Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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       NEUE FORMEN DER RATIONALISIERUNG
       ================================
       
       Industriesoziologische Analysen, Veränderungen der Arbeit
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       und Herausforderungen für die Arbeiterbewegung
       ----------------------------------------------
       
       Lothar Peter
       
       1. Was  heißt "neuer  Rationalisierungstyp"? - 2. Konkrete Formen
       des "neuen  Rationalisierungstyps" -  3. Kontroverse industrieso-
       ziologische Analysen  - 4.  Reale Widersprüche  und Problemfelder
       des Rationalisierungsprozesses - 5. Herausforderungen für die Ar-
       beiterbewegung: "Soziale Beherrschbarkeit", "neue Produktionskon-
       zepte" und antikapitalistische Perspektiven
       
       Wenn heute  über die  Zukunft der  Gesellschaft diskutiert  wird,
       wird auch über die Zukunft der Arbeit gesprochen und nachgedacht.
       Das widersprüchliche Ineinandergreifen von ökonomischer Krise und
       sprunghafter Produktivkraftentwicklung auf der technischen Grund-
       lage elektronischer  Datenverarbeitung hat zu vielfältigen Versu-
       chen angeregt,  die Veränderungen  der Arbeit zu analysieren, die
       soziale Bedeutung  dieser Veränderungen  zu erfassen und ihre zu-
       künftigen Entwicklungslinien  zu prognostizieren. Allerdings las-
       sen sich  - zumindest  auf dem  Feld der sozialwissenschaftlichen
       Diskussion -  Brüche und Widersprüche zwischen empirischen Analy-
       sen oft eng begrenzter Gegenstände einerseits und abstrakt-speku-
       lativen Visionen andererseits feststellen. 1)
       Ausgehend von  der arbeits-  und industriesoziologischen  Analyse
       und Deutung  gegenwärtiger Rationalisierungsprozesse soll im fol-
       genden versucht  werden, den  großen Abstand zwischen empirischen
       Teilanalysen  und  verallgemeinernden  Entwicklungsprognosen  ein
       Stück weit  zu verringern  und gleichzeitig Aspekte einer auf die
       Handlungsbedingungen der  Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung be-
       zogenen marxistischen  Interpretation in  die kontroverse Debatte
       einzubringen.
       
       1. Was heißt "neuer Rationalisierungstyp"?
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       N. Altmann, M. Deiß, V. Döhl und D. Sauer haben kürzlich den ver-
       dienstvollen Versuch  unternommen,  die  vielfältigen,  teilweise
       sehr heterogenen empirischen Erscheinungs- und Verlaufsformen der
       Rationalisierung der  Arbeit auf  verallgemeinerbare Merkmale hin
       zu untersuchen  und zu  systematisieren. 2) Zur Charakterisierung
       zukünftiger Rationalisierungsprozesse  schlagen sie  den  Begriff
       des "neuen Rationalisierungstyps" vor. Er soll hier ausführlicher
       referiert werden,  da er Grundzüge und relevante Probleme der Um-
       strukturierung der  Arbeit in  einer gut diskutierbaren Form dar-
       stellt.
       Der Ansatz  von N. Altmann u.a. ist einem von ihnen konstatierten
       Defizit industriesoziologischer  Forschung geschuldet: Nach ihrer
       Meinung reichen  die bisherigen Erklärungsmuster der Industrieso-
       ziologie nicht  mehr aus, die Dimensionen und Konsequenzen gegen-
       wärtig sich  vollziehender Rationalisierungsprozesse  hinlänglich
       zu erfassen. Den realen Ausgangspunkt für diese kritische Annahme
       bildet die durch nationale und internationale Konkurrenz vorange-
       triebene Entwicklung  "neuer Strategien  der Flexibilisierung und
       Ökonomisierung betrieblicher  Produktions-, Administrations-  und
       Distributionsprozesse", die  neue Anstrengungen industriesoziolo-
       gischer Verarbeitung  und Bewertung erforderlich machten. Charak-
       teristische Merkmale  des "neuen Rationalisierungstyps" sind nach
       N. Altmann  u.a. der  "strategische Bezug  auf gesamtbetriebliche
       Prozesse, auf  zwischenbetriebliche Zusammenhänge und auf Technik
       als elastisches  Potential". 3)  Damit wird  zugleich auf  Unter-
       schiede zu  den bisher  dominierenden Rationalisierungsstrategien
       verwiesen, die  überwiegend auf partikulare und "insulare" Effek-
       tivierungsbemühungen hinausgelaufen  seien und  sich  dementspre-
       chend auf  einzelne Teilbereiche und Teilprozesse bezogen hätten.
       Auf der  Ebene des  Gesamtbetriebs gehe  es jetzt  dagegen um ge-
       zielte Integration  aller Elemente  und Bereiche  des Betriebsab-
       laufs, um  Integration der  Steuerungs- und Realisierungsprozesse
       und um räumlich-zeitliche Optimierung der betrieblichen Teilfunk-
       tionen wie Arbeitsvorbereitung, Konstruktion, Fertigung, Lagerung
       und Vertrieb  etc. auf  der Basis elektronischer Technologien der
       Information, Organisation und Steuerung.
       Das von  N. Altmann u.a. vertretene Konzept des "neuen Rationali-
       sierungstyps" beruht  auf der  Erkenntnis,  daß  die  Elastizität
       neuer Technologien  ebenso die  Integrationsmöglichkeiten verbes-
       sert wie die Koordination von Teilprozessen gerade da zu optimie-
       ren erlaubt,  wo bisher "insulare" Rationalisierungen vorherrsch-
       ten. In  der vergleichsweise  geringer  entwickelten  Elastizität
       bisheriger Technik  spiegelte sich  eine stoffliche Widerständig-
       keit des  Arbeitsprozesses wider,  deren Überwindung nun begonnen
       zu haben  scheint. Durch  die Algorithmisierbarkeit stofflich un-
       terschiedlicher Einzelprozesse  wird es  jetzt möglich, eine neue
       Qualität gesamtbetrieblicher  Integration und Koordination zu re-
       alisieren. Aber  die neue  Rationalisierungsstrategie  beschränkt
       sich nicht  auf den einzelnen Betrieb. Was die neuen Technologien
       hinsichtlich der  Umstrukturierung der betrieblichen Binnendimen-
       sion an  Möglichkeiten erschließen, läßt sich teilweise schon auf
       die Verknüpfung von zwei oder mehreren Betrieben übertragen. Ins-
       besondere im  Verhältnis von  Fertigungsbetrieben (bzw.  Montage)
       und Zulieferbetrieben  kann mit  dem "neuen Rationalisierungstyp"
       eine höhere Stufe ökonomischer Optimierung erreicht werden, indem
       - über herkömmliche Anforderungen an die Gebrauchswerteigenschaf-
       ten der  zugelieferten Teile  oder Halbfabrikate hinaus - die je-
       weiligen Produktionsbedingungen, Ist-Zustände, Bearbeitungszeiten
       etc. in  die Ablaufsteuerung  der nachgeordneten  Betriebe daten-
       und informationstechnologisch einbezogen werden. Beschaffungsent-
       scheidungen von  der Art des "make or buy" werden durch zwischen-
       betriebliche Rationalisierung wesentlich erleichtert und sachlich
       zuverlässiger. N.  Altmann u.a.  heben hervor,  daß bei  der zwi-
       schenbetrieblichen Rationalisierung  der "Logistik" ein zentraler
       Stellenwert zukommt,  worauf später noch ausführlicher einzugehen
       sein wird.
       Als dritte  wichtige Dimension der Entfaltung des "neuen Rationa-
       lisierungstyps" bezeichnen  N. Altmann  u.a. die Ausschöpfung des
       "elastischen Potentials  von Technik".  Dabei handelt es sich vor
       allem um  eine systematische  Ökonomisierung des konstanten fixen
       Kapitals, also  um Maßnahmen  wie  optimale  Maschinenauslastung,
       flexible Verkettung von Fertigungsprozessen, Integration von Fer-
       tigungs- und  Maschinensteuerung, "Verstetigung von Durchlaufzei-
       ten" und das Fahren von "Geisterschichten".
       Die ausschlaggebende,  durch den "neuen Rationalisierungstyp" er-
       zeugte Veränderungsqualität  sehen N.  Altmann u.a. in der stoff-
       lich nicht  an bestimmte  Produkte, Herstellungsverfahren,  Werk-
       stoffe oder  Maschinen gebundenen, gleichsam "abstrakten" Funkti-
       onsweise der neuen mikroelektronischen Technologien, die zugleich
       Offenheit gegenüber gestalterischen Alternativen einschließe.
       Untersucht man,  welche Konsequenzen  sich aus der Interpretation
       N. Altmanns u.a. für die Arbeitsbedingungen ergeben, so ist fest-
       zustellen, daß  nach ihrer Meinung "quantitative und qualifikato-
       rische personelle  Auswirkungen des  neuen  Rationalisierungstyps
       (...) zunächst   u n b e s t i m m t   (sind)". 4) Damit soll zum
       Ausdruck gebracht werden, daß (da der "neue Rationalisierungstyp"
       nicht auf  Personalabbau ziele  wie etwa traditionelle Rationali-
       sierungsmaßnahmen in  arbeitsintensiven Bereichen)  Arbeitsfolgen
       nicht punktuell ursachenbezogen zuzuordnen seien, sondern relativ
       diffus und  anonym bleiben. Erst über die Analyse des durch Tech-
       nologie gestifteten Gesamtzusammenhangs des Rationalisierungspro-
       zesses lassen  sich eventuell Arbeitsfolgen für die Beschäftigten
       nachweisen. Welche  konkreten Auswirkungen  entstehen, hänge  des
       weiteren ganz  erheblich von den "betrieblichen Schlüsselgruppen"
       ab, die  mit der  Entwicklung, Einführung  und Organisierung  der
       neuen Technologien  befaßt seien.  Ihnen komme,  da sie  sich  im
       Schnittpunkt zwischen  ökonomischen und  technologischen Optimie-
       rungsprozessen befänden,  eine strategische  Schlüsselstellung im
       Betrieb zu.  Diese Gruppen der Rationalisierungskader beschränken
       sich nicht  mehr auf Gruppen des Managements, sondern können auch
       Beschäftigte ohne  Leitungsfunktionen in der Arbeitsvorbereitung,
       den Finanz-  und Controlling-Abteilungen  sowie Fachleute der EDV
       umfassen.
       In den  Auswirkungen des  "neuen Rationalisierungstyps"  sehen N.
       Altmann u.a.  eine Art  schleichender Destruktion der bisherigen,
       auf kollektive  Regelungen gerichteten gewerkschaftlichen und be-
       trieblichen Interessenvertretung.  Das aus  der intimen  Kenntnis
       des herkömmlichen  Arbeitsprozesses erwachsene Handlungspotential
       betrieblicher Interessenpolitik verliere angesichts des empirisch
       weniger manifesten  Charakters des  "neuen Rationalisierungstyps"
       an Bedeutung.
