Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       EIGENTUM UND HEGEMONIE
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       Heinz Jung
       
       1. Verheißung  des bürgerlichen  Umbruchs - 2. Privateigentumsin-
       teressen als  Grundlagen des revolutionären Blocks - 3. Der Wech-
       sel des Hegemonietyps und seiner Grundlagen
       
       1. Verheißung des bürgerlichen Umbruchs
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       Am Beginn  der Herrschaft der Bourgeoisie steht für breite Volks-
       massen die  Verheißung des von feudalen Fesseln befreiten Privat-
       eigentums als  Grundlage der  Existenzsicherung und  Individuali-
       tätsentfaltung und  einer neuen  Gesellschaft. Mit der Herrschaft
       der Bourgeoisie  verliert diese  Verheißung mehr  und  mehr  ihre
       reale Grundlage,  denn Durchkapitalisierung  der Gesellschaft be-
       deutet die Negierung des auf individueller Arbeit beruhenden Pri-
       vateigentums. Durchkapitalisierung  schafft  eine  hochvergesell-
       schaftete Großproduktion  und Wirtschaft  auf der  Grundlage  der
       Lohnarbeit, wie  sie heute im entwickelten Kapitalismus, den Län-
       dern des  staatsmonopolistischen Kapitalismus  besteht. Damit ist
       das Programm gesellschaftlicher Erneuerung an die Abschaffung des
       Systems kapitalistischer  Lohnarbeit im  Prozeß der  Umgestaltung
       einer hochvergesellschafteten Wirtschaft geknüpft. Existenzsiche-
       rung, Emanzipation  und  Individualitätsentfaltung  können  somit
       nicht mehr,  wie man seit Karl Marx und Friedrich Engels weiß, an
       das Privateigentum  gebunden sein, sondern setzen dessen Überwin-
       dung voraus.
       Von der  Großen Französischen Revolution, in der das mit dem Pri-
       vateigentum  verbundene   Interesse  seine   revolutionäre  Rolle
       spielte, trennen  uns heute zwei Jahrhunderte. Sie gilt nicht nur
       als die  klassische Revolution  im bürgerlichen Revolutionszyklus
       1), sondern sie war auch die letzte, in der die Bourgeoisie unter
       dem Druck  in Bewegung  gekommener Volksschichten ihre revolutio-
       näre Rolle  noch voll  realisieren konnte. Alle nachfolgenden Um-
       wälzungen finden  schon unter den Bedingungen des Gegensatzes von
       Lohnarbeit und  Kapital und einer Arbeiterklasse statt, die nicht
       mehr nur  als Schatten  hinter den radikalen Bourgeois steht, wie
       weiland die Enrages und Volksrevolutionäre hinter den Jakobinern,
       sondern  die  eine  antikapitalistische  Alternative  verkörpert.
       Gleichwohl bleibt  infolge der  Sozialstruktur  der  Gesellschaft
       noch über  das ganze  19. Jahrhundert das Eigentumsinteresse eine
       wesentliche Grundlage  der hegemonialen Rolle der Bourgeoisie und
       ihrer Klassenherrschaft.  Bis heute haben sich die Grundlagen und
       Mechanismen der  Klassenherrschaft in  vieler Hinsicht verändert.
       Dies deutlich zu machen, kann auch der Blick auf die Französische
       Revolution dienlich sein.
       Die Führerschaft  in einem revolutionären Block hat viele Voraus-
       setzungen und Aspekte 2). Grundlegend ist, ob und wie Interessen-
       gemeinsamkeiten Basis  eines sozialen  und politischen Bündnisses
       werden und  wie aus  der Verallgemeinerung  dieser Interessen ge-
       sellschaftliche Alternativen  und Deutungsmuster hervorgehen, die
       Bindewirkung auf die unterschiedlichen Kräfte des Bündnisses oder
       Blocks haben.  Dabei kommt  der Ideologie  und dem  ideologischen
       Kampf eine  zentrale Rolle  zu, für deren Wirkungsintensität kul-
       turelles Milieu  und Klima  deshalb entscheidend  sind, weil  sie
       wichtige Konstitutionsmomente  des Alltagslebens  sind.  Insofern
       ist die  kulturelle Hegemonie der Vorraum politischer und ideolo-
       gischer Führerschaft. Für diese Beziehungen liefert die Französi-
       sche Revolution bis heute lebendiges Anschauungsmaterial.
       Sicher wirft  die vorliegende  Abhandlung den Blick nur auf einen
       Aspekt des  Revolutionsprozesses, der  immer als Totalität aufge-
       faßt werden  muß. Die  Einseitigkeit soll jedoch in Kauf genommen
       werden. Denn  zum einen  vermag eine solche Optik den bürgerlich-
       demokratischen Charakter  der Revolution  in ihren  aufsteigenden
       Phasen deutlich  zu machen,  zum anderen  erhellt sie  die völlig
       veränderten Voraussetzungen  grundlegender gesellschaftlicher Um-
       gestaltungen im entwickelten Kapitalismus der Gegenwart.
       In den  aufsteigenden Phasen  der Französischen Revolution speist
       die Radikalisierung des Eigentumsinteresses auch die Radikalisie-
       rung des  politischideologischen Kampfes.  Sie führt  zum Wechsel
       der Führungsgruppen  der Bourgeoisie  und drängt deren energisch-
       sten und  konsequentesten Flügel zum Bündnis mit den Volksschich-
       ten. Die  Wendepunkte markieren  jeweils die großen Volksbewegun-
       gen, weil nur sie in der Lage sind, Blockadesituationen aufzubre-
       chen und  der Revolution  neuen Spielraum  zu schaffen.  Erst die
       Wechselwirkung von Volksbewegung und bürgerlichen Führungsgruppen
       verleiht dem  revolutionären Strom Durchschlagskraft und histori-
       sche Wirksamkeit. Sobald die Volksbewegungen nicht in den politi-
       schen Raum  stoßen können, enden sie im Mahlstrom der rückfluten-
       den Revolutionswelle,  wie es sich deutlich bei den Germinal- und
       Prairialaufständen des  Jahres 1795 zeigte. Auf der anderen Seite
       verlieren die radikalen Bourgeoisfraktionen ihren Einfluß, sobald
       sie von  den Volksbewegungen getrennt sind. Deshalb war die Peri-
       ode der  "Jakobiner mit  dem Volk"  (Lenin) Höhepunkt der Revolu-
       tion. Dies  verweist darauf, daß zu dieser Zeit die Autonomie der
       Volksbewegungen nur  relativ sein konnte, weil gesellschaftlicher
       Fortschritt nur im Rahmen des bürgerlichen Eigentums möglich war,
       deshalb die  weitertreibenden und  "grenzüberschreitenden" Kräfte
       den Gang  der Entwicklung  nicht in eine grundlegend andere Rich-
       tung drängen konnten. Gleichwohl kann es kaum einen Zweifel daran
       geben, daß  der revolutionäre  Überschuß - gespeist vor allem aus
       Interessen bäuerlicher, plebejischer und vorproletarischer Volks-
       massen -  ein wichtiges Moment der Vertiefung des Revolutionspro-
       zesses und  in dessen  Ergebnis jenes  Entwicklungsweges war, den
       der Kapitalismus in Frankreich gehen mußte.
       Die Grundfrage der Großen Französischen Revolution war die Lösung
       der Agrarfrage  im Interesse  der Bourgeoisie und der bäuerlichen
       Schichten der  Gesellschaft. Zu  Beginn der Revolution lebten von
       den 25  Millionen Einwohnern  Frankreichs 20  Millionen  auf  dem
       Lande und  von der  Landwirtschaft. Die  Befreiung der  Landwirt-
       schaft und  des bäuerlichen  Eigentums von den Bürden und Fesseln
       des Feudalsystems  mußte das  Hauptwerk der Revolution sein. Dies
       schloß die  Umverteilung des  Grundeigentums  zu  den  ökonomisch
       stärkeren bäuerlichen Schichten und zur Bourgeoisie ein.
       Dieser Prozeß  schuf der  Revolution die  wesentliche Massen- und
       Interessenbasis, und  deren Bedrohung  und Blockade durch die in-
       nere und  äußere Konterrevolution  führte zur Radikalisierung der
       Eigentümerinteressen und  wurde Grundlage der aufsteigenden Linie
       der Revolution  und der Momente der Kontinuität bis zum Sturz Na-
       poleons. So  konnten Marx  und Engels  festhalten: "Das Interesse
       der  Bourgeoisie  in  der  Revolution  von  1789  ...  hat  alles
       'gewonnen' und  hat den 'eingreifendsten Erfolg' gehabt... Dieses
       Interesse war so mächtig, daß es die Feder eines Marat, die Guil-
       lotine der  Terroristen, den Degen Napoleons wie das Kruzifix und
       das Vollblut der Bourbonen siegreich überwand." 3)
       Die Bewegung der städtischen Volksschichten - im Kern die vorpro-
       letarischen Lohnarbeiter, die Handwerker, Händler, Kleinunterneh-
       mer, unteren Angestellten und Beamten usw. -, die sich sozial und
       politisch als  Sansculotterie 4)  darstellten, speiste sich eben-
       falls aus  antifeudalen Quellen.  Von ihnen  mußte jedoch  ein in
       vieler Hinsicht stärkerer Druck auf die bürgerliche Eigentumsord-
       nung ausgehen,  weil nur  mittels politischer und administrativer
       Eingriffe und  Maßnahmen ihre Lebensgrundlage sichergestellt wer-
       den konnte. In das Zentrum rückte hier die Lebensmittelfrage. 5)
       
