Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1977


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       Hans Jörg Sandkühler
       
       ÜBER DIE 'LOGISCHE BASIS DES KOMMUNISMUS' ODER -
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       WIE PRODUKTIV IST DIE WISSENSCHAFT IM KAPITALISMUS
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       Manfred Buhr zum 50. Geburtstag
       
       1. Für einen konkret-allgemeinen Begriff der Wissenschaft
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       Die Frage  nach  der  Wissenschaftlichkeit  der  Wissenschaft  im
       staatsmonopolistischen Kapitalismus  scheint mit  dem Hinweis auf
       die 'Bürgerlichkeit der Wissenschaft' in der bürgerlichen Gesell-
       schaft abschließend beantwortet zu sein. Der Slogan "bekämpft die
       bürgerliche Wissenschaft"  kommt mit  dieser Antwort  aus, sobald
       sie mit einigen theoretischen Konstrukten angereichert wird: etwa
       mit den mechanistischen Gleichungen "Bewußtsein im Kapitalismus =
       kapitalistisches  Bewußtsein",   "Ideologie  im   Kapitalismus  =
       falsches Bewußtsein"  oder -  mit höherer  theoretischer Weihe  -
       "Warenform =  Denkform" 1).  Die Erkenntnisformen wissenschaftli-
       cher Tätigkeit  im Kapitalismus  entsprechen folglich per defini-
       tionem der  'Warenform'. Wer  sich dennoch das Fragen nicht abge-
       wöhnt, sich  etwa die  Frage stellt, wovon der Kapitalismus ange-
       sichts der Akkumulation falschen Bewußtseins seine Reproduktions-
       fähigkeit bezieht,  wird auf  das schale Wort "umso schlimmer für
       die Tatsachen"  eingeschworen. A.  Sohn-Rethel, für  einige  Zeit
       Cheftheoretiker zum  Problem der  Trennung von  körperlicher  und
       geistiger Arbeit,  ist so  frei, "am  empirischen Sosein der Ver-
       hältnisse in  ihrem heutigen  Zustand nicht interessiert" zu sein
       2). Die  heilige Familie im Haus der Sektion linker Maximalismus'
       der bürgerlichen  Ideologie "  Vater 'Mechanismus',  Mutter 'Vul-
       gärökonomie', Kinder  in den  Altersgruppen der 'kritischen Theo-
       rie' -  gibt denn auch die Antworten auf die falschen Fragen. Die
       Wissenschaftstheorie wird  hier nichts  lernen. Für  sie gilt die
       Marxsche 'Anweisung:  de te  fabula narratur,  d.h. ihr muß es um
       einen konkret-allgemeinen Begriff der Wissenschaft gehen, der die
       Struktur, die  Funktion und  die  Veränderungstendenzen    w i s-
       s e n s c h a f t l i c h e r   T ä t i g k e i t   i m  K a p i-
       t a l i s m u s   v o n   h e u t e   angemessen abbildet. Offen-
       sichtlich  ist,  daß  eine  solche  Wissenschaftstheorie  nur  in
       Ansätzen vorliegt  3). Unbestreitbar  ist, daß  die materialisti-
       sche, marxistisch-leninistische  Wissenschaftstheorie in  den so-
       zialistischen  Ländern   einen  erheblichen   Vorsprung  hat  4),
       w e i l   die Theorie dort qualitativ andere, neue Ausgangsbedin-
       gungen  und  Wirkungsmöglichkeiten  der  Wissenschaft  vorfindet.
       Deutlich ist aber auch, daß es trotz aller Lerneffekte nicht aus-
       reicht, Ergebnisse  der Wissenschaftsforschung im Sozialismus auf
       den Wissenschaftsprozeß  im Kapitalismus  zu übertragen.  Es gibt
       keine noch  so gelungene   A n a l o g i e,   mit deren Hilfe die
       sozialökonomische und politisch-organisatorische Spezifik wissen-
       schaftlicher  Tätigkeit   im  Kapitalismus   'abgeleitet'  werden
       könnte.   'D i e   P r o d u k t i o n   g r e i f t   ü b e r' -
       diese Erkenntnis  der Marxschen  politischen Ökonomie des Kapita-
       lismus trifft  ebenso auf das Wissenschaftsprodukt zu wie auf die
       wissenschaftliche Tätigkeit  der Individuen  die andere Einsicht:
       "Die Produktion  produziert daher  nicht nur einen Gegenstand für
       das Subjekt,  sondern auch  ein Subjekt  für den  Gegenstand" 5).
       Subjekt der  Wissenschaft im  Kapitalismus ist  - sowohl nach der
       Seite der kognitiven Prozesse wie nach der Seite der sozialökono-
       mischen Funktion  betrachtet -  die bürgerliche Gesellschaft  i n
       i h r e m   K l a s s e n a n t a g o n i s m u s.   Dieses 'Sub-
       jekt' der  Theorie leugnet  nicht die  Rolle der gesellschaftlich
       Wissenschaft produzierenden Individuen, sondern ist die legitime,
       verständige Abstraktion  aus der  sozialhistorisch  ausgebildeten
       B e s t i m m t h e i t   der Produktion.  Die  gesellschaftswis-
       senschaftliche Konkretisierung  dieses 'Subjekts' wird dann nicht
       bei der  maoistischen Schwundstufendialektik 'mal Bourgeoisie/mal
       Proletariat  (einer   überwiegt  immer)'  ankommen,  sondern  die
       Arbeiterklasse und  die Lohn-  und (teilweise)  Gehaltsabhängigen
       insgesamt  als   bestimmendes  Element   des  ensembles  der  ge-
       sellschaftlichen Verhältnisse  'in seiner Wirklichkeit' (6. These
       ad Feuerbach)  zum Gegenstand der Analyse machen. Der für den Ka-
       pitalismus zu  erarbeitenden Wissenschaftstheorie darf nicht dro-
       hen, was  Marx in  den 'Grundrissen'  als schlechte Allgemeinheit
       der bürgerlichen  Nationalökonomie kritisierte:  "Es  gibt  allen
       Produktionsstufen gemeinsame  Bestimmungen, die  vom  Denken  als
       allgemeine fixiert werden; aber die sogenannten  a l l g e m e i-
       n e n   B e d i n g u n g e n   aller Produktion  sind nichts als
       diese abstrakten  Momente, mit  denen keine  wirkliche geschicht-
       liche Produktionsstufe  begriffen ist"  6).  Um  es  deutlich  zu
       sagen: die  rezepthafte Anwendung  der Kategorien der sozialisti-
       schen Wissenschaftstheorie  in der  Analyse des  kapitalistischen
       Wissenschaftsprozesses wäre nicht mehr und nicht weniger als eine
       pseudomarxistische Variante  der  Konvergenztheorie.  So  wie  es
       "die' Industriegesellschaft,  'die' WTR-Gesellschaft  usw. nur in
       der Fiktion  derer gibt,  die die  Krisen gern 'weltweit' hätten,
       gibt  es  auch  nicht  'die'  Wissenschaft  in  'der'  Industrie-
       gesellschaft. Wissenschaft  gehört in  den Geltungsbereich  d e r
       s p e z i f i s c h e n    G e s e t z e    d e r    P r o d u k-
       t i o n s w e i s e.
       Es geht  mir bei diesem Veto gegen meist mit bester Absicht, aber
       unbewußt vollzogene  theoretische 'Ableitungs'-Formeln,  nicht um
       einen billigen  antidogmatischen Effekt.  Positiv gewendet ist es
       nur ein  Plädoyer für historisch-materialistische Orthodoxie: das
       Ernstnehmen  der     K a t e g o r i e    d e r    ö k o n o m i-
       s c h e n  G e s e l l s c h a f t s f o r m a t i o n.  Zweitens
       ist eine  Einschränkung deshalb  notwendig, weil es eine absolute
       Isolation der  beiden Gesellschaftsformationen  Kapitalismus  und
       Sozialismus gegeneinander  in der  Phase der  friedlichen  Koexi-
       stenz, des Warenverkehrs und des Austauschs von wissenschaftlich-
       technischem Know-how  nicht gibt.  Wissenschaft  im  Kapitalismus
       reagiert -  wie zunehmend  auch Wissenschaft  im Sozialismus (und
       die nicht  immer mit  der gebotenen  Vorsicht, wie  Positivismus-
       Tendenzen  in   naturwissenschaftlichen  Teilbereichen,   in  der
       Psychologie und andernorts zeigen) - über den internen sozialöko-
       nomischen Antagonismus  hinaus auch  auf den  Systemkonflikt  und
       verwertet zugunsten langfristiger Profitsicherung Ergebnisse etwa
       der Arbeits-  und  Organisationswissenschaft,  Rationalisierungs-
       und Automatisierungspraktiken  aus dem Sozialismus. Notwendig ist
       drittens eine  weit wichtigere  Einschränkung: die  Beachtung der
       Spezifik der  Gesetze der  Produktionsweise bedeutet,  daß  nicht
       philosophische   V e r a l l g e m e i n e r u n g e n   von  Ge-
       setzeserkenntnissen über  den Wissenschaftsprozeß  im Sozialismus
       zur Grundlage  von abstrakten  Deduktionen für  die  Analyse  der
       B e s o n d e r h e i t  des Wissenschaftsprozesses im Kapitalis-
       mus  genommen   werden;  die   Beachtung  der  Spezifik  bedeutet
       n i c h t,   auf Erfahrungen  des Übergangs  zum  Sozialismus  zu
       verzichten; sie  bedeutet   n i c h t,   auf  das  wissenschafts-
       theoretische Minimum an Komplexität der Wissenschaftsforschung zu
       verzichten, das  sich aus  der theoretischen  Gültigkeit der drei
       Grundelemente des  wissenschaftlichen Sozialismus  (materialisti-
       sche  Dialektik,  politische  Ökonomie,  politische  Theorie  von
       Klasse, Staat  und Revolution)  ergibt; sie  bedeutet  n i c h t,
       den  theoretischen  Vorlauf  der  sozialistischen  Wissenschafts-
       theorie ungenutzt  zu lassen,  und   n i c h t,  die theoretische
       und  politische   Leitfunktion  bzw.   den  wissenschaftlichwelt-
       anschaulichen Orientierungscharakter  des in  der Systematik  des
       wissenschaftlichen  Sozialismus  'gesellschaftlich  akkumulierten
       Wissens' zu  dementieren.  Das  Ergebnis  eines  solchen  Mißver-
       ständnisses wäre,  mit den  besten realistischen  Absichten kurz-
       schlüssigen Empirismus  zu betreiben.  Der von  der marxistischen
       Erkenntnistheorie beschriebene  Weg der  Erkenntnis zur objektiv-
       wahren Aussage,  "von der  lebendigen Anschauung  zum  abstrakten
       Denken  u n d  v o n  d i e s e m  z u r  P r a x i s",  ist auch
       der wissenschaftstheoretische  Weg "der Erkenntnis der objektiven
       Realität" 7).  Das heißt:  Wissenschaftstheorie, die die Abstrak-
       tionen der materialistischen Dialektik und der politischen Ökono-
       mie des Kapitalismus ungenutzt läßt, verliert ihre kritische Kom-
       petenz und  damit ihre Fähigkeit, zur Veränderung der materiellen
       Verhältnisse beizutragen.
       
       2. Zur Lage der Wissenschaft im Kapitalismus
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       Materialistisch verfährt die Wissenschaftstheorie, indem sie mit-
       hilfe wesentlicher  Vorkenntnisse (Kategorien,  Gesetze, methodi-
       sche Prinzipien- und Regelanweisungen) eine Bestandsaufnahme vor-
       nimmt, nicht  von den bürgerliche-ideologischen Reflexen Wissens-
       und wissenschaftssoziologischer Art ausgeht, sondern Wissenschaft
       als Faktor der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion zur
       Kenntnis nimmt.
       In diesem  Zusammenhang spielt  heute  die  Frage  eine  wichtige
       Rolle,   o b   W i s s e n s c h a f t  u n d  T e c h n i k  i m
       K a p i t a l i s m u s   z u r    H e r s t e l l u n g    d e r
       m a t e r i e l l - t e c h n i s c h e n     B a s i s     d e s
       S o z i a l i s m u s   b z w.   d e s   Ü b e r g a n g s  z u m
       S o z i a l i s m u s  b e i t r a g e n.  Wie produktiv ist Wis-
       senschaft? In wessen Interesse wird Wissenschaft produziert? Ver-
       schärft die  Entwicklung wissenschaftlicher  Produktivkräfte  den
       Widerspruch  zu  den  kapitalistischen  Produktionsverhältnissen?
       Oder entwickelt  der Kapitalismus die Produktivkraft Wissenschaft
       prinzipiell nur  soweit, wie sie der Reproduktion des bestehenden
       Kapitalverhältnisses,  d.h.  der  langfristigen  Systemstabilität
       dient? Konkret:  stellen etwa  im ideologischen Bereich die gras-
       sierenden technologischen  Endzeitutopien, die 'anti-science'-Be-
       wegung, Technophobie  und Nullwachstumspropaganda derartige Brem-
       sen  dar,   den  systemfunktionalen  wissenschaftlich-technischen
       Fortschritt unter  Kontrolle zu  behalten und mögliche systemdys-
       funktionale Wirkungen rechtzeitig auszuschalten? Im politisch-in-
       stitutionellen Bereich  übernehmen Berufsverbote,  längst auf die
       private Wirtschaft übertragen, jedenfalls diese Funktion; keines-
       falls geht  es nur  darum, 'Verderber der Jugend' und 'Feinde des
       Staates' wegen ihrer ideologischen Überzeugungsarbeit kaltzustel-
       len. Mit der Frage nach der produktiven Funktion der Wissenschaft
       im Kapitalismus  verbunden sind weitere Probleme: 1. das Problem,
       inwieweit der staatsmonopolistische Kapitalismus den Übergang von
       extensiven Formen  der Erweiterung  der volkswirtschaftlichen Re-
       produktion zur  intensiv erweiterten Reproduktion bewerkstelligt;
       2. das  Problem der  Erkennbarkeit und  Prognostizierbarkeit  der
       Wissenschaftsentwicklung, der  Bestimmung von  dem Wesen der Ent-
       wicklung adäquater  Parameter etc.; 3. das Problem des Charakters
       der wissenschaftlich-technischen  Revolution  unter  kapitalisti-
       schen Bedingungen: entfaltet sie sich überhaupt und, wenn ja, mit
       den Auswirkungen  in Richtung einer  s o z i a l e n  Revolution?
       Werden diese Probleme erkannt und gelöst, ergeben sich 4. zwangs-
       läufig Schlußfolgerungen  theoretischer Art:  ergibt sich aus dem
       Produktivkraftcharakter der  Wissenschaft (die,  zumindest  unter
       dem Gesichtspunkt  ihrer kognitiven  Funktion, ideelle Produktion
       ist) eine  veränderte historisch-materialistische  Bestimmung des
       Verhältnisses von  Basis und Überbau? Ergibt sich aus der Produk-
       tivkraftfunktion der  Wissenschaft ein  neuer Schwerpunktbereich,
       ein wesentlich  neues Objektfeld der politischen Ökonomie? Ergibt
       sich aus  der materiellen Wirkung dieser besonderen Erkenntnistä-
       tigkeit für  die Erkenntnistheorie  der Zwang, die Unterscheidung
       von Idealismus  und Materialismus zu modifizieren? Weist die Wis-
       senschaftsentwicklung mit der Tendenz zur Einschränkung körperli-
       cher Arbeit  und der Tendenz zu schöpferisch-geistiger Arbeit auf
       eine naturgeschichtliche Revolution hin, auf eine 'Logifizierung'
       des menschlichen  Wesens (und  das heißt: der Struktur des ensem-
       bles der  materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse)? Sind dies
       spekulative Fragen  oder Gegenstände philosophischer Verallgemei-
       nerung wissenschaftstheoretischer Erkenntnisse?
       Eines zumindest  scheint mir klar: Marx' und Engels' Formulierung
       von der   'l o g i s c h e n   B a s i s  d e s  K o m m u n i s-
       m u s'  ist ungemein aktuell. Zunächst aber zurück zur Frage "Wie
       produktiv ist  die Wissenschaft im Kapitalismus?" Bei der Antwort
       auf diese  Frage scheint  eine  optimistische  Überschätzung  der
       Funktion der  Wissenschaft nahezuliegen,  sobald die unbezweifel-
       baren  Fortschritte   im  Bereich   der  wissenschaftlichen   und
       technischen Intelligenz  zum aktiven Bündnispartner der Arbeiter-
       klasse im antimonopolistischen Kampf verabsolutiert und zumindest
       zum Teil insulare Reformpositionen in den Hochschulen der BRD und
       West-Berlins als  repräsentativ  überschätzt  werden.  Sieht  man
       'realistisch' auf die Lage der Wissenschaft z.B. in der BRD, dann
       drängt  sich  die  pessimistische  Alternative  auf.  Beide  sind
       kurzsichtig. Eine  vorsichtigere, wohl  aber  noch  zu  pauschale
       Antwort versuchen G. Kröber und H. Laitko zu formulieren. Ich zi-
       tiere ausführlich, weil der Text in seiner Ambivalenz das Problem
       kennzeichnet:  "Die   Begriffe  des  wissenschaftlich-technischen
       Fortschritts und der wissenschaftlich-technischen Revolution sind
       auch auf  die Realität  des gegenwärtigen Kapitalismus anwendbar,
       sofern man berücksichtigt, daß sie dort einen qualitativ anderen,
       durch die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise bedingten
       sozialen Inhalt  haben als  im Sozialismus und daß zudem die wis-
       senschaftlich-technische Revolution  unter kapitalistischen  Ver-
       hältnissen wohl  begonnen, aber mutmaßlich nicht vollendet werden
       kann, weil  die mit ihrer Vollendung verbundene qualitative Umge-
       staltung der  gesellschaftlichen Produktivkräfte  das historische
       Maß überschreitet,  innerhalb dessen  das Kapitalverhältnis  noch
       existenzfähig ist.  (Wir bedienen  uns dieser  vorsichtigen  Aus-
       drucksweise, da  angesichts der  nunmehr permanenten  Tendenz der
       Wissenschaft, in  der Sphäre der Produktivkräfte mehr oder minder
       weitreichende qualitative  Wandlungen auszulösen, noch keine end-
       gültige Klarheit  darüber besteht,  welcher konkrete  Zustand der
       gesellschaftlichen Produktivkräfte als der Abschluß der gegenwär-
       tigen wissenschaftlich-technischen Revolution anzusehen ist.) Als
       eine sozialökonomisch-produktive  Potenz hingegen  kann  man  die
       Wissenschaft im  gegenwärtigen Entwicklungsstadium des Kapitalis-
       mus überhaupt nicht betrachten" 8).
       So differenziert diese Antwort auf die Frage nach der produktiven
       Funktion der  Wissenschaft im  Kapitalismus argumentiert, scheint
       sie mir  doch nicht unbedenklich zu sein. Die Autoren räumen ein,
       daß die  Wissenschaft auch hier sozial günstige Wirkungen hervor-
       zubringen vermag,  darunter auch  für den materiellen Lebensstan-
       dard der Arbeiterklasse. Solange aber das Kriterium der Produkti-
       vität der Arbeit, auch der wissenschaftlichen, noch isoliert-öko-
       nomischer, nicht  aber sozial-ökonomischer  Natur sei, könne sich
       die Wissenschaft nicht zur  s o z i a l ö k o n o m i s c h  pro-
       duktiven Potenz entfalten. Diese unter dem Aspekt der dominieren-
       den Profit-Kriterien  kapitalistischer Wirtschaft sicher richtige
       Einschätzung scheint  mir freilich  verabsolutiert zu sein ("auch
       nicht in  abgeschwächter Form").  Meine Bedenken richten sich auf
       drei Punkte:   e r s t e n s   wird  der Begriff der kapitalisti-
       schen Produktionsweise  hier - trotz der Verwendung der Kategorie
       'Kapitalverhältnis -  so eingesetzt, daß der gesetzmäßige Charak-
       ter des  'Übergreifens' der  materiellen Produktion  auf alle Le-
       bensbeziehungen sich  in einer  Stabilität des Systems ausdrückt,
       nicht aber in dessen  D i a l e k t i k;  das kapitalistische Ge-
       setz der  Produktion und  Reproduktion der  Arbeiterklasse spielt
       hier keine wesentliche Rolle;  z w e i t e n s  erscheint die so-
       zialökonomisch produktive Funktion der Wissenschaft nicht als Be-
       dingungen des  Übergangs zum  Sozialismus, sondern als dessen Re-
       sultat; dementsprechend  fällt die  Wissenschaft aus dem Klassen-
       kampf heraus,  dessen Errungenschaften sie bestenfalls zu sichern
       in der Lage scheint, dessen Instrument und Ergebnis sie aber hier
       nicht ist;  und   d r i t t e n s:   die Vollendung  der  wissen-
       schaftlich-technischen Revolution   i s t  der Sozialismus; inso-
       fern ist  diese Vollendung  im Kapitalismus  als dessen bestimmte
       Negation nicht  nur möglich,  sondern auch notwendig; die Wissen-
       schaft  ist  eine    F u n k t i o n    d e s    G e s a m t s y-
       s t e m s     der  Antagonismen   des  Kapitalverhältnisses,  des
       Klassenkampfs  und   der  politisch-rechtlichen   Strukturen  der
       Gesellschaft und  bildet dieses  System -  hier ihre ideologische
       Funktion -  notwendig  adäquat  ab;  adäquat  ist  nicht  gleich-
       bedeutend mit  'wahr' bzw.  'richtig' (logisch),  sondern  meint:
       Wissenschaft ist  Widerspiegelung der Widersprüche des Kapitalis-
       mus   i n   d e r  F o r m  e i n e s  w i d e r s p r ü c h l i-
       c h e n   W i s s e n s c h a f t s s y s t e m s.   Diese Wider-
       sprüchlichkeit  schlägt  sich  nieder  in  den  Gesellschaftswis-
       senschaften in der bürgerlichen Gesellschaft, in deren Ambivalenz
       von notwendiger Realitätshaltigkeit und irrationalistischer Ideo-
       logieproduktion; sie  schlägt sich nieder in ideologischen Kampf-
       begriffen wie  'Wissenschaftspluralismus', deren  institutionelle
       Seite der  Kampf um  Marxismus und Marxisten an Universitäten ist
       (wo es  sie schließlich gibt); sie schlägt sich nieder in wissen-
       schaftlichen  Institutionen   der   Arbeiterklasse   (CERM/Paris,
       Istituto Gramsci/Rom,  IMSF/Frankfurt usw.) inmitten bürgerlicher
       Herrschaft; sie  zeigt sich  in  der  Mitwirkung  sozialistischer
       Wissenschaftler in Bürgerinitiativen (Whyl/Atomkraftwerke) und im
       Mitbestimmungskampf  von   Wissenschaftlern  und   Technikern  in
       Betrieben und  staatlichen  Großforschungseinrichtungen.  Es  ist
       zweifellos richtig,  diese  Seite  des  Widerspruchsverhältnisses
       nicht überzubewerten.  Worauf es  ankommt, ist, den dialektischen
       Begriff der  Wissenschaft der realen Dialektik des Wissenschafts-
       prozesses und  der Dialektik  der Klassenauseinandersetzung abzu-
       gewinnen und  keinen homogenen,  statischen Zustand  von 'Kapita-
       lismus' zu  unterstellen. In  diesem Zusammenhang scheint mir die
       von H.  May und  R. Nemitz  formulierte Position  zum Problem der
       Dialektik von  Fortschritt und Regression im Kapitalismus richtig
       zu sein.  Im Referat  der Diskussion  um J.  Kuczynskis  negative
       Antwort  auf  die  Frage  "Kann  die  wissenschaftlich-technische
       Revolution  unter   den  Bedingungen  des  staatsmonopolistischen
       Kapitalismus durchgeführt  werden?" heißt es: "Zu den wichtigsten
       Einsichten des  wissenschaftlichen Sozialismus gehört die Analyse
       der Produktivkraftentwicklung:  Das Kapital  ist  gezwungen,  die
       Entwicklung von  Arbeitskräften, Wissenschaft und Technik so weit
       voranzutreiben,  daß  schließlich  die  sozialistische  Form  der
       Produktion zur  rationellsten  wird.  Dies  macht  die  vorwärts-
       treibende Seite  des Kapitals  aus,  es  arbeitet  durch  wissen-
       schaftlichen und  technischen Fortschritt  dem Sozialismus in die
       Hände" 9).  Die hier  notwendige Schlußfolgerung  für die Analyse
       der Wissenschaft im Kapitalismus muß zunächst lauten: wesentliche
       Problemstellung  der   Wissenschaftsforschung  muß  die    E n t-
       w i c k l u n g   e i n e s    n i c h t - k a p i t a l i s t i-
       s c h e n  W i s s e n s c h a f t s s e k t o r s  i m  K a p i-
       t a l i s m u s   s e i n;   mit  Phasenverschiebungen  entfalten
       sich nicht-kapitalistische Formen der Wissenschaftsproduktion und
       -organisation im  Rahmen der  Arbeiterklasse in  vielen technolo-
       gisch hochentwickelten Ländern des kapitalistischen Systems. Erst
       in dieser  strategisch  wichtigen  Sichtweise  können  einseitige
       Fixierungen auf  den  Aspekt  der  Kapitalreproduktion  vermieden
       werden; erst  so wird aus der Existenz widersprüchlicher Klassen-
       bewegung die Folgerung gezogen, welche die mechanistische, in der
       Kritik bürgerlicher  Ideologie immer wieder auftretende Gleichung
       'Wissenschaft im  Kapitalismus  =  kapitalistische  Wissenschaft'
       verhindert.
       
