Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979


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       DIE REPRODUKTIONSBEDINGUNGEN DES FIXEN KAPITALS ALS GRUNDLAGE
       =============================================================
       VON STAGNATIONSTENDENZEN *)
       ===========================
       
       Jörg Goldberg
       
       I. Investitionsschwäche  und Fondseffektivität - empirische Indi-
       katoren. - II. Zyklische Krisen und die Rolle des fixen Kapitals.
       - III.  Steigende Fondseffektivität als Ursache der Wachstumsver-
       langsamung. - IV. Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen.
       
       Die zyklische  Krise von  1974/75, die in fast allen kapitalisti-
       schen Ländern  gleichzeitig einsetzte,  gilt nicht  nur  als  der
       tiefste Konjunktureinbruch  seit 1929 / 32, sondern auch als Ein-
       schnitt in die langfristige Wachstumstendenz des Kapitalismus.
       
       Tabelle 1:
       Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Industrieproduktion
       
                 USA   Japan   BRD   Frankreich  Großbritannien  Italien
       1948-55  +5,0   +17,7  +18,5    +6,3          +4,2          +9,7
       1955-60  +2,4   +16,6   +6,8    +5,9          +2,5          +8,7
       1960-65  +6,3   +11,8   +6,5    +6,3          +3,2          +7,0
       1965-70  +3,5   +15,3   +5,1    +5,6          +2,4          +7,4
       1970-78  +3,8    +4,1   +2,1    +3,1          +1,5          +3,4
       _____
       Quellen: Die Wirtschaft  kapitalistischer Länder  in Zahlen, IPW-
       Forschungshefte 4/1977; OECD, Main economic indicators, lfd.
       
       Die veränderten Wachstumsbedingungen lassen sich insbesondere aus
       der Entwicklung  seit 1975 ablesen. Gemessen an der Industriepro-
       duktion benötigten  die kapitalistischen  Länder im  Durchschnitt
       etwa drei  Jahre, um  den Produktionshöhepunkt  vor Ausbruch  der
       Krise wieder zu erreichen.
       Der tiefen  zyklischen Krise folgte nur ein zögernder Aufschwung,
       der zudem sowohl 1977 als auch 1978 in vielen Ländern von Stagna-
       tionsperioden und  kurzfristigen Produktionsrückgängen  unterbro-
       chen war.  Eine gewisse Ausnahme bildet die Situation in den USA.
       Dort kam es nach der Krise zu einem anhaltenden und relativ kräf-
       tigen Aufschwung der Produktion. Für 1979 wird allerdings mit ei-
       ner starken  Wachstumsabschwächung und  teilweise mit einer neuen
       Rezession gerechnet.
       Obwohl es  in den meisten kapitalistischen Ländern 1978/79 zu ei-
       ner leichten  Verstärkung der Auftriebskräfte gekommen ist - wäh-
       rend diese  in den  USA nachließen  -, bleiben die Wachstumsraten
       doch erheblich unter dem Niveau der 50er und 60er Jahre. Auch für
       die weitere  Zukunft sind  die meisten  Prognosen  wenig  optimi-
       stisch. 1)  Es wird  allgemein angenommen,  daß sich das Wachstum
       für eine längere Periode verlangsamt; der Wachstumseinschnitt der
       70er Jahre gilt als Ausdruck grundlegender Veränderungen.
       
       Tabelle 2:
       Industrieproduktion und Wirtschaftskrise
       
                          Produktionshöhepunkt  Überschreiten des Höhe-
                          vor der Krise         punktes nach der Krise
       
       USA                   3. Vj. 1973               2. Vj. 1976
       Japan                 4. Vj. 1973               3. Vj. 1978
       BRD                   4. Vj. 1973               1. Vj. 1977
       Frankreich            3. Vj. 1974               1. Vj. 1977
       Großbritannien        3. Vj. 1973               2. Vj. 1978
       Italien               2. Vj. 1974               4. Vj. 1976
       "Entwickelte
       Marktwirtschaften" 1) 4. Vj. 1973               4. Vj. 1976
       _____
       1) Nordamerika, Westeuropa,  Australien, Israel,  Japan,  Neusee-
       land, Südafrika.
       Quellen: Zahlen   zur    Wirtschaftsentwicklung,    Beilage    zu
       "Wirtschaftskonjunktur", lfd.;  Monthly Bulletin  of  Statistics,
       United Nations, New York, Februar, lfd.
       
       An dieser  Stelle soll  nicht auf die verschiedenen Erklärungsan-
       sätze eingegangen  werden ,  die bisher vorliegen. 2) Es wäre si-
       cher falsch,  die veränderten Wachstumsbedingungen eindimensional
       auf einen einzigen Punkt zu reduzieren. Daher erheben die folgen-
       den Ausführungen  auch nicht den Anspruch, eine umfassende - Sta-
       gnationserklärung" zu  liefern . Im folgenden soll lediglich ver-
       sucht werden, ein - allerdings für wesentlich gehaltenes - Moment
       herauszugreifen, das  zwar durchaus als Erklärungsansatz für Sta-
       gnationsperioden nicht  neu ist,  in der  gegenwärtigen Situation
       allerdings nur vereinzelt auftaucht. 3)
       Es wird  hier die These vertreten, daß es infolge der Intensivie-
       rung des  technischen Fortschritts,  insbesondere im Zusammenhang
       mit  der   immer  breiteren  Anwendung  der  Schlüsseltechnologie
       "Mikroelektronik" in  weiten Teilen  der verarbeitenden Industrie
       zu einer Veränderung des Wachstumstyps gekommen ist. Das neue Mo-
       ment dabei soll als "Steigerung der Fondseffektivität" bezeichnet
       werden. Es  besagt, daß die Effektivität der eingesetzten Produk-
       tionsmittel in vielen Branchen wächst. Technische Neuerungen sind
       also mit  einer Senkung des Aufwands an fixem Kapital im Verhält-
       nis zur  jeweiligen Produktionsmenge  verbunden. Das  deutlichste
       Beispiel dafür  ist die  Veränderung des Preis-Leistungs-Verhält-
       nisses in der Computerherstellung selbst. "Ein Transistor hat vor
       15 Jahren  2,- DM  gekostet. Dieselbe  Funktion erfüllt heute ein
       Transistor in  einer integrierten  Schaltung für 0,2 Pfennig, das
       ist eine  Verbilligung um  den Faktor  1000." Aber auch im Anwen-
       dungsbereich, der  sich erst infolge dieser Verbilligung so rasch
       ausgedehnt hat  und weiter ausdehnt, verbessert sich vielfach das
       Preis-Leistungs-Verhältnis. "Auf  der Hannover-Messe  wurden  die
       ersten NC-Maschinen  zum Preise  von konventionellen  Werkzeugma-
       schinen angeboten." 4)
       Auch der  Sachverständigenrat hält  die Einsparung  von "Kapital"
       für   e i n e    mögliche  Folge  des  technischen  Fortschritts:
       "Überdies sind auf technologischem Gebiet Entwicklungen im Gange,
       die wie  in der Mikroelektronik häufig auf eine Senkung der Inve-
       stitionsaufwendungen je Arbeitsplatz hinauslaufen." 5) Allerdings
       werden gesamtwirtschaftlich auch gegenläufige Tendenzen gesehen.
       An dieser  Stelle wird davon ausgegangen, daß es in der verarbei-
       tenden Industrie infolge des technischen Fortschritts gegenwärtig
       eine Tendenz  zur Steigerung  der Fondseffektivität gibt. Die Un-
       tersuchung beschränkt  sich also  auf die verarbeitende Industrie
       als Kernbereich  der entwickelten  kapitalistischen Ökonomien und
       als wichtigste  Anlagesphäre für  das private Kapital. In anderen
       Bereichen existieren  mit der  Verteuerung der  Energiegewinnung,
       mit dem  Ausbau von  Umweltschutzeinrichtungen und Infrastruktur-
       einrichtungen entgegenwirkende  Tendenzen. Wie  weiter  unten  zu
       zeigen sein wird, ergeben sich die negativen Wachstumseffekte der
       steigenden Fondseffektivität  in der Industrie erst aus der Anla-
       gestruktur von privatem und öffentlichem Kapital.
       
       I. Investitionsschwäche und Fondseffektivität -
       -----------------------------------------------
       empirische Indikatoren
       ----------------------
       
       Ein wichtiges  Merkmal der konjunkturellen Entwicklung in der BRD
       seit dem  Beginn der  70er Jahre ist die schwache Investitionstä-
       tigkeit vor  allem in  der verarbeitenden Industrie, aber auch im
       Baugewerbe und im Handel. Die Belebungen 1972/73 und 1976 erfolg-
       ten bei rückläufigen bzw. stagnierenden industriellen Investitio-
       nen. Dies ist auch bei einigen anderen wichtigen kapitalistischen
       Industrieländern festzustellen: Die Überwindung der Krise war von
       keiner kräftigen Belebung der Investitionstätigkeit getragen, ob-
       wohl der  Investitionsrückgang in  der BRD (Industrie) schon seit
       1971 anhält.  Dabei ist  es in der BRD wie in den meisten anderen
       Ländern zu  einem Absinken der Lohn- und Zinskosten und einem An-
       stieg der Unternehmergewinne gekommen. Die zögernde Investitions-
       belebung scheint  - so  zeigt es das Beispiel der BRD - vor allem
       vom Ersatz-  und Rationalisierungsbedarf getragen zu sein. Selbst
       die Investitionsbelebung  in den  USA, die  wesentlich deutlicher
       war als  in den  übrigen Ländern,  erfolgte nur verzögert und ist
       ebenfalls durch  einen hohen Rationalisierungsanteil gekennzeich-
       net.
       Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der gesamtwirtschaftli-
       chen Investitionsquoten.  Demnach hat sich die Investitionstätig-
       keit in  den meisten kapitalistischen Ländern bis Anfang der 70er
       Jahre tendenziell  verstärkt, während  seither  eine  rückläufige
       Tendenz zu  beobachten ist. Dies gilt im großen und ganzen sowohl
       für die  Bauinvestitionen als auch für die Ausrüstungsinvestitio-
       nen. 6)
       
       Bild ansehen
       Anlageinvestitionsquoten
       
       Die für  die meisten  kapitalistischen Länder typische Investiti-
       onsschwäche 7)  war und  ist in  der verarbeitenden Industrie der
       Bundesrepublik besonders  ausgeprägt, so  daß sich  die folgenden
       Ausführungen auf dieses Beispiel beziehen.
       Das vergleichsweise niedrige Niveau der industriellen Investitio-
       nen in  der BRD  hängt sicher  auch mit  der besonderen Tiefe der
       Krise, der stark abgesunkenen Kapazitätsauslastung zusammen. Auch
       die monopolistische Deformation des Investitionszyklus dürfte da-
       bei eine  wichtige Rolle  spielen, durch die Überkapazitäten auch
       in der  Krise aufrechterhalten  und so  die  Voraussetzungen  für
       einen investitionsgetragenen Aufschwung verschlechtert werden. 8)
       Allerdings scheinen diese Erklärungen zumindest für die BRD nicht
       auszureichen. Denn hier zeigt sich in der Industrie doch eine we-
       sentliche und  dauerhafte Veränderung  im  Zusammenhang  zwischen
       Produktion und  Investitionen. Obwohl  das Niveau  der Investiti-
       onstätigkeit stark  gesunken ist  - bei, wenn auch verlangsamter,
       Zunahme der  Produktion -  liegt der  Auslastungsgrad der Anlagen
       wesentlich niedriger als zu Beginn der 70er Jahre. Es liegt daher
       nahe zu  untersuchen, ob der Investitionszurückhaltung nicht auch
       stoffliche Veränderungen  im Reproduktionsprozeß zugrunde liegen,
       die eine  Tendenz zum  Anstieg der  "Fondseffektivität", d.h. der
       Effektivität des  fixen Kapitals, der Maschinerie und Anlagen be-
       inhalten.
       Ein eindeutiger  empirischer Beleg für die Richtigkeit dieser An-
       nahme ist  auf der  Grundlage der vorhandenen Statistiken der BRD
       gegenwärtig noch  nicht zu  erbringen. Es gibt allerdings auch in
       den existierenden  Investitionsrechnungen eine  ganze  Reihe  von
       Hinweisen und  Indikatoren, die für eine Veränderung im Charakter
       des technischen  Fortschritts seit  dem Ende der 60er Jahre spre-
       chen. 9)  Diese Hinweise sind immerhin so deutlich, daß eine Dis-
       kussion dieses  Aspekts als Beitrag zur Erklärung der veränderten
       Wachstumsbedingungen des  Kapitalismus sinnvoll und notwendig er-
       scheint. Im  folgenden sollen die Momente genannt werden, die auf
       der empirischen  Ebene für die Richtigkeit unserer Annahmen spre-
       chen, ohne  daß auf  die Berechnungsprobleme  und -methoden  hier
       ausführlich eingegangen werden kann.
       Zunächst fällt  der Umfang und die Dauerhaftigkeit des Investiti-
       onsrückgangs der  verarbeitenden Industrie ins Auge (vgl. Tabelle
       3).
       Das Investitionsvolumen  war  also  sieben  Jahre  kontinuierlich
       rückläufig. Erst  1978 ist wieder ein Anstieg zu verzeichnen, der
       allerdings - verglichen mit anderen konjunkturellen Belebungspha-
       sen -  immer noch  sehr mäßig  ausfällt. Trotzdem wird das Niveau
       der Investitionen  real auch 1979 noch um mehr als 20 Prozent un-
       ter dem Höchststand von 1970 liegen. Die langfristigen Investiti-
       onsplanungen -  so wie  sie vom  Ifo-Institut in den regelmäßigen
       Unternehmensbefragungen ermittelt werden - lassen für die Zukunft
       ebenfalls keine deutlichere Investitionsbelebung erwarten. 10)
       Daß es  sich bei den Investitionsrückgängen nicht nur um eine Re-
       aktion auf  die Überakkumulation von fixem Kapital der Jahre 1969
       und 1970 handelt, macht ein Vergleich zwischen Produktion und Um-
       satz deutlich,  d.h.  eine  Untersuchung  der  Investitionsquoten
       (vgl. Tabelle 4).
       Das Deutsche  Institut für  Wirtschaftsforschung (DIW)  berechnet
       die Investitionsquoten  einmal als Verhältnis von Bruttoanlagein-
       vestitionen (nominal) zum Umsatz. Die Quote steigt in der Tendenz
       von den  50er zu  den 60er Jahren an und fällt vom Höhepunkt 1970
       (6,9%) bis  auf 4,2% 1977. Die Höhepunkte 1961 und 1970 sind fast
       gleich. Bemerkenswert ist immerhin, daß die 4 Jahre zwischen 1974
       und  1977  die  niedrigsten  Werte  in  der  Geschichte  der  BRD
       aufweisen. Das Ifo-Institut erwartet für die Jahre 1979-1983 eine
       durchschnittliche Investitionsquote von 4,1 Prozent. Eine leichte
       Modifikation der Tendenz ergibt sich aus der wachsenden Rolle des
       Anlagen-Leasing. Die von Leasing-Firmen gekauften Anlagen, die an
       die verarbeitende  Industrie vermietet  werden (1977  ca. 3  Mrd.
       DM), tauchen  als Investitionen  des Dienstleistungssektors  auf.
       11)
       
       Tabelle 3:
       Investitionsvolumen der verarbeitenden Industrie
       
                      1950    1951    1952    1953    1954    1955
       
       Mill. DM 1)   6 787   7 641   7 592   8 186   9 714  12 536
       In % 2)                12,6    -0,6     7,8    18,7    29,1
       
                      1956    1957    1958    1959    1960    1961
       
       Mill. DM 1)  13 199  13 006  12 966  14 126  23 255  25 558
       In % 2)         5,3    -1,5    -0,3     8,9    25,2     9,9
       
                      1962    1963    1964    1965    1966    1967
       
       Mill. DM 3)  25 508  23 386  24 627  27 357  26 589  23 639
       In % 2)        -0,2    -8,3     5,3    11,1    -2,8   -11,1
       
                      1968    1969    1970    1971    1972    1973
       
       Mill. DM 3)  22 754  30 646  35 490  34 867  31 476  30 343
       In % 2)        -3,7    34,7    15,8    -1,8    -9,7    -3,6
       
                      1974    1975    1976    1977    1978    1979
                                                        4)    4)
       Mill. DM 3)  27 720  24 981  24 977  24 724       -       -
       In % 2)        -8,6    -9,9    -0,0    -1,0    +6,8    +6
       _____
       1) In Preisen von 1962.
       2) In % gegenüber dem Vorjahr.
       3) In Preisen von 1970.
       4) Laut Ifo-Investitionstest, Schätzung bzw. Prognose.
       Quellen: R. Krengel u.a., Produktionsvolumen und -potential, Pro-
       duktionsfaktoren  der  Industrie  im  Gebiet  der  Bundesrepublik
       Deutschland, in:  DIW (Hrsg.), Statistische Kennziffern, 13., 15.
       und 20.  Folge; S.  Apeloig, Mittelfristige  Wachstumserwartungen
       der Industrie  stabilisieren sich  bei 3%, in: Ifo-Schnelldienst,
       7/1979, S. 7 ff.
       
