Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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       GRAMSCI UND DER AUSTROMARXISMUS
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       ZUR RENAISSANCE ZWEIER POLITIKTHEORIEN DER ZWISCHENKRIEGSZEIT
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       Christoph Butterwegge
       
       Gramscis Hegemonietheorie - Grundlinien der Gramsci-Rezeption und
       ihre Bedeutung  für die marxistische Staatsdiskussion - Gleichge-
       wichtstheorie und  Transformationsstrategie des Austromarxismus -
       Austromarxismus-Sackgasse oder "dritter Weg" zum Sozialismus?
       
       Seit geraumer  Zeit ergießt  sich über  den marxistischer Gesell-
       schaftskritik und  Staatstheorie aufgeschlossenen  Leser  unseres
       Landes eine  wahre Literaturflut,  die Antonio Gramsci, Mitte der
       zwanziger Jahre  Generalsekretär der  italienischen  Kommunisten,
       und den Austromarxismus, damals die Parteiideologie der österrei-
       chischen Sozialdemokratie,  besonders  aber  ihren  Führer,  Otto
       Bauer, zum  Gegenstand hat.  Man kann geradezu von einem Gramsci-
       Kult und  einem "Bauer-Boom" sprechen, die mit geistiger Traditi-
       onspflege und Aufarbeitung der Parteigeschichte schon nichts mehr
       zu tun  haben, sondern nur noch mit der Parallelität kapitalisti-
       scher  Weltwirtschaftskrisen,  Erkenntnisdefiziten  der  (sozial)
       demokratischen und Arbeiterbewegung sowie politisch-strategischer
       Ratlosigkeit bei einem Teil der westdeutschen Linken, die ihn auf
       Lösungsmodelle der  Vergangenheit zurückgreifen läßt, zu erklären
       sind. Warum der Erkenntnisgewinn, den er aus seiner Beschäftigung
       mit Gramsci und dem Austromarxismus (Bauer) zieht, gering bleibt,
       und welcher Herangehens- oder Zugriffsweise es bedarf, um sie für
       die Bewältigung einzelner Gegenwartsprobleme fruchtbar zu machen,
       soll im folgenden aufgezeigt werden.
       
       Gramscis Hegemonietheorie
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       Antonio     Gramsci     übernahm     Marxens     Metapher     von
       (sozialökonomischer) Basis und (politisch-ideologischem) Überbau,
       dessen Struktur er jedoch noch einmal in zwei Etagen unterteilte:
       "Politische Gesellschaft"  (Staat i.e.S.,  also Militär, Polizei,
       Bürokratie, Justiz  usw.) und  "bürgerliche/zivile  Gesellschaft"
       (Privatorganisationen,  Verbände,  Massenmedien),  denen  direkte
       Machtausübung (Gewaltakte)  und Hegemonie  (Konsensfindung,  gei-
       stige Führung) als Methoden der Herrschaftssicherung einer Klasse
       entsprechen, bilden zusammen den "integralen Staat". "Bisher las-
       sen sich  zwei große  'Ebenen' als  Überbau festlegen; diejenige,
       die man Ebene der 'bürgerlichen Gesellschaft' nennen kann, umfaßt
       die Gesamtheit  der Individuen,  insofern  sie  umgangssprachlich
       'privat' genannt werden, die zweite Ebene ist die der politischen
       Gesellschaft oder  des Staates'. Von diesen Ebenen entspricht die
       eine der  Funktion der 'Hegemonie', die die herrschende Gruppe in
       der gesamten  Gesellschaft ausübt,  die andere  der Funktion  der
       'direkten Herrschaft'  oder der Befehlsgewalt, die ihren Ausdruck
       im Staat  und in  der 'gesetzlichen' Regierung findet." 1) Weiter
       ging Gramsci  davon aus,  daß die relative Stabilität der westli-
       chen Demokratien  (im Unterschied  zum zaristischen  Gewaltstaat)
       weniger auf  Unterdrückungsmaßnahmen des bürgerlichen Staatsappa-
       rates als  auf ideologischen  Integrationsmechanismen beruht, wo-
       raus für  die revolutionäre Strategie der Arbeiterbewegung folgt,
       das Schwergewicht ihrer Tätigkeit in den Bereich der Aufklärungs-
       und Überzeugungsarbeit  zu verlagern, um Bündnispartner durch die
       Erringung der geistig-moralischen Führungsrolle im Leben des Lan-
       des an  sich zu  binden, bevor  sie zur Eroberung der Staatsmacht
       schreiten kann.  "Die Vormachtstellung  einer sozialen Gruppe of-
       fenbart sich  auf  zweierlei  Weise,  als  'Herrschaft'  und  als
       'geistige  und  moralische  Führung'.  Eine  soziale  Gruppe  ist
       herrschend gegenüber  den gegnerischen Gruppen, die sie zu liqui-
       dieren' oder  selbst mit  Waffengewalt zu  unterwerfen sucht. Sie
       ist führend gegenüber den ihr verwandten und verbündeten Gruppen.
       Eine soziale  Gruppe kann schon vor der Eroberung der Regierungs-
       macht führend  auftreten, ja sie muß es sogar (dies gehört zu den
       Grundvoraussetzungen für  die Eroberung  der Macht). Später, wenn
       sie die Macht ausübt und auch, wenn sie sie fest in der Hand hat,
       wird  sie  zur  herrschenden  Gruppe,  muß  aber  auch  weiterhin
       'führend' bleiben." 2)
       Wer diesen  Passus aus  den "Gefängnisheften",  im faschistischen
       Kerker entstandenen  Fragmenten, liest und seine Aussagen darauf-
       hin prüft, ob sie die zeitgenössischen Anforderungen des Klassen-
       kampfes erfüllen, wird Gramsci kaum vorwerfen können, die Staats-
       und Machtfrage zu tabuisieren, das Kardinalproblem revolutionärer
       Gesellschaftsveränderungen im  Übergang zum  Sozialismus zu baga-
       tellisieren oder  die Grunderkenntnisse  des Marxismus-Leninismus
       zu ignorieren.  Vielmehr hatte Gramsci bei allen Überlegungen zur
       Gewinnung der  Hegemonie des  Proletariats ihre  Verkuppelung mit
       der Staatsmacht  dieser Klasse  im Hinterkopf.  Dagegen versuchen
       seine Epigonen  bisweilen, einen  Gegensatz zwischen Gramscis und
       Lenins Revolutionstheorie  zu konstruieren  und den  Mitbegründer
       der KPI  womöglich als Kronzeugen antisowjetischer Propagandakam-
       pagnen zu  reklamieren 3).  Tatsächlich setzte  Gramsci das  Werk
       Lenins fort,  übertrug seine Einsichten auf die Bedingungen einer
       kapitalistischen Industriegesellschaft  Westeuropas  und  entwic-
       kelte sie  unter Auswertung neuer Erfahrungsmomente weiter. Diese
       Feststellung gilt  auch und  gerade für die Hegemonielehre, deren
       Wurzeln bis  zu Marx  und Engels zurückreichen. Die Begründer des
       wissenschaftlichen Sozialismus  verwendeten den  Terminus  "Hege-
       monie" zur  Charakterisierung der  Vormachtstellung  Preußens  im
       Deutschen Bund. Der Grundgedanke der Hegemonietheorie finden sich
       bereits  in   der  "Deutschen  Ideologie",  wo  Marx  und  Engels
       hervorheben, daß  die Klassenherrschaft auf der geistigen Verall-
       gemeinerung des  ihr zugrunde  liegenden Partikularinteresses ba-
       siert: "Jede  neue Klasse  nämlich, die  sich an die Stelle einer
       vor ihr  herrschenden setzt,  ist genötigt,  schon um ihren Zweck
       durchzuführen, ihr  Interesse als das gemeinschaftliche Interesse
       aller Mitglieder  der Gesellschaft darzustellen, d.h. ideell aus-
       gedrückt: ihren Gedanken die Form der Allgemeinheit zu geben, sie
       als die einzig vernünftigen, allgemein gültigen darzustellen." 4)
       Und was  meint der Hegemoniebegriff anderes als die Herbeiführung
       einer "Umwälzung  in den Köpfen der Arbeitermassen" mit dem Ziel,
       "die besitzenden Klassen vom Ruder zu verdrängen", wie sie Engels
       1891 forderte? 5)
       Der eigentliche  Begründer der Hegemonietheorie war Lenin, dessen
       Hauptinteresse sich  auf die  Bündnispolitik der  Arbeiterklasse,
       Möglichkeiten und  Grenzen ihrer  Kooperation  mit  benachbarten,
       nichtmonopolistischen  Gesellschaftsschichten   richtete.   Dabei
       spielte die  Fähigkeit des  Proletariats, seine Koalitionspartner
       geistig zu  beeinflussen und  zu führen, von Anfang an eine wich-
       tige Rolle.  Um diese Aufgabe zu formulieren, griff Lenin auf den
       Hegemoniebegriff, eine  Schlüsselkategorie der russischen Revolu-
       tionsliteratur und des Diskussionsprozesses der seit 1903 in Bol-
       schewiki und Menschewiki gespaltenen Sozialdemokratie 6), zurück.
