Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


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       DER DRITTE "KAPITAL"-ENTWURF VON 1863-1865
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       Ein Überblick vor der Veröffentlichung
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       Irina K. Antonowa/Winfried Schwarz/Alexander Tschepurenko
       
       1. Die  komplizierte Reihenfolge  der Manuskriptteile  -  2.  Das
       "Sechste Kapitel" als Teil des ersten Buchs - 3. Die erste Skizze
       über den  Zirkulationsprozeß -  4. Das "Hauptmanuskript" des III.
       Buches vor der Redaktion durch Engels
       
       Spätestens seit  der internationalen  Debatte  über  die  "Grund-
       risse", den  ersten "Kapital"-Entwurf  von Marx, ist unter marxi-
       stischen  Philosophen,   Wissenschaftstheoretikern  und  Ökonomen
       unumstritten, daß gerade die Vorarbeiten zum "Kapital" großen Er-
       kenntnisgewinn   vermitteln   können.   Die   Vorgeschichte   des
       "Kapitals" vollzieht sich verdichtet über die drei Gesamtentwürfe
       von 1857-58,  von 1861-63  und von  1863-65. Sie beleuchten nicht
       nur die  ökonomische Theorie neu, sondern jene Vorarbeiten erlau-
       ben durch  ihre jeweiligen Unterschiede voneinander, d. h. gerade
       aufgrund ihres  Entwurfscharakters, auch  einen tieferen Einblick
       in die innere Notwendigkeit der Darstellung des "Kapitals". Folg-
       lich bewahren  sie die marxistische Methodologiedebatte - mit ih-
       ren Streitfragen  wie "Dialektik  im Kapital'",  "Abstraktes  und
       Konkretes", "Logisches  und Historisches"  - vor  der Gefahr  der
       Sterilität, die der Umstand in sich birgt, daß jahrzehntelang die
       gleichen, seit  1894 vollständig veröffentlichten drei Bücher den
       Hauptstoff für  Untersuchungen abgaben.  In der  folgenden kurzen
       Erstvorstellung des  letzten ökonomischen  Gesamtmanuskripts  vor
       der Publikation des Ersten Buches 1867, des Entwurfs von 1863-65,
       werden wir besonders auf wichtige Abweichungen gegenüber früheren
       Fassungen und  gegenüber der  Endfassung des "Kapitals" eingehen.
       1)
       
       1. Die komplizierte Reihenfolge der Manuskriptteile
       ---------------------------------------------------
       
       Im Sommer  1863 war endgültig die viergliedrige Struktur der öko-
       nomischen Arbeit  von Marx konzipiert: die ersten drei Bücher als
       theoretischer Teil,  das vierte Buch als Geschichte der Theorien.
       Sofort nach  Abschluß der  Arbeit am  Manuskript 1861-63  2) ging
       Marx daran, auf der Grundlage dieses Entwurfs die ersten drei Bü-
       cher in  systematischer Form niederzuschreiben. Überliefert sind:
       "Sechstes Kapitel. Resultate des unmittelbaren Produktionsprozes-
       ses", von  Marx paginiert  von S.  441 bis  S. 495 sowie einzelne
       nicht zusammenhängende  Seiten  zu  Buch  I;  3)  das  sogenannte
       "Manuskript I"  von Buch  II, von Marx mit den Seitenzahlen 1 bis
       149 versehen; 4) das Manuskript des Buchs III, von Marx paginiert
       von S.  1 bis  S. 527  und von unbekannter Hand von S. 528 bis S.
       575. 5)
       Im Unterschied  zu den ersten beiden "Kapital"-Entwürfen sind die
       genannten Manuskripte  sämtlich ohne  Datierung durch  den Autor.
       Bisher gab  es in der Forschung jedoch allgemeine Übereinstimmung
       darüber, daß  Marx in  den Jahren  1863 bis 1865 nacheinander die
       Bücher I,  II und III verfaßt hat und anschließend dazu überging,
       1866 das  erste Buch  für den Druck fertigzustellen, wozu ihm die
       nicht erhaltenen  ersten fünf  Kapitel jenes Entwurfs als Überar-
       beitungsgrundlage dienten.  Erst vor relativ kurzer Zeit erschien
       ein Aufsatz  von Igor Boldyrew, 6) der den Versuch unternahm, den
       Arbeitsverlauf von  Marx im fraglichen Zeitraum neu zu rekonstru-
       ieren. Der  Autor machte  zu Recht  auf Ungereimtheiten  in einer
       Reihe von Arbeiten aufmerksam und kam zu dem Schluß, daß das ein-
       zige Manuskript,  das Marx  1863-65 schuf,  das Buch III war, mit
       dem er  folglich auch  die Arbeit  am dritten Entwurf begann. Ein
       neues Manuskript  des I. Buches - so Boldyrew - habe Marx in die-
       sem Zeitraum  weder geplant noch realisiert, da er die Behandlung
       des Produktionsprozesses  im Manuskript  1861-63 als ausreichende
       Quelle für  die 1866  durchgeführte Druckvorbereitung  betrachtet
       habe. "Von  daher ist  klar, daß  der Schwerpunkt  der Arbeit von
       Marx im  Untersuchungszeitraum in  erster Linie auf Problemen des
       III. Buchs des 'Kapitals' lag." 7)
       Zweifellos glaubte  Marx, als er die Arbeit am Manuskript 1861-63
       beendete, daß  das Material  schon zur Veröffentlichung reif sei,
       und zwar  "bis zum  Reinschreiben und der letzten Feilung für den
       Druck". 8)  Indessen sind  solche Fehlprognosen,  was Termine an-
       geht, bei  Marx, keine Seltenheit. Sie hängen mit seiner unglaub-
       lichen Akribie  in der  Bearbeitung des  Stoffs zusammen. Dennoch
       besticht die  von Boldyrew  vorgeschlagene Lösung  auf den ersten
       Blick durch  ihre Eleganz:  Um die  vermißten ersten fünf Kapitel
       des ersten Buchs von 1863/64 braucht sich die Forschung keine Ge-
       danken zu  machen. Es  gibt sie  nicht. Das überlieferte "Sechste
       Kapitel" sieht  Boldyrew als den nicht gedruckten Schluß der 1866
       formulierten Reinschrift  an, in  Anschluß  an  welche  Marx  das
       "Manuskript I" des Buchs II niederschrieb. 9)
       Boldyrews Hypothesen,  so intuitiv  sie auch erscheinen, waren in
       dieser zugespitzten  Form eine  Herausforderung an  die  Marxfor-
       schung der  UdSSR und  DDR, zumal  die bevorstehende Veröffentli-
       chung der  Manuskripte in  der MEGA (II. Abteilung, Bände 4.1 und
       4.2) wegen  des chronologischen Prinzips maximale Sicherheit über
       die Entstehungszeiten  verlangt. Die  ungenügende Begründung  der
       bislang allgemein  geteilten Ansichten  wurde plötzlich offenkun-
       dig. Daher  ging von  diesem Aufsatz  ein starker Impuls für eine
       vertiefte Forschung,  vor allem  am Moskauer  IML, aus,  in deren
       Verlauf nun  nicht einfach die alten Positionen wieder bekräftigt
       wurden, sondern ganz neue Erkenntnisse über die wirkliche Reihen-
       folge der Manuskripte entstanden.
       Das einsetzende erneute Studium des Briefwechsels von Marx zeigte
       zwar, daß  bereits im August 1863 die Arbeit an einem neuen Manu-
       skript im  vollen Gange  war (Marx  am 15.8.1863  an Engels), und
       ließ auch  kaum einen  Zweifel daran, daß die Anfang 1866 zum Ab-
       schreiben für  den Druck vorliegenden "an 1200 Seiten Manuskript"
       10) einen  Gesamtentwurf aller  drei Bücher  bildeten. Allerdings
       lassen die  Briefe die  Frage nach  der Reihenfolge dieser Bücher
       unbeantwortet. Zur Lösung mußte man sich den Originalmanuskripten
       selbst zuwenden, um alle in ihnen enthaltenen wechselseitigen Be-
       züge und  Hinweise der  drei Bücher untereinander zu analysieren.
