Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


       zurück

       
       DIE NEUEN ANFORDERUNGEN DES ENTWICKELTEN SOZIALISMUS AN
       =======================================================
       DIE POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS IN DER UDSSR *)
       =======================================================
       
       Leonid Abalkin
       
       1. Der  entwickelte Sozialismus als Etappe der gesellschaftlichen
       Entwicklung und die Konsequenzen für die politische Ökonomie - 2.
       Anforderungen des neuen intensiven Typs sozialistischen Wachstums
       - 3.  Die neuen  Produktionsverhältnisse müssen durch die politi-
       sche Ökonomie erfaßt werden
       
       Im Prozeß der Vervollkommnung der in der UdSSR aufgebauten sozia-
       listischen Gesellschaft  steht die  Lösung  vieler  komplizierter
       Aufgaben bevor.  Unter ihnen  kommt der  Entwicklung  zeitgemäßen
       ökonomischen Denkens  eine zentrale  Bedeutung zu. Die Aktualität
       dieser Aufgabe ist dadurch bedingt, daß ihre Lösung eine wichtige
       und unerläßliche Bedingung für die Überführung der Wirtschaft auf
       einen intensiven Entwicklungsweg und für eine qualitative Verbes-
       serung des Wirtschaftsmechanismus ist. Wie Genösse K. Tschernenko
       auf der  Jubiläumsplenartagung des Vorstandes des Schriftsteller-
       verbandes der  UdSSR unterstrich, "verbinden wir die Erhöhung der
       Effektivität der  Volkswirtschaft, die Intensivierung der Produk-
       tion aufs  engste mit  der beschleunigten  Einführung der wissen-
       schaftlichen Entdeckungen, der Leistungen der Ingenieure, und na-
       türlich auch mit der Umwandlung des ökonomischen Denkens als sol-
       chem."
       
       1. Der entwickelte Sozialismus als Etappe der gesellschaftlichen
       ----------------------------------------------------------------
       Entwicklung und die Konsequenzen für die politische Ökonomie
       ------------------------------------------------------------
       
       Die Entwicklung  des modernen  ökonomischen Denkens ist kein iso-
       lierter Prozeß,  sondern ein  Bestandteil des  komplizierten  und
       vielschichtigen Prozesses  einer gewissen  Umorientierung des ge-
       sellschaftlichen Bewußtseins.  Sie ist  notwendig  bedingt  durch
       tiefgreifende qualitative  Veränderungen im Leben der sozialisti-
       schen Gesellschaft, durch neue, ungenügend erforschte Erscheinun-
       gen sowohl  im Leben  des Landes  als auch in der internationalen
       Arena. Es ist erforderlich, viele früher entstandene theoretische
       Formeln kritisch  zu überdenken  und einige Stereotypen im Denken
       zu überwinden.
       Die letzten  Jahre sind durch eine intensive Tätigkeit der Partei
       im Bereich  der Theorie gekennzeichnet, die auf dem XXVI. Partei-
       tag der  KPdSU durch  den dort gefaßten Beschluß, eine Neufassung
       des Programms  der KPdSU  auszuarbeiten,  ausgelöst  wurde.  Eine
       wichtige Rolle  für das  Verständnis der  gesammelten Erfahrungen
       und der aktuellen Aufgaben, die der sozialökonomische Fortschritt
       stellt, spielten  die Plenartagungen des ZK der KPdSU im November
       1982 und  im Juni 1983 sowie die schöpferischen Diskussionen, die
       das Marx-Jahr kennzeichneten. Die Etappe, die wir in dieser viel-
       schichtigen Tätigkeit erreicht haben, ist unmittelbar mit der Ar-
       beit der  Partei an  der Neufassung  des Programms der KPdSU, mit
       den Einschätzungen, Leitsätzen und Schlußfolgerungen, die sich in
       den Reden des Genossen K. Tschernenko widerspiegeln, verbunden.
       Charakteristisch für  die Tätigkeit  der Partei  im  Bereich  der
       Theorie sind  heutzutage tiefe Wissenschaftlichkeit, realistische
       und ausgewogene  Einschätzungen, die  Verbindung von  Kontinuität
       bei der  Analyse der  sozialökonomischen und politischen Prozesse
       mit einem  schöpferischen, neuen  Herangehen an die Probleme, die
       das Leben stellt. Auch eine solche Besonderheit wie Konstruktivi-
       tät muß hervorgehoben werden, die sich offenbart, wenn neue theo-
       retische Formeln  in politische Entscheidungen übertragen werden,
       wenn sie  als Grundlage  für die  Ausarbeitung und Verabschiedung
       wichtiger staatlicher  Akte, langfristiger  Programme  und  Pläne
       dienen und  wenn diese  Formeln im praktischen Handeln der arbei-
       tenden Massen verwirklicht werden. "Es liegt auf der Hand," sagte
       Genosse K. Tschernenko, "daß dafür energische wirtschaftliche und
       organisatorische Anstrengungen  erforderlich sind.  Zugleich  ist
       aber auch  eine beharrliche  Arbeit zur  Erhöhung des Bewußtseins
       der Massen,  zu einer  gewissen, wenn  Sie wollen, Umorientierung
       des  gesellschaftlichen  Bewußtseins  notwendig,  damit  es  sich
       schneller die  neuen, von der Partei aufgestellten Ideen zu eigen
       macht, damit  es sich entschiedener von veralteten, rückständigen
       Ansichten befreit."  1) Nur  dann können die Ideen in vollem Maße
       ihre revolutionär  veränderte Rolle  einnehmen. Werden  sie doch,
       wie die Begründer des Marxismus-Leninismus betonten, zu einer ma-
       teriellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreifen.
       Dieser immer  wahre Lehrsatz hat heutzutage eine besondere Bedeu-
       tung. Der  Sozialismus ist seiner Natur nach eine planmäßig orga-
       nisierte und  bewußt leitbare  Gesellschaft. Hier können nur all-
       seitige Erkenntnis der objektiven Notwendigkeiten, ein klarer po-
       litischer Kurs,  der auf wissenschaftlichen Schlußfolgerungen ba-
       siert und  frei von jeglichem Subjektivismus ist, und die bewußte
       Teilnahme der  Massen am historischen Schaffen die rationelle und
       effektive Organisation  des gesellschaftlichen  Lebens, die  Vor-
       wärtsbewegung und  den sozialökonomischen  Fortschritt in der Ge-
       sellschaft gewährleisten.  Je weiter  sich die sozialistische Ge-
       sellschaft in  diese Richtung  entwickelt, desto reifer wird sie,
       desto bedeutender  wird die Rolle des bewußten Prinzips und desto
       höher sind  die Anforderungen an das wissenschaftliche Niveau und
       die Qualität  des gesellschaftlichen  Bewußtseins, darunter  auch
       des ökonomischen  Denkens, dessen  Umwandlung ein wichtiges Glied
       bei der  Vervollkommnung des in der UdSSR aufgebauten Sozialismus
       ist.