       Komplementär zum  Begriff des  hauptsächlich auf die industrielle
       Produktion bezogenen  "neuen Rationalisierungstyps" entwickeln M.
       Baethge/H. Oberbeck  in einer  umfangreichen  empirischen  Studie
       über die  "Zukunft der  Angestellten" ihrerseits  den Begriff der
       "systemischen Rationalisierung"  für die Arbeit in der Zirkulati-
       onssphäre. 5) Im Kern beinhaltet die Bestimmung "systemischer Ra-
       tionalisierung" durchaus  ähnliche, teilweise  sogar gleichartige
       Strukturmerkmale, was  die Annahme unterstützt, daß der kapitali-
       stische Modernisierungs- und Rationalisierungsprozeß in ein neues
       Stadium eingetreten  ist, das nicht einfach als lineare Kontinui-
       tät bisheriger  Rationalisierung betrachtet  werden darf, sondern
       als qualitativ  neue Entwicklungsstufe  mit genuin  andersartigen
       Problemen und Herausforderungen gedacht werden muß.
       "Systemische Rationalisierung"  definieren M. Baethge/H. Oberbeck
       folgendermaßen:  "S y s t e m i s c h e  R a t i o n a l i s i e-
       r u n g s p r o z e s s e   sind dadurch  gekennzeichnet,   d a ß
       u n t e r  N u t z u n g  n e u e r,  mikroelektronisch basierter
       D a t e n v e r a r b e i t u n g s-   u n d   K o m m u n i k a-
       t i o n s t e c h n i k   d e r   b e t r i e b l i c h e   u n d
       ü b e r b e t r i e b l i c h e  I n f o r m a t i o n s f l u ß,
       d i e   K o m m u n i k a t i o n   ü b e r  u n d  d i e  K o m-
       b i n a t i o n   v o n   D a t e n ,   d i e    O r g a n i s a-
       t i o n   d e r   B e t r i e b s a b l ä u f e    u n d    d i e
       S t e u e r u n g     d e r     u n t e r s c h i e d l i c h e n
       F u n k t i o n s b e r e i c h e   in einer  Verwaltung bzw.  in
       einem Unternehmen in  e i n e m  Z u g  neu gestaltet werden. Die
       bisher gültige  Grenzziehung, nach der in erster Linie massenhaft
       anfallende Hilfsfunktionen  und routinisierte  Elemente der  Vor-
       gangsbearbeitung wie  Datenerfassung, Datensortierung, Datendoku-
       mentation und  Textverarbeitung sowie  Berechnungs- und Buchungs-
       vorgänge durch  Technik-Einsatz verändert  bzw. substituiert wer-
       den, wird durch systemische Rationalisierung aufgehoben." 6)
       
       2. Konkrete Formen des "neuen Rationalisierungstyps"
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       Die Darstellung  des "neuen Rationalisierungstyps" oder "systemi-
       scher  Rationalisierung"   darf  nicht   als  Beschreibung  einer
       empirisch schon  vollständig ausgebildeten Realität mißverstanden
       werden. Sie  will vielmehr  eine Trendbestimmung  liefern und zur
       genaueren Prognose  der zukünftigen  Rationalisierungsformen bei-
       tragen. Allerdings  lassen sich schon heute in zahlreichen Fällen
       mehr oder  weniger ausgereifte  Formen des  "neuen  Rationalisie-
       rungstyps" feststellen,  die auf  eine ebenso  tiefgreifende  wie
       weiträumige Veränderung  der gesellschaftlichen Arbeitslandschaft
       verweisen. So  hat zum Beispiel, vorangetrieben durch einen uner-
       bittlichen Verdrängungswettbewerb,  seit Ende der siebziger Jahre
       in der Automobilindustrie ein Modernisierungsschub eingesetzt, in
       dessen Zentrum  ein neues "Rationalisierungs-Paradigma" steht. 7)
       Sein ökonomisch-technischer  "Sinn" liegt  im wesentlichen darin,
       "Effizienz durch  Flexibilität" zu  bewirken, d.h. eine möglichst
       hohe "Änderungsflexibilität"  bei der Maschinenumrüstung und eine
       hohe "Fertigungsflexibilität"  durch  rasche  Variationsfähigkeit
       hinsichtlich der  Seriengrößen oder eines Typenwechsels zu errei-
       chen. Diesem Rationalisierungsparadigma, das wiederum die strate-
       gische Antwort  auf die Herausforderungen der hart umkämpften Ab-
       satzmärkte in  der Automobilindustrie ist, entspricht heute funk-
       tional am  weitestgehenden die  Produktionstechnologie  flexibler
       Fertigungssysteme, die starre Verkettungen von Einzweckmaschinen,
       Transferstraßen und Bandarbeit durch lose Verkettungen und Flexi-
       bilität der Bearbeitungsvorgänge ersetzt. 8) Daß die Automobilin-
       dustrie in der Realisierung flexibler Fertigungssysteme besonders
       weit vorgestoßen ist, hängt indes nicht nur mit massiven Marktim-
       pulsen zusammen, sondern verdankt sich auch der Tatsache, daß die
       Automobilindustrie als "klassisches Muster der fordistischen Mas-
       senfabrik" 9)  für systematische Rationalisierungen geradezu prä-
       destiniert schien.
       Inzwischen nähert  sich die  empirische Entfaltung des "neuen Ra-
       tionalisierungstyps" schon dem Vorfeld der "Fabrik 2000". So ver-
       sucht etwa  die Adam  Opel AG mit einem gigantischen Innovations-
       aufwand von  mehr als  1 Mrd.  DM, bei  der Produktion  des neuen
       Wagentyps OMEGA  die Perfektionierung  der  Fertigungstechnologie
       mit einem  Vernetzungssystem für  die  Computerschnittstellen  zu
       kombinieren. 10)  Dieses als MAP (Manufacturing Automation Proto-
       col) bezeichnete  System, das  zuerst beim amerikanischen Mutter-
       konzern General  Motors entwickelt wurde, führt ein bisher beson-
       ders widerständiges und hartnäckiges Problem seiner Lösung näher,
       weil es  erlaubt, früher  nicht kompatible Computerschnittstellen
       einheitlich zu  vernetzen und  so, wie  es in  der konzerneigenen
       Zeitschrift "Opel Post" griffig formuliert wurde, "die Sprachbar-
       rieren zwischen Computern überwinden hilft". 11) Als übergreifen-
       des Kommunikationssystem  heterogener Einzelcomputer  präsentiert
       sich MAP  zugleich als Vorbote der vollautomatisierten Fabrik der
       Zukunft, die zwar heute noch eher Assoziationen von "science fic-
       tion" auslöst, nichtsdestoweniger aber mit dem am weitesten fort-
       geschrittenen Rationalisierungskonzept  für die industrielle Pro-
       duktion, dem  CIM (Computer  Integrated Manufacturing), realisti-
       schere Konturen  erhalten hat. Neben der Vernetzung der einzelnen
       unterschiedlichen Systeme umfaßt CIM auch die Möglichkeit, erfor-
       derliche Daten  bearbeitungssynchron zu  aktualisieren und perma-
       nent abrufbar zu halten. 12)
       Als strategischer  Ansatzpunkt für  den "neuen Rationalisierungs-
       typ" erweist sich neben den steuerungs- und fertigungstechnologi-
       schen Innovationen  mehr und  mehr  die  Beschleunigung  der  Um-
       schlagszeiten des  Kapitals und  seines stofflichen  und ökonomi-
       schen Formwechsels.  Konkret bedeutet das für die Unternehmen und
       Betriebe u.  a., die  Durchlaufgeschwindigkeiten zu  erhöhen, die
       Materialfluß- und Produktionsentscheidungen der Betriebe der End-
       fertigung einzubeziehen  und die  Balance zwischen  Nachfrage und
       Produktion zu  vervollkommnen. Die  Betriebe richten  dementspre-
       chend, gestützt auf funktionsadäquate EDV, ihre Bemühungen syste-
       matisch darauf,  das Anwachsen  von Zwischenlagern und Puffern zu
       verhindern und  ihre Lagerhaltung bis zum Idealzustand des "Just-
       in-time", also  bis zur  optimalen Ausgewogenheit  von Produktion
       und Zirkulation  der hergestellten  Waren, zu reduzieren. 13) Die
       erfolgreiche Anwendung  des strategischen  Prinzips des "Just-in-
       time" setzt kontinuierlichen Materialzufluß und reibungslose Tei-
       leanlieferung voraus,  damit es vor Beginn der Endfertigung nicht
       zu Materialstaus  und unwirtschaftlicher  Belegung  kostspieliger
       Lagerungskapazität kommt.  Die Rationalisierungsmethode  des  aus
       Japan stammenden  "kanban", 14) also der Anlieferung von Materia-
       lien und  Teilen zum  exakt richtigen  Zeitpunkt im  Produktions-
       rhythmus des  Fertigungsbetriebs, trägt  den  Erfordernissen  der
       Ökonomisierung des Kapitalumschlags auf effektive Weise Rechnung.
       Die Varianten der neuen Produktionslogistik haben, wie zahlreiche
       Beispiele zeigen,  zu einer  drastischen Absenkung der Durchlauf-
       zeiten, der Lagerbestände, der Umlaufbestände und der "overhead"-
       Kosten geführt.  Bosch senkte  seinen Rohstoff-  und Teilebestand
       bei der  Herstellung von Elektrowerkzeugen um 48%, den Bestand im
       Fertigungsumlauf um  55% und  den Bestand  an Fertigwaren um 35%.
       VDO konnte seinen Materialbestand an Baugruppen für Armaturen so-
       gar um 60% senken. 15)
       In der Serienmontage, die wegen ihres arbeitsintensiven und repe-
       titiven Arbeitscharakters noch immer ein bevorzugtes Feld für Ra-
       tionalisierungsmaßnahmen ist,  lassen sich  gegenwärtig vor allem
       folgende  Strategien   unterscheiden:  Maßnahmen  konventioneller
       "starrer" Rationalisierung  und Maßnahmen  "flexibler" Rationali-
       sierung. Zwar ist die flexible Rationalisierung die fortgeschrit-
       tenere Variante,  aber sie besteht vorerst noch immer überwiegend
       in "Insellösungen"  (z.B. Piloteinsatz von Industrierobotern oder
       Baukastenmontagegruppen) und  begrenzten Umstrukturierungen, wäh-
       rend gleichzeitig die Anwendung traditioneller Methoden der star-
       ren  Verkettung   und  Vertaktung   sowie  die   Kombination  von
       "inselförmig" organisierten  Produktionsanlagen und herkömmlichen
       Montagelinien fortdauert. 16)
       
       3. Kontroverse industriesoziologische Analysen
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       Befragt man  die Ergebnisse  der arbeits- und industriesoziologi-
       schen Forschung  nach den  spezifischen  Anforderungen,  die  der
       "neue Rationalisierungstyp"  an die "lebendige Arbeit" stellt, so
       ergibt sich  ein uneinheitliches, teilweise sogar in sich kontro-
       verses Bild.
