Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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       DIE GESTALTUNG DES ENTWICKELTEN SOZIALISMUS -
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       STRATEGISCHES ZIEL DER GESELLSCHAFTPOLITIK DER SED
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       Otto Reinhold
       
       1. Sozialismus und Kommunismus - 2. Merkmale des entwickelten So-
       zialismus
       
       1. Sozialismus und Kommunismus
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       Im letzten  Viertel unseres  Jahrhunderts ist  für die KPdSU, die
       SED und die Mehrzahl der anderen kommunistischen Parteien die Ge-
       staltung bzw.  die Vervollkommnung  der entwickelten  sozialisti-
       schen Gesellschaft  das nächste  historische Ziel. Damit wird die
       Frage nach  dem Charakter,  den Merkmalen  und  der  historischen
       Stellung des Sozialismus in unserer Zeit beantwortet.
       Das Kernstück der Politik und der praktischen Tätigkeit einer je-
       den kommunistischen  Partei in der sozialistischen Revolution und
       des sozialistischen Aufbaus ist die Marxsche Erkenntnis, daß sich
       nicht nur  die Natur, sondern auch die Gesellschaft nach bestimm-
       ten Gesetzen entwickelt. Im Kapitalismus führen diese Gesetze der
       gesellschaftlichen Entwicklung mit unabdingbarer Notwendigkeit zu
       jenem Punkt,  da der  Übergang zum  Sozialismus unabdingbar wird.
       Daraus leiteten Marx und Engels und daraus leiten die Kommunisten
       heute die  wissenschaftlich begründete  Gewißheit des  Sieges des
       Sozialismus im Weltmaßstab ab. Vor allem in dieser Erkenntnis ist
       ihr historischer Optimismus begründet, der auch unter den kompli-
       zierten internationalen  Bedingungen jene  revolutionäre Tatkraft
       hervorbringt, die seit mehr als hundert Jahren für die Marxisten-
       Leninisten sprichwörtlich geworden ist.
       Daß die  Marxsche Erkenntnis  von der Gesetzmäßigkeit der gesell-
       schaftlichen Entwicklung  zum Sozialismus und Kommunismus von den
       herrschenden imperialistischen  Kreisen und ihren Ideologen nicht
       akzeptiert werden  kann, ist selbstverständlich. Sie versuchen ja
       gerade die  Behauptung zu verbreiten, Sozialismus und Kommunismus
       seien zeitweilige Irrwege der Geschichte, die beendet werden müß-
       ten.
       Marx und  Engels haben  stets eine Voraussage darüber verweigert,
       in welchem  Zeitraum und  unter welchen konkreten Bedingungen die
       sozialistische Revolution  stattfinden wird. Friedrich Engels er-
       klärte später  auf eine entsprechende Frage, daß er keine Voraus-
       sagen über  Dinge machen  wird, die  objektiv nicht  vorausgesagt
       werden können.  Dies  sei  Sache  der  jeweiligen  revolutionären
       Kräfte, die  dann schon die richtigen Wege und Mittel finden wer-
       den.
       Tatsächlich haben  sich viele  Bedingungen mit  der Herausbildung
       des Imperialismus  geändert. Lenin  hat  daraus  die  notwendigen
       Schlußfolgerungen gezogen.  Dazu gehört  vor allem  der Nachweis,
       daß nunmehr  die sozialistische Revolution zunächst in einem oder
       einzelnen Ländern  stattfinden wird,  und zwar nicht unbedingt in
       den industriell am höchsten entwickelten Staaten.
       Die SED ging stets konsequent von den allgemeingültigen Gesetzmä-
       ßigkeiten der  sozialistischen Revolution aus und war ebenso kon-
       sequent bestrebt,  sie schöpferisch  auf die  Bedingungen der DDR
       anzuwenden. "Die  Sozialistische Einheitspartei Deutschlands läßt
       sich in  ihren programmatischen  Zielen und  in ihrem praktischen
       Handeln von  den durch  den revolutionären Weltprozeß bestätigten
       allgemeinen Gesetzmäßigkeiten  der sozialistischen Revolution und
       des sozialistischen  Aufbaus leiten und wendet sie unter den kon-
       kreten historischen  Bedingungen der Deutschen Demokratischen Re-
       publik schöpferisch  an" 1),  heißt es  im Programm  der SED. Die
       Konsequenz in dieser zentralen Frage der Wirtschafts- und Gesell-
       schaftspolitik war  und ist die Grundlage für Erfolg und Stabili-
       tät des Sozialismus im Kampf der beiden Weltsysteme. Es gehört zu
       den größten bleibenden Verdiensten der marxistisch-leninistischen
       Parteien, daß  sie nach dem Abschluß der Übergangsperiode vom Ka-
       pitalismus zum  Sozialismus in den sechziger Jahren den entschei-
       denden theoretischen Schlüssel zur weiteren Gestaltung der sozia-
       listischen Gesellschaft  fanden  und  in  der  Praxis  anwandten:
       d i e   K o n z e p t i o n  d e r  e n t w i c k e l t e n  s o-
       z i a l i s t i s c h e n  G e s e l l s c h a f t.
       Als zu  Beginn der  sechziger Jahre  die Mehrzahl der sozialisti-
       schen Länder  Europas, darunter  die DDR,  die Aufgaben der Über-
       gangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus im wesentlichen ge-
       löst hatten,  galt es,  die Frage  zu beantworten: Bedeutet dies,
       daß nunmehr  der unmittelbare Übergang zum Kommunismus historisch
       auf die Tagesordnung gestellt wird, oder heißt das, daß damit le-
       diglich die Fundamente der sozialistischen Phase gelegt sind, daß
       damit die  eigentliche umfassende  Gestaltung der sozialistischen
       Gesellschaft erst eingeleitet worden ist?
       Nachdem diese  Frage zunächst  unterschiedlich beantwortet wurde,
       haben die marxistisch-leninistischen Parteien der sozialistischen
       Länder im  Verlaufe der sechziger Jahre in gemeinsamer schöpferi-
       scher Arbeit  eine Konzeption  entwickelt, die eine klare Antwort
       auf diese  Frage in  Theorie und  Praxis gibt  -   d i e   T h e-
       o r i e   v o n    d e r    e n t w i c k e l t e n    s o z i a-
       l i s t i s c h e n  G e s e l l s c h a f t.
       Die Kernfrage, die es dabei zu beantworten galt, war die nach dem
       Charakter und der historischen Stellung der sozialistischen Phase
       im Rahmen  der neuen, der kommunistischen Gesellschaftsformation.
       Bekanntlich hatte  Marx bereits in seinen Randglossen zum Gothaer
       Programm der  deutschen Sozialdemokratie  darauf hingewiesen, daß
       sich die  Entwicklung zum  Kommunismus in  zwei Phasen vollziehen
       wird -  dem Sozialismus oder der niederen Phase und dem Kommunis-
       mus als  der höheren Phase. Mit dem Abschluß der Übergangsperiode
       vom Kapitalismus  zum Sozialismus war diese erste Phase erreicht.
       Welchen Charakter  die Übergangsperiode trägt, welche grundlegen-
       den Aufgaben  es in ihrem Verlauf zu lösen galt, war für die mar-
       xistisch-leninistischen Parteien  im wesentlichen klar. Vor allem
       kam es  darauf an,  die spezifischen Wege und Formen ihrer Lösung
       zu finden.
       Viel weniger klar war demgegenüber Wesen und Verlauf der soziali-
       stischen Phase. Verständlich ist auch, daß die Klassiker des Mar-
       xismus-Leninismus dafür  nur wenige  grundlegende Bemerkungen ma-
       chen konnten.  Dabei galt  es. solche  Fragen zu beantworten: Ist
       der Sozialismus  eine kurze  Übergangsphase zum  Kommunismus, die
       man schnell  durchlaufen muß  und kann,  oder muß der Sozialismus
       erst allseitig  entwickelt, alle  seine Potenzen und Vorzüge voll
       ausgeschöpft werden,  wie lange  wird diese  sozialistische Phase
       dauern, welche  grundlegenden Aufgaben  müssen in ihr gelöst wer-
       den, welche sozialistischen Ziele und Ideale können und müssen im
       Rahmen dieser  Phase durchgesetzt  werden, welche sind noch nicht
       erreichbar, welchen Charakter trägt die Wirtschaft, worin besteht
       die Spezifik der ökonomischen Gesetze usw.?
       Wie sich zeigt, handelt es sich dabei keineswegs um lebensfremde,
       abstrakte theoretische  Fragen.  Von  ihrer  Beantwortung  hängen
       Ziel, Richtung und praktische Gestaltung der Politik der kommuni-
       stischen Parteien  der sozialistischen  Länder  ab.  Es  versteht
       sich, daß  bei der Beantwortung dieser Fragen berücksichtigt wer-
       den muß,  daß die  Lösung aller Aufgaben am Ende des 20. Jahrhun-
       derts, unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Re-
       volution und  des harten,  unerbittlichen Kampfes zwischen Sozia-
       lismus und Kapitalismus im Weltmaßstab erfolgen muß. Die soziali-
       stischen Staaten  müssen ihre  Existenz nicht nur Tag für Tag si-
       chern und  verteidigen, sondern  im internationalen  Leben wirken
       und eine  Politik betreiben,  die  den  Einfluß  des  Sozialismus
       Schritt für Schritt erweitert.