       In der  ganzen theoretischen  Tätigkeit der Partei nimmt die Ein-
       schätzung der historischen Etappe, in der sich das Land heute be-
       findet, einen  prinzipiell wichtigen  Platz ein. Dabei ist es be-
       sonders wichtig,  die Besonderheiten  der von  uns heute erlebten
       Periode ausgewogen  und realistisch zu analysieren, ohne eine Ab-
       wertung der  großen und  unbestreitbaren Errungenschaften, Schön-
       färberei oder eine Dramatisierung der Mängel zuzulassen. Dies hat
       uns W.I.  Lenin gelehrt,  so geht  unsere Partei  heute an  diese
       Frage heran. Durch die schöpferische Verarbeitung der gesammelten
       Erfahrungen, die  objektive Einschätzung  der Situation  und  ein
       kritisches Herangehen an früher erarbeitete Formeln kam die KPdSU
       zu dem  Schluß, daß unser Land in die Etappe des entwickelten So-
       zialismus eingetreten ist und sich am Anfang dieser Etappe befin-
       det, wobei  der entwickelte  Sozialismus eine  gesetzmäßige, lang
       andauernde Etappe mit ihr eigenen Reifestufen darstellt.
       Die momentane  Stufe kann  als die Anfangsstufe eingeschätzt wer-
       den. Ihre  Eigenart besteht  darin, daß hier einerseits sowohl in
       der Entwicklung  der Produktivkräfte als auch in den Produktions-
       verhältnissen und  im politischen  Überbau deutlich  Züge  zutage
       traten, die  die heutige  sowjetische Gesellschaft wesentlich von
       dem in  den Grundzügen aufgebauten Sozialismus unterscheidet. Die
       Tiefe dieser Veränderungen zeugt davon, daß das Land in eine neue
       Etappe getreten  ist, in die Etappe des entwickelten Sozialismus.
       Andererseits gibt  es auf  dieser Anfangsstufe Erscheinungen, die
       auf keinen  Fall als für den entwickelten Sozialismus charakteri-
       stisch gewertet  werden dürfen.  Hierzu gehören  insbesondere das
       Vorhandensein ernster  Disproportionen, der Entwicklungsrückstand
       der Landwirtschaft  und der  Dienstleistungssphäre sowie der hohe
       Anteil der  niedrigqualifizierten und körperlich schweren manuel-
       len Arbeit.
       Diese Besonderheiten  der Anfangsstufe des entwickelten Sozialis-
       mus bestimmen  auch die  Hauptrichtungen seiner weiteren Entwick-
       lung. Unter  den heutigen Bedingungen richtet die Partei ihre Po-
       litik, ihre  langfristige Strategie  darauf aus.  alle Seiten des
       Lebens der  sowjetischen Gesellschaft, wie Genosse K. Tschernenko
       sagte, mit  den höchsten, anspruchsvollsten und natürlich wissen-
       schaftlich begründeten  Vorstellungen  über  den  Sozialismus  in
       Übereinstimmung zu  bringen. Die  erfolgreiche Verwirklichung der
       von der  Partei ausgearbeiteten langfristigen Strategie führt die
       sowjetische Gesellschaft auf eine neue, höhere Stufe ihrer Reife.
       Das wird  eine Gesellschaft  sein, die den höchsten Kriterien des
       entwickelten Sozialismus vollkommen entspricht und unmittelbar in
       den Kommunismus überwächst.
       Darum ist es notwendig, Kriterien zu unterscheiden, mit denen mit
       wissenschaftlicher Präzision  der  Eintritt  des  Landes  in  die
       Etappe des  entwickelten Sozialismus fixiert wird, und Kriterien,
       die die  volle, allseitige  Herausbildung der  reifen sozialisti-
       schen Gesellschaft charakterisieren. Es ist sowohl in der Theorie
       als auch  in der  realen Politik unstatthaft, ein Gleichheitszei-
       chen zwischen  dem heutigen Zustand der sowjetischen Gesellschaft
       in all ihrer konkret-historischen Eigentümlichkeit und den Krite-
       rien für  den entwickelten  Sozialismus zu  setzen. So vorzugehen
       bedeutet, willentlich  oder ungewollt die Anziehungskraft des so-
       zialistischen Ideals zu schwächen und zu schmälern, die Einschät-
       zung des Sozialismus mit vereinfachten Maßstäben vorzunehmen, die
       objektiven Kriterien  für die Reife des Sozialismus seinem realen
       Zustand anzupassen.
       Eine außerordentlich  große Bedeutung hat die von der Partei aus-
       gearbeitete Auffassung vom entwickelten Sozialismus als einer re-
       lativ selbständigen,  langen historischen Etappe. Eine solche Be-
       trachtungsweise erlaubt es, die simplifizierten Vorstellungen vom
       Sozialismus als einem kurzfristigen Zustand der Gesellschaft, als
       einer Art  Umsteigestation, nach  deren Erreichung  es im flotten
       Tempo in  Richtung der höchsten Phase des Kommunismus weitergeht,
       zu überwinden. Die reale Dialektik des Lebens erwies sich als er-
       heblich komplizierter.  Selbst nachdem die sozialistische Gesell-
       schaft bereits  die Etappe  des reifen  Sozialismus erreicht hat,
       funktioniert und  entwickelt sie  sich weiterhin  über eine lange
       Zeit im  Rahmen der  ersten Phase  der kommunistischen Formation.
       Erst nach  der Lösung des ganzen Komplexes von Fragen, der seinem
       Ursprung und Charakter nach zu dieser Phase gehört, und der Akku-
       mulation der notwendigen Voraussetzungen kann mit der unmittelba-
       ren Errichtung  des Kommunismus begonnen werden. All das muß sich
       das gesellschaftliche  Bewußtsein präzise aneignen, um die offen-
       sichtlich gewordene  Diskrepanz zwischen  einigen in der jüngsten
       Vergangenheit entstandenen  theoretischen Formeln  und der realen
       gesellschaftlichen Entwicklung zu überwinden, um endgültig die in
       einer bestimmten Periode entstandenen vereinfachten Vorstellungen
       von den  Wegen und  Fristen des  Übergangs zur höchsten Phase des
       Kommunismus zu überwinden.
       Die Umorientierung  des gesellschaftlichen Bewußtseins darf nicht
       auf die  lange Bank  geschoben werden.  Das Problem  ist herange-
       reift, der theoretische Standpunkt der Partei ist ausreichend de-
       finiert und  eine Verzögerung wäre in diesem Fall nicht zu recht-
       fertigen. Von  der Dringlichkeit dieser Frage zeugt auch die Tat-
       sache, daß  die Gesellschaftswissenschaften,  ihre Behandlung  in
       den Hoch-  und Mittelschulen  sowie das System der Propaganda die
       entsprechende Umwandlung  bis vor  kurzem äußerst langsam vollzo-
       gen. Auf der Parteitagung des ZK der KPdSU im Juni 1983 wurde die
       Arbeit einer  Reihe von Forschungsinstituten, das Fehlen inhalts-
       reicher konkreter  Untersuchungen von  sozialen Erscheinungen und
       aktuellen ökonomischen Problemen durch diese Institute sowie sol-
       che Mängel  wie das Sichbeschränken auf die eigenen Karriere- und
       Gruppeninteressen und  ungenügend anspruchsvolle Themen in diesen
       Instituten scharf  kritisiert. In  dem vor kurzem verabschiedeten
       Beschluß des  ZK der KPdSU über die Arbeit des Instituts für Öko-
       nomie der  Akademie der  Wissenschaften der  UdSSR wurde  festge-
       stellt, daß in den von diesem Institut durchgeführten Forschungs-
       arbeiten die  Kernprobleme der Vervollkommnung des Wirtschaftssy-
       stems der  entwickelten sozialistischen  Gesellschaft nicht tief-
       greifend genug  analysiert werden,  die Ausarbeitung methodischer
       Fragen der politischen Ökonomie des entwickelten Sozialismus nach
       wie vor  ungenügend ist  und ihre  Losgelöstheit von  der  Praxis
       nicht völlig überwunden ist.
