Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 05/1982


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       DIE SOZIALFORSCHUNGSSTELLE DORTMUND
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       Josef Hülsdünker/Rolf Schellhase/Brunhild Spannhake
       
       1. Die  Gründungsphase von  1946 bis  1949; 1.1 Gründung und pro-
       grammatische Grundlagen;  1.2 Organisation, innere Struktur, Ver-
       öffentlichungen; 2.  Die Sozialforschungsstelle  in den 50er Jah-
       ren; 3.  Die Sozialforschungsstelle  in den  60er Jahren;  4. Die
       Wiedereinrichtung der  SFS als  Landesinstitut; 4.1 Organisatori-
       sche Veränderungen; 4.2 Inhaltliche Schwerpunkte
       
       1. Die Gründungsphase von 1946 bis 1949
       ---------------------------------------
       
       1.1. Gründung und programmatische Grundlagen
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       Die Bemühungen um die Errichtung der Sozialforschungsstelle Dort-
       mund (SFS),  eines der größten westeuropäischen Institute für em-
       pirische Sozialforschung  in den 50er und 60er Jahren, reichen in
       die unmittelbare  Nachkriegszeit zurück.  Auf Initiative von Otto
       Neuloh 1) kam es im April 1946 zur Gründung der "Gesellschaft So-
       zialforschungsstelle an  der Universität  Münster e.V.  zu  Dort-
       mund", die die Funktion der Trägerorganisation für die rechtliche
       Vertretung und Finanzierung der SFS ausüben sollte. 2)
       Sowohl das  Gründungsdokument wie die Beiträge in der ab 1949 er-
       scheinenden Vierteljahreszeitschrift  der SFS "Soziale Welt" las-
       sen den  engen Zusammenhang  von Praxisorientierung  und spezifi-
       schem Gesellschaftsbild,  das der  Arbeit des  Instituts zugrunde
       gelegt war, erkennen. 3)
       Als ein  Exempel für  die hier  wirksame sozialpartnerschaftliche
       Grundhaltung der SFS sei aus der Fülle des Belegmaterials 4) Neu-
       lohs Vorstellung vom Betrieb als "Konvivium", als eine An Sozial-
       gebilde herausgegriffen,  wo über  die Realisierung  der  an  die
       Adresse der Betriebsführung gerichteten "Grundregeln der assozia-
       tiven Sozialpolitik"  5) noch bestehende Interessenkonflikte eli-
       minierbar seien.  Das reibungslose Funktionieren der sozialen Be-
       ziehungen insbesondere im industriellen Großbetrieb wird als Vor-
       aussetzung für  das Funktionieren  der industriellen Gesellschaft
       gewertet, wirkt  es sich doch "nach innen auf die Glaubwürdigkeit
       sozialer Ordnung  überhaupt aus  und nach  außen auf  die Gesell-
       schaft selbst als eine positive oder negative Potenz". 6) Ganz im
       Einklang mit  der "human relations"-orientierten Betonung der Be-
       deutung der "sozialen Beziehungen" bei Neuloh moniert Jantke, daß
       das "Studium  der zwischenmenschlichen  Verbundenheitsformen  und
       des sozialen  Prozesses im  industriellen Sektor"  gegenüber  der
       'Verwissenschaftlichung' der  technischen und  ökonomischen  Ele-
       mente des  Produktionsprozesses" noch  defizitär sei.  Ziel einer
       sich der  "sozialen Reform"  verpflichtet fühlenden Sozialwissen-
       schaft sei  die Schaffung  "einer sinnvolleren,  der sozialen Be-
       friedigung im  Arbeitsalltag dienenden  Gestaltung des  'Arbeits-
       kraftgefüges'" 7)  Die Grundlage  für die  Realisierungsfähigkeit
       derartiger Konzepte  wurde vor  allem in  dem angeblich  klassen-
       übergreifend hergestellten  Konsens über  die Notwendigkeit einer
       gesellschafts- und  wirtschaftspolitischen Neuordnung  oder  auch
       "Neugestaltung  des   Volksganzen"  (Siegmund-Schultze)  gesehen,
       welche nach  der Interpretation  der Soziologen der SFS die wirt-
       schaftliche, politische  und kulturelle  Integration der Arbeiter
       zum Inhalt  habe, wobei  angesichts der Dominanz von Wirtschafts-
       fragen gegenüber den anderen gesellschaftlichen Teilbereichen dem
       Betrieb als Ort der wirtschaftlichen Integration besondere Bedeu-
       tung zukomme.
       Wegen der  konstatierten Komplexität  des sozialen Lebens und der
       Vielschichtigkeit der  Probleme wurde  von vornherein großer Wert
       auf das  Prinzip der  Interdisziplinarität von Soziologen, Ökono-
       men, Juristen,  Psychologen und Historikern in der Arbeit der SFS
       gelegt. 8) Um die SFS "möglichst nahe an die Praxis des industri-
       ellen Lebens  heranzubringen, sollte  das Institut  im Ruhrgebiet
       errichtet werden."  9) Zugleich  war mit der Institutsgründung in
       Dortmund eine  bis dato  fehlende institutionelle Verankerung von
       sozialwissenschaftlicher Forschung  und Lehre  beabsichtigt.  Die
       Verbindung der Trägergesellschaft mit der Universität Münster war
       nicht zuletzt  darauf zurückzuführen, daß damals noch keine Hoch-
       schulen im  Ruhrgebiet existierten.  10) Bereits  im Vorfeld  der
       Gründung der  SFS wurde darauf hingewirkt, daß Regierung und Kom-
       munen (insbesondere die Stadt Dortmund), die Wirtschaft (Kammern,
       Unternehmen, Verbände),  die Gewerkschaften und die Universitäten
       Münster und  Köln im  Rahmen der  Trägergesellschaft kooperieren.
       11) Gleichzeitig wurden der SFS in der Vereinssatzung - neben der
       unter unterschiedlichen  Aspekten vorzunehmenden wirtschaftlichen
       und sozialen  Erforschung des Raumes Rheinland/Westfalen - Aufga-
       ben in  Schulung und Fortbildung von Berufstätigen sowie in bezug
       auf Beratung  und Gutachtertätigkeit für die verschiedenen Inter-
       essengruppen zugewiesen.
       Die skizzierten Prinzipien einer klassenübergreifenden Partizipa-
       tion haben  die Arbeit  der Sozialforschungsstelle über sämtliche
       im folgenden  dargestellten Entwicklungsphasen  hinweg bis in die
       Gegenwart hinein beeinflußt.
       
