Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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       TECHNISCHER FORTSCHRITT GLEICH FORTSCHRITTLICHE TECHNIK?
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       Probleme, Tendenzen und Widersprüche der Technik-Diskussion.
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       Sybille Krämer-Friedrich
       
       1. Die  Problemstellung -  2. Entwicklungslinien der Diskussion -
       2.1 Bürgerliche  Techniktheorie -  2.2 Antikapitalistische  Tech-
       nikkritik -  3. Entwicklungsprobleme  der stofflichen  Vergesell-
       schaftung technischer  Systeme -  3.1 Mögliche  Widersprüche zwi-
       schen der  "lebendigen "und  der "toten" Arbeit - 3.2 Technologie
       und die Abhängigkeit der Gesellschaft von der Natur
       
       1. Die Problemstellung
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       Die Landschaft  technikorientierter Diskussion ist vielfältig ge-
       worden. Neben  so soliden  Konstruktionen wie  der "Systemtheorie
       der Technik" 1) finden sich die exotischen Blüten fast indianisch
       anmutender Technikphilosophien.  2) Doch  statt vorschnell zu ur-
       teilen, gar  zu verurteilen,  ist ernsthaft  zu fragen, ob in der
       bunten Heterogenität  vertretener Technikauffassungen  sich nicht
       ein  Kernproblem  herausschält.  Ein  Kern,  der  ein  wirkliches
       P r o b l e m   ist, um dessen Lösung die verschiedensten Konzep-
       tionen sich  bemühen. Es  gibt eine solche "Grundfrage" der Tech-
       nikdiskussion. Sie lautet: Wie ist das Verhältnis von emanzipato-
       rischer und  destruktiver Kraft der Technik beschaffen? Zwei kon-
       tradiktorische Antworten  auf diese Fragen sind denkmöglich. Ihre
       Pole spannen den Rahmen, innerhalb dessen die Diskussion sich be-
       wegt.
       a) Die Technik  ist selbst  Ursache ihrer bedrohlichen Wirkungen.
       In ihrer  gegenständlichen Konstruktion ist schlechthin eine Ent-
       fremdung des  Menschen von seiner inneren und äußeren Natur ange-
       legt. Der  Technik und Naturwissenschaft an sich innewohnende Di-
       stanzierungsprozeß von  der Natur  schlägt unter  den Bedingungen
       großtechnischer Organisation  notwendig in  lebensbedrohliche Ef-
       fekte um.  Die industrielle Gesellschaft vollzieht somit nur, was
       in der industriellen Technik an Handlungszwang angelegt ist.
       b) Die gesellschaftlichen  Verhältnisse, innerhalb  derer Technik
       genutzt und  angewendet wird,  sind Ursache ihrer Negativeffekte.
       Die der  Technik an  sich zukommende  emanzipatorische Kraft wird
       zur Destruktivität gewendet erst durch die sozialen Anwendungsbe-
       dingungen. Diese  allein determinieren  Möglichkeiten und Grenzen
       des technischen Prozesses.
       Die Frage  nach dem Verhältnis von emanzipatorischer und destruk-
       tiver Dimension der Technik weitet sich somit zu der nach dem Ab-
       hängigkeitsverhältnis von Technik und Gesellschaft. Die skizzier-
       ten Antwortmöglichkeiten  stufen dieses  Verhältnis  hierarchisch
       und machen  - mit jeweils umgekehrtem Vorzeichen - eine Seite zur
       monokausalen Ursache der anderen. Zwischen diesen Extremen bewegt
       sich die Diskussion. Ihre Verlaufsform sei kurz skizziert.
       
       2. Entwicklungslinien der Diskussion
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       2.1. Bürgerliche Techniktheorie
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       Die kritische  Auseinandersetzung mit  der Technik ist so alt wie
       diese selbst. Auch in der BRD stellte nicht erst die marxistische
       Diskussion "die  Frage nach  der Technik". Gelegentlich machte es
       sich letztere allerdings einfach in der Beurteilung der Resultate
       nichtmarxistischer Technikreflexion. "Technologischer Determinis-
       mus" war das Urteil, mit welchem bürgerliche Technikvorstellungen
       in ein Abseits verwiesen wurden, mit dem auseinanderzusetzen sich
       nicht mehr  lohnte. Läßt  man sich aber wirklich ein auf die ver-
       schlungenen Pfade  dieser Diskussion,  so zeigt sich ein durchaus
       differenzierteres Bild.  In der  Tat vermag  der  "technologische
       Determinismus" die Situation bis zu Beginn der siebziger Jahre zu
       charakterisieren. Durch  zwei Linien  ist diese  Situation zu be-
       schreiben: Die  Erfahrungen der technischen Vernichtungskraft des
       Zweiten Weltkrieges  ließen einerseits technikpessimistische Auf-
       fassungen an Boden gewinnen. Kulturkritische 3), existentialisti-
       sche 4)  und religiöse  Deutungen 5)  entwarfen Modelle einer den
       Menschen von  sich selbst  entfremdenden Technik. Technik eignete
       nicht nur  zum Negativsymbol, sondern wurde auch zum Subjekt, zum
       verursachenden Prinzip  des als  mangelhaft empfundenen Lebens im
       Kapitalismus stilisiert.  Davon hoben Ansätze ab, deren Vertreter
       vor allem  aus den  Reihen der  technischen Intelligenz  und  des
       "Vereins Deutscher  Ingenieure" kamen. Diese bemühten sich um die
       Wiederherstellung eines  positiven Kulturwerts  der  Technik  6).
       Doch auch  dies vollzog sich in durchaus "metaphysischem" Gewand:
       Die emanzipatorische  Kraft der  Technik wurde nicht in ihrem re-
       alen gegenständlichen Nutzen gesehen, sondern in einer nutzenjen-
       seitigen Spiegelungsfähigkeit,  vermittels welcher der Mensch die
       Möglichkeiten seiner  Kraftentfaltung zu  erschauen  vermag.  Der
       technikkritischen wie  optimistischen Sichtweise blieb gemeinsam,
       die destruktive  oder produktive  Potenz des Menschen auf Technik
       selbst zurückzuführen.  Diese Zurückverlegung  gesellschaftlicher
       Verhältnisse auf  technisches Verhalten  blieb auch  Zentrum  der
       "Industriegesellschaftstheorie",  dem  Leitgedanken  bürgerlicher
       Gesellschaftsinterpretation, der  sich in  den  siebziger  Jahren
       durchsetzte 7).  Technik und Wissenschaft wurden dieser zum Koor-
       dinatensystem, welches  sich nicht  nur in  der Rückschau als ge-
       schichtsgliedernder Maßstab eignete, sondern auch die Zukunft als
       Übergang in  die postindustrielle Gesellschaft zu prognostizieren
       erlaubte. Das  technische Kalkül zum Prinzip sozialen Handelns zu
       erheben, wurde  in der Technokratiethese gegen Ende der siebziger
       Jahre zum  sozialpolitischen Konzept  8).  Mit  diesem  Höhepunkt
       technologisch  determinierter  Gesellschaftsauffassung  untergrub
       allerdings das bürgerliche Denken sein eigenes Anliegen: Kann die
       "Industriegesellschaftstheorie"  als  ein  Versuch  interpretiert
       werden, verlorene  Geschichtsmächtigkeit über die Fortschrittsfä-
       higkeit im  technisch-wissenschaftlichen Bereich wiederherzustel-
       len, so entmachtet aber eine zum Subjekt erhobene "technische Lo-
       gik" in  der Technokratiekonzeption gerade die Handlungskompetenz
       der herrschenden  Klasse. So griffen reale Krisenentwicklung, die
       soziale Bewegung der Studenten und die Dynamik der Theoriebildung
       ineinander und  führten zu einer Wende innerhalb der nicht-marxi-
       stischen Ansätze.  Ihr Charakteristikum  ist der Versuch, techni-
       sches Handeln  wieder der Priorität politischer und sozialer Ent-
       scheidung zu  unterstellen. Statt der einseitigen Rückführung ge-
       sellschaftlicher Verhältnisse auf technische Notwendigkeiten wird
       versucht, die  determinierende Kraft  der Gesellschaft  gegenüber
       ihrer Technik  abzuleiten. Im  Zuge dieser "antitechnokratischen"
       Wende in  der bürgerlichen Techniktheorie entstanden Denkansätze,
       deren Ergebnisse  bislang in der kritischen Diskussion weitgehend
       ignoriert wurden, obwohl sich hier fruchtbare Gesichtspunkte fin-
       den. Gesichtspunkte, die nicht nur anregen können in der Entwick-
       lung der  eigenen Position,  sondern auch Grundlagen schaffen für
       den Dialog mit der technischen Intelligenz und ihren Organisatio-
       nen.