       2. Privateigentumsinteressen als Grundlagen
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       des revolutionären Blocks
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       Interessenkanon der bürgerlichen Ordnung
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       In der "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" der konstituie-
       renden Versammlung  vom 26.8.1789 wurden "Freiheit, Eigentum, Si-
       cherheit und  Widerstand gegen  Unterdrückung" als natürliche und
       unveräußerliche Menschenrechte  deklariert und  das Eigentum  zum
       "unverletzlichen und  heiligen Recht" erhoben. 6) Marx und Engels
       kommentierten dies  wie  folgt:  Die  liberalen  Privateigentümer
       "gaben im Anfange der französischen Revolution dem Privateigentum
       einen liberalen  Schein, indem  sie es  für ein Menschenrecht er-
       klärten. Sie  waren hierzu  schon durch ihre Stellung als revolu-
       tionierende Partei  gezwungen, sie  waren  sogar  gezwungen,  der
       Masse des  französischen (Land)volks  nicht nur das Recht des Ei-
       gentums zu  geben, son(dern  a)uch wirkliches  Eigentum nehmen zu
       lassen, und  sie konnten  dies Alles tun, weil dadurch ihr eignes
       'Wieviel', worauf  es ihnen  hauptsächlich ankam, unberührt blieb
       und sogar sichergestellt wurde." 7)
       Die Deklaration drückte in verallgemeinerter Form den Interessen-
       kanon der bürgerlichen Ordnung aus. Die verallgemeinerte Form ist
       jedoch immer  der unterschiedlichen  Interpretation  entsprechend
       unterschiedlicher Interessen und Kräfteverhältnisse offen. Außer-
       ordentliche Bedeutsamkeit erlangten für die revolutionäre Ideolo-
       gie die  Vorstellungen von  J.J. Rousseau  8), weil sie sowohl im
       Konzept von Allgemeininteresse, Gemeinwohl und Tugend als auch in
       der Fassung von Gleichheit und Eigentum die Grundlage für den po-
       litisch-ideologischen  Hegemonietyp  des  revolutionär-demokrati-
       schen Jakobinerstaates  von 1793/94  abgeben und den republikani-
       schen Eigentümeregalitarismus  begründen konnten.  Besonders galt
       dies für  den Brückenschlag  zwischen  Volksschichten  und  Bour-
       geoisie in  der Sozialpolitik. Da auch dieser Hegemonietyp, trotz
       gelegentlicher Grenzüberschreitungen  und terroristischer Maßnah-
       men gegen  Spekulationskapitalisten, den  Rahmen des Privateigen-
       tums generell  nicht verließ,  konnte er  von der  Bergpartei dem
       Konvent, in  dem das  bürgerliche Eigentunisinteresse dominierte,
       aufgezwungen werden.
       
       Die Agrarfrage: Grundeigentum für wen?
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       Schon Michelet,  Kropotkin 9)  u.a. hatten  darauf aufmerksam ge-
       macht,   daß    aus   der    Optik   der    Nationalversammlungen
       (konstituierende und  gesetzgebende Versammlung, Nationalkonvent)
       die Revolution  nicht verstanden werden kann, selbst wenn man be-
       denkt, daß hier ein Optimum an revolutionärer Energie freigesetzt
       wurde. Das  galt besonders  für die  Agrarpolitik, die  unter dem
       Druck der  realen Bewegungen  auf dem  Lande, der fünf Jacquerien
       der französischen  Bauern, stand 10), wobei die regionalen Eigen-
       tümlichkeiten ein  buntscheckiges Bild der Bauernbewegung bewirk-
       ten.
       Ohne die  Bewegung der "großen Furcht" hätte die Nacht des 4. Au-
       gust 1789,  in der  Adel, Kirche,  Provinzen u.a.  freiwillig auf
       ihre Feudalprivilegien verzichteten, kaum stattgefunden. Das galt
       analog für  die nachfolgenden  Gesetze der  Versammlungen. Es be-
       durfte entweder des Drucks der Bauernbewegungen und der von ihnen
       schon geschaffenen  Tatsachen  oder  der  Zuspitzung  der  Bedro-
       hungssituation, um  die Versammlungen  bzw. die  jeweils führende
       Gruppe zu Taten zu drängen. Schließlich darf nicht vergessen wer-
       den, daß  am 2.  Juni 1793  erst die  Girondisten gestürzt werden
       mußten, damit  der Konvent am 17.7.1793 das Dekret über die voll-
       ständige und entschädigungslose Abschaffung der Feudalrechte ver-
       abschiedete.
       Herausragend, weil  in der  ersten Phase der Revolution stattfin-
       dend, war  die Bewegung  der "großen Furcht", in deren Gefolge es
       zur spontanen  Volksbewaffnung und antifeudalen Aktionen der Bau-
       ern kam, gegen die die Nationalgarden der Städte vielfach vorgin-
       gen. Von  ähnlicher Bedeutung  war die  Bauernbewegung  im  Osten
       Frankreichs im Zusammenhang mit der Flucht der Königsfamilie nach
       Varennes im  Juni 1791,  die nun  allen Kräften  mit einem Schlag
       deutlich machte,  wo die  Massenbasis der Revolution lag, nämlich
       beim 'guten Landvolk der Franzosen'.
       Diese Bewegung  machte ebenfalls  offenkundig, welche massenwirk-
       same Kraft  der Patriotismus  gerade bei den Bauern geworden war,
       und dies nicht zuletzt deshalb, weil sie von der Intervention der
       Österreicher und Preußen zur Stützung des Thrones nichts Gutes zu
       erwarten hatten.  Dies waren faktisch die Tage, an denen das Volk
       sein Urteil  über die  Monarchie und  Ludwig XVI.  sprach und von
       denen an das Nebeneinander von Hof und Versammlung als der Insti-
       tutionen der  Verallgemeinerung der Interessen Frankreichs zuneh-
       mend unverträglich  wurde und  die Basis  eines konstitutionellen
       Kompromisses nach englischem Vorbild immer mehr schwand.
       Mußte sich  also unter  diesen Bedingungen  das bäuerliche Eigen-
       tumsinteresse radikalisieren,  so galt  dies zugespitzt  für  das
       neue Eigentum,  das aus dem Verkauf der nationalisierten Kirchen-
       güter entstand. Hier hatte schon Michelet eine Triebfeder der po-
       litischen Radikalisierung  der Jakobiner und später des Konventes
       gesehen. "Die  Jacobiner werden  zu Käufern, die Käufer werden zu
       Jacobinern." "Denn schließlich, was bedeutete dieser Verkauf? Daß
       eine Unmenge  von Menschen  ihr Glück  an die revolutionäre Sache
       gehängt hatten,  mehr vielleicht  als ihr  Glück, ihr  Leben, und
       mehr noch  als ihr  Leben, das Schicksal ihrer Familien." Hieraus
       erklärte sich  das schnelle Anwachsen der Jakobinergesellschaften
       1791 von 400 auf über 1000. Diese verloren ihren akademischen Zu-
       schnitt, denn  nach vorn kamen Männer der Tat" Geschäftsleute und
       Spekulanten, die  sich bis  an den Hals in diese gefährliche Aus-
       beutung der Nationalgüter eingelassen hatten, (sie) kamen sich in
       ihren eigenen  Augen durch die Begeisterung erhoben vor, verfolg-
       ten mit Luchsaugen den verworrenen Faden der Revolution, stellten
       die ätzende  Bitterkeit des  Spekulanten in  Gefahr in den Dienst
       der Ideen."  "Die Güter des Klerus kaufen, teilen und wieder tei-
       len, das  war der  tödlichste Krieg,  den man der Gegenrevolution
       erklären konnte."  "Wenn es sein mußte, waren sie bereit, mit der
       Revolution unterzugehen,  und andererseits  bereicherten sie sich
       durch sie."  11) Dies  erhellt sehr anschaulich, welche politisch
       revolutionäre Rolle das Eigentum in jener Periode zu spielen ver-
       mochte.
       Schon am 2.11.1789 hatte die konstituierende Versammlung die Kir-
       chengüter, einschließlich  der Gebäude, nationalisiert. Sie mach-
       ten etwa  10 Prozent des Bodenfonds Frankreichs aus. Später kamen
       die Güter  des emigrierten  Adels hinzu und Ländereien der Krone.
       Ihr Verkauf hatte sozialpolitische und finanzpolitische Ursachen.
       Zum einen  ging es um die Umschichtung des Grundeigentums und die
       Erweiterung und  Festigung der sozialen Basis der Revolution, zum
       anderen um  die Finanzierung der Staatsausgaben, die mit den Auf-
       wendungen für  die Kriegsführung,  die Ausrüstung und Verpflegung
       der neu  ausgehobenen und  mobilisierten Massenarmeen  sprunghaft
       anstiegen. Nach  der Zerschlagung  des feudalen Steuer- und Abga-
       bensystems konnte  sich nicht so schnell ein neues, durch die Ge-
       wohnheit befestigtes  Steuersystem durchsetzen.  Als wichtige Fi-
       nanzierungsquelle verblieb  somit der  Verkauf der  Nationalgüter
       und die Einführung und Ausweitung der Assignatenzirkulation, also
       Papiergeldes, das  auf die nationalisierten Bodenfonds ausgegeben
       wurde. Um  breite bäuerliche  Schichten zum  Kauf zu bewegen, be-
       durfte es  der sukzessiven Stückelung der Parzellen und der Assi-
       gnaten.
       Was die Säkularisierung des Kirchenbesitzes betrifft, so fand sie
       häufig schon  im Zuge der Durchsetzung des Absolutismus statt und
       machte, wie  in England, den Weg zur Schaffung einer Nationalkir-
       che frei, was auch die ökonomische Entmachtung des "Papismus" als
       ausländischer Agentur  zur Voraussetzung  hatte und dem sich for-
       mierenden bürgerlichen  Patriotismus entgegenkam.  Auch  für  die
       Konfiskation des Eigentums von Staatsfeinden und Emigranten hatte
       die Geschichte  schon viele Beispiele geliefert. In der Französi-
       schen Revolution  verschmolzen nun die Eigentumsaspekte unmittel-
       bar mit dem Kampf um die politische Macht und ihre Sicherung.
       Die Unverletzlichkeit  des aus dem Kauf von Kirchen- und Emigran-
       tengütern entstandenen  neuen Eigentums  wurde auch von den Nach-
       thermidorverfassungen ausdrücklich garantiert. 12) Das damit ver-
       bundene Interesse  setzte der Kompromißfähigkeit der Republik der
       Thermidorianer,  die   ja  immerhin   noch  eine   Republik   der
       "Königsmörder"  war,  gegenüber  den  Royalisten  und  Emigranten
       ebenso ihre  Grenzen wie  dem Direktorat, dem Konsulat und später
       Napoleon. Selbst  die Charte  der zurückgekehrten Bourbonen mußte
       ihm Rechnung  tragen. 13)  Immerhin wurden  im Juli 1795 nach der
       Zerschlagung des  Landungsversuches  der  Emigranten  auf  Quibe-
       ron/Bretagne etwa  1800 Gefangene  erschossen 14), mehr Personen,
       als selbst  während des  "Großen Terrors"  unter den Gesetzen des
       22. Prairial 1794 in Paris abgeurteilt worden waren. 15)
       Zwar wurden die Volksbewegungen und die Sansculotterie, besonders
       von Paris,  als politischer Faktor ausgeschaltet, aber es war nun
       die Armee,  die einen konsequenten Antiroyalismus politisch-ideo-
       logisch proklamierte  und den  Regierungen aufzwang  -  eben  die
       Söhne der  Bauern und Sansculotten, vielfach die aktiven Teilneh-
       mer der  Revolutionsbewegungen, die,  wie bekannt,  nicht nur die
       unteren Offiziersränge  einnahmen und  bei denen Patriotismus und
       Eigentümerinteressen eins waren.
       Mit der  Vertiefung volksrevolutionärer Prozesse, dem Sturz alter
       Autoritäten, denen neue noch nicht nachgefolgt waren, und dem Ab-
       räumen des  Feudaleigentums und seiner Bindungen kamen auch spon-
       tane Umverteilungsprozesse in Gang, die das Bürgertum und die Be-
       sitzenden schlechthin in Schrecken versetzten. Der Druck des bäu-
       erlichen Privatinteresses  machte nun  auch vor  dem bürgerlichen
       Grundeigentum und  dessen Ausbeutungsformen  nicht mehr halt. Der
       Kampf gegen  die Aristokraten dehnte sich spontan auf die Reichen
       aus, die  eine laue  Haltung hatten und das Ancien régime zurück-
       wünschten. Dies  galt etwa  für die  Periode nach  dem 10. August
       1792, dem  Sturm auf  die Tuilerien,  zugespitzt während und nach
       den Septembrisaden  Anfang September  1792 und  ebenso  nach  dem
       Sturz der  Girondisten am  2. Juni  1793. Dies veranlaßte die ge-
       setzgebende Versammlung  bzw. den Konvent auf der einen Seite zur
       Unterstreichung der  Eigentumsgarantien, auf  der  anderen  Seite
       aber auch  zum Eingehen  auf die  Forderungen der bäuerlichen und
       städtischen Volksbewegungen.
       Was den  Agrarsektor betrifft, so wurde die Agitation für das so-
       genannte Ackergesetz 16), d.h. das Eintreten dafür, daß der Boden
       allen gehört,  daß jeder das Recht auf Boden hat und er dem gehö-
       ren soll,  der ihn bearbeitet, durch den Konvent am 13.3.1793 un-
       ter die  Todesstrafe  gestellt.  Damit  erfolgten  gegenüber  den
       Volksbewegungen eindeutige Grenzmarkierungen.
       Die weitestgehenden  Agrarmaßnahmen enthielten die von Saint-Just
       begründeten Ventöse-Dekrete  (26.2.  und  3.3.1794),  wonach  be-
       schlagnahmte und  nationalisierte Emigrantengüter  nicht mehr nur
       verkauft, sondern  unentgeltlich an die armen Bauern und verdien-
       ten Patrioten  verteilt werden sollten. Saint-Just: "Wer sich als
       Feind seines  Landes gezeigt  hat, kann  nicht  Eigentümer  darin
       sein. Entschädigen  wir die  Notleidenden mit  dem Gut der Feinde
       der Revolution." 17) Trotz der Annahme durch den Konvent, der sie
       gewissermaßen duckend  passieren ließ, kamen sie nicht zur Anwen-
       dung, weil  sie für  die damalige Situation eine Grenzüberschrei-
       tung darstellten,  massiv auf  das bürgerliche Eigentumsinteresse
       stießen  und   deshalb  selbst   von  den   Vollzugsorganen   der
       robespierristisch hegemonialisierten  Republik in  der  Schublade
       gelassen wurden.  Nach Michelet  fand man bei Saint-Just nach der
       Verhaftung am  9. Thermidor  1794 einen Zettel mit der Bemerkung:
       "Man soll  nicht das  Eigentum verteilen,  sondern das Pachtgeld"
       18), also den Vorschlag zur Korrektur der Ventöse-Dekrete. Bilan-
       ziert man  die Ergebnisse  der bäuerlichen  Revolution, dann zer-
       brach sie  "die feudal-seigneurale Bodenbesitzstruktur und reali-
       siert eine  partielle Umverteilung  des Bodens zugunsten der Bau-
       ern, erweitert  und festigt den bäuerlichen Besitz sowie die bäu-
       erliche Wirtschaft." 19)
       