       Natürlich ist  es von  größter praktischer Bedeutung, ob man alle
       Kraft darauf  konzentriert, die  materiell-technische  Basis  des
       Kommunismus zu schaffen, oder ob die Wirtschaft, Wissenschaft und
       Technik so  entwickelt wird,  daß in  der Gegenwart  jeder  Fort-
       schritt mit einer Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen
       verbunden ist,  daß die  Hebung des  materiellen und geistig-kul-
       turellen Lebensniveaus der Werktätigen in den Mittelpunkt der Ge-
       sellschaftspolitik gestellt  wird. Es  ist selbstverständlich ein
       großer Unterschied,  ob  in  dieser  sozialistischen  Phase  alle
       Kräfte und  Potenzen darauf konzentriert werden, den Übergang zum
       Kommunismus vorzubereiten,  mit der  Aussicht dann,  d.h. später,
       eine grundlegende  Verbesserung des Lebensniveaus der Werktätigen
       zu erreichen,  oder ob die Wirtschaft und Gesellschaft so entwic-
       kelt werden,  daß das  Wohl des Volkes, die Realisierung der Vor-
       züge des  Sozialismus jetzt  in den  Mittelpunkt gestellt werden.
       Eine unterschiedliche  Beantwortung dieser Frage muß notwendiger-
       weise tiefgreifende  Auswirkungen auf allen wesentlichen Gebieten
       des gesellschaftlichen Lebens bis zur Aufteilung des Nationalein-
       kommens für die Konsumtion und für die Akkumulation haben.
       Selbstverständlich ist es nicht gleichgültig, ob alle Kräfte dar-
       auf konzentriert  werden, die sozialistischen Produktionsverhält-
       nisse so  schnell wie  möglich in  kommunistische zu  verwandeln,
       oder ob  alles unternommen  wird, alle Potenzen und Möglichkeiten
       der sozialistischen  Produktionsverhältnisse voll  zur Wirkung zu
       bringen. Aus  der ersten Vorstellung muß notwendigerweise das Be-
       streben erwachsen,  die beiden  Formen des sozialistischen Eigen-
       tums so  schnell wie  möglich zu überwinden. Aus der zweiten Kon-
       zeption ergibt  sich demgegenüber  eine Politik, die die Möglich-
       keiten des  genossenschaftlichen Eigentums, der genossenschaftli-
       chen Demokratie und Arbeit maximal nutzt und ausschöpft.
       Die Zahl  der Beispiele  könnte beliebig  fortgesetzt werden. Wie
       die Erfahrungen zeigen, steht es uns keinesfalls frei, welche der
       beiden Varianten  wir wählen. Jeder Versuch, Aufgaben auf die Ta-
       gesordnung zu  stellen und  in Angriff  zu nehmen,  für die  noch
       keine realen  Voraussetzungen existieren, muß notwendigerweise zu
       gesellschaftlichen Konflikten  führen, den Sozialismus schwächen,
       ihn aber  keinesfalls in  Richtung  der  höheren  kommunistischen
       Phase weiterentwickeln. Ebenso negativ würde sich auswirken, wenn
       Aufgaben, die  heute gelöst  werden müssen,  auf  einen  späteren
       Zeitpunkt vertagt werden.
       Zu den  Grunderkenntnissen marxistisch-leninistischer Theorie ge-
       hört die  Schlußfolgerung, daß  in jeder Phase gesellschaftlicher
       Entwicklung alle  Potenzen und  Möglichkeiten  voll  ausgeschöpft
       werden müssen, bevor die nächste geschichtliche Etappe in Angriff
       genommen werden kann. Wie die Geschichte zeigt, resultieren zahl-
       reiche gesellschaftliche Konflikte in sozialistischen Ländern aus
       Versuchen, Aufgaben  in Angriff  zu nehmen,  die nicht den realen
       Entwicklungsbedingungen entsprechen.  So muß der Versuch, vorzei-
       tig alle  Kraft auf die Schaffung der materiell-technischen Basis
       des Kommunismus  zu konzentrieren,  notwendigerweise dazu führen,
       daß die  Bedürfnisse und  aktuellen Interessen der Arbeiterklasse
       und aller Werktätigen, die systematische Hebung ihres Lebensnive-
       aus unterschätzt werden. Aber vor allem deshalb kämpft die Arbei-
       terklasse um  den Sozialismus.  Die vorzeitige  Konzentration auf
       Aufgaben der  kommunistischen Phase  würde aber bedeuten, das die
       entscheidenden Triebkräfte  des Sozialismus nicht zur Wirkung kä-
       men und  die politische  Stabilität untergraben  wird. Jeder Ver-
       such, das  genossenschaftliche Eigentum  zu einer Zeit überwinden
       zu wollen,  da es eine der entscheidenden Quellen sozialistischer
       Aktivität ist, würde nicht nur die landwirtschaftliche Produktion
       schwer schädigen, sondern auch das Bündnis der Arbeiterklasse und
       der Genossenschaftsbauern  zutiefst stören.  Aber dieses  Bündnis
       ist eine entscheidende Grundlage der sozialistischen Staatsmacht.
       Die Konzeption  der entwickelten sozialistischen Gesellschaft ist
       die theoretische  Verallgemeinerung der  praktischen Erfahrungen,
       die beim  sozialistischen Aufbau  seit 1917  in den verschiedenen
       Ländern gesammelt  wurden. Sie  ist das  wichtigste Ergebnis  der
       schöpferischen Weiterentwicklung  der  marxistisch-leninistischen
       Theorie. Sie bestimmt den Charakter und die Grundaufgaben der so-
       zialistischen Phase.  Die wichtigste  Schlußfolgerung ist die Er-
       kenntnis, daß erst alle Möglichkeiten des Sozialismus wirksam ge-
       macht, alle seine Ideale und Werte praktisch realisiert sein müs-
       sen, bevor  der Übergang  zum Kommunismus  erfolgen kann. Ja noch
       mehr, dies  ist der einzig mögliche Weg, um zur höheren, der kom-
       munistischen Phase zu kommen. Andere Wege stehen nicht zur Verfü-
       gung. Wie sich zeigt, ist dazu ein historisch langer Zeitraum er-
       forderlich.
       "Die sowjetische  Gesellschaft ist  in die  historisch lange dau-
       ernde Etappe  des entwickelten Sozialismus eingetreten: ihre all-
       seitige Vervollkommnung  ist unsere strategische Aufgabe" 2), er-
       klärte Konstantin Tschernenko. Diese historische Aufgabenstellung
       der Konzeption  des entwickelten  Sozialismus umriß Juri Andropow
       mit den Worten: "Darin wurde überzeugend die dialektische Einheit
       sowohl der realen Erfolge beim sozialistischen Aufbau und bei der
       Verwirklichung vieler ökonomischer, sozialer und kultureller Auf-
       gaben der ersten Phase des Kommunismus und der erstarkenden Keime
       der kommunistischen Zukunft als auch der noch nicht gelösten Pro-
       bleme des gestrigen Tages aufgezeigt. Dies bedeutet, daß es einer
       gewissen Zeit  bedarf, damit das zurückgebliebene Hinterland auf-
       schließt und sich weiterentwickeln kann... Unsere Gesellschaft in
       ihrer realen  Dynamik zu  sehen, mit all 'ihren Möglichkeiten und
       Notwendigkeiten, das ist es, was heute gefordert wird" 3).
       Marx und  Engels gingen stets davon aus, das der Sozialismus eine
       sich stetig  höher entwickelnde  Gesellschaft sein  wird. Nur  im
       Verlauf und  im Ergebnis  dieser Höherentwicklung können die Vor-
       züge und  Triebkräfte, die  Werte und  Ideale der sozialistischen
       Gesellschaft, ihr  humanistischer Charakter  voll zur Wirkung ge-
       langen. "Unsere  Erfolge sind  offenkundig. Es  gehört jedoch zur
       Dialektik der Entwicklung, daß das Erreichte die historischen Ho-
       rizonte erweitert und dem Volk kompliziertere, verantwortungsvol-
       lere Aufgaben  stellt. Solche Aufgaben stehen heute auch vor uns.
       Ihr Wesen  besteht in  der Notwendigkeit,  eine neue Qualität der
       Gesellschaft, ihrer  Wirtschaft, des Systems der gesellschaftspo-
       litischen Beziehungen  und Institutionen,  der Gesamtheit der Ar-
       beits- und  Lebensbedingungen der Millionen sowjetischen Menschen
       zu erreichen" 4).