       Auf der  einen Seite  gruppieren sich um die von H. Kern/M. Schu-
       mann vertretene "Reprofessionalisierungsthese" eine Reihe von Er-
       klärungs- und  Prognoseansätzen, denen  bei aller Differenzierung
       im Detail,  unterschiedlichen Argumenten und Akzentuierungen den-
       noch die  Auffassung gemeinsam ist, daß die Entwicklung der Auto-
       mation im  wesentlichen auf eine Aufwertung der lebendigen Arbeit
       verweist und  das  traditionelle  Rationalisierungsparadigma  des
       Taylorismus an  Bedeutung verliert,  indem "neue  Produktionskon-
       zepte" 17)  vorgetragen werden,  die wiederum einen auf Ganzheit-
       lichkeit und  professionelle Autonomie zugeschnittenen Arbeitsbe-
       griff beinhalten.  Ähnlich wie  H. Kern/M.  Schumann argumentiert
       die "Projektgruppe  Automation und  Qualifikation" (PAQ),  die in
       einer Zusammenfassung  ihrer zahlreichen  Studien noch einmal die
       in der  Automation vermutete Tendenz zur Höherqualifizierung her-
       vorhebt: "Allgemein gesagt, greifen die Arbeitenden zunehmend or-
       ganisierend und  optimierend in  automatische Abläufe  ein. Damit
       wird die  Notwendigkeit allgemein,  über Denkformen  zu verfügen,
       die in  der verwissenschaftlichten  Informations- und Interventi-
       onsstruktur objektiviert  sind. In  der gesellschaftlichen Arbeit
       wird ein  Erfahrungslernen ohne theoretisierende Unterstützung zu
       einer Fessel.  Es muß  Grundlagenwissen vermittelt werden, das es
       den Arbeitenden  erlaubt, mit  der technischen Entwicklung mitzu-
       halten; andernfalls  droht -  wie im  Falle der Programmierer der
       ersten Generation  mit der Überholung ihres pragmatischen Wissens
       - auch  der Verlust  ihrer Arbeitsplätze . . . Die Automation er-
       möglicht die  Emanzipierung der  Arbeiter von der Fessel, für die
       Ausführung einer  Teilfunktion eine  beschränkte und  damit  ein-
       schränkende Kompetenz ausbilden zu müssen." 18)
       In dieselbe  Richtung weisen  die Ergebnisse  anderer empirischer
       Studien. H. Hirsch-Kreinsen/R. Springer unterstellen für den Ein-
       satz von  CNC-Maschinen, daß "Dequalifizierungsprozesse eher tem-
       porären Charakter  haben" 19)  und daß  sich programmierende  und
       planende Aufgaben  von der  Arbeitsvorbereitung stärker  auf  die
       Werkstatt verlagern  werden. M. Hartmann versucht am Beispiel der
       Umstrukturierung der Wellenfertigung bei VW in Kassel zu belegen,
       daß die  Ablösung starrer Maschinenverkettungen durch EDV-gesteu-
       erten Materialfluß  zu einer  Neukomposition der Abteilungsbeleg-
       schaft auf  einem eindeutig  höheren Qualifikationsniveau geführt
       habe. 20)
       Die Resultate  dieser und  weiterer Studien sind für Hartmann ein
       klarer Beweis  für die  Unhaltbarkeit der  These von der "reellen
       Subsumtion", die einerseits von einer Verabsolutierung der ökono-
       mischen Logik des Kapitals und andererseits von einer Unterschät-
       zung der  stofflichen Autonomie des Arbeitsprozesses ausgehe. 21)
       Gegen die  Auffassung von  der "reellen Subsumtion", die, um eine
       Formulierung von  R. Schmiede  / B.  von Greiff  zu benutzen, die
       Tendenz zur  "Enteignung der individuellen, von Erfahrung und au-
       tonomen Entscheidungen  getragenen Arbeitsweise durch Analyse und
       Zergliederung der  Arbeit" 22)  in den Mittelpunkt stellt, unter-
       streicht M.  Hartmann die gegenläufigen Auswirkungen der Moderni-
       sierung und Rationalisierung. Obwohl er nicht bezweifelt, daß das
       kapitalistische Rentabilitätskalkül  die  entscheidende  Determi-
       nante der Umstrukturierung und Neuorganisation des Arbeitsprozes-
       ses   bildet,   sieht   er   Kapitalinteresse   zum   einen   und
       "Requalifizierung von  Industriearbeit" zum anderen nicht als un-
       vereinbar an,  wobei er  sich ähnlicher  Argumente bedient wie H.
       Kern/M. Schumann.  Während sich zukünftig im Arbeitsprozeß selbst
       eine "Wiederangleichung  von  Hand-  und  Kopfarbeit"  vollziehen
       werde, verlagere  sich der  strukturelle Widerspruch  des gesell-
       schaftlichen Produktionsprozesses auf das soziale Verhältnis zwi-
       schen "Arbeitenden und Arbeitslosen". 23)
       Spricht M.  Hartmann von  einer "Trendwende hin zur Requalifizie-
       rung", so  sehen W.  Littek/U. Heisig  in der Entwicklung höherer
       Qualifikationsanforderungen bei  Angestellten die Fortsetzung ei-
       ner schon länger wirksamen Tendenz. 24) Nach ihrer Meinung stabi-
       lisiert sich der Zusammenhang zwischen Rationalisierung, antitay-
       loristischer Arbeitsorganisation  und Qualifikationserhöhung.  W.
       Littek/U. Heisig  haben in  einer  Befragung  von  qualifizierten
       kaufmännischen und  technischen  Angestellten  festgestellt,  daß
       auch in Kernbereichen typischer Angestelltenarbeit Qualifikation,
       Kompetenz, berufliche  Handlungsautonomie  und  Betriebsloyalität
       beträchtlich an Bedeutung gewinnen, während gleichzeitig taylori-
       stische Formen  der Arbeitsorganisation abzubröckeln beginnen. W.
       Littek/U. Heisig  betrachten diese  Entwicklung jedoch  nicht als
       gradlinigen Siegeszug der Höherqualifizierung, sondern sie unter-
       scheiden drei Kategorien unterschiedlicher sozialer Betroffenheit
       durch Rationalisierung: 25)
       1. Angestelltengruppen, die ihre berufsfachliche Position und ih-
       ren betrieblichen Sozialstatus verbessern konnten.
       2. Angestelltengruppen, deren Position zwar infolge Rationalisie-
       rung negativ beeinflußt wurde, die aber im wesentlichen ihren so-
       zialen Besitzstand  wahren konnten und deshalb weder ihr berufli-
       ches Selbstbewußtsein noch ihr Vertrauen in die Leitungskompeten-
       zen des Managements verloren.
       3. Angestelltengruppen,  die -  arbeitsfunktionell und ökonomisch
       betrachtet -  Nachteile und Einbußen hinnehmen mußten und nun vor
       der prekären  Aufgabe stehen,  ihre Situation im Kontext weitrei-
       chender Rationalisierungen neu zu definieren.
       Allerdings lassen  W. Littek/U.  Heisig eigentlich keinen Zweifel
       daran, daß  die erste  Gruppe der "Rationalisierungsgewinner", um
       mit H.  Kern/M. Schumann zu sprechen, die dominante Entwicklungs-
       linie der  Angestelltentätigkeit repräsentiert.  Während W.  Lit-
       tek/U. Heisig  für die  von ihnen  untersuchten Gruppen der Ange-
       stellten zu  Ergebnissen gelangen,  die in  mancher Hinsicht  mit
       denen von  H. Kern/M.  Schumann vergleichbar  sind, sehen sie die
       Bedingungen für eine günstige Entwicklung der Qualifikationen und
       Arbeitsinhalte weniger,  wie schon angedeutet, in einem säkularen
       arbeitspolitischen Paradigmenwechsel  als vielmehr darin, daß die
       Erscheinungsformen der gegenwärtigen Rationalisierungsbewegung im
       Grunde genommen  schon in der Entwicklung der sechziger und sieb-
       ziger Jahre  angelegt waren  und nur  von der  Arbeits- und Indu-
       striesoziologie nicht als solche wahrgenommen worden seien. Inso-
       fern modifizieren  W. Littek/U.  Heisig zumindest  für den  Ange-
       stelltenbereich die  Resultate von  H. Kern/M. Schumann, wenn sie
       auch in vielen Punkten - und das gilt vor allem für die angeblich
       konsensualen Beziehungen zwischen qualifizierten Angestellten und
       Management - mit der Interpretation von H. Kern/M. Schumann über-
       einstimmen: "Persönliche  Qualifikationen, Kenntnisse  und Kompe-
       tenzen sind  zugleich auch  Grundlage für die Beteiligung von Be-
       schäftigten an  der sachlichen  und sozialen Gestaltung ihrer Ar-
       beitsbeziehungen. Qualifizierte  Beschäftigte, die aufgrund ihres
       Fachwissens ihre  Arbeit selbst ausgestalten und betriebliche Ra-
       tionalisierungsmaßnahmen mittragen, sind nicht nur als durch Ver-
       änderungen der  Arbeit  B e t r o f f e n e,  sondern auch als an
       betrieblichen Prozessen   B e t e i l i g t e   zu begreifen. Die
       Beschäftigten der  qualifizierten Kerngruppen bestimmen in unter-
       schiedlichem Umfang  und verschiedener  Weise die  sachlichen und
       sozialen Arbeitsbedingungen  und -beziehungen  mit. Um die Mitar-
       beit dieser  Gruppe zu  gewinnen, läßt  das Management sie an der
       Rationalisierung partizipieren,  indem es ökonomische und soziale
       Kompromisse  schließt   und   arbeitsinhaltliche   Zugeständnisse
       macht." 26)
       Andere Akzente  setzt die  Studie von M. Baethge/H. Oberbeck, die
       sich weniger  auf Kontinuität berufen, sondern ein zukunftsorien-
       tiertes, mit  bisherigen Traditionen  brechendes Bild von der Zu-
       kunft der  Angestelltenarbeit entwerfen. Nach M. Baethge/H. Ober-
       beck lassen  sich gegenwärtig  zwei Entwicklungslinien rationali-
       sierungsbedingter Veränderungen  in den  Tätigkeitsstrukturen und
       Qualifikationsprofilen von Angestellten unterscheiden. Einerseits
       entzieht die  EDV-verursachte Abspaltung  innerbetrieblicher Ver-
       waltungsaufgaben von den marktbezogenen Aufgaben den Sachbearbei-
       tern in  den Banken,  Versicherungen und  Handelsfirmen traditio-
       nelle Elemente  qualifizierter Berufsarbeit. Rationalisierung auf
       EDV-Basis erweist  sich hier unbestreitbar als Mittel zur Substi-
       tuierung qualifizierter "lebendiger Arbeit", auch wenn häufig De-
       qualifizierung erst  längerfristig zu einem subjektiv erfahr- und
       identifizierbaren sozialen  Tatbestand werde.  Andererseits stoße
       die Rationalisierung  eine zweite  Entwicklungslinie an, in deren
       Verlauf neue  Tätigkeitsinhalte und höherwertige berufliche Hand-
       lungsstrukturen erzeugt  werden. Kennzeichen  dieser zweiten Ent-
       wicklungslinie sei  eine "verstärkte  Aktualisierung der  berufs-
       fachlichen und  sozialkommunikativen Kompetenzen."  27) In diesem
       Zusammenhang prognostizieren M. Baethge/H. Oberbeck für die Ange-
       stelltenarbeit auf  der Stufe  qualifizierter Sachbearbeitung die
       Entstehung eines  neuen, sowohl den technologischen Veränderungen
       als   auch    den   ökonomischen   Anforderungen   entsprechenden
       "professionellen Verhaltensstils", 28) der gewisse Parallelen zum
       Arbeitscharakter  der   von  H.  Kern/M.  Schumann  beschriebenen
       "Produktionsintelligenz" aufweist.  Dennoch halten  M. Baethge/H.