       Hier die Hauptresultate:
       1. Die im  "Sechsten Kapitel" vorkommenden wenigen Bezüge auf das
       zweite und dritte Buch erlauben in ihren Formulierungen nicht den
       eindeutigen Schluß,  daß die anvisierten Kapitel tatsächlich noch
       ungeschrieben sind.  Indessen lassen  umgekehrt die zwei Rückver-
       weise im  "Manuskript I"  des II. Buchs auf das "Sechste Kapitel"
       keinen Zweifel  daran, daß das "Sechste Kapitel" schon vorliegt -
       so exakt  werden zwei  Stellen aus  diesem Kapitel rekapituliert.
       11)
       2. Den Schlüssel  für die  Reihenfolge von "Sechstem Kapitel" und
       "Manuskript  I"  gegenüber  Buch  III  finden  wir  ebenfalls  im
       "Manuskript I",  und zwar  in seinen  Vorverweisen auf das dritte
       Buch: Ausnahmslos  entsprechen alle rund zehn Verweise dem damals
       in Marxens  Kopf möglicherweise  vorhandenen Plan,  "stimmen aber
       nicht mit  der realen  Struktur des III. Buches in dessen zweiter
       Hälfte überein".  12) Erstens  verweist Marx auf das VII. Kapitel
       des III.  Buches über die "Refluxbewegungen des Geldes". Ein sol-
       cher Abschnitt  steht sowohl im ökonomischen Manuskript von 1861-
       63 als  auch im  Planentwurf von  Januar 1863. Im wirklichen Text
       des III.  Buches hat  Marx aber  darauf verzichtet. Zweitens wird
       das zinstragende Kapital dem Kapitel IV zugewiesen, wohin es zwar
       laut Plantentwurf  von 1863  und sogar  noch in  der Kapitelüber-
       schrift auf  S. 243  von Buch  III plaziert  werden sollte.  Doch
       wurde   im    Laufe   der   Niederschrift   dieses   Kapitel   in
       "Kaufmännisches Kapital"  (IV.) und  "Zinstragendes Kapital" (V.)
       aufgeteilt. Diese und andere Vorverweise auf das III. Buch bewei-
       sen durch ihre Nichtübereinstimmung mit dem Text, daß dieser Text
       noch nicht vorlag.
       Beweist dies,  daß  das  III.  Buch  bei  der  Niederschrift  von
       "Manuskript I" noch nicht verfaßt war? Nur teilweise. Erlaubt ist
       strenggenommen nur  die Schlußfolgerung,  daß "Manuskript  I" vor
       der Teilung  des IV.  Kapitels des  III. Buches  in IV  und V ge-
       schrieben wurde.  Über die  ersten drei  Kapitel von Buch III ist
       noch nichts gesagt. Im II. Kapitel des III. Buchs findet sich auf
       S. 164  folgende für unsere Frage aufschlußreiche Bemerkung: "Man
       erinnert sich  aus dem  Buch II, daß hier in der Zirkulationszeit
       die Produktionszeit  eingeschlossen ist,  indem jede  Phase worin
       sich das  Kapital befindet  von der  Verwandlung des Gelds in die
       stofflichen Elemente  des Kapitals  bis zur  Rückverwandlung  des
       Produkts in  Geld (...)  eine Phase seiner Gesamtzirkulation oder
       seines Umschlags  bildet. Wie  weit die  Zirkulationszeit auf die
       Profitrate einwirkt,  Frage auf die wir hier nicht im Detail ein-
       gehen wollen  (da Buch  II noch  nicht geschrieben, worin dies ex
       professo erörtert wird)."
       Es gibt  keinen Grund,  an diesen Worten zu zweifeln. Somit wurde
       das Manuskript  des II.  Buchs erst  nach der  Niederschrift  des
       zweiten Kapitels  des III.  Buchs verfaßt.  Ganz exakt  einordnen
       läßt sich die Unterbrechung der Arbeit am III. Buch aus verständ-
       lichen Gründen  natürlich nicht. Immerhin gelang Teinosuke Otani,
       einem Forscher  aus Japan,  der die  Arbeit der  Moskauer Wissen-
       schaftler fortsetzte,  recht überzeugend  eine Eingrenzung in die
       Phase zwischen  den Seiten  182 bis  243, d.h. zwischen der Mitte
       des Kapitels  über den  Durchschnittsprofit und  dem Abschluß des
       Kapitels über den Fall der Profitrate. 13)
       Es gibt  auch eine  innere Logik, ausgerechnet bei der Profitrate
       bzw. vor dem Kaufmannskapital auf den Zirkulationsprozeß einzuge-
       hen. Denn  auf die  Profitrate wirkt die Dauer des Umschlags ein,
       und zwar  in der  Art, daß  jene durch die reine Zirkulationszeit
       vermindert wird. Tatsächlich findet sich im Manuskript des ersten
       Kapitels von  Buch III  nur der  Titel über  die Wirkung  des Um-
       schlags auf  die Profitrate vor, so daß Engels bei der Herausgabe
       dieses Buchs gezwungen war, den Text selbst auszuarbeiten. 14)
       Die Reihenfolge  der Arbeit von Marx an den Manuskripten ist viel
       komplizierter, als  vor dem  Artikel Boldyrews  angenommen worden
       war. Sie sieht folgendermaßen aus: In der zweiten Julihälfte oder
       ersten Augusthälfte  des Jahres  1863 nahm Marx das erste Buch in
       Angriff. Das  ergibt sich  daraus, daß  das "Sechste Kapitel" des
       Buchs I,  wie festgestellt  wurde, und  - wie noch gezeigt wird -
       folglich auch  die vorausgehenden  fünf Kapitel geschrieben waren
       vor der  Arbeit am  II. und  III. Buch.  Annähernd Ende 1864 nahm
       Marx die  Arbeit am  III. Buch auf. 15) In der ersten Hälfte 1865
       unterbrach er  diese Arbeit  noch vor dem IV. Kapitel, um das II.
       Buch zu schreiben. Die Arbeit am III. Buch dauerte mindestens bis
       zum Ende des Jahres 1865.
       Die oben  zusammengefaßte Analyse  der wechselseitigen Bezüge in-
       nerhalb der  Manuskripte wird  durch eine  neue Studie von Witali
       Wygodski über  den Marxschen Vortrag "Lohn, Preis und Profit" zu-
       sätzlich bestätigt. 16) Dem Autor war im Rahmen der Arbeit aufge-
       fallen, daß  Marx in jenem im Mai/Juni 1865 geschriebenen Vortrag
       ausschließlich den  Begriff "Arbeitskraft" gebraucht, "wogegen in
       allen  vorhergehenden   ökonomischen  Manuskripten  der  Terminus
       'Arbeitsvermögen' überwog".  17) Die  Nachprüfung der  Häufigkeit
       der jeweiligen  Bezeichnungen erbrachte ein überraschendes Resul-
       tat: Im  "Sechsten Kapitel"  kommt 148mal "Arbeitsvermögen", aber
       nur 9mal  "Arbeitskraft" vor.  Im "Manuskript  I" und  den ersten
       fünf Kapiteln  von Buch  III werden beide Formulierungen ungefähr
       gleich oft  verwendet. Nach der Arbeit am Vortrag blieb Marx end-
       gültig beim  Terminus "Arbeitskraft":  Die nach  Oktober 1865 ge-
       schriebenen beiden  letzten Kapitel des III. Buchs enthalten aus-
       schließlich, nämlich 53mal, diese Formulierung. 18)
       
       2. Das "Sechste Kapitel" als Teil des ersten Buchs
       --------------------------------------------------
       
       Obwohl das  "Resultat des  Produktionsprozesses" als  Bestandteil
       der Struktur des I. Buchs erstmals im Planentwurf vom Januar 1863
       19) formell  benannt wurde, war die gemeinte Problematik für Marx
       schon lange von Interesse. In den "Grundrissen" führt er die drei
       objektiven Ergebnisse an, in welche der Produktionsprozeß mündet:
       Ware, Mehrwert  und Reproduktion des ganzen kapitalistischen Ver-
       hältnisses. 20)  Diesen drei Elementen entspricht auch die innere
       Struktur des  "Sechsten Kapitels. Resultate des nmittelbaren Pro-
       duktionsprozesses".
       Die Eigentümlichkeit  des Kapitels  besteht darin,  daß drei Kom-
       plexe einem  einzigen analytischen  Hauptzweck untergeordnet wer-
       den, nämlich der dialektischen Wechselwirkung zwischen Resultats-
       und Voraussetzungseigenschaft.  Es sollen nicht nur die Endergeb-
       nisse des  Produktionsprozesses analysiert  werden,  sondern  sie
       sollen mit sich selbst als Voraussetzungen dieses Produktionspro-
       zesses verglichen werden, damit die spezifisch neuen Züge hervor-
       treten. Eine  zweite Aufgabe  des Kapitels  besteht  darin,  "den
       Übergang zum  zweiten Buch"  zu bilden  (S. 441). Diese Rolle hat
       der Abschnitt über die Ware zu übernehmen.
