Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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       DER US-KAPITALISMUS IN DER KRISE
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       Jan Priewe
       
       1. Einleitung - 2. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung - 3. Die
       amerikanische Produktivitätsschwäche  -  4.  Deindustrialisierung
       und verminderte  Wettbewerbsfähigkeit -  5.  Rüstungskapitalismus
       und wirtschaftliche  Stagnation -  6. "Revitalisierung"  der  US-
       Wirtschaft nach  6 Jahren  Reagonomics? -  7. Eine  neue  "große"
       Krise des hegemonialen US-Kapitalismus
       
       1. Einleitung
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       Seit dem  1. Weltkrieg,  und verstärkt  noch in der Wiederaufbau-
       phase nach  dem 2.  Weltkrieg, sind die USA die hegemoniale wirt-
       schaftliche und politische Macht der kapitalistischen Welt. Dabei
       hat der US-Kapitalismus in seiner Grundstruktur wesentlich andere
       Konturen als  die westeuropäischen oder ostasiatischen entwickel-
       ten "Kapitalismen";  dies wird  auch in  der  krisenhaften  Wirt-
       schaftsentwicklung der  USA - vor allem seit Mitte der 60er Jahre
       - deutlich.  Die Krisenprozesse  sind in den USA ausgeprägter und
       wuchtiger als  etwa in  der BRD.  Das Spezifische,  was die  Kri-
       senentwicklung international  seit Mitte der 70er Jahre ausmacht,
       was über  die "kleinen"  zyklischen Krisen hinausgeht und ihr den
       Charakter einer  epochalen Umbruchperiode,  einer  "Regulierungs-
       krise" verleiht, all dies ist in den USA deutlicher sichtbar. Daß
       der US-Kapitalismus anders ist, geht daraus hervor, daß seit 1944
       die Welt  der hochentwickelten  kapitalistischen Staaten  ein eng
       miteinander  verflochtenes   System  konkurrierender   nationaler
       Kapitalismen ist  und  nicht  die  Summe  homogener,  nationaler,
       gleichberechtigter   Einheiten.    Die   USA   beanspruchen   die
       wirtschaftliche und politische Führung. Hinzu kommt, daß aufgrund
       der besonderen  historischen Entwicklung  die Klassenstruktur und
       die Klassenkonflikte  anders waren  und noch  sind als in den aus
       alten feudalistischen  Gesellschaften herausgewachsenen kapitali-
       stischen Systemen.
       Wichtige Unterschiede  der US-Wirtschaft sind u.a.: Der im Durch-
       schnitt immer  noch höhere  Stand der  Produktivkraftentwicklung,
       das viel  höhere Konzentrationsniveau, die ungleich stärkere Mul-
       tinationalisierung der großen Konzerne mit traditionell hohem Ka-
       pitalexport, die größere Bedeutung der Außenpolitik für die wirt-
       schaftliche Außenexpansion,  der viel geringere "wohlfahrtsstaat-
       liche" Interventionismus  und  nicht  zuletzt  der  rüstungswirt-
       schaftliche Interventionismus.  Seit dem  2. Weltkrieg haften den
       USA, in unterschiedlichen Ausprägungen, Züge des Kriegskapitalis-
       mus an,  die es  in Deutschland nur vor und im 1. Weltkrieg sowie
       von 1933 bis 1945 gab.
       Seit etwa  Mitte der 60er Jahre hat in den USA eine tiefgreifende
       Umbruchperiode begonnen:  Die Wachstumsraten  des Sozialproduktes
       sinken; das  Mysterium  der  berüchtigten  Produktivitätsschwäche
       breitet sich  aus; inflationäre  Verteilungskämpfe entstehen; der
       internationale Wettbewerbsvorsprung  schmilzt, die  Flut der  Im-
       portkonkurrenz setzt  ein; die  herkömmliche Variante keynesiani-
       scher Politik  funktioniert immer schlechter; das Land wird dein-
       dustrialisiert;  die  zyklischen  Wirtschaftskrisen  1974/75  und
       1980-82 haben nicht mehr die notwendige "Reinigungskraft", obwohl
       sie die schwersten seit 1929 sind. Die konjunkturelle "Schwindel-
       blüte" der  "Reaganomics" seit  1983 ist  nur kurz  und geht  mit
       riesigen  Haushalts-   und  Handelsbilanzdefiziten   einher.  Die
       wirtschaftliche Dominanz  der USA  bröckelt dahin;  um  so  ener-
       gischer sind  die Anstrengungen, der Erosion Einhalt zu gebieten.
       Die Zukunft  des US-Kapitalismus  ist  düsterer  als  die  seiner
       Hauptkonkurrenten.
       Im folgenden  sollen einige  Aspekte dieser Umbruchperiode darge-
       stellt werden, die im Grunde nur mit der Weltwirtschaftskrise und
       ihren weitreichenden Folgen ("New Deal") vergleichbar sind;
       1. Zunächst sollen  die  entscheidenden  Trends  der  gesamtwirt-
       schaftlichen Entwicklung seit den 60er Jahren dargestellt werden.
       2. Wie stark ist heute die amerikanische Weltmarktposition?
       3. Was sind  die Ursachen  der  verschlechterten  technologischen
       Wettbewerbsposition, der  anhaltenden amerikanischen  Produktivi-
       tätsschwäche?
       4. Rüsten sich die USA in den wirtschaftlichen Ruin oder entsteht
       dank Reagan eine neue Rüstungskonjunktur?
       5. Was haben  6 Jahre  Reaganomics gebracht?  Zeichnet sich  eine
       neue Entwicklungsstufe oder dauerhafte Herrschaftsvariante ab?
       6. Was  sind   die  Charakteristika  der  amerikanischen  "großen
       Krise", was macht sie zur "Regulierungskrise"?
       
       2. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung
       ----------------------------------------
       
       Die USA  verzeichneten seit dem Ende des 2. Weltkrieges keine ex-
       treme Wachstumsphase, keine "Rekonstruktionsperiode", die mit den
       "Wirtschaftswunderjahren" in der Bundesrepublik oder anderen Län-
       dern  vergleichbar  wäre.  Beispielsweise  war  das  jahresdurch-
       schnittliche reale Wirtschaftswachstum in der BRD mit 8,2 Prozent
       in den  50er Jahren  mehr als doppelt so hoch wie in den USA (3,3
       Prozent). Gleichwohl  läßt sich  die Periode  bis Mitte  der 60er
       Jahre als Wachstumsphase im Vergleich zu den nachfolgenden Phasen
       beschreiben, die  eher als  Niedergangsphasen zu charakterisieren
       sind. Allerdings  drückt sich  diese Tendenz  nur unzulänglich in
       den Wachstumsraten  aus. Gemessen am Zuwachs des Bruttoinlandpro-
       duktes (BIP)  pro Einwohner sowie im Vergleich zu anderen entwic-
       kelten Ländern wird die Tendenz zum Wachstums-"Slow Down" deutli-
       cher. 1)
       Die lange  Boomphase 1948-65,  die drei schwache zyklische Krisen
       (1953/54, 1957/58  und 1960) einschließt, war geprägt durch stei-
       gende  Kapitalrentabilität,   steigende  Reallöhne,   weitgehende
       Preisstabilität, hohe  Investitionsquoten, kräftig  steigende Ar-
       beitsproduktivität und  langsam  sinkende  Arbeitslosigkeit,  die
       freilich auf vergleichsweise hohem Niveau verharrte. Der amerika-
       nische Klassenkompromiß funktionierte, die abhängig Beschäftigten
       hatten teil am Wohlstandszuwachs. Oppositionelle Bewegungen blie-
       ben schwach  und wurden  erfolgreich unterdrückt.  Die USA durch-
       drangen mit  Kapitalexporten  und  politischer  Ausdehnung  ihrer
       Macht Westeuropa und Teile der 3. Welt. Die "terms of trade", das
       Verhältnis der  Export- zu  den Importpreisen,  waren für die USA
       außerordentlich günstig,  und das  1944 in Bretton Woods geschaf-
       fene Weltwährungssystem festigte die unangefochtene Rolle des US-
       Dollars in  der Weltwirtschaft.  Der technologische Vorsprung der
       USA vor den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern war auf
       breiter Front  gesichert, ebenso  der deutliche Vorsprung im Pro-
       Kopf-Einkommen.
       
       Tabelle 1:
       Reales jährliches Wachstum des US-BIP 1950-86 in v.H.
       
       1950-55   4,2      1965-70   3,2      1980-86 2,6
       1955-60   2,3      1970-75   2,6
       1960-65   4,7      1975-80   3,7
       _____
       Quelle: Berechnet nach Council of Economic Advisers (CEA), Annual
       Report 1985, Washington 1985, S. 234.
       