       Eine andere Form der Investitionsquotenberechnung geht von preis-
       bereinigten Werten und vom Nettoproduktionsvolumen (statt Umsatz)
       aus. Infolgedessen  liegt die  Kennziffer absolut höher, die Ten-
       denz ist allerdings ähnlich, mit einigen wichtigen Unterschieden.
       Die so  berechnete Investitionsquote  geht tendenziell schon seit
       Mitte der 60er Jahre zurück. Der zyklische Höhepunkt von 1970 er-
       reicht mit  11,8 Prozent bei weitem nicht mehr das Niveau der er-
       sten Hälfte der 60erJahre. (Höhepunkt 1961: 13,7%.) Ab 1972 sinkt
       die Quote  unter die  zyklischen Tiefstpunkte  der 50er  und 60er
       Jahre. Bezogen auf
       
       Tabelle 4:
       Investitionsquoten der verarbeitenden Industrie
       
                         1950  1951  1952  1953  1954  1955  1956  1957
       Bruttoanlageinvestitionen (nominal)
       in % zum Umsatz    5,6   5,3   5,3   5,4   5,6   6,2   6,1   5,7
       Bruttoanlageinvestitionsvolumen
       (real) in % zum effektiven Netto-
       produktionsvolumen (1950-1960 preis-
       bereinigt auf Basis 1962, ab 1962
       auf Basis 1970)   13,1  12,3  11,4  11,4  11,8  13,1  12,7  11,9
       Zuwachs zum Bruttoanlagevermögen
       (real) in % zum Nettoproduktions-
       volumen preisbereinigt
       wie oben)                7,9   7,9   7,6   7,8   8,9   9,9   9,6
       
                         1958  1959  1960  1960  1961  1962  1963  1964
       Bruttoanlageinvestitionen (nominal)
       in % zum Umsatz    5,7   5,7   6,4   6,4   6,8   6,7   6,1   5,9
       Bruttoanlageinvestitionsvolumen
       (real) in % zum effektiven Netto-
       produktionsvolumen (1950-1960 preis-
       bereinigt auf Basis 1962, ab 1962
       auf Basis 1970)   11,5  11,6  12,7  13,3  13,7  13,2  11,7  11,3
       Zuwachs zum Bruttoanlagevermögen
       (real) in % zum Nettoproduktions-
       volumen preisbereinigt
       wie oben)          9,3   9,0   9,7        10,9  11,0   10,0  8,8
       
                         1965  1966  1967  1968  1969  1970  1971  1972
       Bruttoanlageinvestitionen (nominal)
       in % zum Umsatz    6,3   6,0   5,4   5,1   6,1   6,9   6,8   5,9
       Bruttoanlageinvestitionsvolumen
       (real) in % zum effektiven Netto-
       produktionsvolumen (1950-1960 preis-
       bereinigt auf Basis 1962, ab 1962
       auf Basis 1970)   11,8  11,4  10,4   9,1  10,9  11,8  11,5  10,0
       Zuwachs zum Bruttoanlagevermögen
       (real) in % zum Nettoproduktions-
       volumen preisbereinigt
       wie oben)          9,0   9,2   8,4   6,7   7,0   8,5   8,8   7,6
       
                         1973  1974  1975  1976  1977  1978  1979-83
                                                         1)       2)
       Bruttoanlageinvestitionen (nominal)
       in % zum Umsatz    5,3   4,6   4,6   4,3   4,2   4,5    4,1
       Bruttoanlageinvestitionsvolumen
       (real) in % zum effektiven Netto-
       produktionsvolumen (1950-1960 preis-
       bereinigt auf Basis 1962, ab 1962
       auf Basis 1970)    9,0   8,4   8,1   7,4   7,2   -      -
       Zuwachs zum Bruttoanlagevermögen
       (real) in % zum Nettoproduktions-
       volumen preisbereinigt
       wie oben)          6,2   5,6   4,8   3,8   3,4   -      -
       _____
       1) Ifo-Schätzung
       2) Ifo-Prognose
       Quellen vgl. Tab. 3
       
       das Nettoproduktionsvolumen  wurde z.B.  1977 mit 7,2 Prozent nur
       etwa die Hälfte investiert wie 1961.
       Noch deutlicher  wird der  Investitionsrückgang, wenn man nur die
       Erweiterungsinvestitionen ins  Verhältnis zum Nettoproduktionsvo-
       lumen setzt (Erweiterungsinvestitionen = Zugang zum Bruttoanlage-
       vermögen nach DIW-Berechnungen, real).
       Die so  berechnete Kennziffer steigt in den 50er Jahren tendenzi-
       ell an  und erreicht 1961/62 mit 11 Prozent den Höhepunkt. Von da
       ab sinkt  sie bis auf 3,4 Prozent 1977, wobei selbst der Investi-
       tionsboom von  1969/70 die  Relation nur mehr auf einen Höhepunkt
       von 8,8 Prozent im Jahre 1971 herauftreibt.
       Es muß  allerdings ausdrücklich bemerkt werden, daß der Zusammen-
       hang zwischen Produktion und Investitionen nur über längere Peri-
       oden hinweg  sinnvoll betrachtet  werden kann.  Es gibt auf kurze
       Sicht keinen inneren Zusammenhang zwischen den beiden Größen. Das
       gilt auch  für die  Beziehung zwischen Nettoinvestitionen und dem
       Produktionszuwachs. Die Berechnung einer "Investitionsproduktivi-
       tät", wie  sie Küchle/Jordan  vorgenommen  haben  12),  erscheint
       daher wenig  sinnvoll. Die laufende Produktion ist sowohl von den
       laufenden  Investitionen  als  auch  von  den  Investitionen  der
       letzten Vorjahre weitgehend unabhängig. Im Extrem: Auch bei einer
       Investition von 0 kann die Produktion gesteigert werden, wenn der
       Auslastungsgrad der vorhandenen Anlagen erhöht wird.
       Das im  Verhältnis zur  Produktion niedrigere Niveau der Investi-
       tionen in der verarbeitenden Industrie ist daher kein eindeutiger
       Beleg für  die zu untersuchenden stofflichen Beziehungen zwischen
       Arbeitsmitteln und  Produktion. Zu vergleichen wäre der Zusammen-
       hang von Menge der fungierenden Arbeitsmittel und Produktmenge.
       
                           Produktmenge
       Fondseffektivität = -------------
                           Arbeitsmittel
       
       Als Indikator dieses Verhältnisses - das in der gängigen Investi-
       tionsrechnung auch "Kapitalproduktivität" genannt wird - kann das
       Verhältnis von  Nettoproduktionsvolumen  zu  Bruttoanlagevermögen
       bezeichnet werden.  Dieses Verhältnis wird - umgekehrt - auch als
       "Kapitalkoeffizient" bezeichnet.
       
                            Bruttoanlagevermögen
       Kapitalkoeffizient = -----------------------
                            Nettoproduktionsvolumen
       
       Diese Kennziffer  wird laufend  vom Deutschen  Institut für Wirt-
       schaftsforschung (DIW) errechnet. 13)
       In der  Praxis tauchen  dabei viele Probleme auf. Hier sei nur an
       die problematische  Gleichsetzung von  Mengenbegriffen mit Preis-
       rechnungen erinnert.  In der  Praxis handelt  es sich sowohl beim
       Nettoproduktionsvolumen (teilweise)  als auch  beim Bruttoanlage-
       vermögen um  Preisreihen, die  lediglich um die jeweiligen Preis-
       veränderungen bereinigt werden. Vor allem beim Bruttoanlagevermö-
       gen werden  dadurch Qualitätsveränderungen  nicht oder  nur teil-
       weise berücksichtigt.  Diese Schwierigkeit  ist allerdings  nicht
       ganz auszuschalten , da es kaum einen Indikator für die Menge von
       Arbeitsmitteln geben dürfte. 14) Schließlich kann auch das Netto-
       produktionsvolumen -  dem bei  der Berechnung teilweise ebenfalls
       bereinigte Preisreihen  zugrunde liegen"  nicht einfach  mit  der
       Produktmenge gleichgesetzt werden. Hier ist die Absetzung der Ma-
       terialvorleistungen problematisch.
       Trotzdem soll hier von den beiden Kategorien Bruttoanlagevermögen
       und Nettoproduktionsvolumen ausgegangen werden, der Grundlage zur
       Berechnung des  Kapitalkoeffizienten. Da,  wie weiter  unten noch
       gezeigt werden  wird, hier vor allem die Rolle des fixen Kapitals
       im Zusammenhang  mit der  konjunkturellen  Dynamik  interessiert,
       wird von  den fungierenden, nicht von den übertragenen Teilen des
       fixen Kapitals  ausgegangen. Daher  bleibt auch der zirkulierende
       Teil des  konstanten Kapitals, also die Vormaterialien, außer Be-
       tracht.
       Unsere These von der seit dem Beginn der 70er Jahre  a n s t e i-
       g e n d e n   Fondseffektivität  (=  Produktmenge/Arbeitsmitteln)
       müßte sich also in einem  s i n k e n d e n  Kapitalkoeffizienten
       (= Bruttoanlagevermögen/Nettoproduktionsvolumen) ausdrücken.
       Der vom  DIW errechnete effektive Kapitalkoeffizient, der das je-
       weilige Nettoproduktionsvolumen zum jeweiligen Bruttoanlagevermö-
       gen (jeweils  preisbereinigt) in  Beziehung setzt, ist jedoch als
       Grundlage zur  Ermittlung der  stofflichen Beziehungen  wenig ge-
       eignet. Denn  unter kapitalistischen Produktionsbedingungen hängt
       die Produktionsmenge  nicht in  erster Linie  von den technischen
       Verhältnissen, sondern  von den Verwertungs- und Realisierungsbe-
       dingungen  des  Kapitals  ab.  Der  effektive  Kapitalkoeffizient
       schwankt daher  stark mit den jeweiligen konjunkturellen Verhält-
       nissen und  der wechselnden Kapazitätsauslastung. Daher berechnet
       das DIW  auch einen  potentiellen Kapitalkoeffizienten, wobei dem
       eine Schätzung  des potentiellen  Nettoproduktionsvolumens, d. h.
       des bei  voller Auslastung der Kapazitäten möglichen Produktions-
       volumens zugrunde liegt.
       Dieser potentielle  Kapitalkoeffizient soll hier zunächst im Mit-
       telpunkt der Betrachtung stehen (vgl. Tab. 5).
       
       Tabelle 5:
       Kapitalkoeffizienten 1950-1977
       
       Jahr   1950  1951  1952  1953  1954  1955  1956  1957  1958  1959
       potentieller Kapitalkoeffizient 1)
              1,00  1,00  1,01  1,02  1,03  1,04  1,05  1,06  1,07  1,09
       Veränderung in %
                    +0,3  +0,6  +0,8  +0,9  +1,0  +1,0  +1,1  +1,3  +1,4
       effektiver Kapitalkoeffizient 1)
              1,47  1,31  1,30  1,27  1,19  1,11  1,13  1,17  1,23  1,22
       Veränderung in %
              -    -11,5  -0,7  -1,6  -6,4  -6,8  +1,3  +4,0  +4,8  -0,8
       
       Jahr   1960  1960  1961  1962  1963  1964  1965  1966  1967  1968
       potentieller Kapitalkoeffizient 1)
              1,10  1,15  1,17  1,19  1,20  1,22  1,24  1,26  1,27  1,29
       Veränderung in %
              +1,2  +1,3  +1,3  +1,4  +1,4  +1,5  +1,5  +1,5  +1,5  +1,4
       effektiver Kapitalkoeffizient 1)
              1,17  1,22  1,25  1,32  1,37  1,35  1,36  1,44  1,56  1,49
       Veränderung in %
              -3,9  -3,9  +3,0  +5,0  +4,3  -2,0  +1,0  +5,7  +8,6  -4,4
       
       Jahr   1969  1970  1971  1972  1973  1974  1975  1976  1977
       potentieller Kapitalkoeffizient 1)
              1,31  1,32  1,34  1,35  1,37  1,38  1,40  1,41  1,42
       Veränderung in %
              +1,4  +1,3  +1,3  +1,2  +1,1  +1,0  +1,0  +1,0  +0,9
       effektiver Kapitalkoeffizient
              1,39  1,40  1,46  1,49  1,45  1,54  1,70  1,60  1,59
       Veränderung in %
              -6,9  +0,3  +4,8  +1,6  -2,2  +5,9 +10,4  -6,1  -0,3
       _____
       1) 1950-1960:  Preisbereinigt  auf  Preisbasis  1962;  1960-1977:
       Preisbereinigt auf Preisbasis 1970.
       Quelle: DIW, Statistische Kennziffern, a.a.O.
       
       Die Ziffern  des DIW  lassen lediglich ab 1967 eine Verlangsamung
       im Anstieg  des potentiellen  Kapitalkoeffizienten erkennen.  Sie
       stützen die  hier vorgebrachte  These von der steigenden Fondsef-
       fektivität also  nicht. Allerdings  wäre schon  ein deutlich ver-
       langsamter Fall der Fondseffektivität ein Grund, die Konsequenzen
       dieser technologisch bedingten Veränderungen zu untersuchen.
       Es deuten jedoch einige Anzeichen daraufhin, daß die Berechnungen
       des DIW  die Veränderungen  im Charakter  des  technischen  Fort-
       schritts nur  unzureichend erfassen und so zu einer Überschätzung
       des Umfangs  des Bruttoanlagevermögens  und einer  Unterschätzung
       des potentiellen Nettoproduktionsvolumens kommen. Ein Indiz dafür
       ist die  Entwicklung der  Auslastungskennziffern, die sich ja auf
       die Berechnung des potentiellen Nettoproduktionsvolumens stützen.
       Die Grafik  II zeigt  die Entwicklung der vierteljährlichen, sai-
       sonbereinigten Auslastungskennziffern in der verarbeitenden Indu-
       strie nach den Berechnungen des DIW und den Ermittlungen des Ifo-
       Instituts für  Wirtschaftsforschung. Nun  darf bei  einem solchen
       Vergleich nicht übersehen werden, daß die Ifo-Ziffern nur auf Un-
       ternehmerbefragungen Beruhen,  also mehr  oder weniger subjektive
       Ansichten der  Unternehmer wiedergeben. Das Ifo-Institut verweist
       selbst darauf,  daß seine Ziffern weniger über den absoluten Aus-
       lastungsgrad als über Tendenzen der Veränderung aussagen. 15)
       Bei aller  Ähnlichkeit im  Verlauf fällt  beim Vergleich der Zif-
       fernreihen eine Verschiebung im Zeitablaufauf: Bis etwa 1968 lie-
       gen die  DIW-Zahlen regelmäßig  unter den  Ifo-Ergebnissen, wobei
       sie allerdings  relativ dicht beieinander liegen. Das gilt im üb-
       rigen auch  für die  Entwicklung seit  1958, seit  die Zahlen vom
       Ifo-Institut erhoben werden. 16)
       
       Bild ansehen
       Entwicklung der Kapazitätsauslastung der verarbeitenden Industrie
       nach DIW und Ifo-Institut
       