       Wir setzen  es nunmehr als gesichert voraus, daß das "Sechste Ka-
       pitel" im  Jahr 1864 geschrieben wurde. Welche Anhaltspunkte gibt
       es dafür,  daß ihm fünf Kapitel als neues Manuskript des I. Buchs
       vorausgingen, und wie weit lassen sich diese Kapitel rekonstruie-
       ren?
       E r s t e n s:  Die Originalseiten 441 bis 495 sind in einer wei-
       chen Papiermappe erhalten, die von Marx mit "Erstes Buch. Produk-
       tionsprozeß des  Kapitals" beschriftet ist. Nicht nur diese Über-
       schrift deutet  darauf hin, daß das "Sechste Kapitel" Teil des I.
       Buches war,  sondern die  von den einliegenden Blättern erzeugten
       Umschlagsknicke sind so weit voneinander entfernt, daß sie unmög-
       lich nur  von den überlieferten Seiten 441 bis 495 herrühren kön-
       nen, sondern  von ungefähr  500 derartigen Seiten stammen müssen,
       die einstmals von der Mappe umschlossen wurden - mit anderen Wor-
       ten: In  ihr befanden  sich auch die nicht erhaltenen ersten fünf
       Kapitel (S.  1 bis  440). Zu  erwähnen ist auch noch, daß von den
       überlieferten einzelnen Seiten 24/25 und 96-99 aus früheren Kapi-
       teln das  Papier Wasserzeichen  mit der Jahreszahl 1863 trägt und
       sich auf den Manuskriptseiten des "Sechsten Kapitels" das Wasser-
       zeichen "1864" befindet.
       Z w e i t e n s:  Das "Sechste Kapitel" selbst enthält ebenso wie
       das "Manuskript  I" und  die Handschrift  des III. Buchs so viele
       klare Hinweise  auf die Inhalte der Kapitel des ersten Buchs, daß
       die Annahme  auszuschließen ist, sie seien ungeschrieben gewesen.
       21)
       Folgende grobe  Kapitelgliederung läßt  sich aus  den Rückbezügen
       erschließen: Bei  Ware und  Geld verweist Marx auf das erste Heft
       "Zur Kritik  der Politischen  Ökonomie" (1859).  Daher ist das I.
       Kapitel die Verwandlung von Geld in Kapital. Es folgen: II. Abso-
       luter Mehrwert; III. Relativer Mehrwert; IV. Weitere Untersuchun-
       gen über  absoluten und  relativen Mehrwert  (einschließlich Ver-
       wandlung von  Wert des  Arbeitsvermögens in  Wert der Arbeit); V.
       Akkumulation (mit  ursprünglicher  Akkumulation  als  V,  2)  und
       schließlich VI. Resultate. 22)
       Das Manuskript  des ersten  Buchs folgt  im großen und ganzen dem
       schon erwähnten  Planentwurf von  1863, wo  die Grundzüge fixiert
       wurden. Das einschränkende "im großen und ganzen" ergibt sich aus
       der textologischen  Analyse. Dabei  geht es um folgendes: Im Ver-
       lauf der  Arbeit am  "Sechsten Kapitel"  hat Marx hierher aus dem
       vorhergehenden Teil  die Seiten 96 bis 107 einbezogen (und sie in
       469a bis 469m umnumeriert). Dieses Material ist "6. Der unmittel-
       bare Produktionsprozeß" betitelt. Das Thema fehlte im Planentwurf
       von 1863,  war aber im Manuskript von 1861-63 behandelt, und zwar
       im ersten  Abschnitt "Verwandlung von Geld in Kapital". Unter der
       Überschrift  "Einheit  von  Arbeitsprozeß  und  Verwertungsprozeß
       (kapitalistischer Produktionsprozeß)"  und in  den Zusätzen  dazu
       23) brachte  Marx die  Überlegungen, die  er  im  Manuskript  von
       1863/64 fast  wörtlich wiederholte. Überhaupt äußert sich der in-
       haltliche Zusammenhang zwischen den beiden Manuskripten an mehre-
       ren direkten  Übertragungen aus  dem 2. "Kapital"-Entwurf. Daraus
       ist zu schließen, daß die Niederschrift des gesamten ersten Buchs
       nicht exakt  dem Planentwurf vom Januar 1863 folgte, sondern sich
       stärker an  der vorhandenen Struktur des Manuskripts 1861-63 ori-
       entierte.
       Das "Sechste  Kapitel" wurde  von Marx  in die endgültige Fassung
       des ersten  Buchs nicht  einbezogen. Statt  dessen findet sich am
       Schluß der  ersten Ausgabe  von 1867 nur ein seinen Inhalt zusam-
       menfassender Absatz.  24) Und selbst diesen hat Marx in der zwei-
       ten Ausgabe  des ersten  Bandes (1872)  gestrichen. Versuchen wir
       nun, den  Hauptinhalt des  Kapitels nachzuvollziehen,  um  seinen
       Platz in  der Struktur  des "Kapitals" zu bestimmen und eine Ant-
       wort darauf  zu finden,  warum Marx  die "Resultate" nicht publi-
       zierte.
       Die Untersuchung  beginnt mit  der Ware  als Produkt des Kapitals
       (S. 441-458); allerdings nur "der Bequemlichkeit wegen", da diese
       Rubrik als  "Übergang zum  zweiten Buch"  an sich "zuletzt, nicht
       zuerst zu  stellen" ist. 25) Die Darlegung ist kein einheitliches
       Ganzes, weil  Marx zwei  verschiedene Probleme  zusammenfaßt. Er-
       stens die  Ware als  Voraussetzung und  Resultat der kapitalisti-
       schen Produktion  - historisch und logisch. Zweitens die Verwand-
       lung der Ware als Warenmasse und Träger des Kapitals in Geld, wo-
       bei Zusammenhänge des Warenpreises mit der Produktivkraft der Ar-
       beit und mit der Mehrwertrate und -masse behandelt werden und die
       Einzelpreisbildung auf Grundlage des Gesamtpreises der Warenmasse
       betrachtet wird.
       Es ist  zu vermuten,  daß die  zweite Aufgabe im Laufe der Arbeit
       für Marx an Bedeutung zunahm. Dafür spricht, daß er mitten in der
       Beschäftigung mit den Warenpreisen einen neuen Anfang mit stärke-
       rem  Akzent   auf  der   Realisierungsproblematik   versucht:   -
       W a r e n   aber ...  sind ihrer   F o r m   ... nach betrachtet,
       u n v o l l s t ä n d i g e   R e s u l t a t e.   Sie haben erst
       gewisse Formverwandlungen  durchzumachen - sie müssen in den Aus-
       tauschprozess wieder eingehn ..., bevor sie als Reichtum ... wie-
       der funktionieren können." 26) Die bis dahin behandelten Probleme
       offenbarten ihre  enge Zugehörigkeit  zum Zirkulationsprozeß,  so
       daß nunmehr  dieser Übergangscharakter  zu Buch  II gleich in der
       Einleitung hervorgehoben werden soll.
       Das zweite Problem des Kapitels ist der Mehrwert als Resultat des
       Produktionsprozesses (S.  459-492). Die spezifische Betrachtungs-
       weise des ganzen Kapitels, nämlich der Vergleich zwischen Voraus-
       setzung und  Resultat, gilt auch hier. 27) So analysiert Marx un-
       ter den  Begriffen formale  und reale Subsumtion der Arbeit unter
       das Kapital den stofflichen Arbeitsprozeß, wie er im Resultat der
       Produktion von Mehrwert ein anderer ist, als er als Voraussetzung
       war, d.h., wie das Kapital im Resultat des historischen Prozesses
       die vorausgesetzte  Produktionsform zu einer ihm adäquaten spezi-
       fischen Produktionsweise  real umgestaltet. Im Manuskript 1861-63
       hatte diese  Problematik noch  keinen stabilen  Platz. Zuerst kam
       sie dort  im Rahmen  der Einheit des Arbeits- und Verwertungspro-
       zesses vor.  28) Und  auf der Grundlage des Planentwurfs von 1863
       befaßte sich Marx damit nochmals nach dem absoluten und relativen
       Mehrwert. 29)  Im "Sechsten  Kapitel" werden diese beiden Aspekte
       der Analyse  vereinigt. Dabei dient die Betrachtung aus dem zwei-
       ten Manuskript  als Materialgrundlage  für die sozial-historische
       Analyse der beiden Formen der Subsumtion.
