Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 05/1982


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       "LIEBER EINEN STEIN IN DER HAND ALS EIN BRETT VOR'M KOPF"?
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       Psychologische Überlegungen zur "neuen Jugendbewegung" *)
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       Morus Markard
       
       I. Jugendliebe  als Objekte  von Integrationsbemühung und Repres-
       sion -  II. Der Generationskonflikt und damit verbundene Denkwei-
       sen -  III. Dialogstrategie  der Herrschenden als strukturell un-
       tauglicher Erziehungsversuch  - IV. - Verständnisvolle" Psycholo-
       gisierung oder  praktische Solidarität? - V. Perspektiven des Ju-
       gendkampfes
       
       I. Jugendliche als Objekte von Integrationsbemühung
       ---------------------------------------------------
       und Repression
       --------------
       
       Eine psychologische,  präziser: eine   s u b j e k t w i s s e n-
       s c h a f t l i c h e     Perspektive  auf  die  sogenannte  neue
       Jugendbewegung kann - das ist ein theoretisches, methodologisches
       und forschungspolitisches  Apriori -  nur zum  Ziel haben,  einen
       Beitrag zur Optimierung ihres Kampfes gegen - global formuliert -
       bürgerliche Unterdrückung  zu leisten;  sie  will  also  Begriff-
       lichkeiten, Überlegungen  etc. zur  Verfügung stellen,  mit denen
       die  Betroffenen  gegebenenfalls  ihre  Lage  in  Richtung  deren
       (grundsätzlicher) Verbesserbarkeit genauer analysieren können. Da
       man nun,  auch ohne  Meinungsumfragen dazu durchgeführt zu haben,
       davon ausgehen  kann, daß  nur ein  Teil dieser  Jugendlichen die
       Jahrbücher des IMSF studiert, stellt sich vor dem Hintergrund der
       im ersten  Satz angestellten  Überlegung die  Frage,  was  dieser
       Aufsatz hier  eigentlich soll  (bzw. leisten  kann). - Wenn sich,
       grob gesprochen,  eine subjektwissenschaftliche  Analyse also zur
       Aufgabe macht, die gegebenen Bedingungen, Faktizitäten, Variablen
       etc. auf  die in ihnen beschlossenen jeweiligen Handlungsmöglich-
       keiten bzw.  Entwicklungsbehinderungen hin  zu untersuchen, hätte
       demgemäß dieser  Aufsatz soweit  einen Sinn, wie es etwa gelingt,
       bestimmte  für  den  Kampf  der  Jugendlichen  relevante  Momente
       herauszuarbeiten, die  durch das  eigene  Verhalten  beeinflußbar
       sind. Es  ist klar,  daß es  sich bei  diesen Momenten  um solche
       handeln  muß,  die  sich  spezifisch  darauf  beziehen,  daß  die
       Subjekte, um  die es  hier geht,   J u g e n d l i c h e    sind.
       Soweit  hier  beabsichtigt  ist,  diesbezüglich    s t r u k t u-
       r e l l   bedeutsame Momente  ausfindig zu  machen (mit dem Ziel,
       deren blindes  Wirken unter  Kontrolle zu  bekommen),  sind  dem-
       gegenüber "soziologische" Überlegungen über die soziale Zusammen-
       setzung der  Jugendbewegung etc. nachgeordnet. Es sind auch keine
       Aussagen darüber  vorgesehen, in welchem jeweiligen Ausmaß die zu
       analysierenden  Faktoren  real  wirksam  sind  bzw.  wieweit  ihr
       blindes Wirken  zugunsten der  Kontrolle der Betroffenen über sie
       eingeschränkt werden  konnte. Behauptet  wird  indes,  daß  diese
       Faktoren behindernd  wirksam sein  m ü s s e n,  s o w e i t  sie
       nicht unter bewußter Kontrolle der Beteiligten gebracht sind.
       Vorausgesetzt werden  kann, daß erhebliche Teile der Jugendlichen
       in Bewegung  geraten sind. Die - aus verschiedenen Gründen - mas-
       siert auftretende  Lösung des ideologischen Einverständnisses mit
       dem (ideologischen)  Status quo  erfolgt jedoch nicht automatisch
       oder bevorzugt  in Richtung  Arbeiterbewegung, weder  der  realen
       noch einer phantastischen (wie zur Zeit studentischer KP-Gründun-
       gen). In  dem Maße, so ist anzunehmen, in dem der Manövrierspiel-
       raum des  bürgerlichen Staates  zur Krisenlösung schwindet, seine
       Handlungsmöglichkeit hinter  der eigenen  bürgerlichen Propaganda
       zurückbleibt, in  dem Maße können (links-)bürgerliche Vorstellun-
       gen eine ausgesprochen kritische Funktion gewinnen. Die Artikula-
       tion eines z.T. parlamentarisch vertretenen Protestpotentials au-
       ßerhalb der  Arbeiterbewegung bietet zahlreiche Krisenerklärungen
       und Zielvorstellungen,  in denen  die Arbeiterbewegung  nicht als
       d i e   Alternative zu den im Systemcharakter u. U. nicht erkann-
       ten,  gleichwohl   bekämpften  gesellschaftlichen  Zuständen  er-
       scheint. Daß weiterhin ein gewisser schulischer Bildungsvorsprung
       keine sichere  Arbeitsplatz- und  Karrieregarantie mehr ist, sich
       Jugendliche  unterschiedlicher   Ausbildung  sozusagen  "auf  der
       Straße" finden,  die Jugendbewegung "sozial inhomogen" ist, trägt
       zur geringen  Orientierung an der Arbeiterbewegung ebenso bei wie
       die mit zunehmender Jugendarbeitslosigkeit verminderte betriebli-
       che Sozialisation.
       Entscheidend für unseren Zusammenhang ist, daß diese Jugendlichen
       sich dem Einfluß der Herrschenden zu entziehen scheinen,  o h n e
       damit auf  die Positionen  der Arbeiterbewegung überzugehen. Dies
       scheint mir  die zentrale Voraussetzung für die seitens der Herr-
       schenden betriebene Strategie des Dialogs mit den Jugendlichen im
       Kampf um deren Köpfe zu sein. Denn von derartigen Bemühungen aus-
       genommen sind   d i e   Jugendlichen,  die sich ernsthaft und gar
       organisiert am  marxistischen Teil der Arbeiterbewegung orientie-
       ren. Sie gelten in gewisser Weise als hoffnungslose Fälle, schwer
       erzieh- und  kaum resozialisierbar,  unerreichbar  indoktriniert.
       Hier setzt  die "Solidarität  der Demokraten" auf den stummen und
       gelegentlich auch  spektakulären Zwang  mehr oder weniger offener
       Repression.
