Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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       "POSITIVISMUS"-KRITIK UND "POSITIVE THEORIE" BEI MARX UND ENGELS
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       Konrad Lotter
       
       Wer heute  von Positivismus spricht, denkt in der Regel an Comte,
       an den  Empiriokritizismus, an den Wiener Kreis und Wittgenstein,
       an den  kritischen Rationalismus  etc. Diese  Zuordnung  ist  gar
       nicht selbstverständlich,  denn in  der Geschichte  gibt es  eine
       ganze Reihe  von Ansätzen  zu einer  positiven Philosophie:  beim
       späten Nietzsche,  beim späten  Schelling, vor  allem aber in der
       Auflösung der  Hegel-Schule. Feuerbach entwickelt seinen Materia-
       lismus als  "die neue,  die allein positive Philosophie" 1). Marx
       und Engels  kritisieren zwar einerseits den "falschen" Positivis-
       mus von Hegel, später auch von A. Smith, Comte etc., andererseits
       aber nehmen sie den Begriff stets für sich selbst in Anspruch und
       zwar stets  auch an entscheidenden Stellen: bei der Herausbildung
       der eigenen Theorie (in den Frühschriften), zur Kennzeichnung der
       eigenen wissenschaftlichen  Methode (im "Kapital") und in der Ab-
       grenzung der  eigenen politischen Richtung von politischen Sekten
       (in den Statuten der IAA).
       Was den  marxistischen Begriff  des Positiven  mit  dem  heutigen
       (Neo-)Positivismus (gegen Nietzsche und Schelling) verbindet, ist
       erstens die gemeinsame Front gegen Religion und Metaphysik, zwei-
       tens die  Aufhebung der Philosophie in der Wissenschaft, drittens
       die empirische  Methode. Was beide voneinander trennt, ist letzt-
       lich die  Auffassung des  Positiven selbst  als der Grundlage des
       jeweiligen Positivismus.  Darin sind  zum einen alle weiteren Un-
       terschiede in  der spezifischen  Auffassung der Wissenschaft, des
       Verhältnisses von  Wissenschaft und  Weltanschauung, der  politi-
       schen Praxis etc. enthalten. Zum anderen zeigen sich darin gerade
       jene Mängel,  die den  Neopositivismus zu immer neuen Revisionen,
       schließlich in  die Krise und zur "antipositivistischen Wende" 2)
       in der Wissenschaftstheorie geführt haben.
       
       1.
       
