Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 15/1989


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       NEUE TECHNIK - MODERNISIERUNGSPOLITIK -
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       STAATSMONOPOLISTISCHE KOMPLEXE
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       Ulrich Dolata
       
       1. Staatsmonopolistische Komplexe: Offene Fragen und Problemstel-
       lungen -  2. Historische Entstehungszusammenhänge und Triebkräfte
       - 3.  Nationale Besonderheiten  und Unterschiede - 4. Privatisie-
       rung, Deregulierung, Internationalisierung - 5. Planungseffizienz
       und Ressourcenallokation  - 6. Zum Stellenwert staatsmonopolisti-
       scher Komplexe in der heutigen Umbruchperiode
       
       1. Staatsmonopolistische Komplexe:
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       Offene Fragen und Problemstellungen
       -----------------------------------
       
       Mitte 1987.  zu einer Zeit also, als die (publizistische) Ausein-
       andersetzung um eine Deregulierung des bundesdeutschen Fernmelde-
       wesens auf  einen ihrer  Höhepunkte zusteuerte,  legten  führende
       Vertreter der  informations- und  kommunikationstechnischen Indu-
       strie "Leitlinien  für ein  Zukunftskonzept  Informationstechnik"
       vor -  ein Dokument, in dem mit Nachdruck verstärktes staatliches
       Handeln gefordert  und der Wunsch nach engerer privat-staatlicher
       Planung und  Koordination in  diesem wissenschaftlich-technischen
       Schlüsselbereich vorgetragen  wird. Im  Bericht der Arbeitsgruppe
       Kommunikationstechnik und  Unterhaltungselektronik, der,  wie  es
       dort heißt,  "die Meinung der relevanten Industrieunternehmen und
       Forschungseinrichtungen" widerspiegelt,  lesen sich  die Vorstel-
       lungen der  Branche zum  weiteren Ausbau der Kommunikationsinfra-
       struktur der  BRD wie folgt: "Die Kräfte des Marktes alleine rei-
       chen nicht  aus, um  die notwendige Entwicklung im Weltmarkttempo
       voranzutreiben. (...) Eine koordinierte Planung muß die Zersplit-
       terung der  volkswirtschaftlichen Ressourcen  verhindern und  Be-
       treibern, Herstellern  und Anwendern  die notwendige  Planungssi-
       cherheit  für   die  Entwicklung  von  innovativen  Großsystemen,
       Diensten und  Endgeräten geben. (...) Angesichts der finanziellen
       Größenordnung der  Aufgabe, eine neue Infrastruktur zu errichten,
       in Anbetracht  der Verpflichtung  des Staates zur Daseinsvorsorge
       und wegen der internationalen Wettbewerbsverzerrungen besteht ein
       erheblicher staatlicher  Handlungsbedarf im Rahmen eines ressort-
       übergreifenden Regierungskonzeptes."  Ein solches  Konzept müsse,
       so fordert  der Bericht  schließlich, darauf ausgelegt sein, "die
       volkswirtschaftlichen Ressourcen  zu bündeln  und die Risiken für
       Hersteller und Anwender tragbar zu machen." 1)
       Was Industrie und Forschung hier als Anforderungen an staatliches
       Handeln zu  Papier gebracht  haben, ist nicht nur vor dem Hinter-
       grund der z.T. ja vehement geführten Privatisierungs- und Deregu-
       lierungsdiskussionen der vergangenen Jahre interessant. Es bringt
       überdies ziemlich  exakt auf  den Punkt, was in Teilen der marxi-
       stischen Theoriebildung  seit  einiger  Zeit  als    s t a a t s-
       m o n o p o l i s t i s c h e r   K o m p l e x   gehandelt wird.
       2) Sein   z e n t r a l e s  M e r k m a l  ist eine enge, dauer-
       hafte und  alle Phasen  des Produktionszyklus  umfassende  Koope-
       ration von  Großunternehmen mit  Teilen des  Staatsapparates, die
       durch gemeinsam  erarbeitete  Entwicklungsprogramme  und  privat-
       staatliche Koordinationsgremien,  denen die Abstimmung und Steue-
       rung der  Programme unterliegt,  fundiert wird - eine Charakteri-
       sierung, die  in der  Bundesrepublik neben der Rüstungsproduktion
       heute zumindest  auch für  die angesprochene  Modernisierung  der
       Kommunikationsinfrastruktur, den  Bau von Kraftwerken und die En-
       ergieversorgung sowie die Luft- und Raumfahrt zutrifft. Nicht nur
       bei der  Entwicklung und  Produktion von  Waffensystemen, sondern
       etwa auch  bei der Planung und Errichtung von Kernkraftwerken und
       Wiederaufarbeitungsanlagen, der  Projektierung  und  Durchführung
       von Luft-  und Raumfahrtprogrammen oder der sogenannten Verkabel-
       ung der  Republik arbeiten  die dort  engagierten Großunternehmen
       und staatliche Stellen (Behörden, Ministerien, staatlich geführte
       Unternehmen) eng zusammen - und zwar in der Regel von der Bedarf-
       sermittlung und  politischen Durchsetzung  der Programme über die
       Produktion selbst  bis hin  zur Realisierung der produzierten Gü-
       ter.
       Die   i n s t i t u t i o n e l l e    B a s i s,   auf der diese
       Zusammenarbeit konkret  funktioniert, hat  vier Bestandteile, die
       sich für alle genannten Komplexe nachweisen lassen:
       - die  entsprechenden Abteilungen der privaten Konzerne, die sich
       im jeweiligen  Komplex engagieren,  bilden den  ökonomischen Kern
       der Verflechtungsstruktur;
       - staatliche Behörden und Einrichtungen - Bundesministerien, Par-
       lamentsausschüsse, Staatsbetriebe  oder staatliche Forschungsein-
       richtungen - gehören zur staatlichen Seite des Komplexes;
       - spezifische Verflechtungsinstitutionen  - etwa  gemeinsame Aus-
       schüsse und  Kommissionen, Arbeits- und Projektgruppen, gemischte
       privat-staatliche Unternehmen - koordinieren und verklammern pri-
       vatwirtschaftliche und staatliche Interessen, erarbeiten die all-
       gemeinen Entwicklungslinien  der Produktion und sind nicht selten
       Orte heftiger monopolistischer Konkurrenzkämpfe um Produktionsan-
       teile und Aufträge;
       - Zulieferer und  Unterauftragnehmer  der  Kernmonopole  auf  der
       einen, Parteien  und  deren  Fachkommissionen,  Interessenvertre-
       tungsverbände und  Medien, die  der politischen  Akzeptanz der in
       den Komplexen  produzierten Güter  zuarbeiten,  auf  der  anderen
       Seite bilden schließlich die ökonomische bzw. politische Periphe-
       rie eines staatsmonopolistischen Komplexes.
       Diese ausgeprägte  Verflechtungsstruktur hebt  die Komplexe  u.E.
       deutlich von  herkömmlichem  Staatsinterventionismus,  'normaler'
       Struktur- und  Subventionspolitik ab;  Teile des  Staates  werden
       hier verhältnismäßig stabil und dauerhaft in den Produktions- und
       Verwertungsprozeß des  Monopolkapitals integriert.  Wir begreifen
       daher  s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e  K o m p l e x e
       a l s    e i n e    e i g e n s t ä n d i g e    O r g a n i s a-
       t i o n s f o r m   d e s  K a p i t a l s,  die neben die 'klas-
       sischen' Hauptformen  des Monopolkapitals - das Einzelmonopol und
       die Finanzgruppe  -  tritt  und  mit  ihnen  zusammen  heute  das
       ökonomische Machtgerüst der Bundesrepublik prägt. 3)
       Mit dieser  kurzen Rekapitulation der Anatomie staatsmonopolisti-
       scher Komplexe ist nun allerdings über die Bedingungen ihrer Her-
       ausbildung und  Etablierung noch ebensowenig gesagt wie über ihre
       Bedeutung für  den Verlauf  und die konkreten Durchsetzungsformen
       des wissenschaftlich-technischen  Umbruchs. Fragen  wir nach  den
       Ursachen und Triebkräften, der ökonomischen Stabilität und Bedeu-
       tung staatsmonopolistischer  Komplexe, so  stoßen wir schnell auf
       eine ganze   R e i h e   u n g e k l ä r t e r  b z w.  n i c h t
       a u s d i s k u t i e r t e r   P r o b l e m e,   die sich gegen
       vorschnelle theoretische  Verallgemeinerungen und praktisch-poli-
       tische Schlußfolgerungen sperren:
       - Nicht ausdiskutiert  sind m.E.   e r s t e n s  die konkret-hi-
       storischen Entstehungszusammenhänge und Triebkräfte, die zur Her-
       ausbildung von Komplexen geführt haben bzw. führen können.