       2.1. Fakten
       -----------
       
       Die Realität  scheint dieser  Einschätzung zu  widersprechen. Die
       gesellschaftliche Arbeitsteilung  wirkt sich  in  ihren  sozialen
       Folgen gerade in der BRD so aus, daß geistige Arbeit ein Klassen-
       privileg der Produktionsmittelbesitzer geblieben ist. Tritt keine
       qualitative gesellschaftliche  Veränderung ein,  verkleinert sich
       in der  BRD der Rekrutierungsbereich für wissenschaftlich-techni-
       sche Tätigkeiten zunehmend. Die weitaus überwiegende Mehrheit der
       Bevölkerung ist an der wissenschaftlichen Produktion nahezu unbe-
       teiligt. Dies nicht, weil in den höchstentwickelten Industrielän-
       dern der  Anteil der Beschäftigten mit Hochschulbildung - bei ei-
       ner Zuwachsrate  von jährlich 8-10% - nur ca. 8% beträgt, sondern
       weil die  etwa 70% der in der BRD zur Klasse der Werktätigen zäh-
       lenden Erwerbstätigen an dieser Qualifikationsform kaum beteiligt
       sind. Die  Kinder der  ca. 55% ungelernten und gelernten Arbeiter
       stoßen gegen  die schwer  überwindbare  Barriere  der  Chancenun-
       gleichheit -  vom Kindergarten  bis zu den Universitäten. Benach-
       teiligt in  der vorschulischen  und Grund- und Hauptschulbildung,
       gelangen an die Realschulen ca. 35%, an die Gymnasien ca. 17%, an
       die Universitäten  ca. 11%;  unter den Doktoranden finden sich 8%
       dieses 55 prozentigen Bevölkerungsanteils wieder 10). J. Kuczyns-
       kis Berechnung,  daß im  Jahre 2000  etwa 20%  der Werktätigen im
       wissenschaftlich-technischen Sektor  arbeiten werden,  wirft  ein
       Schlaglicht auf  dieses  Dilemma.  Die  gegenwärtige  ökonomische
       Krise macht  deutlich, daß der Kapitalismus sein Arbeitsprodukti-
       vitätsniveau halten  und erhöhen  kann, weil er auf anachronisti-
       sche Mittel  der   E x t e n s i v i e r u n g  zurückgreift. Der
       kurzfristige Umschwung  vom Wachstumsschwund  um minus 3% im Jahr
       1975 auf  ein Bruttosozialproduktwachstum von 5-6 % 1976 wird er-
       zielt durch  Überstunden,  Sonderschichten,  verstärkte  Arbeits-
       hetze, Angst  vor Krankmeldung etc. Die Zahl der arbeitslosen Na-
       turwissenschaftler und  Techniker ist  zwischen 1971 und 1975 von
       2.500 auf 15.200 gewachsen 11).
       Die politische Bildungs- und Wissenschaftsideologie der Bundesre-
       gierung   zeichnet    ein   anderes   Bild.   Als   Resümee   des
       'Bundesberichts Forschung IV' (März 1972) schreibt die Regierung:
       "Er dokumentiert eine Neuorientierung der Forschungspolitik: For-
       schungspolitische Planung  wird künftig  mit Vorrang  an  gesell-
       schaftlichen Aufgaben ausgerichtet werden... Das bedeutet: bevor-
       zugte Förderung  von Vorhaben,  die dazu beitragen, die menschli-
       chen Lebensbedingungen zu verbessern, gesellschaftliche Engpässe,
       Störungen und  Gefahren zu  beseitigen. Nicht das technisch Mach-
       bare, sondern  das gesellschaftlich  Verantwortbare gibt den Aus-
       schlag" 12).  Ein Thema  mit vielen  Variationen, ganz in Dur ge-
       stimmt: "Staatliche Forschungs- und Technologiepolitik orientiert
       sich in  der BRD  an den konkreten Problemen und Bedürfnissen der
       Bevölkerung und  des Gemeinwesens. Ziel ist es, Forschung schwer-
       punktmäßig dort  einzusetzen, wo  sie für  das Leben der Menschen
       unmittelbar von  Bedeutung ist" 13). Die Regierung wird sich eine
       andere Gesellschaft  für diese  Zielsetzung suchen  müssen. Wirk-
       lichkeit ist: den größten Nutzen zieht die kleinste Bevölkerungs-
       gruppe, die  25.000,  die  zur    m o n o p o l i s t i s c h e n
       B o u r g e o i s i e   gerechnet  werden  können.  Die  Mehrheit
       steht mit diesem Nutzen durch die Lohnsteuer in Verbindung.
       Wer nach der Wissenschaft im Kapitalismus fragt, muß sich von den
       Illusionen freier einsamer Wissenschaftlerindividuen und der Uni-
       versitäten als  Ort von  Wissenschaft und Forschung lösen. In der
       BRD waren  1971 in Forschung und Entwicklung ca. 280.000 Personen
       beschäftigt, darunter  über 70  % im privaten Unternehmenssektor.
       1973 wurden von der Wirtschaft mit etwa 12,8 Mrd. DM aber nur 42%
       der gesamten Wissenschaftsaufgaben aufgewendet. Zwischen 1969 und
       1974 hat  sich das  Volumen der  Förderung von Wissenschaft, For-
       schung und Entwicklung bei einer Zunahme des Bruttosozialprodukts
       ungefähr verdoppelt. Hier ist nun die Umschichtung festzustellen,
       die ein   S y m p t o m   f ü r   d e n  s t a a t s m o n o p o-
       l i s t i s c h e n    C h a r a k t e r    d e s    K a p i t a-
       l i s m u s   i n   d e r   B R D  darstellt: die Aufwendungen im
       Wirtschaftsbereich erhöhten  sich von  6,6 Mrd.  DM auf 12,4 Mrd.
       DM, die  der öffentlichen Haushalte aber überproportional von 9,3
       Mrd. DM  auf 21,8  Mrd. DM.  Nach verbrauchenden  Stellen  aufge-
       schlüsselt  finanzieren   sich  Forschung   und  Entwicklung  der
       gewerblichen Wirtschaft  zunehmend aus  Mitteln der  öffentlichen
       Hand: 1969 flössen der Wirtschaft bei einer Eigenleistung von 6,2
       Mrd. DM  l Mrd.  DM an  Staatsbeitrag zu,  während sich  1973 die
       Proportionen  wesentlich   verschoben  hatten:   der   staatliche
       Subventionsanteil erhöhte  sich von  unter 15% auf über 20% (10,4
       Mrd. DM  : 2,3  Mrd. DM).  Die Staatsfunktion  in  Forschung  und
       Entwicklung schlägt  sich in  einem Prioritätenkatalog nieder, in
       dem Projekte  der Industrieförderung  an der  Spitze stehen, "die
       dazu beitragen, das Leistungsangebot der Wirtschaft an anspruchs-
       vollen Technologien  weiterzuentwickeln". Unter  'ferner  liefen'
       erst Projekte,  "die darauf gerichtet sind, die Erfüllung öffent-
       licher Aufgaben und die Infrastruktur zu verbessern, vor allem in
       den Bereichen  Gesundheit,  Arbeitswelt,  Ernährung,  Versorgung,
       Kommunikation und  Verkehr". Der  Staat bietet  die Bedingung der
       Realisierung monopolistischer  Extraprofite, denn gefördert wird,
       "wenn das  wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Risiko
       hoch eingeschätzt  werden muß,  der finanzielle Einsatz groß ist"
       14). Der  Staat konzentriert seine Förderung zu 84% auf nur fünf,
       von  marktbeherrschenden  Monopolen  regierte  Branchen:  Chemie,
       Elektrotechnik, Straßenfahrzeugbau,  Luftfahrzeugbau und  Maschi-
       nenbau. Konzentration und Zentralisation der Kapitalien werden so
       entgegen den  Beteuerungen, die  mittelständische Wirtschaft för-
       dern zu  wollen, durch die Wissenschaftspolitik der BRD beschleu-
       nigt. Die Industrien, die nur 34% der Arbeiter beschäftigen, ver-
       ausgaben heute  über 80% der Mittel für Forschung und Entwicklung
       und vergrößern  ihren technologischen Abstand durch staatlich fi-
       nanzierte eigene  wissenschaftliche Forschung und Überführung der
       Ergebnisse in Rationalisierung und Automatisierung. Industrieför-
       derung schlägt  in der  BRD mit 41% zu Buche, von denen offiziell
       lediglich 16,5%  als Rüstungsausgaben ausgewiesen werden. Der Be-
       reich 'Soziale  Fragen und Gesundheitswesen' verschwindet mit 2,2
       % unter  der drückenden  Last der Monopolinteressen. Kein Wunder,
       daß die  öffentliche Meinung vom Extrem eines überzogenen Wissen-
       schaftsoptimismus ins  Extrem der Wissenschaftsverteufelung umzu-
       kippen droht.  "Der Zusammenhang  der jedesmaligen Verteilung mit
       den jedesmaligen  materiellen Existenzbedingungen  einer  Gesell-
       schaft liegt sosehr in der Natur der Sache, daß er sich im Volks-
       instinkt regelmäßig widerspiegelt", schrieb Friedrich Engels 15).
       Daß die  Ursachen dieser  inhumanen  Wirkung  der  Wissenschaften
       nicht in  diesen selbst  begründet sind,  sondern im  chaotischen
       Mangel an  gesellschafts- und wissenschaftspolitischer Gesamtpla-
       nung, versuchen die Ideologen der 'weltweiten' Wachstumskrise mit
       einigem Erfolg zu vertuschen. Die staatliche Wissenschaftspolitik
       wird zunehmend  abhängig vom  partikularen Profit-Interesse, weil
       sich Extraprofite aus Innovationen nur solange ziehen lassen, wie
       die Konkurrenz technologisch nicht gleichgezogen hat. Aus Konkur-
       renzgründen wird  mit dem Patentschutz durch Patentanmeldung ohne
       Überführung in  die Produktion  ein Mißbrauch  betrieben, der der
       bewußten Vergeudung  von Produktivkraft  gleichkommt; aus Konkur-
       renzgründen investiert  die Industrie  im Kapitalismus  in  immer
       kurzfristigere und  immer unsicherere  technologische Ziele.  Das
       Tempo des  Fortschritts bindet in höherem Maße Kapitalien für In-
       vestitionen, die  organische Zusammensetzung des Kapitals steigt,
       die Profitrate  sinkt, nicht nur tendenziell. Staatliche Ressour-
       cen stellen  die einzig  noch mögliche  Profitsicherung dar  16).
       Hier zeigt sich die  W i d e r s p r ü c h l i c h k e i t  d e r
       p r o d u k t i v e n     P o t e n z     d e r      W i s s e n-
       s c h a f t   i m   K a p i t a l i s m u s:   der technologische
       Fortschritt bietet  für eine sozialistische Veränderung Bedingun-
       gen, wie  sie in  keinem  der  heute  sozialistischen  Länder  im
       Anfangsstadium vorhanden  waren. Der  technologische  Fortschritt
       erzwingt aber  in der Phase vor dem Übergang zum Sozialismus, vor
       der möglichen  Phase einer nicht-monopolistischen Demokratie, die
       durch staatliche  Herrschaft gesicherte  Verschärfung der Ausbeu-
       tung und  relativen Verelendung  der Massen.  Diese  Verschärfung
       wird zur Grenze des Kapitalismus. Sowenig den einzelnen Unterneh-
       mer der  tendenzielle Fall  der Profitrate interessieren mag, so-
       lange sein partikularer Profit gesichert ist, zwingt doch die Mo-
       nopolisierung dazu, den Staat als Funktion der Ökonomie zu erhal-
       ten und seinen Bankerott zu verhindern. Zur Vertiefung dieses we-
       sentlich neuen  Elements der  Dialektik des  Kapitalverhältnisses
       trägt die Wissenschaft erheblich bei.
       Auf der  anderen Seite  führt die Integration der Wissenschaft in
       die staatsmonopolistische  Form der  volkswirtschaftlichen Repro-
       duktion zu erheblichen Rückschlägen. Die noch so reformistischen,
       von der  demokratischen Bewegung  aber oft  politisch erfolgreich
       genutzten Versuche  einer Demokratisierung  des  Wissenschaftsbe-
       triebs (durch  Mitbestimmung, Drittmittelkontrolle  etc.)  passen
       nicht mehr in die veränderte Landschaft. HRG und Landeshochschul-
       gesetze liquidieren  diese Reformen in der BRD. In Frankreich ge-
       schieht Vergleichbares  durch die als 'Reform' verkaufte und auch
       durch Massenproteste  noch nicht verhinderte 'Öffnung der Wissen-
       schaft' gegenüber  den 'relevanten  gesellschaftlichen  Kräften':
       die Studiengänge  und Curricula  werden durch Vertreter der Wirt-
       schaft und  Wirtschaftsverbände auf  ihre Effektivität  hin über-
       prüft und  in deren  Interesse den (aktien)gesellschaftlichen Be-
       dürfnissen angepaßt.  In der  BRD werden die Universitäten zuneh-
       mend unter denselben Druck geraten. Die staatliche Finanzierung -
       und damit  Kontrollmöglichkeit gewählter Organe - wird immer mit-
       telbarer: die  Industrie bezieht  Forschungsmittel vom  Staat und
       finanziert universitäre Drittmittel-Forschung; bereits heute bil-
       den Drittmittel  - etwa in mit Pharma-Forschung befaßten Institu-
       ten,  in  rüstungsforschungsorientierten  Instituten  Technischer
       Hochschulen - oft den überwiegenden Teil der Forschungsetats.
       In wissenschafts-  und forschungspolitischen Zielprojektionen des
       Staats kommt diese Widersprüchlichkeit zum Ausdruck gerade in der
       Ausblendung des  sozial-ökonomischen Antagonismus und im epidemi-
       schen Ausufern  von Neo-Harmonismen  wie 'die Gesellschaft', 'das
       Gemeinwesen', 'unsere  Wirtschaft', in denen eine Interesseniden-
       tität der  gesellschaftlichen Kräfte  propagiert wird.  So  liest
       man: "Forschung und neue Technologien gestalten die Zukunft unse-
       rer Gesellschaft  entscheidend mit; sie helfen, gesellschaftliche
       Probleme zu  lösen (BF  10). Man  liest weiter, wie das Interesse
       'unserer Wirtschaft'  allem  vorangestellt  wird,  gehe  es  doch
       darum, "die  Leistungs- und  Wettbewerbsfähigkeit  unserer  Wirt-
       schaft zu  erhalten und auszubauen" (BF 10). Die Verbesserung der
       'Lebensqualität' hängt schlicht vom Wohlergehen der Wirtschaft ab
       (BF 13; 24).
       Zwei Beispiele  können verdeutlichen,  daß Kriterien  der gesell-
       schaftlichen Gesamtplanung,  der Hebung  des materiellen  Lebens-
       standards und  des Bedürfnisniveaus  der werktätigen Mehrheit der
       Bevölkerung in  der  staatsmonopolistischen  Wissenschaftspolitik
       keine Rolle  spielen - ohne daß dies zugleich auch schon den wis-
       senschaftlich-technischen Fortschritt ernsthaft blockieren würde!
       Beispiel Nr.  1 ist  die universitäre  Wissenschaftsförderung des
       Bundes: Ohne ein Konzept gesellschaftlicher Prioritäten gießt die
       Bundesregierung das  Füllhorn der  Wissenschaftsfinanzierung aus:
       über die sogenannten Geisteswissenschaften entsprechend dem ideo-
       logisch herrschenden Kultur-Idealismus; über die Natur-, Technik-
       und Ingenieurwissenschaften entsprechend dem herrschenden Pragma-
       tismus; über  die  Gesellschaftswissenschaften  entsprechend  der
       herrschenden Ideologie  von deren  Ineffizienz (und der Angst vor
       deren möglicher  Effizienz). Mit 1,8 Mrd. DM wurden zwischen 1969
       und 1972  die 'Geisteswissenschaften'  bedacht. Die  Naturwissen-
       schaften erhielten  8,4 Mrd.  DM, die Ingenieurwissenschaften 2,8
       Mrd. DM,  die Argrarwissenschaften 1,3 Mrd. DM. Der Bundesbericht
       Forschung V weist für die 'Wirtschafts- und Sozialwissenschaften'
       ganze 697,41 Mill. DM aus.
       Das Beispiel  Nr. 2  stammt aus  dem  Forschungsförderungsbereich
       'Soziales' und  betrifft das  Projekt 'Humanisierung der Arbeits-
       welt'. Leitsatz 80 des BF führt dazu aus: "Ein besonderes Problem
       ... liegt  in dem  Verhältnis von  Humanisierung und Produktions-
       steigerung. Hier gibt es keine allgemeinen Lösungen. Der mögliche
       Zielkonflikt muß  vielmehr in jedem Einzelfall gelöst werden. Die
       extreme Arbeitsteilung  am Fließband hat hohe Produktivitätsstei-
       gerungen erbracht,  ihre Monotonie hat dann über extreme Fluktua-
       tionsraten, hohen  Krankheitsstand und  Qualitätsrückgang zur Ge-
       fahr eines Produktionsrückgangs geführt" (BF 34). Keine allgemei-
       nen Lösungen,  d.h. keine  Arbeitsplatzgarantie durch ein Verfas-
       sungsrecht auf  Arbeit, keine Sozialgesetzgebung gegen Ausbeutung
       usw. Die  Fiktion eines einheitlichen gesellschaftlichen Interes-
       ses an  'Humanisierung', sprich:  Effektivierung, denn wo ist vom
       Verkrüppeln schöpferischer  Fähigkeiten, vom Zusammenhang von Ge-
       sundheit und  Glück die Rede?, geht bis zur Unterstellung philan-
       thropischer Zwecke  auf der  Kapitalseite: "Eine menschengerechte
       Gestaltung der  Arbeitsbedingungen zu  erreichen, liegt im Inter-
       esse der  arbeitenden Bevölkerung  und der Leistungsfähigkeit der
       Wirtschaft" (BF  33). Der  Weg zum Ziel der "Erweiterung der Mög-
       lichkeiten des einzelnen, seine Fähigkeit zu entfalten" deckt die
       Widersprüchlichkeit der  Wissenschafts-  als  Sozialpolitik  auf.
       "Die fachliche  Mitwirkung der wissenschaftlichen und technischen
       Mitarbeiter verbreitert  die Entscheidungsbasis". So weit so gut,
       ginge es  um die demokratische Kontrolle beim Einsatz der von den
       Werktätigen erarbeiteten  Mittel. Es  geht um etwas ganz anderes,
       denn diese  'Mitwirkung' "führt zu einer stärkeren Identifikation
       mit den  getroffenen Entscheidungen und erhöht die Effizienz" (BF
       19).
       Der Kommentar  des DGB  zum Forschungsbericht  V beweist, daß von
       der Harmonie  der Interessen  an 'Humanisierung'  keine Rede sein
       kann: "Zunächst  werden durch Modernisierung der Wirtschaft inhu-
       mane Arbeitsbedingungen geschaffen, danach werden diese inhumanen
       Arbeitsbedingungen durch ein Forschungsprogramm zur Humanisierung
       der  Arbeitswelt   untersucht"  17).  Die  CDU-Bundestagsfraktion
       hatte, kaum  war in Mannheim beim CDU-Parteitag die konservative,
       das 19.  Jh. bewegende  gegenrevolutionäre  alte  in  Form  einer
       'Neuen Sozialen  Frage' entstaubt,  demagogisch bei der Bundesre-
       gierung angefragt: "Welches Förderungskonzept für das Forschungs-
       programm 'Humanisierung  des Arbeitslebens' hat dazu geführt, daß
       ein großer  Teil der  Mittel an eine von Großunternehmen geprägte
       Arbeitsgemeinschaft fließen?".  Die Antwort  macht klar,  daß die
       Bundesregierung die  Erfolgskontrolle über  ein Forschungsprojekt
       von bisher 50 Mill. DM und weitere bis 1979 geplante 250 Mill. DM
       an eben  jene Großindustrie  vergeben hatte,  die als Verursacher
       inhumaner Arbeitsbedingungen  selbst Gegenstand  der Untersuchung
       sein sollte.  Wissenschaftspolitik zugunsten der Werktätigen? Auf
       Anfrage der CDU stellt die Bundesregierung fest: "Die Berücksich-
       tigung der  Arbeitnehmerinteressen wird dadurch erreicht, daß be-
       triebliche Projekte  im Rahmen  des Programms mit den zuständigen
       Betriebsräten abzustimmen sind und daß die Betriebsräte nach Mög-
       lichkeit auch  an der Begleitung der Forschungsprojekte beteiligt
       werden" (18). Nach wessen Möglichkeiten? Im Rahmen der nahezu zur
       Wirkungslosigkeit abgemagerten  Mitbestimmung? Die  Quadratur des
       wissenschaftspolitischen Kreises  ergibt dieses Bild: die von den
       Arbeitern erarbeiteten Mittel der Forschungsförderung werden ver-
       ausgabt zur Effektivierung des Arbeitslebens und eingesetzt unter
       Kontrolle derer,  die zu  kontrollieren und  zur Humanisierung zu
       veranlassen die  schöne Absicht war. Entsprechend stellt der Bun-
       desminister für  Bildung und  Wissenschaft  für  die  Hochschulen
       fest: "Meines  Wissens gibt es noch keine verbindliche, durch Be-
       schlüsse festgelegte Bestimmung der Arbeitnehmerinteressen in der
       Hochschulpolitik" 19).
       
