Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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       ARBEITSPLATZ HAMBURG
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       Regionalökonomie und -politik in Hamburg in den siebziger Jahren
       ----------------------------------------------------------------
       
       Fritz Fiehler
       
       1. Die  Probleme der Hamburger Metropole in der norddeutschen Re-
       gion -  2. Wirtschaftsstruktur und Entwicklung Hamburgs - 2.1 Die
       verarbeitende Industrie  Hamburgs -  2.2 Die Bedeutung von Handel
       und Verkehr  - 2.3  Banken und  Versicherungen Hamburgs - 2.4 Die
       Dienstleistungen -  2.5 Öffentlicher Dienst - 3. Wirtschaftspoli-
       tik in Hamburg.
       
       Mit der  vorliegenden Arbeit  wird der Versuch unternommen, Mate-
       rialien für die Analyse der ökonomischen und sozialen Entwicklung
       einer regionalen  Metropole, Hamburgs,  zusammenzutragen. Die Ar-
       beit knüpft  insofern an  andere Untersuchungen  zur Regionalent-
       wicklung und  Raumökonomie an, die in den "Marxistischen Studien"
       bisher erschienen.  *) Im  Mittelpunkt steht  die Frage  nach den
       Entwicklungsbedingungen und  -perspektiven der Beschäftigungsver-
       hältnisse in Hamburg. Dabei werden Umfang und Ursachen der Verän-
       derung der  hamburgischen Wirtschaftsstruktur  auf der  Ebene der
       Wirtschaftssektoren und Industriezweige genauer untersucht.
       Für die Ausarbeitung einer wirtschafts- und sozialpolitischen Al-
       ternativstrategie der Arbeiterbewegung sind jedoch noch weiterge-
       hende analytische  Schritte erforderlich.  Das betrifft insbeson-
       dere die  Untersuchung der Auswirkungen der monopolistischen Kon-
       kurrenz auf  die Entwicklung der einzelnen Wirtschafts- und Indu-
       striezweige der  Stadt. Das  betrifft weiterhin  die Untersuchung
       der Folgen  staatsmonopolistischer Wirtschafts- und Strukturpoli-
       tik, wobei  auf dieser  Ebene auch  die Einbindung  der Hamburger
       Wirtschaftsentwicklung in  den Gesamtzusammenhang staatsmonopoli-
       stischer Wirtschafts-  und Regionalpolitik in der BRD in Rechnung
       zu stellen  wäre. Hier  liegen also  die Grenzen der vorliegenden
       Arbeit, weswegen  auch noch  auf die Formulierung von Grundlinien
       einer wirtschaftspolitischen Alternativstrategie verzichtet wird.
       
       1. Die Probleme der Hamburger Metropole
       ---------------------------------------
       in der norddeutschen Region
       ---------------------------
       
       Die Geschichte  Hamburgs ist  die einer  Handels- und Hafenstadt.
       Während die  unter der Ägide des kaufmännischen Kapitals entstan-
       dene Industrie  durch die  lokale Eigentümlichkeit "besondre Pro-
       duktionszweige an  besondre Distrikte eines Landes bannt" 1), be-
       ginnt das Kapital auf Basis der großen Industrie die territoriale
       Teilung der  Arbeit von  der eigentümlichen  Lokalität zu  lösen,
       "woraus sich  der Verfall alter und das Aufkommen neuer Produkti-
       onszentren mit  veränderten Transport-  und Kommunikationsmitteln
       erklärt." 2)  Unter der  Bedingung des  entwickelten Kapitalismus
       hat sich für Hamburg die Steigerung der Produktivkraft der Trans-
       portarbeit als maßgeblich erwiesen.
       Der industrielle  Zyklus  hat  Hamburg  die  Beschränkung  seiner
       selbst als Handels- und Hafenstadt bald mehr, bald weniger spüren
       lassen. Es  heißt, wenn die Weltwirtschaft den Schnupfen bekommt,
       ist Hamburgs  Hafen nicht  weit von  einer Lungenentzündung  ent-
       fernt. 3) So sind den Rückwirkungen des Weltmarkts jeweils Versu-
       che Hamburgs  gefolgt, sich  mittels Hafenausbau und Industriean-
       siedlung die Konkurrenzfähigkeit als Elbmetropole zu erhalten. 4)
       Es wurden  der Containerverkehr  erweitert, Anlagen  für den  Um-
       schlag von Massengut errichtet, das Verkehrsnetz ausgebaut, Indu-
       strie angesiedelt,  Kraftwerke erbaut.  Die  Weltwirtschaftskrise
       1974/75, die  Auseinandersetzungen um  Brokdorf 1976   5) und die
       Werftenkrise 1977/78  haben einen  Strich durch die bisherige re-
       gionalpolitische Rechnung  gezogen. Die nachlassende Akkumulation
       verringert die  Zahl ansiedlungswilliger  Kapitale, schränkt  die
       ökonomische Potenz des Staates ein und läßt die regionalen Gegen-
       sätze hervortreten.  Das Gewicht der Agrikultur, die Probleme der
       Werftindustrie, die  industrielle Auszehrung durch Rücknahme vor-
       mals ausgelagerter  Produktionsstätten und  die  Abwanderung  von
       qualifizierten    Arbeitskräften    machen    die    norddeutsche
       'Strukturschwäche' aus.  Selbst unter der Annahme eines künftigen
       Aufschwungs würde  es dem  norddeutschen Kapital an Expansivkraft
       mangeln. Die  Konkurrenz Rotterdams  hat die Umlenkung der Waren-
       ströme durch  die Scheide in die Rhein/Main-Metropole bewirkt und
       bedroht Hamburgs  Funktion als  Hafen- und Handelsstadt. Entspre-
       chend öffnet  sich die  Schere der  Daten für  Bevölkerungs-, Er-
       werbstätigen- und  Bruttoinlandsproduktsentwicklung zwischen Ham-
       burg, Norddeutschland und der BRD.
       
       Tabelle 1:
       Zuwachsraten von  Wohnbevölkerung, Erwerbstätigkeit und Bruttoin-
       landsprodukt der  BRD, Norddeutschlands (1) und Hamburgs von 1970
       bis 1978 in v.H.
       
       Bereich     Wohnbevölkerung  Erwerbstätigkeit  BIP in Preisen von
                                                            1970
       
       BRD              +1,1            +0,3               +23,5
       Norddeutschland  +0,8            +2,8               +22,4
       Hamburg          -6,8            -6,0               +15,9
       _____
       Quelle: Berechnet nach den Angaben des Stat. Bundesamtes.
       (1) Norddeutschland: Schleswig-Holstein,  Hamburg,  Niedersachsen
       und Bremen.
       
       Die Entwicklung  Hamburgs zu  einem eigenständigen  industriellen
       Produktionszentrum ist  ausgeblieben und  seine Funktion als Han-
       dels- und Hafenstadt bedroht. Angesichts der Arbeitsplatzvernich-
       tung, Wohnungsnot,  Stadtflucht und  kommunalen Verschuldung Ham-
       burgs stellen sich die Fragen, inwieweit der Arbeitsplatz Hamburg
       verbessert und  erweitert werden  kann, inwiefern  der  Industrie
       oder dem  Dienstleistungswesen der  Vorrang zu  geben ist und wie
       sich Wirtschafts-  und Wohnfunktion der Stadt miteinander verein-
       baren lassen. 6)
       
       2. Wirtschaftsstruktur und Entwicklung Hamburgs
       -----------------------------------------------
       
       Einer städtischen  Metropole gemäß  verteilen sich in Hamburg die
       Erwerbstätigen zu zwei Drittel auf den Tertiärsektor und zu knapp
       einem Drittel  auf den  Sekundärsektor, während  der Primärsektor
       unbedeutend ist.
       