       Oberbeck, was  die Perspektiven  der gesamten  Angestelltenschaft
       vor  dem  Horizont  zukünftiger  Rationalisierungsprozesse  anbe-
       trifft, an  der Vorstellung  einer "polarisierenden Verschränkung
       einer verstärkten Aktualisierung von Fachqualifikation mit Dequa-
       lifizierungstendenzen" fest.
       
       4. Reale Widersprüche und Problemfelder
       ---------------------------------------
       des Rationalisierungsprozesses
       ------------------------------
       
       Studien wie die von H. Kern/M. Schumann, die der Wechselbeziehung
       zwischen Rationalisierung  und Qualifikation  eine  optimistische
       Prognose stellen, können sich zweifellos auf empirische Tatsachen
       berufen, die  die Richtigkeit  ihrer Überlegungen  zu  bestätigen
       scheinen. So  zeigt sich beispielsweise, daß der durch den "neuen
       Rationalisierungstyp" ausgelöste  Umbruch in  der Arbeit zu einer
       Verringerung  der   unteren   Qualifikationsgruppen   führt   und
       gleichzeitig diejenigen  Gruppen des  gesellschaftlichen Arbeits-
       körpers, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, beträcht-
       lich zunehmen.  Zwischen 1976  und 1982  sank der  Anteil der Be-
       schäftigten ohne  Ausbildungsabschluß an  den Erwerbstätigen  von
       37% auf  32%, der  Anteil der  Beschäftigten mit berufsfachlicher
       oder betrieblicher  Ausbildung stieg  von 50 auf 53%, und der An-
       teil der  Hoch- und  Fachhochschulabsolventen stieg  von 6,5% auf
       8,5%. 29)  Die Verschiebungen  in der Qualifikationsstruktur, die
       im Prinzip  ebenso auf  weibliche wie männliche Arbeitskräfte zu-
       treffen, erfolgen  offensichtlich vor  allem als Ergebnis des Ab-
       baus der  unteren Qualifikationsgruppen, deren Arbeitsplätze noch
       immer ein  privilegiertes Feld für Rationalisierungen darstellen.
       Noch deutlicher  als auf der Ebene der gesellschaftlichen Gesamt-
       arbeit läßt sich die aufstrebende Tendenz der Qualifikationsnive-
       aus an der Zusammensetzung von Belegschaften in solchen Unterneh-
       men und  Betrieben ablesen,  die als  "technologische Avantgarde"
       "High-Tech" sowohl  selbst produzieren als auch anwenden. Die Be-
       legschaftsstruktur der  Siemens AG spiegelt den skizzierten Sach-
       verhalt eindrucksvoll wider. Hier nahm die Gruppe der technischen
       Angestellten (einschließlich der technischen Intelligenz) bei ei-
       ner relativ  konstanten Gesamtbelegschaft  von 18,2% im Jahr 1962
       über 25%  im Jahr 1973 auf 30,8% im Jahr 1982 zu, während gleich-
       zeitig die  Zahl der  an- und  ungelernten gewerblichen  Arbeiter
       zwischen 1962 und 1982 von rund 44,5% auf 29,5% gesunken ist. 30)
       Aber Prognosen  der Rationalisierungsentwicklung,  in  denen  der
       Aspekt der  Aufwertung und des Kreativitätszuwachses menschlicher
       Arbeit im  Zeichen der modernen Produktivkräfte dominiert, gewin-
       nen leicht  eine Eigendynamik.  Allzu rasch geraten dann Erschei-
       nungen und  Auswirkungen aus dem Blickfeld des wissenschaftlichen
       Interesses, die  sich nicht bruchlos in den Rahmen optimistischer
       Vorhersagen einfügen  wollen. Zwar  wird in  keiner  der  wissen-
       schaftlich diskussionsfähigen  Studien, 31)  die sich  gegen  die
       Taylorisierungsthese und das Subsumtionstheorem wenden, das empi-
       rische Auftreten von Dequalifizierung, Autonomieverlust und Bela-
       stungszunahme rundherum bestritten, aber diese Erscheinungsformen
       verblassen neben  dem attraktiven Szenario von der Reprofessiona-
       lisierung und  neuen Ganzheitlichkeit  der  Industriearbeit.  Die
       Vereinseitigung der  positiven Aspekte  verzerrt jedoch die Wirk-
       lichkeit kapitalistisch determinierter Rationalisierung, die nach
       wie vor  durch sehr  widersprüchliche Elemente in der Entwicklung
       der "lebendigen  Arbeit" geprägt wird. Insbesondere die Tatsache,
       daß der  Modernisierungsprozeß unter den Bedingungen krisenhafter
       Kapitalverwertung  notwendig   Arbeitslosigkeit  verursacht,  ist
       schon für  sich genommen  eine zwingende Widerlegung der Annahme,
       daß die  Zukunft der Arbeit im Zeichen eines neuen, wissenschaft-
       lich-technisch versierten, seine Arbeitsrolle souverän handhaben-
       den Produzententyps  stehen werde,  der das Schicksal des repeti-
       tive Teilarbeit  verrichtenden,  von  Arbeitslosigkeit  bedrohten
       "Massenarbeiters" als  unwiderruflich vergangen erscheinen lasse.
       Das Hauptproblem  in der Studie von H. Kern/M. Schumann und ande-
       rer, im  Tenor vergleichbarer Untersuchungen besteht nicht in er-
       ster Linie  darin, daß  die von  ihnen beschriebenen  Formen  der
       "Produktionsintelligenz" empirisch  nirgends existierten, sondern
       daß sie aus diesen Formen eine verallgemeinerbare Perspektive ab-
       leiten, die  wiederum als  Grundlage für politische Strategieemp-
       fehlungen an  die Adresse der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung
       dienen soll. Zutreffend haben W. Fach/U. Weigel auf die Affinität
       des Theorems  der "neuen  Produktionskonzepte", die angeblich die
       "privatistischen Verengungen" der Produktionsgestaltung aufspren-
       gen sollen,  zur Ideologie  des  "technologischen  Determinismus"
       hingewiesen, derzufolge  die Technik kraft der ihr eingeschriebe-
       nen Rationalität  auch auf  der gesellschaftlichen Ebene vernünf-
       tige Verhältnisse  schaffe: "D.h.,  es gibt  offensichtlich  eine
       technologische Tendenz  zur Generalisierung,  die darauf  drängt,
       daß Partikularismen  eingeebnet und Segmente aufgebrochen werden.
       Wie sich der Technik diese Logik hätte einpflanzen können, bleibt
       allerdings im Dunkeln - dem Gegenstand (Fließband, Maschine) wird
       mystifizierend das  überschießende Moment  einfach zugeschrieben.
       Technik, als potentieller Selbstläufer (...), spiegelt einen ver-
       dinglichten Fortschrittsglauben  daran wider,  daß sich unterhalb
       des Kapitalverhältnisses  und hinter  seinem Rücken  die Vernunft
       zur Macht  schleicht - von einem übermenschlichen Gesetz vorange-
       trieben, das zu seiner Realisierung freilich menschlicher Agenten
       bedarf." 32)
       Versuche, die  Thesen von  der "Reprofessionalisierung  der Indu-
       striearbeit" und den "neuen Produktionskonzepten" zu verallgemei-
       nern, stoßen nicht nur auf die harten Fakten der Massenarbeitslo-
       sigkeit, die  ja die schärfste Form der Entwertung lebendiger Ar-
       beit im  Kapitalismus ist,  33) sondern sie gehen auch da keines-
       wegs widerspruchsfrei  in der Realität auf, wo sich der "neue Ra-
       tionalisierungstyp" praktisch  entfaltet. Immerhin  belegen breit
       angelegte Umfragen  der Gewerkschaften,  daß die Beschäftigten in
       den Betrieben,  die rationalisiert wurden und werden, überwiegend
       Verschlechterungen hinnehmen  mußten, auch  wenn sich die techni-
       schen Neuerungen und organisatorischen Veränderungen nicht in al-
       len Dimensionen  der Arbeit  negativ auswirkten.  Gerade Betriebe
       mit einem hohen Innovationstempo weisen drastische Erhöhungen der
       Arbeitsbelastungen  auf.  Dabei  steht  die  Leistungsverdichtung
       durch Steigerung  des Arbeitstempos  sowohl in der Produktion als
       auch in  der Industrieverwaltung an erster Stelle. 34) Selbst da,
       wo Rationalisierung  nicht durchgängig Dequalifizierung nach sich
       zieht und herkömmliche hohe Qualifikationen bewahrt bleiben, kann
       der "neue  Rationalisierungstyp" eine  Schwächung der arbeitspro-
       zeßlichen Stellung  der Beschäftigten hervorrufen und damit ihren
       professionellen und  sozialen Status  im Betrieb  auf  mittelbare
       Weise verschlechtern. M. Baethge/H. Oberbeck haben herausgearbei-
       tet, daß trotz möglicher individueller Qualifikationsanreicherung
       und Kompetenzausweitung  im Angestelltensektor die arbeitsprozeß-
       liche Position  breiter Angestelltenschichten durch die neuen Me-
       thoden übergreifender,  vernetzender Rationalisierung  destabili-
       siert werden  könnten: "Denn selbst dort, wo es über die breitere
       Aktualisierung hinaus zu einem Anstieg der Qualifikationsanforde-
       rungen an  die Arbeit  kommt, ist  die    b e t r i e b l i c h e
       P o s i t i o n   des einzelnen  Angestellten mit  Einführung der
       neuen Technologien  unwiderruflich  schwächer  geworden  ...  Die
       strukturelle positioneile  Schwächung der Angestellten resultiert
       nicht allein  aus dem  Einsatz der neuen Technologien - es kommen
       auch die  Angebotsstrukturen auf  dem Arbeitsmarkt  hinzu -, wird
       aber doch  wesentlich von  ihnen her  bestimmt, da sich mit ihrem
       breiten  Einsatz   das      b e t r i e b l i c h e      H e r r-
       s c h a f t s v e r h ä l t n i s   recht grundlegend zuungunsten
       der Angestellten umgestaltet." 35)
       Allerdings beschränken  sich die  Möglichkeiten  kapitalistischer
       Nutzung der  neuen Technologien nicht auf eine eher schleichende,
       subjektiv nicht  ohne weiteres  erfahrbare Unterminierung der ar-
       beitsprozeßlichen Stellung der Lohnabhängigen. In bestimmten Fäl-
       len kommt es schon jetzt zur kollektiven Dequalifizierung und zur
       technologischen Entmachtung  der Stellung  der Beschäftigten, wie
       es der  australische Pressezar  R. Murdoch jüngst auf bedrückende
       Weise der  britischen und internationalen Arbeiterbewegung vorge-
       führt hat,  indem er die Arbeit von 5000 streikenden Druckern ei-
       nigen hundert "arbeitswilligen" Elektrikern übertrug, die sie mit
       Hilfe  modernster  Technik  erfolgreich  bewältigten.  Die  Fort-
       schritte  moderner   Technologie  haben   hier  nicht   nur   die
       "rebellische Hand der Arbeit zur Gelehrigkeit" gezwungen, 36) wie
       es bei  K. Marx  anschaulich heißt,  sondern auch dem kollektiven
       Widerstand der Beschäftigten arbeitsprozeßlich die Grundlage ent-
       zogen. Die  berühmte  proletarische  Losung  "Alle  Räder  stehen
       still, wenn  Dein starker Arm es will!" hat, wie der Arbeitskampf
       in Wapping  (London) zeigte, eine bedrückende Umdeutung erfahren;
       denn das  Kapital ist  im Begriff,  sich in der neuen Technik nun
       seinerseits einen  "starken  Arm"  gegen  die  Arbeiterklasse  zu
       schaffen und  mit dessen  Hilfe die  Betriebe  zu  "arbeitskampf-
       sicheren" Festungen auszubauen.