       Aber selbst in dieser Blütephase zeigten sich Risse im System des
       amerikanischen Kapitalismus, die sich zunehmend vergrößerten: Ein
       Teil des  Wachstumsbooms der  50er Jahre  war dem Korea-Krieg ge-
       schuldet, nach  dessen Ende  das Wachstum  deutlich abflaute;  im
       Schatten des  Wohlstands wuchsen die Probleme der rassischen Min-
       derheiten, Armut  und Arbeitslosigkeit  blieben hoch, der Sozial-
       staat hatte  sich seit  F.D. Roosevelts Zeiten kaum weiterentwic-
       kelt; und  schließlich zeigte  der Sputnik-Schock  Ende der  50er
       Jahre, daß Hochtechnologie kein Monopol der USA mehr war.
       Ab Mitte der 60er Jahre - der  e r s t e n  K r i s e n p h a s e
       - wurde  alles schlechter:  Das Wachstum  verlangsamte sich deut-
       lich, ein dem Korea-Boom vergleichbarer Vietnam-Boom stellte sich
       nicht ein.  Die Produktivitätszuwächse  ließen nach,  während die
       Investitionsraten noch  hoch blieben; Präsident Johnson hatte den
       "war on poverty" ausgerufen, und die sozialpolitischen Staatsaus-
       gaben stiegen; gleichzeitig wurde aber Nord-Vietnam der Krieg er-
       klärt. Die  Verteilungskämpfe verstärkten  sich, Bürgerunruhen in
       vielen Bereichen  breiteten sich  aus. Es  entstand ein kräftiger
       Inflationsprozeß,  zumal   in  den  60er  Jahren  eine  zyklische
       "Reinigungskrise", anders  als in  den  meisten  westeuropäischen
       Volkswirtschaften, ausblieb, vor allem infolge steigender Staats-
       ausgaben.  1969   war  die   Inflationsrate   auf   6,1   Prozent
       (Konsumgüterpreise) angestiegen,  in der  Krise  1974,  verstärkt
       durch die  erste Ölpreisexplosion,  waren es  sogar 12,2 Prozent.
       Bis 1973 stiegen die Reallöhne nur noch langsam, und die Kapital-
       rentabilität ging zurück. Signale der verminderten politisch-öko-
       nomischen Hegemonie  der USA waren der Zusammenbruch des Bretton-
       Woods-Währungssystems und  die darauf  folgende Abwertung des US-
       Dollars, ferner  die Bildung  des OPEC-Kartells und die Umkehrung
       der "terms  of trade"  zuungunsten der  USA, und  schließlich der
       verlorene Vietnam-Krieg.
       Die   z w e i t e  K r i s e n p h a s e  begann mit der scharfen
       zyklischen Überproduktionskrise  1974/75, die  sich erstmals seit
       Jahrzehnten gleichzeitig  in allen  kapitalistischen Ländern ein-
       stellte und  in den  USA zu  einem Rückgang des realen BIP um 2,6
       Prozent (Industrieproduktion:  "9,3 Prozent)  führte. Alle  Nega-
       tivtrends der  Vorperiode verschärften sich: Die Arbeitslosigkeit
       stieg, die Produktivität stagnierte, die Deindustrialisierung be-
       gann mit  dem Verfall  traditioneller Schlüsselindustrien wie der
       Auto- und Stahlindustrie, die Handelsbilanz wurde infolge starker
       Importkonkurrenz und höherer Ölrechnungen zeitweilig negativ, die
       Reallöhne sanken  in den  70er Jahren und die Kapitalrentabilität
       blieb auf  im Vergleich  zu früher  niedrigem Niveau.  Trotz  der
       Schärfe der  Krise 1974/75  blieb ihre "Reinigungswirkung" so ge-
       ring, daß  weder die  Inflation nachhaltig eingedämmt werden noch
       ein  kräftiger   Aufschwung  oder   gar  eine   Beseitigung   der
       "Strukturprobleme" (Produktivitätsschwäche, Importkonkurrenz, Ar-
       beitslosigkeit und Armut) erreicht werden konnten.
       Mit der seit der Weltwirtschaftskrise schärfsten zyklischen Über-
       produktionskrise 1980-82  und dem  Amtsantritt Reagans  setzt die
       dritte Phase  der chronischen Wirtschaftskrise ein, die zwar 1983
       und 1984  in einem  kräftigen Aufschwung mündete und die Inflati-
       onsrate auf  3-4 Prozent senkte, jedoch um den Preis extrem hoher
       Realzinsen, eines  riesigen Budgetdefizits und seit 1982 gewaltig
       steigenden Leistungsbilanzdefizits.  Das 1984 um real 6,8 Prozent
       gestiegene Sozialprodukt  und die  enorme Auf-  und Überbewertung
       des Dollars  bis zum Herbst 1985 sind eher Symptome einer kurzle-
       bigen "Schwindelblüte"  als Vorboten einer zurückgewonnenen Revi-
       talisierung der  US-Volkswirtschaft. Die  grundlegenden Struktur-
       probleme werden  indessen in der Tendenz weiter verschärft. Hinzu
       kommt die  internationale Verschuldungskrise,  die seit 1982 akut
       geworden ist und bislang durch internationales Schuldenmanagement
       der Gläubigerbanken und -länder nur hinausgezögert werden konnte.
       Trotz der  wirtschaftlichen Schwächung  der USA  lag 1983 das BIP
       pro Einwohner  mit 15356  US-Dollar immer noch um rund 22 Prozent
       über dem der Bundesrepublik (berechnet von der OECD auf Basis von
       Kaufkraftparitäten), 2) und um 36 Prozent über dem von Japan.
       Was sind  die  U r s a c h e n  der nun schon zwei Jahrzehnte an-
       dauernden Erosion  der amerikanischen  wirtschaftlichen Vormacht-
       stellung? Zweifellos  kommen viele Faktoren zusammen. Häufig wird
       - manchmal  in apologetischer  Absicht -  darauf  verwiesen,  daß
       Wachstumsverlangsamung die  natürliche und  notwendige, also kei-
       neswegs krisenhafte  Folge des Reifegrades der US-Volkswirtschaft
       sei. Ferner wird die Deindustrialisierung als Ausdruck einer ent-
       wickelten Dienstleistungsgesellschaft  gewertet. Derartige Erklä-
       rungsversuche, obwohl  nicht ohne  realen Kern,  greifen indessen
       entschieden zu  kurz: Grundlegende  technische  Innovationen  und
       ihre Verbreitung  mögen schwieriger als früher realisierbar sein,
       aber entscheidend  ist, daß  sie stärker als früher außerhalb der
       USA realisiert werden. Die Tendenz zur zunehmenden Lücke zwischen
       technologisch möglicher  Produktivitätsentwicklung und faktischer
       Stagnationstendenz, zur  Brachlegung und Lähmung wichtiger Poten-
       zen der  US-Wirtschaft kann mit diesem Erklärungsansatz nicht er-
       faßt werden.  3) Indessen wird von seiten der neoklassischen, mo-
       netaristischen  und  angebotsorientierten  Wirtschaftstheoretiker
       und -politiker  auf überhöhte  Lohnansprüche, auf sozialpolitisch
       bedingt steigende  Lohnnebenkosten, auf  die vermeintlich  daraus
       resultierende Inflation  und die  entsprechend unzureichende  Ge-
       winn- und Kapitalbildung hingewiesen, ferner auf die übertriebene
       staatliche Regulierung. 4)
       Was die Lohnkosten angeht: Wie bereits erwähnt, stiegen die Real-
       löhne bis  etwa 1965  recht kräftig, dann langsamer, um sodann in
       den  70er   Jahren  zu   sinken.  Dagegen   sank  der  Lohnanteil
       (einschließlich Lohnnebenkosten)  am Volkseinkommen bis Mitte der
       der 60er  Jahre, um  danach bis  Anfang der 70er Jahre zu steigen
       und dann  wieder langsam zu sinken. 5) In der Tat verminderte der
       Anstieg der  Lohnquote 1966-73  die  Kapitalrentabilität,  jedoch
       reagierten die  Unternehmen mit  gleichbleibenden, z.T.  mit ver-
       mehrten Investitionen. Im internationalen Vergleich war die Lohn-
       stückkostenentwicklung in  den USA  für die  Gewinne realtiv gün-
       stig. Die  Rentabilitätseinbußen in den 70er Jahren waren stärker
       der permanent  niedrigen Kapazitätsauslastung  und dem  fast sta-
       gnierenden Produktivitätszuwachs geschuldet.
       Aus Tabelle  2 läßt  sich entnehmen,  daß auch in den 70er Jahren
       die Gewinne kräftig stiegen. Die vom Council of Economic Advisers
       (CEA) berechnete  Nettoeigenkapitalrendite verbesserte sich sogar
       etwas, und auch der Gewinnanteil am Umsatz in der Industrie blieb
       in den  70er Jahren einigermaßen stabil. 6) Berechnet man Brutto-
       sachkapitalrenditen  (Bruttogewinne/Nettoanlagevermögen  in  kon-
       stanten Preisen), dann zeigt sich über die fünf betrachteten Kon-
       junkturzyklen hinweg  eine deutliche  Minderung,  die  vor  allem
       durch die gesunkene Kapazitätsauslastung, aber auch die gesunkene
       Kapitalproduktivität ("Fondsintensität  der Produktion")  bedingt
       ist. Mithin  wird deutlich,  daß die  in den 70er Jahren nach dem
       Ende des Vietnam-Kriegs einsetzende verschlechterte Kapitalrenta-
       bilität, wie  auch die Investitionsschwäche, zu einem erheblichen
       Teil ein Nachfrageproblem ist. Daß die Stagnationstendenz lohnko-
       stenbedingt ist,  läßt sich  für die  USA ebensowenig wie für die
       BRD beweisen. 7)
       
       Tabelle 2:
       Einkommensverteilung in den USA 1960-84
       
                                1960-70   1970-75   1975-80   1980-84
       reale Stundenlöhne 1)
       p.a.                         1,6       0,4      -0,9       0,3
       nominale Stunden-
       löhne 1) p.a.                4,4       7,2       8,0       6,0
       Unternehmergewinne
       nach Steuern, nomi-
       nal 2) p.a.                  4,3      14,6      12,9      -0,7 3)
       Netto-Eigenkapital-
       rendite, in v.H.            11,2      11,5      14,2      12,2 4)
       _____
       1) ohne Landwirtschaft; einschl. Gehälter; ohne Überstunden;
       2) ohne Landwirtschaft; einschl. Lagerbestandsbewertung;
       3) von 1980  bis 1982  sanken die  Gewinne um 30 Prozent, um sich
       dann wieder zu erholen.
       4) Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes.
       Quelle: CEA, Annual Report 1985, a. a. O., S. 256, 257, 277, 332.
       Eigene Berechnungen.
       
       Hier kann  nur summarisch auf einige Ursachenkomplexe der chroni-
       schen US-Krise hingewiesen werden:
       1. Ohne die  hohen Rüstungsausgaben  zur Finanzierung  des Korea-
       und Vietnam-Kriegs - vorausgesetzt die Mittel wären nicht für zi-
       vile Zwecke  verwendet worden - wäre der "slow down" bereits frü-
       her eingetreten.
       2. Nach einer  kräftigen Investitionskonjunktur  in  der  zweiten
       Hälfte der  60er Jahre  fiel die Überproduktionskrise 1974/75 be-
       sonders scharf  aus, weil  (a) die Reallöhne rückläufig waren und
       den privaten  Verbrauch schwächten;  weil (b)  die Staatsausgaben
       immer langsamer  expandierten; weil  (c) in  den 60er Jahren eine
       Überproduktionskrise infolge  ziviler und  militärischer staatli-
       cher Nachfrageexpansion  verschleppt worden  war und die 70er Re-
       zession nur schwach ausfiel; weil sie (d) international - infolge
       gestiegener Weltmarktverflechtung - gleichzeitig erfolgte.
       3. Seit Mitte der 60er Jahre verschärften sich die Inflationsten-
       denzen, eine  Folge gestiegener Verteilungskonflikte und wachsen-
       der ziviler sowie militärischer Staatsausgaben bei gleichzeitiger
       Produktivitätsschwäche und  enorm gestiegener Unternehmenskonzen-
       tration. Hinzu kam die Trendwende bei den "terms of trade".
       4. Erhebliche Gewinnanteile  wurden seit  Kriegsende für Ausland-
       sinvestitionen und  Geldkapitalexporte verwendet, seit Anfang der
       70er Jahre  vornehmlich in  Form von  Krediten an  die heute hoch
       verschuldeten lateinamerikanischen "Schwellenländer." Damit domi-
       nierte die - internationalisierte - extensive Reproduktion.
       5. Dieser monopolistische  Reproduktionstyp, ausgehend  von einem
       international überlegenen  Niveau der  Produktivkraftentwicklung,
       ist neben der Militarisierungstendenz und anderen Faktoren (siehe
       unten) eine  entscheidende Ursache  der seit Mitte der 60er Jahre
       andauernden Produktivitätsschwäche,  welche schließlich  zu einer
       empfindlichen Schwächung  der  US-Weltmarktposition  führte,  die
       sich im  Niedergang wichtiger  Teile der industriellen Basis aus-
       drückt.
       
       3. Die amerikanische Produktivitätsschwäche
       -------------------------------------------
       
       Zwar lag  das durchschnittliche  Produktivitätsniveau (BIP je Be-
       schäftigten) in den USA 1983 immer noch um rd. 6 Prozent über dem
       der BRD  und sogar  um 35  Prozent über  dem Japans, aber die Zu-
       wachsraten hatten  sich seit  Mitte der  60er Jahre deutlich ver-
       langsamt; und  zwar deutlicher  als in  anderen Ländern. 8) Diese
       Produktivitätsschwäche zeigt  sich ähnlich  in der Industrie, ex-
       trem im  Bergbau und  im Baugewerbe,  aber auch in der Stahl- und
       Autoindustrie, in  der Unterhaltungselektronik  etc. 9) Teilweise
       ist die  Produktivitätsschwäche Folge sinkenden Wirtschaftswachs-
       tums und  niedriger Investifionsquoten, denn bei hohen Nettoinve-
       stitionen ist  der Anteil  moderner Ausrüstungen  am Kapitalstock
       hoch, zudem  ergäbe sich durch hohe Kapazitätsauslastung eine ef-
       fizientere Kapitalnutzung.  Auch dem Strukturwandel zugunsten des
       produktivitätsschwächeren Dienstleistungssektors kommt ein Erklä-
       rungsanteil zu.  Aus neoklassischer  Sicht müßte eigentlich ange-
       sichts hoher Lohnkostenbelastung ein hohes Rationalisierungstempo
       einsetzen -  ein Sachverhalt, der vielen bürgerlichen Beobachtern
       als "Produktivitätsrätsel" erscheint.
       
       Tabelle 3:
       Jährliche Produktivitätszuwächse *) in v.H. in USA, BRD und Japan
       
                  USA     BRD     Japan
       
       1960-65    3,1     4,6      8,7
       1965-70    1,0     4,3      9,6
       1970-83    0,6     2,6      3,6
       _____
       *) BIP je Beschäftigten
       Quelle: Berechnet nach  Sachverständigenrat zur  Begutachtung der
       gesamtwirtschaftlichen  Entwicklung,   Jahresgutachten   1985/86,
       Bonn, Tabelle 5.
       
