Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       FRANKREICHS REVOLUTION UND DEUTSCHLANDS KONSERVATISMUS
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       Hermann Klenner
       
       Im letzten  Jahrzehnt des  achtzehnten Jahrhunderts fanden in den
       damals drei  leitenden Ländern Europas drei verschiedenartige Re-
       volutionen statt:  in Frankreich eine politische, in England eine
       industrielle, in  Deutschland eine  philosophische Revolution. 1)
       Mit diesen  drei Revolutionen  vollzog sich  in  Frankreich,  dem
       höchstentwickelten aller Feudalstaaten, der irreversible Übergang
       zu einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung mit einer institu-
       tionalisierten Herrschaft der Großbourgeoisie, im bereits kapita-
       listischen England  der Übergang  zur maschinellen Produktion mit
       seinem sozialen  Hauptresultat, der  Herausbildung der Industrie-
       bourgeoisie und des Industrieproletariats, und in Deutschland die
       Ausarbeitung einer  den Herrschaftsanspruch  samt Fortschrittsge-
       wißheit  des  Bürgertums  im  Zeitalter  des  weltgeschichtlichen
       Durchbruchs der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise sy-
       stematisch  reflektierenden   idealistisch-dialektischen  Weltan-
       schauung.
       Diese drei  verschiedenartigen Bewegungen im Selbstbefreiungspro-
       zeß der  Menschheit standen  nicht im Verhältnis einer bloßen Si-
       multaneität zueinander.  Vielmehr handelte  es sich um sich wech-
       selseitig beeinflussende Vorgänge mit einer jeweils internationa-
       len Dimension.
       Was nun  Deutschland anbelangt, so ist die sich hier vollziehende
       Gedankenentwicklung, eben  die philosophische  Revolution,  alles
       andere  als   autark.  Sie  widerspiegelt  gewiß  vor  allem  die
       "deutschen Zustände",  aber weder diese noch sie selbst sind ohne
       die englische  und französische  Sozialphilosophie von Hobbes bis
       Rousseau, wie auch nicht ohne die englische Wirtschafts- und ohne
       die französische Revolutionspraxis zu verstehen. Was letztere an-
       langt, so  hat sie infolge ihrer Klassizität nicht nur Ideen her-
       vorgetrieben, die  über die  Ideen des  alten, d.h.  des feudalen
       u n d   des kapitalistischen Weltzustandes hinausführten 2), son-
       dern auch  eine ihrer  epochalen Bedeutung  gemäße intellektuelle
       Gegenbewegung. Nicht  nur in  Frankreich, auch  in England und in
       Deutschland waren  neben denjenigen, die Bastillesturm, Menschen-
       rechte und  (sogar) die  Königshinrichtung  rechtfertigten,  auch
       Theoretiker und Publizisten am Werk, welche die Größe der Franzo-
       senrevolution nicht  als Fortschrittsnotwendigkeit,  sondern  vor
       allem als  Größe einer  Gefahr begriffen.  Jacques Mallet  du Pan
       (1749-1800), Edmund Burke (1729-1797) und Friedrich Gentz gehören
       zur Garde  jener, deren  Schriften als Reaktion auf und gegen die
       Revolution, ja als Geburtsdokumente des Konservatismus zu charak-
       terisieren sind. 3)
       Dieser  Konservatismus  war  seiner  Zielstellung  nach  zunächst
       d e s t r u k t i v:   Die internationalen Auswirkungen der Fran-
       zösischen Revolution  politisch und theoretisch zu zersetzen, war
       seine Funktion.  Er wurde durch einen Konservatismus ergänzt, der
       seiner Zielstellung  nach   k o n s t r u k t i v   war, denn mit
       einer bloß  negierenden Position  kann kein  Jahrhundert lang ge-
       herrscht werden.  Beide Varianten  waren    k l a s s i s c h e r
       Konservatismus, freilich,  gemessen an  der klassischen deutschen
       Philosophie, handelte es sich hierbei um eine reziproke Klassizi-
       tät!
       Die konstruktive Konservatismus-Variante soll nachfolgend am Bei-
       spiel von  Friedrich Julius  Stahl, zuvor  natürlich die destruk-
       tive, und  diese am  Beispiel von Friedrich Gentz (1764"1832) und
       seiner in Berlin betriebenen literarischen Reaktion auf die Pari-
       ser Ereignisse  demonstriert werden,  wobei auch bei ihm sich die
       Interdependenz der  französischen, englischen  und deutschen  Zu-
       stände zeigt:  Die eigene Entwicklung von einem Anhänger zu einem
       Gegner der  französischen Revolution  reflektierte die in Preußen
       dominierenden Interessen,  erfolgte aber  auch unter  dem Einfluß
       von Burke  und Mallet du Pan, deren konterrevolutionäre Pamphlete
       er aus  dem Französischen bzw. Englischen ins Deutsche übersetzte
       und, durch eigene Abhandlungen ergänzt, in Berlin publizierte.
       Um den  von Gentz  ausgehenden Konservatismus richtig würdigen zu
       können, ist es allerdings unumgänglich, zunächst die "Reflections
       on the  Revolution in  France" des Edmund Burke zu charakterisie-
       ren, da  dieses Werk  den Gesinnungsumschwung bei Gentz bewirkte.