       - Nur am  Rande beachtet  wurden bislang  z w e i t e n s  natio-
       nale Besonderheiten  und Unterschiede  im  Entstehungsprozeß  und
       Wirkungsmechanismus staatsmonopolistischer Komplexe.
       - Weitgehend ausgeblendet  blieb  d r i t t e n s  der ausgespro-
       chen knifflige  Problembereich Privatisierung  - Deregulierung  -
       Komplexbildung; ähnliches  gilt für  das Verhältnis  der national
       begründeten und  funktionierenden Komplexe zur Internationalisie-
       rung staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse.
       - Wenig problematisiert  wurde  in  unseren  Arbeiten    v i e r-
       t e n s  die tatsächliche Planungs-, Koordinierungs- und Program-
       mierungseffizienz der  Komplexe -  die scheint z.T. erheblich ge-
       ringer zu  sein als  dies unser  theoretisches  Gebilde  vermuten
       läßt.
       - Überschätzt worden ist m.E.  f ü n f t e n s  die Rolle und Be-
       deutung, die die Produktivkraftentwicklung, insbesondere der wis-
       senschaftlich-technische Umbruch unserer Tage für die Konstituie-
       rung und  Etablierung derartiger  Komplexe bisher gehabt hat bzw.
       in Zukunft haben wird.
       Ich will in den folgenden Ausführungen einigen der hier aufgewor-
       fenen Probleme  nachgehen -  mit dem  Ziel,  zu  einer  genaueren
       B e s t i m m u n g  d e s  S t e l l e n w e r t s  s t a a t s-
       m o n o p o l i s t i s c h e r   K o m p l e x e    i n    d e r
       h e u t i g e n   U m b r u c h p e r i o d e   zu  kommen.  Dazu
       vier  Überlegungen,  in  deren  Mittelpunkt  nicht  die  elegante
       theoretische Abrundung  der Kategorie,  sondern der Versuch einer
       deutlicheren Konturierung ihrer Ecken und Kanten steht.
       
       2. Historische Entstehungszusammenhänge und Triebkräfte
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       Fragen wir zunächst nach den historischen Entstehungszusammenhän-
       gen und  Triebkräften staatsmonopolistischer Komplexe in der Bun-
       desrepublik.
       In unseren  bisherigen Untersuchungen  haben wir die Komplexe als
       Schlüsselbereiche des  wissenschaftlich-technischen  Fortschritts
       beschrieben und  ihre entwickelten  Verflechtungsstrukturen  ganz
       wesentlich aus dem dort sehr hohen Niveau der Produktivkräfte er-
       klärt: Der  Umgang mit  modernen Großtechnologien  lasse hier  im
       Grunde keine  andere Form  der Produktion  mehr zu;  Waffen-  und
       Kerntechnik seien heute ebenso wie Luft-, Raumfahrt- und Telekom-
       munikationsprojekte nur  noch  im  Rahmen  ausgreifender  privat-
       staatlicher Kooperations-  und Koordinationsstrukturen profitabel
       handhabbar. In der Tat weisen die Produktions- und Verwertungsbe-
       dingungen in  diesen Bereichen  eine Reihe  gemeinsamer  Merkmale
       auf, die  in diese  Richtung deuten: Es sind durchweg hochkonzen-
       trierte, kapital-  und technologieintensive  Sektoren mit enormen
       Kapital Vorschüssen  und hoher Kapitalfixierung, langen Umschlag-
       zeiten und  entsprechend hohen Anlagerisiken, ausgesprochen hohen
       Forschungsaufwendungen und komplexen Planungs- und Produktionser-
       fordernissen.
       Gleichwohl bleiben wichtige Fragen offen: Warum ist es in Produk-
       tionszweigen mit  vergleichbar  hohem  Produktivkraftniveau  (wie
       z.B. in  der Chemischen  Industrie) nicht  zu ähnlichen Verflech-
       tungsmustern zwischen  Staat und  Monopolen gekommen? Wie läßt es
       sich erklären, daß etwa in den USA kein Telekommunikationskomplex
       existiert, die  Modernisierung der  dortigen Kommunikationsinfra-
       struktur statt  dessen weitgehend  privatmonopolistisch betrieben
       werden kann?  Schließlich: Weshalb  kann  staatliche  Privatisie-
       rungs- und Deregulierungspolitik in Bereichen, die aufgrund ihres
       hohen Vergesellschaftungsgrades  lange als kaum noch privatisier-
       bar galten  (z.B. Telekommunikation, Energie, Luftfahrt), greifen
       und sogar erfolgreich sein?
       Meine   e r s t e   Ü b e r l e g u n g   hierzu zielt darauf ab,
       das oft  sehr eng,  fast deterministisch  gefaßte Verhältnis  von
       Produktivkrafterfordernissen und Vergesellschaftungsfortschritten
       deutlich zu  lockern. Im  konkret-historischen  Entstehungsprozeß
       staatsmonopolistischer Komplexe ist der zunächst unterstellte Zu-
       sammenhang von  Produktivkraftentwicklung,  Kapitalfixierung  und
       s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n  Vergesellschaftungs-
       zwängen so  unmittelbar und  zwingend nicht, als daß er allein zu
       ihrer Begründung herangezogen werden könnte. Statt dessen spricht
       m.E. viel  für ein wesentlich differenzierteres, von Fall zu Fall
       spezifisches    Z u s a m m e n s p i e l    ö k o n o m i s c h,
       t e c h n o l o g i s c h,   p o l i t i s c h   u n d   m i l i-
       t ä r i s c h   f u n d i e r t e r   T r i e b k r ä f t e,  die
       bei der Herausbildung der Komplexe in der Bundesrepublik am Werke
       waren: 4)
       -  E r s t e n s   gehören hierzu  m i l i t ä r i s c h e  u n d
       (g r o ß-) m a c h t p o l i t i s c h e     A m b i t i o n e n,
       die bis  tief in  die 50er  Jahre zurückreichen und nicht nur bei
       der Konstituierung  des militärisch-industriellen  Komplexes  als
       Paten zugegen  waren, sondern auch im Entstehungsprozeß des Atom-
       Industrie- und  des Luft-  und Raumfahrtkomplexes  eine treibende
       Rolle gespielt haben.
       -  Z w e i t e n s     können  einfache     M a r k t-      u n d
       M a c h t i n t e r e s s e n     d e r     b e t e i l i g t e n
       K o n z e r n e   zur Herausbildung  und Stabilität von Komplexen
       beitragen. Enge  Koordination  und  Kooperation  mit  staatlichen
       Stellen ist  nicht einfach  Resultat objektiv wirkender Produkti-
       onszwänge; sie  garantiert zugleich  langfristig sichere  Absatz-
       märkte, günstige  Verwertungsbedingungen und die weitgehende Aus-
       schaltung potentieller  Konkurrenten und  wird damit  überdies zu
       einem sehr  subjektiven Anliegen der protegierten Unternehmen und
       "Amtsbaufirmen".