       Die Hochschulprogramme  und der praktische Unterricht in Philoso-
       phie, politischer  Ökonomie  und  wissenschaftlichem  Kommunismus
       enthalten eine Reihe von veralterten Lehransätzen, die völlig un-
       zureichend die von der Partei ausgearbeiteten neuen Ideen berück-
       sichtigen. Dies  führt zu einer Senkung des ideologisch-theoreti-
       schen Unterrichtsniveaus, zur Entstehung einer ernsten Kluft zwi-
       schen den  heutigen Anforderungen  und dem  wirklichen Inhalt der
       Studienkurse. Hier  machen sich die Trägheit und die Gewöhnung an
       das Alte  bemerkbar, von denen auf dem Plenum des ZK der KPdSU im
       April 1984 die Rede war. Die Entwicklung eines zeitgemäßen ökono-
       mischen Denkens  ist eine  komplizierte Aufgabe.  Dabei sind  ein
       kampagnemäßiges Herangehen oder das Verfallen in Extreme nicht am
       Platze. Das  moderne theoretische  Denken der  Partei  entwickelt
       sich auf  der festen,  unerschütterlichen  Grundlage  der  marxi-
       stisch-leninistischen Theorie. Und nur auf dieser Grundlage, wenn
       man sich  die gesamte  revolutionäre Theorie und Methodologie der
       Arbeiterklasse gründlich angeeignet hat, kann man erfolgreich und
       effektiv ein  zeitgemäßes Verständnis  von den  Prozessen der ge-
       sellschaftlichen Entwicklung herausbilden.
       
       2. Anforderungen des neuen intensiven Typs
       ------------------------------------------
       sozialistischen Wachstums
       -------------------------
       
       Im Laufe  der Vervollkommnung  des entwickelten Sozialismus - und
       das ist die wichtigste strategische Aufgabe der Partei - wird man
       nicht nur  einzelne negative Erscheinungen beseitigen und zurück-
       gebliebene Bereiche  auf den  neuesten Stand  bringen müssen. Das
       ist wichtig,  notwendig, aber keinesfalls ausreichend. Alle Sphä-
       ren unseres  Lebens, vor  allem natürlich  die Wirtschaft, müssen
       auf eine neue, qualitativ höhere Stufe gehoben werden. Die Ökono-
       mie ist  und bleibt  die Grundlage des gesamten sozialen, politi-
       schen und geistigen Fortschritts. Bevor wir mit der genaueren Un-
       tersuchung dieser  Fragen beginnen,  muß folgendes angemerkt wer-
       den.  Das   richtige  Verständnis   von  der  Bedeutung  und  den
       Hauptrichtungen der  Hebung der  sowjetischen Wirtschaft  auf ein
       qualitativ neues  Niveau ist der Ausgangspunkt für die Formierung
       des neuen  ökonomischen Denkens.  Darum ist eine positive Analyse
       der erwähnten  Fragen kein  Abweichen vom Thema, sondern eine un-
       mittelbar mit ihm verbundene Sache.
       Wenn man das Problem verallgemeinert formuliert, so bedeutet eine
       Erhöhung der  Reife der  sozialistischen Wirtschaft vor allem die
       Erlangung eines höheren Grades der Vergesellschaftung der Produk-
       tion, wobei  es hier nicht um eine formale, sondern um eine reale
       Vergesellschaftung geht,  um eine  Vergesellschaftung der Produk-
       tion "in  der Tat", wie Lenin sagte. Sie schließt eine Vergesell-
       schaftung im  weitesten Sinne des Wortes ein, auf materiell-tech-
       nischer, organisatorisch-ökonomischer  und sozialer  Ebene.  Aus-
       gangspunkt ist  hier eine qualitative Umgestaltung der Produktiv-
       kräfte. Das  Wesen der  Sache ist  hier nicht ein Anwachsen ihres
       Niveaus,  sondern  gerade  eine  qualitative  Umgestaltung,  eine
       grundlegende Umrüstung  des Produktionsapparates des Landes. Wenn
       man vom  Niveau der Produktivkräfte spricht und dabei die quanti-
       tative Seite  der Sache betrachtet, so ist es bei uns ausreichend
       hoch. Das  ist aus  der Entwicklung der Wirtschaft in den letzten
       Jahrzehnten und  im Vergleich mit den höchsten Kennziffern in der
       Welt ersichtlich.  Die Grundproduktionsfonds  der UdSSR liegen um
       das 19,5fache  über dem Stand von 1940 und um etwa das Sechsfache
       über dem  Stand von 1960. Die Energieausstattung der Arbeit stieg
       im Vergleich  zum Vorkriegsniveau in der Industrie nahezu auf das
       Achtfache und  in der  Landwirtschaft auf  mehr als  das 17fache.
       Große Erfolge  wurden im  Ausstoß der meisten wichtigen Produkti-
       onsgüter erreicht.
       All das  ist ein  Ergebnis der  Überlegenheit der Planwirtschaft,
       der zielstrebigen Wirtschaftspolitik der Partei und der selbstlo-
       sen Arbeit des sowjetischen Volkes. Das sind unsere unbestreitba-
       ren Errungenschaften. Aber heutzutage ist nicht einfach eine wei-
       tere Erhöhung dieser Kennziffern notwendig. Es müssen prinzipiell
       andere Grenzen  überschritten werden.  Es geht  um die Einführung
       einer neuen Generation von Maschinen, von flexiblen automatisier-
       ten Systemen,  um die Nutzbarmachung der ihrem Charakter nach re-
       volutionären Veränderungen in der Produktionstechnologie und -Or-
       ganisation. Mit  anderen Worten,  man muß  die neuesten Errungen-
       schaften  der   wissenschaftlich-technischen  Revolution  in  den
       Dienst des  Sozialismus stellen.  Auf dieser Basis muß im Verlauf
       der nächsten  drei bis  vier Planjahrfünfte eine technische Umrü-
       stung aller  Sphären der Anwendung gesellschaftlicher Arbeit von-
       statten gehen.
       Notwendig ist auch eine den modernen Erfordernissen entsprechende
       Arbeitskraft, gebraucht wird ein Arbeiter neuen Typs, denn er ist
       und bleibt  die wichtigste  Produktivkraft der  Gesellschaft. Ein
       wichtiger Meilenstein  auf dem  Weg zur  Lösung dieser (und nicht
       nur dieser) Aufgabe ist die Reform der allgemeinbildenden und der
       Berufsschule, die gegenwärtig verwirklicht wird.
       Durch qualitative  Umgestaltungen der  Produktivkräfte muß letzt-
       lich eine  grundlegende Erhöhung  der  Effektivität  der  gesell-
       schaftlichen Produktion,  der Arbeitsproduktivität  gewährleistet
       werden. Und das hat entscheidende Bedeutung sowohl für die Hebung
       der Reife  unserer Gesellschaft  als auch für die Erringung ihres
       Sieges in  dem historischen  Wettstreit mit  dem kapitalistischen
       System. Die Erlangung des höchsten Niveaus der Arbeitsproduktivi-
       tät in  der Welt - das ist eine Aufgabe, die im historischen Rah-
       men der  entwickelten sozialistischen  Gesellschaft gelöst werden
       muß.