       Die städtischen Volksschichten: Lebensmittelfrage im Zentrum
       ------------------------------------------------------------
       
       Für die  städtischen Volksschichten  stellte sich  die Eigentums-
       frage in  differenzierter Weise entsprechend ihrer inneren sozia-
       len Struktur.  Verbindender Nenner wurden Fragen der ökonomischen
       und sozialpolitischen  Regulierung und  besonders der  Versorgung
       mit Lebensmitteln.  Schon die  gesamtnationale Krise  1788/89 war
       eng mit  der Verschlechterung  der  Lebenslage  verbunden.  Dabei
       rückte die  Lebensmittelfrage ins  Zentrum. Somit wurden die ele-
       mentaren Lebensbedürfnisse eine erstrangige Schubkraft der Volks-
       bewegung und  ihrer Radikalisierung. Sie verflochten sich mit De-
       mokratisierungsforderungen. Sie  nahmen im Verlauf der Revolution
       an Bedeutung  zu. Schon beim Zug der Pariser Frauen nach Versail-
       les am  4./5.10.1789 spielten  sie eine  erstrangige  Rolle.  Die
       Heimholung des Königs nach Paris verknüpfte sich mit der Vorstel-
       lung, daß sich damit die Lebensmittelversorgung verbessern werde.
       Für die  Einbeziehung der  Frauen in  die Volksbewegungen und für
       ihr selbständiges  Auftreten war die Lebensmittelfrage ein Haupt-
       antrieb. 20)
       Zu beachten ist ebenfalls, daß sich mit der Auflösung des Feudal-
       systems und  seiner Institutionen sowie der Emigration von Teilen
       des Adels  die  mit  der  Luxusproduktion  und  den  persönlichen
       Diensten verbundenen Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem in Pa-
       ris verminderten.  Mit dem Wegfall der alten Armenfürsorge wurden
       die neuen  Institutionen, vor  allem die  Kommune von  Paris, zum
       Adressaten der  Forderungen nach  Arbeit und  Brot. Die Dimension
       des Problems  wird daran deutlich, daß für die Zeit des Revoluti-
       onsbeginns die  Zahl der  Bettler und Pauperisierten in Paris auf
       80-120 000 angegeben  wird -  bei einer  Gesamteinwohnerzahl  von
       600 000.
       Getreide bzw.  Brot stand  für die damalige Versorgung im Vorder-
       grund. Dies galt als Ware zur Befriedigung der Bedürfnisse ersten
       Grades. Dementsprechend wurde die Forderung nach Brot zu stabilen
       Preisen zur  zentralen Kampflosung. Sie richtete sich gegen jene,
       die Getreide  horteten, damit  spekulierten, um  die Preise hoch-
       zutreiben und das Volk dem Hunger auszuliefern, gegen die Verant-
       wortlichen für  den Aufkauf,  den Handel  und das Transportwesen.
       Verlangt wurden  politische und  administrative Maßnahmen.  Damit
       wurden der freie Markt und die ungezügelte Bewegung des Eigentums
       in Frage  gestellt und  die soziale Maßregel gegen die gerade ins
       Leben getretene  ungezügelte  kapitalistische  Wirtschaftsordnung
       auf die  Tagesordnung gesetzt.  Diese Interessenlage  der  Volks-
       schichten erlangte  in dem Maße an Gewicht, wie die Volksbewegun-
       gen unmittelbar in den Revolutionsprozeß eingriffen, also vor al-
       lem 1792/93,  und die  radikale Bourgeoisfraktion  als  Bedingung
       ihres Sieges  gegen die  innere und  äußere Konterrevolution  zum
       Bündnis mit  ihnen gezwungen  war. Nach dem Sturz der Girondisten
       brach die Revolution mit dieser Interessenkonstellation in "terra
       incognita" (Marat) auf.
       Der Kampf  gegen die  Spekulation und  für eine politisch-admini-
       strative Wirtschafts-  und Sozialpolitik war gemeinsame Basis für
       die verschiedenen  Gruppen der Sansculotten. Belastungen für die-
       sen Block  und für das Bündnis mit der radikalen Bourgeoisie tra-
       ten dann  und dort auf, wann und wo Bewegungen, wie etwa beim La-
       densturm im  Februar 1793, die Eigentumsordnung der Mittelschich-
       ten in  Frage stellten.  Die Dekrete  zum Preis-  und Lohnmaximum
       (sogenanntes kleines  Maximum im Mai 1793 und großes Maximum nach
       der Besetzung des Konvents durch Pariser Volksmassen im September
       1793) kamen  unter diesem Druck zustande. Sie kamen vor allem den
       sansculottischen Mittelschichten entgegen, hatten für die Lohnar-
       beiter jedoch eine zwiespältige Wirkung und führten in der Konse-
       quenz zu  einer Belastung  des Bündnisses  mit der  Bauernschaft.
       Letzteres vor  allem auch deshalb, weil zur Versorgung der Städte
       und der  Massenarmeen zu Requirierungsmaßnahmen übergegangen wer-
       den mußte. Die Bewilligung der Pariser Revolutionsarmee durch den
       Konvent im September 1793 sollte nicht zuletzt der Sicherstellung
       der Versorgung  von Paris  dienen, neben  der Niederschlagung der
       Aufstände in der Vendee.
       Je mehr  sich die Revolution auf dem Lande durchgesetzt hatte und
       auch die Bauern nach den Nationalgütern griffen, gleichzeitig die
       zunehmende Assignatenausgabe  die Inflation  anheizte, desto mehr
       wuchs bei ihnen die Neigung zur Hortung und Spekulation. Dies war
       der Weg,  um den  neuen Grundbesitz  schnell bezahlen  zu können.
       Insofern erwies  sich die  Assignatenwirtschaft als Hebel zur Be-
       schleunigung des  Umverteilungsprozesses des  Bodens. Dies führte
       zur Verschärfung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land und kul-
       minierte in  der Lebensmittelfrage  bzw. den  zu ihrer Lösung auf
       den Weg  gebrachten Maßnahmen. Damit wuchs die Distanz der Bauern
       gegenüber Paris und der radikalen Politik des Konvents.
       Gegen die spontanen Umverteilungsprozesse forderte Danton im Sep-
       tember 1792: "Schwören wir die Übertreibung ab, erklären wir, daß
       jeder territoriale  und industrielle  Besitz für alle Zeiten auf-
       recht erhalten werden soll!" 21) Die Gegenposition markierte Cam-
       bon, der Finanzmann der Revolution: "Wenn das Vaterland in Gefahr
       ist, gehört alles dem Vaterland!" 22), eine Formel, die die Linie
       der Bergpartei  auf den  Begriff brachte.  Demgegenüber beharrten
       die Girondisten  auf dem liberalen Dogma, daß das Eigentum außer-
       halb, d.h.  über dem  Gesetz stehen  müsse. 23)  Robespierre wird
       später, in  einer großen  Rede vor dem Konvent am 24.4.1793, zwar
       ebenfalls für  die Eigentumsgarantie eintreten, aber das Eigentum
       als das  oberste der  Menschenrechte in  Frage stellen:  "... ich
       will durchaus nicht an eure Schätze rühren, welch unsauberer Her-
       kunft sie  auch sein  mögen." "Die vornehmsten Menschenrechte be-
       stehen darin, für die Sicherung seiner Existenz und für die Frei-
       heit Sorge  zu tragen." "Das Eigentumsrecht wird wie alle anderen
       Rechte begrenzt  durch die  Verpflichtung, die Rechte des anderen
       zu achten." "Die Gesellschaft ist verpflichtet, für den Lebensun-
       terhalt aller  ihrer Glieder  zu sorgen,  indem sie  ihnen Arbeit
       gibt oder denen, die arbeitsunfähig sind, die Existenzmöglichkeit
       sichert." 24) Auf diesen Vorstellungen beruhte dann die Sozialpo-
       litik des Jakobinerstaates.