       Tabelle 2:
       Die Verteilung  der Erwerbstätigen  auf die  Sektoren Hamburgs in
       1 000
       
       Jahr    Erwerbstätige
               insgesamt      Primärsektor  Sekundärsektor  Tertärsektor
       
       1970       796             13             292            492
       1971       804             12             291            501
       1972       817              5             276            536
       1973       809              6             265            539
       1974       796              7             271            517
       1975       752              5             259            488
       1976       744              9             235            500
       1977       734             10             225            502
       1978       748              9             228            511
       _____
       Quelle: Stat. Bundesamt  (Hrsg), Bevölkerungsstruktur  und  Wirt-
       schaftskraft der Bundesländer 1979, S. 60 f
       
       Aus  dieser   Verteilung  ist   die  Vorstellung  erwachsen,  die
       "postindustrielle" Gesellschaft  würde sich durch das Übergewicht
       des Tertiärsektors  als Dienstleistungsgesellschaft  auszeichnen.
       Dem Rückgang  der Industrie entspräche die Zunahme der Dienstlei-
       stungen, aus freigesetzten Arbeitern würden Angestellte.
       Gegen diese  Auffassungen lassen sich vorab zwei Argumente anfüh-
       ren. Einmal  ist der  Statistik (vgl. Tab. 2) deutlich zu entneh-
       men, daß der Tertiärsektor nicht unabhängig vom industriellen Zy-
       klus ist. Auf der Basis einer längeren Periode beschleunigter Ak-
       kumulation kommt es Anfang der siebziger Jahre zur Entfaltung des
       Tertiärsektors, wobei  der Beschäftigungshöhepunkt  von 1973 auch
       nach der Weltwirtschaftskrise 1974/75 nicht wieder erreicht wird.
       Das gewachsene  Gewicht des  Tertiärsektors nach  1974/75 ist un-
       trennbar mit  dem Rückgang des Sekundärsektors verbunden. Nur von
       1971 bis  1973 hat  der Tertiärsektor  eine Kompensationsfunktion
       besessen. Nach  den Anteilen  an der  gesamtwirtschaftlichen Lei-
       stung trägt  er knapp  zwei Drittel,  wobei sich sein Gewicht von
       1970 bis 1978 verstärkt hat (vgl. Tab. 3). Allerdings verzeichnen
       die Bereiche  des Tertiärsektors unterschiedliche Zuwächse, wobei
       Handel und  Verkehr den  niedrigsten Zuwachs haben. Der Vergleich
       mit anderen  städtischen Metropolen  zeigt, daß Hamburg sich kei-
       neswegs als  die "Dienstleistungsmetropole"  auszeichnet. Berück-
       sichtigt man  ferner, daß  die Transport- und Kommunikationsindu-
       strie Produktionsprozesse innerhalb des Zirkulationsprozesses des
       Kapitals darstellen,  dann ist  der Leistungsanteil  des  Sektors
       Verkehr und Nachrichtenübermittlung noch dem Sekundärsektor resp.
       der verarbeitenden  Industrie zuzuschlagen.  7) Die  Struktur der
       Elbmetropole wird  demnach stärker  als angenommen  von der indu-
       striellen Basis geprägt.
       
       Tabelle 3:
       Anteile der Sektoren an der Bruttowertschöpfung Hamburgs 1970 und
       1978 (in v.H.)
       
       Sektor           1970     1978
       
       Primärsektor      0,7      0,7
       Sekundärsektor   40,7     35,5
       Tertiärsektor    58,6     63,8
       davon
       Handel/Verkehr   27,4     27,7
       Dienstleistungen 22,1     25,2
       Staat             9,1     10,9
       _____
       Quelle: Statistisches Landesamt Hamburg (Hrsg), Statistisches Ta-
       schenbuch 1979, Hamburg 1979
       
       Die Entwicklung  Hamburgs wird  bestimmt durch  den industriellen
       Zyklus des  Kapitals in  der BRD.  Danach stellt  sich nach einer
       längeren Periode  der beschleunigten  Akkumulation eine  Wende zu
       Beginn der  siebziger Jahre ein, die mit der Weltwirtschaftskrise
       bestimmend wird.  Der folgende  Aufschwung erweist  sich  als  zu
       schwach, um  die Krisenfolgen  abzubauen. Der gegenwärtige Zyklus
       (1975-1981) bleibt  im Schatten  nachlassender Akkumulation, Mas-
       senarbeitslosigkeit  und  schwindender  ökonomischer  Potenz  des
       Staates. 8)
       Hamburg wird vom Zykluswechsel 1971/72 stärker in Anspruch genom-
       men, ist  vom Wechsel  in der  Akkumulation früher  betroffen und
       wirkt mit einem kleineren Anteil an der gesellschaftlichen Reich-
       tumsproduktion (vgl.  Tab. 4).  Eine nachträgliche  Wiederanglei-
       chung scheint sich im gegenwärtigen Zyklus anzubahnen.
       Mit der nachlassenden Akkumulation ist ein Beschäftigungsrückgang
       verbunden, der  zunächst durch  die Zunahme  der Dienstleistungen
       kompensiert wird,  nach 1974/75  allerdings unverkennbar  zutage-
       tritt. Hamburg bleibt hinter der wirtschaftlichen Entwicklung der
       BRD und  der Norddeutschlands  zurück. Dies gilt insbesondere für
       die verarbeitende  Industrie. Handel  und  Verkehr  erzielen  nur
       durchschnittliche Resultate  trotz  ihres  überdurchschnittlichen
       Gewichts.
       
       Tabelle 4:
       Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts der BRD und Hamburgs sowie
       Anteil Hamburgs am Bruttoinlandsprodukt der BRD in v.H.
       
       Jahr     BRD     HH     Anteil Hamburgs
       
       1970    +6,0    +5,8        4,9
       1971    +3,2    +0,8        4,8
       1972    +3,7    +1,7        4,7
       1973    +4,9    +0,0        4,5
       1974    +0,5    -1,0        4,4
       1975    -2,1    -1,6        4,5
       1976    +5,6    +9,5        4,6
       1977    +2,6    +2,9        4,7
       1978    +3,2    +2,8        4,6
       _____
       Quelle: Zusammengestellt und  errechnet nach:  Statistisches Lan-
       desamt Hamburg (Hrsg.), Statistisches Taschenbuch, lfd., Hamburg.
       
       2.1 Die verarbeitende Industrie Hamburgs
       ----------------------------------------
       
       Das Problem  des Arbeitsplatzes Hamburg konzentriert sich auf die
       verarbeitende Industrie,  in der  zwischen 1970  und 1978  64 000
       Arbeitsplätze oder  22 v.H. abgebaut wurden (vgl. Tab. 2). Dieser
       Arbeitsplatzabbau konnte  durch die Ausweitung des Tertiärsektors
       um 19 000  Arbeitsplätze nicht  wettgemacht werden. Inwieweit der
       Verlust von  gut einem Fünftel der Arbeitsplätze der verarbeiten-
       den Industrie  auf den Wechsel in der Akkumulation, auf Struktur-
       wandel, industriellen  Funktionsverlust,  technische  Umwälzungen
       oder Industrieverlagerungen  zurückzuführen ist, 'wird im folgen-
       den untersucht.
       Eine differenzierte  Betrachtung zeigt,  daß über  die Hälfte des
       industriellen Arbeitsplatzverlustes  auf die Investitionsgüterin-
       dustrie entfällt (vgl. Tab. 5).
       
       Industrieabteilungen
       Die  ausschlaggebende  Bedeutung  der  Investitionsgüterindustrie
       steht vor dem Hintergrund einer Umstrukturierung der Industrie in
       Hamburg während der sechziger Jahre, die schneller als in der BRD
       das Schwergewicht  auf die Grundstoff-/Produktionsgüter-industrie
       und Investitionsgüterindustrie verlagert hat. 9) Der industrielle
       Beschäftigungsanteil dieser  Abteilung lag  1962 bei 72,1 v.H. in
       Hamburg gegenüber  67,1 v.H. in der BRD und erhöhte sich bis 1973
       in Hamburg  auf 75,8 v.H., in der BRD auf 70 v.H. 10) Die Heraus-
       bildung der  Abteilung zur  Produktion von  Produktionsmitteln im
       Zuge einer  Periode beschleunigter  Akkumulation vollzog sich auf
       der Grundlage der Schiffbauindustrie und der rohstoffverarbeiten-
       den Industrien.  Der Niedergang der Hamburger Schiffbauindustrie,
       die Veränderungen  auf dem Rohstoffmarkt und die nachlassende Ak-
       kumulation haben die "reale Basis der Kapitalakkumulation" 11) in
       die Krise  getrieben. Das Gewicht der Grundstoff-, Produktionsgü-
       ter- und Investitionsgüterindustrie, deren industrieller Beschäf-
       tigungsanteil in  Hamburg im  Jahre 1978  bei 77 v.H., in der BRD
       bei 72  v.H. lag  12), könnte  nur gehalten werden, wenn entweder
       Hamburgs Funktion  als Hafen-  und Handelsstadt  weiter ausgebaut
       würde oder  eine beschleunigte  Industrialisierung die  Hamburger
       Region zu  einem zweiten Ruhrgebiet werden ließe. Ein industriel-
       les Produktionszentrum  setzt aber nicht nur die massenhafte Pro-
       duktion von  Produktionsmitteln am  Ort, sondern auch deren Markt
       vor Ort  voraus. Die  Frage nach dem industriellen Strukturwandel
       in Hamburg  soll anhand der Industriezweige für den Zeitraum 1970
       bis 1978 erörtert werden.
       