       Die grundlegende  technische Umrüstung  des  Produktionsapparates
       und die  Überführung der  Wirtschaft auf das Gleis der intensiven
       Entwicklung hängt im entscheidenden Maße von der Qualität, Struk-
       tur und Effektivität der Arbeitsmittel ab. Das Wesen des intensi-
       ven Typs  der erweiterten Reproduktion sah Marx gerade in der An-
       wendung effektiverer Produktionsmittel. Hieraus folgt die Notwen-
       digkeit der beschleunigten Entwicklung des Maschinenbaus, denn er
       ist und  bleibt die  treibende Kraft,  der Generator  des wissen-
       schaftlich-technischen  Fortschritts,  bei  der  Überwindung  der
       Rückständigkeit in  einigen seiner  Bereiche. Um diese Aufgabe zu
       lösen, muß  man unserer Ansicht nach ernsthafte strukturelle Ver-
       änderungen vornehmen,  die mit  einer Veränderung der Prioritäten
       bei der  Verteilung der  Ressourcen zugunsten  des  Maschinenbaus
       verbunden sind.  Zugleich ist  die  Erneuerung  des  Produktions-
       apparates und die Ersetzung physisch und moralisch verschlissener
       Grundfonds bedeutend  zu beschleunigen.  Nur auf dieser Grundlage
       kann eine  konsequente, etappenweise  Hebung der  Volkswirtschaft
       auf ein neues technisches Niveau verwirklicht und eine materiell-
       technische Basis, die dem entwickelten Sozialismus in vollem Maße
       entspricht, geschaffen werden.
       Neben der  qualitativen Umgestaltung  der Produktivkräfte  stellt
       die Partei  die Aufgabe, die Produktionsverhältnisse entsprechend
       zu vervollkommnen.  Hieraus folgt  die Notwendigkeit, ausreichend
       tiefgreifende und  ernsthafte Veränderungen  an der  ökonomischen
       Basis der  Gesellschaft herbeizuführen. Leider ist die politische
       Ökonomie heute noch nicht in der Lage, die erforderlichen wissen-
       schaftlich begründeten Lösungen und Empfehlungen zu geben.
       An erster Stelle müssen unserer Meinung nach qualitative Verände-
       rungen in  der Organisation  der  gesellschaftlichen  Produktion,
       eine wesentliche  Hebung des  Niveaus ihrer  Spezialisierung, die
       Einrichtung eines zuverlässigen, störungslos funktionierenden Sy-
       stems von  ökonomischen Beziehungen  stehen. Mit  anderen Worten,
       eine Veränderung  im organisatorisch-ökonomischen  Subsystem  der
       Produktionsverhältnisse. Das  wird äußerst wichtige, prinzipielle
       Veränderungen nach  sich ziehen.  Vor allem den Übergang zu einem
       Wirtschaftswachstum auf  ausgewogener Grundlage,  was es erlauben
       wird, dem  Konsumenten eine  entscheidende Bedeutung bei der Pla-
       nung der Produktion zu geben und die soziale Ausrichtung der Ent-
       wicklung der Volkswirtschaft zu verstärken.
       Im Verlauf  der gesamten  vorangegangenen Geschichte  entwickelte
       sich die  Volkswirtschaft unseres Landes auf einer anderen Grund-
       lage. Einige  Planer und  Wirtschaftsfunktionäre sehen Unausgewo-
       genheit und  die Existenz  von Defiziten, die seinerzeit gerecht-
       fertigt waren, als etwas Notwendiges oder zumindest Unausweichli-
       ches an.  Diese Vorstellungen,  die die  Praxis einer  bestimmten
       Zeit widerspiegeln, wurden zum Dogma und sind heute ein ernsthaf-
       tes Hemmnis  für fortschrittliche  Umgestaltungen  in  der  Wirt-
       schaft. Allseitige  Ausgewogenheit, ein  System von  Planreserven
       und die  Zuverlässigkeit von  ökonomischen Beziehungen sind kenn-
       zeichnende Züge  der Wirtschaft des entwickelten Sozialismus. Nur
       auf dieser  Grundlage ist  eine fortlaufende  Intensivierung  der
       Wirtschaft, eine flexible Umgestaltung der Produktion in Überein-
       stimmung mit  den sich  schnell verändernden Bedürfnissen und den
       neuen wissenschaftlich-technischen Errungenschaften möglich.
       Insgesamt wird  der Übergang  zum intensiven Typ des Wirtschafts-
       wachstums auf ausgewogener Grundlage zu einer wesentlichen Hebung
       des Niveaus  der Vergesellschaftung  der sozialistischen  Produk-
       tion, zu  einer höheren Stufe ihrer planmäßigen Organisation füh-
       ren. Hierdurch entstehen Voraussetzungen für eine ernsthafte Ver-
       vollkommnung der  sozialen Formen der Vergesellschaftung der Pro-
       duktion - die Entwicklung der Eigentumsverhältnisse, des gesamten
       Mechanismus ihrer sozialökonomischen Realisierung.
       Die wachsende  Annäherung, die  Verflechtung und  perspektivische
       Verschmelzung der  staatlichen Eigentumsform  und  der  genossen-
       schaftlichen Eigentumsform  der Kolchosen  an  Produktionsmitteln
       ist die  Hauptrichtung der  Vervollkommnung  der  sozialistischen
       Produktionsverhältnisse. Gestützt  auf die  gesammelten Erfahrun-
       gen, auf  den erreichten  Reifegrad unserer  Gesellschaft und die
       progressiven Tendenzen  ihrer Entwicklung,  kam die Partei zu dem
       Schluß, daß  die existierenden  Klassenunterschiede im großen und
       ganzen in  der Etappe des entwickelten Sozialismus beseitigt wer-
       den. Dies  wird nur dann möglich, wenn ein einheitliches Volksei-
       gentum an Produktionsmitteln geschaffen wird.
       Natürlich kann  dies nicht  einfach auf  Grund eines juristischen
       Aktes geschehen.  Die Ansicht, daß Eigentum ein rein juristisches
       Verhältnis ist,  kann man  als von  unserer  Gesellschaftswissen-
       schaft überwunden ansehen. Die Entstehung eines einheitlichen so-
       zialistischen Volkseigentums  ist eine qualitative Veränderung im
       System der Produktionsverhältnisse und das Ergebnis einer höheren
       Stufe der Vergesellschaftung der Produktion. Zugleich ist es auch
       ein wichtiger  Schritt zur  Stärkung der Homogenität der sowjeti-
       schen Gesellschaft.
       Allerdings sind  mit diesen  Veränderungen bei all ihrer Wichtig-
       keit die  Umgestaltungen der  Eigentumsverhältnisse noch  keines-
       falls erschöpft. In der heutigen Zeit gewinnt die Vervollkommnung
       derjenigen konkreten ökonomischen, organisatorischen und rechtli-
       chen Formen  immer mehr  an Bedeutung,  in deren Rahmen und durch
       die das  Funktionieren des  gesellschaftlichen  Eigentums,  seine
       ökonomische Realisierung  gewährleistet werden.  Die historischen
       Erfahrungen zeigen,  daß die Behauptung des das ganze Volk umfas-
       senden Charakters der Aneignung nicht bedeutet, daß jeder Werktä-
       tige automatisch zu einem realen, mit allen Machtbefugnissen aus-
       gestatteten, weisen  und fürsorglichen Besitzer wird. Dieser Pro-
       zess ist  kompliziert, erfordert  Zeit und die Schaffung entspre-
       chender Bedingungen.