       Seither aber  liegen die  DIW-Ergebnisse sehr  deutlich über  den
       Ifo-Zahlen. Auffallend  ist dieser  Unterschied insbesondere  bei
       einem Vergleich  der Krisen  1966/67 und  1974/75. Nimmt  man den
       Auslastungsgrad als Ausdruck für die Tiefe von Krisen, so ist der
       Einbruch nach den DIW-Ziffern 1966/67 deutlich tiefer gewesen als
       1974/75, eine  Aussage, die allen anderen Kennziffern wie Produk-
       tion und Arbeitslosigkeit widerspricht. Auch kam es nach den DIW-
       Zahlen 1975  schon rasch  wieder zu  einem kräftigen  Anstieg des
       Auslastungsgrades, so daß die zögernde konjunkturelle Entwicklung
       seither kaum  zu erklären  wäre. Demnach  lag der Auslastungsgrad
       schon Ende  1976 wieder auf einem Niveau, das nur um drei Prozent
       unter dem Höhepunkt von Anfang 1973 lag. Auch die Ifo-Zahlen zei-
       gen einen Anstieg des Auslastungsgrades an, allerdings ist er we-
       sentlich schwächer als beim DIW. Ende 1976 liegt er immerhin noch
       um 5,5 Prozent unter dem Höhepunkt von 1973.
       Insgesamt muß  - bei  großen Ähnlichkeiten  im Verlauf  - festge-
       stellt werden, daß eine Niveauverschiebung stattgefunden hat. Vor
       dem Hintergrund  der tatsächlichen  wirtschaftlichen  Entwicklung
       haben zudem  die Ifo-Kennziffern  mehr Plausibilität für sich als
       die DIW-Zahlen,  die die  konjunkturelle Situation  - gemessen am
       Auslastungsgrad - in den siebziger Jahren zu positiv darstellen.
       Dies ist  immerhin ein  Hinweis auf mögliche systematische Fehler
       in den DIW-Berechnungen: Da die Auslastungsziffern auf einem Ver-
       gleich von  effektivem und  potentiellem  Nettoproduktionsvolumen
       beruhen, könnte  angenommen werden, daß das potentielle Nettopro-
       duktionsvolumen gegenwärtig  vom DIW  zu niedrig  geschätzt wird,
       d.h., daß  die "Kapitalproduktivität"  in der  Entwicklung unter-
       schätzt wird, der Kapitalkoeffizient also tatsächlich in den 70er
       Jahren in  seiner Entwicklung unter dem Niveau liegt, das das DIW
       gegenwärtig ausweist.
       Tatsächlich können  gegen die Berechnungen des DIW vor allem zwei
       zentrale Einwände erhoben werden: sie überschätzen einmal den Um-
       fang des  Bruttoanlagevermögens durch Unterschätzung der Anlagen-
       abgänge und  verwischen zum anderen Veränderungen in der Entwick-
       lung der  "Kapitalproduktivität" durch  die Trendmethode  der Be-
       rechnung. Eine  Überschätzung der  Anlagebestände führt  zu einer
       systematischen Unterschätzung  der "Kapitalproduktivität" und da-
       mit zu  einer Überschätzung  des Kapitalkoeffizienten.  Die Über-
       schätzung des  Kapitalstocks (d.h.  des realen Bruttoanlagevermö-
       gens) kann  sowohl auf  die Mißachtung krisenbedingter Anlagenab-
       gänge 17) als auch auf die Überschätzung der tatsächlichen, wirt-
       schaftlich-technisch bedingten  Nutzungsdauer der Anlagen zurück-
       geführt werden. 18)
       Der Kapitalstock  wird vom  DIW nach dem Kumulationsverfahren be-
       rechnet, d.h. die jährlichen Investitionen werden zusammengerech-
       net. Ein entscheidendes Problem ist dabei die Berechnung der Nut-
       zungsdauer der  Anlagen und damit die Bestimmung des Zeitpunktes,
       zu dem  die Investitionsgüter  aus dem  Kapitalstock wieder  aus-
       scheiden. Das DIW geht von einer gleichbleibenden Überlebensfunk-
       tion aus,  nimmt also  eine durch den technischen Fortschritt und
       durch Krisen  unbeeinflußte Nutzungsdauer  an. 19)  Diese Annahme
       ist jedoch  zumindest fragwürdig,  sprechen doch verschiedene An-
       zeichen für eine Tendenz zur Beschleunigung des technischen Fort-
       schritts und  eine Verkürzung  der Nutzungsdauer  von Anlagen. So
       ist z.B.  auf eine Befragung des Ifo-Instituts aus dem Jahre 1969
       zu verweisen,  nach der  60 Prozent  der befragten Firmen für die
       vergangenen und 79 Prozent für die kommenden 10 bis 15 Jahre eine
       Verkürzung der Lebensdauer von Produktionsmaschinen annahmen. 20)
       Das  Rheinisch-Westfälische   Institut  für  Wirtschaftsforschung
       (RWI) geht in seinen Kapitalbestandsrechnungen daher auch von ei-
       ner Tendenz zur Verkürzung der Lebensdauer aus, die zwischen 1951
       und 1975 etwa 20 Prozent beträgt. 1951 wurde für Ausrüstungsgüter
       eine Lebensdauer  von durchschnittlich  12 Jahren angenommen, für
       1975 wurde nur noch von 9,5 Jahren ausgegangen. 21)
       Bei seinen  Berechnungen erhält  das RWI daher auch einen wesent-
       lich niedrigeren  Kapitalbestand als  das DIW.  Dabei wachsen die
       Differenzen sowohl  absolut als auch prozentual. Nach DIW-Ziffern
       wächst das  Bruttoanlagevermögen der  Industrie (in  Preisen  von
       1970) zwischen 1960 und 1977 um 138 Prozent, nach RWI-Zahlen aber
       nur um 90 Prozent. Bei seinen Berechnungen des Kapitalkoeffizien-
       ten ermittelt das RWI für die 70er Jahre daher auch einen sinken-
       den Kapitalkoeffizienten,  d.h. eine  ansteigende Fondseffektivi-
       tät. 22)
       Ein weiterer  möglicher Kritikpunkt an den DIW-Daten betrifft die
       Berechnung der  Kapitalproduktivität als  glatten Trend, der sich
       auf Werte aus der Vergangenheit stützt. Abweichungen davon werden
       als Auslastungsschwankungen  interpretiert. 23)  Eine Veränderung
       in der  Entwicklungstendenz der  Kapitalproduktivität in den 70er
       Jahren, wie  sie hier angenommen wird, kann sich in den Ergebnis-
       sen des  DIW also  in der  Form gar nicht niederschlagen. Ein An-
       stieg der  Kapitalproduktivität, der  z.B. mit der beschleunigten
       Vernichtung älterer  Anlagen in und nach der Krise verbunden sein
       könnte, würde sich also nur in einem höheren Auslastungsgrad aus-
       drücken, nicht  in einem  Anstieg des potentiellen Nettoprodukti-
       onsvolumens.
       Tatsächlich errechnet  das DIW  für die  meisten Branchen gleich-
       bleibende Veränderungsraten der Kapitalproduktivität bzw. des Ka-
       pitalkoeffizienten. So sinkt der Kapitalkoeffizient in der chemi-
       schen Industrie  seit 1960  Jahr für  Jahr mit einer Rate von 2,9
       Prozent, während er im Fahrzeugbau Jahr für Jahr um 2 Prozent an-
       steigt. Die Abschwächung im Anstiegstempo der vom DIW berechneten
       Kapitalkoeffizienten für  die verarbeitende  Industrie seit  1967
       ergibt sich  praktisch nur  aus Strukturveränderungen,  d. h. Ge-
       wichtsverschiebungen zwischen den Branchen, während die technolo-
       gischen Verhältnisse  innerhalb der  Industriezweige als fast un-
       verändert angenommen werden.
       Immerhin ist festzustellen, daß selbst die DIW-Berechnungen inso-
       fern einen  Trendumbruch anzeigen, als die Wachstumsbranchen ent-
       weder einen  sinkenden oder  einen nur  sehr langsam ansteigenden
       Kapitalkoeffizienten besitzen, während die zurückbleibenden Indu-
       striezweige in der Regel einen überdurchschnittlich stark anstei-
       genden Kapitalkoeffizienten  auf weisen.  Der industrielle Struk-
       turwandel beinhaltet  also eine  Tendenz zu  Industriezweigen mit
       eher rückläufigen Kapitalkoeffizienten bzw. mit steigender Fonds-
       effektivität (Vgl. Tab. 6).
       
       Tabelle 6:
       Veränderung des Kapitalkoeffizienten in ausgewählten Branchen
       
                                  Jährliche Veränderungsrate des
       Wachstumsbranchen          Kapitalkoeffizienten in %
       
       NE-Metalle                          +0,2
       Chemie                              -2,9
       Büromaschinen / EDV                 -2,5
       Elektrotechnik                      +0,5
       Kunststoffverarbeitung              +0,7
       Mineralölverarbeitung               -1,5
       
       Zurückbleibende Branchen   Jährliche Veränderungsrate des
                                  Kapitalkoeffizienten in %
       
       Steine/Erden                        +3,4
       Eisen / Stahl                       +2,0
       Stahlbau                            +3,9
       Maschinenbau                        +2,7
       ESBM-Industrie                      +3,6
       Textil                              +1,1
       Bekleidung                          +4,0
       _____
       Quelle: DIW, Statistische Kennziffern, a.a.O.
       
       Zusammenfassend muß also festgestellt werden, daß die empirischen
       Daten widersprüchlich  sind und  insbesondere die DIW-Ziffern le-
       diglich eine  Verlangsamung im  Anstieg des Kapitalkoeffizienten,
       nicht aber eine Trendwende belegen. Demnach würde die Fondseffek-
       tivität also weiterhin sinken, wenn auch verlangsamt.
       Allerdings deuten  einige Indizien daraufhin, daß das DIW den Ka-
       pitalbestand über-und  die Kapitalproduktivität  unterschätzt, so
       daß doch  einiges für die Annahme einer Trendveränderung spricht.
       Schließlich ist zu registrieren, daß das RWI in seinen Berechnun-
       gen einen  sinkenden Kapitalkoeffizienten annimmt, also von einer
       steigenden Fondseffektivität  ausgeht. Die Datenlage ist also wi-
       dersprüchlich. Es  erscheint notwendig, die hier gemachte Annahme
       weiteren empirischen Tests zu unterziehen, wobei insbesondere De-
       tailuntersuchungen in eng abgegrenzten Branchen, in denen die Er-
       gebnisse weniger  stark aggregiert  sind als in den existierenden
       Investitionsrechnungen, sinnvoll sein können.
       
       II. Zyklische Krisen und die Rolle des fixen Kapitals
       -----------------------------------------------------
       
       Die Bedeutung  einer steigenden  Fondseffektivität für  die wirt-
       schaftliche Entwicklung  beruht vor allem auf der zentralen Funk-
       tion der Akkumulation von fixem Kapital für die Dynamik des kapi-
       talistischen Reproduktionsprozesses.  Dies ist  der entscheidende
       Faktor bei  der Auslösung  von Krisen und stellt das zentrale Mo-
       ment konjunktureller  Belebungen dar. Es sei daher kurz der Stel-
       lenwert der Investitionstätigkeit in der Ableitung der Krisen als
       notwendige Bewegungsformen  des Wachstums  im Kapitalismus darge-
       stellt. Dabei  soll die  hier vertretene krisentheoretische Posi-
       tion nur  bezeichnet werden, ohne auf die existierenden Auseinan-
       dersetzungen einzugehen. 24)
       Krisen werden  hier als  Störungen im Reproduktionsprozeß begrif-
       fen. Der kapitalistische Reproduktionsprozeß ist eine Einheit von
       Produktion und  Realisierung, die im Zuge der Entwicklung notwen-
       dig  immer  wieder  auseinandergerissen  wird.  Die  Gesetze  der
       Wert p r o d u k t i o n   und  der    Wert r e a l i s a t i o n
       sind dabei  widersprüchlich vermittelt,  ihre jeweiligen  Bestim-
       mungsgründe fallen  notwendig auseinander. Das Maß der Produktion
       ist die  Verwertung des eingesetzten Kapitals, als Schranken tre-
       ten die  Wert- und Ausbeutungsverhältnisse in der Produktion auf.
       Diese Schranken werden unter den Bedingungen der kapitalistischen
       Konkurrenz (die  auch Formen der monopolistischen Konkurrenz ein-
       bezieht) im  Prozeß der  Akkumulation und der Steigerung der Pro-
       duktivkraft der  Arbeit  ständig  hinausgeschoben.  So  sind  vom
       Standpunkt der Profitproduktion nur die Verwertungsbedingungen im
       engeren Sinne,  d.h. in  der Produktion,  interessant. Der  kapi-
       talistische Produktionsprozeß  ist aber  gleichzeitig Reprodukti-
       onsprozeß. Er  funktioniert also nur, wenn die produzierten Werte
       und damit  der Profit  auch realisiert werden können. Dabei tritt
       der stofflich bestimmte Zusammenhang zwischen Konsumtion und Pro-
       duktion in  den Vordergrund.  Die beiden zusammengehörigen Seiten
       können sich  nicht auf  Dauer voneinander  lösen, die  Produktion
       steht in  einer notwendigen - wenn auch teilweise sehr vermittel-
       ten -  Beziehung zur  Konsumtion. Der Umfang der Konsumtion hängt
       aber offensichtlich  nicht von den existierenden Bedürfnissen ab,
       sondern von  der kaufkräftigen  Nachfrage. Sie wird unter den Be-
       dingungen eines entwickelten Kapitalismus im Kern durch die Lohn-
       summe bestimmt,  d. h.  durch die  Zahl der Beschäftigten und den
       Wert der Arbeitskraft.
       Der Prozeß  der kapitalistischen  Akkumulation tendiert dazu, die
       Zahl der  Beschäftigen im  Verhältnis zur Produktmenge zu verrin-
       gern (Produktivkraftsteigerung)  und den Wert der Arbeitskraft zu
       senken. Grundlage der letzteren Tendenz ist das stoffliche Moment
       in der Wertbestimmung der Arbeitskraft. Dies wird natürlich - wie
       auch die aktuellen Auseinandersetzungen um die Reallöhne zeigen -
       durch das  "historische" Moment, durch die Klassenauseinanderset-
       zungen, durch  die Veränderung  der Bedürfnisse  usw. beeinflußt.
       Entscheidend  ist  aber,  daß  der  Prozeß  der  kapitalistischen
       Akkumulation,  der   Steigerung  der   produzierten  Warenmengen,
       gleichzeitig mit  einer Tendenz  zur relativen  Beschränkung  der
       Konsumtionskraft verbunden ist. Zwei Aspekte sind dabei zu beach-
       ten: die  Akkumulation des  Kapitals erzeugt notwendig Dispropor-
       tionen sowohl  innerhalb der  wertmäßigen als  auch innerhalb der
       stofflichen Bedingungen  des Reproduktionsprozesses,  sowohl  auf
       der Seite  der Produktion als auch auf der Seite der Realisation.
       Die Ausdehnung  der Produktion  beinhaltet eine  Tendenz zu  Ver-
       schiebungen in  den Verwertungsbedingungen  im engeren Sinne, die
       sich als  Schranke der Profitproduktion bemerkbar machen und kri-
       senhaft wieder  hinausgeschoben werden.  Sie beinhaltet aber auch
       eine Tendenz  zur Steigerung der Produktion über das Maß der Kon-
       sumtion hinaus,  ein Zusammenhang,  der ebenfalls krisenhaft wie-
       derhergestellt werden  muß. Die Feststellung dieser Tendenzen er-
       laubt aber noch keine unmittelbaren Schlußfolgerungen auf die zy-
       klische Bewegungsform.  Es ist  auf dieser  Erklärungsebene  noch
       kein Moment  sichtbar, aus  dem heraus  die spezifisch  zyklische
       Verlaufsform unmittelbar abgeleitet werden kann.
       Im Mittelpunkt  des kapitalistisch organisierten Wachstumsprozes-
       ses steht die Akkumulation von Kapital, die unter den Bedingungen
       einer entwickelten  Produktionsweise wesentlich  Akkumulation von
       fixem Kapital  ist. Die zyklische Bewegungsform des Wachstums muß
       daher vor  allem aus der Bewegung des fixen Kapitals erklärt wer-
       den. Dieser  Zusammenhang ist  auch auf der empirischen Ebene of-
       fensichtlich. Die  stärksten Ausschläge  nach oben und nach unten
       weisen die  Investitionen auf.  Eine Verlangsamung der Investiti-
       onstätigkeit löst in der Regel die Krise aus, ebenso wie eine Be-
       lebung im  klassischen Ablaufmodell  mit einer Belebung der Inve-
       stitionstätigkeit verbunden  ist. Daher  soll die  Frage nach den
       Ursachen der Zyklizität hier vor allem auf die Zyklizität der In-
       vestitionstätigkeit zielen (vgl. Grafik III).
       Dabei ist  zu untersuchen, wie sich die geschilderten, im kapita-
       listischen Entwicklungsprozeß auftretenden Disproportionen inner-
       halb der  wertmäßigen und stofflichen Bedingungen des Reprodukti-
       onsprozesses auf  die Akkumulationstätigkeit,  d.h. hier  auf die
       Akkumulation von fixem Kapital, auswirken. Zu berücksichtigen ist
       dabei, daß  diese Zusammenhänge  vermittelt werden  über die Ent-
       scheidungen der  Einzelkapitale,  die  Disproportionen  also  auf
       d e r   Abstraktionsebene analysiert  werden müssen,  auf der sie
       als Motive  der Einzelkapitale  diesen in Erscheinung treten. Das
       Reaktionsmuster der  Einzelkapitale wird diesen unter Konkurrenz-
       bedingungen in  einem gewissen  Rahmen vorgeschrieben.  Dabei ist
       jedoch zu beachten, daß Veränderungen in der Form der Konkurrenz,
       die Herausbildung  von Monopolen, der Eingriff des Staates in die
       Beziehungen zwischen  den Einzelkapitalen  diese  Reaktionsmuster
       verändern. Es  kann also  im Prozeß  der historischen Entwicklung
       und Veränderung  des Kapitalismus  nicht von  einem unveränderten
       Reaktionsmuster ausgegangen werden.
       
