfristige
       Sparen auf  immer größere Gruppen von Lohnabhängigen aus. Mit der
       Anlage von Sparguthaben verbunden sind, je nach Anlageform, Zins-
       und Prämienzahlungen,  Dividenden u.ä.,  die inzwischen  zu einer
       laufenden  Einkommensquelle  nahezu  aller  Arbeiter-  und  Ange-
       stelltenhaushalte geworden sind.
       Mit der  Ausweitung des  Sparvolumens haben  sich auch die daraus
       resultierenden Einkommen  erhöht. Die Einkommen aus Vermögen (aus
       Geldvermögen und  Haus- und Grundbesitz zusammen) haben ihren An-
       teil an  den  Einkommen  der  Arbeiter  seit  1950  verzehnfacht;
       gleichwohl lag  dieser Anteil 1977 erst bei 4,3 Prozent (vgl. Ta-
       bellen 7 und 11).
       Zwischen den  Vermögenseinkünften von  Arbeiter-  und  Angestell-
       ten-/Beamtenhaushalten bestehen  deutliche Unterschiede, die sich
       seit 1970  absolut noch  erheblich vergrößert haben. Sie erklären
       sich aus den im Durchschnitt erheblich höheren Vermögensbeständen
       der Angestellten-  und Beamtenhaushalte.  Wir hatten  bereits ge-
       zeigt, daß  eine deutliche Einkommenspolarisierung auch innerhalb
       dieser sozialstatistischen  Gruppen dazu  führt, daß diese Durch-
       schnittszahlen wenig aussagekräftig sind.
       
       5. Eigenleistungen der Arbeiterfamilien
       ---------------------------------------
       zur Reproduktion der Arbeitskraft
       ---------------------------------
       
       Wie deutlich  wurde, sind  die Gesamteinkünfte der Familien höher
       als der Arbeitslohn der erwerbstätigen Familienmitglieder. Aller-
       dings ist auch über die Erfassung der gesamten Geldeinkünfte noch
       nicht der  Rahmen abgesteckt, innerhalb dessen sich die Reproduk-
       tion der Arbeitskraft vollzieht. Vielmehr muß noch auf die Bedeu-
       tung des  Haushalts als Quelle von Reproduktionsleistungen hinge-
       wiesen werden. Hier produziert die Arbeiterfamilie alles das, was
       sie für ein normales Leben braucht, aber wegen fehlender Geldein-
       künfte auf  dem Markt nicht kaufen kann. "Dies zu ignorieren wäre
       falsch; Haushalt  und daraus  resultierendes Einkommen  müssen in
       den Prozeß  der Produktion  heutiger  Arbeitskraft  miteinbezogen
       werden." 38)  Ihrem Wesen nach sind die in der arbeitsfreien Zeit
       durch Hausarbeit  erbrachten Eigenleistungen, deren Produktivität
       und Intensität  in den  vergangenen Jahren  mit  der  gewachsenen
       Technisierung der  Haushalte zugenommen  hat, Moment  verstärkter
       Ausbeutung. Würden  diese Dienstleistungen und Güter nicht in Ei-
       genleistung erbracht,  müßte eine  entsprechende Erhöhung der Ar-
       beitslöhne ein unverändertes Reproduktionsniveau gewährleisten.
       Auf die  den Wert  der Arbeitskraft  senkende Wirkung der eigenen
       Reproduktionsleistungen wies  bereits Friedrich Engels im Vorwort
       zu seiner  Arbeit "Zur  Wohnungsfrage" hin:  Nirgends  wurden  in
       Deutschland "so  infam niedrige  Löhne" gezahlt  wie in der deut-
       schen Hausindustrie,  wo die  Handweber neben der Arbeit an ihren
       Webstühlen auch  noch den  eigenen Grund und Boden bewirtschafte-
       ten. 39)
       Die gesellschaftliche Bedeutung der eigenen Reproduktionsleistun-
       gen war  bzw. ist in den verschiedenen Ländern je nach den spezi-
       fischen Entwicklungsbedingungen verschieden. Sie sind gegenwärtig
       noch besonders  hoch in  Japan, wo  Mitte der siebziger Jahre die
       Naturaleinkünfte und Naturaleinkommen aus Haushaltstätigkeit fast
       ein Drittel  der monatlichen  Gesamteinkommen von städtischen Ar-
       beiterfamilien ausgemacht haben sollen. 40)
       Das Spektrum der gegenwärtig in westdeutschen Lohnabhängigenhaus-
       halten erbrachten eigenen Reproduktionsleistungen ist vielfältig.
       Es beschränkt  sich nicht  auf die Produktion von Nahrungsmitteln
       (wenngleich diese Eigenleistungen bei den rund 370 000 Erwerbstä-
       tigenhaushalten mit  Zweiterwerb in der Landwirtschaft immer noch
       zu den  bedeutendsten zählen)  und auf  die "normale"  Hausarbeit
       (Saubermachen, Kochen,  Waschen usw.),  sondern reicht von dieser
       Art von  Eigenleistungen  über  hauswirtschaftlich  nutzbringende
       Hobbies (wie  z.B. Stricken, Nähen, Basteln) bis hin zu den soge-
       nannten Do-it-yourself-Arbeiten.  Gerade letztere  haben  in  den
       vergangenen Jahren stark zugenommen. In den meisten Arbeiterfami-
       lien werden leichte Reparaturarbeiten, Instandhaltungs- oder Ver-
       schönerungsarbeiten am  eigenen Haus,  der Wohnung,  an  Einrich-
       tungsgegenständen oder anderen Gebrauchsgütern (wie z.B. am eige-
       nen Auto)  selbst vorgenommen  und nicht an entsprechende private
       Dienstleistungseinrichtungen übertragen.  Die Quantifizierung der
       dadurch entstehenden Einsparungseffekte ist allerdings angesichts
       des vorliegenden  spärlichen Datenmaterials  über die Verbreitung
       von Do-it-yourself-Arbeiten schwierig.
       l
       III. Krise und Konsumtion des erwerbstätigen Teils
       --------------------------------------------------
       der Arbeiterklasse
       ------------------
       
       Die seit  Mitte der sechziger Jahre zu beobachtende Labilität der
       wirtschaftlichen Entwicklung  spiegelt sich  auch in der Entwick-
       lung der  Reallöhne der  Industriearbeiter  in  den  Krisenjahren
       1966/67 und  1974/75 wider.  Für die  verschiedenen  Gruppen  der
       Lohnabhängigen verlief  die Entwicklung  in der letzten Krise al-
       lerdings wesentlich  differenzierter als  1966/67. Das  gilt auch
       für die  Auswirkungen von  Krise und  Einkommensverlusten auf die
       Struktur und das Niveau der individuellen Konsumtion.
       Der Reallohnabbau  1967 betrug  gegenüber  dem  Vorjahr  für  den
       Durchschnitt aller  Industriearbeiter 2,2  Prozent. 41)  Aus  den
       laufenden Wirtschaftsrechnungen des "4-Personen-Arbeitnehmerhaus-
       halts mit  mittlerem Einkommen"  ergibt sich,  daß in diesem Jahr
       nicht nur  die Individualeinkommen, sondern die gesamten ausgabe-
       fähigen Einkommen  gegenüber dem  Vorjahr real um 2,1 Prozent zu-
       rückgingen (vgl.  Tabelle 12).  Mit dem Einkommensabbau ging eine
       Einschränkung der  individuellen Konsumtion  einher: Die inflati-
       onsbereinigten Lebenshaltungsausgaben  des gleichen Haushaltstyps
       sanken um mehr als 3 Prozent, 1968 gegenüber 1967 nochmals um 0,2
       Prozent. Wie die nachfolgende Übersicht zeigt, waren von der Ein-
       schränkung vor  allem die  Verbrauchskomplexe "Verkehr  und Nach-
       richtübermittlung" sowie "Persönliche Ausstattung" betroffen.
       
       Entwicklung der  individuellen  Konsumtion  in  den  Krisenjahren
       1966/67 und  1974/75 für den "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit
       mittlerem Einkommen" nach den laufenden Wirtschaftsrechnungen
       
                          Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in Prozent)
                                             1966  1967   1974  1975
       
       Reallöhne der Industriearbeiter       -0,9  -2,2   -0,1  -0,7
       Inflationsbereinigte Ausgaben für
       - die individuelle Konsumtion insg.   -1,3  -3,3    1,3   6,0
       - Nahrungs- und Genußmittel            0,4  -0,2    2,0   2,2
       - Bekleidung, Schuhe                  -2,8  -8,6    2,4   4,9
       - Wohnungsmieten                       5,5   3,8    5,9   2,1
       - Elektrizität, Gas, Brennstoffe       1,7   4,4   -4,1   1,6
       - Übrige Waren und Dienstleistungen
         für die Haushaltsführung             5,8  -2,4   -4,9   2,2
       - Waren und Dienstleistungen für Verkehrs-
         zwecke , Nachrichtenübermittlung    -6,0 -20,5   -0,6  20,7
       - Körper- und Gesundheitspflege        4,4  -1,8   ±0     1,1
       - Bildungs- und Unterhaltungszwecke    8,8   1,5    4,9  12,0
       - Persönliche Ausstattung,
         sonst. W. u. D.                      3,9 -24,4    8,5  16,2
       _____
       Quelle: Wie Tabelle 13 im Anhang
       
       1974/75 war  dagegen eine  anderslaufende Entwicklung zu beobach-
       ten. Obwohl  die Reallöhne  der Industriearbeiter ebenfalls rück-
       läufig waren (allerdings in geringerem Umfang als 1966/67), konn-
       ten durch die Steuer- und Kindergeldreform zahlreiche Gruppen von
       Lohnabhängigen Einkommenszuwächse  verbuchen. So stiegen z.B. die
       monatlichen Kindergeldeinkommen für den 2-Kinder-Haushalt ab 1.1.
       1975 von  25 DM auf 120 DM. Der reale Zuwachs der ausgabenfähigen
       Einkommen betrug  für den  "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt"  der
       laufenden Wirtschaftsrechnungen  7,3 Prozent  (vgl. Tabelle  12).
       Der Anstieg  der Haushaltseinkommen war wesentliche Grundlage für
       die  Ausweitung  der  inflationsbereinigten  Konsumtionsausgaben.
       Nach den  Wirtschaftsrechnungen stiegen  sie 1975  gegenüber  dem
       Vorjahr um  6 Prozent.  Den größten  Anstieg hatten die Ausgaben-
       gruppen zu  verzeichnen, bei denen 1966/67 die deutlichsten Rück-
       gänge eintraten:  "Verkehr-  und  Nachrichtenübermittlung"  sowie
       "Persönliche Ausstattung".
       Aus den  laufenden Wirtschaftsrechnungen  allein lassen sich auf-
       grund der problematischen Datenbasis kaum weitergehende verallge-
       meinerbare Aussagen  hinsichtlich der  Konsumtionsentwicklung  in
       der jüngsten  Krise treffen. Hinweise liefert die zusätzliche Be-
       trachtung gesamtwirtschaftlicher  Globaldaten.  Danach  ist  seit
       Einsetzen der Krise im 2. Halbjahr 1973 bis zu ihrem Tiefpunkt im
       1. Halbjahr  1975 eine deutliche Zurückhaltung der privaten Haus-
       halte bei  den Konsumtionsausgaben  zu beobachten. Sie ist jedoch
       nicht auf fehlende Geldeinkünfte der privaten Haushalte zurückzu-
       führen. Vielmehr  stiegen, wie  die folgende Übersicht zeigt, die
       verfügbaren Einkommen zunächst deutlich schneller als der private
       Verbrauch, was dazu führte, daß die Sparquote im 1. Halbjahr 1975
       ihren bisher höchsten Stand erreichte.
       
       Einkommen, privater  Verbrauch und  Ersparnis privater  Haushalte
       1974-1976 (Milliarden DM)
       
                                   1974              1975         1976
                              1. Hj.   2. Hj.   1. Hj.   2. Hj.   1. Hj.
       
       Verfügbare Einkommen   295,2    332,9    329,4    359,9    349,0
       Privater Verbrauch     252,8    280,2    274,0    306,2    299,0
       Ersparnis               42,4     52,7     55,4     53,8     50,0
       Sparquote in Prozent    14,4     15,8     16,8     14,9     14,3
       Steigerung gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in Prozent:
       Verfügbare Einkommen     -       12,8     11,7      8,1      5,9
       Privater Verbrauch .     -       10,8      8,2      9,3      9,1
       Ersparnis                -       24,3     32,2      2,1     -9,7
       _____
       Quelle: Zusammengestellt  und berechnet  nach Monatsberichten der
       Deutschen Bundesbank, März 1976, S. 15; Oktober 1976, S. 15.
       
       Die Einschätzung  der Bundesbank  scheint nicht  unbegründet, daß
       die privaten Haushalte in dieser Zeit einen großen Teil des ihnen
       aus der  Steuer- und  Kindergeldreform zufließenden Einkommenszu-
       wachses "aus  Furcht vor einem Verlust des Arbeitsplatzes gespart
       und manche  Käufe von Verbrauchsgütern... zurückgestellt" 42) ha-
       ben. Mit  der, abgesehen von den Arbeitsmarktproblemen, Verbesse-
       rung der  ökonomischen Entwicklung  trat in  der 2.  Jahreshälfte
       1975 auch  eine Trendwende  im Verbrauchsverhalten  der Haushalte
       ein. Der  durch die  Konsumzurückhaltung zur Zeit des Tiefpunktes
       der Krise  entstandene Nachholbedarf wurde nunmehr durch den ver-
       stärkten Kauf besonders von langlebigen Gebrauchsgütern ausgegli-
       chen. Das  ging zum  einen zu  Lasten der  Ersparnisbildung:  Die
       Sparquote sank von 16,8 Prozent im 1. Halbjahr 1975 auf 14,3 Pro-
       zent im  1. Halbjahr  1976, wobei  die neu gebildeten Ersparnisse
       vorwiegend in  verhältnismäßig liquider Form angelegt wurden 43),
       um eine  schnelle Zuführung  dieser Mittel  für die  individuelle
       Konsumtion zu sichern. Die Verbrauchsexpansion war ferner beglei-
       tet von einem deutlichen Anstieg der Kreditaufnahmen der privaten
       Haushalte, die  zur Zeit des Krisentiefpunktes äußerst gering war
       und zum  Teil sogar  durch das  Volumen  der  Kreditrückzahlungen
       übertroffen wurden.  44) Die  aus der  verstärkten Kreditaufnahme
       resultierenden Einkommen  dürften hauptsächlich  zur  Anschaffung
       langlebiger hochwertiger Gebrauchsgüter, vor allem für Kfz-Käufe,
       verwendet worden sein, worauf auch die Haushaltsbucherhebungen im
       Rahmen der  laufenden Wirtschaftsrechnungen hindeuten. 45) Ferner
       glaubte die Bundesbank Anfang 1976 eine zunehmende Auflösung pri-
       vater Geldanlagen (z.B. Sparguthaben) registrieren zu können, die
       nach ihrer  Vermutung vornehmlich  für den Erwerb von Wohnungsei-
       gentum bzw.  für größere Reparaturen und Renovierungen ausgegeben
       wurden. 46)
       Wenngleich sich  das Niveau der Konsumtionsausgaben 1975 erhöhte,
       kann doch  nicht übersehen werden, daß die Krise zu Veränderungen
       in der  Lebensführung der  Haushalte führte. So ist gerade in den
       Krisenjahren eine verstärkte Tendenz zur Rückverlagerung zahlrei-
       cher Reproduktionsleistungen  in die Haushalte zu beobachten, die
       im Rückgang  bzw. der Stagnation des Anteils der privaten Dienst-
       leistungsausgaben zum  Ausdruck kommt. 47) Sogar absolut rückläu-
       fig waren  in mindestens  einem der  Krisenjahre die Ausgaben für
       Wohnungsreparaturen, Schneiderarbeiten,  für Wäscherei und Reini-
       gung und  für Taxi-Fahrten. Auch der gegenwärtig bei den rund 10-
       12 Millionen Kleingärtnern der Bundesrepublik zu bemerkende Trend
       zu einer  wirtschaftlicheren Nutzung  der privaten  Gartenflächen
       durch vermehrten  Anbau von Obst und Gemüse muß wohl unter diesem
       Gesichtspunkt gesehen werden.
       
       IV. Einkommen und individuelle Konsumtion bei Arbeitslosigkeit
       --------------------------------------------------------------
       und ihren Folgen
       ----------------
       
       Vorliegende Untersuchungen  über die  Auswirkungen der  Krise auf
       die Lohnabhängigen  - vor  allem der  Arbeiterklasse -,  die  für
       kurze oder  längere Zeit arbeitslos wurden, zeigen, daß neben den
       negativen psychisch-sozialen Folgen auch materielle Einbußen eine
       große Rolle  spielen. 48) Das Ausmaß der Betroffenheit ist unter-
       schiedlich. Es  reicht von  Einkommenseinbußen infolge langandau-
       ernder Kurzarbeit, über längere und kürzere Perioden der Arbeits-
       losigkeit bis  zum Absinken  in die "Lazarusschicht der Arbeiter-
       klasse". Aber  auch die  verschiedenen Möglichkeiten, aus der Ar-
       beitslosigkeit herauszukommen  - Aufnahme  einer neuen Erwerbstä-
       tigkeit, vorzeitige  Verrentung, "Aufgehen"  in  der  sogenannten
       "stillen Reserve",  amtlich verordnete  Bildungsmaßnahmen,  Wehr-
       dienst und  Krankheit führen  meistens zu Einkommensverschlechte-
       rungen.
       
       1. Zur Struktur und zum Umfang der industriellen Reservearmee
       -------------------------------------------------------------
       
       Die aufgezählten  Kategorien von Krisenbetroffenen sind sichtbare
       Teile der für die kapitalistische Produktionsweise charakteristi-
       schen "relativen  Überbevölkerung", das heißt, der "mit Bezug auf
       das mittlere Verwertungsbedürfnis des Kapitals überschüssigen Be-
       völkerung". 49) Diese industrielle Reservearmee erfülle nicht nur
       die Funktionen  des Lohndrucks  und der  Disziplinierung, sondern
       sie ist  unter den  "normalen" Bedingungen  kapitalistischer Ent-
       wicklung zugleich  das Reservoir, über das die Verteilung der Ar-
       beitskräfte auf die verschiedenen Sektoren der gesellschaftlichen
       Produktion vermittelt  ist. Die erweiterte Reproduktion des Kapi-
       tals erfordert  die Existenz einer "disponiblen industriellen Re-
       servearmee", die  "ohne Abbruch  der Produktionsleiter  in andere
       Sphären auf die entscheidenden Punkte werfbar" ist. 50)
       Dieser ständig  ablaufende Prozeß-die  niedrigste Zahl an jährli-
       chen Arbeitslosenmeldungen  in der  Nachkriegszeit  betrug  immer
       noch 1,3  Millionen (1970)  - beschleunigt  und weitet sich unter
       dem Druck  der Krise  aus. Nach einer Untersuchung des IAB wird "
       in zwei von drei Fällen (67 Prozent) . . . mit der Wiederaufnahme
       der Arbeit  auch der  Wirtschaftszweig gewechselt".  51) Nach den
       Angaben der  wieder Erwerbstätigen haben auch rund 44 Prozent den
       Beruf gewechselt.  Von den  Berufswechslern geben  wiederum  fast
       drei Viertel  an, daß sie von ihren " beruflichen Kenntnissen und
       Fertigkeiten auf  dem neu  en Arbeitsplatz wenig, sehr wenig oder
       nichts verwenden"  können. Wichtig  ist auch der Hinweis, daß der
       Anteil der Berufswechsler mit der abgelaufenen Dauer der Arbeits-
       losigkeit und  im Ausmaß  der finanziellen  Belastungen ansteigt.
       Daß die durch die Krise ausgelösten Mobilitätsprozesse noch nicht
       abgeschlossen sind,  geht auch aus der Einschätzung des neuen Ar-
       beitsplatzes hervor:  15,1 Prozent  der Wiedererwerbstätigen  be-
       zeichnen ihn  als "Notlösung",  34,3 Prozent  betrachten ihn  als
       "Übergangslösung", und nur 50,7 Prozent meinen eine "Dauerlösung"
       gefunden zu haben, die es aber unter kapitalistischen Bedingungen
       nicht gibt.
       "Die relative Überbevölkerung existiert in allen möglichen Schat-
       tierungen. Jeder  Arbeiter gehört  ihr an während der Zeit, wo er
       halb oder gar nicht beschäftigt ist. Abgesehen von den großen pe-
       riodisch wiederkehrenden Formen, welche der Phasenwechsel des in-
       dustriellen Zyklus ihr aufprägt, so daß sie bald akut in den Kri-
       sen erscheint, bald chronisch in den Zeiten flauen Geschäfts, be-
       sitzt  sie   fortwährend  drei   Formen:  flüssige,  latente  und
       stockende". 52)  Es bedarf  keiner näheren  Begründung, daß diese
       verschiedenen Formen  zwar analytisch,  aber  kaum  empirisch  zu
       trennen sind.  In Tabelle  14 wurde versucht, eine Übersicht über
       die durch die Statistik der Arbeitsverwaltung erfaßten sichtbaren
       (bzw.    überhaupt    erfaßbaren    Teile)    der    Reservearmee
       zusammenzustellen. Nur schwerlich sichtbar zu machen - dazu wären
       eigene Untersuchungen  notwendig - sind vor allem die  l a t e n-
       t e n   Formen der  Reservearmee. Ihr  sind z.B. Selbständige und
       Mithelfende  zuzurechnen,   die  angesichts  relativ  ungünstiger
       Möglichkeiten, die  Arbeitskraft zu  verkaufen, an  ihrer Kümmer-
       existenz festhalten.  Dazu zählen die Schüler, die die Zeit ihrer
       formalen Ausbildung  verlängern, ohne  daß sich  - nicht  zuletzt
       wegen  der   völlig  ungenügenden   materiellen  und  personellen
       Ausstattung der entsprechenden Bildungsgänge - ihr Bildungsniveau
       und ihre  Verkaufschancen  dadurch  merklich  verbessern.  Schwer
       abzuschätzen ist auch die Zahl derjenigen Jugendlichen, die unter
       dem Druck der Lehrstellenknappheit aussichtslose Berufe aufzuneh-
       men gezwungen sind. Die Hauptgruppe dieses Teils der Reservearmee
       stellen aber  die Un-  und Unterbeschäftigten in den Armenhäusern
       Europas,  weil  die  Abzugskanäle  ökonomisch  und  administrativ
       blockiert sind.
       In der  Statistik der Arbeitsverwaltung sichtbar werden lediglich
       Personen, die  in sogenannte  Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und in
       Vollzeitmaßnahmen der beruflichen Bildung und Umschulung einbezo-
       gen sind.  53) Häufig  handelt es sich dabei um längerfristig Ar-
       beitlose, die  auch nach  dem Abschluß  der  Arbeitsamtsmaßnahmen
       keinen Arbeitsplatz finden. Zu schätzen ist ferner der Umfang der
       sogenannten "Stillen  Reserve", bei  der es sich um Personen han-
       delt, die  nicht erwerbstätig  sind, sich  aber auch  nicht (oder
       nicht mehr)  als Arbeitlose  melden. 54)  Zu dieser  "Stillen Re-
       serve" zählen  vor allem  Frauen, die aus der Erwerbstätigkeit in
       die "Nur-Hausfrauentätigkeit"  zurückgedrängt wurden oder die ein
       Kind bekommen und während ihrer gesetzlichen Schwangerschaftszei-
       ten aus  der Arbeitslosenstatistik  gestrichen werden. Nach einer
       Abgangsstichprobe (gezählt  und beobachtet  wurden alle Personen,
       die  an   einem  bestimmten  Stichtag  aus  der  Arbeitslosigkeit
       "abgingen") des  IAB vom  September 1976  55) verteilten sich die
       "Abgangsquoten" nach verschiedenen Arten des Ausscheidens aus der
       Arbeitslosigkeit (in Prozent) wie folgt:
       
                             Beendigung der Arbeitslosigkeit durch
                 Arbeitsauf-  Krankheit  Aus- und   Rente Sonstige
                 nahme                   Weiterbil-       Gründe /
                                         dung, Um-        unbekannt
       Geschlecht                        schulung
       
       Männer      71,3         5,6         4,8      1,7    16,6 b)
       Frauen      61,6        12,5 a)      4,3      0,7    20,9 c)
       Insgesamt   67,5         8,3         4,6      1,3    18,3
       _____
       a) Neben "Kranken"  sind hier  auch Frauen gezählt, die ihren ge-
       setzlichen Schwangerschaftsurlaub antreten.
       b) vor allem  Ablauf der  Aufenthaltserlaubnis in der Bundesrepu-
       blik für Ausländer; Aufnahme des Zivil- und Wehrdienstes, Tod.
       c) vor allem "Aufnahme einer Hausfrauentätigkeit".
       