       2.2. Schlußfolgerungen
       ----------------------
       
       Wie produktiv ist die Wissenschaft im Kapitalismus? Die Bedeutung
       von Wissenschaft und Technik nimmt unbestreitbar zu. Das Wachstum
       des Bruttosozialprodukts  wird gegenwärtig z.B. in den USA zu ca.
       75% durch wissenschaftlich-technische Faktoren der Intensivierung
       erzeugt. In  der BRD  beweist die  Zahl der Nicht-Zulassungen vom
       Hochschulstudium  (numerus   clausus),  daß  Forschungspotentiale
       durch die  durch innere  Widersprüche des Produktions- und Repro-
       duktionssystems  erzwungene   Konzeptionslosigkeit  der   Gesell-
       schaftspolitik ungenutzt  bleiben, wie die Zahl der ausländischen
       Arbeiter in  der BRD - weitgehend zu schwerer körperlicher Arbeit
       eingesetzt -  den hieraus  erwachsenden Zwang  zur Extensivierung
       belegt. Selbst  die einfache Reproduktion der Volkswirtschaft be-
       reitet in der allgemeinen ökonomischen Krise des Kapitalismus un-
       geheure Probleme. Dabei bleiben allerdings nationale Unterschiede
       zu beachten: die Zusammensetzung der Fonds für Forschung und Ent-
       wicklung in  den USA war bereits Mitte der 60er Jahre derart, daß
       einem Anteil  der Bundesmittel von 66,3% nur noch ein privatindu-
       strieller Anteil von 31,0% gegenüberstand. Die von V.V. Bykov aus
       diesen und  anderen Daten gezogenen Schlußfolgerungen lassen sich
       auf die  BRD nur  in einer  Trendanalyse übertragen:  "Der  Staat
       schafft ein System von Forschungsinstituten und Laboratorien, de-
       ren Organisation gekennzeichnet ist durch: 1. einen gesellschaft-
       lich-kombinierten Erkenntnisprozeß  in  jedem  Forschungsinstitut
       und Laboratorium;  2. netzwerkartige  Verbindungen  zwischen  den
       einzelnen Forschungsinstituten und Laboratorien, die in der Regu-
       lierung ihrer Funktionsweise durch den Staatsapparat zum Ausdruck
       kommt (hier  gibt es noch kein Netz, das im gesamtgesellschaftli-
       chen Maßstab  für die  Lösung von Systemen von Erkenntnisaufgaben
       organisiert wird);  8. die Herauslösung dieses Netzes aus der ka-
       pitalistischen Produktion"  20). In  der BRD verhindern neben dem
       Kulturföderalismus vor allem die unmittelbaren Formen industriel-
       ler Beteiligung an Staatsorganisationen der Forschung und Wissen-
       schaft eine derartige Konzentration in Staatshand. Beispiele sind
       die DFG  21), die Max-Planck-Gesellschaft, das West-Berliner Wis-
       senschaftszentrum,  die  Gründung  nicht-staatlicher  Hochschulen
       (z.B. Hartmann-Bund  auf dem  medizinischen Sektor)  und die  er-
       staunliche Tatsache,  daß der  Staat im Bereich der von ihm immer
       weitergehend finanzierten  Industrieförderung  nicht  einmal  zur
       amtlichen Datenerhebung  zugelassen ist  ("Die Daten über Wissen-
       schaft, Forschung  und Entwicklung werden seit 1948 mangels einer
       amtlichen Statistik  auf gesetzlicher  Grundlage von Archivdienst
       für Wissenschaftsstatistik  beim Stifterverband  für die Deutsche
       Wissenschaft in  zweijährigem Rhythmus erhoben" BF 68). Die Anar-
       chie im  sozial-ökonomischen Bereich  ist politisch nicht zu mei-
       stern, so  lange die  Trennung von  gesellschaftlicher Produktion
       und privater  Aneignung  und,  als  Ausdruck  dieses  Grundwider-
       spruchs,privater Aneignung  und staatlicher  Alimentierung  nicht
       aufgehoben ist. Gleichwohl ist die 'naturwüchsige' Subsumtion der
       Wissenschaft unter  die kapitalistische  große Industrie  des 19.
       Jh. auch  in der  BRD neuen  Organisationsformen der Unterwerfung
       der Wissenschaft  gewichen. Thyssen-Stiftung, VW-Stiftung, Fried-
       rich-Ebert-Stiftung und  vergleichbare Organisationen zeigen die-
       sen neuen  Charakter der  Subsumtion an,  der den Konzentrations-
       und  Monopolisierungsformen   des  Kapitals  entspricht.  Mit  H.
       Seickert kann  man feststellen:  "Die  a l l g e m e i n e n  ge-
       setzmäßigen Erscheinungen  der Wissenschaftsentwicklung,  die  in
       verschiedenen Produktionsweisen (Kapitalismus und Sozialismus) in
       der Zunahme  wissenschaftlicher Tätigkeiten,  im Wachstum wissen-
       schaftlicher Erkenntnisse  sowie im Wachstum des Wissenschaftspo-
       tentials zum  Ausdruck kommen,  und die   s p e z i f i s c h e n
       gesetzmäßigen Erscheinungen  der Wissenschaftsentwicklung, die in
       den  q u a l i t a t i v  unterschiedlichen Tendenzen der Wissen-
       schaftsentwicklung und der Vergesellschaftung der Wissenschaft im
       Kapitalismus und  Sozialismus sichtbar werden, stellen ein System
       von Gesetzmäßigkeiten  dar" 22).  Dieses System  von Gesetzen der
       Integration der  Wissenschaft in  die Produktionsweise  findet im
       Kapitalismus seine  Regulierung durch   d i e   D i a l e k t i k
       d e s  G r u n d w i d e r s p r u c h s,  des Kapitalverhältnis-
       ses.
       Friedrich Engels'  Satz "Wir können nur unter den Bedingungen un-
       serer Epoche erkennen und  s o w e i t  d i e s e  r e i c h e n"
       23) zieht  nicht nur  das Fazit  aus der Gesellschaftlichkeit der
       materiellen und  ideellen Produktion,  aus dem gesellschaftlichen
       Charakter auch  des Erkenntnisprozesses, sondern fordert die Wis-
       senschaftstheorie  auf,  genau  zu  beschreiben,    w i e w e i t
       diese 'Bedingungen  der  Epoche'  tatsächlich  reichen.  Es  wäre
       falsch, aus dem Faktum der  s p o n t a n e n  Wirkung der objek-
       tiven Gesetze der Produktion und Reproduktion im Kapitalismus den
       Schluß auf  die   p r i n z i p i e l l e  B e w u ß t l o s i g-
       k e i t   des Wissenschaftsprozesses  in der bürgerlichen Gesell-
       schaft zu  ziehen. Die  Bedingungen der  Epoche des Übergangs zum
       Sozialismus reichen  nicht nur   g e s c h i c h t l i c h   z u-
       r ü c k  in die Abfolge von "Generationen, von denen Jede die ihr
       von allen  vorhergegangenen  übermachten  Materiale,  Kapitalien,
       Produktivkräfte exploitiert,  daher also  einerseits  unter  ganz
       veränderten Umständen  die überkommene  Tätigkeit  fortsetzt  und
       andrerseits  mit  einer  ganz  veränderten  Tätigkeit  die  alten
       Umstände modifiziert" 24); die Bedingungen unserer Epoche reichen
       nicht nur  soweit, wie  es die  Fortvegetation überlebter Produk-
       tionsweisen zuläßt.  So findet  beispielsweise die  wissenschaft-
       liche Tätigkeit  in der  BRD ihre  Bedingungen und Beschränkungen
       institutioneller und  rechtlicher Art in Art. 3 Abs. 5 GG, dessen
       Ziele widersprüchlich  begründet sind:  in ihn  ist die überlebte
       liberalistische Konzeption  der Konkurrenz-Freiheit  der  Privat-
       kapitalisten eingegangen,  zugleich aber enthält er die Tradition
       des demokratischen Naturrechts und der bürgerlichen Revolutionen.
       Die Reichweite der Bedingungen unserer Epoche erstreckt sich weit
       darüber hinaus  in   o b j e k t i v e  M ö g l i c h k e i t e n
       e i n e r  Z u k u n f t,  deren Garant die objektive historische
       Funktion der  Arbeiterklasse im staatsmonopolistischen Kapitalis-
       mus ist. Diese Arbeiterklasse hat, um beim verfassungsrechtlichen
       Beispiel zu  bleiben, bereits im Grundgesetz die Offenhaltung der
       sozialökonomischen Entwicklung  der  BRD  als  Kompromiß-Resultat
       ihres Kampfes um die Demokratie durchgesetzt. Darüber hinaus: wer
       die  Bedingungen  wissenschaftlicher  Tätigkeit  im  Kapitalismus
       allseitig untersucht,  wird den  Internationalismus der Arbeiter-
       klasse, den  Systemkonflikt -  in der  BRD überdeutlich spürbar -
       und  die   Auswirkungen  des   antiimperialistischen  Kampfs   um
       nationale Befreiung auf diese Bedingungen nicht übersehen können;
       (als Beispiel  wäre hier die Rolle der Solidarität mit Chile, die
       Auswirkung der  Tätigkeit antifaschistischer chilenischer Wissen-
       schaftler in der BRD zu nennen).
       Die spontane  Wirkung der  Gesetze des  kapitalistischen  Systems
       drückt sich  in erster  Linie darin  aus,  daß  es  eine  bewußte
       p r o p o r t i o n a l e   Entwicklung der unterschiedlichen ge-
       sellschaftlichen Sektoren  nicht gibt. Disproportionalitäten tre-
       ten im  Verhältnis der  Wirtschafts- und Wissenschaftsentwicklung
       auf, in der innerwissenschaftlichen Forschungsplanung und im wis-
       senschaftlichen Bereich  der Lehre und Ausbildung. Offensichtlich
       wird dies  durch die  Einführung des  numerus clausus,  dem nicht
       etwa gesellschaftliche  Bedarfsberechnungen zugrunde  gelegen ha-
       ben, sondern mehr oder minder durch subjektive Studienwünsche be-
       wirkte Zufälligkeiten;  die gegenwärtige  dezisionistische Aufhe-
       bung des  NC ohne gleichzeitige Schaffung der materiellen Voraus-
       setzungen (Laborplätze  etc., Arbeitsplatzerwartungs-Berechnungen
       etc.) wird  zur Überfüllung der Universitäten, zum Abbau demokra-
       tischer Studienreform-Positionen, zur Verhinderung lernintensiver
       Kleingruppenarbeit und im Endergebnis zur Ineffizienz universitä-
       rer Wissenschaft  führen. Auch  hier freilich verfügen die großen
       Monopole durch ihr System innerbetrieblicher Ausbildung - wie bei
       IBM, AEG,  Siemens - über Möglichkeiten, den Effektivitätsverlust
       aufzufangen. Über  die geradezu  lebensgefährliche  Disproportion
       zwischen Rüstungs- und Wissenschaftsaufwendungen braucht man kaum
       mehr ein Wort zu verlieren. Eine der wesentlichen Folgelasten der
       spontanen Wirkung  objektiver Gesetze im Kapitalismus ist, daß es
       keine Garantie  einer auch nur annähernd zureichenden  I n t e n-
       s i v i e r u n g   gibt. Dies  betrifft die  Intensivierung  des
       wissenschaftlichen Arbeitsprozesses  durch  zweckmäßige  Planung,
       Organisation, Leitung und Kontrolle und Erhöhung der finanziellen
       Fonds wie vor allem die vom wissenschaftlich-technischen Arbeits-
       prozeß unmittelbar  abhängige  Intensivierung  der  gesellschaft-
       lichen Produktion,  der gesellschaftlichen Reproduktion und damit
       schließlich die   q u a l i t a t i v e    Verbesserung  der  ma-
       teriell-technischen Basis.  Soweit durch wissenschaftlich-techni-
       schen Fortschritt  Intensivierung stattfindet  - und  sie  findet
       zweifellos  statt   -,  handelt   es  sich   weitgehend  um  eine
       q u a n t i t a t i v e   Erhöhung der  Produktivität  der  Wirt-
       schaft. Der  ö k o n o m i s c h e  F o r t s c h r i t t  bleibt
       im Kapitalismus  vom   s o z i a l e n   F o r s c h r i t t  ge-
       trennt, sofern nicht antikapitalistische Gegensteuerung durch Ge-
       werkschaften und andere gesellschaftliche Kräfte und Organisatio-
       nen der Arbeiterklasse das Profitstreben als Maxime der kapitali-
       stischen Ökonomie  eindämmt. In  diesem Zusammenhang  spielen die
       Kooperationsverträge des DGB oder von Arbeiterkammern (so in Bre-
       men) mit Reformhochschulen eine nicht zu überschätzende Rolle für
       den Wissenschaftsprozeß.  Auch diese neuen Formen der Bindung der
       Wissenschaft an die Interessen der Werktätigen zeigen, wie falsch
       die mechanische  Gleichung von  Kapitalismus und  Wissenschaft in
       der bürgerlichen antagonistischen Gesellschaft ist. Ihrer Tendenz
       nach beweisen  die ersten Ergebnisse wissenschaftlicher Tätigkeit
       im Rahmen dieser Verträge - etwa Studien zur Lage von Hafenarbei-
       tern, die  die Gewerkschaft in die Lage versetzen, gezielt Forde-
       rungen zur  Verbesserung der  Arbeitsplätze etc.  zu formulieren,
       Studien zur  Schadstoffbelastung in  industriellen Ballungsräumen
       mit dem  Ziel, industriellen Profitinteressen begegnen zu können,
       gutachterliche Tätigkeiten  von Arbeitsrechtlern für Betriebsräte
       -, welche  Möglichkeiten der wissenschaftliche Fortschritt in ei-
       ner nichtmonopolistischen Demokratie eröffnet.
       
       Ein Fazit:
       ----------
       
       Eine materialistische  Wissenschaftstheorie, welche  die Lage von
       Wissenschaft und Forschung im Kapitalismus richtig widerspiegelt,
       muß von  der alle gesellschaftlichen Lebensverhältnisse prägenden
       Dialektik, vom  Grundwiderspruch von  Kapital und Lohnarbeit, von
       Bourgeoisie und  Arbeiterklasse ausgehen.  Nicht hinreichend  ist
       es, die  Verschiedenheit der  Systeme 'Wissenschaft  - Technik  -
       Produktion' in Kapitalismus und Sozialismus theoretisch zu formu-
       lieren, wenn  nicht als  wichtigstes Element  der Produktion  die
       Hauptproduktivkraft,  der   Mensch,  berücksichtigt   wird.  'Der
       Mensch' -  dies ist  keine anthropologische  Abstraktion. Es geht
       darum, die  Menschen in ihren Klassen- und Schichtenverhältnissen
       vor Augen  zu haben. Der wesentliche Unterschied zwischen den Sy-
       stemen 'W  - T  - P'  in Kapitalismus  und  Sozialismus  ist  die
       S t e l l u n g   d e r  A r b e i t e r k l a s s e.  Ohne Demo-
       kratie, ohne die ökonomische Verfügung der Mehrheit der werktäti-
       gen Bevölkerung  über die  Produktionsmittel und ohne die politi-
       sche Macht  zur Sicherung  der Mehrheitsinteressen  gegenüber den
       Machtansprüchen der  monopolistischen Bourgeoisie bleibt die Wis-
       senschaft in  der bürgerlichen Gesellschaft letztlich selbst Aus-
       druck des  Widerspruchs, bildet den Widerspruch  i n  s i c h  ab
       und wird  an der vollen Entfaltung ihrer fortschrittlichen sozia-
       len Wirkung  gehindert. Gleichwohl bleibt zu berücksichtigen: Er-
       gebnisse der  Wissenschaft nutzen  sich nicht ab und bleiben ver-
       wendbar. Die  Produktivkraftentwicklung durch bürgerliche Wissen-
       schaft dient nicht ausschließlich dem Kapital, sondern verbessert
       langfristig die Ausgangsbedingungen der Arbeiterklasse auch dann,
       wenn zunächst  ihre negativen  Folgen wirksam  werden. Diesen Ef-
       fekt, für den die geschichtsphilosophische Metapher der 'List der
       Geschichte' (Fr. Engels) nicht unzutreffend wäre, beschränkt sich
       nicht allein  auf die  'Produktionswissenschaften'. Trotz der ge-
       genwärtigen Disproportionen  zwischen Natur-  und  Technikwissen-
       schaften einerseits  und Gesellschaftswissenschaften andererseits
       weist J.  Hirsch sicher  zu recht  darauf hin, daß er die Gesell-
       schaftswissenschaften nicht unberührt läßt: "Der von der Bewegung
       des Kapitals  vorangetriebene Fortschritt der 'Produktionswissen-
       schaften' zieht  eine  wesentlich  vom  Staatsapparat  initiierte
       Entwicklung  von   Organisations-,  Planungs-  und  Sozialwissen-
       schaften nach  sich, die sich zentral auf die Sicherung der Funk-
       tionsfähigkeit einer  unter wachsendem  'Aufgabendruck' stehenden
       staatlichen  Administration   und   auf   Strategien   zur   Auf-
       rechterhaltung der  bestehenden  politischen  Herrschaftsverhält-
       nisse als  Bedingung der Gewährleistung des kapitalistischen Pro-
       duktionsverhältnisses richtet"  25). Diese  Entwicklung wird  von
       der These  nicht erfaßt, die den bürgerlichen Naturwissenschaften
       einen ideologisch  neutralen Status  von   V e r w e r t u n g s-
       w i s s e n   zumißt, die  Gesellschaftswissenschaften  aber  als
       prinzipielle   I d e o l o g i e p r o d u z e n t e n    mißver-
       steht. Die  Frage "Wie  produktiv ist  die Wissenschaft  im Kapi-
       talismus?"  ist   gleichbedeutend  mit  der  Frage  "Wie  wissen-
       schaftlich ist  die Wissenschaft  im  Kapitalismus?".  Auf  diese
       Frage werde ich zurückkommen.
       
       3. Wissenschaft als Produktivkraft
       ----------------------------------
       
       Aus der  - hier  nur andeutungsweise  - empirischen  Bestandsauf-
       nahme'der Wissenschaft  und ihrer ökonomischen Funktion sowie der
       staatsmonopolistischen Wissenschaftspolitik  ergibt sich: Wissen-
       schaft ist  auch im  Kapitalismus Produktivkraft.  Nicht nur, daß
       erst der Kapitalismus in der industriellen Revolution eine enorme
       Beschleunigung der  Wissenschaftsentwicklung und  der  Vergesell-
       schaftung der  Wissenschaft mit  sich gebracht hat. Von Anfang an
       ist die  Wissenschaft sowohl  Bedingung wie Resultat kapitalisti-
       scher Produktion.  Das Kapital  produziert mit  der  Wissenschaft
       seine Reproduktion;  in  der  Wissenschaft  produziert  es  seine
       Grenze: "Die  Universalität, nach  der es unaufhaltsam hintreibt,
       findet Schranken  an seiner  eignen Natur, die auf einer gewissen
       Stufe seiner Entwicklung es selbst als die größte Schranke dieser
       Tendenz werden  erkennen lassen  und daher  zu  seiner  Auflösung
       durch es selbst hintreiben" 26). Eine entscheidende Voraussetzung
       seiner Aufhebung  produziert das Kapital in der  "T r e n n u n g
       d e r   W i s s e n s c h a f t  v o n  d e r  A r b e i t",  die
       zu einer  Bedingung des Klassenantagonismus wird, gleichwohl aber
       die Grundbedingung  der "Anwendung  der Wissenschaft  als solcher
       auf die materielle Produktion" darstellt 27).
       Marx beschreibt die Auswirkungen dieses Funktionswandels der Wis-
       senschaft für  die Arbeiterklasse  in der Phase der industriellen
       Revolution: "das Detailgeschick des individuellen, entleerten Ma-
       schinenarbeiters verschwindet  als ein  winzig Nebending  vor der
       Wissenschaft..., die  im Maschinensystem verkörpert" ist 28). Den
       Arbeitern treten  "die  g e s e l l s c h a f t l i c h e n  Cha-
       raktere  ihrer  Arbeit"  vergegenständlicht,    "k a p i t a l i-
       s i e r t"   gegenüber 29).  Auch die  Wissenschaft erscheint dem
       Lohnarbeiter "als    E x p l o i t a t i o n s m i t t e l    der
       Arbeit, als  Mittel,  Surplusarbeit  anzueignen,  daher  als  dem
       Kapital angehörige"  Kraft  "der  Arbeit";  die  Integration  der
       Wissenschaft  in   die  Produktion   wird  als    "T a t    d e s
       K a p i t a l s"  verstanden 30). Interessant ist, daß Marx diese
       Fetischisierung wissenschaftlicher Tätigkeit aber nicht allein in
       ihrer Auswirkung  auf den  Lohnarbeiter untersucht. Er fragt nach
       dem Funktionswandel  der Wissenschaft selbst - und darüber hinaus
       nach  dem   neuen  Typus  wissenschaftlicher  Tätigkeit  und  des
       Wissenschaftlers.  "Die   Akkumulation  des   Wissens   und   des
       Geschicks, der allgemeinen Produktivkräfte des gesellschaftlichen
       Hirns, ist  so der Arbeit gegenüber absorbiert in dem Kapital und
       erscheint daher  als  Eigenschaft  des  Kapitals"  31).  Für  die
       Wissenschaftstheorie im  Kapitalismus  bedeutsam  ist,  daß  Marx
       nicht nur  feststellt: "die  Wissenschaft ...  existiert nicht im
       Bewußtsein des  Arbeiters, sondern  wirkt durch  die Maschine als
       fremde Macht auf ihn, als Macht der Maschine selbst" 32). Wichtig
       ist, daß  Marx nicht  nur  von    'E r s c h e i n u n g s w e i-
       s e n'  der Wissenschaft im  B e w u ß t s e i n  der Betroffenen
       - wovon  dann die  'eigentliche  Wissenschaft'  getrennt  wäre  -
       spricht,  sondern  vom  Wesen  wissenschaftlicher  Tätigkeit.  Er
       schreibt: "In  diesem Prozeß, worin die  g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e n   Charaktere ihrer  Arbeit ihnen  gewissermaßen  k a-
       p i t a l i s i e r t    gegenübertreten,  ...  findet  natürlich
       dasselbe statt  für die  Naturkräfte und  die  Wissenschaft,  das
       Produkt der  allgemeinen  geschichtlichen  Entwicklung  in  ihrer
       abstrakten Quintessenz"  33).  Die  Subsumtion  der  Wissenschaft
       unter  das   Kapitalverhältnis  führt  notwendig  dazu,  daß  die
       Tätigkeit   der   Wissenschaft   Produzierenden   sich   zunächst
       tendenziell, heute offensichtlich der Grundform der gesellschaft-
       lichen Arbeit  annähert. Der  Wissenschaftler verfügt  nicht über
       das Produkt seiner Arbeit. Das Erschrecken des Atomphysikers nach
       Hiroshima  ist   nur   der   Endpunkt   dieser   Entwicklung   im
       Kapitalismus. Dies  ist die eine Seite. Deren Kehrseite aber ist,
       daß mit  der   V e r s e l b s t ä n d i g u n g   d e r   W i s-
       s e n s c h a f t   in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung sich
       eine historisch  neuartige und  ungemein   f o r t s c h r i t t-
       l i c h e   Form der  Arbeit herausbildet.  Marx hat diesen Sach-
       verhalt in der Kategorie "allgemeine Arbeit" formuliert. Es kommt
       mir darauf  an,  in  der  Diskussion  über  die  Funktion  dieser
       Kategorie  für   die  Wissenschaftstheorie   einen   Aspekt   von
       'allgemeine Arbeit' hervorzuheben, der bisher ungenügend beachtet
       wurde.
       
