Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 14/1988


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       DIE MAINZER REPUBLIK 1792/93,
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       EIN DEUTSCH-FRANZÖSISCHES PHÄNOMEN *)
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       Heinrich Scheel
       
       Die Mainzer  Republik entstand im Ergebnis einer bürgerlich-demo-
       kratischen Revolution  unter exzeptionellen  Bedingungen, nämlich
       im Gefolge  des siegreichen Vorstoßes der französischen Revoluti-
       onstruppen unter  Custine in  die Pfaffengasse  am Rhein  - eines
       Vorstoßes, der  aus der Verteidigung heraus gegen die konterrevo-
       lutionäre Intervention  Österreichs und  Preußens geführt  worden
       war.
       Eine solche Aussage widerspricht nahezu allen jemals von der bür-
       gerlichen Geschichtsschreibung  zu diesem Thema gegebenen Wertun-
       gen. Wir  verzichten auf  Belege aus  den Niederungen der bürger-
       lich-nationalistischen Historiographie  des 19.  Jahrhunderts und
       gehen auch  nicht auf den imperialistischen Mißbrauch unseres Ge-
       genstandes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Uns in-
       teressiert hier  ausschließlich die  zeitgenössische  bürgerliche
       Geschichtsschreibung, soweit sie sich dazu äußert.
       Es wäre  unangebrachte Bescheidenheit,  auf die  Feststellung  zu
       verzichten, daß  die Ergebnisse  der marxistischen Geschichtswis-
       senschaft der  DDR hier einiges bewegt haben. Beispielsweise sind
       in der  BRD einzelne  auf diesen Ergebnissen fußende Arbeiten er-
       schienen wie  die des  Lehramtsbewerbers Klaus Tervooren, den bei
       der Beschäftigung mit der Mainzer Republik politisches Erkenntni-
       sinteresse motivierte  und der  Traditionen ins Geschichtsbewußt-
       sein heben  wollte, "die von den Vorkämpfern eines demokratischen
       besseren  Deutschland   handeln."  1)  Immerhin  hatte  der  AStA
       (Allgemeine Studenten-Ausschuß) der Mainzer Gutenberg-Universität
       es sowohl  1978 als auch 1981 durchsetzen können, daß ich an die-
       ser Universität meine Auffassungen zur Geschichte der Mainzer Re-
       publik vertreten  konnte. 2)  1981 fand  darüber hinaus sogar ein
       öffentliches Podiumsgespräch  im Sitzungssaal  des  Mainzer  Rat-
       hauses statt,  an dem nolens volens auch der Mainzer Lehrstuhlin-
       haber für Geschichte, Hermann Weber, persönlich teilnahm, der zu-
       vor noch  jede Diskussion  mit mir  abgelehnt hatte. 3) Ebenfalls
       1981 wurde  durch den  sozialdemokratischen Kulturdezernenten von
       Mainz, Anton Maria Keim, in den Mauern dieser Stadt immerhin eine
       allererste Ausstellung  initiiert, die  den revolutionären Ereig-
       nissen in  und um Mainz gewidmet war. 4) Natürlich ging das nicht
       ohne Kompromisse  ab, die  sich unter anderem darin äußerten, daß
       die inhaltliche  Gestaltung dem  Weber-Schüler Franz Dumont über-
       tragen wurde, der 1978 mit einer Arbeit über die Mainzer Republik
       promoviert hatte,  mit der  er vier Jahre später endlich auch vor
       die Öffentlichkeit  trat. 5) Eins ist inzwischen ganz sicher, daß
       nämlich nach  der Aufarbeitung  und Publizierung  des überreichen
       Quellenmaterials zur Mainzer Republik die bürgerliche Geschichts-
       schreibung, die ernst genommen werden will, dieses Phänomen nicht
       mehr wie  Freiherr von Aretin noch 1980 als einen bloßen Spuk ab-
       tun kann.  6) Selbst  ein Weber und sein Famulus Dumont - so tief
       schwarz sie  auch sind - tun es nicht mehr. Allerdings lassen sie
       dabei solche  absoluten Ignoranten wie den Engländer T.C.W. Blan-
       ning als zumindest partiell brauchbaren Bundesgenossen immer noch
       gelten. Dieser  Unglücksrabe hatte längere Zeit bei Aretin im In-
       stitut für  Europäische Geschichte  in Mainz gesessen und war bei
       der Suche nach der atlantischen Revolution auf unser Thema gesto-
       ßen. Seitdem beschenkt er seine Mitwelt in längeren Abständen mit
       Lesefrüchten, die  beweisen sollen,  daß im  ganzen letzten Jahr-
       zehnt des  18. Jahrhunderts  das gesamte  Linksrheinische bis ins
       Mark konterrevolutionär gesinnt gewesen sei. 7)
       Dumonts Darstellung unterscheidet sich von der Blannings, und sie
       kann, mit  dem Segen des Mainzer Ordinarius versehen, als die do-
       minierende und  offizielle in  der bürgerlichen Geschichtsschrei-
       bung der  BRD gelten;  die wohlwollenden Rezensionen, die Dumonts
       Buch in  den entsprechenden bürgerlichen Fachorganen erhielt, be-
       stätigen es.  8) Der  Urgrund, aus  dem heraus Dumont seine Linie
       entwickelt, ist  aber ganz  und gar nicht neu und im Prinzip auch
       nicht verschieden  von dem  Blannings: Es  ist die  tief sitzende
       Furcht des  Spätbürgertums vor  revolutionären Veränderungen  der
       Gegenwart. Revolutionäre Lehrstücke aus der Vergangenheit für die
       Gegenwart darf  es darum  nicht geben.  Ich zitiere Hermann Weber
       aus dem  schon erwähnten Podiumsgespräch von 1981: "Und hier sage
       ich in  aller Eindeutigkeit:  Die Praxis der Mainzer Republik als
       ein revolutionäres Zustandekommen und eine revolutionär agierende
       Republik kann und darf kein Lehrstück für unsere heutige Demokra-
       tie werden.  Und wenn der AStA in seiner Dokumentation im Vorwort
       von den  Mainzer Jakobinern  schreibt, sie  seien  die  geistigen
       Ziehväter der Revolutionäre von 1848, der Rätedemokraten von 1918
       und der  alternativen  und  radikal-demokratischen  Bewegung  von
       heute, und wenn er also meint, daß dies geblieben sei und daß wir
       dies aufgreifen  müßten, dann  sage ich  dazu nein  und  dreifach
       nein." 9)
       Da die  Mainzer Republik  als  ein  revolutionäres  Ereignis  nun
       schlechterdings nicht  mehr zu  leugnen, andererseits ein politi-
       scher Auftrag  zu erfüllen  ist, der dem demokratischen Charakter
       dieses Ereignisses  entgegensteht, hilft  man sich, indem man den
       französischen Anteil  am Gesamtgeschehen  überhöht und den eigen-
       ständigen Beitrag  aus der  linksrheinischen Bevölkerung zu einer
       quantité négligeable  zusammenschrumpfen läßt.  Auf  diese  Weise
       wird die  Mainzer Republik nicht nur ihres demokratischen Gehalts
       beraubt, sondern  zugleich auch aus der deutschen Geschichte hin-
       auseskamotiert. Für  Dumont ist die Mainzer Republik das Ergebnis
       einer französischen  Revolutionierung, die von außen und von oben
       erfolgte; nur eine verschwindende Minderheit deutscher Revolutio-
       näre hätte  sich zur  Kollaboration bereit  gefunden, während die
       Masse der  Bevölkerung dem  Althergebrachten anhing.  Der aus der
       Verteidigung heraus  geführte Vorstoß  Custines wird in einen Er-
       oberungskrieg umfunktioniert,  der eine  Politik fortsetzte,  die
       ihre Wurzel  im Expansionsstreben  der absouten Monarchie des 17.
       Jahrhunderts hatte. Zwar wird eingeräumt, daß sich dieses Streben
       nach 1789  mit einem hohen Grad an Messianismus verband, der sich
       der revolutionären Ideologie und Phraseologie wohl als Mittel be-
       diente, aber  am Eroberungscharakter  der  französischen  Politik
       nichts änderte.