       Daß viele  Frauen, die  ihre Arbeitskraft aktuell nicht (bzw. nur
       zu für  sie unakzeptablen Bedingungen) verkaufen können, an einer
       neuen Erwerbstätigkeit  interessierr sind, zeigt eine andere IAB-
       Untersuchung: Nur  rund 17 Prozent der durch die Arbeitslosigkeit
       zu Nur-Hausfrauen  Gewordenen beabsichtigten  nicht, einen  neuen
       Arbeitsplatz zu suchen; dagegen erklärten 34 Prozent, daß sie das
       auf "jeden Fall" vorhaben. 56) Das deckt sich auch mit den Ergeb-
       nissen einer  Infratest-Untersuchung, nach  der jede dritte Frau,
       die nicht mehr arbeitslos gemeldet ist, weiter nach Arbeit sucht;
       ein weiteres  Drittel erklärt,  daß es  gerne wieder  berufstätig
       wäre. 57)
       Im Unterschied  zur registrierten  Arbeitslosenzahl, die  an  be-
       stimmten Stichtagen  gezählt wurde, wächst der erfaßbare Teil der
       latenten Reservearmee  ("Stille Reserve", Arbeitsbeschaffungsmaß-
       nahmen und  Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen) auch nach dem
       Krisentiefpunkt noch  weiter an.  So betrug  die Personenzahl  in
       1000:
       
       1973  1974  1975  1976  1977  1978
       260    329   652   737   750   801
       _____
       Quelle: Eigene Berechnung nach den Daten der Tabelle 14.
       
       Neben Kurzarbeitern  und vergleichsweise  kurzzeitig Arbeitslosen
       infolge von  Entlassungen zählen  zur  f l ü s s i g e n  F o r m
       der Reservearmee  auch die "Fluktuationsarbeitslosen", die selber
       kündigen, Auswanderer  58) usw. Auch von dieser Gruppe taucht ein
       erheblicher Teil  überhaupt nicht  in den  Arbeitsamtsstatistiken
       auf. Dabei handelt es sich vor allem um solche Personen, die sich
       selbst einen  neuen Arbeitsplatz suchen, ohne daß sie ihren alten
       vorher aufgeben. Diese Form der "freiwilligen" 59) Mobilität geht
       in Krisenperioden allerdings zurück.
       Eines der  Kennzeichen des  flüssigen Teils der Reservearmee sind
       die unterdurchschnittliche  Dauer der  Arbeitslosigkeit  und  die
       vergleichsweise reibungslose  Umsetzung in  neue Unternehmen  der
       gleichen Branche,  neue Branchen  und Berufe.  Dieses Merkmal der
       "kurzen Dauer  der Arbeitslosigkeit"  läßt sich  statistisch kaum
       von einem  Kennzeichen des  s t o c k e n d e n  Teils der Reser-
       vearmee trennen,  denn - sie bildet einen Teil der aktiven Arbei-
       terarmee mit  durchaus  unregelmäßiger  Beschäftigung"  60),  was
       durch die  Arbeitsamtsstatistik bestätigt  wird. Gerade unter den
       Problemgruppen der  Arbeitslosen ist die Mehrfacharbeitslosigkeit
       innerhalb eines  Jahres besonders ausgeprägt. Nach einer Untersu-
       chung des  IAB betrug  die Mehrfacharbeitslosigkeit  für alle Ar-
       beitslosen insgesamt  1,54 Arbeitslosigkeitsfälle  pro Person und
       Jahr. 61)  Das heißt,  wenn der  jährliche Zugang an Arbeitslosen
       drei Millionen  beträgt, dann  beträgt die  Zahl der  betroffenen
       Personen rund 2 Millionen.
       Die zusammengefaßten  Merkmale einer  Person, die innerhalb eines
       Jahres überdurchschnittlich häufig arbeitslos wird, sind: Auslän-
       discher Arbeiter,  ohne  Berufsausbildung,  mit  gesundheitlichen
       Einschränkungen, älter als 50 Jahre (vgl. Tabelle 15). Bei diesen
       Personengruppen handelt  es sich  zugleich um diejenigen, die den
       größten Teil der Dauerarbeitslosen stellen.
       Bekanntlich ist  die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit bedeutend
       größer als  die Bestandszahlen  ausweisen. So  gab es  im Jahres-
       durchschnitt 1973  lediglich 273  000  registrierte  Arbeitslose,
       aber rund  1,9  Millionen  Arbeitslosenmeldungen.  Hinter  dieser
       Fallzahl verbergen  sich wegen der beschriebenen Mehrfacharbeits-
       losigkeit aber  "nur" rund 1,2 Millionen Betroffene (vgl. Tabelle
       14).
       Für die  insgesamt von  Arbeitslosigkeit Betroffenen  und die Ar-
       beitslosenbestände ist  auch eine  unterschiedliche Zeitdauer der
       Arbeitslosigkeit charakteristisch.  Nach der IAB-Untersuchung vom
       September 1976  betrug die  Dauer der bisherigen Arbeitslosigkeit
       der Abgangsstichprobe  13,5 Wochen,  während der verbleibende Be-
       stand im  Durchschnitt bereits  31,7 Wochen  arbeitslos war (vgl.
       Tabelle 15).
       Mit dem  Verlauf des Zyklus verändert sich auch die Dauer der Ar-
       beitslosigkeit. Beim Arbeitslosenbestand folgt sie der konjunktu-
       rellen Entwicklung  deutlich phasenverzögert  (vgl.  Tabelle  16,
       Spalte 6).  Im Zusammenhang  mit der  Rezession 1966/67  wird die
       längste Durchschnittsdauer mit 7,58 Monaten im September 1968 er-
       reicht. 62)  Die Werte  im Gefolge der Krise 1974/75 liegen nicht
       nur wesentlich  höher -  (Mai 1978:  9,17 Monate, September 1978:
       8,55 Monate) -, sondern auch zeitlich viel weiter hinter dem Kri-
       sentiefpunkt. Das  verweist darauf,  daß der  Anteil der Dauerar-
       beitslosen nach  der jüngsten  Krise höher ist als nach der Krise
       1966/67 und  daß sich  der Ausleseprozeß  der Arbeitskräfte  auch
       nach dem Krisentiefpunkt weiter fortsetzt.
       Die durchschnittliche  vollendete Dauer  der Arbeitslosigkeit für
       alle, die  innerhalb eines  Jahres von Arbeitslosigkeit betroffen
       waren, entwickelte  sich nach  den IAB-Berechnungen  dagegen  wie
       folgt 63):
       
       Durchschnittlich vollendete Dauer der Arbeitslosigkeit in Monaten
       
       10/66- 10/67- 10/68- 10/69- 10/70-
        9/67   9/68   9/69   9/70   9/71
       
        1,66   2,17   1,99   1,52   1,32
       
       10/71- 10/72- 10/73- 10/74- 10/75-
        9/72   9/73   9/74   9/75   9/76
       
        1,59   1,71   1,88   2,79   3,66
       _____
       Quelle: Gramer und Egle, Dauer der Arbeitslosigkeit, S. 495.
       
       Auch bei  der vollendeten  Dauer der  Arbeitslosigkeit liegen die
       Werte im  Gefolge der  Krise  1966/67  wesentlich  niedriger  als
       1974/75, und  der Gipfelpunkt  lag näher  am Krisentiefpunkt  als
       1974/75. Diese  Daten legen die Vermutung nahe, daß innerhalb des
       flüssigen Teils  der Reservearmee  (der wohl am besten als Konti-
       nuum von  "leichtflüssig" bis  "zähflüssig" zu  begreifen ist) im
       Gefolge der jüngsten Krise und der durch sie angetriebenen Ratio-
       nalisierungswelle die "zähflüsssigen" Elemente stärker als in den
       sechziger Jahren vertreten sind.
       "Ein Teil der Erwerbstätigen, die arbeitslos werden, haben in be-
       zug auf  ihre Wiederbeschäftigung  keine größeren  Probleme. Etwa
       ein Drittel  aller Arbeitslosen findet innerhalb von drei Monaten
       wieder eine Beschäftigung und verschlechtert sich dabei im Durch-
       schnitt nicht." 64) Der angegebene Prozentsatz dürfte in etwa den
       leichtflüssigen Teil  der Reservearmee  unter den betroffenen Ar-
       beitslosen angeben,  wozu noch  die betroffenen  Kurzarbeiter  zu
       zählen sind. 65)
       Überlegungen zur  Dauer der Arbeitslosigkeit und der Struktur der
       industriellen Reservearmee sind in unserem Untersuchungszusammen-
       hang auch  deshalb wichtig,  weil sie  den objektiven Hintergrund
       für die Formen und das Ausmaß der materiellen Verluste andeuten .
       Aus diesem  Grund haben  wir auch  versucht, den  Umfang der ver-
       schiedenen Teile  der Reservearmee  abzuschätzen. Dabei ist klar,
       daß es  sich - schon wegen der Doppelzählungen (jemand kann z. B.
       im gleichen  Jahr Kurzarbeiter  und Arbeitsloser  sein) -  nur um
       eine Schätzung  handeln kann,  die lediglich Größenordnungen auf-
       zeigt. 66)
       
       
       Schätzung des  Umfangs und  der Struktur der industriellen Reser-
       vearmee 1973-1978 (Personen in 1000)
       
       Form der Reserve-
       armee                    1973   1974   1975   1976   1977   1978
       
       Latent                    260    330    650    740    750    800
       Leichtflüssig             450    890   1500    980    940    850
       Flüssig bis zähflüssig    680   1010   1180   1040   1060    970
       Stockend                  160    220    340    400    410    400
       Zusammen                 1550   2450   3670   3160   3160   3020
       1975 = 100                 42     67    100     86     86     82
       Zuwanderer a)             692    260    180    204    227      .
       Abwanderer a)             369    389    361    278    225      .
       Zusammen                  961    649    541    482    452      .
       Insgesamt b)             2510   3100   4210   3640   3610      .
       _____
       a) Erwerbspersonen.
       b) gerundet.
       Quelle: Eigene Berechnungen  nach den  Daten der Tabelle 14 (vgl.
       Anmerkung 66).
       
       Aus der  Übersicht wird deutlich, welche Scharen "disponibler Ar-
       beitskraft abhängig  von der  Bewegung des Kapitals" "in Bewegung
       gesetzt", "umgesetzt",  "freigesetzt" usw.  werden, -  so daß der
       Arbeitsmarkt bald  relativ untervoll  erscheint, weil das Kapital
       sich expandiert, bald wieder übervoll, weil es sich kontrahiert".
       67)
       Selbst wenn  die möglichen Doppelzählungen berücksichtigt werden,
       ergibt sich,  daß seit  1975 Jahr für Jahr aktive und potentielle
       Arbeitskraftanbieter in der Größenordnung von 3 Millionen Einzel-
       personen Einbußen  an Einkommen  und Konsum  hatten.  Schließlich
       zeigt sich, daß der Anstieg der Reservearmee in der jüngsten Kri-
       senperiode sehr  rasch erfolgte,  während  sich  der  Abbau  sehr
       schleppend vollzieht, wobei die über die Bundesgrenzen erfolgende
       Wanderungsbewegung eine ausgleichende Wirkung hat.
       Von der  stockenden Form  der Reservearmee  ist der  Übergang zur
       "Lazarusschicht der  Arbeiterklasse"  und  zum  Lumpenproletariat
       fließend. Spärliches Zahlenmaterial vom Ende der sechziger Jahre,
       Anfang der siebziger Jahre wurde in der Klassenstrukturstudie des
       IMSF veröffentlicht. 68) Wegen des Aufwands haben wir darauf ver-
       zichtet, die  Daten zu aktualisieren. Mit einiger Sicherheit kann
       man aber  davon ausgehen,  daß die folgende Beziehung auch in der
       Gegenwart gilt:  "Je größer endlich die Lazarusschicht der Arbei-
       terklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der of-
       fizielle Pauperismus. " 69)
       
       2. Einkommensverluste verschiedener Gruppen
       -------------------------------------------
       der industriellen Reservearmee
       ------------------------------
       
       Große Teile  der industriellen  Reservearmee  beziehen  zeitweise
       Einkommen nach verschiedenen Bestimmungen des "Arbeitsförderungs-
       gesetzes (AFG)".  Entweder  Arbeitslosengeld  (§  100  ff.)  oder
       Arbeitslosenhilfe (§  134 ff.),  zu  geringen  Teilen  und  unter
       bestimmten Bedingungen  auch  Unterhaltsgeld  bei  Maßnahmen  zur
       beruflichen Fortbildung  und Umschulung  (§ 44). Wachsende Bedeu-
       tung hat  die Sozialhilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG)
       erlangt, die  ein Dahinvegetieren deutlich unterhalb des sozialen
       Existenzminimums erlaubt.  Es hat  sich eingebürgert, die Sozial-
       hilfe als Maßstab für die absolute Armut zu gebrauchen. 70)
       Neben den  Arbeitseinkommensverlusten, die durch den Bezug dieser
       im  Vergleich  zum  vorherigen  Arbeitseinkommen  vergleichsweise
       niedrigen Leistungen  entstehen, spielt  außerdem  die  Differenz
       zwischen dem  Einkommen in der "alten" und der "neuen" Erwerbstä-
       tigkeit eine  Rolle: In  vielen Fällen  vermindern sich die Löhne
       und Gehälter.  "Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer arbeitslos
       ist, der  Arbeitsvermittlung zur  Verfügung  steht,  die  Anwart-
       schaftszeit erfüllt, sich beim Arbeitsamt gemeldet und Arbeitslo-
       sengeld beantragt  hat" (§100 AFG, Absatz 1). In diese Bestimmung
       sind also eine Reihe von Fallstricken eingebaut.
       
       Anteil der Leistungsberechtigten an den Arbeitslosen
       ----------------------------------------------------
       
       Die Hauptklippen  sind die  Erfüllung der  "Anwartschaft" und das
       "zur Verfügung"  Stellen der Arbeitskraft. Gerade das letzte Kri-
       terium ist  in den  letzten Jahren laufend in Richtung einer Ent-
       rechtung und "Verflüssigung" 71) der Arbeitslosen verschärft wor-
       den.
       Mindestvoraussetzung für  den Leistungsbezug  ist eine  beitrags-
       pflichtige Beschäftigung  in den  letzten drei Jahren vor der Ar-
       beitslosigkeit von  mindestens 6  Monaten (26 Wochen). Arbeitslo-
       sengeld wird  in diesem  Fall für  78 Tage  gewährt. Die  Staffel
       reicht bis zu einer vorangegangenen Arbeitszeit von 2 Jahren, die
       einen Anspruch  auf Arbeitslosengeld  für 312 Tage begründet. Ar-
       beitslosenhilfe wird  dagegen zeitlich  unbegrenzt gewährt,  wenn
       "Bedürftigkeit" besteht.
       Nicht empfangsberechtigt sind in aller Regel:
       - Bisher Nichterwerbstätige, die ihre Arbeitskraft verkaufen wol-
       len;
       - Ehemalige Mithelfende und Selbständige;
       - Teilzeitbeschäftigte, die eine so geringe Wochenstundenzahl ar-
       beiteten, daß sie nicht beitragspflichtig waren;
       - Abgänger aus dem Ausbildungssystem;
       - "Fluktuationsarbeitslose", die  innerhalb der ihnen auferlegten
       Sperrfrist einen neuen Arbeitsplatz finden;
       - Erwerbstätige, die  in den  letzten drei  Jahren weniger als 26
       Wochen gearbeitet haben.
       Letzteres kommt  nicht selten  vor, weil  die Nachfrage  nach Ar-
       beitskräften unmittelbar  vor dem  Kriseneinbruch besonders  groß
       ist, was zur Rekrutierung von schwer mobilisierbaren Arbeitskräf-
       ten führt  (Beispiel Hausfrauenschichten),  die dann beim Krisen-
       einbruch wieder auf die Straße gesetzt werden.
       Daneben ist  bei den  Bestandszahlen der Arbeitslosenstatistik zu
       berücksichtigen, daß  stets ein  nicht unbeträchtlicher  Teil der
       Arbeitslosen zwar  eine Leistung  beantragt hat,  aber noch keine
       Leistung bezieht.  Ende Mai  1977 ergab sich zum Beispiel für den
       Arbeitslosenbestand folgendes Bild 72):
       
       Leistungsart            Zahl der Fälle    Prozent
                                 (absolut)
       
       Ohne Leistung               147 262         15,6
       Leistung beantragt          222 596         23,5
       Bezug Arbeitslosengeld      439 172         45,5
       Bezug Arbeitslosenhilfe     146 172         15,4
       Insgesamt                   946 491        100,0
       
       Unter Berücksichtigung der abgelehnten Anträge auf Leistungen ge-
       langt Karr  zu dem  Ergebnis, daß  im Zeitraum September 1974 bis
       September 1977 der Anteil der Leistungsempfänger am Arbeitslosen-
       bestand zwischen  80 Prozent (September 1977) und 90 Prozent (Mai
       1975) gelegen  hat. 73) Wesentlich niedrigere Raten ergeben sich,
       wenn man  untersucht, wie hoch der Anteil der Leistungsberechtig-
       ten an  allen innerhalb eines Jahres von Arbeitslosigkeit Betrof-
       fenen ist.
       
       Anteil von  arbeitslosen Leistungsberechtigten an den Arbeitlosen
       insgesamt bei  allen in  einem Zeitraum  von Arbeitslosigkeit Be-
       troffenen in Prozent 74)
       
       1970  1971  1972  1973  1974  1975  1976  1977
       
        40    43    45    46    64    77    73    71
       
       Sowohl die  zeitlichen Unterschiede  des Anteils der Leistungsbe-
       rechtigten, die  auch beim  Bestand sichtbar wurden, als auch die
       Abweichungen zwischen  den  Bestandszahlen  und  den  Stromgrößen
       (alle von  Arbeitslosigkeit Betroffenen) sind darauf zurückzufüh-
       ren, daß  der Anteil  der aufgezählten  Kategorien von  Nichtlei-
       stungsberechtigten in  Phasen der  Hochkonjunktur und  unter  den
       Insgesamt-Betroffenen besonders hoch ist.
       Für den Fortgang der Untersuchung muß also berücksichtigt werden,
       daß stets nur ein Teil der Reservearmee Arbeitslosenunterstützung
       erhält, was  für den  größten Teil  ihrer latenten  Form  ohnehin
       gilt. Die  Nichtanspruchsberechtigten sind  entweder auf  Sozial-
       hilfe oder die Mildtätigkeit ihrer Verwandten angewiesen.
       