       3.1. Allgemeine Arbeit' als Kennzeichen des produktiven
       -------------------------------------------------------
       Charakters wissenschaftlicher Tätigkeit
       ---------------------------------------
       
       Ginge es  darum, den produktiven Charakter Wissenschaftler Tätig-
       keit durch  ein theoretisches  Konstrukt  abstrakt  zu  beweisen,
       könnte man mit Marx antworten: "Wie sich die Herrschaft des Kapi-
       tals entwickelte  und in der Tat auch die nicht direkt auf Schöp-
       fung des materiellen Reichtums bezüglichen Produktionssphären im-
       mer mehr  von ihm abhängig wurden - namentlich die positiven Wis-
       senschaften (Naturwissenschaften) als Mittel der materiellen Pro-
       duktion dienstbar  gemacht wurden, glaubten sykophantische under-
       lings der  politischen Ökonomie  jede Wirkungssphäre dadurch ver-
       herrlichen zu  müssen und rechtfertigen, daß sie selbe 'im Zusam-
       menhang' mit der Produktion des materiellen Reichtums darstellten
       - als  Mittel für  denselben -  und jeden damit beehrten, daß sie
       ihn zum  'produktiven Arbeiter' im 'ersten' Sinn machten, nämlich
       zu einem  labourer, der  im Dienst des Kapitals arbeite" 34). Mit
       diesem ironischen Veto wäre die Sache erledigt.
       W i s s e n s c h a f t   -   d i e s  d i e  T h e s e  -  i s t
       n i c h t    z u l e t z t    d e s h a l b    p r o d u k t i v,
       w e i l   s i e  n i c h t  a u f  i h r e  F u n k t i o n  'i m
       D i e n s t   d e s   K a p i t a l s'  r e d u z i e r t  w e r-
       d e n   k a n n   -   a u c h  n i c h t  i m  K a p i t a l i s-
       m u s.   Wissenschaft ist  produktiv nicht  zuletzt deshalb, weil
       sie  im  Ergebnis  der  Arbeitsteilung  'befreit'  wird  von  der
       U n m i t t e l b a r k e i t  d e r  E r k e n n t n i s  gegen-
       über den  Erscheinungen, freigestellt  wird von  der   u n m i t-
       t e l b a r e n   K o o p e r a t i o n   der Produzenten.  "Alle
       Wissenschaft wäre  überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das
       Wesen der  Dinge unmittelbar zusammenfielen" 35). Dieser Marxsche
       Satz ist  keine  apriorische  Begründung  der  Notwendigkeit  der
       Wissenschaft, sonder  ein Fazit aus der Praxis. Wissenschaftliche
       Tätigkeit ist  nicht nur  das "Produkt der allgemeinen geschicht-
       lichen Entwicklung  in  ihrer  abstrakten  Quintessenz",  sondern
       stellt selbst  die -  je nach  sozialökonomischer  Verwertungsbe-
       dingung -  mehr oder  minder  bewußte  Anwendung  und  Vermehrung
       dieses Produkts dar. Insofern ist sie 'Logik' der Entwicklung der
       Arbeit im  Sinne  des  Leninschen  Begriffs  von  Logik,  nämlich
       "Fazit, Summe,  Schlußfolgerung aus der  G e s c h i c h t e  der
       Erkenntnis der Welt" 36).
       Marx hat  die produktive Funktion wissenschaftlicher Tätigkeit in
       der Kategorie  'allgemeine Arbeit'  gefaßt. Der  Satz "Allgemeine
       Arbeit ist  alle wissenschaftliche  Arbeit, alle Entdeckung, alle
       Erfindung" ist  keine abstrakte  Definition und  kein Einfall  am
       Rande. Man  muß ihn im Kontext lesen! Er steht in einem Abschnitt
       des 'Kapital'  unter dem  Titel "Ökonomie  durch Erfindungen"  im
       Rahmen von  Überlegungen zu  "Ersparungen in  Anwendung des fixen
       Kapitals",  eingeleitet   durch  ein   "Nebenbei  bemerkt".   Der
       H a u p t a k z e n t  dieses Textes ist anders gesetzt: "Endlich
       aber entdeckt  und zeigt   e r s t  d i e  E r f a h r u n g  des
       kombinierten Arbeiters,  wo und wie zu ökonomisieren, wie die be-
       reits gemachten  Entdeckungen am  einfachsten auszuführen, welche
       praktischen Friktionen  bei Ausführung der Theorie - ihrer Anwen-
       dung auf  den Produktionsprozeß - zu überwinden usw." Dann folgt:
       "Nebenbei bemerkt,  ist zu unterscheiden zwischen allgemeiner Ar-
       beit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktions-
       prozeß ihre  Rolle, beide gehn ineinander über, aber beide unter-
       scheiden sich  auch. Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche
       Arbeit, alle  Entdeckung, alle  Erfindung. Sie  ist bedingt teils
       durch Kooperation  mit Lebenden, teils durch Benutzung der Arbei-
       ten Früherer.  Gemeinschaftliche Arbeit unterstellt die unmittel-
       bare Kooperation der Individuen" 37).
       Erst aus  diesem Kontext schlüsselt sich die wissenschaftstheore-
       tische Bedeutung  dieses Marxschen  definitorischen Ansatzes auf.
       Am Beispiel  der hohen Kosten beim Bau einer Maschine und der er-
       heblich geringeren  Aufwendungen für  ihre  spätere  Reproduktion
       veranschaulicht Marx die produktive Rolle der Erfahrung, der Wis-
       senschaft, d.h.  "der allgemeinen Arbeit des menschlichen Geistes
       und ihrer  gesellschaftlichen Anwendung durch kombinierte Arbeit"
       38). In  der Widersprüchlichkeit, einerseits durch Lösung aus der
       unmittelbaren individuellen Kooperation über das gesellschaftlich
       akkumulierte Wissen  zu verfügen  und damit  potentiell auch  auf
       kritische Distanz  zu den Erscheinungen der unmittelbaren Empirie
       zu gehen,  andererseits aber  gerade in dieser 'Freiheit' den Re-
       produktionsprozeß  des   Kapitals  zu  effektivieren,  liegt  ihr
       D o p p e l c h a r a k t e r.
       Daß die  gesellschaftliche Arbeitsteilung  eine Voraussetzung der
       Produktivität der Wissenschaft ist, haben Marx und Engels bereits
       in einer frühen Stufe der Herausbildung des historischen Materia-
       lismus angedeutet,  in der 'deutschen Ideologie'. In einem Passus
       zur Entwicklung  des Bewußtseins  über dessen Schranken, zunächst
       "bloß Bewußtsein  über die  n ä c h s t e  sinnliche Umgebung und
       Bewußtsein des bornierten Zusammenhanges mit anderen Personen und
       Dingen" zu  sein, verweisen sie  n i c h t  nur auf die möglichen
       und wirklichen  sozialen Folgen der Arbeitsteilung, die darin be-
       stehen, "daß die geistige und materielle Tätigkeit" daß der Genuß
       und die Arbeit, Produktion und Konsumption, verschiedenen Indivi-
       duen zufallen".  Zwar klammert die 'Deutsche Ideologie' im Unter-
       schied zum  'Kapital' die  Wissenschaften noch  aus  dem  Bereich
       'Produktivkräfte' aus;  wichtiger ist  aber, daß  hier  auch  der
       F o r t s c h r i t t s a s p e k t  d e r   A r b e i t s t e i-
       l u n g   herausgearbeitet ist: "Die Teilung der Arbeit wird erst
       wirklich Teilung  von dem  Augenblicke an,  wo eine  Teilung  der
       materiellen und geistigen Arbeit eintritt. Von diesem Augenblicke
       an  k a n n  sich das Bewußtsein wirklich einbilden, etwas Andres
       als das  Bewußtsein der bestehenden Praxis zu sein" 39). Marx und
       Engels kritisieren  zwar daraufhin  die ideologische Abstraktheit
       der "'reinen' Theorie", die sich von der Welt 'emanzipiert' habe,
       legen aber  den Grundstein  eines wichtigen  Teils der Produktiv-
       krafttheorie. Daß  von hier  Wirkungen für  die  materialistische
       Erkenntnistheorie  ausgehen  (Nicht-Identität  von  Realität  und
       Begriff, gegen  die Hegelsche  Identitätslehre gewendet) wie auch
       für die  Wissenschaftstheorie (Betonung  des kognitiven  Aspekts,
       Bedeutung der  Widerspiegelungstheorie, Hervorhebung  des  aktiv-
       schöpferischen Charakters  der Widerspiegelung), wird man stärker
       berücksichtigen müssen.  Zu den  Schlußfolgerungen, die zu ziehen
       sind, gehört:  die von  der materialistischen  Erkenntnistheorie,
       vor  allem   durch  Lenin  im  Unterschied  zum  Idealismus  her-
       ausgestellte Nicht-Identität  von Sein  und Bewußtsein,  Realität
       und Begriff  drückt sich  aus a) in einem erkenntnis- und wissen-
       schaftslogischen   P r i m a t   t h e o r e t i s c h e r   A b-
       s t r a k t i o n e n  vor der Empirie und vor der Praxis; es ist
       nicht sinnvoll,  dieses Kind materialistischer Erkenntnis mit dem
       Bade der  Kritik  am  logischen  Positivismus  auszuschütten;  es
       handelt sich bei der These von der Kraft der Abstraktion, die hi-
       storisch-logisch akkumuliert  und eine  Erkenntnisbedingung  dar-
       stellt, nicht  um einen Rückfall in Idealismus; und b) drückt sie
       sich aus  in einem in der wissenschaftlich-technischen Revolution
       qualitativ veränderten Verhältnis von Theorie und Praxis.
       Dieser zweite  Punkt ist besonders wichtig, weil er sich auswirkt
       bis hin  in Entscheidungen  der Wissenschaftsorganisation und der
       Wissenschaftspolitik. Inhalt  dieses zweiten  Punkts ist    d e r
       V o r l a u f   d e r   W i s s e n s c h a f t    v o r    d e r
       m a t e r i e l l e n   P r o d u k t i o n.  Marx hat in Überle-
       gungen zu den Bedingungen des Abbaus von Disproportionen zwischen
       Industrie und  Agrikultur darauf  verwiesen, daß nicht allein die
       Ersetzung des  Grundbesitzers durch  den "farming-capitalist" und
       die "Verwandlung  der Ackerbauer in reine Lohnarbeiter" derartige
       Bedingungen schufen  und nicht  allein  "die  eigentlich  wissen-
       schaftliche Grundlage  der großen Industrie, die Mechanik, die im
       18. Jahrhundert gewissermaßen vollendet war". Er verweist auf die
       Bedeutung des Vorlaufs der Wissenschaften: "Erst im 19., speziell
       in den  späteren Jahrzehnten, entwickeln sich die Wissenschaften,
       die   d i r e k t  in höherm Grade spezifische Grundlagen für die
       Agrikultur als für die Industrie sind - Chemie, Geologie und Phy-
       siologie" 40).  Von hier aus läßt sich eine materialistische, mit
       der idealistischen  Konzeption der  'Selbstbewegung des  Geistes'
       unverwechselbare Kategorie  'Antizipation' entwickeln:  Antizipa-
       tion ist  nicht voraussetzungslos,  hat ihre  Ursache in Entwick-
       lungsnotwendigkeiten der  materiellen Produktion,  läßt sich aber
       auch nicht  auf einen mechanischen Reflex des Status quo reduzie-
       ren; Antizipation  modelliert eine  neue Realität  und wirkt sich
       bei Vorliegen  gesellschaftlicher Realisationsbedingungen  in der
       Überführung der 'Idee' in Produktion und Praxis schöpferisch aus.
       Im Vorlauf  der Wissenschaft liegt ein Grund für die Berechtigung
       des materialistischen Leninschen Satzes: "Das Bewußtsein des Men-
       schen widerspiegelt nicht nur die objektive Welt, sondern schafft
       sie auch"  41). Entsprechend  ist für  Marx die    E n t w i c k-
       l u n g  d e r  W i s s e n s c h a f t,  dieses ideellen und zu-
       gleich praktischen  Reichtums, ...  nur eine  Seite, eine  andere
       Form, worin   d i e   E n t w i c k l u n g   d e r  m e n s c h-
       l i c h e n  P r o d u k t i v k r ä f t e...  e r s c h e i n t"
       42).
       Die Wissenschaftsentwicklung verändert die Beziehung von Erkennt-
       nis und Praxis, ist die Summe der zunehmend praktisch bedeutsamen
       ideellen Fähigkeiten  der Menschen  und verlangt  von der Wissen-
       schaftstheorie, das  ohnehin vulgärmaterialistische  Schema  "Er-
       kenntnis =  Reflex" zu  verabschieden. Damit  trägt  die  Wissen-
       schaftstheorie   bei    zur   angemesseneren   Einschätzung   des
       'subjektiven Faktors'  in der  Gestaltung der  Realität: Existenz
       und Wirkungsweise  objektiver Gesetze  der Entfaltung materieller
       gesellschaftlicher Verhältnisse  stehen  in  einem  jeweils  auch
       durch die  Wissenschaftsentwicklung indizierten Zusammenhang. Das
       bewußte Handeln  des gesellschaftlichen  Subjekts  -  worin  eben
       nicht das Individuum gesehen werden kann - hängt vom Stand dieser
       Form der  Produktivkraftentwicklung ab.  Dem hier möglichen Idea-
       lismus schiebt  die Wirklichkeit einen Riegel vor: ohne eine ent-
       sprechende Entwicklung  der Produktionsverhältnisse und des Bezu-
       ges zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivkräften bleibt
       auch der Wissenschaft nur die Blamage. Der qualitative Funktions-
       wandel unter  sozialistischen Produktionsverhältnissen, vor allem
       Eigentumsverhältnissen, und unter den Bedingungen der politischen
       Macht derer,  deren gesellschaftliche  Interessen auf höchste Ef-
       fektivität der  Wissenschaft abzielen  (müssen), ist der histori-
       sche Beleg gegen den Idealismus 'Wissenschaftsautonomie'.
       Für die  Wissenschaftspolitik der demokratischen antikapitalisti-
       schen Bewegung  ergibt sich  aus  der  wissenschaftstheoretischen
       Einsicht in  die Beziehungen zwischen gesellschaftlicher Zielpro-
       jektion und  möglichem  Erkenntnisvorlauf  der  Wissenschaft  die
       große Chance,  sozusagen auf  Vorrat zu arbeiten, wo die Überfüh-
       rung von  Ergebnissen noch  nicht möglich  ist. Der von G. Kröber
       klar formulierte "nichtantagonistische Widerspruch" zwischen not-
       wendigem Erkenntnisvorlauf  und dem Gebot, den Sektor der nur po-
       tentiellen Produktivkräfte  so klein  wie möglich zu halten, kann
       im Kapitalismus  gegenwärtig z.B.  für die  marxistische  Wissen-
       schaft  nicht   prinzipiell  zuungunsten  der  wissenschaftlichen
       'Vorratswirtschaft' gelöst  werden 43). Auf der andern Seite sind
       im Kapitalismus  aber auch  nicht die  Bedingungen gegeben, unter
       denen das  von B.M. Kedrov formulierte "Gesetz der vorauseilenden
       Entwicklung der  Wissenschaft" ungehindert  wirken könnte,  nicht
       allein der  Innovationssektor wird aufgrund inhumaner Prioritäten
       der Wissenschaftspolitik  gebremst, sondern  auch die Entwicklung
       von Wissen (z.B. Krebsforschung). Im System 'Wissenschaft - Tech-
       nik -  Produktion' sei,  so Kedrov, jedes Element "für sich einer
       progressiven Entwicklung  fähig": "Jedoch  ist das  Entwicklungs-
       tempo jedes von ihnen verschieden. Am schnellsten entwickelt sich
       die Wissenschaft"  44), wogegen die Technik wegen der komplizier-
       ten Entwicklungsvoraussetzungen  (Versuchsmodelle etc.) langsamer
       und die  Produktion wegen  der "kolossalen materiellen Aufwendun-
       gen" am langsamsten vorankomme. Als Extrapolation aus der Wissen-
       schafts-, Technik-  und Produktionsgeschichte  ist dieses  Gesetz
       zweifellos richtig  formuliert. Dennoch  bietet es eines der Bei-
       spiele, die zur Vorsicht bei der Übertragung 'allgemeiner Bestim-
       mungen' der  Wissenschaftstheorie auf  konkrete gesellschaftliche
       Verhältnisse mahnen.  Es ist  bekannt, in welchem Maße im Kapita-
       lismus die Wissenschaftsentwicklung trotz Vorliegens zukunftswei-
       sender wissenschaftlicher  Ergebnisse gebremst  wird, sobald  das
       monopolistische Interesse  an der  - wenn  auch an den objektiven
       Bedürfnissen der  Massen vorbeigeplanten  - billigen Reproduktion
       veralteter Güter  Vorrang hat.  Die  wissenschaftlich-technischen
       Voraussetzungen für  einen bedarfsdeckenden  öffentlichen Verkehr
       z.B. liegen  längst vor. Realisiert werden sie wegen der Interes-
       sen der  Automobilindustrie nicht.  Auf einzelne, beschränkte Sy-
       steme W  - T  - P  trifft das  Gesetz zu; die Anarchie im gesell-
       schaftlichen Gesamtsystem  W - T - P verhindert jedoch häufig den
       Vorlauf der Wissenschaft.
       
       3.2. Wissenschaft als potentielle oder reale Produktivkraft,
       ------------------------------------------------------------
       als unmittelbare oder mittelbare Produktivkraft
       -----------------------------------------------
       
