Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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       DIE SOZIALISTISCHE FREIE GEWERKSCHAFT *)
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       Wulf D. Hund
       
       Daß sich  in ihr  der Fortschritt verwirklicht, hindert nicht die
       stellenweise zynische  Dramaturgie  der  Geschichte.  Schon  zwei
       Jahre nach  der Besetzung  Hamburgs am 3. Mai 1945 hatte die han-
       seatische Bourgeoisie dieses Datum ideologisch zu der Formel "Wie
       Hamburger Kaufleute  die Stadt  Hamburg retteten" verarbeitet. 1)
       Eben diese  Kaufleute hatten  1940, weniger  in regionalen als in
       imperialen Dimensionen  denkend, ihren  von einem  durch deutsche
       Kolonien ergänzten  mitteleuropäischen Wirtschaftsblock ausgehen-
       den Wirtschaftsplan vorgelegt. 2) Im selben Jahr begannen hambur-
       gische Kommunisten  mit dem  Aufbau der bedeutendsten antifaschi-
       stischen Widerstandsorganisation  der Stadt,  der Bästlein-Jacob-
       Abshagen-Gruppe. 3) Ein großer Teil ihrer Mitglieder war ermordet
       und hingerichtet worden, als kurz vor Kriegsende maßgebliche bür-
       gerliche Kreise  den Plan  vom Reich  zugunsten der Rettung ihres
       Reichtums aufgaben.
       Unterstützt wurden sie in dieser Haltung sicher nicht zuletzt vom
       Zusammenbruch des  faschistischen Systems  der  Legitimation  und
       Loyalitätserzeugung. Wie  hamburgische  Spitzelberichte  für  die
       Amtsgruppe Wehrmachtspropaganda  beim Oberkommando  der Wehrmacht
       vom März  und April  1945 zeigen, gab es allgemeine Kritik an der
       NSDAP und ihrer Politik, erwies sich die antikommunistische Greu-
       elpropaganda immer  mehr als  wirkungslos oder  wurde gar als un-
       glaubwürdig abgetan, erwartete man von einer Besetzung durch eng-
       lische oder  amerikanische Truppen eine Verbesserung der Lage und
       hielt sich  das Gerücht, Hamburg sollte zur offenen Stadt erklärt
       werden. 4)
       "(E)rsparen Sie Hamburg das Schlimmste, Letzte, erklären Sie Ham-
       burg zu  dem was  es ist,  zur offenen  Stadt": 5)  schrieb Mitte
       April 1945  Emil Helfferich  an den  Reichsstatthalter.  Dreizehn
       Jahre zuvor hatte er zu den Mitbegründern des Keppler-Kreises ge-
       hört, von  dem als  Koordinationsstelle zwischen  Wirtschaft  und
       NSDAP wesentliche Impulse für die Machtübergabe an den Faschismus
       ausgingen. Zusammen  mit  anderen  Exponenten  der  hamburgischen
       Bourgeoisie wie Kurt Woermann, Carl Vincent Krogmann, Erwin Merck
       und Franz  Heinrich Witthoefft  hatte er  im  November  1932  vom
       Reichspräsidenten die Ernennung Hitlers zum Kanzler verlangt. 6)
       Zur selben  Zeit wie  er wurde  Heinrich Riensberg initiativ. Als
       deutscher Sachverständiger für Schiffahrtsfragen in Stockholm tä-
       tig, ließ  er im April 1945 unmittelbar nach der Rückkehr von ei-
       ner Reise  aus Hamburg  der britischen  Gesandtschaft eine  Denk-
       schrift zukommen,  in der  es hieß: "Es ist die Pflicht der Deut-
       schen, der  Engländer und Amerikaner, den Krieg mit möglichst ge-
       ringen Opfern von Menschen und Eigentum auf allen Seiten zu been-
       den." 7)  1933 zählte  Riensberg zu den Mitgliedern des antidemo-
       kratischen ultrakonservativen Hamburger Nationalklubs, der Hitler
       bereits 1926 Gelegenheit zu seiner nach der Entlassung aus Lands-
       berg ersten  großen Rede zur Bourgeoisie gegeben hatte und dessen
       Vorstandsmitglieder Hübbe  und Krogmann 1933 den Vorsitz der Han-
       delskammer und  das Amt  des  Ersten  Bürgermeisters  übernahmen.
       Seine Eingabe  an die Engländer zur Beendigung des Krieges atmete
       ganz den  Geist der  antisowjetischen Westorientierung,  mit  der
       weitsichtige Kreise aus Staat und Wirtschaft unmittelbar nach dem
       Sieg der  Roten Armee  in Stalingrad begonnen hatten, Nachkriegs-
       pläne zu  schmieden, die  ihre Hoffnung  im weiteren  Verlauf des
       Krieges immer stärker auf eine Spaltung der Anti-Hitler-Koalition
       setzten. 8)
       Für die  konkreten Übergabeverhandlungen  der Stadt an die briti-
       schen Truppen  hätte das hamburgische Bürgertum keinen geeignete-
       ren Kandidaten  finden können  als Wilhelm Amsinck Burchard-Motz.
       Er hatte hinsichtlich dieser Prozedur bereits einschlägige Erfah-
       rungen gesammelt.  Schon als Senator der DVP stellte er seine na-
       tionale Gesinnung unter Beweis, als er 1926 in Abstimmung mit der
       Handelskammer vom  Reichskanzler den Flaggenerlaß forderte, durch
       den letztlich  mit schwarz-weiß-rot die Farben der antirepublika-
       nischen Reaktion  gleichberechtigt neben denen der Republik wehen
       sollten. 9) 1933 betrieb er in Hamburg aktiv die Machtübergabe an
       den Faschismus.  Im Februar  bot er dem von der NSDAP zum Bürger-
       meister designierten Carl Vincent Krogmann seine Unterstützung an
       und fragte  bei Hitlers  Wirtschaftsberater Keppler  nach, wie er
       sich der  neuen Reichsregierung nützlich machen könne. 10) Solche
       Haltung wurde  ihm im März mit dem Amt des Zweiten Bürgermeisters
       vergolten, dessen  er sich  dadurch würdig erwies, daß er mit dem
       nationalsozialistischen Gauleiter  Karl Kaufmann ein Abkommen zur
       Selbstauflösung der  DVP und  Überführung ihrer Mitglieder in die
       NSDAP schloß, welches er Anfang April bei der Bismarck-Feier sei-
       ner Partei  verkündete. 11) Ende April 1945 wandte sich der mitt-
       lerweile schon  lange als  Reichsstatthalter fungierende Kaufmann
       an Burchard-Motz  mit der  Bitte, sich als Parlamentär zur Verfü-
       gung zu  stellen. Dessen  Bedenken, durch  die Übergabe der Stadt
       der Führung  des Reiches in den Rücken zu fallen, konnten mit dem
       Hinweis auf  einen Funkspruch  Hitlers zerstreut  werden,  "aller
       Kampf solle  sich nur  gegen den  Osten richten".  12) Er stellte
       sich für  die Verhandlungen zur Verfügung, aufgrund derer Hamburg
       am 3. Mai 1945 von britischen Truppen besetzt wurde.
       Während Teile  der Wirtschaft und des Staatsapparats Überlegungen
       zur Übergabe der Stadt anstellten, wurden im Hamburger Konzentra-
       tionslager Neuengamme  mehr als  zehn Mitglieder der Bästlein-Ja-
       cob-Abshagen-Grappe ohne  Prozeß gehenkt. Insgesamt ermordete man
       dort in  diesem Monat  über siebzig Frauen und Männer aus dem Wi-
       derstand. 13) Am Tag des Einmarsches der englischen Truppen kamen
       beim Untergang der "Thielbek" und der "Cap Arcona" nahezu sieben-
       tausend Gefangene  um, die aus Neuengamme abtransportiert und auf
       die Schiffe verladen worden waren. 14)
       Trotz allen  Terrors war  es dem  Faschismus aber nicht gelungen,
       den Widerstand  in Hamburg völlig zu zerschlagen. Im Hinblick auf
       seine aus  der Arbeiterbewegung  stammenden Mitglieder,  die sich
       nach dem 3. Mai 1945 am Aufbau der Sozialistischen Freien Gewerk-
       schaft beteiligten,  lassen sich dabei verschiedene Gruppierungen
       erkennen. 15)
       Verbindungen der  am 20. Juli beteiligten Kreise reichten auch zu
       hamburgischen Gewerkschaftlern.  Sie machten  Pläne zur Übernahme
       der Deutschen  Arbeitsfront und zum Austausch ihrer Leitung durch
       frühere Gewerkschaftsfunktionäre.  Beteiligt an dieser Diskussion
       war Franz Spliedt. Hugo Schotte saß nach dem 20. Juli mehrere Wo-
       chen in  Haft. Adolph  Schönfelder schien als Bezirkssekretär der
       geplanten Deutschen Gewerkschaft vorgesehen gewesen zu sein. 16)
       Zu einer  Gruppe des  Internationalen Sozialistischen Kampfbundes
       gehörte  Hellmut  Kalbitzer.  In  den  letzten  Kriegsjahren  be-
       schränkte sie  sich weitgehend auf Diskussion. Ein Zusammenkommen
       mit Kommunisten wurde dabei vermieden, weil diese auf Grund ihrer
       Widerstandsformen als  stark gefährdet  galten. Aus London erfuhr
       die Gruppe  durch Kurier von der Programmdiskussion deutscher so-
       zialistischer Organisationen  in Großbritannien,  in der sich das
       Konzept einer  die Kommunisten ausschließenden vereinten soziali-
       stischen Partei durchgesetzt hatte. In diesem Sinn hielt sie Ver-
       bindung zu Paul Bebert und stellte Kontakte zu Walter Schmedemann
       und Adolph Schönfelder her. 17)
       In der  Firma Heidenreich  & Harbeck  war Gottlieb Weide Mitglied
       der Betriebszelle der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, zu der auch
       Hans Schnoor Beziehungen hatte. Beide wirkten offenbar mit ehema-
       ligen Mitgliedern  des Metallarbeiterverbandes zusammen, zu denen
       neben Wilhelm Petersen ebenfalls Hans Ek gehört haben dürfte. Wie
       an anderer  Stelle auch, leisteten hier Kommunisten und Sozialde-
       mokraten gemeinsame illegale Arbeit. 18)
       Weide und  Ek arbeiteten außerdem mit Friedrich Dethlefs in einem
       Kreis zusammen,  der weiter  losen  Kontakt  zu  Johann  Westphal
       hatte. Ihnen  war  die  Konzeption  des  Nationalkomitees  Freies
       Deutschland für  ein breites  antifaschistisches Bündnis bekannt.
       Ohnehin hatten  sie selbständig begonnen, Verbindungen zu bürger-
       lichen wie zu sozialdemokratischen Kräften um Lorenz Borchers und
       Walter Schmedemann aufzunehmen. 19)
       Als am 3. Mai 1945 britische Truppen die Stadt besetzten, konnten
       die verschiedenen Gruppierungen der Arbeiterbewegung zunächst auf
       Grund der  zweitägigen Ausgangssperre  weder zu ihnen noch unter-
       einander in  Fühlung treten.  Als dann  am 5. Mai mehrere Treffen
       stattfanden, war  eine erste politische Entscheidung schon gefal-
       len. Zwar hatten die Engländer Reichsstatthalter Kaufmann verhaf-
       tet. Weil ihnen aber die Sicherung von Ruhe und Ordnung nur durch
       die Aufrechterhaltung einer funktionstüchtigen Verwaltung gewähr-
       leistet schien,  übertrugen sie  gleichzeitig seine  Aufgaben dem
       bereits seit  1933 amtierenden  Bürgermeister  Krogmann.  Dadurch
       sollten nicht  zuletzt Reibungsverluste im Bereich der Versorgung
       vermieden werden.  Einerseits würden so britische Ressourcen mög-
       lichst wenig  belastet. Andererseits würde so die ohnehin demora-
       lisierte Bevölkerung vor Anfälligkeiten gegenüber kommunistischem
       Einfluß bewahrt. 20)
       Daß die  britische Besatzungspolitik  in den  ersten Monaten  des
       Jahres 1945  grundlegend von  solcher antikommunistischen Tendenz
       geprägt wurde, hatte verschiedene Ursachen. Zunächst war sie sich
       hierin ihrer Übereinstimmung mit der Haltung des Premierministers
       gewiß. 21) Weiter bestand in dieser Frage Konsens mit der militä-
       rischen Führungsspitze.  22) Er  konnte sich deswegen direkt aus-
       wirken, weil  die Kompetenzen  hinsichtlich der Besatzungspolitik
       zunächst unklar  waren, so daß zwangsläufig großer Entscheidungs-
       spielraum  entstand.  23)  Ihn  im  einzelnen  auszufüllen,  hing
       schließlich von den jeweils zuständigen Offizieren ab. In Hamburg
       war mit  Colonel H.W.H. Armytage ein konservativer Berufsoffizier
       Kommandant der Militärregierung. Er hatte mit Colonel R. Allhusen
       einen ebenfalls konservativ eingestellten Stellvertreter, der zu-
       dem von  seinem Zivilberuf als Börsenmakler her der hamburgischen
       Bourgeoisie mit Sympathie gegenüberstand. 24)
       Die ersten  Versuche, aus Kreisen der hamburgischen Arbeiterbewe-
       gung Kontakt  zur Militärregierung  herzustellen, schlugen  fehl.
       25) Erst  am 7.  Mai gelang  es zwei  Abordnungen, zum Koordinie-
       rungsoffizier der  Manpower Branch  der Militärregierung, Captain
       F.J. Dwyer,  vorzudringen. Dabei handelt es sich zunächst um eine
       Gruppe von  Kommunisten, linken Sozialdemokraten und ISK-Mitglie-
       dern, deren  Wunsch zur  Bildung einer vereinigten Arbeiterpartei
       zwar abschlägig  beschieden wurde,  die aber  die  Erlaubnis  zur
       Gründung einer  Einheitsgewerkschaft erhielten.  Nach  ihnen  kam
       eine überwiegend  aus ehemaligen  Mitgliedern des Metallarbeiter-
       verbands bestehende  Gruppe, deren Vorstellungen nach unmittelba-
       rer Fortsetzung ihrer alten Organisation zwar zurückgewiesen wur-
       den, die  aber, nachdem sie über die schon erteilte Erlaubnis zur
       Gewerkschaftsgründung informiert  worden waren, entschieden, sich
       an dieser Initiative zu beteiligen. 26)
       Beide Gruppen  waren keineswegs  gefestigte Lager. Ihre Zusammen-
       setzung verdankte  sich teils traditioneller Organisationszugehö-
       rigkeit, teils  den Kontakten der Illegalität. Bei der Gruppe der
       auf eine  Arbeiterpartei orientierten  Kräfte war anfänglich Paul
       Beben, unter  den die  Weiterführung ihrer  früheren Gewerkschaft
       anstrebenden Kräften  befanden sich  Gottlieb Weide  und Hans Ek.
       Letztere stellten sich in den folgenden Auseinandersetzungen über
       Aufgaben und  Ziele der  SFG auf  die Seite der eine einheitliche
       Organisation mit  Anspruch auf politische Mitwirkung beim Neuauf-
       bau der  Gesellschaft befürwortenden Gewerkschaftsmitglieder. Er-
       sterer schloß  sich schließlich der die Entwicklung der SFG sabo-
       tierenden Fraktion der alten Gewerkschaftsfunktionäre an.