       Marx' Begriff  des Positiven  ist  m a t e r i a l i s t i s c h.
       Seine Kritik  der Hegelschen Philosophie als eines "unkritischen"
       und "falschen"  Positivismus 3) schließt unmittelbar an Feuerbach
       an. Als dessen "große Tat" nennen die "Ökonomisch-philosophischen
       Manuskripte" (1844)  e r s t e n s  den Beweis, daß Hegels Philo-
       sophie nur  die in Gedanken gebrachte und denkend ausgeführte Re-
       ligion und  damit nur  eine andere Form und Daseinsweise der Ent-
       fremdung sei,   z w e i t e n s   die Begründung des wahren Mate-
       rialismus und  der reellen  Wissenschaft,   d r i t t e n s   den
       wahren Begriff  des Positiven. Feuerbach stellt "der Negation der
       Negation, die  (bei Hegel, K.L.) das absolut Positive zu sein be-
       hauptet (aber  nur absolutes Wissen, Religion ist, K.L.), das auf
       sich selbst  ruhende und positiv auf sich selbst begründete Posi-
       tive" 4)  entgegen. Ausgangspunkt der wahren Positivität also ist
       die materielle  Wirklichkeit.  Marx  verbindet  den  Vorwurf  des
       falschen Positivismus  mit dem des "unkritischen Idealismus" bzw.
       des "scheinbaren  Kritizismus". Da  Hegel die  natürliche und ge-
       sellschaftliche Gegenständlichkeit nur als Negation, als Entfrem-
       dung des  Geistes (und nicht als Positivum, als unmittelbar Gege-
       benes) begreift,  begreift er  die Aufhebung  der Entfremdung als
       Aufhebung der Gegenständlichkeit (und nicht als Aufhebung der ge-
       schichtlich produzierten, kapitalistischen Entfremdung). Entfrem-
       dung und Aufhebung der Entfremdung sind für ihn nur die Produkti-
       onsgeschichte des  absoluten Geistes, nur der Prozeß der über das
       Objekt übergreifenden Subjektivität, der alle wirklichen Verhält-
       nisse unverändert bestehen läßt.
       Bereits hier  geht Marx aber auch entschieden über Feuerbach hin-
       aus. Zum einen faßt er Feuerbachs Kritik an Hegels falschem Posi-
       tivismus allgemeiner:  nicht mehr  nur "als  Setzen, Negieren und
       Wiederherstellen der  Religion oder  Theologie", 5)  sondern auch
       des Rechts,  der Politik etc. Zum anderen gibt er Feuerbachs Kri-
       tik eine  ideologiekritische Wendung:  der  falsche  Positivismus
       wird zur  Affirmation der bestehenden Verhältnisse, nicht in Form
       äußerlicher Akkomodation,  sondern als "Lüge des Prinzips". Indem
       Marx die  Negation, die Aufhebung materialistisch als gegenständ-
       liche Bewegung,  als Aneignung  des gegenständlichen Wesens durch
       die Aufhebung seiner geschichtlichen Entfremdung faßt, verwandelt
       sich sein  "Positivismus" aus  einer theoretischen  in eine Frage
       zugleich der Praxis. Atheismus als Aufhebung der Religion, Kommu-
       nismus als Aufhebung des Privateigentums, beide als Aneignung des
       wirklichen menschlichen  Lebens  stellen  die  Voraussetzung  des
       "positiven Humanismus" 6)
       
       2.
       
       Marx' positive Theorie ist  p r a k t i s c h - s u b j e k t i v
       v e r m i t t e l t.   Die "wirkliche, positive Wissenschaft" be-
       ginnt, wie  es in der "Deutschen Ideologie" (1845) heißt, "wo die
       Spekulation aufhört,  beim wirklichen  Leben". Ihre Voraussetzun-
       gen, "auf rein empirischem Wege konstatierbar", sind "die wirkli-
       chen Individuen, ihre Aktion und ihre materiellen Lebensbedingun-
       gen" 7).  Wie gegen den falschen Positivismus Hegels der Materia-
       lismus, so  wird nun gegen den alten Materialismus Feuerbachs die
       "tätige Seite"  des Subjekts,  die Praxis,  zur Geltung gebracht.
       Die "selbständige  Philosophie verliert  mit der  Darstellung der
       Wirklichkeit ihr  Existenzmedium". 8)  Sie wird  in der positiven
       Wissenschaft aufgehoben,  die positive  Wissenschaft aber ist von
       Grund auf empirisch.
       Der materialistische,  praktisch-subjektiv vermittelte Empirismus
       von Marx unterscheidet sich vom Empirismus des Neopositivismus in
       mehrfacher Hinsicht. Für ihn liegt  e r s t e n s  die Objektivi-
       tät der  positiven Wissenschaft letztlich in der Objektivität der
       Welt begründet und nicht in der bloßen Intersubjektivität, sei es
       einer "physikalischen  Sprache" wie  bei Carnap,  9) sei es einer
       alles Subjektive  ausfilternden "kritischen Methode" der Überprü-
       fung wie  bei Popper. 10) Er anerkennt  z w e i t e n s  die Ver-
       änderung, die  Geschichtlichkeit sowohl  des Objekts als auch des
       Subjekts der  Erfahrung. Für  ihn ist  weder das  Objekt, wie die
       Neopositivisten annehmen, statisch, vorgegeben, sondern in seiner
       Bewegung auch  durch den  Menschen produziert,  noch das  Subjekt
       isoliert, passiv-rezeptiv, sondern die in der Praxis sich vermit-
       telnden, tätigen  Individuen, die Gattung. Nicht die Physik, son-
       dern die   G e s c h i c h t e  stellt die "Einheitswissenschaft"
       des marxistischen "Positivismus" dar. D r i t t e n s  erhebt der
       materialistische Empirismus  die Praxis  zum Kriterium  der Wahr-
       heit. Es  ist richtig,  daß die Beobachtung allein die Notwendig-
       keit nicht  beweisen kann,  daß aus dem post hoc kein propter hoc
       folgt 11).  Durch die Praxis als Kriterium der Wahrheit aber wird
       sowohl jener  Agnostizismus vermieden, der aus diesem Grunde alle
       Theorien gleichermaßen für unbeweisbar hält, als auch der Subjek-
       tivismus und  Relativismus, der  die Gültigkeit einer Theorie nur
       an den  Konsens einer  scientific community  bindet. Während  der
       Neopositivismus die  Wissenschaft abstrakt, als Resultat, als Sy-
       stem von  Sätzen betrachtet,  ist für Marx und Engels bereits die
       Empirie, erst  recht natürlich  die Wissenschaft (als "allgemeine
       Arbeit") in  ihrer Genesis  wie in  ihren Resultaten  in die  ge-
       schichtliche Entwicklung der Menschheit eingebettet.
       