       Der Satz  "auch im  Kapitalismus ist  die Wissenschaft Produktiv-
       kraft" ist  richtig, muß aber präzisiert werden. In der gegenwär-
       tigen Diskussion werden dabei mehrere begriffliche Hilfen angebo-
       ten. Die Antwort auf die Frage nach der Produktivität der Wissen-
       schaft muß  für den staatsmonopolistischen Kapitalismus umso vor-
       sichtiger ausfallen,  als die "Verwissenschaftlichung der Produk-
       tivkräfte" dazu beigetragen hat, daß "nur das monopolistische Ka-
       pital letztlich in der Lage ist, den wissenschaftlich-technischen
       Fortschritt 'anzuwenden'  und über ein System der gesellschaftli-
       chen Ausbeutung  die Finanzierung  von Forschung  und Entwicklung
       auf die  Arbeiterklasse abzuwälzen"  45). Fällt aber diese von A.
       Leisewitz am  Beispiel der chemischen Industrie im Detail nachge-
       wiesene Beschränkung  der 'Anwendung'  auf Monopole  zusammen mit
       dem,  was   'Produktivkraft  Wissenschaft'   aussagt?   Feststeht
       zunächst einmal, daß von Produktivität der wissenschaftlichen Tä-
       tigkeit nicht  formations-unspezifisch,  unhistorisch  gesprochen
       werden kann:  "Wird die materielle Produktion nicht in ihrer spe-
       zifischen historischen  Form gefaßt, so ist es unmöglich, das Be-
       stimmte an  der ihr  entsprechenden geistigen  Produktion und die
       Wechselwirkung beider  aufzufassen" 46).  Es  geht  also  um  die
       S p e z i f i k   der materiellen  Produktion. Fraglich ist aber,
       ob sie  ausschließlich in der Ökonomie als Verwertungsbereich ge-
       sehen werden  kann oder  -  anders  gefragt  -  ob  die  Bereiche
       'gesellschaftliche Bedingungen'  wissenschaftlicher Tätigkeit und
       'ökonomische Verwertung'  von  deren  Ergebnissen  deckungsgleich
       sind. R. Rilling hat diese Frage m.E. mit der These, Wissenschaft
       finde als  "abgeleitete Produktion... ihre Antriebe, ihr Material
       und Mittel,  ihr Ziel in der materiellen Produktion und durch die
       materielle Produktion"  47), auch  dann noch  zu eng beantwortet,
       wenn über  einige Vermittlungsschritte  unter 'materielle Produk-
       tion' auch die Arbeiterklasse subsumiert werden könnte. Der prin-
       zipiell historische  Charakter der  Wissenschaft als 'allgemeiner
       Arbeit' schließt  auch die  relative Selbständigkeit  der Wissen-
       schafts- als  Erkenntnisentwicklung ein, und die Relativität die-
       ser  Entwicklung   kann  nicht   auf  die  Relation  'Erkenntnis/
       materielle Produktion'  reduziert werden.  In  der  gegenwärtigen
       Debatte  lassen   sich  einige   grundsätzliche  Positionen   als
       Argumentationstypen  ausmachen.   Der  Bereich   der   kontrovers
       diskutierten Annahmen  ist, seit  über die  Frage, ob die Wissen-
       schaft     e n t w e d e r    gesellschaftliches  Bewußtsein  sei
       o d e r   unmittelbare Produktivkraft  48), kaum  mehr gestritten
       wird, eingeschränkt.  Im wesentlichen lassen sich zwei Positionen
       unterscheiden, von  denen aus  höchst unterschiedliche  Antworten
       zum Problem  der produktiven Funktion der Wissenschaft im Kapita-
       lismus gegeben werden:
       P o s i t i o n  N r.  1  - Vorrang bei der Problemlösung hat der
       ö k o n o m i s c h e   u n d   t e c h n i s c h e   A s p e k t
       der Funktionsweise  der Wissenschaft  in Produktion und Reproduk-
       tion. Die  Wissenschaft wird zu einem dritten Element der Produk-
       tivkräfte und tritt  n e b e n  die Produktivkraft Mensch und die
       technischen Mittel  der Einwirkung auf den Arbeitsgegenstand. Die
       Autoren des  sowjetischen Werks  "Die gegenwärtige  wissenschaft-
       lich-technische Revolution"  stellen fest:  "Sinn und  Inhalt der
       Umwandlung der  Wissenschaft in  eine unmittelbare Produktivkraft
       ist nicht  die Einheit von Wissenschaft und Arbeit und auch nicht
       die verstärkte  Anwendung der Wissenschaft im Prozeß der lebendi-
       gen Arbeit,  sondern gerade  ein diametral entgegengesetzter Pro-
       zeß, nämlich die völlige Trennung der Wissenschaft von der unmit-
       telbaren lebendigen Arbeit" 49). Mit den Worten A.A. Kuzins: "Der
       Inhalt des  Prozesses der Umwandlung der Wissenschaft in eine un-
       mittelbare Produktivkraft  besteht... in der Trennung der Wissen-
       schaft von  der lebendigen  Arbeit, in  ihrer Umwandlung  in  den
       Hauptagenten des  unmittelbaren  Produktionsprozesses,  in  einen
       selbständigen Faktor  des Produktionsprozesses,  in  die  einzige
       geistige Produktivkraft  des unmittelbaren  Produktionsprozesses"
       50).
       Der Augenschein  scheint diese  Auffassungen zu  bestätigen. Sind
       nicht im  Kapitalismus Wissenschaft und Arbeiterklasse in der ma-
       teriellen Produktion  getrennt? Wird  nicht  Wissenschaft  unter-
       drückt, sobald  sie andere Bedürfnisse realisiert als die der mo-
       nopolistischen Bourgeoisie  -  die  der  Masse  der  Werktätigen?
       Scheitert nicht  die bürgerliche  Wissenschaft vor  dem  Problem,
       wissenschaftlich nicht nur vorhandene Bedürfnisse zu befriedigen,
       sondern - was objektiv möglich ist - das Bedürfnisniveau der Men-
       schen selbst  zu erhöhen?  Unter diesem  gewiß nicht  unrichtigen
       Eindruck kommen  G. Kröber und H. Laitko in "Sozialismus und Wis-
       senschaft" zu  der eindeutigen  Aussage, "über  die Ziele der ge-
       sellschaftlichen Produktion und damit auch über die Kriterien für
       die Produktivität  einer bestimmten Arbeitstätigkeit" entschieden
       die kapitalistischen  Produktionsverhältnisse: "Im heutigen Kapi-
       talismus... ist  eine Arbeit  dann produktiv, wenn sie der Siche-
       rung und Erhöhung des Profits und der Aufrechterhaltung der über-
       lebten imperialistischen  Gesellschaftsordnung dient;  viele kon-
       krete Tätigkeiten,  die in diesem System als produktiv fungieren,
       sind vom  höheren Standpunkt  des Sozialismus  eine  unproduktive
       Verschwendung gesellschaftlicher Arbeitszeit" 51).
       Wichtig und  richtig scheint mir hier die konsequente Perspektive
       des Primats  der Ökonomie wie auch die klare implizite Zurückwei-
       sung einer moralisierenden Bestimmung von produktiv/unproduktiv'.
       Aus der These, "in der Realisierung ihrer Produktivkraftfunktion"
       äußere sich  "der Klassengegensatz  zwischen sozialistischer  und
       kapitalistischer Wissenschaft besonders deutlich" 52), ziehen die
       Autoren hier aber nicht die sich aufdrängenden Schlußfolgerungen:
       der Klassengegensatz   i n n e r h a l b  des Kapitalismus dringt
       in die  Produktivkraftentwicklung ein  und  durchsetzt  auch  das
       System wissenschaftlicher  Tätigkeit; vorwärtstreibend  wirkt die
       bürgerliche Wissenschaft    n i c h t    z u l e t z t    a u c h
       durch ihre  nur   d i a l e k t i s c h  zu begreifende Funktion,
       die   R e p r o d u k t i o n    d e s    K a p i t a l i s m u s
       m i t   d e r   n o t w e n d i g e n  T e n d e n z  s e i n e r
       N e g a t i o n   z u   v e r m i t t e l n.  Darüber hinaus wird
       nicht  genügend  berücksichtigt,  daß  die  staatsmonopolistische
       Herrschaft ihre  Repressionsinstrumente nicht zufällig gegen alle
       antikapitalistischen, ja  bereits  alle  nicht-bourgeoisen  Fort-
       schritte  im   Wissenschaftsprozeß  einsetzt.  Von  der  m.E.  zu
       einseitigen ökonomisch-technischen  Dimension  des  Problems  her
       ließe sich   d i e   P a r t e i n a h m e   v i e l e r   W i s-
       s e n s c h a f t l e r   i m   K a p i t a l i s m u s   für die
       Interessen  der   Arbeiterklasse,   ließen   sich   demokratische
       Organisationen der  Wissenschaftler (wie  der Bund Demokratischer
       Wissenschaftler), ließe sich der organisierte antimonopolistische
       Kampf mit  den Mitteln  der Wissenschaft nicht erklären, - es sei
       denn als  "Zufall" oder  als Akt voluntaristischer Renegaten. Und
       weiter: bleibt  die Anwendung  der Ergebnisse  wissenschaftlicher
       Forschung -  unterstellen wir:  der Forschung eines Reaktionärs -
       unabhängig davon,  wessen lebendige  Arbeit die  Anwendung reali-
       siert, prinzipiell  dem imperialistischen Interesse ausgeliefert?
       Hat das  ideologische Qualifikationsniveau  der Werktätigen,  hat
       das Niveau  proletarischen Klassenbewußtseins, hat der erkennbare
       Fortschritt in  der Aneignung  des wissenschaftlichen Sozialismus
       (etwa   der   politischen   Ökonomie   des   Kapitalismus   durch
       Betriebsräte, vermittelt  z.B. durch  die MAB) keine Auswirkungen
       auf die  Produktivität der  Wissenschaft?  Die  Verhinderung  von
       Rüstungsforschung auf Drittmittelbasis, wie es sie z.B. an der TH
       Darmstadt durch  die Aufdeckung  geheimgehaltener Forschung durch
       Studenten gegeben hat, oder die Verhinderung bzw. Veränderung der
       Anwendung organisationswissenschaftlicher  Ergebnisse (z.B. REFA)
       zuungunsten der  Arbeiter durch  Streikmaßnahmen der  Betroffenen
       (z.B. in  der  Elektroindustrie)  sind  Beispiele,  die  vermehrt
       werden könnten.  Sie sind   s y m p t o m a t i s c h  dafür, daß
       die Frage  der Produktivität  im Kapitalismus  nicht allein unter
       Berücksichtigung der  zweifellos   d o m i n a n t e n  monopoli-
       stischen Strukturen zu klären ist, sondern nur unter Einbeziehung
       der Widersprüche,  die ja nicht außerhalb dieser Dominanz wirken.
       Sowohl unter kognitiven wie sozialökonomischen Aspekten gilt hier
       für die  Wissenschaftstheorie:  im    Kapital v e r h ä l t n i s
       stehen sich  keine Robinsone  auf  getrennten  Inseln  gegenüber.
       Nicht allein unter ideologischen Gesichtspunkten ist Wissenschaft
       im  Kapitalismus   eines  der   Elemente,  in   denen  sich   der
       Klassenantagonismus widerspiegelt.  Der  Realität  näher  scheint
       deshalb die
       Position Nr. 2 - Wissenschaft realisiert ihre Produktivkraftfunk-
       tion nicht  als selbständiges  Element, sondern  als eine  Eigen-
       schaft der subjektiven Elemente der Produktivkräfte, und kann nur
       als Wesenskraft  menschlicher Aktivität angemessen definiert wer-
       den. Diese  Position scheint  mir deshalb  weiterführend zu sein,
       weil sie  alle  wesentlichen  Erkenntnisse  des    h i s t o r i-
       s c h e n     M a t e r i a l i s m u s    fruchtbar  macht.  Sie
       unterscheidet sich von Position Nr. l nicht etwa dadurch, daß sie
       in  leere   Allgemeinheiten  wie   'der  Mensch',   die  'moderne
       Wissenschaft' ausweicht, sondern dadurch, daß sie das Charakteri-
       stische der  Epoche in  der Veränderung  der   Klassen b e z i e-
       h u n g e n   und der  Hauptproduktivkraft, der - wie Marx sagt -
       "revolutionären Klasse selbst" 53) sieht.
       Auf die Schlüsselrolle der Hauptproduktivkraft Mensch und auf die
       die Beziehung der Wissenschaft zum Arbeitsmittel und zum Arbeits-
       gegenstand determinierende  Beziehung 'Wissenschaft  -  Arbeiter-
       klasse' hat  für die  sozialistische Gesellschaft G.H. Wolkow be-
       reits 1970  hingewiesen: "Produktiv wird heute folglich nicht nur
       die Arbeit,  die auf  die Vermehrung  des  gegenständlichen,  des
       wertmäßigen Reichtums  der Gesellschaft  gerichtet  ist,  sondern
       auch die  Arbeit, die  auf die  Entwicklung  und  Vermehrung  des
       grundlegenden Kapitals  der  Gesellschaft,  ihres  entscheidenden
       Reichtums, der  Menschen gerichtet  ist, also die Arbeit, die die
       Fähigkeiten des  Menschen zur schöpferischen Tätigkeit entwickelt
       und vervollkommnet"  53a). Sicherlich  ist diese These von Wolkow
       völlig zu  recht auf  die qualitativen  Veränderungen des gesell-
       schaftlichen Gesamtarbeiters  im Sozialismus  bezogen worden. Der
       historischen Tendenz  nach gilt sie auch für den Übergang vom Ka-
       pitalismus zum  Sozialismus; berücksichtigt  man etwa,  daß schon
       heute die  'Thesen des  DGB' zur Hochschulreform nicht nur Postu-
       late und  ungedeckte Schecks auf die Zukunft sind, sondern parti-
       ell in  staatlichen Institutionen  der BRD  oder  in  DGB-eigenen
       Schulungsinstitutionen verwirklicht  werden können, dann gilt sie
       bereits für  die Phase im Kampf um eine fortgeschrittene, antimo-
       nopolistische Demokratie.  Man muß dabei sehen, daß im Kapitalis-
       mus die  auf Profit  gerichtete Warenproduktion nicht ausschließ-
       lich zur  Stabilisierung des  Systems dient, sondern z.B. Gewerk-
       schaften, auch  durch  den  Einsatz  wissenschaftlich-technischer
       Mittel, Profite  erwirtschaften, die systemdysfunktionalen Zielen
       zugute kommen (können).
       Deshalb ist  die Kritik  V.G. Macharovs an Position Nr. 1 berech-
       tigt: "Die  Gleichsetzung der Umwandlung der Wissenschaft in eine
       unmittelbare Produktivkraft mit der Realisierung ihrer Entdeckun-
       gen in  materiellen Faktoren  der Produktion ist ihrem Wesen nach
       gleichbedeutend mit  der alten  Vorstellung, die  die  Produktiv-
       kräfte auf die materiellen Faktoren der Produktion reduziert. Die
       gesellschaftliche Produktion  stellt eine  Einheit von objektiven
       und subjektiven,  von materiellen und geistigen Faktoren der Pro-
       duktion dar  ... Wissenschaft  - das ist die Erscheinungsform des
       'kollektiven Verstandes'  der Menschen. Es ist nicht richtig, sie
       zu einem  selbständigen Element der Produktivkräfte zu machen ...
       Wenn wir  von der Wissenschaft als von einer Produktivkraft spre-
       chen, dann  trennen wir  sie nicht  vom Menschen,  dem Träger der
       wissenschaftlichen Kenntnisse  ... Die  Wissenschaft tritt sowohl
       als unmittelbare  Produktivkraft als  auch als  Form des  gesell-
       schaftlichen Bewußtseins  als eine  relativ selbständige  gesell-
       schaftliche Erscheinung auf" 54).
       Ausgehend von den Fakten, daß a) die Wissenschaft nicht 'an-sich'
       zur Produktivkraft  wird, sondern  nur im  Prozeß der produktiven
       gesellschaftlichen Gesamtarbeit;  daß b) die "Produktivkraft Wis-
       senschaft als  System wissenschaftlicher  Arbeitsprozesse  selbst
       aus einem  Komplex von  Faktoren besteht, deren Zusammenwirken in
       gesellschaftlichen Arbeitsprozessen  mit den  Faktoren im  Anwen-
       dungsbereich der materiellen Produktion erst die produktionswirk-
       samen Effekte... hervorrufen"; und daß c) sich die Beziehung zwi-
       schen Wissenschaft und Produktion in Produktionsverhältnissen re-
       alisiert, kommt H. Seickert zu einer für die Wissenschaftstheorie
       im Kapitalismus  folgenreichen Unterscheidung  zwischen    m i t-
       t e l b a r e r   u n d   u n m i t t e l b a r e r  P r o d u k-
       t i v k r a f t,     zwischen     p r o d u k t i v e r     u n d
       n i c h t - p r o d u k t i v e r    A r b e i t   d e s   W i s-
       s e n s c h a f t l e r s   und zu  einer umfassenden    D e f i-
       n i t i o n   d e r   P r o d u k t i v k r a f t    W i s s e n-
       s c h a f t.   Als unmittelbare  Produktivkraft kann Wissenschaft
       angesprochen  werden,  soweit  der  produktive  wissenschaftliche
       Arbeitsprozeß direkt  mit  der  materiellen  Produktion  und  der
       produktiven gesellschaftlichen  Gesamtarbeit verbunden  ist.  Als
       mittelbare  Produktivkraft   wirkt  die   Wissenschaft  in  ihrer
       indirekten Beeinflussung  des Arbeitsprozesses "zum Beispiel über
       die Bildung  und wissenschaftliche Qualifizierung des subjektiven
       Faktors der  materiellen Produktion" 55). 'Produktive Arbeit' und
       'nicht-produktive Arbeit'  stellen   b e i d e    Formen  gesell-
       schaftlich   n ü t z l i c h e r   Arbeit  dar.  'Produktiv'  ist
       wissenschaftliche Tätigkeit  mittelbar bzw.  unmittelbar  in  der
       Produktionsvorbereitung, Planung,  Leitung und Organisation, For-
       schung, Entwicklung,  Projektierung und Konstruktion bzw. im wis-
       senschaftlichen Arbeitsprozeß  in  der  unmittelbaren  Fertigung.
       'Nicht-produktiv' ist  wissenschaftliche Tätigkeit  in der nicht-
       produktiven Sphäre,  etwa Kultur,  Sport, Gesundheitswesen,  oder
       (im materiellen Bereich) in der Verwaltung 56). Seickerts Defini-
       tion lautet:
       
       "Die Produktivkraft  Wissenschaft ist  eingebettet in  den Prozeß
       der produktiven  gesellschaftlichen Gesamtarbeit.  Sie umfaßt die
       Gesamtheit der  wissenschaftlichen Erkenntnisse und alle objektiv
       notwendigen Faktoren  des produktiven wissenschaftlichen Arbeits-
       prozesses (Arbeitskräfte und Produktionsmittel), soweit sie unter
       konkreten natürlichen  und gesellschaftlichen Bedingungen im Pro-
       zeß der  produktiven gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch Gewin-
       nung, Reproduktion, Vermittlung und Anwendung von Wissen über die
       lebendige produktive Arbeit und die Faktoren der materiellen Pro-
       duktion zum  Wachstum und  zur Stabilisierung der Produktion, zur
       Steigerung der  Arbeitsproduktivität und  damit zur  Erhöhung des
       Wirkungsgrades der produktiven, konkret nützlichen Arbeit beitra-
       gen" 57).
       
       Es wird  deutlich, daß nach dieser Definition nicht jegliche wis-
       senschaftliche Arbeit  im Kapitalismus  in Form  einer Produktiv-
       kraft  wirkt.   Deutlich  aber   auch,  daß   der   Begriff   der
       'mittelbaren' Produktivkraft für die Wissenschaftstheorie frucht-
       bar ist, die nicht nur blinder Reflex 'der' Wissenschaft in 'dem'
       Kapitalismus sein  will, parteilich  zur  Effektivierung  wissen-
       schaftlicher Arbeit  zugunsten der  Verbesserung des  materiellen
       Lebensstandards der Masse der Werktätigen und zugunsten der ideo-
       logischen Qualifikation  der Arbeiter  beitragen will und deshalb
       auch die  nicht in der materiellen Produktion unmittelbar anwend-
       baren wissenschaftlichen  Tätigkeiten (z.B. des Gesellschaftswis-
       senschaftlers) als produktive Kraft der Arbeiterklasse zu berück-
       sichtigen hat.  Aus der  Sicht des Kampfes der Arbeiterklasse ist
       die mittelbare  Wirkung  der  Produktivkraft  Wissenschaft  unter
       staatsmonopolistischen Bedingungen heute ein wesentlicher produk-
       tiver Faktor  der Wissenschaft  in der bürgerlichen Gesellschaft.
       D e s h a l b   ist es  falsch, Wissenschaft  im Kapitalismus mit
       ihrer unmittelbaren  Wirkung in  der materiellen  Produktion, mit
       ihrer Wirkung in der Reproduktion des monopolistischen Systems zu
       i d e n t i f i z i e r e n.
       Innerhalb des  Kapitalverhältnisses entwickelt also nicht nur die
       Wissenschaft in ihrer unmittelbaren Produktivkraftfunktion Fakto-
       ren der Negation, der Auflösung des Kapitals, sondern auch in ih-
       rer mittelbaren  Funktion. Nimmt  man die  Arbeiterklasse  einmal
       (theoretisch) isoliert,  dann überwiegt gegenwärtig diese mittel-
       bare Wirkung  der Wissenschaft - des wissenschaftlichen Sozialis-
       mus und  einzelwissenschaftlicher Disziplinen -, deren Ergebnisse
       noch nicht  praktisch-materiell im  e i g e n e n  Verwertungsin-
       teresse eingesetzt  werden können.  Darüber hinaus bietet es sich
       an, zwischen    r e e l l e n    u n d    p o t e n t i e l l e n
       F a k t o r e n     d e r      P r o d u k t i v k r a f t e n t-
       w i c k l u n g   zu unterscheiden.  In der  Wissenschaftspolitik
       der Organisationen  der Arbeiterklasse  und ihrer  Alliierten muß
       deutlicher als  bisher die Bedeutung potentieller Produktivkräfte
       berücksichtigt werden.  Die Zumutung  unmittelbarer Umsetzung  in
       die Praxis  und die  Erwartung unmittelbar einsetzender Wirkungen
       und  Erfolge   sind  kurzsichtig  und  führen  häufig  genug  zum
       Aktionismus.
       
       3.3. Wissenschaftlich-technische Revolution im Kapitalismus
       -----------------------------------------------------------
       
       Für das  Verständnis der  fortschrittlichen Funktion  der Wissen-
       schaft im  Kapitalismus gibt  es eine  wesentliche Voraussetzung:
       das richtige Verständnis der wissenschaftlich-technischen Revolu-
       tion. Der  Kern des Problems liegt darin, diesen Prozeß nicht von
       einer isoliert aufgefaßten Entwicklung von Wissenschaft und Tech-
       nik her  zu bestimmen,  sondern ihn  unter dem Aspekt der prinzi-
       piellen Gesellschaftlichkeit von Wissenschaft und Technik und de-
       ren sozialhistorischer  und  sozialökonomischer  Bedingtheit  und
       Wirkungsweise zu begreifen. Die WTR vollzieht sich - entsprechend
       den Phasenverschiebungen  der Industrialisierung - heute in allen
       technologisch hochentwickelten  Ländern, -  a b e r  mit erhebli-
       chen sozialökonomischen  Unterschieden. Einheitliches Kennzeichen
       der WTR  in den  beiden Systemen  ist die "Herausbildung des ein-
       heitlichen Komplexes  Wissenschaft-Technik-Produktion" 57a),  ist
       die Verringerung  der Aufwendung  an lebendiger Arbeitskraft, die
       Ersetzung von Naturbedingungen der Produktion durch wissenschaft-
       lich-technisch erzeugte  Produktionsmittel, die Ersetzung geisti-
       ger Arbeit  durch Automaten - und zwar mit der Tendenz, durch Ky-
       bernetisierung die  menschliche Programmierungstätigkeit  maschi-
       nell abzulösen und die Anpassung der Automaten an ein verändertes
       Funktionieren der  Produktionsanlagen durch  Selbstregulierung zu
       ermöglichen 58). Wichtig ist: "die gegenwärtige wissenschaftlich-
       technische Revolution ist... weder ein Prozeß, der sich allein im
       Bereich der  Wissenschaft abspielt,  noch ist  sie auf technische
       Umwälzungen im  Gefolge wissenschaftlicher Entdeckungen reduzier-
       bar. Sie  ist ihrem  Wesen nach  ein zutiefst  gesellschaftlicher
       Prozeß; sie  ist, obgleich  nicht identisch  mit ihm, so doch ein
       untrennbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Fortschritts. Sie
       steht in  engstem Zusammenhang  mit Fortschritten in der Entwick-
       lung sowohl  der Produktivkräfte wie auch der Produktionsverhält-
       nisse der Gesellschaft. Sie widerspiegelt einerseits den Grad der
       Beherrschung der  Naturgesetze durch den Menschen und hängt ande-
       rerseits wesentlich vom Grad der Beherrschung der gesellschaftli-
       chen - insbesondere der ökonomischen - Gesetze der jeweiligen Ge-
       sellschaftsordnung ab" 59). Die wissenschaftstheoretische Berück-
       sichtigung des  jeweiligen formationsspezifischen  Charakters der
       WTR bei der Konzeption des Wissenschaftsbegriffs ist unabdingbar.
       Erst wenn  diese Konkretion erreicht ist, ist es möglich, die WTR
       allgemein nach  ihren Wesensmerkmalen  im Unterschied zu der wis-
       senschaftlichen Revolution  des 15.  Jh. und zu der industriellen
       Revolution am Ausgang des 18. Jh. zu bestimmen. Während die erste
       eine Revolution   i n    d e r    W i s s e n s c h a f t    ohne
       gleichzeitige Revolutionierung  von Technik  und Produktion  war,
       während die  zweite eine  Revolution   d u r c h   d i e   W i s-
       s e n s c h a f t   ohne gleichzeitige revolutionäre Umwälzung im
       Wissenssystem darstellte,  ist die  heutige WTR  eine Einheit von
       wissenschaftlicher, technischer  und auf die Produktion bezogener
       Veränderung:   "die    gegenwärtige   wissenschaftlich-technische
       Revolution ist  ein Prozeß, in dem revolutionäre Veränderungen in
       Wissenschaft, Technik  und Produktion gleichzeitig, Hand in Hand,
       in enger  Wechselwirkung vor  sich gehen: sie ist eine Revolution
       i n   d e r   Wissenschaft, eine technische Revolution  d u r c h
       die Wissenschaft  und wächst  in den  sozialistischen Ländern  in
       eine Revolution  des Produktionsprozesses  hinüber"  60).  Dieser
       qualitative Sprung in der Produktivkraftentwicklung  k a n n  bei
       Vorliegen  nichtantagonistischer   Produktions-  und  Aneignungs-
       bedingungen  schließlich   eine  revolutionäre  Veränderung  "des
       persönlichen und  wichtigsten Faktors  der Produktivkräfte  - des
       Menschen selbst,  seiner Rolle  und seines  Platzes  in  der  ge-
       sellschaftlichen Produktion"  auslösen. Die  Voraussetzung dafür,
       daß die  wissenschaftlich-technische Revolution eine Qualität als
       s o z i a l e   Revolution erreicht, ist unumgänglich: die kombi-
       nierte politische  und soziale  Umwälzung  des  Kapitalismus  muß
       diese Bedingung  erst schaffen.  Insofern muß der Geltungsbereich
       der Kategorien 'wissenschaftlich-technischer Fortschritt', im So-
       zialismus Oberbegriff,  und 'wissenschaftlich-technische  Revolu-
       tion', im Sozialismus unter diesem Oberbegriff gefaßt, im Kapita-
       lismus heute  noch anders  gedacht werden:  der wissenschaftlich-
       technische Fortschritt  ist mangels  einer revolutionären politi-
       schen und  sozialen Einbindung  noch zu  unterentwickelt, um eine
       völlige Wirkung der WTR zu erlauben. Mit dem französischen Marxi-
       sten J.  Metzger kann  man sagen:  die WTR macht "nicht nur nicht
       die gesellschaftliche  und politische Revolution überflüssig, wie
       eine verbreitete  Literatur behauptet,  sondern  verstärkt  deren
       Notwendigkeit. Und  das für sich selbst, für ihre eigene Entwick-
       lung. Aber  auch für  ihre Verwendung im Dienste der gesamten Ge-
       sellschaft" 61).
       Eben dieses  Junktim von WTR und sozialer und politischer Revolu-
       tion zu  bestreiten, ist  Aufgabe der  von  Metzger  angesprochen
       Ideologien; in  ihnen setzt  sich durch,  daß die WTR gerade auch
       den gesamten  Bereich der Ideologie durchdringt und im Kapitalis-
       mus dazu  führt, die  systemimmanenten Bremswirkungen  durch  die
       Produktionsverhältnisse und  den  politisch-institutionellen  und
       rechtlichen Sektor  zu verschleiern. Industrielle Systemneutrali-
       tät wird  sowohl von  den kultur- und technikpessimistischen Kon-
       zeptionen propagiert  wie von  den technokratisch-hoffnungsvollen
       wie 'Postindustrielle  Gesellschaft', 'WTR-Gesellschaft' etc. Das
       Ideologem der  'zweiten industriellen  Revolution'  widerspiegelt
       wie kein  anderes, daß die WTR unter staatsmonopolistisch-kapita-
       listischen Bedingungen  in  der  Tat  vergleichbare  Auswirkungen
       zeigt: Monopolisierung  der sozialen  und ökonomischen  Errungen-
       schaften der WTR durch die Bourgeoisie, zumindest kurzfristig.
       Keine dieser  bürgerlich-ideologischen Gegenstrategien  kommt dem
       Charakter der  WTR auch nur nahe. Übersehen wird: daß diese - so-
       weit überhaupt prognostizierbar - die ganze Epoche umfassende Re-
       volution der  Produktivkräfte nicht  durch produktionstechnologi-
       sche Übergänge,  sondern durch  die Umwälzung der gesellschaftli-
       chen Produktivkräfte  untereinander definiert ist; daß mit dieser
       Umgewichtung sich die Rolle der gesellschaftlichen Arbeit und der
       Arbeiterklasse verändert; daß die Dynamik der Produktivkräfte den
       Kapitalismus historisch  überholt; daß die notwendige rationalere
       Leitung und Organisation der Gesellschaft den Sozialismus und die
       Demokratie voraussetzt:  "Zwischen  der  wissenschaftlich-techni-
       schen Revolution  und der Entwicklung des Sozialismus besteht ein
       analoger, gesetzmäßiger  und innerer  Zusammenhang, wie er im 18.
       und 19.  Jahrhundert zwischen  den durch die industrielle Revolu-
       tion hervorgerufene  Umgestaltung der  feudalen  Produktionsweise
       und der Entwicklung des Kapitalismus bestanden hat" 62).
       Diese Analyse  der Entwicklungsgesetze unserer Epoche ist keines-
       wegs Ausdruck  eines blinden  geschichtsspekulativen  Optimismus,
       weil  sie   keinen  Selbstlauf   der   WTR   unterstellt,   keine
       'historischen Gesetze'  fetischisiert und eindeutig die Rolle des
       Subjekts der  Epoche, der  Arbeiterklasse, in  ihr Kalkül  einbe-
       zieht. Sie  ist realistisch, indem ihre Prämisse lautet: wir ste-
       hen am Anfang der Entwicklung. Dieser Realismus ist geboten, weil
       die Übertragung  menschlicher Arbeitsfunktionen  auf die Arbeits-
       mittel heute  noch sehr langsam vor sich geht; so beträgt der Au-
       tomatisierungsgrad der  Arbeit in  der Industrie  sozialistischer
       Länder erst  zwischen 8%  und 10%. Es hieße aber die Automatisie-
       rung als  Kriterium verabsolutieren, wollte man in der absehbaren
       weiteren Differenzierung der menschlichen Arbeitsfunktionen einen
       anderen Faktor übersehen: "die zunehmende Anreicherung der Arbeit
       mit geistig-schöpferischer Substanz, die Zurückdrängung nicht nur
       körperlich schwerer  Arbeit, sondern auch geistiger Routinetätig-
       keiten" 63). Im Unterschied zu rein quantitativen und kumulativen
       Theorien der  Wissenschaftsentwicklung muß  die marxistische Wis-
       senschaftstheorie die sozialen Faktoren der WTR vorrangig berück-
       sichtigen. Dies schließt ein, daß die WTR in ihrer Wechselwirkung
       mit der  Klassen-und Persönlichkeitsentwicklung  analysiert wird,
       nicht aber  als alleiniger  Faktor des  Fortschritts. Sonst  - so
       warnt J. Kuczynski nachdrücklich - würde man "die Wissenschaftler
       und Techniker  zum revolutionären  Träger der Bewegung in die Zu-
       kunft" ernennen 64).
       Wissenschaftlich-technische Revolution  im Kapitalismus? D. Klein
       hat die  wichtigste Schranke  für  deren  Wirkung  genannt:  "Die
       e r s t e   u n d   e n t s c h e i d e n d e  G r e n z e  d e s
       I m p e r i a l i s m u s...   besteht darin, daß die Kapitalver-
       wertung die    R e p r o d u k t i o n    d e r    A r b e i t s-
       k r a f t   a l s  W a r e  beinhaltet... Um die Arbeitskraft der
       Verwertung  des   Kapitals,  also   dem  Mehrwert  als  Ziel  des
       Kapitalismus unterzuordnen,  werden das  kapitalistische Eigentum
       und die  Macht des  Monopolkapitals verteidigt,  übt der imperia-
       listische Staat  seine Herrschaft  gegen die  Werktätigen aus und
       hält sie damit von einer entscheidenden Sphäre der Entfaltung der
       Persönlichkeit fern:  von der  praktischen  Gestaltung  gesamtge-
       sellschaftlicher Zusammenhänge durch die Ausübung der politischen
       Macht, ja  selbst von jeglicher realen Mitbestimmung in der Wirt-
       schaft" 65). Dies ist die  e i n e  Seite, deren andere nicht nur
       das Interesse  der Werktätigen an Veränderung, z.B. an Mitbestim-
       mung, ist, sondern der aktive Kampf, der Streik, die organisierte
       Gegenmacht. Nur  wer dies  übersieht, kann ins Extrem des Skepti-
       zismus verfallen.  In 'Kapital  und Arbeit in der Bundesrepublik'
       skizziert U. Jaeggi die eine Seite in düsteren Farben, die andere
       blendet er  aus. Die  Verwandlung der Wissenschaft in eine unmit-
       telbare Produktivkraft  in der  WTR bedeute: Proletarisierung der
       Arbeitsbedingungen der  technischen  Angestellten,  Einschränkung
       der Kommandobefugnisse  der wissenschaftlich-technischen  lohnab-
       hängigen Intelligenz, die ihre Arbeitskraft verkauft, Teilung und
       Hierarchisierung der Arbeitsbeziehungen, Fachidiotentum, Dequali-
       fikation der  Arbeit 66). Es fehlt in der Analyse: die Annäherung
       der wissenschaftlich-technischen  Intelligenz  an  die  Arbeiter-
       klasse, die  zunehmend  bewußte  Mitwirkung  eines  Teils  dieser
       Schicht in Organisationen der Arbeiterklasse ... Hier kommt es in
       der Tat  nicht darauf  an, was  dieser oder  jener Techniker oder
       Wissenschaftler seiner  Selbsteinschätzung nach  ist, sondern was
       zu tun  diese Schicht gezwungen ist. Deshalb scheint mir auch die
       Auffassung falsch,  "am Vorabend  des Sozialismus"  stellten "die
       entwickelte industrielle  und landwirtschaftliche Produktion, das
       Verkehrs-, Nachrichten-  und Bankwesen mit ihrer hohen Konzentra-
       tion und  Zentralisation und die Einführung der staatlichen Wirt-
       schaftsprogrammierung und -regulierung mit der entsprechenden or-
       ganisatorischen Struktur  lediglich die materiellen und organisa-
       torischen Voraussetzungen  des Sozialismus  dar". Auch hier fehlt
       die andere  Seite des Kräfteverhältnisses. Die These der sowjeti-
       schen Autoren: "Unter den Bedingungen des Kapitalismus kann keine
       materiell-technische Basis des Sozialismus geschaffen werden. Sie
       entsteht erst im Verlauf der sozialistischen Revolution" leugnet,
       daß der Kapitalismus nicht vom 'Vorabend' über Nacht den 'Sprung'
       in den  Sozialismus springt,  sondern -  nach G.  Dimitroffs Ein-
       schätzung auf  dem 7. Weltkongreß der Kommunistischen Internatio-
       nale -   Ü b e r g ä n g e   möglich sind, deren Bedingungen noch
       i m  Kapitalismus zu erarbeiten sind 67).
       