       "Als die einzige konsequent revolutionäre Klasse der modernen Ge-
       sellschaft muß  das Proletariat  der Führer  sein, der Hegemon im
       Kampf des ganzen Volkes für die vollständige demokratische Umwäl-
       zung, im  Kampf aller Werktätigen und Ausgebeuteten gegen die Un-
       terdrücker und  Ausbeuter. Das Proletariat ist nur insofern revo-
       lutionär, als  es sich  dieser Idee  der Hegemonie bewußt ist und
       sie in  die Tat  umsetzt." 7)  Ursprünglich auf die Führungsrolle
       des Proletariats  in der bürgerlich-demokratischen Revolution ge-
       münzt, avancierte  der Hegemoniebegriff  durch Ausdehnung  seines
       Geltungsbereichs zum Abgrenzungskriterium des Marxismus gegenüber
       dem Reformismus.  Besser als vergleichbare Wortschöpfungen bringt
       er die Bedeutung des subjektiven Faktors zum Ausdruck und war von
       daher geeignet,  Lenins Kampf  gegen den ökonomistischen Determi-
       nismus der  II. Internationale  zu unterstützen.  Lenin hielt  an
       diesem Terminus auch nach der Oktoberrevolution 1917 fest und gab
       ihn nicht,  wie Perry  Anderson behauptet 8), im Übergang zum So-
       zialismus auf. Die Phase, in der Lenin die Hegemonie des Proleta-
       riats für  unabdingbar erachtete, umfaßt den Aufbau des Sozialis-
       mus und  erstreckt sich  bis zum  Beginn der klassenlosen Gesell-
       schaft. "Nur  eine bestimmte  Klasse, nämlich die städtischen Ar-
       beiter und  überhaupt die  Fabrikarbeiter, die Industriearbeiter,
       ist imstande,  die ganze  Masse der Werktätigen und Ausgebeuteten
       zu führen  im Kampf für den Sturz der Macht des Kapitals, im Pro-
       zeß des  Sturzes dieser  Macht, im Kampf um die Sicherung und Fe-
       stigung des  Sieges, bei der Schaffung der neuen, der sozialisti-
       schen Gesellschaftsordnung,  in dem  ganzen Kampf für die völlige
       Aufhebung der Klassen." 9)
       In einem  Nachruf für die "Iswestia" anerkannte Otto Bauer Lenins
       welthistorische Leistung,  wobei er die Bündnisstrategie der Bol-
       schwiki als  bleibendes Verdienst  des toten  Revolutionärs  wür-
       digte. "Die Hegemonie des Proletariats über die Bauernschaft, das
       allein ist der Weg zur Macht; so hat uns Lenin gelehrt. Wir glau-
       ben, daß  diese Hegemonie  in Mittel- und Westeuropa nur auf ganz
       anderem Wege  und mit  ganz anderen  Mitteln erreicht werden kann
       als in  Rußland; daß  sie aber auch hier erreicht werden muß, ist
       uns die  größte Lehre von Wladimir Iljitschs Siegen." 10) Nun hat
       Lenin freilich  nie die Meinung vertreten, der revolutionäre Ent-
       wicklungsprozeß werde  einförmig, überall  gleich und nach russi-
       schem Muster verlaufen. Er war sich vielmehr durchaus der Notwen-
       digkeit bewußt,  trotz oder gerade wegen des Greifens allgemeiner
       Gesetzmäßigkeiten im  Übergang zum Sozialismus die nationalen Be-
       sonderheiten, politischen Institutionen und kulturellen Traditio-
       nen eines  Landes zu  berücksichtigen; wir verdanken ihm auch den
       wichtigen Hinweis,  daß die  Revolution im  Westen einer längeren
       Anlaufzeit bedürfe, aber um so leichter siegen werde 11).
       Hier knüpften  Gramscis Überlegungen  in bezug  auf das Wesen des
       (parlamentarisch-demokratischen) Staates  und seine konsensualen,
       hegemonialen Funktionen zur Sicherung der Bourgeoisherrschaft an.
       Er  benutzte   das  Bild   der  Wende  vom  "Bewegungskrieg"  zum
       "Stellungskrieg", um  Lenins Sichtweise der Unterschiede zwischen
       einer sozialistischen  Umwälzung in  Staaten mit mehr und weniger
       entwickeltem Kapitalverhältnis zu illustrieren. Als Ausgangspunkt
       dieses Vergleichs  diente die Große Sozialistische Oktoberrevolu-
       tion. "Im Osten war der Staat alles, die bürgerliche Gesellschaft
       steckte in  ihren Anfängen,  und ihre Konturen waren fließend. Im
       Westen herrschte zwischen Staat und bürgerlicher Gesellschaft ein
       ausgewogenes Verhältnis,  und erzitterte  der Staat, so entdeckte
       man sofort  die kräftige  Struktur der bürgerlichen Gesellschaft.
       Der Staat war lediglich ein vorgeschobener Schützengraben, hinter
       dem eine robuste Kette von Befestigungswerken und Kasematten lag,
       natürlich mehr  oder weniger von Staat zu Staat, aber gerade dies
       erforderte eine  eingehende Erkundung  im Landesmaßstab." 12) Ob-
       wohl der  Austromarxismus dasselbe  Begriffspaar verwendete - Ro-
       bert Danneberg  sprach vom  "Bewegungskrieg in  der Politik" 13),
       Oskar Pollak  von einer  "Zeit stabiler  politischer Verhältnisse
       und im  Stellungskrieg erstarrter  Klassenfronten"  14)  -,  darf
       Gramscis Option  für eine  Art Belagerungstaktik des Proletariats
       im Klassenkampf weder mit Karl Kautskys "Ermattungsstrategie" (im
       Gegensatz zur "Niederwerfungsstrategie") noch mit dem Theorem der
       "Pause"  zwischen   zwei  Revolutionsperioden   verwechselt  oder
       gleichgesetzt werden.
       
       Grundlinien der Gramsci-Rezeption und ihre Bedeutung
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       für die marxistische Staatsdiskussion
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       Ohne Gramscis  Verdienst um  die Entwicklung  einer materialisti-
       schen  Politiktheorie   schmälern  oder  seine  Originalität  als
       "Philosoph der  Praxis" bestreiten  zu wollen,  muß  ausdrücklich
       darauf hingewiesen  werden, daß Lenin die Grundgedanken der Hege-
       monielehre vorweggenommen hat. Gramsci vertiefte, bereicherte und
       verfeinerte die Hegemonietheorie im Geiste Lenins. Er gab ihr mit
       seinem Konzept  des "integralen Staates", der Gewalt- und Ideolo-
       gieapparate umfaßt,  ein tragfähiges  Fundament. Gramsci trat der
       vulgärmarxistischen Reduktion des Staates auf Repression entgegen
       und betonte  die Rolle  ideologischer Vermittlungsglieder bei der
       Herrschaftssicherung. Wahrscheinlich  bestand Gramscis hervorste-
       chendste Leistung  darin, im Zusammenhang seiner als "Philosophie
       der Praxis"  apostrophierten Politiktheorie  durch die  - eng mit
       der Kategorie  "Hegemonie" verknüpfte . "Erweiterung" des Staats-
       begriffs über den Rahmen der militärischen, polizeilichen und bü-
       rokratischen Gewaltapparate  hinaus eine  Grundlage für  die  Er-
       forschung  der  Legitimationsbasis  des  bürgerlichdemokratischen
       Klassenstaates geschaffen  zu haben.  Zu diesem Zweck unterteilte
       Gramsci den  Überbau   m e t h o d i s c h   in "politische"  und
       "bürgerliche/zivile Gesellschaft", die er  o r g a n i s c h  mit
       der sozialökonomischen  Basis verklammert  sah, was  sein Begriff
       "historischer Block"  zum Ausdruck  bringt. "Basis und Überbauten
       bilden einen  'historischen Block',  d.h.  das  komplexe,  wider-
       sprüchliche und ungleiche Ganze der Überbauten ist der Reflex der
       gesamten  gesellschaftlichen  Produktionsverhältnisse."  15)  Der
       bürgerliche Staat ist tief in die Basisstruktur des Gegenwartska-
       pitalismus eingedrungen,  zum widersprüchlichen Teilmoment seiner
       Wirtschaftstätigkeit  geworden,  so  daß  es  gerechtfertigt  er-
       scheint, von  einem "staatsmonopolistischen  Block" zu  sprechen,
       der ihre  Versäulung auf  den Begriff  bringt, ohne zu übersehen,
       daß wir  zwei wesensverschiedene  Elemente der gesellschaftlichen
       Totalität vor  uns haben. Ein Terminus, der die Blockbildung zwi-
       schen Staatsbürokratie  und Finanzoligarchie  berücksichtigt, ist
       besser als  konkurrierende Kategorien in der Lage, die Verhärtung
       der Klassenfronten  unter imperialistischen Bedingungen zu akzen-
       tuieren. Jedenfalls wäre Gramscis Staatsbegriff auf seine Tragfä-
       higkeit für  die Erforschung  der Verflechtungstendenzen zwischen
       Staatsadministration  und   privatwirtschaftlicher   Organisation
       (z.B. der Monopolverbände) zu testen.
       Nach Gramsci rührt die (relative) Stabilität der westlichen Demo-
       kratien daher,  daß sie von den Massen freiwillig akzeptiert wer-
       den, weil ihre Herrschaftsorganisation nicht vom Militär, sondern
       vom moralischen  Gewicht der  Kapitalistenklasse, die  keineswegs
       nur ökonomisch,  sondern auch auf ideologischem und intellektuel-
       lem Gebiet  dominiert, garantiert  wird. Gramsci  hob hervor, daß
       die Bourgeoisie  im  modernen  Repräsentativsystem  nicht    a l-
       l e i n   mittels der  Gewalt herrscht,  sondern  ihre  Vormacht-
       stellung durch kulturelle Überlegenheit gegenüber den untergeord-
       neten Klassen  und Schichten  sichert, daß  ihre Suprematie   i m
       w e s e n t l i c h e n   hegemonialer Art  ist,  -  weniger  auf
       Zwang als auf einem allgemeinen, gesamtgesellschaftlichen Konsens
       beruht, was  weitreichende Konsequenzen  für Strategie und Taktik
       der Arbeiterbewegung hat. "Gramscis Orginalität gegenüber anderen
       Marxisten liegt  in seiner  These, daß die wirkliche Stärke jedes
       historischen Herrschaftsblocks und überhaupt jeder Gesellschafts-
       ordnung nicht  nur auf der von der herrschenden Klasse ausgeübten
       Gewalt, sondern  auch der  Übereinstimmung der  Regierten mit der
       Weltanschauung der herrschenden Klasse beruht." 16)
       Die grundlegende  Veränderung von  Wirtschaft,  Gesellschaft  und
       Staat erfordert,  daß Zwang und Konsens als komplementäre Stützen
       der Bourgeoisherrschaft  begriffen und  daß dieser machtpolitisch
       u n d   kulturell gewachsene Klassenbündnisse geschmiedet werden.