       Tabelle 5:
       Beschäftigung in  der verarbeitenden  Industrie Hamburgs 1970 und
       1978
       
       Industrie                    1970    1978   Veränderungen in v.H.
       Grundstoff- und
       Produktionsgüterindustrie    67 744  61 788       -8,8
       Chemische Industrie          17 770  15 402      -13,3
       Gummi- u. Asbestverarbeit.   12 657   7 170      -56,6
       Mineralölverarbeitung        10 734  10 060       -6,3
       NE-Metallindustrie            3 602   4 896      +35,9
       Feinmechanik u. Optik         3 428   3 191       -6,2
       Investitionsgüterindustrie  149 796 113 772      -25,0
       Maschinenbauindustrie        27 964  18 645      -43,3
       Elektroindustrie             26 655  22 649      -15,0
       Schiffbauindustrie           20 046  14 618      -27,1
       EBM-Industrie                 6 001   2 607      -56,5
       Straßenfahrzeugindustrie      5 098   6 734      +32,1
       Verbrauchsgüterindustrie     32 704  22 572      +31,0
       Druckindustrie               10 799   6 813      -67,5
       Bekleidungsindustrie          3 086  10 007     +324,3
       Papierverarbeitung            2 948   1 894      -35,7
       Textilindustrie               1 240     306      -75,3
       Nahrungs- u. Genußmittelind. 41 756  29 868      -28,5
       Süßwarenindustrie             3 485   3 398       -2,5
       Kaffee u. Teeverarbeitung     3 246   2 038 '    -37,1
       Brauereien                    3 177   2 233      -29,7
       Ölmühlen                      1 718   1 423      -18,1
       _____
       Quelle: Zusammengestellt nach  statistischen Angaben  der Bürger-
       schaftenquete 1975 und der Hamburgischen Landesbank
       
       Grundstoff-und Produktionsgüterindustrie
       Als Hafen  und Handelsstadt ist Hamburg Ort des Umschlags und der
       Verarbeitung von Rohstoffen für die Großindustrie. Die Mineralöl-
       und Chemieindustrie  sowie die Gummi- und Asbestverarbeitung prä-
       gen die  Hamburger Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie. Ihr
       industrieller Beschäftigungsanteil  von 1970   23,2 v.H. hat sich
       durch  unterdurchschnittliche  Arbeitsplatzvernichtung  auf  27,1
       v.H. 1978  erhöht. Der  M i n e r a l ö l i n d u s t r i e  wird
       in diesem  Bereich eine  entscheidende Rolle zugemessen, weil sie
       zu den  umsatzstärksten Industriezweigen  zählt und  Hamburg Sitz
       multinationaler Konzerne  wie BP,  Shell, Texaco,  Esso und Mobil
       Oil ist.  Dabei wird  übersehen, daß im Umsatz der Mineralölindu-
       strie ein  beträchtlicher Steueranteil  enthalten ist und daß die
       Raffinerieanlagen den  Produktionszentren gefolgt  sind,  wodurch
       Hamburg erheblich  am Anteil  des Rohölimports  verloren hat. Die
       Verlagerung  der  Raffinerieorte  hat  zur  Umstrukturierung  der
       c h e m i s c h e n  I n d u s t r i e  geführt. Während die Che-
       mie in  der BRD  zu zwei  Drittel für die Produktion und zu einem
       Drittel für  den Konsum arbeitet, hat sich das Verhältnis in Ham-
       burg genau  umgekehrt. Die  Umstellung ist über Rationalisierung,
       Produktionsverlagerung und  Betriebseinstellungen erfolgt. Ebenso
       wie die Mineralölindustrie ist die chemische Industrie weitgehend
       konzentriert und  zentralisiert, da  von den über 15 000 Beschäf-
       tigten in  über 100  Betrieben allein über 58% in 7 Betrieben zu-
       sammengefaßt sind. 13)
       Während in  der   G u m m i-  u n d  A s b e s t v e r a r b e i-
       t u n g   eine rücksichtslose  Arbeitsplatzvernichtung von  5 487
       Arbeitsplätzen  betrieben  wurde  14),  konnte  die    N E - M e-
       t a l l i n d u s t r i e  eine Ausweitung um 1 294 Arbeitsplätze
       verzeichnen. Diese Arbeitsplatzzunahme ist durch einen hohen Sub-
       ventionsaufwand, Verbilligung  der Energie  für eine der energie-
       aufwendigsten Produktionen und eine gemeingefährliche Umweltbela-
       stung erkauft worden, ohne jedoch eine Trendmodifikation erzielen
       zu können. 15)
       In der  Grundstoff- und  Produktionsgüterindustrie kann von einer
       'breiten Branchenpalette und dem besonderen Gewicht mittlerer und
       kleinerer Betriebe'  16) nicht gesprochen werden. Weltmarktabhän-
       gigkeit und  begrenzte industrielle  Nachfrage vor Ort lassen der
       Hamburger Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie nur einen en-
       gen Spielraum.
       
       Investitionsgüterindustrie
       Insbesondere der  Kern der  verarbeitenden Industrie Hamburgs hat
       sich bisher  nicht von seiner überkommenen Struktur lösen können.
       Über die   S c h i f f b a u i n d u s t r i e   hatten  sich Me-
       tallgießereien, Maschinenbau und Elektroindustrie entwickelt. Der
       verspätete Versuch  der Hamburger  Werften, am Neubaugeschäft von
       Tankern und  Massengutschiffen Anfang  der siebziger  Jahre  noch
       teilzuhaben, scheiterte  einerseits an  den  Fusionsverhandlungen
       zwischen der  Blohm &  Voss AG und der HDW AG und andererseits an
       den sich abzeichnenden Überkapazitäten in der Weltschiffahrt. 17)
       Mit der  Werftenkrise 1977   18)  erfolgte der Rückzug der HDW AG
       nach Kiel und die beschleunigte Umstellung auf Rüstungsproduktion
       (Panzer und  Fregatten) bei Blohm & Voss AG. 19) Das umfangreiche
       Werfthilfsprogramm löste nicht die verlangte Diversifizierung mit
       Ausnahme der  Rüstungsproduktion aus, sondern bestärkte die Werf-
       ten in der weiteren Spezialisierung im Neubau unter dem gegebenen
       Konkurrenzdruck. Mit  in den Niedergang des Schiffbaus in Hamburg
       wurden die  Metallgußindustrie, die Eisen-, Blech- und Metallver-
       arbeitende Industrie und der Stahlbau gezogen. Direkt und vermit-
       telt über  die Zulieferindustrien  blieb diese  Entwicklung nicht
       ohne Auswirkungen  für den  für lange Zeit größten Industriezweig
       Hamburgs, die   M a s c h i n e n h a u i n d u s t r i e,  deren
       Beschäftigungszahl sich um über ein Drittel reduziert hat. 20)
       Mit 22 649 Beschäftigten ist die  E l e k t r o i n d u s t r i e
       als größter  Industriezweig Hamburgs inzwischen an die Stelle des
       Maschinenbaus getreten.  Im Gegensatz  zum  übrigen  Bundesgebiet
       liegt ihr  Schwergewicht auf  der  Produktion  elektrotechnischer
       Produktionsmittel und weniger bei Konsumtionsmitteln.
       Den schärfsten Einbruch in Beschäftigung (-57 v.H.), Zahl der Be-
       triebe (-59 v.H.) und Umsatz (-17,2 v.H.) verzeichnet die Eisen-,
       Blech- und Metallverarbeitende Industrie. Ebenso von Strukturwan-
       del und  Stoffsubstitution betroffen  wurden die  Stahlverformung
       sowie die Stahl- und Leichtmetallindustrie. 21) Als expandierende
       Industriezweige bleiben  Feinmechanik und Optik, Kraftfahrzeugbau
       und Flugzeugbau  übrig, wobei  deren absolute Größe mittelfristig
       für die  Entwicklung der  Investitionsgüterindustrie kaum ins Ge-
       wicht fallen wird. Spezialisierte Produktion, Betriebsableger von
       Konzernen, Beteiligung  an Rüstungsproduktion  und Staatsbeteili-
       gung beispielsweise  bei MBB  stellen diese Industriezweige unter
       labile Sonderbedingungen. 22)
       