       Die imperialistische, sozialreformistische und ultralinke Verfäl-
       schung des  Marxismus-Leninismus ist verzweifelt bemüht, Marx und
       Engels eine  unhistorische und undialektische Sozialismus-Auffas-
       sung zu  unterstellen, wonach  angeblich mit  der Überführung der
       Produktionsmittel in  gesellschaftliches Eigentum  sofort, gewis-
       sermaßen automatisch über Nacht, alle Triebkräfte, Werte, Vorzüge
       und Ideale des Sozialismus umfassend wirksam würden. In Wirklich-
       keit jedoch  ging Karl  Marx von  der Erkenntnis aus, daß der Weg
       zum Kommunismus  zwei Phasen  durchlaufen wird  - Sozialismus und
       Kommunismus, eine  niedere und  eine höhere  Phase. Heute  wissen
       wir, daß es sich um einen langen, äußerst dynamischen Prozeß ste-
       tiger Höherentwicklung und tiefgreifender Wandlungen handelt, der
       die gesamte  Gesellschaft umfaßt.  Die entwickelte sozialistische
       Gesellschaft erfordert die umfassende Ausbildung der ihr entspre-
       chenden Ökonomik  wie alle anderen Elemente dieser Reifestufe des
       Sozialismus, denn  die Entwicklung  eines gesellschaftlichen  Sy-
       stems "zur  Totalität besteht  eben [darin]",  betonte Karl Marx,
       "alle Elemente  der Gesellschaft sich unterzuordnen, oder die ihm
       noch fehlenden Organe aus ihr herauszuschaffen. Es wird so histo-
       risch zur  Totalität. Das  Werden zu  dieser Totalität bildet ein
       Moment seines  Prozesses, seiner  Entwicklung" 5).  Das  bedeutet
       hinsichtlich der  Gestaltung des entwickelten Sozialismus vor al-
       lem, daß die entsprechende Ökonomik für die Ausbildung aller Ele-
       mente ebenso erforderlich ist wie umgekehrt alle anderen Bereiche
       des gesellschaftlichen  Lebens  für  die  Leistungsfähigkeit  der
       Volkswirtschaft.
       Dabei hatte  Karl Marx keine Illusionen hinsichtlich der Entwick-
       lungsprobleme und  -schwierigkeiten des  Sozialismus: "Aber diese
       Mißstände sind  unvermeidbar in  der ersten Phase der kommunisti-
       schen Gesellschaft, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesell-
       schaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen ist..." 6) Erst in
       einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft bestehen die
       objektiven Bedingungen, die Wesenszüge des Kommunismus zur vollen
       Entfaltung zu  bringen. Karl  Marx und Friedrich Engels haben na-
       türlich keinerlei  Angaben darüber machen können, wie lange diese
       sozialistische Phase  dauern wird.  Aber Marx'  "Randglossen" zum
       Gothaer Programm  zeigen, daß  ihm klar war, welche komplizierten
       Aufgaben in  dieser sozialistischen Phase zu lösen sind. Für Marx
       war die  rasche und  allseitige Entwicklung  der  Produktivkräfte
       entscheidende Voraussetzung,  daß "alle  Springquellen des genos-
       senschaftlichen Reichtums  voller fließen"  7) können.  Diese Er-
       kenntnis wurde  später von  Lenin weiterentwickelt und ist inzwi-
       schen durch  die Praxis  der sozialistischen Revolution bestätigt
       worden. Für  Lenin war  völlig klar, daß für den endgültigen Sieg
       des Sozialismus eine höhere Arbeitsproduktivität als in den indu-
       striell entwickelten  kapitalistischen Ländern  erforderlich ist.
       Sie ist  ein entscheidendes Element der sozialistischen Revoluti-
       onstheorie.
       Mit der   T h e o r i e   d e r   b e i d e n  P h a s e n  d e r
       k o m m u n i s t i s c h e n    G e s e l l s c h a f t s f o r-
       m a t i o n  verbindet der Marxismus-Leninismus eine Reihe grund-
       legender Erkennt-.nisse.  Die sozialistische Gesellschaft ist ein
       äußerst  dynamischer   Prozeß,  der  durch  die  Aufeinanderfolge
       verschiedener Stufen  der Reife,  d.h. durch eine kontinuierliche
       Höherentwicklung gekennzeichnet  ist. Eine neue Stufe setzt immer
       voraus, daß  die Aufgaben  der vorangegangenen Etappe vollständig
       gelöst  sind,   daß  die   mit  ihr   verbundenen  Potenzen   und
       Möglichkeiten voll  ausgeschöpft worden  sind. Wie die geschicht-
       lichen Erfahrungen  zeigen, ist  jeder Versuch, einzelne Entwick-
       lungsetappen zu überspringen, stets mit Rückschlägen und sozialen
       Konflikten  verbunden.  Die  gründliche  Analyse  des  erreichten
       Entwicklungsstandes, die  genaue Bestimmung des konkreten Niveaus
       der sozialistischen  Gesellschaft sind  immer die  Grundlage  für
       eine realistische  Festlegung der  Politik  und  der  wichtigsten
       Aufgaben.
       Diese Erkenntnisse  sowie  ihre  schöpferische  Weiterentwicklung
       durch Lenin  sind heute  die Grundlagen der Strategie der SED zur
       Gestaltung der  entwickelten sozialistischen  Gesellschaft in der
       DDR. Oberster  Grundsatz ist dabei die strikte Verwirklichung der
       Hinweise von  Marx, Engels  und Lenin zur Schaffung einer Gesell-
       schaft, die  uneingeschränkt dem  Wohle des  Volkes dient und den
       Frieden zwischen  den Völkern gewährleistet. Friedrich Engels um-
       riß dieses Ziel mit den Worten: "Die Möglichkeit, vermittelst der
       gesellschaftlichen Produktion  allen  Gesellschaftsgliedern  eine
       Existenz zu  sichern, die  nicht nur materiell vollkommen ausrei-
       chend ist und von Tag zu Tag reicher wird, sondern die ihnen auch
       die vollständige  freie Ausbildung und Betätigung ihrer körperli-
       chen und  geistigen Anlagen  garantiert,  diese  Möglichkeit  ist
       jetzt zum  erstenmal da,  aber sie  ist Ja." 8) Dem dient die ge-
       samte Politik  der SED. Ihre Ergebnisse sind für jedermann sicht-
       bar.
       Die   E n t s c h e i d u n g e n   d e s  V I I I.,  I X.  u n d
       X.   P a r t e i t a g e s   der SED über die Gestaltung der ent-
       wickelten sozialistischen  Gesellschaft in  der DDR sind ein Bei-
       trag zur  schöpferischen Anwendung und Weiterentwicklung des Mar-
       xismus-Leninismus unter  den Bedingungen  unseres Landes. Mit dem
       auf dem IX. Parteitag im Jahre 1976 beschlossenen Programm formu-
       lierte die SED ihre Vorstellungen von der sozialistischen Gesell-
       schaft in  der DDR  im Ausgang  unseres Jahrhunderts. Dieses Pro-
       gramm hat sich nunmehr bereits über ein Jahrzehnt hinweg bewährt.
       Trotz grundlegender,  trotz großer  internationaler  und  innerer
       Veränderungen bleibt  es das  theoretische Fundament  für die Be-
       stimmung der  Strategie und  Taktik der SED in der zweiten Hälfte
       der achtziger Jahre.
       
       2. Merkmale des entwickelten Sozialismus
       ----------------------------------------
       
       Die Gestaltung  und Vervollkommnung  des entwickelten Sozialismus
       ist durch  eine Reihe  grundlegender Merkmale  gekennzeichnet. Im
       Programm der  SED werden die Hauptmerkmale umfassend dargestellt.
       Insbesonders wird dabei hervorgehoben:
       E r s t e n s  entwickelt sich der Sozialismus nun immer mehr auf
       seinen     e i g e n e n      s o z i a l ö k o n o m i s c h e n
       G r u n d l a g e n.  Aufbau bzw. Gestaltung der entwickelten so-
       zialistischen Gesellschaft bedeuten, daß diese eigenen sozialöko-
       nomischen Grundlagen  umfassend  und  vollständig  herausgebildet
       werden. Dabei verstehen wir unter den sozialökonomischen Grundla-
       gen nicht  nur die  ökonomische Basis,  sondern die Grundlagen in
       ihrer  Gesamtheit:  Die  sozialistischen  Produktionsverhältnisse
       wurden umfassend  durchgesetzt; die  vorhandene materiell-techni-
       sche Basis  wurde hauptsächlich  im Verlauf  des  sozialistischen
       Aufbaus geschaffen; es existieren nur noch Klassen und Schichten,
       die von  ihrer eigenen  Arbeit leben  und befreundet sind; es be-
       steht eine  stabile Staatsmacht, die sozialistische Ideologie ist
       zur herrschenden Ideologie geworden.
       Das heißt,  daß es  jetzt nicht mehr darum geht, nichtsozialisti-
       sche Produktionsverhältnisse  in  sozialistische  zu  verwandeln,
       sondern vor allem darum, die spezifischen Mittel und Wege zu fin-
       den, um  diese neuen Grundlagen der Gesellschaft im Interesse der
       Arbeiterklasse, der  Werktätigen und  des gesamten Volkes maximal
       zu nutzen, sie systematisch auszubauen und weiterzuentwickeln.
       Mit den eigenen Grundlagen werden im Inneren des Landes die sozi-
       alökonomischen Bedingungen für das umfassende Wirken der ökonomi-
       schen und  der anderen  Gesetze des  Sozialismus geschaffen.  Ihr
       tatsächliches Wirken  hängt vor  allem davon  ab, ob die richtige
       Wirtschafts- und Gesellschaftsstrategie, eine effektive Organisa-
       tion der  Volkswirtschaft sowie  ein wirksames System der Leitung
       und Planung  der Volkswirtschaft  gefunden und praktisch durchge-
       setzt werden.  Ein entscheidendes  Element sind dabei die bewußte
       Teilnahme aller  Werktätigen, die Entfaltung ihrer sozialen Akti-
       vität. Nachdem  die sozialistischen  Produktionsverhältnisse  ge-
       siegt haben, besteht nunmehr die wichtigste Aufgabe darin, sie so
       zu gestalten, daß sie als entscheidende Triebkräfte in Wirtschaft
       und Gesellschaft wirksam werden.