       Bevor das  Proletariat gemeinsam  mit seinen  Bündnispartnern die
       Staatsmacht  ergreift,   muß  es  geistig  gereift  (Heranbildung
       "organischer Intellektureller")  und fähig zur moralischen Reform
       sein. Die  "Staatwerdung" einer subalternen Klasse vollzieht sich
       durch  den   Aufstieg  von   der  "ökonomisch-korporativen"   zur
       "ethisch-politischen" Entwicklungsstufe,  mittels der Übersetzung
       ihrer Partialinteressen  in eine die Gesamtheit bindende, ideolo-
       gisch verbrämte  Form. "Die  Gründung einer  herrschenden  Klasse
       (das heißt  eines Staates) kommt der Schöpfung einer Weltanschau-
       ung gleich."  17) Natürlich  ist es nützlich und notwendig, schon
       vor der Machtergreifung des Proletariats um Einfluß auf die ideo-
       logischen Apparate  der bürgerlichen Gesellschaft zu kämpfen. Ul-
       tima ratio des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems aber ist
       nicht die Ideologie, sondern die (ökonomische, politische und mi-
       litärische) Gewalt.  Was nützt  der unterdrückten Klasse die gei-
       stig-moralische Überlegenheit, wenn sie keine Machtmittel besitzt
       oder einsetzt,  um ihren Führungsanspruch durchzudrücken, was die
       Fähigkeit, bessere Fernsehprogramme zu machen, wenn vor den Rund-
       funkanstalten Panzer  stehen? In den USA werden die Arbeiter eben
       nicht nur  durch das (kommerzielle) Fernsehen und Hollywood-Filme
       eingelullt, sondern  (bei Streiks)  auch mit der Flinte in Schach
       gehalten. Hollywood-Produktionen  beherrschen weite Teile der Ki-
       nowelt, weil  der US-Imperialismus  auf dem  Weltmarkt führt  und
       seine Nuklearstreitmacht ihn zur Hegemonie über die westliche He-
       misphäre befähigt,  nicht umgekehrt.  Gramsci ließ  keine Zweifel
       aufkommen, daß  wirkungsvoll führen  nur kann, wer die Macht dazu
       hat; seine Bewunderer unterschlagen diese Erkenntnis, auf der die
       Hegemonielehre aufbaut,  bisweilen. 18)  Wer Gramscis  Hegemonie-
       theorie auf  eine Sozialpartnerschaftsideologie der Klassenkolla-
       boration oder  eine Strategie  des friedlichen Hineinwachsens der
       kapitalistischen Gesellschaft in den Sozialismus verkürzt und die
       Rolle der  revolutionären Gewalt verkennt, verfälscht sie. Letzt-
       lich wird der Klassenkampf sowohl im nationalen als auch im Welt-
       maßstab (Systemauseinandersetzung  zwischen Kapitalismus  und So-
       zialismus)    nicht     auf    ideologischem,     sondern     auf
       (macht)politischem oder militärischem Gebiet entschieden.
       Gramscis Hegemonietheorie blieb . schon aufgrund ihres fragmenta-
       rischen Charakters . nicht frei von Fehler(quelle)n, die sich bei
       seinen Epigonen verdichteten und Anlaß zur Kritik boten. Bedenken
       wurden vor allem geltend gemacht, was die erschwerte Differenzie-
       rung zwischen "öffentlichen" Institutionen und "privaten" Organi-
       sationen betrifft.  Die Überdehnung  des Staatsbegriffs,  wie sie
       sich in  der Unterscheidung "ideologischer Staatsapparate" (Schu-
       le, Familie,  Massenmedien u.a.)  neben dem  repressiven  Staats-
       apparat  durch   die  sog.   Althusser-Schule  manifestiert  19),
       signalisiert eine  Überschätzung des    i d e o l o g i s c h e n
       Kampfes bei  gleichzeitiger Unterbewertung  der Organisationsform
       sozialer Einrichtungen  und macht  eine saubere Trennung zwischen
       bürgerlicher Demokratie  und Faschismus,  für den die Verstaatli-
       chung privat(rechtlich)er Herrschaftsstrukturen kennzeichnend ist
       (Staatskirche, Staatsrundfunk, Aufhebung der Gewerkschaftsautono-
       mie usw.), praktisch unmöglich 20). Hier liegen die Nachteile der
       gramscianischen Begriffsinflation  und -diffusion, was Karl-Heinz
       Braun zu  der Warnung veranlaßte: "Eine 'Erweiterung' des Staats-
       begriffs in  der dargelegten Richtung ist (...) nicht erkenntnis-
       fördernd, sondern  desorientierend, weil: erstens die reale rela-
       tive Selbständigkeit  von  gesellschaftlichen  Institutionen  wie
       Kirche, Familie  usw. gegenüber  dem Staat  geleugnet, von realen
       Widersprüchen abstrahiert wird und die vielfältigen möglichen An-
       satzpunkte zur  Demokratisierung verkannt  werden; zweitens  wird
       dem ideologischen  Klassenkampf die letztlich entscheidende, also
       eine unberechtigt  große Rolle  zugewiesen und  damit die Einheit
       von ökonomischem,  politischem und ideologischem Kampf ins Wanken
       gebracht; drittens  liegt die  Spezifik  der  Staatstätigkeit  im
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  nicht so  sehr in  der  ver-
       stärkten ideologischen  Tätigkeit, sondern  darin, daß der Verge-
       sellschaftungsgrad der Produktion den dauerhaften Eingriff in den
       ökonomischen Prozeß  zur Sicherung  der  allgemeinen  materiellen
       Produktions- und Verkehrsbedingungen erfordert." 21)
       Wie nicht  anders zu  erwarten, wurde  Gramscis Hegemonietheorie,
       insbesondere die  aus ihr  abgeleitete Strategie,  bald nach  der
       "Wiederentdeckung" des  vergessen geglaubten  Politikers und Par-
       teiführers zum Schlachtfeld der miteinander konkurrierenden Ideo-
       logien. "Es ist ein offenes Geheimnis, daß in Gestalt der derzei-
       tigen Gramsci-Debatte  ein erbitterter  Richtungsstreit innerhalb
       der westeuropäischen  Linken um die strategische Orientierung der
       demokratischen Kräfte ausgetragen wird und in diesem Streit jeder
       mit Gramsci gegen jeden kämpft, was in der Summe den Gramsci-Boom
       ergibt und  verständlich macht,  daß es  im Zuge dieser so ausge-
       fochtenen aktuellen Richtungsauseinandersetzung auch zu den will-
       kürlichsten, nach  Belieben vom  historischen Kontext  der Zitat-
       stellen  absehenden   Gramsci-Berufungen  und   -interpretationen
       kommt, so  etwa -  um nur ein Beispiel zu nennen - Gramscis gegen
       den Trade-Unionismus  der II.  Internationale,  ihre  aufs  Wirt-
       schaftliche eingeengte  Auslegung der  Interessen  der  Arbeiter-
       klasse (gegen  das Eindringen also des bürgerlichen Interessenbe-
       griffs in  ihre Politik)  gerichtete  'Ökonomismus'-Kritik  heute
       gern so  zitiert wird, als sei sie umgekehrt an die Marxisten der
       Kommunistischen Internationale  adressiert gewesen."  22) Gemeint
       sind damit  Vertreter idealistischer/politizistischer  Konzeptio-
       nen, die  unter dem  Banner  eines  modischen  "Anti-Ökonomismus"
       kämpfen, der  staatlichen Sphäre  eine weitgehende Unabhängigkeit
       gegenüber dem  ökonomischen Kernbereich,  den Klassen  und  ihren
       Konflikten zusprechen,  die sie  nicht besitzt,  und als  strate-
       gische Quintessenz  solcher Analysen  den  bürgerlich-parlamenta-
       risch-demokratischen Staat  zum  Schauplatz  der  sozialistischen
       Umwälzung erklären.  "Das  Problem  von  'Staat  und  Revolution'
       stellt  sich   angesichts  der   Bedeutung   der   ideologischen,
       konsensualen Praxen  und Apparate  nicht mehr  als  Aufgabe,  die
       'Staatsmaschine' zu  'zerbrechen' -  die vielen  Stützen und Ver-
       strebungen des  Staates vom  Sportverein bis  zu den  politischen
       Parteien kann  man nicht  'zerbrechen', sondern  man kann sie nur
       als Felder  der Herrschaftsstabilisierung in ideologischen Praxen
       auffassen, auf  denen um  die Verbündung  der  Massen  mit  ihren
       Unterdrückern oder  ihren eigenen  Zusammenschluß gekämpft wird."
       23)  Die   Berufung  auf   Gramscis  Hegemonietheorie   muß  dazu
       herhalten,  eine  antileninistische,  schrittweiser  Reform  ver-
       pflichtete Position  der allmählichen Gesellschaftsveränderung in
       Richtung Sozialismus zu legitimieren.