       Gegenüber   J u g e n d l i c h e n  ist die Dialogstrategie eine
       Art   Erziehung s t i l  ("integrativ", "demokratisch" o.ä.), der
       allerdings jederzeit zugunsten rücksichtsloser Knüppelpolitik und
       Kriminalisierung zurückgenommen werden kann, wenn dies den Anwen-
       dern zur  Durchsetzung ihrer Ziele sinnvoller erscheint. Die Rede
       vom Dialog verharmlost dabei den aus Klassengegensätzen resultie-
       renden Kampf  der Jugendlichen als Generationskonflikt und elimi-
       niert  in   ihren  Denkvoraussetzungen,   die  sie   dem     Dia-
       log - P a r t n e r   automatisch aufzwingen  will, mit der Klas-
       sen- auch  die reale  Machtstruktur. Hintergrund  derartiger Vor-
       stellungen ist allgemein ein konsensuales, in der Soziologie häu-
       fig wissenschaftlich stilisiertes Gesellschaftskonzept, das gege-
       bene Verhältnisse  in   k o m m u n i k a t i v  a u s g e h a n-
       d e l t e   umfälscht:   H e r r s c h a f t   d e r   b e s s e-
       r e n   A r g u m e n t e.   Schmierenkomödiantische  Dimensionen
       nehmen derartige  Dialog-Vorstellungen an,  wenn etwa "Politiker"
       in besetzten  Häusern dialogisieren.  Diese Art jovialer Arroganz
       der Macht,  die sich  wirklicher Solidarität mit den Jugendlichen
       entschlägt, hat  indes unter  anderem zur  Voraussetzung, daß der
       Generationskonflikt nicht eine bloße Erfindung zur Verschleierung
       des Klassencharakters einschlägiger Auseinandersetzungen, sondern
       eine  r e a l e  Erscheinung ist.
       Zu klären  ist hiermit, aufgrund welcher Voraussetzungen Klassen-
       konflikte die Form von Generationskonflikten annehmen und welchen
       Einfluß diese Form auf den Konfliktverlauf haben kann. 1)
       
       II. Der Generationskonflikt und damit verbundene Denkweisen
       -----------------------------------------------------------
       
       In der  individuellen Biographie  erscheint Jugend  als  der  Ab-
       schnitt, in  dem man  in erster  Linie lernt und sich entwickelt,
       und Erwachsensein  als derjenige,  in dem  Lernen und Entwicklung
       als   L e b e n s o r i e n t i e r u n g   im wesentlichen abge-
       schlossen sind.  Da aber  das Lernen als bloß eine  P h a s e  in
       der individuellen  Entwicklung keineswegs  der menschlichen Natur
       entspricht, muß  diese Begrenzung gesellschaftliche Gründe haben:
       die Klassenspaltung und die damit verbundene Trennung von körper-
       licher und  geistiger Arbeit. "Dadurch ist die Masse der Bevölke-
       rung von  der bewußten  gemeinschaftlichen Verfügung über die ge-
       sellschaftlichen Lebensbedingungen, damit ihrer eigenen Selbstbe-
       stimmung, ausgeschlossen,  demgemäß auch  in der  Fähigkeits- und
       Bedürfnisentwicklung wesentlich  auf die  fremdbestimmte und bloß
       ausführende Arbeit,  also einen   S t a t u s   r e l a t i v e r
       E n t w i c k l u n g s l o s i g k e i t   i n  A b h ä n g i g-
       k e i t,   reduziert. Für  den einzelnen besteht dabei grundsätz-
       lich die  Alternative: Der  (jedenfalls in  unserer  Gesellschaft
       gegenwärtig 'normale') Versuch, individuell zurechtzukommen, sich
       in  der   Abhängigkeit  einzurichten,  mit  den  Herrschenden  zu
       arrangieren und so 'realistisch' noch das Beste daraus zu machen,
       oder der  Versuch, im  Zusammenschluß mit anderen Einfluß auf die
       gesellschaftlichen  Lebensumstände   zu  gewinnen,   damit  seine
       eigenen Angelegenheiten in die Hand zu bekommen." 2)
       Da Kinder  und Jugendliche die Fähigkeiten des durchschnittlichen
       Erwachsenen nun  erst noch  erreichen müssen, können (und müssen)
       sie  ihre   Lebens-   und   Selbstbestimmungsmöglichkeiten   noch
       w i r k l i c h  erweitern - verbunden mit einer Entwicklungsori-
       entierung, die mit Annäherung an das Erwachsenenalter in wachsen-
       den Widerspruch  zu der dort vorherrschenden und auf geherrschten
       relativen Stagnation  gerät. "Diese  Diskrepanz zwischen entwick-
       lungsonentierter Jugend  und stagnierenden  Erwachsenen  ist  die
       Grundlage für  all das,  was in  verschiedenen Erscheinungsformen
       als Generationskonflikt imponiert." 3)
       Der Bürger  Flaubert hat  diesen Widerspruch  in  seiner  "Madame
       Bovary" folgendermaßen  dargestellt: Eine der Romanfiguren sollte
       "demnächst Erster Schreiber werden: es war an der Zeit, seriös zu
       werden. Deshalb ließ er die Flötentöne sein, die überspannten Ge-
       fühle, das  Schwärmen; denn jeder Spießer hat sich in der Feurig-
       keit seiner  Jugend, und wäre es auch nur für einen Tag, für eine
       Minute, ungeheurer  Leidenschaften, hochgesteckter Unternehmungen
       für fähig  gewähnt. Der mittelmäßigste Libertin hat von Sultanin-
       nen geträumt;  jeder Notar trägt die Überbleibsel eines Poeten in
       sich."
       Dies würde  jedoch nur  ein augenzwinkerndes bis spöttisches Ein-
       verständnis gegenüber rebellierenden Jugendlichen erklären, nicht
       aber jenen  bis zu  Mordphantasien reichenden  Haß, den  man  als
       Westberliner etwa  nach Demonstrationen erleben kann, wenn aufge-
       brachte  Passanten   statt  Wasser-  Flammenwerfer  fordern  usw.
       (Dieser in  einem Geschäft gemachte Vorschlag wurde durch den er-
       gänzt, die Verbrannten mit einer Dampfwalze plattzuwalzen. Ähnli-
       che Äußerungen  waren in  Straßeninterviews des SFB zu hören, die
       nach den gewaltsamen Häuserräumungen, in deren Verlauf ein junger
       Mann zu  Tode kam,  durchgeführt worden waren.) Holzkamp faßt die
       Grundlage dieses Hasses wie folgt: Der Prozeß "realistischer" Re-
       signation geht keinesfalls widerspruchs-und konfliktlos vor sich.
       J e d e     R e s i g n a t i o n     u n d     A n p a s s u n g
       r e s u l t i e r t  aus einem  V e r h ä l t n i s  von Möglich-
       keiten  und  hemmenden  Bedingungen  und  ist  somit    i m m e r
       e i n e  v e r p a ß t e  M ö g l i c h k e i t.  Der "Realismus"
       der Resignation  beruht darauf, daß die Alternative, die die Nut-
       zung der Möglichkeit geboten hätte, aktiv abgewehrt und verdrängt
       wird. Auch  wenn dieser Abwehrprozeß einerseits durch bürgerliche
       Ideologeme aller  Art erleichtert  wird, man sich damit auch noch
       im privaten Rückzug einverständig in gemeinsamer Lage mit anderen
       sehen kann,  ist der  Erfolg dieser  Abwehrprozesse durch ständig
       neue Verunsicherungen,  durch eigenes  besseres Wissen  und durch
       das Beispiel anderer, die kämpfen,  s t ä n d i g  b e d r o h t;
       was durch die Abwehr erreicht werden soll: relative Sicherheit in
       Abhängigkeit vom  Wohlwollen der  Mächtigen, kann ja gerade nicht
       erreicht werden.  Die daraus  resultierende Angst und die erneute
       Anforderung, verdrängen  und abwehren  zu müssen,  erzeugen nicht
       nur Neid und Haß, sondern auch den Versuch realer Behinderung der
       Lebensentfaltung  anderer,  hier  der  Jugend.  Deren  angebliche
       Schrankenlosigkeit wird  zur Legitimation der eigenen Beschränkt-
       heit, das Beschwören des notwendig bösen Endes wird zur Rechtfer-
       tigung der eigenen Zurückgenommenheit.