       Man muß  verstehen, daß für die städtischen und ländlichen Volks-
       schichten die  Ausweitung und  Vertiefung der  Demokratie, selbst
       wenn sie  sich nur  auf die  politischen Institutionen bezog, ein
       Mittel zur Durchsetzung ihrer materiellen und sozialen Interessen
       und zum sozialen Aufstieg ihrer agilsten Elemente war. Die Aufhe-
       bung des  Zensuswahlrechtes, das  die konstituierende Versammlung
       beschlossen und  das bei  4 Millionen Wählern 3 Millionen erwach-
       sene Männer zu Passivbürgern gemacht hatte, am Tag nach dem Sturm
       auf die  Tuilerien durch die gesetzgebende Versammlung war hierzu
       ein wichtiger  Schritt. Dies  bedeutete die Öffnung der National-
       garden, der  Munizipalitäten, der Ausschüsse, des Staatsapparates
       usw. auch für Vertreter aus den unteren Volksschichten. Derartige
       Positionen waren  vielfach der Weg, um selbst zu Eigentum zu kom-
       men. Vielleicht  hat Michelet ganz zutreffend das Klima der dama-
       ligen Zeit  erfaßt, als  er schrieb: "Alle wollten sie den Besitz
       und wollten  ihn geheiligt  wissen, selbst  die, welche  ihn noch
       nicht hatten.  Sie rechneten darauf, ihn morgen zu haben. Das war
       der Gedanke  der Revolution: Daß alle Eigentümer würden - leicht,
       indem sie wenig zahlten, gerecht und dauerhaft, indem sie mit ih-
       rer Arbeit und ihren Ersparnissen zahlten." 25)
       Das Gesetz  Le Chapelier  vom 14. 6. 1791 stellte die Bildung von
       Arbeiterkoalitionen und  Streiks entsprechend  den Doktrinen  von
       der freien Konkurrenz unter Strafe. Dieses Gesetz wurde auch spä-
       ter nicht  aufgehoben. Dementsprechend  wurden  die  Lohnarbeiter
       völlig dem Gang von Angebot und Nachfrage unterworfen, wobei sich
       gerade in  Konjunkturperioden die  Dekrete des  Lohnmaximums  zu-
       sätzlich gegen  sie wenden  mußten. Ihnen blieb nur der Weg, ihre
       Interessen über  die Volksgesellschaften  und die politischen In-
       stitutionen zur Geltung zu bringen. Es entbehrt nicht der Ironie,
       daß gerade in den letzten Tagen ihrer Herrschaft die Robespierri-
       sten das  Lohnmaximum gegen die Pariser Lohnarbeiter in Anwendung
       brachten, die an der damaligen mit der Ausrüstung der 1,2 Millio-
       nen-Mann-Armee verbundenen  Rüstungskonjunktur partizipiert  hat-
       ten. Neben  der Hinrichtung vieler ihrer Sprecher und der Schlie-
       ßung der  Volksgesellschaften sowie der Bürokratisierung der Sek-
       tionen durch  die Zentralregierung  erklärt dies  ihre Passivität
       beim Sturz  der Volksregierung und ihre teilweise aktive Beteili-
       gung, z.B. durch die Bataillone der Sektion der Gravilliers.
       Der Jakobinerstaat 26) mußte in der Situation der extremen Bedro-
       hung der  revolutionären Republik antreten, die Interessenbalance
       auseinanderstrebender Kräfte mit terroristischen Mitteln aufrecht
       zu erhalten.  Auf der  einen Seite  zerschlug  er  die  autonomen
       Volksbewegungen und  -organisationen, auf  der  anderen  nahm  er
       einen Teil  ihrer sozialen Forderungen auf. Gleichzeitig mußte er
       den Terror gegen die Spekulanten und Kriegsgewinnler richten, die
       energischsten Kräfte  des kapitalistischen  Erwerbsstrebens, ohne
       ihnen auf  längere Dauer  Zügel anlegen  zu können.  Er mußte sie
       vielmehr bewußt  zur Versorgung  und Ausrüstung der Armee einset-
       zen.
       So konnte er auf der Grundlage des Bündnisses der , Jakobiner mit
       dem Volk"  für einen  historischen Moment  gewaltige patriotische
       Energien und  materielle Ressourcen  für den  Sieg der Revolution
       freisetzen, aber trotzdem den Widersprüchen seiner bürgerlich-ka-
       pitalistischen Basis  nicht entgehen. So mußte er nach den Siegen
       der republikanischen  Armeen gegen die inneren und äußeren Feinde
       dann der  Republik der Thermidorianer weichen. Nun brach die bür-
       gerliche Gesellschaft  "in  gewaltigen  Lebensströmungen  hervor.
       Sturm und  Drang nach  kommerziellen Unternehmen,  Bereicherungs-
       sucht,  Taumel  des  neuen  bürgerlichen  Lebens,  dessen  erster
       Selbstgenuß noch  keck, leichtsinnig,  frivol,  berauschend  ist;
       wirkliche Aufklärung  des französischen  Grund und Bodens, dessen
       feudale Gliederung  der Hammer  der Revolution  zerschlagen hatte
       und welchen nun die erste Fieberhitze der vielen neuen Eigentümer
       einer allseitigen Kultur unterwirft; erste Bewegungen der freige-
       wordenen Industrie  - das  sind einige  von den Lebenszeichen der
       neuentstandnen bürgerlichen Gesellschaft." 27)
       
       Menschenrechte und Sklaverei
       ----------------------------
       
       Schließlich soll noch kurz auf einen Sachverhalt eingegangen wer-
       den, bei  dem die Widersprüche der bürgerlichen Menschenrechtsde-
       klaration besonders eklatant zum Ausdruck kommen und es offenkun-
       dig wird,  daß die  staatsbürgerliche Gleichheit  aller  Menschen
       nicht durch  die Logik  besitzbürgerlicher Interessen in die Welt
       kam, sondern  der Vertiefung der Revolution bis zur Jakobinerdik-
       tatur bedurfte. Es geht um die Befreiung der Sklaven in den fran-
       zösischen Kolonien,  speziell in Haiti. Sie waren ja Menschen und
       Eigentum in  einem. Hier  hatte es  sich zu erweisen, mit welchen
       Prioritäten die  Menschenrechte interpretiert  wurden. Die Führer
       der konstituierenden  Versammlung wie  Barnave, Lameth u.a. waren
       selbst  Sklavenhalter.  Die  Girondisten  konnten  sich  nur  zur
       Gleichstellung der  freien Mulatten  entschließen. Erst unter der
       Hegemonie  der  Robespierristen  verabschiedete  der  Konvent  am
       4.2.1794 das  Dekret über  die Abschaffung der Sklaverei, nachdem
       sich die  Sklaven allerdings  in der ersten siegreichen antikolo-
       nialen Revolution  der  Geschichte  unter  Toussaint  L'Ouverture
       schon vorher  selbst befreit hatten. 28) Ein Jahr zuvor hatte Ro-
       bespierre in seiner großen Rede zum Eigentum schon polemisiert: "
       Fragt den  Händler von Menschenfleisch, was Eigentum ist! Er wird
       auf jenen  riesigen Sarg  zeigen, den  er Schiff  nennt und wo er
       Menschen eingepfercht  und an  Ketten gelegt  hat, die  zu  leben
       scheinen, und er wird sagen: 'Das ist mein Eigentum, ich habe sie
       alle Stück für Stück gekauft.'" 29)
       Es bedurfte  also des  Durchlaufs der  Führungsgruppen bis zu den
       radikalsten und  energischsten Vertretern der Bourgeoisie, um die
       Bedingungen kapitalistischer Produktion, die juristische Freiheit
       der unmittelbaren Produzenten, tatsächlich allgemeingültig zu ma-
       chen. Die  englische Revolution  des 17. Jahrhunderts hatte diese
       Frage ebenso  ausgespart wie die amerikanische, die ja zehn Jahre
       vor Ausbruch  der französischen  noch mitten  im Gange  war.  Ja,
       Sklavenhandel und  Sklaverei nahmen  danach im  Gefolge der indu-
       striellen Revolution  in England und der großen Baumwollnachfrage
       einen immensen Aufschwung.
       