       Es sind  vor allem zwei Richtungen in der neueren Techniktheorie,
       die Einblicke in den näheren Zusammenhang von Technik und Gesell-
       schaft gestatten:  die wissenschaftstheoretische  9) und  die sy-
       stemtheoretische 10) Untersuchung der Technik.
       Die Denkfigur einer "inneren Sachlogik" des technischen Prozesses
       wurde vor allem von der Wissenschaftstheorie der Technik nachhal-
       tig untergraben.  Sie zeigte,  daß die  konkrete Gebrauchsgestalt
       eines technischen  Produktes nicht Resultat zwangsläufiger Kombi-
       nationslogik technischer  Wirkungsabläufe ist. Denn diese Zwangs-
       läufigkeit gibt  es nicht.  Jede technische Aufgabenstellung kann
       auf ganz verschiedene Weise realisiert werden. Welche Alternative
       aber aus  der Klasse  der  technischen  Möglichkeiten  ausgewählt
       wird, schreibt  keine wie  auch immer  geartete "Sachlogik"  vor,
       sondern ist  Resultat sozialer  Entscheidung und  Auswahl. 11) In
       diesen sozialen  Auswahlakt gehen Wertmaßstäbe gesellschaftlicher
       Herkunft ein.  Vor der  Frage allerdings,  welche  Interessen  es
       sind, die  sich in der Bewertung technischer Alternativen Geltung
       verschaffen, hält die wissenschaftstheoretische Beschäftigung mit
       Technik ein.  Doch ihr  Verdienst bleibt,  auf die  entscheidende
       Rolle gesellschaftlicher  Wertungskriterien aufmerksam gemacht zu
       haben.
       Die Systemtheorie  der Technik  wendet sich vor allem den Verwen-
       dungszusammenhängen  zu:  Die  technokratische  Stilisierung  der
       Technik zur autonomen Gewalt wird zurückgenommen in einem Modell,
       in welchem  Technik stets  nur als "soziotechnisches Handlungssy-
       stem" gilt  12). Die  Sachdominanz eines  technischen Gebildes in
       Gestalt des  in ihm  verkörperten Verwendungsprogrammes wird ent-
       hüllt als  Dominanz der sozialen Gruppen, die Technik gemäß ihren
       Bedürfnissen schaffen.  Der Sachzwang wird als sozialer Zwang de-
       chiffriert. Die Systemtheorie der Technik hat nachdrücklich deren
       gesellschaftlichen Charakter enthüllt. Wie dieser "Charakter" nä-
       her zu bestimmen sei, bleibt ihr allerdings verborgen.
       Führen wir  das hier kurz Entwickelte zurück auf die polaren Deu-
       tungsmöglichkeiten des  Verhältnisses  von  Technik  und  Gesell-
       schaft, so  kommen wir  zu folgendem Ergebnis: In der Entwicklung
       des bürgerlichen Denkens über Technik zeigt sich eine gewisse Um-
       orientierung dahingehend, daß von Modellen einer monokausalen Ab-
       leitung gesellschaftlicher  Bedingungen  aus  jenen  der  Technik
       übergegangen wird  zu differenzierteren  Ansätzen, in welchen die
       bestimmende Rolle der Gesellschaft gegenüber ihrer Technik zu re-
       konstruieren versucht  wird. Versuchen  wir nun, die jüngere Ent-
       wicklung der antikapitalistischen Techniktheorie nachzuzeichnen.
       
       2.2. Antikapitalistische Technikkritik
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       Die Studentenbewegung  mit ihrer Technokratiediskussion wurde zur
       Geburtsstunde der  neueren antikapitalistischen  Technikkritik in
       der BRD.  Damit aber  waren folgenschwer  Weichen techmktheoreti-
       scher Diskussion  gestellt: Technikkritik  konstituierte sich als
       Ideologiekritik 13).  Technik wurde  nicht in  ihrem  stofflichen
       "Substrat" und ihrer technischen Funktion zum Gegenstand der Ana-
       lyse. Sondern  sie galt  als Ideologieform,  d.h. als Symbol ver-
       suchter Verschleierung kapitalistischer Determinanten der Produk-
       tionspraxis vermittels  der zum  Normativen erhobenen  sachlichen
       Faktizität der  Technik. Diese  Aufdeckung  des  kapitalistischen
       Charakters technischer  Kalküle schlug  zwei Wege ein, in welchen
       nicht unschwer  die zu  Anfang entwickelte polare Entgegensetzung
       einer Priorität  der gesellschaftlichen  oder technischen "Seite"
       sich wiederfindet.  Die "Frankfurter  Schule" wurde zum Ausgangs-
       punkt der  einen Richtung: Den Zusammenhang kapitalistischer Ent-
       wicklung und Technik versuchte sie dahingehend zu fassen, daß das
       Kapital Technik  nicht bloß für seine herrschaftlichen Zwecke in-
       strumentalisiere, sondern  die Technik selbst in ihrer sachlichen
       Struktur diese  Herrschaft schon  verkörpere 14).  Nicht erst die
       Logik des  Kapitals, sondern  die  immanente  Logik  naturwissen-
       schaftlicher und technischer Prozesse erzeuge die kapitalspezifi-
       sche Anwendung  der Technik. Dies allerdings setzt voraus, Natur-
       herrschaft umstandslos mit sozialer Herrschaft in eins zu setzen,
       Vergegenständlichung stets  auf der  Folie von  entfremdeter Ver-
       dinglichung zu  fassen und  die Arbeitsteilung  selbst schon  als
       Trennung von  Produktion und  Aneignung unabhängig von der Eigen-
       tumsform zu  begreifen 15).  Was als  Ideologiekritik der techni-
       schen Denkform - exemplarisch hierfür Horkheimers "Kritik der in-
       strumenteilen Vernunft"  - begann, wird schrittweise in die Real-
       struktur der  Technik zurückverlegt.  Doch da kehrt antikapitali-
       stische Technikkritik sich gegen sich selbst: sie wird zur forma-
       tionsunspezifischen Kritik  an industrieller  Technik  überhaupt.
       Da, wo  die antikapitalistische  Stoßrichtung sich  zur antiindu-
       striellen wendet, ist die Technostruktur endgültig zur Kernstruk-
       tur sozialer Verhältnisse erklärt. Was als Technokratiekritik be-
       gann, teilt schließlich mit der Technokratiethese das methodische
       Postulat einer  soziale Verhältnisse  fundierenden Bedeutung  der
       Technik. Nur  das Vorzeichen  ist  umgekehrt:  technischer  Fort-
       schritt ist  nicht mehr Garant des sozialen Fortschritts, sondern
       dessen Destruktion.
       Die Frage,  ob die  durch den  Kapitalismus historisch  erzeugten
       Produktivkräfte nicht "an sich" destruktiven Charakters seien, so
       daß auch  unter sozialistischen  Produktionsverhältnissen, soweit
       diese industrieller  Technik sich bedienten, die emanzipatorische
       Wirkung von Technik sich notwendig verlieren müsse, bleibt Grund-
       problem auch  bei den "Erben" der "Frankfurter Schule". Nach zwei
       Seiten hin  verzweigt sich  deren Diskussion. Einerseits wird die
       Kritik an  Naturwissenschaft  und  Technik  als  Herrschaftslogik
       fortgeführt und zu den immanenten Gefahren großtechnischer Aggre-
       gationen hinkonkretisiert  16). Deren  Größe und Komplexität wird
       zu Maßstab  und Ursache unbezweckter, unkontrollierbarer Gefahren
       und Folgewirkungen  der Technik.  Folgerichtig wird die Rücknahme
       komplexer Vergesellschaftung  technischer Systeme  zum Grundstein
       alternativer Technologie  17). Andererseits steht - ebenfalls von
       den Folgen  moderner Technostruktur  ausgehend - die Ökologiepro-
       blematik im  Mittelpunkt. Ging  Karl Marx noch davon aus, daß die
       spezifischen Interessen  der Arbeiterklasse  zugleich Träger  ge-
       schichtlich allgemeinen Gattungsinteresses sind, so wird bei die-
       ser Gruppe von Autoren 18) Arbeiter- und Ökologiebewegung ausein-
       anderdividiert:  das   bornierte  Klasseninteresse  der  Arbeiter
       stelle sich  gegen das  Gattungsinteresse der Menschheit, welches
       auf klassenübergreifende Lösungen ökologischer Probleme dränge.