       In dem  schon am nächsten Tag gemäß der Aufforderung der Militär-
       regierung niedergelegten  Programm der  SFG setzte  sich zunächst
       die offensive  Haltung der  eine politische  Einheitsorganisation
       anstrebenden Richtung durch. Auf ökonomischem Gebiet forderte sie
       eine "Verstaatlichung  der wirtschaftlichen Schlüsselstellungen",
       die "Überführung des Großgrundbesitzes und Baulandes in öffentli-
       ches Eigentum"  und  "Staatskontrolle  des  Außenhandels".  Zudem
       sollte das Arbeitsamt durch die Gewerkschaft geleitet werden. Po-
       litisch stand  die "Ausrottung der Nazis, ihrer Ideologie und des
       Militarismus" im  Vordergrund. Um  militaristische Keimzellen un-
       möglich zu  machen, wurden die "Kontrolle der Sportorganisationen
       durch die  Gewerkschaft, die "Erziehung der Jugend zu den Idealen
       der Völkerverständigung" und "Friedenspolitik" verlangt. Außerdem
       wollte man die "(s)taatliche Anerkennung der SFG". 27)
       Gleichwohl lief  die Diskussion  nicht ohne  Auseinandersetzungen
       ab. So  konnte keine  Einigkeit erzielt  werden hinsichtlich  der
       Frage, "(o)b  die Zersplitterung  der Arbeiterschaft vor 1933 und
       die mangelhafte  Kampfbereitschaft der  Führung im Jahre 1933 als
       Ursache des  Zusammenbruchs der  Arbeiterbewegung in dem Aktions-
       programm bezeichnet  werden sollte".  28) Weiter galt die Einheit
       nicht schon  durch die  gemeinsame Erfahrung  des Widerstands und
       übereinstimmende Willenskundgebungen  als erreicht,  sondern ihre
       Herstellung wurde  ebenso als Schwierigkeit wie als vordringliche
       Aufgabe betrachtet.  29) Wenn  auch mit  großer Mehrheit, so doch
       nicht ohne  Widerspruch wurde  dabei die  Entscheidung gefaßt, im
       Namen der  neuen Gewerkschaft den Begriff "sozialistisch" zu ver-
       ankern und damit ihre politische Ausrichtung klarzustellen. 30)
       Als Problem trat hinzu, daß das Gewerkschaftshaus, in dem die SFG
       Räume zur  Verfügung gestellt  bekommen hatte,  sich  sofort  als
       selbstverständlicher Treffpunkt  für alle  erwies, die  sich nach
       den neuen  Aktionsmöglichkeiten erkundigen, ihre Mitarbeit anbie-
       ten oder  Forderungen aus  den Betrieben  vortragen wollten.  31)
       Doch schon  dieses erste Umsetzen der Erkenntnis, daß die einzige
       gesellschaftliche Macht  der Arbeiter  ihre Zahl  ist, 32) kolli-
       dierte  mit  den  Politikvorstellungen  der  Besatzungsmacht.  So
       zeigte sich Captain Dwyer ebenso erschrocken wie aufgebracht, als
       er einmal  etwa 500 im Gewerkschaftshaus versammelte Personen an-
       traf. Die  von ihm  daraufhin verfügte Höchstzahl von 30 Versamm-
       lungsteilnehmern war  eine empfindliche  Behinderung des  Aufbaus
       der SFG.  33) Zudem wurde die SFG aufgefordert, einen der gesetz-
       ten Grenze  Rechnung tragenden,  für die  Gewerkschaftsarbeit zu-
       ständigen Ausschuß zu wählen. Spätestens jetzt mußte sich zeigen,
       wie ernst die Bekundungen zur Arbeitereinheit bei allen Beteilig-
       ten waren. Dabei schien es zunächst, als sollte die damit verbun-
       dene Hypothek aus der Geschichte der Arbeiterbewegung in der Wei-
       marer Republik  als abgelöst  gelten. So  jedenfalls klangen  die
       Ausführungen Adolph  Schönfelders, der  auf einer der Versammlun-
       gen, die  im Vorfeld der Ausschußbildung stattfanden, "unter all-
       gemeinem Beifall die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterschaft
       forderte und für sich selbst die Erklärung abgab, dass er keiner-
       lei politische  Ambitionen mehr habe, dagegen der neuen Hamburger
       Arbeiterbewegung seine Unterstützung zusagte". 34)
       Zweifellos war  es diese  Kombination des  erklärten Willens  zur
       Einheit und  des Verzichts  auf eigene politische Ambitionen, die
       das Angebot  zur Unterstützung  der sich  wieder konstituierenden
       Arbeiterbewegung auf einhelligen Beifall stoßen ließ. Denn Schön-
       felder galt  in der Zeit der Weimarer Republik als in der hambur-
       gischen Arbeiterklasse äußerst umstritten. Auf dem rechten Flügel
       der SPD  stehend, hatte  er in seiner Funktion als Polizeisenator
       auch noch  nach dem  30. Januar 1933 unnachgiebig Verfolgungsmaß-
       nahmen gegen die KPD exekutiert. 35)
       Daß von  der Arbeiterbewegung  über solche Traditionen nicht ein-
       fach zur  Tagesordnung übergegangen  wurde, zeigte  das  Beispiel
       John Ehrenteits.  Der Vorsitzende  des ADGB-Ortsausschusses  Ham-
       burg, Parteifunktionär  der SPD und Senator, war wegen seiner de-
       zidiert antikommunistischen  Haltung bekannt.  Im April  1933 er-
       klärte er, die Gewerkschaften hätten sich "zur heutigen Regierung
       positiv  einzustellen"  und  angesichts  der  vor  sich  gehenden
       "Revolution von größtem Ausmaß", "die mit dem demokratischen Par-
       lamentarismus brach,...  der gerade  den Gewerkschaftern  in  den
       letzten Jahren  eine Enttäuschung nach der anderen brachte", "zum
       Staat und seiner Führung Brücken zu schlagen". Im Mai 1933 traten
       durch seine Initiative sechs Gewerkschaftsfunktionäre aus der so-
       zialdemokratischen Bürgerschaftsfraktion  aus und  als eigene Ge-
       werkschaftsgruppe in  ein Hospitationsverhältnis  zur NSDAP  ein.
       36) Als  Ehrenteit 1945  versuchte, wieder in Hamburg Fuß zu fas-
       sen, wurde  er selbst  von seinen  alten Kollegen als zu belastet
       abgelehnt und mußte die Stadt schließlich verlassen. 37)
       Anders als  seine akzeptierte  man die Mitarbeit W. Petersens und
       Schottes. Sie  hatten 1933  ebenfalls zu den bei der NSDAP hospi-
       tierenden Gewerkschaftlern  gehört, dann aber Anschluß an die il-
       legale Arbeit  gefunden. Bei der Wahl des Vollzugsausschusses der
       SFG wurden sie daher berücksichtigt.
       In den  Vorstand gelangte  allerdings keiner  der  alten  Gewerk-
       schaftsfunktionäre. Er  wurde am  14. Mai  gebildet  und  bestand
       zunächst aus Kalbitzer, Schmedemann, Dethlefs und Horchers. Schon
       einen Tag  später trat Ek hinzu, und Schmedemann wurde zum ersten
       Vorsitzenden gewählt.  38) Damit hatte sich die Linie der bereits
       in der Illegalität gemeinsam auf die Einheit der Arbeiterbewegung
       orientierenden Kräfte vorerst durchgesetzt.
       Während die SFG bemüht war, unter den von der Besatzungsmacht ge-
       setzten restriktiven  Bedingungen ihre  organisatorische  Einheit
       herzustellen, konnte die hamburgische Bourgeoisie weitere politi-
       sche Erfolge  verbuchen. Am  selben Tag, an dem es den beiden Ar-
       beiterdelegationen gelungen  war, von  Captain Dwyer die Genehmi-
       gung zum  Aufbau einer  Gewerkschaft zu erhalten, teilte in einer
       Sitzung der  Gauwirtschaftskammer deren Präses Joachim de la Camp
       mit, daß Bürgermeister Krogmann ihn mit Zustimmung der Militärre-
       gierung zur  Fortführung seiner  Tätigkeit aufgefordert hätte. De
       la Camp, seit 1932 Mitglied der NSDAP und später Wehrwirtschafts-
       führer, hatte  dieses Amt  1937 angetreten, nachdem er bereits im
       April 1933  auf Beschluß  des Senats  als Staatskommissar  in das
       Präsidium der  Handelskammer delegiert worden war. 39) Am 11. Mai
       1945 wurden dann zwar von über 40 leitenden Beamten der hamburgi-
       schen Verwaltung 22 entlassen und 6, darunter auch Krogmann, ver-
       haftet. 40)  Jedoch setzte  die Militärregierung ihre Politik der
       Wahrung administrativer Kontinuität fort. Sie ließ nicht nur lei-
       tende Funktionsträger  wie Senator O. Martini oder Senatssyndikus
       P. Lindemann,  die beide  1937 der  NSDAP beigetreten  waren,  im
       Dienst. Sie  forderte diese auch auf, Vorschläge zur Neubesetzung
       der vakanten  Stellen zu  unterbreiten. Im  Rathaus war  man sich
       darüber klar,  insbesondere für  das Amt  des Bürgermeisters eine
       unbelastete Persönlichkeit finden zu müssen, sah deswegen von der
       Suche unter  den leitenden Beamten ab und wandte sich an die Gau-
       wirtschaftskammer. Zusammen einigte man sich auf Rudolf Petersen,
       der nach eigenem Zögern und seiner Überprüfung durch die Militär-
       regierung einwilligte  und am 14. Mai 1945, als die SFG Vollzugs-
       ausschuß und  Vorstand wählte,  seine neue  Funktion übernahm. In
       einer seiner ersten Amtshandlungen bat er de la Camp, der nun zu-
       rücktreten wollte, die Gauwirtschaftskammer bis Ende Juni weiter-
       zuführen. 41)
       Mit Rudolf  Petersen wurde  ein Mitglied  der hamburgischen Bour-
       geoisie Bürgermeister,  das ebenso in der Tradition der alten Fa-
       milien stand wie einen hervorragenden Ruf im Wirtschaftsleben ge-
       noß. 42)  Von den  konservativen englischen  Besatzungsoffizieren
       wurde er  nicht nur auf Grund seiner Haltung als Gentleman akzep-
       tiert. Er  teilte auch  ihre antikommunistische  Einstellung. 43)
       Dies konnte  nicht ohne  Auswirkungen auf die Entwicklung der SFG
       bleiben.
       Schon die  seine Zuständigkeit  betreffenden, von  der SFG am 15.
       Mai aufgestellten  Forderungen an die Militärregierung war R. Pe-
       tersen nicht  zu unterstützen bereit. Die SFG hatte verlangt: "I.
       Anerkennung der  Sozialistischen Freien Gewerkschaft als rechtli-
       che Körperschaft.  II. Sofortige Übernahme des Arbeitsamtes. III.
       Ständiger Vertreter im Hamburger Verwaltungsausschuss. Übernahme:
       Bauverwaltung Schulverwaltung  Sozialfürsorge  1.  Stellvertreter
       der Hauptverwaltung. IV. Säuberung aller Behörden von aktiven Na-
       zis und sofortige Absetzung aller Betriebsobleute und Anerkennung
       der von  der Belegschaft  gewählten Betriebsräte.  V.  Verordnung
       über Wiedereinstellung der 1933 aus politischen Gründen entlasse-
       nen Arbeiter, Angestellten und Beamten." 44) Bürgermeister Peter-
       sen erfuhr offensichtlich noch am selben Tag von diesen Forderun-
       gen und  ließ sich  von Colonel Armytage insbesondere zur Zurück-
       weisung der  gewerkschaftlichen Ansprüche  auf öffentliche  Ämter
       autorisieren. 45)  Statt dessen  entschied er  sich, mit  den  im
       Dienst verbliebenen  Kräften weiterzuarbeiten.  46) Außerdem  er-
       nannte er  mit Hans E.B. Kruse ein Mitglied seiner eigenen Klasse
       zum Senator für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. 47)
       Gleichzeitig war  R. Petersen klar, daß er seine Arbeit weder ge-
       gen noch ohne die starken Kräfte aus der traditionellen sozialli-
       beralen Koalition der Stadt vor 1933 würde bewältigen können. Den
       Kontakt zu  ihnen stellte er bezeichnenderweise über zwei Vertre-
       ter der staatstragenden Flügel der ehemaligen liberalen und sozi-
       aldemokratischen Parteien her. Am 16. Mai kam es zu einem Treffen
       mit Heinrich Landahl und Adolph Schönfelder. In seiner Folge wur-
       den die  Ernennung Landahls  zum Senator  für die Schulverwaltung
       und die  Schönfelders zum  Zweiten Bürgermeister vorbereitet. 48)
       Wenn auch  anscheinend die SFG diese Entwicklung mit der Aufnahme
       Schönfelders in  ihren Vollzugsausschuß  beantwortete,  so  waren
       ihre linken  Einheitskräfte mit  ihr doch  ausmanövriert.  Wenige
       Tage, nachdem er in öffentlicher Versammlung sein Desinteresse an
       neuerlicher politischer  Verantwortung erklärt hatte, akzeptierte
       Schönfelder im vertraulichen Gespräch das Bürgermeisteramt. 49)
       Doch nicht nur hinsichtlich ihres Anspruchs bei der Mitwirkung an
       hoheitlichen Aufgaben wurde die SFG gleich nach ihrer organisato-
       rischen Konstituierung  zurückgewiesen. Nicht weniger empfindlich
       für sie  mußte das strikte Verbot von Betriebsversammlungen sein.
       Auch in  dieser Frage war R. Petersen sofort aktiv geworden. Sei-
       nen am 15. Mai gemachten Vorschlag, solche Versammlungen zunächst
       zu verbieten,  beantwortete die  Militärregierung am nächsten Tag
       rigoros: "Es  müsse mit allen Mitteln verhindert werden, daß der-
       artige Versammlungen abgehalten würden." 50)
       Damit war die Politikform der Arbeiterbewegung an einem ihrer oh-
       nehin neuralgischen  Punkte hart  betroffen. Der  SFG  wurde  von
       vornherein der  Weg zur  Entwicklung eines  breit fundierten, auf
       massenhafter Diskussion  beruhenden  innerorganisatorischen  Wil-
       lensbildungsprozesses verlegt.  Zwar erreichte sie in Verhandlun-
       gen mit  dem Bürgermeister und dem Leiter der Abteilung Industrie
       bei der  Gauwirtschaftskammer, R. Blohm, daß statt der Mitglieder
       der faschistischen  Vertrauensräte Mitglieder  der  SFG  als  Be-
       triebsräte eingesetzt werden sollten. Die Voraussetzungen für die
       Wahlen und  die Arbeit  der Betriebsräte  aber wurden äußerst be-
       grenzt. Vor allem durfte die Gewerkschaft die Wähler nicht beein-
       flussen. Jede politische Betätigung der Betriebsräte blieb ausge-
       schlossen. Zudem wurden Verhandlungen über Lohn und Arbeitszeiten
       bis auf  weiteres untersagt.  Und immer wieder wurde ausdrücklich
       auf das  Versammlungsverbot hingewiesen.  51) Angesichts  der vom
       Faschismus zerschlagenen gewerkschaftlichen Organisationsstruktu-
       ren einerseits  und der verweigerten Erlaubnis für eine intensive
       Informationspolitik durch  die Gewerkschaft  andrerseits waren so
       die Einflußmöglichkeiten der SFG auf die Betriebsarbeit drastisch
       beschränkt.
       Gleichzeitig begannen  die alten Gewerkschaftsfunktionäre, hinter
       dem Rücken des Vorstands bei der Militärregierung zu intrigieren.
       52) Ihr  Hauptangriff richtete  sich gegen  die  organisatorische
       Form der zentralistischen Einheitsgewerkschaft. Bloß vorgeschoben
       war dabei  das von  Spliedt auch später in seinen Auseinanderset-
       zungen mit  Böckler und  Karl 53)  strapazierte Argument, mit ihr
       könnte den Bedürfnissen von Mitgliedern einzelner Industriezweige
       nicht ausreichend  Rechnung getragen  werden. Denn  die SFG hatte
       von Anfang  an eine  interne Gliederung nach Industriegruppen ge-
       plant. Sie  sollten sich  wiederum nach  Berufs- und  Fachgruppen
       ordnen. Zudem  sollte jede  Industriegruppe  im  Vollzugsausschuß
       vertreten sein. 54) Die einzelnen Berufsgruppen waren ohnehin so-
       fort an  die Arbeit gegangen. Wo es notwendig war, wurden zusätz-
       lich eigene Industriegruppenbüros eröffnet. 55) Die Berücksichti-
       gung  spezieller  Berufs-  und  Industriezweigprobleme  war  also
       grundlegender Bestandteil der Tätigkeit der SFG. Sie stand aller-
       dings weder unter dem alleinigen noch unter dem leitenden Einfluß
       der alten Funktionäre.
       Freilich konnten  diese schlecht bei der Militärregierung mit dem
       Argument antichambrieren, daß in der SFG keine Rücksicht auf ihre
       angestammten Pfründen genommen würde. Sie bedienten sich deswegen
       in erster Linie eines anderen, für sie aber durchaus nicht neben-
       sächlichen Arguments,  das Spliedt  nachträglich damit umschrieb,
       "der Gedanke  an die  politisch orientierte Einheitsgewerkschaft"
       meinte "im  Grunde die,  wenn auch  von anderen  politischen  Ge-
       sichtspunkten geleitete  'Arbeitsfront'."  56)  Die  anderen  Ge-
       sichtspunkte waren  unschwer zu erraten, entsprang doch nach sei-
       ner Auffassung "die Einheitsorganisation ... weitgehenst der bol-
       schewistischen Auffassung".  Hierin traf er sich mit den Vorstel-
       lungen beider für die Manpower Division der Militärregierung ver-
       antwortlicher Offiziere, Captain Dwyer und Major Louis. Für Dwyer
       war die  SFG der  von Kommunisten gesteuerte Versuch "to secure a
       single Organisation  operating in the district to which all orga-
       nised workers should contribute... (I)t was clear that the Inten-
       tion of  the Communists  was to get a mass Organisation which, in
       practice, would  be more concerned with political than with indu-
       strial matters  (zu erreichen,  daß eine  einzige Organisation im
       Bezirk wirksam  würde, zu  der alle  organisierten Arbeiter einen
       Beitrag leisten sollten... Es war klar, daß die Kommunisten beab-
       sichtigten, sich  eine Massenorganisation  zu verschaffen, die in
       der Praxis  mehr mit politischen als mit betrieblichen Angelegen-
       heiten befaßt  sein würde)".  Für Louis war es "eine durchaus na-
       tionalsozialistische Konzeption,  jetzt nur  eine einzige Gewerk-
       schaft einzusetzen,  die ihre Vertrauensmänner den Arbeitern mehr
       oder weniger aufzwingen ... würde".
       Gegen eine dergestalt als totalitär qualifizierte Einheitsorgani-
       sation boten  sich die alten Gewerkschaftsfunktionäre zu Liquida-
       toren an.  Dabei waren  sie möglicherweise  nur zweite  Wahl. An-
       scheinend wurde zunächst im Gespräch mit Kalbitzer "die Mitarbeit
       von Kommunisten  in der  SFG" mißbilligt  und ihm  angeboten,  er
       "könne seine Arbeit mit voller Unterstützung der Besatzungsbehör-
       den fortsetzen,  falls er sich die Kommunisten vom Hals schaffe".
       57) Da  er diese  Offerte zurückwies,  konnte der  kommunistische
       Einfluß in der SFG nur noch im Vorgehen gegen die gesamte Organi-
       sation zurückgedrängt werden. Ein Verbot ihres Organisationsprin-
       zips in  Verbindung mit einer Stärkung der Position der alten Ge-
       werkschaftsfunktionäre schien dafür die beste Möglichkeit.