       Bild ansehen
       Indikatoren der Konjunktur
       
       Als entscheidend für die Bewegung der Akkumulation im Zyklus soll
       hier die  Disproportionalität zwischen  Produktion und  Markt be-
       trachtet werden. Zwar steigen im Aufschwung eine Vielzahl von Ko-
       sten der  Einzelkapitale - Löhne, Zinsen, Vorproduktepreise -, so
       daß von  daher eine Tendenz zur Verschlechterung der Verwertungs-
       bedingungen zu  erwarten ist.  25) Entscheidend  ist jedoch,  daß
       diese Kostensteigerungen  unter Bedingungen expandierender Märkte
       auftreten. Es kann in der Regel davon ausgegangen werden, daß die
       betroffenen Einzelkapitale  in dieser  Situation  nicht  nur  mit
       steigenden Kosten,  sondern auch mit größerem Absatz und steigen-
       den Preisen rechnen. Auch zwingt die Konkurrenz sie in dieser Si-
       tuation selbst unter Bedingungen einer niedrigeren Profitrate zur
       Fortführung der  Akkumulationstätigkeit. Es  ist also  nicht ein-
       sichtig, wo  in dem Prozeß der aufschwungsbedingten Kostensteige-
       rungen der  Punkt theoretisch bestimmt werden kann, bei dem diese
       eine Verlangsamung  der Investitionstätigkeit bei den Einzelkapi-
       talen auslösen.
       Die Verlangsamung  der Investitionstätigkeit  vor dem Hintergrund
       steigender Kosten  kann m.E.  erst dann plausibel erklärt werden,
       wenn die  Realisierungsseite als  relativ  selbständiges  Element
       eingeführt wird.  Allerdings ist  für den  Ablauf der  Krise  das
       steigende Kostenniveau  von wesentlicher Bedeutung. Es beschränkt
       die Reaktionsmöglichkeiten  der Einzelkapitale auf eine Verengung
       der Märkte  und beschleunigt den mit der Krise verbundenen Prozeß
       der Kapitalvernichtung.  Ein hoher Grad der Kapitalfixierung, wie
       er sich  im Aufschwung  herstellt, verschärft  bei  kostenbedingt
       sinkender Rentabilität und rückläufigem Absatz den zyklischen Ab-
       schwung bis  hin zur  Krise. Allerdings  soll hier  hervorgehoben
       werden: Ausschlaggebend  beim Ausbruch der Krise sind die Dispro-
       portionen zwischen  Produktion und Markt. Steigende Kosten werden
       die Einzelkapitale  erst dann zu einer Einschränkung der Investi-
       tionstätigkeit veranlassen,  wenn gleichzeitig  Grenzen  der  Ab-
       satzentwicklung auftauchen. Bei expandierenden Märkten bewegt die
       Konkurrenz in  ihren verschiedenen  Formen die Einzelkapitale zur
       Fortführung des  Kapazitätsausbaus, auch  wenn die Kosten anstei-
       gen. Modifikationen dieses Zusammenhangs ergeben sich aus der Do-
       minanz monopolistischer  Positionen. Im  Ergebnis einer Differen-
       zierung von  Profitraten tendieren die monopolistisch organisier-
       ten Kapitale  zu einer relativen Beschränkung der Investitionstä-
       tigkeit, um  ihre Preispolitik  abzusichern und  ihre  überdurch-
       schnittlichen Verwertungsbedingungen  zu halten,  während in  den
       nichtmonopolistischen Sektoren die Mittel für produktive Investi-
       tionen beschränkt  werden. 26) Es ist die im Aufschwung wachsende
       Spannung zwischen Produktion und Markt, die stoffliche Dispropor-
       tionalität, aus der theoretisch der Punkt des Umschlags zur Krise
       abgeleitet werden muß.
       Der jeweils  konkrete, die Spannung zum Ausbruch bringende Faktor
       muß dabei  keineswegs immer  der gleiche sein. "Zufällige" Ereig-
       nisse, Krisen  der internationalen  Beziehungen, besonders  tiefe
       Branchenkrisen usw.  können der auslösende Faktor sein. Zu allge-
       meinen Krisen  führen solche  Ereignisse aber nur vor dem Hinter-
       grund zugespitzter Disproportionen zwischen Produktion und Markt,
       d. h. im Kern zwischen Produktion und Konsumtion.
       Zu klären ist nun, wie sich aus der ständig existierenden Tendenz
       zur Verletzung  dieser Proportionen  eine zyklische  Entwicklung,
       d.h. eine  Periodizität von Ausbruch und Lösung der Disproportio-
       nalität ableiten  läßt. In der Bewegung der Konsumtion selbst ist
       - wie bereits durch die Bestimmung des Zyklus vor allem als Inve-
       stitionszyklus angedeutet  - ursächlich kein Faktor sichtbar, der
       aus sich  heraus eine  zyklische Bewegung der Absatzmöglichkeiten
       begründen könnte.  27) Es ist im Gegenteil so, daß in der zweiten
       Hälfte des Aufschwungs als Reaktion auf steigende Löhne und Über-
       stunden eher  eine gewisse  Beschleunigung in der Entwicklung der
       Konsumtionskraft festgestellt  werden kann.  Schwankungen in  der
       Konsumnachfrage treten  in der  Regel als Folge von Investitions-
       schwankungen auf  und sind  zudem wesentlich  schwächer als  jene
       (vgl. Grafik III).
       Trotzdem erweist sich die Beschränktheit der Konsumtionskraft als
       ausschlaggebende Krisenursache,  allerdings nur  vermittelt  über
       die Diskontinuität der Akkumulation von fixem Kapital. Die Zykli-
       zität im offenen Ausbruch von Disproportionen zwischen Produktion
       und Markt  innerhalb des  kapitalistischen Wachstumsprozesses muß
       m.E. im  Kern aus  den Wirkungen  der Akkumulation von Fixkapital
       auf die beiden Seiten dieses Verhältnisses abgeleitet werden: auf
       die Produktionskapazitäten einerseits und die Absatzmöglichkeiten
       andererseits,  die  ja  beide,  allerdings  in  unterschiedlicher
       Weise, durch die Investitionstätigkeit bestimmt werden.
       Hervorgehoben werden sollen dabei drei Momente:
       1. Eine bestimmte Zunahme der Konsumnachfrage löst - bei ausgela-
       steten Kapazitäten  - zunächst  eine  überproportional  steigende
       Nachfrage nach Investitionsgütern aus. Unter kapitalistischen Be-
       dingungen wird dadurch eine Expansion der Abteilung I hervorgeru-
       fen, die  die stofflich  bestimmten Proportionen zwischen den Ab-
       teilungen verletzt.
       2. Der Kapazitätserweiterungseffekt und der Nachfrageeffekt einer
       Investition fallen  zeitlich auseinander:  Die  Investitionsnach-
       frage hat einen zeitlichen Vorlauf vor der Kapazitätswirkung, und
       die Kapazitätswirkung verteilt sich auf die Nutzungsdauer der An-
       lage, während die entsprechende Nachfrage nur einmalig auftritt.
       3. Die Verstärkung der Investitionstätigkeit im Aufschwung verän-
       dert die  Aufteilung der  Gesamtinvestitionen auf Ersatz- und Er-
       weiterungsinvestitionen.  Die  Erweiterungsinvestitionen  wachsen
       schneller als  die Investitionsnachfrage insgesamt und erzeugen -
       zeitlich verzögert - eine Tendenz zu Disproportionen auch auf dem
       Markt für Investitionsgüter. In der Depression dagegen sinken die
       Erweiterungsinvestitionen rascher  als die Investitionsnachfrage,
       wodurch eine  Tendenz zum  Abbau  der  Disproportionen  gefördert
       wird.
       Die  eingangs  geschilderte  Tendenz  zum  Auseinanderfallen  der
       stofflich zusammengehörenden  Seiten  des  Reproduktionsprozesses
       entwickelt sich nur vermittels der Akkumulation zum Absatzproblem
       vom Standpunkt des Einzelkapitals. Die Tendenz zur Überproduktion
       kann durch  eine beschleunigte  Akkumulation zeitweilig überdeckt
       werden. Dabei  sind es die genannten Momente bei der Akkumulation
       des fixen Kapitals, auf der die zyklische Bewegung des Gesamtpro-
       zesses beruht.  Die Grundlage der Zyklizität ist beim fixen Kapi-
       tal zu  suchen. Da  aber die  Akkumulation von fixem Kapital auch
       die langfristigen Wachstumstendenzen wesentlich bestimmt, ist die
       Zyklizität gleichzeitig  auch für  die Wachstumsperspektiven  von
       Bedeutung. Indem  die Krise die notwendig auftretenden Dispropor-
       tionen in  wertmäßiger und  stofflicher Hinsicht löst, beeinflußt
       sie über  die konjunkturelle  Dynamik auch  die Wachstumstendenz.
       Zwar ist  eine Belebung der Produktion nach einer Krise auch mög-
       lich ohne  Investitionsaufschwung, dies  wird aber sowohl die zu-
       künftigen Zyklen  als auch  das Wachstum auf längere Sicht berüh-
       ren. Hier  wird nun  die These  vertreten, daß die Steigerung der
       Fondseffektivität,  beruhend   auf   wissenschaftlich-technischem
       Fortschritt, die Lösung der stofflichen Disproportionen durch die
       Krise behindert,  die Dynamik  des Aufschwungs  bremst und  damit
       auch das  Wachstum negativ beeinflußt. Bei einem günstigen Ausla-
       stungsgrad der Kapazitäten, für den die Krise die Voraussetzungen
       schafft, wird schon eine geringe Belebung der Gesamtnachfrage zur
       Belebung der Investitionstätigkeit führen. Stabilisierend auf die
       Auslastung wirkt dabei nach der Krise die Konsumnachfrage und die
       Nachfrage nach  Rationalisierungs- und  Ersatzinvestitionen.  Die
       Belebung der  Investitionstätigkeit erzeugt einen kumulativen Ex-
       pansionsprozeß in Abteilung I (Produktionsmittel), der sich abge-
       schwächt auch  auf Abteilung II (Konsumgüter) ausdehnt. In dieser
       Phase der  Belebung erzeugt  die Akkumulation  von fixem  Kapital
       selbst die  Realisierungsbedingungen, die  eine weitere Expansion
       von der Absatzseite her möglich machen.
       Dieser Akzelerationsprozeß führt unter kapitalistischen Bedingun-
       gen, beschleunigt  durch die  Wirkungen der  Konkurrenz in  ihren
       verschiedenen Formen,  zu einer  Ausdehnung der  Kapazitäten ohne
       Rücksicht auf die stofflichen Proportionen zwischen den Abteilun-
       gen der Produktion, zwischen Produktionskapazitäten und Konsumti-
       onskraft. Ein  Investitionsaufschwung beinhaltet  so die  Tendenz
       zur Selbstverstärkung. Begrenzt wird dieses Auseinanderfallen der
       stofflichen Proportionen,  der Überakkumulation von fixem Kapital
       durch den über die Märkte vermittelten Zusammenhang der Abteilun-
       gen. Die  Vermittlung über  die Märkte vollzieht sich bekanntlich
       aber erst post festum, d.h. wenn die Waren auf den Markt kommen.
       Die Überproduktion  von Investitionsgütern, d.h. auch die Überak-
       kumulation von  fixem Kapital in Abteilung I, wird aber erst dann
       manifest, wenn  sie zur Überproduktion von Waren in der Abteilung
       II führt  bzw. wenn  die Investitionen  kapazitätswirksam werden.
       Der Zusammenhang ist also zeitlich verschoben, so daß schon dann,
       wenn sich erste Anzeichen einer Überproduktion von Waren der Kon-
       sumgüterindustrien zeigen, die Überakkumulation von fixem Kapital
       in Abteilung  I eine vollendete Tatsache ist. Die Reaktion darau-
       fist ein  kumulativer Prozeß  der Einschränkung  zunächst bei den
       Investitionsaufträgen, wodurch  die Tatsache der Überakkumulation
       allgemein manifest wird.
       Die Akkumulation von fixem Kapital muß also im investitionsgetra-
       genen Aufschwung  notwendig die Form eines Booms annehmen, in dem
       die Proportionalität der Abteilungen bzw. von Produktion und Kon-
       sumtion verletzt  wird. Ebenso  notwendig ist die Reaktion darauf
       ein Investitionseinbruch, ein plötzlicher Rückgang.
       Im Zuge  der diskontinuierlichen  Entwicklung der Investitionstä-
       tigkeit verändert  sich auch die Relation zwischen dem Nachfrage-
       und dem  Kapazitätseffekt der  Investitionen. Der  "Investitions-
       boom" ist  vor allem  ein Boom der Erweiterungsinvestitionen. Ihr
       Anteil an den Gesamtinvestionen wächst rasch an (vgl. Grafik IV).
       Die Kapazitäten  wachsen -  zeitlich verschoben - in dieser Phase
       also rascher sowohl als die Gesamtnachfrage als auch die Investi-
       tionsnachfrage. Umgekehrt in der Krise bzw. in der Depression: Da
       der Rückgang  vor allem  die Erweiterungsinvestitionen  betrifft,
       d.h. die  Zusammensetzung der  gesamten (abgesunkenen) Investiti-
       onsnachfrage stärker  in Richtung  auf  Ersatzinvestitionen  ver-
       schiebt, ist  hierin ein Moment zur Lösung des im Aufschwung ent-
       standenen Widerspruchs zwischen Produktion und Markt enthalten.
       In diesem Zusammenhang soll kurz die Rolle des Ersatzes im Zyklus
       behandelt werden. Der folgende Passus von Marx wirft dabei einige
       Fragen auf:  "Durch diesen  eine Reihe von Jahren umfassenden Zy-
       klus von  zusammenhängenden Umschlägen,  in welchen  das  Kapital
       durch seinen  fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt sich eine ma-
       terielle Grundlage der zyklischen Krisen, worin das Geschäft auf-
       einanderfolgende Perioden der Abspannung, mittleren Lebendigkeit,
       Überstürzung, Krise  durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin
       Kapital angelegt wird, sehr verschiedene und auseinanderfallende.
       Indessen bildet  die Krise  immer den  Ausgangspunkt einer großen
       Neuanlage. Also  auch -  die ganze Gesellschaft betrachtet - mehr
       oder minder  eine neue  materielle Grundlage für den nächsten Um-
       schlagzyklus." 28)
       
       Bild ansehen
       Struktur der Investitionen in der verarbeitenden Industrie
       
       Geht man  von den  Ergebnissen der  Ifo-Investitionstests aus, so
       ist sowohl  bei den Ersatzinvestitionen als auch bei den Rationa-
       lisierungsinvestitionen nur ein undeutlicher zyklischer Zusammen-
       hang festzustellen. Das Niveau der Ersatz- und Rationalisierungs-
       investitionen in  der verarbeitenden  Industrie ist in den Jahren
       1962/63, 1966/67,  1971/72 und  1974/75 etwas höher, d.h. in Jah-
       ren, in  denen wenig  Erweiterungsinvestitionen getätigt  werden.
       Man kann  also -  mit der gebotenen Vorsicht der Erhebungsmethode
       gegenüber - auch empirisch belegen, daß die Investitionsnachfrage
       in Depressionsperioden  in der Regel durch eine höhere Rationali-
       sierungs- und  Ersatzinvestitionstätigkeit stabilisiert wird, wo-
       bei schon  in der zweiten Hälfte des Aufschwungs verstärkt ratio-
       nalisiert wird. Dagegen sind die Perioden rasch steigender Erwei-
       terungsinvestitionen in  der Regel  durch niedrigere  Ersatz- und
       Rationalisierungsinvestitionen  gekennzeichnet.  Allerdings  läßt
       sich nicht  die These  belegen, daß die Ersatz- und Rationalisie-
       rungstätigkeit in  und nach  der Krise  der  Ausgangspunkt  eines
       neuen Aufschwungs  ist. 29) Die Bewegung der Ersatz- und Rationa-
       lisierungsinvestitionen trägt  nur insofern dazu bei, die Voraus-
       setzungen für  eine erneute  Belebung zu schaffen, als sie in der
       Krise und  in der  Depression stabilisierend  auf die Entwicklung
       der Investitionsnachfrage im Verhältnis zu den Kapazitäten wirkt.
       Eine ungeklärte  Frage sind  in diesem  Zusammenhang die  Bestim-
       mungsgründe für  die Länge der Zyklen. Der oben zitierte Marxsche
       Satz wird  so interpretiert,  als bestimme der Rhythmus von Inve-
       stition und  Ersatzinvestition ursächlich  die Länge  der Zyklen.
       30) Dies wirft schon deshalb Probleme auf, weil in der Praxis die
       technische Lebensdauer  einer Anlage  für ihren  Ersatz nicht be-
       stimmend ist.  Wichtiger ist  der -  moralische" Verschleiß. Sein
       Tempo ist  aber wahrscheinlich  eher von der Dauer der Zyklen be-
       stimmt als  daß es  selbständig als  Maß der  Zyklenlänge  gelten
       könnte. Ein  Ersatz von  Anlagen dürfte  in der Regel eher in der
       depressiven Phase  erfolgen als  im Boom, d. h. die Länge des Zy-
       klus ist  ein wesentliches  Bestimmungsmoment  des  "moralischen"
       Verschleißes.
       Tatsache ist jedenfalls, daß die empirisch festzustellende durch-
       schnittliche Lebensdauer von Anlagen und Maschinen bedeutend län-
       ger ist als die heute angenommene Zyklenlänge von 4 bis 6 Jahren.
       31) Dieser  Einwand wird im übrigen auch schon von Schumpeter ge-
       gen die  Formulierung von  Marx erhoben.  32) Auf  jeden Fall muß
       dieses Problem  gegenwärtig noch als offene Frage betrachtet wer-
       den.
       