       Die "Reflections",  1790 in  London veröffentlicht, widerspiegeln
       die von  Burke spätestens im Februar dieses Jahres bezogene Posi-
       tion. Ihr  konterrevolutionärer Gehalt  war also bereits zu einem
       Zeitpunkt fixiert, als die Commune von Paris noch nicht gebildet,
       die Tuilerien noch nicht gestürmt, Louis der XVI. noch nicht sus-
       pendiert, geschweige  denn guillotiniert, das Revolutionstribunal
       noch nicht  eingesetzt und  an die Bodengesetze eines gesäuberten
       Konvents noch  nicht zu  denken war.  Die Ausarbeitungsgeschichte
       der "Reflections"  beweist überdies,  daß es nicht die sich wohin
       und mit  welchen Methoden  auch immer  entwickelnde Revolution in
       Frankreich war,  der Burke unmittelbar entgegenzutreten beabsich-
       tigte, sondern die in England spürbaren Auswirkungen dieser Revo-
       lution, die  Liberali-sierungs-, Demokratisierungs- und Radikali-
       sierungstendenzen, die  sich gegen die Machtstrukturen richteten,
       welche sich  im Ergebnis  der englischen  bürgerlichen Revolution
       des 17.  Jahrhunderts herausgebildet  hatten. Eine  Woche vor dem
       Erscheinen seiner  "Reflections" schreibt Burke an Charles de Ca-
       lonne, daß  ihr Gegenstand  nicht Frankreich, sondern England sei
       4) (my  object was  not France,  in the  first instance, but this
       country), und  in den  "Reflections" selbst  heißt es,  daß, wenn
       das, was  in Frankreich vorgehe, den Engländern zum Muster aufge-
       stellt werde,  dann die französischen Interessen gegen den Willen
       der Engländer  zu einem Bestandteil ihrer Interessen würden, wes-
       halb man die französische Pest von England abzuwehren habe. 5)
       Indem Gentz  1793 und  gleich ein  Jahr später in zweiter Auflage
       die "Revolutionsbetrachtungen" des Engländers in die reichhaltige
       deutsche Diskussion  einbringt, identifiziert  er, dessen  Kennt-
       nisse sowohl  der   Revolutions g e s c h i c h t e  als auch der
       Revolutionstheorie  unvergleichlich  besser  waren  als  die  von
       Burke, sich  gleichwohl mit dessen vor allem innerpolitischer Po-
       sition: Die  "Betrachtungen über die französische Revolution" des
       Friedrich Gentz  sind wie das englische Original des Edmund Burke
       weder das  Werk eines Historikers noch das eines Philosophen. Sie
       sind das  Werk eines  Politikers, im  Falle des  Berliners: eines
       Mannes, der  sich entschlossen hat, Politiker zu werden, und zwar
       auf Seiten  der Herrschenden  seiner Zeit  und seines  Landes. Es
       handelt sich bei den "Revolutionsbetrachtungen" nicht um ein sine
       ira et studio abgegebenes Forschungsvotum, sondern um ein partei-
       liches Pamphlet zur Konservierung der Macht-und-Ohnmacht-Struktur
       der existenten  Klassengesellschaft (Perfektionierungen durch Re-
       formen eingeschlossen).  Deren grundsätzliche,  bürgerlich - d e-
       m o k r a t i s c h e   Umgestaltung nach dem Vorbild Frankreichs
       und dem  Leitbild  politischer  Prinzipien  etwa  von  Locke  und
       Rousseau zu  verhindern, das  ist das  eigentliche  Anliegen  von
       Burke und  Gentz. Daher  ihre Diffamierung  jeglicher, wie sie es
       nannten: Totalrevolution,  und jedes Gesellschaftssystems, in dem
       das Volk das gute Recht hat, seine Regierung zu wählen, aber auch
       abzusetzen und  für ihre  Missetaten zur Verantwortung zu ziehen.
       6)  Daher   ihre  Uminterpretation   des  revolutionären  Gesell-
       schaftsvertragsmodells: Zwar  basiere die  Gesellschaft auf einem
       Vertrag, Partner aber dieses Vertrages seien die bereits verstor-
       benen, die  jetzt lebenden  und die  künftigen Geschlechter,  die
       sichtbare und  die unsichtbare Welt 7), ein revolutions-unbedürf-
       tiges Kontinuum  zwischen Vergangenheit,  Gegenwart und  Zukunft,
       zwischen dem  Diesseits und  dem Jenseits.  Und  daher  auch  der
       blanke Haß  der Burke/Gentz  gegen die  eigentums- und  machtlose
       Mehrheit, gegen  die von  ihnen als  swinish  multitude  8),  als
       schweinische Menge bezeichneten potentiellen Revolutionäre.
       Nun sind die vehementen Voten von Gentz gegen Frankreichs Revolu-
       tionspraxis  u n d  Revolutionsprinzipien die Urteile eines Rene-
       gaten. Anders  als Burke, der die französischen Revolutionsgedan-
       ken von Anfang an ablehnte und den französischen Revolutionstaten
       zu Beginn bestenfalls mit einer Skepsis begegnete, die nach weni-
       gen Monaten schon in Gift und Galle umschlug, anders auch als die
       beiden Rezensenten  der Burkeschen  "Reflections" in  der  Jenaer
       "Allgemeinen Literaturzeitung"  (1791, S.  561) und  in den "Göt-
       tingischen Anzeigen  von gelehrten Sachen" (1791, S. 1897), Ernst
       Brandes (1758-1810)  und August  Wilhelm Rehberg (1757-1836), die
       Frankreichs Revolution  von deren Geburt an ein kritisches Contra
       entgegengesetzt hatten, war Gentz zunächst und über Jahre hin ein
       Anhänger der Revolution und ihrer Prinzipien.