       
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       Schauen wir uns die Vorgänge im Detail selbst an. Da ist zunächst
       das Problem der Rheingrenze als eine die Außenpolitik des revolu-
       tionären Frankreich  zunehmend bestimmende  militärische Zielset-
       zung. Seltsamerweise  nahm die Idee der Rheingrenze ihren Ausgang
       im Linksrheinischen;  darauf hat  übrigens Godechot  schon vor 30
       Jahren hingewiesen.  10) Nach  Ausbruch der  Revolution und ihren
       ersten militärischen  Erfolgen gegen die auswärtige Konterrevolu-
       tion wurden  im Linksrheinischen  erste  Stimmen  laut,  die  die
       Rheingrenze für  Frankreich postulierten  und dann  auch in Paris
       zunehmendes Gewicht erhielten, weil sie damit Lösungen für Fragen
       anboten, die  sich dem Nationalkonvent immer dringender stellten.
       Dazu gehörte eine handfeste Antwort darauf, wie die nun herrenlo-
       sen und  in französische  Hand gefallenen Gebiete unter Bewahrung
       des verfassungsmäßigen  Grundsatzes zu  verwalten waren,  nämlich
       die Freiheit  jedes anderen Volkes zu respektieren und auf Erobe-
       rungen zu  verzichten. Damit  in enger Verbindung stand die Frage
       nach der  Bestreitung der  immensen Kosten, die jede militärische
       Unternehmung mit sich brachte. Schließlich spielte natürlich auch
       die militär-strategische  Frage eine  Rolle, wie  nämlich der von
       Nordosten ständig  ausgehenden Bedrohung  der  grenznahen  Haupt-
       stadt, die  ja zugleich  das Zentrum  der Revolution  darstellte,
       wirksam zu begegnen war.
       Bereits in seinen ersten Klubreden Ende Oktober riet Wedekind den
       Mainzern, Frankreich  um die  Aufnahme als  Mitbürger zu ersuchen
       und durch  eigene Deputierte im Nationalkonvent an der Überarbei-
       tung der  Gesamtverfassung mitzuwirken.  11) Der Warnung des kur-
       fürstlichen Gefällverwesers  vor einer reichswidrigen Verfassung,
       die die  Stadt vom  Holz des  Spessart und  vom Getreide  anderer
       Reichsgebiete trennen  würde, hielt Matthias Metternich am 1. No-
       vember im  Klub entgegen,  daß der freie Bund mit Frankreich kei-
       neswegs nur  die Stadt  oder auch nur den linksrheinischen Zipfel
       des Kurmainzischen bezielte; das Bemühen müsse vielmehr dahin ge-
       hen, "wenigstens  den Teil  Deutschlands, der  zwischen Rhein und
       Mosel liegt,  zugleich mit  in diesen freien Bund zu bringen,..."
       12) Am  6. November  billigte der Klub den Briefentwurf des Anton
       Dorsch an  die Pariser  Muttergesellschaft, die all ihren Einfluß
       geltend machen sollte, um einem Volke, "digne d' être français ou
       l'allié des Français", die unzweifelhafte Sicherheit zu verschaf-
       fen, das  eine oder  das andere  zu werden.  13) Am  15. November
       nannte es  Andreas Hofmann  vor dem  gleichen Gremium einen unum-
       kehrbaren Tatbestand  und eine Wohltat zugleich, "von des Reiches
       mißgestaltetem Körper"  losgerissen zu  sein. 14) Den Begriff der
       Rheingrenze ungescheut zu benutzen, blieb Georg Forster vorbehal-
       ten, der in seiner Jungfernrede vor dem Klub am gleichen Tage er-
       klärte: "Der Rhein, ein großer schiffbarer Fluß, ist die natürli-
       che Grenze  eines großen Freistaats, der keine Eroberungen zu ma-
       chen verlangt,  sondern nur die Nationen, die sich ihm freiwillig
       anschließen, aufnimmt und von seinen Feinden für den so mutwillig
       von ihnen veranlaßten Krieg eine billige Entschädigung zu fordern
       berechtigt ist.  Der Rhein  wird der  Billigkeit gemäß die Grenze
       Frankreichs bleiben." 15) Ende November 1792 erst sprach Brissot,
       das Haupt  der Gironde,  in einem  Briefe an Dumouriez davon, daß
       die Idee  der Rheingrenze  auch in  Paris zusehends  an Boden ge-
       wänne. 16) Doch der Konvent hielt sich zurück. Offizielle franzö-
       sische Verlautbarungen, in denen die Rheingrenze als Ziel eindeu-
       tig markiert wurde, stammen alle erst aus dem Jahre 1793: So Dan-
       tons Doktrin der natürlichen Grenzen vom 31. Januar: "Les limites
       de la  France sont  marquées par  la nature. Nous les atteindront
       dans leurs  quatre points, à l'océan, au Rhin, aux Alpes, aux Py-
       rénées..."; 17)  so Carnot  ebenfalls im  Konvent am 14. Februar:
       "Les limites  anciennes et  naturelles de la France sont le Rhin,
       les Alpes  et les  Pyrenees." 18)  Aber schon mit der Verdrängung
       der Gironde aus den Machtpositionen wurde diese Doktrin wieder in
       Frage gestellt.
       Werfen wir als nächstes einen Blick auf den Klub! Seine anfängli-
       che Förderung  durch Custine unterliegt keinem Zweifel. Der Gene-
       ral stimmte  nicht nur  der Gründung  zu, sondern stellte auch in
       Mainz wie  in Worms  geeignete Räumlichkeiten  zur Verfügung,  ja
       leistete sogar  finanzielle Hilfe,  um  geeignete  Propagandisten
       nach Mainz zu ziehen. Damit allerdings erschöpfte sich im wesent-
       lichen auch  schon sein  unmittelbares Engagement.  Zwar trat  er
       selbst am  18. November  dem Klub als Mitglied bei, entschuldigte
       diesen späten  Entschluß mit  seinen vielen  Geschäften und  ver-
       sprach für  die Zukunft  eine regelmäßige Teilnahme; 19) tatsäch-
       lich jedoch  tauchte er  nur noch einmal am 11. Januar - und zwar
       mit seinem ganzen Gefolge - im Klub auf, um einer vermeintlich an
       ihm geübten  Kritik mit  dem nötigen  Nachdruck entgegenzutreten.
       20) Gewiß  hat Georg  Wilhelm Böhmer,  der als  Sekretär Custines
       fungierte, für seine vielfachen Anregungen, Anstöße und Aktionen,
       die er  insbesondere in  der ersten Zeit ins Werk setzte, ein gut
       Teil seiner  Autorität vom General ausgeborgt; die moralische Be-
       rechtigung zur  Berufung auf Custine lieferte ihm der Tatbestand,
       daß sie  vieles erleichterte  - und  zwar unabhängig davon, ob im
       jeweils konkreten  Falle die  Zustimmung des Generals vorlag oder
       nicht. Böhmer  nutzte einfach seine Stellung und kostete sie auch
       aus. Auf  die inhaltliche Gestaltung der Arbeit des Klubs hat Cu-
       stine überhaupt keinen Einfluß genommen. Es gab auch keinen ande-
       ren Franzosen,  der dies in seinem Auftrag getan hätte, denn Män-
       ner wie Dorsch, Stamm, Andreas Meyer, Cotta, Pape, ja selbst Böh-
       mer können  dieser Kategorie  nicht zugerechnet  werden, denn sie
       agierten selbständig  als deutschsprachige Propagandisten der Re-
       volution, durch die Frankreich ihnen erst zur neuen Heimat wurde.