       Am 22.  Mai 1945  fand im  Rathaus zwischen Dwyer und Louis sowie
       Bürgermeister Petersen, Schönfelder, Kruse und Lindemann eine Be-
       sprechung über  Gewerkschaftsfragen statt. Als Direktive der Eng-
       länder wurde  in ihrem  Verlauf festgehalten: "Im Augenblick sind
       irgendwelche Gewerkschaften,  insbesondere auch  nicht die  SFG.,
       von ihnen anerkannt. Sie hätten auch nicht die Absicht, eine ein-
       zige Gewerkschaft  allein anzuerkennen,  insbesondere auch keine,
       die irgendwie  parteipolitisch orientiert sei. Die ganze Entwick-
       lung sei  noch im  Fluß, daß  man im Augenblick keine endgültigen
       Entscheidungen treffen  könne. Insbesondere würde es wohl notwen-
       dig sein,  daß die  jetzt auftretenden  jüngeren  Gewerkschaftler
       sich verständigten  mit den  älteren erfahrenen  Männern aus  der
       früheren deutschen  Gewerkschaftsbewegung." 58)  Schönfelder, der
       in dieser  Sitzung wie die anderen Teilnehmer seine Unterstützung
       solcher Grundsätze  zugesagt hatte,  trug beim nächsten Zusammen-
       kommen des  Vollzugsausschusses der  SFG vor, "dass die Engländer
       die Zusammensetzung des geschäftsführenden Fünferausschusses sehr
       kritisiert hätten  und zwar in der Richtung, dass nach ihrer Mei-
       nung zuwenig alte Gewerkschaftler in ihm vertreten seien". 59)
       Deren Reaktion  auf diese Mitteilung war ebenso hintergründig wie
       unverbindlich. Zwar  akzeptierten sie  die Erweiterung  des  Vor-
       stands u.a.  um Franz Spliedt, betonten auch protokollarisch "die
       Notwendigkeit der  Schaffung einer  Einheitsorganisation" und er-
       klärten, "dass sie einen Namen zu verlieren hätten und unter kei-
       nen Umständen  ihre Hand zu einer neuen Zersplitterung der Arbei-
       terschaft in  viele kleine  und kleinste  Gruppen bieten würden".
       60) Tatsächlich gingen sie aber heimlich zur Fraktionsarbeit über
       und  schlössen   sich  in  dem  von  ihnen  selbst  so  genannten
       "Ketzerklub" zusammen. Damit stellten sie sich nicht nur begriff-
       lich in eine bezeichnende Tradition. Der "Ketzerklub" der SFG war
       nämlich in  der Hamburger Arbeiterbewegung nicht der erste dieses
       Namens. Über  seinen Vorläufer zu Beginn des Jahrhunderts berich-
       tete das  damalige Mitglied August Winnig, daß in ihm die Notwen-
       digkeit der  Abkehr vom  Marxismus ebenso  betont worden wäre wie
       die der  Interessengemeinschaft von  Arbeitern und  Arbeitgebern.
       Ganz in diesem Sinn äußerte sich 1945 Spliedt lobend über die hi-
       storische Bedeutung  der Zentralarbeitsgemeinschaft  zwischen Un-
       ternehmern und  Gewerkschaften ab  1918 und betonte seine dortige
       Funktion als Generalsekretär der Arbeitnehmerseite. 61)
       Der Versuch  der SFG  zur Zusammenfassung der bei ihrer Konstitu-
       tion mitwirkenden  Kräfte war  damit gescheitert. Zwar wurde dies
       nach außen  hin noch nicht sichtbar. Nach wie vor beteuerten alle
       Beteiligten ihren  Willen zur Einheit. Nicht alle aber verstanden
       dieses Bekenntnis gleich.
       Auf der  einen Seite  standen die  linkssozialdemokratischen  und
       kommunistischen Kräfte,  die ihre  noch in  der Illegalität ange-
       bahnte Zusammenarbeit  fortsetzen wollten.  Ihnen hatte  sich die
       ISK-Gruppe angeschlossen. Dieser Kreis begriff Einheit als Aufhe-
       bung der  politischen Spaltung  der sozialistischen Arbeiterbewe-
       gung in  einer gemeinsamen  Organisation. Aufgrund der drängenden
       Tagesaufgaben in  Verbindung mit den desolaten Arbeitsbedingungen
       wurden die  damit verbundenen Probleme allerdings zu wenig disku-
       tiert. Nicht  zuletzt trug dazu die der SFG aufgezwungene Ausein-
       andersetzung mit den alten Gewerkschaftsfunktionären bei, die dem
       Begriff Einheit  auch schnell  einen formelhaften  Charakter  der
       Selbstversicherung beilegte.  So blieb  die Frage,  wie  die  ur-
       sprünglich auf  einen Parteiaufbau gerichtete Intention im Rahmen
       einer Gewerkschaft bewerkstelligt werden sollte, nicht minder un-
       klar als die Frage, wie sich diese schon in ihrem Namen die poli-
       tische Ausrichtung signalisierende Gewerkschaft den nichtsoziali-
       stischen Arbeitern  gegenüber verhalten  sollte. Erst  gar  nicht
       wandte man  sich der Frage zu, die vor dem Zusammenschluß der So-
       zialdemokratischen Arbeiterpartei  und des  Allgemeinen Deutschen
       Arbeitervereins bereits in den frühen Jahren der deutschen Arbei-
       terbewegung von Wilhelm Liebknecht mit der Maxime "Erst Einigung.
       Dann Vereinigung" beantwortet worden war und sich im Hinblick auf
       die ideologische  Vereinheitlichung der verschiedenen Gruppierun-
       gen der Arbeiterbewegung nicht nur damals stellte. 62)
       Auf der anderen Seite standen die alten Gewerkschaftsfunktionäre,
       für die  sich Einheit in der Zusammenführung von Arbeitern, Ange-
       stellten und  Beamten unter  Absehung von der Parteizugehörigkeit
       erschöpfte. Ihre  Forderung nach  der unpolitischen  Gewerkschaft
       meinte aber  tatsächlich nicht die Gleichberechtigung der Weltan-
       schauungen, sondern vielmehr ihre Zusammenfassung unter sozialde-
       mokratischer Hegemonie  und die  größtmögliche  Ausschaltung  des
       Einflusses kommunistischer und sozialistischer Ideen und Perspek-
       tiven. So  hatten sich denn auch die Exponenten dieser Gruppe al-
       lesamt nicht  gescheut, in  der Zeit  der Weimarer  Republik Par-
       teiämter der  wie die Übernahme staatlicher Ämter für die SPD mit
       ihren Gewerkschaftsfunktionen  zu vereinbaren. Auch nach der Zer-
       schlagung des Faschismus zeigten sie in dieser Hinsicht wenig Ab-
       stinenz. Spliedt  hing sogar lange der Vorstellung einer Vereini-
       gung sozialdemokratischer  und bürgerlicher Kräfte an, die er un-
       ter dem  Namen Labour  Party -  Partei der Arbeit propagierte und
       über die er auch mit Bürgermeister Petersen verhandelte. 63)
       Politisch den alten Gewerkschaftsfunktionären durchaus verbunden,
       verfolgte Adolph  Schönfelder andere  Ziele. In  der SFG hielt er
       sich zurück. Nach seinen Kontakten mit Bürgermeister Petersen und
       der anschließenden  Aufnahme in den Vollzugsausschuß fungierte er
       als Verbindungsmann  der Gewerkschaft  zum Rathaus. Durch die von
       ihm in  Abstimmung mit dem Bürgermeister betriebene Personalpoli-
       tik bildete  sich schnell aus zur Mitarbeit herangezogenen ehema-
       ligen sozialdemokratischen Amtsinhabern eine Gruppe der alten Po-
       litiker und  Beamten. Sie gehörten zwar nicht den Leitungsgremien
       der SFG  an, wurden aber durchaus überwiegend als gewerkschaftli-
       che Vertrauensleute  in der  Verwaltung betrachtet. Traf das auch
       im Hinblick  auf die  die verschiedenen  Richtungen nach  wie vor
       verbindende Klammer  des Antifaschismus zweifellos zu, so verband
       diese Gruppe  doch nichts mit der Einheitsperspektive der Gewerk-
       schaftsmehrheit. 64)
       Zwei Wochen,  nachdem ihre  Gründung erlaubt  worden war und eine
       Woche, nachdem  sie einen Vollzugsausschuß und einen Vorstand ge-
       wählt hatte,  wurde der  SFG von der Militärregierung mitgeteilt,
       daß sie nicht anerkannt wäre und auch nicht die Absicht bestünde,
       nur eine Gewerkschaft zuzulassen. Wie schon vor diesem Termin, so
       wurden auch  in den  folgenden Tagen  Mißtrauen und  Unwillen der
       konzertierten   Aktion    aus   Besatzungsmacht,    Rathaus   und
       "Ketzerklub" durch zahlreiche Aktivitäten unterschiedlichster Art
       genährt. Deren  Initiatoren erklärten  sich oft einfach zu Zweig-
       stellen der  SFG, weil sie die einzige offiziell tätige Arbeiter-
       organisation war.  "Wild und  ohne Zustimmung des Vorstandes ent-
       standen, arbeiteten diese Zweigstellen' völlig unkontrolliert und
       unkontrollierbar auf  eigene Faust,  sammelten Gelder,  beschlag-
       nahmten  Wohnungen   für  Bürozwecke,   Autos  und  Lebensmittel,
       'entnazifizierten', griffen in die städtische Verwaltung ein usw.
       Alles geschah im Namen der SFG": kritisierte nachträglich Spliedt
       diese Entwicklung. 65)
       Tatsächlich betrieben  diese  spontanen  Initiativen  und  wilden
       Zweigstellen allerdings keine mit den Zielen der SFG unvereinbare
       Politik.
       So hatte  z.B. die  SFG schon  in ihrem Gründungsprogramm die ge-
       werkschaftliche Kontrolle  der Sportorganisationen  für notwendig
       gehalten. 66)  Dementsprechend wurde ein Aufruf an die Mitglieder
       der ehemaligen  Arbeitersportverbände erlassen,  sich "zum  Kampf
       gegen den  Nazi-Faschismus und  zur Beseitigung  des noch vorhan-
       denen verderblichen  Einflusses" im  "Sportverband der freien So-
       zialistischen Gewerkschaft"  zusammenzuschließen.  Möglicherweise
       davon unabhängig,  aber ganz  in diesem Sinn handelten Angehörige
       des früheren  Arbeiter-Wassersport-Vereins: "Die Militärregierung
       sah in  den Sportvereinen  immer noch eine Gefahr und zögerte mit
       einer Genehmigung. Um nicht in der Luft zu hängen, schlössen sich
       Mitglieder der Sozialistischen Freien Gewerkschaft an."
       So hatte weiter z. B. die SFG hinsichtlich der Betriebsarbeit mit
       der Industrieabteilung der Gauwirtschaftskammer die Auflösung der
       faschistischen Vertrauensräte vereinbart. 67) Diese Abmachung um-
       schloß auch,  daß antifaschistische Arbeiter bei Neueinstellungen
       bevorzugt behandelt  werden sollten. Praktisch geschah aber öfter
       das Gegenteil. So mußte etwa die SFG am 18. Mai der Militärregie-
       rung mitteilen:  "Wie uns  gemeldet wird, ist die Firma H. Maihak
       A.G., Hamburg  39, Semperstr., dazu übergegangen, zahlreiche Ent-
       lassungen von Arbeitern vorzunehmen. Die Entlassenen waren durch-
       weg früher freigewerkschaftlich organisiert. Dagegen sind die Ar-
       beiter, die  der Nazi-Partei  angehörten, im  Betrieb geblieben."
       Nicht anders  setzten sich  auch die  Arbeiter einzelner Betriebe
       selbst zur Wehr. In einem Brief vom selben Tag heißt es: "Wir ha-
       ben in  der Firma  R. Noske  Nachf., Hamburg-Altona,  Arnoldstr.,
       einen antifaschistischen  Betriebsrat gewählt. Dieser Betriebsrat
       wird von  dem faschistischen Betriebsführer Ernst Noske nicht an-
       erkannt. Die  Bekanntmachungen des Betriebsrates an der schwarzen
       Tafel sind von ihm wieder entfernt worden."
       So hatte  z.B. die SFG in ihrer Grundsatzerklärung auch verlangt,
       daß Großwohnungen  beschlagnahmt und  an antifaschistische ehema-
       lige politische  Gefangene, Kriegsbeschädigte  und  Bombengeschä-
       digte verteilt werden sollten. 68) Wo ihnen derartige Forderungen
       nicht oder  zu langsam umgesetzt zu werden schienen, griffen ein-
       zelne Aktionsgruppen  zur Selbsthilfe und benutzten dabei den Na-
       men der  SFG. Am 8. Juni teilte die Ortsdienststelle Bramfeld der
       hamburgischen Gemeindeverwaltung  der Gewerkschaft mit, sie hätte
       einem sich durch SFG-Ausweis legitimierenden Gewerkschaftsvertre-
       ter auf  dessen Verlangen  hin das  frühere Heim der Hitlerjugend
       als Büro  zugewiesen. Nun wäre er wieder erschienen "und begehrte
       Auskunft über einige Einzelfälle von im hiesigen Bezirk vorgenom-
       menen Raumzuweisungen usw. In einem anderen Fall erklärte er, ei-
       nem Wohnungsinhaber,  der Schwierigkeiten gemacht hatte, von sich
       aus zwei  Kz-Häftlinge zuweisen zu wollen. - Endlich erklärte er,
       daß die Raumbewirtschaftung in Bramfeld künftig unter seiner Mit-
       wirkung erfolgen würde."
       So hatte  ferner z.B.  die SFG ebenfalls in ihrer Grundsatzerklä-
       rung ein  hartes Vorgehen  gegen Anhänger  und Vertreter  des Fa-
       schismus wie  gegen die faschistische Ideologie gefordert. 69) Am
       25. Mai  wiederholte die  Vollzugsausschußsitzung dies  in  einer
       Entschließung und  verlangte mit Nachdruck die "Säuberung des ge-
       samten  Verwaltungsapparates   von  allen  Nazi-Elementen"  sowie
       "(s)trengste Bestrafung  aller ..., die dem Nazi-Terror Schergen-
       dienste leisteten".  In diese Richtung gingen auch die Überlegun-
       gen zahlreicher  Initiativgruppen. Die  Antifaschistische  Aktion
       Hamburg-Marburg etwa  wollte aktive  Faschisten bei  Aufräumungs-
       und Instandsetzungsarbeiten  einsetzen, und die Antifaschistische
       Aktion Hamburg-Langenhorn  plante zur  Überwachung bekannter  Fa-
       schisten  unter  anderem  auch  Hausdurchsuchungen.  Am  21.  Mai
       schrieb die Nebenstelle Finkenwärder der SFG an den Vorstand: "In
       der am 19.5. stattgefundenen Gründungsversammlung wurde beschlos-
       sen, zu  den Sofortmaßnahmen  folgenden Passus  aufzunehmen: Aus-
       tausch der  antifaschistischen  deutschen  Kriegsgefangenen,  die
       sich bereits zu Wiederaufbauarbeiten in alliierten Ländern befin-
       den bzw.  noch geschafft  werden sollen, gegen Nazis aus der Hei-
       mat."
       So hatte  schließlich z.B.  die SFG selbst Richtlinien für Neben-
       stellen entworfen.  70) Sie trug damit sowohl den schlechten Kom-
       munikations- und  Verkehrswegen und  der sich  daraus  ergebenden
       Notwendigkeit, in  einzelnen Stadtteilen  Anlaufmöglichkeiten für
       die Betriebe  zu schaffen, wie dem Umstand Rechnung, daß die Zen-
       trale mehrmals  die Räume  wechseln mußte und tageweise ganz ohne
       Arbeitsmöglichkeiten und  unerreichbar  war.  In  diese  Richtung
       zielte unter  anderem auch eine Entschließung mehrerer Mitglieder
       der SFG  vom 4.  Juni. "Um  den Aufbau der freien sozialistischen
       Gewerkschaft "Ortsgruppe  Hamburg" zu beschleunigen und die Orts-
       gruppenleitung in ihrer schweren Arbeit zu unterstützen, wird ein
       Werbe- und Propagandaausschuß für den Bezirk Innenstadt von 9 Ge-
       nossen eingesetzt.  Ferner wurde beschlossen, das Büro der frühe-
       ren Hitlerjugend  auf dem  Valentinskamp in Betrieb zu nehmen, um
       dort eine  Aufnahme- und Auskunftstelle zu errichten. Alle Aufga-
       ben auf gewerkschaftlichem, sozialpolitischem und sportlichen Ge-
       biete sollen dort bearbeitet werden."
       Den alten  Gewerkschaftsfunktionären mußten solche unkontrollier-
       baren Basisaktivitäten  ein Dorn im Auge sein. Sie erklärten sich
       nicht nur  rückblickend den  Sieg  des  Faschismus  "in  wirklich
       freier Wahl"  im März 1933 aus der "Unvernunft der breiten Masse"
       bzw. der  "Gedankenlosigkeit der  breiten Massen  überhaupt", die
       zudem "dank  einer überspannten  Demokratie" noch durch das Wahl-
       recht für  jugendlich ungestüme  und verantwortungslose Wähler ab
       20 Jahren  verstärkt worden  wäre. 71) Auch ihr dem Neuaufbau der
       Gewerkschaften zugrunde  liegendes  Organisationsverständnis  be-
       schränkte Demokratie  im wesentlichen  auf die  durch Wahlen  er-
       folgte Legitimation  integrer Funktionäre, deren Arbeit nicht zu-
       letzt gegen  die elementare Unvernunft der Basis gesichert werden
       mußte. Daß  bei den  spontanen antifaschistischen  Aktionen,  die
       teilweise den Namen der SFG benutzten, einzelne Übergriffe vorka-
       men, die  auch in den Reihen der Gewerkschaftsmehrheit mit kommu-
       nistischen Initiatoren  in Verbindung gebracht wurden, 72) konnte
       die alten  Gewerkschaftsfunktionäre nur  bestärken.  Sie  wandten
       sich vehement  gegen jede  Form politischer Betätigung. Von einer
       Gewerkschaftsversammlung wurde berichtet: "Kummemuß warnte davor,
       neue Parolen  herauszugeben oder  zu unterstützen  wie etwa  eine
       'Antifa' zu gründen. Es müßten jedem die Füße unter dem Leib weg-
       geschlagen werden, der es wagen sollte eine solche Politik in die
       S.F.G. hineinzutragen." 73)
       Der Militärregierung  mußten die  von der SFG offenbar nicht kon-
       trollierbaren spontanen Aktivitäten im doppelten Sinn zuwiderlau-
       fen. Einmal  verstießen sie  gegen ihr  Konzept des mit Hilfe be-
       währter Fachkräfte  von oben gesteuerten Übergangsprozesses. Wei-
       ter nährten sie ihren Verdacht auf kommunistische Konspiration.