       Wenn N.  Altmann u.  a. die  Vermutung aussprechen, daß der "neue
       Rationalisierungstyp" quasi  lautlos und nicht fühlbar an den Be-
       schäftigten vorbeilaufe, weil sich die Rationalisierungsmaßnahmen
       auf die  Produktionstechnik konzentrierten,  37)  dann  übersehen
       sie, daß  das kapitalistische  Management  immer  auch  versuchen
       wird, die  angewandte "lebendige Arbeit" im Verhältnis zum erwar-
       teten Produktionsergebnis  zu ökonomisieren, also die Arbeitslei-
       stung zu steigern, die Löhne zu senken und die Arbeitsbedingungen
       kostenminimierend zu  gestalten  (Ergonomie,  Arbeitsschutz,  be-
       triebliche Einrichtungen usw.). Inwieweit dies gelingt, hängt von
       den konkreten Bedingungen ab. Oft mag es vom Interessenstandpunkt
       des Kapitals  her betrachtet  vorteilhafter sein, Qualifikationen
       und Handlungsspielräume  der Beschäftigten  zu erweitern, anstatt
       sich starr an rein technische Lösungen zu klammern. Aber aus die-
       ser konkreten Möglichkeit eine allgemeine Prognose dergestalt ab-
       zuleiten, daß  der "neue  Rationalisierungstyp" die  Arbeitskraft
       gleichsam umgehe  und ungeschoren  lasse, wie N. Altmann u.a. of-
       fensichtlich vermuten,  kontrastiert mit der spröden Realität des
       kapitalistischen Rationalisierungsalltags,  wo Vorgabezeiten  ge-
       kürzt, Abgruppierungen vorgenommen, Mehrstellenbedienung durchge-
       setzt und der Leistungsdruck erhöht werden. 38)
       Die kapitalistische  Formbestimmung des "neuen Rationalisierungs-
       typs" wird  nicht nur empirisch greifbar in widersprüchlichen und
       negativen Arbeitsfolgen,  sondern schlägt  auch da  durch, wo vom
       Entwicklungsgrad der  Technologie und  der Beschaffenheit der Ar-
       beitsmittel her  alternative Möglichkeiten der Arbeitsgestaltung,
       aber auch  der Produktgestaltung  gegeben wären. Als Beispiel für
       eine alternative  Gestaltbarkeit des unmittelbaren Arbeitsprozes-
       ses kann  die Werkstattprogrammierung im Maschinenbau gelten. 39)
       Beim Einsatz von CNC-Maschinen sind ganz entgegengesetzte Varian-
       ten der  Arbeitsgestaltung realisierbar:  Einerseits  können  die
       CNC-Maschinen zentral  programmiert und  gesteuert werden, so daß
       sich die Maschinenbedienung auf relativ geringe Anforderungen re-
       duziert, andererseits ermöglichen sie aber auch eine Rückverlage-
       rung von Qualifikationen in die Werkstätten, weil die Programmie-
       rung der  CNC-Maschinen direkt "vor Ort" erledigt werden kann und
       nicht länger eine Domäne der Arbeitsvorbereitung bleiben muß. In-
       formationstechnisch ist die Maschinenprogrammierung so weit fort-
       geschritten, daß früher notwendige Zusatzeinrichtungen wie geson-
       derte NC-Büros  und kostenintensive Arbeitsplätze für Programmie-
       rer entfallen  können. Der  sukzessive Ablauf  von Programmierung
       und Werkstückbearbeitung  kann durch den Wechsel, die variierende
       Kombination von Programmierungs- und Bearbeitungsfunktionen abge-
       löst werden.  Werkstattprogrammierung stellt an die NC-Maschinen-
       arbeiter durchaus  hohe Qualifikationsanforderungen.  Sie reichen
       von der  Fähigkeit, Zeichnungen in Bearbeitungsprogramme zu über-
       tragen und selbständig Parameter wie etwa die Schnittgeschwindig-
       keit festzulegen,  bis zu relativ komplexen Software-Kenntnissen.
       Obwohl sich  also von  der technisch-funktionellen  Seite her ein
       alternativer, arbeitsanreichernder  Tätigkeitszuschnitt anbietet,
       verhalten sich  viele Maschinenbetriebe reserviert oder sogar ab-
       lehnend gegenüber der Werkstattprogrammierung. 40) Offensichtlich
       ist diese Haltung nicht allein durch das ökonomische Profitkalkül
       determiniert, sondern auch durch betriebliche Herrschaftsinteres-
       sen beeinflußt; denn jeder Schritt auf dem Weg zu Höherqualifika-
       tion, beruflichem  Autonomiezuwachs und  Stärkung der arbeitspro-
       zeßlichen Stellung der Lohnabhängigen vergrößert das arbeitspoli-
       tische Druckpotential  und kann  so in kritischen Situationen die
       uneingeschränkte Hegemonie  des Kapitals über die Produktivkräfte
       in Frage  stellen. Daß das Herrschaftskalkül bei der Wahl von Ra-
       tionalisierungsstrategien  nachweislich   eine  erhebliche  Rolle
       spielt, läßt sich exemplarisch aus den Reaktionen des Managements
       auf einen  (in der  Konsequenz erfolglosen)  Vorstoß unabhängiger
       linker Betriebräte bei Daimler-Benz in Untertürkheim ablesen. Be-
       triebsratsmitglieder der  sogenannten "Plakat-Gruppe"  hatten der
       seit Ende  der siebziger  Jahre eingeführten  computergesteuerten
       Transfertechnik, die  sich negativ auf die Arbeitsbedingungen und
       Qualifikationen der  Montagearbeiter auswirkte,  ein Konzept  von
       CNC-gestützten Fertigungsinseln gegenübergestellt. Die Verwirkli-
       chung des Konzepts hätte zur Beschäftigungssicherung und Qualifi-
       kationsverbesserung beigetragen.  Aber die Betriebsleitung lehnte
       die Vorstellungen  zur Reorganisation der Transfertechnik ab, und
       auch bei  der Mehrheit  der Betriebsräte  fanden  die  Anregungen
       keine Zustimmung. 41)
       Versucht man  die vielfältigen  widersprüchlichen und heterogenen
       Erscheinungsformen und  Folgen der Rationalisierung zu systemati-
       sieren und ihre wesentliche Entwicklungsrichtung abzuschätzen, so
       läßt sich  vorab feststellen,  daß weder von einer generellen Hö-
       herqualifizierung noch  von  einem  "Ende  der  Massenproduktion"
       (M.J. Piore/C.F.  Säbel), aber  auch nicht  von einem definitiven
       Triumph des Taylorismus und Fordismus gesprochen werden kann. 42)
       Tendenzen einer  realen Höherqualifizierung  in bestimmten  Wirt-
       schaftsbereichen, Industriezweigen  und Betrieben  stehen Entlas-
       sungen und dequalifizierende Rationalisierungskonsequenzen in an-
       deren Branchen  und Betrieben  gegenüber,  vermittelt  durch  ein
       breites Übergangsfeld empirisch schwer durchschaubarer, kaum ein-
       deutig klassifizierbarer, konkreter Formen der Arbeitsbedingungen
       und Qualifizierungsprofile.
       Der "neue Rationalisierungstyp" beschränkt sich in seiner sozial-
       ökonomischen Wirkungsweise  aber nicht  auf Differenzierungen und
       Segmentierungen im Arbeitsprozeß, sondern trägt unter den gegebe-
       nen Produktionsverhältnissen  auch zur  Vertiefung der Gegensätze
       und Ungleichheiten zwischen den noch Beschäftigten und Arbeitslo-
       sen bei.  Die Logik  des Kapitals  und die ihr immanente Tendenz,
       die Produktivkraft der Arbeit bei gleichzeitiger Verringerung von
       Arbeitskrafteinsatz zu erhöhen, wirkt ungebrochen fort, auch wenn
       sich die  Einzelkapitale nicht  voluntaristisch über die stoffli-
       chen Schranken des Arbeitsprozesses und damit auch nicht über die
       Gebrauchswerteigenschaften der  lebendigen  Arbeit  hinwegsetzen,
       also lebendige  Arbeit beliebig  ersetzen bzw. reduzieren können.
       Wenn die  Rationalisierung aber  zukünftig eine  Stufe  erreichen
       wird, auf der auch komplexe geistige Arbeitsoperationen algorith-
       misierbar und programmierbar werden, dann sind allerdings massen-
       hafte Dequalifizierungen und ein Anschwellen der Arbeitslosigkeit
       nicht auszuschließen.  Der optimistische Abschied vom angeblichen
       "Verelendungsdiskurs" in der Marxschen Analyse gesellschaftlicher
       Arbeit und  Produktivkraftentwicklung erscheint angesichts dieser
       Möglichkeit nicht sehr überzeugend. 43)
       Gegenwärtig jedoch  erweist sich  für die Beschäftigten nicht das
       Problem massenhafter Dequalifizierung und Taylorisierung als vor-
       rangig. Es  sind vielmehr die durch den "neuen Rationalisierungs-
       typ" hervorgerufenen  und verschärften  Prozesse sozialer Segmen-
       tierung, Hierarchisierung  und Entsolidarisierung,  die eine sub-
       jektiv nachvollziehbare  Vereinheitlichung der Interessen verhin-
       dern und  damit ein  an kollektiven Grundinteressen aller Lohnab-
       hängigen orientiertes Eingreifen in die Produktivkraftentwicklung
       erschweren.