       Über die  angeführten Ursachen  hinaus muß auf folgende Ursachen-
       komplexe hingewiesen  werden, denen  vermutlich ein höherer Stel-
       lenwert zukommt:
       1. Auf dem  Polster des  erreichten hohen Entwicklungsstandes der
       Produktivkräfte ausruhend,  dominierte in den USA ein Typ der Ka-
       pitalakkumulation, der  sich mit  dem Schlagwort "bigger not bet-
       ter" 10)  beschreiben läßt. Durch die geographisch bedingten Grö-
       ßenvorteile ("economies of scale") gegenüber den wichtigsten Kon-
       kurrenzländern konnte zunächst ein hohes Produktivitätsniveau ge-
       sichert werden,  das jedoch  mit dem Nachlassen der quantitativen
       Marktausdehnung und  der größeren Bedeutung von Verfahrensinnova-
       tionen   kaum    noch   gesteigert   werden   konnte.   Mit   den
       "fordistischen" Methoden  der Massenproduktion konnten die Poten-
       tiale der  neuen Technologie  nur begrenzt ausgedehnt werden. 11)
       An die  Stelle des  fehlenden Innovationselans  wurden Strategien
       der Lohnkostensenkung,  des Zerschlagens  von Gewerkschaftsmacht,
       der Kapitalzentralisation zwecks Minderung des Wettbewerbsrisikos
       und der  Auslandsexpansion gesetzt.  Das Marketing-Management war
       wichtiger  als   das  Produktions-Management.   12)  Kurzfristige
       Gewinnmaximierung dominierte.  Zunehmend wurden auch Kapitalüber-
       schüsse zur  Geldkapitalbildung verwendet, und zwar lange vor der
       Hochzinspolitik seit 1979. Mithin müssen die monopolistische Kon-
       kurrenz und  die daraus  resultierenden  Akkumulationsstrategien,
       die sich intensivierter Kapitalreproduktion zu entziehen bemühen,
       als entscheidende  Ursache des  "Produktivitätsrätsels" angesehen
       werden.
       2. Anfang der  70er  Jahre  geriet  der  sozialpartnerschaftliche
       "Klassenkompromiß" zwischen  Kapital und  Gewerkschaften ins Wan-
       ken. Fortan wurde härter durchregiert, die Kontrolle der Beschäf-
       tigten durch  das Management  verstärkt,  die  innerbetrieblichen
       Hierarchien verlängerten  sich und  Tendenzen der autoritären in-
       nerbetrieblichen Bürokratisierung  nahmen zu.  Die "primären" Ar-
       beitsmarktsegmente mit  anspruchsvollen Arbeitsplätzen wurden en-
       ger und  strikter abgezirkelt,  die "sekundären"  schlechten  Ar-
       beitsmarktsegmente weiteten  sich aus, so daß die Differenzierung
       unter den  abhängig  Beschäftigten  zunahm.  Gleichzeitig  wurden
       eklatante Mängel im Bildungssystem akut. In vielen Bereichen ver-
       schlechterten sich  die Arbeitsbedingungen und die "industriellen
       Beziehungen" dramatisch,  vielleicht am  deutlichsten im Bergbau;
       hier nahmen  die Unfallraten  enorm zu, ebenso der Arbeitsausfall
       durch Streiks. Absentismus, mangelnde Arbeitsdisziplin und -moti-
       vation wurden  zunehmend beklagt.  Ein entscheidender  Produktiv-
       kraftfaktor, Sozialpartnerschaft  im Sinne  eines begrenzten  Ar-
       beitskonsens zwischen Belegschaften und Management, funktionierte
       nicht mehr wie ehedem. 13)
       3. Infolge der  hohen Rüstungsausgaben und der Dominanz militäri-
       scher Forschung  und Entwicklung  (F+E) in  der staatlichen  For-
       schungspolitik sind die zivilen privaten und staatlichen F+E-Auf-
       wendungen bedeutend  niedriger als  in  Konkurrenzländern.  Weder
       existiert eine  gezielte Industriepolitik  noch eine  Forschungs-
       und Technologiepolitik - Strukturpolitik wird fast ausschließlich
       über das  Pentagon betrieben. 14) Freilich wäre es einseitig, die
       Militarisierung der  US-Volkswirtschaft als einzige oder überwie-
       gende Ursache der Produktivitätsschwäche anzusehen.
       
       4. Deindustrialisierung und verminderte Wettbewerbsfähigkeit
       ------------------------------------------------------------
       
       Der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP war in den USA im-
       mer schon  niedrig (1983:  23 Prozent),  er ist  jedoch seit 1950
       kaum gesunken.  Indessen hat  sich die Industriestruktur verscho-
       ben; der  Niedergang der Eisen-und Stahlindustrie (die USA wurden
       vom größten  Exporteur zum größten Importeur der Welt), des Berg-
       baus und  der Autoindustrie  sowie  zahlreicher  Konsumgüterindu-
       strien stehen die "High-Tech"-Bereiche Maschinenbau, elektrotech-
       nische und  chemische Industrie  gegenüber. Der Deindustrialisie-
       rung der  traditionellen nordwestlichen  Industrieregionen korre-
       spondiert der Aufstieg der "sunbelt"-Regionen des Südostens.
       Deutlichstes Indiz  der verminderten US-Weltmarktposition ist der
       Tatbestand, daß die von 1893 bis 1970 positive Handelsbilanz seit
       1971 negativ  geworden ist - mit Ausnahme der Jahre 1973 und 1975
       - und  zunehmend extremere Defizite aufweist. 15) Anfangs war das
       Defizit eine  Folge der  gestiegenen Ölrechnung,  die sich  von 8
       Mrd. US-Dollar  1973 auf 24 Mrd. 1974 verdreifachte. Auch die an-
       nähernde Verdopplung der Ölrechnung von 1978 bis 1980 von 42 Mrd.
       US-Dollar auf  79 Mrd.  trug kräftig  zur Entstehung des Defizits
       bei, das  jedoch 1978,  vor der  2. Ölpreisexplosion,  bereits 34
       Mrd. US-Dollar betrug. Extremwerte erreichte das Defizit 1985 und
       1986 mit  129 bzw.  141 Mrd. US-Dollar - bei sinkenden Ölpreisen.
       Zweifellos wurde  das Defizit durch die Überbewertung des Dollars
       anfangs der  70er Jahre  vergrößert, ebenso  durch die  gewaltige
       Aufwertung von  1979-85; jedoch reichte die über 20prozentige Ab-
       wertung 1970-75  bei weitem  nicht, und auch der kräftige Dollar-
       verfall seit Herbst 1985 wird aller Voraussicht nach das Defizit,
       das 1986  immerhin 3-3,5 Prozent des BSP ausmacht, nicht beseiti-
       gen. Im  Gegensatz zu  den Leistungsbilanz-Überschußländern Japan
       und BRD sind die USA nicht in der Lage, der wachsenden Importkon-
       kurrenz  mit   kompensierenden  Exporterfolgen,  vornehmlich  der
       Hochtechnologiebranche, zu begegnen.
       Der Exportanteil am Sozialprodukt ist in den USA traditionell ge-
       ring, 1984  lag er bei rd. 10 Prozent (in der BRD bei rd. 33 Pro-
       zent); die Auslandsmärkte werden seit jeher stärker über die Aus-
       landsproduktion der  multinationalen Gesellschaften  bedient. Auf
       dem großen  Binnenmarkt -  und früher auch auf dem gesamten Welt-
       markt - konkurrierten überwiegend US-Firmen untereinander. Inzwi-
       schen haben  die Auslandsvermögen  in den USA - Direktinvestitio-
       nen, aber  auch Geldvermögen  - stark zugenommen; seit 1985 über-
       treffen sie  das US-Auslandsvermögen, 1985 um 124 Mrd. US-Dollar,
       1986 um  270 Mrd. US-Dollar. 16) Damit sind die USA zu einem Net-
       toschuldnerland geworden.
       Die US-Exporte bestehen zu knapp 20 Prozent aus landwirtschaftli-
       chen Produkten,  die preis- und wechselkursempfindlich reagieren.
       Rd. 35  Prozent der Exporte gehen in Entwicklungsländer (einschl.
       "Schwellenländer", ohne OPEC), vorwiegend nach Lateinamerika, nur
       rd. 27  Prozent nach Westeuropa. Die "Importflut" seit Anfang der
       70er Jahre  kam zum einen aus Japan, das seine Exporte in die USA
       1975-83 um  das 3,7fache steigerte (1986 müssen die USA im Japan-
       handel voraussichtlich  ein Defizit von rd. 50 Mrd. DM hinnehmen,
       was etwa  30-40 Prozent  des gesamten  Handelsbilanzdefizits aus-
       macht), zum  anderen aus Westeuropa (Importzuwachs 1975-85 um das
       2,5fa-che) und  auch aus den Entwicklungsländern (ohne OPEC), die
       ihre Exporte in die USA ebenfalls um das 3,7fache steigerten. Da-
       mit ist  der Importanteil  der Entwicklungsländer  von 22 Prozent
       (1975) auf 31 Prozent (1983) gestiegen.
       
       Tabelle 4:
       Anteile ausgewählter Länder an den Weltexporten *) in v.H.
       
                                  1965   1970   1975   1980   1984
       
       USA                        14,6   13,8   12,2   10,8   10,9
       Japan                       4,5    6,7    6,3    6,4    8,4
       EG                         34,5   36,1   33,9   32,6   30,7
       BRD                         9,5   10,9   10,2    9,4    8,5
       OPEC                        5,4    5,4   12,6   14,6    9,2
       andere Entwicklungsländer  12,8   11,3   10,9   12,6   14,2
       sozialistische Länder      12,3   11,1   10,2    9,9   12,2
       _____
       *) jeweils f.o.b.  Werte. Bewertet in US-Dollar auf der Basis der
       jeweiligen Wechselkurse.
       Quelle: Berechnet nach CEA, Annual Report 1985, S. 352.
       
       In den  vergangenen 20 Jahren ist der US-Anteil an den Weltexpor-
       ten von  knapp 15  Prozent auf  11 Prozent (1984) gesunken, wobei
       die Exporte  in jeweiligen Wechselkursen bewertet wurden; berück-
       sichtigt man den stark gesunkenen Dollarkurs seit 1984, dann ver-
       mindert sich  der US-Anteil beträchtlich, während der der BRD und
       Japans ansteigt.  Freilich ergibt  dies noch  kein  realistisches
       Bild für  die wirtschaftliche  Stärke der  US-Unternehmen, da die
       Auslandstöchter ausgeklammert bleiben.
       Selbst in  den sogenannten  Hochtechnologiebranchen sind  die US-
       Weltmarktanteile gesunken,  und zwar  von 30  Prozent 1960 auf 20
       Prozent 1980.
       - 1980 trat  erstmals ein Importüberschuß bei Telekommunikations-
       ausrüstungen auf. 17)
       - Der Marktanteil  der USA  bei Werkzeugmaschinen  am Handel  der
       OECD-Länder sank von 14,7 Prozent 1970 auf 10,9 Prozent 1980, bei
       Pkws von 8,1 Prozent auf 6,9 Prozent. 18)
       - 1983 wurden  56 Prozent  des US-Umsatzes  in der Unterhaltungs-
       elektronik von ausländischen Herstellern bestritten. 19)
       - Bei der Produktion von Halbleitern und integrierten Schaltkrei-
       sen mußten die USA erhebliche Rückschläge im Verhältnis zur japa-
       nischen Konkurrenz hinnehmen.
       - Auch in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Bürokom-
       munikation und  Computer, der Herstellung von Meßgeräten hat sich
       die Export-/Importrelation  vermindert. 20) Die USA sind nach wie
       vor in  den meisten  Hochtechnologiebereichen, vor  allem in  der
       Computerbranche, führend; nach wie vor werden in den Sektoren In-
       vestitionsgüterherstellung, Chemie und Landwirtschaft Exportüber-
       schüsse erwirtschaftet,  die jedoch  immer weniger ausreichen, um
       die permanenten Defizite bei Standardprodukten, vor allem Konsum-
       gütern, in  der Autobranche sowie bei Brennstoffen auszugleichen.
       1964 übertrafen  die Exporte  von Industrieprodukten die entspre-
       chenden Importe  noch um  90 Prozent,  Ende der  60er Jahre um 20
       Prozent, und  in den  70er war die Bilanz in drei Jahren negativ.
       21) Mithin  bleiben die  USA zunehmend auf Kapitalimporte zur Fi-
       nanzierung ihres  Leistungsbilanzdefizits angewiesen.  Zwar  wird
       sich das  derzeitige gigantische Defizit infolge der Dollarabwer-
       tung und der gesunkenen Ölpreise vermindern, aber als grundlegen-
       des Strukturproblem erhalten bleiben. Dies ist auch der Grund für
       den zunehmenden US-Handelsprotektionismus.
       