       Elemente der kulturellen und ideologischen Hegemonie
       ----------------------------------------------------
       
       Faßt man  abschließend zur bisherigen Betrachtung einiger Aspekte
       der Französischen  Revolution zusammen,  dann  kann  festgehalten
       werden, daß  alle in  ihr wirksamen  Hegemoniekonstellationen auf
       dem Eigentumsinteresse  und den  damit verbundenen sozialen Bünd-
       nissen beruhten. Das galt für die Konstitutionellen, die Girondi-
       sten und  die Montagnards  gleichermaßen. Der Unterschied bestand
       jedoch darin,  daß sich  mit der Radikalisierung der Eigentumsin-
       teressen die  Erweiterung des  Bündnisses in  die städtischen und
       bäuerlichen Volksschichten  vollzog. Damit  erfolgte eine Vertie-
       fung des demokratischen Charakters der Revolution.
       Fragt man nach den wichtigsten ideologischen Bindemitteln der He-
       gemonie der  Bourgeoisie, dann war es der Patriotismus der jungen
       bürgerlichen Nation,  der sich gegen die Kräfte des Ancien régime
       und gegen  die Interventionsmächte  wendete. Im Rahmen einer kon-
       stitutionellen Monarchie  wäre die  Repräsentanz der  Nation  der
       Krone   u n d   dem Parlament zugefallen. Diese Möglichkeit wurde
       mit der Intransigenz des Hofes, die sich gegen die nationalen In-
       teressen richtete,  hinfällig. In  den Perioden  der Revolutions-
       schübe kam  es zur  zeitweiligen Doppelherrschaft der Kommune von
       Paris und  der Versammlung,  die auch  ideologisch ihren Ausdruck
       fand.
       Zwar war  schon durch  die Aufklärung  eine allgemeine kulturelle
       und ideologische  Hegemonie  bürgerlicher  Wertvorstellungen  und
       Orientierungen geschaffen worden. Diese mußten sich mit der Revo-
       lution verstärken  und in Konfrontation mit der katholischen Kir-
       che, als  dem zentralen  ideologischen Apparat des Feudalregimes,
       geraten. Der  Versuch ihrer  Umgestaltung zu einer Nationalkirche
       unter Kontrolle der Bourgeoisie scheiterte. Deshalb mußte die Re-
       volution in  einen Kirchen-  und Religionskampf  geraten und  be-
       strebt sein,  an die  Stelle der  alten Religion  republikanische
       Kulte zu setzen. Hier stießen unterschiedliche ideologische Strö-
       mungen des revolutionären Lagers selbst zusammen.
       Die republikanischen  Kulte drangen tief in das Alltagsleben ein.
       30) Dessen  Neuformierung diente  auch der republikanische Kalen-
       der. In  gleicher Richtung  wirkten die großen und kleinen Feste,
       die Verbrüderungen,  Gemeinschaftsmähler, neuen  Symbole, Zeremo-
       nien usw.  Schließlich war  die antike Toga nicht nur ein Akt der
       Selbsttäuschung, sondern  auch ein  Moment  der  ideologisch-kul-
       turellen Autonomie  der neuen  Ordnung, weil  damit das Gegenbild
       zur  christlichen  Mythologie  und  ihren  Stereotypen  befördert
       wurde.
       Zu unterstreichen bleibt, daß die Ebenen der Kultur und Ideologie
       nicht nur  die Eigentümerinteressen  umfassend zur  Ausgestaltung
       brachten, sondern sie auch aktiv auf deren Formierung zurückwirk-
       ten.
       
       3. Der Wechsel des Hegemonietyps und seiner Grundlagen
       ------------------------------------------------------
       
       Wenn im  Zeitalter der  Französischen Revolution  auch noch keine
       reale gesellschaftliche  Alternative wirksam  werden konnte,  die
       das System  des Privateigentums  in Frage  gestellt hätte, so hat
       sie gleichwohl  "Ideen hervorgetrieben, welche über die Ideen des
       ganzen alten  Weltzustandes hinausführen. Die revolutionäre Bewe-
       gung, welche  1789 im  Cercle social  begann, in  der Mitte ihrer
       Bahn Leclerc und Roux zu ihren Hauptrepräsentanten hatte und end-
       lich mit  Babeufs Verschwörung  für  einen  Augenblick  unterlag,
       hatte die  kommunistische Idee  hervorgetrieben,  welche  Babeufs
       Freund, Buonarroti,  nach  der  Revolution  von  1830  wieder  in
       Frankreich einführte.  Diese Idee,  konsequent ausgearbeitet, ist
       die Idee  des neuen  Weltzustandes." 31)  In diesem  Sinne gehört
       diese große  Revolution zu den Voraussetzungen und Vorläufern des
       modernen Sozialismus,  der den  Sturz des  bürgerlichen, d.h. des
       auf Ausbeutung  begründeten Privateigentums als historisches Werk
       der Arbeiterklasse  proklamiert. Gleichfalls  konnte erst aus der
       Verarbeitung und  Kritik des  großen epochesetzenden  Ereignisses
       und der  mit ihm  zur Herrschaft  gekommenen Ideen  jene  wissen-
       schaftliche Theorie geboren werden, die dem Weg zum neuen Weltzu-
       stand Kompaß und Richtschnur sein konnte. 32)
       
       Fortwirken des Bandes des Eigentums
       -----------------------------------
       für die Herrschaft der Bourgeoisie
       ----------------------------------
       
       Wie die  Geschichte der vergangenen zwei Jahrhunderte zeigt, kann
       die Eigentumsfrage  nicht nur  auf das  Verhältnis von Lohnarbeit
       und Kapital reduziert werden. Vielmehr ist die Haltung der Grund-
       klassen zu  dem nicht  oder nicht vorwiegend auf Ausbeutung beru-
       henden Eigentum  und Besitz  eine Grundfrage ihrer Hegemonie- und
       Bündnisfähigkeit.
       Das Band  des Eigentums- und Besitzinteresses steht für die hege-
       moniale Rolle  der Bourgeoisie  so lange  im Vordergrund, wie die
       Schichten der  Privateigentümer in  Stadt und Land ein relevantes
       Bevölkerungsgewicht besitzen. Und selbst wenn sich dieses Gewicht
       infolge der Durchkapitalisierung der Gesellschaft vermindert, ist
       der beachtliche soziale Einfluß dieser Schichten zu berücksichti-
       gen, so  z.B. hinsichtlich  der Beziehungen  zwischen Bauern  und
       ländlich gebundenen  Halbproletariern oder heute in Bezug auf die
       Interaktionsfähigkeit der  "freien  Berufe".  Gegenüber  feudalen
       Strukturen erwuchs  aus der  Interessenspange des Privateigentums
       revolutionäres Potential.  Dies galt  auch noch, allerdings nicht
       immer und  nicht in dieser Eindeutigkeit, für Revolutionen im Ka-
       pitalismus zur  Durchsetzung der  Fortentwicklung  angemessenerer
       ökonomischer und politischer Strukturen. 33) Zeigte sich schon in
       den Reaktionen des Eigentumsinteresses gegen grenzüberschreitende
       Aktionen der Volksbewegungen während der Französischen Revolution
       auch eine  Radikalisierung nach rechts, so verstärkten sich diese
       Tendenzen mit  der Zuspitzung  des Klassenkampfes  zwischen Bour-
       geoisie und Proletariat. Auf der anderen Seite führte die kapita-
       listische Bedrängung  des Kleineigentums auch zu antikapitalisti-
       schen Tendenzen der kleinbürgerlichen Schichten. In dieser histo-
       rischen Konstellation  nahm die  Neigung der  Großbourgeoisie zum
       Kompromiß mit  den Kräften  des alten  Regimes zu, zudem der nach
       der Französischen Revolution und der englischen industriellen Re-
       volution vollzogene Epochendurchbruch diese dem Eingehen auf bür-
       gerliche Forderungen  und Kompromißlösungen gefügiger machte. Die
       Option für Reformen erhielt ein stärkeres Gewicht; die Revolution
       von oben unter Ausschaltung oder Funktionalisierung der Volksmas-
       sen fand auf beiden Seiten Anhänger.
       Mit der  Pariser Kommune von 1871 verlor das auf dem Eigentumsin-
       teresse der  Bourgeoisie und der Mittelschichten begründete Bünd-
       nis zwar nicht seine realhistorische Wirksamkeit, aber doch seine
       historisch progressiven Möglichkeiten. Das galt für die kapitali-
       stischen Länder  Europas und  Nordamerikas. Unter veränderten Be-
       dingungen wird  man in  antiimperialistischen und  antikolonialen
       Befreiungsrevolutionen immer  noch diese Konstellation wiederfin-
       den können. Vom Standpunkt des welthistorischen Prozesses vollzog
       sich jedoch im Widerschein der Pariser Kommune ein Epochenwechsel
       und damit  auch ein  Wechsel des hegemonialen Fortschrittssubjek-
       tes. 34)
       
       Epochenwechsel - Eigentumsfrage - Sozialismus
       ---------------------------------------------
       