       Genausowenig nun,  wie hier  für die  Betroffenen die Möglichkeit
       offen liegt,  ihre eigene,  zu bestimmten  Haltungen verfestigte,
       spezifisch zurückgenommene Lebensweise auf die Bedingungen hin zu
       analysieren, aus  denen heraus  sie entstanden ist, so wenig kann
       dann auch  der Jugendprotest  als ein  solcher verstanden werden,
       der sich genau gegen derartige, entwickeltere Lebensmöglichkeiten
       einschränkende Verhältnisse  richtet. Der Protest muß den Erwach-
       senen so als ein gegen sie selber gerichteter erscheinen - und er
       mag z.T. auch so gemeint sein ", und eben nicht gegen jene Bedin-
       gungen, die Selbstbeschränkung erzwingen wollen.
       In dieser  Art Entgegensetzung  von Jugendlichen  und Erwachsenen
       sind im  besonderen Maße  diejenigen befangen, die sich selber in
       eigener Selbstbescheidung "kleine Leute" nennen und sich trotzdem
       qua  P e r s o n a l i s i e r u n g  der gesellschaftlichen Ver-
       hältnisse für  diese und  damit für deren Aufrechterhaltung gegen
       die aufmüpfige  Jugend mitverantwortlich  fühlen. In dem Maße, in
       dem nun  die Jugendlichen selber diesem personalisierenden Denken
       unterliegen, werden  sie nicht nur quasi das "Angebot" einer Ver-
       antwortlichkeit "der"  Erwachsenen annehmen,  sondern sie  selbst
       aktiv für  die Misere,  gegen die sie kämpfen, verantwortlich ma-
       chen, und damit diese Entgegensetzung selber befestigen. Geradezu
       spiegelbildlich werden die Erwachsenen, die den Protest als gegen
       sich (persönlich)  gerichtet begreifen,  diesen als  Ausdruck von
       Undankbarkeit, unverschämter  Anspruchshaltung   p s y c h o l o-
       g i s i e r e n  - wobei sich alle Beteiligten auf die herrschen-
       de veröffentlichte  Meinung (und  deren "liberale"  wissenschaft-
       liche Stilisierung in Form von Gutachten etc.) stützen können und
       sie reproduzieren.
       Es ist  offensichtlich, daß gerade in der heutigen Zeit derartige
       Jugend/Erwachsenen-Entgegensetzungen   e s k a l i e r e n   kön-
       nen. Die  heutigen, "wirklich  gestandenen" Erwachsenen haben mit
       dem Faschismus  einen Zusammenbruch erlebt, der noch einmal über-
       windbar war  und dessen  Trümmer sie mit eigener Hände Arbeit be-
       seitigt, auf dessen Trümmern sie sich eine neue Existenz geschaf-
       fen haben,  die sie  nicht   w i e d e r  in Frage stellen lassen
       wollen.   I h r e   Jugend war entweder dadurch gravierend beein-
       trächtigt, daß  sie unter  den Entbehrungen der Nachkriegszeit zu
       leiden hatten  oder -  schlimmer noch  - weil sie ihnen durch den
       Krieg faktisch  genommen wurde.  Und da  kommen dann, so sieht es
       für sie  aus, irgendwelche  Schnösel, denen vergleichsweise alles
       in den  Schoß fällt, und wollen erzählen, wie "man's machen" muß.
       Ebensowenig aber  haben diese  Schnösel  die  Absicht,  sich  von
       denen, die nach ihrer Auffassung den Faschismus produziert haben,
       in deren Vorstellungen und Lebenspraxis einfrieden zu lassen.
       Dieses -  gegenseitige - personalisierende Denken, das grundsätz-
       lich aus  bestimmten Bedingungen resultierende Beschränkungen als
       schlicht gegebene  personale Beschränktheiten  ontologisiert, hat
       bezüglich seiner  Verarbeitung der Gesellschaftlichkeit individu-
       eller Existenz in der  b ü r g e r l i c h e n  Gesellschaft noch
       einen besonderen,  hier interessierenden Aspekt. Auf eine in sich
       unstimmige  Art   und  Weise   wird  dem    s u b j e k t i v e n
       F a k t o r   Rechnung getragen:  Die    T r e n n u n g    v o n
       I n d i v i d u u m   u n d   g e s e l l s c h a f t l i c h e n
       V e r h ä l t n i s s e n   - in  der  bürgerlichen  Gesellschaft
       nicht nur  gedacht, sondern  real, da  die Masse  der Bevölkerung
       tatsächlich von der Bestimmung über ihre Lebensbedingungen ausge-
       schlossen ist - reproduziert sich gerade dadurch im personalisie-
       renden Denken, daß sich der einzelne mit seinen ihm gegebenen Ei-
       genschaften in ihm  v o r g e g e b e n e n  Bedingungen zurecht-
       zufinden habe,  wobei dabei auftretende Mängel in der beschriebe-
       nen Weise  dem Betreffenden  quasi persönlich  angelastet werden.
       Andererseits aber werden gleichsam die Verhältnisse selber in der
       Weise personalisiert, daß der eigene Anteil an deren Reproduktion
       u n t e r   A b s e h u n g  v o n  d e r  E i g e n g e s e t z-
       l i c h k e i t     g e s e l l s c h a f t l i c h e r    V e r-
       h ä l t n i s s e  zu einer persönlichen Verantwortlichkeit dafür
       "verlängert",   a l s o  d i e  b l i n d  r e p r o d u z i e r-
       t e   T r e n n u n g   v o n   I n d i v i d u u m   u n d  G e-
       s e l l s c h a f t    g l e i c h z e i t i g    a b s t r a k t
       n e g i e r t  w i r d.
       Diese Verwickeltheit  findet sich  "auf der anderen Seite" wieder
       in emanzipatorisch-strategischen Überlegungen darüber, ob man die
       Menschen oder  die Verhältnisse ändern müsse, damit "es" sich zum
       Besseren wende.  "Der Zwang  zur gedanklichen Alternativentschei-
       dung, ob die Menschen sich  o d e r  die Verhältnisse ändern müs-
       sen, verfehlt  die Gesellschaftlichkeit  von Subjektivität grund-
       sätzlich. Die Argumentation, daß die Verhältnisse geändert werden
       müssen, damit  sich die  Menschen ändern, die sich ändern müssen,
       damit die  Verhältnisse geändert werden können, versucht nur, von
       d e r s e l b e n   A l t e r n a t i v e   ausgehend, diese  mit
       dem Ergebnis  der quasi doppelten Änderung zirkulär zu versöhnen.