       Er wurde  anscheinend auch  durch die  Ereignisse im Zusammenhang
       mit der Rückkehr hamburgischer Häftlinge aus Buchenwald gestärkt.
       Sie war  gemeinsam von der SFG, Vertretern der ehemaligen politi-
       schen Gefangenen  und der  Sozialbehörde organisiert worden. Noch
       ehe am  26. Mai  die Busse  mit den  Häftlingen eintrafen, hatten
       sich zahlreiche  Menschen zu  ihrer Begrüßung versammelt. Während
       des Wartens  diskutierte man  darüber, daß  immer noch politische
       Gefangene aus  der Zeit vor dem Einmarsch der Engländer im Unter-
       suchungsgefängnis saßen.  Es kam zu einer spontanen Demonstration
       dorthin, wobei  gefordert wurde:  "Heraus mit den politischen Ge-
       fangenen! Die  Nazis müssen  rein!" Die Demonstranten wurden dar-
       aufhin von  englischen Soldaten  auseinandergetrieben. Gegen Mit-
       tag, als  die Buchenwalder  auf  dem  Karl-Muck-Platz  eintrafen,
       hatte sich die Menge wieder versammelt.
       Inzwischen waren  dort englische Panzer aufgefahren. Zu Zwischen-
       fällen kam es nicht mehr. 74)
       Die Militärregierung machte die SFG für den gesamten Vorgang ver-
       antwortlich, obwohl sie keine Demonstration organisiert hatte und
       obgleich es  auch schon  vorher zu  Auseinandersetzungen  um  die
       Häftlinge im  Untersuchungsgefängnis gekommen  war. Nach Verhand-
       lungen zu ihrer Freilassung, die überlebende Mitglieder der Bäst-
       lein-Jacob-Abshagen-Gruppe im  Rathaus geführt hatten, soll einer
       der englischen  Offiziere geäußert  haben: "That's our next Oppo-
       nent!" 75)
       Zwar konnte  schließlich Ende Mai die Freilassung der politischen
       Gefangenen erwirkt werden. Deren Vertreter führten aber auch noch
       danach beredte  Klage bei  der britischen  Militärverwaltung. Sie
       beschwerten sich  über das  ihnen entgegengebrachte Mißtrauen wie
       darüber, nicht zur Mitarbeit am Neuaufbau herangezogen zu werden.
       Es galt ihnen als erniedrigend, daß in den Behörden ehemalige Na-
       tionalsozialisten für  sie zuständig  waren. Sie beklagten, nicht
       öffentlich über  ihre Leiden  berichten zu dürfen, während aller-
       orts noch  Enbleme des  Faschismus zu  sehen wären. Ihrer Meinung
       nach war  zu befürchten, daß die verstreichende Zeit von den frü-
       heren Parteigängern des Faschismus genutzt würde, um sich zu tar-
       nen. Einen  Durchschlag ihres  ausführlichen Beschwerdebriefes an
       die Militärregierung  sandten sie auch der SFG zu, die im Entwurf
       eines Schreibens  an die  Militärbehörden die  von den ehemaligen
       politischen Gefangenen  vorgebrachten Beanstandungen und Befürch-
       tungen unterstrich  und u. a. forderte: "Ausmerzung aller Organi-
       sationen und  Hilfsorganisationen von offenen und getarnten Nazis
       unter Mitwirkung  der politischen  Gefangenen und  der  gewählten
       Vertreter der  Arbeiterschaft... Berücksichtigung der Kämpfer ge-
       gen den  Hitlerismus bei der Einstellung von Polizei, bei den Be-
       hörden (Sozialverwaltung,  Arbeits-, Wohnungs- und Wirtschaftsäm-
       tern, Erziehungsanstalten  usw.) und  in den  Betrieben,  um  die
       Schaffung eines  Kaders von  bewussten, aufrechten Antifaschisten
       in der deutschen Verwaltung zu ermöglichen." 76)
       Ebenso wie  Unruhen während  der Rückkehr der Buchenwaldhäftlinge
       und Beschwerden und Forderungen der ehemaligen politischen Gefan-
       genen, warfen  die Engländer lokale betriebliche Aktionen wie Ak-
       tivitäten der  wilden Zweigstellen  und die Forderungen nach Mit-
       wirkung am  Verwaltungsaufbau der  SFG als  unerlaubte politische
       Betätigung vor.  Gleichzeitig galten  ihnen alle diese Ereignisse
       als Ausdruck  getarnter Operationen der Kommunisten. Entsprechend
       heißt es  in einem Bericht von Generalmajor Templer: "During week
       ending 15  Jun undermentioned events showed SFG was in fact cloak
       for Communist party (A) Threat of strike if certain employers al-
       leged to  be Nazis  not dismissed  (B) Demands to fill vacant em-
       ployers posts  with Communist part members of SFG (C) Demands for
       members of SFG to fill key posts in civil adm. and police (D) Pu-
       blic demonstrations  (In am 15. Juni endender Woche zeigten unten
       erwähnte Vorfälle, daß SFG tatsächlich Deckmantel für Kommunisti-
       sche Partei war (A) Drohung mit Streik, falls bestimmte Arbeitge-
       ber, die  angeblich Nazis sind, nicht abgesetzt werden (B) Forde-
       rungen, vakante Arbeitgeberposten mit Mitgliedern des kommunisti-
       schen Teils  der SFG  zu besetzen (C) Forderungen, daß Mitglieder
       der SFG  Schlüsselpositionen in  Zivilverw. und Polizei einnehmen
       (D) Öffentliche Demonstrationen)." 77)
       Bei genauer Betrachtung zeigt sich, daß diese Anschuldigungen zum
       einen Teil  erfunden und zum anderen Teil auf Aktivitäten der 8FG
       bezogen waren,  die durchaus  in den von der Militärregierung ge-
       setzten Grenzen  verliefen. Übrig bleibt mithin letztlich nur der
       Vorwurf, daß  kommunistische Funktionsträger  die Politik der SFG
       mitbestimmten und mittrugen.
       Tatsächlich trug die SFG ihre Forderungen nach Beteiligung an der
       Verwaltung weder  in der Sache unnachgiebig noch hinsichtlich der
       Personen unflexibel oder gar auf Vertreter einer bestimmten poli-
       tischen Richtung  abstellend vor.  Sie akzeptierte  Bürgermeister
       Petersens Entschluß  zur Ernennung  Schönfelders zum Zweiten Bür-
       germeister und  Landahls zum Schulsenator. Sie erklärte sich ein-
       verstanden mit der auf einer Entscheidung des Militärkommandanten
       beruhenden Berufung  Georges zum  Polizeichef. Sie  hatte  nichts
       einzuwenden gegen  die durch  Empfehlung Schönfelders  erfolgende
       Bestellung Borgners  zum Leiter  des Ernährungs-  und Wirtschaft-
       samtes. Ihr  Vorschlag, Bannwarth  zum Verantwortlichen  für  die
       Elektrizitätswerke zu  machen, deckte sich mit einem schon vorher
       gefaßten Beschluß des Bürgermeisters. 78)
       Auch in der Frage der Beteiligung der alten Gewerkschaftsfunktio-
       näre zeigte  sich die  SFG von  Anfang an integrationsbereit. Bei
       der Wahl des Vollzugsausschusses wurden sie zahlreich berücksich-
       tigt. Viele  von ihnen  waren unter  den für  die einzelnen Indu-
       striegruppen benannten  Obleuten. Der  Kritik der Besatzungsmacht
       an ihrer  fehlenden Repräsentanz im Vorstand wurde mit der Zuwahl
       von Franz Spliedt Rechnung getragen. Mit Paul Tastesen erweiterte
       man den  Vorstand dabei  gleichzeitig auch um einen Vertreter des
       Einheitskurses und betonte damit, was Schönfelder noch in den er-
       sten Tagen  der SFG  sich selbst  wie den  alten Funktionären ins
       Stammbuch geschrieben  hatte. Ihre  Mitarbeit wurde  befürwortet,
       ihr Anspruch  auf Einnahme  alter Führungspositionen zurückgewie-
       sen. 79)
       Was schließlich  die zahlreichen Aktivitäten in den Betrieben und
       offiziellen wie  wilden Nebenstellen  der SFG anbelangte, so ver-
       suchte sie,  darauf im Sinne der Militärregierung mäßigend einzu-
       wirken oder  erklärte solche  Initiativen für  außerhalb der  SFG
       stehend. Die betrieblichen Vertrauensleute erhielten immer wieder
       den Hinweis,  daß Versammlungen  ebenso wie politische Betätigung
       verboten wären.  Von den Arbeitersportlern trennte man sich ganz.
       Mit antifaschistischen  Aktionen erklärte  der Vorstand nichts zu
       tun zu haben, auch wenn Gewerkschaftsmitglieder in ihnen mitwirk-
       ten. Um die Handlungen wilder Nebenstellen zu unterbinden, erließ
       die SFG  zunächst Richtlinien  und beschloß,  daß sämtliche  Ent-
       scheidungen und  jeder Schriftverkehr nur vom Vorstand auszugehen
       hätten. Endlich löste sie sogar die offiziellen Nebenstellen auf.
       Außerdem wurden  zur Verbesserung  der Kontrolle die ursprünglich
       ausgegebenen Ausweise  für ungültig  erklärt und  durch neue  er-
       setzt. 80)
       Weil sie so dem Druck der Besatzungsmacht nachgab, konnte die SFG
       ihr Weiterbestehen  vorerst sichern.  Allerdings hatte  sie dafür
       nicht nur restriktive Organisationsprinzipien akzeptiert, die ihr
       vor allem eine intensive Breitenarbeit in den Betrieben unmöglich
       machten. Sie  hatte sich auch selbst von den verschiedenen Basis-
       aktivitäten distanziert. Im Ergebnis sah sie sich den von der Mi-
       litärregierung für  Unternehmervereinigungen  und  Gewerkschaften
       erlassenen Richtlinien  gegenüber: "Die  Errichtung  von  Gewerk-
       schaften wird  gestattet... Der  Wirkungskreis der Gewerkschaften
       muß zunächst  einmal begrenzt bleiben und gänzlich frei von Poli-
       tik und politischer Betätigung sein... In diesem Stadium sind Zu-
       sammenschlüsse von  Vereinigungen nicht  wünschenswert ... Unter-
       nehmervereinigungen auf industrieller Basis können gefördert wer-
       den. Solche  Vereinigungen müssen  wirtschaftlicher Art  und ohne
       politische Betätigung sein. Sie können auf Wunsch der Handelskam-
       mer angeschlossen werden." 81)
       Nach dem  anfänglichen Erfolg  der SFG, bei dem sich die Wahl des
       eine einheitliche  Organisation der Arbeiterbewegung anstrebenden
       Vorstands und  der schnelle  und starke Mitgliederzuwachs ergänz-
       ten, war der Anspruch der antifaschistischen Kräfte der Arbeiter-
       bewegung auf  Mitarbeit beim  Neuaufbau der  Gesellschaft in  die
       Grenzen bürgerlichen  Politikverständnisses verwiesen. Ihm gelten
       Kapitalist und  Lohnarbeiter als  gleichrangige Partner, die ihre
       Beziehungen auf  dem Markt aushandeln. Daß sich dabei tatsächlich
       das gesellschaftliche Arbeitsvermögen auf viele einzelne Arbeiter
       aufgeteilt und  die gesellschaftlichen  Arbeitsbedingungen in der
       Hand eines  einzelnen Kapitalisten  konzentriert gegenüberstehen,
       wird ebenso  von der  Form des individuellen Arbeitsvertrags ver-
       schleiert wie  von der bürgerlichen Rechtswissenschaft geleugnet.
       Indem sie der Organisation der Arbeiter berufliche und betriebli-
       che Schranken  setzte und  Zusammenschlüsse solcher Vereinigungen
       als nicht  wünschenswert bezeichnete,  verhinderte die Militärre-
       gierung, daß  in der SFG eine Kraft entstanden wäre, die den Neu-
       aufbau machtvoll in Richtung auf eine Neuordnung hätte beeinflus-
       sen können. Indem sie in scheinbarer Neutralität auch die Bildung
       von Unternehmervereinigungen  und deren  Anschluß an die Handels-
       kammer erlaubte,  ermöglichte sie dem Kapital die Herstellung op-
       timaler Ausgangsbedingungen  für einen  erfolgreichen Restaurati-
       onsprozeß.
       Konkret wurde dies noch dadurch unterstützt, daß die hamburgische
       Bourgeoisie viele  ihrer wirtschaftlichen Vereinigungen nicht neu
       zu bilden  brauchte. Wie die Gauwirtschaftskammer, die sich übri-
       gens am  selben Tag,  an dem  der SFG ihre offizielle Anerkennung
       verweigert worden  war, aus  Gründen der "Zweckmäßigkeit" in Han-
       delskammer rückbenannt  hatte, ohne  Einschnitt  fortbestand,  so
       konnte z.B. mit dem Verein Hamburger Exporteure auch eine der be-
       deutendsten Unternehmerorganisationen  ohne Unterbrechung weiter-
       arbeiten. Zwar war er in der Zeit des Faschismus, wie die anderen
       Verbände der  Wirtschaft auch, offiziell gleichgeschaltet und da-
       mit nominell  aufgelöst worden.  Reell bestand  er aber im Rahmen
       der Abteilung  Außenhandel der Reichsgruppe Handel als Geschäfts-
       stelle II  der Unterabteilung  Ausfuhr fort.  Nach der Niederlage
       des Faschismus  arbeitete diese Geschäftsstelle weiter und berei-
       tete ihre  Rückwandlung in  den Verein  Hamburger Exporteure vor.
       Daß dabei  kein Wechsel in der Geschäftsführung nötig wurde, ver-
       anschaulicht die  Kontinuität der  Tätigkeit des  Vereins auch im
       personellen Bereich.
       Die Personalunion bei der Besetzung seiner und wichtiger Funktio-
       nen der  Handelskammer verweist auf die Bedeutung des Vereins für
       das hamburgische Wirtschaftsleben. 82)
       Hatte die  nachgiebige Haltung  der SFG auch ihre weitere Duldung
       durch die  Militärregierung bewirkt, so verfing sie gegenüber den
       alten Gewerkschaftsfunktionären  freilich nicht.  Sie hatten  ihr
       Ziel nicht  erreicht und setzten ihre Fraktionsarbeit fort. Am 9.
       Juni fand  eine Sitzung des "Ketzerklubs" statt, an der 27 Perso-
       nen teilnahmen. 83) Der genaue Verlauf und die Ergebnisse der Be-
       sprechung sind  nicht bekannt,  können aber  mit den vorliegenden
       Informationen  rekonstruiert  werden.  Wahrscheinlich  berichtete
       zunächst Spliedt  über die Vorstandssitzung der SFG vom vergange-
       nen Tag, an der er teilgenommen und in deren Verlauf er bemängelt
       hatte, daß es erneut Beschwerden über politische Aktionen der Ne-
       benstellen gegeben  hätte. Der  Vorstand faßte  daraufhin den Be-
       schluß, sämtliche  Nebenstellen sofort zu schließen und bekundete
       weiter, jede  von der Militärregierung verbotene Handlung vermei-
       den zu wollen. Wäre es den alten Gewerkschaftsfunktionären allein
       um die politisch enthaltsame, streng die Auflagen der Besatzungs-
       macht beachtende Organisation gegangen, so hätten sie solchen Be-
       schluß als weitgehende Einlösung ihrer Forderungen ansehen müssen
       - zumal ja schon in vorhergehenden Sitzungen der Aufbau der Indu-
       striegruppen unter  starker  Berücksichtigung  ihrer  Beteiligung
       festgelegt worden  war. Wenn  sie aber gehofft haben sollten, daß
       das Politikverbot  genügen würde,  um die Einheitskräfte zur Auf-
       gabe zu bewegen und die SFG den alten Funktionären zu überlassen,
       so mußten  sie sich getäuscht sehen und zu einschneidenderen Maß-
       nahmen als ihrer bisherigen Intrigenstrategie greifen. Erfolgver-
       sprechend erschien  ihnen  dazu  anscheinend  ein  Vorgehen,  das
       gleichzeitig die  SFG endgültig diskreditieren und die Militärre-
       gierung veranlassen mußte, sie zugunsten des "Ketzerklubs" aufzu-
       lösen. Einerseits  wurde daher beschlossen, aus der SFG auszutre-
       ten und  so deren  Unfähigkeit zur  Integration zu demonstrieren.
       Andererseits wurde  der Militärregierung eine Liste mit den Namen
       von "fachlich  berufenen und  wahren Vertretern der Hamburger Ar-
       beiterschaft" 84) zugeleitet.
       Ironischerweise erfuhr  der Vorstand  der SFG  von diesem Treffen
       des "Ketzerklubs"  dadurch, daß es ihm von Captain Dwyer in einer
       Besprechung am 12. Juni als unerlaubte Gewerkschaftsveranstaltung
       vorgeworfen wurde.  85) Auf  die neue Situation reagierte er noch
       am selben  Tag mit  der Umbenennung der SFG, die nun "Allgemeiner
       Gewerkschaftsbund Hamburg" heißen sollte. Außerdem wurden die Be-
       schlüsse zur  Auflösung der Nebenstellen und Ungültigkeit der al-
       ten Mitgliedsausweise  bekräftigt. Ferner sollten jetzt innerhalb
       einer Woche  die Industriegruppen als Industrieverbände "aus sich
       heraus" gebildet  werden. Daß  sich unter den dafür Verantwortli-
       chen  keiner  der  alten  Gewerkschaftsfunktionäre  mehr  befand,
       spricht dafür, daß diese ihre Mitarbeit aufgekündigt hatten.