       Eine aktive  Mitwirkung französischer  Klubmitglieder, auch  wenn
       sie 10%  der Gesamtzahl ausmachten, 21) scheiterte an der Sprach-
       barriere, die  immer wieder  den Ruf nach separaten französischen
       Sitzungen laut  werden ließ;  aber nach vier solchen Versuchen im
       Januar 1793 gab man diese Idee restlos auf. 22)
       Als Böhmer  Ende Oktober  und Anfang  November den Klub dafür ge-
       wann, eine besondere Art der Volksbefragung durchzuführen, berief
       er sich  natürlich auch  auf Custine, der aber ganz anders an die
       Dinge herangegangen  war. Der  General hatte  am 26. Oktober alle
       Zunftvertretungen aufs  Stadthaus rufen  lassen, aber  scheiterte
       mit seiner  Befragung. 23) Böhmer nun schlug dem Klub die Auslage
       zweier Bücher  vor, eines  Roten Buches,  in das sich einschrieb,
       wer sich  zu den  Prinzipien der  Volkssouveränität, der Freiheit
       und Gleichheit  bekannte, und  eines Schwarzen Buches für die An-
       hänger der  Sklaverei. 24)  Bereits Böhmers  Idee, mehr aber noch
       die dann  vom Klub gehandhabte Praxis ließ den ersten ungeschick-
       ten Versuch Custines weit hinter sich zurück.
       Das Rote  Buch -  vom Schwarzen  war schon  bald so gut wie keine
       Rede mehr  - wurde  zu einem  wesentlichen und insgesamt durchaus
       erfolgreichen Ansatz,  eine von allen überkommenen Formen berufs-
       mäßiger oder ständischer Gliederungen unabhängige Stimmensammlung
       in Mainz  für die  Annahme der  französischen  Verfassung  durch-
       zusetzen. In allen Klubsitzungen - vom 7. November bis in den De-
       zember hinein - stand auf der Tagesordnung die Wahl von Kommissä-
       ren, die  außerhalb der  Sitzungszeiten die Auslage des Roten Bu-
       ches im Klub zu überwachen hatten. Das Rote Buch war eine im Klub
       entwickelte und von ihm getragene Idee, die nur auf die Kraft der
       Aufklärung baute  und dabei  die lügenhafte Flüsterpropaganda der
       Konterrevolution gegen  sich hatte, wonach auf die Eintragung die
       gefürchtete Rekrutierung unmittelbar folgen würde. Zu keiner Zeit
       hat es irgendeinen Entscheidungszwang zur Eintragung gegeben; der
       Vorschlag eines  Mitglieds, das  Buch von  Haus zu Haus zu tragen
       und so  deren Bewohner unter moralischen Druck zu setzen, war na-
       hezu einhellig abgewiesen worden. 25)
       Das Resultat  dieser zurückhaltenden  und recht  passiven Werbung
       betrug um  die Wende  vom November zum Dezember 1500 Unterschrif-
       ten; 26) das war mehr als das Dreifache der Zahl der Klubmitglie-
       der und  ein gutes  Viertel aller  stimmberechtigten Bewohner der
       Stadt. Wie  Franz Dumont angesichts eines solchen Ergebnisses al-
       lein in Mainz die Stirn haben kann zu behaupten, "daß die Jakobi-
       ner über  den Kreis ihrer Mitglieder hinaus kaum Anhänger mobili-
       sieren konnten"  27), bleibt  sein Geheimnis.  Schon die Tatsache
       allein, daß  der Klub  in wenigen  Wochen eine Mitgliederzahl von
       einem halben Tausend erreichte und trotz schlechterer Startbedin-
       gungen damit  der durchschnittlichen  Größe seiner  französischen
       Vorbilder durchaus  entsprach, 28)  war ein  untrügliches Zeichen
       für die  Bereitschaft breiter  Bevölkerungskreise  außerhalb  des
       Klubs, grundsätzliche  Veränderungen der bestehenden Verhältnisse
       mitzutragen. Wir  sprechen darum mit Lenin von der Existenz einer
       Massenbasis. 29)
       An die Eintragung ins Rote Buch waren dementsprechend diverse Er-
       wartungen geknüpft,  beispielsweise die  jenes  Schustergesellen,
       der die  Rheingauerin Margarethe  Wilhelmin zu  heiraten und sich
       mit ihr  in Mainz niederzulassen gedachte, was ihm bisher von den
       Zunftbrudermeistern verwehrt  worden war und ihn wiederum bewogen
       hatte, seinen  Namen ins  Rote Buch zu setzen. 30) Eine Realisie-
       rung solcher  Erwartungen in  der Praxis setzte voraus, daß nicht
       nur Überzeugungen  deklariert, sondern  die  Machtfrage  gestellt
       wurde. Die  mit dem Roten Buch verfolgte Werbung hatte ihre Gren-
       zen, die  Ende November  erreicht waren. Erstmalig wurde jetzt im
       Klub Kritik  daran laut.  31) Am 2. Dezember stimmte er mit Mehr-
       heit dem  Vorschlag zu,  durch Custine einen Schlußtermin für die
       Einschreibung  festlegen  zu  lassen,  obwohl  einige  dies  eine
       Zwangsmaßnahme nannten.  32) Am  6. Dezember  machte den Klub das
       nicht ungegründete  Gerücht mobil,  wonach Custine  der  niederen
       Mainzer Geistlichkeit  auf Anfrage  erklärt haben sollte, daß sie
       sich zur  Zeit noch nicht für oder gegen die französische Verfas-
       sung zu  entscheiden brauche.  33) Daraufhin beschloß der Klub am
       7. Dezember, das ganze Unternehmen auf eine andere Basis zu stel-
       len und Custine aufzufordern, das Rote Buch, das fortan den Namen
       Buch der  Konstitutionsfreunde der  Frankenrepublik tragen würde,
       ausdrücklich zu  autorisieren; den  Endtermin für die Auslage des
       Buches bestimmte der Klub, der auch die niedere Geistlichkeit zur
       Eintragung bewegen  sollte. 34) Dieser Beschluß gab der ideologi-
       schen Entwicklung Ausdruck, die von der aufklärerischen Belehrung
       bis zu  der Erkenntnis  geführt hatte, daß nunmehr die politische
       Macht ins  Spiel zu  bringen war. Aber dieser Beschluß blieb wir-
       kungslos, denn Custine versagte sich ihm total.
       Die letzte  Intervention Custines in das politische Geschehen lag
       schon fast drei Wochen zurück und betraf die Einrichtung der pro-
       visorischen Allgemeinen  Administration,  die  die  kurfürstliche
       Landesregierung ablösen  sollte. Diese  Maßnahme war  schon am 4.
       November ins  Auge gefaßt  worden, sollte  am 10. November reali-
       siert sein,  aber wurde  tatsächlich erst  am 19. November in die
       Tat umgesetzt.  Sie war  nirgends grundstürzend,  sondern pragma-
       tisch und  rudimentär; alle  Verordnungen der  Administration be-
       durften der  Zustimmung durch  die Militärbehörden.  Dabei war es
       gar nicht so sehr die mangelnde Selbständigkeit, die hemmte, son-
       dern vielmehr  die sehr  deutlich markierte  Begrenztheit dessen,
       was sich  Custine als  Spielraum gestattete: "Noch können wir mit
       der uns  anvertrauten Gewalt  keinen Ausspruch über die gänzliche
       Abschaffung aller  jener lästigen  Rechte tun,  unter deren Druck
       die Völker  schon seit Jahrhunderten seufzen,... Aber wir ergrei-
       fen einstweilen  mit Eifer die Gelegenheit, die Lasten der Völker
       zu erleichtern,  indem wir  öffentliche Verwalter ernennen, deren
       bewährte Grundsätze  die Weisheit  und Mäßigung verbürgen, welche
       sie leiten  wird." 35)  Es ist  mehr als eine Anmerkung wert, auf
       die sich  Franz Dumont  beschränkt, 36)  daß nämlich  der Mainzer
       Klub es  am 19.  November mit  Mehrheit ablehnte, dem General für
       die Einsetzung  der Administration  einen besonderen  Dank auszu-
       sprechen. 37) Die  schärfste  Kritik  übte  Anfang  Dezember  ein
       Anonymus -  wahrscheinlich Andreas  Hofmann ", der sich dabei al-
       lerdings einer  Straßburger Zeitung bediente und Custine beschul-
       digte, nichts für die Freiheit getan zu haben. 38)
       Bei allen notwendigen Vorbehalten, die im Hinblick auf die Allge-
       meine Administration  als einem  Stück revolutionärer  Erneuerung
       anzumelden sind,  tragen dennoch  einzelne Züge diesen Charakter.