       Sein deutscher  Abscheu von  1793 vor der französischen Menschen-
       rechtserklärung von  1789, jenem "berauschenden Gifttrank", jener
       "Mißgeburt einer  seichten Philosophie und einer kindischen Poli-
       tik", die  nur ein  leerer Rahmen  sei, in welchem "Leidenschaft,
       und Eigennutz, und Herrschsucht, und Frechheit, und Meuterei ein-
       passen können, was für ihre Zwecke am brauchbarsten ist" 9), kon-
       trastiert total  mit seiner  eigenen Meinung vom Jahr zuvor. Denn
       als dem  fünfundzwanzigjährigen Gentz  die Revolution im Nachbar-
       land widerfuhr,  befand er  sich in  intellektueller Abhängigkeit
       nicht bloß  von Immanuel  Kant (1724-1804)  und  Christian  Garve
       (1742-1798), sondern  auch von  Montesquieu (1689-1755), Rousseau
       (1712-1778) und Adam Smith (1723-1790). Empört über einige in der
       " Berlinischen  Monatsschrift" erschienene Abhandlungen, in denen
       seiner radikalen  Meinung nach  an den  "natürlichen Rechten  der
       Menschheit in  einem unerträglich  gleichgültigen Tone gezweifelt
       wird", entschloß er sich, das Naturrecht aus "unleugbaren Prinzi-
       pien" zu  deduzieren, also  sowohl im  apriorischen Geist  seiner
       "alten Pflegemutter,  der kantischen Philosophie" als auch in dem
       des "göttlichen" Rousseau. 10)
       Wie der  Zufall es wollte: Genau in jenen Novembertagen von 1790,
       da in London Burkes "Reflections" erschienen mit ihrer an der Re-
       volution in  Paris exemplifizierten These, daß Staatstheorie eben
       nicht a priori gelehrt werden könne und die sogenannten Menschen-
       rechte, jenes grand magazine of offensive weapons, bloß Spitzfin-
       digkeiten politischer  Metaphysiker  enthielten  11),  übersandte
       Gentz seinen  genau das Gegenteil besagenden Artikel, in dem näm-
       lich nach der Meinung seines Autors die Menschheitsrechte aus der
       reinen  Vernunft   deduziert  wurden,   an  die   Redaktion   der
       "Berlinischen Monatsschrift",  die ihn,  wenn auch ohne Begeiste-
       rung, ein  halbes Jahr später publizierte. In dieser seiner Erst-
       veröffentlichung argumentierte  Gentz so: Aus dem Chaos von Welt-
       revolutionen flüchteten  die Menschenrechtsideen  in ihre Heimat,
       nämlich in  den Kopf  des Denkers,  denn Ideen, die, wie die Men-
       schenrechtsideen, allein  in der Vernunft ihren Sitz haben, könn-
       ten durch keinerlei Erfahrung widerlegt werden. 12)
       Noch im  Dezember 1790  schreibt Gentz  seinem väterlichen Freund
       Garve, daß  er nichts  weniger als an der guten Sache zu verzwei-
       feln geneigt  sei, und  das Scheitern  von Frankreichs Revolution
       würde er  für einen der härtesten Unfälle halten, die je das men-
       schliche Geschlecht betroffen haben, denn sie sei der erste prak-
       tische Triumph  der Philosophie,  das erste Beispiel einer Regie-
       rungsform, die auf Prinzipien gegründet sei, und wenn diese Revo-
       lution nicht  siege, dann  würden sich all die großen und kleinen
       Tyrannen furchtbar  für den Schrecken rächen, den ihnen das Erwa-
       chen der französischen Nation eingejagt hatte. 13)
       Es ist  hier nicht  der Ort, um die Ursachen zu erörtern, die zur
       politischen und theoretischen Konversion von Gentz führten, denen
       übrigens keine  religiöse Konversion folgte, obwohl er die Refor-
       mation logisch und moralisch mit der Revolution zu identifizieren
       bereit war. Genug, es fand wie zu allen Zeiten gärender Konflikte
       auch damals  in Berlin  die Degeneration eines Denkenden zu einem
       Verräter statt. Aus einem seinen "revolutionären Geistesdrang" zu
       Transzendentalgedanken  formenden  Kopf  wurde  jemand,  der  ein
       "Gegengift für  die  Ausschweifungen  des  Verstandes"  zusammen-
       braute; aus jemandem, der, den allerbesten Traditionen der Berli-
       ner Aufklärung  folgend, eine  philosophische Rechtfertigung  der
       als Revolutionsprinzipien  formulierten Menschenrechte  geliefert
       hatte, wurde  derjenige, der in einer Menschenrechtserklärung nur
       noch den  "gefahrvollen Baum  der Erkenntnis"  wahrnahm, eine Be-
       waffnung der  Untertanen durch ihre offensichtlich selbstmörderi-
       sche Regierung. 14)
       Uns interessiert heute natürlich weniger, daß Gentz seine Revolu-
       tions-"Betrachtungen" Preußens  König widmete,  einer von Dunkel-
       männern und Mätressen beherrschten, in kirchlich abgesegneter Bi-
       gamie lebenden  Person. Schon eher, daß es dieser (politisch) im-
       potente Potentat  gewesen war,  der 1791 die gegen die revolutio-
       nierenden Franzosen  gerichtete provokatorische  Interventionsde-
       klaration von  Pillnitz unterzeichnet  und im  Jahr darauf  seine
       Truppen mit  dem Ziel einer Restauration des Ancien régime losge-
       schickt hatte, die allerdings bei Valmy vom Revolutionsregime ge-
       stoppt worden war. Daß der Feuereifer, mit dem Gentz seinen lite-
       rarischen Übertritt  ins konterrevolutionäre Lager betrieb, Preu-
       ßens Monarchie  gelegen kam, läßt sich vielleicht an der Erhöhung
       seines Jahresgehaltes  um 60% bemessen, womit der Widmungswunsch,
       den Gentz  seinen Revolutionsbetrachtungen  vorangestellt  hatte,
       daß sein"  Allergnädigster König" das opus "mit einem huldreichen
       Blick begnadigen"  wolle, materialisiert  in  Erfüllung  gegangen
       war...