       Verbrauchsgüterindustrie
       Der Bereich der Verbrauchsgüterindustrie, der ohnehin verhältnis-
       mäßig klein ist, hat fast ein Drittel seiner Beschäftigung verlo-
       ren. Nach  dem Niedergang  der  T e x t i l-  u n d  B e k l e i-
       d u n g s i n d u s t r i e     wird  der   Bereich   durch   die
       D r u c k-    u n d    V e r v i e l f ä l t i g u n g s i n d u-
       s t r i e   mit den  großen Verlagshäusern  Bauer,  Springer  und
       Grüner +  Jahr geprägt. Die überdurchschnittliche Beschäftigungs-
       reduzierung in  der Druckindustrie  rührt einmal  von technischen
       Umwälzungen her. 23)
       Zum anderen  haben in der Druckindustrie Rationalisierung und Be-
       triebsverlagerungen gewirkt.  Von dieser  Entwicklung wurde  auch
       die Papier-  und Pappeverarbeitende Industrie geprägt. Waren 1970
       in Hamburg  noch doppelt  soviele Betriebe  wie in Schleswig-Hol-
       stein verbanden, so hat sich dieses Verhältnis bis 1978 genau um-
       gekehrt 24).  Einen an  die Substanz gehenden Schrumpfungsprozess
       hat die  Holzverarbeitende Industrie mit der Halbierung ihrer Be-
       schäftigung durchgemacht.
       
       Nahrungs- und Genußmittelindustrie
       Die Bedeutung  der Nahrungs- und Genußmittelindustrie ergibt sich
       einmal aus Hamburgs Funktion als Umschlagsort für Rohstoffe, dann
       aus der großstädtischen Marktgröße und schließlich aus der Metro-
       polfunktion Hamburgs  in der norddeutschen Landwirtschaft. Bisher
       galt für  einen bedeutenden  Teil der  hier anzutreffenden  Indu-
       striezweige eine  große Abhängigkeit  von der  örtlichen Nähe zum
       Markt. 25)
       Durch Veränderungen  in der  Verarbeitung und  der Verpackung ist
       die räumliche  Zirkulationsweite der  Waren der Nahrungs- und Ge-
       nußmittelindustrie jedoch  ausgedehnt worden, was einerseits wei-
       tere industrielle  Produktion gegenüber  dem Handwerk  ermöglicht
       und andererseits  Konkurrenz gegenüber  regionalen Monopolen nach
       sich zieht.  Schließlich wird dieser Industriebereich auch gegen-
       über Verteuerung  und Verknappung  des Bodens reagibler, was Pro-
       duktionsverlagerungen ins Umland zur Folge hatte.
       Der herrschenden  Auffassung, Hamburg  besitze  eine  ausgewogene
       Struktur, eine  günstige Produktionspalette  und durchlaufe einen
       erfolgreichen Strukturwandel,  kann nach der Erörterung der Indu-
       striezweige nicht zugestimmt werden. Das Gros der Industriezweige
       hängt wesentlich  vom Transport-  und Kommunikationswesen ab. Von
       der Größe  her konnten  die Industriezweige  mit rückläufiger Be-
       schäftigung nicht  durch die expandierenden Industriezweige abge-
       löst werden.  Gleichfalls hält  man sich  die 'vorwiegend mittel-
       ständische Struktur  der Hamburger  Industrie' zugute. Im Bereich
       der Produktionsgüter-  und Investitionsgüterindustrie  gilt  dies
       insbesondere für  die Maschinenbauindustrie. In einigen Bereichen
       hat sich  eine solche  Struktur auch  als Nachteil  erwiesen,  da
       nachlassende Akkumulation,  Umwälzung und regionale Randlage eher
       von größeren  Kapitalen ausgeglichen werden können. Eine Betrach-
       tung der  umsatzstärksten Konzerne  zeigt, daß der Sitz der Mine-
       ralölkonzerne in Hamburg nicht mit einem entsprechenden Produkti-
       onsschwerpunkt korrespondiert, daß andere Konzerne Hamburg als je
       nach Konjunktur  wieder abberufbare Produktionsnebenstätte behan-
       deln und  daß jeweils spezialisiertere Produktionsstätten betrie-
       ben werden. 26)
       Von 1967  bis 1976  sind 94  Industriebetriebe mit etwa 7 300 Ar-
       beitskräften ins  Hamburger Umland  abgewandert. 27) Die über den
       Hamburger Zuwächsen  liegenden Raten der Betriebezahlen, Beschäf-
       tigungszunahmen und Umsätze des Umlandes zeigen, daß ein erhebli-
       cher Teil der Kapitalakkumulation dorthin verlegt worden ist, der
       über das  Maß der reinen Industriebetriebsverlagerungen hinausge-
       hen dürfte.  Diese Industrieverlagerungen ziehen einen steigenden
       Wirtschafts-und Personenverkehr  nach  sich,  sie  schmälern  das
       Steueraufkommen des  Hamburgischen Staates und erhöhen die Ausga-
       ben für den Ausbau der Infrastruktur erheblich.
       
       2.2 Die Bedeutung von Handel und Verkehr
       ----------------------------------------
       
       Hamburgs Anteil  am auswärtigen  Handel der  BRD hat  sich in den
       sechziger Jahren  verringert und stagnierte in den siebziger Jah-
       ren. Der  mit dem Zusammenschluß zur EG gestiegene innerkontinen-
       tale Handel,  der sprunghaft gewachsene Handel mit den OPEC-Staa-
       ten und  der Beginn  des Ost-West-Handels  veränderten die Waren-
       ströme erheblich.  Regionale Umschichtungen zugunsten Europas und
       zulasten des  Überseehandels sowie  Veränderungen in  der  Waren-
       struktur mit  wachsendem Gewicht  der Rohstoffe  bei Abnahme  der
       Nahrungsmittel waren  die Folge.  Die wichtigsten Außenhandelsbe-
       ziehungen entwickelten  sich mit  den Niederlanden, USA, Großbri-
       tannien und  den Ölländern 28). Diese Veränderungen in den Außen-
       handelsbeziehungen verlangten  immense Investitionen  für die Ha-
       fen- und Verkehrswirtschaft. Die Vertiefung der Elbe, der Bau des
       Elbe-Seiten-Kanals, die  Köhlbrandbrücke, der Ausbau der Autobahn
       mit dem  Bau des  Elbetunnels, die Anlage des Rangierbahnhofs Ma-
       schen  und  der  Bau  von  Containerumschlagsanlagen,  Massengut-
       umschlagsplätzen und  Hafenerweiterungen haben  Hamburgs Posttion
       in der  Konkurrenz mit  anderen Häfen erhalten können. 29) Obwohl
       nur 13 000 Personen im Hafengüterumschlag beschäftigt sind, zählt
       die  Seeverkehrswirtschaft  50  000  Beschäftigte  und  es  wird,
       Zulieferbetriebe eingeschlossen,  mit 100 000 hafenabhängigen Ar-
       beitsplätzen gerechnet.  Dabei ist  die  Hafenumschlagsarbeit  in
       starkem Maße  technisch revolutioniert  worden. 30) Die Verflech-
       tung der  Hafenwirtschaft mit  anderen Wirtschaftsbereichen  Ham-
       burgs wird  deutlich, wenn  man sich vergegenwärtigt, mit welchen
       Wirkungen eine  Veränderung der  Schichtzeiten der  Hafenarbeiter
       verbunden ist.  31) Die technischen Umwälzungen in der Schiffahrt
       mit dem "Schiff der Zukunft" 32) werden für den Hafen den Einsatz
       entwickelter Umschlagstechnik  und größerer Hafenflächen zur Kon-
       sequenz haben.
       Nachdem sich  Hamburg den weiteren Hafenausbau entlang der tiefe-
       ren Südelbe  durch den  die Schiffsgrößen  beschränkenden Bau der
       Köhlbrandbrücke und  die Überlassung ausgedehntester Hafenflächen
       an die Mineralölkonzerne selbst verbaut hat, bleiben für den Aus-
       bau nur  der Köhlfleet  und die Norderelbe. Mit einer Vorverlage-
       rung der Hafenanlagen werden die Dörfer Altenwerder, Moorburg und
       Francop weichen  müssen. Der Ausbau an der Norderelbe wird einer-
       seits erhebliche  Elbvertiefungsmaßnahmen und  andererseits  Ver-
       kehrsausbaumaßnahmen durch  die Innenstadt  nach sich ziehen. 33)
       Weitere Anlagen  für die  Binnenschiffahrt, den Kraftwagenverkehr
       und die Deutsche Bundesbahn werden folgen. 34)
       Der Arbeitsplatzabbau  im Handel  um 12 v.H. auf 175 000 Beschäf-
       tigte ging in erster Linie zu Lasten des Großhandels und der Han-
       delsvermittlung. Das Eindringen der elektronischen Datenverarbei-
       tung wird  eine weitere Arbeitsplatzvernichtung bewirken, bei der
       die Position  der Kaufhauskonzerne  und des Facheinzelhandels mit
       Filialen stärker werden wird. 35)
       Hinter dem minimalen Rückgang des Bereiches Verkehr und Nachrich-
       tenübermittlung verbergen  sich Verschiebungen zugunsten der Kom-
       munikationsindustrie, der  Transportmakler  und  zuungunsten  der
       Transportindustrie, in  denen die Arbeitsplatzvernichtung des Ha-
       fens und der Bundesbahn ihren Niederschlag finden. 36)
       