       1.2 Organisation, innere Struktur, Veröffentlichungen
       -----------------------------------------------------
       
       Nach der  Vereinssatzung gliederte  sich die  Gesellschaft in die
       Organe Präsidium,  wissenschaftliche Leitung, Kuratorium und Mit-
       gliederversammlung. Das  jeweils für  zwei Jahre von der Mitglie-
       derversammlung gewählte   P r ä s i d i u m   setzte sich aus dem
       Präsidenten, dem  stellvertretenden Direktor, dem Geschäftsführer
       (Neuloh) sowie je einem Vertreter der Tarifparteien zusammen. 12)
       Die   w i s s e n s c h a f t l i c h e  L e i t u n g  oblag dem
       wissenschaftlichen Direktor  und den  Abteilungsleitern. Ein  vom
       Präsidenten zu berufendes  K u r a t o r i u m  war für die Bera-
       tung des  Präsidiums und  für die  "Aufrechterhaltung einer  mög-
       lichst engen  Verbindung zwischen  der Gesellschaft,  der Wissen-
       schaft und  der Praxis"  zuständig. 13) Die  M i t g l i e d e r-
       v e r s a m m l u n g   hatte über  die Wahl  des Präsidiums, die
       Entlastung von  Präsidium und  Kuratorium, An-  und  Verkauf  von
       Grundstücken und über Satzungsfragen zu entscheiden. 14)
       Entsprechend der  Favorisierung von  Multidisziplinarität  wurden
       bereits zu  Beginn folgende  vier Abteilungen  eingerichtet: eine
       wirtschaftsgeschichtliche und -räumliche (Kuske), eine soziologi-
       sche und sozialpolitische (Neuloh), eine sozialrechtliche (Boldt)
       und eine  sozialpsychologische Abteilung  (Graf). Später  folgten
       die Abteilungen  "Soziale Volkskunde"  und "Sozialpädagogik". 15)
       Der Haushalt (1946: 150 000 RM) wurde zu je einem Drittel von den
       Provinzialverwaltungen Rheinland und Westfalen, den IHKs' und der
       Wirtschaft sowie  von den  Gewerkschaften aufgebracht.  Das Haus-
       haltsvolumen stieg bis 1954 auf 750 000 DM.
       Die ersten  wissenschaftlichen Arbeiten  des SFS  waren Problemen
       des wirtschaftlichen  Wiederaufbaus, der sozialen Lage der Bevöl-
       kerung sowie  den neuen rechtlichen Bedingungen gewidmet. Autoren
       waren u.a.  Schiller, Seebohm, Kromphart, Pfister, Giersch, Rohl-
       fing, Olivier  und Graf, Schultze-Westen, Lamprecht, Brehpohl und
       Boldt. 16)
       Ein großer  Teil der  hier genannten Arbeiten erschien in den Pu-
       blikationsreihen  "Dortmunder   Schriften  zur  Sozialforschung",
       "Soziale Forschung und Praxis" sowie in der "Sozialen Welt".
       