       Willkürliche Handhabung von Sperrfristen
       ----------------------------------------
       
       Eine weitere Kategorie von Arbeitslosen, die zumindest vorüberge-
       hend keine  Arbeitslosenunterstützung erhalten,  sind die,  denen
       eine Sperrfrist - in der Regel 4 Wochen 75) - auferlegt wird. An-
       laß dafür ist entweder die eigene Kündigung (§ 119, Absatz 1, Nr.
       1 AFG)  76), die Weigerung, eine sogenannte "zumutbare" Arbeit (§
       103 AFG)  anzunehmen, an  einer Umschulungsmaßnahme  teilzunehmen
       oder diese  abzubrechen (§  119, Absatz  1, Nr.  24 AFG). 77) Wer
       zwei Sperrzeiten bekommt, der verliert jeglichen Anspruch auf Ar-
       beitslosenunterstützung (§  119, Absatz 3 AFG). Allein von dieser
       Willkürmaßnahme waren 1977 fast 10000 Arbeitslose betroffen. 78)
       Alle diese  Maßnahmen bedeuten  für die  betroffenen Arbeitslosen
       eine erhebliche finanzielle Einbuße. Wie die Daten der Tabelle 17
       zeigen, ist  das Ausmaß dieser Disziplinierungs- und Einschüchte-
       rungsmaßnahmen auf der einen Seite, der Einsparungseffekt bei der
       Bundesanstalt für  Arbeit auf der anderen Seite nicht gering. Al-
       lein in  der Periode 1974-1977 wurden insgesamt 938 000 Sperrzei-
       ten verhängt.
       Geht man  davon aus,  daß ein  Arbeitsloser im Monatsdurchschnitt
       dieses Zeitraums  700 bis  800 Mark  erhielt, dann bedeuten diese
       Sperrfristen eine Ausgabenverminderung bei der Bundesanstalt zwi-
       schen 660 und 750 Millionen DM.
       Der Anteil  der Sperrzeiten, bezogen auf die Zahl der Anträge auf
       Arbeitslosengeld und  Arbeitslosenhilfe, steigt in Krisenperioden
       an. An  der jüngsten Entwicklung ist vom Standpunkt der Arbeiter-
       klasse besonders besorgniserregend, daß die Anteilswerte deutlich
       über denen  der Krise  1966/67 liegen,  wo jeweils  5,4  und  8,3
       Prozent erreicht  wurden.  Dagegen  betrugen  die  entsprechenden
       Sätze 1975  - 7,3 Prozent, 1976 - 8,6 Prozent, 1977 - 9,6 Prozent
       (vgl. Tabelle 17).
       Nach wie  vor machen  die Sperrfristen,  die  aufgrund  Ziffer  1
       (eigene Kündigung)  ausgesprochen werden,  den größten  Anteil an
       den Sperrfristen aus. Auch die Sperrfrist mit dieser Begründung -
       im Grunde  genommen handelt es sich um eine Verletzung der Eigen-
       tumsgarantie des  Grundgesetzes, weil  dem Eigentümer  die  freie
       Verfügbarkeit über  seine Ware  Arbeitskraft eingeschränkt wird -
       steigt in Krisenperioden deutlich an. Das dürfte darauf zurückzu-
       führen sein, daß
       - ein Teil  der Arbeiter  und Angestellten aus einem Betrieb aus-
       scheidet, bevor er pleite macht;
       - in Krisenperioden  die sogenannten Kündigungen "in beiderseiti-
       gem Einvernehmen" - häufig eine verschleierte Form der Erpressung
       durch den Unternehmer - zunehmen. Das gilt auch für die sogenann-
       ten "Abfindungskündigungen";
       - die Zahl der fristlosen Kündigungen zunimmt.
       Selbst wenn der Betriebsrat zum Beispiel der fristlosen Kündigung
       widersprochen hat,  wird der Arbeitslose in vielen Fällen mit ei-
       ner Sperrfrist  belegt. Der Beamte beim Arbeitsamt ist in der un-
       glücklichen Lage, sich hier als Richter aufspielen zu müssen. 79)
       Daß schon  bei der Anwendung dieser Bestimmung ein beträchtliches
       Maß an  Willkür möglich  ist -  zumal bei der Abwägung der Kündi-
       gungsgründe der Begriff der "zumutbaren Arbeit" eine Rolle spielt
       -, zeigt  eine IAB-Untersuchung.  Der Sperrzeitenanteil  wegen  §
       119, Absatz  1, Nr. 1 streut zwischen den Arbeitsamtsbezirken der
       Bundesrepublik beträchtlich. Den niedrigsten Anteilssatz (bezogen
       auf die  Arbeitslosenzugänge aus  Erwerbstätigkeit) hat  der  Ar-
       beitsamtsbezirk Traunstein  mit 3,9 Prozent, den höchsten der Ar-
       beitsamtsbezirk Helmstedt  mit 17,5  Prozent. 80) In die Willkür-
       richtung verweist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, das be-
       sagt, "daß Arbeitsämter, die häufig Sperrzeiten wegen Arbeitsauf-
       gabe verhängen,  tendenziell auch häufig Sperrzeiten wegen Ableh-
       nung einer  zumutbaren Arbeit verhängen, ohne daß zwischen beiden
       Größen  ein   unmittelbar  zwingender  Zusammenhang  zu  bestehen
       braucht". 81)
       Besonders beunruhigend  ist es,  daß der  Anteil der Sperrzeiten,
       die wegen Verweigerung einer "zumutbaren Arbeit" verhängt werden,
       laufend ansteigt.  Im Zeitraum  1974-1977 wurde insgesamt 200 000
       mal von  dieser Disziplinierungsmaßnahme  Gebrauch gemacht. Dabei
       wurden die  Zumutbarkeitskriterien laufend zuungunsten der Arbei-
       ter und Angestellten verschärft: Erstmals mit dem Haushaltsstruk-
       tur-Gesetz vom Dezember 1975, nach dem Arbeitslose auch gezwungen
       werden können  - falls sie nicht ihren Anspruch auf Arbeitslosen-
       unterstützung verlieren wollen ", ihre Arbeitskraft unterhalb ih-
       rer Qualifikation,  auf größere  Entfernung  als  bisher  und  zu
       schlechteren Bedingungen  zu verkaufen.  Die letzte  Verschärfung
       brachte die ebenfalls von einem sozialdemokratischen Arbeitsmini-
       ster vorgelegte  5. Novelle  zum AFG, die Genugtuung in den Wirt-
       schaftsredaktionen der  bürgerlichen Zeitungen hervorlockte: "Der
       Zwang zum Wochenendpendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, zum
       Wechsel von  einer Angestellten-  zu einer Arbeitertätigkeit oder
       die Aufnahme von Schicht- und Nachtarbeit wird nach dem 1. August
       nicht mehr  grundsätzlich eine Arbeitsvermittlung verhindern. Er-
       schwernisse dieser  Art gelten künftig nur noch dann als unzumut-
       bar für einen Arbeitslosen, wenn dessen persönliche und familiäre
       Verhältnisse mit solchen Vermittlungsbedingungen nicht zu verein-
       baren sind. " 82)
       Wie die  bereits zitierte  IAB-Untersuchung gezeigt  hat,  werden
       solche Gummibestimmungen mit einem beträchtlichen Ermessensspiel-
       raum in jedem Arbeitsamtsbezirk anders ausgelegt. Im Durchschnitt
       aller 140 Arbeitsamtsbezirke der Bundesrepublik sowie Westberlins
       beträgt die  Quote der  Sperrzeiten wegen Ziffer 2-4 (bezogen auf
       den Gesamtzugang  an Arbeitslosen  aus Erwerbstätigkeit) 2,7 Pro-
       zent. Am  niedrigsten liegt  der Arbeitsamtsbezirk  Ahlen mit 0,2
       Prozent, am höchsten Waiblingen mit 5,8 Prozent. 83)
       Nachdem die  Autoren der IAB-Untersuchung keine nennenswerten re-
       gionalspezifischen Faktoren als Ursache für die großen Streuungen
       ausmachen konnten,  formulieren sie  vorsichtig:  "A m t s s p e-
       z i f i s c h e  V e r h a l t e n s w e i s e n,  die zudem noch
       durch einen   E i n f l u ß   d e s   ü b e r g e o r d n e t e n
       L a n d e s a r b e i t s a m t e s   überlagert  werden,  können
       zumindest nicht ausgeschlossen werden." 84)
       Auf deutsch  heißt das,  daß hier  zum Teil willkürlich gehandelt
       wird und die Bestimmungen unterschiedlich "scharf" ausgelegt wer-
       den. Das  Problem müßte  von den Vertretern der Gewerkschaften in
       den Verwaltungsausschüssen  der Arbeitsämter  auf  allen  Ebenen,
       aber auch  gegenüber der  Bundesregierung angepackt  werden.  Zum
       einen, um  der weiteren  Entsolidarisierung zwischen  dem aktiven
       und dem  arbeitslosen Teil  der Lohnabhängigen  entgegenzuwirken,
       zum anderen im Hinblick auf die langfristigen Entwicklungstenden-
       zen des  Arbeitsmarktes in der Bundesrepublik. Angesichts der ho-
       hen Sockelarbeitslosigkeit , die sich bei der nächsten Krise ohne
       weiteres auf  einen Bestand  von 2  bis 3  Millionen Arbeitslosen
       aufstocken kann, ist nicht abzusehen, wie dann mit den arbeitslo-
       sen Kolleginnen  und Kollegen umgesprungen wird, wenn dieser Pra-
       xis nicht heute bereits Widerstand entgegengesetzt wird.
       
       Beträgt das Arbeitslosengeld 68 Prozent des Nettolohnes?
       --------------------------------------------------------
       
       Die im  § 11 des AFG vorgetragene Aussage - "Das Arbeitslosengeld
       beträgt 68  vom Hundert  des um  die gesetzlichen Abzüge, die bei
       Arbeitnehmern gewöhnlich  anfallen, verminderten Arbeitsentgelts"
       - ist  eine Behauptung,  der bereits im Gesetz laufend widerspro-
       chen wird.  Meistens  liegt  das  Arbeitslosengeld  unter  dieser
       Marke. Die Fakten:
       - Das Arbeitsentgelt  wird stets nur bis zur Leistungsbemessungs-
       grenze berücksichtigt,  die 1977 z.B. bei 3400 DM Bruttoeinkommen
       lag.
       - Unabhängig davon,  ob jemand in der Kirche ist oder nicht, wird
       bei der  Bemessung des  Arbeitslosengeldes auch die Kirchensteuer
       in Abzug gebracht (1977: 8 Prozent der Lohnsteuer). Das fällt be-
       sonders bei  ungünstigen Steuerklassen ins Gewicht und benachtei-
       ligt alle, die ohnehin keine Kirchensteuer bezahlen.
       - Arbeitsentgelt "ist  das im Bemesssungszeitraum in der Arbeits-
       stunde durchschnittlich erzielte Arbeitsentgelt, vervielfacht mit
       der Zahl  der  Arbeitsstunden,  die  sich  als  Durchschnitt  der
       t a r i f l i c h e n   r e g e l m ä ß i g e n    w ö c h e n t-
       l i c h e n    A r b e i t s z e i t...    im  Bemessungszeitraum
       ergibt (§  112 AFG, Absatz 2). Anders als beim Krankengeld werden
       Überstunden, falls  sie vor  der Arbeitslosigkeit  noch geleistet
       wurden (was  nicht selten  der Fall  ist), nicht  berücksichtigt;
       lediglich der  Überstundenzuschlag geht  in das "durchschnittlich
       erzielte Arbeitsentgelt" ein.
       - "Bemessungszeitraum" sind  die letzten  20 Arbeitstage  vor der
       Arbeitslosigkeit, was  ins Gewicht  fällt, wenn kurzfristig weder
       tarifvertraglich  noch  durch  Betriebsvereinbarungen  gesicherte
       "freiwillige" Lohnzuschläge abgebaut wurden, was häufig vorkommt.
       - Generell  bleiben  "einmalige  Zuwendungen...  außer  Betracht"
       (AFG, §  112, Absatz  2). Weihnachts- und Urlaubsgeld bleiben bei
       der Berechnung  des Arbeitslosengeldes  also ebenso unberücksich-
       tigt  wie   "freiwillige"  Bargeldzuwendungen   der   Unternehmen
       (Essensgeld, Zuschuß zu den Fahrtkosten usw.).
       Abgesehen von  diesen Einschränkungen  muß berücksichtigt werden,
       daß Arbeitslosengeld  und Arbeitslosenhilfe  nur mit  Verzögerung
       auf die  Veränderung des  Lohn- und  Gehaltsniveaus  des  aktiven
       Teils der Lohnabhängigen reagieren. Das für die Höhe des Arbeits-
       losengeldes maßgebende  Arbeitsentgelt wird  zwar um den Prozent-
       satz erhöht,  "um den die Renten der gesetzlichen Rentenversiche-
       rung zuletzt  angehoben worden  sind", aber ein Arbeitsloser, der
       das Arbeitslosengeld für die zulässige Höchstdauer von einem Jahr
       ohne Unterbrechung  bezieht, kommt "frühestens mit dem Beginn der
       anschließenden Zahlung von Arbeitslosenhilfe in den Genuß der an-
       gepaßten Leistung".  85) Aus  dieser Koppelungsbestimmung  ergibt
       sich übrigens,  daß gerade  die Dauerarbeitslosen  durch das  21.
       Rentenanpassungsgesetz, dessen 4-Prozent-Steigerungsbeträge deut-
       lich unterhalb  der Inflationsrate  liegen werden,  besonders be-
       nachteiligt sind.
       Die vorgetragenen  Einschränkungen gelten selbstverständlich auch
       für die  angeblichen 58 Prozent des Nettolohnes, den die Arbeits-
       losenhilfe betragen soll.
       
       Zu den durchschnittlichen Einkommensverlusten von Arbeitslosen
       --------------------------------------------------------------
       
       "Während beschäftigte  Arbeiter und  Angestellte im  Durchschnitt
       ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von etwa 2400 DM angeben,
       beträgt das Haushaltseinkommen der Arbeitslosen nach ihrer Angabe
       im Durchschnitt  etwa 1600  DM, das  der wiederbeschäftigten  Ar-
       beitslosen etwa  2200 DM.  Dementsprechend geben die Arbeitslosen
       eine   V e r r i n g e r u n g   d e s   H a u s h a l t s e i n-
       k o m m e n s   d u r c h  d i e  A r b e i t s l o s i g k e i t
       v o n   d u r c h s c h n i t t l i c h   6 0 0  D M,  a n."  86)
       Diese Aussage  , die  sich auf die Einkommensverhältnisse 1976/77
       bezieht, deckt  sich in etwa mit den Ergebnissen der IAB-Untersu-
       chung, die Einkommensverhältnisse im Zeitraum 1974/75 berücksich-
       tigt. Der  von den  Befragten angegebene  Einkommensverlust durch
       die Arbeitslosigkeit  beträgt im  Durchschnitt 520  DM pro Monat.
       Die Aufgliederung  nach Nettoeinkommensklassen  zeigt im übrigen,
       daß schon in der Einkommensklasse 800 bis unter 1000 DM netto die
       68-Prozent-Grenze  des  Einkommens  aus  Erwerbstätigkeit  unter-
       schritten wird. 87)
       In der  Größenordnung ähnliche Einkommensverluste stellt auch Ca-
       rola Möller  in ihrer  Untersuchung fest: "Die individuellen Ein-
       kommensverluste durch  Arbeitslosigkeit betragen  bei den Männern
       durchschnittlich 510  DM im  Monat (=  40%), bei den Frauen, auf-
       grund des  insgesamt um 25% niedrigeren Einkommensniveaus, 350 DM
       je Monat." 88)
       Insgesamt ergibt sich also, daß schon die durchschnittlichen Ein-
       kommensverluste beträchtlich  sind. Die dargestellten Einkommens-
       verluste reichen aus, daß große Teile der Arbeiter und Angestell-
       ten bereits  beim Bezug  von Arbeitslosengeld  unter die  Armuts-
       schwelle, den Sozialhilfesatz, abrutschen. 89) So
       "- der weitaus größte Teil der Arbeitslosen mit Kindern,
       - nahezu alle alleinstehenden Frauen mit Kindern,
       - nahezu alle  alleinverdienenden,  verheirateten  Arbeiter  ohne
       Kinder,
       - ein großer  Teil der  alleinverdienenden,  verheirateten  Ange-
       stellten ohne Kinder,
       - ein großer Teil der alleinstehenden Frauen." 90)
       Nach dieser  Untersuchung des  Sozialministeriums von  Rheinland-
       Pfalz sind in der Regel nur zwei Gruppen von Arbeitslosen von ei-
       nem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle verschont: unverheira-
       tete Männer ohne Kinder, kleine Familien mit zwei Erwerbstätigen.
       91)
       In der  Brinkmann-Untersuchung finden  sich auch  Belege für  die
       Einkommensverluste , die beim Wiedereintritt in die Erwerbstätig-
       keit von  den Arbeitslosen  hingenommen werden müssen. Wir hatten
       bereits gezeigt,  daß die  SPD-geführte Bundesregierung durch das
       Haushaltsstrukturgesetz und  die 5 . Novelle zum AFG einen bedeu-
       tenden Beitrag  dazu geleistet  hat, daß  immer mehr  Arbeitslose
       durch Druck dazu gezwungen werden können, schlechter bezahlte Ar-
       beitsplätze anzunehmen.
       
       Einkommensunterschied zwischen  dem Arbeitsplatz vor der Arbeits-
       losigkeit und dem nach der Arbeitslosigkeit ·
       
       Monatliches Nettoeinkommen   Veränderung in der neuen
       vor der Arbeitslosigkeit     Erwerbstätigkeit in DM
       
       unter 800 DM                         +140 DM
        800 bis unter 1000 DM                +60 DM
       1000 bis unter 1200 DM                +20 DM
       1200 bis unter 1400 DM               -100 DM
       1400 bis unter 1600 DM               -190 DM
       1600 bis unter 2000 DM               -320 DM
       2000 DM und mehr                     -490 DM
       Zusammen                             -100 DM
       _____
       Quelle: Brinkmann, Mobilität, S. 216.
       
       Vor allem  bei den Einkommenszuwächsen in den unteren Lohngruppen
       ist zu  berücksichtigen ,  daß mindestens  eine, in vielen Fällen
       sogar zwei Lohnrunden zwischen der alten Erwerbstätigkeit vor der
       Arbeitslosigkeit und  der  Befragung  lagen  und  daß  1975  eine
       Steuerentlastung für  die unteren  Lohn- und  Gehaltsgruppen ein-
       trat.
       
       Einkommensverluste des latenten und flüssigen Teils
       ---------------------------------------------------
       der Reservearmee - Verlust durch Kurzarbeit
       -------------------------------------------
       
       Die latenten  Teile der Reservearmee haben entweder ihre Arbeits-
       kraft noch nicht verkauft oder vor ihrem erzwungenen Abwandern in
       die Stille Reserve über längere oder kürzere Zeit Arbeitslosenun-
       terstützung bezogen.  Weil es sich dabei in vielen Fällen um ver-
       heiratete Frauen  handelt, entfällt hier häufig die Arbeitslosen-
       hilfe, wenn der Anspruch auf Arbeitslosengeld aufgebraucht ist.
       Umschüler erhalten  angeblich 80  Prozent ihres  vorhergegangenen
       Nettolohnes. Hier  gelten die  gleichen Einschränkungen,  wie wir
       sie für  die fiktive  68-Prozent-Quote entwickelt  haben.  Häufig
       handelt es  sich bei  dieser Gruppe  um Personen, die vor der Um-
       schulungsmaßnahme schon  längere Zeit  arbeitslos waren  und  zur
       stockenden Form der Reservearmee zählten.
       Längere Arbeitslosigkeit  (meistens 1  Jahr) trifft  auch für die
       Beschäftigten in  "Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen" zu. Sie erhal-
       ten zwar für ein halbes Jahr (häufig werden die Verträge aber auf
       1 Jahr  verlängert) vollen  Lohn, der aber nicht selten niedriger
       als in  der alten  Erwerbstätigkeit ist. Bekanntlich werden diese
       Löhne aus  den Arbeitslosenbeiträgen bis zu 90 Prozent an 92) die
       öffentlichen und privaten Unternehmer erstattet. Häufig wird ver-
       sucht, diese  Gruppe von  Beschäftigten durch  raffiniert gelegte
       Eintritts- und Austrittstermine um Weihnachts- und Urlaubsgeld zu
       prellen.
       Für das  Kontinuum des  flüssigen Teils  der Reservearmee  -  von
       leichtflüssig bis  zähflüssig - gilt: um so länger arbeitslos, um
       so größer die Einkommensverluste während der Arbeitslosigkeit, um
       so größer  die negative  Einkommensdifferenz zwischen  alter  und
       neuer Erwerbstätigkeit.
       Wir hatten bereits gezeigt, daß auch der flüssige Teil der Reser-
       vearmee mit  seinem Arbeitsloseneinkommen  unter  die  Sozialhil-
       feschwelle gedrängt  werden kann.  Allerdings wissen  die meisten
       Arbeitslosen nicht,  daß sie  Ansprüche  auf  Sozialhilfe  haben.
       E i n e   v o n   u n s   d u r c h g e f ü h r t e    B l i t z-
       u m f r a g e   u n t e r  A r b e i t s ä m t e r n  i n  S ü d-
       h e s s e n   e r g a b,  d a ß  i n  k e i n e m  F a l l  d i e
       A r b e i t s l o s e n     d a r a u f     h i n g e w i e s e n
       w e r d e n,   d a ß,   w i e    u n d    w o    s i e    i h r e
       R e c h t s a n s p r ü c h e  g e l t e n d  m a c h e n  k ö n-
       n e n.   Das widerspricht  eindeutig dem Geist und Buchstaben des
       Bundessozialhilfegesetzes.  Aus   den  Berechnungsunterlagen  des
       Arbeitsamtes  geht   in  aller   Regel  hervor,  ob  jemand  noch
       zusätzlichen Anspruch  auf Sozialhilfe hat. Hier ergibt sich u.E.
       ein wichtiger Ansatzpunkt gewerkschaftlicher Interessenvertretung
       zur Sicherung der elementarsten Existenzbedingungen der von Krise
       und Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Teile der Klasse. 93)
       Wir haben  gezeigt, daß  die   K u r z a r b e i t e r  einen we-
       sentlichen Teil der (leicht-)flüssigen Form der Reservearmee aus-
       machen. Bei ihren Einkommensverlusten ist zu berücksichtigen, daß
       vor dem  Eintritt der  Kurzarbeit in  aller Regel durch den Abbau
       von Überstunden,  unabgesicherten Lohnzulagen  usw.  bereits  die
       Effektiwerdienste gesunken sind. Arbeitsausfall und die Dauer der
       Kurzarbeit sind über die Jahre hinweg recht unterschiedlich (vgl.
       Tabelle 18)  und damit auch das Ausmaß der finanziellen Belastun-
       gen. Im  Januar 1979  fiel bei 15,6 Prozent der Kurzarbeiter mehr
       als 50  Prozent der  Arbeitszeit aus, und 15,6 Prozent arbeiteten
       schon mehr als 6 Monate kurz. Die Übereinstimmung der beiden Pro-
       zentzahlen ist  zufällig, verweist  aber darauf,  daß lange Dauer
       der Kurzarbeit  und großer  Ausfall von Arbeitsstunden häufig zu-
       sammentreffen dürften.
       In einer IAB-Untersuchung wurden für das Jahr 1977 die finanziel-
       len Wirkungen  und Kosten  der  Kurzarbeit  untersucht.  Für  die
       231 000 Kurzarbeiter  dieses Jahres (bei 555 000 Fällen von Kurz-
       arbeit) ergab  sich dabei  folgendes  zusammengefaßtes  Ergebnis:
       "Die Arbeitnehmer haben während der Ausfallzeit einen Einkommens-
       ausfall, da ihnen durch das Kurzarbeitergeld nur 68% des potenti-
       ellen Nettolohnes (ohne Berücksichtigung von Überstunden) ersetzt
       werden. Dieser Prozentsatz erhöht sich jedoch durch Steuererspar-
       nisse und je nach dem Ausmaß der Arbeitszeitverkürzung auf bis zu
       99%. Der  insgesamt entstandene  Einkommensausfall beziffert sich
       für 1977 auf 130 Mio. DM." 94)
       Abgesehen davon,  daß die  Steuerersparnis zum Teil erst im Lohn-
       steuerjahresausgleich geltend  gemacht werden kann, sind auch die
       errechneten 130  Millionen DM  noch eine beträchtliche Belastung.
       Teilt man  diese Summe  durch die  231000 Kurzarbeiter des Jahres
       1977, dann ergibt sich ein Einkommensausfall von durchschnittlich
       563 DM.  Für viele  Kurzarbeiter dürfte  damit zumindest  die Ur-
       laubsreise - falls sie überhaupt möglich war - ausfallen.
       