       Mitunter treffen  wir in  der marxistisch-leninistischen  Gesell-
       schaftswissenschaft auf die Meinung, die sozialistische Phase sei
       dadurch gekennzeichnet,  daß in  ihr einerseits  noch  Überreste,
       Muttermale des Kapitalismus, andererseits bereits Elemente, Keim-
       formen des Kommunismus existieren. Eine solche Charakteristik des
       Sozialismus kann  auf keinen  Fall akzeptiert  werden. Im  Grunde
       leugnet sie  die fundamentale revolutionäre Umwälzung der sozial-
       ökonomischen Grundlagen,  die im Verlauf der Übergangsperiode vom
       Kapitalismus zum  Sozialismus vollzogen  wurde. Nimmt  man  diese
       Charakteristik im  vollen Sinne  des Wortes, dann wäre der Sozia-
       lismus nichts anderes als eine Art kapitalistisch-kommunistischer
       Mischmasch ohne  eigenes sozialistisches  Fundament; eine Gesell-
       schaft, die keine eigene sozialökonomische Basis besitzen würde.
       Die Mehrzahl  derer, die  diese Auffassung vertreten, leugnen na-
       türlich diese  Konsequenz. Dennoch ist besonders von unserem heu-
       tigen Stand  der Erkenntnis  klar, daß  diese Meinung das Produkt
       bestimmter vereinfachter,  primitiver Vorstellungen  vom Übergang
       zum Kommunismus  sind. Nach  diesen Auffassungen  braucht man nur
       möglichst rasch die Muttermale des Kapitalismus zu beseitigen, um
       im Kommunismus zu sein. Demnach wird der Sozialismus nur als eine
       kurze Durchgangsphase  angesehen,  die  so  schnell  wie  möglich
       durchschritten werden  kann. Wie inzwischen alle Erfahrungen zei-
       gen, kann  davon keine Rede sein. Es geht dabei aber nicht nur um
       die Zeitdauer  dieser Phase.  In erster  Linie  handelt  es  sich
       darum, daß  der Sozialismus  selbst bereits  die bis dahin größte
       Errungenschaft der  revolutionären Arbeiterbewegung ist und nicht
       ein lästiger Zwischenaufenthalt auf dem Wege zum Kommunismus. Der
       Sozialismus besitzt  seine eigene sozialökonomische Grundlage, es
       wirken spezifische  Gesetze der  ökonomischen und gesellschaftli-
       chen Entwicklung, in seinem Rahmen können und müssen grundlegende
       Ideale und  Werte der  Arbeiterbewegung praktisch realisiert wer-
       den.
       Nachdem in  der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus
       die Grundlagen  geschaffen sind,  werden die sozialistischen Pro-
       duktionsverhältnisse vollständig  durchgesetzt. Daran ändert auch
       die Tatsache  nichts, daß.  wie in der DDR so auch in anderen so-
       zialistischen Ländern, noch private Handwerker, Einzelhändler und
       Gewerbetreibende existieren  und auch weiterhin gefördert werden.
       Das gleiche  trifft für  die Klassenstruktur und die sozialen Be-
       ziehungen zu.  Wir haben es nur noch mit Klassen und Schichten zu
       tun, die von der eigenen Arbeit leben, die gleichen Grundinteres-
       sen besitzen  und miteinander eng verbündet sind. Der sozialisti-
       sche Charakter  dieser sozialökonomischen Basis ist das entschei-
       dende Ergebnis der revolutionären Umwälzung.
       Diese eigene sozialökonomische Basis des Sozialismus existiert im
       Rahmen der  einheitlichen kommunistischen Gesellschaftsformation.
       Die kommunistische  Phase kann  nur durch  eine  Höherentwicklung
       dieser Basis  und nicht  durch irgendeine  prinzipiell andere er-
       reicht werden. Zugleich unterscheidet sie sich wesentlich von der
       späteren kommunistischen Phase. Vor allem wurde der erforderliche
       Stand der  Produktivkräfte  noch  nicht  erreicht.  Das  betrifft
       sowohl den Stand der Arbeitsproduktivität, die Leistungsfähigkeit
       der Wirtschaft sowohl in quantitativer Hinsicht als auch in ihrer
       qualitativen Struktur und Gestaltung. Vom heutigen Standpunkt aus
       betrachtet, ist  Kommunismus undenkbar  ohne weitgehend automati-
       sierte Produktionssysteme. Dies ist ganz offensichtlich nicht nur
       der erforderlichen  materiellen Potenzen  wegen unabdingbar.  Ge-
       nauso wichtig ist dies für den Charakter der Arbeit, die sozialen
       Beziehungen, die Haltung zur Arbeit usw.
       Das sozialistische Eigentum hat seine spezifischen Merkmale (u.a.
       zwei Formen)  und Reife.  Warenproduktion, Wertgesetz, Leistungs-
       prinzip usw.  sind wesentliche  Elemente dieser  Phase. Der Staat
       der Diktatur  des Proletariats ist unbedingt erforderlich. Daraus
       resultiert, daß  auch die Gesetze der gesellschaftlichen Entwick-
       lung, insbesondere das System der ökonomischen Gesetze, ihre Spe-
       zifik besitzen.  Die politische  Ökonomie  des  Sozialismus  kann
       nicht identisch  mit einer späteren politischen Ökonomie des Kom-
       munismus sein.
       Natürlich existieren  nach wie vor einzelne Überreste des Kapita-
       lismus in Gewohnheiten, Denkvorstellungen und in anderer Gestalt.
       Ebenso übt  der Imperialismus  von heute  vielgestaltigen Einfluß
       auf die  innere Entwicklung  des Sozialismus  aus. Es  geht  aber
       nicht in erster Linie darum, diese oder jene Einzelerscheinung zu
       finden und zu überwinden. Entscheidend ist vielmehr die Tatsache,
       daß der  Sozialismus unmittelbar aus der kapitalistischen Ordnung
       hervorwächst. Seine  spezifischen Wesensmerkmale,  seine  Vorzüge
       und Triebkräfte, seine Ideale und Werte können erst in einem län-
       geren Zeitraum, Schritt für Schritt vollständig durchgesetzt wer-
       den.
       Über die  sogenannten Elemente  oder Keimformen  des  Kommunismus
       finden wir mitunter die Vorstellung, wir könnten nach und nach im
       Rahmen der  sozialistischen Gesellschaft bestimmte kommunistische
       Inseln schaffen,  die dann vermehrt und erweitert zum Kommunismus
       führen könnten.  So wird  vorgeschlagen, zunächst etwa Telefonge-
       bühren und  die Bezahlung für Straßenbahn und andere Nahverkehrs-
       mittel abzuschaffen.  Dann könnte  jeder nach seinen Bedürfnissen
       telefonieren und  mit der U-Bahn fahren. Das ist eine höchst pri-
       mitive Auffassung.  Wenn das Kommunismus wäre, wäre Kuwait längst
       ein kommunistisches  Land, da  dort solche  Maßnahmen seit langem
       verwirklicht sind.  Ganz offensichtlich  geht es  nicht um  diese
       oder jene  Elemente des Kommunismus, sondern um das Entwicklungs-
       niveau der  sozialistischen Gesellschaft insgesamt. Mit ihrer Hö-
       herentwicklung und  nicht durch  irgendwelche Einzelerscheinungen
       werden die  Voraussetzungen für  den Übergang zur kommunistischen
       Phase geschaffen. Dabei spielt das Entwicklungsniveau der Produk-
       tivkräfte die entscheidende Rolle.
       Die genaue  Analyse und  Charakteristik der sozialistischen Phase
       und seiner  sozialökonomischen Basis  zeigt vor  allem, was  beim
       Aufbau der  sozialistischen Gesellschaft  bereits erreicht wurde,
       über welche Potenzen und Triebkräfte er verfügt, die im Interesse
       aller Werktätigen  erschlossen werden  können. Ebenso  wird klar,
       welche Aufgaben  noch nicht  gelöst sind,  was in  seinem  Rahmen
       nicht möglich ist.
       Z w e i t e n s.   Heute besitzen  wir eine weitgehend klare Vor-
       stellung von den Wesensmerkmalen der entwickelten sozialistischen
       Gesellschaft und  den grundlegenden Aufgaben, die in ihrem Rahmen
       gelöst werden  müssen. Im Vordergrund steht das Ziel, alle Bedin-
       gungen dafür  zu schaffen,  daß ihr sozialer, humanistischer Cha-
       rakter im Interesse der Arbeiterklasse, aller Werktätigen und des
       ganzen Volkes  umfassend zur  Wirkung gebracht  werden kann. Dazu
       ist vor  allem eine  rasche Entwicklung  der Produktivkräfte, der
       umfassende Übergang  der Volkswirtschaft  auf intensiv erweiterte
       Reproduktion erforderlich.  Im Programm  der SED wird dieses Ziel
       an erster  Stelle genannt:  "Entwickelte  sozialistische  Gesell-
       schaft -  das heißt, alle materiellen, sozialökonomischen und po-
       litisch-ideologischen Voraussetzungen zu schaffen, damit der Sinn
       des Sozialismus,  alles zu  tun für  das Wohl des Volkes, für die
       Interessen der Arbeiterklasse, der Genossenschaftsbauern, der In-
       telligenz und  der anderen Werktätigen, auf ständig höherer Stufe
       verwirklicht wird.  Entsprechend dem ökonomischen Grundgesetz des
       Sozialismus besteht  die Hauptaufgabe bei der Gestaltung der ent-
       wickelten sozialistischen  Gesellschaft in  der weiteren Erhöhung
       des materiellen  und kulturellen Lebensniveaus des Volkes auf der
       Grundlage eines hohen Entwicklungstempos der sozialistischen Pro-
       duktion, der Erhöhung der Effektivität, des wissenschaftlichtech-
       nischen Fortschritts und des Wachstums der Arbeitsproduktivität."