       -  D r i t t e n s    können    H e r a u s f o r d e r u n g e n
       d e r   i n t e r n a t i o n a l e n  K o n k u r r e n z  u n d
       T e c h n o l o g i e w e t t l ä u f e   die Entwicklung  derart
       komplexer Verflechtungsstrukturen fördern - und zwar über das Be-
       streben, die  nationalen Ressourcen  vor allem auf dem Feld soge-
       nannter Zukunftsindustrien  zu bündeln und die 'eigenen' Monopole
       für kommende  Weltmarktauseinandersetzungen fit  zu  machen.  Dem
       Vorhaben, führender  Produzent und  Exporteur von Kernkraftwerken
       zu werden,  wurde seinerzeit  auf diese  Weise ebenso entsprochen
       wie dem aktuellen Bemühen um eine vor äußeren Einflüssen zunächst
       relativ geschützte Formierung eines international konkurrenzfähi-
       gen Telekommunikationssektors.
       -  V i e r t e n s   schließlich spielen    T r a d i t i o n e n
       d e s  S t a a t s i n t e r v e n t i o n i s m u s  und das hi-
       storisch  gewachsene     N i v e a u    d e r    Z u s a m m e n-
       a r b e i t  v o n  S t a a t  u n d  M o n o p o l k a p i t a l
       bei der Herausbildung von Komplexen eine nicht zu unterschätzende
       Rolle. Der  deutsche Staat war schon in der Weimarer Republik und
       während des Faschismus Träger wichtiger Infrastrukturaufgaben und
       als Auftraggeber  wie Großabnehmer  von der  Industrie geschätzt.
       Die  privatmonopolistischen   Stützen  der  späteren  Komplexe  -
       insbesondere  die  Elektro-  und  die  Rüstungskonzerne  -  waren
       ihrerseits seit  Jahrzehnten ökonomisch,  politisch und personell
       eng mit  dem Staatsapparat  verbunden. 5) Die Entstehung von Kom-
       plexen wurde  in der  Bundesrepublik durch  diese lange Tradition
       des organisierten  Kapitalismus  und  der  privatmonopolistischen
       Indienstnahme ökonomischer  Staatstätigkeit zweifellos zusätzlich
       begünstigt.
       Mit alldem  will ich  für eine  historisch-differenzierende, ganz
       unterschiedliche Einflüsse  auslotende und nicht zu eng auf - wie
       auch immer  im einzelnen definierte - objektive Produktivkrafter-
       fordernisse ausgerichtete  Analyse und Interpretation staatsmono-
       polistischer Komplexe  plädieren. Um  hier nicht mißverstanden zu
       werden:  Der   heute  vor  allem  durch  das    A u f t r e t e n
       k o m p l e x e r,     k a p i t a l i n t e n s i v e r    u n d
       r i s i k o b e h a f t e t e r   G r o ß t e c h n o l o g i e n
       ausgelöste Vergesellschaftungsdruck  der  Produktivkräfte  spielt
       natürlich eine  wichtige Rolle  bei der  Herausbildung neuartiger
       Produktions- und  Regulierungsformen  -  er    w i r k t    n u r
       w e d e r   a u t o n o m   n o c h   a u t o m a t i s c h   i n
       d i e     R i c h t u n g      s t a a t s m o n o p o l i s t i-
       s c h e r  K o m p l e x e.
       
       3. Nationale Besonderheiten und Unterschiede
       --------------------------------------------
       
       Meine   z w e i t e  B e m e r k u n g  bestätigt diesen methodi-
       schen Grundgedanken aus einer anderen Sicht: Wenn wir uns von den
       Borniertheiten der  national ausgerichteten  Analyse  freimachen,
       dann stellen wir schnell fest, daß sich in stofflich vergleichba-
       ren Produktionsbereichen  in  den  kapitalistischen  Hauptländern
       ganz unterschiedliche  Produktionsweisen und Vergesellschaftungs-
       muster herausgebildet und verfestigt haben.
       Nehmen  wir  das    B e i s p i e l    T e l e k o m m u n i k a-
       t i o n.   Die Modernisierung  und der Ausbau der kommunikations-
       technischen   Infrastruktur   gilt   weltweit   als   einer   der
       entscheidenden Wachstumsbereiche  der Zukunft. 6) In allen großen
       kapitalistischen Industrieländern  werden  bereits  seit  einigen
       Jahren  umfangreiche  Modernisierungsinvestitionen  getätigt  und
       große Anstrengungen  unternommen, das  nationale  Fernmelde-  und
       Kommunikationswesen neu  zu strukturieren. Diese Modernisierungs-
       und  Restrukturierungspolitik  muß  jedoch  nicht  nur  von  ganz
       unterschiedlichen nationalen  Voraussetzungen ausgehen; sie setzt
       zugleich von Land zu Land deutlich unterscheidbare Akzente:
       - In der   B u n d e s r e p u b l i k   hat  sich in der zweiten
       Hälfte der  70er Jahre ein staatsmonopolistischer Komplex in die-
       sem Bereich  herausgebildet, der  in seinen  Grundzügen auch nach
       der beabsichtigten Restrukturierung des Post- und Fernmeldewesens
       weiterbestehen wird. 7) Das Staatsunternehmen Deutsche Bundespost
       kauft in großem Umfang die Produkte der kommunikationstechnischen
       Industrie, fördert in enger Abstimmung mit dem Forschungsministe-
       rium die  Entwicklung neuer  Technologien und  Produkte und setzt
       mit seiner Modernisierungs- und Beschaffungspolitik wichtige Rah-
       menbedingungen für  das Wirken der privaten Unternehmen der Bran-
       che. Die führenden Konzerne nehmen ihrerseits exklusiv an der Er-
       arbeitung dieser Rahmenbedingungen auf allen Ebenen teil und üben
       bestimmenden Einfluß  auf die  Grundrichtungen der Produktion und
       Ausbauplanung aus.  Aufträge werden  in der  Regel  "freihändig",
       d.h. ohne Wettbewerb, an wenige führende Firmen (v.a. an Siemens)
       vergeben, Vorleistungen auf dem Gebiet der Forschung und Entwick-
       lung großzügig  subventioniert, Wettbewerb  und unternehmerisches
       Risiko durch  staatliche Abnahmegarantien  und vorab  vereinbarte
       Gewinnspannen zumindest  auf dem  Inlandsmarkt weitgehend  ausge-
       schaltet.
       - In  G r o ß b r i t a n n i e n  war das Post- und Fernmeldewe-
       sen bis  Ende der  70er Jahre ganz ähnlich wie in der Bundesrepu-
       blik organisiert.  8) Das  staatliche Unternehmen British Telecom
       besaß das Fernmeldemonopol und das Monopol für die Errichtung und
       den Betrieb von Fernmeldeeinrichtungen; Aufträge wurden vor allem
       an britische Telekommunikationsgerätehersteller vergeben, die da-
       durch eine ähnlich exponierte Stellung wie die deutschen Amtsbau-
       firmen in  der Bundesrepublik hatten. In den 80er Jahren wurde im
       Zuge der beginnenden Modernisierung der Kommunikationsinfrastruk-
       tur dagegen  eine signifikant andere Entwicklungsstrategie einge-
       schlagen als  in der  Bundesrepublik. Sicherlich  beflügelt durch
       den Machtantritt  der Konservativen  setzte 1979  eine drastische
       Politik der  Privatisierung und  Deregulierung in  diesem Bereich
       ein: Post-  und Fernmeldewesen  wurden voneinander  getrennt, der
       Endgerätemarkt weitgehend  liberalisiert, privater Wettbewerb auf
       der Netz- und Dienstebene zugelassen und British Telecom privati-
       siert. Zur Wettbewerbsüberwachung und Lizenzvergabe wurde das Of-
       fice of Telecommunication (OFTEL) gegründet, insgesamt jedoch der
       staatliche Einfluß im britischen Fernmelde- und Kommunikationswe-
       sen deutlich zurückgedrängt.
       - Wieder anders  ist die  Situation in den  V e r e i n i g t e n
       S t a a t e n.   9) Hier  ist das Fernmeldewesen seit Jahrzehnten
       nahezu vollständig privatmonopolistisch reguliert. Staatliche Re-
       gulierungsinstanzen haben  zwar das Recht, Gebühren zu überprüfen
       und neue  Wettbewerber zuzulassen, spielen jedoch beim Aufbau und
       Betrieb der Kommunikationsinfrastruktur keine nennenswerte Rolle.