       D e r   r e a l e   Z u s a m m e n h a n g  i s t  d e s h a l b
       n i c h t   z i r k u l ä r,   weil sich die Menschen - gattungs-
       spezifisch - bewußt zu ihren Lebensumständen und sich selber ver-
       halten können.  Sie können  jedoch nicht  sozusagen beliebig ihre
       Befindlichkeiten und  Wertungen modifizieren,  sondern nur in dem
       Maße, in  dem sie   e n t s p r e c h e n d   ihre Lebensumstände
       ändern." 4)
       Entscheidend für  unseren Zusammenhang ist, daß das personalisie-
       rende Denken  die Vorstellung  von der Generationskonflikthaftig-
       keit  des   Jugendprotests  befestigt.   Gerade  die    w e g e n
       s e i n e r   S a c h e n t b u n d e n h e i t  im personalisie-
       renden Denken  liegende Möglichkeit  der Eskalation der Entgegen-
       setzung von  Jung und  Alt" macht  den damit  verschärften Wider-
       spruch zwischen  Individuen vergleichbarer  Klassen- und Interes-
       senlage für  die Herrschenden  in besonderer Weise funktional, da
       sie nunmehr  - Stimme der Vernunft! - zu Mäßigung und Verständnis
       aufrufen und  so,   i n d e m  s i e  i n  d e n  K o n f l i k t
       e i n g r e i f e n,     i h n    s i c h    s e l b e r    v o m
       H a l s e  h a l t e n  k ö n n e n.
       Daß im übrigen tatsächlich gesellschaftliche Innovationen genera-
       tionskonfliktförmig durchgesetzt  werden können (und u.U. müssen,
       solange der,  wie gezeigt,  bestimmter Gesellschaftlichkeit  sich
       verdankende   G e g e n s a t z   zwischen den  Generationen  be-
       steht), ändert nichts an der grundsätzlichen Funktionalität gene-
       rationskonfliktförmiger Denkweisen  für die Herrschenden; ebenso-
       wenig ist  mit diesen  Ausführungen gemeint, daß  j e d e r  Kon-
       flikt zwischen jungen und alten Menschen ein (verschobener) Klas-
       senkonflikt ist.  Gezeigt werden  sollte lediglich,  warum und in
       welcher Weise  und zu wessen Nutzen Klassenkampf die Form des Ge-
       nerationskonflikts annimmt  und damit  in ein  ewiges Kräftespiel
       per se  partikularer Interessen  mit der  Tendenz zu Wiederholung
       ("eine über  die andere  Generation"), Gleichförmigkeit, Naturge-
       setzlichkeit ("Hörner abstoßen") eingemeindet wird.
       Soweit nun aber auch die Jugendlichen in ihrem Aufbegehren, ihrem
       Kampf, selber  in derartigen Formen des Denkens befangen bleiben,
       behindern sie sich gleichsam selber, indem sie der Scheinalterna-
       tive "Menschen  oder Verhältnisse ändern" aufsitzen und so Gefahr
       laufen, ihren auf die Veränderung der Bedingungen gerichteten Im-
       petus "selbstverändernd" nach innen zu kehren (womit sich ja auch
       schlagartig "umwerfende"  Erfolge erzielen lassen), und indem sie
       andererseits in  die Lage  geraten, die Bemühungen um ihre Isola-
       tion quasi  selber mitzutragen.  In dem  Maße, in  dem sie diesem
       personalisierenden Denken  unterliegen, ist die Konfrontation mit
       dem eigentlichen  Gegner gemildert,  so daß die Entwicklung einer
       längerfristigen Kampfperspektive erschwert wird.
       Ver- oder behindert wird mit den gezeigten Denkweisen  i n t e r-
       p e r s o n a l  v e r m i t t e l t e s  s o z i a l e s  L e r-
       n e n;  Erfahrungsbereiche werden gegeneinander abgeschottet, die
       Erfahrung und  Verarbeitungsweisen der  jeweils anderen  (Genera-
       tion) werden  nicht in  Richtung auf  die ihnen zugrundeliegenden
       Bedingungen durchsichtig gemacht.
       
       III. Dialogstrategie der Herrschenden als strukturell
       -----------------------------------------------------
       untauglicher Erziehungsversuch
       ------------------------------
       
       Eine weitere Variante, die interpersonale Weitergabe sozialer Er-
       fahrungen zu  blockieren -  auch und  gerade dann, wenn es um die
       Vermittlung von  Kampf- (und  nicht Selbstbescheidungs-)erfahrung
       geht, wird deutlich, wenn wir auf die eingangs gemachte Bemerkung
       zurückkommen, daß die Dialogstrategie der Herrschenden, gegenüber
       Jugendlichen in  Anschlag gebracht,  eine bestimmte    E r z i e-
       h u n g s s t r a t e g i e  oder, im psychologischen Jargon, ein
       bestimmter   E r z i e h u n g s s t i l   ist. Die  von mir hier
       gemeinte Behinderung  eines Zusammengehens  von Jugendlichen  und
       "Erwachsenen" ist  eine Haltung,  die ich  mit "erziehungsförmig"
       kennzeichnen will. 5)
       Gehen wir  aus von der Situation, in der sich etwa ein Westberli-
       ner Hausbesetzer  befindet:  E r  i s t  v o n  R a t g e b e r n
       u m g e b e n,  geradezu umzingelt. Publikationsorgane, die nicht
       von Ratschlägen triefen, sind die Ausnahme; eine dieser Ausnahmen
       ist die "Wahrheit", Zeitung der SEW, von der das wohl manch einer
       nicht erwartet  hätte. Nahezu  unisono erklingt  der  gutgemeinte
       Ratschlag, daß man es  "n i c h t  ü b e r t r e i b e n"  darf.
       Zweitens ist  die Neigung  weit verbreitet,   d e n  J u g e n d-
       l i c h e n   e i n e   O r i e n t i e r u n g   z u  g e b e n,
       eine Neigung,  die davon  ausgeht,  daß  die  Jugendlichen  keine
       Orientierung haben  oder die  falsche, und  daß sie  die richtige
       auch nicht  selber finden  können, und  daß man  sie deshalb dazu
       bringen muß,  eine bzw.  die richtige Orientierung zu übernehmen.
       Dabei geht  es nicht,  das ist  hier entscheidend,  um  "übliche"
       ideologische, politische, theoretische Auseinandersetzungen, son-
       dern um  ein besonderes,   i n  diesen Auseinandersetzungen  sich
       zeigendes   S o n d e r v e r h ä l t n i s  zwischen Erwachsenen
       und Jugendlichen.  Um dies  zu erläutern,  ist  es  erforderlich,
       knapp   einen   der   Aspekte   anzuführen,   die   grundsätzlich
       E r z i e h u n g s s i t u a t i o n e n   im  Sinne  eines  be-
       stimmten  Sonderverhältnisses   zwischen  Erwachsenen   und  Kin-
       dern/Jugendlichen bestimmen,    s o w e i t    m a n    n i c h t
       a k t i v   a u s   d i e s e m   S o n d e r v e r h ä l t n i s
       a u s b r i c h t.  (Zur Debatte steht hier also nicht ein Erzie-
       hungsbegriff bzw.  irgendeine Erziehungskonzeption  o.ä.  -  wenn
       auch damit bestimmte Erziehungsvorstellungen grundsätzlich kriti-
       siert werden  ", sondern ein Aspekt im Verhältnis von Erwachsenen
       und Jugendlichen, der in dem Maße, in dem er  b e s t i m m e n d
       ist, gegenseitiges  Lernen voneinander  behindert. Dabei  geht es
       auch nicht  um erziehungsspezifische Einzelheiten, sondern darum,
       wieweit   s t r u k t u r e l l e   A s p e k t e   d e s    E r-
       z i e h e r / Z ö g l i n g - V e r h ä l t n i s s e s  auch ge-
       nerell das  Verhältnis von  Erwachsenen und  Jugendlichen  durch-
       dringen bzw. tendenziell bestimmen können.)