       9)
       E i n h e i t  v o n  W i r t s c h a f t s-  u n d  S o z i a l-
       p o l i t i k    erfordert  insbesondere,  den  wissenschaftlich-
       technischen  Fortschritt,   das  ökonomische   Wachstum  mit  dem
       sozialen Fortschritt,  mit  der  Verbesserung  der  Arbeits-  und
       Lebensbedingungen organisch  zu verbinden. Diese Politik, die von
       der SED  als Politik der  H a u p t a u f g a b e  gekennzeichnet
       wird, ergibt  sich in erster Linie aus den inneren Erfordernissen
       der ökonomischen  Gesetze des  Sozialismus. Sie  ist die konkrete
       Form, in  der in  dieser Etappe  dem ökonomischen Grundgesetz des
       Sozialismus entsprochen  wird. Durch die Politik der Hauptaufgabe
       wird die Interessenübereinstimmung zwischen der Gesellschaft, dem
       Kollektiv und  dem einzelnen  konkret, für jeden spürbar durchge-
       setzt. In der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik erbringt
       der Sozialismus  den praktischen  Beweis, daß es in seinem Rahmen
       möglich ist,  die wissenschaftlich-technische Revolution in jeder
       Hinsicht den  Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen
       dienstbar zu  machen, sie  als ein  entscheidendes Instrument  zu
       nutzen, um  das Lebensniveau  der Werktätigen sowie deren soziale
       Sicherheit zu heben und die sozialistische Gesellschaft weiterzu-
       entwickeln.
       Die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik ist eine wesentli-
       che sozialökonomische  Grundlage für  die soziale  und politische
       Stabilität der  sozialistischen Ordnung  und damit  für die feste
       Verbindung der  marxistisch-leninistischen Partei mit allen Klas-
       sen und  sozialen Schichten des Volkes. Damit gewinnt diese Poli-
       tik eine  große außenpolitische Bedeutung. Ihre erfolgreiche Ver-
       wirklichung ist  ein entscheidendes  Hindernis für die imperiali-
       stische Konfrontationspolitik,  für alle Bestrebungen, die sozia-
       listische Ordnung  zu destabilisieren und zu untergraben. Die er-
       folgreiche Verwirklichung  dieser Politik der Hauptaufgabe ist in
       unserem Lande  überall sichtbar  und spürbar. Nach dem VIII. Par-
       teitag der  SED im Jahre 1971 haben sich die Wohnverhältnisse für
       6 Millionen Bürger unseres Landes spürbar verbessert; allein 1984
       wurden mehr  als 207  000 Wohnungen fertiggestellt. Dabei blieben
       die Mieten  stabil und betragen im Durchschnitt zwischen drei und
       vier Prozent  des Einkommens.  Im Durchschnitt  der letzten  drei
       Jahre wuchs  das Nationaleinkommen  um 4,5  Prozent,  während  im
       gleichen Zeitraum die kapitalistische Welt von der tiefsten Wirt-
       schaftskrise seit 1929/32 erfaßt wurde, die anhaltenden Produkti-
       onsrückgang,  niedrige   Auslastung  der  Produktionskapazitäten,
       tiefe Strukturkrisen,  steilen Anstieg der Massenarbeitslosigkeit
       usw. brachte.  Zur erfolgreichen  Verwirklichung der Hauptaufgabe
       in unserem  Lande gehören  die soziale Sicherheit für alle Bürger
       ebenso wie die systematische Erhöhung des materiellen Lebensnive-
       aus, die  Gewährleistung einer  hohen Bildung für alle Kinder des
       Volkes und  die Sicherung  eines umfassenden  Gesundheitsschutzes
       für alle Mitglieder der Gesellschaft.
       Diese Politik  der Hauptaufgabe  wurde im  Jahre 1976 in das Pro-
       gramm der  SED als  Kernstück aller Anstrengungen für die weitere
       Gestaltung des  Sozialismus formuliert.  Seitdem sind  rund  zehn
       Jahre vergangen.  Jeder bewußt lebende Mensch weiß, welche großen
       Veränderungen  sich  in  dieser  Zeit  im  internationalen  Leben
       vollzogen haben.  Durch die  imperialistische  Hochrüstungs-  und
       Konfrontationspolitik wurde  der Frieden  außerordentlich gefähr-
       det. Die  Erhaltung des  militärstrategischen Gleichgewichts, die
       militärische Sicherheit  der sozialistischen  Staatengemeinschaft
       erfordert beträchtliche materielle Aufwendungen.
       Immer wieder  wurde deshalb  die Frage aufgeworfen, ob unter sol-
       chen Bedingungen  die Politik der Hauptaufgabe weitergeführt wer-
       den kann.  Die SED  hat auf diese Frage stets eine klare, eindeu-
       tige Antwort  gegeben: Wir reagieren auf diese neue Situation mit
       ihren neuen Aufgaben und Belastungen nicht mit einer Beschränkung
       der Wirtschafts-  und Sozialpolitik, sondern konzentrieren unsere
       ganze Kraft  darauf, die  Potenzen des Sozialismus noch wirkungs-
       voller zu  erschließen, die  Leistungsfähigkeit der Wirtschaft so
       zu erhöhen,  daß den neuen Herausforderungen erfolgreich begegnet
       werden kann.  Die politische  Stabilität, ökonomische Dynamik und
       die kontinuierliche  Fortsetzung der Einheit von Wirtschafts- und
       Sozialpolitik ist  ein entscheidender Beitrag der DDR, um die im-
       perialistische Kriegsstrategie zu durchkreuzen.
       D r i t t e n s   geht es  bei der Gestaltung und Vervollkommnung
       des entwickelten  Sozialismus darum, zusammen mit der Einheit von
       Wirtschafts- und  Sozialpolitik   w e s e n t l i c h e  M e r k-
       m a l e   u n d   C h a r a k t e r z ü g e   d e r    s o z i a-
       l i s t i s c h e n   G e s e l l s c h a f t    i n    a l l e n
       B e r e i c h e n  d e s  L e b e n s  d u r c h z u s e t z e n.
       Im Programm  der SED  sind die  wichtigsten dieser Wesensmerkmale
       formuliert. Dazu  gehören vor  allem der  umfassende Übergang zur
       intensiv erweiterten  Reproduktion im Rahmen der Volkswirtschaft,
       die organische  Verbindung der wissenschaftlich-technischen Revo-
       lution mit  den Vorzügen  der  sozialistischen  Wirtschafts-  und
       Gesellschaftsordnung, die  Herausbildung einer  dem  entwickelten
       Sozialismus  entsprechenden   Klassen-  und  Sozialstruktur,  die
       systematische Annäherung  der  Klassen  und  Schichten,  die  He-
       rausbildung sozialistischer  Persönlichkeiten, die  volle  Durch-
       setzung der  sozialistischen Ideologie, die Sicherung der Vertei-
       digungsfähigkeit unter allen Bedingungen usw. Im Programm der SED
       wird hervorgehoben,  daß das  Ziel aller  Anstrengungen letztlich
       darin  besteht,   alle  Bedingungen  zu  schaffen,  die  für  die
       allseitige Herausbildung  sozialistischer  Persönlichkeiten,  der
       freien Entfaltung  aller Talente  und  Fähigkeiten  aller  Bürger
       erforderlich sind.  Es geht darum, eine Gesellschaft zu schaffen,
       in der  jeder als  Mensch in  sozialer Sicherheit  leben und sich
       frei entfalten kann.
       Eine der  grundlegenden Aufgaben  bei der Gestaltung und späteren
       Vervollkommnung des  entwickelten Sozialismus besteht darin, alle
       Bereiche des  gesellschaftlichen Lebens  ohne Ausnahme  auf einem
       hohen Niveau  zu entwickeln  und in jeder Etappe solche wirkungs-
       vollen Wechselbeziehungen herzustellen, daß daraus im vollen Sinn
       des  Wortes   ein     e i n h e i t l i c h e r      G e s e l l-
       s c h a f t s o r g a n i s m u s  hervorgeht. Dazu gehören unter
       anderem die  Einheit  von  Wirtschafts-  und  Sozialpolitik,  die
       untrennbare  Verbindung  von  wissenschaftlich-technischem  Fort-
       schritt, ökonomischem  Wachstum  und  sozialem  Fortschritt,  das
       richtige Verhältnis von Wissenschaft und Produktion, von ökonomi-
       scher Entwicklung  und Bildung,  von Politik  und Wirtschaft, von
       Ökonomie und  Ideologie, von  sozialer Aktivität  und sozialisti-
       scher Demokratie usw. Aus den richtigen, effektiven Wechselbezie-
       hungen zwischen  den verschiedenen  Bereichen des gesellschaftli-
       chen Lebens erwachsen wesentliche Triebkräfte der sozialistischen
       Gesellschaft. Erinnert  sei insbesondere an die Einheit von Wirt-
       schafts- und Sozialpolitik und an die untrennbare Verbindung zwi-
       schen wissenschaftlich-technischem Fortschritt und sozialem Fort-
       schritt. Je  höher sich die Gesellschaft entwickelt, um so größer
       ist die  gegenseitige Abhängigkeit  aller  Bereiche  des  gesell-
       schaftlichen Lebens.  Das umfassende  Wirken der ökonomischen Ge-
       setze des  Sozialismus ist nicht möglich, ohne daß in anderen Be-
       reichen dafür  wesentliche Bedingungen geschaffen werden - in der
       Wissenschaft, im  Bildungswesen, in  der Entwicklung der sozialen
       Beziehungen und  der sozialistischen  Demokratie, im geistig-kul-
       turellen Bereich, in der Haltung und der Denkweise usw.