       5. Rüstungskapitalismus und wirtschaftliche Stagnation
       ------------------------------------------------------
       
       Ein wesentlicher  Faktor, der  sowohl zur Verlangsamung des Wirt-
       schaftswachstums, zur  Produktivitätsschwäche wie  auch zur  Ver-
       schlechterung der  US-Weltmarktposition beigetragen  hat, ist das
       seit dem  zweiten Weltkrieg fortwährend hohe Niveau der Rüstungs-
       ausgaben, das  S. Melman  als "Permanent war economy" bezeichnet.
       22) Derzeit  dürfte der  Anteil der  ausgewiesenen und verdeckten
       Rüstungsausgaben (RA)  bei rund  zehn Prozent des BSP liegen, was
       ungefähr dem Anteil während des Vietnamkrieges entspricht, jedoch
       deutlich unter  dem während  des Koreakriegs (1953: 17,3 Prozent)
       liegt. 23)  In der  BRD liegt  der entsprechende  Anteil zwischen
       drei und  vier Prozent des BSP. Zu den versteckten Rüstungsausga-
       ben, die  1986 immerhin  rund 25  Prozent ausmachten,  zählt  De-
       Grasse: Pensionszahlungen  an  Kriegsveteranen,  Auslandsmilitär-
       hilfe, 20 Prozent der NASA-Weltraumforschung, den rüstungsbeding-
       ten Anteil  an den  Zinszahlungen auf die Bundesschulden und ver-
       schiedene kleinere  Positionen. Berücksichtigt  man lediglich die
       offen ausgewiesenen  Rüstungsausgaben, dann  wurden 1960  fast 49
       Prozent der Bundesausgaben für Rüstungszwecke ausgegeben, 1986 27
       Prozent; einschließlich  der verdeckten  Ausgaben waren  es sogar
       rund 64  Prozent bzw.  44 Prozent. Im Rahmen der offiziell ausge-
       wiesenen RA hat insbesondere der Anteil nichtpersoneller Ausgaben
       seit 1980  stark zugenommen. Im Zeitraum 1960-1973 kaufte das De-
       partment of Defense (D.o.D.) nicht weniger als 16,9 Prozent aller
       in den USA hergestellten dauerhaften Industrieprodukte, 1973-1981
       waren es 10,9 Prozent.
       Unzutreffend ist die verbreitete Vorstellung eines separaten, von
       der zivilen  Industrie losgelösten  Komplexes  der  Rüstungsindu-
       strie. Am  stärksten ist die Luftfahrzeugindustrie rüstungsabhän-
       gig -  sie realisierte 1970 71 Prozent ihres Umsatzes beim D.o.D.
       -, ferner  die Elektronikindustrie, die 1970 46 Prozent ihres Um-
       satzes mit  D.o.D.-Verkäufen erzielte;  freilich sind  darin Ver-
       käufe an die NASA sowie die in den siebziger Jahren rasch gestie-
       genen Rüstungsexporte  nicht enthalten. 24) In den siebziger Jah-
       ren sind  die D.o.D.-Anteile am Umsatz der Elektronikbranchen auf
       etwa 35 Prozent gesunken. 25)
       Traditionell sind  die Pentagonaufträge  auf wenige  Firmen  ver-
       teilt; von  1955-1978 gingen  2/3 bis 3/4 an rund 100 Firmen. 26)
       Darunter waren  zu der  Zeit nur 30 bis 46 Firmen, die zu den 500
       größten "Megacorporations"  der bekannten  Fortune-Liste gehören.
       1978 hatten  nur 13  der 35  größten Pentagon-Auftragnehmerfirmen
       einen D.o.D.-Rüstungsanteil  von über  20 Prozent ihres Umsatzes.
       1978 hatten  nur 5  der 25  größten US-Firmen  einen  D.o.D.-Auf-
       tragsanteil am  Umsatz von über 5 Prozent (IBM nur zwei Prozent).
       Die größten  Pentagon-Auftragnehmer waren  1978 Lockheed, General
       Dynamics, McDonnel  Douglas, Boeing,  General Electric,  Rockwell
       International, United  Aircraft, AT&T,  Martin  Marietta,  Sperry
       Rand, die zwar fast alle zu den 100 größten US-Industrieunterneh-
       men gehören, jedoch mit Ausnahme von General Electric und General
       Motors nicht zu den 15 größten US-Megacorps.
       
       Tabelle 5:
       US-Rüstungsausgaben (RA) 1960-1986
       
             Offiziell   RA insges. 2) in  RA 1  RA 2   Ra 1  Ra 2
             auswiesene  in  Mrd. US-$     in v.H. des  in v.H.
             RA 1) in                      Bundeshaus-  des BSP
             Mrd. US-$                     halts
       
       1960       44,5         59,5        48,7  63,9    8,9  11,7
       1965       47,9         63,6        40,4  51,4    7,3   9,2
       1970       75,3        102,4        38,5  50,1    7,8  10,3
       1975       80,2        123,5        24,4  34,6    5,4   8,0
       1980      134,0        195,2        23,2  32,4    5,2   7,4
       1981      157,5        230,7        23,6  33,5    5,5   7,8
       1982      185,3        267,7        25,0  35,0    6,1   8,7
       1983      209,9        298,0 b)     25,7  36,4b   6,5   9,0 b)
       1984      227,4        336,0 b)     26,5  38,2b   6,4   9,2 b)
       1985 a)   252,8        382,5 b)     26,7  38,8b   6,5   9,9 b)
       1986 a)   267,1        425,8        26,9  43,7    6,4  10,4
       _____
       a) Schätzung des Department of Commerce
       b) Schätzung R. W. DeGrasse
       1) 1960-1975 nach:  CEA, Annual  Report 1985,  S. 322;  1980-1986
       nach: Government Printing Office, Economic Indicators 12/1985, S.
       33.
       2) R.W. DeGrasse Military Expansion, a.a.O., S. 236 ff.
       
       Man kann vermuten, daß die größte gesamtwirtschaftliche Bedeutung
       der rüstungskapitalistischen  Variante der  US-Wirtschaft in  der
       enormen Konzentration  der F+E-Ausgaben auf Rüstungszwecke liegt.
       Von 1960 bis 1973 hatte das Pentagon rund 38 Prozent aller priva-
       ten und  öffentlichen F+E-Mittel  bereitgestellt,  in  der  Nach-
       Vietnam-Ära fiel der Anteil auf 35,6 Prozent. 27) Hinzu kommt die
       NASA-Weltraumforschung, die  zu 1/5  für  militärrelevant  einge-
       schätzt wird,  mit 11,8  Prozent aller F+E-Ausgaben 1960-1973 und
       7,2 Prozent  1973-1980. 1960-1973  liefen 61  Prozent der Bundes-
       F+E-Mittel über  das Pentagon,  1973-1980 52,7 Prozent. Seit 1980
       und besonders  seit Beginn der SDI-Forschung dürfte dieser Anteil
       wieder beträchtlich  gestiegen sein.  1984 lag der Anteil ziviler
       F+E-Ausgaben am  BSP mit  rund 1,8 Prozent deutlich unter dem Ni-
       veau Japans  und der  BRD (rund 2,4 Prozent), die die USA bereits
       seit Anfang  der sechziger  Jahre übertrafen. 28) Indes liegt der
       Anteil der  gesamten F+E-Ausgaben  am BSP  in den USA geringfügig
       über dem  von Japan  und der BRD. Die extreme Militarisierung der
       Forschung in  den USA  ist um  so gravierender,  als  der  zivile
       "spin-off" zunehmend geringer wird. Viele militärische Innovatio-
       nen, selbst  wenn sie nicht der Geheimhaltung unterliegen, müssen
       für zivile Zwecke praktisch neu erforscht werden. 29)
       DeGrasse schätzt,  daß für  militärische F+E  in den  USA in  den
       sechziger Jahren  zwischen 25  und 35 Prozent der Wissenschaftler
       und Ingenieure  tätig waren,  in den  siebziger Jahren  15 bis 25
       Prozent. Ullman vermutet, daß rund ein Drittel der 61 000 US-Jun-
       gingenieure, die  jährlich die Hochschulen verlassen, direkt oder
       indirekt für  die Rüstung  arbeiten. In Japan 30) werden indessen
       jährlich rund  70 000 Ingenieure  für die fast ausschließlich zi-
       vile Industrie  ausgebildet. Insbesondere  hochqualifizierte Spe-
       zialisten wandern  angesichts hoher  Gehälter und  günstiger For-
       schungsbedingungen häufig in die Rüstungsforschung ab. Im übrigen
       ist das  betriebswirtschaftliche Risiko der Rüstungsforschung ge-
       ringer und  wird daher  von vielen  Firmen gegenüber  ziviler F+E
       bevorzugt. In  der Tendenz  setzt eine  Verdrängung  ziviler  F+E
       durch militärische  ein, die  den  Wettbewerbsvorsprung  der  US-
       Hochtechnologiesektoren angesichts des internationalen industrie-
       struktur- und technologiepolitischen Wettlaufs weiter aushöhlt.
       Nach dem  Ende des  Vietnam-Krieges waren  die RA zwar keineswegs
       absolut gesunken,  aber ihr  Anteil am  Bundeshaushalt und am BSP
       nahm deutlich  ab (vgl.  Tabelle  5).  Viele  Rüstungsproduzenten
       wandten sich stärker den Rüstungsexporten zu. Das Aufrüstungspro-
       gramm der  Reagan-Reagierung hat  die offiziellen RA 1980-1985 um
       rund 53 Prozent gesteigert, für 1986 ließ sich bislang eine Stei-
       gerung haushaltspolitisch  nicht durchsetzen.  31) Zum Vergleich:
       1965-1968, in  der Vietnamphase,  stieg das Militärbudget um rund
       42,7 Prozent, während des Koreakrieges um 179,2 Prozent. Die mit-
       telfristige Planung,  SDI-Forschung einbezogen, sieht weitere ge-
       waltige Zuwachsraten  vor, die vermutlich jedoch nur mit erhebli-
       chen  Abstrichen  angesichts  des  gestiegenen  Haushaltsdefizits
       durchgesetzt werden  können. Zweifellos  handelt es  sich um  die
       größte Rüstungsexpansion in "Nichtkriegszeiten" in der Geschichte
       der USA, der maßgebliche Bedeutung bei der angestrebten Revitali-
       sierung und  Reindustrialisierung der US-Volkswirtschaft zukommen
       soll, ganz  im Gegensatz  zur  angebotsorientierten  Doktrin  der
       freien Marktwirtschaft.
       Anders als zu Zeiten des Korea- und Vietnam-Krieges ist jetzt der
       Anteil von  Waffenbeschaffungen und  militärischer F+E  an den RA
       viel größer.  Das Rüstungsprogramm  ist eine rüstungsindustrielle
       Struktur- und  Technologiepolitik via  Pengagon. 32)  Während der
       Korea-Krieg nur  zu einem  geringen Teil durch Staatsverschuldung
       finanziert wurde,  waren die  ökonomischen  Folgen  des  Vietnam-
       Krieges viel  weitreichender; er  wurde von  Anfang an in starkem
       Maße kreditfinanziert,  und dies  in einer  Periode relativ hoher
       Kapazitätsauslastung, so  daß sich  bei gleichzeitig verschärften
       Verteilungskämpfen, sinkendem  Produktivitätszuwachs und erhöhten
       sozialpolitischen Ausgaben  starke  inflationäre  Folgen  ergeben
       mußten, zumal  Preiskontrollen ausblieben.  Inzwischen liegt  der
       Anteil des Haushaltsdefizits am BSP um fast das Doppelte über dem
       Stand während des Vietnam-Kriegs, allerdings ist der Grad der Ka-
       pazitätsauslastung geringer.  Daß die Inflationsraten im konjunk-
       turellen Aufschwung seit 1983 niedrig blieben, liegt an den ange-
       sichts der  Dollaraufwertung  günstigen  Importgüterpreisen,  den
       kaum steigenden Löhnen und der Hochzinspolitik. Da diese Konstel-
       lation inflationsbestimmender  Faktoren längerfristig  nicht auf-
       rechterhalten werden  kann, ist  zukünftig wieder  mit  stärkerem
       Preisauftrieb zu rechnen.
       Die gesamtwirtschaftlichen Folgen des amerikanischen Rüstungspro-
       gramms sind  viel problematischer als die Boomwirkung während des
       Korea-Krieges und vermutlich auch des Vietnam-Krieges. Die Wachs-
       tums- und  Beschäftigungseffekte sind sehr begrenzt - wie noch zu
       zeigen sein wird, ist der Aufschwung seit 1983 und das sogenannte
       Beschäftigungswunder nur  zu einem  geringen Teil rüstungsbedingt
       -, längerfristig  überwiegen die  kontraproduktiven Wirkungen der
       zivilen Produktivitätsschwächung, der wachsenden Importkonkurrenz
       und die  Negativfolgen der  Hochzins-  und  Verschuldungspolitik.
       Eine dem  Koreaboom vergleichbare Rüstungskonjunktur, die auf die
       gesamte Volkswirtschaft  längerfristig  positiv  ausstrahlt,  ist
       nicht zu erwarten. Dies wird auch durch die empirisch eindeutigen
       Befunde internationaler Vergleichsstudien belegt, die eine starke
       negative Korrelation  zwischen  Wirtschaftswachstum,  Produktivi-
       tätszuwachs und Anteil der Rüstungsausgaben konstatieren. 33)
       