       Der auszuführende  Aspekt besteht darin, daß der Erzieher die Er-
       ziehungsziele kennt,  und daß es beim Durchsetzen der Erziehungs-
       ziele nur  darum gehen  kann, den   S t i l   d e r    D u r c h-
       s e t z u n g   (Erziehungsstil) und  den  I n h a l t  der Ziele
       (fortschrittliche, reaktionäre  etc.) zu  thematisieren  bzw.  zu
       problematisieren,   n i c h t  a b e r  d a s  S e t z e n  v o n
       E r z i e h u n g s z i e l e n   ü b e r h a u p t.    G e n a u
       d a s   a b e r  w i r d  h i e r  p r o b l e m a t i s i e r t.
       Behauptet  wird,  daß  es  genau  das  Setzen,  das    F r e m d-
       s e t z e n   von Erziehungszielen  ist, das  deren  Realisierung
       durch den  Zögling zentral behindert,  w e i l  d i e  F r e m d-
       s e t z u n g    v o n    Z i e l e n    m i t    d e n    s u b-
       j e k t i v e n   N o t w e n d i g k e i t e n   d e s    Z ö g-
       l i n g s,   s e l b e r   ü b e r   s e i n e   L e b e n s u m-
       s t ä n d e  V e r f ü g u n g  z u  g e w i n n e n,  u n v e r-
       e i n b a r   i s t.   Gerade die  potentielle  Einsicht  in  die
       Berechtigung des  Ziels kann  dabei den  Zögling in eine geradezu
       aussichtslose Position  bringen, da  ihm der Erzieher quasi immer
       ein Stück  voraus ist und es für den Zögling unentscheidbar wird,
       ob er  eigentlich seine eigenen Interessen verfolgt oder sich nur
       fremdgesetzten, vorgegebenen  beugt. Unter  diesen Umständen kann
       wirkliche  Selbstbestimmung   nur  noch   im   Widerstand   gegen
       fremdgesetzte Ziele überhaupt bestehen.
       Die Kritik  muß aber  noch weitergetrieben  werden.  S i e  m u ß
       n i c h t   n u r   d a s   F r e m d s e t z e n   v o n  Z i e-
       l e n   i n   F r a g e   s t e l l e n,   s o n d e r n  a u c h
       d i e   Ü b e r z e u g u n g,   d a ß   d i e    E r z i e h e r
       w i r k l i c h  w i s s e n,  w a s  f ü r  d e n  Z ö g l i n g
       g u t   i s t.   Daß Erzieher  immer nur  das Beste  w o l l e n,
       sei unbenommen.  Die Überzeugung,  auch zu  w i s s e n,  was das
       Beste   i s t,   läßt allerdings   d i e  f u n d a m e n t a l e
       T a t s a c h e     d e r     S u b j e k t e n t w i c k l u n g
       s e l b e r   außer acht.  Subjektentwicklung ist,  kurz  gefaßt,
       immer die Negation der Widersprüche eines gegebenen Zustandes der
       Abhängigkeit und  Fremdbestimmung in  einem bestimmten  notwendig
       nächsten Schritt  zur Überwindung  genau    d i e s e r    Abhän-
       gigkeit, so  daß die  Entwicklung selber  nicht an  irgendwelchen
       äußerlichen Merkmalen  ablesbar, sondern  nur aus der Perspektive
       des sich  Entwickelnden und  im Vergleich  zum eben  überwundenen
       Niveau erkennbar ist.
       Das heißt  in aller  Kürze und  Konsequenz und von der Außensicht
       her: Der  subjektive Entwicklungsprozeß  - der  bei  Jugendlichen
       durchschnittlich intensiver  abläuft als  bei Erwachsenen  - ver-
       läuft nicht  gradlinig, sondern u. U. in einer erheblichen Anzahl
       von Umwegen, scheinbaren Rückschritten, Stagnationen, also in Ab-
       weichung von einer aus Erziehersicht idealen geraden Linie.
       Wenn der  Erzieher -  blind für derartige Verlaufsformen von Sub-
       jektentwicklung -  auf gradlinige Entwicklung in Richtung der Re-
       alisierung der von ihm gesetzten Ziele drängt, bringt er den Zög-
       ling in  eben jene Situation, gegebenenfalls seine gegen Fremdbe-
       stimmung und  Abhängigkeit gerichtete subjektive Entwicklungsnot-
       wendigkeit   u n a b h ä n g i g   vom Zielinhalt nur noch im Wi-
       derstand gegen  den zum echten Entwicklungshemmnis gewordenen Er-
       zieher behaupten  zu können.  Derartiger Widerstand ist unter den
       geschilderten Bedingungen  allerdings  der    g ü n s t i g s t e
       Fall; bleibt  er aus,  ist zu  befürchten, daß  es dem Erzieher -
       u.U. unbewußt  und absichtswidrig - aus dann im einzelnen zu ana-
       lysierenden Gründen  "gelungen" ist, den Zögling einen Schritt in
       Richtung auf  Vorbereitung auf  eine für  das Kapital funktionale
       fremdbestimmte (Erwachsenen-)Existenz zu trimmen.
       Kommt man  vor diesem  Hintergrund auf die Jugendbewegung zurück,
       so ergibt  sich folgendes:  Soweit Jugendliche  in vergleichbarer
       Lage und mit vergleichbaren Erfahrungen diese kollektiv zu verar-
       beiten beginnen, können sie subjektiv notwendige nächste Schritte
       ihrer Entwicklung  weg von  Abhängigkeit und Fremdbestimmung kol-
       lektiv bestimmen  und gemeinsam vollziehen, so daß man die Schat-
       tierungen in der Jugendbewegung als Ausprägung derartiger kollek-
       tiver Entwicklungsschritte   i m   R a h m e n  d e s  h i s t o-
       r i s c h   M ö g l i c h e n    sehen  kann.  Wenn  man  an  der
       Tatsache der  Subjektentwicklung nicht vorbeisehen will, wenn man
       davon ausgeht,  daß man  einer Verhaltensänderung  die   Entwick-
       lungs r i c h t u n g,   die darin zum Ausdruck kommt,  n i c h t
       von außen  ansehen kann,   m u ß   man dies so auffassen. Man muß
       dann eben auch zu der Auffassung kommen, daß "die Einsicht in die
       Bedingungen, den  Gang und die allgemeinen Resultate der proleta-
       rischen Bewegung", die das "Kommunistische Manifest" den Kommuni-
       sten zuschreibt,  nicht  gleichbedeutend  damit  ist  zu  wissen,
       w i e  der  e i n z e l n e  zu dieser Einsicht in seinem  b i o-
       g r a p h i s c h e n  Prozeß kommt.
       Das heißt  z.B., daß  das Werfen von Steinen auf Sachen oder uni-
       formierte Personen  ein für  das werfende  Individuum notwendiger
       Befreiungsschritt von  einer noch  bestehenden inneren Verbunden-
       heit mit dem tendenziell als unmenschlich erkannten politisch-ge-
       sellschaftlichen System sein  k a n n.  Soweit dies der Fall ist,
       w i r d   es seinen  Stein werfen, wenn es sich nicht wieder ein-
       frieden lassen  will,   u n a b h ä n g i g   d a v o n,    w e r
       i h m  d a v o n  a u s  w e l c h e n  M o t i v e n  a b r ä t.