       Gleichwohl versuchte  die SFG,  die vom  "Ketzerklub"  vollzogene
       Spaltung rückgängig zu machen. Neben Gesprächen zwischen Schmede-
       mann und  Spliedt als Exponenten beider Gruppen wurden dabei auch
       die Kontakte  aus der  Zeit gemeinsamer illegaler Arbeit genutzt.
       In einem  hieran erinnernden  Brief an  Beben, an dessen Ende die
       Aufforderung zur  gemeinsamen Weiterarbeit  stand, hieß  es unter
       anderem: "Es  ist mir  völlig klar, daß Euer Austritt aus der Ge-
       werkschaft kein  Verzicht auf weitere gewerkschaftliche Tätigkeit
       sein kann.  Ihr habt damit vielmehr bewußt die Gefahr einer Spal-
       tung der kaum begonnenen gewerkschaftlichen Arbeit heraufbeschwo-
       ren... Nach 12 Jahren Mord und Unterdrückung haben wir als einzi-
       gen Aktivposten  den Keim einer Einheit der deutschen Arbeiterbe-
       wegung gewonnen...  Noch ist  das Unrecht  unserer  Klassenfeinde
       nicht wieder  gut gemacht,  noch leben  die Mörder unserer Toten,
       und wieder  haben sich die faschistischen bürgerlichen Kräfte nur
       verkrochen. Sollen  wir uns im Lager der Arbeiterklasse in dieser
       Situation gegenseitig  vernichten? Auf  nichts anderes aber läuft
       eine Spaltung hinaus." 86)
       Möglicherweise um die entstandene Erregung zu dämpfen und ihr Um-
       schlagen in  öffentliche Auseinandersetzungen  zu verhindern, be-
       teiligten die  ihres Erfolges  inzwischen gewissen  alten Gewerk-
       schaftsfunktionäre sich am 15. Juni an einer Vollzugsausschußsit-
       zung der  SFG. Die Ereignisse der letzten Tage wurden auf Mißver-
       ständnisse zurückgeführt,  und Spliedt  erklärte sich  bereit, am
       nächsten Tag  zusammen mit Schmedemann bei Dwyer den Einheitswil-
       len aller Gewerkschaftler zu erklären. In dieser Besprechung ver-
       langte Dwyer die Auflösung der SFG. An ihrer Stelle sollten unab-
       hängige Industrieverbände gebildet werden. Entsprechend wurde auf
       der anschließenden  Sitzung beider  Gruppierungen in  einer  Ent-
       schließung "Zur  Gründung freier Gewerkschaften in Hamburg" fest-
       gestellt: "Die  Sozialistische Freie  Gewerkschaft wird ... nicht
       fortgeführt, sondern in eine Reihe von selbständigen Gewerkschaf-
       ten umgewandelt."  87) Gleichzeitig  benannte man Verantwortliche
       für den  Aufbau der  neuen Verbände - "mit dem Ergebnis, dass der
       Einfluß der  jungen Gewerkschafter  fast  gänzlich  ausgeschaltet
       wurde". 88)
       Die Einheitskräfte  der SFG waren geschlagen. Um die offene Spal-
       tung der  Gewerkschaftsbewegung zu  verhindern, stimmten  sie der
       Auflösung der  SFG zu und setzten sich gegen ihre weitgehende Au-
       ßerachtlassung bei der Planung der neuen Organisationen nicht zur
       Wehr. Im  stillen verbanden sie damit die Hoffnung, "die Arbeiter
       würden bei  der ersten von der Militärregierung zugelassenen Wahl
       die alten  Männer abwählen  und die ursprüngliche Führung wieder-
       einsetzen".  89)   Doch  weder   die  Besatzungsmacht   noch  der
       "Ketzerklub" gaben  sich mit  diesem Sieg  zufrieden. Am 20. Juni
       zwang Dwyer  unter Androhung  ihrer Verhaftung die einheitsorien-
       tierten Mitglieder des Vorstands, ein Auflösungsprotokoll der SFG
       und darin  die von  ihm diktierte Formulierung zu unterschreiben,
       "dass alle  wahrhaften Gewerkschaftsführer der Meinung sind, dass
       die politische Betätigung der Sozialistischen Freien Gewerkschaft
       nicht den  wahren  Interessen  der  Gewerkschaftsmitglieder  ent-
       spricht". 90)  In den  folgenden Tagen begannen die alten Gewerk-
       schaftsfunktionäre mit  der Bildung  von Vorständen für die neuen
       Industrieverbände, ohne  dabei Vertreter  der Einheitspolitik  zu
       berücksichtigen. 91)  Als schließlich die Liste der künftigen Ge-
       werkschaftsvorsitzenden komplett  war, standen  auf ihr  nur noch
       Namen von Angehörigen des "Ketzerklubs". Das gleiche galt für den
       als Dachorganisation gebildeten Verwaltungsausschuß der hamburgi-
       schen Gewerkschaften unter dem Vorsitz von Franz Spliedt.
       Am selben  Tag, an  dem die  Militärregierung den Einheitskräften
       aus dem  Vorstand der  SFG die  Unterschriften zu deren Auflösung
       abgepreßt hatte, war für den Präses der Handelskammer Hamburg die
       Zeit gekommen,  zu der  er meinte, endgültig zurücktreten zu kön-
       nen. In seiner Abschlußrede blickte er ebenso beruhigt zurück wie
       zuversichtlich in die Zukunft: "Ich glaube auch, wir können stolz
       darauf sein,  daß die  Wirtschaft Hamburgs auch in den schwersten
       Zeiten immer  wieder ihren  Mann gestanden  hat. So, wie beim Um-
       bruch 1933  ein Mann  der Hamburger  Wirtschaft und  Mitglied der
       Handelskammer, Herr Krogmann, zum Bürgermeister ernannt wurde, so
       wurden wiederum  bei dem Zusammenbruch 1945 die wichtigsten Stel-
       len der  hamburgischen Verwaltung mit 2 Herren aus dem Beirat der
       Kammer besetzt:  Herr Petersen  wurde zum  Bürgermeister und Herr
       Kruse zum  Leiter der  Verwaltung für  Handel, Schiffahrt und Ge-
       werbe berufen.  Es zeigt dies, daß die Wirtschaft über ihren Rah-
       men hinaus  in Hamburg  von ausschlaggebender  Bedeutung ist  und
       bleiben wird." 92)
       
       _____
       *) Mit der Sozialistischen Freien Gewerkschaft (SFG) beschäftigen
       sich ausführlich  H. Christier: Sozialdemokratie und Kommunismus.
       Die Politik der SPD und der KPD in Hamburg 1945-49. Hamburg 1975,
       S. 59-78;  H. Christier: Die Sozialistische Freie Gewerkschaft in
       Hamburg. In:  Arbeiterinitiative 1945. Hrsg. v. L. Niethammer, U.
       Borsdorf, P.  Brandt. Wuppertal  1976, S. 305-329; J. Klein: Ver-
       eint sind  sie alles? Untersuchungen zur Entstehung von Einheits-
       gewerkschaften in  Deutschland.  Hamburg  1972,  S.  192-199;  J.
       Klein: Die  Entstehung einer  neuen Gewerkschaftsbewegung in Ham-
       burg nach  dem Nationalsozialismus  (1945/46). Hamburg  1982 (Als
       Ms. vorgelegt  bei der  Tagung Arbeiter  in Hamburg des Hamburger
       Arbeitskreises für  Regionalgeschichte. Der  Aufsatz wurde in die
       Publikation der Tagungsbeiträge nicht aufgenommen - vgl. Arbeiter
       in Hamburg.  Hrsg. v.  A. Herzig,  D. Langewiesche,  A. Sywottek.
       Hamburg 1983); A. Kaden/Einheit oder Freiheit. Die Wiedergründung
       der SPD  1945/46. Berlin, Bonn 1980 (Nachdruck der Ausgabe Hanno-
       ver 1964), S. 51-58.
       Archivbestände zur  oder mit  Bezug  zur  SFG  befinden  sich  im
       Staatsarchiv Hamburg  (StAH), im  Archiv der Forschungsstelle für
       die Geschichte  des Nationalsozialismus in Hamburg (Fst.), im Ar-
       chiv der  Ernst Thälmann Gedenkstätte Hamburg (ETG) und im Public
       Record Office  in London  (PRO). Umfangreiche  Unterlagen sind im
       Privatbesitz von Hellmut Kalbitzer (Material Kalbitzer).
       Aus Kreisen  der SFG  ist nach  deren Auflösung ein "Bericht über
       die Entwicklung  der Sozialistischen  Freien Gewerkschaft in Ham-
       burg" angefertigt  worden. Er existiert in zwei zum Teil deutlich
       unterschiedlichen Fassungen, die nach den Exemplaren in Fst. 554-
       8-7 (Gewerkschaften Hamburg SFG) als Bericht Fst. und in ETG Ord-
       ner SFG  als Bericht  ETG zitiert werden. Der Bericht Fst. umfaßt
       mit Anlagen  20 durchgezählte  Seiten. Er ist hektographiert. Ein
       24 Blätter  umfassender  maschinenschriftlicher  Durchschlag  der
       Vorlage dieses  Berichts mit  handschriftlichem Datum (26. 7. 45)
       befindet sich im Material Kalbitzer. Es enthält außerdem drei ma-
       schinenschriftliche Entwürfe:  einen "Bericht über das Werden der
       S.F.G." (3  Blätter) mit  Stempel "Lorenz Borchers" (Entwurf Bor-
       chers), einen  "Bericht über die Entwicklung der S.F.G." (2 Blät-
       ter) mit  der Unterschrift  von W.  Schmedemann (Entwurf Schmede-
       mann), eine  nicht betitelte  Fassung (5  Blätter) mit  dem hand-
       schriftlichen Vermerk  "Entwurf von  Kalbitzer" (Entwurf  Kalbit-
       zer). Der  Bericht ETG umfaßt 7 Seiten und zusätzlich 2 + 4 + 2 +
       3 Seiten Anlagen. Er liegt als Kopie einer maschinenschriftlichen
       Fassung vor.
       1) Vgl. Hamburger Freie Presse vom 30.4.1947.
       2) Vgl. Wirtschaftsplan  Hamburg 1940.  Bearbeitet bei  der Indu-
       strie- und  Handelskammer. 2  Bde. Hamburg  o. J.; E.-A. Gramann:
       Von der  Kriegs- zur  Friedenswirtschaft. In:  G. Schröder  u.a.:
       Rückkehr zum Markt. Hamburg 1982, S. 73 ff.
       3) Vgl. U.  Puls (d.i. U. Hochmuth): Die Bästlein-Jacob-Abshagen-
       Gruppe. Bericht  über den  Widerstand während  des zweiten  Welt-
       krieges in Hamburg. Berlin 1959.
       4) Vgl. V.R.  Berghahn: Hamburg  im Frühjahr  1945.  Stimmungsbe-
       richte aus  den letzten  Wochen des Zweiten Weltkrieges. In: Ham-
       burgische Geschichts- und Heimatblätter, 1969, 9, S. 194-211.
       5) E. Helfferich  an K.  Kaufmann vom 13. 4. 1945. In: E. Helffe-
       rich: Ein Leben. Bd. IV. Jever 1964, S. 285.
       6) Zum Keppler-Kreis vgl. u.a. E. Czichon: Wer verhalf Hitler zur
       Macht? Zum  Anteil der  deutschen Industrie an der Zerstörung der
       Weimarer Republik.  Köln 1967;  D. Stegmann: Kapitalismus und Fa-
       schismus in Deutschland 1929-1943. In: Gesellschaft. Beiträge zur
       Marxschen Theorie  6. Frankfurt  1976, S. 19-91; Helfferich, S. 9
       ff. Zum  Schreiben an Hindenburg siehe Eingabe von Industriellen,
       Bankiers und  Großagrariern an Reichspräsident von Hindenburg vom
       18.11.1932. In:  R. Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und
       Dokumenten. Köln  1977, S.  160 ff.;  J. Petzold: Großbürgerliche
       Initiativen für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler. In: Zeit-
       schrift für Geschichtswissenschaft, l, 1983, S. 38-54.
       Helfferich wurde  1946 für mehrere Monate interniert und schließ-
       lich 1949 in Kategorie V der Entnazifizierung als unbelastet ein-
       gestuft (vgl. Helfferich, S. 290 ff.).
       7) H. Riensberg:  Pro Memoria  betr. Vorschläge  für militärische
       Aktionen der Westalliierten im Frühjahr 1945 (vom 10.4.1945). In:
       K.D. Möller: Das letzte Kapitel. Geschichte der Kapitulation Ham-
       burgs. Hamburg 1947, S. 172.
       8) Zum Nationalklub vgl. Mitglieder-Verzeichnis des Nationalklubs
       von 1919 e.V. Hamburg (Stand Februar 1933); W. Jochmann: Im Kampf
       um die  Macht. Hitlers  Rede vor  dem Hamburger  Nationalklub von
       1919. Frankfurt 1960; K. Gossweiler: Hitler und das Kapital 1925-
       1928. In:  Blätter für  deutsche und  internationale Politik,  7,
       1978, S.  842-860 und 8, 1978, S. 993-1009. Zur Nachkriegsplanung
       siehe u.a.  W. Schumann: Politische Aspekte der Nachkriegsplanung
       des faschistischen  deutschen Imperialismus  in der  Endphase des
       zweiten Weltkrieges.  In: Zeitschrift  für Geschichtswissenschaft
       5, 1979,  S. 395-408  und W.  Schumann: Die wirtschaftspolitische
       Überlebensstrategie des  deutschen Imperialismus  in der Endphase
       des zweiten  Weltkrieges. In:  Zeitschrift für  Geschichtswissen-
       schaft, 6, 1979, S. 499-513. Riensberg wurde nach seiner Rückkehr
       nach Deutschland  kurzfristig interniert.  Ab 1946 war er Vorsit-
       zender des  Verbandes Deutscher  Reeder (vgl.  StAH  V e r b i n-
       d u n g s s t e l l e   zur Militärregierung III 1c - R. Petersen
       an Headquarter  Military Government Hamburg vom 24.1.1946 und FAZ
       vom 25.7.1984).
       9) Vgl. U.  Büttner: Hamburg  in der Staats- und Wirtschaftskrise
       1928-31. Hamburg 1982, S. 58.
       10) Vgl. C.  V. Krogmann:  Es ging  um Deutschlands Zukunft 1932-
       1939. Leoni 1976, S. 42; W.
       Keppler  an  C.V.  Krogmann  vom  2.3.1933  (StAH  Familienarchiv
       Krogmann C  14 I  1933); H. Timpke: Dokumente zur Gleichschaltung
       des Landes Hamburg 1933. Frankfurt 1967, S. 79.
       11) Vgl. Anlage  zum Schreiben  W.A. Burchard-Motz  an J. Holland
       vom 22.6.1960  (StAH Familienarchiv  Burchard B  1); W. Jochmann:
       Die Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft in Hamburg.
       In: U.  Büttner, W.  Jochmann: Hamburg  auf dem  Weg  ins  Dritte
       Reich. Hamburg 1983, S. 63.
       12) Aufzeichnungen des  Bürgermeisters  a.  D.W.A.  Burchard-Motz
       über seine  Teilnahme an  den Kapitulationsverhandlungen für Ham-
       burg. In: Möller, S. 128 f. u. S. 166 ff., hier S. 129; zu weite-
       ren Teilnehmern an den Übergabeverhandlungen siehe a.a.O.
       Burchard-Motz gehörte 1945 zu den Mitbegründern der hamburgischen
       CDU. Seiner  Mitgliedschaft in der NSDAP wegen übernahm er jedoch
       keine führenden  Ämter (vgl.  H.G. Wieck:  Die Entstehung der CDU
       und die  Wiedergründung des  Zentrums im  Jahre 1945.  Düsseldorf
       1953, S. 170, 184, 195).
       13) Vgl. U.  Hochmuth, G.  Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger
       Widerstand 1933-1945.  Frankfurt 1980, S. 386 und W. Johe: Neuen-
       gamme. Zur Geschichte der Konzentrationslager in Hamburg. Hamburg
       1981, S. 36.
       14) Vgl. R.  Goguel: "Cap  Arcona". Report über den Untergang der
       Häftlingsflotte in  der Lübecker  Bucht am 3. Mai 1945. Frankfurt
       1972.
       15) Vgl. Bericht  Fst, S. 1; Bericht ETG, S. 1. Im folgenden wer-
       den nur  Namen von Mitgliedern der SFG erwähnt, die später zu de-
       ren erweitertem Vorstand und Vollzugsausschuß gehörten - vgl. die
       Namensliste im Schreiben Sozialistische Freie Gewerkschaft an Mi-
       litary Government  Hamburg vom  25. 5. 1945 (ETG Ordner SFG). Die
       Anzahl derer, die aus Widerstand und illegaler Arbeit zum mit der
       SFG verbundenen  politischen Neuaufbau übergingen, war wesentlich
       größer.
       16) Vgl. F.  Spliedt: Der Neuaufbau der Hamburger Gewerkschaften.
       In: Neues  Hamburg, l,  1947, S. 71; F. Spliedt: Die Gewerkschaf-
       ten. Entwicklung und Erfolge. Hamburg o.J., S. 83; Zum Aufbau der
       Deutschen Gewerkschaft  nach Aussagen  W. Leuschners  vor der Ge-
       stapo. In:  G. Ritter:  Carl Goerdeler  und die  deutsche  Wider-
       standsbewegung. München  1964, S. 547. Franz Spliedt, geb. 18. 1.
       1877. Tapezierer.  1912 Vorsitzender des Tapeziererverbands, 1921
       im Vorstand  des ADGB.  1931 Reichstagsabgeordneter der SPD. 1945
       im Vorstand  der SFG  ("Ketzerklub"), nach  deren Auflösung  Vor-
       standsvorsitzender des  Verwaltungsausschusses der Gewerkschaften
       Hamburgs.