       In diesem  Sinne erklärte Erich Honecker auf dem X. Parteitag der
       SED: "Im  Zentrum der  Gesellschaftspolitik  der  Sozialistischen
       Einheitspartei Deutschlands  steht unsere Ökonomie, die große Ar-
       beit unseres Volkes für einen hohen wirtschaftlichen Leistungsan-
       stieg. Hier vor allem fallen die Entscheidungen über die weiteren
       Fortschritte bei  der Gestaltung  des  entwickelten  Sozialismus.
       Zugleich wirkt  das Gedeihen aller anderen gesellschaftlichen Be-
       reiche immer  stärker auf  das Tempo des Produktionswachstums zu-
       rück" 10).  Ein großer  Vorzug des Sozialismus besteht darin, daß
       es möglich  wird, diese Wechselbeziehungen zwischen den verschie-
       denen Bereichen  des gesellschaftlichen Lebens bewußt und planmä-
       ßig herzustellen.
       Natürlich ist der Wunsch verständlich, möglichst schnell den Kom-
       munismus zu erreichen. Daraus resultiert das Bestreben, möglichst
       genau die  Zeitdauer der  sozialistischen Phase zu bestimmen. Von
       20 Jahren und von 100 Jahren ist dabei die Rede. Meines Erachtens
       ist dies  ein abenteuerliches Unterfangen, das nichts mit wissen-
       schaftlicher Analyse  zu tun  hat. Eine begründete Voraussage ist
       aus verschiedenen  Gründen nicht möglich. Niemand kann genau wis-
       sen, wie der Kampf zwischen Sozialismus und Imperialismus in kon-
       kreten Einzelheiten verlaufen wird. Wir, die Marxisten-Leninisten
       lassen uns  von der wissenschaftlich begründeten Überzeugung lei-
       ten, daß  der Sozialismus aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen
       wird. Diese  Überzeugung wird  durch die  praktische  Entwicklung
       dieses Jahrhunderts, insbesondere seit der Großen Sozialistischen
       Oktoberrevolution bestätigt.  Aber niemand kann konkret voraussa-
       gen, welche  Kräfte und Potenzen dafür aufgewendet werden müssen,
       welche unvorhersehbaren  Wendungen zeitweilig  eintreten  werden.
       Ebensowenig kann  vorausgesagt werden,  welche Anforderungen sich
       an die  Lösung bestimmter  globaler Probleme,  beispielsweise die
       Überwindung des  Hungers und  der Unterentwicklung in Ländern der
       dritten Welt ergeben.
       Wie sich  zeigt, verändern  sich auch die Maßstäbe, die wir heute
       für das Erreichen der höheren, kommunistischen Phase anlegen. Auf
       die Frage,  wie die  materiell-technische Basis einer kommunisti-
       schen Gesellschaft  beschaffen sein  muß, könnten  wir heute erst
       eine höchst unvollkommene Antwort geben. Beim gegenwärtigen Tempo
       der wissenschaftlich-technischen  Revolution wird die sich in den
       nächsten Jahrzehnten entwickelnde Wissenschaft, Technik und Tech-
       nologie darauf einen entscheidenden Einfluß ausüben.
       Im Grunde  geht es  auch gar nicht um irgendeine Jahreszahl. Ent-
       scheidend sind  zwei grundlegende  Erkenntnisse, die sich aus der
       Konzeption der entwickelten sozialistischen Gesellschaft ergeben.
       Einmal gilt es, Klarheit darüber zu bieten, daß wir es mit großen
       historischen Dimensionen  zu tun haben. Kommunismus ist erst real
       möglich,  wenn  alle  Vorzüge,  Potenzen  und  Möglichkeiten  des
       Sozialismus voll  ausgeschöpft  sind.  Zum  anderen  ergibt  sich
       daraus, daß  dieses Ziel  nur erreicht  werden  kann,  wenn  alle
       Kräfte auf  die erfolgreiche  Gestaltung der  sozialistischen Ge-
       sellschaft konzentriert  werden. Bevor die kommunistischen Ideale
       auf die  Tagesordnung gesetzt  werden können, müssen die soziali-
       stischen Ideale voll verwirklicht sein.
       Nimmt man diese grundlegenden Merkmale des entwickelten Sozialis-
       mus in  ihrer Gesamtheit,  so ergeben sich sehr klar die langfri-
       stigen historischen  Dimensionen, wenn man berücksichtigt, welche
       weitreichenden Aufgaben  in ihrem Rahmen gelöst werden müssen. In
       dieser Etappe  sozialistischer  Entwicklung  gilt  es,    a l l e
       V o r a u s s e t z u n g e n    f ü r    d a s    H i n ü b e r-
       w a c h s e n     i n     d e n     K o m m u n i s m u s     z u
       s c h a f f e n.   Unter anderem  bedeutet das  praktisch, daß in
       dieser Zeit  die Leninsche  Forderung erfüllt  werden  muß,  eine
       höhere Arbeitsproduktivität  als im Kapitalismus zu erreichen. Es
       ist notwendig,  die wesentlichen  Unterschiede zwischen körperli-
       cher und  geistiger Arbeit sowie zwischen Stadt und Land zu über-
       winden, damit der Übergang zur klassenlosen Gesellschaft erfolgen
       kann. Die  Arbeit muß  zum ersten  Lebensbedürfnis werden. Allein
       schon diese  wenigen Aufgaben  machen deutlich,  daß sie nicht in
       wenigen Jahren gelöst werden können.
       Manche Vorstellungen  über eine  kurze Dauer  der sozialistischen
       Phase, über  einen  raschen  Übergang  zum  Kommunismus  sind  in
       falschen Auffassungen  über den Charakter der Aufgaben begründet,
       die im Rahmen dieser Phase gelöst werden müssen. Es wurde bereits
       darauf hingewiesen, daß die Theorie von der entwickelten soziali-
       stischen Gesellschaft  das Ergebnis  einer längeren theoretischen
       Arbeit marxistisch-leninistischer  Parteien war, in der die prak-
       tischen historischen  Erfahrungen verallgemeinert wurden. Mit an-
       deren Worten,  die Ausarbeitung  dieser Konzeption  war erst mög-
       lich, nachdem  die Herausbildung der sozialistischen Gesellschaft
       eine bestimmte  Entwicklungsstufe  erreicht  hatte.  Solange  das
       nicht der  Fall war, wurden zunächst zu grundlegenden Fragen man-
       che unterschiedlichen,  darunter auch  einseitige  und  primitive
       Auffassungen vertreten,  die später  durch das  Leben  korrigiert
       wurden. Wie bereits erwähnt, gehörte zu diesen Meinungen die Vor-
       stellung, der Sozialismus sei lediglich weniger entwickelter Kom-
       munismus, er unterscheide sich von dieser höheren Phase vor allem
       dadurch, daß  in ihm noch Muttermale der alten Gesellschaft, ins-
       besondere des Kapitalismus vorhanden seien. Die Konsequenz dieser
       Vorstellung wäre,  daß man  nur diese Muttermale des Kapitalismus
       beseitigen müsse,  um zum Kommunismus zu kommen. Marx, Engels und
       Lenin vertraten niemals eine derartige Auffassung. Sie steht aber
       vor allem im Widerspruch zu den praktischen Erfahrungen.
       Natürlich müssen  diese Muttermale  der  vorangegangenen  Gesell-
       schaftsordnung, insbesondere des Kapitalismus, überwunden werden.
       Aber dies  geschieht nach  dem Abschluß  der Übergangsperiode vom
       Kapitalismus zum Sozialismus in erster Linie durch die allseitige
       und umfassende  Gestaltung der neuen, der sozialistischen Gesell-
       schaft. Diese  schöpferische Gestaltung des Sozialismus, die Aus-
       schöpfung aller  seiner Potenzen  und Möglichkeiten steht absolut
       im Zentrum  der inneren Entwicklung. Marx ebenso wie später Lenin
       betrachteten diese  Phase des  Sozialismus immer als eine Etappe,
       in der  sich die  Produktivkräfte rasch  entwickeln, in  der sich
       neue Beziehungen  herausbilden, der  Charakter und der Inhalt der
       Arbeit sich  grundlegend ändern  sowie alle  jene Aufgaben gelöst
       werden, ohne die es keinen Kommunismus geben kann.
       In Auffassungen,  die mit  einem raschen Übergang zum Kommunismus
       rechnen, werden  der Blick und die Aufgabenstellung meist auf die
       Entwicklung der Produktionsverhältnisse reduziert. Aber schon die
       Klassiker des Marxismus-Leninismus wiesen immer auf die durch die
       Geschichte bestätigte  Tatsache hin, daß die kommunistische Phase
       nur eingeleitet werden kann, wenn außerordentlich hochentwickelte
       Produktivkräfte hervorgebracht  worden sind  -  und  zwar  sowohl
       sachliche Produktivkräfte als auch in Gestalt des neuen Menschen.