       Die Möglichkeit  eines revolutionären  Blocks der  Arbeiterklasse
       mit der Bauernschaft zeichnete sich schon in der bürgerlich-demo-
       kratischen Revolution  1905 in Rußland ab. Zwar war dabei der ge-
       meinsame Gegner und die Forderung nach Demokratie das wesentliche
       verbindende Moment, aber gleichfalls war die Arbeit als Grundlage
       der Existenz  die sozialökonomische Basis dieses Bündnisses. Wäh-
       rend im  Hegemonialblock der  Bourgeoisie das  Band des Eigentums
       das Bündnis  knüpfte, ist  es in jenem der Arbeiterklasse die Ar-
       beit. Gleichwohl ist ohne die Wahrnehmung der Eigentumsinteressen
       der Bauern,  ihrer Forderung nach Boden, ihre Gewinnung und Mobi-
       lisierung für  die Revolution  nicht möglich. Dies zeigte sich in
       klassischer Form  in der  Oktoberrevolution in  Rußland, die  auf
       dieser Grundlage eine sozialistische Staatsmacht hervorbrachte.
       Während der kapitalistische Entwicklungsweg, in welchen konkreten
       Formen auch  immer, für  die Bauernschaft die Perspektive der so-
       zialen Differenzierung  und der  sozialökonomischen  Liquidierung
       ihrer Hauptmassen  enthält, steht auf der Tagesordnung der sozia-
       listischen Entwicklung  ihr genossenschaftlicher  Zusammenschluß,
       also die  Aufhebung ihrer  Existenz als  Privateigentümer und der
       Übergang zu  Genossenschaftsproduzenten. Im  Fortschritt soziali-
       stischer Vergesellschaftung drängt sich diese Logik des Übergangs
       den bäuerlichen Produzenten kraft ihrer individuellen materiellen
       und sozialen  Interessen auf.  Zwingen jedoch  äußere oder innere
       Faktoren, die sich auch in Fehleinschätzungen und -orientierungen
       der  Transformation   verdichten  können,   dazu,  diesen  Prozeß
       "abzukürzen" oder politisch zu forcieren, führt dies nicht nur zu
       gewaltigen sozialen  Reibungsverlusten, sondern auch zu stagnati-
       ven Tendenzen  der Agrarentwicklung. Die materielle Interessiert-
       heit der  Agrarproduzenten als wesentlicher Antrieb ihrer Produk-
       tivkraft muß  vor allem dann gehemmt werden, wenn der Agrarsektor
       überproportional als Akkumulationsbasis für die Gesamtentwicklung
       fungiert oder fungieren muß. Dies gilt im übertragenen Sinne auch
       für andere Bereiche. Freilich kann für eine bestimmte historische
       Frist auf  diesem Wege  die Lebensmittelfrage  gelöst und die vom
       Privateigentumsinteresse  ausgehende   Spekulation  ausgeschaltet
       werden.
       Wie die  Entwicklung der  UdSSR zeigte,  entband dieser  Entwick-
       lungsweg, solange  er an vorwiegend extensive Expansionsbedingun-
       gen gebunden  war, gewaltige  Potenzen. Offenkundig  waren  unter
       diesen spezifischen  historischen Bedingungen etatistische Verge-
       sellschaftungsformen den Erfordernissen adäquat. Der etatistische
       Vergesellschaftungstyp des  Sozialismus stößt  jedoch in der Wei-
       terentwicklung, wie  die Gegenwart  zeigt, vor  allem deshalb  an
       seine Grenzen,  weil er  die materielle und soziale Interessiert-
       heit der  Produzenten als  Triebkraft  der  sozialistischen  Wei-
       terentwicklung nicht  in hinreichendem  Maße freisetzen  kann und
       damit zum  Hemmnis wird.  Die Individualitätsentfaltung  des Men-
       schen der sozialistischen Gesellschaft kann sich nur in der Wech-
       selwirkung von  Bedürfnisentwicklung und  ihrer Befriedigung  auf
       der Grundlage  des sozialistischen  Leistungsprinzips  verwirkli-
       chen. Dieses  Interesse löst historisch das Privateigentumsinter-
       esse ab.  Es äußert  sich im Kapitalismus schon in den unterdrüc-
       kenden und  deformierten Formen der Lohnarbeit, kann aber erst in
       einer sozialistischen  Gesellschaft in  vollem Umfang freigesetzt
       werden.
       Die Grenzen  des etatistischen Vergesellschaftungstyps wurden mit
       dem Übergang  zu einer  intensiven Entwicklungsphase und der Not-
       wendigkeit der  Durchsetzung der wissenschaftlich-technischen Re-
       volution in  der Breite der Wirtschaft und Gesellschaft in sozia-
       len und  ökonomischen Stagnationserscheinungen manifest. Ein zen-
       traler Faktor  ist dabei die Fesselung des individuellen Interes-
       ses. Die  Revolution im Sozialismus 35) zur Weiterentwicklung des
       Sozialismus hat  offenkundig die Schaffung solcher Eigentums- und
       Vergesellschaftungsformen zum  Inhalt, die eine optimale Freiset-
       zung dieser genannten Potenzen ermöglichen.
       Wirft man einen Blick auf die volksdemokratischen Revolutionen in
       Europa und Asien nach dem zweiten Weltkrieg, so spielte auch hier
       die Eigentumsfrage  als Grundlage antifaschistisch-demokratischer
       Bündnisse mit  antimonopolistischer Tendenz  eine zentrale Rolle.
       Es ging  in der  ersten Etappe  der revolutionären Umwälzungen um
       die Enteignung  der mit  dem Faschismus  unmittelbar  verbundenen
       Kräfte der  alten herrschenden Klassen, um den Aufbau einer neuen
       Staatsmacht, getragen  von breiten politischen Bündnissen des na-
       tionalen Interesses  (Nationale Front), und um eine demokratische
       Bodenreform, in  der das Eigentumsinteresse der kleinen und mitt-
       leren Bauern befriedigt wurde. In sozialökonomischer Hinsicht lö-
       sten diese  revolutionären Umwälzungen in den ersten Etappen Auf-
       gaben der  bürgerlich-demokratischen Revolution  - verbunden  mit
       energischen antifaschistischen  und antimonopolistischen  Maßnah-
       men. Das Tempo und die konkreten Wege der Transformation des Pri-
       vateigentums in  Stadt und  Land sind in den aus diesen Prozessen
       entstandenen sozialistischen Ländern sehr unterschiedlich geblie-
       ben. Das  gilt bis  heute. Im  Interesse des gesamten sozialisti-
       schen Reproduktionsprozesses  und der  Versorgung der Bevölkerung
       haben sich  mehr oder weniger große Sektoren der Privatwirtschaft
       als nützlich und ihre Integration in eine planwirtschaftliche so-
       zialistische Warenproduktion  als möglich  erwiesen, und zwar ge-
       rade dort,  wo Wirtschaft  und Produktion auf großer Stufenleiter
       nicht oder noch nicht möglich sind.
       Erwähnt werden  muß, daß  die Eigentumsfrage  im hier  erörterten
       Sinne auch  in den  antiimperialistischen, antikolonialen und na-
       tionalrevolutionären Umwälzungen  in den Ländern der Dritten Welt
       in der  Nachkriegsperiode eine zentrale Rolle spielt. Von den in-
       neren Reifestadien  und Konstellationen überwiegen eher Bedingun-
       gen, wie  sie in  Westeuropa im 18. und 19. Jahrhundert existier-
       ten. Demnach stehen Bündniskonstellationen dieser Periode auf der
       Tagesordnung. Sie  sind jedoch  entsprechend des welthistorischen
       Epochecharakters und der internationalen Verhältnisse 36) wesent-
       lich modifiziert.  Antiimperialistische  und  antimonopolistische
       Frontstellungen des revolutionären Prozesses ermöglichen die For-
       mierung revolutionärer Subjekte, die den durch das Privateigentum
       gesetzten Rahmen  überschreiten und  einen  nichtkapitalistischen
       und sozialistischen  Entwicklungsweg auf  ihre  Fahnen  schreiben
       können.
       
       Privateigentum, Hegemonie und Umbruchperspektive
       ------------------------------------------------
       im entwickelten Kapitalismus
       ----------------------------
       