       Die Diskussion  verlief entlang  der Problemlinie  Dialektik  von
       Kontinuität und  Bruch, drehte  sich um  die Beziehung des Mitbe-
       gründers der IKP zu Lenin und zur Komintern, womit sie die Grund-
       linien der  Gramsci-Rezeption freilegte: reformistische, linksre-
       visionistische und  marxistische Interpretation. Gramscis Hegemo-
       nielehre ist  weder, wie  Christian Riechers, der sich um die Pu-
       blizierung und  Popularisierung seiner  Schriften in der BRD ver-
       dient gemacht  hat, zu  zeigen versuchte, das Produkt bürgerlich-
       idealistischer  Spekulation   24),  noch  eine  "Alternative  zum
       Leninismus", wie  Claudio  Signorile  annimmt  25),  sondern  sie
       stellt eine  wichtige Weiterentwicklung  und Anwendung der marxi-
       stisch-leninistischen Staatskonzeption auf die Verhältnisse eines
       kapitalistischen Industriestaates  dar. Fraglos  steht Gramsci in
       der Tradition  des revolutionären Marxismus und war in einem sehr
       viel umfassenderen  Sinne Leninist,  als es  sich seine "falschen
       Freunde" träumen lassen. "Die immer wieder in Gramsci-Forschungen
       auftauchende Entgegensetzung  zu Lenin  basiert auf dem Verkennen
       einerseits des materialistischen Denken Gramscis und andererseits
       der philosophischen  Bedeutung von Lenins Theorie des subjektiven
       Faktors." 26) Die Bestrebungen, Gramsci aus dem geistigen Koordi-
       natensystem des  Marxismus-Leninismus herauszubrechen, sind schon
       deshalb zum  Scheitern verurteilt, weil er sich auf die Klassiker
       des wissenschaftlichen  Sozialismus berief  und seine  Hegemonie-
       theorie als Ergänzung, nicht als Ersatz früherer Staatskonzeptio-
       nen dieser Forschungsrichtung begriff 27).
       Konkretisiert sei  diese Aussage  anhand des  Vergleichs zwischen
       zwei Termini,  die den  Führungs- und Herrschaftsanspruch der Ar-
       beiterklasse im  Übergang zum  Sozialismus untermauern: Man würde
       es sich  zu einfach  machen, wollte  man   H e g e m o n i e  und
       D i k t a t u r   d e s   P r o l e t a r i a t s  als begriffli-
       chen Gegensatz auffassen. Gramscis Hegemoniebegriff reicht aller-
       dings weiter.  "Hegemonie ist das entwickeltste Synonym für Herr-
       schaft der  Arbeiterklasse. Die  Qualität dieses Konzepts besteht
       darin, daß  es den  Weg zu dieser Herrschaft konkreter und diffe-
       renzierter benennt  als der in erster Linie zieldeterminierte Be-
       griff der  Diktatur." 28) Der Hegemoniebegriff schließt ideologi-
       sche Führung  ebenso wie  die Klassenherrschaft in vorsozialisti-
       schen Gesellschaftsformationen mit ein. "Das Problem der Diktatur
       des Proletariats  muß somit  abgetrennt untersucht und diskutiert
       werden und  nicht, wenn  wir uns  mit der allgemeinen Theorie der
       Hegemonie befassen, die auf alle Klassen zu beziehen ist, sondern
       wenn wir  . im  Rahmen dieser  allgemeinen Theorie  . uns mit den
       spezifischen Formen  beschäftigen, derer  sich die Arbeiterklasse
       bedient, um  ihre Hegemonie zu erringen und auszuüben." 29) Durch
       Ausarbeitung seiner Hegemonietheorie hebt Gramsci den Diktaturbe-
       griff im  dialektischen Sinne  (des Aufbewahrens, Höherschraubens
       und Überwindens) auf. "Gramsci, der sich als überzeugter Leninist
       versteht, geht über diesen hinaus, indem er gerade im Unterschied
       zum alten zaristischen Staat in Rußland die ganze Komplexität der
       gesellschaftlichen Veränderung  des Staates 'im Westen' herausar-
       beitet, diese  zum Ausgangspunkt des Ringens der Arbeiterbewegung
       um ihre  Führungs- und  Herrschaftsfähigkeit gegenüber  der alten
       herrschenden Klasse macht (wobei er alte Leninsche Äußerungen zur
       Hegemonie während  der Revolution  von 1905  fortführt) und damit
       schließlich die  schon von Marx und Engels angesprochene Thematik
       der verschiedenen, gewaltsamen und nicht-gewaltsamen Wege zum So-
       zialismus (heute aktuell etwa in den unterschiedlichen Strategien
       der Arbeiterbewegung im Westen und der anti-imperialistischen Be-
       freiungsbewegungen) mit  einer neuen  materiellen Begründung ver-
       sieht." 30)  Betrachtet man den Diktaturbegriff als durch die fa-
       schistischen Terrorregime  Mussolinis, Hitlers und Pinochets dis-
       kreditiert, bietet  sich der Hegemoniebegriff als Alternative ge-
       radezu an.  Dabei darf  der machtpolitische  und Gewaltaspekt des
       marxistischen Diktaturbegriffs  jedoch nicht  verlorengehen,  muß
       vielmehr in die Begrifflichkeit, derer sich Gramsci bediente, mit
       einfließen.
       
       Gleichgewichtstheorie und Transformationsstrategie
       --------------------------------------------------
       des Austromarxismus
       -------------------
       
       Wie bereits  mehrfach angedeutet,  sind die  Parallelen  zwischen
       Gramscis Hegemonietheorie  einerseits, Parteiideologie  und Bünd-
       nisstrategie der  österreichischen Sozialdemokratie  zwischen den
       beiden Weltkriegen, die als "Austromarxismus" bekannt wurden, an-
       dererseits, nicht  zu übersehen. Dennoch drängt sich der Eindruck
       auf, daß  wir es  hier bei  einer rein  formalen Ähnlichkeit  mit
       tiefgreifenden, klassenpolitischen  Unterschieden zu  tun  haben.
       Gramscis Hegemonielehre  am nächsten  kam eine frühe Formulierung
       Karl Renners,  bezeichnenderweise Exponent des rechten Parteiflü-
       gels, die  das Nationalitätenproblem  der Donaumonarchie  um  die
       Jahrhundertwende vom  Standpunkt der deutschsprachigen Minderheit
       aus behandelte:  "Die Deutschen  können nur  herrschen, wenn  sie
       führen; führen  können sie  heute nur im Zeichen der Demokratie."
       31) Was Gramsci als "Katharsis" bezeichnete, die Überwindung kor-
       porativer Interessenvertretung,  spielte auch in den Überlegungen
       der Austromarxisten  eine Rolle.  Für Friedrich  Austerlitz,  den
       Chefredakteur ihres  Zentralorgans "Arbeiter-Zeitung", bemaß sich
       "der moralische Gehalt einer Klasse" unter anderem "daran, ob sie
       fähig ist,  sich über  den Egoismus  ihrer Interessen zu erheben"
       32). Mag  es bei  Gramsci aufgrund  idealistischer  Begriffsreste
       scheinen, als  kollidiere seine Hegemonielehre mit der Staatskon-
       zeption von  Marx, Engels und Lenin, ohne daß dieser Eindruck zu-
       trifft, so  verhält es sich beim Austromarxismus genau umgekehrt:
       Seine Repräsentanten kokettierten zwar ausnahmslos mit der marxi-
       stischen Terminologie und Geschichtsmethodologie, die pseudorevo-
       lutionäre Gesellschaftstheorie  kaschierte und  legitimierte aber
       eine systemkonforme Parteipraxis.