       2.3 Banken und Versicherungen
       -----------------------------
       
       In der BRD hat sich Hamburg zur zweiten Bankmetropole nach Frank-
       furt entwickelt.  Seit 1968 ist dabei ein Strukturwandel im Bank-
       wesen zu  beobachten 37). Zunächst hat die rasante Ausdehnung des
       Filialnetzes ihr Ende gefunden, seitdem die Lohn- und Gehaltszah-
       lungen überwiegend  über Girokonten erledigt werden. Zugleich ha-
       ben ortsansässige  private und Spezialbanken an Terrain verloren.
       Trotz feststellbarer  Steigerung der  Kreditmasse ist  die  wirt-
       schaftliche Entwicklung  am Kreditwesen  nicht spurlos vorüberge-
       gangen. Der  mäßige Welthandel,  die nachlassende Investitionstä-
       tigkeit und die Konkurrenz anderer Kapitalmärkte zehren am bishe-
       rigen Kreditgefüge.  Die Bürorationalisierung  wird zum Abbau von
       Arbeitsplätzen im  Bankbereich führen,  da  Geschäftsausdehnungen
       kaum zu  erwarten sind.  Von dieser  Entwicklung dürfte ebenfalls
       der Versicherungsbereich  erfaßt werden.  38) Mit 49 000 Beschäf-
       tigten hat  somit das Kredit- und Versicherungsgewerbe vermutlich
       seinen Beschäftigungshöhepunkt überschritten.
       
       2.4 Die Dienstleistungen
       ------------------------
       
       Als Metropole besitzt Hamburg einen vielgliedrigen Tertiärsektor,
       dessen Gewicht  der Erwerbstätigkeit nach 1970/1978 von 62 auf 68
       v.H. gestiegen  ist (vgl.  Tab. 2). Soweit bisher Transport, Han-
       del, Kredit  und Versicherungen betrachtet wurden, ist diese Ent-
       wicklung Resultat unterschiedlicher Tendenzen. Gegenüber den bis-
       herigen Bereichen  fällt der Zuwachs der sonstigen Dienstleistun-
       gen um  23 v.H.  auf (vgl. Tab. 6). An den Dienstleistungsbereich
       knüpfen sich daher beschäftigungspolitische Erwartungen. Die Ham-
       burgische Landesbank  verweist in  ihrer Strukturuntersuchung auf
       die erheblichen  Schwierigkeiten, den  "Schwund an Arbeitsplätzen
       im sekundären  Sektor aufzufangen"  und legt  eine Förderung  des
       tertiären Sektors  nahe, da  dieser "noch weiter wachsen dürfte".
       39)
       
       Tabelle 6:
       Beschäftigte des Tertiärsektors Hamburgs 1970,1975 und 1980
       
       Bereich                               1970      1975      1980
       
       Handel                             199 600   180 500   175 000
       - Großhandel/Handelsvermittlung     97 600    86 000    83 000
       - Einzelhandel                     102 000    94 500    92 000
       Verkehr, Nachrichtenübermittlung   125 500   129 300   124 000
       - Verkehr                           98 700    98 300    92 000
       - Nachrichtenübermittlung           26 800    31 000    32 000
       Kreditinstitute,
       Versicherungsunternehmen            46 500    48 400    49 000
       Wohnungsvermietung                       -         -         -
       Sonstige Dienstleistungen          132 000   144 600   162 000
       - Gaststätten, Beherbergungsgewerbe 24 000    23 000    24 000
       - Wissenschaft, Bildung,
       Kunst, Publizistik                  18 000    22 000    24 000
       - Gesundheits- u. Veterinärwesen    13 000    15 000    19 000
       - Übrige Dienstleistungen           77 000    84 600    95 000
       Öffentliche Dienstleistungen       103 000   120 200   123 000
       Organisationen ohne
       Erwerbscharakter                    23 000    25 000    27 000
       _____
       Quelle: Hamburgische Landesbank  (Hrsg), Dienstleistungsmetropole
       Hamburg, Hamburg 1980
       
       Eine Prüfung  dieser beschäftigungspolitischen  Erwartung ergibt,
       daß  zunächst  der  Bereich    G a s t s t ä t t e n / B e h e r-
       b e r g u n g,   der der Größenordnung nach an erster Stelle ran-
       giert, unter  Berücksichtigung erheblicher Veränderungen beschäf-
       tigungsmäßig stagniert,  obwohl beachtliche  öffentliche Anstren-
       gungen unternommen worden sind, Hamburgs Funktion als Messestadt,
       Unterhaltungsort  und   touristisches  Ziel  auszubauen.  Um  ein
       Drittel zugenommen  hat der  Bereich    W i s s e n s c h a f t /
       B i l d u n g / K u n s t / P u b l i z i s t i k,     wobei  die
       Entwicklung der  Nachrichtenübermittlung/Presse maßgeblich betei-
       ligt ist.  Einen überdurchschnittlichen  Zuwachs hat  das    G e-
       s u n d h e i t s- / V e t e r i n ä r w e s e n    mit  über  45
       v.H. zu  verzeichnen. 40)  In der  Zunahme der übrigen Dienstlei-
       stungen  ist  ein  überdurchschnittlicher  Zuwachs  der  Bereiche
       R e c h t s- / W i r t s c h a f t s b e r a t u n g,      W e r-
       b u n g   und  G r u n d s t ü c k s v e r w a l t u n g / W o h-
       n u n g s w i r t s c h a f t   auf Kosten traditioneller Dienste
       (W ä s c h e r e i / R e i n i g u n g     und    F r i s e u r /
       K ö r p e r p f l e g e)  enthalten.
       Eine weitere  Ausdehnung  des  Dienstleistungsbereichs  kann  aus
       höchst unterschiedlichen  Bedingungen heraus  erfolgen, wobei der
       Dienstleistungssektor von  technischen Umwälzungen  der Büro- und
       Verwaltungsarbeit sowie Subsumtion dieser Dienste unter das Kapi-
       tal betroffen  ist. 41) Schließlich trügt das Bild vom Dienstlei-
       stungsgewerbe als  eines weniger  Kapital, Boden  und Umweltbela-
       stung verlangenden, also eines sich für einen bequemen beschäfti-
       gungspolitischen Ausweg  anbietenden Gewerbes,  da seine  Praxen,
       Büros und  Agenturen auf die Infrastruktur einer aufwendigen City
       angewiesen sind  und sich  für die  innerstädtischen Wohnbereiche
       als außerordentlich  zersetzend erweisen.  42)  Der  Arbeitsplatz
       Dienstleistung, der  sich durch  große Verschiedenheit  und  Zer-
       splitterung auszeichnet,  setzt die  Erweiterung der  produktiven
       Basis voraus und macht für seine bewußte Gestaltung weitreichende
       Reformen der Gesundheit, Bildung, Kultur usw. notwendig.
       