       2. Die Sozialforschungsstelle in den 50er Jahren
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       Die Erhöhung  der Mitarbeiterzahl von 20 auf 40 und die Sicherung
       einer langfristigen  - wesentlich auf öffentlichen Geldern basie-
       renden -  Finanzierung charakterisieren den Ausbau der SFS in den
       50er Jahren.  17) Bei  Beibehaltung der Problem- und Praxisorien-
       tierung traten  "an die Stelle kurzfristiger Erhebungen und zeit-
       lich begrenzter Untersuchungen... mehrjährige Projekte mit ausge-
       dehnter Feldarbeit  als neue Methode der Sozialforschung". 18) 73
       Publikationen erschienen in dieser Etappe. Neben Arbeiten auf den
       Gebieten der  Ökologie und Soziographie, der Soziologie der indu-
       striellen Großstadt,  des industriellen Sozial- und Arbeitsrechts
       sowie der  Sozialpsychologie und  -pädagogik galt die Aufmerksam-
       keit insbesondere  industrie- und  betriebssoziologischen  Frage-
       stellungen. 19)
       Angesichts eines  Verständnisses von  "Soziologie als Gegenwarts-
       und Krisenwissenschaft...,  die ihre Thematik stets dadurch zuge-
       teilt erhalten (hat), daß sie sich den im sozialen Strukturwandel
       jeweils erschütterten,  in Umbruch geratenen und instabil werden-
       den Erscheinungen  des menschlichen Zusammenlebens zuwandte", 20)
       lag der Schwerpunkt "vor allem (auf) Fragen der industriellen Be-
       triebsverfassung und Mitbestimmung sowie (der) Soziologie der Ar-
       beitskraft, (der)  Einstellung der  Arbeitnehmer zum  technischen
       Fortschritt und zu Wirkungen der Arbeitszeitveränderungen". 21)
       Als die  industrie- und betriebssoziologische Pilotstudie der SFS
       wird die von Kleiber, Paul und Schmidt unter der Leitung von Neu-
       loh ab  1950 erarbeitete  und von Jantke 1953 redigierte Untersu-
       chung "Bergmann  und Zeche"  bezeichnet, die sich als Beitrag zur
       "Diskussion über  den Stand  der menschlichen  Beziehungen im Ar-
       beitsprozeß untertage  und der sich daraus ergebenden Möglichkei-
       ten zu reformerischen Maßnahmen" definiert. 22)
       Zum Komplex  Mitbestimmung/Betriebsverfassung legte  die SFS drei
       große Untersuchungen  vor: die  beiden Studien  von  Neuloh  "Die
       deutsche Betriebsverfassung  und ihre Sozialformen bis zur Mitbe-
       stimmung" (1956)  und "Der  neue Betriebsstil"  (1960) sowie  die
       Studie von H.-J. Teuteberg über die "Geschichte der industriellen
       Mitbestimmung in Deutschland" (1961). 23)
       In von  Neuloh/Wiedemann und Wiedemann erstellten und aufeinander
       aufbauenden Studien  beschäftigte sich  die SFS  in  der  zweiten
       Hälfte der  50er Jahre mit den zunehmend wichtiger werdenden Pro-
       blemen von technischem Fortschritt, Rationalisierung und den dar-
       aus resultierenden  sozialen Konsequenzen.  24)  Ferner  erschien
       eine Arbeit  zur Kontroverse  um die tarifvertraglich vereinbarte
       Einführung einer  neuen, die  wöchentliche  Arbeitszeit  deutlich
       senkenden Schichtregelung. 25)
       Die ca. zehn Jahre nach der Gründung der SFS veröffentlichte Dop-
       peluntersuchung von Popitz/Bahrdt/Jüres/Kesting über "Technik und
       Industriearbeit" und  "Das Gesellschaftsbild  des Arbeiters" kann
       als die  wohl bekannteste  Studie nicht nur der SFS, sondern auch
       der bundesdeutschen  Industrie- und  Betriebssoziologie überhaupt
       gelten und  hat bis  in die Gegenwart diese Disziplin beeinflußt.
       26)
       Die Studien  weisen trotz  unterschiedlicher Themenstellungen und
       Zugänge wesentliche  Gemeinsamkeiten auf.  Das in  der Regel über
       die klassischen  Methoden der empirischen Sozialforschung wie Be-
       fragungen, Beobachtungen,  Arbeitsplatzbeobachtungen, Betriebsbe-
       sichtigungen, Interviews, Expertengespräche - vor allem im Rahmen
       von Einzelfallstudien - gewonnene Material erweist sich trotz der
       zum Teil  dezidiert aus der Sicht der Beschäftigten vorgenommenen
       Erhebungen in  der Auswertung schließlich in typischer "human re-
       lations"-Tradition als  Formulierung von  Handlungsanweisungen an
       die Betriebsleitungen  und das  Management als dem "Herz" des Be-
       triebs. 27)  Charakteristisch ist dabei die auch dem 1974 ins Le-
       ben gerufenen staatlichen "Aktionsprogramm 'Forschung zur Humani-
       sierung des  Arbeitslebens'" zugrunde  liegende doppelte Zielset-
       zung von  Humanisierung einerseits  und Erhöhung von Rentabilität
       und  Produktivität  als  dem  zentralen  Entwicklungsprinzip  der
       "Industriegesellschaft" andererseits; die sich letztlich über die
       Durchsetzung der Kapitalverwertungsinteressen herstellenden Bela-
       stungen am  Arbeitsplatz und negativen Folgewirkungen technischer
       Neuerungen für die Lohnabhängigen werden interpretiert als inner-
       halb des  Systems lösbare, offenbar lediglich von Kenntnissen und
       Haltungen abhängige  "Teilproblem(e) des  gewaltigen aktiven  und
       passiven Anpassungsprozesses zwischen Gesellschaft und Industrie,
       ... des  sozialen Wandels und der Bildung neuer sozialer Struktu-
       ren ...". 28) Die Handlungsanweisungen an das Management erstrec-
       ken  sich   denn  auch   von   Maßnahmen   zur   Entfaltung   der
       "Individualnatur" (Förderung  des betrieblichen Vorschlagswesens;
       Darreichung von Freizeithilfen; "Mobilisierung der aktiven Mitar-
       beit am  betrieblichen Geschehen"  zwecks Humanisierung  der men-
       schlichen Beziehungen  im Betrieb [Neuloh 1960]), über die Effek-
       tivierung der  Kalkulator- und  Meisterfunktion zwecks spannungs-
       freierem Aufspüren  von Rationalisierungslücken  (Wiedemann)  bis
       hin zu  Vorschlägen für das streßfreiere Anlernen der Arbeiter an
       neuen  Maschinen   bei  technischen  Umstellungen  (Neuloh/Braun/
       Werner); selbst  für die  Lohnabhängigen und  ihre Interessenver-
       tretungen positiv  einzuschätzende Vorschläge  wie Mitbestimmung,
       Verbesserung des  Informationszugangs,  Änderung  der  Lohn-  und
       Leistungssysteme  (Neuloh/Wiedemann)  werden  als  Maßnahmen  zur
       Schaffung von  Vertrauen in die Kompetenz der Betriebsleitung und
       zur  Einleitung   von  für   den  Erfolg  der  Rationalisierungen
       notwendigen Einstellungsänderungen der Lohnabhängigen zum techni-
       schen Fortschritt  propagiert. 29)  Demgegenüber -  und auch hier
       erinnern diese  ersten industrie-  und betriebssoziologischen Un-
       tersuchungen an  das aktuelle staatliche Humanisierungsprogramm -
       bleiben die  gewerkschaftlichen  Vorstellungen  unberücksichtigt.
       30) Dem  entspricht vor  allem in  den von Neuloh miterarbeiteten
       Studien die  konsequente Leugnung des in den Konflikten und Bela-
       stungen   zum    Ausdruck   kommenden    Klassencharakters    der
       "industriellen Beziehungen".
       Die Studien von Popitz u.a. heben sich insofern von denen Neulobs
       u.a. ab,  als sie Kooperation und Arbeitsteilung in Abgrenzung zu
       den "human  relations"-Theoremen wesentlich  mehr von den techni-
       schen und  organisatorischen Erfordernissen  der Anlagen  als von
       sozialen Beziehungen  bestimmt sehen und zudem - bei aller Genug-
       tuung über  die von  ihnen konstatierte  nachlassende Wirksamkeit
       marxistischer Erklärungsansätze  bzw.  deren  Verunglimpfung  als
       utopische, dogmatische  oder gar  "eingehämmerte" Auffassungen  -
       die Skepsis  der Lohnabhängigen  in bezug  auf mögliche  positive
       Wirkungen des  technischen Fortschritts, der Effizienz und Reich-
       weite der  Mitbestimmung in  ihren Thesen  über das dichotome Ge-
       sellschaftsbild des  Arbeiters zum  Ausdruck bringen und auf eine
       Illusionierung über  die Integrierbarkeit von Kapital- und Arbei-
       terinteressen im  Sinne einer  affirmativen "cow-sociology"  ver-
       zichten.
       