       Das zeigte  sich zum  ersten in der Mißachtung bisheriger feudal-
       staatlicher Zuständigkeiten:  Die  kurmainzische  Landesregierung
       hatte ausschließlich  im Mainzischen  geboten; die Administration
       dagegen  schloß   außerdem  in  ihren  Zuständigkeitsbereich  das
       bischöflich Wormsische,  das bischöflich Speyerische und auch die
       Reichsstädte Worms  und Speyer  mit ein,  denen übrigens wie auch
       Mainz neue Bürgermeister vorgesetzt worden waren. 39) Zum zweiten
       zwang die  Übernahme staatlicher  Funktionen, so  eingegrenzt sie
       auch sein  mochten, deutsche Revolutionäre zur Machtausübung, die
       im Gebrauch der Machte übte und handfeste Klassenkampferfahrungen
       vermittelte, die  besser als  alles andere  geeignet  waren,  den
       Übergang  von   der  theoretischen  Spekulation  zur  praktischen
       Nutzanwendung zu  meistern. Dabei  handelte es  sich schon  nicht
       mehr um  Folgeerscheinungen, die sich unmittelbar auf Custine zu-
       rückführen ließen. Was die Allgemeine Administration zusammen mit
       den neuen  Munizipalitäten der drei großen Städte an Eigeninitia-
       tiven zur  revolutionären Umgestaltung im Linksrheinischen allein
       im Dezember  entwickelte, geschah  zwar unter den Augen Custines,
       aber lag  dennoch außerhalb  seines Gesichtsfeldes. Es ist reiner
       Wortfetischismus, wenn  Franz Dumont  in dem Dekret des National-
       konvents vom 19. November, das sich zum Propagandakrieg bekannte,
       "Frankreichs Außen-und  Besatzungspolitik einen  neuen Charakter"
       erhalten läßt. 40) Dieses Dekret entsprach natürlich den Wünschen
       der rheinisch-deutschen  Jakobiner,  die  sich  auf  diese  Weise
       bestätigt  und   ermutigt  fühlten.   Von  Auswirkungen  auf  die
       Besatzungspolitik Custines  in dem  Sinne, daß sich die Befreier-
       rolle verstärkt  oder zumindest konkretisiert hätte, konnte über-
       haupt keine Rede sein, zumal die vom Konvent der Exekutive aufge-
       tragenen Ausführungsbestimmungen  auf sich warten ließen. Custine
       in seiner  Befreierrolle war  umgekehrt - vor allem nach der Wie-
       dereinnahme Frankfurts durch die Preußen am 2. Dezember - so pas-
       siv wie  nie zuvor, und eine zunehmend kritische Haltung der ent-
       schiedensten Mainzer Revolutionäre gegenüber dem anfangs über je-
       des Maß geradezu vergötterten General war unverkennbar.
       Gewachsenes Selbstbewußtsein  zeigte sich beispielsweise, als die
       Mainzer Munizipalität  am 16.  Dezember der bisherigen Praxis Cu-
       stines energisch  zu widersprechen  begann, der  nämlich die kur-
       fürstlichen Effekten  mit dem  Recht eines Eroberers als Beutegut
       versteigern bzw. verschleudern ließ, während die Munizipalität in
       Übereinstimmung mit der Administration diese Effekten als Staats-
       eigentum behandelt wissen wollte. Um die Berechtigung solchen An-
       spruchs zu erhärten, legten - mit einigen wenigen Ausnahmen - die
       Glieder der  Munizipalität und  des Gemeinderats  ein  Bekenntnis
       "für die  fränkische Nation  und die  Konstitution derselben" ab.
       Dieser Schritt  war zugleich als Werbung für eine Volksabstimmung
       gedacht, die  Munizipalität und  Administration im  Dezember  von
       sich aus  in die Wege leiteten. Am 17. Dezember hatte die Munizi-
       palität alle Zünfte und sonstige Korporationen stundenweise, also
       nicht geschlossen  und massiert,  auf das Gemeindehaus gefordert,
       um sie  zu einem  gleichen Entschluß zu bewegen. 41) Diese Befra-
       gung ging über mehrere Tage und nahm anfangs einen durchaus posi-
       tiven Verlauf,  wenngleich es an konterrevolutionären Quertreibe-
       reien nicht  fehlte, die insbesondere vom Handelsstand ausgingen.
       42) Die  Administration andererseits konzentrierte sich bei ihrer
       Stimmensammlung auf das Land. Am 8. Dezember schon hatte Forster,
       Vizepräsident der  Allgemeinen Administration, seiner Frau mitge-
       teilt: "Künftige  Woche schicken  wir überall  Kommissarien  aufs
       Land diesseit  Rheins, und  in Zeit  von 8 Tagen wird hoffentlich
       das Departement  des Bouches du Main (Departement der Mainmündun-
       gen) für  die französische  Freiheit erklärt sein." 43) Es traten
       einige Verzögerungen  ein, aber  am 17. Dezember war die Instruk-
       tion für  die Kommissäre  fertig, denen  ausdrücklich  aufgegeben
       wurde, "auf keine Weise die Freiheit der Stimmenden beeinträchti-
       gen oder  die Mehrheit auf krummen Wegen erschleichen" zu wollen.
       44) Am 18. Dezember fanden sich bei der Administration 15 Mainzer
       Klubmitglieder ein,  denen die  Ortschaften  im  Mainzischen  zur
       Stimmenaufnahme zugeordnet wurden; am 19. Dezember erhielten drei
       weitere Kommissäre entsprechende Aufträge für das Wormsische. 45)
       Ganz offensichtlich hat die Kraft nicht ausgereicht, um in dieser
       kurzen Zeit  die in der Instruktion geäußerte Absicht komplett zu
       realisieren, nämlich in alle Städte, Dörfer und Flecken des Main-
       zischen, Wormsischen,  Speyerischen und darüber hinaus in die da-
       mals der  Administration noch  gar  nicht  unterstellten  ritter-
       schaftlichen Orte  ebenso wie  in die  der Grafschaft Falkenstein
       Kommissäre zur  Stimmenaufnahme zu  schicken. Immerhin  bestätigt
       diese Absicht  die Entschlossenheit  der Administration,  die ihr
       gezogenen Grenzen zu überschreiten.
       Eine Auflistung der Berichte der Kommissäre über die Abstimmungen
       in der  Zeit vom 20.-23. Dezember ergibt folgendes Bild, das sich
       verallgemeinern läßt:  46) Von  den aufgeführten  40 Orten  -  36
       mainzischen, 2  wormsischen und  2 ritterschaftlichen  - sprachen
       sich in  27 Orten zum Teil beträchtliche Mehrheiten - 15 Orte so-
       gar einstimmig  - für  die französische Verfassung aus; das waren
       gute zwei  Drittel der  Gesamtzahl. Zwei  Orte  brachten  es  auf
       starke Minderheiten,  in vier Orten fanden sich nur geringe Mino-
       ritäten, und  sieben Orte  führten gar  keine Abstimmungen durch,
       weil sie  entweder keine  Änderung wünschten oder Bedenkzeit for-
       derten oder  ihr Verhalten  von dem  der Nachbarn abhängig machen
       wollten und  dergleichen mehr.  Alles in  allem bestätigen  diese
       Zahlen die Einschätzung Forsters, der am 24. Dezember seiner Frau
       schrieb: "Die Bauern erklären sich herzhaft, die wenigsten ausge-
       nommen, wo  Pfaffen und alte Beamte ihnen Floh ins Ohr setzen und
       sie sich  also noch  Bedenkzeit ausgebeten haben. Denn auch diese
       sind für die Republik, nur haben sie nicht Mut." 47)
       Diese Ergebnisse sind unter Bedingungen erzielt worden, die schon
       nicht mehr die besten waren. Zum ersten hatte die Einnahme Frank-
       furts durch  die Preußen  naturgemäß die  Besorgnis geweckt,  daß
       auch das Linksrheinische zurückerobert werden könnte; zum zweiten
       führte der Verlust der rechtsrheinischen Versorgungsbasis für die
       Truppen notwendigerweise  zu einer Mehrbelastung der Landbevölke-
       rung im Linksrheinischen. Beides wurde von Forster deutlich gese-
       hen und  auch ausgesprochen, ohne daß es ihn in seiner Zuversicht
       wanken machte.  48) Diese Stimmensammlung erhielt und behielt ihr
       besonderes Gewicht, weil sie einzig und allein auf die Initiative
       und die  Aktivität rheinisch-deutscher Revolutionäre zurückzufüh-
       ren war,  die keinerlei Unterstützung durch französisches Militär
       beanspruchten.