       6. "Revitalisierung" der US-Wirtschaft
       --------------------------------------
       nach sechs Jahren Reaganomics?
       ------------------------------
       
       Reagans Ankündigung  einer neuen  Ära der  US-Wirtschaftspolitik,
       häufig als "angebotsorientierte Wirtschaftspolitik" oder Reagano-
       mics bezeichnet,  beruht auf folgenden vier Eckpfeilern, die eine
       Revitalisierung der Volkswirtschaft ermöglichen sollen. 34)
       1. Reduzierung des Staatsinterventionismus durch "Deregulierung":
       Diese ideologische Formel, die unternehmerische Kreativität frei-
       setzen soll,  bedeutet in  der Realität die Revision der staatli-
       chen Umweltschutzbestimmungen (Clean Air Act); die Aufhebung bin-
       nenwirtschaftlicher Preis- und Mengenkontrollen bei der US-Ölför-
       derung; Deregulierung  im Transport-  und Kommunikationswesen mit
       dem Ziel der Steigerung privatwirtschaftlicher Konkurrenz und Ka-
       pitalverwertung; Zurückdrängung des gewerkschaftlichen Einflusses
       auf allen  Ebenen; Rücknahme bundesstaatlicher, vornehmlich sozi-
       alpolitischer Staatsaufgaben,  die Mitte der 60er Jahre beschlos-
       sen wurden.
       2. Ausgleich des  Bundeshaushalts bis  zum Jahr  1984  bei  einem
       niedrigen Niveau  der Staatsquote,  die - bezogen auf die Bundes-
       ausgaben -  von 23 Prozent 1981 auf 19 Prozent sinken sollte. In-
       des haben  bekanntlich die  Nettoneuverschuldung und  der gesamte
       Schuldenbestand ein  Rekordniveau erreicht;  die Staatsquote  ist
       gestiegen.
       3. Drastische Steuersenkungen  für Unternehmen  und private Haus-
       halte, um stärkere Investitions- und Leistungsanreize zu gewähren
       und gleichzeitig das im internationalen Vergleich extrem niedrige
       Niveau der  Ersparnisbildung zu  erhöhen. Zu  diesem Zweck  wurde
       1981 der  "Economic Recovery Tax Act" (ERTA) beschlossen, der die
       Grenzsteuersätze bei  der Einkommenssteuer  um 23 Prozent in drei
       Jahren senken  sollte, den  Höchstsatz der Einkommensteuer von 70
       Prozent auf  50 Prozent  absenken und die Unternehmensbesteuerung
       drastisch vermindern  sollte. Diese Steuerreformen kamen überwie-
       gend den Unternehmen sowie mittleren und höheren Einkommenschich-
       ten zugute, während für die unteren Einkommenbezieher die Steuer-
       und Abgabenbelastung  teilweise anstieg. 35) Die Einkommensteuer-
       reform führte  jedoch nur zu einer faktisch 10prozentigen Vermin-
       derung der  Einkommensteuerbelastung, da  viele Einkommenbezieher
       aus Gründen  der Inflation  in höhere Progressionszonen hineinge-
       rieten. Nach  Meinung der Administration steht die "große Steuer-
       reform" immer noch aus.
       4.  H o c h z i n s p o l i t i k   zur Inflationsbekämpfung  und
       P o l i t i k   d e s  s t a r k e n  D o l l a r s.  Bereits un-
       ter Präsident Carter wurde angesichts einer galoppierenden Infla-
       tion ab  1979 eine  Phase der Hochzinspolitik eingeleitet, die zu
       extrem hohen Realzinsen führte. Seit Oktober 1982 wurde die Geld-
       politik schrittweise  gelockert, jedoch  verharrten aufgrund  der
       gestiegenen staatlichen  und privaten Kreditnachfrage und dem ge-
       ringen binnenländischen  Sparvolumen die Realzinsen auf hohem Ni-
       veau. Die zunehmenden Geldkapitalimporte, angelockt durch die ho-
       hen Zinsen und die steigenden Gewinnerwartungen, führten zu einer
       Dollaraufwertung vom  Tiefpunkt 1979/80  bis zum  Höchststand  im
       März 1985  um 54 Prozent, 36) die mit realwirtschaftlichen Fakto-
       ren in  keinem Zusammenhang  steht. Die  Aufwertungstendenz wurde
       von der US-Regierung geschürt, obwohl sie erhebliche Verzerrungen
       der internationalen  Handels- und Kreditbeziehungen wie auch eine
       weitere dramatische  Verschlechterung  der  US-Handelsbilanz  zur
       Folge hatte.  Zwar verbilligten  sich die US-Importe, wodurch die
       Inflation eingedämmt  werden konnte,  wie auch die Direktinvesti-
       tionen im  Ausland, und  die Rolle des US-Dollars als Reservewäh-
       rung wurde gestärkt, aber es verbleibt ein gewichtiges Moment my-
       stischer "American-First-Euphorie",  welche  die  selbstgefällige
       Überschätzung der Leistungsfähigkeit der US-Wirtschaft ausdrückt.
       Angesichts der steigenden Handelsbilanzdefizite, der gefährlichen
       internationalen Folgewirkungen der hohen Zinsen und der drohenden
       Konjunkturabschwächung ist der Dollarkurs seit dem Höchststand im
       Frühjahr 1985 um rund 25 Prozent gesunken (bis März 1986).
       In Wirklichkeit  ist das, was als Reaganomics in die Realität um-
       gesetzt wurde,  in weiten  Teilen das Gegenteil von dem, was kon-
       zeptionell proklamiert  wurde; es  ist alles  andere als  eine in
       sich konsistente  Politik, sondern vielfach eine an kurzfristigen
       Interessenkonstellationen reaktiv ausgerichtete hochgradig wider-
       sprüchliche Politik,  die eher als kurzsichtige sozialreaktionäre
       "voo-doo-economics" zu charakterisieren ist. Ein kurzer Überblick
       über die reale Entwicklung der US-Wirtschaft seit 1980 zeigt, daß
       von einer  tiefgreifenden Revitalisierung  nicht einmal im Ansatz
       die Rede sein kann.
       Während die  Reagan-Regierung, gleich  nach dem Amtsantritt kurz-
       fristig in  eine neue  wirtschaftliche  Blütephase  hineinsteuern
       wollte, geriet  die Volkswirtschaft 1980-82 in die schwerste kon-
       junkturelle Krise  seit 1929. 37) Die Arbeitslosenquote stieg auf
       9,7 Prozent,  das reale  BSP fiel 1980 um 0,3 Prozent und 1982 um
       2,1 Prozent.  Ab Herbst 1982 setzte ein kräftiger Aufschwung ein,
       dessen Stärke  dem Durchschnitt  der vergangenen fünf Aufschwung-
       phasen entsprach.  Von niedrigem  Niveau ausgehend  - die Kapazi-
       tätsauslastung der  Industrie war  unter 70  Prozent  gesunken  -
       stieg das  reale BSP 1983 um 3,7 Prozent und 1984 um 6,8 Prozent,
       um sich  seither bei einer Wachstumsrate von 2,5 Prozent 1985 und
       1986 zu  stabilisieren. Der  Aufschwung wurde in seiner kräftigen
       Phase (bis  Frühjahr 1985)  zu zwei  Dritteln vom privaten Konsum
       getragen, der  stärker als  in früheren Aufschwüngen zur Konjunk-
       turlokomotive wurde.  Dessen Dynamik  resultierte aus der auf ein
       extrem niedriges  Niveau gesunkenen  Sparquote der privaten Haus-
       halte, den  Einkommen-Steuervergünstigungen und  auch aus  dem ab
       1983 deutlich geringeren Preisauftrieb. Gleichzeitig mit dem Kon-
       sum stiegen  auch die  Wohnungsbauinvestitionen und  die privaten
       Ausrüstungsinvestitionen stark  an, die  sich jedoch  schon  1985
       wieder deutlich verlangsamten. Eine länger anhaltende robuste In-
       vestitionskonjunktur wurde  nicht erreicht, zumal überwiegend der
       Dienstleistungssektor expandierte und die Industrieproduktion un-
       ter dem  Druck der  Importkonkurrenz bereits 1985 nur noch um gut
       zwei Prozent zunahm.
       Die realen  Staatsausgaben stiegen  - anders  als in der BRD - in
       den Krisenjahren 1980-82 mit fünf bis sieben Prozent an, z.T. rü-
       stungsbedingt, z.T.  zinsbedingt, z.T. auch infolge krisenbedingt
       steigender Sozialausgaben  im Rahmen gesetzlich festgelegter Pro-
       gramme. Nach  1982 stiegen  die Staatsausgaben  schneller als das
       Sozialprodukt, so  daß die Staatsquote um etwa zwei Prozentpunkte
       anstieg. Da  gleichzeitig die Steuergesetze zu einem Einnahmeaus-
       fall von  netto rd. 230 Mrd. US-Dollar 1982-85 führten, 38) stieg
       das Defizit  im Bundeshaushalt  explosiv an (Länder und Gemeinden
       erwirtschafteten infolge  ihrer Sparpolitik  Überschüsse); zu der
       hohen konjunkturell bedingten Verschuldung der Jahre 1980-82 trat
       die noch  höhere "struktuell"  bedingte. In  den Jahren  des Auf-
       schwungs -  1983, 1984  und 1985 - stieg die Nettoneuverschuldung
       im Bundeshaushalt auf 208, 185 und 212 Mrd. Dollar. 39)
       Nach OECD-Berechnungen trug die expansive Finanzpolitik durch die
       Ausgabensteigerungen und  die  drastischen  Steuersenkungen,  die
       teilweise den privaten Konsum und indirekt auch die Inflation an-
       kurbelten, in  den Jahren  1982-85 zu  rund 39 Prozent zum realen
       Wirtschaftswachstum bei.  Mithin war  der US-Aufschwung,  ganz im
       Gegensatz zur  angebotsorientierten Doktrin,  Resultat einerseits
       autonomer konjunktureller  Auftriebskräfte, andererseits in hohem
       Maße Resultat einer rechtskeynesianischen Konjunkturpolitik durch
       massives Deficit-spending, 40) allerdings begleitet von einer mo-
       netaristisch ausgerichteten Geldpolitik.
       Der überwiegende  Teil der  Expansionswirkung der staatlichen Fi-
       nanzpolitik beruht  auf dem  Steuerentlastungsprogramm,  welches,
       wie bereits erwähnt, 1982-85 rund 230 Mrd. Dollar Mindereinnahmen
       zur Folge  hatte. Indessen  sind die Rüstungsausgaben im gleichen
       Zeitraum "nur" um 68 Mrd. gestiegen (1980-85: 119 Mrd.), die Zin-
       sausgaben um  60 Mrd.  US-Dollar. Mithin  wird deutlich,  daß der
       89prozentige Anstieg der (offiziell ausgewiesenen) Rüstungsausga-
       ben 1980-85 nur zu einem geringen Teil zur konjunkturellen Stabi-
       lisierung beigetragen  hat. Nach  OECD-Berechnungen ist  rund die
       Hälfte des Zuwachses der Budget-Defizite 1981-85 ausgabenbedingt,
       davon sind  knapp 30  Prozent rüstungs-  und ebenfalls 30 Prozent
       zinskostenbedingt.  Zu  wesentlich  höheren  Ausgabensteigerungen
       wäre es gekommen, wenn nicht die zivilen Staatsausgaben gegenüber
       den früheren  Ansätzen im  Zeitraum 1982-85  um rund 176 Mrd. ge-
       kürzt worden wären; 41) die jährliche Kürzung entspricht rund 5-6
       Prozent des Bundeshaushalts.
       Zweifellos sind  die US-Haushaltsdefizite beängstigend groß. 1986
       werden rund 17-18 Prozent der Bundesausgaben durch Kredite finan-
       ziert (zum Vergleich: BRD-Bundeshaushalt 1984: 11,4 Prozent). Die
       Gesamtverschuldung des Staates ist auf über 2 Billionen US-Dollar
       1986 gestiegen  und hat  sich damit seit 1981 verdoppelt. Gleich-
       wohl darf  nicht verkannt  werden: Im  Verhältnis zum BSP ist die
       Gesamtstaatsverschuldung der  USA mit knapp 50 Prozent 1986 nicht
       wesentlich höher  als in  der BRD  (1985 ca. 40 Prozent). Auch im
       OECD-Länder-Vergleich ist  die  US-Staatsverschuldung  keineswegs
       extrem hoch.  Beängstigend ist dreierlei:  E r s t e n s  das ex-
       treme  Tempo   der  Steigerung   der  öffentlichen  Verschuldung;
       z w e i t e n s   der Tatbestand,  daß die  hohen und  steigenden
       Budgetdefizite in eine Periode eines kräftigen (wenn auch kurzen)
       Aufschwungs fallen.   D r i t t e n s  ist die US-Staatsverschul-
       dung im Verhältnis zum Sparen der privaten Haushalte extrem hoch:
       Zwischen 1979  und 1984  lagen die  privaten Nettoersparnisse bei
       3,6-5,4 Prozent  des BSP  (in der BRD und in anderen Ländern sind
       sie z. T. um das 3fache höher); 1983 wurde das gesamte binnenlän-
       dische Sparvolumen vom Staatsdefizit absorbiert, 1984 waren es 63
       Prozent. Die  Finanzierung des  Staatsdefizits und  der  privaten
       Nettoinvestitionen kann  nur durch  hohe Nettokapitalzuflüsse aus
       dem Ausland  bewerkstelligt werden,  die 1984 2,6 Prozent des BSP
       ausmachten.
       