       3.4. 'Bürgerliche' und 'sozialistische' Wissenschaft
       ----------------------------------------------------
       im Kapitalismus
       ---------------
       
       Wissenschaft und  Technik tragen  heute mehr denn je zur Verände-
       rung des  staatsmonopolistischen Kapitalismus bei; ungeachtet der
       sozialen Wirkungen  ihrer Ergebnisse  bleibt das System nicht auf
       dem Status  quo. Es ändert sich gleichzeitig in Richtung der wei-
       teren Monopolisierung   u n d   deren revolutionärer Abschaffung.
       Insofern ist es sinnvoll, von 'der Wissenschaft' zu sprechen, so-
       bald man  mit diesem  allgemeinen Begriff  nicht die soziale Ver-
       schiedenheit widersprüchlicher Faktoren im gesellschaftlichen Sy-
       stem  'Wissenschaft'  ausklammert.  Der  Widerspruch  im  Wissen-
       schaftssystem - von einem  S y s t e m  kann hier wegen der wech-
       selseitigen Einwirkungsweise  die Rede  sein - bildet den sozial-
       ökonomischen Widerspruch  ab. Zur  Bezeichnung der  beiden Seiten
       dienen oft  die Begriffe 'bürgerliche Wissenschaft' und 'soziali-
       stische   Wissenschaft'.    Einheitliches   Subjekt   dieser   so
       charakterisierten Tätigkeiten  ist im  Kapitalismus die    b ü r-
       g e r l i c h e   G e s e l l s c h a f t  in ihrem Antagonismus.
       Einheitlichkeit des  gesellschaftlichen 'Subjekts'  schließt ein,
       daß der  Grundwiderspruch sowohl  das Verhältnis  von  o b j e k-
       t i v e m   und   s u b j e k t i v e m  F a k t o r  der Gesell-
       schaft zueinander  prägt wie auch innere Widersprüche  i n n e r-
        h a l b  dieser Faktoren. Die Begriffe 'bürgerliche' und 'sozia-
       listische' Wissenschaft  bilden  diese  Widersprüchlichkeit  m.E.
       nicht adäquat  ab. Denn  'bürgerliche' Wissenschaft  bezeichnet -
       sieht man  von der  häufig nur  denunziatorischen  Bedeutung  des
       Begriffs  ab   -  in  erster  Linie  die    ö k o n o m i s c h e
       F u n k t i o n  wissenschaftlicher Tätigkeit im Reproduktionsin-
       teresse der Bourgeoisie als Klasse; 'sozialistische' Wissenschaft
       kann demgegenüber  nur auf einer anderen begrifflichen Ebene ver-
       wendet werden,  weil sie unter dem Zwang der dominant monopolbür-
       gerlichen  Ökonomie   im  Kapitalismus   in  erster   Linie  eine
       i d e o l o g i s c h e   Wirkung entfaltet. 'Wissenschaft in der
       bürgerlichen Gesellschaft'  ist mit  'Bürgerlicher  Wissenschaft'
       nicht identisch,  sondern gehorcht der objektiven Logik der Klas-
       senbeziehungen und  läßt es  zu, die Verschiebungen zwischen bür-
       gerlicher und  anti-kapitalistischer Wissenschaft auf dem Weg zur
       theoretischen Realisierung der Interessen der Arbeiterklasse ohne
       grobschlächtige Etikettierungen  kenntlich zu machen. Die darüber
       hinausgehende  Anerkennung   eines  widerspruchsfreien   Begriffs
       'Wissenschaft' ist  kaum sinnvoll.  Die im Marxismus noch vertre-
       tene These,  es gebe "keine bürgerliche und proletarische Wissen-
       schaft an  sich.  Aber  es  gibt  Auffassungen  von  der  Wissen-
       schaft..., die  sich unterscheiden  und entgegengesetzt sind" 68)
       reduziert das  Problem auf  eine wissenschaftstheoretische  Frage
       und tendiert zur Trennung von Wissenschaft und Ideologie.
       Friedrich Tomberg hat einen Vorschlag zur Terminologie unterbrei-
       tet, der  den besonderen  Charakter des  Widerspruchs im  Wissen-
       schaftssystem sehr  genau trifft:  "Der wahre Kontrahent der bür-
       gerlichen Wissenschaft  ist in  der gegenwärtigen Auseinanderset-
       zung ...  nicht bloß eine Wissenschaft, die sich im Interesse des
       Sozialismus bestimmen  läßt und  insofern sozialistische  Wissen-
       schaft heißen  könnte, sondern  grundlegend  eine  sozialistische
       Praxis, die sich bewußt als empirische Verifikation wissenschaft-
       licher Theorie  vollzieht  und  daher    w i s s e n s c h a f t-
       l i c h e r   S o z i a l i s m u s   ... heißen  darf" 69). Dies
       ist keine  Frage  der  Nomenklatur,  sondern  der  Erfassung  der
       unterschiedlichen   Q u a l i t ä t e n    zweier  Gestalten  des
       gesellschaftlichen  Bewußtseins  und  der  Praxis.  "Um  aus  dem
       Sozialismus eine  Wissenschaft zu  machen", -  so  Engels  70)  -
       "mußte  er   erst  auf   einen  realen  Boden  gestellt  werden".
       'Wissenschaftlicher Sozialismus' bezeichnet die Einheit von revo-
       lutionärer Theorie  und revolutionärer  Klasse und  das Ende  der
       Utopie. Von  Lassalle - "Zwei Dinge allein sind groß geblieben in
       dem allgemeinen Verfall...: die  W i s s e n s c h a f t  und das
       V o l k,   die   W i s s e n s c h a f t   und  die    A r b e i-
       t e r!"   71) -  bis Dietzgen  -  "Der  moderne  Sozialismus  ist
       w i s s e n s c h a f t l i c h"   72) - einte die Fraktionen der
       Arbeiterbewegung  die  Erkenntnis,  daß  erst  die  Wissenschaft-
       lichkeit der Geschichtsauffassung der materialistischen Dialektik
       die Praxis  der Arbeiterklasse anzuleiten legitimiere. Engels zog
       das Fazit:  "Der zur  Aktion berufnen, heute unterdrückten Klasse
       die Bedingungen  und die Natur ihrer eignen Aktion zum Bewußtsein
       zu bringen,  ist die Aufgabe des theoretischen Ausdrucks der pro-
       letarischen Bewegung,  des wissenschaftlichen  Sozialismus"  73).
       Die hierin enthaltenen Folgerungen für die Verbindung von Wissen-
       schaft und  Klassenkampf und  zum Verhältnis von Spontaneität und
       Klassenbewußtsein sind  es, die  den qualitativen Unterschied zur
       bürgerlichen Wissenschaft  ausmachen. Es  wäre verfehlt, die bür-
       gerliche Wissenschaft  nicht als Widerspiegelung und als sozialen
       Klassenprozeß anzusehen  und sie auf die Produktion von 'falschem
       Bewußtsein' zu reduzieren.
       Charakteristisch für die bürgerliche Wissenschaft in ihren unter-
       scheidbaren Formen  ist, daß sie unfähig ist, ihre wissenschafts-
       theoretische und  allgemein ideologische  Selbstreflexion mit den
       Fakten, mit  ihrer kognitiven und sozialökonomischen Funktion zur
       Deckung zu  bringen. Dies  trifft für das mit seiner Anti-Autono-
       mie-These realistische Finalisierungskonzept der Wissenschaft zu,
       welches objektive  Wahrheitskriterien  wissenschaftlicher  Wider-
       spiegelung   leugnet    und   konsensualistisch   nur   von   der
       "Berechtigung, gewisse  Aussagen für  wahr zu  h a l t e n"  74),
       spricht. Dies  gilt für wissenschaftsinternalistische Positionen,
       die aus der Dynamik des Forschungsprozesses externe gesellschaft-
       liche Beweggründe  ausschalten 75). Dies gilt für alle neopositi-
       vistischen, vor  allem  kritisch-rationalistischen  Konzeptionen,
       welche den  Gesellschaftswissenschaften die  Erkenntnis von  Ent-
       wicklungsgesetzen absprechen,  ihre Exaktheit  leugnen und stück-
       werktechnologische politische  Konsequenzen ziehen  (Popper,  Al-
       bert) bzw. die Wissenschaftsmethodologie im Gegensatz zur Wissen-
       schaftssoziologie "zur beherrschenden Disziplin der modernen Wis-
       senschaftstheorie" erklären 76). Irrational reagieren H. Marcuses
       kulturrevolutionäre Technik-  und Wissenschaftskritik 77) und der
       staatsmonopolistische Pragmatismus H. Schmidts, für den "Prognose
       nicht nur  eine Kunst, sondern auch eine Glückssache" der Wissen-
       schaftspolitik ist  78). Ob Feyerabend das "Märchen Wissenschaft"
       ironisiert 79) oder H. Kimmerle die "Wissenschaftskrise als Voll-
       endung des universellen Krisenzusammenhanges" unhistorisch, gene-
       ralisierend überhöht  80), - es handelt sich um Symptome des Pro-
       zesses, in  dem die  bürgerliche Wissenschaft  abstrakt wird,  um
       ihre Klassenfunktion bewußtlos erfüllen zu können.
       Aber es  geht nicht  nur darum,  daß die bürgerliche Wissenschaft
       nicht weiß, was sie tut. Sie ist, dies betrifft vor allem die Ge-
       sellschaftswissenschaften, in  ihrer Funktionsfähigkeit  als Pro-
       duktivkraft eingeschränkt,  weil sie  ein für die kognitive Funk-
       tion wissenschaftlicher  Tätigkeit wesentliches Element ihres Be-
       gründungszusammenhangs weitgehend  verloren hat:  die bürgerliche
       Wissenschaft erfüllt  zwar ihre  Funktion, allgemeine  Arbeit  zu
       sein, trotz des Verlusts ihres Bewußtseins von der Geschichtlich-
       keit und Kumulativität des Wissens objektiv teilweise noch immer;
       als  i d e o l o g i s c h e s  Gesamtsystem speist sie sich aber
       immer mehr aus dem Vertilgen ihrer historischen Spuren, aus ihrem
       unhistorischen Charakter.  Geht man davon aus, daß die Allgemein-
       heit dieser Tätigkeit in der  b e w u ß t e n  Verfügung über ge-
       sellschaftliches akkumuliertes Wissen besteht, dann kann man All-
       gemeine Arbeit' erweitert so bestimmen: allgemeine Arbeit ist die
       Einheit von gewußter geschichtlicher Erfahrung und Prognosefähig-
       keit des Bewußtseins, die in der wissenschaftlichen Tätigkeit ak-
       tualisiert wird  und materiell-praktische Wirkungen auslöst. All-
       gemeine Arbeit ist der Einsatz sowohl gattungsmäßiger, biologisch
       gespeicherter Erfahrung wie sozial-historischer Klassenerfahrung.
       Sie wird  gesellschaftlich realisiert in Kooperationszusammenhän-
       gen, in  denen die  Individuen ihr Leben organisiert haben und in
       denen die  gesellschaftlichen Charaktere der Persönlichkeiten ne-
       ben anderen  besonderen Faktoren  die Spezifik der Arbeit maßgeb-
       lich prägen.  Eine historische  Identität kennt  die  bürgerliche
       Wissenschaft nicht;  wo sie  ihre Genesis  thematisiert, wird Ge-
       schichte historistisch relativiert oder als Vergangenheit zur Fo-
       lie permanenten 'Fortschritts' genommen.
       Im Gegensatz  zu dieser amputierten Allgemeinheit wissenschaftli-
       cher Erkenntnis und Tätigkeit stellt der wissenschaftliche Sozia-
       lismus  d i e  Form historischen Bewußtseins dar. Als Materialis-
       mus begreift  er sich  als Fazit  aus der Geschichte der Klassen-
       kämpfe, der  Produktivkräfte und  der ökonomischen Gesellschafts-
       formation insgesamt.  Als Dialektik  verfügt er  über Gesetzeser-
       kenntnis, die  aus der Entwicklung gewonnen wird und die Entwick-
       lung bewußt beherrschbar macht. Die Verfügung des wissenschaftli-
       chen Sozialismus  über die  Entwicklungsgesetze der  Gesellschaft
       wird auch  dort nicht  liqudiert, wo  er -  wie im Kapitalismus -
       Wissenschaft ohne die Macht ist, die materielle Produktion unmit-
       telbar zu beeinflussen.
       
       4. Wissenschaftstheoretische Schlußfolgerungen
       ----------------------------------------------
       
       Aus der  Existenzweise der Wissenschaft im Kapitalismus zieht die
       materialistische Wissenschaftstheorie  einige  Schlußfolgerungen,
       welche die  Struktur des  Wissenschaftsbegriffs und  die Struktur
       und Funktion  der Wissenschaftstheorie  prägen. Dies betrifft die
       B e s o n d e r h e i t  des Wissenschaftsbegriffs als Widerspie-
       gelung der Spezifik wissenschaftlicher Tätigkeit im Kapitalismus;
       dies betrifft  auch die  theoretische Struktur der Wissenschafts-
       theorie und  die Rolle  philosophischer und einzelwissenschaftli-
       cher Erkenntnisse bei der Bildung der Wissenschaftstheorie zu ei-
       ner integrierten  Disziplin. Die  Definition des allgemeinen Wis-
       senschaftsbegriffs wie  auch die  Bestimmung  des  Gegenstandsbe-
       reichs der  Wissenschaftstheorie, wie sie G. Kröber und H. Laitko
       formuliert haben, berücksichtigen die Formationsspezifik der Wis-
       senschaft und sind die Grundlage meiner - hier nur kurz erläuter-
       ten -  Thesen. Wissenschaft  ist auch im Kapitalismus "ein im Ge-
       samtzusammenhang der jeweiligen Gesellschaftsformation bestimmtes
       System gesellschaftlicher  Tätigkeiten, die  auf  die  Gewinnung,
       Vermittlung, Reproduktion und Anwendung von Erkenntnissen gerich-
       tet sind" 81). Die erste Besonderheit der Wissenschaft im Kapita-
       lismus liegt  darin, daß das 'System gesellschaftlicher Tätigkei-
       ten' das  System der Widersprüche kapitalistischer Produktion und
       Reproduktion   ist,    unter   deren    Wirkung   die   Beziehung
       z w i s c h e n   den Elementen 'Gewinnung - Vermittlung - Repro-
       duktion - Anwendung von Erkenntnissen' qualitativ anders geregelt
       ist als im Sozialismus. Die Beziehung dieser Elemente der wissen-
       schaftlichen Tätigkeit ist sowohl innerhalb der bürgerlichen Wis-
       senschaft wie innerhalb des wissenschaftlichen Sozialismus unter-
       schiedlich reguliert,  wie sie auch qualitative Unterschiede beim
       Vergleich dieser  beiden antagonistischen  Systeme zeigt. Für den
       wissenschaftlichen Sozialismus erweitert sich der Bereich der Er-
       kenntnisgeiwnnung im  Vergleich zur  bürgerlichen Wissenschaft um
       zwei wesentliche Dimensionen, die seine Allgemeinheit charakteri-
       sieren: die  Genesis der  Wissenschaft der  Arbeiterklasse in der
       Geschichte der Arbeiterbewegung und die Realität des Sozialismus.
       Auf der  ändern Seite  sind die  Bedingungen der Reproduktion und
       Anwendung von  Erkenntnissen aufgrund ihrer Stellung im unmittel-
       baren Produktions-  und Reproduktionsprozeß  für die  bürgerliche
       Wissenschaft qualitativ  andersartig und werden durch den bürger-
       lichen Staat gesichert.
       Gegenstandsbereich der  Wissenschaftstheorie sind auch im Kapita-
       lismus die  "Gesetze des Zusammenhangs zwischen dem gesellschaft-
       lichen Bedarf an Erkenntnissen, den Erkenntnisinhalten und Struk-
       turen der  wissenschaftlichen Tätigkeiten, den sozialen und orga-
       nisatorischen Formen und Bedingungen dieser Tätigkeiten und ihren
       gesellschaftlichen Wirkungen  und Folgen"  82). Gegenstandsspezi-
       fisch ist  dabei der   Z u s a m m e n h a n g   der Elemente. Im
       Unterschied zur Wissenschaftstheorie im Sozialismus und deren em-
       pirischem Gegenstand  findet die  Wissenschaftstheorie im Kapita-
       lismus diesen  Zusammenhang in  einer  höchst  gestörten,  wider-
       sprüchlichen Form  vor. Der objektive gesellschaftliche Bedarf an
       Erkenntnissen und die Strukturen der wissenschaftlichen Tätigkei-
       ten sind nicht in Übereinstimmung, wobei die herrschenden kapita-
       listischen Organisationsformen  und Bedingungen  dieses Auseinan-
       derfallen garantieren. Erkenntnis und Praxis, Theorie und Praxis,
       Wissenschaft und materielle Produktion stehen im kapitalistischen
       und im  nicht-kapitalistischen Wissenschaftssektor  in einem  je-
       weils qualitativ  verschiedenen Verhältnis zueinander. Sowohl für
       die bürgerliche  Wissenschaft wie  für ihren  Widerpart läßt sich
       die These vom ausschließlich determinierenden Charakter der mate-
       riellen Produktion  nicht uneingeschränkt  aufrechterhalten. Zwar
       arbeitet die Mehrheit der Wissenschaftler in der BRD in der Indu-
       strie; sie  finden ihre  Erkenntnisbedingungen sogar  in vielfach
       reduzierter Form  in der  materiellen Produktion (Ausblendung der
       Produktionsinteressen etc.). Aber angesichts der rigiden Trennung
       von Forschung  und Produktion  gilt die  These selbst für sie nur
       'in letzter  Instanz'. Darüber hinaus findet gerade die naturwis-
       senschaftliche Forschung  in von der Produktion isolierten Insti-
       tutionen des  Staats und der Wirtschaft immer mehr ihren Ort. Und
       weiter: einer 'Ableitung' des kognitiven Aspekts der Wissenschaft
       aus deren  Produktionsfunktion widerspricht  der relative Selbst-
       lauf der  Wissenschaftsentwicklung, die  Entwicklung von Erkennt-
       nissen aus Erkenntnissen. Anders gesagt: bei der Konzipierung des
       Wissenschaftsbegriffs muß  der kognitive Aspekt gegenüber dem Tä-
       tigkeitsaspekt gewahrt  bleiben;   t r o t z   i h r e r   E n t-
       w i c k l u n g   z u r   u n m i t t e l b a r e n  P r o d u k-
       t i v k r a f t   v e r l i e r t  d i e  W i s s e n s c h a f t
       i h r e n   b e s o n d e r e n   C h a r a k t e r   a l s  E r-
       k e n n t n i s s y s t e m  n i c h t  u n d  w i r d  n i c h t
       i n  d i e  F o r m  m a t e r i e l l e r  A r b e i t  ü b e r-
       f ü h r t.   Neben den soziologischen und ökonomischen einzelwis-
       senschaftlichen Voraussetzungen  gehören die philosophischen, vor
       allem erkenntnistheoretischen,  und  wissenschaftsgeschichtlichen
       Theorien  und   Methoden,  Kategorien  und  Gesetzesaussagen  zum
       unverzichtbaren Minimum der Wissenschaftstheorie.
       