       Einkommen des stockenden Teils der Reservearmee -
       -------------------------------------------------
       Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe
       ---------------------------------
       
       "Wesentlich in  der Entwicklung der Lebenslage der Lohnabhängigen
       ist auf  der einen Seite das weitgehende Verschwinden der absolu-
       ten Armut."  95) Die  Fakten stimmen  zumindest seit der jüngsten
       Krise nicht mit dieser Aussage überein. Dabei ist selbstverständ-
       lich, daß  "absolute Armut"  am Ende  der siebziger Jahre des 20.
       Jahrhunderts anders  zu definieren  ist als  für die schlesischen
       Weber Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts.
       Daß im Gefolge der jüngsten Krise auch die absolute Verarmung zu-
       genommen hat, belegt zum einen das Ansteigen des stockenden Teils
       der Reservearmee, der nach unseren Schätzungen von 160 000 (1973)
       auf 400 000 Personen 1977 angestiegen ist. Das geht außerdem dar-
       aus hervor,  daß die Zahl der Haushaltsvorstände unter 60 Jahren,
       die im  Rahmen der Sozialhilfe  l a u f e n d e  H i l f e  z u m
       L e b e n s u n t e r h a l t   empfangen, von  195 000 im  Jahre
       1970 über  241 000 (1973)  auf 466 000  im Jahre 1977 angestiegen
       ist (vgl. Tabelle 19 im Anhang). Die empfangenen Durchschnittsbe-
       träge zeigen  freilich, daß  viele dieser  Haushaltsvorstände nur
       zeitweilig Sozialhilfe  bezogen haben.  Auf der anderen Seite ist
       zu berücksichtigen,  daß viele  potentielle  Sozialhilfeempfänger
       diese aus Unkenntnis und Scham nicht in Anspruch nehmen. 96) Nach
       der Studie  des Rheinland-Pfälzischen  Sozialministeriums  ergibt
       sich, daß  Empfänger von  Arbeitslosenhilfe - meistens handelt es
       sich dabei  um Angehörige des stockenden Teils der Reservearmee -
       fast immer  unter den  Regelsätzen der Sozialhilfe liegen. Zusam-
       menfassend ergibt  sich: "Die  Zahl der Haushalte (allein von Ar-
       beitslosen, d.  Verf.) mit  einem verfügbaren Einkommen unter der
       Sozialhilfeschwelle dürfte  etwa bei 500 000 liegen. Die zahlrei-
       chen Unsicherheitsfaktoren  lassen es allerdings geraten erschei-
       nen, sich  nicht auf  eine feste  Zahl festzulegen. Man kann aber
       nach den  oben gewonnenen Erkenntnissen mit großer Sicherheit da-
       von ausgehen, daß zwischen 300 000 bis 700 000 Haushalte ein ver-
       fügbares Einkommen unterhalb der Armutsgrenze haben. Die Zahl der
       betroffenen Personen  dürfte fast dreimal so hoch sein." 97) Rund
       900 000 bis 2,1 Millionen Personen sind also zumindest zeitweilig
       in die  Lazarusschicht der Arbeiterklasse abgesunken. Daß es sich
       bei der  Sozialhilfe tatsächlich  um eine absolute Armutsschwelle
       handelt, zeigen  die Höhe der sogenannten Regelsätze und die Aus-
       gestaltung des Warenkorbes, der ihnen zugrunde liegt.
       Dem Anspruch  nach ist  es die Aufgabe der Sozialhilfe, "dem Emp-
       fänger der Hilfe die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der
       Würde des  Menschen entspricht"  (§ 1, Absatz 2 BSGH). Angesichts
       der geltenden  Regelsätze 98)  und der  teilweise von  den Ämtern
       geübten Praxis ist das blanker Hohn.
       Die Regelsätze  für die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt betra-
       gen z.B. in Hessen zur Zeit (letztmalig erfolgte eine Anhebung im
       September 1978 um ganze 1,7 Prozent):
       - Haushaltsvorstand oder Alleinstehende                 297,-
       - Haushaltsangehörige im Alter von 21 und mehr Jahren · 238,-
       - Haushaltsangehörige im Alter von 15"20jahren          267,-
       - Haushaltsangehörige im Alter von 11"l4Jahren          223,-
       - Haushaltsangehörige im Alter von 7"lOjahren           193,-
       - Haushaltsangehörige unter 7 Jahren                    134,-
       Dazu kommen  die Mietausgaben  in tatsächlicher Höhe (einschließ-
       lich Umlagen, abzüglich Wohngeld).
       Diese Regelsätze  sollen für die laufenden Ausgaben des Haushalts
       ausreichen. Anschaffungen  von Hausrat,  Kleidung,  Schuhen  usw.
       müssen jeweils  einzeln beantragt  werden, wobei  sich unter  dem
       Druck der  kommunalen Finanzmisere  - Sozialhilfe  muß fast  aus-
       schließlich von  der kommunalen  Ebene aufgebracht  werden -  die
       Praxis eingebürgert hat, die Sozialhilfeempfänger selbst um ihnen
       gesetzlich zustehende Leistungen zu prellen. 99)
       Wozu diese Regelsätze ausreichen, zeigt der Warenkorb, der letzt-
       malig 1970verändert  wurde und  den der  "Deutsche Verein für öf-
       fentliche und private Fürsorge" aufgestellt hat:
       An  Grundnahrungsmitteln  stehen  dem  Erwachsenen  täglich  vier
       Scheiben Graubrot,  14 g Nudeln oder Reis und zwei Kartoffeln zur
       Verfügung. Wenn er, wie vorgesehen, jeweils zur Hälfte Butter und
       Margarine verwendet,  stehen ihm  pro Woche  wechselweise 25 g (1
       kleiner Becher) zu. Als Brotauflage kann er täglich zwei bis drei
       Scheiben Wurst  und eine Scheibe Schnittkäse verwenden. Für jeden
       zweiten Tag  sieht der  Speiseplan ein  Ei vor.  Der Gebrauch von
       Marmelade kommt nur in geringem Umfang in Frage, da ein Glas (450
       g) rund drei Monate ausreichen muß. Bei den "Hauptmahlzeiten" muß
       sich der  Sozialhilfeempfänger noch  stärker einschränken. Nur an
       zwei Tagen  der Woche  reicht es  zu einem Fleisch- oder Fischge-
       richt. Immerhin  kann er  täglich ein kleines Döschen Gemüse (150
       g) oder  eine entsprechende  Menge Salat verbrauchen. Schließlich
       soll ihm der Regelsatz jeden zweiten Tag den Verzehr einer Apfel-
       sine oder einer anderen Südfrucht und jeden dritten Tag den eines
       Apfels gestatten.  An Getränken  muß sich der Hilfeempfänger täg-
       lich etwa  mit zwei  Tassen Kaffee und einem Glas Milch begnügen.
       Die Einrechnung  von Süßigkeiten  besitzt fast  nur  symbolischen
       Wert. Demnach  kann eine  erwachsene Person etwa alle zwei Wochen
       einen kleinen  Becher Joghurt  und alle  vier Wochen  eine  Tafel
       Schokolade  einplanen.   Um  diese   Speisen  zuzubereiten,  wird
       tatsächlich nur  wenig elektrische Energie benötigt. Es erscheint
       jedoch zweifelhaft,  ob die  angesetzte Menge  (526 Watt täglich)
       überhaupt reicht,  um die dafür erforderliche Kochfeuerung zu er-
       halten.  Der   Betrieb  anderer  lebensnotwendiger  Elektrogeräte
       (Kühlschrank, Radio,  Glühlampen) überschreitet  diesen Betrag in
       jedem Fall.
       Selbst dieser kümmerliche Warenkorb ist nach den Berechnungen und
       Erhebungen  der  "Landesarbeitsgemeinschaft  Soziale  Brennpunkte
       Hessen" selbst  bei billigstem  Einkauf in Supermärkten und Kauf-
       häusern nicht für den Regelsatz von 297 DM zu bekommen. Notwendig
       wären dafür  358,89 DM. 100) Insofern kann kein Zweifel bestehen:
       Wer zum  Bezug von  laufender Hilfe  zum Lebensunterhalt verdammt
       ist, ist  a b s o l u t  a r m.
       
       Arbeitslos und mit 60 Jahren verrentet
       --------------------------------------
       
       Bei diesem Teil der stockenden Form der Reservearmee muß zunächst
       berücksichtigt werden, daß der Verrentung in der Regel längerdau-
       ernde Arbeitslosigkeit  und der  Bezug von  Arbeitslosengeld  und
       -hilfe (u.U.  auch Sozialhilfe) vorausgegangen sind. Ehemals vor-
       handene Ersparnisse sind in vielen Fällen aufgebraucht.
       Aus den Daten der Tabelle 14 geht hervor, daß inzwischen Jahr für
       Jahr zwischen 20000-30000 Arbeitslose auf diese Weise abgeschoben
       werden. Die  Bestandszahlen dieser  Art von Rentenbeziehern haben
       sich entsprechend  "stürmisch" entwickelt:  1970 gab  es  130000,
       1977 bereits 222 000 Personen. 101)
       Neben den Einkommensverlusten infolge der Arbeitslosigkeit ist zu
       berücksichtigen, was  die vorzeitige  Verrentung an Verlusten bei
       der Rente  bringt. Dazu  eine Modellrechnung.  Die Formel für die
       Berechnung der Rente berücksichtigt 102):
       - Die  a l l g e m e i n e  B e m e s s u n g s g r u n d l a g e
       (aB) des Jahres, in dem der Versicherungsfall eingetreten ist;
       - den Prozentsatz,  den der  Versicherte im  Durchschnitt  seiner
       Versicherungsjahre mit  seinem Bruttoarbeitsentgelt im Verhältnis
       zum Durchschnittsentgelt  aller Versicherten erzielt hat. Das ist
       die  p e r s ö n l i c h e  B e m e s s u n g s g r u n d l a g e
       (P);
       - Die  V e r s i c h e r u n g s d a u e r  (Vd);
       - Den  S t e i g e r u n g s s a t z  je Versicherungsjahr (St).
       Die Formel  für die  Jahresrente lautet: (PxaB) x (VdxSt). Danach
       ergibt sich  zum Beispiel für einen Arbeiter, der im Durchschnitt
       seiner 40  Versicherungsjahre 120 Prozent der allgemeinen Berech-
       nungsgrundlage verdient  hat, beim  Stand der  allgemeinen Bemes-
       sungsgrundlage von 18 337 DM und dem gültigen Steigerungssatz von
       1,5 Prozent  eine   J a h r e s r e n t e   i n   H ö h e   v o n
       1 3 2 0 2, 6 4   D M.   103) Nimmt man an, daß diese 40 Versiche-
       rungsjahre einem  Rentenalter von  63 Jahren  entsprochen  haben,
       dann bekäme  der gleiche  Mann bei einer Verrentung mit 60 Jahren
       (also nach  nur 37  Versicherungsjähren)  lediglich  eine  J a h-
       r e s r e n t e   i n  H ö h e  v o n  1 2 2 1 2, 4 4  D M.  104)
       Der jährliche  Rentenverlust beträgt  also 990,20 DM. Hätten sich
       die 40  Versicherungsjahre auf  das Rentenalter 65 Jahre bezogen,
       dann würde  die Jahresrente  (nach 3 5 Versicherungsjahren) sogar
       nur 11 552,31  DM, der  jährliche Rentenverlust  also 1650,33  DM
       betragen.
       Die Verluste  sind also im Einzelfall nicht unbeträchtlich, diese
       Form der  Bereinigung der Arbeitslosenstatistiken und ihre Anwen-
       dung in Sozialplänen nicht unproblematisch.
       
       3. Auswirkungen der finanziellen Belastungen -
       ----------------------------------------------
       Einschränkungen der individuellen Konsumtion
       --------------------------------------------
       
       Die Zahl  der zu  diesem Problem  vorliegenden Untersuchungen ist
       gering. Auch hier liefert die bereits häufig zitierte Repräsenta-
       tivbefragung von Brinkmann wichtiges Material. Nach dieser Unter-
       suchung gaben  lediglich 18,2  Prozent aller befragten Arbeitslo-
       sen, die  älter als  20 Jahre  waren, an, daß sie im Zusammenhang
       mit der  Arbeitslosigkeit kaum  finanzielle Belastungen  verspürt
       hätten. Dagegen antworteten...... Prozent der Befragten,
       sie hätten 105):
       
       Persönliche Ausgaben eingeschränkt          73,4
       Anschaffungen zurückgestellt                53,0
       Ersparnisse ganz oder teilweise verbraucht  43,6
       Schulden gemacht, Kredite aufgenommen       14,8
       Schwierigkeiten mit Ratenzahlungen gehabt   14,0
       Schwierigkeiten mit Sparverträgen gehabt    13,1
       Schwierigkeiten mit Versicherungszahlungen  11,0
       Mit der Miete in Verzug gekommen             9,1
       Sonstige finanzielle Probleme                7,9
       Zusammen (Mehrfachnennungen)               239,9
       
       Bereits diese  Durchschnittszahlen zeigen,  daß  die  materiellen
       Einbußen in der Regel so groß sind, daß sie in drei Viertel aller
       Fälle zu  spürbaren Einschränkungen  der Konsumtion  zwingen. Die
       Tatsche, daß fast 44 Prozent angaben, Ersparnisse ganz oder teil-
       weise verbraucht  zu haben  (die Spanne reicht hier von 14,4 Pro-
       zent bei  Frauen, die  an erneuter Arbeitsaufnahme nicht interes-
       siert sind,  bis  zu  57  Prozent  bei  Angestellten  in  gehobe-
       ner/leitender Stellung)  -, verweist  darauf, daß  sich in vielen
       Fällen die "Manövrierfähigkeit" der Haushalte bei zukünftiger er-
       neuter Arbeitslosigkeit wesentlich verringert hat. Aus der Unter-
       suchung von Carola Möller geht ohnehin hervor, daß 17 Prozent al-
       ler Arbeitslosenhaushalte  überhaupt keinen Sparfonds haben. 106)
       Besonderes Augenmerk verdienen die Fälle, in denen kontinuierlich
       anstehende Ausgaben  nicht mehr  geleistet werden können. Wer mit
       der Miete  in Verzug  kommt, dem  droht häufig eine Räumungsklage
       und der Abstieg in die Obdachlosigkeit. Die Zahl dieser Fälle ist
       in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. 107)
       Pro befragten  Arbeitslosen trafen  im Durchschnitt 2,4 Fälle der
       benannten 9  Indikatoren finanzieller Belastung zu. Auch bei die-
       sem Merkmal  ist die  Streuung zwischen verschiedenen Gruppen von
       Arbeitslosen hoch,  wie die  folgende Übersicht zeigt. Sie reicht
       von l  ,8 bei den Frauen, die nach der Arbeitslosigkeit ins Haus-
       haltsdasein wechseln  mußten, bis  zu 3,3 bei den Männern, die 18
       Monate und mehr arbeitslos waren.
       In der Zusammenstellung tritt das unterschiedliche Ausmaß der fi-
       nanziellen Betroffenheit  verschiedener Formen  der industriellen
       Reservearmee deutlich  hervor. Sichtbar  wird u.a., daß für große
       Teile der stockenden Form der Reservearmee der Übergang zur Laza-
       russchicht der Arbeiterklasse vorgezeichnet ist. Rund ein Fünftel
       ist mit  den Mietzahlungen in Verzug geraten. Gerade diese Gruppe
       muß aber  bei neuer  Erwerbstätigkeit überdurchschnittlich häufig
       Einkommenseinbußen hinnehmen  und ist  ständig in  Gefahr, erneut
       arbeitslos zu werden. 108)
       
       Ausgewählte Merkmale  finanzieller Belastungen für einzelne Grup-
       pen verschiedener Formen der industriellen Reservearmee
       
       Gruppen/Formen der     Anteil an  durch-   In Schwierig- kaum
       industriellen Reserve- allen Ar-  schnitt- keiten gera-  Schwie-
       armee                  beitslo-   liche    ten mit c)    rigkei-
                              sen        Zahl der Raten- Mieten ten
                              in % a)    Belast.  zah.
                                         b)
       "Latent"
       Abgang aus der Arbeits-
       losigkeit in
       "Umschulung"              4,0        2,6      10     10     21
       ins Hausfrauendasein     11,9        1,8       8      3     30
       "Leichtflüssig"
       Dauer der Arbeitslosig-
       keit bis zum Aus-
       scheiden (Männer und
       Frauen)
       bis unter 1 Monat c)      2,6        1,9      12      3     30
       1 bis unter 3 Monate c)   9,4        2,1      12      8     25
       bis unter 3 Monate
       (nur Männer)... f)        6,2        2,2      14      9     22
       Flüssig-Zähflüssig
       Durchschnitt aller
       Arbeitslosen            100          2,4      14      9     18
       "Stockend"
       erneut arbeitslos         7,5        3,0      24     20     10
       12 - 18 Monate
       arbeitslos f)            10,4        3,1      23     17      9
       18 und mehr Monate
       arbeitslos f)             8,1        3,3      28     22     11
       _____
       a) Alle Arbeitslosen,  die an  der Befragung teilnahmen, b) von 9
       Belastungsarten, c)  Prozentanteil an allen Arbeitslosen der ent-
       sprechenden Gruppe,  d) "kaum  finanzielle Schwierigkeiten". Pro-
       zentanteil an  allen Arbeitslosen  der entsprechenden  Gruppe, e)
       alle befragten  Arbeitslosen, unabhängig  vom Geschlecht  und der
       Art ihrer  Tätigkeit bzw. Nichttätigkeit zum Zeitpunkt der Befra-
       gung, f) nur Männer, die zum Zeitpunkt der Befragung entweder er-
       werbstätig oder  arbeitslos waren.  Quelle: Zusammengestellt nach
       Brinkmann, Belastungen, S. 400 (teilweise eigene Berechnungen).
       