       Beiden  hier   kurz  angerissenen  Richtungen  in  Nachfolge  der
       "Frankfurter Schule"  bleibt gemeinsam, das von Karl Marx entwic-
       kelte Modell  von Produktivkräften  und  Produktionsverhältnissen
       für revisionsbedürftig zu halten. Revisionsbedürftig dahingehend,
       daß der  marxistischen Produktivkraftkonzeption ein Fortschritts-
       optimismus zueigen  sei, der  sich angesichts gegenwärtiger Tech-
       nikprobleme als  unangemessen erweise.  Indem das  großtechnische
       und komplexe Organisationsniveau des Produktivkraftsystems selbst
       als Fundament  der Technikprobleme  gelegt wird,  fällt der  Karl
       Marx und  der "dogmatischen Linken" vorgeworfenen Produktivkraft-
       fetischismus auf die Kritiker selbst zurück 19).
       Gleichwohl sollte ein Problem ernst genommen werden, auf das hin-
       zuweisen zumindest Resultat der hier skizzierten Diskussionslinie
       ist. Wenn die Technologie - unterworfen dem Zwang ihrer kapitali-
       stisch profitablen  Nutzung -  lebensbedrohliche Effekte zeitigt,
       so müssen diese Folgen als Möglichkeit, d.h. als potentielles Er-
       eignis im Produktivkraftsystem angelegt sein. Die Produktionsver-
       hältnisse können  aufgrund der  ihnen eigenen  gesellschaftlichen
       Zwänge zur  schlechten Wirklichkeit  nur werden  lassen, was  als
       Möglichkeit dem Produktivkraftsystem innewohnt.
       Diese abstrakten  Möglichkeiten zugunsten der die Produktionsver-
       hältnisse konstituierenden  Gesetzlichkeiten zuwenig  berücksich-
       tigt zu  haben, ist durchaus Defizit der zweiten antikapitalisti-
       schen Diskussionslinie  der Technikkritik. Diese gewann ihren Zu-
       gang zur  Technik über  den methodologischen  Ansatz, welcher den
       Doppelcharakter der  Arbeit zum  Bezugspunkt der  Analyse gesell-
       schaftlicher Produktion  macht 20).  In dieser Dimension schreibt
       die ökonomische Form der Arbeit fest, was an Entwicklungsmöglich-
       keiten und  -grenzen den Komponenten des Naturstoffwechsels - und
       damit auch der Technik - vorgegeben ist. Die ökonomische Funktion
       kapitalistischen technischen  Fortschrittes,  nämlich  Instrument
       zur Erzeugung  des relativen Mehrwerts zu sein, determiniert ein-
       deutig dessen  soziale Wirkungen. Die negativen Folgeeffekte sind
       Resultate  ihrer   kapitalistischen  Anwendung,  nicht  aber  der
       stofflichen Struktur der Technik selbst 21). Das Wechselwirkungs-
       verhältnis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen wird
       hier unter  dem Gesichtspunkt  der  Priorität  sozialökonomischer
       Verhältnisse gefaßt, gleichsam "strukturell" bezogen auf eine ge-
       gebene gesellschaftliche Formation, innerhalb derer es zu bestim-
       men gilt, welche sozialen Grundfunktionen die technischen Produk-
       tionsorgane notwendig  realisieren müssen. Davon zu unterscheiden
       ist ein stärker "genetisch" orientierter Ansatz, welcher zum Ziel
       setzt, die  geschichtliche Abfolge gesellschaftlicher Formationen
       im Zusammenhang  mit der  Entfaltung des Produktivkraftsystems zu
       analysieren. Gegenüber  der "strukturellen" Priorität der Produk-
       tionsverhältnisse wird hier die historische Priorität der Produk-
       tivkräfte betont  unter dem Gesichtspunkt notwendiger Überwindung
       der gegebenen kapitalistischen Gesellschaftsform, um die dem Pro-
       duktivkraftsystem innewohnenden  emanzipatorischen  Möglichkeiten
       zu verwirklichen  22). Der  Begriff der  wissenschaftlich-techni-
       schen Revolution  hat hier  seinen Ort  23). Er zielt ab auf eben
       die emanzipatorischen  Möglichkeiten, die mit dem technologischen
       Entwicklungsstand hochautomatisierter  und verwissenschaftlichter
       Produktion gegeben,  gleichwohl jedoch unter kapitalistischen Be-
       dingungen nicht  realisierbar sind.  Hier wird  auch das  Problem
       thematisiert, daß  die  Realisierung  sozialistischer  Vergesell-
       schaftung bei  einem relativ niedrig entwickelten Stand technolo-
       gischer  Naturbearbeitung   auf  Grenzen   stößt.   Der   Analyse
       "technischer" Destruktivität,  resultierend aus  den kapitalisti-
       schen Verwendungszusammenhängen,  tritt so  zur Seite die Analyse
       emanzipatorischer Möglichkeiten hochentwickelter Produktivkräfte.
       Offen jedoch  bleibt die Frage nach den in den stofflichen Bedin-
       gungen moderner  Technik liegenden möglichen Negativeffekten der-
       selben.
       Diese Frage  zu stellen,  dienen die  folgenden Überlegungen. Sie
       können nur  Skizze sein.  Entwerfen sollen  sie die  Richtung, in
       welcher weiterzudenken  ist, wenn wir fragen, mit welchen Proble-
       men uns  eine hochentwickelte Technologie konfrontiert. Zwei Pro-
       blemfelder seien  umrißhaft gezeichnet: einerseits das Verhältnis
       der "lebendigen" zur technischen Komponente des Produktivkraftsy-
       stems; andererseits  das von  Technik und  Natur. Beide  beziehen
       sich auf die Funktion der Technik, Instrument des Naturstoffwech-
       sels zu  sein. Die folgenden Erörterungen tragen daher den metho-
       dologischen Charakter  der Abstraktion.  Denn abgesehen  wird von
       der sozialökonomischen  Funktionsbestimmung der Technik. Erst je-
       doch die  Berücksichtigung des Doppelcharakters der Zweck-Mittel-
       Relation, in welche Technik durch soziale Praxis eingebunden ist,
       vermag die gesellschaftliche Wirklichkeit zu erfassen. Doppelcha-
       rakter insofern,  als Technik einerseits als Instrument von Natu-
       raneignung fungiert,  andererseits jedoch  als Instrument der Re-
       alisierung sozialökonomischer  Beziehungen zwischen  den  Gesell-
       schaftsmitgliedern rein gesellschaftliche Funktionen erfüllt 24).
       
       3. Entwicklungsprobleme der stofflichen Vergesellschaftung
       ----------------------------------------------------------
       technischer Systeme
       -------------------
       
       3.1. Mögliche Widersprüche zwischen der "lebendigen"
       ----------------------------------------------------
       und der "toten" Arbeit.