       Diese revolutionären  Aktivitäten endeten zwar nicht schlagartig,
       aber doch im wesentlichen mit dem 24. Dezember. Noch am Abend des
       23. Dezember hatte man im Klub mit dem Gedanken gespielt, Custine
       zu veranlassen,  "diejenigen Gemeinden,  welche sich  für die An-
       nahme der  fränkischen Konstitution erklärt hatten, auch sogleich
       die Wohltaten  derselben in  etwas empfinden zu lassen". 49) Tags
       darauf jedoch  wurde in Mainz das Konventsdekret vom 15. Dezember
       bekannt, das  eine neue Situation schuf, weil es das dekretierte,
       was die  rheinisch-deutschen Revolutionäre, gestützt auf ihre Ab-
       stimmungsergebnisse, in  Paris erbitten wollten. 50) Das neue De-
       kret knüpfte an das vom 19. November an und präzisierte es, indem
       es das  dem Universum  gemachte Befreiungsangebot  auf diejenigen
       Völker  zurückschnitt,   die  sich  befreien  wollten  und  denen
       tatsächlich Hufe  geleistet werden konnte, d.h. auf die Völker in
       den bisher  von französischen  Truppen okkupierten  Gebieten. Den
       Generälen wurde  aufgetragen, umgehend  alle feudalen  Lasten und
       Privilegien abzuschaffen,  die Volkssouveränität zu verkünden und
       provisorische Verwaltungen wählen zu lassen, die wiederum mit den
       vom Konvent  und der  Exekutive zu  entsendenden Kommissären alle
       Maßnahmen zu  treffen hatten, die den gemeinsamen Interessen ent-
       sprachen. Völker,  die sich nicht zur Freiheit und Gleichheit be-
       kannten, blieben  okkupiert und  würden feindlich  behandelt. 51)
       Entsprechend dem im Dekret gegebenen Befehl sah sich nun auch Cu-
       stine nach  langer Zeit  wieder einmal veranlaßt, am 26. Dezember
       eine wie  immer wortreiche,  aber nicht sehr präzise Proklamation
       herauszubringen, die am Ende der Administration auftrug, die Wah-
       len vorzubereiten  und "überdies alle zur Vollziehung gegenwärti-
       ger Proklamation nötigen Unterweisungen zu geben". 52)
       Für Franz  Dumont wendet  sich mit diesem Dekret vom 15. Dezember
       die  französische  Außen-  und  Besatzungspolitik  wieder  einmal
       grundsätzlich, weil  es die freie Verfassungswahl durch den Zwang
       zur Freiheit,  durch die Festlegung auf die Demokratie ersetzte -
       und das  ist für ihn natürlich so ungefähr das Undemokratischste,
       was sich  denken läßt.  53) Es  ist zwar unzulässig, die Freiheit
       zur Unfreiheit  als Kriterium der Demokratie anzusprechen und die
       unter den  gegebenen Umständen  einzig mögliche  Alternative, die
       Erhaltung des  Ancien régime,  dem Leser  als eine mögliche demo-
       kratische Entscheidung  zu präsentieren  - nicht  so für  Dumont.
       Merkwürdigerweise bestätigt  er selbst, daß die Bevölkerung diese
       sogenannte Wende entweder überhaupt nicht wahrnahm oder aber ganz
       anders deutete;  die Bauern  fühlten sich  vielerorts wieder  wie
       schon im Oktober nach Custines Siegen zu eigenmächtiger Aufkündi-
       gung feudaler  Verpflichtungen berechtigt. 54) Für die rheinisch-
       deutschen Jakobiner  gar erschien  jetzt die Verwirklichung ihrer
       großen Ziele in unmittelbare Nähe gerückt. Am gleichen 26. Dezem-
       ber, an dem Custine seine Proklamation erließ, verfügte die Admi-
       nistration den  Druck  aller  einschlägigen  Verlautbarungen  und
       setzte auch  schon den Wahlbeginn auf den 15. Januar fest. 55) Am
       29. Dezember  folgten Weisungen  zur Verbreitung jener Verlautba-
       rungen. 56)  Ein undatiertes  Papier, das  eine Reihe von noch zu
       klärenden Fragen im Hinblick auf die Wahlen vermerkte, 57) bestä-
       tigte die Auskunft Forsters vom 31. Dezember: "Wir sind jetzt be-
       schäftigt, eine  Instruktion wegen  Einrichtung der  Ur- und  der
       Wahlversammlungen zu  verfertigen, damit die guten Landleute doch
       wissen, was sie zu tun haben." 58)
       Am 1.  Januar 1793 trafen die drei Konventskommissäre Reubell und
       Haussmann von  Colmar und Merlin von Thionville in Mainz ein. Ihr
       Auftrag war  allerdings keineswegs  in erster Linie die Realisie-
       rung des Dezemberdekrets, sondern bestand vor allem in der Inspi-
       zierung der  Armeen Birons,  Custines und Beurnonvilles, die sich
       nicht im  besten Zustand  befanden. Custines Armee war gefährlich
       zusammengeschmolzen, weil die Freiwilligen - nur bis zum Ende des
       Feldzuges 1792  zu dienen verpflichtet - massenhaft in die Heimat
       abwanderten; sie  war dadurch  desorganisiert,  im  übrigen  auch
       schlecht versorgt,  so daß  sich wiederum die Übergriffe häuften.
       Natürlich verbanden die rheinisch-deutschen Jakobiner mit der An-
       kunft dieser Kommissäre freudige Erwartungen. Man drängte sich zu
       ihrer Begrüßung, und der Klub lud sie unverzüglich zu seinen Sit-
       zungen ein.  59) Die  Kommissäre zeigten jedoch keine Eile. Am 5.
       Januar kamen  sie erstmals  mit Vertretern von Administration und
       Munizipalität zusammen,  um in  16 Punkten die Grundsätze für die
       verschiedenen notwendigen  Wahlakte mitzuteilen. 60) Dem Klub er-
       wiesen sie  erst tags  darauf die Ehre. 61) Diese Frostigkeit re-
       sultierte zum Teil auch daraus, daß die Kommissäre solchen Behör-
       den sehr  skeptisch begegneten,  die über  keinerlei  Volksmandat
       verfügten. Custine, der Erfinder dieser Art von Behörden, tat ein
       Übriges hinzu,  indem er die schlechte Versorgungslage der Truppe
       der Administration  anlastete. Der  zeitgenössische  konservative
       Chronist Bernhard  Sebastian Nau sagte von Custine mit Recht, daß
       er "eine  Revolution weder  anzufangen noch zu leiten wußte". 62)
       Die Unsicherheit  blieb auch  nach dem  5. Januar,  aber ließ die
       rheinisch-deutschen Jakobiner noch keineswegs resignieren.