       Während Gramsci  im faschistischen  Gefängnis darüber nachdachte,
       wie die  Arbeiterklasse sich von den Fesseln der monopolkapitali-
       stischen Gewaltherrschaft  befreien konnte,  wobei er das Bündnis
       mit benachbarten,  nichtmonopolistischen Schichten  (Kleinbürger,
       Bauern) in  den Vordergrund schob und die Aktionseinheit zwischen
       Sozialdemokraten und  Kommunisten als  Kernstück der  Volksfront-
       strategie gegen  Kritik von  links und  rechts verteidigte, keine
       Kompromisse mit  dem Mussolini-Regime,  das ihn  aufforderte, ein
       Gnadengesuch zu  stellen und  seine  Schuld  indirekt  zuzugeben,
       einging und  lieber unter  schrecklichen  Qualen  starb,  zögerte
       Bauer, an  der Spitze einer sich als stärkste Kraft der westeuro-
       päischen Arbeiterbewegung begreifenden Massenpartei stehend, auch
       nach der Machtübernahme Hitlers und des Austrofaschismus noch im-
       mer, den  Generalstreik auszurufen  und die  Dollfuß-Diktatur ge-
       waltsam niederzuwerfen.  Als ein Teil der österreichischen Arbei-
       terklasse, die  mittlerweile demoralisiert und durch das ständige
       Zurückweichen geschwächt  war, im  Februar  1934  zu  den  Waffen
       griff, fehlte  ihrem Widerstandskampf  die entschlossene Führung,
       um der  Armee, die ein Blutbad anrichtete, länger als wenige Tage
       gewachsen zu  sein. Bauer  nahm die  Schuld für das Scheitern der
       Abwehrschlacht des  Proletariats auf  sich, gab  dafür indes eine
       Begründung, die  nicht befriedigen kann: "Daß wir Fehler begangen
       haben, unterliegt  keinem Zweifel;  nur wer nicht handelt, begeht
       keine Fehler." 33) Ihre Passivität gehörte jedoch zu den gröbsten
       Fehlern, die der Sozialdemokratie im antifaschistischen Kampf un-
       terliefen und nicht zufällig erfolgten, sondern in der Staatskon-
       zeption des  Austromarxismus angelegt waren. "Eine von der Praxis
       getrennte Theorie  des Austromarxismus  gibt es nicht und kann es
       nicht geben.  Austromarxismus ist  Widerspruch zwischen  Wort und
       Tat, zwischen Theorie und Praxis." 34)
       Nichts verdeutlicht  die Widersprüchlichkeit  des Austromarxismus
       besser als  Bauers Versuch, eine Art reformistischer Revolutions-
       theorie auf der Erfahrungsgrundlage seiner opportunistischen Pra-
       xis zu  entwickeln. Bauer benutzte den Hegemoniebegriff zur Kenn-
       zeichnung seiner  Bündniskonzeption  im  Kampf  der  Monopolbour-
       geoisie und  des Proletariats  um die Mittelschichten: "Die Groß-
       bourgeoisie kann  ihre Herrschaft nur dann behaupten, wenn es ihr
       gelingt, die kleinbürgerlich-bäuerlichen Massen unter ihrer Hege-
       monie zu  halten. Die Arbeiterklasse kann nur dann die Herrschaft
       der Großbourgeoisie stürzen, nur dann die Mehrheit im Volk und im
       Parlament erobern,  nur dann die Herrschaft im Staat an sich rei-
       ßen, wenn  es ihr  gelingt, einen  Teil der kleinbürgerlichen und
       kleinbäuerlichen Massen von den bürgerlichen Parteien loszureißen
       und sie für die Sozialdemokratie zu gewinnen." 35) Bauers Auffas-
       sung von  Hegemonie schließt das diktatorische Zwangselement, zu-
       mindest für  die entwickelteren  Klassenverhältnisse Mittel-  und
       Westeuropas, wo  Kleinbürger und Bauern im Gegensatz zum zaristi-
       schen Rußland  durch die  Schule der Demokratie politisch bewußte
       Staatsbürger wurden, aus. 36)
       War Gramscis  Hegemonietheorie der  breitangelegte  Versuch,  die
       Lehren aus der russischen Oktoberrevolution und dem Mißlingen al-
       ler Umsturzbemühungen  in Westeuropa  zu ziehen,  so  verlor  der
       Austromarxismus, den Blick starr auf die Besonderheiten der Revo-
       lution im  Westen gerichtet,  den welthistorischen  und strategi-
       schen Gesamtzusammenhang  sowie die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten
       des Übergangs  zum Sozialismus  aus dem  Auge. Für  Bauer stellte
       sich die  Staats- und  Machtfrage in  der Form  "Stimmzettel oder
       Bürgerkrieg?" (Zwischenüberschrift  in Bauers  "Der Kampf  um die
       Macht"), womit  er einer  Scheinalternative aufsaß,  denn aus der
       Geschichte wissen wir, daß die Konterrevolution der Arbeiterbewe-
       gung den  Bürgerkrieg aufzwingt, ganz gleich, ob diese bei Wahlen
       siegreich war oder nicht. Der Austromarxismus verabsolutierte die
       ideologische Komponente  im Ringen der Klassen, hypostasierte den
       "Kampf um  die Köpfe"  und konzentrierte  sich auf die Weiterent-
       wicklung der geistigen Waffen, wohingegen er die ausschlaggebende
       Bedeutung der  Kontrolle über den Staatsapparat, seines militäri-
       schen  Machtpotentials   und  der  revolutionären  Gewalt  unter-
       schätzte.
       In keinem  Land Mittel-  und Westeuropas  war die Gelegenheit für
       eine sozialistische Umwälzung während des Ersten Weltkrieges oder
       unmittelbar danach ähnlich günstig wie in Österreich, das dem Za-
       renreich zur  Zeit der  russischen Oktoberrevolution seinen Klas-
       senverhältnissen, Machtkonstellationen  und Bewußtseinsstrukturen
       nach mehr  glich als andere Staaten. Beim Zusammenbruch der Habs-
       burgermonarchie (Oktober/November  1918) fiel dem Proletariat und
       seiner (noch  nicht gespaltenen)  Partei,  der  Sozialdemokratie,
       fast automatisch die Führungsrolle in der Revolution zu, ohne daß
       ihre Politik  die Kapitalherrschaft  erschüttert hätte. Trotz der
       Forderung ihrer  Massenbasis, mit  dem Klassenfeind  "russisch zu
       reden", entschied  sich die SDAP nicht für den Bruch, sondern für
       ein Bündnis  mit der  Bourgeoisie und  ihrem Staat, dessen Regie-
       rungskoalition sie beitrat, wahrte die parlamentarische Kontinui-
       tät und  unternahm keinerlei Anstrengungen, um eine Räteregierung
       zu bilden.  Die österreichische Novemberrevolution 1918/19, deren
       Gelingen das  fehlende Kettenglied zwischen der russischen, unga-
       rischen und  bayerischen Räterepublik  geschaffen und der Weltge-
       schichte wahrscheinlich  einen ganz  anderen Verlauf,  eine  ent-
       scheidende Wende  zum Sozialismus  gegeben hätte,  liefene  einen
       schlagenden Beweis  dafür, daß  es nicht hinreicht, die Hegemonie
       zu erringen,  wenn es  an der Entschlossenheit fehlt, die Staats-
       macht zu  erobern. Später  gestand Bauer  das Versagen seiner auf
       ideologische Erfolge im Bündnisbereich gerichteten Strategie, die
       dem paramilitärischen  und machtpolitischen Übergewicht der Reak-
       tion zu  wenig Aufmerksamkeit  widmete, ein.  Während der Bürger-
       blockregierungen ab 1920 sei, so stellte Bauer rückblickend fest,
       "der Einfluß, der Machtbereich der Sozialdemokratie innerhalb des
       österreichischen Volkes  stetig und  unaufhaltsam gewachsen. Aber
       in demselben  Maße, in  dem unsere  geistige Macht  innerhalb des
       deutschösterreichischen Volkes  gewachsen ist,  in demselben Maße
       haben sich  die physischen  Gewaltverhältnisse zugunsten  unserer
       Gegner verschoben." 37) Die Geschichte der Ersten Republik Öster-
       reich ist  ein Musterbeispiel  dafür, daß  eine Hegemonietheorie,
       die vom  Problem der politischen Macht und (konter)revolutionären
       Gewalt abstrahiert,  keine wirksame Waffe der Arbeiterbewegung im
       Kampf gegen Reaktion und Faschismus darstellt.
       Als die  Dollfuß-Diktatur den  Republikanischen Schutzbund im Fe-
       bruar 1934 mit Waffengewalt niedergeworfen hatte, erkannte Bauer,
       daß der Hegemoniebegriff umfassender sein muß, nicht nur die gei-
       stige Überlegenheit  meinte, daß  die ideologische Führungsfähig-
       keit einer  Klasse vielmehr  aus ihrem  ökonomischen, politischen
       und militärischen  Machtpotential erwächst: "Erst wenn das Prole-
       tariat wieder  stark, wieder  kampffähig sein  wird, kann  es zum
       Führer des  ganzen werktätigen Volkes gegen die faschistische Ty-
       rannei werden. Die Hegemonie kann nur der Starke erringen." 38)
       Kennzeichnend für die Staats-, Revolutions- und Faschismustheorie
       des Austromarxismus sind drei Argumentationsmuster:
       E r s t e n s   wird die  bürgerlich-demokratische Staatsform als
       Widerspruch zur kapitalistischen Wirtschaftsordnung aufgefaßt und
       ein Spannungszustand  zwischen beiden  angenommen, der  dazu ten-
       diert, daß sich ein Gleichgewicht der Klassenkräfte herausbildet,
       wobei dem Kapital die Herrschaft auf ökonomischem Gebiet, der Ar-
       beiterklasse die  Verfügungsgewalt über  Staat und Politik vorbe-
       halten bleibt.  Zuerst vertrat  Julius Braunthal  nach Mussolinis
       "Marsch auf  Rom" (1922)  eine Gleichgewichtstheorie, die den Fa-
       schismus als Mittel der Bourgeoisie zur Beseitigung einer Pattsi-
       tuation im  Klassenkampf begriff.  "In den Ländern der Demokratie
       mit starker  Arbeiterbewegung wurde ein für die tatsächliche öko-
       nomische Herrschaftsstellung  der Bourgeoisie lähmender, geradezu
       unerträglicher Gleichgewichtszustand  der Klassenkräfte  geschaf-
       fen. Die  Bourgeoisie verfügt  über alle  ökonomische Gewalt, das
       Proletariat aber über die entscheidende materielle politische Ge-
       walt. Die Demokratie wird als Herrschaftsform der Bourgeoisie un-
       möglich. Darum  sucht sie  sich gleichsam  außerhalb des Staates,
       neben der  Armee und der Gendarmerie, ein illegales Gewaltinstru-
       ment zu  schaffen, über  das sie  ausschließlich verfügt, und das
       dazu bestimmt  ist, die  Demokratie zu  zertrümmern und  an  ihre
       Stelle die Oligarchie zu setzen." 39)
       Bauer benutzte  ebenfalls das  Bild vom  sozialen Kräftegleichge-
       wicht und  übertrug es  auf die  Klassenverhältnisse  Österreichs
       nach der  Revolution 1918/19.  "Die Republik  war in dieser Phase
       kein Klassenstaat, das heißt kein Instrument der Herrschaft einer
       Klasse über  die andere  Klasse, sondern ein Ergebnis des Kompro-
       misses zwischen  den Klassen, ein Resultat des Gleichgewichts der
       Klassenkräfte." 40)  Bauer modifizierte  die These einer ökonomi-
       schen und  politischen Machtdisparität  der Klassen  und verglich
       den Faschismus  mit dem  Bonapartismus.  Auch  der  Bolschewismus
       brachte für  Bauer ein  Kräftegleichgewicht im  Klassenkampf  zum
       Ausdruck. Infolgedessen  seien nicht  mehr alle Staaten, wie noch
       das "Kommunistische  Manifest" meinte,  Prokuristen des Kapitals.