       -----------------------
       
       Gesellschaftliche Entwicklung steht in einem kontinuierlichen wie
       zugleich diskontinuierlichen Verhältnis zu ihren eigenen naturge-
       schichtlichen Voraussetzungen.  Die  Evolution  alles  Lebendigen
       vollzieht sich  über die  zunehmende Entfaltung und Komplizierung
       der Organe  des Stoffaustausches  mit der  Umwelt 25).  Dies gilt
       auch für die gesellschaftliche Entwicklung. Doch durch die Arbeit
       findet ein  folgenreicher Umbruch  in den  natürlichen Grundlagen
       menschlicher Existenz statt: die Organe der Stoffwechselaktivität
       werden nach  "außen" verlegt  und  erhalten  eine  unbiologische,
       künstliche Gestalt.  Technik entsteht,  und zwar als ein externes
       künstliches Organsystem des Austausches mit der Natur. Mit dieser
       "Externalisierung" verändert sich zugleich auch der "Organismus",
       auf welchen  das System der Arbeitsmittel bezogen ist und welcher
       Träger und Subjekt von deren Fortentwicklung wird: nicht mehr be-
       darf die Entwicklung zum Höheren der Veränderung des biologischen
       Organismus, sondern  sie vollzieht sich - soweit es die Dimension
       des Naturstoffwechsels betrifft - über die Ausdifferenzierung des
       künstlichen Organsystems  der Technik unter weitgehender Konstanz
       der biologischen  Ausstattung des Menschen. Träger dieses Prozes-
       ses sind nicht mehr die biologischen Organismen einer Population,
       sondern dieser  Träger ist die Gesellschaft. Damit tritt ein fol-
       genreicher Umbruch  ein hinsichtlich  der Ganzheit,  die Resultat
       und Potenz  des evolutiven Prozesses repräsentiert: In der biolo-
       gischen Evolution  fallen die  Veränderung der  Art und diejenige
       des Individuums  zusammen, existiert doch die biologische Spezies
       nur in  Gestalt ihrer individuellen Repräsentanten 26). Die orga-
       nismische Ganzheit  des Individuums und ihre genetische Konditio-
       nierung sind  Kristallisationsform des  Erbes bisheriger Entwick-
       lung der  Arten. Demgegenüber  signalisiert die  Externalität der
       gesellschaftlichen Produktionskräfte, daß nicht mehr der biologi-
       sche, sondern der soziale Organismus die Ganzheit bildet, an wel-
       cher und  über welche  geschichtliche Entwicklung sich vollzieht.
       Indem die  Menschwerdung außerhalb  der organischen Struktur sich
       vollzieht, verlagert  sich die  "Menschennatur" auf  die  Gesell-
       schaft. Damit  aber ist  eine, der  biologischen Evolution selbst
       unbekannte Möglichkeit  des Auseinandertretens  von Gattungs- und
       Individualentwicklung entstanden  27): im  System der Technik ge-
       rinnen die  Produktionserfahrungen einer Gesellschaft zur sachli-
       chen Gestalt.  Über sie wird das gesammelte Können und Wissen ge-
       nerationsweise tradierbar,  d.h. aber  vor allem:  erlernbar. Dem
       menschlichen Individuum  ist die Fähigkeit der Gattung nicht mehr
       "eingeboren", d.h.  über den  genetischen  Kode  qua  "Innenspei-
       cherung" mitgegeben,  sondern in  Gestalt der  "Außenspeicherung"
       der in  Technik vergegenständlichten  Gattungskräfte  aufgegeben.
       Diese  müssen   vom  Individuum  angeeignet  werden,  sollen  sie
       eingehen in  die Bildung  des Reichtums  der menschlichen  Natur.
       Dieser   Aneignungsprozeß    ist   ein   sozialökonomisches   und
       stoffliches Verhältnis  zugleich. Seine  Doppelnatur hat weitrei-
       chende Konsequenz  für die  Individuation der  gesellschaftlichen
       Wesenskräfte. Sind  die sozialökonomisch  bedingten Einschränkun-
       gen, die entstehen, wenn die produzierenden Individuen vom Eigen-
       tum an den materialisierten Gattungspotenzen ausgeschlossen sind,
       nicht zuletzt  auch in den Ergebnissen der kritischen Psychologie
       ansatzweise aufgearbeitet 28), so wollen wir hier auf die "andere
       Seite" verweisen.  Nämlich auf  die stofflichen Implikationen des
       Auseinandertretens von Gattungs- und Individualentwicklung, deren
       Verschränkung mit den sozialökonomischen Bedingungen erst das ka-
       pitalismusspezifische Auseinanderklaffen  von technischem und so-
       zialem Fortschritt begründet.
       Technischem Fortschritt  liegt die  Übertragung ehemals durch die
       natürlichen Arbeitsorgane des Individuums wahrgenommener Arbeits-
       operationen an  das technische Instrument zugrunde 29). Die tech-
       nische Modellierung  menschlicher Tätigkeiten  setzt voraus,  daß
       ehemals individuelle  Handlungen einem  sozialen Objektivierungs-
       prozeß unterliegen, in welchem ihre zweckmäßigste Gestalt heraus-
       gearbeitet, eindeutig fixiert und damit wiederholbar gemacht wird
       30). So  wohnt jedem  technischen Gebilde  ein  überindividuelles
       Verwendungsprogramm inne,  in  welchem  die  Gesellschaftlichkeit
       dieses Objektivationsprozesses  zur sachlichen  Gestalt  gerinnt.
       Die Delegation ehemals lebendiger Arbeitsoperationen an das tech-
       nische System  beinhaltet deren  gesellschaftliche  Potenzierung,
       ist es doch Ziel der in Technik zweckgerichtet umgeformten Natur-
       kräfte, die  aus der  biologischen Organisation  des  Individuums
       entspringenden Schranken  seiner produktiven  Tätigkeit hinauszu-
       schieben und  zu überwinden  31). In  der lebendigen Realisierung
       der der  Technik einverleibten  Produktionsfunktionen  vergesell-
       schaftet der  Mensch zugleich  seine eigene Tätigkeit. Sowohl der
       der Technik  zugrunde liegende gesellschaftliche Objektivierungs-
       prozeß wie  auch die in ihr statthabende Potenzierung individuel-
       ler Handlungen kennzeichnen die Ausbildung des technischen Organ-
       systems als  elementaren Vergesellschaftungsvorgang.  Der techni-
       sche Fortschritt  ist in  dieser Dimension fortschreitende Verge-
       sellschaftung der stofflichen Bedingungen von Arbeit. Die produk-
       tive Kraft  des technischen  Werkes ist  immer eine  der  Gesell-
       schaft, nicht  des einzelnen  Individuums, und hat doch keine Re-
       alität außerhalb  ihrer Betätigung durch die produzierenden Indi-
       viduen.  Technischer  Fortschritt  als  Vergesellschaftungsprozeß
       heißt zugleich, ihn nicht nur zu messen an den durch ihn geschaf-
       fenen Entfaltungsmöglichkeiten  der Gesellschaft  im Allgemeinen,
       sondern auch  der Individuen  im Besonderen  32). Insofern die in
       Technik vergegenständlichten  Gestaltungskräfte nur  potentielle,
       d.h auf  Aktualisierung durch  den Menschen angewiesene sind, ist
       der Funktionsweise des technischen Mittels stets ein spezifisches
       Verhältnis von  lebendiger und vergangener Arbeit eigen. Die Ver-
       wirklichung der  festgeronnenen Produktionsfunktionen bedarf spe-
       zifischer Tätigkeitsprofile  seitens der Produzenten, die mit der
       Operationsweise des  künstlichen  Mittels,  seinem  "Verwendungs-
       programm" gegenständlich  erfordert sind.  Die Ersetzung  mensch-
       licher  Arbeit   durch  Technik  ist  stets  zugleich  Neusetzung
       lebendiger Arbeit 33).