       Die Dialektik  von Voraussetzung und Resultat ist auch im dritten
       Teil, der Reproduktion des kapitalistischen Verhältnisses, Unter-
       suchungsgegenstand (S. 492-495). Und zwar hier besonders als Dia-
       lektik zwischen  Wesen und  Erscheinung: Unter  dem  "betrügenden
       Schein" des  gleichberechtigten Austauschs zwischen zwei Warenbe-
       sitzern wird  beständig das Abhängigkeitsverhältnis des Arbeiters
       vom Kapitalisten  erneuert. Bekanntlich betrachtete Marx schon in
       den "Grundrissen"  die Reproduktion  des  Verhältnisses  als  das
       Hauptresultat des Produktionsprozesses.
       Die Arbeit an diesem Abschnitt verlief in zwei Etappen. Nach drei
       Seiten Text  entwirft Marx einen Neubeginn (S. 495), der sich al-
       lerdings auf einen Absatz beschränkt, mit dem das Manuskript dann
       abbricht. Wichtig  ist aber,  daß Marx  hier zur früheren Fassung
       des Namens des ganzen Kapitels, nämlich "Resultat des unmittelba-
       ren Produktionsprozesses"  zurückkam und  daß er  dieses Resultat
       auf die Reproduktion des Verhältnisses begrenzte. 30) Dieser, als
       ein solcher  hier unterstellter,  völlige Neuanfang des "Sechsten
       Kapitels" an dessen Ende (mit der Präzisierung seiner Problematik
       und Struktur) ergibt sich aus dem Rohentwurfscharakter des im Un-
       terschied zu  den vorausgehenden Teilen erstmalig niedergeschrie-
       benen Kapitels.  31) Im  Grunde geht es primär nicht darum, warum
       dieses Kapitel  ins erste  Buch nicht  einbezogen wurde,  sondern
       warum Marx  auf seine  weitere Ausarbeitung verzichtet hat; zumal
       gerade dieses  Kapitel in  engster theoretischer  Verbindung  zur
       "ursprünglichen Akkumulation" steht, womit der vorausgehende Teil
       abschließt: Wie  die ursprüngliche  Akkumulation die  historische
       P r o d u k t i o n   der Trennung  von Arbeiter und Produktions-
       mittel ist, so könnte jetzt betrachtet werden, wie sich diese so-
       ziale Trennung beständig  r e p r o d u z i e r t.
       In den  folgenden Fassungen  des ersten  Buchs gibt es aber weder
       ein selbständiges Kapitel über dieses "Resultat", geschweige denn
       über alle  drei Resultate. Wichtig ist allerdings zu betonen, daß
       die Fragestellungen  als solche  nicht preisgegeben wurden, wenn-
       gleich die  Dialektik zwischen  Voraussetzung und  Resultat nicht
       mehr die  Drehscheibe der Analyse ist. So werden formelle und re-
       elle Subsumtion im "Kapital" auf die drei Mehrwertabschnitte ver-
       teilt. Ebenso  legitim ist die Unterbringung der Reproduktion des
       Verhältnisses im  Akkumulationsabschnitt, der  bekanntlich Repro-
       duktion auf einfacher und erweiterter Stufenleiter zum Thema hat.
       Bleibt die  Ware als Produkt des Kapitals. Unter diesem Titel wa-
       ren zum größten Teil Fragen behandelt worden, die in den Zirkula-
       tionsprozeß und  damit ins II. Buch gehörten. Daß die Ware in ih-
       rer Eigenschaft  als mehrwerttragende  Warenmasse, die  das Über-
       gangsmoment zum  nächsten Buch  bildet, als  einziger  Punkt  des
       "Sechsten Kapitels"  sich im  "Kapital" nicht  mehr wiederfindet,
       hängt wohl  mit der  neuen Betrachtungsweise des Übergangs zusam-
       men, auf deren Gründe wir hier leider nicht eingehen können.
       Die verbreitetste  Hypothese darüber, warum Marx von der Aufnahme
       des selbständigen  Kapitels über die Resultate in den ersten Band
       Abstand nahm,  besteht darin, daß es als Übergangskapitel wegfal-
       len mußte,  nachdem klar war, daß das erste und zweite Buch nicht
       gleichzeitig erscheinen  würden und sich Marx schließlich mit ei-
       ner längeren  Verzögerung des II. Buchs abfand. Letzterer Umstand
       habe ihn  zur Streichung des überleitenden Schlußabsatzes für die
       zweite Auflage  des ersten Buchs veranlaßt. Uns ist klar, daß da-
       mit nur  das äußere Motiv für den Wegfall des "Sechsten Kapitels"
       bezeichnet wird.  Wir wollen  aber hier keine neue Hypothese über
       "innere" Beweggründe  aufstellen, sondern  zugeben, daß  es  hier
       noch offene Fragen gibt.
       Zum Schluß  kommen wir  zur Ware  als Produkt des Kapitals, indem
       wir fragen,  was Marx  damals positiv unter "Übergang zum zweiten
       Buch" verstand.  Der Übergangsgedanke  besteht u.E. aus zwei Tei-
       len: Erstens  muß das  Produkt des  Kapitals als  W a r e  in die
       Zirkulation  eingehen.   Zweitens:  Als    P r o d u k t    d e s
       K a p i t a l s   verwandelt die Ware ihren Zirkulationsprozeß in
       einen Zirkulationsprozeß  von Kapital.  Gerade das  begründet die
       Ware als Produkt des Kapitals: nämlich den Zirkulationsprozeß als
       Zirkulationsprozeß von  Kapital. Indem sie ihn begründet, begrün-
       det sie das Thema des nächsten Buchs.
       Konsequenterweise steht am Anfang des "Manuskripts I" von Buch II
       der Rückverweis auf das "Sechste Kapitel": "Wir haben gesehn, daß
       das  Gesammtproduct   des  Capitals   sich  darstellt   in  einer
       W a a r e n m a s s e,   deren konstituierende Theile, nach ihren
       naturgemässen oder  konventionellen  Massen  gemessen,  oder  als
       selbständige   W a a r e n  p r e i s b e s t i m m t  sind durch
       ihr Verhältniß als  a l i q u o t e  Theile des Gesammtwerths des
       Gesammtproducts. Diese  Waaren müssen,  wie alle Waaren, die Waa-
       renmetamorphose durchlaufen." 32)
       
       3. Die erste Skizze über den Zirkulationsprozeß
       -----------------------------------------------
       
       Das "Manuskript I" des II. Buches ist der erste Versuch einer sy-
       stematischen Darstellung  des Zirkulationsprozesses des Kapitals,
       und zwar  eine der  zwei vollständigen Ausarbeitungen. 33) Obwohl
       schon die  "Grundrisse" und dann das Manuskript 1861-63 die wich-
       tigsten Probleme  der Kapitalzirkulation  untersucht hatten (u.a.
       den Umschlag  des Kapitals und seinen Einfluß auf die Wertbestim-
       mung, die  Reproduktion des Kapitals einschließlich der Realisie-
       rung des  produzierten Mehrwerts und den Ersatz verschiedener Ka-
       pitalteile in  Wert- und  Naturalform), weisen  die  zwei  ersten
       "Kapital"-Entwürfe noch  keine festen  Strukturvorstellungen über
       den Zirkulationsprozeß  im Zeitraum  1857 bis  1863 bei Marx auf.
       Demgegenüber sind  die Fragen  des architektonischen  Aufbaus des
       II. Buchs im "Manuskript I" weitgehend gelöst.
       Das Manuskript  besteht aus  drei großen  Kapiteln - "Zirkulation
       des Kapitals",  "Umschlag des  Kapitals" und "Zirkulation und Re-
       produktion" -,  welche ihrerseits  in mehrere  Paragraphen unter-
       gliedert sind. Was sind die inhaltlichen und strukturellen Beson-
       derheiten des Manuskripts?