       Im Rahmen unserer Erörterungen ist allerdings für die Charakteri-
       sierung des von Gentz Geleisteten entscheidend, daß für ihn nicht
       etwa die  mit dem  Bastillesturm einsetzende  und im terreur gip-
       felnde Staatspraxis  die Staatsphilosophie  diskreditierte. Deren
       unbefleckten Ruf  zu restaurieren,  war Gentzens  Sache nicht. Im
       Gegenteil. Auch wenn er bis an sein Lebensende von der Krätze der
       Vernunft befallen  blieb: Seiner Meinung nach hatte die Revoluti-
       onspraxis die  Aufklärungsphilosophie nicht  diffamiert,  sondern
       falsifiziert. Atheistische  Broschürenschreiber seien es gewesen,
       welche die  Trompete geblasen  hätten, mit  denen der  Pöbel  zum
       Raube aufgerufen  worden sei,  ein Pöbel, der die Mordgewehre aus
       den Systemen  geschmiedet habe,  die der  Philosoph zuvor geformt
       hatte. 15)
       Von einem  historischen Standpunkt aus stellen sich die Revoluti-
       onsabhandlungen des  Friedrich Gentz als eine ungeheure, ungeheu-
       erliche Zurücknahme  von Denkinhalten  und -methoden dar, die den
       intellektuellen Menschheitsfortschritt  des 17.  und 18. Jahrhun-
       derts charakterisieren.  Sein Versuch,  die Revolutionsprinzipien
       zu destruieren, ließ ihn eine unheilige Allianz mit den allerhin-
       terwäldlerischsten, von  ihm selbst  für Dummköpfe gehaltenen Re-
       staurationsideologen eingehen.  Er war  viel zu klug, um nicht zu
       wissen, daß  Adam Smith recht hatte, und doch verband er sich mit
       dessen deutschem  Antipoden, mit  Adam Müller. Er war viel zu ge-
       bildet, um  nicht zu  wissen, daß Frankreichs Revolution schließ-
       lich siegen  werde, und doch machte er sie zu bekämpfen zu seinem
       höchsten Zweck. Obschon er sich über den weltgeschichtlichen Rang
       dieser Revolution im klaren war, machte er bereits in Berlin alle
       seine Bekannten  - alle, mit Ausnahme der Humboldts! - zu Antire-
       volutionären und  Königsschützern. 16)  Obwohl er  zwar abergläu-
       bisch, aber  nicht gläubig war, diente er ab 1802, als er flucht-
       artig Berlin  verließ - er sah es nicht wieder ", dem in Wien in-
       stitutionalisierten Glauben. Obwohl er Napoleon als den gekrönten
       Sieg der  Franzosenrevolution begriff, diente er wie kein anderer
       Metternich: Die  Karlsbader Beschlüsse  waren das  Produkt seines
       Geistes. 17) Obwohl er wußte, daß die Heilige Allianz sich letzt-
       lich als  eine politische  Nullität erweisen  würde, verkaufte er
       seine Intelligenz  an sie.  Obwohl er  viel zu  erfahren war,  um
       nicht zu  wissen, daß  die Weltgeschichte ein ewiger Übergang vom
       Alten zum  Neuen ist  18), kopulierte  er sich mit dem Alten, ein
       Konservativer mit  einem schlechten Gewissen. Sein Konservatismus
       war ein  Konservatismus wider besseres Wissen. Es war ein Konser-
       vatismus nicht  so sehr  aus Überzeugung  denn aus Berechnung. In
       seinen letzten  Lebensjahren wurde  ihm klar,  daß er ausgespielt
       und der Zeitgeist ihn bereits besiegt hatte.
       Nicht Friedrich Gentz mit seinen destruktiven Revolutionsbetrach-
       tungen von  1793, nicht Adam Müller (1779-1829) mit seinen roman-
       tisch-reaktionären "Elementen  der Staatskunst"  von  1809,  auch
       nicht Carl Ludwig von Haller (1768-1854) mit seiner sechsbändigen
       "Restauration der  Staatswissenschaft" von  1816 haben eine Lang-
       zeitwirkung ihrer  Konservatismus-Ideen zu  erzielen vermocht. Es
       war der  im Todesjahr  von Gentz zum Professor berufene Friedrich
       Julius Stahl  (1802-1861), dessen System einer theistischen Meta-
       physik und  eines die  Majorität der Autorität des Gottes und des
       Staates subordinierenden  Monarchismus der  offiziellen  Politik-
       theorie des  19. Jahrhunderts  den sozialphilosophischen Unterbau
       lieferte.
       Stahl stand  in offen  reaktionär-konservativer Gegnerschaft  wie
       zur Revolution  der Franzosen  so zum Rationalismus aller Aufklä-
       rungsphilosophen seit Grotius und Spinoza als dem "Ursprung" die-
       ser Revolution.  19) Nicht  Emanzipationsphilosophie, Legitimati-
       onstheorie sei  das Gebot  der Stunde.  Aber wenn  Stahl auch das
       Verdienst des  intellektuellen Gewährsmannes  von Gentz, also das
       von Burke, zu würdigen wußte, die aus Frankreich "hereindringende
       Zerstörung für  den Augenblick abzuhalten", so sprach er ihm doch
       die Fähigkeit  ab,  den  tiefen  Beweggrund  dieses  zerstörenden
       Andranges zu  erkennen und der künftigen unvermeidlichen Entwick-
       lung fördernd zur Hilfe zu kommen; ganz ähnlich lobte er zwar die
       philosophischen Bemühungen  des mit  Gentz vielfältig verbundenen
       Adam Müller,  die Franzosenrevolution  zu widerlegen, aber selbst
       die edelsten  Apologien des Mittelalters seien eben kein Buch, um
       jetzt einen  Staat einzurichten  und zu  regieren. 20) Nicht eine
       Theodizee zu  liefern, sondern eine Norm für das künftige Handeln
       der Menschen,  sei das  Gebot der Stunde. Konstruktiver Konserva-
       tismus.