       Tabelle 6:
       Öffentliche Finanzen 1980-86
       
       Jahr Bundes- Zivile  Rüstungs- Defizit Defizit Defizit  Brutto-
       1)   ausga-  Bundes- ausgaben, im Bun- im ges. im ges.  schulden-
            ben,    ausga-  jährl.    des-    Staats- Staats-  stand
            jähr-   ben     Zuwachs   haus-   haus-   haus-    aller
            licher  (ohne   in v.H.   halt in halt in halt in  Staats-
            Zuwachs Zinsen)           Mrd. $  Mrd. $  v.H. des haus-
            in v.H. jähr-                             BSP      halte
                    licher                                     in Mrd. $
                    Zuwachs
                    v.H.
       1980  16,3    15,3    16,5      73,8    30,7   -1,2      914,3
       1981  15,9    13,4    17,5      78,9    26,7   -0,9     1003,9
       1982  10,7     6,8    17,7     127,9   115,3   -3,8     1147,0
       1983  10,3     9,2    13,3     207,8   134,5   -4,2     1381,9
       1984   5,1     0,6     8,3     185,3   124,4   -3,5     1576,7
       1985  10,6     8,4    11,2     211,9   150,0 a)-3,9     1841,1
       1986   4,7     0,1     5,7     178,0 a)154,0 a)-3,7     2074,2
       a)
       _____
       1) Fiskaljahre: 1. 10-30. 9. a) Schätzungen.
       Quelle: CEA, Annual  Report 1985,  Tabellenanhang; OECD, Economic
       Surveys, United States, a.a.O.; Economic Indicators 12/85. Eigene
       Berechnungen.
       
       Dies ist  auch der  entscheidende Grund  dafür, daß  die USA 1984
       erstmals in  eine Nettoschuldnerposition  gerieten, also das aus-
       ländische Vermögen  in den  USA das der USA im Ausland überstieg.
       Anders als  in der BRD kann davon ausgegangen werden, daß infolge
       des extrem  ungünstigen Verhältnisses  von  volkswirtschaftlicher
       Ersparnisbildung und  Budgetdefiziten letztere in erheblichem Um-
       fang -  neben der Notenbankpolitik - für das hohe Zinsniveau mit-
       verantwortlich sind ("crowding-out").
       Zu den  vermeintlichen Erfolgen  einer  revitalisierten  US-Wirt-
       schaft  zählt   die  Reagan-Administration  das  "Beschäftigungs-
       wunder". 42)  In der Tat hat die Zahl der Beschäftigten außerhalb
       der Landwirtschaft  seit  1980  um  8,3  Mio.  oder  9,2  Prozent
       zugenommen. Selbst  die Industriebeschäftigung  hat im Aufschwung
       bis Anfang  1985 zugenommen, jedoch den Höchststand vor der Krise
       nicht wieder  erreicht.  Freilich  muß  hinzugefügt  werden,  daß
       bereits  seit  Jahrzehnten  die  US-Beschäftigung  außerhalb  der
       Landwirtschaft deutlich  zunimmt, z.  B. von 1975-80 um 13,5 Mio.
       Personen oder  17,6 Prozent. Gemessen am Tempo der 70er Jahre hat
       sich das  Beschäftigungswachstum seit  1980 deutlich verlangsamt.
       Im Zeitraum  1980-85 konzentrierte  sich das Arbeitsplatzwachstum
       auf folgende  Bereiche: 43)  Einzelhandel (2,1 Mio.), Gaststätten
       (2,0  Mio.),   Banken/Versicherungen  (0,7   Mio.),  kommerzielle
       Dienstleistungen (1,3 Mio.), Gesundheitsdienste (1,0 Mio.). Dabei
       handelte es sich überwiegend um eine Zunahme der Frauenbeschäfti-
       gung, z.T.  im Rahmen  von Teilzeitarbeit;  insbesondere  in  den
       Niedriglohnsektoren  weitet  sich  die  Beschäftigung  überdurch-
       schnittlich aus.
       Das amerikanische  "Beschäftigungswunder" ist  die Kehrseite  des
       Produktivitätsrätsels: auch nach 1980 ist der Produktivitätstrend
       nicht wesentlich verbessert, so daß schon eine geringe Nachfrage-
       steigerung zu  Neueinstellungen führt.  Trotz des Beschäftigungs-
       wunders konnte  die Arbeitlosenquote  von ihrem  Höchststand 1982
       (9,7 Prozent) nur um 2 1/2 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent 1986 ge-
       drückt werden.  Das rasche  Bevölkerungswachstum, der  veränderte
       Altersaufbau der Bevölkerung und die stetig steigende Erwerbsnei-
       gung der Frauen führen zu steigendem Arbeitsplatzbedarf.
       Zu Reagans "Erfolgsbilanz" gehört auch der drastische Anstieg der
       Armut. 44)  Gemäß einer  1969 von  einem interministeriellen Aus-
       schuß festgelegten  Armutsgrenze lebten 1983 15,2 Prozent der Be-
       völkerung (35,5 Mio. Personen) in Armut, 45) und zwar 6 Mio. oder
       20,5 Prozent  mehr als  1980. Zwar  ist die Armutsquote, die 1973
       auf ihren  Tiefstand mit  11,1 Prozent  gesunken war, noch längst
       nicht wieder  auf ihrem  Höchststand von  1960 mit  22,2 Prozent,
       aber infolge  der drastischen  Kürzung  verschiedener  Sozialpro-
       gramme, die  in den  60er Jahren  mit dem "war on poverty" einge-
       führt wurden, ist die Tendenz steigend.
       Die Kürzungen  im Sozialbereich betrafen vor allem die öffentlich
       finanzierte Krankenversorgung  für Arme (Medicaid), Lebensmittel-
       hilfen für arme Familien (foodstamps), Hilfen für arme kinderrei-
       che Familien  (AFDC), Wohngeld, Ausbildungshilfen und andere Ein-
       kommentransfers an untere Einkommenschichten. Mit Hilfe dieser im
       Rahmen von  Präsident   J o h n s o n  "Great Society"-Plänen be-
       schlossenen Transfers  wurde in  den 60er  Jahren die Armutsquote
       halbiert; jetzt wird diese zweite Stufe der wohlfahrtsstaatlichen
       Entwicklung nach F.D. Roosevelts "New Deal" in den 30er Jahren im
       Ansatz zurückgenommen. Besonders betroffen sind farbige Familien,
       alleinerziehende Mütter  und andere  Minderheiten. Seit  dem "New
       Deal" sind die staatlichen Transferzahlungen an private Haushalte
       enorm gestiegen: 1929 betrugen sie noch 1,2 Prozent des Volksein-
       kommens, 1935  5,2 Prozent  und 1983 20,8 Prozent. Ca. die Hälfte
       der Bundesausgaben sind Transferzahlungen, von denen rund 25 Pro-
       zent an Haushalte in der Armutszone mit weniger als 10 000 Dollar
       Jahreseinkommen fließen. Knapp 17 Prozent aller Haushalte gehörte
       1982 zu  dieser  Einkommenkategorie  und  lebte  überwiegend  von
       Transfereinkommen. Während  der Anteil dieser Transfers seit 1980
       gesenkt wurde,  stieg der  Anteil, der  den mittleren und höheren
       Einkommenschichten zugute  kommt. Mithin  hat sich  in Verbindung
       mit den  Steuerreformen seit  1981 und dem weitverzweigten System
       von Steuerbefreiungen  eine kräftige sekundäre Umverteilung durch
       den Staat  zugunsten der mittleren und höheren Einkommenschichten
       ergeben. Während  die verfügbaren  Einkommen des unteren Fünftels
       der privaten  Haushalte in der Einkommenhierarchie von 1980-84 um
       real 7,6  Prozent sanken,  stiegen die des oberen Fünftels um 8,7
       Prozent. 46)  Damit hat  sich die  jahrzehntelang relativ stabile
       personelle Einkommenverteilung  innerhalb weniger  Jahre deutlich
       polarisiert.
       Dieser kurze Überblick über 6 Jahre Reaganomics läßt keine Anzei-
       chen einer  Revitalisierung der US-Volkswirtschaft erkennen, auch
       wenn die  Gewinne der  Unternehmen sich vom Schock der Krise ein-
       drucksvoll erholt  haben, auch wenn die Unternehmen infolge einer
       gigantischen Zentralisationswelle  monumentaler denn  je geworden
       sind. Zwar  ist die  Inflation einstweilen eingedämmt, und selbst
       die durchschnittlichen  Nettoreallöhne je  Beschäftigten  steigen
       seit 1981 wieder geringfügig. Aber der Preis für diese - einzigen
       - Erfolge  ist gewaltig: Hohe Zinsen und ihre gefährlichen Folge-
       wirkungen, eine  Revision des  ohnehin spärlichen Wohlfahrtsstaa-
       tes, Aufrüstung ohne Ende, riesige Budget- und Leistungsbilanzde-
       fizite, rüstungsorientierte  Restrukturierung der produktiven Ba-
       sis, ohne  daß ein Ende der Produktivitätsschwäche in Sicht wäre,
       und schließlich  eine gewaltige  primäre und sekundäre Einkommen-
       sumverteilung vorrangig  zu Lasten  derjenigen, die  Reagan nicht
       gewählt haben.  Nach sechs  Jahren Reaganomics  sind die ökonomi-
       schen Probleme des Landes noch größer als vorher.
       