       Hugo Schotte,  geb. 30.10.1875.  Schlosser. 1919  Funktionär  des
       Zentralverbandes der  Maschinisten und  Heizer. 1924-1933 Bürger-
       schaftsabgeordneter der  SPD, 1933  Gewerkschaftsfraktion und Ho-
       spitationsverhältnis zur  NSDAP. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG
       ("Ketzerklub").
       Adolph Schönfelder,  geb. 5.4.1875. Zimmerer. 1905 Gewerkschafts-
       sekretär, später  Vorsitzender des  Zentralverbands der Zimmerer.
       Ab 1915 Bürgerschaftsabgeordneter der SPD, 1925 Bausenator, 1926-
       1933 Polizeisenator. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG, im Juni 2.
       Bürgermeister Hamburgs.
       17) Vgl. Mitteilung  Kalbitzer (die  Mitteilungen  H.  Kalbitzers
       stammen aus  drei Gesprächen  vom 17.  1. 1983,  16. 8.  1984 und
       20.8.1984. Am  ersten war  auch Jacques Breuer beteiligt. Ihm und
       Eva Schmidt  habe ich neben anderen für anregende Diskussionen zu
       danken); W.  Link: Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bun-
       des (IJB)  und des  Internationalen Sozialistischen  Kampf-Bundes
       (ISK). Meisenheim  am Glan  1964, S. 314; W. Röder: Die deutschen
       sozialistischen Exilgruppen in Großbritannien 1940-1945. Bonn-Bad
       Godesberg 1973, S. 230 ff.; C. Bär: Von Göttingen über Osleb nach
       Godesberg. Hamburg 1979, S. 134. Mit Schönfelder setzte sich Kal-
       bitzer im  März 1945 in Verbindung - vgl. H. Kalbitzer in Ein Le-
       ben für  Hamburg (Erinnerungen  an  Schönfelder),  Abendecho  vom
       5.5.1966.
       Hellmut Kalbitzer,  geb. 17.11.1913. Kaufmann. Aktiv im ISK. 1938
       wegen Vorbereitung  zum Hochverrat  zu 2  Jahren Gefängnis verur-
       teilt. 1945  im Vorstand  der SFG.  Paul Bebert,  geb. 3.10.1893.
       Bauarbeiter. Seit 1911 Mitglied der SPD, seit 1924 Gewerkschafts-
       angestellter. Während  des Faschismus mehrmals verhaftet und ver-
       urteilt. 1945  im Vollzugsausschuß  der SFG  ("Ketzerklub"), nach
       deren Auflösung  Leiter des Baugewerksbundes. Walter Schmedemann,
       geb. 3.2.1901.  1933 Bürgerschaftsabgeordneter  der  SPD.  Danach
       fünfjährige Haft, u. a. in Fuhlsbüttel und Sachsenhausen. 1945 im
       Vorstand der SFG.
       18) Vgl. Hochmuth, Meyer, S. 351; Spliedt, Neuaufbau, S. 70; Ham-
       burg Intelligence Office. Special Political Report No. 3 (PRO, FO
       1014/508), S. 1.
       Gottlieb Weide.  KPD. Zu  Beginn des Faschismus Haft in Fuhlsbüt-
       tel. Betriebszellenarbeit  in der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe.
       1945 im  Vollzugsausschuß der SFG. Hans Schnoor. SPD. Vor 1933 in
       Hamburg führend  im Metallarbeiterverband  tätig. Während des Fa-
       schismus Kontakt  zu Weide  u.a. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG
       ("Ketzerklub"). Wilhelm  Petersen, geb. 3.7.1889. Werkzeugmacher.
       Nach dem  1. Weltkrieg Gewerkschaftsangestellter, dann Leiter des
       Metallarbeiterverbands. 1933  Bürgerschaftsabgeordneter der  SPD,
       danach  Gewerkschaftsfraktion   und  Hospitationsverhältnis   zur
       NSDAP. 1945  im Vollzugsausschuß der SFG ("Ketzerklub"), nach de-
       ren Auflösung  Leiter des  Metallarbeiterverbands. Hans  Ek, geb.
       22.9.1899. KPD.  Mitglied  des  Metallarbeiterverbands.  1945  im
       Vollzugsausschuß der SFG.
       19) Mitteilung Dethlefs (die Mitteilungen F. Dethlefs stammen aus
       drei Gesprächen  vom 10.  1. 1983,  27. 1. 1983 und 10.8.1984. An
       den beiden  ersten war auch J. Breuer beteiligt); gegen Weide und
       Westphal wurde  im Zusammenhang  des Verfahrens Bästlein u.a. er-
       mittelt -  vgl. Schreiben des Generalstaatsanwalts beim Hanseati-
       schen Oberlandesgericht  an den  Oberstaatsanwalt  beim  Volksge-
       richtshof vom  12. 4.  1943 (Fst.  812-7 KPD  1933-1945 Bästlein-
       Gruppe).
       Friedrich Dethlefs, geb. 25. 11. 1909. Kaufmann. Mitglied im Zen-
       tralverband der  Angestellten. KPD.  1931 im Zusammenhang mit der
       Westermann-Gruppe ausgeschlossen,  nach 1935 nach Verbüßung einer
       Haftstrafe wieder Parteimitglied. 1945 im Vorstand der SFG. (1949
       erneut aus  der KPD  ausgeschlossen, seit  Anfang der  50er Jahre
       Mitglied der  SPD). Johann  Westphal,  geb.  21.9.1886.  Schmied.
       Werftarbeiter. 1924-1933  Bürgerschaftsabgeordneter der KPD. 1945
       im Vollzugsausschuß der SFG.
       Lorenz Borchers,  geb. 3.  5. 1897. Ingenieur. Vor 1933 Stadtver-
       ordneter der SPD. 1945 im Vorstand der SFG.
       20) Beide Motive finden sich verzahnt in Aussagen des von Mai bis
       Oktober 1945  als Stellvertreter  des Kommandanten  der hamburgi-
       schen Militärregierung  fungierenden Colonel R. Allhusen (vgl. H.
       A. Balshaw:  The British  Occupation in  Germany, 1945-1949. With
       Special Reference  to Hamburg. (Masch. Diss.) Oxford 1972, S. 41.
       Zur Ausgangssperre siehe: ... mehr als ein Haufen Steine. Hamburg
       1945-1949. Hrsg.  v. K.  Grobecker, H.-D. Loose, E. Verg. Hamburg
       1981, S. 12. Zur Verhaftung Kaufmanns siehe Möller, S. 152.
       21) Vgl. u.  a. die  einschlägigen Passagen  in W. Churchill: The
       Second World  War. 6  Bde. London 1948-1954, v. a. Bd. V (Closing
       the Ring.  London 1952)  und Bd. VI. (Triumph and Tragedy. London
       1954).
       22) Bekannt ist  die Tagebuchnotiz  Alanbrookes vom  27. 7. 1944:
       "Deutschland ist  nicht länger die Vormacht Europas - Rußland ist
       es... Erhaltet  deshalb Deutschland,  baut es  allmählich auf und
       bringt es  in einen  europäischen Verband. Unglücklicherweise muß
       das alles  unter dem  Mantel einer Heiligen Allianz zwischen Eng-
       land, Rußland  und Amerika  geschehen" (A. Bryant: Sieg im Westen
       (1943-1946). Aus  den Kriegstagebüchern  des Feldmarschalls  Lord
       Alanbrooke, Chef  des Empire-Generalstabs.  Düsseldorf  1960,  S.
       242). Beim  militärischen Oberbefehlshaber  der britischen Besat-
       zungszone verband  sich der Antikommunismus unmittelbar mit einer
       antigewerkschaftlichen Attitüde:  "In einigen Gegenden der engli-
       schen Zone  gab es  deutliche Anzeichen für die Wühlarbeit russi-
       scher Kommunisten... Die Russen unterstützten die Gewerkschaften.
       Ich beschloß,  das nicht zu tun, ich war zwar sehr dafür, daß sie
       langsam den  Verhältnissen entsprechend wachsen sollten, aber da-
       gegen, daß  sie 'forciert'  wurden. Dadurch  hoffte ich zu errei-
       chen, daß  im Laufe der Zeit aus ihren eigenen Reihen die richti-
       gen Leute  an die Spitze kamen. Gingen wir jedoch zu schnell vor,
       so bestand  die Gefahr,  daß die  Gewerkschaften in falsche Hände
       gerieten und daraus Schwierigkeiten entstanden" (Marshall Montgo-
       mery: Memoiren.  München 1958, S. 427 f.). Für den Leiter der Zi-
       vilabteilung der  Militärregierung, Generalmajor Templer, bestand
       im Mai  1945 die  Hauptgefahr darin, daß die deutsche Bevölkerung
       "might in  their despair  be driven to accept communism. And that
       in turn  would automatically mean the extension of Russian influ-
       ence over  the industrial  heart of Western Europe (in ihrer Ver-
       zweiflung dazu getrieben werden könnte, den Kommunismus zu akzep-
       tieren. Und  das wieder würde dann automatisch die Ausdehnung des
       russischen Einflusses  auf das  industrielle Herz Westeuropas be-
       deuten)" (Baishaw, S. 31, auf Grundlage eines Interviews mit Tem-
       pler). Der stellvertretende Militärkommandant Hamburgs, R. Allhu-
       sen, war  übrigens zuvor  Adjutant Templers gewesen (vgl. a.a.O.,
       S. 39 f.).
       23) Britische Deutschlandpolitik  wurde in  der Vorbereitung  auf
       die Besetzung  sowohl vom Fo-reign Office als auch vom War Office
       bestimmt (zur Struktur vgl. als Überblick U. Reusch: Die Londoner
       Institutionen der  britischen Deutschlandpolitik  1945-1948.  In:
       Historisches Jahrbuch,  1980, S.  318^41. J. Thies: What is going
       on  in   Germany?  Britische   Militärverwaltung  in  Deutschland
       1945/46. In:  C. Scharf, H.-J. Schröder (Hrsg.): Die Deutschland-
       politik Großbritanniens und die Britische Zone 1945-1949. Wiesba-
       den 1979,  S. 29-50,  zeigt die  verschiedenen politischen Linien
       innerhalb der britischen Deutschlandpolitik auf).
       24) Vgl. Baishaw,  S. 38  ff. Die  britischen Offiziere werden im
       folgenden mit  der Rangbezeichnung  genannt, die sie zum Untersu-
       chungszeitpunkt hatten.
       25) Vgl. Spliedt, Neuaufbau, S. 72. Über Anzahl, Ort und Zeit der
       Teilnehmer bei  den verschiedenen Treffen und Aktionen vor dem 7.
       Mai besteht keine Klarheit - vgl. Christier, S. 60, 284; Arbeite-
       rinitiative, S. 306; Kaden, S. 53 f.; Klein, S. 3.
       26) Vgl. Hamburg  Intelligence Office;  W. Petersen an H. Böckler
       vom 4.12.1945 (Abschrift für Spliedt) (Fst. 554-8-7). Vgl. weiter
       zur ursprünglichen  Zusammensetzung der  bei der Militärregierung
       vorstellig gewordenen  Gruppen Hamburg Intelligence Office, S. 1;
       zur späteren Entwicklung siehe a. a. O., S. lf.; Bericht Fst., S.
       15; Bericht ETG, Anlage 5.
       27) Richtlinien zur Ausarbeitung unseres Programms (8. Mai 1945).
       In: Bericht  Fst, S.  7 f.;  Bericht ETG, Anlage 1; gekürzt abge-
       druckt in  F. Deppe,  L. Müller,  K. Pickshaus,  J. Schleifstein:
       Einheitsgewerkschaft. Frankfurt 1982, S. 137.
       28) Bericht Fst., S. 2. Dieser Passus fehlt im Bericht ETG.
       29) Vgl. Bericht  Fst., S. 1: "Es zeigte sich anfangs die Schwie-
       rigkeit, die verschiedenen schon früher bestehenden Gruppen orga-
       nisatorisch zusammenzufassen."  In einer offenbar als Entwurf für
       die "Richtlinien  zur Ausarbeitung  unseres Programms"  dienenden
       "Mitteilung unserer  politischen und gewerkschaftlichen Situation
       vor 1933"  (8. Mai  1945) (ETG Ordner SFG) heißt es: "Die Schwie-
       rigkeit besteht  darin, daß  sich die  während der Naziherrschaft
       illegal  Arbeitenden   jetzt   erst   zusammenfinden."   In   den
       "Richtlinien" wird  diese Formulierung  positiv gewendet: "Unsere
       augenblickliche Arbeit  besteht darin,  die sozialistische  freie
       Gewerkschaft aufzubauen,  indem wir die aus der Illegalität stam-
       menden Gruppen  zusammenführen" (Bericht Fst., S. 7; Bericht ETG,
       Anlage 1).  Im Unterschied  zum Bericht  Fst. erwähnt der Bericht
       ETG keine  anfänglichen Schwierigkeiten,  sondern formuliert  die
       wiederum im  Bericht Fst. nicht enthaltene Forderung: "In den er-
       sten gemeinsamen Besprechungen wurde festgehalten, daß es notwen-
       dig sei,  eine einheitliche  Gewerkschaftsbewegung  zu  schaffen,
       weil das eines der Mittel ist, die vor 1933 bestehende Zerrissen-
       heit der  Arbeiterklassen zu  beseitigen und  den Kampf gegen den
       Nationalsozialismus für  den Wiederaufbau  Hamburgs  und  darüber
       hinaus Deutschlands  erfolgreich durchzuführen"  (Bericht ETG, S.
       1).
       30) Später äußerte  Tastesen dazu: "Bei der Gründung der SFG habe
       es unter  den Initiatoren eine Diskussion um die Namensgebung ge-
       geben. Er habe als einziger gegen die Bezeichnung 'Sozialistische
       Freie Gewerkschaft' gesprochen und gestimmt. Die politische Trag-
       weite der Namensgebung in der damaligen Situation sei den anderen
       offenbar nicht  klar gewesen.  Ihm, Tastesen, habe jedoch von An-
       fang an das Ziel einer Einheitsgewerkschaft auf der Basis von In-
       dustriegruppen, die  alle früheren  Richtungsgewerkschaften, auch
       die nichtsozialistischen,  einschließen sollte, vor Augen gestan-
       den"  (Aufzeichnung  eines  Gesprächs  von  A.  Weinrich  mit  P.
       Tastesen vom 1. 3. 1971, ETG; vgl. auch Christier, S. 284).
       31) Vgl. Bericht Fst, S. 1; Spliedt, Neuaufbau, S. 73.
       32) Vgl. K.  Marx: Instruktionen für die Delegierten des Proviso-
       rischen Zentralrats  zu den  einzelnen Fragen. In: MEW Bd. 16, S.
       196.
       33) Vgl. Bericht  Fst, S.  3, Bericht ETG, S. 3. Bei Spliedt, Ge-
       werkschaften, S.  90, heißt es, Dwyer hätte anläßlich dieser oder
       einer ähnlichen  Gelegenheit das Gewerkschaftshaus räumen lassen.
       Die Berichte  (a.a.O.) halten  übereinstimmend fest:  "Die  Folge
       war, dass das Gewerkschaftshaus tagelang von der Straße her bela-
       gert wurde von Kollegen, die Auskünfte haben und Mitteilungen ma-
       chen wollten und Diskussionen veranstalteten."
       34) Bericht Fst., S. 1. Der Bericht ETG, S. 2, weicht in der For-
       mulierung leicht  ab. Im Entwurf Kalbitzer, S. l, heißt es zudem,
       daß Schönfelder  auch "den alten Angestellten gegenüber mit Nach-
       druck betonte,  dass sie  jetzt abzutreten  hätten und den Jungen
       höchstens Unterstützung geben könnten".
       35) Vgl. F.-W. Witt: Die Hamburger Sozialdemokratie in der Weima-
       rer Republik.  Hannover 1971, S. 51 u. 167; siehe auch Polizeibe-
       hörde Hamburg  an den  Reichsminister des Innern (Entwurf) vom 2.
       3. 1933, abgedruckt bei A. Voß, U. Büttner, H. Weber: Vom Hambur-
       ger Aufstand  zur politischen  Isolierung. Hamburg  1983, S. 180.
       Daß Schönfelder  wegen dieser  Politik belastet  war, behaupteten
       nicht nur  zahlreiche kommunistische  Äußerungen vor  1933.  Auch
       1945 heißt  es z. B. in einem Brief Walter Auerbachs: "Social De-
       mocratic police  presidents were a speciality of the Weimar Repu-
       blic and  whether they  were efficient demociats or not they came
       to be  hated as  little Noskes  among radical  workers' groups as
       soon as  they had  to suppress riots, or even to protect Nazi de-
       monstrations. Schoenfeider  shared this  sort of  popularity with
       the other Social Democratic police presidents among those radical
       worker groups  who were active in clandestine groups and will now
       be most  active in  partly evacuated  Hamburg. As I told you last
       week it  is to  be assumed that these workers will regard Schoen-
       felder as  a symbol  of oppression  and his  new appointment as a
       provocation. That will hold good especially if the Communist came
       into key  position in  Hamburg (Sozialdemokratische Polizeipräsi-
       denten waren  eine Besonderheit der Weimarer Republik und wurden,
       ob sie  tüchtige Demokraten waren oder nicht, in radikalen Arbei-
       terkreisen als  kleine Noskes  gehaßt, sobald  sie Aufruhr unter-
       drücken oder sogar Nazidemonstrationen schützen mußten. Mit ande-
       ren sozialdemokratischen  Polizeipräsidenten  teilte  Schönfelder
       diese Art  von Popularität  bei jenen  radikalen Arbeiterkreisen,
       die in  Untergrundgruppen aktiv waren und jetzt im teilweise eva-
       kuierten Hamburg  höchst aktiv  sein werden. Wie ich Ihnen letzte
       Woche sagte,  muß angenommen  werden, daß  diese Arbeiter  Schön-
       felder als Symbol der Unterdrückung und sein neues Amt als Provo-
       kation ansehen  werden. Dies  wird vor  allem auch  dann so sein,
       wenn der  Kommunist in  Hamburg in  Schlüsselpositionen gelangt)"
       (W. Auerbach  an Mr.  Vallence vom  2.7.1945. Archiv der sozialen
       Demokratie, Bestand Auerbach, Mappe 56 (Korrespondenz)).