       Freilich ließ Stahl den Anlauf, den zu nehmen er für erforderlich
       hielt, um  den Weg nach vorn zu ebnen, sehr weit hinten beginnen:
       Eine goldene  Mitte zwischen  Volkssouveränität und Obrigkeit von
       Gott, zwischen  der Heiligkeit  der bestehenden  Ordnung und  der
       Volksgewalt gebe es nicht, ließ er sich während der deutschen Re-
       volution des 19. Jahrhunderts vernehmen 21); wer nicht Legitimist
       ist, der  sei Revolutionär.  Wer die  Gesellschafts-, Staats- und
       Rechtsordnung statt  auf dem  Willen Gottes  auf die Vernunft des
       Menschen gründe,  der rechtfertige  mit der Volkssouveränität die
       "permanente Insurrektion"  22).  Denn  des  Königs  Majestät  und
       (ungeteilte) Macht  im Staate,  die keine Ursache habe und keinen
       Anfang und kein Ende, stamme von Gott, um Gottes willen seien die
       Untertanen ihm  daher den Gehorsam schuldig, ihm, der nicht Beam-
       ter des Volkes, sondern Beamter Gottes über das Volk sei. 23)
       Wie man leicht sieht, ist dem von der Kronprinzenpartei 1840 (als
       Nachfolger und  "Gegenfüßler" des  Linkshegelianers Eduard Gans!)
       an die  hauptstädtische Universität  Preußens berufenen Stahl 24)
       die klassische  Revolution des  Bürgertums tüchtig in die Knochen
       gefahren. Das  Herrschaftsrecht des  Monarchen wie die Grundherr-
       lichkeit des Adels ("so daß vom König bis zum gewöhnlichen Grund-
       besitzer  eine  ununterbrochene  Kette  ineinander  verschränkter
       Glieder bestehe") als göttlich gewollt und den allmählichen Über-
       gang vom  Untertan zum König in seinen vielen Abstufungen als na-
       turgemäß zu legitimieren 25), heißt denn doch für eine Konservie-
       rungsapologie der  überkommenen gesellschaftlichen  Machtstruktur
       die damals  allerschwersten Geschütze  aufzufahren. Und  die ent-
       stammten jedenfalls  nicht Stahls Kopfe, sondern waren im Mittel-
       alter gebaut.
       Gleiches gilt  gewiß für  die Theologisierungskur, die der am 23.
       November 1840  an Berlins  Juristenfakultät mit  einem Pfeif- und
       Trampelkonzert "begrüßte"  Professor für  das Natur- und Kirchen-
       recht der  Philosophie verschrieb.  26) Sie  sollen  ihren  sonst
       trüglichen Hypothesen  das untrügliche  Wort der  Offenbarung zu-
       grunde legen,  samt dem unerläßlichen Wunderglauben, dem von Des-
       cartes bis  Hegel frevelhaft geleugneten; ohne die Hilfe der pro-
       testantisch-christlichen Lehre,  die sich  so manches  vielleicht
       auch vom  Katholizismus werde  wieder inkorporieren müssen, könne
       die Philosophie  ihre Probleme  nicht lösen,  speziell  die  For-
       schungsfragen der  Rechtsphilosophie ließen sich ohne den persön-
       lichen Gott,  die Dreieinigkeit,  den Sündenfall  und alles  son-
       stige, was im Evangelium steht, überhaupt nicht beantworten.
       Auch wenn  Stahl die Bauelemente für seine Restaurationskonstruk-
       tion eines preußisch-deutschen Staatsrechts für Gegenwart und Zu-
       kunft aus  den intellektuellen  Quellen des  Mittelalters  bezog,
       sollte man  sich nicht  darüber täuschen, daß er auch nicht umhin
       konnte, dem  weltgeschichtlichen Fortschrittsprozeß seinen Tribut
       zu zollen.  Um bloße Reprisen handelte es sich bei ihm jedenfalls
       nicht. Auch  nicht um Mystik pur. Gewiß dominierte sein Anliegen,
       der herrschenden  Aristokratie ungeachtet  ökonomischer Machtver-
       schiebungen die  politische Macht  zu garantieren. Aber es sollte
       ein zwar autoritärer, doch nicht ein Willkürstaat sein, also eine
       konservativ  reformierte,  konstitutionell  temperierte,  rechts-
       staatlich  organisierte  und  klerikal  legitimierte  Herrschaft.
       Nicht das  Bürgertum war  Stahls Feind, wenn es nichtliberal war,
       sondern die  Revolution. Und diese bedrohte Adel wie Bourgeoisie.