       3. Die Sozialforschungsstelle in den 60er Jahren
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       Die Übernahme der Funktion des wissenschaftlichen Direktors durch
       Helmut Schelsky leitete 1960 "geradezu ein(en) Umbruch der bishe-
       rigen  Institutsverfassung"   ein.  31)  Zwar  favorisierte  auch
       Schelsky ein soziologisches Forschungsinstitut mit "Praxisbezug",
       32) jedoch sollte sich dieser auf die 60er Jahre beziehen und da-
       mit auf  eine Gesellschaft,  die die Phase der Konsolidierung und
       Stabilisierung erfolgreich abgeschlossen hatte ("nivellierte Mit-
       telstandsgesellschaft"). Nach  seiner Einschätzung war gegen Ende
       der 50er  Jahre die  Zeit für eine Forschung, die durch ein - wie
       er es sah - antiideologisches Orientierungs- und Realitätsbedürf-
       nis geprägt war und einem "Konkretismus, ... der das perfide Ter-
       rain des Abstrakten zu vermeiden suchte", verhaftet war, abgelau-
       fen. 33)  Zwar strebte er keine Abschaffung der empirischen Sozi-
       alforschung an, jedoch ging es ihm um die Sicherung ihrer Praxis-
       bedeutung durch  theoretische Anleitung und Fundierung, ohne hin-
       gegen die von den Gründern der SFS fixierte Orientierung der For-
       schung auf  "Verbesserung des Vorgefundenen" qualitativ zu erwei-
       tern.
       In dieser  Phase der SFS, die durch Auflösung der Abteilungen zu-
       gunsten von Projektgruppen und die stärkere Konzentration auf so-
       ziologische Fragestellungen  gekennzeichnet war, verdoppelte sich
       die Zahl  der wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mit-
       arbeiter auf  fast 100;  der Etat  überstieg 1969   1 Mio DM. Die
       vorläufige Schließung  der SFS im Jahre 1970 und ihre Überleitung
       in die Fakultät für Soziologie der damals neu gegründeten Univer-
       sität Bielefeld ist zum einen durch den hohen Landesanteil an den
       Haushaltsmitteln der SFS begründet (1968: 66,5%), 34) zum anderen
       praktisches Ergebnis  der Arbeit Schelskys im Bereich der Wissen-
       schaftssoziologie und Wissenschaftsplanung an der SFS in den 60er
       Jahren. 35)
       In Anbetracht des enormen wissenschaftlichen "Outputs" der SFS in
       dieser Zeit  (allein über neunzig Projekte 1967/1968, mehr als in
       den gesamten  50er Jahren  36) müssen  sich diesbezüglich  Anmer-
       kungen auf  Stichworte beschränken.  Schelsky folgend lassen sich
       vier Abteilungen unterscheiden:
       1. Allgemein  theoretisch-methodische  Arbeiten  (vor  allem  der
       Funktionalismus Luhmanns,  Matthes'  Verstehende  Soziologie  und
       seine Religionssoziologie).
       2. Wirtschafts- und verwaltungsnahe Gebiete der Soziologie - ein-
       schließlich Sozialpolitik  und Berufssoziologie  (vor allem Hart-
       manns Soziologie  des Unternehmers, in Zusammenarbeit mit Wienold
       und Biermann)  - die zum Teil funktionalistisch-systemtheoretisch
       begründeten Industrie-  und betriebssoziologischen Untersuchungen
       von z.B.  Landwehrmann, Reichwein, Knebel u.a., Papalekas Automa-
       tisierungsstudie, Arbeiten über die Soziologie der Verwaltung von
       Jaeggi, Wiedemann  und vor  allem Luhmann  und die Thematisierung
       von Problemen  der Regionalstrukturentwicklung durch Storbeck und
       Steinberg u.v.a. mehr.
       3. Wissenschaftssoziologie und Wissenschaftsplanung von vor allem
       Helmut Klages, Helmut Schelsky.
       4. Industrie der  Entwicklungsländer (vor allem H.-A. Stegers La-
       teinamerikaforschung, Pfeffers Arbeiten über Afrika u.a.) 37)
       Während der 60er Jahre erschienen mit den um Detailtreue bemühten
       "Materialien  aus   der  empirischen   Sozialforschung"  und  den
       "Arbeitsunterlagen zur  Lateinamerikaforschung" zwei  zusätzliche
       Publikationsorgane des Instituts.
       
       4. Die Wiedereinrichtung der SFS als Landesinstitut
       ---------------------------------------------------
       
       4.1 Organisatorische Veränderungen
       ----------------------------------
       
       Anders als  in den  vorherigen Etappen untersteht die 1972 neuer-
       richtete Sozialforschungsstelle  als  Landesinstitut  unmittelbar
       der Fachaufsicht  des Wissenschaftsministers  des Landes NRW, wo-
       durch einerseits  eine größere  materielle Sicherheit  garantiert
       ist (1978 z.B. trug das Land 50% des 1,7 Mio Haushaltes der SFS),
       38) andererseits  jedoch die Abhängigkeit von ministeriellen Ent-
       scheidungen, z.  B. in  Personalfragen, wächst.  39) Mit der Sta-
       tusänderung gingen  einige organisatorische Veränderungen einher.
       Der in  "Gesellschaft zur  Förderung der Sozialforschung in Dort-
       mund e.V."  umbenannte  Verein  gliedert  sich  nun  in    V o r-
       s t a n d,   M i t g l i e d e r v e r s a m m l u n g  und  K u-
       r a t o r i u m.   Dem   V o r s t a n d  gehören der Vorsitzende
       (Direktor H.  von  Zwoll,  Commerzbank  Dortmund)  der  stellver-
       tretende Vorsitzende (G. Siebert, Hoesch-Hüttenwerke AG Dortmund)
       und andere Mitglieder 40) an, worunter je ein von der Stadt Dort-
       mund, den Gewerkschaften und den Unternehmern zu benennender Ver-
       treter sein  muß. 41)  Das   L a n d e s i n s t i t u t  seiner-
       seits besitzt  mit dem   F o r s c h u n g s r a t,   dem  w i s-
       s e n s c h a f t l i c h e n   B e i r a t    42)  und  dem  vom
       Wissenschaftsminister nach Anhörung der beiden anderen Organe be-
       rufenen     g e s c h ä f t s f ü h r e n d e n    Direktor,  der
       gleichzeitig Inhaber  eines Soziologielehrstuhls an der Universi-
       tät Dortmund  sein  muß  (1972-1975:  W.  Pöhler;  1975-1981:  G.
       Schmidt; inzwischen: U. Schumm-Garling), drei für die Forschungs-
       politik verantwortliche Organe.
       Der  F o r s c h u n g s r a t,  bestehend "aus vier von den wis-
       senschaftlichen Mitarbeitern aus ihrer Mitte gewählten Vertretern
       und dem  geschäftsführenden Direktor... ist das Entscheidungsgre-
       mium   in    allen   wissenschaftlichen   Angelegenheiten".   Der
       w i s s e n s c h a f t l i c h e  B e i r a t  mit lediglich be-
       ratender und  unterstützender Funktion  "besteht aus acht Wissen-
       schaftlern, von denen vier vom Minister für Wissenschaft und For-
       schung auf  Vorschlag der  Sozialforschungsstelle berufen werden,
       zwei auf Vorschlag der Universität Dortmund und zwei ohne solchen
       Vorschlag". Trotz der nur beratenden Funktion dieses Gremiums be-
       steht insofern  "Einigungszwang", als bei Meinungsverschiedenhei-
       ten der  Minister interveniert.  43) Im  Hinblick auf  die innere
       Struktur des  neuen Landesinstituts bleibt noch hinzuzufügen, daß
       die inzwischen  22 Mitarbeiter  (Stand 1980) nicht in Abteilungen
       aufgeteilt sind, sondern in Forschungsgruppen arbeiten. 44)
       