       Die Daten  zeigen aber  auch, daß finanzielle Schwierigkeiten und
       Anzeichen von  Armut nicht  nur in der Gruppe der stockenden Form
       der Reservearmee  zu finden sind. Wie die Untersuchung von Carola
       Möller zeigt,  spielt dabei  vor allem  die  Haushaltsgröße  eine
       Rolle. Haushalte  mit vielen  Kindern - häufig kann dann die Frau
       keine Arbeit  aufnehmen -  sinken auch  bei kurzer  Dauer der Ar-
       beitslosigkeit in vielen Fällen unter die "Armutsgrenze". Die um-
       fassendste Untersuchung  zum Problem - die Ergebnisse stimmen zum
       Teil mit  der Brinkmann-Untersuchung  recht gut überein - hat Ca-
       rola Möller  vom "Institut  zur Erforschung  sozialer Chancen" in
       Köln vorgelegt. 109) Auf die an Arbeitslose gerichtete Frage: "In
       jedem Haushalt  gibt es  andere Möglichkeiten  zu sparen oder das
       Haushaltseinkommen aufzubessern.  Ich lese Ihnen hier einige Mög-
       lichkeiten vor  und bitte  Sie, mir anzugeben, ob Sie davon jetzt
       in der  Arbeitslosigkeit Gebrauch  machen, oder  ob das  für  Sie
       nicht zutrifft" antworteten in Prozent 110):
       
       - preisbewußter einkaufen, weniger teure Lebensmittel
         einkaufen                                               75
       - geplante Anschaffungen zurückstellen                    67
       - weniger Kleidung kaufen                                 62
       - Dinge wieder selbst machen (nähen, Reparaturen)         58
       - auf Urlaubsreise verzichten                             53
       - weniger ausgehen, weniger Ausflüge am Wochenende        51
       - entsparen                                               33
       - Nebentätigkeit außer Haus aufnehmen                     23
       - Kredit aufnehmen                                        18
       - Auto verkaufen                                          13
       - Heimarbeit übernommen                                   12
       - andere aus dem Haushalt arbeiten jetzt mehr -           11
       - andere aus dem Haushalt haben Arbeit aufgenommen        10
       - Wohnung gewechselt                                       3
       Zusammen (Mehrfachnennungen)                             489
       
       Zu den  Mehrfachnennungen, die  vor allem unter den Sparmaßnahmen
       auftreten, wird  ergänzend bemerkt:  "Wer geplante  Anschaffungen
       zurückstellt, der  spart auch  beim Einkauf von Lebensmitteln und
       Kleidern, der repariert im Haushalt mehr als früher etc. Arbeits-
       los gewordene  Frauen sparen gezielter beim Kleiderkauf, arbeits-
       lose Männer  verzichten häufiger  auf das gewohnte Ausgehen. Dies
       sind die einzigen geschlechtsspezifischen Abweichungen in den fi-
       nanziellen Reaktionen der Haushalte." 111)
       Die Angaben  der Zusammenstellung relativieren sich, wenn berück-
       sichtigt wird,  welche Haushalte  überhaupt in der Lage sind, be-
       stimmte Vorhaben  zu realisieren. Von den befragten Arbeitslosen-
       haushalten verfügen 17 Prozent über keine Ersparnisse und 36 Pro-
       zent haben  kein Auto. Von denen, die überhaupt auf Erspartes zu-
       rückgreifen konnten,  mußten dies  40 Prozent aller Arbeitslosen-
       haushalte tun.  Jeder 5. Haushalt mit einem Pkw mußte diesen ver-
       kaufen. 112)
       In Tabelle  20 im Anhang sind die Nutzung von Einsparungsmöglich-
       keiten und  neuen Einnahmequellen  in Abhängigkeit  von der Dauer
       der Arbeitslosigkeit  dargestellt. Die  Aussagen dieser Zusammen-
       stellung entsprechen  der Erwartung:  Je länger die Arbeitslosig-
       keit, desto  umfassender die Einsparungen und die Nutzung zusätz-
       licher Einnahmequellen.  Schwellenwert mit  sprunghaft steigenden
       Prozentsätzen ist  der Punkt, an dem die Arbeitslosigkeit bereits
       ein Jahr  andauert. Immerhin  wechseln dann  7 Prozent  aller Ar-
       beitslosenhaushalte die  Wohnung, nach  2 Jahren Arbeitslosigkeit
       sogar 10 Prozent.
       Das hängt  u.a. damit  zusammen, daß  spätestens nach  etwa einem
       Jahr der  Übergang  vom  Arbeitslosengeld  zur  Arbeitslosenhilfe
       stattfindet. Wie wir gezeigt hatten, bedeutet das fast immer, daß
       die Arbeitslosen  unter das  Niveau der Sozialhilfe absinken. Wie
       tiefgreifend der  Eingriff der  Arbeitslosigkeit ist,  zeigt sich
       auch daran, daß in vielen Fällen Lebenspläne geändert werden müs-
       sen. Jedenfalls  geben das 23 Prozent aller Arbeitslosen an. 113)
       An erster Stelle stehen dabei Pläne, die mit Geldausgaben verbun-
       den sind  (z.B. Aufschieben  oder Streichen  von  Bauplänen),  an
       zweiter Stelle  Pläne im  Hinblick auf  die Berufsperspektive, an
       dritter Stelle  Pläne, die  die zwischenmenschlichen  Beziehungen
       (Verschiebung von  Heiraten, Verzicht  auf Kinder usw.) betreffen
       (vgl. Tabelle 21 im Anhang).
       
       4. Schlußbemerkung
       ------------------
       
       Wir hatten  gezeigt, daß  für   d e n   b e s c h ä f t i g t e n
       T e i l   d e r  L o h n a b h ä n g i g e n  die realen Arbeits-
       einkommen in  den siebziger  Jahren zeitweilig stagnierten, teil-
       weise zurückgingen. Zu einer gewissen Verbesserung kam es erst in
       der Aufschwungsphase nach der letzten Krise ab 1976.
       Anders als  in der  Krise 1966/67 gingen in der letzten Krise die
       Ausgaben für  die Konsumtion - soweit das spärliche Datenmaterial
       zu diesem  Sachverhalt eine  verläßliche Aussage  erlaubt - nicht
       zurück.
       Neben dieser beschäftigten Gruppe von Lohnabhängigen stehen jene,
       d i e  d a u e r n d  o d e r  z e i t w e i l i g  d e n  v e r-
       s c h i e d e n e n   F o r m e n   d e r    i n d u s t r i e l-
       l e n   R e s e r v e a r m e e   z u g e h ö r e n.   Ihr Umfang
       hat sich  zwischen 1973  und 1978  verdoppelt. Darunter  befindet
       sich ein  wachsender Anteil in ihrer stockenden Form mit erhebli-
       chen Einbußen  an Einkommen  und Möglichkeiten  der individuellen
       Konsumtion. Es  gibt Anzeichen  dafür, daß die darunter gelagerte
       Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die offizielle Armut ebenso
       zugenommen haben,  wie das  Lumpenproletariat (der  Begriff  wird
       hier als soziale Gruppenbezeichnung und nicht als Schimpfwort be-
       nutzt) in  seinen verschiedenen  Formen vom organisierten Verbre-
       chen, über  Prostitution und  Zuhälterei, bis zu denen, die durch
       Alkoholismus und  Rauschgiftsucht keiner  geregelten Arbeit  mehr
       nachgehen können.
       Es bedarf  weitergehender Untersuchungen, um die Struktur und den
       Umfang dieses  Sozialgefüges zu  erhellen. Dabei  drängt sich die
       Frage auf,  ob bei  uns bereits  eine ähnliche Entwicklung wie in
       den USA  eingesetzt hat,  wo dem erwerbstätigen Teil der Bevölke-
       rung ständig  wachsende  Gruppen  gegenüberstehen,  die  aus  dem
       "normalen" kapitalistischen Reproduktionskreislauf ausgeschlossen
       sind.
       
       Statistischer Anhang
       --------------------
       
       Tabelle 1:
       Langlebige Gebrauchsgüter,  die 1978 in mehr als 50 Prozent aller
       Arbeiterhaushalte vorhanden  waren  nach  sozialer  Stellung  des
       Haushaltsvorstandes
       
                  Von den Haushalten waren... % ausgestattet mit:
       
                        Land- Selbstän- Beamter Ange- Arbeiter Nichter-
                        wirt  diger             stell-         werbs-
                                                ter            tätiger
       
       Fabrikneues Auto 45,5    61,0     57,7   50,1    42,0    19,3
       Gebrauchtwagen   43,3    25,5     34,4   31,5    35,2    12,8
       Autos zusammen   88,8    86,5     91,9   81,6    77,2    32,1
       Telefon          69,8    93,0     82,9   81,7    58,3    64,2
       Fernsehgerät     92,9    94,0     95,3   94,8    96,0    90,3
       davon Farbfern-
       seher            38,6    64,7     53,4   53,7    52,9    44,1
       Rundfunkgerät    84,7    73,8     76,5   73,0    74,2    77,4
       Fotoapparat      72,9    90,8     91,1   91,7    87,9    52,7
       Kühlschrank      89,9    86,3     83,5   82,5    84,8    83,7
       Gefriertruhe     88,2    58,2     54,5   47,8    56,1    28,8
       Elek. Nähma-
       schine           45,4    54,6     61,9   57,9    54,3    31,9
       Waschautomat     82,3    83,6     80,6   76,4    79,0    55,7
       Staubsauger      88,2    97,6     97,3   97,3    96,3    91,2
       _____
       Quelle: Zusammengestellt (Zu.) Stat. BA, Wirtschaft und Statistik
       (WiSta), H. 4/1979, S. 295.
       
       Tabelle 2:
       Zahl der  Haushalte  und  Haushaltsmitglieder  sowie  das  durch-
       schnittliche verfügbare  Jahreseinkommen von  Selbständigen-, Ar-
       beitnehmern- a) und Nichterwerbstätigenhaushalten 1962 und 1972
       
                                               1962      1972    1962/72
                                                                  in %
       Selbständige
       Zahl der Haushalte in 1000             2 400     1 950     -18,8
       Haushaltsmitglieder in 1000            9 300     7 470     -19,7
       Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM  59 270   118 310      99,6
       Pro Haushalt in DM                    24 996    60 672     145,7
       Pro Haushaltsmitglied in DM            6 373    15 838     148,5
       Arbeitnehmer a)
       Zahl der Haushalte in 1000            11 070    12 440      12,4
       Haushaltsmitglieder in 1000           33 920    39 000      15,0
       Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM 124 810   283 360     127,0
       Pro Haushalt in DM                    11 275    22 778     102,0
       Pro Haushaltsmitglied in DM            3 680     7 266      97,4
       Nichterwerbstätige
       Zahl der Haushalte in 1000             6 010     7 610      26,6
       Haushaltsmitglieder in 1000           11 837    13 693      15,7
       Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM  39 670   102 830     159,2
       Pro Haushalt in DM                     6 601    13 512     104,7
       Pro Haushaltsmitglied in DM            3 351     7 510     124,1
       _____
       a) Gemeint  sind   Arbeiter,  Angestellte   und  Beamte,  b)  Das
       "verfügbare Einkommen" ergibt sich aus dem Ge-samt-Brutto-Einkom-
       men abzüglich  laufenden Übertragungen" (Steuern, Sozialversiche-
       rungsbeiträge, Gewerkschaftsbeiträge  usw.) und Zinsen auf Konsu-
       mentenschulden.
       Quelle: Zus. und  ber. nach  Richter und Hartmann, Verteilung und
       Verwendung der  Einkommen nach  Haushaltsgruppen  in:  WiSta,  H.
       6/1977, S. 421 f.
       
       Tabelle 3:
       Monatliches Netto-Durchschnittseinkommen von Haushalten verschie-
       dener sozialstatistischer Gruppen 1955, 1970 und 1974 (in DM)
       
                   Selbständige  Angestellte a)  Arbeiter  Rentner b)
       
       1955            939           690            550       337
       1970           3267          1842           1519       911
       1974           5150          2461           2077      1362
       1977           6539          2894           2505      1628
       Veränderung
       1955/77 in DM  5600          2204           1955      1291
       in %            596           319            355       383
       _____
       a) Einschl. Beamte  b) Einschl. Nichterwerbstätiger, die vom Ver-
       mögen usw. leben.
       Quelle: Göseke und  Bedau, Einkommens-  und Verbrauchsschichtung,
       S. 74 ff.; Zahlen für 1977 nach: Verbrauch und Ersparnis sozialer
       Gruppen in  der Bundesrepublik  Deutschland im Jahr 1977, DIW-Wo-
       chenbericht 11/79, S. 1227.
       
       Tabelle 4:
       Einkommensschichtung der  Haushalte ausgewählter sozialer Gruppen
       1977
       Monatl. Haushaltseinkommen Selbständige Angestellte a) Arbeiter
       in DM                       1000    %    1000    %      1000    %
       unter 1500                     4  0,2     897 14,4      1196 19,0
       1500-2000                     30  1,5    1125 18,1      1430 22,7
       2000-2500                     70  3,4    1077 17,3      1201 19,1
       2500-3000                    119  5,8     898 14,4       891 14,1
       3000-4000                    364 17,6    1109 17,8       894 14,2
       4000-6000                    685 33,2     778 12,5       624  9,9
       6000-10 000                  606 29,3     311  5,0        63  1,0
       10 000 und mehr              187  9,1      20  0,3         1  0,0
       Insgesamt                   2065  100    6215  100      6300  100
       Durchschnittseinkommen DM      6539         2894           2505
       _____
       a) Einschließlich Beamte
       Quelle: Zu. und ber. nach: Verbrauch und Ersparnis, DIW-Wochenbe-
       richt 11/79, S. 122 f.
       
       Tabelle 5:
       Verbrauch und  Ersparnis verschiedener  Haushaltstypen pro  Monat
       1977
       
                 Angest.  Arbei- Angest.  Arbei-  Selbständ. Selbständ.
                  c)       ter    c)      ter
                 1250-    1250-  2500-    2500-   6000-7000  m.a. 10000
                 1500     1500   2570     2750
                 DM       DM      DM       DM       DM        DM
                      %        %       %        %        %         %
       
       Nahrung  292      334     458      561      877      1605
                    21,0     24,1    17,5     21,4     13,6       7,8
       Genußm.  108      137     177      222      347       730
                     7,8      9,9     6,7      8,5      5,4       3,6
       Bekleid. 127      120     250      242      516      1224
       Schuhe        9,1      8,7     9,5      9,3      8,0       6,0
       Mieten   200      183     311      289      490      1172
                    14,3     13,9    11,9     11,0      7,6       5,7
       Energie   83       80     116      108      148       229
                     5,9      5,7     4,4      4,1      2,3       1,1
       Üb. Haus-140      133     276      258      717      2418
       haltsf.      10,1      9,6    10,5      9,9     11,1      11,9
       Verkehr, 138      138     342      323     1050      3989
       Nachr.        9,9      9,3    13,0     12,3     16,3      19,5
       Gesundh. 114      107     265      248      803      2881
       a) Unter-     8,2      7,7    10,1      9,5     12,5      14,1
       halt.
       Pers. A.  79       60     168      140      446      1655
       b) Sonsti-    5,7      4,4     6,4      5,3      6,9       8,1
       ges
       Erspar-  111       94     260      228     1042      4547
       nis           8,0      6,8     9,9      8,7     16,2      22,1
       _____
       a) Körper- und  Gesundheitspflege, Bildung  und Unterhaltung;  b)
       Persönliche Ausstattung,  Dienstleistungen  von  Beherbergungsge-
       werbe, Banken,  Versicherungen usw.,  Saldo der Reiseausgaben der
       Ausländer im  Inland und  der Inländer im Ausland; c) Einschließ-
       lich Beamte.
       Quelle: Zu. nach DIW-Wochenbericht 11/79, S. 122 f.
       
       Tabelle 6:
       Ausgaben für den privaten Verbrauch nach Hauptgruppen und Erspar-
       nis verschiedener  Haushaltstypen in  der Einkommensklasse  2000-
       2250 DM  im Jahr 1974 (in DM und Index: durchschnittlicher Arbei-
       terhaushalt = 100)
       
                                 Haushalt von ...
                      Selbstän- Ange-  Arbei- 4-Perso- 4-Perso- 4-Perso-
                      digen     stell- tern   nen      nen      nen
                                ten          Selb-    Ange-    Arbei-
                                             ständi-  stellten
                                             gen
                         a)       a)     a)     b)       c)        d)
       Personen je
       Haushalt         2,6      2,8    3,2    4        4         4
       Netto-Einkommen
       in 1000 DM e)   25,6     25,5   25,5   25,8     25,6      25,4
       Nahrungs-  DM   4383     4112   5667   4910     4767      5819
       mittel   A=100    77       73    100     87       84       103
       Genuß-     DM   1953     1688   2096   1703     1768      1845
       mittel   A=100    93       81    100     81       84        88
       Beklei-    DM   2399     2746   2433   2604     3322      2175
       dung     A=100    99      113    100    107      137        89
       Mieten     DM   2491     2631   2460   2442     2381      2597
                A=100   101      107    100     99       97       106
       Energie    DM    789     1151   1031    844      928      1334
                A=100    77      112    100     82       90       129
       Übrige
       Haushalts- DM   2956     2949   2671   2869     2711      2723
       führung  A=100   111      110    100    107      101       102
       Verkehr
       und Nach-  DM   2485     2594   2343   2498     2737      2253
       richten  A=100   106      111    100    107      117        96
       Körper- und Gesundheits-
       pflege Bil-
       dung       DM   2338     2386   2175   2487     2391      2317
       Unterh.  A=100   107      110    100    114      110       107
       Persönliche Ausst.
       Sonsti-    DM   1626     1702   1463   1534     1654      1296
       es       A=100   111      116    100    105      113        89
       Private Er-DM   4227     3508   3114   3893     2917      3032
       sparnis  A=100   136      113    100    125       94        97
       _____
       a) Durchschnittshaushalte b) mit 1 Einkommensbezieher c) Mit zwei
       und mehr  Einkommensbeziehern d) mit 1 Einkommensbezieher e) Jah-
       reseinkommen des Haushalts insgesamt.
       Quelle: Zu. und  ber. nach Göseke und Bedau, Einkommens- und Ver-
       brauchsschichtung, S. 200 ff.
       
       Tabelle 7:
       Personelle Einkommensverteilung  a) bei  Arbeiter-, Angestellten-
       und Beamtenhaushalten 1950-1977
       
                      1950          1960          1970          1977
                 Mrd. DM   %   Mrd. DM   %   Mrd. DM   %   Mrd. DM   %
       Arbeiter
       Nettolöhne  21,8   86,5   59,0   86,9  108,3   87,1  154,0   79,8
       Entnommene
       Gewinne      -      -      -      -      1,0    0,8    1,6    0,8
       Vermögensein-
       kommen       0,1    0,4    1,0    1,5    4,5    3,6    8,2    4,3
       Sozialein-
       kommen       3,3   13,1    7,9   11,6   10,5    8,4   29,1   15,1
       Verfügbares
       Einkommen   25,2  100,0   67,9  100,0  124,3  100,0  192,9  100,0
       Angestellte b)
       Netto-
       gehälter    12,8   91,4   44,9   92,2  107,7   89,8  196,1   87,0
       Entnommene
       Gewinne      -      -      -      -      1,0    0,8    1,6    0,7
       Vermögens-
       einkommen    0,1    0,7    1,1    2,3    5,8    4,8   12,2    5,4
       Sozial-
       einkommen    1,1    7,9    2,7    5,5    5,5    4,6   15,5    6,9
       Verfügbares
       Einkommen   14,0  100,0   48,7  100,0  120,0  100,0  225,4  100,0
       _____
       a) Ohne Einkommen der Personen in Anstaltshaushalten, b) Einschl.
       Beamte.
       Quelle: Göseke und  Bedau, Einkommen  der privaten Haushalte, S.,
       Das Einkommen  sozialer Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland
       im Jahr 1977, in: DIW-Wochenbericht 32-33/1978.
       
       Tabelle 8:
       Die Einkommensentwicklung  für ausgewählte  Gruppen der Arbeiter-
       klasse in den Zyklen 1950-1977
       
                            Einkommenszuwächse in den Zyklen
       1950  1977  Zuwachs  1950/1953 1953/1958 1958/1963 1963/1967
                   in% ins-
       DM    DM    gesamt    DM   %    DM   %    DM   %    DM   %
       Monatliches Individualeinkommen Bruttolöhne und -gehälter von
       Industriearbeitern
        268  2039    660      78 29,0  108 31,2  225 49,6  186 27,4
       1957:
       Angestellten 2a)
        479  2433    408       .  .      .  .    225 44,5  245 33,5
       Beamten b)
        307  1946    534     133 43,3  138 31,4  188 32,5  180 23,5
       je durchschnittlich beschäftigter Arbeitnehmer c)
        243  2137    779      80 32,9  121 37,5  210 47,3  208 31,8
       Nettolöhne und -gehälter je
       durchschn. besch. Arbeitnehmer
        213  1490    599      64 30,0  101 36,5  164 43,4  161 29,7
       Reallöhne und -gehälter d)
       je durchschn. besch. Arbeitnehmer
        213   662    211      43 20,2   65 25,4   94 29,3   69 16,6
       Industriearbeiter
        235   634    170      39 16,8   54 19,7  101 30,8   56 12,9
       weibliche Industriearbeiter
        133   434    227      22 16,6   36 23,2   72 37,7   47 17,7
       Facharbeiter in der Industrie:
       Ledig
        255   673    164      43 16,7   57 19,3   98 27,5   62 13,6
       Verheiratet, mit 1 Kind
        273   775    184      45 16,4   67 21,2  107 27,7   58 11,7
       Verheiratet, mit 2 Kindern
        276   811    194      50 18,1   77 23,7  116 28,8   49  9,4
       Verheiratet, mit 3 Kindern d)
        279   863    209      54 19,3   98 29,5  138 32,0   73 12,9
       Verheiratet, mit 3 Kindern c)
          .     .      .       .  .      .  .      .  .      .  .
       