       Alle Aufgaben,  die in der Bundesrepublik über die Organisations-
       struktur eines  staatsmonopolistischen Komplexes  angegangen wer-
       den, werden  in den  USA im  wesentlichen im  Rahmen des privaten
       Kommunikationsgiganten American  Telephone & Telegraph Co. (AT&T)
       angegangen und  gelöst. Im Unternehmen konzentrieren sich Netzbe-
       trieb und -ausbau, Kabel-, Telefon- und Anlagenproduktion, Daten-
       verarbeitungsdienste und  Forschungseinrichtungen. Die  großange-
       legte Entflechtung  des Unternehmens im Jahr 1984 änderte an sei-
       ner dominanten  Stellung im  amerikanischen Fernmeldewesen wenig,
       hatte jedoch  nicht zu übersehende Struktureffekte: Nicht wettbe-
       werbsfähige Bereiche wie die veralteten Ortsnetze wurden abgesto-
       ßen, die  ausschließliche Orientierung  auf die  Fernmeldetechnik
       aufgegeben und  eine Neuausrichtung des Unternehmens im Sinne ei-
       ner stärkeren  Integration von  Kommunikations- und Informations-
       technologien eingeleitet.
       Das Beispiel  Telekommunikation veranschaulicht  recht  deutlich,
       wie  groß  die    S p a n n b r e i t e    k a p i t a l i s t i-
       s c h e r       V e r g e s e l l s c h a f t u n g s f o r m e n
       auch unter  den heutigen  Bedingungen eines  international  weit-
       gehend synchron  und eng  verzahnt verlaufenden wissenschaftlich-
       technischen Umbruchprozesses geblieben ist: Sie reicht (nicht nur
       in diesem  speziellen Fall)   v o n   d e r    K o n z e n t r a-
       t i o n   a u f   p r i v a t m o n o p o l i s t i s c h e  R e-
       g u l i e r u n g s m u s t e r   b i s   h i n   z u m  O r g a-
       n i s a t i o n s r a h m e n  s t a a t s m o n o p o l i s t i-
       s c h e r  K o m p l e x e.  Hierin spiegeln sich nicht etwa gra-
       vierende nationale  Unterschiede im  Produktivkraftniveau oder in
       den Vergesellschaftungsanforderungen  wider -  der  Regulierungs-
       bedarf zur  Neuordnung des  Kommunikationswesens ist  in den  USA
       sicher nicht  geringer als  beispielsweise in der Bundesrepublik.
       Er läßt  sich allerdings  - und  dies ist  der springende Punkt -
       aufgrund der historisch gewachsenen Ausnahmestellung, wirtschaft-
       lichen Größe,  wissenschaftlich-technischen und organisatorischen
       Kraft von  AT&T auf dem amerikanischen Markt ganz anders einlösen
       als in der Bundesrepublik.
       
       4. Privatisierung, Deregulierung, Internationalisierung
       -------------------------------------------------------
       
       Ein weiteres, hier bereits angedeutetes Problem verlangt nach ei-
       ner Erklärung: Der offenkundige Tatbestand, daß gerade in Produk-
       tionssparten, die  uns auf  den ersten  Blick wie  geschaffen für
       komplexe Verflechtungsstrukturen  erscheinen, seit einigen Jahren
       entflochten, dereguliert und privatisiert wird. Staatliche Priva-
       tisierungspolitik hat  nicht nur  in Großbritannien  mittlerweile
       ein Ausmaß  erreicht,  das  man  nicht  mehr  mit  Begriffen  wie
       "anachronistisch"  und  "dysfunktional"  leichtfertig  ignorieren
       kann. 10)  Im Gegenteil: die Erfahrungen etwa im Telekommunikati-
       onsbereich legen  die Vermutung  nahe, daß  staatsmonopolistische
       Komplexe auch  dort, wo sie sich herausgebildet und etabliert ha-
       ben, keineswegs  irreversibel und  unabdingbar sind.  Wie  stabil
       sind staatsmonopolistische Komplexe? Wie realistisch ist die Mög-
       lichkeit einer  privatmonopolistischen Rückbindung komplexer Ver-
       flechtungsstrukturen? 11)  Dazu meine   d r i t t e    B e m e r-
       k u n g.
       M ö g l i c h k e i t e n   u n d   G r e n z e n   v o n  P r i-
       v a t i s i e r u n g   u n d  D e r e g u l i e r u n g,  S t a-
       b i l i t ä t  u n d  t r a n s i t o r i s c h e r  C h a r a k-
       t e r   s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e r  K o m p l e-
       x e   lassen sich  wiederum am  besten im  Zusammenhang der Tele-
       kommunikationspolitik diskutieren - nicht nur, weil sie neben der
       Büro- und  Fabrikautomatisierung im Zentrum des wissenschaftlich-
       technischen Umbruchs  steht, sondern  auch, weil  sich  hier  die
       Privatisierungsbemühungen konservativer  Wirtschaftspoliitk  auf-
       fällig bündeln. 12)
       M.E. gibt  es im  Telekommunikationsbereich, angestoßen durch den
       wissenschaftlich-technischen Innovationsprozeß tatsächlich ökono-
       mische   T r i e b k r ä f t e    u n d    Z w ä n g e ,    d i e
       e i n e   d e u t l i c h e    D e r e g u l i e r u n g    u n d
       L i b e r a l i s i e r u n g   d e r   n a t i o n a l    k a r-
       t e l l i e r t e n   M ä r k t e   n a h e l e g e n.   Mit  der
       Modernisierung und  Erweiterung  der  Kommunikationsinfrastruktur
       und dem  immer stärkeren  Zusammenwachsen von Datenverarbeitungs-
       und Nachrichtentechnik  entwickelt sich  ein sehr dynamischer und
       zukunftsträchtiger  Wachstumsmarkt,   der  im   Grunde  nur  noch
       hochkonzentriert  und   international  funktionieren   kann.  Die
       Entwicklungskosten nachrichtentechnischer  Systeme gehen mittler-
       weile in die Milliarden und haben damit Größenordnungen erreicht,
       die nur  noch von wenigen Spitzenunternehmen erbracht werden kön-
       nen. Die  nationalen Märkte  sind für  eine profitable Verwertung
       dieser Vorleistungen  zu eng geworden; sie erfordert in der Regel
       den Absatz großer Stückzahlen, der nur noch durch das internatio-
       nale Geschäft  erbracht werden kann. Ein Weltmarktanteil von zehn
       Prozent wird  heute als  die Schwelle angesehen, jenseits der ein
       Unternehmen der Branche auf Dauer überleben kann. 13)
       Der rasanten  Internationalisierung der  Produktions- und Verwer-
       tungsbedingungen stehen  die national  strukturierten und kartel-
       lierten Fernmeldemärkte wie Handelsbarrieren gegenüber. Ihre Öff-
       nung und  Liberalisierung ist  aus der  Sicht der  Branchenführer
       also keineswegs  ein unzeitgemäßer Anachronismus, sondern notwen-
       dige Voraussetzung ihrer weiteren Expansion.
       Dies ist  allerdings nur  die eine Seite eines wesentlich kompli-
       zierteren  Zusammenhangs.  Aller  internationalen  Expansion  zum
       Trotz sind  die konkurrierenden  Konzerne zugleich  darum bemüht,
       ihre exponierte Stellung auf den Heimatmärkten nicht zu verlieren
       - wegen  der sicheren Absatzmärkte, aber auch aufgrund der vielen
       anderen Vorteile,  die die eingespielte Kooperation mit dem Staat
       den  Unternehmen  nach  wie  vor  bietet.    P r i v a t i s i e-
       r u n g s-  u n d  D e r e g u l i e r u n g s p o l i t i k  be-
       wegt sich  also im   S p a n n u n g s f e l d   u n g e h e m m-
       t e r   i n t e r n a t i o n a l e r    E x p a n s i o n s b e-
       d ü r f n i s s e   u n d   s t a a t l i c h    g e s c h ü t z-
       t e r   F o r m i e r u n g   i n t e r n a t i o n a l    k o n-
       k u r r e n z f ä h i g e r  K o n z e r n e.