       4.2 Inhaltliche Schwerpunkte
       ----------------------------
       
       Die in dem Ordnungsdekret der Landesregierung bestimmte Hauptauf-
       gabe des Instituts besteht in der "Forschung - insbesondere empi-
       rischer Art  - auf dem Gebiet sozialwissenschaftlicher Fragen der
       industriellen Gesellschaft  unter besonderer Berücksichtigung der
       Entwicklung im Lande Nordrhein-Westfalen"; 45) angesichts der in-
       zwischen in  der  Region  vorhandenen  Forschungskapazitäten  für
       Stadtentwicklungs- und  Raumforschung, Umweltschutz, Arbeits- und
       Unfallschutz sowie  Arbeitsphysiologie wurde  von vornherein eine
       Konzentration auf Arbeitswissenschaft und Betriebssoziologie vor-
       genommen.
       Kennzeichnend für diese vierte Entwicklungsphase ist das Aufgrei-
       fen der durch die "Kölner Schule" verfeinerten Methoden der empi-
       rischen Sozialforschung, wobei deren auf M. Webers Soziologie des
       sozialen Handelns  zurückgehende theoretische Fundierung als Vor-
       aussetzung für  die Regelung  der "sozialkulturellen  Beziehungen
       von Wirtschaft, Betrieb und Gesellschaft" angesehen wird. 46)
       Ähnlich wie  in den  50er Jahren dominiert die empirische Sozial-
       forschung des Betriebes, der als Anknüpfungspunkt für die prakti-
       sche Veränderung von Arbeitsformen und betrieblichen Sozialstruk-
       turen sowie  als "die  zentrale Instanz  der 'Umsetzung' ökonomi-
       scher und  sozialer  Strukturbedingungen  des  gesellschaftlichen
       Produktionsprozesses" verstanden  wird. 47)  Grundlagen einer  so
       begründeten Auswahl  des empirischen  Feldes sind  gesellschafts-
       theoretische Überlegungen,  wonach die Gesellschaft nun interpre-
       tiert wird als  "I n d u s t r i e k a p i t a l i s m u s"  bzw.
       als   "s p e z i f i s c h  d u r c h g e s e t z t e s  P r i n-
       z i p   der Organisation gesellschaftlicher Produktion und... der
       Befriedigung gesellschaftlicher  Bedürfnisse und  somit auch  als
       B e d i n g u n g s r a h m e n   d e s  E i n s a t z e s  u n d
       d e r     V e r w e r t u n g    d e r    m e n s c h l i c h e n
       A r b e i t s k r a f t".    48)  Da  die  wesentlichen  Merkmale
       dieses "Bedingungsrahmens"  (Industrie  und  Kapitalismus)  nicht
       hinterfragt werden  und die  Analyse der Ursachen der "industrie-
       kapitalistischen" Widersprüche  ausgeblendet wird,  ist die Redu-
       zierung des  Forschungsinteresses auf  "industriewirtschaftliche"
       Folgeprobleme der  krisenhaften ökonomischen  Entwicklungen (Aus-
       länderbeschäftigung, Arbeitslosigkeit,  berufliche Weiterbildung,
       Verfügbarhalten  von  Qualifikationsreserven,  Folgeprobleme  des
       technisch-organisatorischen Wandels  etc.)  ebenso  fast  zwangs-
       läufige  Konsequenz   wie  das   Bemühen  um   die   Lösung   von
       Schwierigkeiten, die  aus in  ihrer  Entstehung  ebenfalls  nicht
       näher  erklärten  "Veränderungen  des  politisch-kulturellen  Be-
       reichs" resultieren  (Reaktion auf  veränderte  Herrschaftssensi-
       bilität, gewachsene  Ansprüche der  Lohnabhängigen und  ihrer Ge-
       werkschaften auf  die qualitative  Verbesserung des  Arbeits- und
       Lebensprozesses sowie  ihre Interessen  an  "mehr  Beteiligung[,]
       mehr Mitwirkung[,] mehr Mitbestimmung"). 49)
       Daraus folgt  zugleich, daß  die neue SFS, im Unterschied z.B. zu
       Neuloh, die  Existenz von  objektiven Interessengegensätzen  zwi-
       schen Kapital  und Arbeit  zwar nicht  leugnet, jedoch diese auf-
       grund fehlender Infragestellung der grundlegenden gesellschaftli-
       chen Machtverhältnisse im Grunde akzeptiert bzw. danach trachtet,
       "industrielle Konflikte" zu minimieren. 50)
       Zwar wird  in diesem  Zusammenhang erkannt, daß die "industrieso-
       ziologische Forschung  die politische Auseinandersetzung zwischen
       Interessenten um die Lösung gesellschaftlicher Probleme nicht er-
       setzen" könne;  51) dennoch  bietet sich die SFS als neutrale In-
       stanz der  Bewertung des  Machbaren - neben staatlichen Stellen -
       beiden Tarifparteien  als Berater  an. 52) Dieser Neutralitätsan-
       spruch leitet  sich direkt aus dem Selbstverständnis der SFS her,
       wonach sich  Industriesoziologen als "Apotheker" vor dem Anspruch
       hüten müßten,  "gesellschaftliche Synthesen  zu erarbeiten"  oder
       gar "Wertstandpunkte"  als  "gewissermaßen  Verantwortungsinstanz
       für menschliches Handeln" setzen zu können. 53)
       Die von Neuloh formulierte Charakterisierung der Forschungstätig-
       keit der  neuen SFS ("Rückkehr von dem gelehrten Sport zum Dienst
       an der  Lösung sozialer  Fragen" 54))  kann angesichts der großen
       Ähnlichkeit der  Positionen in  den 50er und 70er Jahren in bezug
       auf das  empirische Feld,  den Praxisbezug, das wissenschaftliche
       Selbstverständnis sowie  das Gesellschaftsbild  nur unterstrichen
       werden. Neu ist - sieht man einmal von der Studie von Popitz u.a.
       ab -  die Anerkennung der Existenz von Interessengegensätzen zwi-
       schen Kapital  und Arbeit. Die Tabuisierung der Beschäftigung mit
       dem dem  "gesellschaftlichen Bedingungsrahmen" für Arbeitseinsatz
       und -verwertung  zugrunde liegenden Widerspruch von gesellschaft-