       Analog der  in Technik materialisierten "toten" Arbeit unterliegt
       auch die lebendige einem Vergesellschaftungsprozeß. Doch verläuft
       im Zuge  wechselseitiger  Ersetzung  und  Neusetzung  produktiver
       Handlungen deren  Vergesellschaftungsniveau nicht synchron. Nicht
       jeder Entwicklungsstufe  der in Technik vergegenständlichten Gat-
       tungspotenz korrespondiert  ein Profil lebendiger Tätigkeit, wel-
       che diese Potenzen in seinem individuellen Produktionsvermögen zu
       realisieren und auszubilden gezwungen ist. Dies sei an einem kur-
       zen technikgeschichtliche.n  Exkurs erläutert:  Typisch  für  die
       technikgeschichtliche Epoche,  die von  den Anfängen  technischen
       Schaffens bis zur industriellen Revolution reicht, ist das einfa-
       che Werkzeug, das der Produzent in handwerklicher Betätigung zwi-
       schen sich  und den  Arbeitsgegenstand schiebt.  Dem Werkzeug ist
       keine der  Grundfunktionen der  Fertigung vollständig übertragen:
       Werkzeugführung,  Werkstückhandhabung,  Energiezufuhr  verbleiben
       dem Menschen. Die Technik fungiert hier mehr als Verlängerung und
       Verstärkung der natürlichen Arbeitsorgane des Handwerkers, seiner
       Hände, Sinne  usw. Dieser  naturwüchsigen Einheit entspricht, daß
       die subjektiven  Arbeitsfertigkeiten unmittelbar gebunden bleiben
       an die  leibliche Ausstattung  des  Menschen,  seine  geschickten
       Hände, genau  registrierenden Sinne.  Der Produzent vermag die in
       Technik kristallisierten  produktiven Kräfte im kunstfertigen Um-
       gehen mit denselben sich unmittelbar anzueignen. Das Auseinander-
       fallen der  Entwicklung der Gattungspotenzen und ihrer Individua-
       tion durch  die Produzenten ist noch keine dem technischen Prozeß
       innewohnende Möglichkeit. Hier liegt der Grund, daß in Klassenge-
       sellschaften, die  auf handwerklicher  Produktionsweise  beruhen,
       die Technik sich noch nicht als Mittler und Träger sozialökonomi-
       scher Herrschaftsbeziehungen eignet. Letztere bedurfte der unmit-
       telbaren Inbesitznahme  des Menschen  (Sklaverei/Leibeigenschaft)
       und des  Einsatzes  außerökonomischer  Zwangsmittel.  Schon  hier
       zeigt sich,  daß die Fähigkeit der Technik, auf die Unterdrückung
       von Menschen  gerichtete herrschaftliche  Zwecke umzusetzen, kei-
       neswegs eine  substantielle Eigenschaft  der Technik ist, sondern
       gebunden ist an einen spezifischen Umfang der Akkumulation in ihr
       vergegenständlichter Produktionspotenzen. Doch schon in der manu-
       fakturellen Aufspaltung  der  ganzheitlichen  handwerklichen  Ar-
       beitsoperation in  schematisierte Teilarbeiten  kündigt sich  das
       Auseinandertreten von  Gattungspotenz und individueller Aneignung
       gesellschaftlicher Wesenskraft  an. Es  wird zur  umfassenden ge-
       sellschaftlichen Realität im Zuge der Umwälzung der subjektabhän-
       gigen individuellen  Produktivkraftstruktur der  Handarbeit durch
       die industrielle  Revolution. In  der  Maschine  werden  erstmals
       Grundfunktionen produktiver  Prozesse  technologisch  vollständig
       modelliert und erhalten im maschinellen System eine vom Produzen-
       ten abgetrennte,  objektivierte Gestalt  34). Doch verkörpert das
       mechanisierte System die Delegation von Fertigungsfunktionen noch
       durchaus unvollständig,  da dem Produzenten so wesentliche Opera-
       tionen wie  die Regelung, Steuerung und Kontrolle des technologi-
       schen Ablaufes  verbleiben. Menschliche  Arbeitskraft, soweit sie
       der Maschinerie  aggregiert ist,  hat  die  Mechanisierungslücken
       derselben aufzufüllen,  die Mängel  noch unvollständiger Übertra-
       gung von Fertigungsfunktionen auf die Technik zu kompensieren und
       ist daher deren Bewegung vollkommen subsumiert.
       War der  Handlungskreis handwerklicher Produktion durch die über-
       greifende Rolle  lebendiger Arbeit gekennzeichnet, so ist für den
       Funktionskreis maschineller Fertigung die übergreifende Rolle des
       mechanischen Systems konstitutiv. Die kompensatorische Rolle men-
       schlicher Arbeitskraft  zieht die  routinisierte, unschöpferische
       Arbeit notwendig nach sich. Die "Entleerung" der Arbeitstätigkeit
       zeigt sich  hier nicht  einfach als  Resultat des  hochvergesell-
       schafteten Produktionssystems, sondern folgt umgekehrt aus dessen
       Vergesellschaftungslücken. Solange  der Produzent als untergeord-
       netes Moment  des maschinellen  Handlungskreises agiert,  solange
       ist die  Individuation der  in der Maschinerie akkumulierten Gat-
       tungspotenz keine durch den technischen Prozeß erforderte Notwen-
       digkeit. In dieser Differenzierung zwischen den produktiven Kräf-
       ten der  Gattung und denjenigen der produzierenden Individuen ist
       erstmals die stoffliche Voraussetzung eines Einsatzes der Technik
       für Zwecke  der Herrschaft des Menschen über Menschen entstanden,
       wie sie  dann in der reellen Subsumtion der Arbeit unter die Ver-
       wertungslogik des Kapitals zur historischen Realität wurde.
       Erst die  sich in der Vollautomatisierung eröffnende Perspektive,
       auch die  mit der  Verarbeitung von Information befaßten routini-
       sierten  Fertigungsfunktionen   an  Technik  zu  delegieren  35),
       schafft die  Möglichkeit  der  Ersetzung  aller  unschöpferischen
       schematisierten Tätigkeitsprofile  in der  unmittelbaren  Produk-
       tion. Der  menschlichen Arbeitskraft  können  demgegenüber  neue,
       stärker wissenschaftlich und schöpferisch durchsetzte Tätigkeiten
       in den  der Fertigung vor- und nachgelagerten Bereichen zuwachsen
       36). Indem  der Produzent  nicht mehr  ausführendes Organ  der in
       Technik vergegenständlichten produktiven Zwecke ist, sind erst in
       der Perspektive hochautomatisierter Fertigung die stofflichen Be-
       dingungen herausentwickelt, aufgrund derer die Möglichkeit (nicht
       Notwendigkeit!) entstanden  ist, daß die lebendige Arbeit von ei-
       ner den  objektiven Bedingungen  ihrer Betätigung untergeordneten
       zu einer diese beherrschenden sich emanzipieren kann.
       Der kursorische Überblick sollte zweierlei zeigen:
       1. Die mit  der "Außenspeicherung"  des gesellschaftlichen  Erbes
       anhebende Möglichkeit  des Auseinanderfallens  von Gattungs-  und
       Individualentwicklung findet im technischen Fortschritt ihr mate-
       rielles Substrat  nur dann,  wenn dieser  Disparitäten des Verge-
       sellschaftungsniveaus lebendiger und in Technik verobjektivierter
       Tätigkeiten zeitigt.
       2. Indem jedoch  die "Verarmung"  individueller Tätigkeitsprofile
       nicht dem in Technik statthabenden Vergegenständlichungs- und Di-
       stanzierungsprozeß schlechthin  anzulasten ist,  sondern  in  dem
       noch unterentwickelten  Stadium der Vergesellschaftung des Natur-
       stoffwechsels begründet  ist, kann eine Veränderung nicht etwa im
       Rekurs auf  Modelle vorindustrieller Einheit von Mensch und Tech-
       nik erhofft  werden. Sondern  sie bedarf auf Basis der Revolutio-
       nierung der  sozialen Verhältnisse  auch der  Fortentwicklung des
       technischen Systems gemäß der ihm innewohnenden "Logik von Verge-
       sellschaftung". Denn  diese schafft  nicht nur die abstrakte Mög-
       lichkeit des  Auseinanderfallens, sondern auch die einer neuarti-
       gen Synthese  des Verhältnisses  von Gattungs- und Individualent-
       wicklung im Zuge dynamisch automatisierter Produktion.
       
       3.2. Technologie und die Abhängigkeit der Gesellschaft
       ------------------------------------------------------
       von der Natur
       -------------
       
       Mit Technik  bezwecken wir  die Umgestaltung  unserer natürlichen
       und künstlichen Umwelt. So scheint es nicht unangemessen zu sein,
       technische Entwicklung geradezu zum Symbol der schrittweisen Aus-
       dehnung gesellschaftlicher  Macht über  die Natur zu stilisieren.
       Doch eine  Sichtweise, in der Technik zur Inkarnation des Ausbeu-
       tungs- und  Machtstrebens gegenüber  der Natur  gerät, in welcher
       jene zum  grenzenlos formbaren Gegenstand menschlicher Nutzanwen-
       dung degeneriert, kann den Kern des Verhältnisses von Technologie
       und Natur  nicht erfassen 37). Seine Emanzipation von den inneren
       und äußeren Schranken der Natur kann der Mensch nur verwirklichen
       in Gestalt einer neuen Form von Abhängigkeit, seine Befreiung von
       den Zwängen  der Natur vermittels Technologie nur als neuerliches
       Eingehen in  die Natur.  Denn die Meisterung der Natur ist reali-
       sierbar allein durch ihre technologische Einbeziehung: bei Strafe
       der Funktionsfähigkeit  hat jedes technische Gebilde Naturgesetz-
       lichkeiten zu  berücksichtigen. Und  dies nicht nur als gleichsam
       passive Grenze  des Verbots, gegen Naturgesetze zu verstoßen. Die
       "List" technologischer  Vernunft besteht  gerade  darin,  daß  im
       technischen Instrument  natürliche Wirkungsketten  zweckgerichtet
       umgeformt und kombiniert werden, so daß sie in den Dienst gesell-
       schaftlicher Zwecke  genommen werden können 38). Die funktionelle
       Modellierung menschlicher  Arbeitsoperationen in  der Technik ge-
       lingt nur  durch die  zweckgerichtete Einbeziehung naturgesetzli-
       cher Wirkungszusammenhänge:  Die Wirkung eines Verbrennungsmotors
       kommt nicht anders zu Stande denn durch Einsatz und Nutzung ther-
       modynamischer Gesetze, der Chemie der Kraftstoffe, der Strömungs-
       mechanik der Gase usf.