       "Aber dem Klassenstaat der Bourgeoisie ist nicht die Diktatur des
       Proletariats gefolgt,  sondern ein Zustand des Gleichgewichts der
       Klassenkräfte, der sich politisch in sehr mannigfachen Staatsfor-
       men ausdrückt.  Diese Erfahrung macht es wahrscheinlich, daß zwi-
       schen der  Periode, in der der Staat eine Klassenorganisation der
       Bourgeoisie war  und der Periode, in der er eine Klassenorganisa-
       tion des  Proletariats sein  ·wird, eine  Übergangsperiode liegen
       wird, in  der die  Kräfte der  Klassen einander das Gleichgewicht
       halten." 41)  Bauers Konzeption, wonach jede soziale Umgestaltung
       ein Tal  des Klassengleichgewichts  durchschreitet,  in  dem  die
       Kämpfenden entweder  einen Kompromiß  schließen,  oder  sich  der
       Staat verselbständigt  und über  sie erhebt, ist nur verständlich
       als Legitimation  der Koalitionsbildung mit bürgerlichen Parteien
       nach dem  Sturz der Habsburgermonarchie. Marx hingegen hatte, als
       er "Der  achtzehnte Brumaire  des Louis  Bonaparte" schrieb,  das
       Frankreich nach  der Revolution 1848/49 und dem Staatsstreich Na-
       poleons III.  im Dezember  1851 vor Augen und hütete sich vor dem
       Irrglauben, die  Staatsgewalt hänge  in der Luft. 42) Der Schluß,
       den Marx, aus dem Putsch zog, betraf eine Konstellation der Klas-
       senkräfte, die,  wiewohl sie sich . beispielsweise unter Bismarck
       - in  anderen Ländern wiederholte, nicht zur Regel seiner Revolu-
       tionstheorie emporstilisiert werden darf.
       Z w e i t e n s   werden Demokratie  und Diktatur (des Proletari-
       ats) als Gegensatz, als unterschiedliche Strategien der Arbeiter-
       bewegung im Übergang zum Sozialismus begriffen. "Das Ziel unseres
       Kampfes ist  die Eroberung der Staatsgewalt. Die Macht, die heute
       in den  Händen der  besitzenden Kreise  ist, muß  ihnen entrissen
       werden und  in die Hände des Proletariats fallen. In diesem Kampf
       kann sich  das Proletariat  zweier Methoden bedienen: der Methode
       der revolutionären Diktatur oder der Methode der Demokratie." 43)
       Mit diesem  Methodendualismus, der sein gesamtes Werk durchzieht,
       und hinter dem sich der Antagonismus zwischen revolutionärem Mar-
       xismus und reformistischer Arbeiterpolitik verbirgt, antizipierte
       Bauer 1913 die Spaltung des Proletariats in zwei Parteien. Bauers
       Hin- und  Herschwanken wies ihn als Vertreter des Zentrismus aus,
       der "mitten  zwischen dem  Reformismus und  dem Bolschewismus" zu
       stehen wähnte  44), im  Konfliktfall jedoch  umfiel und  für  die
       Rechtssozialdemokratie Partei  ergriff. Bauer  hielt zwar  an der
       Unterscheidung    zwischen     bürgerlicher    und    sozialisti-
       scher/proletarischer Demokratie  fest, führte  sie allerdings da-
       durch ad absurdum, daß er noch einmal zwischen proletarischer und
       sozialistischer Demokratie  (als Organisationsform der klassenlo-
       sen Gesellschaft)  differenzierte, den Sozialismus als Klassenlo-
       sigkeit definierte  und mit  dem Kommunismus (bei Marx) identifi-
       zierte, mithin  eine Polarität zwischen Demokratie und proletari-
       scher Diktatur konstruierte. Diese Auffassung prägt auch das Lin-
       zer Parteiprogramm  der SDAP,  das im  Jahre  1926  verabschiedet
       wurde und  Bauers Handschrift trägt: "Die sozialdemokratische Ar-
       beiterpartei wird  die Staatsmacht  in den  Formen der Demokratie
       und unter  allen Bürgschaften  der Demokratie ausüben. (...) Wenn
       sich aber  die Bourgeoisie gegen die gesellschaftliche Umwälzung,
       die die  Aufgabe der  Staatsmacht der  Arbeiterklasse sein  wird,
       durch planmäßige  Unterbindung des  Wirtschaftslebens, durch  ge-
       waltsame Auflehnung,  durch Verschwörung mit ausländischen gegen-
       revolutionären Mächten  widersetzen sollte,  dann wäre die Arbei-
       terklasse gezwungen,  den Widerstand der Bourgeoisie mit den Mit-
       teln der Diktatur zu brechen." 45)
       Für Bauer  war Demokratie gleichbedeutend mit Gewaltlosigkeit und
       Diktatur ein  Synonym für  Terrorismus. Er  hielt Demokratie  und
       Diktatur des Proletariats für historisch aufeinanderfolgende Stu-
       fen der  Staatsentwicklung, die  zwar nicht  starr voneinander zu
       trennen sind,  aber auch  keine dialektische  Einheit bilden. Die
       Verkürzung seines Staatsverständnisses auf eine reine Formenlehre
       sowie die  mangelhafte Vermittlung  von Ökonomie  und Politik, in
       der sich  das Klassenwesen  staatlichen Handelns  überhaupt  erst
       enthüllt, hinderten  Bauer an  der Entwirrung des im Begriffspaar
       Demokratie/Diktatur enthaltenen Problems. Max Adler, Repräsentant
       des linken  Parteiflügels, widersprach  der Gleichbehandlung  von
       Demokratie und  Diktatur des  Proletariats als  Staatsformen  und
       vermied es,  dem marxistischen  Diktaturbegriff einen pejorativen
       Sinngehalt unterzuschieben,  der diesem  fremd war. Dennoch glich
       sein Ansatz  in Kernfragen  der Pohtiktheorie  und Strategie  dem
       Bauers. Gemeinsam  war beiden die "Erweiterung" des Demokratiebe-
       griffs dahingehend, daß er das soziale Umfeld der politischen In-
       stitutionen einbegreift, und, damit zusammenhängend, die Überzeu-
       gung, daß  der Staat nicht . wie von Marx und Engels prophezeit -
       "abstirbt", sondern  als  "vollendete  Demokratie"  im  Kommunis-
       mus/Sozialismus fortlebt.  Die  bürgerliche  Demokratie  fungiert
       nicht als  Herrschaftsmodus des Kapitals, sondern wird als Parti-
       zipationsmechanismus glorifiziert,  der bloß  auf Wirtschaft  und
       Gesellschaft projiziert  werden muß, um die Emanzipation des Pro-
       letariats abzuschließen.  "Solange die  Demokratie auf  dem Boden
       von Klassengegensätzen ruht, ist sie (...) gar nicht möglich. De-
       mokratie ist  weder im bürgerlichen noch im proletarischen Staate
       möglich (...),  sondern sie  ist es  nur in  dem Sozialstaate der
       klassenlosen Gesellschaft,  die erst  der Zukunft  angehört." 46)
       Während der  Marxismus die Demokratie als Äußerungsform des Klas-
       senstaates (Sklavenhalterdemokratie,  bürgerliche bzw. proletari-
       sche Demokratie)  und den  Sozialismus als  Klassenherrschaft der
       Arbeiterklasse im  Übergang zur Klassenlosigkeit charakterisiert,
       transponiert  Adler  die  Demokratie  auf  die  gesellschaftliche
       Ebene, weitet  also die  Form des  Klassenstaates in unzulässiger
       Weise aus und erblickt darin zu allem Überfluß auch noch die Ver-
       wirklichung des  Sozialismus, der seiner Meinung nach keine Klas-
       senherrschaft mehr,  wohl aber  einen Staat . Marx und Engels zu-
       folge gerade konzentriertester Ausdruck der Klassenantagonismen .
       kennt.
       D r i t t e n s   wird die  proletarische  Revolution  im  Analo-
       gieschluß zur bürgerlichdemokratischen Revolution (der Franzosen)
       als bloßer Machtwechsel und sukzessive Umstrukturierung beschrie-
       ben, woraus  strategische Verkürzungen der Transformationsproble-
       matik resultieren. Die Gleichsetzung von sozialistischer und bür-
       gerlicher Revolutionsperspektive  taucht bei  Bauer schon vor dem
       Ersten Weltkrieg auf: "Wie sich die soziale Revolution der Arbei-
       terklasse vollziehen  wird, werden wir erkennen, wenn wir uns er-
       innern, wie sich die soziale Revolution der Bourgeoisie vollzogen
       hat." 47)  Nach dem  Krieg nahm Bauer diesen Argumentationsstrang
       im Zusammenhang  mit der Oktoberrevolution wieder auf, um die an-
       gebliche Notwendigkeit  einer davon abweichenden Transformations-
       strategie für  Österreich zu  begründen. Zu diesem Zweck verglich
       er den Umgestaltungsprozeß in Ost und West mit aufeinanderfolgen-
       den Entwicklungsphasen der französischen Revolution, in denen das
       Proletariat unterschiedliche  Aufgaben  gestellt  bekommen  habe,
       nämlich im  Bündnis mit  den Bauern  die Feudalstrukturen zu zer-
       schlagen (Große Französische Revolution) und seinen Machtanspruch
       gegen die  Reaktion  der  Bauern  und  Kleinbürger  durchzusetzen
       (Revolution 1848).  "Die Voraussetzungen der proletarischen Revo-
       lution sind  also in  West- und  Mitteleuropa ganz  andere als im
       russischen Osten. Die Konzeption der proletarischen Diktatur, wie
       sie Marx  aus der  französischen Revolution  von 1793 abstrahiert
       und der  deutschen Revolution  von 1848 vorgezeichnet hat, konnte
       in der russischen Revolution von 1917 ihre Verwirklichung finden;
       aber sie ist aus demselben Grunde auf die proletarischen Bewegun-
       gen West- und Mitteleuropas in unseren Tagen nicht anwendbar, aus
       dem sie  schon auf die französische Revolution von 1848 nicht an-
       wendbar war."  48) Bauer,  der dem  "despotischen Sozialismus" in
       Rußland die  (bürgerlich-parlamentarische) Demokratie des Westens
       gegenüberstellte, ignorierte  den grundlegenden  Unterschied zwi-
       schen beiden  Revolutionstypen und  übersah, daß  sich die  Bour-
       geoisie, als  sie die Staatsgewalt ergriff, bereits im Besitz der
       ökonomischen Entscheidungszentren befand, wohingegen das Proleta-
       riat die  politische Macht zur Veränderung der gesellschaftlichen
       Herrschaftsstrukturen benötigt. Er blieb im Bann des bürgerlichen
       Demokratieverständnisses befangen  und  hat  die  Grenzen  dieser
       Staatsideologie nie ganz überschritten.