       Im Gegenteil:  Soweit es  konsequent bleiben will, muß seine Ent-
       schlossenheit dazu  eher proportional  zur Anzahl  der abratenden
       Ratgeber steigen:  "Lieber einen  Stein in der Hand als ein Brett
       vor'm Kopf." (Diese Überlegungen widersprechen nicht der auf ganz
       anderer Ebene liegenden Einsicht, daß man restmaoistische Strate-
       geme bekämpfen muß - das versteht sich von selbst. Ebenso ist die
       Eingemeindung spontaner  Kampfformen von Jugendlichen in romanti-
       sierende Vorstellungen  älterer Einzelanarchisten  kein besonders
       weitherziges Verständnis  für die  Jugend, sondern  schlicht eine
       auf den  ersten Blick weniger auffallende Bevormundung durch eine
       bestimmte politische Konzeption.)
       Es ist ersichtlich, daß mit dem eben Dargelegten eine der Grenzen
       der herrschenden Dialogstrategie skizziert ist, die die Jugendli-
       chen dazu  bringen will,  ihre Ansprüche  und Durchsetzungsformen
       zurückzunehmen, wobei  der Grad  oberflächlicher  Zugeständnisse,
       also dessen,  was investiert  wird, um das Ziel der Korrumpierung
       zu erreichen, durchaus verschieden ist. Der Dialog gaukelt grund-
       sätzliche Kompromißmöglichkeit  vor, wo  es um grundsätzliche Al-
       ternativen geht.  Er bemüht  sich um  die Vermittlung von Werten,
       hehrer noch:  Grundwerten, wo  es um gesellschaftliche Interessen
       geht; kurz:  die Dialogstrategie  muß verdecken, daß die grundle-
       genden Interessen von in der bürgerlichen Gesellschaft Herrschen-
       den und  Jugendlichen unvereinbar  sind. Es sind aber eben derar-
       tige Erfahrungen  mit einschlägigen  Sozialisationsagenten und  -
       agenturen, die  die Jugendlichen  besonders und zu Recht mißtrau-
       isch gegen Ratschläge  a l l e r  Art machen.
       Folgt nun  daraus pessimistisch,  daß wegen der gezeigten Aspekte
       von Subjektentwicklung  und speziell  wegen der  Erfahrungen  mit
       ganzen Schwadronen  von Ratgebern Marxisten keine Möglichkeit der
       Jugendbewegung gegenüber  haben als  den Mund  zu halten, die Ju-
       gendlichen ihre  Erfahrungen machen zu lassen und abzuwarten, bis
       sich das Chaos ihrer Entwicklungsschritte ein wenig ordnet?
       
       IV. "Verständnisvolle" Psychologisierung
       ----------------------------------------
       oder praktische Solidarität?
       ----------------------------
       
       Die Verfechter  der Dialogstrategie  sehen sich  vor der Alterna-
       tive,   ü b e r   d i e   J u g e n d l i c h e n  z u  r e d e n
       o d e r   m i t   i h n e n.   Es kommt aber nicht darauf an, mit
       ihnen oder über sie  z u  r e d e n,  sondern gemeinsam mit ihnen
       z u   h a n d e l n.  Genau darin liegt aber die Grenze bürgerli-
       cher Einfriedungsstrategie.   E i n e   Erfahrung haben die kämp-
       fenden Jugendlichen  sicher mit  den Marxisten  gemeinsam:    E s
       g e h t   n i c h t   u m   g u t e  R a t s c h l ä g e,  s o n-
       d e r n  u m  p r a k t i s c h e  S o l i d a r i t ä t.  Und es
       kann ihnen  nur nützen, wenn sie nach diesem Kriterium diejenigen
       beurteilen, die  sich mit  ihnen ins Benehmen zu setzen wünschen:
       Wer  Ratschläge   erteilt  oder   Verständnis  äußert,    o h n e
       praktisch solidarisch  zu sein, ist grundsätzlich verdächtig. Nur
       in dieser  Radikalität können  sich die  Jugendlichen, die ja oft
       erst beginnen,  Kampferfahrungen zu  sammeln,  der  Vereinnahmung
       erwehren.
       Hier erweist sich auch die wissenschaftliche Begrenztheit und po-
       litische Interessiertheit traditionell-psychologischer Argumenta-
       tionsmuster, wie sie in offiziellen bzw. offiziell in Auftrag ge-
       gebenen, "Gutachten"  genannten Einschätzungen der Jugendbewegung
       Eingang finden,  die, in  bestimmten Varianten  personalisierend-
       psychologisierendes Alltagsdenken  wissenschaftlich stilisierend,
       zum Ziel  haben, Handlungsmöglichkeiten von Politikern und Sozia-
       lisationsagenten den Jugendlichen gegenüber abzustecken. (Ein be-
       kanntes Beispiel  ist die  diesbezügliche Eidgenössische  Kommis-
       sion.) Dadurch,  daß  hier  gewisse  gesellschaftliche  Mißstände
       (nicht  ihre   strukturellen  Ursachen)  quasi  konzedierend  und
       gleichsam Verständnis  für die  Jugendlichen erheischend in Rech-
       nung gestellt werden, könnte es zunächst scheinen, als plädierten
       die Autoren  für die  historische Berechtigung  dieser Kämpfe und
       die Notwendigkeit  ihrer siegreichen Beendigung (qua Durchsetzung
       der von  den Jugendlichen erhobenen Forderungen). In Wirklichkeit
       indes, so  zeigt sich, geht es ihnen darum, wie bei offensichtli-
       cher Unvermeidlichkeit  der Kämpfe  deren für  die Aufbegehrenden
       positiver  Ausgang   weitgehend  vermieden   werden  kann.  (Eine
       p r a k t i s c h e   Variante derartigen  Taktierens ist es, wie
       in Zürich, ein autonomes Jugendzentrum zuzugestehen, gleichzeitig
       aber die  einschlägigen Drogenumschlagplätze  polizeilich zu säu-
       bern, Junkies  und Dealer in das Jugendzentrum abzudrängen und so
       den damit  natürlich überforderten Jugendlichen faktisch die Ver-
       antwortung für  das von  ihnen absolut nicht verschuldete Drogen-
       problem aufzubürden.)
       Als letzte Ursache der Jugendunruhen gilt etwa der Schweizer Stu-
       die die   p s y c h i s c h e   Struktur dieser Jugendlichen. Was
       ihnen fehlt  oder fehlte,  waren oder  sind intakte Familien, ein
       Klima der  Wärme, feste  Bezugspersonen, Ichstärke etc., also all
       das, was, wie die Autoren insinuieren, jene Haltung schafft, gra-
       vierende Beschränkungen  der eigenen  Lebensmöglichkeiten letzten
       Endes doch  hinzunehmen, oder,  wie es  allgemein heißt,   F r u-
       s t r a t i o n s t o l e r a n z   zu entwickeln. Als Psychologe
       erkennt man in derartigen Vokabeln auf den ersten Blick das ganze
       begrifflich-psychologische  Arsenal   zur    p r i v a t i s i e-
       r e n d e n   E n t s k a n d a l i s i e r u n g    g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e r   Z u s t ä n d e,   das es  erlaubt,  im
       Rekurs auf  die alles  erklärende Psyche  die  gesellschaftlichen
       Strukturen   u m g e h b a r   und so   u m g ä n g l i c h    zu
       machen.