       Zunächst gilt  anzumerken, daß  hier die  endgültige Aussonderung
       des Kreislaufs  des Kapitals zu einem selbständigen theoretischen
       Problem vollzogen  wurde. Gewiß hat Marx in den "Grundrissen" den
       Kreislauf des  Kapitals bereits  definiert, 34) seine Phasen oder
       Stadien benannt, 35) den Einfluß von Zirkulationszeit und -kosten
       auf die  Wertbestimmung untersucht,  also die Hauptfragen gelöst,
       die später  den Inhalt  des ersten  Kapitels des  "Manuskripts I"
       ausmachen. Im Heft XV des Manuskripts 1861-63 wurden als weiterer
       Schritt die  Kreislauffiguren formuliert.  36) Gleichwohl bildete
       damals der Kreislauf noch keine selbständige Kategorie im theore-
       tischen System  des Marxschen  Werkes. In  den "Grundrissen" wird
       der Kreislauf  faktisch als Synonym solcher Begriffe wie Umschlag
       und Zirkulation  verstanden. Das  drückt sich  darin aus, daß der
       innere Unterschied  des Kapitals  als Bewegung  und als  in einem
       Punkt derselben  befindlich noch  als Differenz  von  "fixiertem"
       oder "festliegendem"  und "capital  circulant" beschrieben  wird.
       Erst das  "Manuskript I"  bezieht die  Abwechslung von Prozeß und
       Fixierung, den  Übergang von einer zur ändern Phase eindeutig auf
       den Kreislauf. 37)
       Erstes Kapitel  des II.  Buchs ist  im "Manuskript  I"  also  der
       Kreislaufprozeß -  genannt "Umlauf des Capitals". Die hier ausge-
       arbeitete Struktur:  1) Die  Metamorphosen des  Capitals, 2)  Die
       Circulationszeit, 3)  Die Productionszeit,  4) Circulationskosten
       38) nähert  sich im  wesentlichen ihrer  endgültigen Fassung, die
       sich in den Manuskripten IV, II, V und VI, d.h. bis 1878, heraus-
       bildete. Freilich sind noch nicht alle Fragen so ausführlich dar-
       gestellt wie in späteren Varianten: z.B. nicht die Kreislauffigu-
       ren der  Metamorphosen des  Kapitals. In  die Augen fällt ein in-
       haltlicher Unterschied,  den dieses Manuskript aufweist: Und zwar
       betrachtet Marx  hier nicht nur die drei (aus dem 2. Band bekann-
       ten) Kreislaufformen, sondern vier. "In 1) wird vom Geld (G) aus-
       gegangen, in  2) von  den Waren, die die Faktoren des Arbeitspro-
       zesses bilden,  in 3)  vom unmittelbaren Produktionsprozeß selbst
       und in  4) von  der Ware als Produkt (nicht wie in 2) als Voraus-
       setzung) des Produktionsprozesses." 39)
       Neben den  drei auch in späteren Entwürfen vorkommenden wird hier
       auch die  mit der "Ware in der Form der Produktionsmittel" (S. 4)
       beginnende Kreislaufform  genannt. Sie  wird als  zweite nach der
       des Geldkapitals  betrachtet, und die Kreislauffigur des Warenka-
       pitals wird nur als Zusatzform 4) neben dieser Form 2) behandelt.
       Im weiteren Verlauf der Arbeit erweist sich diese Form jedoch als
       überflüssig. Marx  kommt zu  dem Schluß:  "Die Form 2) in der Tat
       einbegriffen in der Form 4). Das Warenkapital und die Form, worin
       es die  Faktoren des  Arbeitsprozesses bildet, ist selbst W, Pro-
       dukt des  Produktionsprozesses." 40) Demnach sind die vier Formen
       als Durchgangsstadium  der analytischen Arbeit zu verstehen. U.E.
       kommt hier zum Ausdruck, daß Marx den Kreislauf noch nicht streng
       genug mit dem  i n d i v i d u e l l e n  Kapital identifizierte.
       Denn beim einzelnen Kapital ist klar, daß die vom Markt kommenden
       Produktionsmittel keine  von ihm  selbst gebildete Form sein kön-
       nen, daß  diese Waren nicht seine inneren, sondern äußere Voraus-
       setzungen sind. Nur unter dem Blickwinkel der allgemeinen Formbe-
       stirnmtheiten,   die    dem   Zirkulationsprozeß   des   Kapitals
       schlechthin entspringen, ist die Form 2) verständlich. Somit kann
       man anhand dieser Einzelfrage den Stand der methodologischen Ein-
       sichten von Marx Mitte der sechziger Jahre besser verstehen.
       Was das  zweite Kapitel des Manuskripts, "Umschlag des Capitals",
       angeht, so  ist es  nicht  nur  im  Vergleich  mit  dem  späteren
       "Manuskript II",  sondern auch gegenüber dem ersten Kapitel weni-
       ger klar  ausgearbeitet. Beträchtliche  Textabschnitte  sind  nur
       thesenhaft geschrieben - besonders im 2. Paragraph "Fixes u. cir-
       culirendes Capital.  Umschlagscyclen. Continuität  d. Reproducti-
       onsprocesses". 41)  Das ist  damit verbunden,  daß alle wichtigen
       Probleme des  Umschlags - der allgemeine Begriff, die Wirkung auf
       die Wertbestimmung,  Besonderheiten der Zirkulation und Reproduk-
       tion des  fixen bzw.  zirkulierenden Kapitals,  die  vermittelnde
       Rolle des  Umschlags im  Bildungsprozeß der Profitrate u.a. - be-
       reits in  den "Grundrissen"  ausreichend ausgearbeitet  waren und
       deshalb hier,  nach der  Ansicht von Marx, keiner weiteren Präzi-
       sierung bedurften.  Darum noch  zwei kurze Bemerkungen zu den in-
       haltlichen Besonderheiten des betreffenden Kapitels.
       In der  begrifflichen Ableitung des fixen bzw. zirkulierenden Ka-
       pitals wird  dem Unterschied zwischen "fixiertem" Kapital und ca-
       pital circulant  keine große  Bedeutung beigemessen,  wie es noch
       1857-58 der Fall war. Der Unterschied zwischen fixiertem und zir-
       kulierendem Kapital  wird schon beim Kreislauf resümiert, und die
       Analyse des  letzteren ist die einzige Voraussetzung der Untersu-
       chung des Umschlags.
       Der Umschlag  wird nicht nur nach seiner formellen Seite betrach-
       tet, sondern  auch real.  In der  Bemerkung, daß er "andererseits
       materiell  (ist)   und  das   wirkliche  Zirkulieren   der  Waren
       aus(drückt); ihre  Ortsveränderung, die  verbunden ist  mit ihrem
       Übergehn aus  der Hand  des Verkäufers  in die  des Käufers", 42)
       wird der  Übergang zur Analyse der reellen Bedingungen der Zirku-
       lation oder Reproduktion eingeleitet.
       Auch für  das dritte  Kapitel "Zirkulation  und Reproduktion" 43)
       ist zu konstatieren, daß praktisch alle Probleme, die dann in den
       Manuskripten II und VIII ausführlich betrachtet werden, in diesem
       ersten systematischen  Entwurf wenigstens skizziert sind. Das ist
       schon aus  der Untergliedenmg ersichtlich: l. Austausch von Kapi-
       tal gegen Kapital, von Kapital gegen Revenue und Reproduktion von
       konstantem Kapital. 2. Revenu und Kapital. Revenu und Revenu. Ka-
       pital und Kapital (Austausch dazwischen). 3. (Rolle des fixen Ka-
       pitals). 5.  Akkumulation oder  Reproduktion auf erweiterter Stu-
       fenleiter. 6.  Die die Akkumulation vermittelnde Geldzirkulation.
       7. Parallelismus,  Stufenfolge, aufsteigende Linie, Kreislauf des
       Reproduktionsprozesses. 8.  Notwendige Arbeit  und  Surplusarbeit
       (Surplusproduce). 9. Störungen im Reproduktionsprozeß. 44)
       Unter 1), 2) und 3) wird behandelt, was später den Gegenstand der
       Kapitel 18  bis 20  des zweiten Bandes ausmacht; was unter 5) und
       6) steht,  findet sich  im 21.,  dem Schlußkapitel,  wieder.  Die
       Punkte 7)  bis 9) gelten einem breiteren Themenkreis, als das für
       den zweiten  Band der  Fall ist. Deshalb sind sie hier von beson-
       derem Interesse.