       7. Eine neue "große" Krise des hegemonialen US-Kapitalismus
       -----------------------------------------------------------
       
       Es wurde schon eingangs darauf hingewiesen, daß sich der US-Kapi-
       talismus spätestens  seit Ende  des zweiten Weltkrieges erheblich
       von anderen  nationalen Typen  des entwickelten Kapitalismus, des
       staatsmonopolistischen  Kapitalismus,  unterscheidet.  Spezifisch
       ist vor  allem das  höhere Niveau der Produktivkraftentwicklung -
       wenngleich der Vorsprung dahinschmilzt - auf der Basis wesentlich
       größerer Konzerne mit einem viel höheren Grad der Auslandsproduk-
       tion und  -expansion durch Kapitalexporte. Die ökonomische Durch-
       dringung der kapitalistischen Welt und die Ausweitung ihrer Fron-
       ten durch  US-Multis, deren  wachsende ökonomische Größe zugleich
       auch zu mehr politischer Macht geführt hat, die hegemoniale Stel-
       lung der  USA in  der kapitalistischen  Weltwirtschaft  und  ihre
       Frontstellung gegenüber  den sozialistischen  und nicht-kapitali-
       stischen Ländern  - dies alles hat zu einem ungleich größeren Ge-
       wicht der  Außen- und  "Verteidigungs"-Politik sowie des Militärs
       für die Entwicklung des US-Kapitalismus geführt. Dieser läßt sich
       als  hegemonialer  Typ  des  staatsmonopolistischen  Kapitalismus
       kennzeichnen, der  auch nach 1945 stets Züge des Kriegskapitalis-
       mus, wenn  auch in unterschiedlicher Intensität, beibehalten hat.
       Hierfür ist der Gleichklang von ökonomischer, politischer und mi-
       litärischer Außenexpansion von Monopolkapital und Staat charakte-
       ristisch, der natürlich keineswegs widerspruchsfrei ist.
       Die riesigen  Konzerneinheiten der  führenden Megacorps haben das
       gesellschaftliche Machtungleichgewicht  -  natürlich  auch  ange-
       sichts einer relativ schwachen Arbeiterbewegung - zuungunsten der
       abhängig Beschäftigten, namentlich der unteren Schichten, der Mi-
       noritäten und  deren Interessenvertretungen  verschoben; zugleich
       scheint schon  traditionell die  Distanz zwischen Großkapital und
       Staat geringer  als in anderen nationalen Typen des staatsmonopo-
       listischen Kapitalismus  - sieht  man einmal  von  faschistischen
       oder präfaschistischen Herrschaftsvarianten ab - zu sein, wie sie
       etwa durch  die viel zitierte und gut belegte Mobilität der wirt-
       schaftlichen und politischen Eliten zum Ausdruck kommt.
       Dieses besonders  ausgeprägte  strukturelle  Machtungleichgewicht
       spiegelt sich naturgemäß auch in der Struktur der Staatstätigkeit
       und in den Staatsausgaben wider: Insbesondere ist das Gewicht so-
       zialstaatlicher Staatsfunktionen  gering, der Wohlfahrtsstaat für
       die unteren Schichten nur schwach ausgebildet.
       Umgekehrt ist der Anteil der Rüstungsausgaben an den Staatsausga-
       ben wesentlich höher als in anderen kapitalistischen Ländern. Die
       staatliche Umverteilungsmaschinerie arbeitet stärker für mittlere
       und höhere Einkommensschichten, und dies bei einer insgesamt viel
       stärker polarisierten Sozialstruktur als in Westeuropa.
       Seit Ende  der 60er Jahre hat nun die ökonomische Leistungsfähig-
       keit des  US-Kapitalismus deutlich abgenommen und die der konkur-
       rierenden kapitalistischen  Zentren Japan  und Westeuropa, insbe-
       sondere der BRD, entsprechend zugenommen. Der technologische Ent-
       wicklungsvorsprung der  USA ist  nur in  wenigen  Bereichen  noch
       spürbar, in  vielen Sparten  sind die USA bereits überrundet. Die
       in erster Linie auf den riesigen Unternehmenseinheiten beruhenden
       "fordistischen" Konkurrenzvorteile ("economies of scale") sind in
       der Tendenz  ausgereizt, und  die Mobilisierung  anderer Elemente
       der Produktivkraftentwicklung  verläuft  sehr  ungleichmäßig  und
       schleppend.  Daher   sieht  sich   die  US-Volkswirtschaft  einem
       weitreichenden sektoralen  und regionalen  Strukturwandel  ausge-
       setzt, der  vor allem  durch die  Importkonkurrenz vorangetrieben
       wird.
       Das hohe Gewicht der Außen- und Rüstungspolitik innerhalb der ge-
       samten Staatstätigkeit führt zu einer einseitigen Technologieent-
       wicklung, d.  h. einer  Vernachlässigung oder  gar Schwächung der
       zivilen Sektoren. Und die traditionelle strategische Dominanz der
       ökonomischen Außenexpansion hemmt die Rückbesinnung auf den Zwang
       zur nationalen Restrukturierung der Produktion.
       Die in  den Leistungsbilanz-  und Budgetdefiziten, in der chroni-
       schen Produktivitätsschwäche  und in  den  internationalen  Wirt-
       schaftsproblemen sich  ausdrückenden Krisensymptome  sind in  den
       Kategorien zyklischer  Krisen nicht mehr faßbar; die US-Krise ist
       eben nicht  nur einfach  eine längere Überproduktionskrise, deren
       Überwindung nicht  so recht  gelingen will.  Vielmehr handelt  es
       sich um  eine tiefgreifende  und langanhaltende "große Krise", um
       eine längere Phase des Wandels der amerikanischen Produktivkräfte
       und Produktionsverhältnisse, die den Charakter des US-staatsmono-
       polistischen Kapitalismus,  wie er sich historisch herausgebildet
       hat, verändern  wird. 47)  Dabei geht es nicht um eine objektivi-
       stische Ankündigung  einer neuen  Entwicklungsetappe, eines neuen
       Stadiums der  kapitalistischen Entwicklung;  es bestehen durchaus
       unterschiedliche politisch-strategische  Optionen,  den  entstan-
       denen Problemstau  abzuarbeiten. Welche  gewählt wird  und welche
       Herrschaftsvariante sich damit durchsetzt, ist eine Frage des na-
       tionalen und internationalen Kräfteverhältnisses.
       Die Lösungsversuche  als Reaktion  auf die "große Krise", wie sie
       in den  USA seit 1980 praktiziert werden, sind an dem Ziel ausge-
       richtet, die wirtschaftliche, politische und militärische Hegemo-
       nialposition der  USA, wie  sie unangefochten  in den 50er Jahren
       bestand, wieder  herzustellen. Die  militärische  Überlegenheits-
       strategie gegenüber  der sozialistischen Welt geht einher mit ei-
       ner globalen Überlegenheitsstrategie gegenüber allen kapitalisti-
       schen oder  sozialistischen Konkurrenten,  wie sie in der "number
       one!"-Euphorie zum  Ausdruck kommt. Die für diese Zielsetzung ge-
       wählten Methoden sind ebenso einfach wie brutal: Zu allererst er-
       höhte Ausbeutung der abhängig Beschäftigten, insbesondere der un-
       teren minoritären  Schichten, Zurückdrängung  der  Gewerkschafts-
       macht und  gezielter Abbau  von Demokratie  und Sozialstaat, ohne
       die erforderliche  Massenloyalität des relevanten Wählerklientels
       zu sehr  zu gefährden.  Die dominierenden Kapitalfraktionen sind,
       wenn die  Strategie in  ihrem Sinne erfolgreich verläuft, von den
       Krisenprozessen wenig  oder nur  kurzfristig betroffen; ihr Akti-
       onsradius wird  zwecks Risikoausgleich  zunehmend internationali-
       siert, so  daß sie  bis zu einem gewissen Grad von der nationalen
       US-Entwicklung abgekoppelt  sind -  ihre monopolistische Kapital-
       verwertung ist tendenziell immer weniger identisch mit der des in
       den USA  ansässigen Gesamtkapitals.  Gleichwohl darf daraus nicht
       gefolgert werden,  daß die  gesamtwirtschaftlichen Kapitalverwer-
       tungsbedingungen, wie sie sich in den USA herausbilden, für diese
       Kapitale irrelevant  sind, denn  nach wie  vor liegt der Aktions-
       schwerpunkt der US-Multis in ihrem "Mutterland".
       Die Unternehmensstrategien in der Krise waren  e r s t e n s  ne-
       ben der  Erhöhung der Mehrwertrate vor allem auf weitere Kapital-
       zentralisation ausgerichtet,  um die  Risiken des internationalen
       Konkurrenzdrucks zu  mindern.  Z w e i t e n s  wurde die Geldka-
       pitalbildung bei hohem Zinsniveau verstärkt und damit die produk-
       tive Akkumulation vernachlässigt. Die Verflechtung von Industrie-
       und Bankkapital wurde intensiviert und die Position des Finanzka-
       pitals national  und international  ausgebaut.    D r i t t e n s
       wurde zunehmend  auf Außenexpansion  orientiert, insbesondere  in
       den ostasiatischen Raum, allerdings mit - im Vergleich zu Japan -
       geringerem Erfolg.   V i e r t e n s   wurden die staatlichen Rü-
       stungsausgaben als Kapitalanlagefeld und massive Steuerentlastun-
       gen  zur   allgemeinen   Rentabilitätsverbesserung   favorisiert.
       F ü n f t e n s   wurde durch  die  Einkommenssteuersenkung  eine
       rechtskeynesianische Politik  der Konsumbelebung  betrieben,  was
       nur belegt, daß der Keynesianismus aus der Sicht der herrschenden
       Politik keineswegs "ein toter Hund" ist.
       Zwar führten diese Kapitalstrategien für viele Unternehmen zu dem
       gewünschten Erfolg,  gemessen in Kategorien des Gewinns, aber der
       Preis dafür sind gesamt- und weltwirtschaftliche Disproportionen,
       die vom  Staat nur mit Mühe beherrscht werden können. Die wirkli-
       chen Ursachen der Krise sind kaum erkannt und schon gar nicht an-
       gegangen worden.  Die gesamtwirtschaftliche  Steuerung durch  die
       Hochzinspolitik, durch  Lohnsenkung, durch die Steuerpolitik, die
       Wechselkurspolitik und  den neuen  Protektionismus 48)  bleibt in
       der Oberfläche  der Zirkulations-  und Distributionssphäre befan-
       gen, während  im Kern  die Neustrukturierung  der Produktion, die
       Mobilisierung der  Produktivkraft der lebendigen Arbeit und damit
       die  Neugestaltung  der  industriellen  Beziehungen  erforderlich
       sind. Die  einzige wirkliche Produktionsstrukturpolitik wird über
       das Pentagon  betrieben, aber sie wird, wie oben dargestellt, zu-
       nehmend kontraproduktiv. Eine gezielte Industrie- und Strukturpo-
       litik, verbunden  mit ziviler Forschungs- und Technologiepolitik,
       wird nur von einer liberalen Minderheit favorisiert. 49) Nach wie
       vor scheint  ein "fordistischer"  Vergesellschaftungstyp zu domi-
       nieren, der  eine produktionsstrukturelle  Verflechtung von Staat
       und Monopolen  - mit Ausnahme des Rüstungssektors - vermeidet und
       auf  "privatmonopolistisches"   Wachstum  der   Unternehmensgröße
       setzt.  Die   Potenzen  einer  Vergesellschaftungsvariante  durch
       staatsmonopolistische Verflechtung,  wie sie  vor allem Japan mit
       Erfolg vorexerziert,  können auf diese Art nicht mobilisiert wer-
       den. Die  negativen gesamt-und  weltwirtschaftlichen Konsequenzen
       dieser nach  innen und außen aggressiven Strategie werden der Be-
       völkerungsmehrheit und  dem "Rest  der Welt" mit Macht und Gewalt
       aufgebürdet. Aber  es ist  fraglich, wie lange die nationalen und
       internationalen Regulierungsdefizite,  insbesondere die  fehlende
       planvolle und systematische Einbeziehung des Staates sowie supra-
       nationaler Institutionen,  durch scharfe Repression, Sozialabbau,
       Handelskriege und  Protektionismus,  kurzatmiges  Schuldenmanage-
       ment, reaktive  Ad-hoc-Interventionen oder offene Gewaltanwendung
       und Konfrontationspolitik überbrückt werden können.
       