       Der "neue Rationalisierungstyp" fungiert heute durchaus als tech-
       nologisches Medium der korporatistischen Zersplitterung und Indi-
       vidualisierung im  Arbeitsprozeß, denn  die ökonomisch  bedingte,
       krisenhafte Dekomposition  der Arbeiterklasse setzt sich in tech-
       nologisch und  arbeitsorganisatorisch vermittelten Spaltungs- und
       Entfremdungsprozessen in  der Arbeit  fort. Flexibilisierung  und
       Deregulierung von "Normalarbeitsverhältnissen" sind nicht nur der
       aktuell angemessene  Ausdruck ökonomischer Verwertungslogik, son-
       dern spiegeln  auch die  mit dem "neuen Rationalisierungstyp" er-
       öffneten Möglichkeiten  wider, Formen  kollektiver Interaktion im
       Arbeitsprozeß und  gemeinschaftliche Arbeitserfahrung  als  unab-
       dingbares soziales  Substrat von  Solidarität auszuhöhlen. An der
       "Entkoppelung von  Produktions- und Arbeitsprozeß" 44) (R. Sprin-
       ger) zeigt sich einmal mehr die janusköpfige Wirkung kapitalisti-
       scher Rationalisierung:  Die technisch gewährten Chancen für eine
       Verdichtung kooperativer  Arbeitsformen, für  einen Abbau hierar-
       chischer Sozialbeziehungen  und arbeitsteiliger  Trennlinien zwi-
       schen einzelnen  Belegschaftsgruppen  verkehren  sich  unter  dem
       Druck kapitalistischer Konkurrenz ins Gegenteil. Die Distanz zwi-
       schen hochqualifizierten  "Betriebseliten" einerseits, "Massenar-
       beitern" und  gering qualifizierten Gruppen der Randbelegschaften
       andererseits nimmt  zu, kommunikative  Arbeitsbeziehungen  werden
       technologisch  aufgelöst   und  versachlicht,   der  einheitliche
       zeitliche  Arbeitsrhythmus  als  wichtige  Dimension  gemeinsamer
       Arbeitserfahrung weicht  der flexibilisierenden  Zeitsouveränität
       des Kapitals über die Arbeitskraft.
       
       5. Herausforderungen für die Arbeiterbewegung:
       ----------------------------------------------
       "Soziale Beherrschbarkeit", "neue Produktionskonzepte" und
       ----------------------------------------------------------
       antikapitalistische Perspektiven
       --------------------------------
       
       Die Erfahrungen  der Krise  haben in den Gewerkschaften hinsicht-
       lich der  Bewertung des technischen Fortschritts zweifellos einen
       Prozeß des  Umden-kens ausgelöst.  Deutlicher und nachdrücklicher
       als in  der langen  Prosperitätsperiode bis  Anfang der siebziger
       Jahre wird heute in den Gewerkschaften betont, daß Modernisierung
       und Rationalisierung  keinem gesellschaftsindifferenten Sachzwang
       folgen, sondern "sozial beherrschbar" und "gestaltbar" seien. 45)
       Auch weiß  man heute besser als vor fünfzehn oder zwanzig Jahren,
       daß ohne  Einbeziehung der  wissenschaftlich-technischen Intelli-
       genz und  ohne Verwissenschaftlichung der eigenen Problemlösungs-
       kapazität ernsthafte  Vorstöße in der Frage der Technikgestaltung
       und Arbeitsstrukturierung kaum unternommen werden können. Weiter-
       hin ist  inzwischen von  gewerkschaftlicher Seite erkannt worden,
       daß sich  ein kritisches Verständnis von Rationalisierung und Au-
       tomation längst  nicht mehr  auf die  materielle  Produktion  be-
       schränken darf, sondern die Umwälzung der traditionellen Arbeits-
       kultur in  den Büros und Verwaltungen mitdenken muß. Die intensi-
       ven Bemühungen  um Erhöhung des gewerkschaftlichen Einflusses un-
       ter den Angestellten sind dafür ein Beleg. 46)
       Technische Rationalität  und soziale  Vernunft gelten  nicht mehr
       als unbedingt  identisch; Technik,  Arbeitsorganisation und  Pro-
       duktgestaltung werden als Politikfelder betrachtet, auf denen ge-
       gensätzliche Interessen  aufeinanderstoßen.  Besonders  klar  hat
       sich diese Erkenntnis im Aktionsprogramm "Arbeit und Technik" der
       IG Metall  niedergeschlagen, wo die lange auch in der Arbeiterbe-
       wegung dominierende Ideologie des "technologischen Determinismus"
       unmißverständlich zurückgewiesen  wird: "Nicht die Technik, nicht
       die  Maschinen,   sondern   das   dahinterstehende   System   der
       'Maschinenbesitzer' -  also die Besitzverhältnisse und die allei-
       nige Verfügungsgewalt über Entwicklung, Einführung, Anwendung und
       Gestaltung von  Maschinen und  Technik -  ist die Ursache für so-
       ziale Unsicherheit  und negative  Rationalisierungsfolgen für Ar-
       beitnehmer und  Gesellschaft. (...)  Eine Strategie,  mit der ar-
       beitsorientierte Alternativen zum Technikeinsatz, zur Produktent-
       wicklung und  -gestaltung durchgesetzt  werden sollen,  hat diese
       Tatsachen zu  berücksichtigen. Die  jeweiligen Macht-  und  damit
       Kräfteverhältnisse bestimmen  letztlich die Möglichkeiten solcher
       Alternativen." 47)
       Aber die  Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung ist kein monolithi-
       scher Block, und die politische Verarbeitung der Modernisierungs-
       und Rationalisierungsprozesse  verläuft nicht einheitlich und wi-
       derspruchsfrei.
       Selbst Erkenntnisse, die einen beträchtlichen Zuwachs an Problem-
       und Gestaltungsbewußtsein  im Hinblick  auf den technischen Fort-
       schritt anzeigen,  sind gegen ambivalente Ausdeutungen und Opera-
       tionalisierungen nicht  gefeit. Das trifft auch für die Interpre-
       tation  der   Formel  von  der  "sozialen  Beherrschbarkeit"  und
       "sozialen Gestaltbarkeit"  der neuen  Technik zu,  die inzwischen
       eine Art strategischer Leitfunktion in gewerkschaftlichen Überle-
       gungen wahrnimmt.  Aber diese  Formel erfährt,  kaum daß  sie als
       Kritik am  "technologischen Determinismus"  und am Mythos der Ei-
       gendynamik der  Produktivkräfte entwickelt  wurde,  schon  wieder
       eine Umdeutung durch jene gewerkschaftlichen Kräfte, die eine so-
       zialpartnerschaftlich-korporatistische Lösung  der durch Rationa-
       lisierung hervorgerufenen  Probleme anvisieren. H. Rappe, Vorsit-
       zender der  IG Chemie  und einflußreicher  rechtssozialdemokrati-
       scher Bundestagsabgeordneter,  hat in einem Rundtischgespräch ve-
       hement für  einen Modernisierungspakt  geworben, mit  dem die als
       soziales Ganzes  und klassenübergreifend  gedachten Anforderungen
       der Volkswirtschaft gebieterisch durchgesetzt werden sollen: "Ich
       glaube, daß  die Kraft der Volkswirtschaft von der weiteren tech-
       nologischen Entwicklung  abhängt. Und ich sehe keine Möglichkeit,
       sich aus  der internationalen  Konkurrenz dieser  technologischen
       Entwicklung abzumelden.  Wir dürfen  es noch  nicht einmal wollen
       ... Jedenfalls  wird die  Chance der deutschen Volkswirtschaft in
       der Hochtechnologie  liegen und  nicht im Abbremsen der Technolo-
       gie. Wer  hingegen sagt,  das könne und solle nicht so verlaufen,
       weil wir  die sozialen  Folgen nicht in den Griff bekämen, begibt
       sich in  die Defensive  und scheitert, denn die Entwicklung kommt
       sowieso, ob wir es wollen oder nicht." 48)
       Zweifellos erfüllt  der politische  Ertrag von  Studien wie  "Das
       Ende der  Arbeitsteilung?" von H. Kern/M. Schumann ungeachtet ih-
       rer wissenschaftlichen Qualitäten für einen Rationalisierungskon-
       sens zwischen  Kapital und Arbeit, wie er von einer starken inte-
       grationistischen Strömung  in den  Gewerkschaften gefordert wird,
       eine wichtige  Legitimationsfunktion. Wo  die "aufgeklärte  Frak-
       tion" der  Managements (H.  Kern/M. Schumann)  mit der  Elite der
       "Protagonisten der Rationalisierung" bei den Arbeitern die "neuen
       Produktionskonzepte" in  die Tat umsetzen soll, reproduziert sich
       unter dem Schleier der Formel von der "sozialen Beherrschbarkeit"
       unversehens die  Ideologie des  "technologischen  Determinismus",
       deren Hegemonie gerade erst zaghaft in Frage gestellt worden ist.
       Ein auf  Klassenkonsens  ausgelegtes  Denken  der  "gesamtgesell-
       schaftlichen  Verabredung"   (H.  Rappe)  kann  bruchlos  an  die
       arbeitspolitischen  Interpretationen   von  H.  Kern/M.  Schumann
       anknüpfen, die  der Rationalisierungsentwicklung  an und für sich
       eine antitayloristische,  die lebendige  Arbeit  aufwertende  und
       bereichernde Logik  zuschreiben. Allerdings  findet, wie  bereits
       dargestellt, die  Idee der  "neuen  Produktionskonzepte"  in  der
       "Welt  der  Arbeit"  durchaus  empirische  Anknüpfungspunkte.  In
       Branchen und  Betrieben, die  ökonomisch einigermaßen  intakt und
       technologisch innovativ sind, können sich Arbeitsbeziehungen her-
       ausbilden, die die "neuen Produktionskonzepte" tragen. W. Streeck
       hat den Wandel kollektiver Arbeitsbeziehungen dergestalt, daß sie
       eine Verankerung  des Modernisierungskonsenses  an der  Basis des
       Arbeitsprozesses gewährleisten,  für die  Automobilindustrie dar-
       gestellt. Noch  entschiedener als H. Kern/M. Schumann vertraut W.