       Diese beiden Klassen hatten sich also zu arrangieren. Diesen bei-
       den Klassen  diente (objektiv)  Stahl. Man mag das, was sich dann
       in Preußen  vollzog, für eine besonders widerwärtige und auch wi-
       derwillige Anpassungsart  an die  Entwicklungstendenzen  der  mit
       Frankreichs Revolution  sich unumkehrbar durchsetzenden bürgerli-
       chen Gesellschaft  halten. Tatsache  aber  ist,  daß  der  kleine
       schmächtige Mann  mit dem  schulmeisterlichen Aussehen, der blei-
       chen Gesichtsfarbe  und den stechend glänzenden Augen, daß dieser
       Stahl zwar  nicht der  Steuermann war,  der Preußens  Mächtige in
       Kirche und  Staat durch  die Stürme der Zeit hindurchführte, aber
       den Kompaß  hat er  doch einzustellen  geholfen, mit dessen Hilfe
       Deutschland ins Bismarck-Reich gesegelt ist.
       Er betätigte  sich 1848 im Vorstand des Vereins für König und Va-
       terland, seit  1849  in  der  Ersten  Kammer  Preußens  (ab  1855
       "Herrenhaus" bezeichnet)  als Prinzipiendenker  der Konservativen
       und Redner allerersten Ranges. Er war es, der als schärfster Geg-
       ner der  deutschen Paulskirchenverfassung,  von  deren  harmlosen
       Grundrechtsparagraphen er  behauptet hatte, daß sie an zersetzen-
       der Wirkung  alles Bisherige  überböten, den Scheinkonstitutiona-
       lismus Preußens mit der klassischen Begründung rechtfertigte, daß
       die (oktroyierte)  Verfassung von  1850 nur  dadurch eine  M ö g-
       l i c h k e i t   sei, daß  sie  keine    W i r k l i c h k e i t
       ist. 27)
       Auch hier sollte nicht die stärkstmögliche Form einer Absicherung
       des politischen Besitzstandes der Herrschenden mit einem Beharren
       auf dem ökonomischen Status quo verwechselt werden. Genau so, wie
       Stahl als  einer der  viri obscuri  seiner Zeit sehr wohl den von
       ihm gehaßten  Rationalismus auf  seinem eigenen  Terrain und  mit
       seinen eigenen  Waffen, also  mit strengster  Gedankenfolge,  und
       nicht etwa  bloß mit  Emotionen, bekämpfte, genau so war er nicht
       so borniert,  bei all  seiner Legitimation des Geschichtlichen zu
       übersehen, daß  es ohne Ausscheiden von historischem Ballast eben
       auch nicht geht. So hat er natürlich die Aufhebung der Leibeigen-
       schaft oder  die allmähliche Umwandlung des Geburtsadels in einen
       Grundadel gesehen  und auch  gerechtfertigt - sofern das histori-
       sche Band  nicht abgerissen  werde und die Evolution sich allmäh-
       lich von selbst ergebe, so daß selbst die Weihe und die Gesinnung
       der alten  Zeit den neuen geläuterten Einrichtungen durch die un-
       unterbrochene Anknüpfung  zustatten komme...  Stahl hat  zwar die
       Tyrannei von  Königen als  Gottes Züchtigung  für die  Frevel der
       Völker legitimiert,  aber, und  das dürfte  der Gipfel seiner Art
       von Neuerertum  sein, auch  Revolutionen, so rechts-, sitten- und
       religionswidrig sie  an sich  seien, könnten  als Fingerzeige des
       Himmels gelten:  Gott lasse, indem er den Zorn der Völker als ein
       Mittel gegen  das Unrecht der Könige gebraucht, Unrecht durch Un-
       recht ausmerzen. 28)
       Warum aber,  wenn von Revolution auch in der zweiten Jahrhundert-
       hälfte die Rede war, nachdem doch entsprechende Empörungsvorgänge
       in vielen  Ländern Europas stattgefunden hatten wie vorher in den
       Niederlanden, England,  Nordamerika auch, meinte Stahl, sofern er
       nicht ausdrücklich  anderes vermerkte, eigentlich stets die Revo-
       lution der  Franzosen von  1789, deren  Zeitgenosse er doch nicht
       mehr gewesen war? Um meine These scharf zu machen: weil er in der
       "Denkart von 1789" vor allem die philosophische Voraussetzung der
       Denkart des  Kommunismus sah,  so wie  er die Revolution von 1789
       vor allem als erstes Stadium einer sozialistischen Revolution er-
       kannte! Es war also das Moment an der Klassizität von Frankreichs
       großer Revolution,  das heutige  Kommunisten am  meisten mit  ihr
       verbunden sein  läßt, das  von der entgegengesetzten Position her
       Stahl diese  Revolution samt ihren Folgen hat hassen und fürchten
       lassen wie keine andere sonst.
       Also Stahls  Argumentation 29): Das Volk von 1789 habe in den Or-
       gien seiner  Revolution den  ganzen vorgefundenen  Verfassungszu-
       stand vernichtet; diese Revolution treibe aus allen ihren Wurzeln
       zum Sozialismus, der nur die letzte Entwicklungsstufe ihrer Denk-
       und Machart sei; wenn erst die Dämme gebrochen sind, dann gebe es
       kein Halten  mehr, und  wenn die  liberale Bewegung  siegt,  dann
       werde auch  die sozialistische  Bewegung siegen,  denn  wenn  die
       Bourgeoisie das  Königtum nicht  über sich  erträgt, warum  solle
       dann der peuple die Bourgeoisie über sich ertragen; dem konstitu-
       tionellen Königtum,  das die  Bourgeoisie erfunden hat, werde ein
       konstitutionelles Eigentum  entsprechen, das  dann die  Arbeiter-
       klasse erfinden  wird; die  bürgerliche Revolution  ist bloß  die
       halbe Revolution, ihr letzter Schritt sei notwendig die Aufhebung
       des Eigentums,  die Güter-  und Weibergemeinschaft, der Kommunis-
       mus.