       36) Vgl. zu  Ehrenteit Witt,  S. 52; zu seiner Rede im April 1933
       siehe Die  freie Gewerkschaft  vom 19.  4. 1933  (die Zeitung er-
       schien als  offizielles Mitteilungsblatt des ADGB-Ortsausschusses
       Hamburg im  Verlag John  Ehrenteit unter  Verantwortung von  Paul
       Bresk, der 1945 in den Vollzugsausschuß der SFG gewählt wurde und
       dort zum  "Ketzerklub" gehörte);  zur Gewerkschaftsfraktion  vgl.
       Witt, S. 195ff.; Jochmann, S. 60 ff.
       37) Mitteilung Dethlefs.  Mitteilung Kalbitzer.  Aus Hamburg ging
       Ehrenteit nach Berlin (vgl. Fst. 554-2-8 (Korrespondenz Spliedt),
       H. Schlimme  an F.  Spliedt vom  12.9.1945: "Soeben  besucht mich
       John Ehrenteit,  den ich  versuchen will,  in die neue staatliche
       Versicherung  einzubauen"),   wo  er  anscheinend  aktiv  in  der
       "Unabhängigen Gewerkschaftsorganisation"  die Spaltung des Berli-
       ner FDGB mitbetrieb (vgl. Hamburger Volkszeitung vom 28.4.1948).
       38) Ausschuß und Vorstand der SFG wurden am 14. Mai 1945 gewählt.
       Diese Datierung  weicht von  dem in  der Literatur im Anschluß an
       Spliedt, Gewerkschaften, S. 90, genannten Termin 11. Mai ab (vgl.
       Kaden, S.  54; Christier,  S.  63;  Arbeiterinitiative,  S.  309;
       Klein, S.  3), ist  jedoch nach  der Materiallage wahrscheinlich.
       Danach wurden von Dwyer Versammlungen mit mehr als 30 Teilnehmern
       verboten. Daß er gleichzeitig die Bildung eines Vollzugsausschus-
       ses mit 36 Mitgliedern (Bericht Fst, S. 1; Bericht ETG, S. 2) er-
       laubt haben  sollte, ist  unlogisch. Vielmehr  hat die  SFG "with
       British consent  a general  comittee of 25" (Hamburg Intelligence
       Office, S.  1) gebildet.  (Vgl. auch  Entwurf Schmedemann,  wo es
       heißt: "Es  wurde der  Vorschlag gemacht, zunächst als provisori-
       sche Leitung  ... eine  Körperschaft von 25 Personen zu wählen.")
       Zusätzlich hat  sie einen zunächst vierköpfigen Vorstand gewählt.
       In einem  Protokoll der  SFG, Sitzung  vom 14.5.1945  (ETG Ordner
       SFG) wird  ein Vorstand  "Kalbitzer, Schmedemann,  Dethlefs, Bor-
       chers" genannt.  In einem  Brief aus  ISK-Kreisen  vom  13.5.1945
       ("Lieber Fritz, liebe Freunde", ETG Ordner SFG) heißt es in einem
       PS vom  15. 5.: "Hellmut ... ist gestern zum Vorsitzenden gewählt
       worden." Zusätzlich  zum Vorstand zählt das SFG-Protokoll vom 14.
       5. die  Mitglieder eines  "Arbeitsausschusses" auf.  Unter den 27
       Namen befindet  sich einer doppelt (W. Kors) und als einziger von
       denen der Vorstandsmitglieder nochmals der von Dethlefs. Ohne ihn
       und unter  Absehung von der Doppelnennung ergibt sich die von den
       Engländern genannte Mitgliederzahl 25. Schon am nächsten Tag wur-
       den Umstrukturierungen vorgenommen. Als 1. Vorsitzender fungierte
       jetzt W.  Schmedemann. Außerdem  bestand der Vorstand jetzt aus 5
       Mitgliedern. H. Ek war hinzugekommen (Protokollsitzung 15.5.1945,
       Briefkopf Lorenz  Borchers, ETG  Ordner SFG).  Gleichzeitig wurde
       z.B. M.  Düsedau zum  Leiter der Abteilung Kasse/Mitgliederkartei
       bestimmt (a.a.O.).  Sein Name fehlt noch in der Ausschußliste vom
       14. 5.,  ist aber  in einer  Liste vom  25. 5.  enthalten, die 37
       Mitglieder des Vollzugsausschusses aufzählt (Sozialistische Freie
       Gewerkschaft an  Military Government Hamburg vom 25. 5. 1945. ETG
       Ordner SFG).  Die SFG scheint also sofort begonnen zu haben, ihre
       Leitungsgremien über  die von  der  Militärregierung  zugelassene
       Zahl hinaus  zu erweitern:  "the comittee  itself ran foul of the
       British authorities  by adding  to its  existing  number  without
       permission" (Hamburg  Intelligence Office,  S.  2).  Dabei  wurde
       offensichtlich  nicht  einseitig  vorgegangen.  Unter  den  neuen
       Mitgliedern befanden  sich ebenso Angehörige des ISK (C. Bär) wie
       des  späteren   "Ketzerklubs"  der   alten  Gewerkschaftler   (H.
       Davidsen). Auch  der angeblich  politisch ambitionslose A. Schön-
       felder war unter ihnen.
       39) Vgl.  Niederschrift  über  die  Beiratssitzung  der  Gauwirt-
       schaftskammer Hamburg  am 7.  Mai 1945.  In:  Dokumente  zur  Ge-
       schichte der  Handelskammer Hamburg.  Hamburg o.J.,  S.  210;  W.
       Johe: Bürgermeister  Rudolf Petersen.  Ein Beitrag zur Geschichte
       der politischen Neuordnung in Hamburg 1945-1946. In: Jahrbuch des
       Instituts für  Deutsche Geschichte  der Universität  Tel Aviv, 3,
       1974, S. 379-415, hier S. 389; H. Bielfeldt: Vom Werden Groß-Ham-
       burgs. Citykammer,  Gauwirtschaftskammer, Handelskammer.  Politik
       und Personalia  im Dritten Reich. Hamburg 1980, S. 229 u. 144. Ab
       Februar 1946  wurde de la Camp für ein Jahr interniert und im Mai
       1948 von  der Zentralstelle für Hamburger Berufungsausschüsse als
       Mitläufer des  Faschismus in  Kategorie IV  entlastet (vgl. Biel-
       feldt, S. 117).
       40)  Vgl. Hamburger Nachrichtenblatt vom 13. 8. 1945; Baishaw, S.
       79.
       41) Vgl. zum  Vorhergehenden Johe sowie die Aufzeichnungen von P.
       Lindemann (StAH  Familienarchiv Lindemann  13 und  Familienarchiv
       Petersen 0-43).  Siehe ferner  zu Martini  und Lindemann Johe, S.
       388, und  die diversen  Hinweise in StAH Familienarchiv Lindemann
       14. Zur  Gauwirtschaftskammer vgl. de la Camp an Petersen vom 16.
       5. 1945  und Petersen  an de  la Camp vom 16. 5. 1945 (beide StAH
       Familienarchiv Petersen 0-40 Bd. 1).
       42) Zu Petersens  verwandtschaftlichen Beziehungen vgl. Hamburgi-
       sches Geschlechterbuch.  Bd. 12, bearbeitet von H. v. Marchtaler.
       Limburg 1975,  S. 273-304;  sein Großvater  und sein Bruder waren
       ebenfalls Hamburger Bürgermeister gewesen (vgl. Johe, S. 383 f.);
       zu seinen Funktionen in der Weimarer Republik gehörten u.a.: Mit-
       gliedschaft in  der Handelskammer  Hamburg, Vorsitzender des Ver-
       eins Hamburger  Exporteure, Vorsitzender  des Verbands  Deutscher
       Exporteure, Vizepräsident  des Reichsverbands des Deutschen Groß-
       und Überseehandels, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands des
       Großhandels in  Hamburg (alle  Angaben nach  G. Wenzel: Deutscher
       Wirtschaftsführer. Hamburg, Berlin, Leipzig 1929, S. 1687).
       43) Vgl. Petersens  Charakterisierung durch  Colonel Allhusen bei
       Baishaw, S.  104: "Petersen,  although a thoroughly loyal German,
       was completely  anglophied; suits  from Saville  Row, shoes  from
       Peels. He  spoke beautiful  English. A  very charming old gentle-
       man... From  the British point of view he was admirable (Petersen
       war, obwohl  äußerst loyaler Deutscher, völlig anglo-phil; Anzüge
       von Saville  Row, Schuhe von Peels. Er sprach wunderbar Englisch.
       Ein sehr  charmanter alter Gentleman... Vom britischen Standpunkt
       aus gesehen  war er  großartig)"; zu Petersens Einstellung gegen-
       über dem Kommunismus vgl. a.a.O., S. 95 ff. und Johe, S. 404 f.
       44) Bericht Fst.,  S. 2;  eine Notiz  gleichen Wortlautes  findet
       sich in ETG Ordner SFG.
       45) Vgl. StAH Senatskanzlei II 039.15-1/1 (Besprechungen des Bür-
       germeisters mit  der Militärregierung  1945-1951),  Niederschrift
       vom 15.  5. 1945:  "Zunächst wurde die Personalliste durchgespro-
       chen ... Der Colonel sagte, daß ich die Verantwortung für die Zu-
       verlässigkeit der  jetzigen Herren  übernehme, was  ich  bejahte,
       selbstverständlich tun zu können. Er versicherte mich dann seiner
       vollen Unterstützung  und sagte,  daß er  glaube, daß durch meine
       Person die  Sicherheit einer reibungslosen Zusammenarbeit gegeben
       sei. Ich  sagte, daß  ich in  dieser Beziehung  einige Vorschläge
       habe, zunächst,  daß der  Wunsch der Gewerkschaften, bei den ein-
       zelnen Ressorts  Vertrauensleute zu ernennen, nur in Übereinstim-
       mung zwischen  ihm und  mir geregelt würde. Er erklärte dazu ohne
       weiteres seine Bereitwilligkeit und sagte, daß die Gewerkschaften
       wohl in  absehbarer Zeit in Funktion treten sollten, aber keiner-
       lei politische  Funktion ausüben  dürften. Er  ersuchte mich, den
       Wunsch der  Gewerkschaften auf  Einmischung in die Personalfragen
       abzulehnen und  dieselben anzuweisen,  ihre Wünsche mir gegenüber
       zu äußern, damit ich sie dann mit ihm besprechen könne."
       46) Vgl. Bericht  ETG, S. 2f., wo auch festgehalten wird, daß die
       SFG gegen diese Politik Protest einlegen wollte.
       47) Vgl. R.  Petersen: Bürgermeister  in schwerer Zeit. In: Neues
       Hamburg, l,  Hamburg 1947,  S. 16; H. Dreckmann: Hamburg nach der
       Kapitulation. Hamburg  1970, S.  42. Kruse  gehörte seit 1931 dem
       Plenum der Handelskammer an, von 1935 bis 1942 war er deren Vize-
       präses (vgl.  Bielfeldt, S.  115). Auf  Anweisung  der  Engländer
       mußte er  im November  1945 als Senator zurücktreten, weil er "zu
       sehr mit  der Nazizeit  verbunden" gewesen wäre (StAH Familienar-
       chiv Petersen  0-40 Bd.  2, R. Petersen an A. Frowein vom 28. 11.
       1945).
       48) Zu Schönfelder  s.o. Anm. 16 u. 35; Landahl war vor 1933 Mit-
       glied der DDP und hatte, wenn auch mit Bedenken, den Übergang zur
       Staatspartei mitgemacht  (vgl. Büttner,  S. 467 f.). Ab 1924 Mit-
       glied der  Hamburger Bürgerschaft,  wurde  Landahl  1933  in  den
       Reichstag gewählt.  Er gehörte  dort zu  den 5  Abgeordneten  der
       Staatspartei, die für das Ermächtigungsgesetz stimmten (Dietrich,
       Heuss, Landahl,  Lemmer, Maier).  Dabei  sollen  sich  einerseits
       Dietrich und Heuss gegen ihre Überzeugung "der dreiköpfigen Mehr-
       heit" der  Fraktion gefügt  haben (E.  Matthias, R.  Morsey:  Die
       Deutsche Staatspartei.  In: dies.  (Hrsg.): Das Ende der Parteien
       1933. Königstein,  Düsseldorf 1979,  S. 68).  Andrerseits schrieb
       Landahl, als  in der  SPD, der er sich nach 1945 anschloß, Kritik
       an seinem damaligen Verhalten laut wurde: "In demokratischer Dis-
       ziplin habe  ich mich  schweren Herzens  dem Beschluß meiner Par-
       teifreunde gefügt"  (H. Landahl  an K.  Meitmann vom 28. 5. 1946,
       ETG Ordner  SPD 1946).  Zum Treffen  Landahl-Schönfelder-Petersen
       siehe die Aufzeichnungen Paul Lindemanns (wie Anm. 41). Die offi-
       zielle Ernennung  Landahls und  Schönfelders erfolgte  erst am 6.
       Juni (vgl. Dreckmann, S. 42). Zumindest Schönfelder hat schon we-
       sentlich vorher inoffiziell amtiert und auch an den Besprechungen
       des Bürgermeisters mit der Militärregierung teilgenommen (vgl. z.
       B. StAH Senatskanzlei, Protokoll vom 22.5.1945).
       49) Zu Schönfelders  nachträglicher Aufnahme  in den Vollzugsaus-
       schuß vgl.  Anm. 38.  Über die  geplante Ernennung ließen Landahl
       und Schönfelder  die SFG im dunkeln. Noch in der Vorstandssitzung
       vom 23. Mai wurde über ein Telefongespräch mit Landahl berichtet:
       "Alle Verhandig,  weg. uns.  'Regierungsbeteiligung'  seien  noch
       vollständig in  der Schwebe,  und selbst-verständl.  werden keine
       Verhandig., weder von ihm noch von Schönfelder, ohne unser vorhe-
       riges Einverständnis  erfolgen" (Protokoll  der  Vorstandsbespre-
       chung vom  23.5.1945, Material Kalbitzer). Die von Schönfelder zu
       seiner Amtsübernahme  später verbreitete Version (vgl. Christier,
       S. 77 f.) ist dagegen legendär.
       50) StAH Senatskanzlei  Rücksprache  Basedows  mit  Rickards  vom
       16.5.1945. Zum  Vorstehenden vgl.  a.a.O., Aktennotiz zur Bespre-
       chung Petersens mit Rickards vom 15.5.1945.
       51) Vgl. Gauwirtschaftskammer Hamburg, Abteilung Industrie, Rund-
       schreiben Nr.  75 vom  18. 5.  1945; Sozialistische Freie Gewerk-
       schaft, Richtlinien  für Betriebsratswahlen;  Richtlinien der So-
       zialistischen Freien  Gewerkschaft Hamburg für den Aufbau der Or-
       ganisation und  für Wahlen  der Personalvertretungen  (auch abge-
       druckt in Einheitsgewerkschaft, S. 138); Sozialistische Freie Ge-
       werkschaft, An  unsere Mitglieder!;  Sozialistische Freie Gewerk-
       schaft, Abschrift:  Betr. Beziehungen  zwischen den  Unternehmern
       und den Arbeitnehmern vom 30.5.1945; (Vorläufige Richtlinien für)
       Industriegruppenleiter vom  31.5.1945  (sämtlich  in  ETG  Ordner
       SFG). Siehe ferner Bericht Fst., S. 2 f.
       52) Dabei dürften  die guten  Beziehungen W.  Petersens zu  Dwyer
       hilfreich gewesen  sein -  vgl. Petersen an Böckler vom 4.12.1945
       (wie Anm.  26); J.  Kolb: Metallgewerkschaften in der Nachkriegs-
       zeit. Köln 1983, S. 36.
       53) Vgl. die Übersicht bei E. Schmidt: Die verhinderte Neuordnung
       1945-1952. Frankfurt  1970, S.  36ff.; siehe  ferner F. Hartmann:
       Geschichte der  Gewerkschaftsbewegung nach 1945 in Niedersachsen.
       Hannover 1972, S. 64ff.; Klein, Vereint. S. 303ff.
       54) Vgl.   Aktennotiz    zur   Organisationsausschußsitzung   vom
       18.5.1945 (Material  Kalbitzer; der  Auszug in  Anlage II zum Be-
       richt Fst.,  S. 8,  ist gekürzt),  wo als Industriegruppen aufge-
       zählt werden:  1. Handel  und Banken, Sparkassen, Versicherungen,
       2. Bau und Holz, 3. Graphische Gewerbe, 4. Textil und Bekleidung,
       5. Chemie  und Leder,  6. Öffentliche  Betriebe (Energie; Gesund-
       heits- und Fürsorgewesen; Polizei, Feuerwehr; Schulwesen; Staats-
       und Reichsdienst,  die nicht  unter Verkehr  aufgeführt sind), 7.
       Eisen und  Metall, 8. Nahrungsmittel, 9. Freie Berufe, 10. Forst-
       und Landwirtschaft,  11. Verkehr  (Reichsbahn; Reichspost; Schif-
       fahrt; Hochbahn, Straßenbahn, Autobusse; Tansport).
       55) Vgl. Schreiben  von Petrikowski vom 8. 5. 1945 (Material Kal-
       bitzer); Büros  der Industriegruppen,  die außerhalb  liegen (ETG
       Ordner SFG); Bericht Fst, S. 10 (Anlage IV).