       3.
       
       Marx' positive  Theorie ist   d i a l e k t i s c h.   Bereits in
       seiner Rezension von A. Jungs "Vorlesungen über die moderne Lite-
       ratur der  Deutschen" (1842)  verspottet Engels den "langweiligen
       Positivismus" 12) der juste-milieu-Leute, die seit dem Wirken von
       D.F. Strauß  die negative  Flut immer höher schwellen sähen, sich
       ängstlich aneinander klammerten und nach etwas Positivem schrien.
       Er rechnet  dem Autor  Verrat an  Hegel vor  und  bedingungsloses
       Überlaufen zu  Schellings "positiver" Offenbarungsphilosophie. In
       Wirklichkeit sei  die verschriene Negation selbst durch und durch
       Position. Gegen  die Positivität der Fakten stellt Engels die Po-
       sitivität des  Denkens und  der Bewegung.  Der "Gedanke in seiner
       Entwicklung" ist "das allein Ewige und Positive, während die Fak-
       tizität, die Äußerlichkeit des Geschehens eben das Negative, Ver-
       schwindende und  der Kritik  Anheimfallende ist"  13). Noch steht
       Engels hier  auf dem Boden der Hegelschen und Junghegelschen Phi-
       losophie. Während  er den Idealismus unter dem Einfluß Feuerbachs
       schnell überwindet, bleibt das Moment der Dialektik und damit der
       Bewegung im späteren Begriff der Positivität aufgehoben.
       In den  Vorarbeiten zum  "Kapital" (seit 1857) und den darin ent-
       haltenen Reflexionen zur Methode präzisiert Marx insbesondere das
       für die  positive Wissenschaft  zentrale Problem  von Empirie und
       Dialektik, wobei er die Einseitigkeiten des Induktionismus ebenso
       wie des  Reduktionismus vermeidet. Zwar ist die Empirie Grundlage
       und Ausgangspunkt  des Denkens,  in ihrer  Verabsolutierung  aber
       wird sie  falsch und  schlägt in "falsche Metaphysik, Scholastik"
       um. 14)  Zur wirklichen Erkenntnis bedarf die Empirie des theore-
       tischen Denkens,  der Dialektik.  Die Welt ist nicht auf das "was
       der Fall ist" (Wittgenstein), nicht auf die Summe atomarer Tatsa-
       chen zu reduzieren, die einzeln beschreibbar und erkennbar wären.
       Sie ist, wie Engels schreibt, "nicht als ein Komplex von fertigen
       D i n g e n     zu  fassen  ...,  sondern  als  ein  Komplex  von
       P r o z e s s e n." 15)  Die positive Wissenschaft als Widerspie-
       gelung  einer   bewegten  Welt   ist  deshalb  auch  weder  durch
       "Protokollsätze" zu verifizieren, noch durch "Basissätze" zu fal-
       sifizieren. Das  scheinbar Konkrete,  die Tatsache,  erweist sich
       als das Abstrakte, als isoliertes, erstarrtes, verdinglichtes Mo-
       ment; das  Erste für den Menschen erweist sich als das Letzte der
       Sache nach.  Wirklich positiv  ist daher nicht die Tatsache, son-
       dern der  Zusammenhang, nicht  der Zustand,  sondern die Verände-
       rung, nicht  die bestehende bürgerliche Gesellschaft, sondern der
       Kommunismus als  die "wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zu-
       stand aufhebt."  16) Gerade  deshalb auch  ist die  Dialektik dem
       Bürgertum ein Ärgernis und ein Greuel, weil sie "in dem positiven