       4.1. Für ein Analogieverbot in der Wissenschaftstheorie
       -------------------------------------------------------
       
       In der  marxistischen Wissenschaftstheorie  spielt heute   d i e
       A n a l o g i e   eine wichtige Rolle. Analogien werden vor allem
       behauptet zur  Kennzeichnung des Verhältnisses von Erkenntnis und
       Arbeit und des Verhältnisses von ideeller und materieller Produk-
       tion. In  den wenigsten Fällen aber wird ausdrücklich geklärt, in
       welcher  Bedeutung   'Analogie'  verwendet  wird,  ob  als  'Ent-
       sprechung', 'Ähnlichkeit',  'Gleichwertigkeit' oder  im Grenzfall
       sogar als  'Identität' von  Strukturen  und  Funktionen.  An  der
       h e u r i s t i s c h e n  Rolle von Analogien ist nicht zu zwei-
       feln. Nicht strittig ist darüber hinaus, daß die materialistische
       Dialektik Analogien  zur Beschreibung des Verhältnisses von Mate-
       rie und  Bewußtsein erfolgreich eingesetzt hat, um sowohl die me-
       chanisch-materialistische  Widerspiegelungsvorstellung  wie  auch
       die idealistische,  identitätsphilosophische Auffassung  der  Er-
       kenntnis zu  kritisieren. In  Aussagen zur materiellen Gewalt der
       Ideen wird  die Bedeutung der Analogie besonders sinnfällig. Auch
       in der  erkenntnistheoretischen Bestimmung der Erkenntnis als Wi-
       derspiegelung und  sozialer Prozeß war die Analogie teilweise er-
       folgreich. Beschränkt man die Analogie von ideeller und materiel-
       ler Tätigkeit  auf die  allgemeine Aussage,  beide  seien  Formen
       zielgerichteter, zweckmäßiger  Praxis, kann  es kaum Einwände ge-
       ben.
       Mein Einwand,  mit der  Forderung nach  einem    A n a l o g i e-
       v e r b o t   bewußt überzogen,  richtet  sich  gegen  vereinsei-
       tigende,  die   qualitative  Differenz   zwischen  geistiger  und
       materieller Arbeit  auch im  Bereich  der  Erkenntnis-  und  Wis-
       senschaftstheorie leugnende  Analogie-Thesen. Häufig geht es die-
       sen Konzeptionen darum, durch Analogien zu begründen, daß Wissen-
       schaft und materielle Produktion gleicherweise  p r o d u k t i v
       sind. Es  wird auf  Marx' Aussage verwiesen, "um produktiv zu ar-
       beiten", sei  es nicht "mehr nötig, selbst Hand anzulegen; es ge-
       nügt, Organ des Gesamtarbeiters zu sein, irgendeine seiner Unter-
       funktionen zu  vollziehen" 83).  Die Analogie dient in diesem Zu-
       sammenhang als   a p r i o r i s c h e r   B e w e i s   und eben
       dies macht  sie überflüssig;  denn die Produktivkraftfunktion der
       Wissenschaft   i s t   eine empirische Tatsache und bedarf keiner
       theoretischen Konstruktionen,  um ihre Existenz zu rechtfertigen.
       Meine Kritik geht mit N. V. Markov davon aus: "Die Umwandlung der
       Wissenschaft in  eine unmittelbare Produktivkraft bedeutet nicht,
       daß die  Wissenschaft aufhört,  eine Form  des gesellschaftlichen
       Bewußtseins zu  sein und  daß sich das Wesen der Wissenschaft än-
       dert" 84).
       Die Grundtatsache  der    G e s e l l s c h a f t l i c h k e i t
       von Bewußtsein,  Erkenntnis und Praxis kann nicht die Legitimität
       wissenschaftstheoretischer Analogien begründen. Ideelle und mate-
       rielle Tätigkeit  und Arbeit  unterscheiden sich  qualitativ hin-
       sichtlich der  S p e z i f i k  ihrer Gesellschaftlichkeit. Theo-
       retisch ist  die zur Behauptung der Gleichwertigkeit oder Identi-
       tät dieser  beiden Elemente  der objektiven  Realität tendierende
       Analogie-Konzeption ständig in Gefahr, den Materialismus zu hege-
       lianisieren, d.  h. Logik  und Dialektik  zu  identifizieren.  Es
       kommt aber  darauf an,  die zunächst   i n  i h r e r  i d e e l-
       l e n   Q u a l i t ä t   bestehende neuartige  Wirkungsweise der
       'Wissenschaft als  Produktivkraft' als  Ausdruck einer geschicht-
       lichen Entwicklung zu begreifen, die mit der Steinaxt beginnt und
       durch die schrittweise Ersetzung körperlicher Arbeitsmittel durch
       geistige zu  einer qualitativ gewandelten, größeren Bedeutung der
       Ideen der Menschen führt. Qualitativ neu ist dabei nicht, daß nun
       die  Ideen  anfingen,  selbst  Geschichte  zu  machen.  Die  neue
       Qualität  gründet   vielmehr  darin,  daß  das  gesellschaftliche
       Bewußtsein  der   Menschen  die   objektive  Realität   in  einem
       asymptotischen Annäherungsprozeß  an die  Wahrheit (Lenin)  immer
       exakter  widerspiegelt.   Es  ist  die  genauere  Erkenntnis  der
       Entwicklungsgesetze und  der einzelnen Gesetze der Natur, der Ge-
       sellschaft  u n d  des Erkenntnisprozesses, welche die Mittel zur
       Beherrschung von  Natur   u n d   Gesellschaft  u n d  Erkenntnis
       revolutioniert. (In  diesem Zusammenhang wäre es von größter phi-
       losophiehistorischer Bedeutung,  den Idealismus  der  klassischen
       Philosophie neu  zu begreifen. Wenn z.B. Schelling davon spricht,
       daß  die   Naturphilosophie   die      "p h y s i k a l i s c h e
       E r k l ä r u n g   d e s   I d e a l i s m u s"   biete und  be-
       weise, "daß  er an  den Grenzen  der Natur  gerade so  ausbrechen
       m u ß,   wie wir ihn in der Person des Menschen ausbrechen sehen"
       85), dann  unterstellt dieser  'Real-Idealismus' spekulativ  eine
       Logifizierung des  historischen Subjekts, ist aber von der natur-
       wissenschaftlichen realen  Produktivkraftentwicklung  -  auf  die
       Schelling sich  beruft -  gar nicht so weit entfernt.) Die Analo-
       gie-Konzeption versucht, mit den Mitteln einer noch nicht auf den
       Wissenschaftsprozeß eingestellten  politischen Ökonomie  den  Er-
       kenntnisprozeß  wegen   dessen  zunehmend   materieller   Wirkung
       n a c h   d e m  M u s t e r  der materiellen Arbeit zu erklären.
       In dieser Funktion halte ich die Analogie-Konzeption für unhisto-
       risch und, entgegen dem Eindruck eines besonders konsequenten Ma-
       terialismus, für tendenziell idealistisch.
       In seinem  Ansatz einer  Systemanalyse der wissenschaftlichen Tä-
       tigkeit hat z.B. K.-D. Wüstneck den "Vergleich" als wichtigen Weg
       des Herangehens  zu begründen  versucht:  die  Systemanalyse  des
       m a t e r i e l l e n   Arbeitsprozesses sei  von großer  "metho-
       dologischer  Bedeutung   für  die  Wissenschaftstheorie".  Dieser
       Vergleich führt  zur Behauptung  der   N i c h t - Identität  von
       materieller, gebrauchswertschaffender  Arbeit und  ideeller,  er-
       kenntnisproduzierender Tätigkeit.  Interessanterweise wirkt  sich
       Wüstnecks "analoges Vorgehen"  t r o t z  des im Resultat festge-
       stellten "wesentlichen  Unterschieds von  materieller  Produktion
       und Forschungstätigkeit"  deshalb  für  die  Wissenschaftstheorie
       nachteilig aus, weil auch dieser Vergleich vom Modell des materi-
       ellen Arbeitsprozesses in seinen einfachen und allgemeinen Momen-
       ten   a u s g e h t,   gleichwohl aber die Analogie auf der Ebene
       der historisch-konkreten,  politisch-ökonomisch bestimmten Arbeit
       ansiedelt. Die  Folgelasten betreffen die Widerspiegelungstheorie
       als wichtiges  Element der  Wissenschaftstheorie: die konkret-hi-
       storische Form  der gebrauchswertschaffenden Arbeit wird zum Kri-
       terium der  Erkenntnistätigkeit, und  zwar mit  dem Ergebnis, dem
       Arbeitsgegenstand der  materiellen Arbeit eine andere, höhere Ob-
       jektivitäts-Qualität als  dem der Erkenntnistätigkeit zuzuschrei-
       ben. Um  einer  subjektivistischen  Konzeption  des  'Erkenntnis-
       objekts' (wie  im Neukantianismus, wie in der Praxis-Philosophie)
       zu entgehen,  wird freilich  die    Widerspiegelungs a k t i v i-
       t ä t   des Subjekts  sensualistisch an  das Realobjekt  überant-
       wortet. Wüstneck  zieht  aus  dem  nicht-gebrauchswertschaffenden
       Charakter der  Produktion von  Wissen  einen  Schluß,  der  nicht
       zureichend begründet ist: "So wenig es gerechtfertigt ist,  v o n
       v o r n h e r e i n   die Erkenntnistätigkeit als  A r b e i t s-
       p r o z e ß...   aufzufassen, so wenig ist es selbstverständlich,
       daß  das   Objekt  in   gleichem  Sinne  'Arbeitsgegenstand'  des
       Forschers ist,  wie im  analogen Fall  des  materiellen  Arbeits-
       prozesses. Die  Situation ist  hier anders:  Weil  das  Ziel  und
       Produkt der  Forschung (ganz  abgesehen vom Inhalt des Prozesses)
       nicht  das   gegebene  oder   ein   daraus   entstehendes   neues
       m a t e r i e l l e s  Objekt ist, sondern das Wissen als ideelle
       Widerspiegelung, deshalb  ist es  von vornherein naheliegend, als
       das eigentliche  Objekt der  'Bearbeitung', als  den im richtigen
       Sinne analogen  Arbeitsgegenstand  der  Erkenntnistätigkeit  aus-
       schließlich die  vom gegebenen  Objekt ausgehenden oder zu gewin-
       nenden   S i g n a l e  u n d  m i t  i h n e n  v e r b u n d e-
       n e n  I n f o r m a t i o n e n  anzusehen". Folgt aber tatsäch-
       lich aus  der Ablehnung  der mechanistischen  Vorstellung von der
       physischen Reproduktion  der Realität im Gehirn die Auflösung des
       Begriffs der  objektiven Realität  in 'Signal'  und 'Information'
       86)? Natürlich  ist in  vielen Fällen,  etwa  in  der  Literatur-
       wissenschaft, der  Arbeitsgegenstand  ein  ideelles  Objekt,  ist
       wissenschaftliche Tätigkeit  als 'allgemeine  Arbeit' Bearbeitung
       tradierten Wissens,  ist Wissenschaft  auch  Widerspiegelung  von
       Widerspiegelungen.  An  der  Materialität,  d.h.  der  objektiven
       Existenzweise der  Objekte ändert  dies aber nicht. Mein Eindruck
       ist, daß  die hier  sich andeutende sensualistische Umformung der
       materialistischen   Erkenntnistheorie   ihre   Ursache   in   der
       'Analogie' hat:  in der Konzeption eines  m o n o k a u s a l e n
       Abhängigkeitsverhältnisses zwischen  Erkenntnis und Arbeit, wobei
       die politisch-ökonomische  Bestimmung des Arbeitsbegriffs den Ra-
       ster zur  Bestimmung wissenschaftlicher  Tätigkeit abgibt. Dieses
       Ergebnis   der   wissenschaftstheoretischen   Analogie-Konzeption
       scheint mir die Kehrseite jener anderen zu sein, die durch Analo-
       gisierung zur  These vom materiellen Charakter der Erkenntnis ge-
       langt. Gegen  die Analogie-Konzeptionen  dürfte der  Begriff  der
       'A l l g e m e i n e n  A r b e i t'  a l s  E i n h e i t  v o n
       W i d e r s p i e g e l u n g     u n d    S c h ö p f e r t u m,
       v o n   h i s t o r i s c h - l o g i s c h e r   u n d  s o z i-
       a l ö k o n o m i s c h e r    D e t e r m i n a t i o n    d e s
       W i s s e n s c h a f t s p r o z e s s e s   deshalb  konkurrie-
       rend antreten  und sich  durchsetzen, weil  er die  E i n h e i t
       von materieller  und geistiger  Produktion   u n d   die konkret-
       historische Besonderheit  beider Formen  der Praxis ausdrückt. P.
       Rubens  Argumente   zum  Thema   'Allgemeine   Arbeit   und   Wi-
       derspiegelung' haben  dies plausibel  nachgewiesen 87).  Die Ent-
       wicklung der  ideellen Tätigkeit der Menschen in Form der gesell-
       schaftlichen Praxis der Wissenschaft zwingt dazu, nicht zu analo-
       gisieren, sondern  die historischen  Etappen der  Umgewichtung im
       Verhältnis von  ideeller und  materieller Arbeit  und die  daraus
       folgende Spezifik  gesellschaftlicher Arbeitsformen  und Arbeits-
       mittel zu  analysieren. Charakteristisch  für die Vergesellschaf-
       tung der  Wissenschaft ist  es, daß sie die Wissenschaft - soweit
       unmittelbare Produktivkraft  i n  die materielle Produktion inte-
       griert und  daß gleichwohl   i n n e r h a l b  dieser Sphäre die
       wissenschaftliche Erkenntnistätigkeit   n e b e n  die materielle
       Arbeit tritt - und zwar auch da, wo die Trennung von körperlicher
       und geistiger Arbeit keine sozialen Klassenschranken und Erkennt-
       nisprivilegien mehr  bedingt und  die geistige  Qualifikation der
       Arbeit steigt. Die Materialisierung von Ideen der Wissenschaft in
       der Produktion geschieht nicht dadurch, daß der manuelle Arbeiter
       'im Kopf' ein höheres Bewußtsein seiner Tätigkeit entwickelt, an-
       sonsten aber weiterhin schwere körperliche Arbeit verrichtet; sie
       geschieht dadurch,  daß die  Beziehung von ideeller Tätigkeit und
       materiellen Arbeitsgegenständen  enger wird.  Die    M a t e r i-
       a l i s i e r u n g   von Ideen  ist und  bleibt Materialisierung
       von   I d e e n,  Erkenntnisse transformieren nicht  i n  Arbeit,
       sondern treten   a n   d i e   S t e l l e   von  Arbeit. Was die
       Analogie nicht  auszudrücken vermag,  ist, daß die Wissenschaft -
       so Marx  88) -  zur   F u n k t i o n  d e r  P r o d u k t i o n
       wird. Dies  drückt  sich  in  der  Einsparung  gesellschaftlicher
       Arbeit je  Einheit Produktion aus. Ein Beispiel: In der DDR wurde
       der Zuwachs  an Nationaleinkommen  von 108 Mrd. M. (1970) auf ca.
       150 Mrd. M. (1975) zu 95% durch die Steigerung der Arbeitsproduk-
       tivität erwirtschaftet.  Im  gleichen  Zeitraum    s a n k    die
       Verausgabung an  lebendiger  gesellschaftlicher  Arbeit  um  22%.
       Statt 59  (1970) produzieren  heute nur noch ca. 45 Werktätige in
       den produzierenden  Bereichen  der  Volkswirtschaft  1  Mill.  M.
       Nationaleinkommen. Dies ist Realität.
       Mein Versuch,  gegen die  Analogie-Konzeption  zu  argumentieren,
       könnte zu einer Schlußfolgerung führen, die ich nachdrücklich ab-
       lehne: zu  einer Ressorttrennung von Philosophie, die für den ko-
       gnitiven Aspekt  zuständig wäre, und Soziologie/Ökonomie, die für
       die  institutionellen,   organisatorischen,   finanziellen   etc.
       Aspekte der Wissenschaft verantwortlich zeichneten. Daß für Lenin
       "die Philosophie  und die  politische  Ökonomie  zu  einer    i n
       s i c h   g e s c h l o s s e n e n    materialistischen  Weltan-
       schauung verbunden  sind" 89),  hat seinen  Grund nicht  in einer
       klassifikatorischen, theoretischen  Entscheidung. Der Grund liegt
       darin, daß erstmalig die Arbeiterklasse als Erkenntnissubjekt und
       als Subjekt  der Praxis  eine Weltanschauung  hervorgebracht hat,
       die Wissenschaft  ist, auch  in ihrer philosophischen Form. Diese
       wissenschaftlich-weltanschauliche Einheit  drückt  sich  philoso-
       phisch in  der Einheit 'historischer/dialektischer Materialismus'
       aus und  in der Einheit der drei Bestandteile des wissenschaftli-
       chen Sozialismus.  Worauf es ankommt ist, aus dem Status der Wis-
       senschaft als  gesellschaftlichem Bewußtsein  heraus die Funktion
       der Philosophie  für die  Wissenschaftstheorie zu  begründen. Sie
       liegt nicht  darin, daß  die Philosophie  als  Lordsiegelbewahrer
       über die  Allgemeinsten Gesetze  der Dialektik der Natur, der Ge-
       sellschaft und  des Bewußtseins'  wacht, denn  diese Gesetze sind
       aus der Entwicklung abgeleitet und werden heute auch aus der Ver-
       gesellschaftung der Wissenschaft abgeleitet. Sie liegt darin, daß
       die Philosophie  durch die  Erkenntnistheorie wesentliche Aspekte
       der Wissenschaft  zu analysieren  fähig ist: die ideelle Form von
       Begriffen, Aussagen,  methodischen  Regeln,  Theorien,  Problemen
       k a n n   nur im  Rahmen der  Widerspiegelungstheorie  untersucht
       werden 90).  Insofern war  es kein Zufall und sollte es nicht als
       Kompetenzüberschreitung dementiert  werden, daß  bei der Entwick-
       lung der Wissenschaftstheorie in der DDR die Philosophie Pate ge-
       standen hat;  (dies auch  selbstkritisch zu meiner Kritik z.B. an
       A. Kosing in: 'Marxistische Wissenschaftstheorie').
       Die politische  Ökonomie verbindet sich nicht willkürlich im wis-
       senschaftstheoretischen Integrationsverband  mit der Philosophie:
       ohne die politische Ökonomie der Produktionsbeziehungen der Klas-
       sen wäre die für die Erkenntnistheorie entscheidende Formulierung
       von K.  Holzkamp, das ausgezeichnete Erkenntnissubjekt der Epoche
       sei der Lohnarbeiter in seiner Klasse 91), nur eine apologetische
       Behauptung. Die Philosophie hat also keine bevorzugte Stellung in
       der Begründung der Wissenschaftstheorie zu beanspruchen. Im Welt-
       anschauungssystem des wissenschaftlichen Sozialismus ist sie nach
       Fr. Engels eine "Weltanschauung, die sich nicht in seiner aparten
       Wissenschaftswissenschaft, sondern in den wirklichen Wissenschaf-
       ten zu  bewähren hat"  92). Die "philosophische Verallgemeinerung
       der Wissenschaft  ist ein  Mittel, die   S t e l l u n g    d e r
       W i s s e n s c h a f t   i m   S y s t e m   d e r  g e s e l l-
       s c h a f t l i c h e n   A n e i g n u n g s w e i s e n   d e r
       R e a l i t ä t   erforschen zu  können", schreibt  H. Laitko zum
       Thema 'Wissenschaftsforschung und Philosophie'. Er nennt zugleich
       aber auch  die Beschränkungen,  denen die Philosophie unterliegt,
       wenn sie  sich  nicht  für  die  Erkenntnisse  z.B.  der  Wissen-
       schaftstheorie  als   gesellschaftswissenschaftlicher   Disziplin
       öffnet: "damit  die philosophische  Untersuchung der Wissenschaft
       zu  Ergebnissen   mit  Erkenntniswert   gelangen  kann,  muß  die
       Philosophie ein   u n m i t t e l b a r e s   Verhältnis  zu  den
       Fakten besitzen und bewahren, die die Wissenschaft determinieren.
       Das in  der materialistischen  Dialektik gespeicherte Wissen über
       die Wirklichkeit  bereichert sich mit dem Fortschritt der wissen-
       schaftlichen Erkenntnis über die philosophische Verallgemeinerung
       ihrer Resultate  und Erfahrungen,  aber  diese  Vermittlung  ver-
       schwindet im  philosophischen Ergebnis,  und in  der  Bearbeitung
       philosophischer Aspekte  der Wissenschaften  stehen immer  wieder
       u n m i t t e l b a r e s   und  f a c h w i s s e n s c h a f t-
       l i c h   v e r m i t t e l t e s    Wissen  über  die  objektive
       Realität einander  gegenüber" 93).  Gespeichertes Wissen über die
       Wirklichkeit - der wissenschaftliche Sozialismus realisiert es in
       den Kategorien  der Dialektik.  Die  Dialektik  ist  historischer
       Prozeß: als  Wirklichkeit und  als deren  theoretische Abbildung.
       Die Kategorien der Dialektik reflektieren ihre eigene Genesis und
       den Prozeß  ihres Fortschritts  in der immer exakteren Erkenntnis
       der  objektiven   Realität.  Im   System  dieser  Kategorien  und
       Gesetzesaussagen liegt  die historische  Funktion der Philosophie
       für die  Wissenschaftstheorie. Lenin  forderte,  die  konsequente
       Verarbeitung des  Hegelschen Werks  müsse "in  der   d i a l e k-
       t i s c h e n     Bearbeitung  der  Geschichte  des  menschlichen
       Denkens, der  Wissenschaft und  der Technik  bestehen"  94),  Die
       dialektische Wendung  liegt  nicht  in  einer  innertheoretischen
       Umkehrung der  Vorzeichen 'Idealismus/Materialismus',  sondern in
       der theoretischen  Praxis und  in der  materiellen Aktion des aus
       dem Kapitalwiderspruch entstandenen Klassensubjekts der Negation.
       Es  ist  keine  Überschätzung  der  Rolle  der  Theorie  für  die
       Arbeiterbewegung, wenn  Lenin die  Dialektik aus  der "Geschichte
       der Philosophie"  und der  "einzelnen Wissenschaften"  aufzubauen
       für notwendig  hielt 95). Mit ändern Worten:  d i e  D i a l e k-
       t i k   w i r d   z u m   P a r a d i g m a   d e r  W i s s e n-
       s c h a f t,  z u  d e r e n  G e g e n s t a n d s b e r e i c h
       u n d   z u   d e r e n  E r k e n n t n i s m e t h o d e  u n d
       z u m   G a r a n t e n   d e r   O b j e k t i v i t ä t  w i s-
       s e n s c h a f t l i c h e r  E r k e n n t n i s.
       