       Indem eine  Gesellschaft natürliche  Prozesse und Kräfte zu ihren
       technologischen Gestaltungskräften formt, wird das Band zur Natur
       durch Technik  nicht einfach  zerrissen, sondern auf neue Art und
       Weise geknüpft.  In der Technik erfolgt eine Eingliederung natür-
       licher Wirkweisen in die Funktionszusammenhänge des Sozialen. Als
       Komplex natürlicher und gesellschaftlicher Bewegungsformen findet
       somit in  der Technik eine wechselseitige Einschränkung von Natur
       und Gesellschaft  statt. Baut die Gesellschaft die freie Bewegung
       der Natur zugunsten der geordneten ihrer technischen Werke ab, so
       ist die  schöpferische technische  Neuordnung  grundsätzlich  be-
       grenzt durch  die universale  Gültigkeit natürlicher Gesetzmäßig-
       keiten.
       Die Berücksichtigung naturgesetzlicher Wirkungsabläufe in techno-
       logischen Prinzipien vertieft sich im Zuge stofflicher Vergesell-
       schaftung der Technik. Der durch sie vermittelte Stoff- und Ener-
       gieaustausch mit  der Natur hat zunehmend "unbezweckte" Sekundär-
       effekte in  Gestalt der  Veränderungen in  den materiellen Zyklen
       des Naturmilieus  zur Folge. Der biotische Kreislauf 39) ununter-
       brochener Hervorbringung  und Vernichtung von organischen Stoffen
       hat relativ  stabile Beziehungen zwischen verschiedenen Variablen
       zur Grundlage  wie Klima,  Zusammensetzung der Atmosphäre, Meere,
       lebenserhaltende Qualitäten  der Landoberfläche  und der natürli-
       chen Reservoire  und Zyklen  40). Da die menschliche Gesellschaft
       nur als  Bestandteil der Biosphäre existiert, hat ihr Eingriff in
       die Naturumwelt  zugleich die Umverteilung von Energien und Stof-
       fen der  materiellen Zyklen  im Gesamtsystem  der Erde zur Folge.
       Nun begleiten Verschiebungen im Kreislauf des Naturhaushaltes die
       gesellschaftliche Produktionstätigkeit  zwar von  Anbeginn.  Doch
       ernsthafte Störungen  entscheidender Prozesse der Lebenserhaltung
       des Planeten  setzten erst  ein mit  der Industriellen Revolution
       und erhalten durch den gegenwärtigen Grad globaler Naturaneignung
       eine Dimension,  in welcher der Mensch dem Gesamtsystem und folg-
       lich seinem  eigenen Erhalt  gefährlich werden kann. Industriali-
       sierung und Städtebau beeinflussen die tierische, pflanzliche und
       kleinstorganismische Entwicklung,  wirken ein  auf die  geochemi-
       schen Zerfalls- und Aufbauprozesse, verändern Wasserhaushalt, Zu-
       sammensetzung der  Atmosphäre etc.. Partikulare Veränderungen ha-
       ben Einfluß  auf das  ökologische  Gesamtsystem  und  verursachen
       weitreichende Rückwirkungen.  Die Metamorphose  der  Natur  durch
       technische Eingriffe hat auf dem gegenwärtigen Entwicklungsniveau
       die Gesetzlichkeiten der Biosphäre mitzuberücksichtigen. Insofern
       die in  technischen Systemen  genutzten und eingesetzten Energien
       und Materialien  als Bestandteile  des  umfassenden  ökologischen
       Kreislaufes zu begreifen sind, muß Technik selbst als organischer
       Bestandteil des  ökologischen Kreislaufes  angesehen werden.  Der
       Maßstab, der  an die  Optimierung technischer  Systeme  anzulegen
       ist, muß  folglich zugleich  ein Maßstab der Optimierung ökologi-
       scher Reproduktionszusammenhänge sein. Technische Effizienzkrite-
       rien können  nicht mehr außerhalb derjenigen des Gesamtlebensrau-
       mes entwickelt  werden. Die  Abhängigkeit von naturimmanenten Ge-
       setzlichkeiten -  sie ist im einzelnen technischen Mittel bereits
       in Gestalt der Notwendigkeit der Berücksichtigung von Naturgeset-
       zen verkörpert - stellt sich nun in Gestalt zu berücksichtigender
       Wirkungszusammenhänge der Biosphäre auf qualitativ neuem Niveau.
       Damit aber findet eine folgenreiche Veränderung im Verhältnis von
       angestrebtem Zweck  und objektiver  Wirkung technischen Einsatzes
       statt. Jedes  technische Gebilde verkörpert in seiner gegenständ-
       lichen Funktionsweise  einen  gesellschaftlich  gesetzten  Zweck.
       Doch geht die soziale Wirklichkeit der Technik nicht auf in ihrer
       gegenständlichen Struktur, repräsentiert diese doch erst potenti-
       ell die  abverlangte Aufgabenbestimmung.  Nur die  Verwirklichung
       dieser Funktion  - das  sind aber:  die realen Wirkungen, die aus
       der Benutzung  von Technik  resultieren - enthüllt die "Wahrheit"
       der Technik  als soziales Phänomen. Es ist somit zu unterscheiden
       zwischen der Aufgabe, die eine Gesellschaft mit ihren technischen
       Konstruktionen bezweckt,  und den  Wirkungen, die sie durch deren
       Realisierung bewirkt.
       Nun korrespondiert der Zunahme ökologischer Folgeeffekte des Ein-
       satzes großtechnischer  Systeme die  Tendenz des zunehmenden Aus-
       einanderfallens von  unmittelbarem Zweck  und objektiver Wirkung.
       Was mit  der Technik bezweckt und was durch sie bewirkt wird, ist
       nicht deckungsgleich.  Dem unmittelbaren  Zweck, höhere "Ordnung"
       der Natur  im künstlichen System zu erlangen, korrespondiert sein
       Gegenteil: die  Rückführung von komplexen zu einfachen Strukturen
       in der  Reduzierung und Vernichtung organischer Populationen, der
       Zerrüttung natürlicher  Systeme durch  Verschmutzung von  Wasser,
       Luft und  Boden etc..  Dieses Spannungsverhältnis von organisati-
       onsabbauender Funktion der Gesellschaft gegenüber der Natur macht
       deutlich, wie  das Nicht-Zusammenfallen  von beabsichtigtem Zweck
       und unbeabsichtigter Wirkung zur Folge hat, daß die Fernwirkungen
       die Primäreffekte  an  Bedeutung  zu  übersteigen  beginnen.  Daß
       technologische  Transformationen   über   ihre   gegenständlichen
       Resultate hinausgehenden  Wirkungen haben,  ist jedoch keineswegs
       Ursache lebensbedrohlicher Folgen moderner Technik. Dies ist erst
       dann der  Fall, wenn  gesellschaftliche Planmäßigkeit nur auf den
       unmittelbaren Zweck-Mittel-Zusammenhang  angewandter Technik sich
       bezieht, dagegen  die außertechnischen  Fern- und  Folgewirkungen
       außerhalb der  rationellen Organisation des technischen Prozesses
       liegen. In der Form kapitalistischen Privateigentums an industri-
       eller Technik  unterliegt nun  zwar die  Primärrelation von Zweck
       und Mittel - allerdings in Gestalt der Priorität des Verwertungs-
       zweckes -  der bewußten Regelung. Nicht jedoch mehr das Gesamtsy-
       stem  gesellschaftlicher  Zwecke,  welches  sich  als  Resultante
       gleichsam hinter  dem Rücken der Beteiligten konstituiert. Dem in
       der Technologie  zweckgerichtet wirkenden  Prozeß ist ein Grad an
       Determiniertheit zueigen, welche die kapitalistische Gesellschaft
       sich selbst  gegenüber als  sozialem System nicht zu entfalten in
       der  Lage   ist.  Dieses  "Determinationsgefälle"  in  den  Funk-
       tionsmechanismen technischer  und sozialer Entwicklung verwandelt
       das Nichtzusammenfallen  von technologischem  Zweck und  sozialer
       Wirkung in  die Gefahr  lebenszerstörerischer Folgen  großtechni-
       scher Projekte.