       Soweit Stahl, der als Remedium, etwas anderes darf nicht erwartet
       werden, unter  der gottgewollten Erbmonarchie eine obrigkeitliche
       Gewalt wie  der Gutsherren  über ihre Tagelöhner, so auch der Fa-
       brikherren über  die Fabrikarbeiter zu etablieren vorschlägt, wo-
       mit die soziale Frage gelöst sei, denn das Proletariat werde dann
       nicht in  sich als Proletariat organisiert, sondern anderen Glie-
       derungen  einverleibt   sein,  einem   Höheren  im  Auftrage  des
       Höchsten. 30)  Welch reformierender  Konservatismus! Wir ersparen
       uns jeden Kommentar.
       Gegen Ende  seiner "Rechtsphilosophie"  schreibt Friedrich Julius
       Stahl 31),  es sei ein übles Ding in unserem Zeitalter, daß Revo-
       lutionen gemacht,  ein noch  weit übleres,  daß sie auch gefeiert
       werden; die  großen Revolutionen,  die seit  1789 über die Reiche
       Europas gegangen  sind, seien  eine Verletzung der göttlichen wie
       der menschlichen  Ordnung, ihre Feier aber sei ein Hohn auf diese
       Ordnung; welcher nicht verwilderte Mensch werde eine Ehescheidung
       feiern, oder  gar die  Scheidung des  höchsten gesellschaftlichen
       Bandes, dem zwischen Volk und Obrigkeit, als Freudenfest begehen?
       Hier, wie  auch sonst  so oft,  irrt Stahl  gründlich. Feiern wir
       Nichtverwilderten also  anläßlich ihres zweihundertsten Jahresta-
       ges die  große Revolution  der Franzosen, indem wir über ihre hi-
       storischen, die  materiellen wie die ideellen, Prämissen und Kon-
       sequenzen nachdenken. Und seien wir nicht bloß gedankenvoll, aber
       tatenarm.
       
       _____
       1) Marx/Engels, Gesamtausgabe  (MEGA), Bd.  1/3, Berlin/DDR 1985,
       S. 495,  557 (Friedrich Engels, "Progress of Social Reform on the
       Continent", 1843;  Engels, "Die Lage Englands", 1844). - Vgl. vom
       Autor des vorliegenden Beitrages: "Das Recht zur Revolution - die
       sozialphilosophische Quadratur  des Kreises", in: Die Große Revo-
       lution der  Franzosen und die Frage der revolutionären Demokratie
       im Revolutionszyklus  1789 "1871  (Sitzungsberichte der  Akademie
       der Wissenschaften  der DDR),  Berlin/DDR 1987,  S. 35-45, sowie:
       "Klassischbürgerliche  Rechtsphilosophie   in  Deutschland",  in:
       1789. Weltwirkung  einer großen Revolution (ed.: M. Kossok), Ber-
       lin/DDR 1988.
       2) Marx/Engels, Werke  (MEW), Bd.  2,  Berlin/DDR  1957,  S.  126
       (Marx/Engels, Die heilige Familie, Frankfurt a.M. 1845, S. 186).
       3) Vgl. William  Harbour, The Foundation of Conservative Thought,
       Notre Dame,  Ind., 1982; Günther Rudolph, "Konservatismus als Re-
       aktion auf  die Französische  Revolution", in:  Ludwig Elm (ed.),
       Falsche Propheten,  Berlin/DDR 1984, S. 23 - 73; Hermann Klenner"
       "Berliner Rechtsphilosophie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun-
       derts", in:  Wolfgang Förster  (ed.), Philosophieren  in  Berlin,
       Berlin/DDR 1987;  Reinhold Aris,  History of Political Thought in
       Germany 1789-1815,  London 1965; Paul Beik, The French Revolution
       Seen from  the Right, New York 1970; Klaus Epstein, Die Ursprünge
       des Konservatismus  in Deutschland,  Frankfurt a.M. 1973; Jacques
       Godechot, La contre-révolution, Paris 1984; Russel Kirk, The Por-
       table Conservative Reader, Harmondsworth 1982.
       4) Edmund Burke,  The Correspondence,  Bd. 6,  Cambridge 1967, S.
       141.
       5) Burke, Reflections  on the  Revolution in  France (1790), Har-
       mondsworth 1976, S. 185.
       6) Burke, ebenda, S. 99, 204, 217.
       7) Burke, ebenda,  S. 194  f. Vgl. Reimar Müller/Hermann Kienner,
       Gesellschaftstheorien von  der Antike  bis  zur  Gegenwart,  Ber-
       lin/DDR 1985.
       8) Burke, ebenda, S. 173.
       9) Friedrich Gentz,  Betrachtungen über  die französische Revolu-
       tion, Bd.  2, Berlin 1793, S. 199, 224 f. - Eine Gentz-Bibliogra-
       phie befindet  sich im  Anhang von: Edmund Burke/Friedrich Gentz,
       Über die französische Revolution, Berlin/DDR 1989.
       10) Gentz, Briefe  an Christian  Garve, Breslau  1857, S. 25, 44;
       F.C. Wittichen  (ed.), Briefe  von und  an Gentz,  Bd. 1, München
       1909, S. 172.
       11) Burke, Reflections, S. 149, 217.
       12) Gentz, "Über  den Ursprung  und die  obersten Prinzipien  des
       Rechts", in:  Berlinische Monatsschrift  17 (1791),  370-396; ge-
       richtet gegen  Justus Möser,  "Über das Recht der Menschheit, als
       den Grund  der neuen  Französischen Konstitution",  in: ebenda 15
       (1790), 499-506, wiederabgedruckt bei Möser, Patriotische Phanta-
       sien, Leipzig 1986, S. 256-260.