       Dies Spannungsfeld kann auf ganz unterschiedliche Weise aufgelöst
       werden. Die  radikale Privatisierungs-  und Deregulierungspolitik
       der Konservativen  in Großbritannien,  mit dem  Ziel eingeleitet,
       eine international wettbewerbsfähige informationstechnische Indu-
       strie im  Land zu fördern, hat m.E. in dieser Hinsicht kontrapro-
       duktiv gewirkt.  Die ohnehin  nicht sonderlich  konkurrenzfähigen
       britischen Unternehmen  sind durch die Privatisierung von British
       Telecom und die Öffnung des Marktes für ausländische Wettbewerber
       eher weiter ins Hintertreffen geraten. Die sehr stark ideologisch
       eingefärbte Deregulierungspolitik  auf der Insel war in ihrer Ra-
       dikalität dysfunktional. 14)
       Anders in  der Bundesrepublik. Die bislang sehr moderaten Deregu-
       lierungsaktivitäten tragen zwar zur Marktöffnung auf ausgewählten
       Teilmärkten bei,  ändern allerdings  an der institutionalisierten
       Kooperation zwischen Staat und 'nationalen' Konzernen ebensowenig
       wie an  der privilegierten  Stellung der Amtsbaufirmen. Die Regu-
       lierungsform des  staatsmonopolistischen Komplexes wird hier fürs
       erste also  bestehen bleiben.  Aus der Sicht der beteiligten Kon-
       zerne dürfte  diese (vorläufige)  Lösung nahezu optimal sein: Die
       Marktöffnung im  Endgeräte- und  Dienstebereich dient  - ohne die
       Gesamtposition der  nationalen Anbieter  ernsthaft  gefährden  zu
       können -  nicht zuletzt der Absicherung der Expansion bundesdeut-
       scher Konzerne  auf anderen nationalen Telekommunikationsmärkten,
       die Beibehaltung  des staatsmonopolistischen  Komplexes in diesem
       Fall der von äußeren Einflüssen zunächst noch relativ geschützten
       Formierung eines international konkurrenzfähigen Telekommunikati-
       onssektors. 15)  Stabil ist diese Konstellation allerdings nicht:
       der Deregulierungsdruck  dürfte vor allem mit Blick auf den anvi-
       sierten europäischen  Binnenmarkt in  den nächsten Jahren auch in
       der Bundesrepublik zunehmen.
       Die hier  skizzierten Entwicklungen  im Telekommunikationsbereich
       legen aus  meiner Sicht  zwei Schlüsse  nahe:   z u m   e i n e n
       kann   P r i v a t i s i e r u n g   s t a a t l i c h e r   U n-
       t e r n e h m e n    u n d    D e r e g u l i e r u n g    k a r-
       t e l l i e r t e r   n a t i o n a l e r    M ä r k t e    a l s
       R e a k t i o n   a u f    d i e    r a s c h e    I n t e r n a-
       t i o n a l i s i e r u n g   d e r  P r o d u k t i o n s k e t-
       t e n   u n d   E i n s t e l l u n g   a u f   d i e    W e l t-
       m a r k t k o n k u r r e n z   f ü r   d i e    U n t e r n e h-
       m e n   d e r   B r a n c h e   s i n n v o l l   u n d  f u n k-
       t i o n a l   sein (zweifellos aber auch im nationalen Ausverkauf
       enden).   Z u m   a n d e r e n   kann die  M ö g l i c h k e i t
       e i n e r   p r i v a t m o n o p o l i s t i s c h e n    E n t-
       f l e c h t u n g   e n t w i c k e l t e r  s t a a t s m o n o-
       p o l i s t i s c h e r   K o m p l e x e  unter diesen Bedingun-
       gen nicht ausgeschlossen werden.
       Um auch  hier möglichen Mißverständnissen vorzubeugen: Privatmon-
       polistische Rückbindung ist hier  a l s  E n t w i c k l u n g s-
       m ö g l i c h k e i t,    k e i n e s w e g s    a b e r    a l s
       v e r a l l g e m e i n e r b a r e    P e r s p e k t i v e  der
       Verflechtungsstruktur staatsmonopolistischer  Komplexe zu verste-
       hen. Diese  Möglichkeit, die für die Telekommunikation angedeutet
       und begründet  wurde, ist  in anderen Bereichen bislang nicht re-
       alistisch. Die  aktuellen Umgruppierungen  und Neuformierungen in
       der bundesdeutschen Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie - die
       Fusion Daimler-MBB,  die Bildung einer deutschen Raumfahrtagentur
       u.a. -  weisen beispielsweise  eher in die entgegengesetzte Rich-
       tung einer  Straffung und Effektivierung des Rüstungs-, Luft- und
       Raumfahrtkomplexes in  der Bundesrepublik  16) -  bei  allerdings
       deutlichem Machtzuwachs seines privatmonopolistischen Kerns.
       
       5. Planungseffizienz und Ressourcenallokation
       ---------------------------------------------
       
       Mein   v i e r t e r   G e d a n k e  dreht sich genaugenommen um
       zwei zusammenhängende Einzelprobleme: zum einen um die tatsächli-
       che Planungs-  und Programmierungsfähigkeit  i n  staatsmonopoli-
       stischen Komplexen;  zum anderen  um die Beeinflussung der volks-
       wirtschaftlichen Ressourcenlenkung  d u r c h  die Komplexe.
       Zum   e r s t e n   P r o b l e m: Die   P l a n u n g s-  P r o-
       g r a m m i e r u n g s-    u n d    K o o r d i n i e r u n g s-
       e f f i z i e n z  schwankt von Komplex zu Komplex erheblich; ein
       einheitliches Bild  läßt sich  auch hier  nicht  skizzieren.  Der
       steile Aufstieg  der   K e r n t e c h n i k  u n d  A t o m i n-
       d u s t r i e  in den 50er und 60er Jahren z.B. vollzog sich aus-
       gesprochen planlos,  unkoordiniert und  verantwortungslos, obwohl
       sich mit  der Deutschen  Atomkommission (DAtK)  und dem Deutschen
       Atomforum (DAtF),  dem Straußschen Atomministerium und den staat-
       lichen Kernforschungszentren schnell ein dichtes institutionelles
       Geflecht in  ihrem Umfeld  gebildet hatte. Die tatsächliche Regu-
       lierungskompetenz, die  entscheidende  Verflechtungsinstitutionen
       wie die  DAtK herausbildeten,  steht nach Meinung des Historikers
       J. Radkau  allerdings "in merkwürdigem Kontrast zu dem eindrucks-
       vollen Bild,  das manche  späteren politologischen Untersuchungen
       von den  Führungsqualitäten der DAtK entworfen haben." Seiner An-
       sicht nach  "wurde die  DAtK durch  das nicht aufzulösende Gegen-
       und Nebeneinander  der  Partialinteressen,  denen  kaum  neutrale
       Dritte und  unabhängige Clearing-Instanzen  gegenüberstanden, zu-
       nehmend paralysiert."  Radkau bezeichnet  auch die weitere Zusam-
       menarbeit im  Dreieck  Wirtschaft  -  Staat  -  Wissenschaft  als
       "planlose Verflechtung"  und beantwortet  die Frage, ob die Kern-
       energieentwicklung in  der Bundesrepublik als programmgesteuerter
       oder naturwüchsiger  Prozeß anzusehen  ist, unzweideutig so: "Die
       wirklichen, nämlich  die aktiv die kerntechnische Entwicklung be-
       stimmenden Programme  waren nicht die Pauschalprogramme der DAtK,
       sondern die  Projekte der  Kernforschungszentren. Diese  'eigent-
       lichen Großprojekte' waren jedoch, wie 1973 im Forschungsausschuß
       des Bundestages  festgestellt wurde,  nicht aus  Bonner Planungen
       hervorgegangen,  sondern  'mehr  oder  weniger  naturwüchsig  ge-
       wachsen'." 17)
       Demgegenüber ist  die    T e l e k o m m u n i k a t i o n s p o-
       l i t i k   der 70er  und 80er Jahre bei allen Ungereimtheiten im
       einzelnen  wesentlich   vorausschauender  geplant,   sorgfältiger
       koordiniert und stimmiger umgesetzt worden. 18) Die 1973 berufene
       'Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems'
       (KtK) hat  sich als funktionierende Planungsinstanz erwiesen, das
       BMFT-Programm  "Informationstechnik"   hat  die  staatliche  For-
       schungspolitik deutlich  auf diesen  Schwerpunkt orientiert,  die
       eingespielte  Zusammenarbeit  von  Amtsbaufirmen,  Fernmeldetech-
       nischem Zentralamt  (FTZ) und BMFT hat Forschung und Entwicklung,
       Standardisierung und  Beschaffung recht  effektiv  koordiniert  -
       auch wenn  Btx-Pleite, Postreform-Steinbruch  und die  personelle
       Besetzung des  Postministeriums dies  auf den  ersten Blick nicht
       nahelegen sollten.  Allerdings: Auch  hier  ist  das  staatsmono-
       polistische Lenkungsinstrumentarium  erst im Übergang zu den 80er
       Jahren zu  dem heute funktionierenden Gesamtmechanismus ausgebaut
       worden.