       III. Steigende Fondseffektivität als Ursache
       --------------------------------------------
       der Wachstumsverlangsamung
       --------------------------
       
       Die skizzierte  Darstellung der  krisentheoretischen Position war
       notwendig, um  die Bedeutung  der Akkumulation  von fixem Kapital
       als Ausgangspunkt  der "Stagnationserklärung" deutlich zu machen.
       Grundlegend ist  dabei die  Gestaltung des Verhältnisses von Pro-
       duktion und  Markt im  kapitalistischen Akkumulationsprozeß.  Für
       die Gestaltung dieses stofflichen Verhältnisses im Zyklus ist die
       Effektivität der Arbeitsmittel von großer Bedeutung, da durch sie
       das Verhältnis zwischen dem Nachfrage- und Kapazitätseffekt einer
       Investition bestimmt wird. Je größer der Investitionsaufwand, der
       technisch notwendig  ist, um die aktuelle Produktion in einem be-
       stimmten Ausmaß  zu erhöhen,  d. h. je niedriger die Effektivität
       des Arbeitsmittelfonds,  desto kräftiger und länger ist - ceteris
       paribus - die Belebungsphase.
       Die hier  vertretene These besagt also, daß die Labilität der Be-
       lebung seit  1975 zu  einem wesentlichen Teil auf solche stoffli-
       chen Veränderungen im Reproduktionsprozeß zurückzuführen ist, die
       durch eine Erhöhung der Effektivität der Arbeitsmittel der Berei-
       nigung der  der zyklischen Krise zugrunde liegenden Disproportio-
       nen zwischen Produktion und Markt entgegenwirken.
       Die gleichen  stofflichen Veränderungen gestalten die Beziehungen
       zwischen Konsumtion  und Akkumulation enger, so daß der durch den
       Akzelerationszusammenhang bewirkte  Faktor des  sich selbst  ver-
       stärkenden Investitionsbooms  in der  Belebung abgeschwächt wird.
       Die Hemmung  des Aufschwungs  betrifft  auch  die  längerfristige
       Wachstumstendenz, da  Krise und Aufschwung notwendige Bedingungen
       für das  Funktionieren  des  kapitalistischen  Wachstumsprozesses
       darstellen. Die  Krise hat  dabei die  Aufgabe, das Gleichgewicht
       zwischen Akkumulation,  Produktivkraftentwicklung und  Konsumtion
       als ständige Tendenz durchzusetzen. Bestimmendes Moment ist dabei
       die Verwertung  des Kapitals,  die das  Akkumulationstempo  regu-
       liert. Als   e i n e   Schranke  tritt jedoch  immer  wieder  die
       stoffliche Proportionalität  zwischen Produktion  und  Konsumtion
       auf. Sie  setzt ebenfalls  Bedingungen für  das Funktionieren des
       kapitalistischen Akkumulationsprozesses  und bestimmt in Wechsel-
       wirkung mit  den wertmäßigen  Proportionen das  Niveau des Wachs-
       tumsprozesses. In  den folgenden  Ausführungen  steht  daher  die
       stoffliche Seite  des Reproduktionsprozesses  im Vordergrund. Die
       möglichen und  wahrscheinlichen Konsequenzen für die Verwertungs-
       bedingungen sollen  weiter unten  nur angedeutet  werden. Das ist
       m.E. deswegen  legitim, weil  die abgeschwächte  Wachstumsdynamik
       hier nicht  aus  g l o b a l e n  Veränderungen des gesamtgesell-
       schaftlichen Reproduktionsprozesses  abgeleitet wird,  sondern  -
       das ist  der andere  Teil der These - aus den Folgen einer Struk-
       turdifferenzierung in bestimmten, für das private Kapital als An-
       lagesphären aber zentralen Bereichen. Die Betrachtung konzentiert
       sich auf  die verarbeitende  Industrie. Die  Auswirkungen auf den
       Gesamtprozeß werden  gerade daraus  abgeleitet, daß die genannten
       stofflichen Veränderungen  dort in Widerspruch zu den Reprodukti-
       onsbedingungen des  Gesamtprozesses geraten. Der spontane Profit-
       Markt-Mechanismus ist  unter staatsmonopolistischen Verhältnissen
       nicht in der Lage, eine adäquate Reaktion des Gesamtprozesses auf
       die Veränderungen in einzelnen Bereichen herzustellen.
       Die behaupteten stofflichen Veränderungen sind dabei Auswirkungen
       des wissenschaftlich-technischen  Fortschritts in der Produktion,
       der die  Struktur der Produktivkräfte verändert. Dies äußert sich
       zunächst in  einer Tendenz  zur Steigerung der Produktivkraft der
       Arbeit, d.h.  der Aufwand  an Arbeit in jeder Form, sei es in le-
       bendiger oder  in geronnener,  der zur Erzeugung einer bestimmten
       Menge  von   Gebrauchswerten  nötig   ist,  sinkt.  Die  Begriffe
       "Arbeitsproduktivität" und  "Sachkapitalproduktivität" setzen le-
       diglich die  in jeweils lebendiger bzw. geronnener Form aufgewen-
       dete Arbeitsmenge  ins Verhältnis zur jeweiligen Produktmenge und
       geben damit allerdings schon Auskunft über den Charakter des wis-
       senschaftlich-technischen Fortschritts.
       Nun kann  in den  50er und 60erJahren in der verarbeitenden Indu-
       strie der  Bundesrepublik festgestellt  werden, daß bei insgesamt
       steigender Produktivkraft  der Arbeit  die "Arbeitsproduktivität"
       ansteigt, während  die "Sachkapitalproduktivität" zurückgeht. Die
       Kategorie der  "Sachkapitalproduktivität"  meint  das  Verhältnis
       zwischen der  Produktmenge und  den fungierenden  Arbeitsmitteln,
       das in  diesem Beitrag als Fondseffektivität bezeichnet wird. Die
       Effektivität des  Arbeitsmittelfonds ging  in den  50er und  60er
       Jahren zurück.
       Für den  stofflichen Aspekt  des Reproduktionsprozesses  bedeutet
       dies nun:  während die  Nachfrage nach  Konsumgütern, gemessen am
       Wachstumstempo, langsamer  zunimmt (Freisetzungseffekt, sinkender
       Wert der  Arbeitskraft), wächst die Nachfrage nach Arbeitsmitteln
       rascher. 33)  Eine in  der Tendenz anteilig rückläufige Nachfrage
       nach Konsumgütern wird durch eine wachsende Tendenz bei der Nach-
       frage nach  Arbeitsmitteln teilweise kompensiert. Der im Zuge der
       Produktivkraftentwicklung  steigende  Güterausstoß  findet  einen
       überproportional wachsenden Absatzmarkt in der Nachfrage nach Ar-
       beitsmitteln. Für  die Dynamik von konjunkturellen Belebungen ist
       dies insofern  von Bedeutung, als die verstärkt in Krisenperioden
       bzw. konjunkturellen  Tiefpunkten einsetzende  Modernisierung des
       Produktionsapparates zunächst  mit einer  überproportionalen Aus-
       weitung der  Absatzmärkte für Arbeitsmittel verbunden ist, so daß
       von daher  ein "sich selbst tragender" Aufschwung zusätzliche Im-
       pulse erhält.
       Die für  den Krisenausbruch entscheidenden stofflichen Dispropor-
       tionen werden  abgemildert durch  den im  Rahmen des kapitalisti-
       schen Akkumulationsprozesses im Verhältnis zur Produktivkraftent-
       wicklung rascher  expandierenden Absatzmarkt  für  Arbeitsmittel.
       Die hier vertretene These beinhaltet nun eine Abschwächung dieses
       die Krisen abmildernden Faktors, wobei dem wissenschaftlich-tech-
       nische Prozesse zugrunde liegen. Das heißt: Bei weiter ansteigen-
       der "Arbeitsproduktivität"  ist -  im Gegensatz  zu den  50er und
       60er Jahren - nun auch eine Umkehr bei der Fondseffektivität ein-
       getreten. Der  zur Produktion  einer  bestimmten  Menge  von  Ge-
       brauchswerten notwendige  Aufwand an  geronnener Arbeit  (in Form
       von Arbeitsmitteln, d.h. ohne Berücksichtigung von Materialökono-
       mie) stagniert nur bzw. ist sogar rückläufig, die Fondseffektivi-
       tät  s t e i g t.
       Eine solche wissenschaftlich-technisch begründete Entwicklung ist
       in der  Geschichte des  Kapitalismus keineswegs  neu. Sie ist als
       "Ökonomisierung der Arbeitsmittel" eine immer vorhandene Tendenz,
       die von anderen Entwicklungen überdeckt werden kann. Als vorherr-
       schendes Moment  wurde sie  z. B.  auch in und nach der Weltwirt-
       schaftskrise 1929/32 diskutiert. 34) Diese Tendenz - das soll be-
       tont werden - wird hier als überwiegend nur für die verarbeitende
       Industrie, nicht  für die Gesamtwirtschaft behauptet, ein Ansatz,
       der für  die Diskussion um alternative Wirtschaftspolitik wichtig
       ist. 35)
       Welche Auswirkungen  auf die  stofflichen Proportionen des Repro-
       duktionsprozesses hat nun die angesprochene Steigerung der Fonds-
       effektivität? Ausgangspunkt  ist die  Annahme, daß zur Produktion
       einer bestimmten  Menge Gebrauchswerte eine sinkende Menge an ge-
       ronnener Arbeit  in Form von fungierenden Arbeitsmitteln benötigt
       wird. Da die These von der Rolle der Akkumulation von fixem Kapi-
       tal im  Zyklus, d.h.  von seiner Bedeutung für die konjunkturelle
       Dynamik ausgeht,  interessiert hier  vor allem das Verhältnis der
       f u n g i e r e n d e n   Arbeitsmittel zur  Produktmenge,  nicht
       das der übertragenden Bestandteile.
       Der investitionsgetragene Boom wird dadurch angetrieben, daß ver-
       stärkt gesellschaftliche Arbeit nachgefragt wird, die in Form von
       Arbeitsmittelvorräten fixiert ist und sich nur allmählich auf das
       Endprodukt überträgt,  d.h. letzten  Endes in  Konsumgütern  aus-
       drückt. Je größer der anzusammelnde und zu fixierende Arbeitsvor-
       rat im Verhältnis zur laufenden Produktion ist, desto dynamischer
       - ceteris paribus - der Aufschwung. 36)
       Ein weiteres  Problem sei  hier ebenfalls  nur am Rande angespro-
       chen: die Auswirkungen einer steigenden Fondseffektivität auf die
       Verwertungsbedingungen.
       Theoretisch möglich sind hier verschiedene Entwicklungen. Die or-
       ganische Zusammensetzung  des Kapitals kann zunehmen, gleichblei-
       ben oder  abnehmen, da  die Annahme  steigender Fondseffektivität
       noch nichts  über die  Zusammensetzung des Industriekapitals aus-
       sagt. Die  Mehrwertrate dürfte zwar in der Tendenz ansteigen, al-
       lerdings hängt  das wesentlich von der Entwicklung des Wertes der
       Arbeitskraft ab.  Schließlich bleibt  das  Verhältnis  von  Mehr-
       wertrate und  organischer Zusammensetzung  des Kapitals  in bezug
       auf unsere Annahme unbestimmt.
       Immerhin ist  festzuhalten, daß  eine steigende Fondseffektivität
       gegenüber der  früheren Entwicklung eine Tendenz zur Verbesserung
       der Verwertungsbedingungen  in der verarbeitenden Industrie bein-
       haltet. Ob diese Tendenz nun tatsächlich durchschlägt oder ob sie
       durch andere  Faktoren überlagert wird, soll hier nicht näher un-
       tersucht werden.  Anzumerken bleibt  nochmals, daß die These sich
       hier nur  auf den  Bereich der verarbeitenden Industrie als wich-
       tigste Anlagesphäre des privaten Kapitals bezieht, also nicht die
       gesamtgesellschaftlichen Verwertungsbedingungen im Auge hat. 37)
       Zurück also  zu den stofflichen Bedingungen des Reproduktionspro-
       zesses. Es  sei zum Zwecke der Verdeutlichung zunächst vom Modell
       der einfachen  Reproduktion ausgegangen.  Bei steigender Fondsef-
       fektivität würde es zu einer Verschiebung in der stofflichen Auf-
       teilung der  Produktmenge zugunsten  der Konsumgüter  kommen. Die
       wertmäßig bestimmte Gleichgewichtsrelation (Iv + Im = IIc) bliebe
       grundsätzlich (aber  auf niedrigerem Niveau) unberührt. IIc würde
       sich jedoch  in einer  größeren Menge  an Konsumgütern als vorher
       niederschlagen. Nicht  unberührt bleibt  aber die  Aufteilung des
       Wertprodukts in  Mehrwert und  variables Kapital.  Die Steigerung
       der Produktivkraft  der Arbeit  erzeugt eine  - durch die Bestim-
       mungsgründe des Wertes der Arbeitskraft vermittelte - Tendenz zur
       Senkung des  Wertes der  Arbeitskraft. Dies wirft nun in dem Bei-
       spiel der  einfachen Reproduktion keine Probleme der Realisierung
       auf, da der relativ sinkenden Konsumtionskraft der Arbeiterklasse
       eine relativ  steigende Konsumtionskraft  der Kapitalisten gegen-
       übersteht. Die  Modellannahme geht  hierbei -  zur Verdeutlichung
       der untersuchten  Tendenz -  davon aus,  daß die Konsumtionskraft
       der Arbeiterklasse  auch nach einer Steigerung der Produktivkraft
       der Arbeit  unverändert bleibt. Bei erweiterter Reproduktion aber
       wäre eine Realisierung nur unter Bedingungen eines sich steigern-
       den Akkumulationstempos gewährleistet.
       Nun kann  eingewendet werden, daß es für die Proportionalität des
       Reproduktionsprozesses grundsätzlich  irrelevant ist, ob eine be-
       stimmte Steigerung  der Produktivkraft  der Arbeit  bei sinkender
       oder steigender Fondseffektivität erfolgt. Auch wenn bei unverän-
       derter Fondseffektivität  der  wissenschaftlich-technische  Fort-
       schritt sich  in einer  beschleunigten Erhöhung der Produktivität
       der  lebendigen  Arbeit  ("Arbeitsproduktivität")  niederschlägt,
       verschärft sich dadurch die Tendenz zur Verletzung der Proportio-
       nen des  Reproduktionsprozesses. Grundsätzlich wird bei jedem Typ
       des technischen  Fortschritts  gesellschaftliche  Arbeit  freige-
       setzt. Das gilt jedoch nicht, wenn man die konjunkturelle Dynamik
       einbezieht, die  ja die Tendenz zur Verletzung der Proportionali-
       tät jeweils  löst und  wiederherstellt. Je  größer der notwendige
       Fonds an  fungierenden  Arbeitsmitteln  im  Verhältnis  zur  Pro-
       duktmenge ist,  desto kräftiger und länger ist der konjunkturelle
       Aufschwung, der  von einer  Selbstverstärkung der Investitionstä-
       tigkeit getragen  ist. Je dynamischer sich die Nachfrage nach Ar-
       beitsmitteln im  Verhältnis zur Konsumgüterproduktion entwickelt,
       desto stärker  lockert sich die Beziehung zwischen Produktion und
       Konsumtion ,  desto weiter wird die Schranke der Konsumtionskraft
       hinausgeschoben. Die  Akkumulation schafft sich einen im Verhält-
       nis zur Konsumtion wachsenden Absatzmarkt.
       Da der  kapitalistisch gesteuerte  Wachstumsprozeß zyklisch  ver-
       läuft, hängt seine Dynamik (bzw. der Wachstumstrend) auch von der
       Dynamik der konjunkturellen Aufschwünge ab. Es ist daher auch für
       den Trend  durchaus von  Bedeutung, ob die Produktivkraftentwick-
       lung mit  steigender oder  sinkender Fondseffektivität  verbunden
       ist. Es  ist also  vor allem  die besondere  Rolle der Investiti-
       onstätigkeit für  die konjunkturelle  Dynamik, die  die jeweilige
       Gestaltung der  Fondseffektivität interessant  macht. Daher  wird
       hier auch  nicht von  dem übertragenen fixen Kapital, sondern vom
       vorgeschossenen fixen Kapital ausgegangen.
       In diesem  Zusammenhang sei  auch kurz auf die Frage eingegangen,
       ob es  für den  vorgestellten Argumentationszusammenhang  legitim
       ist, vom  Preis-Wert-Verhältnis abzusehen.  Das wird hier deshalb
       bejaht, weil  sich  j e d e  Form der Erhöhung der Produktivkraft
       der Arbeit  in einer  Verschiebung der  jeweiligen Warenwerte und
       Warenpreise ausdrückt.  Ob dieser  Prozeß sich  in einer erhöhten
       Arbeitsproduktivität  oder  einer  gestiegenen  Fondseffektivität
       ausdrückt, ist  zunächst einmal  weniger wichtig,  es berührt die
       hier untersuchte  Tendenz zur  Störung und  Wiederherstellung der
       stofflichen Proportionalität im Zyklus nicht direkt. Für eine um-
       fassende -  Stagnationserklärung" müßte  dieser Aspekt allerdings
       einbezogen werden. Dies soll hier aber nicht geleistet werden.
       Eine Steigerung  der Produktivkraft der Arbeit bewirkt bei insge-
       samt unverändertem Aufwand an gesellschaftlicher Arbeit eine Ver-
       größerung der  produzierten Gütermenge.  Erfolgt  die  Produktiv-
       kraftentwicklung bei  sinkender Fondseffektivität,  so muß ein im
       Verhältnis zur Konsumtionskraft wachsender Teil der gesellschaft-
       lichen Arbeit quasi - auf Vorrat" gelegt werden, d.h. es wird ak-
       tuell zusätzliche  Nachfrage wirksam, die sich erst später in ei-
       ner vergrößerten  Konsumgüterproduktion niederschlägt.  Je größer
       der Teil  der gesellschaftlichen  Arbeit ist, der dergestalt "auf
       Vorrat" gelegt  wird, desto kleiner die  a k t u e l l e  Dispro-
       portion zwischen Produktion und Konsumtion. Der umgekehrte Prozeß
       steigender Fondseffektivität, von dem hier ausgegangen wird, ver-
       kleinert dagegen  den Teil  der -  auf Vorrat"  gelegten  gesell-
       schaftlichen Arbeit,  die sich  nun in  einem im  Verhältnis  zur
       Nachfrage aktuell vergrößerten Warenangebot niederschlägt.
       Da die Rationalisierung verstärkt in Krisen- und Depressionsperi-
       oden durchgeführt  wird, ist die Steigerung der Fondseffektivität
       ein Faktor zur Untergrabung der immanenten, die Depression lösen-
       den und  den Aufschwung  tragenden Momente.  Der die  Krise kenn-
       zeichnende Widerspruch  zwischen Produktionskapazitäten  und  Ab-
       satzmöglichkeiten wird  in seiner  Auflösung behindert,  weil die
       Anpassung der Kapazitäten an die existierende Nachfrage unter den
       neuen technologischen Bedingungen mit einer relativ niedrigen In-
       vestitionsnachfrage verbunden  ist. Dies  wird deutlich, wenn man
       von den  Momenten ausgeht,  die nach dem klassischen Ablaufmodell
       der Konjunktur  im Mittelpunkt  der  Belebungsphase  stehen.  Die
       Krise hat  die Funktion,  das Tempo  der Kapazitätsausweitung  zu
       verringern und  an die Entwicklungstendenz der privaten Nachfrage
       anzupassen. Dabei  ist wesentlich,  daß die private Nachfrage von
       der Krise  zwar auch betroffen wird, ihre Entwicklung aber stabi-
       ler verläuft als die Investitionsnachfrage, insbesondere die nach
       Erweiterungsinvestitionen. Es  kommt daher der Punkt, wo die pri-
       vate Nachfrage nach der Krise wieder zu einer besseren Auslastung
       der verlangsamt wachsenden Kapazitäten führt. In der Folge belebt
       sich auch  die Investitionsnachfrage  wieder. Dieser Zusammenhang
       wird in  dem Maße  gelockert, wie die verringerte Investitionstä-
       tigkeit ausreicht,  um auf dem neuen technischen Niveau die Kapa-
       zitäten zu erweitern.
       Ein weiteres  Moment, das  nach der  Krise für die Stabilisierung
       der Nachfrage  im Verhältnis zu den Produktionskapazitäten sorgt,
       ist die  Rationalisierung und  der Ersatz  des vorhandenen  Kapi-
       talstocks, der  sich auf  einem  höheren  technologischen  Niveau
       vollzieht. Bei  steigender Fondseffektivität ist die damit zusam-
       menhängende Investitionsnachfrage  niedriger als beim "alten Typ"
       des technischen  Fortschritts, so daß die Impulse auf die Gesamt-
       nachfrage und  die Gesamtkonjunktur  geringer sind.  Das bedeutet
       natürlich nicht, daß konjunkturelle Aufschwünge unmöglich werden.
       Der Grundzusammenhang,  der für  das Ende der Krise und die Bele-
       bung sorgt,  existiert nach wie vor. Der mit der Krise verbundene
       Einbruch der  Gesamtnachfrage wird lediglich tiefer, die Stabili-
       sierung und  Wiederherstellung der  Proportionen zwischen Produk-
       tion und  Konsumtion erfolgt auf einem relativ niedrigeren Niveau
       der Investitionstätigkeit und des Wachstums.
       Noch deutlicher  zeigen sich  die Auswirkungen  einer  steigenden
       Fondseffektivität in  der Belebungsphase  selbst. Bei einem hohen
       Auslastungsgrad der  Kapazitäten - das wurde oben schon angespro-
       chen -  führt eine  bestimmte Erhöhung  der Nachfrage zu einer um
       ein Vielfaches  höheren Investitionsnachfrage,  so daß  sich  ein
       "sich selbst tragender" Aufschwung entwickelt, der getrieben wird
       von einer  Selbstverstärkung der Investitionskonjunktur. Je höher
       nun die  Fondseffektivität, desto geringer die Investitionstätig-
       keit ,  die durch eine bestimmte Erhöhung der Nachfrage ausgelöst
       wird. Wichtig  ist dabei  nicht,  daß  das  Verhältnis  der  Pro-
       duktmenge zu  den übertragenen  Arbeitsmitteln ansteigt. Das wäre
       nur eine Folge der mit der erhöhten Fondseffektivität verbundenen
       allgemeinen Steigerung  der Produktivkraft der Arbeit. Von diesem
       Standpunkt aus  wäre es  gleichgültig, ob die Steigerung der Pro-
       duktivkraft in Form steigender Arbeitsproduktivität oder steigen-
       der Fondsintensität  erfolgt. Dieser  Aspekt soll hier aber nicht
       im Vordergrund  stehen. Wichtig  ist hier  vielmehr, daß sich das
       stoffliche Verhältnis  zwischen  einer  bestimmten  Erhöhung  der
       Nachfrage nach  Konsumgütern und  der daraus resultierenden Erhö-
       hung der  Nachfrage nach  Arbeitsmitteln verändert.  Denn es  ist
       dieser Akzelerationszusammenhang  , der  im Aufschwung  zu  einer
       Loslösung der Produktion von der Konsumtion führt und damit unter
       kapitalistischen Bedingungen  die Schranke hinausschiebt, die der
       Erweiterung der  Produktion durch  die Tendenz  zur relativen Be-
       schränkung der  Konsumtionskraft auferlegt  ist. Indem der Zusam-
       menhang zwischen  Produktion und  Konsumtion im  Zuge  steigender
       Fondseffektivität enger  wird, tritt  die durch  die kapitalisti-
       schen Verteilungsverhältnisse  beschränkte  Konsumtionskraft  als
       ständig zu überwindende Schranke des Wachstums deutlicher hervor.
       Allgemein gesagt: Eine steigende Fondseffektivität bindet die Ak-
       kumulation von fixem Kapital enger an die Entwicklung der Konsum-
       tionskraft und  untergräbt damit das dynamische Element des kapi-
       talistischen Wachstumsprozesses.  Auf diesem  Wege, durch die Un-
       tergrabung des  zyklischen Moments,  wird auch die längerfristige
       Wachstumstendenz verändert.
       