       licher Produktion und privater Aneignung als der eigentlichen Ur-
       sache "industrieller  Konflikte" muß  trotz der Desillusionierung
       über einen  möglichen Interessenausgleich  von Arbeit und Kapital
       die Beschränkung  auf die  Suche  nach  sozialpartnerschaftlichen
       Kompromissen aufrechterhalten.
       Gegenwärtig gibt es drei Forschungsschwerpunkte an der SFS:
       1. Industrieller Konflikt und Partizipation;
       2. Berufliche Bildung und Arbeitskräfteeinsatz;
       3. Technisch-organisatorische Veränderungen  in  Industriebetrie-
       ben.
       Die Zielsetzungen  des  e r s t e n,  p r i v i l e g i e r t e n
       S c h w e r p u n k t e s   der SFS 55) sind geradezu charakteri-
       stisch für  das Selbstverständnis  des Instituts.  "Die  Arbeiten
       dieses Forschungsschwerpunkts  richten sich  darauf, die  sich in
       Streiks, Aussperrungen und betrieblichen Konflikten darstellenden
       Interessen, Zielsetzungen, Strategien und Handlungsprozesse nach-
       zuzeichnen und  zu untersuchen,  weshalb es  zu diesen Konflikten
       kam und  was sie  bewirkten. Zielsetzung  dieser Untersuchung ist
       es, dazu  beizutragen, daß die potentiellen Konfliktparteien ihre
       Handlungsbedingungen und Durchsetzungschancen besser abzuschätzen
       vermögen und  damit für sie ruinös wirkende Konflikte vermeiden."
       56)
       Diesem Schwerpunkt  können bisher  die   d r e i  A r b e i t e n
       über "Belegschaften  und Gewerkschaften im Streik", "Inoffizielle
       Streiks, informelle  Systeme und  betriebliche Gegenmacht"  sowie
       über die "Konstitutionsbedingungen industrieller Konflikte" zuge-
       ordnet werden.  57) 1981  stand die "Analyse der Entwicklungsten-
       denzen industrieller  Konflikte und  der Zusammenhang von gewerk-
       schaftlicher Tarifpolitik" im Mittelpunkt der Arbeit. 58)
       Im Rahmen  des   z w e i t e n   F o r s c h u n g s s c h w e r-
       p u n k t e s   laufen nach  Abschluß des  Projekts über  "Bedin-
       gungen und soziale Folgen von Betriebsstillegungen" von R. Lichte
       und G. Bosch 59) gegenwärtig vier Untersuchungen:
       - Gewerblich-technische Berufsausbildung und Auszubildende in in-
       dustriellen Großbetrieben;
       - zwei Begleitforschungen  zu Modellversuchen zur Öffnung gewerb-
       lich-technischer Berufe für Frauen sowie
       - eine theoretische  Studie über  den Anwendungsbezug  von  Indu-
       striesoziologie.
       - Ferner wird  eine Untersuchung  über lokale  und regionale  Ar-
       beitsmarktpolitik vorbereitet. 60)
       Die Forschungstätigkeit  in dem   d r i t t e n,  s t a r k  a n-
       w e n d u n g s b e z o g e n e n   S c h w e r p u n k t    fand
       bisher im  Rahmen des  staatlichen Humanisierungsprogramms statt.
       Dabei handelt  es sich  zum einen  um zwei  Begleitforschungen zu
       Projekten zur  Humanisierung in  einer Eisengießerei und zu neuen
       Arbeitsstrukturen in der Bekleidungsindustrie 61) zum anderen ist
       das unter  Mitarbeit von  W.  Pöhler  durchgeführte  Projekt  zur
       Auswertung der Erfahrungen mit dem staatlichen Forschungsprogramm
       zur "Humanisierung  des  Arbeitslebens"  hervorzuheben,  bei  dem
       Prioritätensetzung und  Ablauf wesentlich durch den bei der Hans-
       Böckler-Stiftung gegründeten  Beirat,  der  sich  vor  allem  aus
       Mitarbeitern des DGB-Arbeitskreises "Humanisierung des Arbeitsle-
       bens" rekrutiert, beeinflußt werden. 62)
       Dieses Projekt  verweist auf die Ambivalenz der bisherigen Tätig-
       keit des neugegründeten Instituts. Einerseits bewegt sich die SFS
       innerhalb der  beschränkten Reichweite des staatlichen Humanisie-
       rungsprogramms. Darüber hinaus dürften die allgemein zugänglichen
       Detailanalysen über Streikverläufe und innergewerkschaftliche In-
       formationssysteme etc.  auch für  Unternehmer im Hinblick auf zu-
       künftige Konflikte  verwertbares Herrschaftswissen  sein.  Ferner
       wäre interessant  zu  erfahren,  welche  humanisierungsrelevanten
       Ergebnisse die  im Rahmen  der  Humanisierungsprojekte  erfolgten
       "zweiseitigen" Beratungen  von Betriebsleitung  und Arbeitnehmer-
       vertretungen erbracht  haben. Andererseits  leisten die Studien -
       neben der Aufdeckung von Humanisierungsdefiziten im Arbeitsprozeß
       -  auch  unverkennbar  Beiträge  zur  Verwissenschaftlichung  der
       Gewerkschaftspolitik, was  insbesondere für  die erwähnte Pöhler-
       Studie, die  erste Streikuntersuchung,  die sich  mit den Gründen
       des Scheiterns des ersten Tarifkampfes seit 50 Jahren in der Che-
       mischen Industrie (1971) 63) befaßte, und die zweite Streikunter-
       suchung, die für die Gewerkschaften wichtige Rückschlüsse für den
       Aufbau der  von ihnen  angestrebten betrieblichen Frühwarnsysteme
       zulassen, 64)  gilt. Erwähnenswert sind auch die über den gewohn-
       ten Rahmen  der Humanisierungsprojekte  hinausgehenden Planungen,
       im Zusammenhang mit dem Gießereiprojekt die Untersuchung der Ein-
       flüsse unterschiedlicher  Mitbestimmungsstrukturen bei der Durch-
       setzung von  Humanisierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen und auf
       diese Weise  einem umfassenderen Humanisierungsbegriff Geltung zu
       verschaffen. 65)
       