       Abschließend soll  kursorisch die Frage erörtert werden, wie sich
       das Problem  von Privateigentum und Hegemonie in den entwickelten
       kapitalistischen Ländern von heute stellt, also in Gesellschaften
       des staatsmonopolistischen Kapitalismus, in denen die Eigentümer-
       schichten stark  geschrumpft sind,  sich die  Form der Lohnarbeit
       verallgemeinert, sich  die  monopolkapitalistische  Konzentration
       des  Eigentums  in  den  Kernbereichen  der  Wirtschaftstätigkeit
       durchgesetzt hat  und das System des staatsmonopolistischen Kapi-
       talismus ein hohes Vergesellschaftungsniveau, wenn auch in defor-
       mierten Formen,  repräsentiert, das mehr und mehr durch Tendenzen
       der Internationalisierung geprägt wird.
       Mit dieser  Entwicklung hat der alte Hegemonietyp der Bourgeoisie
       an Bedeutung  verloren. Gleichwohl  sind die alten nichtkapitali-
       stischen Eigentümerschichten nicht völlig verschwunden. Entschei-
       dend ist  jedoch, daß  aus dem  System des staatsmonopolistischen
       Kapitalismus neue  Schichten und Interessen hervorwuchsen, die an
       das Privileg gebunden sind, ein Privileg, das zwar nicht aus feu-
       dal-ständischer Befestigung  erwächst, aber  gleichwohl die  mehr
       oder weniger dauerhafte Besserstellung in diesen und jenen Fragen
       gegenüber den  Massen der  Arbeiterklasse bedeutet. Es sind somit
       Abstufungen in  den Einkommen, der Existenzsicherheit, den Repro-
       duktionsmöglichkeiten usw.  entstanden, die weit in die Arbeiter-
       klasse reichen,  generell die  lohnabhängigen Mittelschichten und
       die Intelligenz betreffen und Ansatzpunkte staatsmonopolistischer
       Integrationsstrategien darstellen. Sie sind in hohem Maße mit in-
       dividuellem Eigentum verbunden, das zwar keine Verwertung der ei-
       genen Arbeitskraft  ermöglicht und  somit eine Existenzbasis dar-
       stellen könnte, aber vor allem für die Reproduktion bedeutsam ist
       (Haus- und Wohnungseigentum u.a.). Diese "Privilegien" - zu denen
       auch die Kultur- und Bildungsprivilegien gehören - wachsen sowohl
       unmittelbar aus  dem kapitalistischen  Produktionsund Reprodukti-
       onsprozeß hervor,  sind jedoch ebenfalls Ergebnis der Sozialstra-
       tegien der  herrschenden Klasse.  Sie sind  in zweierlei Hinsicht
       instabil und  relativ: insofern  sie kapitalistischen  Krisen und
       Veränderungen zum  Opfer fallen können und sie sich unter dem so-
       zialen Druck der Arbeiterklasse verallgemeinern.
       Unter den  Bedingungen der gegenwärtig in den Ländern des staats-
       monopolistischen Kapitalismus vorherrschenden konservativ-privat-
       monopolistischen Entwicklungsvariante des Kapitalismus 37) findet
       der  entsprechende  Hegemonietyp  seine  materielle  und  soziale
       Grundlage gerade  in der  Mobilisierung der  alten Eigentums- und
       der neuen  Privilegieninteressen und  zielt auf ihre "Einbindung"
       in ein  Modernisierungskonzept ab, das den ökonomischen und poli-
       tischen Interessen des Monopolkapitals entspricht. Die staatliche
       Vermittlung spielt  dabei eine  wesentliche  Rolle,  weshalb  der
       Staat der  zentrale Organisator dieses Hegemonietyps ist. Auf der
       anderen Seite  werden soziale und demokratische Reformentwicklun-
       gen, die in einem reformistisch-etatistischen Entwicklungstyp zur
       Geltung kommen  können, wesentlich  von jenen  Impulsen gespeist,
       die von den Interessen der Arbeiterklasse ausgehen. Für den neuen
       Hegemonietyp der  Arbeiterklasse spielt der Umgang mit der sozia-
       len Differenzierung  und den darin eingeschlossenen "Privilegien"
       eine ähnliche  Rolle, wie das früher hinsichtlich des bäuerlichen
       Privateigentums der  Fall war. Die Arbeiterklasse und ihre Inter-
       essen bleiben  gerade deshalb  auch unter  diesen Bedingungen die
       Achse der Entwicklung, weil sie sich auf demokratische, antimono-
       polistische und  in der Perspektive sozialistische Umgestaltungen
       der Produktion und des Wirtschaftslebens sowie der Reproduktions-
       bedingungen beziehen  müssen, wenn  ihre Interessen  durchgesetzt
       werden sollen.
       In den Ländern des entwickelten Kapitalismus konnte die Arbeiter-
       klasse in  der Nachkriegsperiode auf dem Hintergrund starker Pro-
       duktivitätsfortschritte  der  kapitalistischen  Produktion  einen
       Standard der Lebensverhältnisse erzwingen, bei dem elementare Be-
       dürfnisse der  arbeitenden Massen  nach Nahrung, Bekleidung, Woh-
       nung usw.  befriedigt werden  konnten. Dieser Standard bleibt je-
       doch umkämpft  und wird  immer wieder durch die Krisenentwicklung
       des Kapitalismus  und die Umbaustrategien der herrschenden Klasse
       in Frage  gestellt. Dies  zeigt die Tendenz zur sogenannten Zwei-
       Drittel-Gesellschaft mit einem Drittel Diskriminierter und Paupe-
       risierter völlig  eindeutig. Damit bleibt der Kampf um elementare
       Lebens- und  Existenzsicherung auch auf der Tagesordnung der Aus-
       einandersetzungen in  entwickelten kapitalistischen  Ländern. Je-
       doch zeigt  die Veränderung  der Bedürfnisskala  der Bevölkerung,
       d.h. vor allem der Arbeiterklasse und anderer werktätiger Schich-
       ten, daß neue unbefriedigte Bedürfnisse in den Vordergrund getre-
       ten sind,  aus denen neue Zugänge zur Politisierung und Radikali-
       sierung erwachsen  sind. Sie  sind in der jüngeren Zeit nicht nur
       mit den  neuen sozialen Bewegungen in die Realität getreten, son-
       dern ebenfalls  mit neuen  Forderungen und  Kämpfen der Arbeiter-
       klasse.
       Diese Veränderungen  verweisen uns  zum einen darauf, daß die aus
       der Agrarfrage  und der  Lebensmittelfrage hervorgehenden Impulse
       zur Mobilisierung  der Volksmassen  in  gesellschaftsverändernder
       Perspektive wenn  auch nicht  völlig bedeutungslos  geworden,  so
       aber doch  weitgehend aufgebraucht  sind. Zum  anderen zeigt  uns
       schon heute  die Analyse  des krisenhaften  Umbruchprozesses, 38)
       dem die Änderung der Produktivkräfte und der internationalen Ver-
       hältnisse zugrunde liegt, die neuen Themen und Zugänge zu system-
       kritischer Haltung  und von gesellschaftsverändernden Bewegungen.
       Sie zentrieren sich um die Komplexe Frieden - Abrüstung - Sicher-
       heit, Arbeit - soziale Sicherheit, Umwelt, Kontrolle - Demokrati-
       sierung, Individualitätsentfaltung. Dies sind schon heute die um-
       kämpften Felder der Zukunftsgestaltung. Hier formen sich neue In-
       teressenstrukturen und Bedürfnishierarchien.
       Noch liegen  die historischen  Erfahrungen nicht vor, daß und wie
       die Verdichtung der Widersprüche der Umbruchperiode in eine revo-
       lutionäre Situation  münden könnte.  Aber es  liegt auf der Hand,
       daß die  "große Furcht",  die der sozial-psychologische Hebel von
       Massenaktivität und  Selbstorganisation werden  kann, nicht  mehr
       wie zur  Zeit der  Französischen Revolution durch Banden und Emi-
       granten ausgelöst  werden wird. Unwahrscheinlich ist es auch, daß
       die Hungerrevolten  die Volksbewegungen  der Zukunft vorantreiben
       werden. Aber  man weiß  schon heute,  daß die  nicht minder große
       Furcht mit  realen und  drohenden Umweltkatastrophen, technischen
       "Pannen", Lebensmittelvergiftungen, Radioaktivität usw. einherge-
       hen kann.  Das kapitalistische System wird daran gemessen werden,
       ob es mit diesen und generell den globalen Problemen umgehen kann
       oder nicht.  Die Kritik  des kapitalistischen  Eigentums  in  den
       neuen Dimensionen  wird  gerade  die  mit  der  wissenschaftlich-
       technischen Revolution  auf  die  Tagesordnung  tretenden  Fragen
       aufzunehmen haben,  in denen sich elementare Lebensinteressen mit
       der Notwendigkeit  gesellschaftlicher Kontrolle  und Umgestaltung
       verbinden. Unter  diesen Bedingungen  kann ein  neuer  Schub  der
       Emanzipation und  Individualitätsentfaltung  nicht  mehr  an  das
       Privateigentum   gebunden   sein,   sondern   muß   sich   dessen
       deformierender  Zwänge   entledigen.  Das   System  der  auf  dem
       kapitalistischen  Privateigentum   beruhenden   Aneignungs-   und
       Produktionsweise und  die ihm  entsprechenden Typen  ökonomischer
       und sozialer Regulierung stehen somit zur Disposition. Damit sind
       die Konfliktlinien  vorgezeichnet, an  denen sich  die Potentiale
       grundlegender gesellschaftlicher  Veränderungen formieren werden.
       Der Klassenkonflikt  muß sich  somit unter  diesen Bedingungen in
       weit unmittelbarerem  Sinne, als  es früher  der Fall war, um die
       Dimensionen der Erhaltung der Grundlagen der Zivilisation und der
       Existenz  der   menschlichen  Gattung   und  ihrer   Perspektiven
       erweitern. Der  Anspruch der  Arbeiterklasse, in Verfolgung ihrer
       Interessen das  Tor zur  Emanzipation der Menschheit aufzustoßen,
       zwingt unter  diesen Bedingungen  dazu, schon  in  den  aktuellen
       Tageskämpfen zum Ausdruck und zum Tragen gebracht zu werden.
       Angesichts der  Differenzierung materieller und sozialer Interes-
       sen und ihrer Veränderung im krisenhaften Umbruchprozeß kommt dem
       Kampf um  kulturelle und  ideologische Hegemonie einer demokrati-
       schen und  sozialistischen Alternative erhöhte Bedeutung zu. Dies
       gilt auch deshalb, weil die spontane Zielgerichtetheit der Inter-
       essen weit  weniger in  die "richtige" Richtung tendiert als dies
       z.B. beim  Privateigentumsinteresse der Bauern z.Z. der Französi-
       schen Revolution  der Fall war. Deshalb spielt die Vermittlung zu
       einem Gesamtkonzept  im Prozeß  des politischen und ideologischen
       Kampfes eine erstrangige Rolle.
       Die Analyse des gegenwärtigen kapitalistischen Systems und der in
       ihm angelegten  Veränderungspotentiale verweist darauf, daß diese
       im Ringen um einen Entwicklungsweg des staatsmonopolistischen Ka-
       pitalismus entbunden werden können, bei dem der Übergang zu einem
       staatsmonopolistischen  Rüstungs-   und  Kriegskapitalismus  ver-
       sperrt, der  Gang zu einem zivilen Kapitalismus erzwungen und die
       Richtung für  eine demokratisch-reformistische  Entwicklungsvari-
       ante geöffnet wird. Dies wären Bedingungen, unter denen Allgemei-
       ninteressen der Bevölkerung und der Menschheit, die mit denen der
       Arbeiterklasse identisch  sind, gegen die Partialinteressen mono-
       polkapitalistischer Verwertung,  internationaler Konkurrenzfähig-
       keit und  staatsmonopolistischer Systemsicherung durchsetzungsfä-
       hig werden und bei einer Blockadehaltung des kapitalistischen Sy-
       stems der Bruch mit diesem auf die Tagesordnung treten kann.
       Dies wäre keine Selbsttäuschung oder "heroische Illusion" des Ci-
       toyen, vielmehr  ein Kampfprogramm,  dessen Realisierungsmöglich-
       keit in  den Bedingungen  der heutigen Welt national und interna-
       tional angelegt ist.
       