       2.5 Öffentlicher Dienst
       -----------------------
       
       Aus der  Struktur einer städtischen Metropole wie auch der beson-
       deren Funktion  Hamburgs erwachsen  zahlreiche öffentliche Aufga-
       ben, die von einem umfangreichen öffentlichen Dienst wahrgenommen
       werden müssen (vgl. Tab. 7). Der öffentliche Dienst bezieht seine
       ökonomische Potenz  aus dem  nach einem bestimmten Schlüssel zwi-
       schen Bund und Land aufgeteilten Steueraufkommen. Im Verlaufe der
       siebziger Jahre hat sich Hamburg in einem Ausmaß verschuldet, daß
       Tilgungs- und  Zinszahlungspflicht den  Umfang  der  öffentlichen
       Wirtschaftsförderung bereits übersteigen. 43)
       
       Tabelle 7:
       Der öffentliche Dienst in Hamburg 1970 und 1978
       
       Bereich              1970     1978    Veränderungen in v.H.
       
       Bundesdienststellen 51 385   47 886          -6,8
       Bundesbehörden       7 385    7 834          +6,1
       Bundesbahn          18 692   16 983          -9,1
       Bundespost          24 373   21 791         -10,6
       Sonstige               953    1 278         +34,1
       _____
       Quelle: Statistisches Landesamt  Hamburg (Hrsg), Statistische Ta-
       schenbücher
       
       Zunächst muß von einem größeren Schuldenstand zu Beginn der sieb-
       ziger Jahre  ausgegangen werden,  der für die Erweiterung des öf-
       fentlichen Dienstes,  die Industrieansiedlung, den Ausbau von Ha-
       fen, Verkehr  und Energie  in Kauf genommen wurde. Offensichtlich
       war diese Verschuldung mit der Erwartung einer weiteren beschleu-
       nigten Akkumulation in den siebziger Jahren verknüpft worden, die
       sich jedoch  als Trugschluß erwies. Die Steigerung des Steuerauf-
       kommens um  77 v.H.  blieb weit hinter der Ausgabensteigerung zu-
       rück.
       Der Senat reagierte auf den wirtschaftlichen Einbruch 1974/75 mit
       einer rigorosen  Sparpolitik, die  von 1974  bis 1977   7 000 Ar-
       beitsplätze kostete.  Neben dieser  Sparpolitik wirkte  sich  der
       Personalabbau der  Bundesbahn und  der Bundespost  aus, die neben
       den beschäftigungspolitischen  Wirkungen auch  eine Einschränkung
       der Transport-  und Kommunikationsfunktion Hamburgs nach sich zo-
       gen. Die 1978 erfolgte Wiederausdehnung des öffentlichen Dienstes
       konnte in keiner Weise den Erfordernissen nachkommen, wie Gesund-
       heits-, Bildungs- und Sozialpolitik beweisen. Mit der gegenwärti-
       gen Krise wird ein weiterer Personalabbau erwartet.
       