       
       Austromarxismus - Sackgasse oder "dritter Weg" zum Sozialismus?
       ---------------------------------------------------------------
       
       Otto Bauers  Ruf als integrer Parteiführer wird im Rahmen der ge-
       genwärtigen Austromarxismus-Renaissance  benutzt, um  das Konzept
       eines "dritten",  demokratischen Weges  jenseits von  Reformismus
       und Leninismus  zu begründen.  49) Die Bezeichnung stammt von Max
       Adler, der  sich damit gegenüber der SD AP-Rechten und den Kommu-
       nisten gleichermaßen  abgrenzen wollte.  50) Im Gefolge tiefgrei-
       fender Existenzbedrohungen  der bürgerlichen Gesellschaft breiten
       sich regelmäßig Illusionen bezüglich eines "dritten Weges" inner-
       halb der  Arbeiterklasse aus, sei es nun, daß dieser zwischen Ka-
       pitalismus und Sozialismus, sei es, daß er zwischen verschiedenen
       Modellen der  sozialistischen Gesellschaftsveränderung  hindurch-
       führen  soll:   Erste  Ansätze   dazu  finden   sich   nach   dem
       "Gründerkrach" und  der sog. Großen Depression im letzten Viertel
       des vorigen Jahrhunderts (Georg von Vollmars "Staatssozialismus",
       Eduard Bernsteins  Revisionismus), weitere  während der kapitali-
       stischen Weltwirtschaftskrise  1929/33 (Rudolf  Hilferdings/Fritz
       Naphtalis Konzeption  der "Wirtschaftsdemokratie"  auf der Grund-
       lage des  "organisierten Kapitalismus")  und im  Anschluß an  den
       Zweiten  Weltkrieg  (Kurt  Schumachers  "Sozialismus  als  Gegen-
       wartsaufgabe") .  Der "dritte"  Weg ist  einer Fata  Morgana ver-
       gleichbar, die immer dann bei (privilegierten) Teilen der Werktä-
       tigen Platz  ergreift, wenn  der Kapitalismus von Krisen geschüt-
       telt wird,  ohne daß  sich daraus  unmittelbar eine revolutionäre
       Situation ergibt,  und die  politische Agitation  scheinbar  sta-
       gniert, weil die Mehrheit der Bevölkerung abwartend reagiert. Die
       "Ausweichstrategie" des Dritten Weges setzt auf eine schrittweise
       Reformierung der Gesellschaft und des Staates, weil sie den Glau-
       ben an  deren Revolutionierung  verloren hat,  ist also im Grunde
       resignativ. Auch  der "dritte"  Weg des  Austromarxismus war, wie
       das Weiterbestehen der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrüc-
       kung trotz  Regierungsbeteiligung der Sozialdemokratischen Arbei-
       terpartei Deutschösterreichs (später der SPÖ) beweist, eine Sack-
       gasse, ihr  "Zweifrontenkrieg" gegen  Reformismus und Bolschewis-
       mus/Leninismus mehr als einseitig - Kampf dem Kommunismus!
       Wie weit der Antikommunismus des Austromarxismus ging, und welche
       Blüten er trieb, zeigt das Beispiel Karl Kautskys jun., von Beruf
       Arzt, der  operative Behandlungsmethoden  mit der  Begründung ab-
       lehnte, die Chirurgie habe "manches mit dem Bolschewismus gemein,
       nicht nur  darin, daß sie radikale Heilung über Nacht verspricht,
       sondern auch  in ihrem Anspruch auf die umfassende Gültigkeit ih-
       rer Methode."  51) Das Schlagwort vom "demokratischen Weg zum So-
       zialismus" desavouiert  frühere und gegenwärtige Volkserhebungen,
       angefangen bei  der Pariser  Kommune 1871  über die russische Ok-
       toberrevolution 1917  bis hin  zu nationalrevolutionären  Befrei-
       ungsbewegungen der  sog. Dritten  Welt, weil der Eindruck erweckt
       wird, als handle es sich um  u n demokratische  Emanzipationspro-
       zesse im  Gegensatz zur  demokratischen Transformation  hochindu-
       strialisierter Staaten  des Westens, fungiert als antikommunisti-
       sche Kampfformel  und diskriminiert  revolutionäre Richtungen in-
       nerhalb der  Arbeiterbewegung, die  am Begriff  der Diktatur  des
       Proletariats zur  Kennzeichnung der  sozialistischen  Staatsmacht
       festhalten. In  diesem Zusammenhang  sei darauf  hingewiesen, daß
       Bauers "Zwischen zwei Weltkriegen?", dessen neuerliche Aktualität
       schon der  Titel signalisiert, gewarnt hat, man dürfe "Demokratie
       und Diktatur  des Proletariats  nicht als unvereinbare Gegensätze
       einander  entgegenstellen.  Die  Diktatur  des  Proletariats  ist
       nichts anderes als eine vom Proletariat eroberte Staatsmacht, die
       stark und dauerhaft genug ist, die Umwälzung der kapitalistischen
       Gesellschaft in  die sozialistische  zu vollziehen. Welche Formen
       eine solche  Staatsmacht annehmen wird, wird von den geschichtli-
       chen Umständen,  unter denen  die Arbeiterklasse  die Staatsmacht
       erobert, und von der Kraft der Widerstände, die diese Staatsmacht
       zu brechen  hat, abhängen."  52) Es wäre ein nicht wiedergutzuma-
       chender Fehler,  würde sich  die Arbeiterbewegung  der Gegenwart,
       statt die  Gretchenfrage nach  dem Klassenwesen  der Übergangsge-
       sellschaft  (Kapitalismus  oder  Sozialismus?)  zu  stellen,  die
       Scheinalternative der  bürgerlichen  Staatsideologie  "Demokratie
       o d e r  Diktatur (des Proletariats)?" aufdrängen lassen.
       Der Austromarxismus  war  weder  authentischer  noch    A n t i -
       Marxismus;   er  muß,  wie  Wolfgang  Abendroth  postuliert  53),
       k r i t i s c h   rezipiert werden. Bauer hat besonders in seinem
       Spätwerk, das  den Siegeszug  des Faschismus  in Mitteleuropa re-
       flektiert, frühere  Fehleinschätzungen revidiert,  hat  über  den
       (Staat im) Kapitalismus viel Richtiges und Wichtiges gesagt; aber
       fast  immer,   wenn  es  um  die  Revolution,  den  Übergang  zum
       Sozialismus und  die  Klassenherrschaft  des  Proletariats  ging,
       wurde der  Marxismus verfälscht oder verflacht, immer, wenn es an
       Knotenpunkten  der   Zeitgeschichte  (Kriegsausbruch  1914,  beim
       Zusammenbruch der  Donaumonarchie 1918/19 oder im Kampf gegen den
       Austrofaschismus 1933/34)  um die praktische Aktion ging, hat die
       österreichische Sozialdemokratie  -  wie  auch  ihr  langjähriger
       Führer -  kläglich versagt.  Bauers Rezeption  der  marxistischen
       Staatskonzeption blieb bruchstückhaft; selbst zu der Zeit, als er
       den "integralen  Sozialismus" mit  dem Ziel  einer  Synthese  von
       Sozialreformismus und  Bolschewismus propagierte,  gelang es  ihm
       nicht, die  Grundbestimmungen der  Staats- und  Demokratietheorie
       des  wissenschaftlichen   Sozialismus  zu   rekonstruieren.  Auch
       leistet der  Austromarxismus zur  Lösung des Kardinalproblems der
       Imperialismusanalyse, der  Frage nach dem Verhältnis von Ökonomie
       und Politik,  anders gesagt:  der Wechselbeziehung zwischen Staat
       und  Monopolen   im  gegenwärtigen   (BRD)-Kapitalismus,   keinen
       konstruktiven Beitrag.  Anzuknüpfen wäre  an  zwei  Entwicklungs-
       phasen des  Bauerschen Werkes:  Die  Episode  gegen  Ausgang  des
       Ersten Weltkrieges,  als sich  Bauer zum  Wortführer der  SD  AP-
       Linken aufschwang,  den Sozialpatriotismus  und die Burgfriedens-
       politik des  Parteivorstandes bekämpfte,  bietet Ansätze für eine
       bis heute brauchbare Reformismuskritik; die Schaffensperiode nach
       dem Sieg  des Austrofaschismus  enthält Momente der Selbstkritik,
       die zum  Abbau legalistischer  Bewußtseinsrestriktionen beitragen
       könnten. Dazwischen  liegt ein  Lebensabschnitt, in dem Bauer als
       Spitzenfunktionär verstärkt  parteitaktischen  Zwängen  unterlag,
       und wo  sich seine  Begabung zur  wissenschaftlichen Analyse  und
       strategischen Vorausschau  weniger entfalten konnte, was den Wert
       der  zu  dieser  Zeit  entstandenen  Arbeiten  herabmindert.  Ab-
       schließend wäre  zu  fragen  (und  ggf.  als  Forschungsdesiderat
       einzuklagen), ob  Bauers Gleichgewichtstheorie,  auf  die  inter-
       nationalen  Beziehungen   der  Gegenwart   angewendet,  für   die
       Formulierung einer  den Systemgegensatz  zwischen Sozialismus und
       Kapitalismus, den  Klassenwiderspruch von  Lohnarbeit und Kapital
       im Weltmaßstab zum Bezugspunkt wählenden Transformationsstrategie
       fruchtbar gemacht werden kann.