       Diese Art der Psychologisierung soll hier unter einem bislang we-
       niger beachteten  Aspekt  diskutiert  werden,  dem  der    M e n-
       s c h e n v e r a c h t u n g,   d i e   i n   d i e s e r   B e-
       t r a c h t u n g s w e i s e   l i e g t,   und die  in der  pe-
       netrant verständnistriefenden  Argumentationsweise nur noch deut-
       licher wird.  Indem nämlich der Kampf der Jugendlichen trotz kon-
       zedierter Mißstände  letztlich auf  - gegenüber einem Modell homo
       mittelschichtiensis -   d e f i z i t ä r e   p s y c h i s c h e
       S t r u k t u r e n  zurückgeführt wird, wird der in diesen Kämp-
       fen zutage  tretende kollektive Befreiungsversuch faktisch denun-
       ziert. Die  Jugendlichen erscheinen, wie Marionetten an den Fäden
       ihrer destruierten  Psychen hängend,  als blind von ihren psychi-
       schen Defekten  und Wärmedefiziten getrieben; und es kann, soweit
       die jeweiligen  Autoren bürgerlichen Vorstellungen und Auftragge-
       bern   verhaftet    bzw.   verpflichtet   bleiben,      n i c h t
       a k z e p t i e r t  w e r d e n,  daß diese Jugendlichen in Ana-
       lyse und  Verarbeitung von für sie unhaltbar gewordenen Zuständen
       für eine  menschenwürdige Zukunft  kämpfen,  daß  sie  versuchen,
       statt sich  privat zu  bescheiden und  einzurichten, ihre eigenen
       Probleme als allgemeine und gemeinsam zu lösende zu begreifen und
       diesbezüglich die  Herrschenden herausfordern. Da dieses Infrage-
       stellen vorfindlicher  Gegebenheiten in seiner Berechtigung nicht
       zugegeben werden  kann,   o h n e   s i c h   m i t   d e n  J u-
       g e n d l i c h e n   z u   s o l i d a r i s i e r e n,   m ü s-
       s e n   derartige Erklärungen  trotz ihrer  verständnisvoll  sich
       gerierenden Form  denunziatorisch und  menschenverachtend werden.
       (Daß die  Jugendlichen diese  Einschätzungen und  Erklärungen als
       das nehmen,  was sie  sind, ist  eins der  erfreulichsten Zeichen
       dieser Bewegung.)
       Für Marxisten  kann es   k e i n e   g e s o n d e r t e   T a k-
       t i k   (im umgangssprachlichen  Sinne)  g e g e n ü b e r  d e r
       J u g e n d b e w e g u n g   geben, da hier, vermittelt über das
       gemeinsame Interesse gegenüber den Herrschenden,  e i n e  f u n-
       d a m e n t a l e   Gemeinsamkeit  besteht,    a u s    d e r e n
       F e h l e n   j a  d i e  b ü r g e r l i c h e  T a k t i k  i m
       U m g a n g   m i t   d e n   J u g e n d l i c h e n  r e s u l-
       t i e r t.   Diese ganzen Taktiken, psychologisierenden Erklärun-
       gen, dieses Bequatschen, Belabern, Verstehen und Beraten ist eben
       der Ausdruck des Fehlens einer gemeinsamen Grundlage und Ausdruck
       der Notwendigkeit,  die aus  dem  Konsens  mit  den  Herrschenden
       ausgebrochenen Jugendlichen  möglichst so wieder einzufangen, daß
       sie den Fangvorgang selber gar nicht bemerken.
       
       V. Perspektiven des Jugendkampfes
       ---------------------------------
       
       Der Verzicht  auf eine verständnisvolle und erzieherische Sonder-
       behandlung der  Jugendlichen, die nicht bestehende Notwendigkeit,
       sie durch  besonders jugendgerecht gemeinte Tricks beschwichtigen
       zu müssen,  die Einsicht in die spalterischen Konsequenzen perso-
       nalisierenden Denkens in gedanklich auf Generationskonflikte ver-
       schobenen Klassenauseinandersetzungen etc. bedeutet jedoch nicht,
       r e a l e   Unterschiede zwischen  den Generationen  zu  leugnen.
       Dies gilt  etwa für  die Suche der Jugendlichen nach alternativen
       Lebensformen, die  allein deshalb  nicht in  spöttelnder Arroganz
       abzuwerten ist,  weil der Beispielcharakter "üblicher" Lebensfor-
       men höchst  zweifelhaft ist. Mit welcher Berechtigung auch sollte
       man etwa als beispielhaftes Modell die behütete Kleinfamilie hin-
       stellen, die  ihren Kindern  emotionale Wärme und Geborgenheit zu
       geben wünscht  und sich in ihre Etagenwohnung, eine Art emotiona-
       ler Hochsicherheitstrakt,  privat zurückzieht  -  Brutstätte  von
       Neurosen und Wiege der Psychoanalyse?
       Man hat sich - etwa auch, was den Umgang von Jugendlichen mit ih-
       rer Emotionalität,  der sie  gelegentlich  ungeschminkt  Ausdruck
       verleihen, angeht - immer zu fragen, inwieweit aufkeimende Ableh-
       nung derartiger  Lebensäußerungen Ausdruck  einer Abwehr  des Um-
       standes ist,  daß die von den Jugendlichen "rücksichtslos" an den
       Tag gelegten  Sehnsüchte, Hoffnungen,  Ängste etc.  ja  n i c h t
       n u r   d i e  i h r e n  s i n d,  und inwieweit Etikettierungen
       wie "Subjektivismus"  etc. eine Rationalisierung eigener Verunsi-
       cherung sein könnten, da die grundsätzliche Ausklammerung der ei-
       genen emotionalen Befindlichkeit aus gesellschaftlichen Auseinan-
       dersetzungen eine  eingeschliffene Form  bürgerlicher  Privatheit
       ist, die  einerseits  die  Verallgemeinerung  des  Betroffenseins
       durch unterdrückerische  Anforderungen "verbietet"  und  anderer-
       seits impliziert,  daß ihre Durchbrechung notwendig "ungeübt" ist
       und notwendig  provokatorischen Charakter  erhält. Ich  kann dies
       hier nicht weiter ausführen.
       Entscheidend ist, daß nicht die eigene Lebensweise unter der Hand
       z u m   M a ß s t a b  g e r ä t,  d e r  b l i n d  v e r a l l-
       g e m e i n e r t  w i r d.  Für die Erprobung neuer Lebensformen
       gilt m. E. schon jetzt, was Engels über die sexuellen Beziehungen
       künftiger Generationen  meinte: "Wenn diese Leute da sind, werden
       sie sich  den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie
       tun sollen;  sie werden  sich ihre  eigne Praxis  und ihre danach
       abgemeßne öffentliche  Meinung über  die Praxis  jedes  einzelnen
       selbst machen - Punktum." 6)
       Man muß  davon ausgehen, daß in dem Maße, in dem die Jugendlichen
       auf ihren  Lebensweisen beharren, auf ihren Forderungen insistie-
       ren, in  dem sie Integrationsbemühungen wie die geschilderten als
       das durchschauen,  was sie sind, der Druck auf die Jugendbewegung
       zunehmen wird,  so daß  das zentrale politische Problem darin be-
       steht, ob  es einen  Beitrag dazu gibt, daß sich die Jugendlichen
       nach ihren  eigenen Vorstellungen entfalten können. Die Marxisten
       haben mit den Jugendlichen nicht lediglich das erwähnte Interesse
       gegen die  Herrschenden gemeinsam,  sondern auch  dasjenige,  das
       Kräfteverhältnis zu  ändern, daß die Durchsetzung oder Behauptung
       der jeweiligen  eigenen Vorstellungen  einfacher wird. Dies setzt
       voraus, die  Jugendlichen als Teilsubjekt gesellschaftlicher Ver-
       änderung ernst  zu nehmen, unter Einschluß des Wissens darum, daß
       ihre ideologischen Vorstellungen in vielfacher Hinsicht von denen
       des wissenschaftlichen Sozialismus erheblich abweichen.