       4.2. Über die 'logische Basis des Kommunismus'
       ----------------------------------------------
       
       Die Entwicklung  der Wissenschaft zur Produktivkraft und die Wir-
       kungen der  wissenschaftlich-technischen Revolution  stellen  we-
       sentliche Voraussetzungen  des Übergangs zum Sozialismus dar. Sie
       sind Bedingungen  der Möglichkeit des Sozialismus und Bedingungen
       der Notwendigkeit  des Sozialismus.  Dabei - dies möchte ich her-
       vorheben - bestehen diese Bedingungen nicht allein in der Produk-
       tivkraftfunktion der  Wissenschaft, soweit  diese auf  den Prozeß
       der materiellen Produktion und Reproduktion bezogen sind. Die hi-
       storische Entwicklung  der Basis  des Sozialismus und Kommunismus
       schließt  die   Entwicklung  dessen  ein,  was  Marx  und  Engels
       'logische Basis'  nennen. Lenin hat dieses Logische als die Summe
       milliardenfacher menschlicher  Praxis bezeichnet und gezeigt, daß
       diese Summe in Form logischer Kalküle in jede weitere Praxis ein-
       geht 96).  Insofern stellt die Logik nicht etwa eine spekulative,
       sondern eine tatsächliche Basis des Fortschritts dar, indem sie -
       in Form  von Kategorien,  Axiomen und Kalkülen - das Grundelement
       der 'Allgemeinheit'  wissenschaftlicher Arbeit darstellt. Die lo-
       gische läßt  sich von der materiellen Basis der Entwicklung eben-
       sowenig trennen  wie die geistige und die materielle Arbeit nicht
       voneinander isoliert gesehen werden können.
       Marx und Engels haben in der 'Heiligen Familie' im Abschnitt über
       die "Kritische  Schlacht gegen  den französischen  Materialismus"
       eine der  bedeutendsten theoretischen  Analysen zur  historischen
       Funktion von  Ideen und  Theorien niedergelegt.  Sie kennzeichnen
       die Verlaufslinien  des englischen und des französischen Materia-
       lismus bis  zu deren Vereinigung: der englische "mündet direkt in
       den   S o z i a l i s m u s",  der französische verwirklicht sich
       in der  "N a t u r w i s s e n s c h a f t".  Nach einer typisie-
       renden Charakterisierung  der unterschiedlichen  Systeme  bringen
       Marx und  Engels den  Fortschritt in  der Theorie auf den Nenner:
       "Es bedarf  keines großen Scharfsinnes, um aus den Lehren des Ma-
       terialismus von  der ursprünglichen Güte und gleichen intelligen-
       ten Begabung  der Menschen,  der Allmacht  der Erfahrung, Gewohn-
       heit, Erziehung,  dem Einflüsse  der äußern Umstände auf den Men-
       schen, der  hohen Bedeutung  der Industrie,  der Berechtigung des
       Genusses etc. seinen notwendigen Zusammenhang mit dem Kommunismus
       und Sozialismus  einzusehen. Wenn  der Mensch  aus der Sinnenwelt
       und der  Erfahrung in  der Sinnenwelt  alle Kenntnis,  Empfindung
       etc. sich bildet, so kommt es also darauf an, die empirische Welt
       so einzurichten,  daß er das wahrhaft Menschliche in ihr erfährt,
       sich angewöhnt, daß er sich als Mensch erfährt. Wenn das wohlver-
       standene Interesse  das Prinzip aller Moral ist, so kommt es dar-
       auf an, daß das Privatinteresse des Menschen mit dem menschlichen
       Interesse zusammenfällt".  Der theoretische Fortschritt hat mate-
       rielle Wurzeln  und führt  zur praktischen  Konsequenz: "Wenn der
       Mensch von  den Umständen  gebildet wird, so muß man die Umstände
       menschlich bilden".
       Den Beitrag  der Theorie zu der Veränderung der Verhältnisse mes-
       sen Marx  und Engels  in ihrer Kritik an der flachen Popularisie-
       rung des  Materialismus und  des Kommunismus  durch Gäbet an eben
       dem Kriterium,  welches zum  Kriterium des wissenschaftlichen So-
       zialismus wird: der Wissenschaftlichkeit. "Die wissenschaftliche-
       ren französischen Kommunisten ... entwickeln, wie Owen, die Lehre
       des   M a t e r i a l i s m u s   als die  Lehre des  r e a l e n
       H u m a n i s m u s   und als  die   l o g i s c h e   Basis  des
       K o m m u n i s m u s"   97). Materialismus und Wissenschaftlich-
       keit verbinden  sich zur  Voraussetzung des Sozialismus, zum Erbe
       der Arbeiterbewegung.  In der  Form des Materialismus der Dialek-
       tik, des  praktischen, revolutionären Materialismus, entsteht ein
       n e u e s   P a r a d i g m a  des menschlichen Erkenntnisprozes-
       ses, des  Wissenschaftsfortschritts. Dieses  Paradigma gilt nicht
       aufgrund von  Konsens in scientific communities 98), sondern auf-
       grund der  Interessen und Bedürfnisse der Arbeiterklasse in ihrem
       Widerspruch gegen  die Ausbeutung.  Der Materialismus der Wissen-
       schaftstheorie im  Kapitalismus trägt zur Verbreiterung der logi-
       schen Basis  des Sozialismus  bei, indem  er die antagonistischen
       Bedingungen, Strukturen,  Funktionen und Anwendungsformen wissen-
       schaftlicher Tätigkeit  in der bürgerlichen Gesellschaft erklärt,
       die Entwicklung materialistischer Perspektiven der Wissenschaften
       fördert, die  kurzschlüssige Gleichung  von Kapitalismus und Wis-
       senschaft als  Instrument der  Desorientierung der demokratischen
       Bewegung kritisiert und begründet, worin die Notwendigkeit, nicht
       nur die Möglichkeit und das bloße Postulat, einer Wissenschaft im
       Dienst der  werktätigen Bevölkerung  gründet. "Die intellektuelle
       Entwicklung der  Arbeiterklasse wird  zum  zentralen  Faktor  des
       Fortschritts von  Wissenschaft, Technik  und Ökonomie" 99). Diese
       Entwicklung findet  nicht erst in einem Utopis-Sozialismus statt,
       sondern bereits  heute im  Kapitalismus. Diese  Entwicklung zeigt
       sich auch  in  jenem  nichtkapitalistischen  Sektor  der  Wissen-
       schaftsentwicklung im Kapitalismus, den aus der materialistischen
       Analyse auszublenden  dem Schein der Allmacht des Kapitals aufzu-
       sitzen hieße.
       
       _____
       1) Zur Kritik  derartiger Theoreme vgl. Brand/Kotzias/Sandkühler/
       Schindler/Schumacher/van Haren/Wilmes,  Der  autonome  Intellekt.
       Alfred Sohn-Rethels  'kritische' Liquidierung  der  materialisti-
       schen Dialektik  und Erkenntnistheorie.  Frankfurt/M. 1976 (= Zur
       Kritik der bürgerlichen Ideologie hg. v.M. Buhr, Nr. 66).
       2) A. Sohn-Rethel,  Materialistische Erkenntniskritik  und Verge-
       sellschaftung der Arbeit. Zwei Aufsätze. Bln (West) 1971, S. 42.
       3) Den umfassendsten Entwurf hat in der BRD R. Rilling vorgelegt:
       Theorie und  Soziologie der  Wissenschaft. Zur Entwicklung in BRD
       und DDR. Vgl. Bibliographie, S. 279-291.
       4) Vgl. vor allem: G. Kröber/H. Laitko (Hg.), Wissenschaft. Stel-
       lung, Funktion  und Organisation  in der entwickelten sozialisti-
       schen Gesellschaft. Berlin 1975. Vgl. H.J. Sandkühler (Hg.), Mar-
       xistische Wissenschaftstheorie.  Studien zur  Einführung in ihren
       Forschungsbereich. Frankfurt/M. 1975 (Bibliographie: S. 271-276).
       5) K. Marx,  Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Ber-
       lin 1953, S. 14.
       6) Ebenda, S. 10.
       7) W.I. Lenin, Werke (LW), Bd. 38, S. 160.
       8) G. Kröber/H.  Laitko, Wissenschaft  als soziale  Kraft. Berlin
       1976, S. 86.
       9) H. May/R.  Nemitz, Kann  der Kapitalismus  die Produktivkräfte
       noch weiterentwickeln?  In: Marxistische Blätter 14 (1976), H. 3,
       S. 108.
       10) Vgl. Der  Bundesminister für  Bildung und Wissenschaft (Hg.),
       Arbeiterkinder im Bildungssystem. Bonn 1976, S. 11 ff.
       11) Vgl. F. Rische, Entwicklung der Massenarbeitslosigkeit in der
       Wirtschaftskrise. In:  Marxistische Blätter  14 (1976),  H. 3, S.
       28.
       12) Die Bundesregierung  informiert: Arbeitsbericht  '74. Hg.  v.
       Presse- und  Informationsamt der  Bundesregierung. Bonn  1974, S.
       82.
       13) Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hg.), Bonner
       Almanach 1975, S. 45.
       14) Der Bundesminister  für Forschung und Technologie (Hg.), Bun-
       desbericht Forschung  V. Bonn  1975 (im  folgenden im Text als BF
       mit Seitenangabe zitiert) S  13
       15) MEW 20, S. 138.
       16) Vgl. P.  Chaussepied,  Probleme  der  wissenschaftlichen  und
       technischen Entwicklung in Westeuropa. In: Wissenschaftliche Welt
       (London/Organ der  Weltföderation der Wissenschaftler), Jg. 1973,
       H. 3/4, S. 19 ff.
       17) Aus: Erziehung und Wissenschaft (GEW), Nr. 11/1975, S. 13.
       18) Deutscher  Bundestag.   7.  Wahlperiode.  Drucksache  7/4767,
       19.2.1976.
       19) Der Bundesminister  für Bildung  und Wissenschaft (Hg.), Bil-
       dungspolitische Bestandsaufnahme. Bonn 1975, S. 22.
       20) V.V. Bykov,  Der konkret-historische Charakter der Verbindung
       der Wissenschaft mit der Produktion. In: Wissenschaft als Produk-
       tivkraft. Der  Prozeß der Umwandlung der Wissenschaft in eine un-
       mittelbare Produktivkraft. Bln (DDR) 1974, S. 106.
       21) Vgl. dazu  die umfassende  Studie von  P.M. Kaiser,  Aktuelle
       Tendenzen in  der Wissenschaftspolitik  am Beispiel der Deutschen
       Forschungsgemeinschaft. In:  SOPO 8.  Jg., H.  34/35 1976, S. 95-
       117.
       22) H. Seickert,  Der gesellschaftliche Arbeitsprozeß - Grundlage
       der  wissenschaftstheoretischen  Systembetrachtung.  In:  Wissen-
       schaft und  Forschung im Sozialismus. Probleme ihrer Entwicklung,
       Gestaltung und  Analyse. Materialien des RGW-Symposiums zu Fragen
       der  marxistisch-leninistischen  Wissenschaftstheorie,  September
       1972 in  Berlin. Hg.v.G.  Kröber/H. Laitko/H.  Steiner. Bln (DDR)
       1974, S. 312.
       23) MEW 20, S. 508.
       24) MEW 3, S. 45.
       25) J. Hirsch,  Ökonomische Verwertungsinteressen und Lenkung der
       Forschung. In:  P. Weingart (Hg.), Wissenschaftsforschung. Frank-
       furt/New York 1975, S. 211.
       26) K. Marx, Grundrisse ..., a.a.O., S. 313/314.
       27) MEW 26/3.S. 436.
       28) MEW 23, S. 446.
       29) MEW 26/1. S. 367.
       30) MEW 26/1, S. 367/368.
       31) K. Marx, Grundrisse..., a.a.O., S. 586.
       32) Ebenda, S. 584.
       33) MEW 26/1, S. 367.
       34) MEW 26/1,  S. 146.  Marx kritisiert hier die Verteidigung des
       parasitären, aus  dem Feudalismus  überkommenen Teils  an Beamten
       etc. durch die Vulgarisatoren der politischen Ökonomie.
       35) MEW 25, S. 825.
       36) LW 38, S. 84/85.
       37) MEW 25, S. 113/114 (Hervorhebung: H.J.S.).
       38) Ebenda.
       39) MEW 3,  S. 31/32.  Auf diese  bisher übersehene Bedeutung der
       Textstelle in  der 'Deutschen  Ideologie' hat zuerst Manfred Buhr
       hingewiesen, dem  ich meine Interpretation verdanke: M. Buhr, Die
       Kraft der  materialistischen Dialektik.  In: Hegel-Jahrbuch 1974.
       Köln 1975, S. 37/38.
       40) MEW 26/2, S. 103/104.
       41) LW 38, S. 203.
       42) K. Marx, Grundrisse ..., a.a.O., S. 439.
       43) G. Kröber, Die Wissenschaft und ihre Erforschung im Sozialis-
       mus: Prozesse,  Probleme, Prinzipien.  In: Autorenkollektiv, Wis-
       senschaft im  Sozialismus. Probleme und Untersuchungen. Bln (DDR)
       1973, S. 26/27.
       44) B.M. Kedrov,  Drei Entwicklungsgesetze  der Wissenschaft. In:
       Wissenschaft und Forschung im Sozialismus..., a.a.O., S. 33.
       45) A. Leisewitz, Die Auswirkungen der Verwissenschaftlichung der
       Produktion auf die Monopolbildung und auf das Verhältnis von Öko-
       nomie und  Politik, am Beispiel der chemischen Industrie. In: Das
       Argument 14 (1972), H. 5/6, S. 444.
       46) MEW 26/1, S. 257.
       47) R. Rilling,  Theorie und Soziologie der Wissenschaft, a.a.O.,
       S. 11.
       48) Vgl. zu  dieser Diskussion  H. Parthey, Wissenschaft als Form
       des gesellschaftlichen  Bewußtseins und ihre Funktion als Produk-
       tivkraft. In:  Wiss. Zschr.  d. Universität  Rostock.  Ges.-  und
       sprachwiss. Reihe 14 (1965), H. 5/6, S. 557-560.
       49) Zit. nach: H. Fetzer, Zum Erkenntnisstand von Gesetzmäßigkei-
       ten der  Wissenschaftsentwicklung im  Sozialismus (Auswertung so-
       wjetischer Literatur).  H. 6  der Studien  und Forschungsberichte
       der Akademie  d. Wiss.  d. DDR, Institut für Wissenschaftstheorie
       und -organisation. Bln (DDR) 1975, S. 37.
       Zur  Diskussion   über  'Produktivkraft  Wissenschaft'  vgl.:  H.
       Seickert, Produktivkraft  Wissenschaft im  Sozialismus.  Bln(DDR)
       1974, S. 161 ff.
       H. Seickert,  Die Wissenschaft  als Produktivkraft und ihre Stel-
       lung im  gesellschaftlichen  Reproduktionsprozeß.  In:  G.M.  Do-
       brov/D. Wahl  (Hg.), Leitung  der Forschung.  Probleme und Ergeb-
       nisse. Bln  (DDR) 1976,  S. 89-113.  G.N. Wolkow,  Soziologie der
       Wissenschaft. Bln  (DDR) 1970, S. 215. S.V. Suchardin (Hg.), Wis-
       senschaft als  Produktivkraft. Der Prozeß der Umwandlung der Wis-
       senschaft in  eine unmittelbare Produktivkraft. Bln(DDR) 1974. G.
       Bohring/R. Mocek, Arbeiterklasse und Produktivkraft Wissenschaft.
       In: Dt. Zschr. f. Philosophie 20 (1972), S. 697-717.
       50) Zit. nach: H. Fetzer, a.a.O., S. 37.
       51) G. Kröber/H.  Laitko, Wissenschaft im Sozialismus, a.a.O., S.
       25.
       52) Ebenda.
       53) MEW 4, S. 181. Vgl. Lenin: "Die erste Produktivkraft der gan-
       zen Menschheit ist der Arbeiter, der Werktätige". LW 29, S. 352.
       53a) G.N. Wolkow, Soziologie der Wissenschaft. Bln (DDR) 1970, S.
       21.
       54) V.G. Macharov,  Wissenschaft als  Faktor zur  Regulierung und
       Steuerung der  Produktion. In:  Wissenschaft als  Produktivkraft.
       Der Prozeß  der Umwandlung  der Wissenschaft in eine unmittelbare
       Produktivkraft. Bln (DDR) 1974, S. 132/133.
       Vgl. auch: W. Eichhorn I/A. Bauer/G. Koch, Die Dialektik von Pro-
       duktivkräften und  Produktionsverhältnissen. Bln  (DDR) 1975,  S.
       134/135.
       55) H. Seickert,  Die Wissenschaft  als Produktivkraft  und  ihre
       Stellung im  gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß,  a.a.O.,  S.
       105.
       56) H.  Seickert,  Produktivkraft  Wissenschaft  im  Sozialismus,
       a.a.O. S 189/190
       57) Ebenda, S. 173.
       57a) G. Kröber,  Wissenschaft, Gesellschaft und wissenschaftlich-
       technische Revolution.  In: H.J.  Sandkühler (Hg.),  Marxistische
       Wissenschaftstheorie, a.a.O., S. 154.
       58) Vgl. S.  Smirnow, Die  wissenschaftlich-technische Revolution
       und die  materielle Produktion.  In: Sowjetwissenschaft.  Gesell-
       schaftswissenschaftliche Beiträge H 5/ 1975, S. 517-527.
       59) G. Kröber, a.a.O., S. 158.
       60) Ebenda, S. 154.
       61) J. Metzger, Für die Wissenschaft. Bln(DDR) 1976, S. 52/53.
       62) J. Filipec/B.P. Löwe/R. Richta, Sozialismus - Imperialismus -
       wissenschaftlich-technische  Revolution.   Die  wissenschaftlich-
       technische Revolution  in der  Klassenauseinandersetzung zwischen
       Sozialismus und  Imperialismus. Frankfurt/M. 1974, S. 64/65. Vgl.
       insgesamt S. 50-71. Zur Auseinandersetzung mit bürgerlich-ideolo-
       gischen Gegenstrategien vgl. S. 97 ff.
       63) Institut f.  Gesellschaftswiss. b.  ZK d.  SED (Hg.), Wissen-
       schaft und  Produktion im Sozialismus. Zur organischen Verbindung
       der Errungenschaften  der wissenschaftlich-technischen Revolution
       mit den Vorzügen des Sozialismus, Bln (DDR) 1976, S. 66/ 67.
       64) J. Kuczynski,  Wissenschaft. Heute  und Morgen. Köln 1973, S.
       11.
       Zur Kritik  an Überschätzung  und Unterschätzung  der WTR vgl. G.
       Kröber, Sozialistische  Integration und  wissenschaftlich-techni-
       scher Fortschritt. In: Wissenschaft und Forschung im Sozialismus,
       a.a.O., S. 87 ff.
       65) D. Klein,  Die Grenzen  des Kapitalismus in der wissenschaft-
       lich-technischen Revolution.  In: Einheit  30  (1975),  H  1,  S.
       94/95.
       66) U. Jaeggi, Kapital und Arbeit in der Bundesrepublik. Elemente
       einer gesamtgesellschaftlichen Analyse. Frankfurt/M. 1974, S. 276
       ff.
       67) Redaktioneller Artikel, Aktuelle Probleme des wissenschaftli-
       chen Kommunismus. In: Sowjetwissenschaft H. 7/1976, S. 682/683.
       68) J. Metzger, Für die Wissenschaft, a.a.O., S. 30.
       69) F. Tomberg,  Bürgerliche Wissenschaft.  Frankfurt/M. 1973, S.
       150.
       70) MEW 19, S. 201.
       71) F. Lassalle, Die Wissenschaft und die Arbeiter. Neue Ausg. m.
       einer Vorbemerkung V.E. Bernstein. Berlin 1919, S. 30.
       72) Josef Dietzgens  kleinere philosophische Schriften. Eine Aus-
       wahl. Stuttgart 1903. S. 2.
       73) MEW 19, S. 228.
       74) G. Böhme,  Die soziale  Bedeutung kognitiver  Strukturen. Ein
       handlungstheoretisches Konzept  der scientific community. In: So-
       ziale Welt 25 (1974), S. 194.
       75) Vgl. G.  Radnitzky, Das  Programm der systemorientierten For-
       schungstheorie. In:  P. Weingart  (Hg.).  Wissenschaftsforschung,
       a.a.O., S. 14 ff.
       76) H. Spinner,  Pluralismus als  Erkenntnismodell.  Frankfurt/M.
       1974, S. 177.
       77) Vgl. H.  Marcuse, Der  eindimensionale  Mensch.  Studien  zur
       Ideologie der  fortgeschrittenen Industriegesellschaft.  Neuwied-
       Berlin 1967, S. 159 ff.
       78) H. Schmidt,  Hochschule und  Gesellschaft. In:  Dt. Universi-
       tätszeitung Nr. 21/1975, S. 790.
       79) P.K. Feyerabend, Die Wissenschaft in der freien Gesellschaft.
       In: W.  Zimmerli (Hg.),  Wissenschaftskrise und Wissenschaftskri-
       tik. Basel-Stuttgart 1974, S. 107.
       80) H. Kimmerle, Paradigmawechsel zwischen Natur- und Geisteswis-
       senschaften. In: W. Zimmerli, a.a.O., S. 51.
       81) G. Kröber/H.  Laitko, Wissenschaft im Sozialismus, a.a.O., S.
       61.
       82) G. Kröber/H. Laitko (Hg.), Wissenschaft, a.a.O., S. 168.
       83) MEW 23, S. 531.
       84) N.V. Markov, Die Rolle der Wissenschaft im System der Produk-
       tivkräfte der  sozialistischen Gesellschaft. In: Wissenschaft als
       Produktivkraft, a.a.O., S. 76.
       85) Vgl. zu  diesem Problem:  H.J. Sandkühler,  Materialismus und
       Idealismus. Zur  Dialektik der  Theorieentwicklung in der klassi-
       schen bürgerlichen deutschen Philosophie. In: M. Buhr u.a., Theo-
       retische Quellen des wissenschaftlichen Sozialismus. Frankfurt/M.
       1975, S. 162.
       86) K.-D. Wüstneck,  Die Systemanalyse  des Arbeitsprozesses  als
       ein Ausgangspunkt  für die  Systemanalyse der  wissenschaftlichen
       Tätigkeit. In: Wissenschaft und Forschung im Sozialismus, a.a.O.,
       S. 290, 306, 298.
       87) P. Rüben,  Wissenschaft als  allgemeine Arbeit.  In:  SOPO  8
       (1976), H. 36, S. 23-29.
       88) Zit. nach G.M. Dobrov, Wissenschaftsorganisation und Effekti-
       vität. Bln (DDR) 1971 S. 4.
       89) LW 20, S. 188.
       90) Vgl. G. Kröber/H. Laitko (Hg.), Wissenschaft, a.a.O., S. 176.
       91) Vgl. K. Holzkamp, Sinnliche Erkenntnis. Historischer Ursprung
       und  gesellschaftliche  Funktion  der  Wahrnehmung.  Frankfurt/M.
       1973, S. 239 ff.
       92) MEW 20, S. 129.
       93) H. Laitko,  Wissenschaftsforschung  und  Philosophie  (Bemer-
       kungen  zum  Stand  des  Problems).  In:  G.  Kröber/H.  Steiner,
       Wissenschaft und Gesellschaft. Studien und Forschungsberichte der
       Akademie d.  Wiss. d.  DDR. Institut  f. Wissenschaftstheorie und
       -organisation. H. 4/1974, S. 57, 55.
       94) Vgl. F. Fiedler, 'Einheitswissenschaft' oder Einheit der Wis-
       senschaft. Bln (DDR) 1971, S. 35 ff.
       94) LW 38, S. 137.
       95) LW 38, S. 335.
       96) LW 38, S. 181.
       97) MEW 2,  S. 132-139.  Lenin kommentiert in seinem Konspekt zur
       'Heiligen Familie':  "Nichts ist leichter, als aus den Vorausset-
       zungen des  Materialismus den  Sozialismus zu folgern", LW 38, S.
       30.
       98) Vgl. Th.  S. Kuhn, Postskript - 1969 zur Analyse der Struktur
       wissenschaftlicher Revolutionen.  In: P.  Weingart (Hg.), Wissen-
       schaftssoziologie 1.  Wissenschaftliche Entwicklung  als sozialer
       Prozeß. Frankfurt/M.  1972, S.  288: "Ein  Paradigma ist, was den
       Mitgliedern einer wissenschaftlichen Gemeinschaft gemein ist".
       Ich verwende  den Begriff 'Paradigma' hiervon abweichend im Sinne
       der Formulierung  von H.  Laitko: "Die  Paradigmenschicht ist ...
       jener Bereich,  über den  philosophisch-weltanschauliche Einstel-
       lungen und darüber hinaus das ganze 'geistige Klima' der jeweili-
       gen Gesellschaft  auf die wissenschaftliche Tätigkeit wirken". H.
       Laitko, Zyklische  Prozesse in  der Wissenschaft. In: Autorenkol-
       lektiv, Wissenschaft im Sozialismus. Probleme und Untersuchungen.
       Bln(DDR) 1973, S. 162.
       99) G.N. Wolkow, Soziologie der Wissenschaft. Bln (DDR) 1970.
       

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