       
       _____
       1) Antonio Gramsci,  Zu Politik,  Geschichte und  Kultur,  Ausge-
       wählte Schriften, Frankfurt am Main 1980, S. 228
       2) Ebd., S. 227
       3) Vgl. z.B.  Gerhard Roth, Gramscis Philosophie der Praxis, Eine
       neue Deutung des Marxismus, Düsseldorf 1972
       4) Karl Marx/Friedrich  Engels, Die deutsche Ideologie, in: Werke
       (MEW), Bd. 3, S. 47
       5) Siehe Engels an Max Oppenheim, 24. März 1891, in: MEW, Bd. 38,
       S. 64
       6) Vgl. Perry  Anderson, Antonio  Gramsci, Eine  kritische Würdi-
       gung, Westberlin 1979, S. 20 ff.
       7) W.I. Lenin,  Der Reformismus  in der russischen Sozialdemokra-
       tie, in: Werke (LW), Bd. 17, S. 219
       8) Vgl. Perry Anderson, Antonio Gramsci, a.a.O., S. 24
       9) W.I. Lenin, Die große Initiative, in: LW, Bd. 29, S. 409
       10) Otto Bauer, zit. nach: Herbert Steiner, Am Beispiel Otto Bau-
       ers -  die Oktoberrevolution  und der Austromarxismus in: Weg und
       Ziel, Juli 1967 (Sonderheft), S. 3 f.
       11) Vgl. W.I. Lenin, Politischer Bericht des Zentralkomitees, Au-
       ßerordentlicher Siebenter Parteitag der KPR (B), 6.-8. März 1918,
       in: LW, Bd. 27, S. 85
       12) Antonio Gramsci,  Zu Politik,  Geschichte und Kultur, a.a.O.,
       S. 273
       13) Siehe Robert  Danneberg, Für und wider die Koalition, in: Der
       Kampf 5/1928, S. 195
       14) Siehe Oskar Pollak, Österreichs Anpassung an die "Pause", in:
       Der Kampf 3/1930, S. 1
       15) Antonio Gramsci,  Philosophie der  Praxis, Eine Auswahl, her-
       ausgegeben und übersetzt von Christian Riechers mit einem Vorwort
       von Wolfgang Abendroth, Frankfurt am Main 1967, S. 163
       16) Giuseppe Fiori,  Das Leben  des Antonio  Gramsci, Biographie,
       Westberlin 1979, S. 218 f.
       17) Antonio Gramsci,  Zu Politik,  Geschichte und Kultur, a.a.O.,
       S. 221
       18) Gleiches gilt  für den Bedingungszusammenhang zwischen Ökono-
       mie und Hegemonie.
       19) Siehe Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsappa-
       rate,  Aufsätze  zur  marxistischen  Theorie,  Hamburg/Westberlin
       1977, S. 108 ff.
       20) Vgl. Kann  Priester, Die Bedeutung von Gramscis "erweitertem"
       Staatsbegriff, in:  Arbeitskreis Westeuropäische Arbeiterbewegung
       (Hrsg.), Eurokommunismus  und marxistische  Theorie der  Politik,
       Argument-Sonderband 44 (1979), S. 37
       21) Karl-Heinz Braun, Die politische Theorie Antonio Gramscis und
       die aktuelle  Gramsci-Rezeption in  der Bundesrepublik in: Marxi-
       stische Blätter 1/1979, S. 80
       22) Reinhard Opitz,  Über vermeidbare Irrtümer. Zum Themenschwer-
       punkt "Faschismus und Ideologie", in: Das Argument 121 (1980), S.
       360
       23) Projekt Ideologie-Theorie, Theorien über Ideologie, Argument-
       Sonderband 40 (1979), S. 75
       24) Vgl. Christian  Riechers, Antonio  Gramsci, Marxismus in Ita-
       lien, Frankfurt am Main 1970, S. 49
       25) Siehe Claudio Signorile, Die Demokratie, die den Staat verän-
       dert, in: Sozialisten, Kommunisten und der Staat. Über Hegemonie,
       Pluralismus  und  sozialistische  Demokratie,  Hamburg/Westberlin
       1977, S. 132
       26) Sabine Kebir,  Die Kulturkonzeption Antonio Gramscis, München
       1980, S. 62
       27) Vgl. Antonio Gramsci, Philosophie der Praxis, a.a.O., S. 258
       28) Hans Heinz Holz/Hans Jörg Sandkühler, Gramsci-Debatte und Po-
       litik der  demokratischen Wende,  in: dies. (Hrsg.), Betr.: Gram-
       sci, Philosophie und revolutionäre Politik in Italien, Köln 1980,
       S. 54
       29) Valentino Gerratana, Staat, Partei, Institutionen, Politische
       Hegemonie der Arbeiterklasse in: Biago De Giovanni u.a., Gramsci-
       Debatte 1, Hegemonie, Staat und Partei, Hamburg 1978, S. 35 f.
       30) Detlev Albers,  Nachwort:  Pietro  Ingrao  als  marxistischer
       Staatstheoretiker, in:  Pietro Ingrao, Massenbewegung und politi-
       sche Macht, Hamburg 1979, S. 198 f.
       31) Rudolf Springer (Karl Renner), Staat und Parlament. Kritische
       Studie über die Österreichische Frage und das System der Interes-
       senvertretung, Wien 1901, S. 31
       32) Siehe Friedrich  Austerlitz, Kampf  gegen den Austromarxismus
       oder Haß gegen die Arbeiter?, in: Der Kampf 10/1928, S. 473
       33) Otto Bauer, Der Aufstand der österreichischen Arbeiter, Seine
       Ursachen und seine Wirkungen, in: Werkausgabe (BW), Bd. 3, S. 987
       34) Bruno Frei, Otto Bauer und der Eurokommunismus, in: Das Argu-
       ment 119 (1980), S. 90 f.
       35) Otto Bauer, Der Kampf um die Macht, in: BW, Bd. 2, S. 952.
       36) Vgl. ebd., S. 957
       37) Otto Bauer, Der Kampf um die Demokratie, Rede auf dem sozial-
       demokratischen Parteitag,  abgehalten vom 8. bis 10. Oktober 1929
       in Wien, in: BW, Bd. 5, S. 526
       38) Ders., Das Wesen der Volksfront, in: BW, Bd. 9, S. 729
       39) Julius Braunthal,  Der Putsch  der Faschisten,  in: Der Kampf
       11/1922, S. 322
       40) Otto Bauer, Die österreichische Revolution, in: BW, Ed. 2, S.
       805
       41) Ders., Das Gleichgewicht der Klassenkräfte, in: BW, Bd. 9, S.
       67
       42) Vgl. Karl  Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte,
       in: MEW, Bd. 8, S. 198
       43) Otto Bauer,  Die Grundfrage unserer Taktik, in: BW, Bd. 8, S.
       811
       44) Siehe ders., Nach dem Parteitag, in: BW, Bd. 9, S. 168
       45) Programm  der  Sozialdemokratischen  Arbeiterpartei  Deutsch-
       österreichs, beschlossen  vom Parteitag  zu Linz  am 3.  November
       1926, in: Hans Jörg Sandkühler/Rafael de la Vega (Hrsg.), Austro-
       marxismus, Texte  zu "Ideologie  und Klassenkampf",  Frankfurt am
       Main 1970, S. 92
       46) Max Adler,  Die Staatsauffassung  des Marxismus,  Ein Beitrag
       zur Unterscheidung  von soziologischer  und juristischer Methode,
       Darmstadt 1964 (Reprint), S. 115
       47) Otto Bauer, Die Grundfrage unserer Taktik, a.a.O., S. 826
       48) Ders., Bolschewismus  oder Sozialdemokratie?,  in: BW, Bd. 2,
       S. 297
       49) Vgl. z.B.  Detlev Albers  u.a. (Hrsg.),  Otto Bauer  und  der
       "dritte" Weg.  Die  Wiederentdeckung  des  Austromarxismus  durch
       Linkssozialisten und  Eurokommunisten, Frankfurt  am  Main  1979;
       Detlev Albers, Gedanken über den "dritten Weg zum Sozialismus" in
       Westeuropa, in:  ders. u.a. (Hrsg.), Perspektiven der Eurolinken,
       Frankfurt am Main 1981, S. 126 ff.
       50) Siehe Max Adler, zit. bei: Julius Braunthal, Die Arbeiterräte
       in Deutschösterreich.  Ihre Geschichte  und  ihre  Politik,  Wien
       1919, S. 25
       51) Karl Kautsky,  Die Strömungen  in  der  modernen  Medizin  im
       Lichte des  historischen Materialismus,  in: O.  Jenssen (Hrsg.),
       Der lebendige  Marxismus. Festgabe  zum 70.  Geburtstage von Karl
       Kautsky, Jena 1924, S. 479
       52) Otto Bauer,  Zwischen zwei  Weltkriegen? Die  Krise der Welt-
       wirtschaft, der Demokratie und des Sozialismus, in: BW, Bd. 4, S.
       210 f.
       53) Vgl.  Wolfgang   Abendroth,  Renaissance   des  "klassischen"
       Austromarxismus?, in: Frank Deppe u.a. (Hrsg.), Marxismus und Ar-
       beiterbewegung, Josef  Schleifstein zum 65. Geburtstag, Frankfurt
       am Main 1980, S. 105
       

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