       3. Wirtschaftspolitik in Hamburg
       --------------------------------
       
       Zu Beginn der achtziger Jahre wird die Hamburger Wirtschaft immer
       noch von  den Wirkungen  der Krise 1974/75 geprägt. Arbeitslosig-
       keit, Rationalisierung und Abbau des sozialen und rechtlichen Be-
       sitzstandes machen  sich in  vollem Umfang  geltend. Die  1978/79
       einsetzende Konjunktur war zu einer Lösung der Krisenfolgen nicht
       in der  Lage. Eine  weitere zyklische Krise ist inzwischen einge-
       treten, und eine Rückkehr zu einer Periode beschleunigter Akkumu-
       lation wird  es in absehbarer Zeit nicht geben. Insofern gilt für
       Hamburg kein  anderer wirtschaftspolitischer Konflikt als für die
       BRD. 44)
       Seit Anfang der siebziger Jahre ist die Hamburger Industrie rück-
       läufig. Aus  dem Gewicht der Produktionsmittel produzierenden Ab-
       teilung  folgt,  daß  Hamburgs  Industriestruktur  in  überdurch-
       schnittlichem Maße  vom Gang  der Akkumulation  abhängig ist. Der
       Niedergang der Werftindustrie und die Rückzugstendenzen auswärti-
       ger Kapitale  wirken sich  verschärfend für  die  wirtschaftliche
       Lage aus.  Von einem  erfolgreichen Strukturwandel  der Hamburger
       Industrie kann  deshalb nicht die Rede sein, weil sich die Spezi-
       fik der  industriellen Zusammensetzung  nicht verändert hat, weil
       an die  Stelle der  niedergehenden Industriezweige keine aufstei-
       genden von entsprechender Größe getreten sind und weil sich keine
       Ansatzpunkte zu  veränderter Industrieverflechtung ergeben haben.
       Unter diesen  Bedingungen ist die Hamburger Industriestruktur be-
       sonders stark  danach ausgekämmt  worden, inwiefern sich die ein-
       zelnen Industriezweige als rationalisierungsstark erwiesen haben.
       Der unter städtischen Bedingungen beschränkten räumlichen Ausdeh-
       nungsfähigkeit wegen  haben sich eine Reihe von Betriebs- und Un-
       ternehmensverlagerungen ergeben. Hinsichtlich der Handelsfunktion
       hat Hamburg  den Verlust  am Außenhandel der BRD durch Gewinne am
       seewärtigen Handel  wettzumachen versucht, womit die Funktion als
       Transithafen und  Vermittler des  Ost-West-Handels gewachsen ist.
       Der Beschäftigungsrückgang  in der  Transportindustrie steht  vor
       dem Hintergrund  großer Kapitalumwälzungen,  an  denen  sich  der
       Staat umfassend  beteiligt hat.  Ein weiterer  Ausbau des Hafens,
       der Eisenbahn und des Straßenverkehrs steht nach dieser Logik be-
       vor, ohne  daß Realisierungschancen  und Perspektiven geklärt wä-
       ren. Obwohl  die Hafen- und Handelsfunktionen Hamburgs die Grund-
       lage für  einen gewichtigen Banken- und Versicherungssektor gibt,
       dürfte dieser  Sektor doch  seinen Zenit  überschritten haben, da
       Kredite für  den Außenhandel  nachlassen, für den Schiffsbau weg-
       fallen und  für den  Wohnungsbau mit  Spekulation verbunden sind.
       Aus diesem  Grunde wird es keine weitere Ausdehnung des Filialen-
       netzes geben,  ist ein  Rationalisierungsschub durch  die weitere
       Datenverarbeitung zu erwarten und sind Fusionen und Einstellungen
       abzusehen. Die  Zunahme des  Dienstleistungsbereichs fällt  immer
       weiter unter  die Größe  der Beschäftigungsabnahme der Industrie,
       womit seine  Kompensationsfunktion weggefallen  ist. Obwohl  hier
       mit weiteren  Zuwächsen zu  rechnen ist, entzieht sich dieser Be-
       reich weitgehend  einer  herkömmlichen  beschäftigungspolitischen
       Förderung, da  der Dienstleistungsbereich einerseits Akkumulation
       und Staatstätigkeit (Ausbildung, Infrastruktur, Subventionierung)
       voraussetzt und andererseits unterschiedlichste Stufen von Verge-
       sellschaftung aufweist.  Für den  öffentlichen Dienst ergibt sich
       das Dilemma, daß auf der einen Seite die Grenzen weiterer Steige-
       rung des  Steueraufkommens enger  werden und sich auf der anderen
       Seite der  Zwang zur Ausgabensteigerung verstärkt. Aus der daraus
       resultierenden kommunalen  Verschuldung wird  weiterer  Druck  zu
       konservativer Wirtschaftspolitik  und restriktiver Haushaltspoli-
       tik folgen.  Entgegen der  bisherigen Erwartung, daß der Staat in
       Zeiten der  Krise die  Arbeitslosigkeit durch eine Ausdehnung der
       öffentlichen Beschäftigung mildern würde, hat sich in Hamburg ge-
       rade das Gegenteil gezeigt. Im Bereich der öffentlichen Unterneh-
       men ist  ebenfalls nicht  die geringste Arbeitsplatzsicherheit zu
       erwarten, weil sie vor dem Hintergrund der öffentlichen Verschul-
       dung vehementer  eine kapitalistische  Unternehmenssanierung  be-
       treiben werden.
       Mit dem Auslaufen der Periode der beschleunigten Akkumulation hat
       für Hamburg  das Problem regionaler Konkurrenz an Virulenz gewon-
       nen. Ihrer  Struktur und Größe nach und ihrer Umgebung wegen man-
       gelt es  der Elbmetropole  an Eigenständigkeit  als industrielles
       Zentrum. Sie bleibt nach wie vor auf ihre Handels- und Hafenfunk-
       tion angewiesen, die aber durch Rotterdam und andere Konkurrenten
       bedroht ist.  Das Problem der Wirtschaftspolitik ergibt sich dar-
       aus, daß auf der einen Seite den bisherigen wirtschaftlichen Mit-
       teln (Industrieansiedlung,  Ausbau des  Energie- und  Verkehrswe-
       sens, Staatsintervention)  mit dem  Auslaufen der  beschleunigten
       Akkumulation der  Boden genommen  ist, auf der anderen Seite aber
       genau diese Mittel für die regionale Konkurrenzfähigkeit nach ka-
       pitalistischem Kalkül verlangt sind.
       Das Problem  der Wirtschaftspolitik, daß es keine Lösung nach der
       bisherigen Logik  geben kann,  gesteht man sich so nicht ein. Die
       heftigen Auseinandersetzungen um Brokdorf in der Sozialdemokratie
       zeigen, daß  eine Fraktion in Erwartung einer Rückkehr zum Wachs-
       tum an  einer offensiven  Industrialisierungskonzeption festhält,
       während sich  die andere Fraktion auf Hamburg selbst zurückziehen
       will und  sich von einem weiteren Hafenausbau eine Stabilisierung
       des Arbeitsplatzes Hamburg erwartet. Beiden Konzepten ist gemein,
       daß sie  auf größere Ausbeutung und weiteren Verzicht auf soziale
       Ansprüche zugunsten  von mehr Hafen, Industrie und Verkehr setzen
       und zugleich den ökologischen Konflikt verschärfen. Wenn Brokdorf
       mit der Industrialisierung des Elbraumes gleichzusetzen ist, dann
       steht der Hafenausbau gleichfalls für Umweltzerstörung. Unter der
       Bedingung eines geschrumpften Welthandels kann ein offensiver Ha-
       fenausbau weiterhin nur bedeuten, daß Hamburg gewinnt, was Bremen
       verliert. Die Erweiterung der Hafenflächen bedeutet den Untergang
       der Ortschaften  Moorburg und  Francop und  zieht die Einkreisung
       und Zersetzung  der Stadtteile Wilhelmsburg und Finkenwerder nach
       sich. Weitreichende  Verkehrsausbaumaßnahmen  müssen  quer  durch
       bisherige innerstädtische Wohnbereiche erfolgen. Die Wirtschafts-
       und Wohnfunktion der Stadt geraten damit in einen unversöhnlichen
       Gegensatz. Wohnraumzerstörung  zieht Stadtflucht  nach sich,  die
       wiederum die Verkehrsbelastung der Stadt steigert. Mit der Stadt-
       flucht gehen  die größeren  Steuerzahler verloren und bleiben die
       von Sozialleistungen  abhängigen  Haushalte,  d.h.  unverminderte
       Ausgaben bei  weniger Einnahmen. Das alles wird aber im Interesse
       einer regionalen Konkurrenzfähigkeit in Kauf genommen. Der Hafen-
       ausbau verschlingt die Gelder, die eine Begrenzung der Elbwasser-
       verschmutzung ermöglichen  könnten. Die  Beteiligung an  Brokdorf
       zieht die  Mittel ab,  mit der eine Umstellung auf Fernheizung in
       der Stadt  vorgenommen werden  könnte. Der Ausbau des Verkehrswe-
       sens nimmt  die Haushaltsposten in Anspruch, mit denen eine wirk-
       liche Sanierung  der von Wohnraum- und Umweltzerstörung bedrohten
       Stadtteile durchführbar gewesen wäre.
       Die Perspektive  der Arbeiterklasse  kann nur  in einem Bruch mit
       dieser Logik  der Wirtschaft  und deren  Politik liegen. Kann ein
       solcher Bruch  auf regionaler Ebene angeboten werden? Können For-
       derungen gegen  die Vernichtung der Arbeitsplätze in der Werftin-
       dustrie, gegen  die Zerstörung der Ortschaften Moorburg und Fran-
       cop durch  den Hafenausbau, gegen die Eibwasserverschmutzung, ge-
       gen die  Wohnraum-  und  Umweltzerstörung  mehr  sein  als  bloße
       'Stopforderungen'?  Kann   schließlich  bei  diesem  Stand  wirt-
       schaftspolitischer Probleme  bei beschäftigungspolitischen Aufla-
       gen,  Haushaltsumverteilungen   und   Verstaatlichungsforderungen
       spektakulär gewordener  Unternehmen stehen  geblieben werden? Die
       Auseinandersetzung mit  diesen Fragen  ist erforderlich, wenn die
       Linke Hamburgs  sich nicht  mehr vom "kleineren Übel" oder dessen
       Differenzierungen einbinden  lassen will und zu einer politischen
       Alternative sich  zu vereinigen  anschickt. Einer solchen Diskus-
       sion Material zu liefern, war Zweck vorliegender Untersuchung.
       