                            Einkommenszuwächse in den Zyklen
                            1967/1971 1971/1975 1975/1977
                             DM   %    DM   %    DM   %
       Monatliches Individualeinkommen Bruttolöhne und -gehälter von
       Industriearbeitern
                             416 48,0  459 35,8  299 17,0
       1957:
       Angestellten 2a)
                             442 45,3  695 49,0  320 15,1
       Beamten b)
                             318 33,6  501 39,6  181 10,2
       je durchschnittlich beschäftigter Arbeitnehmer c)
                             421 48,8  586 45,7  268 14,3
       Nettolöhne und -gehälter je
       durchschn. besch. Arbeitnehmer
                             272 38,7  376 38,6  139 10,3
       Reallöhne und -gehälter d)
       je durchschn. besch. Arbeitnehmer
                             115 23,8   52  8,7   11  1,7
       Industriearbeiter
                             112 23,0   10  1,7   26  4,3
       weibliche Industriearbeiter
                              77 24,7   32  8,3   16  3,8
       Facharbeiter in der Industrie:
       Ledig
                             139 26,9    9  1,5    9  1,5
       Verheiratet, mit 1 Kind
                             161 29,3   36  5,1   29  3,9
       Verheiratet, mit 2 Kindern
                             175 30,8   40  5,4   28  3,5
       Verheiratet, mit 3 Kindern d)
                             157 24,5   41  5,1   23  2,7
       Verheiratet, mit 3 Kindern c)
                             142 21,9    8  1,1   16  2,0
       _____
       a) Angestellte in  Industrie und Handel (einschl. Banken und Ver-
       sicherungen); b) Bundesbeamte der höchsten Dienstaltersstufe; bis
       1972 Ortszuschlag  S, verheiratet;  die Gehaltsangaben  enthalten
       Kinderzuschlag für  1 Kind; Bundesbeamte der Besoldungsgruppe A 5
       (Eingangstufe für Mittleren Dienst); c) Kennziffer der Volkswirt-
       schaftlichen Gesamtrechnung;  genaue Bezeichnung: Bruttolohn- und
       -gehaltssumme je  durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer; d)
       Deflationierung mit  dem Preisindex für die Lebenshaltung von "4-
       Personen-Arbeitnehmer-Haushalten mit  mittlerem Einkommen des al-
       leinverdienenden Haushaltsvorstandes"; e) Deflationierung mit dem
       Preisindex für  die "einfache Lebenshaltung eines Kindes", dessen
       Warenkorbstruktur den  Verbrauchsverhältnissen kinderreicher  Ar-
       beiterfamilien eher  entspricht als  die des Index "mittlerer Ar-
       beitnehmerhaushalte".
       Quellen: Zusammengestellt und  berechnet nach  Bundesminister für
       Arbeit und  Sozialordnung, Statistisches  Taschenbuch 1978 ders.,
       Sozialbericht 1978  ders.,  Einkommens-  und  Vermögensverteilung
       1977, Statistisches  Bundesamt, Bevölkerung  und Wirtschaft 1872-
       1972, Wiesbaden  1972, ders.. Statistisches Jahrbuch für die Bun-
       desrepublik Deutschland, laufend, Göseke und Bedau, Einkommen der
       privaten Haushalte. Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundes-
       republik Deutschland  im Jahr  1977,  in:  DIW-Wochenbericht  32-
       33/1978.
       
       Tabelle 9:
       Monats-Netto-Einkommen von  Haushalten  mit  landwirtschaftlichen
       Zu- und Nebenerwerbsbetrieben im Wirtschaftsjahr 1977/78
       
                                 Zuerwerbs-  Nebenerwerbs-  Durchschn.
                            .    betriebe    betriebe       aller Arbei-
                                                            terhaushalte
       Einkommen aus landwirtschaft-
       licher Erwerbstätigkeit     972, 58      246,50          -
       Außerbetriebliche Erwerbs-
       einkommen                   694,83      2136,42          -
       sonstige Einkommen          140,00         -             -
       Gesamteinkommen            1807,41      2415,25       2501,00
       _____
       Quelle: Berechnet nach  Agrarbericht  1979,  Bundestagsdrucksache
       8/2530, S.  22; Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundesrepu-
       blik Deutschland  im Jahr 1977, in: DIW-Wochenbericht 32-33/1978,
       S. 318.
       
       Tabelle 10:
       Höhe der monatlichen Kindergeldzahlungen 1955-1979 (DM)
       
       ab           1. Kind  2. Kind  3. Kind  4. Kind  5. und weitere
                                                        Kinder
       
       1.1.1955        -        -       25       25       25
       1.10.1957       -        -       30       30       30
       1.3.1959        -        -       40       40       40
       1.4.1961        -       25       40       40       40
       1.7.1964        -       25       50       60       70
       1.9.1970        -       25       60       60       70
       1.1.1975       50       70      120      120      120
       1.1.1978       50       80      150      150      150
       1.1.1979       50       80      200      200      200
       1.7.1979       50      100      200      200      200
       _____
       Quelle: Bundesminister für  Arbeiter und Sozialordnung, Übersicht
       über die  Soziale Sicherheit,  Bonn 1977,  S. 238; Bundesminister
       für Jugend, Familie und Gesundheit, Das Kindergeld, Bonn 1979.
       
       Tabelle 11:
       Bruttomonatseinkommen    von     Arbeiter-     und     Angestell-
       ten/Beamtenhaushalten a) aus Wohnungsvermietung b) und Geldvermö-
       gen c) 1970-1978 (in DM)
       
            Arbeiterhaushalte           Angestellten/Beamtenhaushalte
            Wohnungsverm. Geldvermögen  Wohnungsverm. Geldvermögen
                 DM            DM            DM            DM
       
       1970      99            29           137         72
       1971     104            31           140         79
       1972     111            34           153         84
       1973     113            39           153        101
       1974     110            43           149        110
       1975     137            49           185        116
       1976     160            55           215        126
       1977     175            62           234        143
       1978     185            68           253        158
       ______
       a) Nur Haushalte mit Wohnungseigentum bei der Wohnungsvermietung;
       Einkommen aus  Geldvermögen alle  Arbeiter- und Angestelltenhaus-
       halte.
       b) Reale Einkünfte  und unterstellte  Beträge für die Nutzung der
       Eigentümerwohnung zzgl. Abschreibungen auf Wohngelände zu Wieder-
       beschaffungspreisen.
       c) Nach Abzug der Zinsen auf Konsumentenkredite.
       Quelle: Vermögenseinkommen der  privaten Haushalte in der Bundes-
       republik Deutschland 1970-1978, DIW-Wochenbericht, 19/1979.
       
       Tabelle 12:
       Monatliches  Einkommen  eines  "4-Personen-Arbeitnehmerhaushaltes
       mit mittlerem  Einkommen des alleinverdienenden Haushaltsvorstan-
       des" 1962-1977
       Jahr Einkommen aus    Einkommen aus Haus-  ausgabe- Reales Haus-
            unselbst. Arbeit Erwerbst.,    halts- fähige   halts-
            d. Haushaltsvor- Vermögen und  netto- Ein-     einkommen 5)
            standes          empf. Eink.-  ein-   nahmen
            (brutto)         übertragungen kommen 4)
                             (brutto) 2)   3)
                 DM              DM          DM     DM       DM    ±%
                  1               2           3      4        5     6
       
       1962     800             894         782    800      800     -
       1963     865             964         837    853      828     3,5
       1964     915            1024         882    904      858     3,6
       1965     982            1107         960    994      912     6,3
       1966    1045            1180        1015   1043      925     1,4
       1967    1036            1179        1008   1036      906    -2,1
       1968    1082            1212        1021   1042      899    -0,8
       1969    1195            1340        1112   1142      965     7,3
       1970    1354            1507        1221   1256     1029     6,6
       1971    1529            1732        1381   1427     1112     8,1
       1972    1687            1931        1527   1573     1164     4,7
       1973    1910            2177        1694   1761     1220     4,8
       1974    2122            2433        1875   1934     1255     2,9
       1975    2242            2684        2100   2200     1346     7,3
       1976    2449            2882        2212   2352     1375     2,2
       1977    2624            3067        2331   2459     1387     0,9
       _____
       1) Einkommen aus  haupt- und  (angemeldeter) nebenberuflicher Tä-
       tigkeit.
       2) Spalte 1  zzgl.: Einkommen aus unselbständiger Arbeit (brutto)
       der Ehefrau,  der Kinder  und sonstiger Haushaltsmitglieder; Ein-
       kommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (brutto); empfangene
       Einkommensübertragungen.
       3) Spalte 2  abzgl.: Einkommens- und Vermögenssteuer, Pflichtbei-
       träge zur Sozialversicherung.
       4) Spalte 3  zzgl.: "Sonstige Einnahmen" (Einnahmen) (brutto) aus
       Untervermietung, aus  dem Verkauf gebrauchter Waren und Nettoein-
       nahmen   aus    Erstattung   von   Ausgaben   für   geschäftliche
       (dienstliche) Zwecke, empfangene Vermögensübertragungen (brutto);
       Einnahmen, die  anderen Positionen  nicht zuzuordnen  sind. Diese
       Position erfaßt  nicht die Einnahmen aus Auflösung und Umwandlung
       von Vermögen und Kreditaufnahme.
       5) Spalte 4, deflationiert mit dem Preisindex f. d. Lebenshaltung
       des "mittleren Arbeitnehmerhaushalts".
       Quellen: Stat. BA.,  FSM, R  13, Wirtschaftsrechnungen, Einnahmen
       und Ausgaben  ausgewählter privater  Haushalte, 1969-1977;  Stat.
       BA., Statistisches Jahrbuch, lfd.
       
       Tabelle 13:
       Die Entwicklung  der realen Ausgaben für die individuelle Konsum-
       tion von "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalten mit mittlerem Einkom-
       men des alleinverdienenden Haushaltsvorstandes" 1958-1977
       
                        Waren und Dienstleistungen für...
       
            Nahrungs-       Bekleidung      Wohnungs-      Elektrizität,
            und Genuß-      und             mieten u.ä.    Gas, Brenn-
            mittel          Schuhe                         stoffe u.ä.
            DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.
                 in %            in %            in %            in %
       
       1958 251,75    .      69,33    .      53,97    .      26,48   .
       1959 260,82    3,6    73,12    5,5    57,14    5,9    26,46  -0,1
       1960 269,47    3,3    75,43    3,2    58,67    2,7    27,71   4,7
       1961 285,14    5,8    79,16    4,9    59,24    1,0    29,38   6,0
       1962 288,80    1,3    82,72    4,5    60,94    2,9    32,18   9,5
       1963 294,26    1,9    87,76    6,1    63,86    4,8    37,06  15,2
       1964 302,03    2,6    88,66    1,0    65,48    2,5    33,57  -9,4
       1965 301,64   -0,1    91,78    3,5    68,20    4,1    35,16   4,7
       1966 302,98    0,4    89,16   -2,8    71,96    5,5    35,76   1,7
       1967 302,47   -0,2    81,50   -8,6    74,69    3,8    37,35   4,4
       1968 293,52    3,0    81,22   -0,3    77,93    4,3    37,02  -0,9
       1969 300,50    2,4    88,89    9,4    81,13    4,1    40,11   8,3
       1970 309,30    2,9    93,81    5,5    83,47    2,9    40,11  ±0
       1971 321,25    3,9    96,74    3,1    85,57    2,5    42,21   5,2
       1972 319,60   -0,5   101,25    4,7    92,52    8,1    42,42   0,5
       1973 318,32   -0,4    96,26   -4,9    94,41    2,0    47,88  12,9
       1974 324,71    2,0    98,62    2,4   100,00    5,9    45,96  -4,1
       1975 331,97    2,2   103,49    4,9   102,09    2,1    46,71   1,6
       1976 343,22    3,4    99,50   -3,9   106,19    4,0    49,24   5,4
       1977 340,62   -0,8   102,62    3,1   108,88    2,5    52,10   5,8
       
            Übrige Wa-      Verkehrs-       Körper-        Bildungs-
            ren und         zwecke,         und Ge-        und Unter-
            Dienstl.        Nachrich-       sundheits-     haltungs-
            f. d.           tenüber-        pflege         zwecke
            Haushalts-      mittlung
            führung
            DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.
                 in %            in %            in %            in %
       
       1958  56,48    .      22,74    .      16,00    .      37,25   .
       1959  61,32    8,6    23,08    1,5    17,91   11,9    36,19  -2,8
       1960  60,97   -0,6    29,76   28,9    19,69    9,9    38,10   5,3
       1961  66,92    9,8    33,21   11,6    21,54    9,4    40,10   5,2
       1962  76,00   13,6    45,90   38,2    22,54    4,6    38,74  -3,4
       1963  70,67   -7,1    51,39   12,0    22,20   -1,5    44,54  15,0
       1964  74,42    5,3    64,25   25,0    24,24    9,2    46,28   3,9
       1965  79,97    7,5    73,94   15,1    25,20    4,0    47,27   2,1
       1966  84,65    5,8    69,53   -6,0    26,31    4,4    51,41   8,8
       1967  82,60   -2,4    55,24  -20,5    25,84   -1,8    52,20   1,5
       1968  79,23   -4,1    70,32   27,3    24,19   -6,4    46,43 -11,0
       1969  91,59   15,6    76,61    8,9    26,42    9,2    49,97   7,6
       1970  84,14   -8,1    91,79   19,8    26,95    2,0    56,79  13,6
       1971 103,35   22,83  101,33   10,4    27,82    3,2    63,59  12,0
       1972 101,41   -1,9    95,42   -5,8    28,30    1,7    69,37   9,1
       1973 122,71   21,0   113,90   19,4    27,63   -2,4    73,41   5,8
       1974 116,71   -4,9   113,22   -0,6    27,63   ±0      76,99   4,9
       1975 119,32    2,2   136,65   20,7    27,94    1,1    86,26  12,0
       1976 120,20    0,7   146,94    7,5    28,80    3,1    96,78  12,2
       1977 124,85    3,9   163,00   10,9    30,33    5,3    91,64  -5,3
       
       
            Persönliche     Lebens-
            Ausstattung,    haltung
            sonst.          insgesamt
            W. u. D.
            DM   gg. Vj.    DM   gg. Vj.
                 in %            in %
       
       1958  10,09          544,09    .
       1959  11,40   13,0   567,44    4,3
       1960  12,27    7,6   592,07    4,3
       1961  13,50  10,2    628,19    6,1
       1962  17,73  31,3    665,55    5,9
       1963  17,85   0,7    689,59    3,6
       1964  19,35   8,4    718,28    4,2
       1965  21,14   9,2    744,30    3,6
       1966  21,97   3,9    753,73    1,3
       1967  16,61 -24,4    728,50   -3,3
       1968  17,38   4,6    727,24   -0,2
       1969  20,76  19,4    775,98    6,7
       1970  23,26  12,0    809,62    4,3
       1971  26,20  12,6    868,06    7,2
       1972  29,46  12,4    879,75    1,3
       1973  32,78  11,3    927,30    5,4
       1974  35,57   8,5    939,41    1,3
       1975  41,34  16,2    995,77    6,0
       1976  43,85   6,1   1034,72    3,9
       1977  46,85   6,8   1060,89    2,5
       _____
       a) Die Deflationierung  erfolgte mit  dem Preisindex  für die Le-
       benshaltung des gleichen Haushaltstyps.
       Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage der laufenden Wirt-
       schaftsberechnungen: Stat.  BA, FSM, Reihe 13, Haushalte 1969 und
       1975 ff.;  Einnahmen und Ausgaben ausgewählter privater Haushalte
       1969 und 1975 ff.
       
       Tabelle 14:
       Daten zur Arbeitsmarktentwicklung 1973-1978
       
             Zugang  Betroffene  Stille  (2)+(3)  Registrier-
             an Ar-  Arbeits-    Reserve          ter Arbeits-
             beits-  lose a)     b)               losenbestand
             losen                                c)
       Jahr   (1)      (2)         (3)      (4)      (5)
       
       1973  1877     1219         156     1375      273
       1974  2795     1815         206     2021      582
       1975  3450     2240         480     2720      1074
       1976  3256     2114         561     2675      1060
       1977  3315     2153         609     2762      1030
       1978  3081     2001         642     2643       993
       
       
             Betrof- Arbeits-    Bildung  Mit 60  (6)+(7)
             fene    besch.      Reserve  in      (8)+(9)
             Kurzar- ABM e)      (FuU) f) Rente
             beiter                       g)
             d)
       Jahr   (6)      (7)         (8)     (9)      (10)
       
       1973    44        4         100     (16)      164
       1974   292        8         115     (13)      428
       1975   773       41         130     (17)      961
       1976   277       75         101      29       482
       1977   231       72          69     (26)      398
       1978   191       90          69     (25)      375
       _____
       a) Jahressumme  der   monatlichen  Arbeitslosenmeldungen  geteilt
       durch den Faktor 1,54.
       b) Weder erwerbstätiges  noch arbeitslos gemeldetes Erwerbsperso-
       nenpotential.
       c) Jahresdurchschnitt.
       d) Geschätzte Zahl  der einmal oder mehrmals kurzarbeitenden Per-
       sonen (vgl. Anmerkung 65).
       e) Allgemeine Maßnahmen  zur Arbeitsbeschaffung  (ABM) - Zahl der
       betroffenen Personen.
       f) Vollzeitmaßnahmen zur  beruflichen Bildung  und  Umschulung  -
       Zahl der betroffenen Personen.
       g) Altersruhegeld wegen  Vollendung des  60. Lebensjahres bei Ar-
       beitslosigkeit -  Zahl der  neubewilligten  Anträge  -  teilweise
       (geschätzt).
       Quellen: ANBA, Arbeitsstatistik  1978 -  Jahreszahlen;  ANBA,  H.
       3/1978; ANBA, H. 3/1979, Bundesminister für Arbeit und Sozialord-
       nung, Arbeits-  und Sozialstatistik,  Hauptergebnisse 1977, 1978;
       Autorengemeinschaft,  Der   Arbeitsmarkt  in  der  Bundesrepublik
       Deutschland 1979,  insgesamt und  regional, in:  Mitteilungen aus
       der Arbeitsmarkt-  und Berufsforschung,  H. 1/1979, S. 27 f.; ei-
       gene Berechnungen.
       
       Tabelle 15:
       Abgeschlossene und  bisherige Dauer  der Arbeitslosigkeit im Sep-
       tember 1979 sowie Mehrfacharbeitslosigkeit für verschiedene Grup-
       pen von Arbeitslosen
       
                                  abgeschl.  bisherige  Mehrfacharbeits-
                                  Dauer a)   Dauer b)   losigkeit a)
       
       (1) Insgesamt                13,5       31,7        1,54
       (2) Geschlecht
       Männer                       12,5       34,9        1,60
       Frauen                       15,0       28,6        1,47
       (3) Nationalität
       Deutsche                     14,3       32,1        1,52
       Ausländer                     8,7       27,2        1,74
       (4) Alter
       Unter 20 Jahre                8,6       13,7        1,49
       20 bis 25 Jahre              10,8       22,0        1,49
       25 bis unter 30 Jahre        12,9       26,8        1,59
       30 bis unter 3 5 Jahre       13,3       30,9        1,59
       35 bis unter 40 Jahre        14,0       34,3        1,59
       40 bis unter 45 Jahre        15,0       39,0        1,59
       45 bis unter 50 Jahre        18,0       43,4        1,59
       50 bis unter 55 Jahre        24,3       46,2        1,59
       55 bis unter 60 Jahre        24,3       47,8        1,48
       über 60 Jahre                36,0       43,0        1,48
       (5) Gesundheitliche
       Einschränkung  nicht
       vorhanden                    21,1       26,4        1,53
       vorhanden                    20,2       47,6        1,65
       (6) Berufsausbildung
       ohne Ausbildung, Anlernung   13,2       34,4        1,66
       Lehre, Berufsfachschule,
       Fachschule                   13,6       28,8        1,45
       Hochschule, Universität      16,7       28,2        1,25
       (7) Stellung im Beruf
       Angestellte                  16,8       28,4        1,37
       nicht Angestellte            12,3       34,1        1,66
       (8) gewünschte Arbeitszeit
       Vollzeit                     12,8      31,7         1,56
       Teilzeit                     21,7      31,8         1,42
       _____
       a) Arbeitslose,  die am 28. 9. 1976 aus der Arbeitslosigkeit aus-
       geschlossen sind.
       b) Bestand an Arbeitslosen Ende September.
       Quelle: Egle und Leupoldt, Mehrfacharbeitslosigkeit, S. 464, 467.
       
       Tabelle 16:
       Daten zur Dauer der Arbeitslosigkeit 1966-1978
                Arbeits- 1-2 Jahre      mehr als      Durchschnittl.
                lose     arbeits-       2 Jahre       Dauer der Ar-
                insg.    los            arbeitslos    beitslosigkeit
                in 1000  in 1000  in %  in 1000  in   in Monaten
                                  von            von
                                  (1)            (1)
       Zeit-
       punkt a)   (1)      (2)    (3)     (4)    (5)       (6) b)
       
       Sept. 1966  113      4      3,5     3      2,7       3,91
       Sept. 1967  341     10      2,9     3      0,9       4,64
       Sept. 1968  174     30     17,2     6      3,4       7,58
       Sept. 1969  100     10     10,0     5      5,0       6,61
       Sept. 1970   97      5      5,2     3      3,1       4,92
       Sept. 1971  147      6      4,1     2      1,4       4,25
       Sept. 1972  195      9      4,6     2      1,0       4,55
       Sept. 1973  219     15      6,8     4      1,8       4,95
       Mai   1974  457     18      3,9     6      1,3       4,74
       Sept. 1974  557     22      3,9     6      1,1       4,46
       Mai   1975 1018     60      5,9    11      1,1       5,56
       Sept. 1975 1007     84      8,3    13      1,3       5,96
       Mai   1976  954    130     13,6    30      3,1       7,56
       Sept. 1976  898    122     13,6    39      4,3       7,44
       Mai   1977  946    113     11,9    59      6,2       8,01
       Sept. 1977  911    106     11,6    63      6,9       7,94
       Mai   1978  913    112     12,3    91     10,0       9,17
       Sept. 1978  864     98     11,3    77      8,9       8,55
       _____
       a) Jeweils Ende des Monats.
       b) Durchschnittliche bisherige  Dauer der Arbeitslosigkeit des am
       Stichtag erfaßten Arbeitslosenbestandes (vgl. auch Anmerkung 62).
       Quelle: Spalte (1)-(5)  ANBA, Arbeitsstatistik  1969 - Jahreszah-
       len; ANBA,  Arbeitsstatistik 1978  - Jahreszahlen; eigene Berech-
       nungen; Spalte  (6) Ende  September 1966  bis Ende September 1976
       nach: Gramer und Egle, Dauer der Arbeitslosigkeit, S. 482; ab Mai
       1977 eigene Berechnungen.
       