       Wie erklären  sich diese  doch gravierenden  Unterschiede im Pla-
       nungs- und  Koordinierungsmechanismus staatsmonopolistischer Kom-
       plexe? Man  wird dies Problem von Fall zu Fall gesondert untersu-
       chen müssen - eine Aufgabe, die hier nicht geleistet werden kann.
       Eine erste  Hypothese drängt sich jedoch sofort auf: die Annahme,
       daß die   k o m p l e x i n t e r n e   Regulierungsfähigkeit mit
       der Ausdifferenzierung privatmonopolistischer Planungs- und Mana-
       gementmethoden ebenso  wie mit  den Erfahrungen  staatlicher Pro-
       grammierung und Wirtschaftslenkung sukzessive zunimmt.
       Z w e i t e s       P r o b l e m:       G e s a m t g e s e l l-
       s c h a f t l i c h   haben sich  die staatsmonopolistischen Kom-
       plexe in  der Bundesrepublik  -  mit  Ausnahme  des  Telekommuni-
       kationsbereichs - m.E. als entscheidende  T r ä g e r  g i g a n-
       t i s c h e r     F e h l a l l o k a t i o n e n      v o l k s-
       w i r t s c h a f t l i c h e r   R e s s o u r c e n   erwiesen.
       Zentrale, langfristig  ausgerichtete Großprojekte, z.T. aber auch
       die Gesamtausrichtung  der Produktion  in  staatsmonopolistischen
       Komplexen ließen  sich aus  stofflicher Sicht  nicht  stichhaltig
       begründen, waren gesamtwirtschaftlich dysfunktional und blockier-
       ten immer  wieder ökonomisch  und technologisch  sinnvolle Alter-
       nativen:
       - Für die  Rüstungstechnologie und  den   m i l i t ä r i s c h -
       i n d u s t r i e l l e n   K o m p l e x   springt dies  Problem
       natürlich besonders  ins Auge.  19) Ein  aktuelles Beispiel:  der
       Jäger 90,  das bislang  kostspieligste Rüstungsprojekt  der deut-
       schen Geschichte.  Dieses Kampfflugzeug  wird im  Endeffekt nicht
       nur -  wie im  Rüstungsbereich üblich  - um ein Mehrfaches teurer
       sein als  geplant. Es gilt zugleich bereits vor Produktionsbeginn
       als technologisch  überholt  und  militärstrategisch  untauglich.
       Gebaut wird  es aller  Voraussicht nach trotzdem, "denn schon von
       Anfang an  war auffällig, wie wenig der Bau dieses Jägers mit den
       Bedürfnissen der  Bundeswehr, wie  stark er aber mit den Wünschen
       der Flugzeugbranche  begründet wurde."  20)  Technisch  veraltet,
       militärstrategisch unsinnig, friedenspolitisch gefährlich - alles
       spricht gegen  dieses Flugzeug,  und doch  wird der  militärisch-
       industrielle Machtblock es letztlich wohl durchsetzen.
       - Die Förderung  der Kerntechnik  und der Bau von Atomkraftwerken
       vollzog sich im  A t o m - I n d u s t r i e - K o m p l e x  auf
       ganz ähnliche Weise: Für die industrielle Erforschung und Nutzung
       der Kernenergie  gab es von Anfang an keinen stofflich begründba-
       ren Bedarf (z.B. absehbare Engpässe in der Stromerzeugung); statt
       dessen allerdings  schnell Exportinteressen  der  Elektrokonzerne
       und Bombenoptionen  in Militär und Politik. Kernkraftwerke wurden
       in der Bundesrepublik in der Folgezeit ohne irgendeine energiepo-
       litische Notwendigkeit  gebaut und betrieben, die wesentlich bil-
       ligere Nutzung  heimischer Energieträger  wie der  Kohle  dagegen
       sträflich vernachlässigt.  Großangelegte  Forschungsvorhaben  wie
       das Brüter-Projekt  entfalteten im Windschatten der Kernenergieo-
       ption eine  absurde Eigendynamik  und setzten ohne erkennbare Er-
       gebnisse Milliarden in den Sand, während die Erforschung alterna-
       tiver Energiequellen  wie z.B.  der Sonnenenergie  bis zur Bedeu-
       tungslosigkeit heruntergefahren wurde. 21)
       - Ein drittes, sehr aktuelles Beispiel für großangelegte Fehllei-
       tung von  Ressourcen im  Machtzusammenhang staatspolitischer Kom-
       plexe ist  der  bundesdeutsche    E i n s t i e g    i n    d i e
       b e m a n n t e  R a u m f a h r t  - eine langfristig ausgerich-
       tete forschungs-  und technologiepolitische Grundsatzentscheidung
       für ein  internationales Großprojekt, deren Nutzen für die zivile
       Wissenschaft und  den technologischen  Innovationsprozeß auf  der
       Erde ebenfalls  ausgesprochen fragwürdig  ist. In der Tat gibt es
       bis heute  weder ein  umfassendes Forschungs- und Technologiekon-
       zept noch  aussagekräftige  Return-on-Investment-Rechnungen,  aus
       denen der  potentielle Nutzen  des bemannten  Weltraumengagements
       zumindest schemenhaft  ersichtlich würde. Gleichwohl ist der Ein-
       stieg in dieses kostenintensive Projekt mittlerweile beschlossene
       Sache; eine  deutliche Akzentverschiebung  der  staatlichen  For-
       schungsprioritäten in  diese Richtung ist bereits spürbar. Profi-
       tieren wird  hiervon jene  Handvoll Unternehmen, die zum ökonomi-
       schen Kern  des bundesdeutschen   L u f t-,    R a u m f a h r t-
       u n d  R ü s t u n g s k o m p l e x e s  gerechnet wird. 22)
       Die angeführten  Beispiele haben  eine auffällige  Gemeinsamkeit:
       D i e    h i e r    b e s c h l o s s e n e n    t e c h n o l o-
       g i s c h e n       G r u n d s a t z e n t s c h e i d u n g e n
       u n d   P r o d u k t i o n s p r o f i l e   s i n d   n i c h t
       s t o f f l i c h       b e g r ü n d b a r,        s o n d e r n
       d u r c h w e g     m a c h t p o l i t i s c h    k o n s t r u-
       i e r t.  Die Folgen sind verheerend: wissenschaftlich-technische
       Entwicklungsprofile, Forschungsprioritäten  und  Produktionskapa-
       zitäten werden  damit in  großem  Stil  auf  Großprojekte  ausge-
       richtet, die langfristig astronomische Mittel binden, Forschungs-
       alternativen blockieren  und bestenfalls einfach unsinnig, häufig
       jedoch  zudem   äußerst  risikobehaftet   und  gefährlich   sind.