       Für Marx  war es  eine Binsenweisheit,  daß erst  der  "genossen-
       schaftliche Reichtum  voller fließen"  muß, bevor  kommunistische
       Formen  der  Verteilung  möglich  werden.  Kommunismus  nach  den
       marxistisch-leninistischen Vorstellungen  kann  es  nur  auf  der
       Basis hochentwickelter  Produktivkräfte, auf  der Grundlage eines
       außerordentlich hohen  Standes der Arbeitsproduktivität, bei Vor-
       handensein eines  großen materiellen  Reichtums der  Gesellschaft
       geben.
       Berücksichtigen wir  die marxistisch-leninistische  Dialektik von
       Produktivkräften und  Produktionsverhältnissen, so wird klar, daß
       nur ein  derart hohes  Niveau der Produktivkräfte Produktionsver-
       hältnisse möglich  macht, die  wir kommunistisch  nennen  können.
       Schon Marx und Engels haben sich mit Vorstellungen auseinanderge-
       setzt, die  den Kommunismus lediglich als eine gerechtere Vertei-
       lung der  Armut betrachtet haben. Der Marxismus-Leninismus hinge-
       gen geht davon aus, daß die sozialistische Gesellschaft nicht nur
       das Vorhandene  gerechter zu  verteilen mag, sondern vor allem in
       der Lage  ist, eine rasche Entwicklung der Produktivkräfte zu si-
       chern, die es möglich macht, das Lebensniveau der Werktätigen sy-
       stematisch zu  erhöhen, soziale  Sicherheit zu  gewährleisten und
       die freie Entwicklung der Persönlichkeit zu ermöglichen.
       Die bei  einigen marxistisch-leninistischen  Gesellschaftswissen-
       schaftlern anzutreffende  Unterschätzung der  Produktivkräfte mag
       bestimmte historische Gründe haben. Selbstverständlich gilt es in
       der sozialistischen  Revolution zunächst, die politische Macht zu
       ergreifen und  die entscheidenden  Produktionsmittel  in  gesell-
       schaftliches Eigentum  zu überführen.  Nachdem die  Diktatur  des
       Proletariats errichtet  ist, steht das Ringen um den Sieg der so-
       zialistischen Produktionsverhältnisse  im Mittelpunkt der revolu-
       tionären Umwälzung.  Das kann  jedoch nicht bedeuten, daß deshalb
       die rasche  und allseitige  Entwicklung der  Produktivkräfte eine
       untergeordnete Aufgabe  wäre. Die  Schaffung sozialistischer Pro-
       duktionsverhältnisse, die  Überführung der entscheidenden Produk-
       tionsmittel in  gesellschaftliches Eigentum  ist für die soziali-
       stische Revolution  niemals Selbstzweck.  Nur auf diesem Weg wird
       die Ausbeutung  des Menschen  durch den  Menschen beseitigt, kann
       die ökonomische  und gesellschaftliche  Entwicklung dem  Wohl des
       Volkes dienen,  können dementsprechende  neue soziale Beziehungen
       entwickelt werden.  All das ist aber nur möglich, wenn die sozia-
       listischen Produktionsverhältnisse  so gestaltet  werden, daß sie
       in jeder Hinsicht als Bewegungsformen der Produktivkräfte wirksam
       sind.
       In den  Anfängen der  sozialistischen Revolution war mitunter die
       primitive Vorstellung  anzutreffen, daß  die sozialistischen Pro-
       duktionsverhältnisse mehr  oder weniger  automatisch eine erfolg-
       reiche Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft sichern. Diese
       Auffassung steht nicht nur im Widerspruch zur marxistisch-lenini-
       stischen Theorie,  sondern vor allem zu den praktischen Erfahrun-
       gen. Das  gesellschaftliche Eigentum, die sozialistischen Produk-
       tionsverhältnisse sind  das entscheidende Fundament der neuen Ge-
       sellschaft. Aber  das Fundament  allein ergibt noch keine dynami-
       sche Wirtschaft.  Sozialistische  Produktionsverhältnisse  müssen
       vielmehr in jedem neuen Abschnitt so gestaltet werden, daß sie zu
       wirklichen Bewegungsformen  der Produktivkräfte  werden -  sowohl
       ihres materiell-technischen  Bereichs als auch der Persönlichkeit
       der Arbeiter  und der anderen Werktätigen als der Hauptproduktiv-
       kraft. Das Entwicklungsniveau sozialistischer Produktionsverhält-
       nisse muß daher im Stand der Produktivkräfte seinen Ausdruck fin-
       den und gemessen werden.
       Es sei  nur daran erinnert, daß Marx und Engels den dialektischen
       Zusammenhang von  Produktivkräften  und  Produktionsverhältnissen
       als eine der Grundfragen des historischen Materialismus hervorho-
       ben, wobei der Entwicklung der Produktivkräfte als dem bestimmen-
       den und  revolutionären Element  der Produktionsweise  das Primat
       zukommt.  Die  sozialistischen  Produktionsverhältnisse  erweisen
       sich als  entscheidende Basis der Gesellschaft und als Bewegungs-
       form der  Produktivkräfte. Aber ihre Höherentwicklung ist von der
       Entfaltung der  Produktivkräfte nicht zu trennen. Wie sollte sich
       der neue  Charakter der  Arbeit herausbilden, wie sollten die we-
       sentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen geisti-
       ger und körperlicher Arbeit vermindert und schließlich überwunden
       werden, ohne  daß dafür durch die Veränderungen in der materiell-
       technischen Basis,  d.h. durch  die  Entwicklung  der  Produktiv-
       kräfte, die Voraussetzung geschaffen werden?
       Für die  Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft
       ist daher die bewußte und planmäßige Gestaltung der Dialektik von
       Produktivkräften  und  Produktionsverhältnissen  eine  Schlüssel-
       frage. Insbesondere  die Überführung  der Volkswirtschaft auf den
       Weg der  intensiv erweiterten  Reproduktion hat  in  den  meisten
       Staaten der  sozialistischen Gemeinschaft  die  Weiterentwicklung
       der sozialistischen  Produktionsverhältnisse auf die Tagesordnung
       gestellt. In  der DDR wurde vor allem mit der Bildung und Gestal-
       tung der Kombinate ein wichtiger Schritt auf diesem Wege gemacht.
       Dazu gehören  auch Fragen  wie die  Rechte und  Verantwortung der
       Kombinate und  Betriebe, die  Organisation der Brigadearbeit, die
       konsequente Weiterentwicklung  der materiellen  Interessiertheit,
       insbesondere des  Lohnsystems usw.  In der  Landwirtschaft wurden
       seit dem X. Parteitag der SED viele Maßnahmen getroffen, die alle
       darauf hinauslaufen, die Potenzen und Möglichkeiten des genossen-
       schaftlichen Eigentums besser auszuschöpfen.
       Aus den Gesetzmäßigkeiten gesellschaftlicher Entwicklung und mehr
       noch aus  den praktischen  Erfahrungen ergibt sich, daß die Wirt-
       schaft der  entwickelten sozialistischen Gesellschaft unabdingbar
       ein dynamisches Wachstum erfordert. Ohne ein solches ökonomisches
       Wachstum kann es auch keine erfolgreiche Gestaltung des Sozialis-
       mus geben, können seine Ideale und Werte nicht realisiert werden.
       Von diesem Standpunkt ist es daher ein wichtiges Ergebnis, daß in
       der DDR  seit Beginn  der achtziger  Jahre das Wachstumstempo der
       Wirtschaft deutlich  beschleunigt werden konnte. So wuchs das Na-
       tionaleinkommen 1982 um 2,6, im Jahre 1983 um 4,4 und 1984 um 5,5
       Prozent. In  der Industrie konnte 1984 eine Steigerung der Netto-
       produktion von  rund acht  Prozent erreicht werden, der ein annä-
       hernd gleich  starker Anstieg  der Arbeitsproduktivität  zugrunde
       liegt.
       In der internationalen Diskussion marxistisch-leninistischer Öko-
       nomen wurde  mitunter die  Auffassung vertreten,  ein sozialisti-
       scher Staat könne sich zeitweilig mit einem qualitativen Wachstum
       begnügen, da  schon die Erhöhung der volkswirtschaftlichen Effek-
       tivität die  Lösung wichtiger  sozialer Aufgaben  ermögliche. Die
       praktischen Erfahrungen  haben jedoch gezeigt, daß diese Position
       nicht haltbar  ist, so  daß sie auch in der theoretischen Diskus-
       sion aufgegeben werden mußte.
       An unsere Volkswirtschaft sind außerordentlich hohe Anforderungen
       gestellt. Konsequent  gilt es,  die Einheit  von Wirtschafts- und
       Sozialpolitik weiterzuführen, die wissenschaftlich-technische Re-
       volution zu meistern und dem wachsenden Aufwand für Forschung und
       Entwicklung zu entsprechen, das militärstrategische Gleichgewicht
       zu sichern, Maßnahmen zu treffen, um die Auswirkungen der kapita-
       listischen Krise  zu begrenzen  und jedwede imperialistische Boy-
       kottpolitik zu  durchkreuzen. Diesen  Erfordernissen zu  entspre-
       chen, macht  ein möglichst  rasch quantitativ wachsendes ökonomi-
       sches Potential erforderlich. Die Orientierung auf die umfassende
       Intensivierung des  gesamten Reproduktionsprozesses bedeutet, daß
       wir konsequent  auf die  qualitativen Wachstumsfaktoren  setzten.