       Verständnis des  Bestehenden zugleich auch das Verständnis seiner
       Negation,  seines   notwendigen  Untergangs   einschließt,   jede
       gewordne Form  im Flusse  der  Bewegung,  also  auch  nach  ihrer
       vergänglichen Seite  auffaßt, sich  durch nichts imponieren läßt,
       ihrem Wesen nach kritisch und revolutionär ist". 17)
       Schon für  H e g e l  verbindet der Empirismus das große Prinzip,
       "daß, was wahr ist, in der Wirklichkeit sein und für die Wahrneh-
       mung da sein muß" 18) mit dem großen Mangel, daß er bei der Wahr-
       nehmung des  Einzelnen, Vorübergehenden  stehenbleibt, daß er die
       wahrgenommene Mannigfaltigkeit nur in abstrakte Verstandesbestim-
       mungen zerlegt, die Wirklichkeit aber nicht in ihrer bewegten To-
       talität erkennt. Beide Seiten sind in Marx' Reflexion der Methode
       aufgehoben. 19)  In ihren  Anfängen im 17. Jhdt. war die Ökonomie
       empirische Wissenschaft.  Sie begann  beim Realen  und Konkreten,
       bei der wirklichen Voraussetzung (Bevölkerung) und kam durch Ana-
       lyse vom  "vorgestellten Konkreten  auf immer  dünnere Abstrakta"
       (Arbeit, Geld,  Wert etc.).  Erst als  die einzelnen  Momente be-
       grifflich fixiert  waren, wurde  die Ökonomie bei den klassischen
       Nationalökonomen wirkliche,  (in Ansätzen)  dialektische  Wissen-
       schaft, die  bei den  Abstrakta beginnt und "zur Reproduktion des
       Konkreten im Weg des Denkens" führt. Die erste, die Empirie über-
       bewertende Methode  ist für  Marx "bei  näherer  Betrachtung  ...
       falsch", die  zweite, die  Empirie als  Moment aufhebende Methode
       dagegen "offenbar  die wissenschaftlich  richtige  Methode".  20)
       Analog beginnt  für Marx auch die Forschung beim wirklich Konkre-
       ten. Sie  hat "den  Stoff sich  im Detail  anzueignen, seine ver-
       schiednen Entwicklungsformen zu analysieren und deren innres Band
       aufzuspüren". 21)  Erst die  Darstellung, die vom Abstrakten aus-
       geht und  die konkrete  Totalität als  Gedankentotalität reprodu-
       ziert, aber spiegelt die "wirkliche Bewegung" wider.
       Bei den klassischen Nationalökonomen stellt Marx insbesondere den
       fortwährenden Widerspruch  zwischen richtigem  und falschem Empi-
       rismus (und damit zwischen richtigem und falschem "Positivismus")
       heraus. A. Smith vor allem verfolgt auf der einen Seite "den inn-
       ren Zusammenhang  der ökonomischen Kategorien oder den verborgnen
       Bau des bürgerlichen ökonomischen Systems". Auf der anderen Seite
       stellt er  daneben "den Zusammenhang, wie er scheinbar in den Er-
       scheinungen der  Konkurrenz gegeben  ist" und  sich dem unwissen-
       schaftlichen Beobachter darstellt, der "nur beschreibt, katalogi-
       siert, erzählt  und unter  schematisierende  Begriffsbestimmungen
       bringt, was  sich in dem Lebensprozeß äußerlich zeigt". 22) Beide
       Auffassungsweisen laufen nicht nur unbefangen nebeneinander, son-
       dern durcheinander, in fortwährendem Widerspruch zueinander.
       