       Besondere Bedeutung  haben hierbei  ökonomische und organisatori-
       sche Formen,  die es ermöglichen, die persönlichen Interessen des
       Arbeitenden mit  den Interessen des Arbeitskollektivs und der Ge-
       sellschaft insgesamt  zu verknüpfen.  Ein hervorragendes Beispiel
       für solche  Formen sind  die durch  das  Schöpfertum  der  Massen
       selbst entstandenen  Brigaden mit  wirtschaftlicher Rechnungsfüh-
       rung, die  nach einem  Kollektivauftrag arbeiten.  Hier sind eine
       wirtschaftliche Einstellung  zur Sache,  gegenseitige  Hilfe  und
       fordernde gegenseitige  Kontrolle zu  einer Einheit  geworden. Es
       ist wichtig, daß auch auf höheren Ebenen der Wirtschaftsführung -
       in den Betrieben, Branchen und Regionen - ebenso effektive Formen
       der Realisierung  des gesellschaftlichen  Eigentums gefunden wer-
       den. Die  Suche und Nutzung solcher Formen ist untrennbar mit der
       qualitativen Verbesserung  der Organisiertheit und Disziplin ver-
       bunden. Hier  geht es nicht einfach um die Herstellung einer ele-
       mentaren Ordnung  (sie ist  natürlich notwendig)  oder nur um die
       Beseitigung grober  Verstöße gegen  die Arbeitsordnung (damit muß
       natürlich Schluß gemacht werden), sondern die Frage steht prinzi-
       piell. Es  geht um  die Herstellung  des dem  Sozialismus eigenen
       Typs von Arbeitsdisziplin.
       Wie bekannt,  schuf jede  Produktionsweise eine ihr entsprechende
       Arbeitsdisziplin.  Im  Feudalismus  war  das  die  Disziplin  des
       Stocks, des  Zwangs durch außerökonomische Mittel. Sie war zu ih-
       rer Zeit ausreichend effektiv. Der Kapitalismus schuf einen höhe-
       ren und  raffinierteren Typ  der Disziplin,  einer Disziplin, die
       auf Hunger  basiert, auf der Gefahr des Arbeitsplatzverlustes und
       des sozialen  Abstiegs. Und  es ist  nicht zu bestreiten, daß er,
       indem er,  wie man sagt, den Massen in den Fabriken das Blut aus-
       saugt, eine  ziemlich feste Disziplin herstellte. Selbstverständ-
       lich dient  sie den  Bereicherungsinteressen der Magnaten des Fi-
       nanzkapitals  und  ist  ihrer  Natur  nach  volksfeindlich.  Aber
       nichtsdestotrotz stellte sie im Arbeitsprozeß die notwendige Ord-
       nung her  und gewährleistet  die präzise Erfüllung der Funktionen
       eines Beschäftigten.
       Der Sozialismus  ist berufen, einen höheren, effektiveren Typ der
       Arbeitsdisziplin hervorzubringen.  Das kann  aber nur eine Diszi-
       plin sein,  die auf  einer wirtschaftlichen Einstellung zur Sache
       basiert. Der  vollständige und allgemeine Sieg eines solchen Typs
       der Arbeitsdisziplin  ist eines  der wichtigsten Kriterien dafür,
       daß der  Sozialismus seine  entwickelte, reife  Form erlangt hat.
       Die Lösung  dieser Aufgabe  ist zugleich  eine der Richtungen bei
       der Vervollkommnung  der sozialistischen Produktionsverhältnisse,
       der sozialökonomischen  Formen der Realisierung des gesellschaft-
       lichen Eigentums.
       Um ein  höheres Niveau des entwickelten Sozialismus zu erreichen,
       ist ferner  eine tiefgreifende Umgestaltung seines Wirtschaftsme-
       chanismus erforderlich.  Damit ist nicht nur die Liquidierung von
       Engpässen, nicht nur das Ersetzen einzelner Kennziffern durch an-
       dere oder  die Verschiebungen  in einzelnen  Gliedern der Leitung
       gemeint, sondern auf der Tagesordnung stehen qualitative Verände-
       rungen, die  es erlauben,  den ganzen  Wirtschaftsmechanismus auf
       das Niveau, das der entwickelte Sozialismus erfordert, zu heben.
       Heutzutage ist ausreichend klar, daß eine solche Umwandlung nicht
       durch einen  einmaligen Akt vollzogen werden kann. Um sie zu ver-
       wirklichen, ist Zeit, eine Reihe aufeinanderfolgender Etappen so-
       wie eine  experimentelle Überprüfung  verschiedener Varianten und
       Vorschläge erforderlich.  Hier sind  sowohl übertriebene Eile und
       schlecht koordinierte Maßnahmen als auch Zögern und Verschleppung
       der herangereiften  Umwandlungen nicht  am Platze. Zugleich, wäh-
       rend wir  die Aufgaben des heutigen Tages lösen, müssen wir deut-
       lich die  Perspektiven sehen, uns klar das Modell vorstellen, das
       letztendlich durch  die unternommenen  Anstrengungen verwirklicht
       werden soll.
       Zu einer koordinierten Lösung des Komplexes der entstandenen Fra-
       gen wird  das Programm  zur Vervollkommnung des Wirtschaftsmecha-
       nismus beitragen,  das auf wissenschaftlichen Ausarbeitungen, auf
       der Verallgemeinerung unserer Erfahrungen und der Erfahrungen der
       sozialistischen Bruderländer basiert. Es muß unserer Meinung nach
       den Status  einer politischen  Entscheidung bekommen und zu einem
       Bestandteil der  langfristigen  Wirtschaftsstrategie  der  Partei
       werden. Ein  solches Programm könnte eine theoretische Konzeption
       für den Wirtschaftsmechanismus des entwickelten Sozialismus, eine
       Charakteristik der aufeinanderfolgenden Etappen seiner Formierung
       und die  Hauptrichtungen der  komplexen, miteinander abgestimmten
       Vervollkommnung seiner  wichtigsten Elemente  enthalten. Zugleich
       müßten die Bedingungen definiert werden - bezüglich der Reproduk-
       tion, der Organisation und der Kader -, die für seine konsequente
       Umsetzung notwendig sind.
       Auf der  Grundlage der Umgestaltungen in den Produktivkräften und
       im System  der Produktionsverhältnisse  muß eine wesentliche Ver-
       besserung des Lebensstandards und der Lebensqualität der sowjeti-
       schen Menschen vollzogen und ein spürbarer Fortschritt in der so-
       zialen Entwicklung und der geistigen Sphäre erreicht werden.
       Somit wird immer klarer und offensichtlicher, daß sich die sowje-
       tische Gesellschaft einer Situation genähert hat, die in gewissem
       Sinne den  Charakter einer  Wende trägt.  Tiefgreifende, qualita-
       tive, revolutionäre  Veränderungen in  der  materiell-technischen
       Basis und in der ganzen Sphäre der gesellschaftlichen Beziehungen
       sind herangereift.  Die Notwendigkeit,  diese  Umgestaltungen  zu
       vollziehen, spiegelt  auch die  Idee von der Verschmelzung zweier
       Revolutionen, der  wissenschaftlich-technischen und  der sozialen
       Revolution, wider.  Sie bedeutet  außerdem, daß nur der Sozialis-
       mus, der  die soziale Erneuerung der Welt nach sich zieht, in der
       Lage ist,  von der  modernen wissenschaftlich-technischen Revolu-
       tion Besitz zu ergreifen.