       Streeck darauf,  daß die  Gewerkschaften, sofern sie nur die Ent-
       wicklungspfade industrieller  Produktion vorausschauend  erfassen
       und sich  von einer  unfruchtbaren, defensiven  Ablehnungshaltung
       lösen, den  Interessen ihrer  Mitglieder  am  besten  dienen  und
       zugleich die Macht des unternehmerischen Managements durch eigene
       ökonomische Szenarien  konterkarieren können:  "Für personell und
       finanziell gut  ausgestattete Gewerkschaften  sollte es nicht von
       vornherein unmöglich  sein, sich genug Expertisen und unternehme-
       risches Denken  anzueignen, um mit den Arbeitgebern auf deren ei-
       genem Territorium  zu konkurrieren - in einem diesmal produktiven
       Angriff auf deren Autorität." 49) Gegen die Verallgemeinerbarkeit
       der  "neuen   Produktionskonzepte"  und   des  "unternehmerischen
       Denkens" der  Gewerkschaften als erfolgreiche Strategie "sozialer
       Beherrschung" von  Rationalisierung und  neuer  Technik  sprechen
       jedoch mehrere Argumente.
       1. Die Wirksamkeit  der  "neuen  Produktionskonzepte"  beschränkt
       sich allenfalls auf Minderheiten qualifizierter Beschäftigter und
       trägt zu  ihrer "korporatistischen"  Abkoppelung von der Mehrheit
       der Lohnabhängigen bei. Die Konsequenz "erfolgreicher" Handhabung
       der neuen  Produktionskonzepte besteht  ja gerade  darin, daß die
       begrenzten Vorteile  für die  "Rationalisierungsgewinner" in  der
       Regel mit  um so größeren Nachteilen anderer Beschäftigtenkatego-
       rien erkauft werden und im Ergebnis kein nivellierender Abbau so-
       zialer und  beruflicher Ungleichheiten  stattfindet, sondern sich
       im Gegenteil  Segmentierungen und  Fragmentierungen  verschärfen.
       50)
       2. "Neue  Produktionskonzepte"  und  gewerkschaftliche  oder  be-
       triebsrätliche Partizipation  am Rationalisierungsmanagement kön-
       nen überhaupt nur dann positive Ergebnisse bringen, wenn die kon-
       junkturellen und  strukturellen Rahmenbedingungen der Kapitalver-
       wertung es  zulassen. Insofern  ist nicht  die antitayloristische
       Logik der "neuen Produktionskonzepte" die Ursache von eventuellen
       Teilverbesserungen der  Arbeitssituation, sondern diese verdanken
       sich Spielräumen  der Kapitalverwertung, die partielle Konzessio-
       nen an die Beschäftigten ökonomisch und betriebspolitisch geraten
       erscheinen lassen.  Die Krise  von Industriebranchen wie Stahler-
       zeugung und  Schiffbau  zeigt  unmißverständlich,  daß  modernste
       Technik, hohes  Qualifikationsniveau und eine traditionsgemäß po-
       sitiv normative Arbeitshaltung der Beschäftigten nicht einmal Be-
       triebsstillegungen verhindern,  geschweige denn  eine  "Reprofes-
       sionalisierung der  Industriearbeit" in  Gang setzen können, wenn
       dies nicht in Einklang mit der Profitrationalität steht. 51)
       3. Arrangements im  Umkreis "neuer  Produktionskonzepte" funktio-
       nieren nur so lange, wie die Lohnabhängigen keine über technokra-
       tische Lösungen  hinausgehenden  oder  grundsätzlichen  Ansprüche
       (wie etwa  die Forderung nach Vergesellschaftung und/oder antika-
       pitalistischer "Arbeiterkontrolle")  geltend machen.  Schon  eine
       konfliktorientierte,  auf   Durchsetzung   "traditioneller"   und
       "quantitativer" Forderungen  bestehende betriebliche  Interessen-
       vertretung bringt  die Harmonie  der "neuen  Produktionskonzepte"
       durcheinander. Zutreffend hat B. Zeuner am Beispiel des Konflikts
       zwischen dem  Management von  BMW und einigen oppositionellen Be-
       triebsräten im Motorradwerk Spandau (West-Berlin) aufgezeigt, daß
       Belegschaftsvertreter, die hartnäckig für bessere Akkordbedingun-
       gen und  Arbeitszeiten eintreten,  den  Ra-tionalitätsmythos  der
       "neuen Produktionskonzepte"  und des  Modernisierungspaktes  zwi-
       schen Unternehmensleitung  und Betriebsratsmehrheit  sichtbar  in
       Frage stellen; denn die mit dem "neuen Rationalisierungstyp" ver-
       bundenen Probleme  und Widersprüche  verweisen auf eine Ursachen-
       struktur, die tiefer liegt als die Reichweite "fortschrittlicher"
       Managementkonzepte: "Bei  BMW Berlin zeigt sich, daß die Interes-
       sen der  Dulder und  potentiellen Verlierer, hier der - 1984 noch
       mehrheitlich ausländischen  - Produktionsarbeiter,  trotz techni-
       scher Modernisierung und motivationsfreundlichem Personal-Manage-
       ment nichts von ihrer Widerständigkeit verlieren." 52)
       Kritik an  solchen gewerkschaftlichen Vorstellungen "sozialer Be-
       herrschbarkeit" des  technischen Fortschritts  zu üben,  die  auf
       konsensuale, von  Kapital und Arbeit gemeinsam getragene Lösungen
       bauen, bedeutet nicht, auf konkrete Spielräume zu verzichten, die
       sich aus  Bindungen der  Kapitalverwertung an  stoffliche und ge-
       brauchswertmäßige Bedingungen vergegenständlichter und lebendiger
       Arbeit ergeben. Insofern mag die Idee von den "neuen Produktions-
       konzepten" im  Einzelfall tatsächlich  gewisse Verbesserungen er-
       möglichen, ohne indes "die privatistischen Verengungen" kapitali-
       stischer Rationalisierung durchbrechen zu können.
       "Soziale Beherrschbarkeit"  als Leitmotiv  für eine gesamtgesell-
       schaftlich orientierte  Gestaltung der  modernen  Produktivkräfte
       setzt das  Bewußtsein voraus,  daß auf der Basis kapitalistischer
       Produktionsverhältnisse nur  Teilverbesserungen im  Kampf um  die
       Gestaltung neuer  Technik und  Rationalisierung möglich  sind und
       daß wirkliche Alternativen die Schranken des Kapitalverhältnisses
       überschreiten. Mit überzeugenden Argumenten hat M. Balder von der
       IG Druck  und Papier  davor gewarnt, die notwendige antikapitali-
       stische Dimension  von Begriffen  wie "Alternative"  und "soziale
       Beherrschbarkeit" zu  verschleiern und in integrale Aspekte kapi-
       talistischer Modernisierung umzudeuten. 53)
       Praktischer Einfluß  der Arbeiterbewegung auf Struktur und Folgen
       des "neuen Rationalisierungstyps", der die technische und soziale
       Kultur des  Arbeitsprozesses tiefgreifend  verändern wird,  setzt
       eine Politisierung  der jeweiligen Konfliktebenen und Konfliktge-
       genstände voraus. Politisierung meint hier, daß Probleme der Pro-
       duktivkraftentwicklung  eindeutig   als  Moment  antagonistischer
       Klasseninteressen verstanden  werden müssen,  die sich  nicht aus
       dem  Gesamtzusammenhang   krisenhafter  Arbeitsvergesellschaftung
       herauslösen lassen.  Dementsprechend sind Reformen der Technikge-
       staltung, Arbeitsstrukturierung  und Produktinnovation,  die sich
       ihrer eigenen  Zielstellung nach  nicht in einem Modernisierungs-
       pakt zwischen Kapital und Arbeit erschöpfen, sondern eine antika-
       pitalistische Entwicklungsperspektive  offenhalten, nur als poli-
       tische Veränderung  von Kräfteverhältnissen zwischen gegensätzli-
       chen sozialen Klassen durchsetzbar. Während der vergangenen Jahre
       hat die  Arbeiterbewegung viel  dazugelernt, was  ihre  Kompetenz
       hinsichtlich der Gestaltbarkeit der stofflichen Seite des gesell-
       schaftlichen Produktionsprozesses  anbetrifft. Die  Notwendigkeit
       einer weiteren Sensibilisierung in dieser Richtung darf aber eine
       andere Notwendigkeit nicht verdecken, nämlich die Aufgabe, an der
       Basis der  Arbeiterbewegung ein kollektives Bewußtsein zu entwic-
       keln, daß auch die Auseinandersetzung um Formen und Wirkungsweise
       der modernen  Produktivkräfte ein  politischer Kampf ist, der mit
       politischen Mitteln geführt und letztlich - im Betrieb ebenso wie
       in der Region oder auf zentraler gesellschaftlicher Ebene - durch
       politische Macht  entschieden wird. Eine lohnende Aufgabe der ge-
       sellschaftskritischen Arbeitsforschung könnte in diesem Zusammen-
       hang darin  bestehen, Anregungen  zu geben, in welchen Formen die
       abhängig Beschäftigten  als politische  Subjekte in  den Klassen-
       kampf um  die Produktivkräfte  eingreifen könnten.  Eine Belebung
       und Aktualisierung  der teils  in Vergessenheit  geratenen, teils
       erfahrungsmäßig negativ  besetzten  Diskussion  über  "Vergesell-
       schaftung",  "Mitbestimmung",  "Arbeiterkontrolle"  und  "Produk-
       tionsdemokratie" wäre dabei gewiß ein wichtiger Gegenstand.
       
       _____
       1) Vgl. zu  dieser Diskussion u.a. André Gorz, Wege ins Paradies.
       Thesen zur  Krise, Automation und Zukunft der Arbeit, West-Berlin
       1984; Lothar  Späth, Wende  in die Zukunft, Hamburg 1985; Joachim
       Hirsch, Roland  Roth, Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom For-
       dismus zum  Post-Fordismus, Hamburg  1986; Ulrich Beck, Risikoge-
       sellschaft. Auf  dem Weg  in eine  andere  Moderne,  Frankfurt/M.
       1986; aus  marxistischer Sicht  Albert Engelhardt, Bundesrepublik
       2000. Umbruch - Alternativen - Zukunft, Köln 1986.
       2) Vgl. im  folgenden Norbert  Altmann, Manfred Deiß, Volker Döhl
       und Dieter  Sauer, Ein "Neuer Rationalisierungstyp" - neue Anfor-
       derungen an  die  Industriesoziologie.  In:  Soziale  Welt,  Heft
       2/3/1986, S. 189-208.
       3) Ebenda, S. 191.
       4) Ebenda, S. 201.
       5) Vgl. Martin  Baethge, Herbert Oberbeck, Zukunft der Angestell-
       ten. Neue  Technologien und  berufliche Perspektiven  in Büro und
       Verwaltung, Frankfurt/M. 1986.
       6) Ebenda, S. 21/22.
       7) Vgl. Horst  Kern, Michael  Schumann, Das  Ende der Arbeitstei-
       lung? Rationalisierung in der industriellen Produktion: Bestands-
       aufnahme, Trendbestimmung, München 1984, S. 43.