       _____
       1) H. Koch,  Zur Geschichte  der "Gesellschaft  zur Förderung der
       Sozialforschung in  Dortmund e.V." und zu den Forschungen der So-
       zialforschungsstelle bis  Ende der  60er  Jahre,  in:  Sozialfor-
       schungsstelle (SFS)  (Hg.), Untersuchungen zu Problemen industri-
       eller Arbeit,  Dortmund Mai 1980, S. 29. Zur ersten Entwicklungs-
       phase der Sozialforschungsstelle Dortmund vgl. R. Schellhase, Die
       Industrie- und  betriebssoziologischen Untersuchungen der Sozial-
       forschungsstelle an  der Universität  Münster (Sitz  Dortmund) in
       den fünfziger Jahren. Ein Beitrag zur Geschichte der instituiona-
       lisierten  Sozialforschung  in  der  Bundesrepublik  Deutschland,
       Diss., Münster 1982
       2) Vgl. O. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle Dortmund als Modell
       für die  Entwicklung der  sozialwissenschaftlichen Forschung seit
       1945, in: Gesellschaft zur Förderung der Sozialforschung in Dort-
       mund e.  V., 1978  (im folgenden:  Bericht der Fördergesellschaft
       1978), S. 38
       3) Vgl. W.  Brepohl, O.  Neuloh, K.  G. Specht,  H.-J. Teuteberg,
       Zehn Jahre  "Soziale Welt".  Zur Erinnerung an Ursprung und Ziel-
       setzung der Zeitschrift, in: Soziale Welt, 1/1960, S. 6 f.
       4) Vgl. W.G.  Hoffmann (Hg.),  Beiträge zur  Soziologie der indu-
       striellen Gesellschaft,  Dortmund 1952 (Vorbemerkung); C. Jantke,
       Industriebetriebsforschung als soziologische Aufgabe, in: Soziale
       Welt, 5/1950,  S. 15. Ders., Das sozialreformerische Anliegen der
       deutschen industriellen  Sozialforschung, in: W.G. Hoffmann (Hg.)
       a.a.O., 1952,  S. 29  f. F.  Siegmund-Schultze, Die Eingliederung
       der Industriearbeiterschaft  in den  sozialen Organismus des Vol-
       kes, in: W. G. Hoffmann (Hg.), 1952, S. 118 ff.
       5) O. Neuloh, Sozialpolitik im großbetrieblichen Industriesystem,
       in: W. G. Hoffmann (Hg.), 1952, S. 81 f.
       6) Ebd.
       7) Vgl. Jantke, 1952, S. 129
       8) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 36
       9) Vgl. G.  Boldt, Die Entstehung der Sozialforschungsstelle, in:
       Sozialforschungsstelle an  der Universität Münster-Dortmund 1946-
       1956, Dortmund 1956, S. 7
       10) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 35 ff.
       11) Vgl. ebd.
       12) Vgl. Boldt, 1956, S. 10
       13) Aufgaben und  Satzungen  der  Gesellschaft  Sozialforschungs-
       stelle  an   der  Universität   Münster  -   Sitz  Dortmund  e.V.
       (vervielfältigtes Typoskript ohne Erscheinungsdatum), S. 13
       14) Vgl. ebd., S. 13 f.
       15) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 38
       16) K. Schiller,  Sozialaufbau und  regionale Wirtschaftsplanung,
       Hamburg 1947; C. Seebohm, Voraussetzungen für eine Wirtschaftsde-
       mokratie, Dortmund  1949; W.  Kromphardt, Marktspaltung und Kern-
       planung in  der Volkswirtschaft,  Hamburg 1947; B. Pfister, Wirt-
       schaftliche Vernunft  und wirtschaftliche Weisheit, Hamburg 1947;
       H. Giersch,  Der Ausgleich  der Kriegslasten vom Standpunkt sozi-
       aler Gerechtigkeit,  Hamburg 1948;  M. Rohlfing, Lohn und Lebens-
       haltungskosten, Hamburg  1947; G.  Olivier, O.  Graf, Ernährung -
       Gesundheit -  Leistung, Hamburg  1948;  I.  Schultze-Westen,  Das
       Flüchtlingsproblem, Hamburg 1948; H. Lamprecht, Die Bevölkerungs-
       umschichtung in  Nordrhein-Westfalen, Dortmund  1949; W. Brepohl,
       Der Aufbau  des Ruhrvolkes  im Zuge der Ost-West-Wanderung, Reck-
       linghausen 1948;  G. Boldt, Das Recht des Bergmanns, Recklinghau-
       sen 1947
       17) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 42 f.
       18) Ebd., S. 42
       19) Vgl. ebd., S. 43 f.
       20) H. Schelsky, Zur Standortbestimmung der Gegenwart, in: F. Jo-
       nas (Hg.),  Geschichte der  Soziologie. Bd.  2., Reinbek 1976, S.
       464
       21) Vgl. Neuloh, "Die Sozialforschungsstelle..., S. 44
       22) C. Jantke,  Bergmann und  Zeche. Die sozialen Arbeitsverhält-
       nisse einer Schachtanlage des nördlichen Ruhrgebiets in der Sicht
       der Bergleute. (In Verbindung mit W. Kleiber, O. Neuloh, H. Paul,
       R. Schmilz), Tübingen 1953
       23) O. Neuloh,  Die deutsche  Betriebsverfassung und ihre Sozial-
       formen bis  zur Mitbestimmung, Tübingen 1956. Ders., Der neue Be-
       triebsstil. Untersuchungen  über Wirklichkeit  und Wirkungen  der
       Mitbestimmung, Tübingen 1960; H. J. Teuteberg, Geschichte der in-
       dustriellen Mitbestimmung  in Deutschland.  Ursprung und Entwick-