       
       3. Die neuen Produktionsverhältnisse müssen
       -------------------------------------------
       durch die politische Ökonomie erfaßt werden
       -------------------------------------------
       
       Die tiefgreifenden strukturellen Umwandlungen und neuen Bedingun-
       gen der  sozialökonomischen Entwicklung,  die Größe  und  Kompli-
       ziertheit der  vor uns stehenden Aufgaben erfordern dringlich die
       Herstellung eines  zeitgemäßen ökonomischen Denkens. Es ist nicht
       nur für  einen kleinen  Kreis von Wirtschaftswissenschaftlern und
       Personen, die  professionell mit  der Leitung der Volkswirtschaft
       befaßt sind, unabdingbar. Je aktiver sich der Prozeß der Demokra-
       tisierung der  Leitung entfaltet,  desto aktueller  wird die Auf-
       gabe, ein zeitgemäßes ökonomisches Denken als Element des gesell-
       schaftlichen Bewußtseins  zu schaffen.  Als zeitgemäßes  ökonomi-
       sches Denken  kann nur  ein solches  anerkannt werden, das streng
       wissenschaftlich ist  und die  Realitäten unserer  Zeit sowie die
       veränderten Bedingungen in der Wirtschaftsführung berücksichtigt.
       Im Zusammenhang  damit entsteht natürlich die Frage: Ist denn das
       heutige ökonomische  Denken etwa  nicht wissenschaftlich? Bei der
       Beantwortung dieser  Frage muß  berücksichtigt werden,  daß es um
       herrschende Stereotypen im ökonomischen Denken, um Vorstellungen,
       die unter Praktikern weit verbreitet sind, geht. Beginnen wir da-
       mit, daß  bis heute  (nicht so  sehr in  Büchern, als vielmehr im
       ökonomischen Denken  der Massen)  die objektiven Gesetze unterbe-
       wertet werden,  daß versucht  wird, sie  zu  umgehen,  zu  "über-
       listen". Wieviel  wurde über  das Gesetz  der  planmäßigen,  pro-
       portionalen Entwicklung  der Volkswirtschaft  gesprochen und  ge-
       schrieben. Und  trotzdem ist  es massenhaft Praxis, unausgewogene
       Pläne auszuarbeiten  und zu  bestätigen, in  der Hoffnung, daß es
       schon irgendwie  gehen wird, daß die fehlenden Ressourcen auf ir-
       gendeine Weise  "im Laufe der Planerfüllung" gefunden werden. Als
       Beispiel kann  man auch  die grobe  Ignorierung der Notwendigkeit
       des schnelleren  Wachstums der Arbeitsproduktivität gegenüber dem
       Arbeitslohn anführen. Die Resultate einer solchen Praxis sind äu-
       ßerst negativ.  Hier wirkt sich das Unvermögen aus, die allgemei-
       nen Wahrheiten  der Theorie  mit der konkreten Analyse der Situa-
       tion in der Wirtschaft zu verbinden.
       Es gibt  eine gewisse Unterschätzung des Primats der sozialökono-
       mischen Bedingungen  und Faktoren  in der  Entwicklung der Volks-
       wirtschaft. Im  ökonomischen Bewußtsein  der Massen ist weiterhin
       eine keinesfalls  wissenschaftliche,  ausgesprochen  übertriebene
       Vorstellung von  der Rolle  der natürlichen Bedingungen, all des-
       sen, was  man im  Marxismus geographisches Milieu nennt, verbrei-
       tet. Dieses  ist eine  der objektiven  materiellen Bedingungen im
       Leben der  Gesellschaft. Jedoch hielt der Marxismus diesen Faktor
       niemals für  bestimmend. Demzuwider  versuchen wir  häufig,  alle
       Schwierigkeiten in  der Landwirtschaft mit ungünstigen Wetterver-
       hältnissen zu  erklären und  die gespannte Lage in der Volkswirt-
       schaft mit  den sich verschlechternden Bedingungen für die Förde-
       rung von Bodenschätzen zu entschuldigen. Das sind keine neuen und
       sind in  der ökonomischen  Theorie ausreichend behandelte Fragen.
       Können zusätzliche  Kapitalinvestitionen zu einer Senkung der Ef-
       fektivität führen?  Diese Frage wurde bereits zu Anfang des Jahr-
       hunderts diskutiert.  Und Lenin beantwortete diese Frage positiv.
       Aber, fügte er hinzu, nur bei gleichbleibender Technik.
       Aber das  ökonomische Denken kann, wenn es wirklich wissenschaft-
       lich ist,  die Technik  nicht als  gleichbleibend ansehen und vom
       wissenschaftlich-technischen  Fortschritt   abstrahieren.   Lenin
       schrieb, daß  "der Ökonom stets vorwärts blicken muß in der Rich-
       tung des  technischen Fortschritts, sonst bleibt er sofort hinter
       den anderen  zurück, denn  wer nicht  vorwärts blicken  will, der
       wendet der  Geschichte den Rücken zu: ein Mittelding gibt es hier
       nicht und kann es nicht geben." 2) Das ökonomische Denken muß im-
       mer, und heute um so mehr, auf den technischen oder wissenschaft-
       lich-technischen Fortschritt  gerichtet sein. Die Sache anders zu
       betrachten bedeutet,  den natürlichen  Faktoren eine bestimmende,
       selbstgenügsame Bedeutung zu verleihen.
       Aber das  ist noch nicht alles. Der entscheidende Faktor des wis-
       senschaftlich-technischen Fortschritts  sind immer  die Produkti-
       onsverhältnisse. Gerade  sie sind der wichtigste, mächtigste Sti-
       mulus für eine unentwegte und schnelle Entwicklung der Produktiv-
       kräfte und  für die Erhöhung der Effektivität der gesellschaftli-
       chen Produktion.  Und sie können auch zum wichtigsten Hemmnis für
       das Wirtschaftswachstum  werden. Das geschieht dann, wenn die ob-
       jektiv notwendige  Übereinstimmung zwischen dem erreichten Niveau
       der Produktivkräfte,  ihren Entwicklungstendenzen und den konkre-
       ten Formen  der Produktionsverhältnisse  verletzt wird. Eine Ver-
       letzung dieser  Übereinstimmung trat  deutlich Ende  der 70er und
       Anfang der 80er Jahre zutage. Es war, als würden die um ein Mehr-
       faches angewachsenen Produktivkräfte außer Kontrolle geraten; sie
       wurden durch aus der Vergangenheit beibehaltene Wirtschaftsmetho-
       den schwer lenkbar. Die entstandenen Leitungs- und Organisations-
       strukturen der  Planung zeigten  sich nicht in der Lage, das hohe
       Tempo des wissenschaftlich-technischen Fortschritts zu gewährlei-
       sten, die  Wirtschaft auf  einen  intensiven  Entwicklungsweg  zu
       überführen. Das  Tempo des  Wirtschaftswachstums nahm  wesentlich
       ab, und es entstanden ernsthafte Disproportionen.