       8) Vgl. ebenda, S. 40 ff.
       9) André Leisewitz,  Flexibilisierung und Kontrolle. Neue Techno-
       logien und  Veränderungen der  Betriebsstrukturen am Beispiel der
       Automobilindustrie. In:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des IMSF
       7, Frankfurt/M. 1984, S. 179.
       10) Vgl. Rainer  Einenkel, Wissenschaftlich-technische Revolution
       am Beispiel eines Großbetriebs der Automobilindustrie. In: Marxi-
       stische Blätter,  6/1986, S. 24/25. (Vgl. auch den Beitrag von R.
       Einenkel und G. v. Randow in diesem Band.)
       11) Ebenda, S. 25.
       12) Vgl. Wolfgang Müller, Mit CIM-Salabim in die Fabrik 2000. In:
       Unsere Zeit, 19. 12. 1986, S. 12.
       13) Vgl. Werner  Olle, Neue  Dimensionen der Produktionslogistik.
       Die Zukunft  hat schon begonnen. In: WSI-Mitteilungen, 4/1986, S.
       312 ff.
       14) Vgl. zur Entstehung von "kanban" Michael J. Piore, Charles F.
       Säbel, Das  Ende der Massenproduktion. Studie über die Requalifi-
       zierung der  Arbeit und  die Rückkehr der Ökonomie in die Gesell-
       schaft, West-Berlin 1985, S. 224.
       15) Vgl. Werner Olle, a.a.O., S. 315.
       16) Vgl. Dieter  Seitz, Rationalisierung  und  Beschäftigungsent-
       wicklung in  der Serienmontage.  In: WSI-Mitteilungen  2/1986, S.
       59.
       17) Dieser Begriff  ist von Horst Kern, Michael Schumann in "Ende
       der Arbeitsteilung?" entwickelt worden.
       18) Projektgruppe Automation  und Qualifikation, Widersprüche der
       Automationsarbeit. Ein Handbuch, West-Berlin 1987, S. 57/58.
       19) Hartmut Hirsch-Kreinsen,  Roland Springer,  Alternativen  der
       Arbeitsorganisation bei CNC-Einsatz. In: VDI-Zeitschrift, 5/1984,
       S. 114  ff.; ähnlich  auch Roland  Springer, Die Entkoppelung von
       Produktions- und Arbeitsprozeß. Zur Gestaltbarkeit von Arbeitsor-
       ganisation - dargestellt am Beispiel des Maschinenbaus. In: Zeit-
       schrift für Soziologie, 1/1987, S. 33-43.
       20) Michael Hartmann,  Dequalifizierung oder Requalifizierung der
       Arbeit? -  Über das  Theorem der  "reellen Subsumtion".  In:  Le-
       viathan, 2/1985, S. 282.
       21) Ebenda, besonders S. 285 ff.
       22) Rudi Schmiede, Bodo von Greiff, Industriesoziologie als posi-
       tive Geschichtsphilosophie?  Über die  "Trendwende" in  der Indu-
       striesoziologie und den Begriff der "reellen Subsumtion". In: Le-
       viathan, 2/1985, S. 300.
       23) Vgl. Michael Hartmann, a.a.O., S. 289.
       24) Vgl. im  folgenden Wolfgang Littek, Ulrich Heisig, Rationali-
       sierung von Arbeit als Aushandlungsprozeß. Beteiligung bei Ratio-
       nalisierungsverläufen im  Angestelltenbereich. In:  Soziale Welt,
       Heft 2/3/1986, S. 237-262.
       25) Ebenda, S. 255.
       26) Ebenda, S. 254 (Hervorh. im Orig.).
       27) Martin Baethge, Herbert Oberbeck, a.a.O., S. 289.
       28) Ebenda, S. 290.
       29) Nach: IMSF-Autorengruppe, Wissenschaftlich-technische Revolu-
       tion und  staatsmonopolistischer Kapitalismus  der BRD:  Aktuelle
       Widersprüche und  Konflikte  in  den  Klassenbeziehungen  und  im
       staatlich-politischen System. Vorbereitungsmaterial zur gemeinsa-
       men Konferenz  von IMEMO  (Moskau), IPW  (Berlin/DDR)  und  IMSF:
       "Wissenschaftlich-technische Revolution und Krise des staatsmono-
       polistischen   Kapitalismus",    Frankfurt/M.,   1987,    S.    6
       (Veröffentlichung in  der Reihe  "Arbeitsmaterialien des IMSF" in
       Vorbereitung).
       30) Vgl. Bernd  M. Semmler, Die Großbetriebe und ihre Belegschaf-
       ten. Angaben zum großbetrieblichen Sektor der Bundesrepublik. In:
       Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, Frankfurt/M. 1984, Ta-
       belle 8, S. 167, eigene Berechnungen.
       31) Auszunehmen sind  hier z.B.  platten Optimismus propagierende
       Studien wie  die im  Auftrag von "Gesamtmetall" durchgeführte Un-
       tersuchung von  Gerhard Schmidtchen, Menschen im Wandel der Tech-
       nik. Wie  bewältigen die  Mitarbeiter in  der Metallindustrie die
       Veränderungen der Arbeitswelt?, Köln 1986.
       32) Wolfgang Fach,  Ulrich Weigel,  Die Lücke  als Leistung. Über
       das lautlose  "Ende der  Arbeitsteilung". In: Zeitschrift für So-
       ziologie, Heft 2/ 1986, S. 137.
       33) Vgl. dazu  Lothar Peter,  Polarisierung oder Höherqualifizie-
       rung? Zur  Kontroverse um den Zusammenhang von Produktivkraftent-
       wicklung, wissenschaftlich-technischem  Fortschritt und  Arbeits-
       qualifikation. In:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF  4,
       Frankfurt/M. 1981.
       34) Vgl. IG  Metall, "Maschinen wollen sie - uns Menschen nicht."
       Rationalisierung in der Metallwirtschaft, Frankfurt/M. 1983.
       35) Martin Baethge,  Herbert Oberbeck, a.a.O., S. 36 (Hervorh. im
       Orig.). Zur Überschätzung der Reprofessionalisierungstendenz ins-
       besondere bei Kern/Schumann vgl. auch Thomas Maisch/Rüdiger Seltz
       (Hrg.), Die neuen Produktionskonzepte auf dem Prüfstand. Beiträge
       zur Entwicklung der Industriearbeit, West-Berlin 1987.
       36) Vgl. Karl  Marx, Das  Kapital, Erster Band, Marx-Engels-Werke
       (MEW), Bd. 23, Berlin/DDR 1962, S. 460 (Marx zitiert A. Ure).
       37) Vgl. Norbert Altmann u.a., a.a.O., S. 203.
       38) Vgl. die  Ergebnisse der Rationalisierungserhebung der IG Me-
       tall, "Maschinen wollen sie - uns Menschen nicht", a.a.O.
       39) Vgl. Hartmut Hirsch-Kreinsen, Voraussetzungen und Bedingungen
       für Werkstattprogrammierung.  In: WSI-Mitteilungen, 1/1985, S. 33
       ff.
       40) Ebenda, S. 34: "In den Betrieben wird freilich die Realisier-
       barkeit der  Werkstattprogrammierung insgesamt sehr zurückhaltend
       eingeschätzt. Dies  reicht von  expliziter Ablehnung  und starken
       Vorbehalten auf  der Managementseite bis hin zu zumindest starker
       Skepsis bei vielen Betriebsratsmitgliedern."
       41) Vgl. Flexible  Menschen oder flexible Maschinen? Gespräch mit
       Betriebsräten der  Plakatgruppe bei Daimler-Benz. In: Eckard Hil-
       debrandt, Eberhard  Schmidt, Hans  Joachim Sperling  (Hg.), High-
       Tech-down, Kritisches  Gewerkschaftsjahrbuch 1986/87, West-Berlin
       1986, S. 39-47.
       42) Vgl. zur  theoretischen Begründung  der Taylorisierungs-  und
       Fordisierungs-These z.B.  Rudi Schmiede, Abstrakte Arbeit und Au-
       tomation. Zum  Verhältnis  von  Industriesoziologie  und  Gesell-
       schaftstheorie. In: Leviathan, 1/1983, S. 50 ff.
       43) Vgl. Frigga  Haug, Verelendungsdiskurs  oder Logik der Krisen
       und Brüche? Marx neu gelesen vom Standpunkt der Arbeitsforschung.
       In: Detlev Albers u.a., Aktualisierung Marx', Argument-Sonderband
       AS 100, West-Berlin 1983.
       44) Vgl. Roland Springer, a.a.O.
       45) Vgl. dazu den Beitrag von Hellmuth Lange in diesem Band.
       46) Vgl. Siegfried  Bleicher, Solidarität  2000. Neun  Thesen zur
       selbstkritischen Diskussion der Angestelltenpolitik in der IG Me-
       tall. In: Sozialismus, 3/1987.
       47) IG Metall,  Aktionsprogramm: Arbeit  und Technik. "Der Mensch
       muß bleiben!", Frankfurt/M. 1984, S. 6.
       48) Verlierer und  Gewinner. Neue  Technologien, Arbeitnehmer und
       Gewerkschaften. In:  Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, 3/1985,
       S. 203.
       49) Wolfgang Streeck, Kollektive Arbeitsbeziehungen und industri-
       eller Wandel: Das Beispiel der Automobilindustrie, Discussion Pa-
       per IIM/LMP 86-2, Wissenschaftszentrum West-Berlin 1986, S. 28.
       50) Vgl. dazu  kritisch Josef Esser, Gewerkschaften in der Krise.
       Die Anpassung der deutschen Gewerkschaften an die Weltmarktbedin-
       gungen, Frankfurt/M.  1982; vgl.  zu konkreten Segmentierungsaus-
       wirkungen bei Einführung neuer Technologien die Beiträge von Man-
       fred Muster  und Ulrich Briefs, in: ASTA d. Universität Göttingen
       (Hrsg.), Menschen ohne Arbeit - Arbeit ohne Menschen? Die Zukunft
       der Automobilindustrie, Göttingen 1986.
       51) Vgl. Norbert Arndt, Gero von Randow, Zukunft der Stahlarbeit.
       In: Marxistische Blätter, 4/1987.
       52) Bodo Zeuner,  Vier gegen  die  arbeitgeberfreundliche  "Mann-
       schaft der  Vernunft". Der  BMW-Fall - ein Lehrstück über gewerk-
       schaftliche Probleme  / Eine  Weltfirma versucht  unbequemen  Be-
       triebsrat loszuwerden. In: Frankfurter Rundschau (Dokumentation),
       6.5.1987 (Nr. 104), S. 10.
       53) Vgl. Manfred  Balder, Skepsis  gegen soziale Beherrschbarkeit
       neuer Technologien.  In: Nachrichten zur Wirtschafts- und Sozial-
       politik, 1/1986, S. 20 ff.
       

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