       4.
       
       Marx' positive  Theorie ist   E i n h e i t   v o n  W i s s e n-
       s c h a f t  u n d  W e l t a n s c h a u u n g.  Er grenzt Ethik
       und Politik  nicht aus  der Wissenschaft  aus,  sondern  eröffnet
       ihnen eine  in Übereinstimmung  mit den geschichtlichen Tendenzen
       und Möglichkeiten  stehende Perspektive.  Ganz im  Gegensatz  zum
       Neopositivismus, der  innerhalb seiner  statischen Weltauffassung
       Wissenschaft  und   Weltanschauung,  Sein   und   Sollen   strikt
       voneinander trennt,  Ethik, Politik  etc. ins (außerwissenschaft-
       liche) Reich  der "Ideologie"  abschiebt und damit das politische
       Engagement (selbst  für den  Sozialismus, wie bei Neurath, Carnap
       u.a.) zur  bloß subjektiven  Entscheidung und Willkür herabsetzt.
       23) Auch  für  Marx  darf  die  Wissenschaft  kein  Ideal,  keine
       besondere politische  Meinung, kein  äußerliches Interesse haben.
       24) In  der Widerspiegelung  des bewegten,  geschichtlichen Seins
       aber bezeichnet  das Sollen nur die objektive Entwicklungstendenz
       der  Wirklichkeit  selbst.  Bereits  Comte  konnte  sein  sozial-
       politisches  Engagement  nicht  mehr  wissenschaftlich  ableiten.
       Seine Soziologie  ist  nicht  in  der  Ökonomie,  in  der  Wider-
       sprüchlichkeit des  kapitalistischen Systems,  in der  Geschichte
       begründet, sondern  in der  Naturwissenschaft. Comte  spricht für
       ein Bürgertum,  dessen Fortschritt  ökonomisch nicht  mehr zu be-
       gründen ist.  Die Einführung  naturwissenschaftlicher Methoden in
       die Soziologie  führt in der Folge (z.T. bereits bei Spencer) ei-
       nerseits dazu,  daß Ergebnisse der Biologie ("struggle for life",
       Rasse etc.)  in abstrakte  Phrasen verwandelt und bedenkenlos auf
       die Gesellschaft übertragen werden. Andererseits erzeugt und ver-
       tieft sie  den Widerspruch  zwischen Begriff bzw. Theorie und ge-
       schichtlicher   Wirklichkeit   der   Gesellschaft.   Für   Comtes
       "Scheißpositivismus" 25)  ist "positive  Philosophie gleichbedeu-
       tend mit Unwissenheit über alles Positive". 26) Er hat die genia-
       len Gedanken seines Lehrers St.-Simon durch "mangelhafte Entwick-
       lung" und  "philiströse Anschauungsweise"  verkümmert. Unter Ver-
       teidigung des Privateigentums erstrebt er eine Gesellschaftsform,
       die bereits  Th. H. Huxley richtig als "Catholizism without Chri-
       stianity" 27) beschrieben und kritisiert hat.
       Da das dialektische Band zwischen Sein und Sollen in Comtes Posi-
       tivismus zerrissen ist, bleibt die Parteinahme einiger seiner An-
       hänger für  die IAA  eine subjektive Beliebigkeit. Auf den Antrag
       der 'Proletaires  positivistes' um Zulassung antworteten Marx und
       Engels, daß die "positivistischen Prinzipien in bezug auf das Ka-
       pital in flagrantem Widerspruch zu den Erwägungen der Allgemeinen
       Statuten stünden"  und daß  man "in  die Internationale nicht als
       'Positivist', sondern als 'Proletarier' eintreten müsse." 28) Auf
       der Delegiertenkonferenz  von 1871 wird es nicht nur den Mutuali-
       sten bzw.  Anarchisten, sondern auch den Positivisten bzw. Comti-
       sten untersagt,  als eigene  Sekte innerhalb der IAA aufzutreten.
       29)
       