       Das ist die wichtigste, tiefliegendste Ursache für die Schwierig-
       keiten, auf  die unsere  Landwirtschaft in  den genannten  Jahren
       stieß. Die Ursachen woanders zu suchen, bedeutet, von den Prinzi-
       pien der  wissenschaftlichen Analyse abzugehen, sich der Möglich-
       keit zu berauben, wirksame Methoden zur Überwindung der negativen
       Erscheinungen zu entwickeln.
       Und schließlich muß man noch den Umstand berücksichtigen, daß mit
       der Entwicklung  der sozialistischen  Gesellschaft, mit der Erhö-
       hung ihrer  Reife die  Anforderungen an  die Wissenschaftlichkeit
       des ökonomischen Denkens (wie auch des gesellschaftlichen Bewußt-
       seins insgesamt)  bedeutend höher  werden. Das hängt letztendlich
       mit den  komplizierter gewordenen Aufgaben des gesellschaftlichen
       Fortschritts zusammen.  Lenin forderte,  unbedingt weiterzugehen,
       unbedingt mehr  zu erstreben,  "unbedingt von  leichteren zu  den
       schwierigeren Aufgaben  überzugehen", denn  sonst "ist  überhaupt
       kein Fortschritt,  auch kein  Fortschritt im sozialistischen Auf-
       bau, möglich"  3). Dadurch,  daß die zu lösenden Aufgaben kompli-
       zierter werden,  steigen die  Anforderungen an  die Wissenschaft-
       lichkeit aller Seiten des gesellschaftlichen Bewußtseins.
       Daß sich  die heutigen  Realitäten im  ökonomischen Denken wider-
       spiegeln müssen,  ist vor allem durch die tiefgreifenden Verände-
       rungen in  den Bedingungen  für das Funktionieren der Wirtschaft,
       durch den  Übergang zu  einem intensiven Typ der Reproduktion be-
       dingt. In wissenschaftlichen Arbeiten heißt es gewöhnlich, daß es
       eine rein  extensive oder  rein intensive  Art  der  Reproduktion
       nicht gebe, daß man vom Überwiegen des einen oder anderen Faktors
       sprechen müsse.  Durch ein solches Herangehen entsteht jedoch der
       Eindruck, als  ginge es  hier nur  um einen  quantitativen Unter-
       schied: um den mehr oder minder großen Einfluß verschiedener Fak-
       toren auf  die Wirtschaftsdynamik. Dadurch wird jedoch die Tatsa-
       che vertuscht,  daß sich  heute der Übergang zu einem prinzipiell
       neuen Typ  des Wirtschaftswachstums  vollzieht. Und  es geht hier
       keinesfalls um  eine Veränderung der Korrelation einzelner Fakto-
       ren, sondern um eine tiefgreifende Umwandlung der gesamten Struk-
       tur der  gesellschaftlichen Reproduktion, um eine qualitativ neue
       Rolle der  Wissenschaft in diesem Prozeß und um grundlegende Ver-
       änderungen im System der gesellschaftlichen Bedürfnisse.
       Die politische  Ökonomie steht  vor der Notwendigkeit, eine neue,
       zeitgemäße und  selbstverständlich  marxistische  Konzeption  des
       wirtschaftlichen Wachstums auszuarbeiten, darunter auch eine neue
       Betrachtungsweise des Problems des Tempos. In erster Linie ist es
       erforderlich, entschieden und konsequent von der Einschätzung der
       Wirtschaftsdynamik  nach  Bruttomengenkennziffern,  ausgesprochen
       quantitativen Gesichtspunkten,  oder solchen Kennziffern, die den
       Umfang angeben, abzurücken. Der Schwerpunkt muß hier auf die Auf-
       deckung und  Messung der volkswirtschaftlichen Endergebnisse ver-
       lagert werden,  auf den  Grad (die Vollständigkeit) der Befriedi-
       gung der gesellschaftlichen Bedürfnisse.
       Davon, daß  dies ein  prinzipiell neues  Herangehen  erforderlich
       macht, kann  man sich  anhand des folgenden Beispiels überzeugen.
       Es ist  klar, daß  Bedürfnisse nicht  durch Millionen  von Rubel,
       sondern durch  den Gebrauchswert befriedigt werden. Die Orientie-
       rung auf den Konsumenten macht die Erfüllung von Lieferverpflich-
       tungen in Übereinstimmung mit dem im Vertrag vorgesehenen Produk-
       tionsumfang, Sortiment  und der Qualität zur vorrangigen Aufgabe.
       Hier verändert  sich das  Herangehen an  die Planung selbst - zur
       Grundlage des Produktionsprogramms der Betriebe und Vereinigungen
       wird, wie man bei uns sagt, die Auftragsmappe.
       Es verändert sich auch das Herangehen an die Einschätzung der Er-
       gebnisse. Die  Auflage, in  Übereinstimmung  mit  abgeschlossenen
       Verträgen zu  liefern, kann  nicht übererfüllt  werden. Sie  kann
       hundertprozentig oder  weniger erfüllt  werden, es ist jedoch un-
       möglich, sie  auch nur  um ein Prozent überzuerfüllen, da die ge-
       samte Produktion,  die über den Vertrag hinausgeht oder eine Ver-
       letzung der  vertraglichen Anforderungen darstellt, nicht berech-
       net wird. Unsere Industrie geht folglich zu einer solchen Ordnung
       über. Jedoch  ist bis  heute die  Einschätzung nach Bruttomengen-
       oder Umfangskennziffern  noch nicht  überwunden. Das zeugt davon,
       wie zählebig Trägheit ist, wie schwer sich im ökonomischen Denken
       neue Anforderungen, die von der Partei ausgearbeiteten Direktiven
       durchsetzen.
       Der Kampf  gegen die Einschätzung nach Bruttomengen- und Umfangs-
       kennziffern erfordert  nicht nur  eine Veränderung des Meßverfah-
       rens der  Wirtschaftsdynamik, sondern  hat  noch  einen  anderen,
       strukturellen Aspekt. Die Einschätzung der industriellen Entwick-
       lung nach ihrem allgemeinen Wachstumstempo bleibt, unabhängig da-
       von, ob  ihr die Messung der Brutto-, Waren- oder Nettoproduktion
       zugrunde liegt,  ausgesprochen auf  den  Umfang  und  auf  Durch-
       schnittswerte beschränkt und hat mit beliebigen Durchschnittswer-
       ten alle  Vorteile und  Mängel gemeinsam. Beispielsweise kann ein
       Zuwachs der  Industrieproduktion um,  sagen wir,  fünf bis  sechs
       Prozent im  Jahr ganz unterschiedliche Prozesse verdecken, sowohl
       hinsichtlich des  wissenschaftlich-technischen Fortschritts,  als
       auch im  Hinblick auf  die Vollständigkeit der Bedürfnisbefriedi-
       gung.