       _____
       1) Vgl. zum  US-Kapitalismus: R.C.  Edwards u.a.,  The Capitalist
       System, Englewood  Cliffs 1978.  S. Bowles u.a., Beyond the Waste
       Land, New  York 1983. H. Magdoff/P. M. Sweezy, The End of Prospe-
       rity, New  York 1977.  G. Großer/E. Kurlbaum, Wirtschaftsstruktur
       und Konjunkturentwicklung, in: Politik und Wirtschaft in den USA,
       Opladen 1985,  S. 45-86.  Ph. Armstrong  u.a.,  Capitalism  Since
       World War II, London 1984.
       2) OECD, Economic  Survey 1985/86,  United States, Paris 1985, S.
       144 f.
       3) Vgl. auch  die zutreffende  Kritik des Young-Reports an diesen
       Erklärungsmustern. The  Report of  the President's  Commission on
       Industrial Competitivness, Bd. II, Washington 1985, S. 31 ff.
       4) Vgl. die  detaillierte kritische Auseinandersetzung mit diesen
       Erklärungsansätzen bei  S. Bowles/D.  M. Gordon/Th. E. Weisskopf,
       Beyond the Waste Land, New York 1984, S. 34-61.
       5) Ebenda, S.  49. Vgl.:  H.J. Sherman/G.R. Evans, Macroeconomics
       New York 1984, S. 189 ff.
       6) CEA, Annual Report 1985, a.a.O., S. 332.
       7) Vgl. auch  zur Bedeutung der Nachfragedefizite für die Krisen-
       erklärung: H.  Sherman, A  Marxist Theory  of the Business Cycle,
       in: The Review of Radical Political Economics, Bd. 11 (1979), Nr.
       1, S. 1-23; R. Hahnel/H. Sherman, The rate of profit over the bu-
       siness cycle,  in: Cambridge Journal of Economics, Vol. 6 (1982),
       S. 185-194;  vgl. auch:  H. Magdoff/P. M. Sweezy, The End of Pro-
       sperity, New York-London 1977.
       8) Vgl. Young-Report,  a.a.O., S. 111. Internationale Produktivi-
       tätsvergleiche sind  problematisch, da ihnen die jeweiligen Wech-
       selkurse zugrunde  gelegt werden  müssen. Bei  dem niedrigeren $-
       Kurs des  Jahres 1986  wäre der  Produktivitätsvorsprung der  USA
       deutlich geringer.
       9) Vgl. die empirischen Angaben bei W. Stock, High Technology und
       imperiale Strategie  der USA,  Berlin 1985, S. 38 ff., Strengthe-
       ning the  Economy: Studies in Productivity, Center for Democratic
       Policy, Washington 1981.
       10) J.E. Ullman,  The Arms  Race and  the Decline of U.S. Techno-
       logy, in: Journal of Economic Issues, Vol. XVII (1983), No. 2, S.
       569 f.
       11) Vgl. auch:  M. J. Piore/Ch. F. Säbel, Das Ende der Massenpro-
       duktion, Berlin 1985.
       12) Vgl. W.  Stock, High Technology, a.a.O., S. 182. - Vgl. auch:
       I.C. Magaziner, R. Reich, Minding America's Business: The Decline
       and Rise of the American Economy, New York 1981, S. 75 ff.
       13) Für S.  Bewies u.  a. (Beyond  the Waste Land, a.a.O., S. 122
       ff.) ist die Erosion des "capital-labor accord" der entscheidende
       Schlüssel zum "Produktivitätsrätsel".
       14) Vgl. G.  Junne, Der industriepolitische Wettlauf zwischen den
       kapitalistischen Industrieländern,  in: Politische Vierteljahres-
       schrift, 2/1984,  S. 134  ff.; ders., Das amerikanische Rüstungs-
       programm: Ein Substitut für Industriepolitik, in: Leviathan 1985,
       Heft, S. 23-37. - W. Stock, High-Technology, a.a.O., S. 209 ff.
       15) Die folgenden Angaben sind berechnet nach: CEA, Annual Report
       1985, a.a.O., Tabellenanhang.
       16) OECD, Economic Survey 1985/86, a.a.O., S. 62.
       17) W. Stock,  High Technology,  a.a.O., S. 63. Vgl. auch: An As-
       sessment of  U.S. Competitivness  in High  Technology Industries.
       Cabinet Council  on Commerce and Trade, Washington, D.C., 1982. -
       Vgl. auch  G. Junne,  Das amerikanische Rüstungsprogramm, a.a.O.,
       S. 27.
       18) W. Gerstenberger,  Die westdeutsche  Wirtschaft in der Zange:
       Die Herausforderung durch Japan, die USA und die Schwellenländer,
       in: Beihefte zur Konjunkturpolitik 1983, S. 69, 72.
       19) W. Stock, a.a.O., S. 68.
       20) J.E. Ullman,  The Arms  Race and  the Decline of U.S. Techno-
       logy, a.a.O., S. 566.
       21) CEA, Annual  Report 1982,  Washington D.C., S. 350. J.E. Ull-
       man, The Arms Race, a.a.O.
       22) S. Melman,  The Permanent War Economy: American Capitalism in
       Decline, New York 1974.
       23) Wir beziehen  uns hier  und im folgenden auf die sorgfältigen
       Berechnungen von  R.  W.  DeGrasse,  Military  Expansion-Economic
       Decline, New York 1983, S. 231 ff.
       24) E. Müller, Rüstungspolitik und Rüstungsdynamik: Fall USA, Ba-
       den-Baden 1985, S. 214.
       25) R.W. De Grasse, a.a.O., S. 105.
       26) Vgl. E.  Müller, Rüstungspolitik,  a.a.O., S. 153 ff., S. 276
       ff.
       27) R.W. DeGrasse,  Military Expansion,  a.a.O., S. 156 f., S. 77
       ff.
       28) Der Young-Report  weist darauf  hin (S. 22, 27), ohne Schluß-
       folgerungen zu ziehen.
       29) Vgl. M. Kaldor, The Baroque Arsenal, New York 1981.
       30) Vgl. auch: K. Fabig, Japan: Wirtschaftsmacht durch Niedrigrü-
       stung?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft
       11/1985, S. 1327-1342.
       31) K. Ege,  Scheitert das  Pentagon an  der Haushaltskrise?, in:
       Blätter für  deutsche und internationale Politik, Heft 4/1986, S.
       450.
       32) Vgl. W.  Stock, a.a.O., S. 204 ff., S. 171 ff.; G. Junne, Das
       amerikanische Rüstungsprogramm, a.a.O., S. 23 ff.
       33) Vgl. die  Zusammenfassung der  Ergebnisse bei R. W. DeGrasse,
       a.a.O., Kap.  II; siehe  auch: R.  P. Smith, Military Expenditure
       and Capitalism, in: Cambridge Journal of Economics, N. 1/1977, S.
       61 ff.,  und J.  Huffschmid (Hrg.),  Rüstungs- oder  Sozialstaat?
       Köln 1981, S. 114 ff.
       34) Vgl. Economic  Report of the President 1982, Washington 1982;
       H.C. Sherman, Die Wirtschaft der USA in den achtziger Jahren, in:
       Ifo-Schnelldienst, Heft  6/1981; S.  S. Guterman, Geldpolitik und
       Reaganomics, in: Politik und Wirtschaft in den USA, Opladen 1985,
       S. 84 ff.
       35) Vgl. W.C.  Peterson, The U.S. "Welfare State" and the Conser-
       vative Counterrevolution, in: Journal of Economic Issues, Vol. 19
       (1985), S. 631 f.
       36) Gewogener Außenwert  gegenüber 14 Industrieländern. Siehe Mo-
       natsberichte der Deutschen Bundesbank 1/1986, S. 82.
       37) Die Angaben  sind berechnet  nach: CEA,  Annual Report  1985,
       a.a.O., und:  OECD, Economic Survey 1985/86, United States, Paris
       1985.
       38) Gegenzurechnen sind Einnahmen aus Steuererhöhungen und infla-
       tions- sowie  einkommenbedingte Steuermehreinnahmen.  Vgl.  OECD,
       a.a.O., S. 26 f.
       39) Economic Indicators, 12/1985, S. 32.
       40) Vgl. DIW-Wochenbericht  14/84: Ist die Überwindung der Rezes-
       sion in  den angelsächsischen  Ländern auf  eine konsequent ange-
       botsorientierte Wirtschaftspolitik  zurückzuführen? Vgl. auch: J.
       Kromphardt, Die  neue Wirtschaftspolitik in Großbritannien und in
       den USA, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 12/84, S. 23 ff.
       41) Ebenda, S.  27. Vgl.  zu den Haushaltskürzungen: H. Will, Zum
       USA-Bundeshaushalt für  das Haushaltsjahr  1985/86,  in:  IPW-Be-
       richte 7/85, S. 43-46, und: K. Ege, Scheitert das Pentagon an der
       Haushaltskrise? a.a.O., S. 452 ff.
       42) Vgl. DIW-Wochenbericht 33/84, S. 405 ff.
       43) Siehe: U.S. Departement of Labor, Bureau of Labor Statistics,
       Supplement "Employment and Earnings", 6/1985.
       44) Die Zahlen  werden vom  Council of Economic Advisers jährlich
       ausgewiesen, vgl. Annual Report 1985, S. 264.
       45) Bei den  Farbigen liegt  die  Armutsquote  bei  35,7  Prozent
       (ebenda, S.  164), bei  den über  65jäh-rigen, einer  für  Reagan
       wichtigen Wählergruppe, ist die Armut zurückgegangen.
       46) W.C. Peterson, a.a.O., S. 603 ff.
       47) Vgl. zum  Charakter und  zur Geschichte  "großer  Krisen"  in
       Deutschland: J.  Priewe, Die drei großen Krisen des deutschen Ka-
       pitalismus:  Ein  wirtschaftsgeschichtlicher  und  -theoretischer
       Vergleich, in: IMSF (Hrg.), Große Krisen des Kapitalismus - lange
       Wellen der  Konjunktur? Informationsbericht  Nr. 41, Frankfurt/M.
       1985, S.  9-50. Zur Bewertung des besonderen, von zyklischen Kri-
       sen abweichenden  Charakters der  US-Krise vgl.: S. Bowles u. a.,
       Beyond the  Waste Land, a.a.O. sowie: M. Davis, Phoenix im Sturz-
       flug. Zur  politischen Ökonomie  der Vereinigten  Staaten in  den
       achtziger Jahren, Berlin 1986.
       48) Vgl. J. Zysman/St. Cohen, Internationale Konkurrenz und poli-
       tische Optionen  der USA, in: A. Pfaller (Hrg.), Der Kampf um den
       Wohlstand von  morgen. Internationaler  Strukturwandel und  neuer
       Merkantilismus, Bonn 1986, S. 80-100.
       49) Vgl. etwa  die scharfsinnigen  Analysen  der  Anhänger  einer
       neuen Strukturpolitik:  L. Thurow, The Zero-Sum Society, New York
       1983, und: R.B. Reich, The Next American Frontier, New York 1983.
       Der Autor hält ein geradezu glühendes Plädoyer für einen modernen
       staatsmonopolistischen Kapitalismus.
       

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