       _____
       1) L. Feuerbach, Kleine Schriften, Frankfurt/Main 1966, S. 140.
       2) K. Bayertz,  Wissenschaft als historischer Prozeß. Die antipo-
       sitivistische Wende  in der  Wissenschaftstheorie, München  1980.
       Vgl. E.  Treptow, Philosophie des Status quo und der Reform? Wis-
       senschafts-, Wahrheits- und Praxisansprüche positivistischer Phi-
       losophie, in: Dialektik 11, Köln 1986, S. 124 ff.
       3) MEW EB 1, S. 573 und S. 581. MEGA I, 2, S. 403 und S. 411.
       4) MEW EB 1, S. 570. MEGA I, 2, S. 401.
       5) MEW EB 1, S. 581. MEGA I, 2, S. 411.
       6) MEW EB 1, S. 583. MEGA I, 2, S. 413.
       7) MEW 3, S. 27 und S. 20.
       8) Ebd., S. 27. Vgl. MEW 20, S. 24.
       9) Vgl. dazu  J. Schreiter, Zur Kritik der philosophischen Grund-
       positionen des Wiener Kreises, Frankfurt/Main 1977, S. 75 ff. und
       S. 115 f.
       10) Vgl.  dazu   K.  Bayertz/J.   Schleifstein,  Mythologie   der
       "kritischen Vernunft", Köln 1977, S. 112 ff.
       11) MEW 20, S. 497 f. Vgl. MEW 22, S. 296 f.
       12) MEW 1, S. 433. MEGA I, 3, S. 361.
       13) MEW 1,  S. 442.  MEGA I, 3, S. 372. Vgl. MEW EB 2, S. 173 ff.
       MEGA I, 3, S. 269.
       14) MEW 26.1, S. 60 f. MEGA II, 3.2, S. 381.
       15) MEW 21, S. 293.
       16) MEW 3, S. 35.
       17) MEW 23, S. 28.
       18) G.W.F. Hegel,  Enzyklopädie der  philosophischen Wissenschaf-
       ten, § 38; vgl. § 419 und § 420.
       19) Vgl. dazu R. Meiners, Methodenprobleme bei Marx und ihr Bezug
       zur Hegelschen  Philosophie, München  1978, S. 108 ff. und S. 206
       ff.
       20) Grundrisse, S. 21 f. MEGA II, 1.1, S. 35 f.
       21) MEW 23, S. 27.
       22) MEW 26.2, S. 162. MEGA II, 3.3, S. 816/17.
       23) Vgl. dazu  R. Hegselmann, Empiristischer Antifaschismus - Das
       Beispiel Otto Neurath, in Dialektik 7, Köln 1983, S. 67 ff.
       24) Vgl. MEW  26.2, S. 112. MEGA II, 3.3, S. 771. MEW 28, S. 602;
       MEW 36, S. 198.
       25) MEW 31, S. 234.
       26) MEW 32, S. 284. Engels antwortet: "Dieser Comtismus wird nach
       und nach den Ausspruch ... über die Hegelianer in erhöhter Potenz
       bewahrheiten, daß  sie von  nichts etwas wissen brauchen, um über
       alles schreiben zu können". Ebd., S. 286.
       27) MEW 39, S. 395; vgl. MEW 23, S. 352; MEW 25, S. 630 f.
       28) MEW 18, S. 22.
       29) MEW 17,  S. 418;  vgl. ebd.,  S. 424, S. 447, S. 555. MEGA I,
       22, S. 351; vgl. ebd., S. 357, S. 372.
       

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