       13) Gentz, Briefe an Garve, S. 59.
       14) So: Gentz, Betrachtungen, Bd. l, S. XXX; Bd. 2, S. 183, 185.
       15) Gentz, Betrachtungen, Bd. 1, S. 223; Bd. 2, S. 183.
       16) Vgl. Wittichen (ed.), Briefe von und an Gentz, Bd. 2, München
       1910, S.  8; W. v. Humboldt, Individuum und Staatsgewalt, Leipzig
       1985, S. 250.
       17) Vgl. Gentz,  Staatsschriften und Briefe, Bd. 2, München 1921,
       S. 49, 113.
       18) Vgl. Gentz, Schriften, Bd. 5, Mannheim 1840, S. 316.
       19) Friedrich Julius  Stahl, Was ist die Revolution? Berlin 1852,
       S. 5,  11. -  Die seinerzeit tonangebende Einordnung Stahls durch
       Erich Kaufmann,  "Stahl  als  Rechtsphilosoph  des  monarchischen
       Prinzips" (1906),  jetzt in  seinen Gesammelten Schriften, Bd. 3,
       Göttingen 1960,  S. 1-45,  hat neuerdings  einem Stahl-Boom Platz
       gemacht. Vgl.  etwa: Dieter  Grosser, Grundlagen und Struktur der
       Staatslehre Stahls, Köln 1963; Helmut Heinrichs, Menschenbild und
       Recht bei  Stahl, Köln 1969; Aris Nabrings, Stahl. Rechtsphiloso-
       phie und  Kirchenpolitik, Bielefeld 1983; Christian Wiegand, Über
       Friedrich Julius  Stahl, Paderborn  1981. - Eine Stahl-Bibliogra-
       phie findet sich bei: Zoltan Peteri (ed.), Legal Theory. Compara-
       tive Law, Budapest 1984, S. 129-133.
       20) Vgl. Stahl,  Die Philosophie des Rechts, Bd. II/1, Heidelberg
       1833, S.  4-12. Die  in erster Auflage zwischen 1830 und 1837 pu-
       blizierte "Philosophie  des Rechts" erschien, erheblich erweiten,
       in fünfter  Auflage 1870,  von der 1926 noch einmal eine Auswahl-
       ausgabe veranstaltet wurde; ein Reprint erschien 1963.
       21) Stahl, Die  Revolution und  die  constitutionelle  Monarchie,
       Berlin 1849, S. 19.
       22) Stahl, Die  Philosophie des Rechts, Bd. U/2, 5. Auflage, Hei-
       delberg 1870, S. 532.
       23) Stahl, Die  Philosophie des Rechts, Bd. H/2, 1. Auflage, Hei-
       delberg 1837, S. 73-88.
       24) Vgl. H.  Kienner, "Stahls Berufung", in: Helmut Bock/W. Heise
       (ed.), Unzeit des Biedermeiers, Leipzig 1985, S. 206-216; MEW 12,
       685 (Marx, "Die Lage in Preußen").
       25) Stahl, Die  Philosophie des Rechts, Bd. n/l, Heidelberg 1833,
       S. 338.
       26) Zum Folgenden: Stahl, Die Philosophie des Rechts, Bd. l, Hei-
       delberg 1830,  S. 362; Fundamente einer christlichen Philosophie,
       Heidelberg 1846,  S. 181;  Stahl, Der  Christliche Staat,  Berlin
       1847.
       27) Stahl, Die  deutsche Reichsverfassung,  Berlin 1849,  S.  62;
       Stahl, Siebzehn  parlamentarische Reden, Berlin 1862, S. 29. Vgl.
       Ernst Engelberg, Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer, Berlin/DDR
       1985, S. 405.
       28) Stahl, Die  Philosophie des Rechts, Bd. E/2, Heidelberg 1837,
       S. 258, 261; Bd. H/1, S. 208.
       29) Vgl. zum  Folgenden vor  allem: Stahl, Die gegenwärtigen Par-
       teien in  Staat und  Kirche, Berlin  1863, S.  60-81, 208-285. Es
       handelt sich  hier um  die postume  Publikation von  akademischen
       Vorlesungen, die  Stahl zwischen 1850 und 1857 an Berlins Univer-
       sität publice  gehalten hat.  - Über den Kommunismus als die not-
       wendige Konsequenz  der Aufklärungsphilosophie,  speziell der He-
       gels, vgl.  Marx/Engels, Gesamtausgabe  (MEGA), Bd.  1/3,  Berlin
       1985, S.  509 (Engels,  "Progress of  Social Reform on the Conti-
       nent", 1843).
       30) Stahl, ebenda, S. 284. Auch die von ihm vorgeschlagene obrig-
       keitliche Unterordnung  des Arbeiters unter "seinen" Kapitalisten
       belegt, daß  Stahls Feind  nicht das  Bürgertum war,  was Herbert
       Marcuse, Vernunft und Revolution, Darmstadt 1976, S. 318, zutref-
       fend mit anderen Erwägungen nachgewiesen hat.
       31) Stahl, Die Philosophie des Rechts, Bd. II/2. 5. Auflage, Hei-
       delberg 1870,  S. 558.  - Man erinnere sich bei Stahls Tiraden an
       Lenins Meinung,  daß die Große Französische Revolution die Leben-
       digkeit ihres Einflusses auf die Menschheit auch dadurch beweise,
       daß sie  bei allen  Reaktionären den wütendsten Haß erweckt. Vgl.
       W.I. Lenin,  Werke, Bd.  13, Berlin/DDR  1963, S.  25 ("Gegen den
       Boykott", 1907).
       

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