       IV. Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen
       -------------------------------------------
       
       Der zu  beobachtende Rückgang der "Investitionsquote" könnte also
       u.a. auch  in diesen  geschilderten stofflichen Veränderungen be-
       gründet sein.  Dies ist  vor allem  vor dem Hintergrund der wirt-
       schaftspolitischen Diskussionen  der letzten Jahre von Bedeutung.
       Forderungen nach  Erhöhung der  Investitionsquote im privaten Be-
       reich stehen  unter diesen Bedingungen in einem offenen Gegensatz
       zu den  neuen Möglichkeiten,  die der  technische Fortschritt mit
       sich bringt.  38) Denn die adäquate Folge einer steigenden Fonds-
       effektivität ist  die Erhöhung der Konsumquote, d.h. ein größerer
       Teil des  gesellschaftlichen Gesamtprodukts  kann die  stoffliche
       Gestalt von  Konsumgütern haben. Dies ist zwar die Konsequenz je-
       der Form der Produktivkraftsteigerung. Bei der Erhöhung der Fond-
       seffektivität kommt jedoch hinzu, daß tendenziell gesellschaftli-
       che Arbeit  freigesetzt wird, die m Form von fixem Kapital vorge-
       schossen werden muß.
       Da im  Kapitalismus der Verwertungsprozeß den Arbeitsprozeß regu-
       liert, ist  die naheliegende  Lösung einer  erhöhten  Konsumquote
       nicht ohne weiteres realisierbar. Denn der Konsum ist unter kapi-
       talistischen Verteilungsverhältnissen wesentlich durch den Umfang
       der Beschäftigung  39) und den Wert der Arbeitskraft bestimmt, im
       Kern also durch die Akkumulation des Kapitals.
       Diese Grenze  wird allerdings durch die Klassenauseinandersetzun-
       gen beeinflußt,  kann also  auch im  Rahmen der  kapitalistischen
       Verteilungsverhältnisse verschoben  werden. Dabei sind die verän-
       derten stofflichen  Bedingungen in der Produktion ein Moment, das
       mobilisierend wirken  kann. Die  Diskussion um Arbeitszeitverkür-
       zungen, die  im Zusammenhang  mit Rationalisierung und Arbeitslo-
       sigkeit gegenwärtig geführt wird, macht diesen Zusammenhang deut-
       lich.
       Die Erhöhung  der Konsumquote - daran soll erinnert werden - kann
       allerdings auch die Form eines wachsenden "Konsums" der Kapitali-
       sten in Form von zunehmendem Parasitismus annehmen. Entsprechende
       Tendenzen sind zu beobachten. Dazu gehört nicht nur ausgesproche-
       ner Luxuskonsum, sondern auch die Erweiterung der Rüstung und der
       Ausbau parasitärer finanzkapitalistischer Institutionen, die sich
       mit spekulativen  Formen der  Geldkapitalanlage befassen. 40) Be-
       grenzt wird  diese Tendenz  zum Parasitismus allerdings durch den
       Zwang zur Akkumulation, der den Einzelkapitalen als äußerer Zwang
       gegenübertritt und  parasitäre Verwendungsformen von Mehrwert be-
       schränkt.
       Der unter kapitalistischen Bedingungen sich anbietende Ausweg ist
       - so paradox es klingt - eine Beschleunigung des Tempos der Akku-
       mulation. Ein größerer Teil des Produkts wird in Form von Produk-
       tionsmitteln hergestellt, so daß er stofflich für die Beschleuni-
       gung des Akkumulationsprozesses zur Verfügung steht. Dies begrün-
       det nun  zunächst nicht notwendig eine Stockung von der Realisie-
       rungsseite aus.  Denn die  steigende Fondseffektivität bei weiter
       steigender Arbeitsproduktivität  betrifft nur das Verhältnis zwi-
       schen dem  gesamten  Arbeitsaufwand  und  der  Produktmenge,  die
       sowohl die  Gestalt von  Arbeitsmitteln als auch von Konsumgütern
       haben kann.  Es ist  lediglich notwendig, daß die gewachsene Pro-
       duktmenge vom  Akkumulationsprozeß, der  wesentlich  Akkumulation
       von fixem Kapital ist, aufgenommen wird. Allerdings ist mit unse-
       rer Annahme einer in den 70er Jahren ansteigenden Fondseffektivi-
       tät bei  unverändert weiter ansteigender Arbeitsproduktivität 41)
       eine beschleunigte  Produktivkraftentwicklung unterstellt. Da die
       infolgedessen rascher  wachsende Gütermenge  nach unseren Voraus-
       setzungen nicht  von einer im gleichen Verhältnis wachsenden Kon-
       sumtionskraft begleitet  wird, müßte sich unter Gleichgewichtsbe-
       dingungen das  Akkumulationstempo in  der Tendenz  beschleunigen.
       Ein gleichgewichtiger  Reproduktionsprozeß würde  dann eine  auch
       wertmäßig beschleunigte Akkumulation erfordern.
       Ein solches  Konzept würde allerdings die Lockerung der Beziehun-
       gen zwischen  der Akkumulation  von fixem Kapital und der Konsum-
       tion implizieren.  Unter den Bedingungen steigender Fondseffekti-
       vität wäre  das nur  dann durchführbar,  wenn das Verhältnis zwi-
       schen der  Produktion von  Produktionsmitteln und  der Konsumtion
       auf dem Wege der Kapitalvernichtung verändert wird. Entsprechende
       Auswirkungen hätte die künstliche Beschleunigung des Verschleißes
       bzw. ein durchschnittlich niedrigerer Auslastungsgrad der Kapazi-
       täten. Eine  Vielzahl von  wirtschaftspolitischen  Maßnahmen  der
       Vergangenheit hatten  objektiv die Funktion, den Investitionspro-
       zeß dadurch  anzuregen, daß der vorzeitige Ersatz von Anlagen für
       die Einzelkapitale  rentabler wird  als die Ausnutzung der beste-
       henden Kapazitäten.  42) Es entsteht also die paradoxe Situation,
       daß der  wissenschaftlich-technische Fortschritt und seine Anwen-
       dung eine  Steigerung des  Konsumanteils am  Wertprodukt erlaubt,
       während die  kapitalistischen Produktionsbedingungen eine Zunahme
       des Investitionsanteils  erfordern. Dies  ginge einher  mit einer
       zunehmenden Verschwendung von Produktivkräften, die unter privat-
       kapitalistischen Bedingungen  zu einer  Verschlechterung der Ver-
       wertungsbedingungen und einer Verlangsamung des Akkumulationstem-
       pos führen  würde. Eine  Fortsetzung der Akkumulation von Kapital
       muß unter  diesen Bedingungen durch eine staatliche Übernahme der
       Kosten der forcierten Kapital Vernichtung, durch Steuerentlastun-
       gen oder  durch direkte Subventionen gewährleistet werden. In der
       Folge wird  der Spielraum  des Staates  für Aufgaben  des gesell-
       schaftlichen Konsums im weitesten Sinne eingeschränkt, obwohl die
       stofflichen Veränderungen eine kräftige Expansion dieses Bereichs
       möglich machen. 43)
       Diese vom  Standpunkt des  Arbeitsprozesses -  nicht des  Verwer-
       tungsprozesses  -  paradox  erscheinenden  wirtschaftspolitischen
       Konsequenzen finden  sich in  einem bereits zitierten Aufsatz der
       "Mitteilungen des  RWI" in  aller Deutlichkeit.  Ausgegangen wird
       dabei von der Annahme, daß die Unternehmer als Reaktion auf stei-
       gende Lohnkosten  auf effektivere  Arbeitsmittel ausweichen, d.h.
       die Produktivkraft der Arbeit beschleunigt anheben. "Es liegt auf
       der Hand,  daß der Übergang von relativ kapitalaufwendigen zu re-
       lativ kapitalsparenden  Produktionsverfahren ein gedämpftes Inve-
       stitionsverhalten der Unternehmen zur Folge hat und die produkti-
       vitätsinduzierte Eigendynamik des ökonomischen Prozesses bremst."
       Um diese Situation zu überwinden, stellt der Autor die Überlegung
       an: -  Angesichts der  Tatsache, daß Investitionen keinen Selbst-
       zweck haben, sondern letztlich Instrument zur Sicherung und Stei-
       gerung des  Wohlstands der  Bevölkerung sind, scheint auf den er-
       sten Blick die sich abzeichnende Umschichtung in der Verwendungs-
       struktur des  Sozialprodukts zugunsten der konsumtiven Ausgabear-
       ten ökonomisch  sinnvoll." Der  Autor verwirft  diesen  Gedanken:
       "Wenngleich die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität des ökonomi-
       schen Systems nicht gering zu veranschlagen sind, darf doch nicht
       übersehen werden,  daß es  von bestimmten hierarchischen Funktio-
       nalbeziehungen und gerichteten Verflechtungsstrukturen beherrscht
       wird und  insofern nicht  an jeder  beliebigen Stelle  für  wirt-
       schaftspolitische Interventionen  offen ist."  Hinter diesen ver-
       schwommenen Formulierungen  verbirgt sich,  wie aus  dem  Kontext
       deutlich   wird,    die    Aussage,    daß    die    herrschenden
       "Funktionalbeziehungen" ihren  wirtschaftspolitischen Ansatzpunkt
       eben nur  an den unmittelbaren Verwertungsbedingungen in der Pro-
       duktion hätten. Nachdem er den Außenhandel als Absatzfeld zwar in
       Betracht zieht,  aber nur  für begrenzt wirksam hält, kommt er zu
       der Feststellung: "Unter diesen Umständen ist das dargelegte Pro-
       blem der  unzureichenden langfristigen Eigendynamik nur durch die
       nachhaltige Steigerung der Investitionstätigkeit der gewerblichen
       Wirtschaft zu  lösen." Es  sei die Aufgabe der Wirtschaftspolitik
       (einschließlich der  Lohnpolitik), die Unternehmer wieder zu mehr
       Investitionen mit  höherem Kapitalkoeffizienten, d.h. mit niedri-
       gerer Fondseffektivität  und "geringeren  unmittelbar produkions-
       wirksamen Effekten  zu veranlassen".  44) Es wird also nichts an-
       deres vorgeschlagen als der Verzicht auf technischen Fortschritt,
       soweit er  sich in  steigender  Fondseffektivität  niederschlägt.
       Dieser Vorschlag  ist insoweit  irreal, als die Konkurrenz, nicht
       etwa bloß  die zu geringe Kapitalrentabilität, die Unternehmer zu
       den kostengünstigsten  Verfahren drängt.  Auffallend ist hier die
       Beliebigkeit der  Argumentation im konservativen Lager der Natio-
       nalökonomie. Während  der Sachverständigenrat steigende Löhne als
       Ursache für die  E r h ö h u n g  des Einsatzes von fixem Kapital
       (anstelle von  lebendiger Arbeit)  sieht, begründet das RWI damit
       den Übergang zu  "k a p i t a l s p a r e n d e n"  Technologien.
       Während der  Sachverständigenrat als Frucht niedriger Löhne einen
       zusätzlichen Einsatz von lebendiger Arbeit anstelle von fixem Ka-
       pital in  Aussicht stellt,  lockt das  RWI die Gewerkschaften mit
       der Hoffnung auf zusätzlichen Einsatz von fixem Kapital. 45)
       Tatsächlich geht es den Autoren auch nicht um die Frage, wie sich
       das Arbeitsplatzangebot  entwickelt, da  die  Stabilisierung  der
       Verwertungsbedingungen des  privaten Kapitals  als entscheidender
       Hebel für  die Überwindung  der Wachstumsschwäche angesehen wird.
       Daher entspricht  die Therapie  des RWI auch durchaus den Bedürf-
       nissen des  Kapitals unter den veränderten Reproduktionsbedingun-
       gen. Eine  gesellschaftliche Verschwendung von Produktivkräften -
       sei sie  als Übergang zu Investitionen "mit geringeren... produk-
       tionswirksamen Effekten"  oder als  Förderung von Entwertungspro-
       zessen bezeichnet  - soll auf Kosten des gesellschaftlich vermit-
       telten und  des privaten  Konsums finanziert werden. "Eine solche
       grundlegende Änderung  im Investitionsverhalten  insbesondere der
       gewerblichen Wirtschaft ist jedoch bei einer produktivitätsorien-
       tierten Lohnpolitik  nicht wahrscheinlich,  weil  sie  einen  be-
       schleunigten Verfall  der Kapitalrentabilität  nach  sich  ziehen