       
       _____
       1) Vgl. G.  Ropohl, Eine Systemtherorie der Technik, München/Wien
       1979.
       2) Vgl. dazu  exemplarisch H.  v. Gizycki,  H. Habicht, Oasen der
       Freiheit 1978;  Th. Schmidt,  Kuh und Komputer, in: Autonomie Nr.
       3, München 1976
       3) Vgl. dazu  F.G. Jünger, Die Perfektion der Technik, 1949; H.J.
       Meyer, Die Technisierung der Welt, Tübingen 1961.
       4) Vgl. dazu  K. Jaspers,  Vom Ursprung  und Ziel  der Geschichte
       1957; M. Heidegger, Die Technik und die Kehre, Prüflingen 1962
       5) Vgl. exemplarisch  N. Berdjajew, Der Mensch in der technischen
       Zivilisation, Wien  1948; J.  Bernhardt, Der  technische  Mensch,
       Augsburg 1946
       6) Vgl. dazu u.a. G. Quarg, Wider den technischen Kulturpessimis-
       mus, Düsseldorf  1949; P. Luchtenberg, Vom Beitrag der Technik im
       Werden der Kultur, in: VDI-Nachrichten 14/1958, S. 5 ff; E. Fink,
       Technische  Bildung  als  Selbsterkenntnis,  in:  VDI-Zeitschrift
       5/1962, S. 381 ff.
       7) Vgl. R.  Aron,  Die  industrielle  Gesellschaft,  Frankfurt/M.
       1964: D.  Bell, Die  postindustrielle Gesellschaft, Frankfurt/M.,
       New York  1975; H.  Freyer, Theorie des gegenwärtigen Zeitalters,
       Stuttgart 1958
       8) Zur Technokratiedebatte  vgl. exemplarisch  die Diskussion  in
       der Zeitschrift  "atomzeitalter",  insbesondere  Sonderheft  7/8,
       1967.
       9) Siehe u.a.  A. Huning,  Technik: Wissenschaft  oder  Handwerk.
       Wissenschaftstheorie der Technik als Aufgabe, in: VDI-Nachrichten
       52/1969, S.  25 f;  ders.: Erfahrungsbezogene Wissenschaften. Zur
       Methode der  Naturwissenschaft und  Technik, in:  VDI-Nachrichten
       20/1976;  F.  Rapp,  Die  Technik  in  wissenschaftstheoretischer
       Sicht, in:  Neue Aspekte  der Wissenschaftstheorie,  hrsg. v.  H.
       Lenk, Braunschweig  1971, S.  179 ff;  ders., Technik  und Natur-
       wissenschaft -  eine methodologische  Untersuchung,  in:  Techne,
       Technik, Technologie,  hrsg. v.  H. Lenk  und S.  Moser,  Pullach
       1971, S.  108 ff; H. Rumpf, Gedanken zur Wissenschaftstheorie der
       Technikwissenschaften, in:  Techne, Technik, Technologie, a.a.O.,
       S. 82 ff.
       10) Vgl. dazu  exemplarisch: G. Ropohl, Die Systemtechnik und das
       gesellschaftliche Bewußtsein  des Ingenieurs,  in: technica 1970,
       S. 303  ff; ders.,  Prolegomena zu einem neuen Entwurf der allge-
       meinen Technologie,  in: Techne, Technik, Technologie, a.a.O., S.
       152 ff; ders., Eine Systemtheorie der Technik, a.a.O.
       11) Auf den Einfluß außertechnischer, gesellschaftlicher Wertmaß-
       stäbe bei  der Konstruktion  eines technischen Gebildes verweisen
       u.a. auch die Ergebnisse einer ingenieurwissenschaftlichen Diszi-
       plin, der  "Konstruktionssystematik". Vgl.  dazu u.a.  F. Hansen,
       Konstruktionssystematik, Berlin  1965; F.  Kesselring,  Bewertung
       von Konstruktionen,  Düsseldorf 1951; R. Matousek, Konstruktions-
       lehre des allgemeinen Maschinenbaus, Berlin 1974
       12) Vgl. G.Ropohl, Eine Systemtheorie der Technik, a.a.O., S. 104
       ff.
       13) Dafür exemplarisch  J. Habermas, Technik und Wissenschaft als
       Ideologie, Frankfurt/M. 1969.
       14) Vgl. dazu  H.D. Bahr,  Kritik der  "Politischen Technologie".
       Eine Auseinandersetzung  mit  H.  Marcuse  und  Jürgen  Habermas,
       Frankfurt/M. 1970;  ders.: Die  Klassenstruktur der  Maschinerie,
       in: Richard  Vahrenkamp (Hrsg),  Technologie und  Kapital, Frank-
       furt/M. 1973;  J. Habermas,  Technik und  Wissenschaft als  Ideo-
       logie, a.a.O.;  H. Marcuse,  Der eindimensionale Mensch. Neuwied,
       Berlin 1967;  G. Ch.  Tholen, Technischer  Fortschritt als Gewalt
       und Ideologie.  Zur Kritik  systemtheoretischer  Bildungsplanung,
       Gießen 1975
       15) Zur Kritik  am Topos "Technik als Herrschaft" vgl. R. Nemitz,
       Technik als Ideologie, in: Das Argument 103/1977
       16) Vgl. dazu  exemplarisch: P.  Bulthaup, Zur gesellschaftlichen
       Funktion der  Naturwissenschaften, Frankfurt/M.  1973; L. Hieber,
       Ist der  naturwissenschaftlich technische  Fortschritt noch demo-
       kratisch kontrollierbar?  in: Prokla  39/1980, S. 45ff; I. Ilich,
       Selbstbegrenzung. Eine  politische Kritik  der  Technik,  Hamburg
       1975; O.  Ullrich, Technik und Herrschaft, Frankfurt 1977; ders.,
       Weltniveau. In der Sackgasse des Industriesystems, Berlin 1979
       17) Vgl. dazu  u.a. R. Brun (Hrsg), Kleintechnologie contra Wirt-
       schaft, Frankfurt  1976; Prokol-Gruppe  Berlin, Der  sanfte  Weg.
       Technik in einer neuen Gesellschaft, Stuttgart 1976
       18) Vgl. dazu C. Amery, Natur als Politik. Die ökologische Chance
       der Menschen.  Hamburg 1976,  G. Armanski,  Überlegungen zum Ver-
       hältnis von  Mensch, Natur  und Gesellschaft, in: Prokla 34/1979,
       S. 109  ff; Ökologie  und  Arbeiterbewegung  -  ein  Widerspruch?
       Editorial, in:  Prokla 39  / 1980, S. 1 ff; H.M. Enzensberger und
       K.M.  Michel,   Ökologie  und   Politik  oder   die  Zukunft  der
       Industrialisierung, Kursbuch 33
       19) Vgl. dazu  B. Moldenhauer,  Fetisch Produktivkraft?  Ökologie
       und Ökonomie  in: Blätter für deutsche und internationale Politik
       12/1980, S. 146 ff.
       20) Vgl. dazu  exemplarisch das Kapitel "Die Marxsche Analyse der
       "Doppelform" des gesellschaftlichen Produktionsprozesses " in: R.
       Rilling, Theorie  und Soziologie  der Wissenschaft,  Frankfurt/M.
       1975 S. 13 ff
       21) Siehe J.H.  Mendner, Technologische  Entwicklung und Arbeits-
       prozeß, Frankfurt/M.  1975; R. Katzenstein, Die Investitionen und
       ihre  Bewegung  im  staatsmonopolistischen  Kapitalismus,  Berlin
       1967; L.  Peter, Neue  Technik und  die Folgen ihrer kapitalisti-
       schen Anwendung  in: Marxistische  Blätter 2/1978;  ders. Wissen-
       schaftlich-technischer Fortschritt,  neue Technik und Arbeiterbe-
       wegung, in:  Marxistische Studien,  Jahrbuch des  IMSF 2/1979; J.