       Betrachten wir  das Problem  anhand konkreterer Beispiele. In der
       Wirtschaftsanalyse wird  sehr häufig mit dem Vergleich des Wachs-
       tumstempos der Abteilung "A" und der Abteilung "B" operiert. Aber
       auch das  ist eine  Gegenüberstellung nach  Bruttomengen- und Um-
       fangsgesichtspunkten. Die  heutige Struktur der Abteilung "A" ist
       so, daß in ihr die Produktion von Arbeitsgegenständen (Rohstoffe,
       Brennstoffe, Baumaterialien)  vier Fünftel  einnimmt und die Pro-
       duktion von  Arbeitsmitteln (Maschinen, Ausrüstungen, Geräte) nur
       ein Fünftel  ausmacht. Bei Stabilisierung der Rohstoffgewinnung -
       und das ist eine vollkommen realistische Annahme - führt eine Er-
       höhung des  Ausstoßes von Arbeitsmitteln um, sagen wir, zehn Pro-
       zent zu einem Zuwachs in der Abteilung "A" um ganze zwei Prozent.
       Aber kann man denn nur auf Grund dieser Zahl über die realen Pro-
       zesse urteilen?  Selbstverstänlich nicht. Im zeitgemäßen ökonomi-
       schen Denken muß das analytische, differenzierte Herangehen domi-
       nieren.
       Weiter. Nach  modernen Produktionsmaßstäben ist eine vollständige
       Befriedigung (wenn  man es  von der  quantitativen Seite  aus be-
       trachtet) vieler  traditioneller Bedürfnisse erreicht. Betrachten
       wir ein  konkretes Beispiel,  die Produktion von Schuhen. Die so-
       wjetische Industrie  produziert heute  mehr Lederschuhe  als  die
       USA, die  BRD, Großbritannien und Japan zusammen. Der Ausstoß (in
       Millionen Paar)  blieb in  den letzten  Jahren konstant hoch. Das
       Sortiment solcher Erzeugnisse wurde in den letzten Jahren ständig
       erweitert. Hier muß man also auf eine andere, nicht traditionelle
       Weise an  die Einschätzung des Tempos herangehen. Es ist eine Sa-
       che, Erzeugnisse zu produzieren, nach denen die Nachfrage befrie-
       digt ist, und eine ganz andere Sache, Waren herzustellen, die den
       veränderten Bedürfnissen entsprechen.
       Zugleich entsteht  eine völlig  neue Frage,  wie die qualitativen
       Aspekte der  ökonomischen Entwicklung gemessen werden können. Je-
       der von  uns kann  sich doch  sehr gut vorstellen, daß der Umfang
       der Produktion  von Schuhen  in Millionen  Paaren rein gar nichts
       über die Qualität und darüber aussagt, ob die Produktion den ent-
       standenen gesellschaftlichen Bedürfnissen entspricht. Noch dring-
       licher erscheint  dieses Problem bei der Messung der Qualität von
       Produktionsmitteln, Maschinen, Ausrüstungen, Geräten und außerdem
       Metallen und  anderen Grundstoffen. Folglich sind die existieren-
       den Kennziffern  für das  Wirtschaftswachstum nicht  in der Lage,
       die reale  Dynamik bei der Produktion von Gebrauchswerten wieder-
       zugeben. Und  wenn man  sich damit früher noch irgendwie abfinden
       konnte, so  ist heute  eine neue, aufschlußreichere Betrachtungs-
       weise erforderlich.
       Und noch  eines. Es  existieren recht  bedeutende Unterschiede in
       der Dynamik  der Produktion für den laufenden Verbrauch (Arbeits-
       gegenstände, die  meisten Konsumgüter)  und  der  Produktion  von
       langlebigen  Gütern   (Wohnhäuser,  Transportmittel,  Werkzeugma-
       schinen usw.). Wir verwirklichen ein gigantisches Wohnungsbaupro-
       gramm. Das  vierte Planjahrfünft  hintereinander wurden  ungefähr
       520 bis  540 Millionen  Quadratmeter  Wohnraum  ihrer  Bestimmung
       übergeben. Formell  gibt es anscheinend keinen Zuwachs. Aber hier
       muß auf  andere Weise gemessen werden: der angesammelte reale Be-
       sitz und  die Qualität der übergebenen Objekte müssen berücksich-
       tigt werden.
       Man kann  sich auch noch ein anderes Bild vorstellen: Eine Stabi-
       lisierung des  Bestandes  der  metallverarbeitenden  Ausrüstungen
       (nach der  Anzahl von Einheiten) und, entsprechend, eine Stabili-
       sierung des Ausstoßes von Werkzeugmaschinen, die vorgesehen sind,
       um wegen  physischen und  moralischen Verschleißes  ausscheidende
       Werkzeugmaschinen zu  ersetzen. Auch  das ist völlig realistisch.
       Wird doch  schon heute  der Zuwachs des Bestandes von Werkzeugma-
       schinen von  ihrem Veralten  und ihrer schlechten Nutzung beglei-
       tet, und  der Ausstoß  von Metallbearbeitungsmaschinen geht sogar
       zurück. Es  ist völlig offensichtlich, daß man zu einer Einschät-
       zung der Qualität der Wirtschaftsdynamik übergehen muß.
       Im System  der gesellschaftlichen  Reproduktion  vollziehen  sich
       also tiefgreifende,  qualitative Veränderungen. Sie führen zu ei-
       ner prinzipiell neuen ökonomischen Situation, die sich wesentlich
       von der  unterscheidet, die  für die  vorangegangenen Etappen des
       sozialistischen Aufbaus  charakteristisch waren.  Wobei hier  nur
       ein Teil  der Veränderungen  behandelt wurde. Viele Probleme, die
       ausreichend umfassend  in der Literatur abgehandelt werden, kamen
       hier nur ganz allgemein zur Sprache.
       All das  in seiner  Gesamtheit vergrößert  die Notwendigkeit, das
       zeitgemäße ökonomische Denken zu formieren. Und das Wesen der Sa-
       che besteht  nicht nur  darin, daß  sich das Massenbewußtsein die
       bereits gewonnenen  wissenschaftlichen Wahrheiten aneignet. Viele
       der neuen  Betrachtungsweisen müssen erst noch ausgearbeitet wer-
       den, die  neuen Erscheinungen  und Prozesse im sozialökonomischen
       Leben des Landes müssen noch tiefgreifender untersucht werden.
       Eine besondere  Verantwortung bei der Lösung dieser Aufgabe trägt
       die Wirtschaftswissenschaft  und ihr  Herzstück -  die politische
       Ökonomie des Sozialismus. Sie selbst ist in ihrer Entwicklung be-
       rufen, sich  auf das  Niveau der  hohen Anforderungen zu erheben,
       die von  der Situation und der Verantwortung der Wissenschaft un-
       ter den  Bedingungen der  entwickelten  sozialistischen"  Gesell-
       schaft diktiert werden.
       
       _____
       *) Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift "Kommunist",
       Moskau, Nr.  18 (1262), Dezember 1984. Er ist ein Beitrag im Kon-
       text der Diskussion im Vorfeld des Entwurfs für ein neues Partei-
       programm der KPdSU, der im Herbst 1985 veröffentlicht und dem 27.
       Parteitag der  KPdSU im  Frühjahr 1986 zur Beschlußfassung vorge-
       legt werden  soll. Überschriften durch die Redaktion. Übersetzung
       aus dem Russischen: Vera Böpple.
       1) Rede Konstantin Tschernenkos auf der Jubiläumsplenartagung des
       Vorstandes des Schriftstellerverbandes der UdSSR 1984.
       2) W.I. Lenin, Werke, Bd. 5, S. 137.
       3) W.I. Lenin, Werke, Bd. 37, S. 196 (Russische Ausgabe).
       

       zurück