       lung ihrer  Vorläufer im  Denken und  in der Wirklichkeit des 19.
       Jahrhunderts, Tübingen 1961
       24) O. Neuloh,  H.  Wiedemann,  Arbeiter  und  technischer  Fort-
       schritt. Untersuchungen  in der nordrhein-westfälischen Metallin-
       dustrie über  die Anforderungselemente technischer Neuerungen und
       die Reaktionen der Arbeiter, Köln/Opladen 1960; H. Wiedemann, Die
       Rationalisierung aus  der Sicht des Arbeiters. Eine soziologische
       Untersuchung in der mechanischen Fertigung, Köln/Opladen 1967 (2.
       überarbeitete und erweiterte Auflage)
       25) O. Neuloh,  R. Braun,  E. Werner,  Die durchlaufende Arbeits-
       weise. Sonntagsarbeit im Urteil der Stahlarbeiter, Tübingen 1961
       26) H. Popitz, H. P. Bahrdt, E. A. Jüres, H. Kesting, Technik und
       Industriearbeit, Tübingen  1957. Dies., Das Gesellschaftsbild des
       Arbeiters, Tübingen 1957
       27) Neuloh, 1960, S. 254
       28) Vgl. Neuloh, Braun, Werner, S. 14
       29) Vgl. Neuloh, Wiedemann, 1960
       30) Vgl. dazu B. Spannhake, Die Arbeitsbedingungen zwischen Huma-
       nisierung und  Rationalisierung. Ansätze gewerkschaftlicher Stra-
       tegiebildung, Köln 1982, S. 130-150
       31) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 45
       32) Vgl. H. Schelsky, Rückblicke eines "Anti-Soziologen", Opladen
       1981, S. 53
       33) H. Schelsky,  Über die  Aufgabe  empirischer  Sozialforschung
       heute, Dortmund, Ms 1960
       34) Sozialforschungsstelle an  der Universität  Münster,  Bericht
       1968, Dortmund,  S. 4; H. Schelsky, Rückblicke eines "Anti-Sozio-
       logen", S. 53
       35) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 48
       36) Sozialforschungsstelle an  der Universität  Münster,  Bericht
       1967/68, Dortmund, S. 2
       37) Vgl. H.  Schelsky, Rückblicke eines "Anti-Soziologen", S. 53;
       Sozialforschungsstelle an der Universität Münster, Berichte 1961-
       1968, Dortmund
       38) Vgl. Bericht  der Fördergesellschaft  1978, S. 14. SFS (Hg.),
       1980, S. 10
       39) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 50
       40) Vgl. Satzung,  § 8,  in: Bericht der Fördergesellschaft 1978,
       S. 9. Vgl. SFS (Hg.), 1980, S. 31
       41) Vgl. Satzung § 9, in: Bericht der Fördergesellschaft 1978, S.
       9 f.
       42) Mitglieder des  wissenschaftlichen Beirats  (März 1979) sind:
       Prof. Dr.  H.-P. Bahrdt, Göttingen (Vorsitz); Prof. Dr. Chr. Fer-
       ber, Düsseldorf;  Prof. Dr.  H. Kern,  Göttingen;  Prof.  Dr.  G.
       Brandt, Frankfurt/M.;  Prof. Dr. H.-G. Rolff, Dortmund; Prof. Dr.
       J. Rutenfranz,  Dortmund; Prof.  Dr. U. Schumm-Garling, Dortmund;
       Prof. Dr.  L. Bußmann,  Dortmund. Vgl.  Landesinstitut Sozialfor-
       schungsstelle Dortmund, März 1979, S. 1
       43) Neuloh, Die  Sozialforschungsstelle..., S. 50 f. Hier: Zusam-
       mensetzung des  Forschungsrates der  SFS, in: SFS (Hg.), 1980, S.
       10
       44) Vgl. SFS  (Hg.), 1980,  S. 10;  Neuloh, Die Sozialforschungs-
       stelle..., S. 51
       45) Ebd., S. 51; vgl. SFS (Hg.), 1980, S. 9
       46) Vgl. Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 52; siehe dazu
       auch die  Erörterung diesbezüglicher Probleme bei G. Schmidt, Vom
       Nutzen und  Nachteil der  (Industrie-) Soziologie, in: SFS (Hg.),
       1980, S. 34 ff.
       47) SFS (Hg.), 1980, S. 13
       48) Vgl. ebd., S. 15
       49) Vgl. ebd., S. 10; Schmidt, ebd., S. 37
       50) Ebd., S. 19
       51) G. Schmidt, ebd., S. 39
       52) Vgl. ebd., S. 37
       53) Vgl. ebd., S. 39 f.
       54) Neuloh, Die Sozialforschungsstelle..., S. 52
       55) Bericht der Fördergesellschaft 1978, S. 15
       56) SFS (Hg.), 1980, S. 19
       57) Vgl. Bericht der Fördergesellschaft 1978, S. 16
       58) Vgl. Auszug  aus dem Forschungsbericht der SFS, März 1979, S.
       20
       59) Vgl. Bericht der Fördergesellschaft 1978, S. 17
       60) Vgl. SFS (Hg.), 1980, S. 16
       61) Vgl. Bericht  der Fördergesellschaft  1978, S.  18  ff.;  SFS
       (Hg.), 1980, S. 13 ff.
       62) Vgl. Auszug  aus dem Forschungsbericht der SFS, März 1979, S.
       52 f.
       63) Auch diese  Studie wurde  von W.  Pöhler geleitet;  vgl.  Ab-
       schlußbericht, Bd.  l, zum  Forschungsprojekt 132/3  "Offene  und
       verdeckte Konflikte im Betrieb", Dortmund 1975, S. 1
       64) Bericht der Fördergesellschaft 1978, S. 16
       65) Vgl. Auszug  aus dem Forschungsbericht der SFS, März 1979, S.
       44 f.
       

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