       Forster arbeitete  zunächst im Auftrage der Administration an ei-
       nem für  die Kommissäre  bestimmten Rechenschaftsbericht, der den
       Anwürfen Custines  energisch widersprach und ebenso dem herabwür-
       digenden Ansinnen  begegnete, der  Administration die Rolle eines
       bloßen Vollstreckers  militärischer Befehle  zuzumuten; mit Stolz
       verwies der Bericht auf die Dezembererfolge bei der Gewinnung der
       Bevölkerung für  die Freiheit  und Gleichheit,  die gleichsam die
       gute Vorbereitung  auf das  Dekret vom 15. Dezember belegten. 63)
       Dieser vom 9. Januar datierte Rechenschaftsbericht ist vielleicht
       nie übergeben  worden. Der guten Sache war sicher auch besser ge-
       dient, wenn die Mainzer Jakobiner nicht aus der Verteidigung her-
       aus agierten,  sondern durch positive Arbeitsergebnisse überzeug-
       ten. So bereiteten Klub, Administration und Mainzer Munizipalität
       für den 13. Januar ein großes Volksfest vor, das als Fest der Be-
       freiung verstanden  werden sollte,  mit einem  ausgedehnten Umzug
       durch die  Stadt am frühen Sonntagnachmittag begann, seinen Höhe-
       punkt mit  der Pflanzung  eines Freiheitsbaumes erreichte und mit
       einem Ballabend  ausklang. Custine  mit seiner  Garnison und  die
       Konventskommissäre wurden  einbezogen, die dann vom Gesamtverlauf
       so sehr beeindruckt waren, daß seine Schilderung die Hälfte ihres
       Berichts vom 14. Januar an den Konventspräsidenten ausmachte. 64)
       Man verstand  also zu  feiern, aber man arbeitete auch: Mitte Ja-
       nuar lagen  der Entwurf einer Ordnung für die Munizipalitäts- und
       Deputiertenwahlen und sechs Protokollmuster für die verschiedenen
       Wahlgänge vor,  die am  20. Januar  beginnen sollten. 65) Der er-
       krankte Forster beschwor seine Kollegen am 17. Januar, die Bestä-
       tigung dieser  Entwürfe bei den Konventskommissären durchzusetzen
       und die  Versammlungen endlich ihren Anfang nehmen zu lassen. 66)
       Obwohl die  Administration schon  tags darauf in diesem Sinne und
       auch mit  Entschiedenheit vorstellig  wurde, 67)  rührte sich bis
       Ende des Monats nicht das mindeste. Am 28. Januar schrieb Forster
       nun doch  schon fast entmutigt seiner Frau: "Seit 3 Wochen müssen
       wir jetzt  die Volkswahlen aufschieben, weil die Kommissarien des
       Nationalkonvents uns  sagen, es  sei unumgänglich  nötig, die An-
       kunft der  Commissaires du  pouvoir executif abzuwarten, die noch
       immer nicht da sind." 68)
       Von der großen Wende Dumonts nach dem Dekret vom 15. Dezember von
       der Freiheit  der Entscheidung  zum Freiheitszwang  war also  bis
       Ende Januar nicht das geringste zu spüren, wohl aber von einer in
       diesem Grade  noch nicht gekannten lähmenden französischen Passi-
       vität, die  die übelsten  Folgen zeitigte. Selbst ein Forster war
       sich Ende  Januar keineswegs  sicher, daß die Franzosen nicht das
       Gebiet zwischen  Landau und Bingen mitsamt der Festung Mainz ein-
       fach räumen  würden. 69)  Während die rheinisch-deutschen Revolu-
       tionäre -  durch das  Dezemberdekret an bestimmte Voraussetzungen
       gebunden, deren  Erfüllung auf  sich warten ließ - auf der Stelle
       traten, ging  die Konterrevolution  zum Angriff  über.  Es  blieb
       nicht mehr  bei dem  zwar ärgerlichen, aber kleinen Störfeuer wie
       etwa der  böswilligen Interpretation  der  Registrierungsarbeiten
       für die  Wahlen als  verdeckte militärische Konskription und der-
       gleichen mehr. Es wurde schon schweres Geschütz aufgefahren. Dazu
       gehörte beispielsweise auch der gedruckte Handzettel, dessen Ver-
       breitung am  10. Januar  belegt ist  und dessen  Wirkung von  den
       rheinisch-deutschen Jakobinern für so verderblich gehalten wurde,
       daß sich  sowohl Metternichs  "Bürgerfreund" vom  18. Januar  als
       auch eine  in Reime  gebrachte Flugschrift  als auch eine längere
       Abhandlung mit  ihm beschäftigten.  70) Seine Hauptaussagen waren
       von lapidarer  Kürze und  Wucht: "Mainzer  Bürger, Einwohner  des
       Mainzer Landes! Eure Befreiung naht heran. Erwartet sie ruhig ...
       Die Zeit  kommt heran,  wo Rechtschaffenheit und Verbrechen jedes
       seinen verdienten  Lohn erhält  ... Eure  abwesenden Freunde  und
       Vorsteher." 71)  Das war eine Kriegserklärung, die mit Zuckerbrot
       lockte und  mit Peitsche  drohte. Sie war nicht nur dahergeredet,
       sondern angesichts  der militärischen  Rückschläge  Custines  bei
       Frankfurt und  jüngst bei  Hochheim, des  miserablen Zustands der
       Truppe und  der mangelnden Zielstrebigkeit im politischen Bereich
       durchaus glaubhaft.  Die nackte Furcht griff um sich. Mit dem Ja-
       nuar 1793  begannen sich die Reihen der Klubmitglieder spürbar zu
       lichten; die  Protokolle vermerken  eine zunehmende Zahl von Aus-
       trittserklärungen.
       Am 31.  Januar endlich trafen die beiden Regierungskommissäre aus
       Paris in  Mainz ein,  der gebürtige  Straßburger Johann Friedrich
       Simon und Gabriel Gregoire aus Thionville, der jedoch schon krank
       ankam und  seine Ablösung  beantragen mußte. Simon war ein Schul-
       mann, der  bei Basedow  in Dessau  gearbeitet, eine Zeitlang auch
       selbst in Neuwied ein Philantropin geleitet hatte und schließlich
       als Erzieher des jungen Klemens Metternich, des späteren Fürsten,
       1788 nach Straßburg zurückkehrte, wo dieser die Universität bezog
       und Simon  nach Ausbruch der Revolution sich als Journalist einen
       Namen machte.  72) Solche  Voraussetzungen waren  für eine innige
       Zusammenarbeit mit  den führenden  Jakobinern in Mainz zweifellos
       optimal. "Tag  und Nacht"  arbeiteten sie zusammen, um die Wahlen
       vorzubereiten, die  nun am  24. Februar  beginnen sollten. 73) Es
       war ein schweres Stück Arbeit, in diesen wenigen Wochen nicht nur
       das aufzuholen,  was man den Januar hindurch hatte schleifen las-
       sen, sondern  auch und  vor allem  mit den Widerständen fertig zu
       werden, die  die Konterrevolution  in der Zwischenzeit aufgetürmt
       hatte. Um  ein Haar  hätte beispielsweise  das von  einem Dutzend
       Zünften unter  Führung des  Handelsstandes geschickt vorgetragene
       Verzögerungsmanöver Erfolg  gehabt, wenn nicht gleichsam in letz-
       ter Minute  die Nachricht  eingetroffen wäre,  daß der Konvent am
       31. Januar  durch Dekret  allen bisherigen  Schwankungen ein Ende
       gesetzt und den sofortigen Vollzug des Dezemberdekrets angeordnet
       hätte. 74)
       Die Wahlen fanden statt, trotz ungünstigster Bedingungen. Sie be-
       gannen am 24. Februar und wurden im Laufe des März abgeschlossen.
       Das Wahlrecht  war demokratischer  als alle  bisher in Frankreich
       praktizierten Systeme,  denn es kannte keine indirekte Wahl mehr.