       Der Verzicht  auf ein "taktisches Verhältnis" zu den Jugendlichen
       heißt nun aber gerade nicht, daß die Marxisten ihre Ziele zu ver-
       stecken hätten. Gerade das wäre ja Ausdruck jenes taktischen Ver-
       hältnisses, zu  dem die  Bürger gezwungen  sind. Wenn es so wäre,
       daß die  Ziele von  Jugendlichen und  Marxisten in keinerlei Hin-
       sicht übereinstimmten,  könnte man  in letzter  Konsequenz  nicht
       miteinander kämpfen.  Es kommt  darauf an,  daß der  ideologische
       Dissens mit  Jugendlichen genauso  ausgetragen wird  w i e  m i t
       n i c h t j u g e n d l i c h e n  M e n s c h e n  a u c h.
       Überflüssige Denkbarrieren  baut man  sich nach meiner Auffassung
       dann auf,  wenn man,  wie weit  verbreitet, von  einer besonderen
       "Organisationsfeindlichkeit"  der   Jugendlichen  ausgeht.  Dabei
       setze ich  voraus, daß mit dieser Einschätzung der Organisations-
       feindlichkeit nicht die triviale Tautologie, die gleichwohl immer
       wieder Triumphe empirischer Bestätigung erfährt, gemeint ist, daß
       jeder, der  nicht Marxist  ist, also auch das Gros der kämpfenden
       Jugendlichen, keine marxistische Lösung des Verhältnisses von In-
       dividuum und  Organisation im  Kopf haben bzw. praktizieren kann.
       Wenn man  also davon absieht, daß Nichtmarxisten per definitionem
       einen bürgerlichen  Freiheits-, Persönlichkeits-  und Organisati-
       onsbegriff haben,  so läßt sich feststellen: Der Umstand, daß die
       Jugendlichen gemeinsam  kämpfen und  mit ihrem Kampf ihre Persön-
       lichkeit entfalten  wollen, spricht  absolut dagegen, daß sie dem
       Organisiert-Handeln und  -Sein "feindlich"  gegenüberstehen, also
       "organisationsfeindlich" sind.  Was sie  ganz  offensichtlich  in
       Frage stellen  und z.T. massiv ablehnen, sind bestimmte Organisa-
       tionen und  Organisationsstrukturen, wobei  sich ihnen    j e d e
       Art von Hierarchie zum bürokratischen Wasserkopf auswächst - Ver-
       allgemeinerung einer  in der  bürgerlichen Gesellschaft alltägli-
       chen Erfahrung. Die Jugendlichen sind m.E. auf der Suche nach de-
       mokratischen Organisationsformen, die die optimale Entfaltung der
       Persönlichkeit ermöglichen,  was sich  gegebenenfalls in  der ab-
       strakten Negation   v o r f i n d l i c h e r  Organisationen und
       deren Struktur  äußern kann, gleichwohl keine Organisationsfeind-
       lichkeit bedeutet. Wer beispielsweise gegenüber solchen Jugendli-
       chen die  Notwendigkeit der Existenz einer kommunistischen Partei
       mit der Notwendigkeit organisierten Kampfes begründet, redet dem-
       gemäß an  denen vorbei,  denen es  um  den  Nachweis  ginge,  daß
       d i e s e   Form der  Organisiertheit Voraussetzung der je histo-
       risch möglichen  maximalen  Entfaltung  der  Persönlichkeit  ist.
       Nicht über  das organisierte  Handeln überhaupt  ist zu streiten,
       sondern über die Art der Organisiertheit.
       Indem Marxisten  ihren Kampf führen, führen sie den der Jugendli-
       chen mit   u n d   u m g e k e h r t.  Eine marxistisch fundierte
       Kommunal- und  Wohnungspolitik  i s t  mit den Interessen häuser-
       besetzender   Jugendlicher   gleichgerichtet   und   somit   eine
       B ü n d n i s g r u n d l a g e.   In derartigem  bündnisermögli-
       chendem Kampf  sehe ich die einzige, allerdings auch vielverspre-
       chende Möglichkeit,  dazu beizutragen,  reale Isolationstendenzen
       bei Jugendlichen  nicht dominierend  werden zu lassen, sie merken
       zu lassen,  daß vor ihnen schon dagewesen zu sein nicht notwendig
       im pejorativen  Sinne etabliert zu sein bedeutet. In einem derar-
       tigen Kampf,  der immer  ideologische Auseinandersetzungen impli-
       ziert, liegt die einzige Möglichkeit, daß sie auch merken,  d a ß
       d e r  R e p r e s s i o n s s p i e l r a u m  g e g e n ü b e r
       J u g e n d l i c h e n    w e s e n t l i c h    v o m    E n t-
       w i c k l u n g s s t a n d     d e r    A r b e i t e r b e w e-
       g u n g   a b h ä n g t   (und daß  es im  übrigen   a u c h  vom
       Entwicklungsstand der  Arbeiterbewegung abhängt,  welche  Politik
       etwa die  "Neue Heimat"  betreibt). Daß  die  Arbeiterklasse  die
       entscheidende Kraft  bei der  gesellschaftlichen Veränderung  und
       Umwälzung ist,  ist ja  keine "Erfindung"  der Marxisten, sondern
       "nur" eine den realen gesellschaftlichen Widersprüchen entnommene
       und  daraus  gewonnene  Erkenntnis,  und  es  gibt  keinen  Grund
       anzunehmen, daß sie aufbegehrenden Jugendlichen dann verschlossen
       bleiben sollte,  wenn die,  die diese  Erkenntnis gewonnen haben,
       ihren eigenen Kampf überzeugend führen.
       
       _____
       *) Überarbeitete Fassung  eines Vortrags  auf der  "Marxistischen
       Woche" 1981 des IMSF in Hamburg.
       1) Ich beziehe  mich hierbei auf Klaus Holzkamp, Jugend ohne Ori-
       entierung?, in: Forum Kritische Psychologie 6, 1980, S. 196 ff.
       2) Ebenda, S. 200
       3) Ebenda, S. 201
       4) Morus Markard,  Welchen Beitrag kann die Psychologie zur Frie-
       denssicherung leisten?,  in: Dialektik,  Bd.  4,  Köln  1982  (im
       Druck)
       5) Grundlage für  die folgenden Überlegungen ist, soweit sie sich
       auf das Erziehungsproblem beziehen, ein unveröffentlichtes Papier
       K. Holzkamps,  mit dem  dieser eine länger geführte Diskussion in
       einem Forschungsprojekt "auf den Begriff" brachte.
       6) Friedrich Engels,  Der Ursprung  der Familie, des Privateigen-
       tums und des Staats, in: MEW, Bd. 21, S. 83
       

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