       Mit Punkt 7) - so die Hypothese - wird eines der Elemente für den
       Übergang zum dritten Buch besprochen. Hier wird nämlich die wech-
       selseitige  Abhängigkeit  der  Produktionszweige  charakerisiert,
       d.h. die  gesellschaftliche Produktion  wird als  eine Reihe  von
       parallel ablaufenden  Produktionsprozessen aufgefaßt,  die insge-
       samt stoffliche  Elemente einer beliebigen Ware produzieren und -
       mehr noch - gegenseitig Elemente des produktiven Kapitals fürein-
       ander erzeugen.  Z.B. wird  Kohle im  Maschinenbau als Hilfsstoff
       verbraucht, Maschinen  werden ihrerseits  im Kohlebergbau verwen-
       det. Marx  kommt zu dem Schluß, daß hier "die gegenwärtige Arbeit
       in beiden  gleichzeitigen Produktionsprozessen wechselseitig ver-
       gangene Arbeit  in beiden  unterstellt". 45) Die Parallelität der
       Kreisläufe verschiedener  Kapitale kann man als materielle Grund-
       lage für  die Verwandlung der Werte in Produktionspreise betrach-
       ten, und  damit als  eine der  Voraussetzungen für das III. Buch.
       46)
       Was Punkt  8) angeht,  so werden  hier Fragen der produktiven und
       unproduktiven Arbeit - an sich systematisch dem Produktionsprozeß
       zugehörig - unter einem besonderen Blickwinkel thematisiert. Hier
       ist gemeint,  daß die  Teilung der in der Produktion verausgabten
       Arbeit in  notwendige und Mehrarbeit auf höherem Niveau der kapi-
       talistischen Reproduktion neue Momente aufweist. Und zwar ist die
       in Konsumtionsmitteln  der Arbeiter  und deren Produktionsmitteln
       vergegenständlichte Arbeit gesellschaftlich gesehen im ganzen Um-
       fang notwendige Arbeit, auch wenn sie selbstverständlich zum Teil
       Mehrarbeit repräsentiert,  weil sie nämlich in Mitteln zur Erhal-
       tung der produktiven Klasse steckt.
       Unter dem  letzten Punkt  9) "Störungen  im  Reproduktionsprozeß"
       gibt es  überhaupt keinen  Text mehr (es folgt hier der neue Pla-
       nentwurf "dieses  Kapitels III"  - auf  Seite 149). Marx verweist
       darauf, daß  das Thema  im Kapitel VII des III. Buchs zu untersu-
       chen ist.  47) Doch  auch dies ist für uns kein ausreichender An-
       haltspunkt, seinen geplanten Inhalt zu bestimmen.
       Insgesamt läßt sich sagen, daß das Schlußkapitel des "Manuskripts
       I" grundsätzlich  ausgearbeitet ist, daß aber manche Punkte - vor
       allem bei  der erweiterten  Reproduktion -  noch sehr skizzenhaft
       bleiben. Bekanntlich  wurden nicht  nur  dieses  letzte,  sondern
       beide vorausgehenden Kapitel von Marx im weiteren Gang der Arbeit
       mehrfach umgearbeitet. Von "Manuskript I" war laut Engels bei der
       Herausgabe des zweiten Buchs "nichts benutzbar". 48)
       
       4. Das "Hauptmanuskript" des III. Buchs vor der Redaktion
       ---------------------------------------------------------
       durch Engels
       ------------
       
       Das III.  Buch im  Manuskript 1863-65 ist bekanntlich die einzige
       systematische Darlegung  der "Gestaltungen  des Gesamtprozesses",
       wie der  Marxsche Originaltitel auf S. l lautet. Es diente Engels
       bei seiner  fast  zehnjährigen  Redigierung  für  den  Druck  als
       "Hauptmanuskript". Sowohl  sein Originalzustand  als auch der En-
       gelssche Eigenbeitrag  sind vom  Herausgeber  Abschnitt  für  Ab-
       schnitt sorgfältig  protokolliert worden. 49) Wir beschränken uns
       auf wenige Ergänzungen dazu.
       Der Vergleich  dieses Manuskripts mit der Endfassung erlaubt kei-
       nen Schluß  auf irgendwelche Verfälschungen durch Engels, sondern
       läßt im  Gegenteil Verständnis  für die lange Redaktionstätigkeit
       aufkommen.
       Marx teilte sein Manuskript in sieben selbstbetitelte Kapitel:
       Erstes Kapitel. Verwandlung von Mehrwert in Profit (S. 1);
       Zweites Kapitel. Die Verwandlung des Profits in Durchschnittspro-
       fit (S. 155);
       Drittes Kapitel.  Gesetz des  tendentiellen Falls der Allgemeinen
       Profitrate im  Fortschritt der  kapitalistischen  Produktion  (S.
       203);
       Viertes Kapitel.  Verwandlung von Warenkapital und Geldkapital in
       Warenhandlungskapital und  Geldhandlungskapital und in kaufmänni-
       sches Kapital (S. 243);
       Fünftes Kapitel.  Spaltung des Profits in Zins und Unternehmerge-
       winn. Das zinstragende Kapital (S. 286);
       Sechstes Kapitel. Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente (S.
       406);
       Siebentes Kapitel. Revenuen (Einkommen) und ihre Quellen (S. 528-
       575).
       In einigermaßen  klarer Gedankenausführung  sind die vier Kapitel
       über Durchschnittsprofit, Fall der Profitrate, Kaufmännisches Ka-
       pital und - mit Einschränkungen - Revenuen und ihre Quellen abge-
       faßt. Das sind auch gleichzeitig die Teile, die Marx selbst rela-
       tiv weitgehend  untergliedert hat.  Diese  verhältnismäßig  reife
       Darstellungsform ist kein Zufall. Jene vier Kapitel sind diejeni-
       gen, welche  in den  vorausgehenden ökonomischen  Manuskripten am
       detailliertesten ausgearbeitet  sind. Anzumerken  ist jedoch, daß
       diese vier  Kapitel nicht einmal ein Drittel (180 von 575 Seiten)
       der Textmasse  bilden, so daß der Gesamtcharakter des Manuskripts
       nicht durch  d e r e n  Zustand, sondern durch die ziemlich unge-
       ordneten, oft  zusammenhanglosen und  sich in Abschweifungen ver-
       lierenden, aber umfangreichen Kapitel über das zinstragende Kapi-
       tal und  die Grundrente bestimmt wird, sowie durch das mit endlo-
       sen mathematischen  Berechnungen und  empirischen  Illustrationen
       überfrachtete erste Kapitel über den Profit.
       Die Abhängigkeit  der Darstellungsreife davon, ob ein Kapitel zum
       ersten Mal  verfaßt wird  oder auf Vorarbeiten aufbauen kann, be-
       darf im Falle des Profitkapitels einer Erklärung, weil der einfa-
       che Profit hier schon zum dritten Mal behandelt wird.
       Das erste  Kapitel beginnt  auf S.  1 unter der Unterkapitelüber-
       schrift "1.  Mehrwert und  Profit" mit  langen Berechnungen aller
       möglichen Variationen des Verhältnisses zwischen Mehrwertrate und
       Profitrate. Die  zweite Hälfte  des Kapitels  besteht  aus  einer
       Menge von  Auszügen aus  Parlamentsberichten, womit empirisch die
       Ökonomie in  der Anwendung  des konstanten Kapitals bzw. des Ein-
       flusses des  Preiswechsels des  konstanten Kapitals  auf die Pro-
       fitrate (womit  Marx auf  S. 71 beginnt) illustriert werden soll.
       Engels stellt  durch Kürzungen aus den Materialien das 3., 5. und
       6. Kapitel des ersten Abschnitts ("Kapitel" bei Marx wird bei En-
       gels zu "Abschnitt") zusammen.
       Außerdem kann  Engels mitten  aus dem Text aus einer von Marx zu-
       sammenhängend und  begrifflich klar  niedergeschriebenen  Passage
       über die  Profitrate das  2. Kapitel zusammenstellen, welches das
       Niveau früherer  Entwürfe vollständig  erreicht - aber auch nicht
       überschreitet. Das  theoretische Defizit hinsichtlich des Profits
       im ersten  Abschnitt besteht  aus zwei Momenten: Erstens hat Marx
       noch nicht die herkömmliche allgemeine Begründung der Verwandlung
       des Mehrwerts  in Profit  durch den Bezug auf den Kapitalvorschuß
       pro Zirkulationsabschnitt  überwunden durch die differenziertere,
       vom Kostpreis  ausgehende Bestimmung. Im Bewußtsein dieser Schwä-
       che entwarf er bis 1871 insgesamt vier neue Varianten des Anfangs
       "Kostpreis und  Profit", 50)  deren ersten  beide Engels  für ein
       neues erstes  Kapitel benutzte.  Zweitens hatte Marx durchweg die
       Wirkung des  Umschlags auf  die Profitrate  (wegen des noch unge-
       schriebenen Buchs  II) unberücksichtigt gelassen und erst ganz am
       Ende des  ersten Kapitels  bzw. Abschnitts  auf S.  151 die Über-
       schrift formuliert:  "Einfluß des change in der Zirkulationszeit.