       _____
       *) Vgl. Hermann  Bömer, Regionale Strukturkrisen im staatsmonopo-
       listischen Kapitalismus  und marxistische  Raumökonomie. Am  Bei-
       spiel der  Ruhrgebietskrise, in:  Marxistische Studien,  Jahrbuch
       des IMSF  Bd. 2/1979,  S. 138-171; Wilma Albrecht, Zum Investiti-
       onsmechanismus staatsmonopolistischer Regionalpolitik in der BRD,
       in: ebd., Bd. 3/1980, S. 219-238.
       1) K. Marx, Das Kapital I, in: MEW 23, S. 374.
       2) K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 252.
       3) Vgl. C.  Lau, Seismograph für die Weltkonjunktur, Handelsblatt
       vom 7.5.80.
       4) Vgl. H.  Kern, Ein  Modell für die wirtschaftliche Entwicklung
       der Region Unterelbe, Hamburg 1970.
       5) Vgl. S.  Aust, Brokdorf - Symbol einer politischen Wende, Ham-
       burg 1981.
       6) Mit der  Veröffentlichung des  'Stadtentwicklungsplans'  durch
       den Senat  hat sich eine Diskussion über Wirtschafts- und Sozial-
       politik in  Hamburg entwickelt. Vgl. Stadtentwicklungsplan, hrsg.
       v. Senat  der Freien  und Hansestadt  Hamburg, Hamburg  1980; Ar-
       beitsplatz Hamburg,  hrsg. v.  Bezirksvorstand der  DKP  Hamburg,
       Hamburg 1981; Wie soll es mit Hamburg weitergehen? hrsg. v. SOST,
       Hamburg 1981. Der vorliegende Beitrag entstammt dieser Diskussion
       und verdankt  sich der  Unterstützung von  Arbeitskollegen und G.
       Brosius.
       7) Vgl. K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 150 ff.
       8) Vgl. J.  Goldberg, Neue ökonomische Krisentendenzen im Kapita-
       lismus, in:  Marxistische  Studien,  Jahrbuch  des  IMSF  3/1980,
       Frankfurt 1980, S. 239 ff.
       9) Die Zusammenfassung  der Grundstoff- und Produktionsgüterindu-
       strie mit  der Investitionsgüterindustrie sowie der Verbrauchsgü-
       terindustrie mit  der Nahrungs- und Genußmittelindustrie zu Indu-
       strieabteilungen ist  nicht identisch mit der Einteilung der Kri-
       tik der  politischen Ökonomie  in die  Produktionsabteilungen zur
       Produktion von  Produktionsmitteln und Konsumtionsmitteln, obwohl
       sich Annäherungen ausmachen lassen.
       10) Vgl. Bürgerschaft der FHH, Bericht vom 30.4.75.
       11) K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 494.
       12) Nach: Stat.  Bundesamt (Hrsg.),  Statistisches Jahrbuch  1975
       und 1980,  Mainz/Stuttgart 1975  und 1980,  und: Industrieverband
       Hamburg e.V. (Hrsg.), Hamburgs Industrie 1970"1978, Hamburg 1979.
       13) Zu den  größeren Kapitalien  in der Chemie zählen BASF Farben
       und Fasern  AG, Beiersdorf AG, Lever Sunlicht GmbH, Hans Schwanz-
       kopf GmbH  und die Guano Werke AG. Vgl. Zur Arbeitsplatzsituation
       in Hamburg,  hrsg. v.  Bezirksvorstand der  DKP Hamburg,  Hamburg
       1977, S. 47ff.
       14) An der  Arbeitsplatzvernichtung ist  der  Phoenix-Konzern  in
       Hamburg-Harburg  durch   seine  Fusion   zur  Corona  -  Deutsche
       Kautschuk AG  mit über 2 500 Arbeitsplätzen beteiligt. Vgl. ebd.,
       S. 47.
       15) Vgl. S.  Rosenbladt, Kernenergie und Arbeitsplätze - oder In-
       dustrieansiedlung auf hanseatisch, in: S. Aust, Brokdorf... S. 79
       ff.
       16) Vgl. Stadtentwicklungskonzept... S. 20.
       17) Vgl. GHH steigt aus, Hamburger Abendblatt 12.11.71.
       18) Vgl. F.  Fiehler, Die  Krise in  der Schiffbauindustrie,  in:
       Marxistische Blätter 6/79.
       19) Vgl. Meyer  u.a., Strukturelle  Arbeitslosigkeit und  Kriegs-
       schiffbau, in:  Albrecht u.a.,  Arbeitsplätze durch Rüstung, Ham-
       burg 1978, S. 105ff.
       20) Nach den wichtigsten Fachzweigen sind im Hamburger Maschinen-
       bau Fördertechnik,  Nahrungsmittelmaschinen,  Flüssigkeitspumpen,
       Druck- und  Papiermaschinen und  Werkzeugmaschinen vertreten, die
       eher zu  den kleineren und umsatzschwächeren Fachzweigen gehören.
       Vgl. VDMA  Landesgruppe Nord,  Maschinenbau  in  Norddeutschland,
       Hamburg 1980;  VDMA,  Investitionen  -  Schlüssel  zum  Wachstum,
       Frankfurt/M. 1977.
       21) Vgl. Industrieverband  Hamburg e.V.  (Hrsg.), Hamburgs  Indu-
       strie von 1970 bis 1978, Hamburg 1979, S. 21 ff.
       22) Die Expansion  des Luftfahrzeugbaus hängt von der Airbus-Pro-
       duktion ab,  die nur  durch staatliches  Engagement  durchgesetzt
       werden konnte.
       23) Vgl. Zur Arbeitsplatzsituation... a.a.O., S. 74 f.
       24) Vgl. Industrieverband  Hamburg e.V.  (Hrsg.), Hamburgs  Indu-
       strie..., a.a.O., S. 48.
       25) "Je vergänglicher eine Ware, je unmittelbarer nach ihrer Pro-
       duktion sie  daher verzehrt, also auch verkauft werden muß, desto
       geringrer Entfernung  von ihrem Produktionsort ist sie fähig, de-
       sto enger also ihre räumliche Zirkulationssphäre, desto lokalerer
       Natur ihr  Absatzmarkt." K.  Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S.
       130.
       26) Vgl. Die  umsatzstärksten Konzerne  in Hamburg,  Die Welt  v.
       31.8.79.
       27) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Bevölkerungswanderungen
       und Industrieverlagerungen  in der  Hamburger  Wirtschaftsregion,
       Hamburg 1978.
       28) Vgl. Hamburgische  Landesbank (Hrsg.),  Die Hamburger  Außen-
       wirtschaft im Wandel, Hamburg 1976.
       29) Vgl. Hamburgische  Landesbank (Hrsg.),  Struktur und Entwick-
       lung des Hamburger Hafens, Hamburg 1978.
       30) Vgl. Battelle/Treuarbeit,  Einzel- und  gesamtwirtschaftliche
       Entwicklungstendenzen  in   der  deutschen   Seeschiffahrt,  Ham-
       burg/Frankfurt 1973,  S. 77ff.  Während im  Umschlag von Stückgut
       durch den konventionellen Einsatz mit Kaikränen und 4 bis 6 Gangs
       40 bis  100 t/h bewältigt wurden, werden beim Palettenumschlag im
       Gabelstaplerbetrieb 120  bis 250  t/h und  mit dem Förderband 800
       bis 1200  t/h, beim  Roll-on/Roll-off Verkehr  800 bis  1400 t/h,
       beim Containerumschlag  mit Hilfe  einer Lift-on/Lift-off  Brücke
       250 bis  400 t/h und im Horizontalumschlag mehr als 2 000 t/h und
       schließlich mit Bärge Carrier 2 500 bis 3 000 t/h bewältigt.
       31) Den Einfluß des Hafens auf die übrige Wirtschaft hat Uwe Koch
       am Beispiel  der Einführung  einer Konti-schicht  im Hafen erläu-
       tert: "Ein  Kontischichtsystem in  den  bundesdeutschen  Seehäfen
       würde das  gesamte Arbeitszeitgefüge an der Nord- und Ostseeküste
       nachteilig beeinflussen.  Seeleute lägen noch kürzere Zeit in den
       Häfen; Seeschiffsschlepper,  Seefestmacher,  Lotsen  müßten  ihre
       Nachteinsätze verstärken.  Containertruckfirmen und LKW-Unterneh-
       mer würden  von ihren  Fahrern noch mehr Rund-um-die-Uhr-Einsätze
       verlangen. Bundesbahn,  Zöllner, Wasserschutzpolizei und Hafenbe-
       hörden müßten  ihre Dienstpläne auf stärkere Nachtarbeit einstel-
       len. Spediteure,  Schiffsmakler und Agenturen müßten zu jeder Ta-
       ges- und  Nachtzeit den Dokumentenfluß garantieren. Für deren Be-
       schäftigte wären  größtenteils die  traditionellen 'Angestellten-
       arbeitszeiten' von  8.00 bis  17.00 Uhr und sonnabends immer frei
       für alle  Zeiten  vorbei.  Schätzungsweise  150 000  bis  200 000
       Beschäftigte  der   bundesdeutschen  Seehäfen-   und   Transport-
       arbeiterschaft wären letztlich von diesen negativen Entwicklungen
       betroffen." U.  Koch, Kontischicht im Hafen - ein Angriff auf die
       Wochenendfreizeit, in:  L. Peter  u.a., Rationalisierung,  Frank-
       furt/Main 1980, S. 113 f.
       32) Vgl. F.  Fiehler, Das Projekt "Schiff der Zukunft", in: Peter
       u.a., Rationalisierung, a.a.O., S. 114 f.
       33) Vgl. Senat  der Freien  und Hansestadt Hamburg, Stadtentwick-
       lungskonzept, Hamburg 1980, S. 41 f.
       34) Vgl. Handelskammer Hamburg, Bericht 1980, Hamburg 1981, S. 30
       ff.
       35) Ebenda.
       36) Vgl. Abschn. 2.5.
       37) Vgl. Hamburgische  Landesbank (Hrsg.),  Der Bank- und Finanz-
       platz Hamburg, Hamburg 1978.
       38) Vgl. Meyer-Marwitz, Das Hamburg Buch, Hamburg 1981, S. 243 f.
       39) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Die Beschäftigungstruk-
       tur in der Hamburger Wirtschaft, Hamburg 1979, S. 10.
       40) Vgl. Forderungsprogramm  der DKP Betriebsgruppe Universitäts-
       klinik Eppendorf.
       41) Vgl. K. Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie,
       Berlin 1974,  S. 372 über die "Entgötterung" der Dienstleistungs-
       sphäre.
       42) Gerade  Dienstleistungsbetriebe  dringen  in  innerstädtische
       Wohnbereiche ein, fordern Wohnraumzerstörung und Bodenspekulation
       heraus und  ziehen somit  umfangreiche öffentliche  Ausgaben nach
       sich.
       43) Gegenwärtig übersteigt  die Tilgungs- und Zinsenlast des Ham-
       burger Haushalts  den Umfang  öffentlicher  Wirtschaftsförderung.
       Vgl. Geschäftsbericht der Hamburgischen Landesbank 1980.
       44) Vgl. Memorandum  '81: Demokratische  Wirtschaftspolitik gegen
       Marktmacht und Sparmaßnahmen, Köln 1981
       

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