       56) Spliedt, Gewerkschaften, S. 89. Vgl. zum folgenden F. Spliedt
       an H.  Schlimme vom 21. 9. 1945 (Fst. 554-2-8); Dwyers Äußerungen
       machte er  gegenüber dem  stellvertretenden  Generalsekretär  der
       T.U.C., Tewson - vgl. R. Steininger: England und die deutsche Ge-
       werkschaftsbewegung 1945/46. In: Archiv für Sozialgeschichte, 18,
       1978, S. 63; zu den Äußerungen von Louis vgl. StAH Senatskanzlei,
       Niederschrift über die Sitzung vom 21. 5. 1945.
       57) Zwischen   B e f r e i u n g  u n d  B e s a t z u n g.  Ana-
       lysen des  US-Geheimdienstes über Positionen und Strukturen deut-
       scher Politik  1945. Hrsg.  v. U. Borsdorf u. L. Niethammer. Wup-
       pertal 1976, S. 126.
       58) StAH Senatskanzlei  Niederschrift über  die Besprechung  über
       Gewerkschaftsfragen vom 22.5.1945.
       59) Bericht Fst, S. 9; Bericht ETG, Anlage 3, S. 1.
       60) Bericht Fst., S. 9; Bericht ETG, Anlage 3, S. 1. Zur Erweite-
       rung des Vorstands siehe unten Anm. 79.
       61) Der Begriff "Ketzerklub" kommt in den Berichten der SFG nicht
       vor. Dagegen  wird er von Spliedt, Neuaufbau, S. 74, und Spliedt,
       Gewerkschaften, S.  92, verwandt. Zu Winnigs Bericht vgl. A. Win-
       nig: Vom  Proletariat zum  Arbeitertum. Hamburg 1941, S. 141 ff.,
       v.a. S. 144. Zu Spliedts Ausführungen vgl. F. Spliedt: Kurze Dar-
       stellung der  Entwicklung der deutschen Gewerkschaften, insbeson-
       dere der  "freien" Gewerkschaften,  und die Entwicklung des Deut-
       schen Arbeitsrechts und der gewerkschaftlichen Mitwirkung in Fra-
       gen der  Wirtschaft (als  Manuskript gedruckt  als Eingabe an die
       Militärregierung). Hamburg (September) 1945, S. 5 f.
       62) Der den  genannten Gruppierungen gemeinsame Wille zur Einheit
       wie ihre  Konfrontation mit  den alten  Gewerkschaftsfunktionären
       geht aus  allen Beschreibungen der SFG hervor (vgl. Bericht Fst.,
       Bericht ETG, Spliedt, Neuordnung und Spliedt, Gewerkschaften). In
       den zuordenbaren  Stellungnahmen aus  dem Vorstand  der SFG  wird
       diese Konstellation noch stärker hervorgehoben (vgl. Entwurf Kal-
       bitzer, Entwurf Schmedemann).
       Zum Vereinigungsprozeß von SDAP und ADAV vgl. u.a. E. Kundel: Der
       Vereinigungsprozeß der  Sozialdemokratischen  Arbeiterpartei  und
       des Allgemeinen  Deutschen  Arbeitervereins.  In:  Revolutionäres
       Parteiprogramm -  Revolutionäre Arbeitereinheit.  Frankfurt 1975,
       S. 175 ff.
       63) Zum  Einheitsbegriff  der  alten  Gewerkschaftler  vgl.  u.a.
       Spliedt, Neuaufbau,  S. 75. Zu Spliedts Plänen einer Labour Party
       vgl. F. Moraw: Die Parole der "Einheit" und die Sozialdemokratie.
       Bonn-Bad Godesberg  1973, S. 123; Wieck, S. 179 u. 181 f.; Klein,
       S. 10.
       64) Schönfelders Personalpolitik war in der SFG umstritten - vgl.
       Tastesen; siehe  ferner die  Kritik am mangelnden Einfluß auf die
       Verwaltung und die Forderung, neben Schönfelder zwei weitere Ver-
       bindungsleute zur  Verwaltung zu  benennen (Bericht  Fst., S. 14;
       Bericht ETG, Anlage 3, S. 4).
       65) Spliedt, Gewerkschaften, S. 91.
       66) Vgl. Anm. 27. Zum folgenden siehe Sportverband der freien So-
       zialistischen Gewerkschaft Hamburg. Aufruf! (ETG Ordner SFG, auch
       abgedruckt in  Einheitsgewerkschaft, S.  139) und Festschrift zum
       50jährigen Bestehen des Arbeiter-Wassersport-Vereins von 1909.
       67) Vgl. Anm.  51. Zum  folgenden siehe  Sozialistische Freie Ge-
       werkschaft an  Dwyer vom  18. 5. 1945 (wegen Maihak); Brief von 6
       Arbeitern der Firma Noske vom 18. 5. 1945 (beide Material Kalbit-
       zer).
       68) Vgl. Anm.  27. Zum folgenden siehe Schreiben der Gemeindever-
       waltung der  Hansestadt Hamburg  Ortsdienststelle Bramfeld an den
       Leiter der  Freien Sozialistischen Gewerkschaft vom 8.6.1945 (ETG
       Ordner SFG).
       69) Vgl. Anm 27. Zum folgenden siehe Entschließung (der Vollzugs-
       ausschußsitzung der SFG vom 25. 5. 1945) (Material Kalbitzer); zu
       den Antifaschistischen  Aktionen K.  Grünen: Sozialistische Freie
       Gewerkschaft Hamburg  (Masch. MS, ETG Ordner SFG), S. 7f.; Sozia-
       listische Freie  Gewerkschaft Nebenstelle  Finkenwärder an den 5-
       Ausschuß der  Sozialistischen Freien Gewerkschaft Hamburg vom 21.
       5. 1945 (Material Kalbitzer).
       70) Vgl. Sozialistische  Freie Gewerkschaft. Entwurf. Richtlinien
       für Nebenstellen  (ETG Ordner SFG). Zum folgenden siehe Notiz zur
       Besprechung mit  Dwyer am 24. 5. 1945: "Mitgliedsaufnahme ist für
       den Moment  gesperrt, weil  wir ohne  Büro sind" (ETG Ordner SFG)
       sowie Bericht  Fst., S.  3, und Bericht ETG, S 3f.; Entschließung
       (zur Gründung  der Nebenstelle  Innenstadt) vom  4. 6.  1945 (ETG
       Ordner SFG).
       71) Spliedt, Kurze  Darstellung. S. 11 f. Zum Demokratieverständ-
       nis der alten Gewerkschaftsfunktionäre vgl. Kolb, S. 37.
       72) Vgl. etwa  den Hinweis  bei Grunert,  S. 8:  "Gleich nach dem
       Einmarsch der  Engländer kam es in Wilhelmsburg zu spontanen, un-
       koordinierten und  oft von  persönlichen Rachegefühlen geleiteten
       Aktionen der  Antifaschisten gegen  die Nazis.  Daraufhin bildete
       sich sofort  das AntiNazi-Komitee,  das diese  'wilden'  Aktionen
       planmäßig zu sinnvoller Aufbauarbeit hinführte." Siehe weiter die
       Äußerung Kalbitzers,  "die Kommunisten  hätten sich in den ersten
       Tagen ein  gewisses Maß  an 'wildem'  Verhalten zu Schulde kommen
       lassen (Beschlagnahme  von Wohnungen  und  Möbeln,  gesetzwidrige
       Amtsanmaßung) und  diese Auswüchse hätten der ganzen Gruppe einen
       schlechten Ruf eingebracht" (Befreiung und Besatzung, S. 126).
       73) Bericht über  die am 3.6.45 in Farmsen stattgefundene Sitzung
       der SFG,  einberufen durch  den Kollegen  Kummernuß  (ETG  Ordner
       SFG).
       Adolf Kummemuß,  geb. 23.6.1895.  Hafenarbeiter. Seit 1927 haupt-
       amtlicher Gewerkschaftsfunktionär.  1935-1937 Gefängnis  und  KZ-
       Haft. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG ("Ketzerklub"), nach deren
       Auflösung Leiter des Gesamtverbands der Verkehrs- und Gemeindear-
       beiter.
       74) Vgl. zum vorstehenden Bericht über die Sitzung der Sozialver-
       waltung am  19.5.1945 im  Biberhaus und Bericht über die Beschaf-
       fung von  Autos für Buchenwaldrückkehrer vom 26.5.1945 (beide ETG
       Unterlagen WM);  L. Suhling: Der unbekannte Widerstand. Frankfurt
       1980, S. 169 (dort auch die Parolen).
       75) Hochmuth, Meyer, S. 381 (Bericht von Arthur Matschke).
       76) Die  verantwortlichen  Vertrauensmänner  der  Sozialistischen
       Freien Gewerkschaft  machen die  englischen  Militärbehörden  auf
       folgende Tatsachen  aufmerksam (Entwurf)  (ETG Ordner  SFG).  Zum
       Vorstehenden vgl.  Die ehemaligen  politischen Gefangenen  an den
       Beauftragten für Arbeiterfragen der Militärregierung vom 5.6.1945
       und Die  ehemaligen politischen  Gefangenen an die Sozialistische
       Freie Gewerkschaft  vom 6. 6. 1945 (beide ETG Ordner Komitee ehe-
       maliger politischer Gefangener 1945).
       77) PRO, FO 945/903 From EXFOR to WAR OFFICE vom 1.7.1945 (Secret
       for General Anderson from Templer).
       78) Zur Ernennung Schönfelders und Landahls s.o. Anm. 48. Die Be-
       rufung Georges  veranlaßte Armytage  entgegen einem  anderen Vor-
       schlag Schönfelders  und R.  Petersens (vgl.  StAH Senatskanzlei,
       Besprechung zwischen  Armytage, Brown, Petersen und Lindemann vom
       25.5.1945). Die  SFG äußerte dazu, Georges sei "von uns für seine
       Stellung nicht vorgeschlagen, wir sind jedoch mit seiner Berufung
       zum Chef  der Polizei  sehr einverstanden"  (Sozialistische Freie
       Gewerkschaft an  Military Government  vom 5.6.1945  - ETG  Ordner
       SFG). Der  Vorschlag Borgner  wurde von Schönfelder gemacht (vgl.
       a.a.O.: "wogegen wir nichts eingewandt haben"), geht aber seiner-
       seits auf eine Anregung des von R. Petersen ursprünglich vorgese-
       henen ehemaligen  Senators Everling  zurück (vgl.  Aufzeichnungen
       Lindemanns -  wie Anm. 41). Mit Bannwarth nennt die SFG (vgl. Be-
       richt Fst.,  S. 11 - Vorstandssitzung vom 30.5.1945) einen Kandi-
       daten, der  vom Bürgermeister  bereits 2 Wochen früher selbst für
       diesen Posten  vorgesehen war  (vgl. StAH  Senatskanzlei, Bespre-
       chung zwischen Petersen und Rickards vom 17.5.1945).
       79) Zum ursprünglichen  Vollzugsausschuß vgl.  Protokoll der SFG,
       Sitzung vom  14.5.1945 (ETG Ordner SFG). Zur Benennung von Obleu-
       ten siehe  Protokoll der Vorstandsbesprechung vom 23. 5. und Pro-
       tocol of  the Session of the Executive Committee of the Socialist
       Free Trade  Union on  May 25th,  1945 (beide Material Kalbitzer);
       von den  Mitgliedern des "Ketzerklubs" wurden danach u.a. berück-
       sichtigt: Bebert,  Mack, Thoma,  Loges, Karstens, Pufal, Behrens,
       Kummernuß. Zur  Erweiterung des  Vorstands vgl.  Bericht Fst., S.
       13; Bericht  ETG, Anlage  3, S.  3. Paul Tastesen, geb. 5.3.1899.
       Feinmechaniker. Mitglied des Metallarbeiterverbands. Von 1927 bis
       1931 Bürgerschaftsabgeordneter  der KPD. 1938 zu einer Haftstrafe
       verurteilt. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG.
       80) Zur Betonung  des unpolitischen Charakters der Gewerkschafts-
       arbeit vgl.  Bericht Fst.,  S. 12f.; Bericht ETG, Anlage 3, S. 3;
       zur Trennung von den Sportlern vgl. Bericht Fst., S. 17; zur Hal-
       tung gegenüber  einer Antifa vgl. Bericht Fst., S. 10; zu den Ne-
       benstellen vgl.  Richtlinien für  Nebenstellen (ETG  Ordner SFG);
       Bericht Fst., S. 17; verschiedene Arten von Ausweisen finden sich
       im Material Kalbitzer und in ETG Ordner SFG.
       81) Vorläufige Richtlinien  betr. Gewerkschaften und Unternehmer-
       Vereinigung (Abschrift der SFG vom 30. 5. 1945) (ETG Ordner SFG).
       Zu den  Mitgliederzahlen der  SFG heißt es im Bericht Fst., S. 6,
       daß bei  der Auflösung der SFG etwa 50000 noch ungeprüfte Aufnah-
       meanträge vorlagen  (der Bericht  ETG, S.  6, spricht von 55000).
       Die Zahl  der eingetragenen  SFG-Mitglieder  beziffert  Kalbitzer
       heute auf etwa 30000 (vgl. Gespräch zwischen F. Wartenberg und H.
       Kalbitzer in AVS Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten,
       1, 1984, S. 7). In jedem Fall erfolgte der Mitgliederzuwachs sehr
       schnell. Kalbitzer  erinnert sich  an einen  regelrechten Ansturm
       (Mitteilung Kalbitzer),  Dethlefs behauptet,  die SFG hätte schon
       nach 10 Tagen 18000 Mitglieder gehabt (Mitteilung Dethlefs).
       82) Zur Umbenennung  der Gauwirtschaftskammer  vgl. Dokumente der
       Handelskammer, S.  212; zum  Verein der Exporteure siehe G. Jant-
       zen: Hamburgs  Ausfuhrhandel im  XX. Jahrhundert. Ein Beitrag zur
       Geschichte eines deutschen Kaufmannsstandes und des "Vereins Ham-
       burger Exporteure"  1903-1953. Hamburg  1953; zu den Umwandlungen
       des Vereins  vgl. F.  Jerchow: Deutschland  in der Weltwirtschaft
       1944-1947. Düsseldorf 1978, S. 255 ff.
       83) Zu Termin  und Teilnehmerzahl  der Sitzung  des "Ketzerklubs"
       vgl. Bericht  Fst, S.  15, Anlage  IX; Bericht ETG, Anlage 4. Zur
       Vorstandssitzung vom  8. 6. vgl. Bericht Fst., S. 17. Zur verant-
       wortlichen Beteiligung  der alten  Gewerkschaftler am  Aufbau der
       Industriegruppen vgl.  Anm. 79. Zur Einschätzung ihrer die Arbeit
       der SFG  hintertreibenden Politik  heißt es  im Entwurf Borchers:
       "Es wurde ... intrigiert und offene Sabotage gegen die S.F.G. ...
       betrieben"; im  Entwurf Kalbitzer  wird "die  offene Sabotage der
       SFG durch  die alten  Gewerkschafts-Angestellten"  beklagt,  eine
       Formulierung, die im Bericht Fst., S. 5 übernommen ist.
       84) Vgl. Bericht  Fst., S. 4; Bericht ETG, S. 5. Austritte werden
       weder in den Berichten noch in der Literatur zur SFG erwähnt. Da-
       gegen heißt  es bei  Templer: "Meanwhile on 12 Jun at an SFG com-
       mittee meeting  11 of  35 members  walked out  as protest against
       unions political  activities" (EXFOR  to WAR  OFFICE).  In  einem
       Brief des Schwagers von H. Kalbitzer, Ernst Volkmann, an Paul Be-
       bert vom  14.6.1945 (ETG Ordner SFG) steht: "Nachdem wir uns noch
       am Sonntag  über die  Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterbewe-
       gung in  Deutschland unterhalten  haben, hast Du am Montag Deinen
       Austritt aus  der  Sozialistischen  Freien  Gewerkschaft  Hamburg
       vollzogen... Offenbar habt Ihr Eure Beschlüsse in der nunmehr be-
       kanntgewordenen  Besprechung   am  Samstag   bereits  festgelegt"
       (Montag war der 11.6.).
       85) Vgl. Bericht Fst, S. 4; Bericht ETG, S. 5; zur Namensänderung
       und den  anderen Beschlüssen siehe Bericht Fst., S. 15f.; Bericht
       ETG, Anlage  5 (Vorstandssitzung am 12. 6. 1945) - dort sind auch
       die Namen  der für  den Aufbau  der Industrieverbände zuständigen
       Gewerkschaftsmitglieder aufgezählt.
       86) E. Volkmann  an P.  Bebert vom  14. 6. 1945 (ETG Ordner SFG).
       Zum Treffen  Schmedemann-Spliedt vgl. Bericht Fst., S. 5; Bericht
       ETG, S. 5.
       87) Zur Gründung  freier Gewerkschaften  in  Hamburg  (18.6.1945)
       (ETG Ordner  SFG), auch abgedruckt in Spliedt, Gewerkschaften, S.
       94. Zur Besprechung bei Dwyer am 16. 6. vgl. Entwurf Schmedemann;
       zur Vollzugsausschußsitzung  am 15.  6. vgl.  Bericht Fst, S. 18;
       Bericht ETG, Anlage 6.
       88) Entwurf Schmedemann.  Zu den  Namen der Verantwortlichen vgl.
       Bericht Fst., S. 19f.; Bericht ETG, Anlage 7.
       89) Befreiung und Besatzung, S. 128.
       90) Sozialistische Freie  Gewerkschaft an Military Government vom
       20.6.1945 (ETG  Ordner SFG). Im Wortlaut auch in Bericht Fst., S.
       20; Bericht ETG, Anlage 8.
       91) Vgl. Bericht  ETG, S.  6: "Dieser Vorgang wiederholte sich in
       allen Gewerkschaften;  im Gesamtverband ging Kummernuss sogar so-
       weit, den  ersten Vorsitzenden  der SFG  aus dem Vorstand des Ge-
       samtverbandes auszubooten".  Zu den Gewerkschaftsvorsitzenden und
       den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses siehe Spliedt, Gewerk-
       schaften, S. 96 f.
       92) Dokumente der Handelskammer, S. 207.
       

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