       _____
       1) "Der Begriff  des Klassischen, auch die klassische Revolution,
       impliziert das  Optimum an  historischer Gültigkeit  und Wirkung,
       die größtmögliche  Annäherung  der  historisch-gesellschaftlichen
       Praxis an  die allgemeinen ("reinen") Bewegungsgesetze, wobei das
       grundlegende Kriterium  vor allem in der epochenprägenden Wirkung
       und Ausstrahlung  zu sehen  ist." (Manfred Kossok, Walter Markov,
       Zur Methodologie  der  vergleichenden  Revolutionsgeschichte  der
       Neuzeit, in:  Manfred Kossok  (Hrg.), Studien  zur vergleichenden
       Revolutionsgeschichte, Berlin/DDR 1974, S. 18/19).
       Das Verdienst,  die Konzeption  des  Revolutionszyklus  umfassend
       ausgearbeitet zu  haben, gebührt  vor allem der von Walter Markov
       begründeten und  von Manfred Kossok und seinen Mitarbeitern fort-
       geführten "Leipziger Schule" vergleichender marxistischer Revolu-
       tionsforschung. Neben  dem angeführten  Titel vgl.:  Revolutionen
       der Neuzeit.  1500-1917. Hrg.  Manfred Kossok, Reihe 'Studien zur
       Revolutionsgeschichte', Berlin/DDR  1982; Bauern  und bürgerliche
       Revolution, Hrg.  Manfred Kossok  u. Werner  Loch, Reihe 'Studien
       zur Revolutionsgeschichte', Berlin/DDR 1985; Rolle und Formen der
       Volksbewegung im  bürgerlichen  Revolutionszyklus,  Hrg.  Manfred
       Kossok, Reihe  'Studien  zur  Revolutionsgeschichte',  Berlin/DDR
       1976; sowie:  Evolution und  Revolution  in  der  Weltgeschichte.
       Ernst Engelberg  zum 65. Geburtstag, 2 Bde, Berlin/DDR 1976 (bes.
       Bd. 1,  Abschnitt I  "Revolutionen und revolutionäre Übergänge");
       Formationstheorie und  Geschichte, Hrg.  Ernst Engelberg u. Wolf-
       gang Küttler, Berlin/DDR 1987.
       2) Wir verwenden  den Hegemoniebegriff im Sinne von Antonio Gram-
       sci, der auf der Leninschen Konzeption fußt, diese jedoch für die
       Bedingungen des entwickelten Kapitalismus anwendet und weiterent-
       wickelt und  besonders den  Momenten der Kultur und Ideologie und
       der Rolle  des Staates  als Organisator der Hegemonie Aufmerksam-
       keit widmet.  Dabei spielt  auch das  geschichtliche Material der
       Französischen Revolution eine Rolle (vgl. Antonio Gramsci, Zu Po-
       litik, Geschichte  und Kultur,  Ausgewählte  Schriften,  Leipzig,
       Frankfurt/ Main  1986, z.B.  S. 295  ff.). Zur Interpretation des
       Hegemoniekonzeptes vgl.  Luciano Gruppi, Gramsci. Philosophie der
       Praxis und  die Hegemonie  des  Proletariats,  Berlin-West  1977;
       Alessandro Mazzone,  Zur Debatte  über Hegemonie,  in: Hans Heinz
       Holz u.  Hans Jörg  Sandkühler (Hrg.), Betr.: Gramsci, Köln 1980,
       S. 275 ff.
       3) Karl Marx, Friedrich Engels, Die heilige Familie (1845), Marx-
       Engels-Werke (MEW), Bd. 2, S. 85/86.
       4) Vgl. Albert Soboul, Französische Revolution und Volksbewegung.
       Die Sansculotten. Die Sektionen von Paris im Jahre H, Hrg. Walter
       Markov, Frankfurt/Main  1978 (Berlin/DDR  1962); George Rüde, Die
       Volksmassen in der Geschichte, Frankfurt/Main-New%rk 1977 (Sidney
       1964).
       5) Vgl. Susanne Petersen, Lebensmittelfrage und revolutionäre Po-
       litik in Paris 1792-93, München 1979.
       6) Nach: Die  Französische Revolution.  Eine Dokumentation.  Hrg.
       Walter Grab, München 1973, S. 37 ff.
       7) Karl Marx,  Friedrich Engels,  Die deutsche Ideologie (geschr.
       1845/46), MEW, Bd. 3, S. 189.
       8) Vgl. Jean-Jacques  Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Einlei-
       tung von  Werner Bahner,  Leipzig u.  Frankfurt/Main 1978; Albert
       Manfred, Drei  Portraits aus  der Epoche der Großen Französischen
       Revolution.  Rousseau-Mirabeau-Robespierre,   Köln  1987  (Moskau
       1979).
       9) Jules Michelet, Geschichte der französischen Revolution, 5 Bü-
       cher 710  Bde, Hamburg,  Wien, Zürich 1930 (Paris 1847-53); Pjotr
       A. Kropotkin, Die Große Französische Revolution 1789-1793, 2 Bde,
       mit einem Nachwort von V.M. Dalin und Anmerkungen von A.W. Gordon
       und J.W. Starostin, Leipzig/Weimar 1982 (Erstausgabe 1909).
       Für die  Faktenangaben in  diesem Artikel stützen wir uns darüber
       hinaus vor  allem auf:  Walter Markov,  Albert Soboul,  1789. Die
       Große Revolution  der Franzosen, Berlin/DDR 1977 (3. Aufl.); Wal-
       ter Markov,  Revolution im  Zeugenstand. Frankreich  1789-1799, 2
       Bde, Leipzig 1982.
       10) Pjotr A. Kropotkin, a.a.O., Bd. 1, S. 110 ff.
       11) Jules Michelet, a.a.O., Buch 2, Bd. 4, S. 233 - 235.
       12) Vgl. die  Direktorialverfassung vom 22. 8. 1795, Art. 373/374
       (Walter Grab,  a.a.O., S.  277); oder die Konsulatsverfassung vom
       13.12.1799, Art. 93/94 (ebenda, S. 300).
       13) Vgl. Bernd  Jeschonnek, Bourbonen  und Agrarfrage, in: Bauern
       und bürgerliche Revolution, a.a.O., S. 171 ff.
       14) Jules Michelet, a.a.O., Buch 5, Bd. 10, S. 323.
       15) Walter Markov,  Albert Soboul, 1789. Die Große Revolution der
       Franzosen, a.a.O., S. 368 (die Zahl der in Paris zwischen dem 10.
       Juni und  Anfang August 1794 Hingerichteten wird mit 1376 angege-
       ben).
       16) Vgl. A.V.  Ado, Probleme der "Bauernrevolution" in der Großen
       Revolution der  Franzosen, in: Bauern und bürgerliche Revolution,
       a.a.O., S. 82ff.
       17) Nach Jules Michelet, a.a.O., Buch 4, Bd. 8, S. 486.
       18) Ebenda, S. 488.
       19) A.V. Ado, Probleme..., a.a.O., S. 85.
       20) Vgl. Susanne  Petersen, Marktweiber  und Amazonen.  Frauen in
       der Französischen Revolution, Berlin/DDR u. Köln 1987.
       21) Jules Michelet, a.a.O., Buch 3, Bd. 5, S. 145.
       22) Ebenda, S. 141.
       23) Ebenda.
       24) Nach Walter Markov, Revolution im Zeugenstand, a.a.O., Bd. 2,
       S. 383, 387, 388.
       25) Jules Michelet, a.a.O., Buch 3, Bd. 5, S. 146.
       26) Zur Analyse  des Jakobinerstaates: Walter Markov, Grenzen des
       Jakobinerstaates, in: ders., Weltgeschichte im Revolutionsquadrat
       (Hrg. Manfred Kossok), Berlin/DDR 1982, S. 115 ff.
       27) Karl Marx,  Friedrich Engels, Die heilige Familie, a.a.O., S.
       130.
       28) Vgl.  C.L.R.   James,  Die   schwarzen  Jakobiner.  Toussaint
       L'Ouverture und die Unabhängigkeitsrevolution in Haiti, Köln 1984
       (1938).
       29) Walter Markov,  Revolution im  Zeugenstand, a.a.O., Bd. 2, S.
       384.
       30) Vgl. Michel Vovelle, Die Französische Revolution. Soziale Be-
       wegung und Umbruch der Mentalitäten, Frankfurt/Main 1985 (1979).
       31) Karl Marx,  Friedrich Engels, Die heilige Familie, a.a.O., S.
       126.
       32) Hans-Peter Jaeck, Die französische bürgerliche Revolution von
       1789 im Frühwerk von Karl Marx 1843-1846, Berlin/DDR 1979.
       33) Zum Verständnis der verschiedenen Typen der Revolution im Re-
       volutionszyklus vgl.  unter den  neueren Veröffentlichungen: Man-
       fred Kossok,  Bürgerliche Revolution  - Fortschritt - Transforma-
       tion, in:  Karl-Heinz Röder  (Hrg.), Politische Theorie und sozi-
       aler Fortschritt,  Berlin/DDR 1986,  S. 38ff.; Wolfgang Eichhorn,
       Die soziale Revolution - Gesetzmäßigkeit des Geschichtsprozesses,
       in: ebenda, S. 9 ff.
       34) Argumentationen, Analysen  und Begründungen  zum  Verständnis
       der Arbeiterklasse  als dem  revolutionären Subjekt in der Gegen-
       wart enthält:  Marx ist Gegenwart. Materialien zum Karl-Marx-Jahr
       1983, herausgegeben vom IMSF, Frankfurt/Main 1983.
       35) Vgl. Michail  Gorbatschow. Perestroika.  Die zweite russische
       Revolution. Eine  neue Politik  für ?-  Europa und  für die Welt,
       München 1987, S. 59 ff.
       36) Zum Epochencharakter  vgl.: Heinz  Jung, Josef  Schleifstein,
       Die materialistische Geschichtsauffassung und der Charakter unse-
       rer Epoche,  in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF, Sonder-
       band I,  Frankfurt/Main o.J.  (1982), S.  20 ff.; Kurt Steinhaus,
       Eine universelle  Revolution mit universellem Terrain, in: Marxi-
       stische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 8, Frankfurt/Main 1985, S. 9
       ff.
       37) Zum Variantenkonzept  vgl.: Jörg Huffschmid, Vor dem Übergang
       zur reformistischen  Entwicklungsvariante des SMK der Bundesrepu-
       blik?, in:  Marxistische Studien.  Jahrbuch des  IMSF 11,  Frank-
       furt/Main 1986,  S. 42  ff.; Heinz Jung, Zum Konzept der Entwick-
       lungsvarianten des SMK heute, in: ebenda, S. 65 ff.
       38) Vgl. hierzu  die Analysen  in: Marxistische Studien. Jahrbuch
       des IMSF  9, Frankfurt/Main 1985; zur Analyse der Gesamtsituation
       unter diesen  Bedingungen: Thesen  des  8.  Parteitages  der  DKP
       (Hamburg 2.-4. Mai 1986) "Neue Fragen des Kampfes für Frieden und
       Arbeit - für eine demokratische Wende", Düsseldorf 1986.
       

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