       T r ä g e r     u n d      T r i e b k r ä f t e      d i e s e r
       m a c h t p o l i t i s c h    k o n s t r u i e r t e n    u n d
       d e f o r m i e r t e n    F o r m    v o n    P r o d u k t i v-
       k r a f t e n t w i c k l u n g  s i n d  d i e  s t a a t s m o-
       n o p o l i s t i s c h e n   K o m p l e x e    u n d    i h r e
       A k t e u r e.   In ihrem Zusammenhang werden viele entscheidende
       Weichen  gestellt,   Alternativen  abgeblockt  und  nicht  selten
       Fehltritte 'verewigt'.
       
       6. Zum Stellenwert staatsmonopolistischer Komplexe
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       in der heutigen Umbruchperiode
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       Fragen wir   s c h l i e ß l i c h   auf  der Grundlage  der hier
       vorgetragenen Gedanken  nach dem Stellenwert, der staatsmonopoli-
       stischen Komplexen  in der  heutigen Umbruchperiode zukommt, dann
       ergibt sich folgendes Bild:
       -  E r s t e n s   sind staatsmonopolistische Komplexe nicht Pro-
       dukt des wissenschaftlich-technischen Umbruchs unserer Tage, son-
       dern wesentlich  älter. Der  Ursprung der meisten Komplexe reicht
       in die 50er und 60er Jahre zurück; lediglich der Telekommunikati-
       onskomplex ist  im Zusammenhang  der heutigen Umbruchperiode ent-
       standen. Die  allgemeinen  Voraussetzungen  für  die  Entwicklung
       staatsmonopolistischer Komplexe  werden m.E.  mit der vollen Her-
       ausbildung  staatsmonopolistischer   Produktionsverhältnisse  ge-
       schaffen. So  gesehen sind  staatsmonopolistische  Komplexe  eine
       mögliche Organisationsform des Kapitals im SMK insgesamt.
       -  Z w e i t e n s   ist die Herausbildung staatsmonopolistischer
       Komplexe kein  verallgemeinerbarer Trend  in die  Richtung  einer
       neuen  Stufe  kapitalistischer  Vergesellschaftung,  vergleichbar
       etwa mit der Herausbildung des Monopols zur Jahrhundertwende. Sie
       haben sich  mit jeweils  spezifischer Geschichte  in ausgewählten
       Produktionsbereichen  herausgebildet,   sind  jedoch  in  anderen
       volkswirtschaftlichen Schlüsselzweigen  überhaupt nicht in Sicht.
       Ihre Ausprägung  ist von  Land zu Land sehr verschieden, die Mög-
       lichkeit ihrer  privatmonopolistischen Rückbindung  nicht  ausge-
       schlossen. Keine Frage: Die Komplexe haben sich neben Monopol und
       Finanzgruppe im  heutigen Kapitalismus etabliert und sind aus ihm
       nicht mehr  wegzudenken. Mehr  als eine  Koexistenz  dieser  drei
       Hauptformen des  Monopolkapitals ist in absehbarer Zukunft aller-
       dings nicht zu erwarten.
       -  D r i t t e n s   ist der  staatsmonopolistische Komplex  auch
       nicht die  einzige oder hauptsächliche Form, in der sich der wis-
       senschaftlich-technische Umbruch  Bahn bricht.  Wir haben am Bei-
       spiel der  Telekommunikation gesehen, daß der Umbruch ganz unter-
       schiedlich organisiert  werden kann. Wir können zudem am Beispiel
       der Fabrikautomatisierung  sehen, daß  zentrale Bereiche  des Um-
       bruchs im wesentlichen privatmonopolistisch durchgesetzt werden -
       in der  Automobilindustrie oder im Stahlbereich etwa über großan-
       gelegte Modernisierungs-  und Rationalisierungsprogramme der Kon-
       zerne und  eine gezielte  Diversifikationsstrategie in High-Tech-
       Bereiche. 23)  Staatsmonopolistische Komplexe sind also eine mög-
       liche, keineswegs  jedoch zwangsläufige Durchsetzungsform des Um-
       bruchs.
       Es zeigt  sich hier noch einmal, daß schnelle Verallgemeinerungen
       und Schlußfolgerungen  aus dem  Auftreten  staatsmonopolistischer
       Komplexe,  insbesondere  bruchlose  Übersetzungen  vermeintlicher
       Produktivkrafterfordernisse  in  Vergesellschaftszwänge  dem  Er-
       scheinungsbild der  Komplexe nicht  gerecht werden  können. Ihnen
       liegen - dies sei hier abermals betont - wesentlich differenzier-
       tere, historisch-konkrete  Entstehungsmuster zugrunde,  in  denen
       das Aufkommen  komplexer Großtechnologien  und ihre  ökonomischen
       Implikationen -  Kapitalfixierung, Anlagerisiken usw. - zwar eine
       wichtige, aber  längst nicht  die einzig  ausschlaggebende  Rolle
       spielen.
       
       _____
       1) Alle Zitate aus Informationstechnik 2000. Arbeitsgruppe Kommu-
       nikationstechnik / Unterhaltungselektronik, Stuttgart 1987, S. 1,
       11 f.; vgl. dazu auch BMFT (Hg.), Informationstechnik. Konzeption
       der Bundesregierung zur Förderung der Mikroelektronik, der Infor-
       mations- und Kommunikationstechniken. Bonn 1984, S. 8.
       2) Die Literatur  zum Thema  ist nach wie vor übersichtlich. Vgl.
       IMSF (Hg.),  Staatsmonopolistische Komplexe.  Zu einer  Kategorie
       der aktuellen  Kapitalismusanalyse,  Frankfurt/M.  1982.;  dies.,
       Staatsmonopolistische Komplexe  in der  Bundesrepublik. Theorie -
       Analyse -  Diskussion, Köln  1986.;  U.  Dolata/A.  Gottschalk/J.
       Huffschmid: Staatsmonopolistische  Komplexe als  neue Organisati-
       onsform des  Kapitals. Bemerkungen  zu einer  neuen Kategorie der
       politischen Ökonomie  des Kapitalismus, in: Marxistische Studien.
       Jahrbuch des  IMSF 11/1986,  Frankfurt/M., S. 222 ff.: U. Dolata:
       Eine neue  Form der  Verflechtung.  Über  die  Herausbildung  von
       staatsmonopolistischen Komplexen  in der Bundesrepublik, in: Kri-
       tik der  bürgerlichen Reproduktionstheorie.  Protokollband des 4.
       Jenaer theoriehistorischen  Kolloquiums, Jena  1987, S.  107 ff.;
       Aufgegriffen worden  ist die Kategorie darüber hinaus von der Ar-
       beitsgruppe Alternative  Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsmacht  in
       der Marktwirtschaft.  Zur ökonomischen  Konzentration in der Bun-
       desrepublik, Köln 1988, S. 73 ff.
       3) Diese "enge"  Begriffsbildung unterscheidet  sich deutlich von
       der wesentlich "weiteren" der sowjetischen Namensgeber: "Das Ver-
       hältnis zwischen  dem SMK  und einem konkreten staatsmonopolisti-
       schen Komplex ist das Verhältnis zwischen dem Allgemeinen und dem
       Besonderen. Es  ist etwa vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen
       dem Monopolkapitalismus  und den Monopolen." A.A. Djomin: Die Ka-
       tegorie "staatsmonopolistische Komplexe" im System der Kategorien
       der marxistisch-leninistischen  politischen Ökonomie des modernen
       Kapitalismus, in:  IMSF:  Staatsmonopolistische  Komplexe,  1986,
       a.a.O., S. 48.