       Abkürzung oder Verlängerung (...) auf die Rate des Profits", aber
       keinen Text  darunter gesetzt.  Bekanntlich füllte  Engels  diese
       Lücke mit dem 4. Kapitel und hatte dementsprechend die umfangrei-
       chen Marxschen  Berechnungen über Mehrwert- und Profitrate durch-
       weg zu korrigieren.
       Unter den  erwähnten relativ  glatten vier Kapiteln gibt es eben-
       falls Lücken, die Engels zu schließen hatte. So ist z.B. das jet-
       zige 15.  Kapitel beim  Fall der  Profitrate über die "Entfaltung
       der inneren  Widersprüche des  Gesetzes" durch Engelssche Umgrup-
       pierungen entstanden  - selbst  Titel und  Untertitel stammen von
       ihm. Auch  Kapitel 20,  "Geschichtliches über  das Kaufmannskapi-
       tal", hat Engels aus auf andere Kapitel verstreuten Marxschen Be-
       merkungen und Ausführungen gebildet.
       Was die  beiden Problemkapitel über Zins und Grundrente betrifft,
       so ist ihr Rohentwurfcharakter hinsichtlich der Systematik leicht
       verständlich. Die Darstellung ist z. B. beim Zins geschlossen und
       glatt, solange sie fast so allgemein bleibt wie im vorhergehenden
       Manuskript. Je tiefer Marx beim zinstragenden Kapital aber in das
       bisher unerforschte  Kreditwesen eindringt,  zunächst den kommer-
       ziellen Kredit  einbezieht (noch  unter ausdrücklicher Ausklamme-
       rung des  Bankkredits aus  dem Plan  - auf  S. 319 unter "Kredit.
       Fiktives Kapital")  und dann  auch noch  den Bankkredit sich vor-
       nimmt, geht die Darstellung seiner Gedanken zum Teil in eine Form
       über, wie  sie ihm gerade in den Kopf gehen. Das heißt: Unterbre-
       chungen durch  Abschweifungen und Zwischenbemerkungen. Das heißt:
       Sammlung und  Kommentierung von Auszügen aus Parlamentsberichten,
       der Bilanz  der Bank  von England, aus diversen Abhandlungen über
       Kredit, Geld, Wechselkurs, Währung usw. Kurz, die Darstellung hat
       überwiegend, und  zwar je  weiter sie  geht, Forschungscharakter,
       teilweise sogar  in Form  von Exzerpierung,  so daß  erst  Engels
       durch Einschübe,  Umstellungen, Weglassungen  einen  Zusammenhang
       herstellt, der  einen lesbaren  Text ergibt.  Man kann für diesen
       Abschnitt mit  Recht sagen: hier hat Engels eine selbständige Ar-
       beit geleistet.
       Für den  Abschnitt über  die Rente  war Marx durch das Manuskript
       von 1861-63  besser vorbereitet.  Dennoch entwirft er am Ende des
       Abschnitts einen  neuen Plan, 51) der die geschriebene Textanord-
       nung völlig  umdrehte. Diesem Plan ist Engels weitgehend gefolgt.
       Außerdem kommt  ihm das  Verdienst zu, das von Marx - aus irgend-
       welchen Gründen - nicht geschriebene Kapitel über die Differenti-
       alrente I  bei steigendem Produktionspreis (die Abschnitte zu ih-
       rer Entwicklung bei konstantem und sinkendem Produktionspreis la-
       gen vor) nachgeholt zu haben - als Kapitel 43.
       Es ist  - und  dies gilt für alle drei Manuskriptteile - am Manu-
       skript von 1863-65 ganz deutlich geworden: Die Reife der Darstel-
       lung eines  Gegenstandes korrespondiert direkt mit der Häufigkeit
       und Ausführlichkeit seiner Behandlung in den vorher geschriebenen
       "Kapital"-Entwürfen. Somit  ist auch diese Variante des künftigen
       Werkes von  großer selbständiger  theoretischer und  methodologi-
       scher Bedeutung,  denn in ihr wird die Marxsche ökonomische Theo-
       rie gegenüber  den "Grundrissen"  und dem Manuskript 1861-63 wei-
       terentwickelt. In  gewisser Hinsicht füllt sie die Lücke aus, die
       noch für die Marx-Forscher im Herausbildungsprozeß des "Kapitals"
       existiert. Die  Veröffentlichung diese  Manuskripts im  MEGA-Band
       II/4 und seine wissenschaftliche Kommentierung werden manche bis-
       her gängigen Auffassungen korrigieren und berichtigen.
       
       _____
       1) Die "Grundrisse"-Debatte wurde Ende der sechziger Jahre in der
       BRD ausgelöst,  lief allerdings  in den  siebziger Jahren aus. Im
       Gegensatz dazu wurde dieser erste Entwurf in Zusammenhang mit der
       Herausgabe der  neuen MEGA in den sozialistischen Ländern seitdem
       verstärkt diskutiert.  In Frankreich scheint gegenwärtig die Neu-
       veröffentlichung einiger Vorarbeiten, besonders der "Grundrisse",
       die  Diskussion   zu  beleben.   Vgl.  dazu:   Marc  Sagnol,  Des
       "Grundrisse" au  "Capital". Sur  la modification du plan du Capi-
       tal, in: La Pensée No. 228, 1982, S. 17-28.
       2) Inzwischen ist  der gesamte Text in der neuen MEGA publiziert.
       Vgl. dazu  den Kommentarband "Der zweite Entwurf des 'Kapitals'",
       Berlin 1983, sowie: Manfred Müller/Wolfgang Focke, Ein bisher un-
       veröffentlicht Marx-Text  liegt vor,  in:  Marxistische  Studien.
       Jahrbuch des  IMSF 6, Frankfurt/M. 1983, S. 356-366; ferner: Pro-
       duktivkräfte, Maschinensystem, Charakter der Arbeit, Lage der Ar-
       beiter, Internationales  Kolloquium zur  Marx-Engels-Forschung am
       10. Dezember  1983 in  Hannover, hrsg.  von der Marx-Engels-Stif-
       tung, Wuppertal o.J. (1984).
       3) Veröffentlicht 1933 in Originalsprache in: Archiv Marksa i En-
       gelsa, t.  II (VII),  Moskau 1933. Nachdruck 1969 in Frankfurt am
       Main.
       4) In Originalsprache  bisher nicht  publiziert. Auf  russisch in
       Band 49 der Werkausgabe, Moskau 1974, S. 234-330.
       5) Der Originaltext (noch nicht veröffentlicht) diente Engels als
       Grundlage der Herausgabe in den Jahren 1885-1894. Siehe dazu Vor-
       wort von Engels, in: MEW Bd. 25, S. 8-15.
       6) Igor Boldyrew,  Die Arbeit  von Karl  Marx am  "Kapital" 1863-
       1867, in: Voprosy ekonomiki, Moskau 1980, Heft 2 (russ.).
       7) Ebenda, S. 24.
       8) Marx an L. Kugelmann, 28. 12. 1862, in: MEW Bd. 30, S. 639.
       9) In der  DDR kam Joachim Conrad zu ähnlichen Schlußfolgerungen.
       Siehe ders.,  In welchen  Etappen  entstand  das  Manuskript  des
       Hauptwerks von  Karl Marx?,  in:  Beiträge  zur  Marx-Engels-For-
       schung, Berlin 1980, Heft 6, S. 165-176.
       10) Marx an  Johann Philipp  Becker, um  den 13. Januar 1866, in:
       MEW Bd.  31, S. 492. Die Addition der numerierten Seiten der drei
       Manuskriptteile ergibt übrigens die Zahl 1219 (!).
       11) Es handelt  sich um zwei Rückblicke auf S. 4 und 136 in Manu-
       skript.