       Der effektivere  Einsatz der  materiellen und  geistigen Potenzen
       wird damit zur entscheidenden Wachstumsquelle. Dieses qualitative
       Wachstum kommt  dann zur vollen Wirkung, wenn es in quantitatives
       Wachstum umgesetzt  wird. So  geht es nicht lediglich um die Sen-
       kung des Produktionsverbrauchs und die Einsparung an Arbeitszeit,
       sondern darum, auf diesem Wege die Potenzen und Mittel freizuset-
       zen, um ein dynamisches Wachstum zu sichern.
       Unsere Partei hat stets unterstrichen, daß es uns nicht um ökono-
       misches Wachstum  schlechthin geht. Wir sind keine Wachstumsfeti-
       schisten. Wir benötigen in qualitativer und in quantitativer Hin-
       sicht ein  solches Wachstumstempo und eine solche Wachstumsstruk-
       tur, daß  damit die  Aufgaben zur Gestaltung der entwickelten so-
       zialistischen Gesellschaft im Inneren und im internationalen Maß-
       stab gelöst  werden können.  Und das  bedeutet praktisch, daß das
       Wachstum der  Volkswirtschaft groß genug und die Struktur des zur
       Verfügung stehenden  Nationaleinkommens so  beschaffen sein  muß,
       daß fünf grundlegende Aufgaben gelöst werden können.
       E r s t e n s   müssen die  Vorzüge des Sozialismus so realisiert
       werden, daß  sie im Alltag durch jedermann als solche erlebt wer-
       den. Und  in der Tat: Obwohl sich mit dem Übergang zu den achtzi-
       ger Jahren  die internationalen  und inneren  Bedingungen der ge-
       sellschaftlichen Entwicklung  der DDR gravierend verändert haben,
       wurde kein  Punkt des  sozialistischen Programms  gestrichen oder
       auch nur  gekürzt. Im  Gegenteil, einige  wurden erweitert,  eine
       Reihe neuer Maßnahmen wurde beschlossen und durchgeführt. Die so-
       ziale Sicherheit  wurde weiter  ausgebaut. Dafür  sind bedeutende
       materielle Potenzen erforderlich.
       Z w e i t e n s   muß das Wachstum groß genug sein, um die erwei-
       terte Reproduktion zu gewährleisten, und zwar im Marxschen umfas-
       senden Sinne:  der erweiterten Reproduktion der materiell-techni-
       schen Basis  der Wirtschaft  und Gesellschaft, der erweiteren Re-
       produktion der  sozialistischen Produktionsverhältnisse  im Sinne
       ihrer qualitativen  Weiterentwicklung und  der erweiterten Repro-
       duktion der Werktätigen als sozialistische Persönlichkeiten.
       D r i t t e n s   gilt es,  die Verteidigungsfähigkeit zu gewähr-
       leisten und unseren Beitrag zur Wahrung des für die Sicherung des
       Friedens  unabdingbaren  militärstrategischen  Gleichgewichts  zu
       leisten.
       V i e r t e n s   haben wir darüber hinaus zahlreiche internatio-
       nale Verpflichtungen  zu erfüllen, unter denen die internationale
       Solidarität und die Hilfe für Entwicklungsländer eine große Rolle
       spielen.
       F ü n f t e n s   schließlich ist es notwendig, das Gleichgewicht
       zwischen Gesellschaft und Natur zu gewährleisten. Wie sich zeigt,
       hängen die  rationelle Nutzung, die Gestaltung und der Schutz der
       natürlichen Umwelt in hohem Maße davon ab, wie viele Mittel dafür
       aufgewendet werden  können. Das  Wachstum der Volkswirtschaft ist
       letztlich dafür ausschlaggebend. Die Wirtschaftsstrategie der SED
       ist darauf  gerichtet, ein  ökonomisches Wachstum  mit  sinkendem
       Aufwand zu  erreichen. Tatsächlich sank seit dem X. Parteitag der
       spezifische Aufwand  an Roh-  und  Brennstoffen  im  Jahresdurch-
       schnitt um  sechs Prozent.  Diese Form des ökonomischen Wachstums
       ist besonders schonend für die natürliche Umwelt.
       Die Wirtschaft  ist aus  vielfältigen Gründen  das Hauptfeld  des
       Kampfes um  die Gestaltung  der entwickelten  sozialistischen Ge-
       sellschaft ebenso  wie in  der Auseinandersetzung zwischen Sozia-
       lismus und  Imperialismus und um die Erhaltung des Friedens. Ihre
       Ergebnisse entscheiden  wesentlich darüber, wie, in welchem Tempo
       und Umfang  die Vorzüge  des Sozialismus  praktisch und für jeden
       Werktätigen spürbar  realisiert werden  können. Die praktisch re-
       alisierten Vorzüge des Sozialismus sind ihrerseits seine wichtig-
       sten Triebkräfte.  Vor allem im Ringen um die Lösung der ökonomi-
       schen Aufgaben  bilden sich  sozialistische Persönlichkeiten her-
       aus, die  in ihrer  Denkweise, in  ihrer Haltung,  Aktivität  und
       Schöpferkraft zu  den eigentlichen Gestaltern der sozialistischen
       Gesellschaft werden.
       In der Entwicklung der Wirtschaft werden zudem Entscheidungen ge-
       fällt, die  alle anderen  Bereiche des  gesellschaftlichen Lebens
       durchdringen. Die  Wechselbeziehungen zwischen der Wirtschaft und
       den übrigen  Bereichen der  Gesellschaft  erlangen  eine  ständig
       wachsende Bedeutung  sowohl für  die ökonomische  Entwicklung als
       auch für  die Gesellschaft  insgesamt. Dabei geht es nicht nur um
       die Mittel,  die für  Wissenschaft, Bildung,  Kultur und Freizeit
       Jahr für Jahr zur Verfügung gestellt werden, sondern vor allem um
       den Inhalt  der Gestaltung  dieser Bereiche,  um die  Beziehungen
       zwischen den Klassen und sozialen Schichten usw.
       Die Wirtschaft  ist überdies  und  heute  ganz  entscheidend  das
       Hauptkampffeld in  der weltweiten Auseinandersetzung zwischen So-
       zialismus und  Imperialismus, im Ringen um die Verhinderung eines
       atomaren Infernos.  Ob unter allen Bedingungen das militärstrate-
       gische Gleichgewicht  zwischen der  Sowjetunion und den USA, zwi-
       schen Warschauer  Vertrag und  NATO erhalten wird, hängt sehr we-
       sentlich von den ökonomischen und wissenschaftlichen Potenzen ab,
       die dafür  eingesetzt werden können. Ob die imperialistische Kon-
       frontationspolitik durchkreuzt,  der Politik  des Wirtschaftsboy-
       kotts erfolgreich begegnet werden kann, hängt in erster Linie von
       der ökonomischen Kraft des Sozialismus ab.
                                    ***
       Die Konzeption  der entwickelten sozialistischen Gesellschaft ist
       das entscheidende  Fundament für  die Bestimmung der Politik, der
       Strategie und  Taktik der marxistisch-leninistischen Parteien je-
       ner Länder  der sozialistischen Staatengemeinschaft, in denen der
       Übergang vom  Kapitalismus zum Sozialismus vollzogen ist. Sie ist
       nicht nur offen für neue theoretische Erkenntnisse und Schlußfol-
       gerungen, die  sich aus  der geschichtlichen  Entwicklung und den
       praktischen Erfahrungen  ergeben, sondern macht diese unabdingbar
       erforderlich. Gerade  darin wird nicht nur der dynamische Charak-
       ter der  sozialistischen Gesellschaft, sondern ebenso das dynami-
       sche Wesen der marxistisch-leninistischen Theorie offensichtlich.
       
       _____
       1) Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Ber-
       lin 1976, S. 7.
       2) Aktuelle Fragen der ideologischen und massenpolitischen Arbeit
       der Partei. Referat von Konstantin Tschernenko auf dem Plenum des
       ZK der KPdSU. In: Neues Deutschland, 15. 6. 1983.
       3) Juri Andropow:  Die Lehre  von Karl Marx und einige Fragen des
       sozialistischen Aufbaus  in der  UdSSR.  In:  Neues  Deutschland,
       25.2.1983.
       4) ND vom 9. Mai 1985, S. 8, Rede von Michail Gorbatschow auf der
       Festveranstaltung im  Kreml zum 40. Jahrestag des Sieges über den
       Hitlerfaschismus.
       5) Karl Marx:  Grundrisse der  Kritik  der  politischen  Ökonomie
       (Rohentwurf). Berlin 1953, S. 189.
       6) Karl Marx:  Kritik des  Gothaer Programms. In: MEW, Bd. 19, S.
       21.
       7) Ebenda.
       8) Friedrich Engels:  Herrn Eugen  Dührings Umwälzung der Wissen-
       schaft ("Anti-Dühring"). In: MEW, Bd. 20, S. 263/264.
       9) Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Ber-
       lin 1976, S. 19/20.
       10) Erich Honecker,  Bericht des  ZK der  SED an den X. Parteitag
       der SED, April 1981 in Berlin, Berlin 1981.
       

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