       4) vgl. im  Folgenden zum  MIK: J.  Huffschmid  (Hg.),  Rüstungs-
       oder) Sozialstaat?, Köln  1981, S. 13ff.; ders.: Der militärisch-
       industrielle Komplex,  in: IMSF:  Staatsmonopolisitsche  Komplexe
       1986, a.a.O., S. 176ff.; H.-J. Bontrup/N. Zdrowomyslaw: Die deut-
       sche Rüstungsindustrie. Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik, Heil-
       bronn 1988,  S. 129ff.  Vgl. zum  AIK: H. Bufe/J. Grumbach, Staat
       und Atomindustrie.  Kernenergiepolitik in  der BRD, Köln 1979; J.
       Radkau, Aufstieg  und Krise  der deutschen  Atomwirtschaft  1945-
       1975, Reinbek  1983; U.  Schelb (Hg.), Reaktoren und Raketen. Von
       der zivilen  zur militärischen  Atomenergie?, Köln 1987. Vgl. zum
       TIK: J.  Scherer, Telekommunikationsrecht und Telekommunikations-
       politik, Baden-Baden  1985; K.  Borchardt/A. Gottschalk/D.  Hüls-
       meier/H.-J. Michalski,  Der Telekommunikations-Komplex, in: IMSF,
       Staatsmonopolistische Komplexe, 1986, a.a.O., S. 217 ff. Vgl. zum
       LRK: J.J.  Blagow, Der  Luft- und  Raumfahrtkomplex der  BRD  und
       seine Rolle  bei der  Realisierung der westeuropäischen Luft- und
       Raumfahrtprogramme, in: Ebd., S. 75ff.; Vom Drang nach neuen Wir-
       kungsräumen. Die  Weltraumpolitik der Bundesrepublik Deutschland,
       in: Forum Wissenschaft 3/1987, S. 4 ff.
       5) Vgl. dazu  die einschlägigen  Arbeiten von  M. Nussbaum, Wirt-
       schaft und  Staat in  Deutschland während  der Weimarer Republik,
       Berlin/DDR 1978,  hier insbes.  S. 181  ff.; L. Zumpe: Wirtschaft
       und Staat  in Deutschland  1933 bis  1945, Berlin/DDR  1980, hier
       insbes. S. 113 ff.
       6) Vgl. BMWI  (Hg.), Entwicklung der informations- und kommunika-
       tionstechnischen Industrie.  Dokumentation, Bonn  1986; T. Schnö-
       ring, Die deutsche informations- und kommunikationstechnische In-
       dustrie und ihre internationale Wettbewerbsposition, o.O., 1988.
       7) Vgl. J.  Scherer, Telekommunikationsrecht und Telekommunikati-
       onspolitik, a.a.O.,  S. 271  ff.; K. Borchardt/A. Gottschalk, Die
       Post-Industrielle Gesellschaft.  Ein Blick  hinter  die  Kulissen
       bundesdeutscher Fernmeldepolitik,  in: Blätter  für deutsche  und
       internationale Politik 1/1988, S. 88 ff.
       8) Vgl. A.  Heuermann/K.-H. Neumann, Die Liberalisierung des bri-
       tischen  Telekommunikationsmarktes,  Berlin/Heidelberg/New  York/
       Tokio 1985, hier insbes. S. 42 ff., 61 ff.
       9) Vgl. B.  Wieland, Die  Entflechtung des  amerikanischen  Fern-
       meldemonopols, Berlin/Heidelberg/New  York/Tokio 1985,  hier ins-
       bes. S. 18 ff., 53 ff.
       10) Vgl. die  Übersicht bei  B. Koßin, Privatisierung in Großbri-
       tannien. Bestandsaufnahme  und Kritik  konservativer Politik, in:
       WSI-Mitteilungen 9/1988, S. 555 ff.
       11) Vgl.  dazu  auch  unsere  Vorarbeiten  in  Dolata/Gottschalk/
       Huffschmid, Staatsmonopolistische  Komplexe  als  neue  Organisa-
       tionsform des Kapitals, a.a.O., S. 234 ff.
       12) Vgl. Zur  Neuordnung der  Fernmeldemärkte, in:  DIW-Wochenbe-
       richt 37/1987,  S. 489  ff. (hier  insbes. die  Übersicht auf  S.
       493); U.  Bochum/H.-R.  Meißner,  Telekommunikation.  Der  stille
       Zwang zur  Deregulierung, in:  Sozialismus 12/1987,  S.  10  ff.;
       Post-Liberalisierung  international.   Serie   der   Süddeutschen
       Zeitung am 11.9., 16.9., 22.9., 30.9. und 12.10.1987.
       13) Vgl. B. Lüthje, Regulierungskrise im Telekommunikationssektor
       in der BRD, in: Prokla 64/1986, S. 64 ff.
       14) Vgl. dazu als jüngstes Beispiel den Einstieg von Siemens beim
       britischen Kommunikationsgerätehersteller  Plessey:  W.  Kratz/G.
       Lütge. Endspiel  um Europa.  Siemens spektakulärer  Einstieg  bei
       Plessey, in: Die Zeit 48/1988, 25.11.1988, S. 25 f.
       15) Vgl. dazu  ausführlicher U. Dolata, Das Beispiel Telekommuni-
       kation, in: Marxistische Blätter 11/1987, S. 63 ff.
       16) Vgl. K.-H.  Büschemann/K.-P. Schmidt, Unter schlechtem Stern.
       Bonn begibt  sich in die Hand des Rüstungsriesen Daimler, in: Die
       Zeit 46/1988  v. 11.11.1988,  S. 25  ff.; A. Sörgel: Von hier aus
       wird ein  Stern aufgehen, in: Volkszeitung 46/1988 v. 18.11.1988,
       S. 3.
       17) Alle Zitate  aus Radkau,  Aufstieg und  Krise  der  Atomwirt-
       schaft, a.a.O.,  S. 312,  147, 267. Vgl. ausführlich ebd., S. 258
       ff.
       18) Vgl. J. Scherer, Telekommunikationsrecht, a.a.O., S. 271 ff.;
       H. Drüke.  Ausbau der Fernmeldenetze und Neuordnung der Deutschen
       Bundespost, in: WSI-Mitteilungen 5 /1988, S. 262 ff.
       19) Vgl. zu den aktuellen Aufrüstungsplänen der Bundesrepublik J.
       Huffschmid/W. Voß/N.  Zdrowomyslaw, Neue  Rüstung -  neue  Armut,
       Köln 1986,  hier insbes.  S. 31  ff.; J. Huffschmid/W. Voß, Abrü-
       stung oder  neue Aufrüstungswelle? Neue Tendenzen der Militäraus-
       gaben und  der Rüstungsindustrie in der Bundesrepublik, in: Blät-
       ter für deutsche und internationale Politik 3/1988, S. 309 ff.
       20) K.-H. Büschemann,  Jäger 90. Angst vorm Fliegen, in: Die Zeit
       44/1988 v.  28. 10.  1988, S.  27. Vgl.  dazu auch H.-J. Bontrup,
       Subventionsjäger 90,  in: Blätter für deutsche und internationale
       Politik 11/1988, S. 1289 ff.
       21) Vgl. i.E.  Radkau, Aufstieg  und  Krise  der  Atomwirtschaft,
       a.a.O.
       22) Vgl. E.  Keppler, Raumfahrttechnik  1986 -  Entwicklungsstand
       und Perspektiven,  in: Gewerkschaftliche  Monatshefte 9/1986,  S.
       537 ff.;  H. Krupp/J.  Weyer, Die  gesellschaftliche Konstruktion
       einer neuen Technik. Legitimationsstrategien zur Durchsetzung der
       bemannten Raumfahrt,  in: Blätter für deutsche und internationale
       Politik 9+10/1988, S. 1086ff. und S. 1249 ff.; U. Dolata, Irrflug
       ins All, in: Marxistische Blätter 3/1988, S. 33 ff.
       23) Vgl. ausführlicher U. Dolata, Neue Technologien und Unterneh-
       mensstrategien. Grundmuster der ökonomischen Regulierung des wis-
       senschaftlich-technischen Umbruchs, in: IMSF (Hg.), Wissenschaft-
       lich-technische Revolution  und Krise  des staatsmonopolistischen
       Kapitalismus, Frankfurt/M. 1988, S. 128 ff.
       

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