       Schleifstein, Marxistische  Grundpositionen zur  Entwicklung  von
       Wissenschaft und Technik im Kapitalismus, in: IMSF (Hrsg.), Tech-
       nik-Umwelt-Zukunft, Frankfurt  / M.  1980, S.  58 ff; R. Steiger-
       wald, Technik-Weltanschauung-Klassenkampf, in: Marxistische Blät-
       ter, 6/1979, S. 9 ff.
       22) Vgl. dazu  die Arbeiten des Projektes Automation und Qualifi-
       kation (West-Berlin):  Automation in der BRD. Argument Sonderheft
       (AS) 7;  Entwicklung der Arbeitstätigkeiten und die Methode ihrer
       Erfassung, AS 19; Theorien über Automationsarbeit, AS 31
       23) Zur Diskussion  um den  Begriff der  wissenschaftlich-techni-
       schen Revolution  in der  BRD vgl. H.J. Sandkühler, Wissenschaft,
       Technik und  revolutionäre Veränderung,  in: Marxistische Blätter
       6/1979, S.  14 ff;  H. Lange, Ist die wissenschaftlich-technische
       Revolution gesellschaftsneutral?  Ebd. S. 20 ff; F. Haug, Wissen-
       schaftlich-technischer Fortschritt und Qualifikationsentwicklung,
       in: Marxistische  Studien, Jahrbuch des IMSF 3/1980, S. 43 ff; L.
       Peter, Produktivkraftentwicklung,  Automation und gesellschaftli-
       che Veränderungen, ebd., S. 59 ff.
       Einen Überblick über die Diskussion um die wissenschaftlich-tech-
       nische Revolution  in der  DDR gibt S. Krämer-Friedrich, Zur Ent-
       wicklung der  Konzeption "wissenschaftlich-technische Revolution"
       in der  DDR-Theorie, in:  Deutschland Archiv, Sonderheft 1976, S.
       53 ff
       24) Zu dem  Doppelcharakter der  Zweck-Mittel-Relation, in welche
       Technik eingebunden  ist, vgl.  S.  Krämer-Friedrich,  Vergesell-
       schaftung der  Natur und  Natur  der  Gesellschaft-Versuch  einer
       gesellschaftstheoretischen Bestimmung  der Technik, Diss. Marburg
       1979 (erscheint 1982 bei Campus).
       25) Vgl. dazu  G. Heberer  (Hrsg), Die  Evolution der Organismen,
       Stuttgart 1959; T. Dobzhansky, Evolution und Umwelt, in: 100 Jah-
       ren Evolutionsforschung, Stuttgart 1960, S. 83 ff.
       26) Zum Individuum  als einzig  wirklicher Realität  der biologi-
       schen Art vgl. O.H. Schindewolf, Neue Systematik, in: Paläontolo-
       gische Zeitschrift Bd. 36, 1962, S. 1 ff.
       27) Zu dieser  Differenz von  Humanität und  Animalität  vgl.  L.
       Sève, Für  eine materialistische Theorie der menschlichen Indivi-
       dualität, in:  W. Arnaszus  u.a., Materialismus. Wissenschaft und
       Weltanschauung im Fortschritt, Köln 1976, S. 163
       28) Vgl. dazu  folgende Arbeiten: K. Holzkamp, Sinnliche Erkennt-
       nis. Historischer  Ursprung und  gesellschaftliche  Funktion  der
       Wahrnehmung, Frankfurt/M.  1973: A.A. Leontjew, Probleme der Ent-
       wicklung des  Psychischen, Berlin  1973; L.  Sève, Marxismus  und
       Theorie der Persönlichkeit, Frankfurt/M. 1972.
       29) G.N. Wolkow prägte hierfür den Begriff der "funktionellen Mo-
       dellierung", in: ders., Soziologie der Wissenschaft, Berlin 1976,
       S. 65
       30) Vgl. dazu  K. Fuchs-Kittowski  u.a., Mensch  und Automatisie-
       rung, in:  Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Sonderheft 1973,
       S. 104 ff., hier: S. 105 ff.
       31) Diese schrittweise  Emanzipation vom  hemmenden  Einfluß  der
       biologischen Organisation  liegt sowohl der stufenweisen Entwick-
       lung des  Arbeitsmittels zugrunde  (das Werkzeug  durchbricht die
       Grenzen menschlicher Einwirkmöglichkeiten der Hand, die Maschinen
       die Schranken  vor allem  der Bewegungsenergie,  das automatische
       Regel- und Steuerwerk die beschränkte Kapazität des Nervensystems
       zur Informationsverarbeitung),  wie überhaupt jegliche technische
       Erfindung, man  denke nur an Fernrohr und Mikroskop, eine Steige-
       rung des Wirkungsgrades und der Reichweite der menschlichen Sinne
       zur Folge hat.
       32) Hier setzt  die Problematik  eines gesellschaftstheoretischen
       Begriffes von  technischem Fortschritt ein, der nur an dem Krite-
       rium der  Effizienz orientiert ist. So z.B. bei W. Krohn, Techni-
       scher Fortschritt und fortschrittliche Technik - die alternativen
       Bezugspunkte der  technischen Innovation, in: Technik oder wissen
       wir was wir tun, hrsg. v. W. Zimmerli, Basel 1976, S. 38 ff.
       33) Vgl. dazu K. Fuchs-Kittowski u.a., a.a.O., S. 106
       34) Zur Beschreibung  der durch  Mechanisierung  veränderten  Ar-
       beitsfunktionen vgl. J.H. Mendner, Technologische Entwicklung und
       Arbeitsprozeß, a.a.O.,  S.  122  ff;  H.Kern/M.  Schumann,  Indu-
       striearbeit und  Arbeiterbewußtsein, Teil  I, in: Wirtschaftliche
       und soziale  Aspekte des technischen Wandels in der BRD, hrsg. v.
       RKW, Bd. 8, Frankfurt 1970, S. 56 ff
       35) Vgl. dazu  Projektgruppe Automation:  Automation in  der BRD,
       a.a.O., S.  9; R. Sonnenmann, Mensch und Maschine, in: Maschinen-
       bautechnik 10/1974, S. 444; S. Karapanos, Der Standort der Infor-
       mationsmaschinen in  der wissenschaftlich-technischen Revolution,
       in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 8/1978, S. 1037 ff.
       36) Diese Entwicklungstendenzen  gehen vom  Modell  vollautomati-
       sierter Produktion aus, haben in dieser Hinsicht also den Charak-
       ter wissenschaftlicher  Antizipation. Sie  berücksichtigen  nicht
       Übergangsetappen, in denen entgegengesetzte Tendenzen freiwerden,
       z.B. in  der Locherinnentätigkeit. Wesentlich ist aber, daß diese
       unschöpferischen, routinisierten Tätigkeiten im Fortgange der Au-
       tomation wiederum an das technische System delegierbar sind.
       37) Dies aber  bei J.  Ellul, La Technique ou l' enjeu du siecle,
       Paris 1954;  S. Buchanan, Nature, Science and Technology. Techno-
       logy as  a System  of Exploitation,  in: Technology  and  Culture
       3/1963, S. 535 ff.
       38) Vgl. dazu  G. Banse,  Zur philosophischen Analyse der Heraus-
       bildung des  wissenschaftlichen Technikverständnisses,  Disserta-
       tion Berlin  1974; T.  Elek, Über die Wechselbeziehungen zwischen
       den technischen  Wissenschaften, Naturwissenschaften  und der Ma-
       thematik in:  Freiberger Forschungshefte  53,  Leipzig  1976;  G.
       Hochmuth, In technischen Gebilden und Verfahren wirkende Gesetze,
       in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 3/1976, S. 267 ff.
       39) Zum Begriff  des "biotischen Kreislaufes" vgl. M. Kamschilow,
       Wissenschaftlich-technischer Fortschritt  und Evolution  der Bio-
       sphäre, in: Gesellschaftswissenschaft 1/1975, S. 57 .
       40) Vgl. J.  McHale, Der  ökologische Kontext, Frankfurt/M. 1974,
       S. 81.
       

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