       12) L. Miskewitsch/M.  Ternowski/A. Tschepurenko/W. Wygodski: Zur
       Periodisierung der  Arbeit von Karl Marx am "Kapital" in den Jah-
       ren 1863  bis 1867,  in: Marx-Engels-Jahrbuch  5, Berlin 1982, S.
       300. Dort  werden auch sog. "mögliche Pläne" zum I. und III. Buch
       rekonstruiert (S. 299-301).
       13) Teinosuke Otani,  Zur Datierung  der Arbeit  von Karl Marx am
       II. und III. Buch des Kapital, in: International Review of Social
       History, Vol. XXVIII (1983), Part I, Amsterdam 1983, S. 91-104.
       14) Vgl. Engels'  Vorwort zum  dritten Buch  des  "Kapital",  op.
       cit., S. 12. Die vier Autoren (s. Anm. 12) stellen die These auf,
       daß das III. Buch nicht mit dem ersten, sondern dem zweiten Kapi-
       tel begann, zumal das Manuskript des 2. Kapitels provisorisch von
       "a" bis  "l" von  Marx durchpaginiert wurde (a.a.O., S. 307). Die
       vorfindliche Numerierung  von Seite  155-202 sei erst vorgenommen
       worden, als der Seitenumfang des ersten Kapitels feststand - also
       nachher.
       15) Im ersten  Kapitel, auf  Manuskriptseite 135,  notiert  Marx:
       "... jetzt October '64 neue Crise".
       16) Witali Wygodski,  Der Platz  des Manuskripts "Lohn, Preis und
       Profit" im  ökonomischen Nachlaß  von Karl Marx, in: Marx-Engels-
       Jahrbuch 6, Berlin 1983, S. 211-227.
       17) Ebenda, S. 220.
       18) Ebenda.
       19) MEGA II/3.5, S. 1862.
       20) Siehe MEGA  II/1.2, S.  317, 367,  370; II/2,  S.  278,  283;
       II/3.4, S. 1302-1303, 1505.
       21) Verweise im  "Sechsten Kapitel"  auf S.  441, 444,  455, 458,
       467, 471,  472; im  "Manuskript I" auf S. 65, 114, 120, 122, 130,
       137; im Manuskript zu Buch III auf S. 37.
       22) Vgl. L.  Miskewitsch u.a.,  a.a.O., S.  299/300. U.E.  plante
       Marx die  Hereinnahme von  Ware und Geld als Anfangskapitel I ins
       erste Buch  schon seit  dem ersten Kapitel des III. Buchs (1864),
       weil er dort das "Sechste Kapitel" mit "eh. VII" bezeichnet.
       23) Siehe MEGA  II/3.1, S.  82-92, 125-126,  128-135; II/3.2,  S.
       609-613.
       24) MEGA II/5, S. 619.
       25) Manuskriptseite 441.
       26) Ebenda, S.  454. Bei  der Neuveröffentlichung  in MEGA II/4.1
       wird das  Manuskript in seiner Struktur entsprechend dem Original
       wiedergegeben, damit  im Unterschied zu der umgruppierten Ausgabe
       von 1933 bzw. 1969 der Marxsche Forschungsprozeß klarer wird.
       27) Dies sei  betont, weil die Wechselwirkung zwischen Vorausset-
       zung und  Resultat in  diesem Punkt von W. Schwarz in seinem Buch
       "Vom 'Rohentwurf  zum 'Kapital",  Westberlin 1978,  S. 213, nicht
       gesehen wird,  was zur  Abwertung der methodischen Konsistenz des
       "Sechsten Kapitels"  führen muß.  Vgl. dazu  I.K.  Antonowa,  Der
       Platz des  Sechsten Kapitels "Resultate des unmittelbaren Produk-
       tionsprozesses" in  der Struktur des "Kapitals", in: Beiträge zur
       Marx-Engels-Forschung, Berlin 1982, Heft 11, S. 70/71.
       28) Siehe MEGA  II/3.1, S. 82-82. Damit wird die Einbeziehung der
       Seiten 96-107 aus dem Manuskript des Buchs I hierher klar.
       29) MEGA II/3.6, S. 2126-2159.
       30) Diese Eigentümlichkeit  der Marxschen  Methode, am Ende eines
       Manuskripts einen Neuanfang auf neuer Bearbeitungsstufe des Mate-
       rials zu  entwerfen, ist  auch in anderen Manuskripten zu finden.
       Z.B. der  Neuanfang über  den Wert  am Schluß  der  "Grundrisse".
       Siehe MEGA II/1.2,8.740-743.
       31) Der Entwurfscharakter der "Resultate" gegenüber dem vorausge-
       henden Teil zeigt sich auch äußerlich daran, daß sie keine durch-
       laufenden Fußnoten haben, während dies für die offensichtlich als
       Reintext verfaßten einzelnen Seiten zutrifft.
       32) Manuskript I, S. 2.
       33) Wie Engels  im Vorwort  zum zweiten  Band schreibt,  war dies
       "die erste  selbständige, aber  mehr oder weniger fragmentarische
       Bearbeitung von Buch II in seiner gegenwärtigen Einteilung" (MEW,
       Bd. 24,  S. 11).  Die andere  Bearbeitung des  ganzen  Buchs  ist
       "Manuskript II"  von 1870.  Über weitere Varianten siehe ebd., S.
       11-12, und  A. Tschepurenko,  Is istoriji wtoroj knigi "Kapitala"
       Marksa, in:  Otscherki po  istoriji "Kapitala"  K. Marksa, Moskau
       1983, S. 207-216.
       34) Siehe MEGA II/1.2, S. 416.
       35) Ebenda, S. 357, 421, 505-506.
       36) Ebenda, II/3.4, S. 1468-1469, 1477-1481.
       37) Im Manuskript  1861-63 werden  die Kreislauffiguren  von Marx
       noch im  Kontext der abstrakten Untersuchung der "Continuität des
       Produktionsprozesses" oder  der  "Reproduktion"  behandelt  (MEGA
       II/3.4, insbes. S. 1479).
       38) Das Kapitel  reicht bis S. 56, seine vier Unterkapitel begin-
       nen auf S. 1, 41, 46 und 53.
       39) Manuskriptseite 4.
       40) Manuskriptseite 21.
       41) Manuskriptseite 66.  Neben dem genannten zweiten Unterkapitel
       hat dieses von S. 57 bis 106 reichende Kapitel noch zwei Paragra-
       phen: 1.  Umlaufszeit und  Umschlag (S.  57) und  3. Umschlag  u.
       Werthbildung (S. 97).
       42) Manuskriptseite 88.
       43) Manuskriptseite 107-149.
       44) Punkt 3 ist von Marx nicht betitelt. Punkt 4 fehlt gänzlich.
       45) Manuskriptseite 143.
       46) Das Buch  III hat in seinem ersten Satz gleich einen Rückver-
       weis auf die Thematik dieses Abschnitts : "Wir haben gesehen, daß
       der Produktionsprozeß  im ganzen betrachtet Einheit von Produkti-
       ons- und Zirkulationsprozeß ist. Bei der Betrachtung des Zirkula-
       tionsprozesses als  Reproduktionsprozeß (eh.  IV, Buch  II) wurde
       dies näher  erörtert." (Seite  1). Die  verkehrte Numerierung ist
       daraus zu  erklären, daß  Buch II  damals noch  nicht geschrieben
       war. Für  die Anlage  irgendeines "Übergangs" im III. Kapitel von
       Buch II spricht auch der neu entworfene Plan am Ende von Buch II,
       dessen letzter  Punkt "7)  Übergang zu Buch III" lautet (S. 149).
       Leider gibt es dazu keinen Text.
       47) Manuskriptseite 149.
       48) Engels im Vorwort zum zweiten Buch, in: MEW, Bd. 24, S. 11.
       49) Engels im Vorwort zum dritten Buch, a.a.O., S. 8-15.
       50) Vgl. dazu  die Angaben  bei I. G. Kasmina, Die Arbeit von En-
       gels an der Herausgabe des dritten Bandes des "Kapitals" von Marx
       (russ.), in:  Is istoriji  Marksisma (Aus der Geschichte des Mar-
       xismus) (russ.),  Moskau 1961, S. 376-404, hier S. 383. Diese Ar-
       beit ist unseres Erachtens überhaupt die bisher einzige, die sich
       mit diesem Thema befaßt hat.
       51) Das Kapital, Buch III, MEW Bd. 25, S. 736.
       

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