       Tabelle 17:  Sperrzeiten beim  Arbeitslosengeld und  bei der  Ar-
       beitslosenhilfe 1966"1977 (Zahl der Maßnahmen)
       
            Anträge auf Sperrzeiten (2) in % Sperrzeiten wegen  (5) in %
            Arbeitslo-  insgesamt   von (1)  Arbeits-    Ableh-  von (2)
            senunter-                        aufgabe b)  nung
            stützung                                     c)
       Jahr in 1000     in 1000
              (1) a)      (2) a)      (3)       (4)       (5)     (6)
       
       1966   728          39         5,4        35         4      10,3
       1967  1800         150         8,3       132        18      12,0
       1968  1156          82         7,1        65        17      20,7
       1969   737          38         5,2        31         7      18,4
       1970   632          23         3,6        20         3      13,0
       1971   804          38         4,7        33         5      13,2
       1972   914          55         6,0        46         9      16,4
       1973  1079          59         5,5        50         9      15,3
       1974  2189         145         6,6       123        22      15,2
       1975  3276         240         7,3       195        45      18,8
       1976  3031         262         8,6       200        62      23,7
       1977  3022         291         9,6       220        71 d)   24,4
       d)
       ____
       a) Arbeitslosengeld und  Arbeitslosenhilfe, b)  § 119,  Absatz 1,
       Nr. 1  AFG, c)  Ablehnung einer "zumutbaren" Arbeit § 119, Absatz
       1, Nr.  2-4 AFG,  d) außerdem verloren 9590 Arbeitslose jeglichen
       Anspruch auf  Unterstützung, weil sie zweimal mit einer Sperrzeit
       belegt worden waren.
       Quelle: ANBA,  Arbeitsstatistik 1976  - Jahreszahlen,  S. 226 f.;
       ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen, S. 262 f. (eigene Be-
       rechnungen).
       
       Tabelle 18:
       Daten zum Umfang und zur Dauer der Kurzarbeit Januar 1974 bis Ja-
       nuar 1979
       Arbeitsausfall in ...% der
       betriebsübl. Arbeitszeit       1974  1975  1976  1977  1978  1979
       
       Bis 25%                        30,6  27,5  52,1  49,5  46,9  38,2
       25-50%                         53,5  56,5  38,5  41,7  41,8  46,2
       mehr als 50%                   15,8  16,0   9,4   8,8  11,4  15,6
       Zusammen                       100   100   100   100   100   100
       Kurzarbeiter in 1000 a)        268  1000   743   269   251   135
       Dauer der Kurzarbeit
       in Monaten
       Bis 3 Monate                    .     .    37,7  61,9  50,4  65,2
       3 bis 6 Monate                  .     .    20,3  23,3  29,0  19,2
       6 bis 12 Monate                 .     .    26,8   3,7   9,0   7,2
       mehr als 12 Monate              .     .    15,2  11,1  11,6   8,4
       Zusammen                        .     .    100   100   100   100
       _____
       a) Bestand an Kurzarbeitern Mitte Januar.
       Quelle: ANBA: H. 3/1974, S. 223; H. 3/1975, S. 265; H. 3/1976, S.
       345, 347;  H. 3/1977,  S. 372,  374; H.  3/1978, S.  470, 472; H.
       3/1979, S. 245, 247 (eigene Berechnungen).
       
       Tabelle 19: Daten zur Entwicklung der Sozialhilfe 1970-1977
       
                          1970  1971  1972  1973  1974  1975  1976  1977
       
       1 Empfänger von Sozialhilfe
         insg. (1000)     1491  1548  1645  1730  1916  2049  2109  2164
       2 Sozialhilfeempfänger pro 1000 Einwohner
                            25    25    27    28    31    33    34    35
       3 Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU)
         insg. (1000) a)   749   803   867   918  1057  1190  1276  1362
       4 E in % von 1     50,2  51,9  52,7  53,1  55,2  58,1  60,5  62,9
       5 Empfänger von HLU außerhalb
         von Anstalten in 1000
         a) - Zahl der
            Haushalte      424   454   485   505   568   633   674   715
            - %-Anstieg gegen
            Vorjahr          .   7,1   6,8   4,1  12,5  11,4   6,5   6,1
         b) - Zahl der
            Hilfeempfänger 698   748   809   861   999  1134  1222  1302
            - % -Anstieg gegen
            Vorjahr          .   7,2   8,2   6,4  16,0  13,5   7,8   6,5
         c) - Haushaltsvorstände unter
            60 Jahren      195   205   220   241   299   365   413   466
            - % - Anstieg gegen
            Vorjahr          .   5,1   7,3   9,5  24,1  22,1  13,2  12,8
         d) - Brutto ausgaben je Empfänger von
            HLU in DM b)  1097  1255  1450  1581  1747  1753  1877  1994
       _____
       a) Innerhalb und  außerhalb von  Anstalten; b)  außerhalb von An-
       stalten im Laufe eines Jahres.
       Quelle: Zusammengestellt (teilw.  eig. Berechnungen)  nach  Wirt-
       schaft und Statistik, H. 3/1972; H. 4/1973; H. 7/1974; H. 5/1975;
       H. 7/1976; H. 5/1977; H. 4/1978; H. 4/1979.
       
       Tabelle 20:
       Nutzung von Einsparungsmöglichkeiten und neuen Einnahmequellen in
       Abhängigkeit von der Dauer der Arbeitslosigkeit
       
              seit    unter  1 bis  3 bis  6 bis  12 bis  24 Mo- Durch-
              einigen einem  unter  unter  unter  unter   nate   schnitt
              Tagen   Monat  3 Mo-  6 Mo-  12 Mo- 24 Mo-  und    der Ak-
                             nate   nate   nate   nate    länger tivität
       
       preisbewußter einkaufen, weniger
       teureLebensmittel einkaufen
               65      70     79     82     82     78       83      78
       geplante Anschaffungen zurückstellen
               47      61     74     70     71     81       83      70
       weniger Kleidung kaufen
               39      57     68     70     66     71       79      65
       Dinge wieder selbst machen (nähen, Reparaturen)
               50      50     63     60     59     67       72      60
       auf Urlaubsreise verzichten
               32      43     53     57     65     70       71      56
       weniger ausgehen, weniger Ausflüge am Wochenende
               35      47     54     56     51     66       67      54
       entsparen
               31      29     28     38     36     52       48      36
       Nebentätigkeit außer Haus aufnehmen
               32      23     23     18     23     32       32      25
       Kredit aufnehmen
               10      21     17     19     19     28       23      19
       Auto verkaufen
               15      12     11     13     12     21       21      14
       Heimarbeit übernommen
               16      12     13     13     11     13       13      13
       andere aus dem Haushalt arbeiten jetzt mehr
               13      10     13     12      9     12       13      12
       andere aus dem Haushalt haben Arbeit aufgenommen
                9      12     11     10     10     13       17      11
       Wohnung gewechselt
                1       -      3      3      6      7       10       4
       _____
       Quelle: Übernommen aus Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 67.
       l
       Tabelle 21:
       Lebenspläne haben aufgegeben in Prozent
       
                Arbeitslose      Alte         Neue      Nicht-
                insgesamt        Arme a)      Arme b)   Arme c)
       
       Ja          23              36           31        18
       Nein        77              64           69        82
       zusammen   100             100          100       100
       n =       (716)            (64)        (168)     (484)
       
       Geänderte Lebenspläne im Hinblick auf (%)...
       
       Geldausgaben
                   71              59           70        73
       Zwischenmenschliche Beziehungen
                   12               6           18        10
       Berufsperspektive
                   17              35           12        17
       zusammen   100             100          100       100
       n =       (150)            (17)         (51)      (82)
       _____
       a) Haushalte, deren  Einkommen bereits  vor der  Arbeitslosigkeit
       unter den Sätzen der Sozialhilfe lag; b) Haushalte, die durch die
       Arbeitslosigkeit Anspruch  auf Sozialhilfe  haben; c)  Haushalte,
       deren Einkommen  während der Arbeitslosigkeit über den Sozialhil-
       fesätzen liegt.
       Quelle: Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 877.
       