       würde... Dies  könnte nur  vermieden werden, wenn sich die Tarif-
       parteien entschließen  könnten, einen größeren Teil des Volksein-
       kommens zur Sicherung der Rentabilität der anzustrebenden höheren
       Investitionsausgaben bereitzustellen."  46) Diesem  Konzept folgt
       die offizielle  Wirtschaftspolitik  gegenwärtig  in  den  meisten
       kapitalistischen Ländern.  47) Angestrebt wird eine Einschränkung
       der öffentlichen  Ausgaben, soweit  sie nicht  der Stabilisierung
       der  privaten   Verwertungsbedingungen  dienen.  Angestrebt  wird
       ebenfalls eine  Senkung der  Lohnkosten sowohl  auf dem  Wege der
       direkten  Tarifabschlüsse   als  auch  auf  dem  Umweg  über  die
       Steuerpolitik. Es  ist dies  ein Konzept,  in  dem  die  Kapital-
       verhältnisse  als   Grenze  der   Produktivkraftentwicklung  sehr
       deutlich werden.  Während der  wissenschaftlich-technische  Fort-
       schritt eine  beschleunigte Steigerung  der Konsumtion  bzw. eine
       Senkung der Arbeitszeit möglich macht, erfordern die kapitalisti-
       schen Produktionsverhältnisse  umgekehrt  eine  Beschränkung  der
       Konsumtion. Im  Kern soll eine Verschwendung von Produktivkräften
       die Fortsetzung des Akkumulationsprozesses unter kapitalistischen
       Bedingungen ermöglichen.
       Die Kernthese  lautet: Der technische Fortschritt ermöglicht seit
       dem Beginn  der 70er  Jahre eine  effektivere Ausnutzung  der Ar-
       beitsmittel in  der verarbeitenden Industrie, so daß die Fondsef-
       fektivität in  der Tendenz ansteigt. Dieser verstärkt in und nach
       der letzten  Krise vorangetriebene  Prozeß der Effektivierung der
       Arbeitsmittel hat dort die Grundlage der zyklischen Belebung, die
       Akkumulation von  fixem Kapital,  untergraben und  damit die kon-
       junkturelle und die Wachstumsdynamik geschwächt.
       Die steigende  Fondseffektivität wirkt  dabei der Reinigungsfunk-
       tion der  Krise in doppelter Hinsicht entgegen. Während die Krise
       die stofflichen Disproportionen zwischen Produktion und Markt be-
       seitigen soll,  tendiert die  steigende Effektivität der Arbeits-
       mittel eher zu einer Vergrößerung der Produktionskapazitäten, be-
       hindert also  ihre Anpassung  an die  Konsumtionskraft. Das wirkt
       sich auch  behindernd auf die Bereinigung der wertmäßigen Dispro-
       portionen, d.  h. auf die Verbesserung der Verwertungsbedingungen
       der Einzelkapitale als Folge der Krise aus. Denn indem die Effek-
       tivität des  Arbeitsmittelbestandes erhöht  wird, wird der Ausla-
       stungsgrad gedrückt. Das aber verschlechtert die Rentabilität des
       eingesetzten Kapitals  und wirkt  dem Effekt der Kostensenkung im
       Krisenverlauf entgegen. Die konjunkturelle Dynamik im Sinne eines
       "sich selbst tragenden Aufschwungs" wird erst dann wieder in Gang
       kommen, wenn  eine deutlich  beschleunigte Akkumulation von fixem
       Kapital vom  Standpunkt der  Rentabilität der Einzelkapitale loh-
       nend erscheint.  Dies setzt eine Bereinigung der stofflichen Dis-
       proportionen voraus,  die in Form von unausgelasteten Kapazitäten
       auch wertmäßige Disproportionen beinhalten. Selbst nach vollzoge-
       ner Bereinigung  dieser Ungleichgewichte kann aus der gestiegenen
       Fondseffektivität eine  verhaltenere Entwicklung  konjunktureller
       Aufschwünge abgeleitet  werden, da  die Beziehungen  zwischen der
       Entwicklung von Konsumgüter- und Investitionsgüternachfrage enger
       geworden sind, so daß ein Auseinanderreißen dieser an sich zusam-
       mengehörigen Momente  in Form  einer sich selbst beschleunigenden
       Investitionskonjunktur rascher manifest würde.
       Den in  der verarbeitenden  Industrie festzustellenden  Tendenzen
       zur Steigerung  der Fondseffektivität  stehen allerdings  gesamt-
       wirtschaftlich entgegenwirkende  Tendenzen gegenüber. Ob die Ten-
       denz zu  steigender Fondseffektivität  dabei überwiegt, soll hier
       nicht untersucht werden.
       Für unseren  Argumentationszusammenhang bedeutet  das, daß in der
       verarbeitenden Industrie frei werdendes Kapital in anderen Berei-
       chen Anlagesphären  finden könnte,  in denen die Akkumulation von
       fixem Kapital  nur geringe  Kapazitätserweiterungseffekte im Ver-
       hältnis zur Investitionsnachfrage bewirken würde. Es würde so zu-
       sätzliche Nachfrage erzeugt, ohne daß die vorhandenen Kapazitäten
       im gleichen Maße erweitert würden.
       Einige dieser Bereiche seien genannt:
       - Die Möglichkeit  kostenloser Abgabe von Schadstoffen an die Na-
       tur ist  begrenzt. Diese  Grenzen sind  allerdings ziemlich weit,
       ihre Verletzung  würde nicht  unmittelbar die Grundlage der Kapi-
       talverwertung gefährden.  (Wie man  sieht.) Die Umlenkung von ge-
       sellschaftlichen Ressourcen  vor allem  in Form von sehr langfri-
       stig angelegtem fixen Kapital würde einen beträchtlichen Nachfra-
       geeffekt besitzen,  ohne daß  die Produktionskapazitäten entspre-
       chend mitwachsen.
       - Rohstoffe und ihre Gewinnung werden tendenziell teurer, d.h. in
       vielen Bereichen  wäre ein  wachsender Aufwand an Ressourcen not-
       wendig, ohne daß die Produktmenge dadurch im gleichen Maße erhöht
       würde. Dem  wirken allerdings  in der Fördertechnik usw. wirksame
       Faktoren entgegen.  Zum Teil  findet auch ein Ersatz durch billi-
       gere neue Rohstoffe statt.
       - Die Verteuerung  der Energie  erfordert in vielen Bereichen die
       Einführung von  energiesparenden Techniken.  Das dürfte  vielfach
       mit einem zusätzlichen Investitionsaufwand verbunden sein.
       - Der Wert  der Ware  Arbeitskraft wird  durch eine  Vielzahl von
       Faktoren bestimmt,  so daß  steigende Produktivkraft  der  Arbeit
       keineswegs identisch  sein muß  mit einem  entsprechend sinkenden
       Wert der  Arbeitskraft. Viele  Momente wirken dem entgegen: wach-
       sende Arbeitsbelastung,  Qualifikationsmomente, wachsende indivi-
       duelle und  gesellschaftlich vermittelte  Bedürfnisse usw.  Diese
       Momente  werden  teilweise  durch  Verteilungskämpfe  vermittelt,
       teilweise auf der staatlichen Ebene. Für unseren Zusammenhang ist
       wichtig, daß  in stärkerem  Maße Bedürfnisse  in den  Vordergrund
       treten, deren  Befriedigung mit  der Ausweitung von Infrastruktu-
       rinvestitionen verbunden ist.
       Diese Beispiele  sollen nur  verdeutlichen, daß  sich im Zuge der
       veränderten Reproduktionsbedingungen auf gesamtgesellschaftlicher
       Ebene auch  neue Verwendungsmöglichkeiten  für das  frei werdende
       Kapital eröffnen.  Unter stofflichen  Gesichtspunkten würde  eine
       entsprechende Umlenkung der gesellschaftlichen Ressourcen die Be-
       dingungen für eine Belebung der konjunkturellen Dynamik und damit
       auch eine  Stabilisierung der  Wachstumsdynamik auf etwas längere
       Sicht eröffnen.
       Diese Umlenkung  von Kapital  in diese  Verwendungsbereiche setzt
       sich unter den gegebenen Bedingungen jedoch nicht bzw. nur parti-
       ell über  den Markt-Profit-Mechanismus  durch. Das  dort fixierte
       Kapital nimmt  zum größten  Teil nicht  an der Verteilung der ge-
       samtgesellschaftlichen Profitsumme  teil. Ihre  Erschließung  als
       profitable Anlagesphären  von privatem Kapital ist dadurch jedoch
       nicht unbedingt ausgeschlossen. 48) Eine entsprechende Umstruktu-
       rierung des  gesellschaftlichen Gesamtkapitals  in die  genannten
       Bereiche, wie es im Zuge der ökonomisch-technischen Entwicklungen
       möglich und  teilweise auch erforderlich ist, ist aber vom Stand-
       punkt der  privaten Einzelkapitale  aus gesehen mit vielen Wider-
       sprüchen verbunden.  Entscheidend ist,  daß das  zu weiten Teilen
       nur auf  dem Wege  direkter oder indirekter staatlicher Eingriffe
       erfolgen  kann.  Wichtige  Bedingungen  für  die  wertmäßige  und
       stoffliche Proportionalität  des kapitalistischen  Reproduktions-
       prozesses werden  staatlich gesetzt,  ohne daß dadurch sein anar-
       chischer Charakter  berührt wird.  Die Richtung  der  staatlichen
       Eingriffe geht zunächst von den Interessen der privaten Einzelka-
       pitale, vor  allem der  monopolistischen Kapitale aus, deren Ver-
       wertung und Akkumulation es zu sichern gilt. Dabei sind verschie-
       dene Strategien  denkbar, die  jedoch die Widersprüche nur an an-
       dere Stellen verlagern.
       Die Richtung,  der Umfang  und die  Methoden der  staatlichen Zu-
       griffe sind  dabei aber nicht nur ein Reflex der kapitalistischen
       Verwertungsbedingungen. In  einem widersprüchlich  bestimmten Zu-
       sammenhang mit  diesen stehend,  unterliegen sie auch politischen
       Prozessen, die  von der  Arbeiterklasse beeinflußt werden können.
       Dabei bietet  die aktuelle  Situation einer niedrigen Kapazitäts-
       auslastung bei schwacher Investitionstätigkeit und großen anlage-
       suchenden Kapitalmassen eine Vielzahl von Ansätzen für eine wirt-
       schaftspolitische Strategie  der Arbeiterbewegung.  Die wachsende
       Effektivität der  Arbeitsmittel in  der Produktion vergrößert den
       Spielraum für  eine Erweiterung  des  individuellen  und  gesell-
       schaftlichen Konsums,  eine Verkürzung der Arbeitszeit, eine Aus-
       weitung öffentlicher  Investitionen. Bei den Auseinandersetzungen
       um diese  Fragen geht  es darum, die Möglichkeiten und Ergebnisse
       des wissenschaftlich-technischen  Fortschritts im  Interesse  der
       Masse der  Bevölkerung besser  auszuschöpfen. Es  ist  dies  eine
       Form, in der die entwickelten Produktivkräfte gegen die kapitali-
       stischen Produktionsverhältnisse rebellieren.
       Der im  vorliegenden Aufsatz  gemachte Versuch,  die  veränderten
       Wachstumsbedingungen des  Kapitalismus am  Beispiel der  BRD  aus
       Strukturveränderungen des Reproduktionsprozesses abzuleiten, geht
       zwar von  stofflichen Veränderungen in der Produktion aus, stützt
       sich aber  wesentlich auf  die Differenzierung  der Anlagesphären
       von staatlichem  und privatem  Kapital. Während davon ausgegangen
       wird, daß in den Kernbereichen der privaten Anlagesphären, in der
       industriellen Produktion,  der technische Fortschritt gegenwärtig
       zur relativen Freisetzung von fixem Kapital führt, wächst der Ka-
       pitalbedarf in  den Sektoren,  in denen  das  staatliche  Kapital
       unter weitgehendem  Verzicht auf  Verwertung  vorherrschend  ist.
       Infolgedessen ist eine der Veränderung der stofflichen Strukturen
       entsprechende  Kapitalwanderung  gehemmt.  Eine  Überwindung  der
       stofflichen Disproportionen,  wie sie  sich  in  einer  anhaltend
       niedrigen Auslastung  der industriellen  Anlagen und des Arbeits-
       kräftepotentials ausdrücken,  setzt eine den veränderten stoffli-
       chen Reproduktionsbedingungen  entsprechende Umlenkung  der Kapi-
       talströme zugunsten  der öffentlichen Investitionen und/oder eine
       Veränderung der  Verteilungsverhältnisse  zugunsten  des  Konsums
       bzw. der Freizeit voraus.
       