       Ein kurzer Blick auf das Wahlergebnis macht deutlich, daß das von
       der Wahlkampagne  erfaßte Gebiet  beträchtlich über  den  Verwal-
       tungsbereich der  Administration  hinausging;  nur  Kurpfalz  und
       Pfalz-Zweibrücken blieben, weil neutral, ausgespart. Von den rund
       220 Orten,  die von  den 67 Wahlkommissären demnach hätten aufge-
       sucht werden  müssen, haben  nachweislich 139, also über 60%, den
       geforderten Eid  geleistet. Nur ein Teil hat ihn tatsächlich ver-
       weigert; die meisten nichtmunizipalisierten Orte sind wahrschein-
       lich überhaupt  nicht von  den Wahlkommissären erreicht und ange-
       sprochen worden. 75)
       Über die  zahlenmäßige Beteiligung  gibt es  nur für  die  großen
       Städte detaillierte  Angaben. 76)  Für die ländlichen Orte stehen
       zu wenig  Angaben zur Verfügung, um ein sicheres Mittel errechnen
       zu können;  insgesamt lag  sie im  Schnitt eindeutig höher als in
       den Städten,  in Einzelfällen  sogar bei  100%, was  nicht heißen
       soll, daß  überall die  Mehrheit wählte.  77) Im  übrigen muß man
       wissen, daß  nach jahrhundertelanger Unmündigkeit auch im revolu-
       tionären Frankreich  in der  Regel nur  eine Minorität  von ihrem
       Wahlrecht Gebrauch  machte und  Beteiligungen von  nur  20%  noch
       nicht ungewöhnlich  waren. Beim  Rheinisch-deutschen Nationalkon-
       vent trafen vor und nach seiner Eröffnung am 17. März in Mainz im
       Laufe der  Zeit 128  gewählte Deputierte ein, die mit Vollmachten
       von insgesamt 126 Städten und Dörfern versehen waren. 78)
       Voraussetzung für  solche Wahlen überhaupt war natürlich die Prä-
       senz des  revolutionären Frankreich.  Die angesichts der massiven
       konterrevolutionären Drohungen insgesamt immer noch erstaunlichen
       Ergebnisse jedoch  konnten nur  dank des  unermüdlichen Einsatzes
       rheinisch-deutscher Jakobiner  erzielt werden, bei denen die Vor-
       bereitung, Lenkung  und Durchführung der ganzen Wahlkampagne lag.
       Dumont stellt die Dinge auf den Kopf, indem er umgekehrt die Vor-
       bereitung und Lenkung der Kampagne den Franzosen zuordnet und den
       einheimischen Jakobinern lediglich als Instrument der Besatzungs-
       macht bei  der Durchführung  einen maßgeblichen Anteil zubilligt.
       79) Tatsächlich  hat einzig  und allein der Straßburger Simon als
       Kommissär des pouvoir executif Wesentliches zur organisatorischen
       Vorbereitung und  inhaltlichen Gestaltung der Wahlen beigetragen,
       denn sein  Kollege Gregoire  war krank, und die drei Konventskom-
       missäre befanden  sich seit dem 6. Februar auf einer Inspektions-
       reise bei  der Moselarmee.  Simon hat seine Arbeit nur in engster
       Verbindung und  Verbundenheit mit  rheinisch-deutschen Jakobinern
       leisten können,  zu denen  allen voran  Forster zählte, aber auch
       die anderen  Mitglieder des  Ausschusses gehörten,  der zu diesem
       Zwecke von  der Mainzer Munizipalität und der Allgemeinen Admini-
       stration zusammengestellt  worden war.  Ihrer aller  Unterschrift
       steht unter der Wahlordnung, die ins Land hinausging. 80) Die Zu-
       sammenstellung der Ortschaften, die zu beschicken waren, die Aus-
       wahl der  Kommissäre, der Wortlaut ihrer Vollmachten, ja auch die
       Bestimmung ihrer  Diäten wurden  in Gegenwart Simons und der Aus-
       schußmitglieder auf der Sitzung der Administration am 14. Februar
       deliberiert und beschlossen. 81)
       Die Quintessenz  meiner Ausführungen,  die ich  damit beschließe,
       lautet: Die Mainzer Republik entstand unter exzeptionellen Bedin-
       gungen, gewiß;  ohne die  Präsenz des  revolutionären Frankreich,
       vor dem  die linksrheinischen  Feudalen in  heilloser Flucht  das
       Weite gesucht hatten, wäre hier der Weg vom revolutionären Gedan-
       ken zur revolutionären Tat nie beschritten worden. So aber konnte
       er beschritten  werden und  wurde beschritten  von den rheinisch-
       deutschen Jakobinern,  deren eigene  revolutionäre Potenz  darzu-
       stellen ich  mich bemühte. Schließlich war es ein rheinisch-deut-
       scher Nationalkonvent,  der am  17. März  die Gründung  eines auf
       Freiheit und Gleichheit basierenden Freistaats im Gebiet zwischen
       Landau und  Bingen dekretierte.  Die Mainzer  Revolution war eine
       politische Revolution.  Im Mittelpunkt  aller  Verhandlungen  des
       Mainzer Nationalkonvents  stand die  Frage der politischen Macht;
       sie den feudalen Gewalten zu entreißen, um sie in die eigene Hand
       zu nehmen  und sie zu sichern, betrachtete er als seine Hauptauf-
       gabe. 82)  Das Sicherheitsbedürfnis  vor allem  gegenüber den von
       der äußeren  Konterrevolution ausgehenden und täglich zunehmenden
       Gefahren bestimmte  den Konvent, der Eingliederung in die franzö-
       sische Republik  den Vorzug  vor einer eigenstaatlichen Lösung zu
       geben, die  natürlich auch  eines engen Bündnisses mit Frankreich
       bedurft hätte.  Es war dies keine französische Entscheidung, son-
       dern die  der Deputierten  des  Rheinisch-deutschen  Nationalkon-
       vents. Angesichts  der tragenden  Rolle, die  den rheinisch-deut-
       schen Jakobinern  im Gesamtprozeß der Mainzer Revolution zukommt,
       ist und  bleibt die  Mainzer Republik  ein unverzichtbares  Stück
       deutscher revolutionär-demokratischer Geschichte.
       
       _____
       *) Vortrag vom  12. 12. 1985, erschienen in: Sitzungsberichte der
       Akademie der  Wissenschaften der  DDR, Jahrgang  1986, Nr.  10 G,
       Berlin/DDR 1987.
       1) Klaus Tervooren:  Die Mainzer  Republik 1792/93.  Bedingungen,
       Leistungen und  Grenzen eines  bürgerlich-revolutionären  Experi-
       ments in Deutschland, Frankfurt am Main 1982, S. 26.
       
       2) Asta info,  Dokumentation des Asta und des Fachschaftsrats Ge-
       schichte aus  Anlaß des  Vertrags von Prof. Dr. Dr. Scheel an der
       Universität Mainz  am 28.  6. 1978; Wir und die Mainzer Republik,
       asta-dokumentation zur Mainzer Jakobinerwoche 2S.-28. 11. 1981.
       3) Der Herr  Bürgermeister und  die "Mainzer Republik", eine Ent-
       gegnung des  Mainzer Historikers Professor Dr. Hermann Weber, in:
       Allgemeine Zeitung, Nr. 279, Mainz, 7.12.1976.
       4) Vgl. dazu  Heinrich Scheel:  Die Mainzer  Republik -  Historie
       oder Politikum?  Kritische Anmerkungen  aus Anlaß  einer Ausstel-
       lung. In:  Zeitschrift für  Geschichtswissenschaft, 30. Jg. 1982,
       S. 498-510.
       5) Franz Dumont:  Die Mainzer  Republik von  1792/93, Studien zur
       Revolutionierung in Rheinhessen und der Pfalz, Alzey 1982.
       6) Karl Otmar  Freiherr von Aretin: Vom Deutschen Reich zum Deut-
       schen Bund,  Göttingen 1980, S. 66. Auf der erwähnten Podiumsdis-
       kussion, an  der Aretin  auch persönlich teilnahm, verabschiedete
       er sich  schon bis  zu einem gewissen Grade von dieser Kennzeich-
       nung, für  die er  die zeitgenössische Publizistik verantwortlich
       machte: "Es ist ein altes Zitat; man hat damals gesagt, die Main-
       zer Revolution  sei ein  Spuk gewesen. Ich gebe Ihnen zu, daß die
       Mainzer Republik  eine interessante  Episode ist, die sich zu un-
       tersuchen lohnt, und ich kann Ihnen zu dem, was Sie vorgelegt ha-
       ben, nur  gratulieren. Sie  haben das in einer sehr überzeugenden
       Form getan." Tonbandaufzeichnung, im Besitz des Verfassers.