       _____
       *) Der  Leser findet  die statistischen Materialien, auf die sich
       der vorliegende Beitrag stützt, im Anhang abgedruckt; Verweise im
       Text auf Tabellen beziehen sich auf diesen Anhang.
       1) Manfred Euler,  Ausstattung privater Haushalte mit langlebigen
       Gebrauchsgütern im Januar 1978. Ergebnis der Einkommens- und Ver-
       brauchsstichprobe,  in:  Wirtschaft  und  Statistik  (Wista),  H.
       4/1979, S.  291 ff.;  der entsprechende Aufsatz vom gleichen Ver-
       fasser zur Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1973 erschien in:
       Wista, H. 7/1974, S. 476 ff.
       2) Vgl. Wista, H. 4/1979, S. 295. Welche Probleme im Hinblick auf
       die Repräsentativität  dieser Stichproben - also auch im Hinblick
       auf die  hier vorgetragenen  Ergebnisse -  bestehen, haben wir an
       anderer Stelle  entwickelt. Vgl.  Eberhard Dähne  und Jörg Dieck-
       hoff, Die  Preisindizes für die Lebenshaltung und die Entwicklung
       der Verbraucherpreise, IMSF-Informationsbericht Nr. 32, Frankfurt
       1979, S. 75 ff.
       3) Zusätzlich ist  zu  berücksichtigen,  daß  die  einzelnen  Ge-
       brauchsgüter große Qualitäts- und Preisunterschiede haben können.
       "Auto" ist nicht gleich Auto usw.
       4) Vgl. zu  dieser These  im Hinblick  auf den Urlaubs- und Erho-
       lungsverkehr: Kaspar  Maase, Arbeitszeit - Freizeit - Freizeitpo-
       litik, IMSF-Informationsbericht Nr. 27, Frankfurt 1976, S. 42.
       5) Die 1977  erstmalig vom Statistischen Bundesamt veröffentlich-
       ten Zeitreihen,  die auf  Umrechnungen der  volkswirtschaftlichen
       Gesamtrechnungen beruhen,  operieren teilweise  mit  "heroischen"
       Annahmen und  Hilfskonstruktionen. In  der entsprechenden  Veröf-
       fentlichung wird  dazu mit kritischem Unterton - mehr ist bei ei-
       ner Institution,  die dem  Bundesminister des  Innern untersteht,
       wohl auch  nicht möglich  - angemerkt: "Fortschritte hinsichtlich
       der Aktualität  und der  Gliederungstiefe der Ergebnisse sind nur
       durch Verbesserung  der Basisstatistiken  über die  Einkommen und
       ihre Verwendung  möglich. Diese sind - wie die Erfahrungen bisher
       gezeigt haben  - nur  schrittweise zu  erreichen; sie setzen ent-
       sprechende Rechtsgrundlagen  voraus." (Hans-Wilhelm  Richter  und
       Norbert Hartmann, Nachweis der Verteilung und Verwendung der Ein-
       kommen nach Haushaltsgruppen in den Volkswirtschaftlichen Gesamt-
       rechnungen 1962 bis 1975, in: Wista, H. 6/1977, S. 353; Hervorhe-
       bung im  Original). Nach  ähnlichen Methoden wie das Statistische
       Bundesamt bemüht sich seit Jahren das Deutsche Institut für Wirt-
       schaftsforschung zunächst  für einige  Stichjahre  eine  stimmige
       Übersicht über  die Verteilung  der Einkommen und ihre Verwendung
       zu errechnen.  Der Vorteil dieser Arbeiten liegt in der Differen-
       zierung des  Materials nach  Haushaltstypen und Einkommensschich-
       ten. Vgl. Gerhard Göseke und Klaus Dietrich Bedau, Verteilung und
       Schichtung der  Einkommen der privaten Haushalte in der Bundesre-
       publik Deutschland  1950 bis  1975, DIW-Beiträge zur Strukturfor-
       schung, H.  31, Westberlin  1974; Dieselben, Einkommens- und Ver-
       brauchsschichtung für die größeren Verwendungsbereiche des priva-
       ten Verbrauchs und die privaten Ersparnisse in der Bundesrepublik
       Deutschland 1955 bis 1974, DIW-Beiträge zur Strukturforschung, H.
       49, Westberlin 1978. Ferner liegt eine Untersuchung der Deutschen
       Bundesbank vor:  Ersparnisbildung und  Geldvermögen der Haushalte
       von Arbeitnehmern, Selbständigen und Rentnern, in: Monatsberichte
       der Deutschen Bundesbank, H. 11/1977, S. 23 ff.
       Neben  den   Einkommens-und  Verbrauchsstichproben,   die  bisher
       1962/63, 1969,  1973 und  1978 durchgeführt  wurden, ist  auf die
       laufenden Wirtschaftsrechnungen  zu verweisen, die bei allen Män-
       geln grobe  Entwicklungstendenzen  der  individuellen  Konsumtion
       aufzeigen. Bei  den  Verbrauchsstichproben  und  laufenden  Wirt-
       schaftsrechnungen bleiben  die Haushalte von Ausländern unberück-
       sichtigt.
       6) Diese Änderungen  - in  der Veröffentlichung von 1977 sind sie
       leider nicht  erwähnt - dürften zum Teil mit den verschiedentlich
       erfolgten Korrekturen  der  volkswirtschaftlichen  Gesamtrechnung
       durch das  Statistische  Bundesamt  zusammenhängen.  Nachweisbare
       Veränderungen des  verfügbaren Einkommens  bei den Haushalten mit
       erwerbstätigem Haushaltsvorstand in Milliarden DM:
                   Selbständige   Angestellte/Beamte   Arbeiter
                   (1)      (2)      (1)      (2)      (1)      (2)
       1970       98,0     93,0    116,8    120,2    125,7    120,2
       1974      144,3    129,0    172,0    175,3    169,1    165,2
       (1) Zahlen  nach Göseke  und Bedau,  Einkommens- und  Verbrauchs-
       schichtung, S.  168 ff.; (2) Zahlen nach: Verbrauch und Ersparnis
       sozialer Gruppen  in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1977,
       DIW - Wochenbericht 11/79, S. 120.
       7) In der Veröffentlichung der Deutschen Bundesbank wird die Grö-
       ßenordnung der  nichtentnommenen Gewinne  für den  Zeitraum 1963-
       1972 auf  jährlich 15 Milliarden DM geschätzt. Vgl. Ersparnisbil-
       dung und Geldvermögen, a.a.O., S. 31.
       8) 1974  betrug  nach  den  DIW-Zahlen  das  Netto-Durchschnitts-
       einkommnen aller  Angestelltenhaushalteam Jahr 29 528 DM; das von
       Angestelltenhaushalten  mit  zwei  und  mehr  Einkommensbeziehern
       dagegen 41 880  DM (vgl.  Göseke und  Bedau, Einkommens- und Ver-
       brauchsschichtung, S. 204 ff.).
       9) Die Bestimmung  dessen was  in Abhängigkeit  vom Einkommen zur
       "elastischen" und  was zur "unelastischen" Konsumtion gehört, ist
       bekanntlich umstritten.  Zum  einen  handelt  es  sich  nicht  um
       starre, sondern  mit der  Entwicklung der  Produktion und der Be-
       dürfnisse veränderliche  Begriffe. In  diesem Zusammenhang spielt
       auch eine  Rolle, wie groß der Haushaltet für die jeweiligen Aus-
       gabenpositionen ist.  Ein 4-Personen-Haushalt der 1000 DM für Es-
       sen im  Monat ausgibt,  kann leichter  etwas einsparen als einer,
       der 500  DM ausgibt.  Zum anderen reicht die Aufgliederung nach 9
       Hauptgruppen nicht  aus um  die Aufteilung vorzunehmen. Seife und
       Klopapier gehören  gewiß zum "unelastischen" Bedarf, sind aber in
       der "elastischen Ausgabengruppe Körper-und Gesundheitspflege ent-
       halten.
       10) Nach den DIW-Berechnungen hatten 1974 Haushalte von Selbstän-
       digen mit  7000 DM und mehr Haushaltsnettoeinkommen im Monat eine
       durchschnittliche Größe  von 4,3  Personen Bei Arbeiterhaushalten
       der Einkommensklasse  1300-1500 DM betrug durchschnittliche Haus-
       haltsgröße dagegen  lediglich 2,7 Personen Berechnet nach: Göseke
       und Bedau, Einkommens- und Verbrauchsschichtung, S. 200 und 208.
       10a) "Wissen Sie,  wie man in anständigen Schuhen geht? Ich meine
       in leichten,  nach Maß aus feinem Leder, wo Sie sich wie ein Tän-
       zer fühlen,  und richtig geschnittene Hosen aus weichem Material,
       wer kennt das schon von euch? Das ist aber eine Unwissenheit, die
       sich rächt.  Die Unwissenheit  über Steaks,  Schuhe und Hosen ist
       eine doppelte: Sie wissen nicht, wie das schmeckt, und Sie wissen
       nicht wie Sie das bekommen können, aber die Unwissenheit ist eine
       dreifache, wenn  Sie nicht  einmal wissen,  daß es das gibt." (B.
       Brecht, Flüchtlingsgespräche).
       11) Vgl. Deutsche  Bundesbank, Ersparnisbildung und Geldvermögen,
       S. 29.
       12) Berechnet nach: Verbrauch und Ersparnis ... 1977, S. 122 f.
       13) Maximal könnten 1/8 der Nahrungsmittelausgaben, also rund 708
       DM, auf den größeren Haushaltsumfang zurückgeführt werden.
       14) Manfred Euler,  Einfluß der  sozialen Stellung des Haushalts-
       vorstandes auf Einnahmen und Ausgaben ausgewählter privater Haus-
       halte. Ergebnis  der laufenden  Wirtschaftsrechnungen, in: Wista,
       H. 11/1978,  S. 730  ff.; derselbe, Budgets ausgewählter privater
       Haushalte 1978, in: Wista, H. 5/1979, S. 365 ff.
       15) "Trotzdem bleibt  offen, ob die Unterschiede in der Ernährung
       nicht möglicherweise  auch  auf  die  unterschiedliche  regionale
       Streuung der  Angestellten- und  Arbeiterhaushalte zurückzuführen
       sind. Gerade  weil die  Ergebnisse gewisse  Klischeevorstellungen
       von dem Verbrauchsverhalten von Angestellten und Arbeitern zu be-
       stätigen scheinen,  muß besonders  gründlich überlegt  werden, ob
       und  inwieweit  andere  Faktoren  eine  Rolle  spielen  könnten."
       (Euler, Einfluß der sozialen Stellung, S. 743.)
       16) Vgl. dazu  auch Göseke und Bedau, Einkommens- und Verbrauchs-
       schichtung, S. 29.
       17) Nach dem  Preisindex für  die Lebenshaltung eines 4-Personen-
       Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen.
       18) Vgl. zur  Lohn- und Gehaltsentwicklung in dieser Zeit: Rainer
       Skiba, Die  gewerkschaftliche Lohnpolitik und die Entwicklung der
       Reallöhne, Köln 1968; Hermann Adam und Rainer Skiba, Die langfri-
       stige Lohn-  und Gehaltsentwicklung,  in:  Das  Mitbestimmungsge-
       spräch, 8/1971.
       19) Neben den  aufgezählten Faktoren spielt zusätzlich der in ge-
       wissem Umfang  erfolgte Abbau von Überstunden und unabgesicherten
       Zuschlägen eine  Rolle. Es  ist aber auch zu berücksichtigen, daß
       die arbeitslos gewordenen Arbeiter insgesamt unterdurchschnittli-
       che Einkommen  hatten (besonders  die Gruppe der teilzeitbeschäf-
       tigten Frauen),  was den  Einkommensdurchschnitt für  die aktiven
       Industriearbeiter 1975 nach oben verschoben hat.
       20) Vgl. Dähne und Dieckhoff, Preisindizes für die Lebenshaltung,
       vor allem S. 139 ff.
       21) Ein weiteres  Problem ergibt  sich bei der Reallohnberechnung
       daraus, daß für alle Gruppen der Arbeiterklasse lediglich ein In-
       dex, nämlich  der des  "4-Personen-Arbeitnehmerdurchschnittshaus-
       halts ..."  zur Verfügung  steht. Es  liegt auf der Hand, daß ein
       derartiger Index  allein schon  aufgrund seines  auf die spezifi-
       schen Verbrauchsverhältnisse dieses Haushaltstyps zugeschnittenen
       Warenkorbs für  Reallohnberechnungen von  Ledigen oder kinderrei-
       chen Arbeiterfamilien wenig tauglich ist. Will man aber auf Real-
       lohnberechnungen für diese Gruppen nicht gänzlich verzichten, muß
       man behelfsweise Indizes zur Hilfe nehmen, die zwar nicht für die
       Messung der  Verteuerung der  Lebenshaltung bei  Arbeiterfamilien
       konstruiert sind,  deren Warenkorbsstruktur  aber  die  Ausgaben-
       struktur der  genannten Erwerbstätigengruppen  weitaus besser re-
       präsentieren, etwa  die Preisindizes für die "Einfache Lebenshal-
       tung eines Kindes" bzw. für 2-Personen-Rentnerhaushalte.
       22) DIW-Wochenbericht 30-31/1976, S. 285.
       23) Bundesminister für  Arbeit und  Sozialordnung, Übersicht über
       die soziale Sicherung, Bonn 1977, S. 238.
       24) Ebenda.
       25) Der von  uns auf  der Grundlage der offiziellen Daten berech-
       nete durchschnittliche  Preisanstieg im  ersten Halbjahr  1979 im
       Vergleich zum ersten Halbjahr 1978 betrug rund 3,4 Prozent. Dabei
       stiegen bislang  die Nahrungs-  und Genußmittelpreise  sowie  die
       Mieten unterdurchschnittlich,  was im  Verlauf  des  Jahres  u.E.
       nicht anhalten  wird. Überdurchschnittliche Preissteigerungsraten
       gab es nicht nur bei Mineralölprodukten, sondern auch bei den Wa-
       ren und Dienstleistungen für: Verkehrszwecke und Nachrichtenüber-
       mittlung, Körper-  und Gesundheitspflege, Bildungs- und Unterhal-
       tungszwecke sowie  die persönliche Ausstattung. Darunter befinden
       sich auch  viele öffentliche  Dienstleistungen, deren  Preise zum
       Teil beträchtlich in die Höhe getrieben wurden. Angesichts der am
       l. Juli erfolgten Mehrwertsteuererhöhung und den gewachsenen Mög-
       lichkeiten der  Großunternehmen, Preiserhöhungen  am Markt durch-
       zusetzen, ist  es sicher,  daß  die  Jahresdurchschnittsrate  der
       Preissteigerung selbst  nach den amtlichen Berechnungen um 5 Pro-
       zent liegt.  Sie hatte  1978 offiziell noch 2,6 Prozent betragen.
       Spätestens im  September 1979 wird die Rate im Vergleich zum Vor-
       jahr  die   6-Prozent-Grenze  erreichen  oder  übersteigen.  Ohne
       "Nachschlag" tritt  also eine  beachtliche Senkung  der Reallöhne
       ein.
       26) Vgl. Stat.  BA., FS A, Reihe 6, Entwicklung der Erwerbstätig-
       keit (Ergebnis des Mikrozensus), laufend.
       27) Eine gewisse  Rolle dürfte  dabei allerdings die Minderbewer-
       tung der Entnahmen von Nahrungsmitteln und der Mieten spielen.
       28) C.A. Andreae, Ökonomik der Freizeit, Reinbek 1970, S. 140.
       29) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.8.1974.
       30) Ebenda.
       31) Vgl. Bundesminister  für Arbeit  und Sozialordnung, Übersicht
       über die soziale Sicherung, Bonn 1977, S. 27.
       32) Auch bei diesen Daten muß freilich berücksichtigt werden, daß
       der Unsicherheitsbereich dieser Schätzungen sehr groß ist.
       33) Stat. BA., FS 13, Reihe 4, Wohngeld 1976, S. 13; nicht erfaßt
       sind hierbei die Empfänger von Sozialhilfe.
       34) Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundesrepublik Deutsch-
       land im Jahre 1975, in: DIW-Wochenbericht 30"31/1976, S. 279.
       35) Vermögenseinkommen der  privaten Haushalte in der Bundesrepu-
       blik Deutschland 1970 bis 1978, DIW-Wochenbericht, 19/79, S. 209.
       36) Bundesminister für  Raumordnung, Bauwesen  und Städtebau, Das
       Wohnen in der Bundesrepublik, Bonn-Bad Godesberg 1975, S. 46.
       37) Dabei spielt  die staatliche  Sparförderung,  die  inzwischen
       auch in vielen Tarifverträgen berücksichtigt wird, eine beträcht-
       liche Rolle.  Nach der  Einkommens- und  Verbrauchsstichprobe von
       1973 hatten  63,7 Prozent  aller Arbeiterhaushalte,  60,8 Prozent
       aller Haushalte  von Angestellten und 54,4 Prozent aller Beamten-
       haushalte prämienbegünstigte  Sparbücher. Nimmt  man alle Anlage-
       möglichkeiten zusammen,  dann hatten 92,3 Prozent aller Arbeiter-
       ,92,4 aller Angestellten- und 96,2 Prozent aller Beamtenhaushalte
       vermögenswirksam gespart. (Vgl. Manfred Euler, Nutzung der staat-
       lichen Sparförderung durch private Haushalte im Jahr 1973, Ergeb-
       nis der  Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1973, in: Wista, H.
       1/1976, S. 14 ff.)
       38) V.S. Gojlo, Zur Theorie des "menschlichen Kapitals" und eini-
       gen realen  Problemen der Reproduktion der Arbeitskraft, in: Mar-
       xismus Digest 3/1973 (Nr. 15), S. 61.
       39) Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, Vorwort zur zweiten Auf-
       lage, in: Marx/Engels, Werke, Bd. 21, S. 331 f.
       40) Vgl. Gojlo, Reproduktion der Arbeitskraft, S. 61. Hohe eigene
       Reproduktionsleistungen der  Arbeiterfamilien ermöglichen den Un-
       ternehmern, "den  ganzen Kapitalprofit.  . .  aus einem Abzug vom
       normalen Arbeitslohn"  herauszuholen und "den ganzen Mehrwert dem
       Käufer zu  schenken" (Engels, Wohnungsfrage, S. 331) bzw. den An-
       teil der bezahlten Arbeit an der gesamten Arbeitsverausgabung be-
       deutend zu drücken und die Akkumulationskraft entsprechend zu er-
       höhen. Das  dürfte nicht  nur "das  Geheimnis  der  erstaunlichen
       Wohlfeilheit der  meisten deutschen  Ausfuhrartikel" (ebenda,  S.
       332) Ende des vorigen Jahrhunderts gewesen sein, sondern auch zum
       Teil das "japanische Wirtschaftswunder" erklären.
       41) Einzelne Gruppen  von  Industriearbeitern  wurden  vom  Real-
       lohnabbau in  unterschiedlichem Ausmaß  betroffen. So  sanken die
       Reallöhne für  Industriearbeiterinnen um 1,0 Prozent, für verhei-
       ratete Facharbeiter mit 2 Kindern um 2,6 Prozent.
       42) Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, Oktober 1976, S. 14.
       43) Vgl. Monatsberichte, März 1976, S. 14.
       44) Monatsberichte, Oktober 1976, S. 16.
       45) So schreibt  das Statistische Bundesamt: Für den Haushaltstyp
       des "mittleren Arbeitnehmerhaushalts" ist "hervorzuheben, daß die
       Haushalte die  Aufwendungen für  Verkehr und Nachrichtenübermitt-
       lung -  nach einem  äußerst zurückhaltenden  Ausgabenverhalten im
       Vorjahr - 1975 kräftig gesteigert haben. Die absolute Höhe dieser
       Aufwendungen nahm  ... um  ... fast  30% zu.  Ausschlaggebend für
       diese Entwicklung  waren vor allem die um mehr als die Hälfte ...
       höheren Aufwendungen  für den Kauf von Kraftfahrzeugen (und Fahr-
       rädern)." Stat. BA., Einnahmen und Ausgaben 1975, S. 9.
       46) Vgl. Monatsberichte, Oktober 1976, S. 16.
       47) Vgl. Stat. BA., Einnahmen und Ausgaben, lfd.
       48) Vgl. dazu: Christian Brinkmann, Finanzielle und psychosoziale
       Belastungen während  der Arbeitslosigkeit,  in: Mitteilungen  aus
       der Arbeitsmarkt-  und Berufsforschung (MittAB), H. 4/1976; ders.
       Arbeitslosigkeit und  Mobilität, in: MittAB, H. 2 /1977; Arbeits-
       gruppe des  IMSF, Wirtschaftskrise  und Frauenemanzipation in der
       BRD, IMSF-Informationsbericht  Nr. 31, Frankfurt/M. 1978; Wolfram
       Eisner, Soziale  Kosten der  Wirtschaftskrise: Lebenslage  - Ver-
       schlechterungen und  Anpassungsleistungen von  Arbeitslosen, Dis-
       kussionsarbeiten der  Fakultät für  Wirtschaftswissenschaften der
       Universität Bielefeld,  Nr. 51,  Bielefeld 1978,  Ministerium für
       Gesundheit, Soziales und Sport von Rheinland-Pfalz, Begleiter der
       Arbeitslosigkeit, Abstieg  und  Armut,  Dokumentation  zur  wirt-
       schaftlichen Lage von Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutsch-
       land, Mainz  1978; Hans  Schindler, Folgen  der Arbeitslosigkeit,
       in: Marxistische  Blätter, H.  1/1979, S.  57 ff.; Carola Möller,
       Finanzielle Auswirkungen  von Erwerbslosigkeit auf die Erwerbslo-
       sen und  ihre Haushalte,  unveröffentlichtes,  vorläufiges  Manu-
       skript, Köln  1979; Norbert  Lambert, Arbeitsmarktpolitik  in der
       Wirtschaftskrise, IMSF-Informationsbericht  Nr. 33,  Frankfurt am
       Main 1979.
       49) Karl Marx,  Das Kapital,  Bd. I,  in Marx/Engels, Werke, Bsd.
       23, S. 658.
       50) Ebenda, S. 661.
       51) Brinkmann, Mobilität, S. 209; auch die folgenden Angaben nach
       dieser Quelle, S. 209 ff.
       52) Marx, Kapital, Bd. I, S. 670.
       53) Die sogenannte  "Entlastungswirkung", d.h.  die Minderung der
       Arbeitslosenzahl  liegt  unter  den  in  Tabelle  14  angegebenen
       Zahlen, da  sich die  Maßnahmen nur zum Teil über ein ganzes Jahr
       ausdehnen.
       54) zum Begriff  vgl. W.  Klauder und G Kühlewind, Zur längerfri-
       stigen Vorausschätzung des Arbeitskräfteangebots in der Bundesre-
       publik Deutschland, Technik, Probleme, Möglichkeiten und Grenzen,
       in MittAB H. 10/1969.
       55) Franz Egle  und  Rudolf  Leupoldt,  Mehrfacharbeitslosigkeit,
       Dauer der Arbeitslosigkeit und Wiedereingliederung von Arbeitslo-
       sen. Eine empirische Untersuchung aus einer Abgangsstichprobe, in
       MittAs, H. 4/1977, S. 465.
       56) Christian Brinkmann,  Strukturen und Determinanten der beruf-
       lichen  Wiedereingliederung   von   Langfristigarheitslosen,   in
       MittAB. H. 2/1978. S. 195.
       57) Werner Sörgel, Motivation von Arbeitssuchenden, Hemmnisse für
       die Einstellung  von Arbeitslosen,  Effektivität von  Vermittlung
       und Beratung,  Fortbildungs- und  Mobilitätsbereitschaft von  Be-
       schäftigten, Zusammenfassung  wichtiger  Untersuchungsergebnisse,
       Forschungsprojekt von Infratest (finanziert vom Bundesministerium
       für Arbeit und Sozialordnung), München, Mai 1978, S. 5.
       58) In den  drei Jahren  1974-1976 wanderten  1,028 Millionen Er-
       werbspersonen aus  der Bundesrepublik  ab. Gleichzeitig wanderten
       643 000 Erwerbspersonen  in die  Bundesrepublik ein. Beide Ströme
       sind u.E. Bestandteil bzw. Form der Reservearmee, weil die Zuwan-
       derer, insofern sie in der Bundesrepublik auch einen Arbeitsplatz
       finden, von der unsichtbaren "latenten" Reserve in die "flüssige"
       Form überführt  werden, ansonsten  zur "Stillen Reserve" gehören.
       Der Saldo  der Wanderungsströme  betrug in  diesen drei  Jahren -
       384000 Erwerbspersonen.  Alle Zahlen nach: Der Bundesminister für
       Arbeit und  Sozialordnung, Arbeits- und Sozialstatistik, Haupter-
       gebnisse 1978, S. 10.
       59) Daß bei  dieser "Freiwilligkeit" ökonomische Zwänge, u.a. der
       Druck, der  von den  strukturellen Veränderungen  der  Produktion
       ausgeht, eine  Rolle spielen,  haben für  die sechziger Jahre be-
       reits Burkhardt  Lutz und  Friedrich Weltz gezeigt. Vgl. Der zwi-
       schenbetriebliche Arbeitsplatzwechsel.  Zur Soziologie und Sozio-
       ökonomie der Berufsmobilität, Frankfurt 1966.
       60) Marx, Kapital, Bd. I, S. 672.
       61) Vgl. Egle und Leupoldt, Mehrfacharbeitslosigkeit, S. 463.
       62) Ausgewiesen werden als Ergebnisse der Strukturerhebungen fol-
       gende Klassen:  "bis unter  1 Monat",  "1 bis unter 3 Monate", "3
       bis unter  6 Monate",  "6 bis  unter 12 Monate", "12 bis unter 24
       Monate", "24  Monate und  darüber". Bei  der Durchschnittsbildung
       wird davon ausgegangen, daß die Arbeitslosen in der unteren offe-
       nen Klasse  im Durchschnitt einen halben Monat, in der oberen of-
       fenen Klasse  36 Monate arbeitslos sind und daß sich die Arbeits-
       losen ansonsten auf die Klassenmitten verteilen.
       63) Ulrich Gramer  und Franz  Egle, Zur  durchschnittlichen Dauer
       der Arbeitslosigkeit, in: MittAB, H. 4/1976, S. 495.
       64) Sörgel, Zusammenfassung, S. 4.
       65) Auch bei  den Kurzarbeitern ist die Zahl der Kurzarbeitsfälle
       wegen Mehrfachkurzarbeit  höher als die Zahl der Betroffenen, die
       wiederum beachtlich über der amtlich registrierten Zahl von Kurz-
       arbeitern liegt. Rolf Flechsenhar nimmt an, daß den 555 000 Kurz-
       arbeitsfällen des  Jahres 1977  rund 231000 Kurzarbeiter entspra-
       chen. Vgl.  Kurzarbeit - Kosten und Finanzierung,' in: MittAB, H.
       4/1978, S. 443.
       66) Als "latent" wurde die Summe aus Stiller Reserve, und der Be-
       teiligung an  ABM-Maßnahmen sowie  Vollzeitmaßnahmen der berufli-
       chen Bildung  bezeichnet. Die  beiden zuletzt  genannten  Gruppen
       können selbstverständlich  auch im gleichen Jahr arbeitslos sein,
       also doppelt  gezählt werden.  Als "leichtflüssig" wurden 30 Pro-
       zent der  von Arbeitslosigkeit  Betroffenen und  die Kurzarbeiter
       bezeichnet. "Stockend"  setzt sich  zum einen  aus der Gruppe der
       Mehrfacharbeitslosen mit  unstabilen  Beschäftigungsverhältnissen
       zusammen. Aufgrund verschiedener Untersuchungen wurde angenommen,
       daß diese  Kennzeichnung für  10 Prozent der von Arbeitslosigkeit
       Betroffenen zutraf.  Dazu gezählt  wurden diejenigen,  die länger
       als ein  Jahr arbeitslos  waren, und  diejenigen, die im gleichen
       Jahr einen Antrag auf Verrentung mit 60 bewilligt bekommen haben.
       Auf mögliche  Doppelzählungen wurde  bereits mehrfach  verwiesen.
       Die Gruppe  "flüssig bis  zähflüssig" wurde als Restkategorie be-
       stimmt: 60  Prozent aller von Arbeitslosigkeit Betroffenen abzüg-
       lich der Arbeitslosen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren.
       67) Marx, Kapital, Bd. I, S. 666.
       68) Klassen- und  Sozialstruktur der  BRD 1950-1970, Sozialstati-
       stische Analyse,  Beiträge des  IMSF 3, Verlag Marxistische Blät-
       ter, Frankfurt 1975, 2. Halbbd., S. 146 ff.
       69) Marx, Kapital, Bd. I, S. 673 f.
       70) Vgl. Heiner  Geißler, "Neue  Soziale Frage"  - Zahlen, Daten,
       Fakten, 5. November 1975, S. 15 ff.
       71) Sowohl im Hinblick auf Qualifikation, Einkommensansprüche und
       regionale Mobilität;  das Unternehmerleitbild scheinen Wohnwagen-
       besitzer zu  sein, die sich nach Belieben von einer Ecke der Bun-
       desrepublik in die andere verschieben lassen.
       72) Werner Karr,  Die Leistungsberechtigten  in der Arbeitslosen-
       statistik, in: MittAB, H. 1/1978, S. 3.
       73) Ebenda, S. 4.
       74) Ebenda, S. 5.
       75) Bei besonderen  Härtefällen kann diese Frist auf 14 Tage ver-
       mindert werden  (§ 119,  Absatz 2  AFG). Versäumt der Arbeitslose
       eine Meldung  beim Arbeitsamt, obwohl er dazu aufgefordert wurde,
       dann kann die Sperrfrist 6 Tage betragen (§ 120 AFG).
       76) "Hat der  Arbeitslose 1.  das Arbeitsverhältnis  gelöst  oder
       durch ein  vertragswidriges Verhalten Anlaß für die Kündigung des
       Arbeitsgebers gegeben  und hat  er dadurch vorsätzlich oder grob-
       fahrlässig die Arbeitslosigkeit herbeigeführt ..."
       77) Hat der  Arbeitslose "trotz  Belehrung über  die Rechtsfolgen
       eine vom Arbeitsamt angebotene Arbeit nicht angenommen oder nicht
       angetreten ...".
       78) Vgl. ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen, S. 263.
       79) Nach einer von uns durchgeführten Umfrage unter südhessischen
       Arbeitsämtern sind  die Vermittler  angehalten, alle Umstände des
       Einzelfalls zu berücksichtigen und dabei auch die Unternehmensar-
       gumente gebührend zu berücksichtigen.
       80) Werner Karr und Rudolf Leupoldt, Unterschiede im Leistungsbe-
       zug zwischen  den Arbeitsamtsbezirken der Bundesrepublik Deutsch-
       land, in: MittAB, H. 1/1979, S. 19.
       81) Ebenda, S. 22.
       82) Süddeutsche Zeitung, 2-3-4.6.1979.
       83) Karr und Leupoldt, Unterschiede, S. 20.
       84) Ebenda, S. 22.
       85) Erich Weber  und Walter Blitzer, Arbeitsrechts- und Sozialfi-
       bel, 13. Auflage, Köln 1976, S. 410.
       86) Sörgel, Zusammenfassung, S. 5.
       87) Brinkmann, Belastungen, S. 403.
       88) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 13.
       89) Ganz abgesehen  davon ,  daß ein  erheblicher Prozentsatz von
       Arbeitern und  Angestellten vor  allem im  Handel bereits während
       der Erwerbstätigkeit Sozialhilfe beziehen müßte.
       90) Ministerium für Gesundheit, Soziales und Sport von Rheinland-
       Pfalz, Abstieg und Armut, S. 51.
       91) Ebenda.
       92) Es gibt  Fälle, in  denen erst Leute entlassen wurden, andere
       später wieder mit den entsprechenden staatlichen Beihilfen einge-
       stellt wurden.
       93) Das häufig  zu hörende "Gegenargument", daß dann die kommuna-
       len Haushalte  noch stärker belastet würden, ist haltlos. Es gilt
       dann eben  den Kampf für eine bessere finanzielle Ausstattung der
       Kommunen entschiedener zu führen, als das bisher geschehen ist.
       94) Hans Rolf  Flechsenhar, Kurzarbeit - Kosten und Finanzierung,
       in: MittAB, H. 4/1978, S. 443.
       95) Sebastian Herkommer u.a., Gesellschaftsbewußtsein und Gewerk-
       schaften, Arbeitsbedingungen,  Lebensverhältnisse, Bewußtseinsän-
       derungen und  gewerkschaftliche Strategie  von 1945  bis 1979, S.
       63. Ansonsten ist die kurze und knappe Zusammenfassung über viele
       Momente der Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse sehr infor-
       mativ.
       96) Bei einer  INFAS-Untersuchung in Dortmund ergab sich, daß nur
       rund 20  Prozent der Haushalte, die Anspruch auf Sozialhilfe hat-
       ten, diese  auch in  Anspruch nahmen. Vgl. Geisler, "Neue Soziale
       Frage", S. 36.
       97) Ministerium für  Gesundheit, Soziales und Sport usw., Abstieg
       und Armut, S. 51.
       98) Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind gering.
       99) Eine gute  Grundlage, solchen Praktiken entgegenzuwirken, ist
       der "Leitfäden  der Sozialhilfe",  Frankfurt 1978,  herausgegeben
       von der Sozialhilfegruppe TUWAS, c/o Fachhochschule, FB Sozialar-
       beit, Limescorso 5, 6000 Frankfurt.
       100) Vgl. Geschäftsstelle  der Landesarbeitsgemeinschaft  Soziale
       Brennpunkte Hessen, Brennpunkt-Zeitung,
       Nr. 2/78 vom 23.9.1978.
       101) Bundesminister für  Arbeit und  Sozialordnung, Arbeits-  und
       Sozialstatistik, Hauptergebnisse 1978, S. 113.
       102) Alle Angaben  und das  grundlegende Berechnungsbeispiel nach
       Erich Weber  und Walter  Blitzer, Arbeitsrechts-und  Sozialfibel,
       13. Auflage, Köln 1976, S. 553 f.
       103) 120                   1,5
           (--- x 18 337) X (40 x ---) = 13 202,64 DM.
            100                   100
       104) Nach  Auskunft  der  Landesversicherangsanstalt  bleibt  der
       Steigerungssatz mit  1,5 Prozent  unverändert. Allerdings  dürfte
       die Arbeitslosigkeit  auch zu  einer Senkung der Persönlichen Be-
       messungsgrundlage geführt  haben, was in unserer Überschlagsrech-
       nung nicht berücksichtigt wurde.
       105) Brinkmann, Belastungen, S. 400.
       106) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 61.
       107) So gab  es z.B.  allein in  Offenbach 1975    78  Fälle  von
       Zwangsräumungen, 1978  bereits 143  und für 1979 wird mit 160 ge-
       rechnet (vgl. FAZ, 31.7.1979).
       108) Die Stationen  einer solchen  Abstiegsspirale sind sehr pla-
       stisch dargestellt,  in: Arbeitsgruppe der IMSF, Wirtschaftskrise
       und Frauenemanzipation, Informationsbericht Nr. 31, S. 151 ff.
       109) Man kann  nur hoffen,  daß diese  wichtige Untersuchung bald
       veröffentlicht wird.
       110) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 59 f.
       111) Ebenda, S. 60.
       112) Ebenda, S. 61.
       113) Ebenda, S. 87.
       

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