       _____
       *) Der folgende Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Refe-
       rats, das  vom Autor  auf der  Diskussionsveranstaltung des  IMSF
       "Stagnation der  kapitalistischen Wirtschaft"  am 2./3.  Dezember
       1978 gehalten  wurde. Ein  Konferenzbericht von  Winfried Schwarz
       wird im gleichen Jahrbuch abgedruckt.
       1) Vgl. z.B.  Eduard Pestel u.a., Das Deutschlandmodell, in: Bild
       der Wissenschaft,  1/1978; Wilhelm  Hankel, Der  Ausweg  aus  der
       Krise, Düsseldorf/Wien 1975.
       2) Einen gewissen  Überblick geben:  Gunda Jortzig/Marianne  Weg,
       Zur Diskussion  von Krise  und Krisenpolitik  in der herrschenden
       ökonomischen Theorie,  in: WSI-Mitteilungen 3/1978. Vgl. auch: J.
       Huffschmid/H. Schui  (Hrsg.), Gesellschaft  im  Konkurs  ?,  Köln
       1976. Im  Konferenz bericht in diesem Jahrbuch finden sich einige
       wichtige weitere Ansätze.
       3) Einen vergleichbaren  Gedanken diskutiert Karl Georg Zinn, Der
       Niedergang des  Profits, Köln  1978: "Überspitzt läßt sich sagen,
       daß Unterbeschäftigung  und Krise  um so wahrscheinlicher werden,
       je stärker  die technische  Kapitalproduktivität steigt,  d.h. je
       kleiner der  marginale Kapitalkoeffizient wird," (S. 49) Angedeu-
       tet wird  dieses Moment auch im Memorandum 1978 "Alternativen der
       Wirtschaftspolitik" (Langfassung), Köln 1978, S. 92, und im Memo-
       randum 1979 "Vorrang für Vollbeschäftigung", hektograph. Fassung,
       S. 16 ff.
       4) Günter Friedrichs, Einsatz von Mikroprozessoren - Auswirkungen
       auf Produktion  und Beschäftigung,  Sonderdruck aus  der  Monats-
       schrift "Rationalisierung", 29. Jg., S. 3 f.
       5) Jahresgutachten 1977/78 des Sachverständigenrates, Ziffer 330.
       6) Ifo-Schnelldienst, Nr. 31"32/1978, "Schwerpunktthema: Investi-
       tionen", S. 45.
       7) Vgl. auch:  Adolf Ahnenfeld  u.a.: Weitere Konjunkturerholung,
       aber noch  hohe Arbeitslosigkeit  in den westlichen Industrielän-
       dern, in: Die Weltwirtschaft, Halbjahresschrift des Instituts für
       Weltwirtschaft an der Universität Kiel, Heft 2/1976, S. 4 ff.
       8) Vgl. dazu  den Konferenzbericht  im vorliegenden  Band.  Siehe
       auch: Jörg Huffschmid, Entkoppelung von Konjunktur und Beschäfti-
       gung,  in:  Blätter  für  deutsche  und  internationale  Politik,
       1/1979, S. 69 ff.
       9) Es kann  allerdings auch nicht behauptet werden, daß "die sta-
       tistischen Daten...  eindeutig der  These eines Wechsels der Pro-
       duktionsmethoden und  damit auch  in der Form der Produktivitäts-
       steigerung' (widersprechen)" , wie Heseler in seiner Dissertation
       schreibt. Heiner  Heseler, Die  Beziehungen zwischen  technischem
       Fortschritt und Kapitalakkumulation, Bremen 1978, S. 365. Die Er-
       gebnisse der  Investitionsrechnungen des  Deutschen Instituts für
       Wirtschaftsforschung (DIW),  auf die  sich Heseler  hauptsächlich
       bezieht, können  für diese  Behauptung nicht  als Beleg angeführt
       werden, weil  infolge einer  Überschätzung des Kapitalstocks "die
       Entwicklung des  Kapitalkoeffizienten (nach  Berechnung des  DIW,
       der Verf.)  systematisch überhöht  sein" könnte. Heseler, a.a.O.,
       S. 361.
       10) "Berücksichtigt man allerdings die Planungen für das laufende
       und das  nächste Jahr,  so ergeben  sich aus dem geplanten Durch-
       schnittsniveau in  den Jahren  nach 1980  sogar Investitionsrück-
       gänge." Ifo-Schnelldienst. 7/1979, S. 12.
       11) Ifo-Schnelldienst, 31-32/1978, S. 19.
       12) Hartmut Küchle/Reinhard  Jordan, Investitionsentwicklung  und
       Krise 1974/75, in: WSI-Mitteilungen 12/1977, S. 737 ff. Die Auto-
       ren gehen  allerdings auch davon aus, daß "die Kapitalproduktivi-
       tät wieder ansteigen" wird (S. 739).
       13) Zur Methode vgl. Egon R. Baumgart/Rolf Krengel, Die industri-
       elle Vermögensrechnung  des DIW,  Berlin 1970,  und Arthur Boneß,
       Vierteljährliche Indexziffern  der Kapazitätsauslastung  für  die
       Bereiche  der  verarbeitenden  Industrie  in  der  Bundesrepublik
       Deutschland, in: DIW-Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung,
       2/1969.
       14) Vgl. dazu Heiner Heseler, a.a.O., S. 266 ff.
       15) K.H. Oppenländer,  Investitionsinduzierter technischer  Fort-
       schritt, Berlin/München 1976, S. 64.
       16) A. Boneß,  vierteljährliche Indexziffern der Kapazitätsausla-
       stung für  die Bereiche  der Verarbeitenden Industrie in der Bun-
       desrepublik Deutschland,  in:  DIW-Vierteljahreshefte  zur  Wirt-
       schaftsforschung, 2/1969,  S. 201 f. Der Aufsatz geht auf die Un-
       terschiede in  Berechnungsmethode und Abgrenzung der beiden Kapa-
       zitätsauslastungsziffern ein.
       17) Das DIW  geht in  seinen Berechnungen von einem gleichmäßigen
       Abgang veralteter  Anlagen aus.  Heseler weist  dagegen mit Recht
       daraufhin, daß  das seit  1970 erhöhte Niveau der Betriebsstille-
       gungen auf  seither verstärkte  Anlagenabgänge hinweist und damit
       "eindeutige Anhaltspunkte  dafür (gibt),  daß die  Modellrechnung
       des DIW  systematische Verzerrungen beinhaltet" (a.a.O., S. 357).
       Allerdings kann  nicht zugestimmt  werden, wenn  eine bei Berück-
       sichtigung des  krisenhaft beschleunigten Anlagenabgangs sich er-
       gebende Senkung des Kapitalkoeffizienten als "nicht in erster Li-
       nie Resultat  des Einsatzes  neuer Technologien, sondern Ausdruck
       der kapitalistischen Lösungsformen der Überakkumulation von Kapi-
       tal" bezeichnet  wird (ebenda  S. 363).  Es geht an dieser Stelle
       nur darum, ob das Bruttoanlagevermögen und damit der Kapitalkoef-
       fizient korrekt  erfaßt ist.  Ist das  nicht der  Fall -  und das
       nimmt ja auch Heseler an", dann sind die fungierenden Arbeitsmit-
       tel tatsächlich effektiver, als es das DIW in seinen Berechnungen
       unterstellt.
       18) Oppenländer nennt  als Grund  für eine  tendenziell  sinkende
       Nutzungsdauer der  Ausrüstungen den  rascheren technischen  Fort-
       schritt, d.h. den "moralischen Verschleiß" und den infolge größe-
       rer Arbeitsgeschwindigkeiten der Maschinerie beschleunigten Mate-
       rialverschleiß.
       19) Vgl. dazu  Egon R.  Baumgart, Kapital  III: Messung des Kapi-
       talstocks,  in:   Handwörterbuch  der  Wirtschaftswissenschaften,
       1977, S.  269 ff.  Die auch  vom DIW  ermittelte  Verkürzung  der
       durchschnittlichen Lebenserwartung  des gesamten  Anlagevermögens
       von 43  auf 37  Jahre zwischen  1960 und 1970 ergibt sich aus Ge-
       wichtsverschiebungen in  der Zusammensetzung des Anlagevermögens.
       Vgl. Bernd  Görzig/Wolfgang Kirner, Anlageinvestitionen und Anla-
       gevermögen in den Wirtschaftsberekhen der Bundesrepublik Deutsch-
       land, Berlin 1976, S. 19 ff.
       20) Ifo-Schnelldienst, Nr. 22/1970.
       21) Vgl. Christa  Thoben, Eine Kapitalbestandsrechnung für 30 In-
       dustriezweige der  Bundesrepublik, in: Mitteilungen des RWI, Heft
       2/1968, S. 85 ff. Manfred Ballensiefen, Der industrielle Kapital-
       bestand in  der  Bundesrepublik  Deutschland,  in:  ebenda,  Heft
       4/1978, S. 247 ff., hier S. 253.
       22) Das RWI geht davon aus, daß die Konzentration der Unternehmer
       auf Investitionen  mit hohen  Produktivitätseffekten dazu geführt
       hat, daß  "im industriellen Bereich... Mitte der 60er Jahre sogar
       der bis  dahin zu  beobachtende Rückgang der Kapitalproduktivität
       gestoppt" wurde.  Willi Lamberts, Langfristige Entwicklungsbedin-
       gungen der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland, in: Mittei-
       lungen des RWI, Heft 1/1978, S. 1 ff., hier: S. 12. Nach jüngsten
       Berechnungen  des  RWI  steigt  gegenwärtig  die  "Kapitalproduk-
       tivität" in  der Industrie wieder an, d.h. der Kapitalkoeffizient
       sinkt. Eine  entsprechende Veröffentlichung  des  RWI  wurde  dem
       Verfasser gegenüber  angekündigt, lag  aber bei  Abschluß  dieses
       Beitrags noch nicht vor.
       23) Vgl. K.H. Oppenländer, a.a.O., S. 63.
       24) Ausführlicher dazu: Jörg Goldberg, Krisen und Überproduktion,
       in: Argument-Sonderband  AS 35  "Alternative Wirtschaftspolitik",
       West-Berlin 1979.
       25) Vgl. Elmar  Altvater u.a.,  Konjunktur und  Nachfrage im Kon-
       junktur- und  Krisenzyklus, in:  WSI-Mitteilungen, 7/1978, S. 365
       ff.
       26) Vgl. Konferenzbericht  in diesem  Band, die  Ausführungen von
       Jörg Huffschmid.  Eine ausführliche  Darstellung dieses Zusammen-
       hangs findet  sich auch  bei Herbert  Schui, Stagnation als Folge
       zunehmend  differenzierter  Profitraten,  in:  Konjunkturpolitik,
       Heft 1/1978, S. 16 ff.
       27) Modifikationen dieser  Feststellung sind  im Zusammenhang mit
       der wachsenden  Bedeutung langlebiger Konsumgüter, der Spartätig-
       keit und den Konsumentenkrediten zu machen.
       28) Karl Marx, Das Kapital, 2. Band, MEW 24, S. 185 f.
       29) Vgl. Grafik IV. Die Grunddaten finden sich in: Zahlen zur In-
       vestitionstätigkeit ausgewählter  Wirtschaftsbereiche, Sonderbei-
       lage zur Monatsschrift "Wirtschaftskonjunktur", lfd.
       30) "Das durch Einschränkung der Produktion und des Warenumsatzes
       und durch  Preisverfall frei  gewordene Geld,  das die  Form  von
       Geldkapital annimmt,  wird zur Erneuerung des fixen Kapitals, zum
       Ersatz der  alten Fabriken  durch neue,  verwendet... Dies leitet
       zur Phase der 'Belebung'... über." Eugen Varga, Die Krisentheorie
       von Marx  und die  Probleme der gegenwärtigen Krise, in: Interna-
       tionale Pressekorrespondenz  Nr. 43/1931, S. 1027. Nach: Viertel-
       jahresberichte "Wirtschaft  und Wirtschaftspolitik",  Bd.  4,  1.
       Vierteljahr 1931, neu herausgegeben von Jörg Goldberg, Westberlin
       1977. Vgl.  auch Fred  Oelßner, Die Wirtschaftskrisen, Berlin/DDR
       1955, S.  99. Auch Robert Katzenstein, Die Investitionen und ihre
       Bewegung im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Westberlin 1967,
       S. 18  ff., geht  davon aus, daß die Reproduktion des fixen Kapi-
       tals wesentlich die Länge der Zyklen bestimmt.
       31) Die Behauptung:  "Alle Daten  sprechen indes  dafür,  an  der
       These festzuhalten,  daß die zeitlich in eine Periode zusammenge-
       drängte Neuanlage  eines Teils des gesellschaftlichen Gesamtkapi-
       tals die  Grundlage der  Periodizität  des  industriellen  Zyklus
       ist", erscheint völlig unbegründet. Sozialistische Studiengruppen
       (Hrsg.), Bundesrepublik:  Wirtschaftskrise und Sozialistische Al-
       ternativen, Hamburg  1979, S.  49. Die Begründung , das RWI hätte
       nachgewiesen, -  daß die Afa-Tabellen (mit ihrer kurzen Nutzungs-
       dauerannahme, d. Verf.) der Realität näher kommen als die Berech-
       nungen des  Statistischen Bundesamtes"  (ebenda S. 169) ist unzu-
       treffend. In der als Beleg angeführten Untersuchung des RWI heißt
       es im  Gegenteil: "Die offiziellen Abschreibungstabellen des Bun-
       desfinanzministeriums waren für die Zwecke der Untersuchung nicht
       geeignet, weil  die ökonomische  Lebensdauer in  der Regel länger
       ist als die steuerlich anerkannte." Christa Thoben, Eine Kapital-
       bestandsrechnung  für   30  Industriezweige  der  Bundesrepublik,
       a.a.O., S.  91. Tatsächlich  geht das  RWI gegenwärtig  von einer
       durchschnittlichen Nutzungsdauer des Ausrüstungsvermögens von 9,5
       Jahren aus. Vgl. oben, Fußnote 21.
       32) Schumpeter behauptet,  daß Textilmaschinen  30 bis  40  Jahre
       fungieren, und findet es daher "unmöglich, zu verstehen, wie Marx
       - der in seiner Beurteilung der kapitalistischen Industrie haupt-
       sächlich an  Textilfabrikate denkt  - dem  fixen 'Kapital' dieser
       Industrie  einen   '10-Jahre-Lebenszyklus'  zuschreiben   konnte.
       "Joseph A. Schumpeter, Konjunkturzyklen, 1. Band, Göttingen 1961,
       S. 199.
       33) Zwischen 1950  und 1975  wächst in der BRD die Produktion von
       "Investitionsgütern" (ohne  Pkw) von 30,6 auf 104,7 (Index 1962 =
       100), die von "Verbrauchsgütern" (ohne Nahrungs- und Genußmittel)
       von 30,3  auf 99,6. Abgesehen von Problemen der statistischen Ab-
       grenzung muß berücksichtigt werden, daß vor allem der Außenhandel
       als modifizierender  Faktor dieses Zusammenhangs zu berücksichti-
       gen ist.  Statistisches Bundesamt,  Lange Reihen zur Wirtschafts-
       entwicklung, 1976, S. 60 f.
       34) Hansen formuliert  für die Situation der Weltwirtschaftskrise
       1929/32: "It appears that the great advance made in the producti-
       vity of  manufacturing in  the United States in the decade of the
       twenties was  made by reason of innovations in methods of produc-
       tion that to a large extent did not involve the use of more capi-
       tal. I  do not make any forecast; but it is a grave question whe-
       ther inventions  and iunovations  are not likely in the future to
       be  less   capital-using  than  in  the  nineteenth  Century.  In
       contrast, while we were in process of changing over from a direct
       method of  production to  an elaborate capitalistic technique, as
       in the last Century, innovations perforce had to be capital-using
       in character."  Alvin Hansen,  Füll Recovery  or Stagnation?, New
       York 1938, S. 315.
       35) Eine kurze  Darstellung der  Alternativdiskussion findet sich
       in: Renate Faust, Sachverständigenrat zwischen Keynesianismus und
       Monetarismus -  Zur Konzeption der Sachverständigengutachten seit
       1964, Informationsbericht  des IMSF Nr. 30, Frankfurt/M. 1979, S.
       85 ff.
       36) Dies dürfte  zumindest teilweise  die Parallelität von Wachs-
       tumsraten und Investitionsquoten im internationalen Vergleich er-
       klären: Länder  mit vergleichsweise  hohen Wachstumsraten (Japan,
       BRD) wiesen  in der  Vergangenheit auch  hohe  Investitionsquoten
       auf, während  Länder mit  unterdurchschnittlichen  Wachstumsraten
       (USA, Großbritannien)  auch niedrige  Investitionsquoten  hatten.
       (Vgl. Grafik  I.) Ifo-Schnelldienst  31"32/1978,S.38. Ein rasches
       Wachstum setzt  die Ansammlung von viel fixem Kapital voraus, was
       wiederum das  Wachstum begünstigt. Eine Verbesserung der Fondsef-
       fektivität würde diesen Zusammenhang lockern.
       37) Aus zwei  Gründen wird  die Behauptung  von G.  Stamatis, Die
       'spezifisch kapitalistischen' Produktionsmethoden und der tenden-
       zielle Fall  der Profitrate  bei Karl  Marx, Berlin 1977, infolge
       der neuen  Technologie würde  die organische  Zusammensetzung des
       Kapitals nicht  mehr steigen,  hier nicht  gestützt: Einmal hängt
       die Entwicklung der organischen Zusammensetzung nicht unmittelbar
       von der  Fondseffektivität ab  und zum  anderen ist dies eine ge-
       samtgesellschaftliche Kategorie, die nicht nur die Entwicklung in
       der unmittelbaren Produktionssphäre betrifft.
       38) "Auch wenn  diese Entwicklung (der steigenden "Kapitalproduk-
       tivität", der  Verf.) nicht  schon  die  herrschende  Entwicklung
       widergibt, so  scheint ihre Bedeutung in den letzten Jahren zuge-
       nommen zu  haben; ihre weitere Durchsetzung wird künftig die Dis-
       proportionalitäten  zwischen   Kapazitätsaufbau  und  Kapazitäts-
       auslastung weiter  verschärfen bzw. soweit die Unternehmen dieses
       Mißverhältnis  erkennen,  werden  sie  die  Investitionstätigkeit
       weiter  einschränken.   Hier  demonstriert  die  Privatwirtschaft
       offensichtlich, daß  sie die  Möglichkeiten des technischen Fort-
       schritts nicht  wohlfahrtssteigernd anzuwenden  in der Lage ist."
       Memorandum 1979,  Vorrang für Vollbeschäftigung, hektograph. Fas-
       sung, S. 19. Dies kann allerdings auch die Form verstärkter Inve-
       stitionstätigkeit bei beschleunigter und staatlich forcierter Ka-
       pitalvernichtung annehmen.
       39) Anzumerken ist, daß die hier unterstellte Tendenz zur Steige-
       rung der  Fondseffektivität begleitet ist von einem zumindest un-
       veränderten Tempo  der Personalfreisetzung,  das sich  im Anstieg
       der "Arbeitsproduktivität" ausdrückt.
       40) Ein äußerer  Ausdruck dieser  Tendenz ist die wachsende Devi-
       senspekulation  und  die  durch  die  Krise  praktisch  unberührt
       gebliebene Expansion  der Banken. Vgl. Die Ertragslage der Banken
       im Jahre  1977,  in:  Monatsberichte  der  Deutschen  Bundesbank,
       10/1978, S.  21 ff. Siehe auch: Informationen zur Wirtschaftsent-
       wicklung und Lage der Arbeiterklasse, hrsg. vom IMSF, Nr. 4/1978.
       41) Das RWI nimmt z.B. an, daß die "Produktivitätsrate" - gemeint
       ist die  Arbeitsproduktivität, verstanden  als "Bruttoinlandspro-
       dukt je Erwerbstätigen" - seit 1957 mit einer jährlichen Rate von
       4,5 Prozent steigt und auch in Zukunft weiter steigen wird. Willi
       Lamberts,   Das    Produktivitätspotential   der    westdeutschen
       Wirtschaft, in: Mitteilungen des RWI, 1/1976, S. 21.
       42) Dazu gehört  die befristete  Investitionszulage von  1974/75,
       verschiedene Sonderabschreibungsmöglichkeiten, die Ausweitung der
       degressiven  Abschreibung.   Vgl.  Beiträge  des  IMSF  4,  Wirt-
       schaftskrise und Wirtschaftspolitik - Zu den Beziehungen zwischen
       Wirtschaftsentwicklung und  Wirtschaftspolitik in  der BRD in der
       Periode 1966/67 bis 1975/76, Frankfurt 1976, S. 129 ff.
       43) Dies ist  der Kern  der gegenwärtigen  wirtschaftspolitischen
       Orientierung, die  von Jung  als "privatmonopolistische  Entwick-
       lungsvariante des staatsmonopolistischen Kapitalismus" bezeichnet
       wird. Vgl.  Heinz Jung, Die privatmonopolistische Entwicklungsva-
       riante des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  der BRD: Voraus-
       setzungen, Inhalt,  Perspektiven, in: Marxistische Studien, Jahr-
       buch des IMSF 1/1978, S. 9 ff.
       44) Willi  Lamberts,   Langfristige   Entwicklungsbedingungen...,
       a.a.O., S. 14 ff.
       45) Jahresgutachten  1977/78  des  Sachverständigenrates,  Ziffer
       330.
       46) W. Lamberts, a. a. O., S. 21.
       47) Vgl. Karl  Marx und  die Krise der kapitalistischen Weltwirt-
       schaft, Materialien  der wissenschaftlichen  Konferenz des Insti-
       tuts für  Internationale Politik  und Wirtschaft und der Akademie
       für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED, Berlin/DDR 1979,
       insbesondere Hans-Joachim  Höhme, Der  kapitalistische Krisen-be-
       griffunter den  Bedingungen der gegenwärtigen Vertiefung der all-
       gemeinen Krise des Kapitalismus, S. 9 ff.
       48) So muß  die gegenwärtig  sichtbare Tendenz zur Privatisierung
       öffentlicher Dienstleistungen  und Produktionen  als Versuch  be-
       griffen werden, dem privaten Kapital zusätzliche neue Anlagesphä-
       ren zu erschließen. Zu diesem Zweck muß auf dem Wege der Preispo-
       litik allerdings  eine  ausreichende  Rentabilität  gewährleistet
       werden.
       

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