       7) T.C.W. Blanning:  Reform and  Revolution in  Mainz  1743-1803,
       Cambridge 1974. Derselbe: The French Revolution in Germany, Occu-
       pation and  Resistance in  the Rhineland  1792-1802, Oxford 1983.
       Vgl. dazu  die Rezensionen  von mir in: Deutsche Literaturzeitung
       für Kritik  der internationalen  Wissenschaft, 97.  Jg. 1976, Sp.
       147-153; Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 32. Jg.
       1984, S. 912-914.
       8) Vgl. Historische  Zeitschrift, Bd.  237, 1983, S. 722f.; Vier-
       teljahrsschrift für  Sozial- und  Wirtschaftsgeschichte, Bd.  71,
       1984, S. 434 f.
       9) Tonbandaufzeichnung, im  Besitz des  Verfassers. Weber bezieht
       sich hier  auf die  in Anm. 2 mitgeteilte AStA-Dokumentation "Wir
       und die Mainzer Republik", S. 4 f.
       10) Jacques Godechot:  La grande  nation.  L'expansion  revoluti-
       onnaire de  la France dans le monde 1789-1799, Bd. l, Paris 1956,
       S. 78. Als Beleg dafür taugt allerdings kaum der preußische Baron
       aus Cleve, Cloots, der schon 1785 den Rhein als natürliche Grenze
       der Gallier  bezeichnete, was damals nicht mehr als die fixe Idee
       eines einzelnen war.
       11) Die Mainzer  Republik I,  Protokolle des Jakobinerklubs, her-
       ausgegeben, eingeleitet,  kommentiert und bearbeitet von Heinrich
       Scheel, 2.  Aufl., Berlin/DDR  1984, S. 81 (Im folgenden: Scheel,
       MRI).
       12) Ebenda, S. 92.
       13) Ebenda, S. 142 Anm. e.
       14) Ebenda, S. 213.
       15) Ebenda, S. 226.
       16) "Je vous  dirai qu'une idée se répand assez ici, c'est que la
       république française ne doit avoir pour borne que le Rhin". Bris-
       sot an  Dumouriez, 28.11.1972.  In: Quellen  zur  Geschichte  des
       Rheinlandes im  Zeitalter der Französischen Revolution 1780-1801,
       gesammelt und  herausgegeben von Joseph Hansen, Bd. 2, Bonn 1933,
       S. 588 (Im folgenden Hansen, Quellen II).
       17) Ebenda, S. 733.
       18) Ebenda, S. 750.
       19) Scheel, MR I, S. 283, 242 Anm. h.
       20) Ebenda, S. 523.
       21) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 210.
       22) Scheel, MR I, S. 526 Anm. a.
       23) Die Mainzer  Republik II,  Protokolle des Rheinisch-deutschen
       Nationalkonvents mit Quellen zu seiner Vorgeschichte, herausgege-
       ben, eingeleitet, kommentiert und bearbeitet von Heinrich Scheel,
       Berlin/DDR 1981, S. 89-91 (im folgenden: Scheel, MR II).
       24) Scheel, MR I., S. 68 Anm. c, 150.
       25) Ebenda, S. 145.
       26) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 202.
       27) Ebenda, S. 207.
       28) Jacques Godechot: La grande nation, a.a.O., Bd. l, S. 324.
       29) W.I. Lenin:  Rede zur Verteidigung der Taktik der Kommunisti-
       schen Internationale, 1. Juli (1921), in: Werke, Bd. 32, S. 498f.
       30) Gerhard Steiner:  Einsatz und  Schicksal  Mainzer  Jakobiner-
       frauen. In:  Jahrbuch für Geschichte, Bd. 28, Berlin/DDR 1983, S.
       9 f.
       31) Scheel, MR I, S. 317.
       32) Ebenda, S. 327.
       33) Ebenda, S. 352, 359 Anm. j.
       34) Ebenda, S. 361.
       35) Scheel, MR II, S. 90.
       36) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 101 Anm. 25.
       37) Scheel, MR I, S. 254.
       38) Ebenda, S. 261.
       39) Auf Drängen der Administration wurde ihre Verfügungsgewalt am
       23. Dezember auch noch auf die kaiserliche Grafschaft Falkenstein
       ausgedehnt; der ebenfalls beantragten Einbeziehung des linksrhei-
       nischen Besitzes  der Fürsten  von Nassau-Weilburg  wurde von Cu-
       stine nicht entsprochen. Scheel, MR II, S. 141 f.
       40) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 92.
       41) Scheel, MR II, S. 153-156.
       42) Ebenda, S. 156-159.
       43) Ebenda, S. 160.
       44) Ebenda, S. 159 f.
       45) Ebenda, S. 161.
       46) Ebenda, S. 172-185.
       47) Ebenda, S. 184 f.
       48) Ebenda, S. 184.
       49) Scheel, MR I, S. 412.
       50) Scheel, MR H, S. 160.
       51) Scheel, MR I, S. 428-430.
       52) Ebenda, S. 427.
       53) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 288ff.
       54) Ebenda, S. 305.
       55) Scheel, MR E, S. 189.
       56) Ebenda, S. 191 f.
       57) Ebenda, S. 194.
       58) Ebenda, S. 196.
       59) Scheel, MR I, S. 472, 477 f.
       60) Ein Ergebnisprotokoll  dieses Datums  unter Forsters Papieren
       belegt diesen Tatbestand. Scheel, MR II, S. 204 f.
       61) Scheel, MR I, S. 490f.
       62) Bernhard  Sebastian   Nau:  Geschichte   der   Deutschen   in
       Frankreich und  der Franzosen in Deutschland und den angrenzenden
       Ländern, Bd. 4, Frankfurt 1795, S. 218.
       63) Scheel, MR I, S. 517-523.
       64) Ebenda, S. 530-540.
       65) Scheel, MR II, S. 207-212.
       66) Ebenda, S. 214.
       67) Ebenda, S. 213 f.
       68) Ebenda, S. 214.
       69) Ebenda.
       70) Scheel, MR I, S. 635-640.
       71) Ebenda, S. 634 f.
       72) Hansen, Quellen I, Bonn 1931, S. 50 Anm. 2.
       73) Scheel, MR I, S. 687 Anm. d, Forster an seine Frau, 4.2.1793.
       74) Ebenda, S. 724-727 Anm. b.
       75) Dumont nennt etwas davon abweichende Zahlen, ohne sie im ein-
       zelnen zu  belegen, die  aber die Ergebnisse sogar noch positiver
       erscheinen lassen:  "Von 220  nicht zu  Kurpfalz bzw. Zweibrücken
       gehörenden Gemeinden Rheinhessens und der Pfalz wurden 180 - also
       etwa vier Fünftel - von einem Subkommissar aufgesucht. Davon kön-
       nen wiederum  147 als 'munizipalisiert' gelten,..." Franz Dumont:
       Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 378.
       76) Scheel, MR II, S. 263-310.
       77) Ebenda, S.  311-395. Dumont behauptet, über exakte Zahlen bei
       29 Gemeinden zu verfügen, die er wie folgt aufteilt: In sechs von
       ihnen wählten  12-30%, in  elf 31-50%,  in  zwölf  mehr  als  die
       Hälfte, in  sieben sogar  zwei Drittel der Stimmfähigen. Es irri-
       tiert allerdings,  daß die  Addition der  6+11+12+7 Gemeinden  36
       statt der  angekündigten 29  Gemeinden ergeben. Franz Dumont: Die
       Mainzer Republik, a.a.O., S. 383.
       78) Scheel, MR II, S. 413-422.
       79) Franz Dumont: Die Mainzer Republik, a.a.O., S. 322.
       80) Scheel, MR u, S. 223.
       81) Scheel, MR I, S. 722.
       82) Scheel, MR II, S. 423-533.
       

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